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    Faltkayak Trak Seeker S16 aus Kanada

    #1
    Trak Seeker S16 Test
    Das Faltkajak habe ich mir vor einem Jahr gekauft, es inzwischen ausgiebig benutzt und bin sehr zufrieden damit.
    Hier einmal die Zahlen und Fakten zu dem Kayak:
    Länge: 4,88 cm
    Breite: 57 cm
    Gewicht Kayak: 21,8 kg (nicht nachgemessen)
    Zuladung: 136 kg (schon mal ausgereizt!)
    Aufbauzeit: 10 min (jawohl, das kriegt man hin!)

    Vorher bin ich PE-Festrumpf-Kajaks gefahren, aber auch Pouch und Klepper 2er. Zuletzt hatte ich ein Feathercraft Kahuna gehabt, dass ich aber verkauft und ein paar Jahre familienbedingt Outdoorpause gemacht habe. Ich wollte ein Faltkajak haben, das einerseits einfach aufzubauen ist und andererseits schnell und schnittig ist und mich als Fahrer fordert. Dabei sollte es auch für längere Gepäcktouren geeignet sein.


    Aufbau und Beladen
    Der Aufbau geht wirklich einmalig einfach. Auch das Feathercraft Kahuna kann da nicht mithalten. Da man nur 7 Teile hat, gibt es keine Fummelei. Das Geheimnis des schnellen Aufbaus liegt einerseits an den mit elastischen Kordel verbundenen Gerüstteilen, dem genialen Sitz, der auch bei Minusgraden den Hintern warm hält und aus Hartplastik ist und an den drei hydraulischen Pumpen, mit denen man dann die Haut auf Spannung bringt. Oft fahre ich mit dem Boot auch am WE für zwei Stunden an den Fluss und benutze es als Sportgerät. Trocknen muss man es hinterher allerdings auch. Auch bei kleineren Touren ist es gut, dass man nur eine halbe Stunde braucht, um das Kajak bepackt und losfahrbereit zu haben. Das setzt natürlich voraus, dass man weiß, was man wohin packen muss.

    Für den Auftrieb muss man den mit den Spitzbeuteln und anderen Packsäcken sorgen, wodurch das lästige Aufblasen von Luftschläuchen entfällt. Habe schon oft Kenterübungen mit dem Kajak gemacht und die Funktion der Auftriebskörper getestet. Die Benutzung der Seesocke ist trotzdem Pflicht, da das Boot zwar dank der Spitzbeutel nicht untergeht, aber sie nicht mehr besonders gut manövrieren lässt. Wasser im Boot erhöht nicht die Stabilität

    Trak macht einem das Packen einfach, da zwei riesige Spitzbeutel mitgeliefert werden, die zum einem für den Auftrieb zuständig sind, zum anderen aber sehr viel Ausrüstung wasserdicht verpacken können. Die Spitzbeutel schiebt man dann einfach in den Rumpf und fertig. Vor allen Dingen für die Beladung des Bugs ist es sehr gut, da man keine Ladeluke hat. Der Vorteil am Spitzbeutel ist auch, dass man beim Entladen nur einen großen Beutel zum Camp tragen muss.

    Die Haut des hinteren Oberdecks lässt sich sehr weit mit einer Art Reißverschluß öffnen, der wohl aus dem Segelsport kommt. Hier hilft Übung (und genaues Befolgen der Anleitung), aber funktioniert es einwandfrei. So kann man das Heck bis hinter die letzte Spante beladen, wenn man nicht den zweiten Spitzbeutel nehmen will. Insgesamt kriegt man eine Menge in dem Boot verstaut. Da keine Luftschläuche verbaut sind, hat man mehr Volumen als bei anderen Faltbooten der gleichen Länge x Breite. Durch das geöffnete Hinterdeck und den recht hohen mittleren Spant kriegt man sperrige Sache sehr leicht verladen – besser als in den meisten Festrumpfbooten, aber natürlich nicht so gut wie bei einem Klepper, Lagoda etc.

    Ob 136 kg Zuladung viel oder wenig sind, hängt natürlich davon ab, wie viel die Person wiegt, die damit fährt. Für mich (94 kg) ist es nicht die Welt und für längere Expeditionen müsste ich ein anderes Boot nehmen. Allerdings stimmen die 136 kg auch, da ich im Winter schon einige Touren mit schwerem Gepäck unternommen habe und Sachen für eine Woche dabei hatte. Das Kajak fährt sich auch voll beladen noch super. Die Spritzdecke mit Kamin ist allerdings Pflicht, da man dem Wasser dann beim Ankanten sehr nahe kommt. Man sich halt etwas beschränken können. Der Feathercraft Heron wäre mein Boot der Wahl für mehrwöchige Expeditionen mit Wasserbedarf, aber er ist a) teuer und b) dauert es lange, bis man ihn aufgebaut hat.

    Ausstattung
    Der Trak Seeker S16 ist als vollwertiges Seekajak ausgestattet. D. h., man hat alle notwendigen Sicherheitsleinen an Bord und mit den Spitzbeutel als Auftriebskörper und der Seesocke kann man getrost in hohe See stechen. Mit dem Kajak wird ein Golfsack auf Rädern mitgeliefert, wenn jemand das ganze Boot transportieren kann. Dieser ist allerdings recht schwer und man kann ihn nur in dem Boot verstauen, wenn man die Seitenwände rausschneidet. Die Seitenwände sind allerdings nicht nötig, da die Gerüstteile dem Golfsack genug Stabilität verschaffen. Mitgeliefert werden ebenso zwei Spitzbeutel und einer Spritzdecke. Die Seesocke muss man sich leider extra dazukaufen, was leider noch mal ins Geld geht. Ohne Seesocke sollte man das Boot allerdings nicht auf größeren Gewässern benutzen.

    Über eine Ruder oder ein Skeg verfügt das Boot nicht. Trimmen lässt sich das Kajak allerdings mit den Hydraulikpumpen. Mit den beiden Hydraulikpumpen am linken und rechten Dollbord lässt sich das Kajak lateral trimmen, um zum Beispiel Windeinfluss auszugleichen oder die gerade Ausfahrt zu verbessern. Mit der Hydraulikpumpe am Kielrohr lässt sich der Kielsprung einstellen. Je nachdem, was man gerade vorhat, kann man das Kajak entweder agil und wendig oder schnell und geradeaus laufend trimmen. Die mitgelieferte Spritzdecke hat einen verschließbaren Eingriff, der das Trimmen möglich macht, ohne die Spritzdecke zu öffnen. Man braucht etwas Übung, dann klappt es aber. Besser ist jedoch, sich über den Kielsprungbedarf Gedanken zu machen, bevor man in die Wellen fährt, da man dann genug zu tun hat.


    Platz im Kajak
    Bin 1,87 m groß und habe recht lange Beine. Nach hinten sind noch 5 Raster frei. Im Winter habe ich Neo-Mukluks Größe 45 an und komme noch gut rein. Bei größeren Füßen und wesentlich längeren Beinen kann es schwierig werden. Das Cockpit empfinde ich als sehr angenehm und man kann gut die Schenkel am Süllrand abstützen. Die Schenkelstützen sind gepolstert und lassen sich am Süllrand dem eigenen Bedarf anpassen. Man geht aber mit den Beinen zuerst ins Boot und nicht mit dem Hintern. Wer in Berlin ist, kann sich gerne bei mir melden und das Kajak mal an- und ausprobieren…

    Fahrerlebnis
    Während ich den Geradeauslauf meistens mit meinem Grönlandpaddel ausgleichen, hat sich der zu verändernde Kielsprung schon oft bewährt. Im Sommer war ich zum Beispiel oft auf der Berliner Havel unterwegs, wo man andauernd in die Wellen großer und schneller Motorboote gerät und hatte mit großem Kielsprung meinen Spaß. Ebenso ist es sehr praktisch, da man bei viel Wind und Wellen auf einen großen See fährt wie zum Beispiel der Müritz oder dem Woblitzsee, die schon recht tückische Wellen entwickeln können. Auf dem Meer war ich mit dem Kajak leider noch nicht, arbeite aber dran…
    Die Anfangsstabilität des Kajaks ist relativ gering. Daher kommt es einem gerade in den ersten paar Stunden etwas kipplig vor. Die Endstabilität ist dagegen hoch, sodass man nicht leicht umgibt. Allerdings nicht so hoch wie zum Beispiel bei einem Feathercraft mit den seitlichen Luftschläuchen. Trotzdem fühlt man sich nicht unsicher mit dem Kajak. Das Üben von Stützschlägen hilft…

    Man kann das Kajak sehr gut durch Ankanten steuern und vermisst ein Rudder, das mein Kahuna noch hatte, sehr schnell nicht mehr. Von der Tatsache abgesehen, dass ein Ruder die Fahrt bremst, steuert es sich viel eleganter mit dem Hintern oder durch Paddelschläge, wen größere Kurskorrekturen nötig sind. Wenn man viel Kielsprung reinhaut, wird das Trak sehr beweglich und kommt auch durch kleine Flüsse sehr einfach. Aber auch, wenn man es auch auf schnelle Geradeausfahrt getrimmt (keinen Kielsprung), geht es mit Ankanten gut in die Kurve. Man sollte vorher mal im sicheren Rahmen die Grenzen des Bootes ausgelotet haben.

    Das Kajak kann ich ohne Anstrengung auf 4 Knoten beschleunigen und die Geschwindigkeit auch über den Tag halten. Wenn ich schneller fahren will, muss ich mich anstrengen. Dies sagt nur begrenzt etwas über das Boot aus, aber bei 4,90 Länge und 57 cm Breite kommt es leicht durchs Wasser. Auf Binnenseen war ich schon fiesen Wellen ausgesetzt gewesen und hatte mich immer wohl gefühlt. Aber es in richtiger Brandung auszutesten, hatte ich noch nicht die Gelegenheit.
    Rollen soll man mit dem Boot auch können. Mein Rollentraining kommt aber erst in zwei Wochen. Selbst-Beibringen hat noch nicht geklappt. Bei Kenterübungen kommt schon ein bisschen Wasser ins Boot, vor allen Dingen, wenn die Seesocke abgeht. Lenzpumpe und Schwamm sollten daher dabei sein, wenn man auf große Fahrt geht.

    Packmaß und Gewicht


    Dies ist ein Aspekt, bei dem ich das Kahuna manchmal vermisse. Das Trak ist schwerer und lässt sich nicht einfach in einem 100l Wanderrucksack verstauen und schultern. Ich transportiere es entweder in der Golftasche (s. Bild oben) oder binde es mit anderem Gepäck auf meinen Eckla BeachRolley (geniales Teil, das mir als Transportkarre, Bootswagen, Campingstuhl und Zeltinnenstuhl dient. Verdient eigentlich einen eigenen Testbericht!). Für diesen habe ich mir dann noch ein Deichsel gebastelt, da das Gestänge mit seinen 1,30 m einem sonst immer in die Beine sticht. So bin ich allerdings sehr schnell und bequem unterwegs. Die Golftasche eignet sich gut für Tagesausflüge in Bahn und Bus und soll auch schon die Fluggesellschaften gefoppt haben, wenn man einen Golfschläger rausgucken lässt. Allerdings ist in der Golftasche nur noch Platz für Spritzdecke,
    Seesocke, Gröndlandpaddel und Kleinkram. Alles andere muss in einen Rucksack.
    Wie auf den Bildern oben zu sehen ist, kann man aber prima damit Bahn fahren und die Eigenschaften eines Faltbootes vollauskosten - keine Rundtouren und Unabhängigkeit von PKW und Fahrern.

    Stabilität und Verarbeitung
    Beides ist auf dem Niveau von Feathercraft. Alle Detail sind gut durchdacht und hochwertig verarbeitet. Die Bootshaut ist sehr dick und stabil. Dadurch hat das Kajak eher die Anmutung eines Festbootes als eines Kajaks. Auch das Gestänge ist sehr dick. Bis jetzt hat es alles mitgemacht, was ich dem Trak zugemutet habe und im Winter, wenn die Schleusen dicht sind und man immer umtragen muss, wird das Kajak nicht geschont.

    Ein bisschen Pflege braucht das Kajak allerdings. Die Haut will trocken gelagert werden. Der „Reißverschluss“ des Hinterdecks will ab und zu geölt werden ebenso wie die Hydraulikpumpen sich über Öl freuen. Alles in allem hält sich der Aufwand aber in Grenzen. Ein Festboot ist zweifelsfrei pflegeleichter, aber kann man es falten

    Preis und Beschaffung
    Ich habe es in England bei Chris Reed von Chillcheater gekauft und im Zuge einer Aktion auch eine von deren exzellenten Paddelsuit dazubekommen. Rabatt gab es auch noch. Ansonsten gibt es in Deutschland nur den Vertrieb über Outrade, wo das Trak aber recht teuer ist und über dem Nortik Navigator platziert wird. Man kann es auch direkt über Trak aus Kanada beziehen. Sehr netter Service dort! Ersatzteile werden in GB vorgehalten, von wo ich eine extra Hydraulikpumpe bezog.

    Billig ist das Boot nicht, aber man bekommt 5 Jahre Garantie und sehr gute Qualität geliefert. Wenn man sich anschaut, wieviel Mühe der Aufbau anderer Boote macht, hält man das Geld für gut investiert.

    Fazit
    + Schneller Aufbau
    + Leichtes Beladen
    + Tolles Fahrerlebnis
    + Anpassungsfähig durch veränderbaren Kielsprung
    + Bester Faltbootsitz überhaupt

    - Recht teuer
    - Mit 1,30m großes Packmaß
    - Recht schwer (dadurch aber robust)

    ====
    Habe viel Spaß mit dem Kajak und würde es mir jederzeit wieder kaufen.
    Geändert von Katsche (04.11.2016 um 10:17 Uhr)

  2. Alter Hase

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    AW: Faltkayak Trak Seeker S16 aus Kanada

    #2
    Danke. Hast Dir viel Mühe gegeben.. Und es liest sich wie eine Reportage. Nice.

  3. Dauerbesucher

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    AW: Faltkayak Trak Seeker S16 aus Kanada

    #3
    Das war Prokrastination. Eigentlich hätte ich einen anderen Text schreiben müssen, bin dann aber bei meinem Hobby hängengeblieben...

  4. Neu im Forum

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    AW: Faltkayak Trak Seeker S16 aus Kanada

    #4
    Danke für den sehr schönen und informativen Bericht. Ich habe gerade über Kickstarter das Trak 2.0 geordert und bin schon ordentlich gespannt, wann es kommt (angegeben ist Februar 2018) und wie es sich fährt.

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