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  1. Erfahren

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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Mitreisende: Robtrek
    Zitat Zitat von mitreisender Beitrag anzeigen
    machst Du diese Reisen aus Abenteuerlust und/oder wird das zu einer Reise ins Innere? Oft entdeckt man ja durchs Reisen auch sich selbst.
    "Rundum Taiga und Braunbären... Ein Schluck Freiheit, wie ein Glas Wein" (das ist aus einem russischen Rocksong).
    Ich glaube ja, Abenteuerlust. Ich bin gerne in der Welt unterwegs und für mich ist Trekking in Patagonien oder den USA, China, Tadschikistan etc. auch phantastisch und unvergesslich. Aber zwischendurch zieht es mich immer wieder nach Sibirien: keine Lonely Planet guidebooks, keine Ranger, keine Vorschriften, man ist für sein Überleben ganz allein verantwortlich, ohne Sicherheitsnetz und doppelten Boden. In dieser riesigen Wildnis bin ich nur ein winziger unbedeutender Eindringling. Um heile zurückzukommen, darf ich keine Fehler machen und darf nicht die Nerven verlieren, auch wenn die Natur auf halber Strecke meinen kleinen, dummen Reiseplan mal wieder völlig über den Haufen geworfen hat. Ein Stück Selbsterfahrung ist also auch mit dabei. Dem einen mag sowas gefallen, dem anderen nicht, aber eins ist sicher: von so einer Reise kommt man nicht unverändert zurück.

  2. Erfahren

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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von Wanderzwerg Beitrag anzeigen
    wahrscheinlich waren mehr Menschen auf dem Mount Everest oder am Südpol als in dieser Landschaft
    Der Gedanke war mir noch gar nicht gekommen, aber das ist wahrscheinlich tatsächlich der Fall. Der letzte Bericht im russischen Internet von diesem Canyon ist 16 Jahre alt, außerdem habe ich noch 3 Berichte aus den 80er Jahren gefunden. Auch Jäger oder Geologen scheinen hier nie vorbeizukommen. 50 km weiter westlich sieht es schon etwas anders aus, da ist der höchste bekannte Wasserfall Russlands (108 m). Alle paar Jahre mal lässt sich dort ein Fotograf per Helikopter absetzen. Das ganze Gebiet ist übrigens auch ein UNESCO-Weltnaturerbe, vielleicht hilft das ja, die Natur langfristig zu schützen.

  3. Erfahren

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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von Wanderzwerg Beitrag anzeigen
    ...bin ich erstmals wirklich traurig das dieses Erlebnis aufgrund meiner Fähigkeiten, leidensbereitschaft und beruflichen Situation weit außerhalb meiner Reichweite liegt.
    Weil das jetzt schon einige so oder ähnlich hier geschrieben haben: wer mal nach Sibirien reinschnuppern und Erfahrung sammeln möchte, für den gibt es als praktischen Ausweg immer noch die Möglichkeit, eine 1-3wöchige Tour zu buchen. Solche Firmen findet man zuhauf im Internet, für alle möglichen Regionen. Das muss nicht so schlimm sein, wie es sich anhört. Wer sich z.B. für Yakutien interessiert, dem kann ich guten Gewissens einen Kontakt in Yakutsk vermitteln, wo ich die beiden Firmeninhaber persönlich kenne. Die begleiten ihre Gruppen selber, die Kunden sind hauptsächlich lokale Outdoorfans, und die Trekking- und Kanutouren sind z.T. wirklich interessant. Wildnis, aber nicht zu extrem. Ich weiß von zumindest einem aus Deutschland, der schon mit denen auf einfacher Flussfahrt unterwegs war. Wenn sich jemand für so etwas interessiert, dem kann ich per Privatnachricht gerne die entsprechende Website zukommen lassen.

  4. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Um die Kalorienmenge zu erhöhen: was ist mit Ghee, also Butterfett? Das soll man noch nicht mal kühlen. Ich mag den leicht ranzigen Geruch in kaltem Zustand nicht so, nehme es aber oft zum Braten (machen Millionen Inder auch und schwören drauf ).
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  5. Anfänger im Forum
    Avatar von Bufo
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
    Weil das jetzt schon einige so oder ähnlich hier geschrieben haben: wer mal nach Sibirien reinschnuppern und Erfahrung sammeln möchte, für den gibt es als praktischen Ausweg immer noch die Möglichkeit, eine 1-3wöchige Tour zu buchen. Solche Firmen findet man zuhauf im Internet, für alle möglichen Regionen. Das muss nicht so schlimm sein, wie es sich anhört. Wer sich z.B. für Yakutien interessiert, dem kann ich guten Gewissens einen Kontakt in Yakutsk vermitteln, wo ich die beiden Firmeninhaber persönlich kenne. Die begleiten ihre Gruppen selber, die Kunden sind hauptsächlich lokale Outdoorfans, und die Trekking- und Kanutouren sind z.T. wirklich interessant. Wildnis, aber nicht zu extrem. Ich weiß von zumindest einem aus Deutschland, der schon mit denen auf einfacher Flussfahrt unterwegs war. Wenn sich jemand für so etwas interessiert, dem kann ich per Privatnachricht gerne die entsprechende Website zukommen lassen.
    Eine weitere Möglichkeit nach Sibirien (aber auch andere Winkel der Erde) zu kommen, wäre im Rahmen einer wissenschaftlichen Expedition. Ich selbst war bisher viermal dort, im Gebiet zwischen der Steinigen Tunguska (Podkamennaya Tunguska) und dem Große Pit (Bolschoi Pit), sowohl östlich, als auch westlich des Jenissej. Das erste Mal, um Daten für meine Diplomarbeit zu sammeln, die anderen Male als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

    Für diejenigen, die Geographie, Biologie, Ökologie, Forstwissenschaft etc. studieren, könnte es sich lohnen mal bei den Instituten und Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Institute, einschlägigen Fachbereichen diverser Unis anzufragen. Diejenigen, die keine wissenschaftliche Arbeit schreiben, könnten es dennoch vesuchen. Ich erinnere mich an eine Expedition, wo ein Freund einer Kollegin mitgefahren ist, der zur damaligen Zeit arbeitslos war, und sich um den technischen Kram wie Akkus, Solarpanels usw. gekümmert hat. Jemand wie Berniehh, der neben seiner Erfahrung noch schleppen kann wie 3, würde ich persönlich sofort mitnehmen.

    Allerdings ist man auf solchen Expeditionen nicht so „frei“ wie Robtrek. Man hat immer weniger Zeit, als man für die Arbeit im Feld braucht. Es wird also von morgens bis abends gearbeitet, also irgendwelche Daten erhoben, Experimente gemacht etc. Dafür kommt man aber ohne großen eigenen Aufwand in entlegene Gegenden der Erde. Da nichts ohne Kooperationen mit russischen Instituten abläuft, braucht man sich über Bürokratisches keine Sorgen zu machen, alles wird gut organisiert. Irgendeiner aus jedem Forschungsteam spricht in der Regel auch Russisch, die russischen Wissenschaftler sprechen natürlich Englisch.
    Das pure Abenteuer ist jeweils die An- und Abreise vom jeweiligen Untersuchungsgebiet und das Lagerleben. Ich habe unterschiedliche Waldökosysteme untersucht, die wir aufgrund von Luftbildern festgemacht hatten. Um dort hinzukommen ging es so weit wie möglich mit dem Boot „unseres“ einheimischen Trappers irgendeinen Fluß hoch, und dann querwaldein per Kompass und GPS ins Zielgebiet - teilweise tagelang. Neben den Lebensmitteln mussten noch Unmengen an technischem Kram geschleppt werden. Auch wir mussten daher häufig mehrmals eine Strecke zurücklegen. Geschlafen haben wir in unseren eigenen Zelten, wurden aber bekocht von unserem Trapper, der auch für uns jagte, fischte, Pilze sammelte.

    So, das wollte ich eigentlich kurz los werden, ist aber viel länger geworden als geplant. Ich hoffe das ist ok.

    Von mir aber auch noch unzählige Sterne für den Bericht und die tollen Fotos. So viel Zeit muss sein. Wahnsinn!

    Beste Grüße
    Bufo

  6. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
    Butter ist lecker! Aber wie hältst du sie frisch? In Russland habe ich mal gehört, dass Butter nicht ranzig wird, wenn man sie mit Honig mischt, habe das aber nie ausprobiert. Auf den ersten 2 Wochen unserer Tour war die Temperatur tagsüber bis um die 30°, hast du Erfahrungswerte wie lange Butter sich unter solchen Bedingungen hält?
    die Butter muss richtig verpackt werden: die Packungen einzeln in Ziplock-Beutel (oder sonstige Gefrierbeutel), dann alle Butterbeutel zusammen in einer Plastiktüte in der Mitte des Rucksacks gepackt werden, also von Klamotten oder sonstigen Kram umgeben. Auf keinen Fall darf die Butter bei sommerlichen Temperaturen mit der Aussenwand des Rucksacks in Berührung kommen, da sie sonst schmelzen kann.
    Bei heißen Sommertemperaturen wird die Butter tagsüber zwar weich, aber sie schmilzt nicht wenn du sie wie oben beschrieben verpackst.
    Die Butter hält sich so mindestens 20 Tage ohne ranzig zu werden. Das habe ich unzählige Male gemacht, auch in Gebieten mit heißem Klima. 40 Tage war mal bei mir die Maximalzeit!! Das ging ohne Probleme. Da war es allerdings nicht mehr so heiß (Spätsommer-Frühherbst).
    Ganz wichtig noch: ich würde die Butter auf keinen Fall aus der Verpackung auspacken, sondern nur mit der Originalverpackung in den Ziplockbeutel wickeln!!! Wenn du sie ausgepackt in den Ziplockbeutel schließt wird sie viel schneller (im ungünstigsten Fall sogar schon nach wenigen Tagen) ranzig!!

    Zitat Zitat von Robtrek Beitrag anzeigen
    Und noch eine Frage: du rechnest aus deiner langjährigen Erfahrung mit 800 gr Proviant pro Tag, habe ich das richtig in Erinnerung?
    ja ich habe immer um die 800 g Essen pro Tag mit. Da sind bei mir fast 4000 Kalorien drin.

    Zitat Zitat von codenascher Beitrag anzeigen
    Wo gehts den nächstes Jahr hin?
    für nächstes Jahr habe ich verschiedene Ziele, u.a.auch Russland. Mein Hauptziel für den Sommer wird eine 700 Kilometer Tour durch den indischen Himalaya.

    Zitat Zitat von Bufo Beitrag anzeigen
    Jemand wie Berniehh, der neben seiner Erfahrung noch schleppen kann wie 3, würde ich persönlich sofort mitnehmen.
    dann sag mal Bescheid wann es losgehen soll

  7. Fuchs
    Avatar von Pielinen
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
    die Butter muss richtig verpackt werden: die Packungen einzeln in Ziplock-Beutel (oder sonstige Gefrierbeutel), dann alle Butterbeutel zusammen in einer Plastiktüte in der Mitte des Rucksacks gepackt werden, also von Klamotten oder sonstigen Kram umgeben. Auf keinen Fall darf die Butter bei sommerlichen Temperaturen mit der Aussenwand des Rucksacks in Berührung kommen, da sie sonst schmelzen kann.
    Bei heißen Sommertemperaturen wird die Butter tagsüber zwar weich, aber sie schmilzt nicht wenn du sie wie oben beschrieben verpackst.
    Die Butter hält sich so mindestens 20 Tage ohne ranzig zu werden. Das habe ich unzählige Male gemacht, auch in Gebieten mit heißem Klima. 40 Tage war mal bei mir die Maximalzeit!! Das ging ohne Probleme. Da war es allerdings nicht mehr so heiß (Spätsommer-Frühherbst).
    Ganz wichtig noch: ich würde die Butter auf keinen Fall aus der Verpackung auspacken, sondern nur mit der Originalverpackung in den Ziplockbeutel wickeln!!! Wenn du sie ausgepackt in den Ziplockbeutel schließt wird sie viel schneller (im ungünstigsten Fall sogar schon nach wenigen Tagen) .....
    Danke für deine Erfahrungen, nächstes Mal nehmen wir auch 4Kg Butter mit!!!

  8. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    @Robtrek

    Lagerfeuer waren ja ziemlich essentiell auf eurer Reise.
    Hattet ihr Werkzeuge zum zerkleinern von Holz dabei, oder liegt genug Totholz durch die Lärchen an, dass ihr alles durch aufsammeln gewinnen konntet?

  9. Anfänger im Forum
    Avatar von bikevagabond
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Schöne Zusammenfassung bisher, die Einleitung klingt wie aus einer alten Erzählung Bin gespannt auf den letzten Teil und wie du dort die problematische Rückkehr argumentierst..

    Das Thema Gewichtsoptimierung würde ich übrigens von einer ganz anderen Seite angehen:

    1. vor der Reise soviel wie möglich essen, um die körpereigenen Fettreserven aufzubauen. Was man am Körper trägt, zerrt nicht an den Schultern und lässt sich viel effektiver verwerten. Außerdem kommt man, solange die körpereigenen Reserven noch nicht aufgebraucht sind, länger mit reduzierten Tagesrationen klar. Ich würde daher die 600g/Tag fortführen, allerdings mit mehr Fett.

    2. nur soviel Gepäck/Proviant einplanen, wie er sich noch auf zwei Rucksäcke aufteilen lässt, dann spart man sich nämlich beim ersten Passgang das Nachholen eines dritten Rucksacks und kommt schon mal schneller voran. Dass man mit nur einem Rucksack im Putorana nicht weit kommt, ist glaub ich schon hervorgehoben worden (es sei denn, man hat kein Problem damit, am Anfang weit über 40 kg auf einmal zu buckeln).

    3. die Route entsprechend der maximal tragbaren Proviantreserve anpassen. Ein Bernie würde zu Beginn bestimmt locker zwei 40 kg-Rucksäcke wegschleppen, für mich ist aber wie bei Robert die Obergrenze bei 35 kg pro Rucksack, d.h. ich würde beim nächsten Mal versuchen, nicht über 70 kg Gesamtgewicht zu kommen (auf dieser Tour betrug das Startgewicht um 85 kg).

    Wenn ich es nun schaffe, 5 kg Ausrüstung einzusparen (ich hatte viele ungenutzte Wechselsachen dabei, ein ungenutztes Tarp, ein Packraftsegel, eine Spiegelreflex mit 3 Wechselobjektiven, Stativ, Actioncam, viel zu viel Kartenmaterial, 3 kg schwere Watstiefel, außerdem den Gaskocher, den SPOT, den DeLorme…), dann müsste ich noch etwa 10 kg Proviant weglassen. Bei 600g/Tag sind das 17 Tage weniger. Wir hatten für die hier vorgestellte Tour Proviant für 67 Tage, in meinem Beispiel würden daraus 50 Tage (rund 7 Wochen).

    Was wäre in 7 Wochen erreichbar? Wenn man durchzieht, wie so manche russische Gruppen, könnte man mit dieser Proviantreserve tatsächlich etliche Routen quer durchs Plateau machen – Chirinda wäre locker erreichbar, aber auch Tura, Volochanka, Hatanga. Geht man es etwas gemütlicher an, müsste man hier und da ein paar Streckenabschnitte abkürzen. Unsere Route von der Jaktali-Mündung via Dulismar, Kotuj, Hoikta, Higdekit, Ajakli, Heta bis nach Volochanka wäre meiner Meinung nach auch innerhalb von 7 Wochen machbar – wie gesagt mit zwei Rucksäcken beim ersten Passgang.

    Was hier noch nicht erwähnt wurde: wir hatten ursprünglich vor, noch bis Hatanga zu gehen (bzw. alternativ nach Tura, falls wir das Permit für Hatanga nicht bekommen sollten) und hatten uns deshalb mit Proviant für 10 Wochen eingedeckt. Letztlich waren wir aber viel zu langsam, um so eine ambitionierte Route zu schaffen, daher gezwungenermaßen der Exit Volochanka. Aber darüber wird ja bestimmt noch im letzten Teil eingehender berichtet.

  10. Erfahren

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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von Rattus Beitrag anzeigen
    Um die Kalorienmenge zu erhöhen: was ist mit Ghee, also Butterfett? Das soll man noch nicht mal kühlen.
    Danke für diesen Tipp, werde ich mal ausprobieren. Definitiv ein Vorteil, dass es bei Zimmertemperatur so lange haltbar ist.

  11. Erfahren

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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Lagerfeuer waren ja ziemlich essentiell auf eurer Reise.
    Hattet ihr Werkzeuge zum zerkleinern von Holz dabei, oder liegt genug Totholz durch die Lärchen an, dass ihr alles durch aufsammeln gewinnen konntet?
    Ja, Feuer ist sehr wichtig. Ich nehme seit vielen Jahren keine Axt oder Säge mehr mit auf solche Touren, nie gebraucht. Lärche brennt hervorragend, auch feucht, es liegen immer genug Äste rum. Was ich mitbringe ist Birkenrinde als Zunder, denn Birken wachsen dort oben nicht mehr.

  12. Erfahren
    Avatar von Flummi87
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Ich will ja nicht drängeln, aber das Ende der Tour würde ich schon ganz gerne noch sehen

  13. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Jetzt erst gefunden - aber immerhin.

    Boah!
    Ich bin zutiefst beeindruckt!
    Das ist ja mal eine richtige Expedition in eine Terra (fast) Incognita!
    Großartig!

    Hab ich´s vielleicht übersehen? Gab es Begegnungen mit Bär, Elch, Wolf & Co.?

    Vielen Dank für´s Teilhabenlassen!
    Sylvia
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  14. Erfahren

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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von Flummi87 Beitrag anzeigen
    Ich will ja nicht drängeln, aber das Ende der Tour würde ich schon ganz gerne noch sehen
    Tut mir leid! Hab ganz vergessen, dass ich hier noch nicht alles berichtet hatte. Werde diese Woche ein paar Fotos auswählen und hochladen. Danke für die Geduld und das Interesse!

  15. Erfahren

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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Gab es Begegnungen mit Bär, Elch, Wolf & Co.?
    Elch - ja, und zwar ein gigantisches Exemplar! Aber leider habe ich davon keine Fotos, da die Begegnung unverhofft im mitternächtlichen Zwielicht auf der Suche nach einem Lagerplatz stattfand. Elchspuren sind im Putorana wirklich überall, im Gegensatz zu Bärenspuren - die sieht man dort viel seltener als sonst in Sibirien. Ein Bärentreffen gab es aber, Fotos kommen noch. Wolfsspuren sind häufig, und zwar auch von sehr großen Exemplaren, aber einen Wolf habe ich in all den Jahren in Sibirien noch nie zu Gesicht bekommen. Sind eben sehr schlaue und scheue Tiere. Vielfraß kommt auch vor, aber wiederum nur Spuren, keine Sichtungen. Bei den Raubvögeln: Adler.

  16. Anfänger im Forum
    Avatar von kleingestreift
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Sehr coole Tour, so stellt man sich Abenteuer vor :-)

    Was hattet ihr denn an Angelausrüstung dabei ?
    Und würdest Du an der Ausrüstung im Nachhinein etwas ändern ?

    Habt ihr nur Äschen gefangen ?

    Gruß Oliver.
    Geändert von kleingestreift (29.11.2016 um 14:46 Uhr)

  17. AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Es ist mittlerweile mehr als 10 Jahre her, dass ich beim Anblick von vergleichbaren Fotos ein solches Gefühl der Fremdheit oder gar Namenlosigkeit einer Gegend hatte. Durch Reiseberichte bei ODS und durch die weiteren Möglichkeiten des Internets sind viele Ziele ja schon ein Stück weit erkundbar. Hier ist das Gegenteil der Fall.

    Schon fast betörend, was sich da für eine Landschaft auftut. Die Stille springt einen nahezu an.
    Großen Respekt vor der Leistung und dem Mut die Tour durchzuführen. Sympathisch finde ich ebenfalls, dass die Tour hier quasi ohne großes Gebaren präsentiert wird.

    Beste Grüße
    Dominik
    Offizieller Ansprechpartner: Naturlagerplätze - Eifel

  18. Erfahren

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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Zitat Zitat von kleingestreift Beitrag anzeigen
    Was hattet ihr denn an Angelausrüstung dabei ?
    Und würdest Du an der Ausrüstung im Nachhinein etwas ändern ?

    Habt ihr nur Äschen gefangen ?
    Zu 99% Äschen, etwas Saibling, Lenok, Sig (Coregonus).
    Ich hatte eine kleine chinesische Teleskopangel und Kartusche dabei, einfache robuste Billigware (alles zusammen ca. 15 Euro). Würde ich auch nicht ändern. Wie so oft im Outdoor-Bereich ist das Billigste gerade gut genug, d.h. von der Funktionalität her völlig ausreichend und unter Feldbedingungen leicht zu reparieren. Meine Angel ist z.B. zerbrochen, als das Boot gegen eine Felswand gedrückt wurde. Ein Stückchen Leukoplast drumherum - und funktioniert wieder, konnte damit auf der Tour noch über 100 Fische fangen.

  19. Erfahren

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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Hier folgt nun der dritte und letzte Teil meiner Fotoerzählung, er beinhaltet die 9.-11. Woche unserer Tour und die Heimreise.

    Auf der Durchquerung des Putorana-Plateaus hatten wir mit dem Ende der Canyons die schwierigsten Hindernisse hinter uns gelassen. Es ging jetzt darum, die 350 km bis zur nächsten Siedlung sicher zurückzulegen, wobei neben früh einsetzenden Winterstürmen unser geschwächter Allgemeinzustand das größte Risiko darstellte. Auf den zurückliegenden schweren Etappen hatten wir die täglichen Lebensmittelrationen bereits deutlich erhöht. Außerdem hatte Richard aufgrund eines akuten Schwächezustands in den Canyons noch eine Extrazuteilung aus unserem Vorrat an Haferflocken und Rosinen bekommen. Auch nach dem Überwinden der Canyons blieben wir bei den erhöhten Rationen, wobei wir auf günstige Umstände hofften: nach 125 km und 160 km gab es den alten Berichten zufolge möglicherweise Jägerhütten, in denen man dann vielleicht auch Lebensmittel finden könnte. Und nach 270 km gab es definitiv eine Hütte, wo man um diese Jahreszeit wahrscheinlich auf Fischer mit Motorbooten treffen würde. Diese könnten uns die letzten 80 km bis zur Siedlung mitnehmen und uns damit 4 Tage langweiliges Rafting ersparen. Das waren zwar ziemlich viele "würde" und "könnte", aber sie gaben uns einen Grund, die höheren Lebensmittelrationen erstmal beizubehalten. Und das war im Moment für uns das wichtigste!

    Ich hatte versucht, vor Abreise soviel wie möglich über die Siedlung herauszufinden, die nun unser Ziel war. So wussten wir, dass von dort einmal pro Woche ein Helikopter zur Hafenstadt Dudinka am Yenissei flog, dass die Siedlungsverwaltung generell hilfsbereit gegenüber Touristen war, und dass man Motorboote chartern konnte. Über den Satellite Messenger bat ich nun meine russischen Freunde, die Leitung der Siedlung anzurufen und ein Motorboot zu organisieren, dass uns entgegenfahren sollte. 80 km waren auf jeden Fall möglich. Im besten Fall, so hofften wir, könnte uns das Boot sogar fast 200 km entgegenkommen und unsere Tour so um mindestens 8 Tage verkürzen und entsprechend Lebensmittel sparen. Nach vielen Satelliten-SMS wurde aber klar, dass noch niemand aus der Siedlung mit einem Motorboot so weit stromaufwärts gekommen war. Immerhin, ein Jäger erklärte sich bereit, uns entgegenzufahren, solange Wasserstand und Strömung dies zuließen. Und er würde Lebensmittel für uns dabeihaben! Mit dieser guten Nachricht im Rücken machten wir uns auf den langen Weg zurück in die Zivilisation.









    Die Canyons hatten wir nun zwar hinter uns gelassen, aber noch viele Tage lang begleiteten uns gewaltige Felswände an beiden Ufern. Es wäre schön gewesen, einen letzten Blick auf das Plateau zu werfen, doch das Erklimmen dieser 700-1000 m hohen Steilwände hätte mindestens einen ganzen Tag beansprucht und zuviel Kraft gekostet.











    Dieser Abschnitt gehörte zu den schönsten der Tour. Endlich war der lang ersehnte sibirische Altweibersommer gekommen. Es wurde noch einmal relativ warm, und wir fuhren bei herrlichem Licht durch eine wundervolle Landschaft.





















    Und dann hatten wir noch mehr Glück: nicht nur ein reichhaltiger Fischfang...



    ...sondern dazu noch eine Ente, die ich tot am Ufer fand. Das erste Fleisch seit 2 Monaten, und aus den Resten gab's eine leckere Bouillon!



    Gegrillter Fisch als zweites Frühstück.















    Ein Bild zeigt besser als viele Worte, wie sehr ich durch den ständigen Kalorienmangel inzwischen abgemagert war. An jenem Morgen stieg das Thermometer auf über 20° und machte diese Aufnahme möglich. Normalerweise trug ich sonst tagsüber 5 Schichten Kleidung am Oberkörper, nachts im Schlafsack noch 3 Schichten.



































    An dieser Stelle legten wir bei Sonnenuntergang an, um etwas fürs Abendessen zu fangen. Und die Fische bissen gut! Ich ging am Ufer flussabwärts, um noch mehr zu fangen, als ich plötzlich einen Schrei hörte: Das Boot!!!



    Ich drehte mich um. Richards Packraft trieb den Fluss hinab, er selber stand am Ufer! Ich hatte mich beim Angeln ziemlich weit entfernt und rannte nun zurück, so schnell es ging. Im Laufen drückte ich Richard noch meine Angel in die Hand, dann sprang ich ins Meridian und machte mich an die Verfolgung. Richard hatte sein Boot nicht ordentlich an Land gezogen und gesichert. So konnte es von der Strömung erfasst werden und war mit der ganzen Ausrüstung davongetrieben.
    Aber das Putorana zeigte sich großzügig und ließ uns auch solch einen schweren Fehler durchgehen. Nach wildem Paddeln konnte ich das Packraft einholen und schließlich ans Ufer bugsieren. Unsere Tour stand auch weiterhin unter einem guten Stern!

















    Tagsüber auf dem Boot aßen wir oft rohe Fischfilets. Die Fischhäute und Gräten hoben wir auf und grillten sie abends am Lagerfeuer.



    Gegrillter Fisch, als Pfanne dient hier der Topfdeckel.





    Mein Zelt. Viel Platz bei einem Gewicht von etwas über 2 kg. Es hat sich gut bewährt.





    Nach 125 km hatten wir den Ort erreicht, wo nach einem Bericht von russischen Raftern vor über 10 Jahren eine Jägerhütte in Bau gewesen war. Natürlich hegten wir insgeheim die Hoffnung, dass die Hütte inzwischen fertig und in Gebrauch war, dann könnte man dort vielleicht Lebensmittel finden. Wir suchten die Ufer ab, wo die Hütte der Beschreibung nach stehen sollte. Dabei mussten wir uns mühselig durch dichtes Unterholz schlagen. Jeder Meter kostete sehr viel Kraft, und mit jedem Meter schwand auch unsere Hoffnung. Von der Hütte keine Spur.



    Nach 2 Stunden fanden wir sie schließlich doch. Längst zerfallen. Eine Chance weniger.











    Fleisch am Ufer! So nah, und doch unerreichbar fern.



    Als ich eines Morgens aus dem Zelt schaute, trottete am gegenüberliegenden Ufer gerade ein Bär seinen Pfad entlang.



    Aus meiner Sicht ist ein Bär keine exotische Attraktion, sondern ein großes Raubtier und als solches für den Menschen unberechenbar und eine potenzielle Gefahr. Wir kommen für ihn durchaus als Gelegenheitsbeute in Frage, auch wenn sich das auf wenige Fälle pro Jahr beschränkt. Der Bär ist in der Taiga zuhause, unsere Aufgabe als Gast ist es, ihm aus dem Weg zu gehen. So wie man sich z.B. in der Serengeti vernünftigerweise von Löwen fernhält.



    Der Bär machte sich daran, auf unsere Seite des Flusses zu wechseln.







    Jetzt hat er mich gewittert!



    Zum Glück zeigte dieser Bär kein Interesse an uns.



    Nach 160 km erreichten wir den Ort, wo sich nach den alten Berichten eine Jägerhütte befinden sollte, die vom Wasser aus nicht zu sehen ist. Und wirklich: diese Hütte stand noch, sie war sogar in ziemlich gutem Zustand. Wir spannten eine Plastikplane als Fensterscheibe ein und feuerten den Bollerofen an. Was für eine Wohltat: warm und trocken unter einem festen Dach zu sitzen, während draußen kalter Dauerregen niederprasselt.



    In der Hütte fanden wir ein paar Lebensmittel vom vorigen Jahr. Leider nicht sehr viel, aber sie hielten uns immerhin für 2 weitere Tage über Wasser.



    Aus den Satelliten-SMS wussten wir, dass unser Jäger schon vor ein paar Tagen mit seinem Motorboot aus der Siedlung losgefahren war, und dass er Lebensmíttel für uns mitgenommen hatte. Im günstigsten Fall hätte er schon in dieser Hütte auf uns warten sollen. Das hatte offensichtlich nicht geklappt. Wir rafteten also weiter und erwarteten in den folgenden Tagen eigentlich ständig, das typische Dröhnen eines Bootsmotors zu hören. Doch alles blieb still. Nur der kalte Wind pfiff von den Bergen herunter. Der Winter ließ uns seine Nähe spüren.



    Mittlerweile schrieben wir den 19. September. Wir mussten den Jäger spätestens am folgenden Tag treffen, sonst würden wir den Hubschrauber verpassen, der planmäßig am 21. von der Siedlung nach Dudinka fliegen sollte. Der nächste Hubschrauber würde erst eine Woche später gehen. Da unsere russischen Visa am 28. abliefen, wäre dann eine Visumsverlängerung unvermeidlich. Normalerweise ist das kein allzu großes Problem, wenn man objektiv gute Gründe vorbringen kann (Überziehung des Visums ohne eigenes Verschulden).











    Aber auch der 20.9. verging, ohne dass wir auf den Jäger trafen. Das war umso verwunderlicher, als wir per Satellite Messenger von meinen Freunden nochmals die Bestätigung erhielten, dass er sich bereits vor vielen Tagen auf den Weg gemacht hatte. Und der Fluss schien, soweit wir das beurteilen konnten, für Motorboote durchaus befahrbar zu sein.



    Unsere Lebensmittel sind alle! Die letzten Spaghetti gab's heute zum Frühstück. Vom Jäger nach wie vor keine Spur. Wir müssen weiter. Wegen der Kälte ging es mittlerweile nur noch dick verpackt und mit Gesichtsmaske aufs Wasser.



    Noch eine Hütte, in die wir aufgrund der alten Berichte Hoffnung gesetzt hatten. Aber auch sie war längst zerfallen.



    Als starker Gegenwind das Vorankommen immer mehr verlangsamte und den Körper auskühlte, fanden wir überraschend eine weitere Hütte. Sie war in den alten Berichten nicht erwähnt, musste also neueren Datums sein.



    Die Hütte sah von außen auch ganz gut aus, aber dann - welche Enttäuschung: kaputte Fenster, kein Ofen, und schon gar keine Lebensmittel. Sie war offensichtlich dem Verfall preisgegeben. Trotzdem entschieden wir uns, hier zu übernachten. Rundum wuchsen Hagebutten und Blaubeersträucher, die noch Früchte trugen und eine bescheidene Mahlzeit hergaben. Außerdem lagen genug Holzklötze herum, um ein großes Feuer zum Wärmen anzumachen.





    Aus der Siedlung erfuhren wir per SMS, dass der Jäger sich über Funk gemeldet hatte. Er hatte dabei unsere genaue Position erfahren und würde noch heute Abend zu uns stoßen, eigentlich müsste er jeden Moment eintreffen. Ehrlich gesagt, wir glaubten nicht mehr daran. Zum Abendessen gab es 2 Tassen heißes Wasser mit einem Rest Maggi-Gewürz. Dann begann es zu regnen, worauf sich bald ein weiteres Problem offenbarte: das Dach der Hütte war undicht, leider gerade über meinem Schlafsack.

    Am nächsten Morgen war es etwas wärmer und nicht ganz so windig. Der Jäger blieb unsichtbar. Wir beschlossen, aus eigener Kraft die Fischerhütte zu erreichen, die 80 km von der Siedlung entfernt liegt. Über meine Freunde baten wir die Siedlungsverwaltung, uns ein anderes Motorboot dorthin zu schicken. Sofort kam die Bestätigung - ein zweites Motorboot würde losfahren.
    Und wie es der Teufel will, keine 5 Minuten später hörten wir plötzlich ein Motorengeräusch. Es traf ein: der Phantom-Jäger! Aber auch das zweite Motorboot war nun auf dem Weg und konnte nicht mehr zurückgeholt werden.



    Und das war die Geschichte des Jägers: er hatte die Siedlung vor ein paar Tagen verlassen und war uns ziemlich weit entgegen gefahren. Dann merkte er, dass ihm das Benzin für den Rückweg nicht reichen würde und beschloss deshalb, anzuhalten und auf uns zu warten. Allerdings nur für eine Nacht, dann fuhr er aus irgendwelchen Gründen zurück zur Fischerhütte. Die mitgebrachten Lebensmittel behielt er bei sich, anstatt sie gut sichtbar am Ufer für uns zu deponieren. In der Fischerhütte hörte er irgendwann über Funk, dass wir es inzwischen aus eigener Kraft bis zur Hütte ohne Ofen geschafft hatten. Er machte sich auf den Weg, um uns dort abzuholen, und hatte uns auch schon fast erreicht, da kam ihm erneut etwas dazwischen: ein Elch!
    Wenn ein Jäger einen Elch sieht, dann sieht er 400 kg Fleisch. Und da noch kein stabiler Frost herrschte, bestand die Gefahr, dass dieses Fleisch verdirbt. Der Jäger schoss also den Elch, und... kehrte mit dem Fleisch sogleich in die Siedlung zurück, wo es Kühlkammern gibt. Einen Tag später machte er sich dann erneut auf den Weg zu uns, diesmal ohne Zwischenfälle. Und während er all das bei einem Riesentopf Griesbrei erzählte, kam auch noch das zweite Motorboot an, mit dem Chef der Siedlung persönlich an Bord.



    Der Rest ist schnell erzählt: Nik, der Chef der Siedlung, und sein Freund Oleg brachten uns zu Olegs Hütte und stopften uns dort 2 Tage lang mit Elchfleich, Rentierfleisch und frischem Fisch so voll, bis wir das Wort "Hunger" nicht mehr buchstabieren konnten!



    Oleg bereitet Fischrogen zu.



    Danach ging es die letzten 80 km zur Siedlung. Bis zum nächsten planmäßigen Hubschrauber am 28. hatten wir genug Zeit, um dort weiterzuessen und uns ein bisschen umzusehen. Wie so oft in Sibirien sind die Lebensbedingungen der Leute ziemlich schwierig (um es zurückhaltend zu formulieren).





    Der Hahn vom Wassertank muss aufgetaut werden. Hier holen die Bewohner ihr Trinkwasser. Im Sommer gibt's das umsonst, im Winter müssen sie zahlen.



    Wenig erfreulich waren meine Telefongespräche mit der Ausländerbehörde von Dudinka wegen der notwendigen Verlängerung unserer Visa. Die Leiterin der Behörde war offensichtlich unwillig, sich unseren Fall aufzuhalsen und weigerte sich, meinen Antrag entgegenzunehmen. Wir sollten uns an Moskau wenden. Über Bekannte wäre es möglich gewesen, das Problem auf dem kleinen Dienstweg zu lösen, allerdings nur für mich. Richard, der kaum russisch spricht, wäre dann allein der Bürokratie gegenüber gestanden, auch keine Lösung. In dieser Situation blieb als bester Ausweg die Rückkehr über Dudinka nach Krasnoyarsk. Die dortige Ausländerbehörde drohte zwar auch erstmal mit Gerichtsverfahren, Abschiebung und Einreiseverboten, aber letztendlich obsiegte die Vernunft. Nach 5 Tagen bekamen wir die Visumsverlängerung und sagten Sibirien bye bye.



    Das war eine schöne Tour. Sie ist trotz der Lebensmittelknappheit so gut verlaufen wie selten eine Tour zuvor. Wir hatten den abgelegenen, grandiosen Nordosten des Putorana gesehen, was bisher nicht vielen Menschen vergönnt war, und wir waren heile von diesem Abenteuer zurückgekehrt. Mehr kann man sich nicht wünschen.


  20. Alter Hase
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    AW: [RU] Sibirien, wie man es kaum kennt: in 75 Tagen durch das Putorana

    Wahnsinn, dieser Bericht mit all seinen Höhen und Tiefen, Deine Bilder dieser unberührten Natur. Mir wäre das dann zwar zu viel Entbehrung gewesen, aber so ein paar Wochen da oben könnte ich mir ja auch mal vorstellen

    Vielen vielen Dank für diese Reise durch das Putorana! Und vergesst beim nächsten mal die Butter nicht.

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

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