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  1. Ein Kuppelzelt

    #1
    Ich war bzw. bin immer noch ein großer Freund von Kuppelzelten mit einem Gestängebogen in Längsrichtung, der sich ab dem Kopfbereich zu den vorderen zwei Ecken hin teilt. Beispiele hierfür wären das Vaude Hogan UL 1, das Big Agnes Seedhouse SL 1 und das Terra Nova Solar Photon 1.

    Bei den genannten Zelten handelt es sich um klassische Überwurfkonstruktionen. Das heißt, das Innenzelt mit Gestänge wird zuerst aufgebaut und anschließend das Außenzelt darüber gespannt. Kritiker der genannten Aufbauart monieren, dass bei Regen der Innenraum nicht trocken bleibt. Ich behaupte aber, dass man Innen- und Außenzelt sehr wohl miteinander aufbauen kann, also nicht nacheinander, so dass es im Inneren trocken bleibt. Allerdings bedarf das ein wenig Übung.
    Klare Vorteile dieser Konstruktion gegenüber Zelten, bei denen die Teile fix miteinander verbunden sind, sehe ich in der Tatsache, dass man das Innenzelt einzeln aufbauen kann, dass man das Außenzelt nach einer nassen Nacht separat verpacken kann und, dass die Windstabilität der gesamten Konstruktion, aufgrund des nicht vorhandenen Windfangs, wie z.B. einem Gestängekanal, besser ist.

    Leider sind alle genannten Modelle für meine Ansprüche nicht ganz perfekt:
    Das Vaude Hogan UL 1 ist mit 1370 g (ohne Heringe) natürlich recht schwer. Außerdem ist es für mich um einige Zentimeter zu kurz. Die Aufstellstangen im Fußbereich, die beim aktuellen Modell, dem Hogan Argon UL, Abhilfe schaffen sollen, bringen meinem Empfinden nach kaum den gewünschten Effekt, verschlechtern aber den sauberen Aufbau des Zeltes immens. Der Fronteingang, der zudem recht klein ausfällt, ist natürlich auch wenig komfortabel.
    Das Big Agnes Seedhouse SL 1 (älteres Modell) ist mit 1050 g (ohne Heringe) schon leichter, aber auch dieses Zelt ist zu kurz, und es hat wieder einen Fronteingang. Außerdem ist die Kondensationsbildung durch einen fehlenden Topplüfter recht hoch, das Innenzelt aus feinem Moskitonetz ist sehr empfindlich, und das Zelt insgesamt ist nicht sehr windstabil.
    Das Terra Nova Solar Photon 1 ist da schon sehr nahe an meinem Optimum - es ist mit 805 g (ohne Heringe) schön leicht, hat einen Seiteneingang, und die Innenzeltlänge reicht für mich (wenn auch knapp) aus. Aber auch hier gibt es Wermutstropfen: Es fehlt wieder ein Topplüfter. Außerdem ist der Seiteneingang in meinen Augen auf der falschen Seite angebracht, nämlich Rechts aus dem Liegen heraus betrachtet. Das hat zur Folge, dass ein Schlafsack mit Linksreißverschluss zur offenen Tür hin aufgeschlagen werden muss, wodurch der aufgeklappte Teil des Schlafsacks evtl. draußen im Feuchten aufliegt. Soll der Schlafsack sauber und trocken bleiben, gestaltet sich der Einstieg recht umständlich. Das Kochen aus dem Liegen heraus ist zum Beispiel für Rechtshänder auch eher schwierig, da man sich auf den rechten Arm abstützen und mit links hantieren muss.

    Kurzum, ich musste mir selbst ein Zelt nach meinen Ansprüchen nähen:

    Aufbau
    • Kuppelzelt in Überwurfkonstruktion
    • min. 5/ max. 13 Heringe nötig


    Außenzelt
    • Maße (L x B x H): 246 x 134/ 70 x 102 cm
    • Material: Nylon 10 DEN, Doppel Ripstop, beidseitig silikonisiert, 2000 mmWs
    • YKK Aquaguard 3C, wasserabweisender Zwei-Wege-Reißverschluss
    • Steckschließe als Zugentlastung für den Reißverschluss
    • Tür zu einem Drittel oder komplett zu öffnen
    • verschließbarer Topplüfter
    • 9 Bodenabspannpunkte
    • 5 Abspannpunkte für Sturmleinen
    • insgesamt 4 Klettstreifen auf Innenseite zur Fixierung des Gestänges entlang der Firststange und an den zwei Seitenarmen.
    • Gewicht: 212 g


    Innenzelt
    • Maße (L x B x H): 231 x 87/ 57 x 94 cm
    • Material: Wände aus 10 DEN Nylon, Super WR (DWR) behandelt; Netzfenster aus Polyamid mit 155 Maschen/ cm²; Bodenwanne aus Silpoly PU4000, Si/ PU beschichtet, 3500 mmWS
    • YKK 3C Zwei-Wege-Reißverschluss auf voller Länge. Eingangsseite lässt sich nahezu komplett öffnen.
    • C-Clips (Zelthaken) zum Einhängen des Innenzeltes am Gestänge
    • Gewicht 285 g


    Apside
    • Maße (L x B) 246 x 39 cm, spitz zulaufend.


    Gestänge
    1. Easton Nanolite 18"
    2. Aluminium Gestängehub
    3. Gewicht 233 g


    Gesamtgewicht (Innenzelt, Außenzelt, Gestänge):
    • 730 g


    Genug geschrieben. Jetzt lasse ich Bilder sprechen:





























































    Natürlich geht es auch noch leichter: Mit einem Innenzelt aus 17 g/m² Moskitonetz anstatt des Nylons und dem Gestänge aus Easton Fly Poles wiegt das komplette Zelt nur noch 685 g:











    Bevor die Frage aufkommt: In diesem Zelt stecken fünf Jahre Entwicklungsarbeit. Das sind mehr als 500 Arbeitsstunden und natürlich mehrere Prototypen die ich genäht habe.
    Geändert von Fisherman (10.08.2016 um 22:58 Uhr)

  2. Dauerbesucher

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    AW: Ein Kuppelzelt

    #2
    Das hast Du aber gut gemacht, drum wirst Du auch nicht ausgelacht ;)

    Irgendwann wirst Du bestimmt als Ausrüsrungs-Designer ge-headhunted...

  3. Erfahren
    Avatar von denisrs
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    AW: Ein Kuppelzelt

    #3
    Wahnsinn, super Handarbeit und Hut ab vor den Stunden, welche Du dafür investiert hast.

    Mal `ne gut gemeinte Nachfrage: Hattest Du mal an Lüfter gedacht? Weil so kann ja die Kondensbildung leicht geschehen. Klar wird das Zelt dadurch etwas schwerer.

    Nochmal: tolles Zelt!
    Viele Grüße

    Denis

  4. AW: Ein Kuppelzelt

    #4
    Der Lüfter ist doch dran, steht auch so in der Beschreibung. Man muss den nur aufstellen

    034 by K. Andreas, auf Flickr

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  5. Fuchs
    Avatar von PWD
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    AW: Ein Kuppelzelt

    #5
    Wahnsinn - Tolle Arbeit!

    Du bist also die neue Zeltbaufirma - hoffentlich bleibt es bei made in Germany

  6. Erfahren
    Avatar von SiSler
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    AW: Ein Kuppelzelt

    #6
    ... sehr, sehr schönes und leichtes Zelt hast du dir da genäht, Respekt! Ich wünsche dir viele schöne OutdoorSessions darin, möge es innen trocken bleiben und den ein oder anderen Sturm überstehen

    Gruß

  7. Erfahren
    Avatar von Hapi
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    AW: Ein Kuppelzelt

    #7
    ...leicht, total schick und eine tolle Arbeit! Bin immer wieder völlig fasziniert, was hier so das Geschick einiger Leute betrifft
    Look deep into nature and you will understand everything better (A. Einstein)

  8. Alter Hase

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    AW: Ein Kuppelzelt

    #8
    Wie immer toll. Die Ringlösung, die alle drei Stangen zusammenführt ist aus pragmatischen Gründen entstanden, oder auch mit viel Hintersinn? Ich frage deshalb, weil ich bei starkem Sturm die Sorge hätte, dass das Gestänge sich aufgrund der Tiefe des durchgebohrten Loches (weniger Auflage) evtl. zu stark bewegen kann (Torsion).? Andererseits finde ich es eleganter und "flickbarer", als die Lösungen von MSR und Konsorten, wo alles als ein Teil konstruiert ist.

    Das Alpkit Ordos (vormals ein GoLite Zelt) kanntest Du? Hier ist ja eine ähnliche Konstruktion mit dem (für Dich) Nachteil, dass es keinen Seiteneingang hat.

    Jedenfalls. Schön :-)

    Edit: Der Spanngurt am Eingang ist ja auch ein schönes Detail. Das ist halt immer toll bei Dir. Deine Sachen erinnern womöglich an andere Outdoorartikel, aber guckt man genauer erkennt man Deine Handschrift (auch ohne Etikett)

  9. AW: Ein Kuppelzelt

    #9
    Sehr schön, sehr beeindruckend "fertig gedacht", sehr ästhetisch. Ich bin sehr beeindruckt!

  10. AW: Ein Kuppelzelt

    #10
    Erstmal Danke für die Rückmeldungen!


    Irgendwann wirst Du bestimmt als Ausrüsrungs-Designer ge-headhunted...
    Besser nicht. Nicht, dass noch jemand seine Berufsbezeichnung wörtlich nimmt, mir die Rübe absäbelt und diese zu einem runzeligen Schrumpfkopf verarbeitet!


    Die Ringlösung, die alle drei Stangen zusammenführt ist aus pragmatischen Gründen entstanden, oder auch mit viel Hintersinn? Ich frage deshalb, weil ich bei starkem Sturm die Sorge hätte, dass das Gestänge sich aufgrund der Tiefe des durchgebohrten Loches (weniger Auflage) evtl. zu stark bewegen kann (Torsion).?
    Das ist eigentlich ein ganz normaler Gestängehub wie man ihn von anderen Herstellern her kennt, mit dem Unterschied, dass bei meiner Version die Gestängesegmente mit gekürzten Verbindungsstiften in den Hub eingeschoben werden, anstatt, dass massive Verbindungstifte, die fest mit dem Hub verbunden sind, in die offenen Enden der Gestängesegment eingeschoben werden.
    Ich gehe bei meinen Überlegungen davon aus, dass die Verbindungsstifte der Gestängesegment stark genug sind, dass diese sich nicht verwinden bzw. nicht an der Einschubstelle am Hub abkanten. Ich glaube auch, dass meine "Steckverbindung" stabiler ist: Die Verbindungshülsen die ab Werk eingepresst sind reichen viel weiter in das Gestängesegment hinein als die kurzen "Stummel" an konventionellen Gestängehubs. D.h. die auf das Gestänge wirkenden Kräfte verteilen sich bei meiner Version auf eine größere Fläche. Ergo, bei einem herkömmlichen Hub bricht das Gestängesegment an dessen Ende eher aus.
    Außerdem ist in meinem Fall das Packmaß des Gestänges durch das Fehlen der Stifte am Hub besser.


    Das Alpkit Ordos (vormals ein GoLite Zelt) kanntest Du? Hier ist ja eine ähnliche Konstruktion mit dem (für Dich) Nachteil, dass es keinen Seiteneingang hat.
    Das Zelt kenne ich. Die Konstruktion dessen, bezogen auf die Anordnung und die Winkel der Gestängearme zueinander, erinnert mich aber eher an das Vaude Taurus. Das Zelt hatte ich auch mal in meinem Besitz und ich muss ganz ehrlich sagen ich war kein Freund davon! Ich habe es nach einigen Nächten wieder veräußert.

  11. Alter Hase

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    AW: Ein Kuppelzelt

    #11
    Danke für die ausführliche Erklärung. Mir war nicht bewußt, dass der Gestänge Hub recht verbreitet ist. Irgendwie habe ich das immer als nicht steckbares "Gelenk" vor Augen. Auch gefallen mir die Möglichkeiten Spannschnüre an den Seiten anbringen zu können, etwas, das Vaude bis vor Kurzem bei zB dem Hogan nicht für nötig gehalten hat. Vermutlich kannst Du Dich mit Deinem Zelt richtig gut "in den Boden graben". Kann mir vorstellen, dass das Material bei Seitenwind dann zwar recht stark belastet wird, aber es ist ja auch ein Gebrauchsgegenstand

  12. AW: Ein Kuppelzelt

    #12
    Die erste Nacht im Zelt:



    Der Lüfter funktioniert - kaum Kondensationsfeuchtigkeit. Lediglich am höchsten Punkt des Firstbogens ein etwa 10 x 20 cm Streifen mit leichter Nebelfeuchte.

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