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  1. Erfahren
    Avatar von Nuklid
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    [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #1
    Mitreisende: Nuklid



    1. Tag:

    Es ist Nachmittag. Wir sitzen neben den fertig gepackten Rucksäcken im Auto und warten, dass der Regen nachlässt. Um uns herum blicken wir durch die Fenster in das regenverhangene Kahlfjäll.
    Nachdem wir die Berge der Umgebung sorgfältig mit der Karte abgeglichen haben, sind wir uns mittlerweile sicher, dass wir uns auf dem Stellplatz Heimdalsmunnen befinden. Ansonsten gibt es nämlich
    nichts, das darauf hinweisen würde.
    Irgendwo vor uns, weiter im Norden, muss Gjendesheim liegen. Unsere Routenplanung sieht vor, weglos Richtung Westen ins Leirungsdalen zu marschieren. Aber der Regen hält ziemlich unvermindert weiter an. Vor uns liegen jedoch zwei Wochen Trekking, daher kann der Regen unserer guten Laune nicht das Geringste anhaben.




    Schließlich siegt Ungeduld über Bequemlichkeit und wir brechen im Regen auf. Schnell lassen wir unser Auto und die Straße hinter uns und müssen die ersten Bäche überqueren. Wir haben uns vorgenommen, heute noch nach Möglichkeit den Leirungsae zu furten und dann einen Lagerplatz zu suchen. Das Gelände ist relativ eben, der Boden nass und durchgeweicht. Immer wieder müssen wir kleinere Buschgruppen durchqueren.

    Wir sind das erste Mal in Norwegen. Bei der Anfahrt haben wir einen unfreiwilligen Umweg über Gjovik genommen, aber ansonsten hat alles gut funktioniert.




    Dann erreichen wir den Leirungsae. Nach einem Regentag ist er zumindest nicht gerade auf Niedrigststand. Wir bewegen uns flussaufwärts und halten nach einer geeigneten Stelle zum Furten Ausschau.
    Recht bald sehen wir eine Flussgabelung, die uns annehmbar scheint. Der Fluss ist hier breit und nicht besonders tief. Die Strömung wirkt jedoch durchaus kräftig. Ich begebe mich vorsichtig ins Wasser, und ja, die Strömung ist nicht ohne. Aber es geht, im Seitwärtsgang bewege ich mich durch das knietiefe Wasser auf die kleine Insel im Fluss zu. Meine Feundin folgt mir. Ich erreiche die Inselmitte, als meine Freundin Probleme meldet. Sie ist noch etwa zwei Meter vom Ufer entfernt, und befürchtet, von der Strömung umgerissen zu werden, sobald sie einen Fuß anhebt. "Meine Füße werden weggedrückt!", ruft sie etwas panisch. Ich lege meinen Rucksack ab, begebe mich zurück ins Wasser und geleite meine Holde wohlbehalten an das Ufer. "Selbst im Stehen habe ich gemerkt, wie das Wasser meine Füße nach hinten drückte," erklärt sie. Der zweite Flussarm ist dagegen kein Problem. Vermutlich wäre es schlauer gewesen, die Überquerung auf den nächsten Morgen zu verschieben. Wir gehen noch etwas flussaufwärts und schlagen dann an einem kleinen Sandstreifen unser Lager auf.
    Immerhin haben wir mit der Überquerung des Leirungsae die einzige unbekannte Variable der geplanten Route abgehakt. Obwohl der Regen abschwächt und zeitweise ganz aufhört, bleibt es ungemütlich und wir lassen uns das Abendessen im Zelt schmecken.


    Tag 2:



    Das Wetter hat sich komplett geändert: Es ist sommerlich warm und ein freundlicher Himmel empfängt uns. Wir hängen unsere durchnässten Sachen zum Trocknen raus und genießen das Frühstück. Erst jetzt realisieren wir, wie malerisch die Landschaft um uns herum eigentlich ist.
    Heute werden wir ins Leirungsdalen wandern. Frohen Mutes packen wir usnere Sachen zusammen und marschieren los. Hier und da piesacken uns ein paar Mücken. Als wir bei den hölzernen Überresten einer Schutzhütte ankommen, sind wir uns endgültig sicher, dass wir uns richtig auf der Karte verortet haben.









    Wetter und Landschaft sind ein Traum. Wir machen viele Pausen und genießen dankbar die Sonne. Andere Wanderer begegnen uns nicht. Ja, so haben wir uns das vorgestellt!







    Der Fluss ist türkis- bis milchig-blau und teilt sich bisweilen in mehrere Arme. Wir beschließen, nicht mehr allzulange zu gehen und uns einen schönen Zeltplatz zu suchen. Es besteht kein Mangel, alle paar Meter laden malerische Plätze zum verweilen ein.





    Vor einem wild rauschenden Wasserfall bauen wir schließlich das Zelt auf, lassen die Sonne noch ein paar Sachen trocknen und den lieben Gott einen guten Mann sein.








    Tag 3

    Wieder hat sich das Wetter komplett gedreht: Es ist regnerisch und ziemlich windig. Das gestern noch so idyllische Tal ist nass, grau und wolkenverhangen.
    Wir verbleiben nach dem Frühstück im Zelt, spielen Schach und warten auf besseres Wetter. Als sich dieses nicht einstellt, packen wir schließlich unsere Sachen zusammen und marschieren weiter.



    Es regnet fast ununterbrochen, bisweilen auch recht kräftig. Wir sind nicht begeistert, der Marsch ist eher Plichtübung als Vergnügen. Bis wir plötzlich weiter unten im Tal eine ziemlich große Rentierherde sehen. Eine Abwechslung genau zur rechten Zeit. Sie zieht an uns vorbei Richtung Osten. Kurze Zeit später taucht die nächste Herde auf. Leider hat meine Freundin nur begrenzt Verständnis für meine Ausdauer beim Beobachten der Herden. "Los, lass uns jetzt weiter!", höre ich an diesem Tag öfter. Denn es kommen noch viele Herden an uns vorüber.
    Schließlich wird es etwas steiler beim Aufstieg zu einem höher gelegenen See. Wir verlieren immer wieder den kleinen Trampelpfad, alles ist rutschig und nass. Im Süden können wir auf einen Gletscher blicken.






    Als wir auf den See schauen können, meint der Wettergott es gut mit uns: Kurz kommt tatsächlich die Sonne raus und setzt den See in Szene wie er es verdient hat.






    Die Sonne ist schnell wieder verschwunden. Wir überlegen, ob wir am See zelten sollen oder noch weiter nach Westen Aufsteigen. Dort sieht es aber sehr felsig aus. Wer weiß, wann die nächste Gelegenheit kommt. Wir beschließen daher, unser Lager an dem See zu errichten. Zwar haben wir auch heute kaum Kilometer gemacht, aber wir haben beide für heute genung. Die Suche nach einem geeignetet Platz dauert etwas, denn Matsch und Rentierköttel machen es uns nicht gerade leicht, aber schließlich werden wir fündig.
    Das Wetter bleibt schmuddelig und wir im Zelt.
    Geändert von Nuklid (19.11.2016 um 19:40 Uhr)

  2. Erfahren
    Avatar von Nuklid
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #2
    Tag 4

    Als wir aus dem Zelt schauen, fallen uns die frisch weiß-gepuderten Berggipfel der Umgebung auf - es hat tatsächlich geschneit. Und es schneit immer noch etwas, auch wenn hier unten nichts liegenbleibt.





    Immerhin ist Schnee deutlich angenehmer als Regen und die beinahe winterliche Stimmung hat durchaus ihren Reiz. Gutgelaunt machen wir uns auf den Weg. Vor uns liegt ein kurzer Aufstieg, frieren müssen wir also nicht.



    Es geht jetzt über blanken Fels und grobes Geröll. Ein weiterer, kleiner Bergsee kreuzt unseren Weg.






    Schließlich geben die Berge einen großartigen Ausblick auf das Svartdalen frei.



    Wir machen eine kleine Pause. Dann begeben wir uns an den steilen Abstieg ins Svartdalen.




    Im Tal entdecken wir eine kleine Gruppe Menschen, die ersten seid wir gestartet sind. Zügig kommen sie uns entgegengestiegen. Es sind drei Norweger, sie haben Kletterausrüstung dabei und wollen den Leirungstinden besteigen. Als wir auf Nachfrage bestätigen, dass wir aus Deutschland kommen, lachen sie: "Of course. Here are MANY germans."
    Der Schnee geht erst in Schneeregen und dann in Niesel über.




    Später erreichen wir den Talgrund.





    Unsere Route führt uns südlich durchs Torfinnsdalen. Es geht bergab und die Landschaft wird grüner.
    Irgendwo kochen wir Kartoffelbrei im Nieselregen. Es begegnen uns nun öfter andere Wanderer, es ist geradezu belebt hier. Aber schließlich liegt weiter südlich ja auch die Torfinnsbu.

    Dann treffen wir - meine Freundin würde sagen "Ich" - eine suboptimale Entscheidung: Ohne auf die Karte zu schauen, verlassen wir den Weg Richtung Südwesten um vermeintlich abzukürzen. Unsere Vorräte sind noch reichhaltig und wir haben daher keinerlei Veranlassung der Torfinnsbu einen Besuch abzustatten.

    Schnell stellt sich heraus, dass der Abhang, den wir kreuzen wollen, teilweise stark von Büschen bewachsen und zunehmend zerklüftet ist. Wir kommen nur mühsam voran und es ist erstaunlich fordernd, sich ohne Knöchelbruch durch das nasse Wurzelwerk des Hangbewuchses zu bewegen. Ich nehme mir fest vor, in Zukunft immer VOR irgendwelchen Abkürzungen einen Blick auf die Karte zu werfen.
    Wir schlagen uns noch zu einer kahleren Bodenwelle durch und laufen auf dieser dann bergab in Richtung Bygdin.







    Wir sind froh, als wir den Weg am Seeufer erreichen. "Ja, war 'ne Schnapsidee." Ich kann meiner Freundin nicht widersprechen. Beim Weitergehen stelle ich fest, dass ich ziemlich geplättet bin, als hätte mir jemand den Saft abgedreht. Ich trotte regelrecht meiner Freundin hinterher. Der nächste gute Zeltplatz ist unser. Immerhin haben wir heute endlich mal etwas Kilometer gemacht.

    Nach der Brücke über den Langedalsane schlagen wir unser Zelt auf, der Ausblick über den Bygdin ist nicht zu beanstanden.
    Es bleibt den Abend über regnerisch, aber etwas Sonne lässt uns den ein oder anderen Regenbogen bewundern.




  3. Fuchs
    Avatar von OttoStover
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #3
    Nice story and pictures. I did not find in the text at what time you went, but by the pictures I estimated end of june. Am I far off?
    Ich lese und spreche Deutsch ganz OK, aber schreiben wird immer Misverständnisse.
    Man skal ikke i alle gjestebud fare, og ikke til alle skjettord svare.

  4. Liebt das Forum
    Avatar von Prachttaucher
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #4
    Herrliche Landschaften, dieses hellblaufarbene Wasser mag ich besonders.

    Werde den Bericht aufmerksam verfolgen, insbesondere ob es sehr anspruchsvoll / alpin wird oder mit anderen Fjällgebieten vergleichbar bleibt.

  5. Dauerbesucher
    Avatar von Blahake
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #5
    Oh, schööööön!!!

  6. Dauerbesucher
    Avatar von andrea2
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #6
    Was lange währt wird endlich gut.
    Wie schön, dass der Überschrift jetzt der Bericht folgt. Ich hab schon drauf gewartet.

    Die Bilder sehen sehr vielversprechend aus, aufs Lesen freue ich mich, wenn ich etwas mehr Zeit habe. Unserer Freunde aus Orsa sind oft dort wandern und versuchen uns immer zu überzeugen, dass wir unbedingt einmal dort wandern müssen.
    Geändert von andrea2 (22.11.2016 um 11:09 Uhr)

  7. Erfahren
    Avatar von Nuklid
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #7
    Vielen Dank allen!

    @Otto: A bit. It was the second half of july.


    ...ob es sehr anspruchsvoll / alpin wird oder mit anderen Fjällgebieten vergleichbar bleibt.
    Würde eher letzteres sagen. Am verblüffendsten war dbzgl. eigentlich immer wieder der Mangel an Zeltplätzen. Im Gegenzug waren Mücken so gut wie kein Problem.

    Unserer Freunde aus Orsa sind oft dort wandern und versuchen uns immer zu überzeugen, dass wir unbedingt einmal dort wandern müssen.
    Das kann ich gut verstehen, die Landschaft ist ein Traum. Lediglich bisweilen zu überlaufen für unseren Geschmack, mag aber auch unserer Route geschuldet gewesen sein. Jedenfalls wurd's ruhig, sobald man die Wege verließ.


    Tag 5



    Das Wetter hat sich deutlich gebessert. Es ist windig, leicht bewölkt und regnet fast nicht. Wenn die Sonne zwischen den Wolken hindurchscheint, ist es direkt warm und sommerlich.
    Und trotz der ein oder anderen vorüberziehenden Wolkenfront wird der Himmel zunehmend blauer.



    Wir machen uns auf den Weg, der jetzt Richtung Norden und aufwärts weiterführt. Auf dem Bygdin tuckert gemächlich ein kleines Fährboot.






    Es wird wieder steiniger und die Sonne setzt sich endgültig durch: T-Shirt-Wetter! Wir sind in Hochlaune und genießen die Wanderung.










    Wir begegnen vereinzelt anderen Wanderern in kleinen Gruppen. Nach einigen Kilometern eröffnet sich uns ein klasse Panorama Richtung Südwesten, das wir mit einer ordentlichen Pause honorieren.




    Der Weg führt jetzt am Ufer eines Bergsees entlang. Wir beschließen, noch den Pass im Norden Richtung Uksedalen zu nehmen und uns anschließend einen Zeltplatz zu suchen.













    Vor dem Pass begegnen wir aber noch zwei größeren Wandergruppen und einer, in etwas Entfernung vorbeiziehenden, Rentierherde. Ganz schön was los hier.

    Dann liegt der Pass, der von einem steilen Schneefeld gekrönt wird, schließlich vor uns.



    Wir kraxeln nach oben.






    Das Schneefeld ist nicht wirklich schwierig zu bewältigen, aber stürzen möchte man nicht. Oben bietet sich uns ein toller Blick auf einen noch gefrorenen See. Uns wird aber auch klar, dass der Zeltaufbau erstmal zwangsweise abgesagt ist: Schnee und Fels bis zum Horizont.




    Über Geröll und Schnee bewegen wir uns am Seeufer entlang.









    Von hinten überholt uns ein Läufer. Während wir mit 15+ kg durch die Gegend wandern, ist er in kurzem Läufertrikot mit nichts als Karte und Wasserflasche ausgerüstet. Als er näherkommt und wir ihm Platz in der Schneespur machen, erschrecken meine Freundin und ich: Der Mann ist kreidebleich und hat blutunterlaufene Augen, einem Gespenst gleichend. Sein Tempo verbietet jede Frage nach dem Wohlbefinden, aber gesund wirkt das alles nicht. Irgendetwas hat ihn gezeichnet.

    Nach dieser denkwürdigen Begegnung treffen wir niemanden mehr und nähern uns den Tälern im Westen.



    Obwohl es grüner wird, finden wir keinen Zeltplatz: Der Boden ist überall gleichmäßig von großen Felsen übersät. So wandern wir noch weiter flussabwärts, bis wir schließlich fündig werden. Der Platz liegt komfortabel nahe am Wasser und der Ausblick ist auch ganz passabel.







    Wir genießen das Abendessen im Sonnenuntergang und kriechen schließlich zufrieden in die Schlafsäcke.



    Geändert von Nuklid (24.11.2016 um 20:35 Uhr)

  8. Erfahren
    Avatar von Nuklid
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #8
    Tag 6:

    Offenbar einer Regel folgend, hat sich das Wetter wieder komplett gedreht. Es ist regnerisch und diesig, dabei unspektakulär und einfach nur ungemütlich.

    Wir packen unser Geraffel zusammen und ziehen los Richtung Norden. Die Farben scheinen aus der Umgebung gewichen. Vor uns sehen wir ein paar andere Wandergruppen.



    Es ist die reinste Waschküche.
    An der Abzweigung nach Olavsbu kommt uns ein einzelner Wanderer Mit Base-cap entgegen. Wir unterhalten uns etwas. Eine nette Abwechslung in dieser Tristesse, denn der Mann kann gut erzählen. Er ist drei Wochen hier oben und macht nacheinander Touren durch das Dovrefjäll, Jotunheimen und Rondane. Begeistert erzählt er uns, wie er im Dovrefjäll morgens von einer Herde Moschusochsen umringt war und spielt uns vor, wie er zwischen ihnen entlanggeschlichen ist. Wir schimpfen noch gemeinsam über das heutige Wetter und schwärmen vom gestrigen, dann trennen sich unsere Wege.



    Das Wetter bleibt wie es war. Angesichts der Sonnentage die wir bereits erleben durften, nehmen wir es gelassen hin.



    Es ist irgendwie ein trister Tag ohne Highlights, aber die muss es auch mal geben. Irgendwann haben wir einfach keine Lust mehr und bauen neben einer flachen Felsformation das Zelt auf. In der Nähe gibt es in einem Bachlauf eine prima Badewanne, jemand hat sogar ein paar Steine ins Erdreich am Rand eingelassen. "Wie schön es hier wohl bei Sonne wäre", meint meine Freundin. Sie weiß noch nicht, wie wahr das ist.







    Geändert von Nuklid (24.11.2016 um 21:24 Uhr)

  9. Erfahren
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #9
    Tag 7

    Tatsächlich, die Landschaft ist traumhaft im Sonnenschein. Das Wetter hat sich erneut ins Gegenteil gekehrt: Es ist ziemlich warm und der Himmel tiefblau und beinahe wolkenlos. Genial!












    Begeistert machen wir uns nach einem idyllischen Frühstück auf den Weg. Wir treffen auf die ersten Wanderer.




    Und es kommen immer mehr! Quasi am laufenden Band begegnen uns Wandergrupen unterschiedlichster Größe. Wir erfahren, dass hier irgendwo ein berühmtes Festival stattfindet, zu dem man wohl traditionell durchs Fjäll anwandert. Diese Wandererdichte im Fjäll ist eine neue Erfahrung für uns (höchstens auf einer Kungsleden-Etappe in Lappland war es mal ähnlich voll), angesichts des Traumwetters und der beinahe spürbar guten Laune allerorten stört es uns aber nicht.





    Wir erreichen einen malerischen See. Die angedachte Pause wird uns allerdings von zahlreichen Mückenschwärmen vermiest und daher ziemlich kurz gehalten.



    Schließlich, vielleicht gegen Mittag, erreichen wir Olafsbu. Es dauert etwas, bis wir den Hüttenwart ausfindig gemacht haben. Gutwillig erklärt er uns die Funktionsweise des "DNT-Bestellscheins". Somit ergänzen wir unsere Vorräte und gönnen uns Dosenfisch mit Knäckebrot vor der Hütte.



    Wir fragen noch, ob wir unseren gesammelten Müll hier entsorgen dürfen. Er gestattet es uns, weist uns aber darauf hin, dass es nicht vorgesehen ist und hier jeder seinen Müll eigentlich mitnimmt. Dann machen wir das selbstverständlich auch.
    Wir erklären ihm auf Nachfrage noch, wo Bielefeld liegt, und setzen schließlich unseren Weg fort.

    Es herrscht richtiggehend Mittagshitze. Uns kommen viele Wanderer entgegen.





    Beim Aufstieg Richtung Raudalsbbandet meine ich leichte Anzeichen eines Sonnenstichs bei mir zu bemerken. Eine leichte Schwäche, leichter Schwindel. Ich halte meinen Buff in einen der kalten Bäche und drappiere ihn auf meinem Haupt. Tatächlich fühle ich mich schnell wieder gut.









    Es geht über Fels und Schnee, wir begegnen vielen Menschen.


    Schließlich erreichen wir den Abstieg ins Tal. Es gilt, ein steileres Schneefeld zu passieren.







    Meine Freundin setzt sich einmal auf den Allerwertesten, ansonsten geht das erstaunlich gut. Unten treffen wir noch ein Paar aus Deutschland, mit denen wir uns kurz über die Gegend austauschen.









    Schließlich liegt der malerische Langvatnet vor uns. Irgendwo hier wollen wir nach einem Zeltplatz suchen.
    Es dauert wieder mal länger als erwartet, aber irgendwann steht unsere Behausung.





    Es ist ein herrlicher Abend. Rechtschaffen müde kriechen wir nach dem Sonnentuntergang in die Schlafsäcke. War das ein Wetterchen heute!






  10. Erfahren
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #10
    Tag 8

    Am nächsten Morgen ist es ziemlich windig, der Zeltabbau gestaltet sich spannend. Aber es bleibt trocken und sonnig warm. Wir machen uns auf den Weg, am Seeufer entlang Richtung Urdadola.










    An einem kleinen Kiesstrand machen wir Pause, essen etwas und flitschen ein paar Steine übers Wasser.





    Unsere (eher meine) Planung sieht vor, den Weg Richtung Nordosten zu verlassen, um dann nach 1,5 km auf den Weg im Urdadalsjonnen zu stoßen. Dadurch würden wir etwa 3,5 km einsparen und mal vom Weg runterkommen.

    Nach dem völlig bescheuerten Abkürzungsversuch vor ein paar Tagen ist meine Freundin allerdings sehr, sehr sekptisch. Soweit wir sehen können, sieht das hier alleredings alles gut gangbar aus. Jedoch haben wir keinen Schimmer, wie gut oder schlecht der Urdadola zu queren sein wird.

    Doch ich kann meine Freundin überzeugen, es zu versuchen. Die Aussicht wird stetig besser, während wir nach oben steigen.

    Wir haben jetzt mehr als die Hälfte unserer Wandertage rum, liegen gut in der Zeit und haben gutes Wetter und Laune. Daher beschließen wir, oben unser Zelt aufzuschlagen und dort den Nachmittag zu verbringen.
    Ein paar unerwartet gute Zeltplätze bestärken uns in dem Vorhaben.








    Wir steigen auf den kleinen Gipfel, genießen die warme Nachmittagssonne, ein paar Schlücke Schnaps, eine Zigarre und die gute Aussicht. Bergfest!





    Der Urdadola sollte morgen kein Problem werden, wie wir beim Wasserholen feststellen. Er fließt hier breit und sehr flach.

    Gegen Abend schlägt das Wetter um, es wird kalt und regnet.

  11. Erfahren
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    #11
    Tag 9



    Entgegen unserer Erwartung regnet es morgens nicht, jedoch ist der Himmel komplett bewölkt und es ist eher kühl.
    Wir queren den Urdadola wie erwartet ohne Probleme.



    Nach kurzer Zeit stoßen wir wie geplant wieder auf die Wanderroute - einen Weg kann man das hier wirklich nicht nennen, alles ist voller Steine. Trotzdem haben sich vereinzelte Mücken hierher verirrt.

    Es bleibt trocken, das Wandern macht Spaß.



    Plötzlich hören wir lautes Donnergrollen, das durch das ganze Tal hallt. Wir schauen nach oben, aber der Himmel sieht eigentlich nicht nach Gewitter aus. Und das Grollen setzt sich fort, der Rhythmus passt allerdings auch nicht zu einem Gewitter. Dann sehe ich, weit entfernt, an einem Hang an verschiedenen Stellen Staubfahnen aufsteigen. Steinschlag! Wir sind beeindruckt, da müssen ordentliche Brocken runtergekommen sein, so laut wie das war. Schön, dass wir nicht in der Nähe waren.

    Die umliegenden Hänge etwas skeptisch im Auge behaltend, setzen wir unseren Weg fort.







    Irgendwann erreichen wir den kleinen Pass Urdadalsbandet. Hier begegnen uns zwei Wanderpärchen, ansonsten ist es heute schön ruhig.

    Wir steigen noch ein großes Schneefeld hinab und halten nach einem Pausenplatz Ausschau.







    Schließlich werden wir fündig, die Aussicht ist auch ganz passabel.




    Nach einer langen Pause mit Kakao und Kartoffelbrei setzen wir den Abstieg fort. Es wird zunehmend grüner.





    Etwa 300 Höhenmeter und einige Zeit später erreichen wir das Visdalen. Während der Suche nach einem Zeltplatz kommt kurzzeitig fast die Sonne durch.






    Wir schlagen unser Lager auf, es beginnt zu regnen und wird ungemütlich. Vom Zelt aus können wir später ein paar vereinzelte Trailrunner (so sind sie zumindest gekleidet) des Weges kommen sehen. Rennen tut allerdings keiner mehr. Der letzte, der ordentlich zurückliegt, tut uns leid: Wackelig setzt er langsam ein Bein vor's andere, nach Spaß sieht das nicht aus. Er hat noch fast fünf Kilometer vor sich, bis er in Spiterstulen eintreffen wird.




    Wir legen uns früh schlafen.

  12. Erfahren
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    #12
    Tag 10

    Wir sind früh wach und ein fantastischer Morgen begrüßt uns. Es ist ziemlich warm, viel blauer Himmel, überall surren Insekten umher und alles wirkt sehr ruhig und friedlich. Bestens gelaunt machen wir uns auf den Weg Richtung Spiterstulen.



    Die morgendliche Stimmung ist umwerfend. Je näher wir allerdings SPiterstulen kommen, desto mehr weicht sie leider regem Wanderbetrieb. Immerhin kommen so einige nette Begegnungen und Gespräche zustande. Unter anderem treffen wir auf ein sehr freundliches, älteres Pärchen aus Estland, die mit Tagesgepäck und Hund unterwegs sind. Sie erkundigen sich, wie es so mit Zelt in den Bergen ist. Die Frau erzählt uns, dass die beiden nach Norwegen ausgewandert sind. Sie war lange schwerkrank, ist aber jedes Wochenende in die Berge gewandert und sei durch die Berge geheilt worden. Jetzt sei die Krankheit weg.





    Bei einer kurzen Rast vor Spiterstulen kommt eine Norwegerin aus Richtung der Hütten, und fragt uns, wo wir hergekommen sind. Ob wir ihre Watschuhe gesehen hätten. Gestern habe ich einen Regenschirm(!) auf einem Stein im Geröll gesehen, aber nein, ihre Schlappen haben wir nicht gesehen. Sie bedankt sich und marschiert weiter, die Schuhe seien sehr wichtig. Wir haben leider nie erfahren, wie die Suche weiter verlaufen ist.



    Schließlich erreichen wir die Hütten. Es ist weniger voll als erwartet, die meisten sind wohl schon unterwegs. Parkplatz und "Zeltwiese" sind jedoch gerappelt voll. Ganze Scharen von Menschen marschieren dem Gipfel des Galdhoppigen entgegen, wie ein Blick Richtung Westen verrät.

    Wir wollen unsere Vorräte ergänzen und betreten die Hütte.

    Zu unserem großen Erstaunen müssen wir feststellen, dass sie hier zwar kleinen Feigling, Aufnäher und alles mögliche haben, aber weder Reis noch Nudeln, die wir eigentlich bräuchten. Wir kaufen schließlich stattdessen zwei Dosen namens Snorre: Angeblich eine Reismahlzeit, die man braten, kochen oder auch auf's Brot schmieren kann. Wir sind gespannt, aber skeptisch.

    Angesichts des Betriebs hier sind wir uns einig, dass wir den Glittertinden-gipfel anpeilen, und den Galdhoppigen links liegen lassen. Eine gute Entscheidung, wie sich noch herrausstellen wird.

    Wir lassen die Hütten hinter uns und folgen eine kurze Zeit der Straße, bis der Weg nach rechts abzweigt und sich den Hang emporzuschlängeln beginnt.








    Uns kommen einige Leute entgegen, hier ist auch relativ viel los. Als wir oben sind, beginnt es leicht zu regnen. Wir wollen noch etwas Richtung Glittertinden gehen, und am Fuß unser Zelt aufschlagen.



    Das Wetter wechselt zwischen Regen und Sonne, und es dauert wieder etwas, bis wir einen zufriedenstellenden Zeltplatz ausfindig gemacht haben.




    Wenn das Wetter morgen gut ist, wollen wir auf den Glittertinden, ansonsten weiter unserer Route folgen.



  13. Erfahren
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    #13
    Tag 11

    Wir sind sehr früh wach, die Sonne geht gerade auf, der Mond steht noch am Himmel. Und selbiger ist ziemlich blau, es sieht nach Prachtwetter für heute aus.





    Wir machen uns schnell fertig um den Glittertinden zu besteigen. Noch ist es morgendlich kühl, aber die Kraft der Sonne nimmt stetig zu. Wir sind die Ersten, weit und breit ist niemand zu sehen, eine beinahe magische Stimmung. Vor uns liegen etwa 1000 Höhenmeter.
    Etwas weiter oben ist etwas Kraxelei angesagt, es geht stetig höher.








    Irgendwann wird der Berg flacher, ein endloses Geröllfeld. Uns holt ein zügiger Norweger mit GPS in der Hand ein - die Hälfte haben wir geschafft.








    Es wird sehr warm und die Strecke zieht sich, aber irgendwann kommt der schneebedeckte Gipfel in Sicht.










    Mittlerweile herrscht hier etwas Betrieb, aber es hält sich noch in Grenzen, vielleicht fünf, sechs Leute halten sich auf dem Gipfel auf. Die Aussicht ist umwerfend.



    Oben genießen wir die Aussicht, machen ein paar Fotos und unterhalten uns mit einem Norweger. Er beglückwunscht uns zur Wahl des Glittertinden anstatt des Galdhoppigen: "They build a cabin at the top there - you can eat a HotDog there, if you want to." Ok, dann haben wir uns wirklich richtig entschieden, das ist auch nicht unsere Vorstellung eines schönen Gipfels. Zudem könne der Glittertinden manchmal höher sein als der Galdhoppigen - with snow. Wir überlegen noch, ob es höhere Berge in Skandinavien gibt, er glaubt es auch nicht. Wie es wohl wäre, von hier mit einem Paragleiter zu starten, sinieren wir noch zusammen, dann verabschieden wir uns, und machen uns langsam auf den Rückweg. Es ist kalt hier oben.




    Es kommen uns stetig Wanderer entgegen. Keine Spur mehr von der morgendlichen Ruhe. Weiter unten ist es wieder hochsommerlich warm, das Wetter hält.

    Irgendwann am Nachmittag erreichen wir wieder unser Zelt, es ist schweinewarm. Wir haben Hunger, und probieren eine der Snorre-Dosen. Sieht nicht gut aus, riecht aber bei Erhitzung im Topf nicht schlecht und schmeckt erstaunlich gut. Zufrieden uns satt leigen wir auf unseren Isomatten und schmoren in der Sonne. Dabei können wir die Gipfelrückkehrer auf dem Weg beobachten.


    Da wir uns fit und ausgeruht fühlen, beschließen wir, nochmal aufzubrechen und noch ein paar Stunden zu gehen.



    Wir gehen querfeldein in Richtung der Gletscher im Süden, und wollen dort irgendwo lagern. Wir treffen niemanden mehr, das Abendlicht ist genial.














    Irgendwo am Skautjonne finden wir einen Lagerplatz, vor uns beginnt eine Moränenlandschaft.



    Wir legen die Rucksäcke ab, und nutzen das letzte Abendlich für eine kleine Exkursion Richtung Gletscherzunge. Das Vorankommen ist schwierig.














    Wir schauen uns etwas um, und kehren dann zurück.
    Über die weitere Route wollen wir morgen entscheiden: Entweder noch in Richtung der großen Gletscherzunge im Südosten, oder nach Nordosten, direkt zurück auf den Weg.


  14. Erfahren
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #14
    Tag 12



    Es ist kühl und regnet. Auch nach einer Partie Schach. Schließlich brechen wir im Regen auf. Angesichts des Wetters wählen wir den direkten Weg ohne Gletscherbesuch.

    Wie wir schnell feststellen, liegen vor uns fast zwei Kilometer nasse Geröllfelder. Spätestens hier lernt man, schon anhand der Farbe der Steine ihre Griffigkeit zu unterscheiden. Die ständige Konzentration ist anstrengend. Einmal stürze ich sogar zwischen die Steine, komme aber ohne eine Schramme davon.

    Wir sind ganz froh, als wir irgendwann wieder auf dem Weg sind. Der ist zwar auch ziemlich rutschig, aber doch deutlich besser gangbar. Allerdings ist es voll, viele Wanderer kommen uns entgegen.

    Wir kommen mit zwei jungen Frauen aus Chemnitz ins Gespräch. Als wir von unserem "Nudel-mangel" erzählen, bieten sie uns von ihren Vorräten an, aber wir lehnen dankend ab.



    Das Wetter bleibt ungemütlich. Es geht jetzt bergab, östlich in dem Tal vor uns muss Glitterheimen liegen.






    Einige Kilometer später erreichen wir Glitterheimen. Wir kaufen letzte Vorräte, viel ist nicht nötig, aber auch hier gibt es keine Nudeln.

    Wir setzen unseren Weg Richtung Süden fort, wollen langsam nach einem Zeltplatz suchen. Doch jetzt ist hier irgendwie die Hölle los:Alles ist voller Wanderer, teilweise riesige Gruppen, es kommt Klassenfahrtatmosphäre auf. Die ersten guten Zeltplätze sind dann auch direkt besetzt, weiter unten werden gerade ein halbes Dutzend Zelte aufgebaut.



    Über den Pass wollen wir heute nicht mehr, und irgendwann finden wir ein aktzeptables Zeltplätzchen.


  15. Erfahren
    Avatar von Matthzi
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #15
    Ein schöner Bericht von einer wie es scheint tollen Reise!
    Da ich mich gerade für 2017 für Jotunheimen entschieden habe ist es schön so viele Bilder zu sehen.
    Vielen Dank dafür!

  16. Gerne im Forum

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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #16
    Toller Bericht mit super Bildern!!

    Vielen Dank

  17. Erfahren
    Avatar von Nuklid
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #17
    Vielen Dank, freut natürlich wenn's gefällt.


    Tag 13



    Das Wetter ist etwas besser als am Vortag, aber es bleibt bewölkt und wechselhaft. Wir brechen Richtung Pass im Südosten
    auf. Der Weg ist voll von Wanderern, Ausflugsatmosphäre. Wir versuchen, die Scharen hinter uns zu lassen, was uns schließlich kurz nach Passhöhe auch gelingt.

    Vor uns liegt eine Ebene, rechterhand grasen ein paar Schafe zwischen den Felsen. Es fallen ein paar Tropfen.

    Schließlich sehen wir irgendwann den Russvatnet.





    Wir folgen dem Weg einem begrasten Hang entlang und begegnen ein paar Schafen direkt am Wegesrand. Eine nette Abwechslung, denn Schafe im Fjäll sind neu für uns. Aber es beginnt stärker zu regnen.

    Nachdem wir noch eine wackelige Hängebrücke passiert haben, erreichen wir irgendwann das Seeufer. An einem Kiesstrand machen wir eine längere Esspause. Regen und Sonne wechseln und machen die Pause zumindest abwechslungsreich.



    Später kommen wir an einer privaten Hütte vorbei, dahinter führt eine große Hängebrücke über den Russvatnet nach Süden.



    Das Gelände wird flacher und eher hügelig.





    Irgendwie setze ich mir die Idee in den Kopf, dass man ja auch heute bis zum Auto marschieren könnte. Das wären dann nochmal etwa 15 km - meine Freundin ist überhaupt nicht angetan von dieser Idee. Die Stimmung sinkt zwischenzeitlich etwas.





    Als wir jedoch schließlich am Bessvatnet sind, bin ich spätestens jetzt auch dafür, hier unser Zelt aufzuschlagen. Morgen ist auch noch ein Tag. Die Stimmung ist wiederhergestellt.
    Wir gehen etwas nach Osten und schlagen unser Lager in der Nähe des Russa auf einer Ebene auf.







    Abends kommt die Sonne etwas raus und veredelt das Tagesende.


  18. Erfahren
    Avatar von Nuklid
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #18
    Tag 14

    Wir sind früh wach und ein warmer, sonniger Morgen lockt uns schnell aus dem Zelt. Um uns herum eine große, sonnige Weite. Im Süden sehen wir einige schwarze Punkte. Rentiere?

    Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg Richtung Gjendesheim.

    Es ist jetzt bewölkter, aber kein Mensch weit und breit. Tatsächlich nähern wir uns einer großen Rentierherde, die offenbar vor sich hindöst, und zwar genau auf dem Weg. In gebührendem Abstand umgehen wir die Tiere. Fast alle liegen auf dem Boden, wir wollen nicht stören.










    Als wir die Herde etwa zur Hälfe umgangen haben, setzen sie sich wie auf ein unsichtbares Kommando gemächlich in Bewegung, und entschwinden über ein Schneefeld in höhere Lagen.




    Der Nachzügler:



    Was für ein genialer Abschluss unserer Wanderung!



    Wir nähern uns Gjendesheimen und begegnen ein paar Schafen. Man kann bereits die Straße sehen, die nach Haimdalsmunnen zu unserem Auto führt.

    Schließlich sehen wir den Gjende in seiner Pracht. Auch die ersten Wanderer begegnen uns, und es werden schnell mehr. Das meiste sind Tagesausflügler die mutmaßlich zum Bessegen-grat wollen.



    Schließlich erreichen wir Gjendesheimen. Hier ist viel los, Busse fahren an und ab, viele Menschen und ein paar Schafe rennen umher. Allein die Preise im Kiosk/Imbiss sind eine Besichtigung wert. Wir gönnen uns trotzdem ein Sandwich und ein Eis.

    In strahlendem Sonnenschein brechen wir auf Richtung Heimdalsmunnen. Vor uns liegen 10 km Straßenwandern.
    Ursprünglich sah der Plan vor, noch einen kleinen Umweg durchs Fjäll zu machen - aber nach 14 Tagen sind wir "satt" und wollen ohne Umwege zum Auto. Angesichts des Wetters schämen wir uns fast dafür.





    Jedoch, nach einigen Kilometern beginnt es schnell zu bewölken. Ziemlich plötzlich setzt ein Wolkenbruch sondergleichen ein. Jetzt ist es egal, ohne Regenhose marschieren wir dem Auto entgegen, während wir zunehmend durchnässen. Hinter jeder Hügelkuppe oder Straßenbiegung vermuten wir das Auto und werden jedesmal enttäuscht. Immerhin sind wir jetzt ganz froh, das Auto direkt angesteuert zu haben.

    Einige Liter Wasser später erreichen wir das Auto, es schüttet unaufhörlich wie aus Eimern. Aber wir sind da!


    Wir schauen uns auf dem Weg gen Oslo noch einige Stabkirchen und ein paar Campingplätze an.









    Dann geht es über Trelleborg wieder nach Hause.

    Wir sind ziemlich zufrieden mit unserem Jotunheimen-trip: viel Sonnenwetter, traumhafte, abwechslungsreiche Landschaften, Rentiere, Gletscher, Gipfel - nur etwas weniger Leute hätten es hier und da sein dürfen.

  19. Gerne im Forum

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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #19
    traumhaft

    Hast du vielleicht eine kurze Routenübersicht oder gar eine Karte mit eurem Weg eingezeichnet?
    Wer ernten will, muss säen!

  20. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: [NO] Auf dem Dach Skandinaviens: Zwei Wochen Jotunheimen bei Traumwetter

    #20
    Sehr schön, die gleiche Runde machten wir (Sarekmaniac und ich) 2003 in umgekehrter Richtung
    Nur sind wir nicht über den Gipfel, wegen Schneeregen, und wir sind über den Bessegen-Grat gewandert.
    Am See am oberen End des Leierungdalen haben wir auch gezeltet.
    Spitterstolen war unser Start und Zielpunkt - soltet ihr noch mal dort sein, plant das Frühstücksbuffet ein
    Geändert von Goettergatte (02.02.2017 um 16:28 Uhr)
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
    --------

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