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  1. [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #1
    Mitreisende: Libertist, Tractrice
    Land: Myanmar (Burma)
    Reisezeit: Januar/Februar 2016
    Dauer: 3 Wochen


    Wir beide in unserem Gumotex Scout, zwischen uns zwei große Ortlieb X-Tremer, voll mit Ausrüstung und Essen.


    Zwei Fischer auf dem Thanintharyi River.


    Nach über zwei Wochen Paddeln stießen wir im Unterlauf des Flusses auch auf mittelgroße Boote. Der Großteil des Flusses ist nicht schiffbar.

    Vorbemerkungen: Als wir im Frühsommer 2015 diese insgesamt 8-monatige Reise planten, war schnell klar, dass es ziemlich anstrengend werden würde: Die Länge und Schwierigkeit der vielen Trekking-Touren, die Abgeschiedenheit, das Rucksackgewicht, die Kälte… Zum Ende sollte etwas Abwechslung her, eine Bootstour zum Beispiel! Südostasien schien dafür gut geeignet zu sein, sowohl klimatisch, als auch landschaftlich: Wildnis-Trekking ist in den Dschungelgebieten nur schwer möglich, aber Flüsse gibt es genug. Als eines der seltener besuchten Länder fiel Myanmar schnell in die engere Auswahl. Zunächst beschäftigten wir uns intensiv mit den Salween River, mussten aber irgendwann einsehen, dass viele Gebiete, durch die der Salween führt, noch immer hart umkämpft sind und es viel zu gefährlich wäre, eine Befahrung zu wagen.

    Etwas sicherer ist der Süden des Landes. Dort viel uns der Thanintharyi River auf: ein etwa 500 km langer Fluss (von der Stadt Myitta bis zur Mündung), der in weiten Teilen durch nicht-bewirtschaftete Dschungellandschaft führt. Kartenmaterial gab es natürlich keines, aber auf einem Fluss kann man sich ja nicht verfahren.

    Durchs Packrafting kannte ich mich grundsätzlich mit Wasser und Flüssen aus, trotzdem musste ein großes Boot her, das Essen für drei Wochen – so lange planten für die Strecke ein – mitführen konnte und darüber hinaus auch noch zukünftig für längere Flussexpeditionen dienen konnte. Unsere Wahl fiel auf das Gumotex Scout, einen recht günstigen aufblasbaren Kanadier mit 4,50 m Länge, ca. 25 kg Gewicht und 450 kg Zuladung. Bei denk.com gekauft (nach exzellenter Beratung von Thomas von denk.com) und in Wien auf einem Teich getestet, wurde es verpackt und bei meiner Schwester und ihrem Freund gelagert, die es uns ein halbes Jahr später mit nach Bangkok brachten (mehr zur Vorgeschichte dieser Tour gibt’s hier zu lesen).

    Trotzdem blieben einige Risikofaktoren bestehen. Dazu zählten vor allem:


    1. Zu den technischen Herausforderungen, die der Fluss an eine Befahrung stellte, wussten wir praktisch nichts. Soweit wir das überblicken konnten, wurde der Thanintharyi (auch „Great Tenasserim“ genannt) noch nie auf dieser Länge gepaddelt, zumindest gab es dazu nichts zu lesen (Berichte von kürzeren Motorboot-Befahrungen im unteren Teil haben wir allerdings über Google gefunden). Schiffbar war der Fluss nur abschnittsweise, aber natürlich gingen wir fest davon aus, dass viele kleine Motorboote unterwegs waren. Auf Google Earth waren ein paar Stromschnellen erkennbar, aber die schienen nicht übertrieben schwierig zu sein.

    2. In Myanmar ist es Touristen nicht erlaubt, außerhalb von Hotels zu übernachten. Diese Regel wird in den weniger abgelegenen Gebieten auch recht konsequent befolgt, wie wir in den Wochen zuvor selbst erleben konnten (siehe vorheriger Bericht). Wir hofften einfach, dass uns dieser Regelverstoß nicht zum Verhängnis werden würde. Man hätte für unsere Unternehmung sicher eine offizielle Genehmigung gebraucht, aber diese zu bekommen, war nach meinen Recherchen einfach zu unwahrscheinlich, also wollten wir es so probieren.

    3. Erst seit ein paar Jahren gilt in der Region Waffenstillstand, zuvor war auch der Süden Myanmars hart umkämpft. Wie sicher es für uns allerdings wirklich war, konnten wir nur schwer abschätzen, schließlich gab es keine Erfahrungsberichte aus sehr abgelegenen Regionen. Aber unsere Recherche zur politischen Situation ergab, dass es wohl sicher genug sei.

    Ich übergebe das Wort jetzt wieder an Sofia. Der folgende Text ist von ihr, die Fotos von mir.

    Da sitzen wir nun. Zum Umkehren gezwungen mit der durch Hände und Füße übermittelten Information, dass es ein Stück flussabwärts Probleme gebe, Armee und Waffen und Schüsse. Der Militärkommandant mustert Gabriel und mich mit strengem Blick und beginnt in ernstem Ton – selbstverständlich ohne jede Begrüßung – eine Diskussion mit seinem Landsmann. Ich höre ihre Worte, kann nichts verstehen und die Minuten ziehen sich wie Kaugummi. Was wollen die? Schicken sie uns zurück, verweisen sie uns des Landes? Immerhin sind wir ohne jede Genehmigung in der Region unterwegs, in welcher der längste Bürgerkrieg der Weltgeschichte andauert….

    20.01. – 23.01.2016 Anreise, Vorbereitung

    Um der Chronologie zu folgen, knüpfe ich hier an den letzten Fotobericht von Gabriel (Myanmar 1/2) an und steige am 20. Jänner mit der Fahrt von Mandalay nach Yangon ein. Nachdem wir im Norden ein paar Tage mit einer guten Freundin verbracht haben, soll nun endlich bald unsere heiß ersehnte Flusstour starten. Vor 10 Monaten haben wir uns den Gumotex Scout – Kanadier gekauft und seitdem freue ich mich darauf, mit dem Boot auf Tour zu gehen. Das ist meine erste Flusstour; ich bin gespannt, ob es wohl so werden wird, wie ich es mir in den verschneiten und kalten Zeiten in den Bergen Kirgistans und Pakistans ausgemalt habe. Zurück zu der rumpeligsten Zugfahrt meines Lebens, die sich wie ein 11 stündiges Erdbeben Stufe 8 angefühlt hat: Nach einer kurzen durchschüttelten Nacht kommen wir schließlich frühmorgens am 21. Jänner in Yangon an und marschieren in das Hotel, wo wir einen Monat zuvor unser Boot deponiert haben, als wir in das Land eingereist sind. Mit nun zwei großen Rucksäcken und dem 30 kg Drybag mit dem Boot darin, fahren wir am 22. Jänner mit dem Nachtbus nach Dawei, wo wir eine Nacht bleiben, die Fahrt zu unserem Startpunkt Myitta organisieren und am Bazar Essen für gute zwei Wochen kaufen. Nachdem das Boot eine Zuladung von 450 kg aushält, müssen wir diesmal mit dem Essen nicht so wählerisch sein. Das heißt, es gibt frisches Gemüse, Fischkonserven und Kokosmilch und ich bin jetzt schon glücklich.

    24.01. – 30.02. Alles startklar? Ab in den Dschungel!

    Am 24. Jänner geht es mit drei riesigen und schweren Gepäcksstücken (einen Rucksack mit zu warmer Kleidung und Technikkram haben wir im Hotel gelassen) mit dem Auto von Dawei nach Myitta, wo der Tenasserim auf die Piste trifft. Die ganze Fahrt über ist Gabriel sehr angespannt: Nachdem wir online kaum Informationen einholen konnten, wissen wir nicht, ob der Fluss genug Wasser führt. Wenn nicht, war die ganze Planung und Vorbereitung umsonst und wir haben keinen guten Plan B in petto. Als wir über die Brücke fahren, wird schnell klar: Ja, das geht! Also lassen wir uns irgendwo am Straßenrand absetzen, wo wir gut zum Wasser kommen. Der sichtlich etwas verwirrte Fahrer hilft uns noch beim ausladen und braust davon; da sind wir nun. Wir und der Fluss. Ganz aufgeregt blasen wir das Boot auf, packen aus und um und ein und dann paddeln wir los.

    Fasziniert wie kleine Kinder, blicken wir um uns, bewundern das schillernd grüne Wasser, die Schattierungen der Steine und selbstverständlich unser wunderschönes Boot, die rote Lola, die unter tausend Grüns einen ziemlich coolen Kontrast bildet. Bei den ersten Schwimmgängen und dem warmen Gewässer mache ich mir noch ein bisschen Sorgen, ob sich hier nicht doch Alligatoren tummeln, doch das legt sich schnell. Schließlich gibt es auch Locals, die hier baden, auch wenn wir noch keine gesehen haben… Die ersten 30 Flusskilometer laufen noch entlang der Straße, aber soweit haben wir noch keine Häuser am Fluss entdeckt. Wir sind so sehr mit Um-uns-schauen beschäftigt, dass wir am ersten Tag nicht so gut vorankommen, wie erhofft. Dafür haben wir uns gleich mit ziemlich herausfordernden Stromschnellen auseinandergesetzt – und alle gut gemeistert. Überhaupt haben wir während der gesamten Flusstour keine einzige Stromschnelle umtragen müssen.

    Auch das Übernachten mit den Hängematten ist noch ein bisschen neu und ungewohnt – vor allem für Gabriel, der im Gegensatz zu mir noch nie zuvor eine Nacht in der Hängematte verbracht hat. Wir finden hinter der Böschung eines kleinen 20 m breiten Sandstrandes eine kleine Lichtung im Bambushain mit perfekten Hängemattenabständen. Auf den Wunsch des Libertisten tragen wir auch das Boot hoch in den Wald und verstecken es an der Böschung. Als wir beim Abendessen ein kleines Feuerchen machen, kommt uns eine Schlange besuchen und stapft unweit der Hängematten irgendein größeres Tier umher. Dazu die Akustik-Kulisse der Insekten und Vögel, Dschungel ahoi.







    Da zeigen wir richtig Engagement und stellen für den zweiten Tag den Wecker auf 6:20 Uhr, und dann kommt ein Gewitter. Tatsächlich! Trockenzeit, dachte ich? Nein, bewölkt und kühl bleibt es den ganzen Tag. Als während des Frühstücks der Regen einsetzt, beschließen wir in unserem Bambushain zu bleiben und abzuwettern. So sitzen wir dann gemeinsam in meiner Hängematte, haben alles an, was wir haben und die Schlafsäcke noch über die Köpfe gezogen. Hätte ich vielleicht doch eine Jacke mitnehmen sollen? Hoffentlich hält das nicht an…

    Zum Glück tut es das nicht. In den nächsten zwei Tagen stellt sich langsam ein Paddelrhythmus ein und wir kommen besser voran. Hin und wieder schippern wir durch Stromschnellen – mehr Nervenkitzel und freudige Aufregung als Angst oder Befürchtungen des Kenterns. Ich freu mich über jede erfrischende Abwechslung.

    Hin und wieder tauchen kleine Bambusflöße mit großen Motoren und Pumpen auf, die ich nicht ganz deuten kann. Breit grinsende Männer winken uns zu und heute treffen wir schließlich jemanden, der uns das Vorgehen auf Englisch erklären kann: Ein thailändischer „Business Man“ ist genauso fasziniert von unserem Auftauchen, wie wir von der Goldwäscherei im Tenasserim. Tatsächlich, der junge Mann besitzt mehrere der kleinen Minen-Flöße und etwa 10 Burmesen arbeiten für ihn darauf, viele davon kommen aus dem im Norden gelegenen Kachin State für diese Arbeit. Saisonal, versteht sich; in der Regenzeit ist Pause. Es scheint ein großes Goldvorkommen in diesem Fluss zu geben, denn bis zum Ende der Tour sehen wir immer wieder solch kleine Flöße. Ansonsten treffen wir hin und wieder auf lange Einbaumboote, die mit einem kleinen Motor gesteuert werden und Menschen und/oder Lebensmittel den Fluss hoch und runter transportieren. Die Begegnungen beruhen stets auf wechselseitiger Begeisterung und Verwunderung.



















    An Tag 5 ankern wir am Vormittag am letzten größeren Dorf am Fluss für die nächsten 180 Kilometer und füllen unsere Nahrungsvorräte auf. Während Gabriel bei Boot und Ausrüstung bleibt, schlage ich mich durch einen Palmenhain in Luftlinie Richtung Dorf. Ich folge einem kleinen Pfad und komme bei einer kleinen Strohhütte heraus, wo mich ein älteres Ehepaar verdutzt ansieht. Dank meinem kleinen Wörterbuch kann ich mein Anliegen verständlich machen und der freundliche Herr bringt mich mit seinem Moped zum Bazar von Phwe Phwe. Mit 15 Kilo Zuladung an frischem Obst und Gemüse, Eiern und Fischkonserven schippern wir weiter.

    30.01. – 01.02. Paddeln, paddeln, paddeln

    Am nächsten Morgen werden wir in einer Goldwäscher-Siedlung namens Amo Village von Familien der Goldwäscher zum Frühstück eingeladen; die Hausküche ist doch die Beste hier in Myanmar. Kurzer Aufenthalt und weitergepaddelt – heute sind wir fleißig und schaffen in der Zeit von 7:00 bis 17:30 Uhr gute 24 Kilometer (Luftlinie). Die Paddelei ist körperlich anstrengend, aber noch mehr setzt mir langsam aber doch die Monotonie zu…

    Dafür gibt’s morgen einen kurzen Tag und nachmittags ist Zeit für Wäsche waschen, schreiben, lesen und Yoga. Tagsüber hat es bestimmt über 40 Grad Celsius und immer wieder raucht es rechts und links neben dem Fluss aus dem Wald, meistens eher kleine, schwelende dicke Rauchwolken. Doch an diesem Abend, als wir am Lagerfeuer sitzen, sehen wir am Horizont der nächsten Flussbiegung große gelbe Flammen tanzen. Bis wir schlafen gehen, scheint der ganze Waldabschnitt stark verraucht und es tanzen immer noch orange Lichter. Hoffentlich kommt das nicht bis zu uns, denke ich beim Einschlafen leicht beunruhigt.

    Woche zwei beginnt stark vernebelt. Nein, das ist gar kein Nebel, das ist Rauch! Der Waldbrand scheint noch einige Zeit gewütet zu haben. Als wir losfahren, sehen wir kaum das andere Ende des Flusses, um uns kreisen Vögel und herrscht eine eigenartige Stille.

    Etwas später als sonst bahnt sich die Sonne ihren Weg durch das dichte Weiß, doch zu Mittag ist aller Rauch verflogen und es ist gewohnt unbarmherzig heiß. Mittags müssen wir in den Schatten flüchten, unerträglich steigert sich die Hitze und kein Wölkchen ist zu sehen. Ein weiterer langer Paddeltag vergeht. Die ewige Monotonie wird für mich – hurra – durch stechende Unterleibskrämpfe unterbrochen, die erst nach fünf Tagen nachlassen und mich beim Rudern immer wieder ganz schön aus dem Rhythmus bringen. Alles andere wie gewohnt, wir sind alleine mit ein paar Dschungelkreaturen und Joseph Conrad schreibt in „Herz der Finsternis“: Der Tag neigte sich in vollkommener Klarheit und leuchtender Stille. (2012, S.6)
















    In dieser Nacht weckt mich ein Motorengeräusch, es ist kommt ganz nah und setzt dann plötzlich aus. Taschenlampen wandern durch den Busch. Wie eingefroren liege ich in meiner Hängematte, hoffend, dass Gabriel auch wach ist. Es vergehen vielleicht drei Minuten, bis ich flüstere: „Gabriel! Da ist jemand an unserem Boot!“ Er ist war. Ich beschließe, aus meiner Kuschelhöhle in das Dunkel der Nacht zu kriechen. Gemeinsam stieren wir, versteckt unter meinem Tarp, in die Richtung unseres Kanus. Wer ist da? Und was wollen die? Sollen wir leuchten? Keine Lichter, keine Menschen, kein Boot in Sicht. Die rote Lola liegt seelenruhig im Gebüsch. Komisch… Nach einer Weile kriechen wir wieder in die Hängematten; es ist 5:00 morgens und in einer Stunde gehen Sonne und Wecker los. Von Schlaf kann bis dahin eigentlich nicht die Rede sein…

    Aufstehen – niemand da. Die Geschehnisse der Nacht werden wohl ein ungelöstes Rätsel bleiben. Keine Spuren, nichts. Dafür haften Nebelschwaden am Fluss wie an ihn gefesselte Geister und verwandeln den Dschungel in einen mysteriösen Ort, satt an Zwitschern, Rascheln, Krächzen und Singen. So lange sich die weißen Streifen halten, nutzen wir die Zeit für Fotos, bis die Sonne ihre gleißenden Strahlen über den Fluss schießt und alles Lebende vertreibt, außer der roten Lola und uns. Zum Glück können wir jederzeit Badepausen einlegen, auch wenn das warme Wasser nicht wirklich eine große Erfrischung ist…







    Halbzeit! Paddel rein, nach hinten ziehen, wieder von vorn. Auf dem Wasser eine Affenhitze, leider ohne Affen. Erbarmungslos glüht die weißgelbe Kugel, kein Wölkchen zu sehen, kein Lüftchen regt sich. Ich hab schon mal was Spannenderes gemacht… So schnell gewöhne ich mich an Boot und Umgebung, dass es irgendwie trivial erscheint. Die lang ersehnten schwierigen Stromschnellenpassagen sind leider gar nicht so herausfordernd; natürlich freue ich mich, dass wir Boot und Gepäck nicht umtragen müssen, aber wieder alles beim alten. Paddel rein, Paddel raus. Puh… Ich freue mich darauf, dass wir hoffentlich bald die unbewohnte Strecke hinter uns bringen und in die Kulturlandschaft mit Dörfern am Fluss eintauchen.








































    03.02. – 08.02. Kulturlandschaft Dschungel

    Auch am nächsten Morgen kämpft mein Kopf mit der Eintönigkeit der Paddelei. Im Conclusio der Gesamtreise würde ich behaupten, dass ich meist zwischen Tag 9 und 11 einen kleinen oder größeren „Tourkoller“ erleide – eine gute Woche ist vergangen, und in Hinblick auf die weiteren zwei Drittel wird auf einmal alles recht belanglos. Besonders dann, wenn es kaum Abwechslung gibt… Die Flussgötter sind uns gut gesinnt: Am späten Vormittag winkt uns ein junger Mann in Army-Gewand ans Ufer und quatscht in schlechtem Englisch auf uns ein, doch die Einladung auf einen Instant-Kaffee verstehen wir schon. Es wird uns erklärt, dass hinter den Hügeln des Ufers eine große Schule in dem Dorf Toe Tan Hta ist, zu der Kinder und Jugendliche aus allen umliegenden Flusssiedlungen auf dem Wasser anreisen. Schließlich gesellt sich auch der Englisch-Lehrer zu uns und lädt uns ein, der Schule einen Besuch abzustatten. Ich freue mich riesig über den Tapetenwechsel und sauge begeistert die Erzählungen des jungen Lehrers Soe Min auf. Er berichtet über die soziale und wirtschaftliche Unterdrückung der Karen People, die in diesem Teil Myanmars leben. Da der Staat (die burmesische Militär-Regierung) für diese Region nicht einmal Schulbücher zur Verfügung stellt, fahren Lehrer_innen immer wieder über die Grenze nach Thailand, um aus den Flüchtlingscamps UNHCR-Bücher für die Schulen mitzunehmen. Dort, in den thailändischen Flüchtlingscamps, lebt aufgrund des weltweit längsten Bürgerkrieges inzwischen nämlich der Großteil der karenischen Bevölkerung.






















    Ich genieße Soe Mins Gesellschaft; bisher haben wir nicht viele Menschen getroffen, mit denen wir auf Englisch solch tiefsinnig-anspruchsvollen Gespräche führen konnten. Als er uns einlädt, bei ihm und seiner Frau zu übernachten, kann ich meine Freude nicht lange verbergen. Die erlischt dann aber nochmal schnell, als ich merke, dass Gabriel eigentlich weiterpaddeln will. Da sitzen wir nun, zwischen Hühnern und Schulbänken und diskutieren, ob wir uns einen Pausentag gönnen und die „verlorenen Kilometer“ morgen wieder einpaddeln können... Schlussendlich kann ich Gabriel davon überzeugen, der Paddelmonotonie kurz zu entfliehen. Juhu! Wir besuchen den Dorfelefanten bei der Holzarbeit, spielen mit den Jugendlichen Volleyball, schwimmen bei Sonnenuntergang mit unseren Freunden im Fluss und sind zum Abendessen beim Dorfältesten eingeladen. Kurzum: Die Entscheidung war (zumindest für mich ) absolut die richtige.

    Morgens gibt es ein großes Frühstück, dazu Gespräche mit dem Dorfältesten über die Steuerverwaltung und schließlich zum Abschied ein Gruppenfoto. Als wir zurück zu unserem Boot marschieren, begleitet uns eine Horde Kinder, die alle etwas tragen helfen wollen. Unser Freund Eh Tha Dah Meh lässt es sich nicht nehmen, unser Boot zu testen, wir willigen ein und nach fast zwei Wochen Flusstour ist es schließlich soweit: Die rote Lola kentert. Eh Tha Dah Meh klettert lachend wieder in das Boot und als er es ganz eilig hat, zu uns zurück zu kehren, fällt er gleich nochmal – das ganze Dorf steht am Ufer und bricht in tosendes Gelächter aus.

    Tag 12 vergeht nach der angenehmen Abwechslung wie im Flug. Ohne viele Worte zu wechseln, ziehen wir nur so über den Fluss und schaffen knappe 24 Luftlinienkilometer. Auf dem GPS erkennen wir am Abend am Lagerfeuer, dass wir bei Kilometer 250 und somit bei der Hälfte der geplanten Tour angekommen sind. Hier hat Gabriel die Markierung „Kulturlandschaft“ gesetzt, weil von nun an immer mehr Siedlungen rechts und links am Flussufer auftauchen werden und ich freue mich auf mehr kulturelle und soziale Interaktionen.

    Damit soll es am nächsten Tag auch gleich losgehen: Am späten Nachmittag, als wir uns auf die Suche nach einem Hängemattenplatz machen wollen, schwimmen wir an ein paar kleinen Hütten vorbei, vor denen Menschen stehen, uns anlachen und zum Ufer winken. Wir sprechen uns kurz ab und beschließen, vorbei zu paddeln und nach ein paar Kurven die ruhigen Bäume aufzusuchen.

    Doch nach etwa 10 Minuten holt uns ein motorisiertes Einbaumboot ein; darin sitzt ein wild gestikulierender Mann, der uns energisch mit Händen und Füßen deutet, umzudrehen und mit ihm zu kommen. Wir reagieren gelassen und erklären, dass wir weiterpaddeln wollen. Vehement meint er, es gebe kein Weiterkommen. Schließlich formt er mit seinen Armen das Bild einer Pistole und imitiert Schussgeräusche, deutet flussabwärts und sagt „Army“ und „Problem!“. Na gut, überzeugt. Er bindet uns an sein Boot, kehrt mit uns um und bringt uns zurück zu den Häusern, die wir gerade passiert hatten. Wir werden an einen Tisch gesetzt und angewiesen, zu warten. Okay, wo genau liegt nun das Problem? Nach einer Weile erscheint der junge vom Militär stationierte Arzt Ko Aung Sis Hmue und klärt uns auf. Das heißt, er weist uns an, auf den Militärkommandant zu warten. Langsam aber sicher wird es jedoch dunkel und wir haben noch keinen Schlafplatz… Leichte Besorgnis kommt auf, als gerade der Commander auf seinem Moped an den Strand rollt. Ein junger Mann mustert uns mit strengem Blick und beginnt – ohne jede Begrüßung – in ernstem Ton eine Diskussion mit dem Arzt. Die Worte kriechen in meine Ohren, ohne das mein Gehirn auch nur einen Laut versteht. Die Minuten ziehen sich wie Kaugummi. Was wollen die? Nehmen sie uns fest, verweisen sie uns des Landes? Immerhin sind wir ohne jede Genehmigung in der Region unterwegs, in welcher der längste Bürgerkrieg der Weltgeschichte andauert. Ich weiß nicht, wie lange die beiden Männer reden, bis sich irgendwann der Kommandant zu uns dreht und räuspert. Er nickt kurz und sagt in gebrochenem Englisch:
    „Okay. Today you stay here. Tomorrow you can go, but today you stay with me and at 6 p.m. we have Whiskey and Fish!“

    Der Abend ist ein voller Erfolg und wir erfreuen uns an dem köstlichen Riesenmenü, das uns aufgetischt wird, genauso wie an der netten Gesellschaft. Am Morgen genießen wir unseren Bratreis zum Frühstück, während das dreijährige Töchterchen Po Mu und der kleine Affe Uh-Uh um uns kreisend spielen und lachen. Ko Aung Sis Hmue erzählt von der besonderen Freundschaft der zwei: Affe und Mädchen sind fast gleich alt, wenn die eine traurig ist, ist der andere auch traurig; scheinbar ist das Kind auch die einzige Person im Haus, die dem Affen etwas sagen kann. Ich bin sichtlich beeindruckt, als Uh-Uh meinen Kuchen klauen will und Po Mu kreischend auf ihn zuläuft, ihn an der Hand nimmt und vom Tisch weg begleitet.






















    Die Sonne brennt schon vom Himmel, als wir uns verabschieden und uns auf einen weiteren affenheißen Paddeltag begeben. Während sich Schweißperlen auf Stirn und in Nacken zu kleinen Rinnsalen verwandeln, denke ich an eine Begegnung vor ein paar Tagen, als wir von ein paar Kachin Frauen der Goldschürfer auf einen Kaffee eingeladen wurden:
    Es ist nicht das erste Mal, dass eine der Frauen mir verständlich macht, ich soll mir doch mehr anziehen, wegen der Sonne. Ich lache und deute, die Sonne sei so heiß, ich finde das schon gut so. Doch sie meint, wenn ich mir nichts anziehe, werde ich noch so eine braune Hautfarbe bekommen, wie sie, und mein Weiß sei doch so schön und wertvoll… Da muss ich kurz schlucken und intuitiv bemühe ich mich um ein Lächeln, während ich versuche zu erklären, dass ich ihre Hautfarbe sehr schön finde. Immer wieder kommt mir diese Szene in den Sinn und macht mich ein bisschen traurig.

























    Gegen halb 5 Uhr halten wir intensiv nach einem potentiellen Schlafplatz Ausschau, doch inzwischen sind beide Flussufer stetig steigend besiedelt und es ist gar nicht so einfach, da wo unbemerkt unsere Hängematten aufzuschlagen. Als wir nach einer langen, breiten Gerade um die Ecke biegen, sehen wir, wie gerade ein paar Einbaumboote an der rechten Uferseite anlegen. Als wir uns nähern, sind viele Augen gespannt auf uns gerichtet, viele Arme winken uns heran. Freundlich und lachend begrüßt uns Reverend Saw Ba Hso Gay in gutem Englisch und bietet uns auf der Stelle an, im Dorf Marone Village zu nächtigen. Dankend nehmen wir an und freuen uns nicht nur über das himmlische Essen, sondern vor allem über die Gespräche mit dem Reverend über Gott, die Karenen und Myanmar.

    Der darauffolgende Sonntagmorgen könnte nicht besser beginnen, als mit einem Gottesdienst bei den karenischen Christen. Die gibt es dort seit dem späten 19. Jahrhundert, als einige amerikanische Missionare in der Gegend unterwegs waren. Der Reverend bemüht sich sichtlich um uns internationale Gäste und übersetzt immer wieder Stellen seiner Predigt ins Englische. Amüsiert und ein bisschen befremdet teilen wir uns die letzte Bank, besprechen beim anschließenden Frühstück das Erlebte und den christlich-karenischen Glauben mit unserem Freund. Am späten Vormittag sitzen wir wieder in unserem roten Paddelboot, selbstverständlich nicht ohne Snacks mitbekommen zu haben.







    Ohne größere Vorkommnisse driften wir den grünen Fluss hinab, die Sonnenstrahlen im Nacken und die Kirchenlieder im Ohr. Langsam aber stetig wird der Fluss breiter, weiter und vor allem langsamer, während uns der Wind kräftig entgegenbläst. Schwimmpausen sind jetzt kaum drin, weil wir sonst wirklich zurückgeblasen werden. Als zwei motorisierte Einbäume in einer offenen Gerade uns anbieten, eine Weile abzuschleppen, nehmen wir dankend an und entspannen uns für zwanzig Minuten. Nach einer weiteren Stunde mühsamen Paddelns landen wir schließlich in Kaw Maryim Village bei Saha U Tin Tun, dem Englischlehrer des Dorfes; das heißt, eigentlich bei seiner lieben Nichte Mae Jue, die uns bekocht und sogar Bier anbietet. Das kann doch keine richtige Outdoorreise sein…

    An Tag 16 bläst der Wind aus voller Kraft, sodass wir mittags eine lange Rast einlegen und hoffnungsvoll abwarten. Ein bisschen sollten wir schon noch paddeln; übermorgen wollen wir in Thanintharyi sein. Nach 5 Nächten in Dörfern schlafen wir heute wieder mal in unseren Hängematten und genießen einen ruhigen Abend im Betelnusspalmenhain.



















    09.02. – 11.02. Flussabwärts gegen den Strom

    Wir sind brav früh aufgestanden, haben sogar zwei Instant-Kaffees bekommen und paddeln nun schon seit guten drei Stunden dahin, doch es kommt mir so vor, als würden wir nicht wirklich voran kommen. Ob das daran liegt, dass ich mal wieder das Ruder übernommen habe und hinten sitze? Doch auch Gabriel scheint es zu merken. Er beobachtet die Palmen am Strand und gibt zu bedenken, dass wir uns nicht bewegen. Wir schauen nach unten: da ziehen Algen an uns vorbei, flussaufwärts. Häh? Im Kehrwasser gelandet? Nein, mitten auf dem inzwischen 70 m breiten Fluss. Das kann doch nicht sein…Ein bisschen rechts und links paddeln, was ist denn da los? Tatsächlich, das Wasser fließt nach oben. Und es kann nur eine Erklärung geben: Die Flut. Obwohl wir noch etwa 80 Flusskilometer vom Meer entfernt sind, scheinen die Gezeiten hier schon eine starke Auswirkung zu haben. Ein bisschen frustriert über das schlechte Vorankommen geben wir uns ein paar Stunden später geschlagen und genießen einen entspannten langen Abend unter den Palmen, die zu einem kleinen Familienhaus gehören. Die Menschen sind sehr freundlich und lassen uns in Ruhe, doch die Tiere des Hofes sind von den Neuankömmlingen nicht so begeistert. Als ich vom Wasser zurückkomme kann ich die drei kleinen Ferkel gerade noch von unserem Essenssack verscheuchen, doch Gabriels Ultralighthandtuch musste schon dran glauben. Meins haben sie in Ruhe gelassen, das muss wohl am Geruch liegen? Sorry, ich hab dir doch gesagt, einmal in drei Wochen könnte das gewaschen werden… :P

    Nachts raubt der krähende Hahn den Schlaf; immer wieder tauchen Fantasien in mir auf, wie ich diesen Schreihals abdrehen könnte…. Dann geht die Sonne auf und müde aber motiviert starten wir in den letzten Paddeltag. Wenn wir schon mal so früh wach sind, können wir das Morgenlicht auch gleich zur Fotografie nutzen….













    Die letzte Etappe bis nach Thanintharyi hat es nochmal in sich: Morgens sind wir zügig, es ist Ebbe und die Landschaft zieht nur so an uns vorbei, doch als am späten Vormittag die Flut einsetzt, müssen wir uns ganz schön anstrengen. Umso näher wir an die Stadt kommen, umso breiter der Fluss wird, desto stärker will uns das Wasser zurückdrängen. Wir paddeln, was das Zeug hält und kommen kaum voran – zum Glück ist die Distanz nicht mehr weit. Mittags kommen wir am Strand von Thanintharyi an und strahlen um die Wette. Geschafft! Jetzt heißt es aus- und umräumen, Boot putzen und bereit machen für den Aufbruch. Wir sind uns einig, dass wir jetzt nach der Bootstour (und 21 Tagen Überziehen des Visums) so schnell wie möglich das Land verlassen wollen.




    Also erstmal ab nach Myeik, wo wir uns gleich eine Nachtfahrt nach Dawei organisieren und per Telefon eine Reservierung für den nächsten Morgen nach Htee Khe (Grenze zu Thailand) tätigen. Die Autofahrt über Nacht haben wir grandios erwischt: Zu Beginn nur eine Stunde warten, nach und nach kommen immer mehr Leute in den Van (als ich denke, jetzt sind wir aber supervoll, steigt noch ein junges Paar mit schreiendem Baby ein), wunderschöner burmesischer Popmusik aus total übersteuerten Boxen bis zwei Uhr morgens und dann der penetrante Fischgestank, der aus unseren Sitzen kriecht…

    In den frühen Morgenstunden holen wir unser zurückgelassenes Gepäck im Hotel ab, schlafen drei Stunden in der Lobby und dann geht’s weiter nach Htee Khe. Selbstverständlich sind unsere Tickets extrem überteuert; mich würde ja interessieren, was die Locals, die im Kofferraum sitzen dürfen, zahlen. Vermutlich kommt da noch die Autoputzgebühr fürs Kotze wegputzen dazu, denn die armen haben sich mehrmals übergeben müsssen… Na gut, mittags am 11. Februar ist es schließlich vollbracht und wir verlassen Myanmar, reisen in Thailand ein und freuen uns auf einen entspannten Ausklang unserer achtmonatigen Reise.




    Mein Fazit

    Das lässt sich kurz und knapp sagen: Die Tour war geil. Nach all den Strapazen in Tadschikistan, Kirgistan und Pakistan und der monatelangen Vorfreude wurden meine Erwartungen nochmal übertroffen. Die einzige Schwierigkeit bestand in der Monotonie des Paddelns und den Moskitos im Dschungel – Luxusprobleme. :P

    Schade, dass die größten Stromschnellen in den ersten paar Tagen waren und dann nach und nach immer weniger geworden sind; ich hätte mir ab und zu in paar mehr Herausforderungen gewünscht. Insgesamt haben sich die drei Wochen wie Urlaub angefühlt: schwimmen im Fluss, in der Mittagspause im Schatten ein Buch lesen, abends Whiskey am Lagerfeuer, schunkeln in der Hängematte, Essen in rauen Mengen und eine angenehme Mischung aus kulturellen Interaktionen und Allein-in-der-Wildnis-Gefühl.

    Eins weiß ich sicher: Ich will wieder eine Bootstour machen und das nächste Mal auf einem etwas schwierigeren Fluss. Seit dem Tenasserim spiele ich auch mit dem Gedanken, mir ein Packraft zuzulegen…


    Fazit Libertist

    Meine Gefühle sind gemischt. Zunächst das Positive: Die Bootstour war ein voller Erfolg. Ich hatte vorher ja gar nicht so viel Ahnung von Flussreisen; meine Rafting-Erfahrung aus Alaska beläuft sich nur auf einige Mehrtagestouren bis maximal 7-Tages-Touren. Noch dazu hatten wir beide wenig Erfahrung mit Kanadiern, eigentlich bin ich zuvor zehn Jahre lang keinen so langen Kahn gefahren. Dazu kam die schlechte Planbarkeit der Tour, das politische Risiko und einige andere Unsicherheitsfaktoren. Ausgehend davon, das muss ich wirklich sagen, lief die Tour beinahe reibungslos. Das Gumotex Scout ließ sich bestens steuern, die Stromschnellen haben Spaß gemacht und auch mit dem Geradeauslauf war ich recht zufrieden. Natürlich ist das Boot träge, aber dafür kann man es eben ordentlich beladen. Ich hab das Paddeln genießen können, hatte auch kein so großes Problem mit der Monotonie. So eine abenteuerliche Bootstour durch eine warme Region ans Ende unserer langen Reise durchs Hochgebirge des Himalaya zu setzen, war jedenfalls eine gute Idee.

    Die Menschen in Myanmar sind mir allerdings bis zuletzt irgendwie fremd geblieben. Wir wurden zwar einige Male eingeladen und haben auch mit vielen gesprochen, aber wirklich gute Gespräche sind dabei kaum entstanden. Das kenne ich so nicht - vor allem in Pakistan, aber auch in Tadschikistan und Kirgistan hatte ich viele gute tiefgehende Gespräche mit Menschen, mit denen ich auch jetzt noch gelegentlich in Kontakt bin. In Myanmar schien es mir, als sei die Kluft zwischen den Einheimischen und uns Touristen zu groß. Ich empfand das Auftreten und Benehmen der Burmesen oft als unangenehm und musste meine Erwartungen an die Konversationen meistens ziemlich herabsetzen. Vielleicht wurden wir hier und da auch als "unangenehm" wahrgenommen? Die Menschen haben uns jedenfalls oft angestarrt, so als seien wir Außerirdische, aber darüber hinaus schienen viele kein Interesse an einer Interaktion mit uns zu haben – und das eben auch in einer Gegend, wo sonst keine Touristen hinkommen. Was das Temperament der Einheimischen angeht, ist Myanmar also kein Land, das ich in nächster Zeit unbedingt wieder bereisen wollte.

    So, das war’s dann erstmal mit unserer Berichte-Serie. Sofia wird den Sommer in der Heimat verbringen, bei mir geht’s zurück nach Zentralasien. Werde mich wohl im Winter wieder melden.
    Geändert von Libertist (22.10.2016 um 17:33 Uhr)
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  2. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #2
    schoene bilder, super bericht.
    ich finde es gut, dass ihr es gewagt habt (bzw. den Salween eben nicht gemacht habt).
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  3. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von ronaldo
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    AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #3
    Danke fürs Teilen, wunderbarer Bericht und wie immer fantastische Fotos. Sehe das nicht ohne Neid, denn eine Dschungeltour im Kanu hab ich schon lange auf dem Plan.
    Halb OT: Für lange, ruhige Paddelstrecken ist das Gumotex vmtl. nicht das ideale Boot, Lauf, Windanfälligkeit usw. Klar wirds da langweilig. Dass das Boot rot sein muss, ist aus Sicht des Fotografen (und des Fotofans) völlig klar in dieser überwiegend grünen Umgebung...

  4. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #4
    Danke!

    Zitat Zitat von ronaldo Beitrag anzeigen
    Für lange, ruhige Paddelstrecken ist das Gumotex vmtl. nicht das ideale Boot, Lauf, Windanfälligkeit usw. Klar wirds da langweilig. Dass das Boot rot sein muss, ist aus Sicht des Fotografen (und des Fotofans) völlig klar in dieser überwiegend grünen Umgebung...
    Naja, das Boot ist eben ein Kompromiss aus Touren- und Wildwassertauglichkeit bei sehr hoher Zuladungsmöglichkeit sowie akzeptablem Packmaß und Gewicht. Der Preis hat auch gestimmt. Hättest du ein anderes Boot empfohlen? Klar, bei Wind wäre ein Ally besser zu fahren gewesen, aber im Wildwasser würde ich mich da wahrscheinlich nicht ganz so sicher fühlen. Zumal Ally eben auch um einiges teurer ist.

    Was die Farbe angeht, ja... selbsterklärend.
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  5. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von ronaldo
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    AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #5
    Ja ist klar (wg. Kompromiss).
    Meine erste Wahl wäre ein Ally. Pakboats sind auch gut dafür, haben aber alle Schläuche und die können kaputt gehen - kein Problem auf der Altmühl, aber im Nirgendwo ist das dann das Aus.
    Zur Wildwassertauglichkeit schau mal dort: https://www.outdoorseiten.net/forum/...p/t-65229.html. Es gibt im Web noch ein paar Berichte über Faltboote in rauhem Wasser.

    Genug des Halb-OT, will dir den Ast nicht vollmüllen und schreib dir noch ne PN.

  6. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #6
    Zitat Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
    Immer wieder kommt mir diese Szene in den Sinn und macht mich ein bisschen traurig.
    Wieso das? Weiße Haut gilt in weiten Teilen Asiens ebend als Schönheitsideal. Das ist doch kein Grund, traurig zu sein
    Wer anderen eine Bratwurst brät, der hat ein Bratwurstbratgerät.

  7. Alter Hase
    Avatar von Scrat79
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    AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #7
    *anerkenndenpfeif*

    Sofia: Dein Schreibstiel geht auch hier wieder die perfekte Symbiose zu Gabriels Fotos ein.
    Traumhaft. Urlaube, die mir Schisser ein klein wenig zu viel des Abenteuers wären, miterlebbar.
    Der Mensch wurde nicht zum Denken geschaffen.

  8. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #8
    Ich habe mal in Laos ein Bambusfloss gesehen, deren zwei, drei äußersten Stangen jeweils am Bug und Heck erhöht waren und damit einen Kielähnlichen Rumpf bekam. Dies hätte ich gerne mal ausprobiert nach zu bauen (nachbauenlassen) und den Nam Ou runter zu schippern. Ist aus Mangel von Begleitern nie in die Tat um gesetzt worden und alleine wollte ich das nicht machen. So Berichte wie in diesem Pfaden hier lässt mich zweifeln, ob ich nicht doch, auch alleine, noch einmal das Projekt angehen sollte. Man wird ja auch älter und mutiger.

  9. Anfänger im Forum
    Avatar von Tractrice
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    AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #9
    Danke, Scrat79!

    Zitat Zitat von BigKahuna Beitrag anzeigen
    Wieso das? Weiße Haut gilt in weiten Teilen Asiens ebend als Schönheitsideal. Das ist doch kein Grund, traurig zu sein
    Mit dem Schönheitsideal hast du durchaus recht. Mit einer Aussage wie dieser wird für mich jedoch nicht nur ein Schönheitsideal beschrieben, sondern gleichzeitig alles andere, was nicht da hinein fällt abgewertet und irgendwie eine Hierarchie aufgebaut. Wie Libertist im Fazit schreibt, hatte ich auch stets das Gefühl einer großen Kluft zur Lokalbevölkerung - für mich haben Situationen wie diese den Graben zwischen UNS und DENEN noch weiter aufgerissen. Das finde ich schade und macht mich ein bisschen traurig; ist natürlich eine sehr subjektive Angelegenheit.

  10. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #10
    Sehr schön, ich freue mich immer wenn ich einen neuen Reisebericht mit einem Kanu entdecke.

    Die Kanutour in dieser Art durchzuführen finde ich mutig, allerdings scheint ihr ja viel in der Gegend unterwegs zu sein. Wirklich außergewöhnlich schöne Bilder und ein ehrliches Fazit am Ende. TipTop.

    Was ich gut nachvollziehen kann ist die Sehnsucht nach Abwechslung mit Stromschnellen. Stundenlanges Paddeln auf Stillwasser finde ich ebenfalls nicht so spannend ... und ihr habt ja nicht einmal geangelt, dann wirds ja noch uninteressanter

    Welche Wildwasserkategorie hatten denn die Stromschnellen am Anfang der Tour? Und wie lange waren die Abschnitte? Könnt ihr das noch einschätzen?

    Grüße Holger
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  11. Anfänger im Forum
    Avatar von Tractrice
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    AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #11
    Danke für dein Feedback!

    Ganz still war's natürlich nicht, gab schon täglich was zu sehen - und wie beschrieben konnten wir ja zu Beginn auch unser Boot noch nicht wirklich einschätzen; im Nachhinein war's schon ganz gut so, find ich. Für das nächste Mal können wir uns und dem Gumotex vermutlich mehr zutrauen.

    Zitat Zitat von earlyworm Beitrag anzeigen
    Welche Wildwasserkategorie hatten denn die Stromschnellen am Anfang der Tour? Und wie lange waren die Abschnitte? Könnt ihr das noch einschätzen?
    Nachdem der Libertist unterwegs ist, versuch ich's mal:

    Die Stromschnellen zu Beginn waren vermutlich Kategore II, maximal II-III aber auch nur an einzelnen Stellen. Die Abschnitte waren nicht lang, hm, genaue Angaben trau ich mir gar nicht zu machen. Wir waren ja in der Trockenzeit unterwegs und uns auch nicht sicher, ob der Fluss genug Wasser führt. In der Regenzeit sieht das Ganze natürlich nochmal anders aus...

  12. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #12
    Danke Euch beiden für diesen wunderbaren Bericht. Super interessant zu lesen, gerade weil Flüsse (noch?) nicht Euer Spezialgebiet war. Wie immer phantastische Fotos und der Text ein ganz besonderer Genuss.

    Freue mich auf weitere Berichte von Eurer Reise, vielleicht schaffe ich doch noch einen bevor es bei uns selbst (morgen?) weiter geht.

    Aus Peru,
    Nita

  13. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #13
    Danke für den tollen und gut informierenden Bericht. Im Januar 2013 bin ich mit 6 FreundInnen und einem einheimischen Führer (würde ich immer empfehlen ! Er konnte alles übersetzen, für uns in den Dörfern einkaufen, war selbst Bauer und ein guter Kajakfahrer, man lernt so die einheimische Kultur viel besser kennen) in Laos einen Nebenfluß des Mekong - den Nam Tha - und dann noch eine Teilstrecke des Mekong gepaddelt. Wir hatten einen Ally-Kanadier, 2 Gumotex-Schlauchboote und einen Aerius II von Klepper als Boote. Genau die gleiche Erfahrung: bei starker Strömung und Stromschnellen waren Ally und Gumotex o.K., bei wenig Strömung aber viel zu mühsam zum Paddeln, das Kajak war da klar überlegen, insgesamt würde ich so eine Tour lieber mit Wander-Kajaks (=Faltbooten) machen. Die gibt es leider nirgends in Südostasien, wir mußten unseres im Flugzeug mitnehmen. Und statt Hängematten hatten wir Zelte, war perfekt. Wir haben alles Essen in den Dörfern am Fluß besorgt (dank Führer leicht - s.o.). Dann muß man natrülich bereit sein, das zu essen, was die Einheimischen essen, was für mich aber in ganz Südostasien nie ein Problem war - im Gegenteil. Der Nachteil des Klepper-Zweiers: er wiegt locker 10 kg mehr als ein Gumotex, man muß also das Gepäck auf mehrere Personen verteilen beim Flug, sonst wirds teuer.

  14. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #14
    Zitat Zitat von eggert Beitrag anzeigen
    Wir hatten einen Ally-Kanadier, 2 Gumotex-Schlauchboote und einen Aerius II von Klepper als Boote. Genau die gleiche Erfahrung: bei starker Strömung und Stromschnellen waren Ally und Gumotex o.K., bei wenig Strömung aber viel zu mühsam zum Paddeln, das Kajak war da klar überlegen [...]
    Euer Ally war aber bestimmt noch immer um einiges schneller, als das Gumotex-Luftboot, oder?

    Edit: Sorry für die späte Antwort, bin gerade erst von einer Reise zurückgekommen.
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  15. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #15
    Hab den Bericht gerade erst entdeckt - vielen Dank für's Mitnehmen
    Manches hat Einnerungen an meine 2 Myanmar/Burma-Aufenthalte ('85 und '14) geweckt, auch wenn ich eher in den touristischen Gegenden war. Habe beide Reisen in sehr guter Erinnerung.

  16. Dauerbesucher
    Avatar von Hunter9000
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    AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #16
    Habe den Bericht auch erst jetzt gefunden. Toll, wieder eine Stunde nichts gearbeitet.

    Unglaublich tolle Bilder und Schreibstil. Ihr harmoniert auf Reisen und in den Berichten

    Es ist nicht das erste Mal, dass eine der Frauen mir verständlich macht, ich soll mir doch mehr anziehen, wegen der Sonne. Ich lache und deute, die Sonne sei so heiß, ich finde das schon gut so.
    Ich hab mir das auch mehrmals bei den Bildern gedacht (den Part mit mehr anziehen!). Gab's denn nie Sonnenbrand?

  17. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #17
    Hier ebenfalls Tolle Bilder und ein toller Bericht. Danke!

  18. Anfänger im Forum

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    AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #18
    Wunderschöne Bilder klasse Bericht!
    sunchild

  19. AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #19
    Zitat Zitat von Hunter9000 Beitrag anzeigen
    Unglaublich tolle Bilder und Schreibstil. Ihr harmoniert auf Reisen und in den Berichten

    Ich hab mir das auch mehrmals bei den Bildern gedacht (den Part mit mehr anziehen!). Gab's denn nie Sonnenbrand?
    Danke! Doch doch, ein bisschen Sonnenbrand gab's schon. Hielt sich aber in Grenzen, wir haben uns einigermaßen brav eingeschmiert. Waren gut gebräunt nach fast drei Wochen auf dem Wasser.
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  20. Gesperrt Neu im Forum

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    AW: [MY] Myanmar 2016: 18 Tage Flussfahrt durch den Dschungel

    #20
    Danke für diesen tollen und ausführlichen Reisebericht! Ich bin gerade auf der Suche nach neuen Reise-Inspirationen und gerade eben definitiv fündig geworden! Die Bilder sind außerdem unglaublich schön und beeindruckend

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