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  1. Dauerbesucher
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    [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #1
    Mitreisende: rockhopper
    Via Rhôna_Canal du Midi, Radtour 2016


    Copyright: rockhopper

    So. 29.05.16__Anreise
    Auf Grund des Regens, fahre ich einen Tag später als geplant, los.
    Am Bahnhof in Stuttgart treffe ich noch kurz Traute + Wolfgang, die ihre Tour in Genf starten. Sie wollen auch, wie ich, die Via Rhôna radeln. Die Zugfahrt verläuft reibungslos mit Umsteigen in KA (hat einen Aufzug in den 1 Rad reinpasst) und Umstieg in Offenburg nach Weil am Rhein, meinen eigentlichen Startpunkt. Am Bahnhof in Weil-am Rhein hilft mir ein junger Radler mein Rad mit Gepäck die Treppen hoch zu tragen.
    „Ich finde es toll, dass Leute wie Sie, so eine Radtour machen“.. sagt er zu mir als er sich wieder auf sein Rad schwingt.
    Anmerkung: Ich bin völlig normal unterwegs. Meine Haarfarbe hat sich geändert von blond auf hellgrau...oder so.
    In Weil am Rhein gönne ich mir erstmal in der Fussgängerzone einen Kaffee mit leckerem Kuchen im Café Lamm. Beim weiter Radeln Richtung Passerelle fängt es an zu tröpfeln. Die Passerelle ist schnell erledigt und der Einstieg zum Kanal ebenso. Die ersten Kilometer zum CP in Mulhouse verlaufen unspektakulär. Auf dem CP gibt es nichts zu Futtern. (Vorsaison) Ich esse einen Teil meiner Notration. Chips und einen Müsliriegel. Unter dem Schutz einer Baumkrone baue ich im Nieselregen mein Zelt auf und gehe bald Schlafen. Es ist eh’ kaum etwas los auf dem Campingplatz.

    Mo. 30.05.16
    Am Morgen nur Dauerregen. Ich nehme den Zug zum Überbrücken, da ich keine Lust habe, schon am 2. Tag klatschnass zu werden. Am Bahnhof sagt mir die Dame am Schalter eine abenteuerliche Verbindung mit mehrmaligem Umsteigen nach Dole. Das ist mir doch zu umständlich und ich löse eine Fahrkarte erstmal nur bis Belfort. Hier starte ich einen neuen Versuch eine Fahrkarte mit besserer Verbindung zu bekommen, und siehe da, die nette Dame am Sncf Schalter findet mir einen Zug ohne Umsteigen bis Dole.
    Ich bin froh im Trockenen zu sitzen und schaue mir das Pisswetter durch das Zugfenster an.
    Als ich den Bahnhof in Dole verlasse, empfängt mich REGEN. Ich setze mich erst gar nicht auf das Rad, sondern schiebe aus Frust. Die Vorstellung, jetzt bei Regen das Zelt auf nasser Wiese aufzubauen, hilft mir mich schnell zu entscheiden. Nach 200m sehe ich schon das erste Hotel. Beim 2. Hotel, ein paar Meter weiter, ist die Entscheidung gefallen. Ich nehme mir ein Zimmer.
    Das Fahrrad wird im Restaurant neben der Theke geparkt. Ich vermute, dass außer mir keine weiteren Gäste da sind.

    Di. 31.05.16
    Gute erholt radle ich nach dem Frühstück bei Nieselregen los.
    Mein Etappenziel heute: Verdun-sur-le Doubs.



    Den Radweg aus Dole heraus finde ich gut. Dank guter Recherche und einfach, weil ich mal aufpasse und das Hinweisschild nicht übersehe. Ich biege an der D322 nach Damparis ab und fahre den Radwege Schilder nach weiter, bis ich an die Saône komme.
    Ab hier radle ich nach den Hinweisschilder des Voie Bleue nach St. Jean-de-Losne.



    Hier zwingt mich ein Wolkenbruch zu einer Zwangskaffeepause in ein Restaurant.
    In Pagny-la Ville verfahre ich mich wieder und ich zirkle im Ort umher, weil ich mich einfach nicht orientieren kann. Ich frage mal wieder. Die Einen schicken mich nach Norden...da will ich gar nicht hin. Ein Anderer gibt mir wenigstens die grobe Richtung bis ich wieder am Fluss bin. Irgendwann erreiche ich etwas geschafft von dem Schotterweg Verdun-sur-le-Doubs. Ich habe keine Lust auf Zelten. Etwas ziellos schiebe ich mein Rad durch die Gassen, bis ich das Chambre d’Hôte Schild entdecke. Man kann ja mal fragen.



    Von außen sieht das Haus sehr schlicht aus. Als ich durch den Durchgang schiebe bin ich begeistert. Ich stehe in einem wunderschönen Innenhof. Hier möchte ich bleiben. Ich bekomme das letzte freie Zimmer. Meine Unterkunft ist relativ groß mit schrägem Dach. In der Mitte des Zimmers verlaufen in einer Höhe von etwa 1,70m, quer durch das Zimmer, zwei dicke Dachbalken aus Eichenholz, um die zwei dicke grünen Decken gewickelt sind. Da haben sich sicher schon einige Gäste den Kopf an gehauen. Mich tangiert das nicht.. Ich passe da problemlos unten durch. Außerdem hat mein Zimmer ein Luxusbad. Eine Badewanne mit Massagedüsen.... Ich bin mit der Technik im Badezimmer leicht überfordert und genehmige mir daher „nur“ eine Dusche.
    Außer mir sind noch 2 Radelpaare aus den Niederlanden hier einquartiert.
    Der Regen trommelt auf das schräge Dachfenster während ich auf die alten Dächer des Ortes schaue. Ich schlafe super.
    Geändert von rockhopper (25.07.2016 um 06:38 Uhr)

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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #2
    Na das geht schon vielversprechend los... weiter weiter...

  3. Dauerbesucher
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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #3
    Mi. 01.06.16
    Der Himmel ist grau.
    Ich steige die steile Treppen zum Frühstücksraum hinunter. Die Niederländer sitzen schon an dem großen ovalen Tisch und sind mit dem Frühstücken fast fertig. Ich darf mich noch zwischen 2 Herren dazwischen klemmen. Wir unterhalten uns noch kurz miteinender, bevor die NLs aufbrechen, sie haben ihre Radtour hier beendet. Ich packe auch zusammen und radle heute weiter Richtung Verjux nach Gergy. Hier genehmige ich mir im Café du Pont eine kleine Pause mit einem kleinen Crème. An der Bar sind 3 ältere Franzosen und unterhalten sich. Da sagt einer: „Oh, die Sonne!...mach ein Foto!“
    Teilweise fahre ich auf dem Voie Bleue, teilweise Straße wegen Verfahrens und erreiche am Nachmittag den CP in Chalon-sur-Saône. Beim Einchecken regnet es mal gerade nicht. Das Unna wird auf der nassen Wiese neben einem Bungalow mit Terrasse aufgebaut. Dann setzt der Dauer-Nieselregen ein. Der Wetterbericht sagt auch nichts Gutes voraus.
    Ich entscheide mich noch einen Tag hier zu bleiben, in der Hoffnung, dass der Regen dann aufgehört hat. Außer mir sind noch ein paar Wohnmobile auf dem Platz, die sich auf dem asphaltiertem Bereich um den Sanitärblock hin gestellt haben.
    Geht eigentlich nicht, aber die Stellplätze sind mittlerweile durch den Regen so aufgeweicht, dass ein Wohnmobil mit dem Traktor heraus gezogen werden musste.


    Trübe Aussicht auf dem CP in Chalon-sur-Saône

    Do. 02.06.2016
    REGEN.....ich gehe zu Fuss ins Zentrum und schaue mir zuerst ausgiebig das Photographie Museum
    Nicéphore Niépce an, anschliesend mache ich noch einen kleinen Stadtspaziergang.

    Fr. 03.06.2016
    Das Wetter ist nicht wirklich besser geworden und ich entschließe mich gleich den Zug nach Tain l’Hermitage zu nehmen. Leider streikt der Sncf und die Züge fahren nur teilweise. In Lyon muss ich umsteigen. Der Bahnhof ist voll mit Reisenden, welche auf Möglichkeiten der Weiterfahrt ausharren. Mein Zug fährt, freu...leider wärt die Freude nur kurz, weil ich wegen der Menschenmassen, die in den Zug drücken, wieder aus dem TER aussteige. Mit mir ist ein junger Franzose mit Rad, ohne Gepäck, im Zug, der ebenfalls wieder aussteigt. Der Zug ist jetzt beängstigend voll. Wir warten gemeinsam 1 Stunde auf den nächsten TER, der hoffentlich nicht so voll sein wird.
    Dem ist so, freu. Der junge Franzose, muss auch in Tain l’Hermitage aussteigen, so frage ich ihn nach der Richtung zu der Passerelle nach Tournon-sur-Rhône. Wieder so ein freundlicher Mensch, er begleitet mich bis zum Campingplatz, obwohl er auf der anderen Seite der Rhône wohnt. Mir ist das nicht so recht, weil bei seinem Rad die Bremsen defekt sind und er nicht bremsen kann.
    Ich checke ein, bekomme einen Platz zugewiesen und baue das Unna in einer regenfreien Pause auf.




    Sa. 04.06. 2016
    Heute Abend ist das Treffen mit Traute und Wolfgang.
    In der Zwischenzeit erkunde ich den Ort. Heute ist Markt und ich kaufe mir 3 Mini-Ziegenkäse. Lecker!



    Am Spätnachmittag fängt es heftig an zu regnen...unser Treffen fällt erstmal ins Wasser.
    Als der Regen später am Abend aufhört, sehen wir uns doch noch auf ein Bier.


    Tournon-sur-Rhône

    So. 05.06.2016
    Heute geht es weiter, endlich die Via Rhôna entllang!
    Das Wetter ist besser geworden, freu. Ich entscheide mich einen Abstecher in das Tal des Eyrieux zu machen und einen Teil der La Dolce Via, eine stillgelegte Bahntrasse, zu radeln. Ich biege in La Voulte-sur-Rhône ab und finde Dank guter Recherche den Einstieg zur La Dolce Via ganz gut. Fast....



    Nach einigen Kilometer erreiche ich den von mir ausgesuchten Campingplatz in Saint Fortunat-sur-Eyrieux, Les Amis de la Gare. Ein sehr idyllischer CP auf dem Gelände eines ehemaligen Bahnhofs. Ich zelte sozusagen auf dem ehemaligen Gleisfeld.



    Die Versorgung ist in Ordnung, es gibt einen Supermarkt im Ort und einen Bäcker bei dem es Automatenkaffee gibt. Das ist für mich auch eine neue Geschmackserfahrung. Technisch nicht ganz so eine große Herausforderung wie das „Luxusbad“ in Verdun s. l. Doubs. Trotzdem schaffe ich es den falschen Knopf zu drücken und wundere mich, warum der Kaffee nach Kakao schmeckt...
    Beim 2. Versuch und der Ausgabe eines weiteren Euro gelingt es, mir einen Milchkaffee zu spendieren.

    Mo. 06.06.2016
    Heute möchte ich einen Teil der Dolce Via entdecken und radle ohne Gepäck auf der alten Bahntrasse bis zur Pont de Chevril und dann wieder zurück zum CP. Das Wetter stabilisiert sich und wird richtig schön, fast zu heiß. Die Strecke ist sehr entspannt zu fahren mit schönen Ausblicken auf den Fluss.


    Nicht Rennrad tauglich.


    Di. 07.06.2016
    Endlich kann ich die Via Rhôna „fortsetzen“, ich bin ja eigentlich erst ab Tournon-sur-Rhône gestartet. Wegen des Regens. Wahrscheinlich habe ich dadurch den schönsten Teil der Strecke verpasst. Zuerst muss ich aber zurück zur Rhône. Der Abschnitt der Bahntrasse bis zum CP in St. Fortunat-sur-Eyrieux war wegen des Dauerregens eine ziemliche Matschpiste mit kleinen „Seen“ dazwischen. Mein Rad sieht entsprechend aus.
    Deshalb ziehe ich die hügeligere Straßenvariante, der D120 vor und bin in relativ kurzer Zeit wieder in La Voulte-sur-Rhône.


    An der Rhône

    Nach einer kurzen Kaffeepause geht es weiter Richtung Le Pouzin. Ich verfahre mich und lande auf der alternativen Strecke, links der Rhône.
    Teilweise muss ich auf der N7 radeln, bei Hitze und enormen LKW Verkehr. Das nervt und ich weiche in das Hinterland aus. Manchmal sehe ich ein Via Rhôna Schild, dann ist wieder kein Hinweis zu sehen. Nach etlichen Kilometer lande ich wieder an der N7, die ich nur queren muss um wieder auf die Via Rhôna zu kommen. In l’Homme de l’Armes mache ich wieder eine Cola Pause.


    Pause an der N7

    Mein Radcomputer zeigt 35 Grad an. Etwas erledigt erreiche ich Viviers und steuere die Touristeninfo an, um zu erfahren, dass der CP auf den ich möchte, kein Wasser hat. Super, und das bei der Hitze. Der nächste Campingplatz liegt einige Kilometer weiter auf einem Hügel. Dazu habe ich keine Lust mehr und frage nach einem Zimmer. Ich bekomme ein Chambre d’Hôte in der Altstadt von Viviers. Mir quellen fast die Augen über als ich den Ort meiner heutigen Übernachtung sehe! Von der Straßenseite her sieht man den eigentlichen Charme dieses Hauses nicht. Eine gute Entscheidung hier zu bleiben. Ich bringe meine Sachen auf mein Zimmer und mache mich zu Fuss auf den Weg das mittelalterliche Stadtbild zu erkunden. Am Abend gönne ich mir im hauseigenen kleinen Restaurant einen Salat mit heißem Schafskäse. Meine Zimmernachbarn, Franzosen, sind auch hier beim Essen und wir unterhalten uns noch etwas über das Reisen.


    Der Zugang zu meinem Zimmer: die grüne Treppe hoch, dann nach rechts....der kleinere Torbogen ist der Eingang. Die linke rote Türe führt zum hauseigenen kleinen "Keller"Restaurant.


    Bild links: Das Restaurant. Bild rechts: Meine Dusche....

    Mi. 08.06.2016
    Ich stehe auf und sehe, dass es heute wieder ein super schöner Tag werden wird.
    Beim Frühstück leistet mir der Hund des Hauses Gesellschaft.


    Zum Frühstück bestelle ich mir einen großen Kaffee . Tassen Durchmesser etwa 18 cm!


    Via Rhôna.

    Rhône Brücke


    Mein Etappenziel ist Pont-St. Esprit. Ich radle auf der Via Rhôna!...aber nicht lange,
    da sehe ich eine große Baumkrone auf dem Weg liegen. Mit Hilfe von 2 Niederländern, welche mit ihren Frauen auf einem Tagesausflug sind, schaffen wir das Gepäck und das Rad auf die andere Seite.



    Ich sehe sicherheitshalber zu Fuß nach was nach der Kurve kommt. Toll! Die Rhône ist über die Ufer getreten und hat den Radweg geflutet. Ich kann nicht einschätzen wie tief die Furt ist und kehre lieber um. Zum Glück sind die Niederländer noch da und helfen mir noch einmal.



    So radle ich etwa 10 Kilometer bis zur nächsten Brücke zurück und quere die Rhône zur anderen Seite.
    Hier treffe ich Paul, der auf dem Weg nach Santiago de Compostela ist.



    Hin und wieder taucht ein Hinweis zur Via Rhôna auf. Dann ist wieder keine Orientierung da. Wir radeln gemeinsam bis Pont-St. Esprit. Die Brücke wird gerade gereingt und ist für den Autoverkehr gesperrt. Wir dürfen mit den Rädern die Brücke passieren. Bei einem gemeinsamen Kaffee verabschiedet er sich, um noch Kilometer zu machen. Bis zum Campingplatz in St. Just d’Ardèche sind noch etliche Kilometer auf der stark befahrenen D6086 zu fahren. Macht auch nicht wirklich Spass! Der Campingplatz ist OK und es gibt natürlich wieder einen Campingplatzhund der mich beim Frühstücken bewacht.

    Do. 09.06.20
    Heute geht es weiter auf der D 138A über Saint-Étienne-des-Sorts nach Codolet, weiter auf der D238 und der D 237 nach Caderousse. Die Strecke ist hier nicht so spannend. Außerdem bläst der Mistral, unberechenbar mal vorn vorne, mal von der Seite.
    Über die Rhônebrücke schiebe ich aus Sicherheitsgründen, selbst das ist mühsam. Das weiter Radeln ist anstrengend, da ich dauernd aufpassen muss wann der nächste Mistral-Schub kommt und ich gegen lenke, oder sogar absteige. In Caderousse leiste ich mir eine kleine Mittagspause auf dem Dorfplatz und esse einen „Wurstsalat“ vom Metzger gegenüber. Anschließend gönne ich mir bei der Hitze noch eine kalte Cola in der Bar neben an und genieße die Ruhe die der Platz ausstrahlt.


    Tierische Hitze


    Gestärkt fahre ich erstmal weiter auf der linken Rhôneseite. Irgendwann wechsle ich, um auf der D980 an Villeneuve-les-Avignon vorbei zuradeln. Bei meiner Tourplanung schien mir dieser Abschnitt entspannt zu Fahren. Dem ist nicht so, leider. Die Weiterfahrt auf der D2 bis Aramon ist anstrengend und ich bin genervt von den LKWs und den Autos. Dazu noch der Mistral von vorne und jeder entgegenkommende LKW bremst mich durch den Sog, der durch das vorbei Fahren entsteht, zusätzlich aus. Ich wechsle wieder die Seite auf die D183A und fahre bis Vallabrègues, um dort eine kleine Erholungs-Kaffeepause zu machen. Ich unterhalte mich sehr nett mit einem Franzosen, der einige Jahre in Deutschland gearbeitet hat und sich freut, wieder einmal Deutsch reden zu können. Danach sind es nur wenige Kilometer zum CP Tartarin, in Tarascon. Hier handle ich einen Radlerrabatt von 16€ auf 12€ aus. Ich baue schnell das Zelt auf und gehe dann zu Fuß auf Erkundungs-Tour.
    Der Ort selbst ist nicht so interessant, aber die Burg aus dem 15. Jahrhundert ist schon sehr beeindruckend, deshalb beschließe ich, morgen Vormittag die Burg zu besichtigen.


    Ein mächtiges, beeindruckendes Bauwerk

    Fr. 10.06.2016
    Das Wetter kündigt wieder einen heißen Tag an.
    Ich frühstücke im Ort und begebe mich auf den Weg die Burg an zu sehen, die gigantische Ausmaße hat. Schwer beeindruckt setze ich meine Tour fort. Weiter geht es über die Rhônebrücke nach Beaucaire. Ich schiebe wieder mal, zu viele Autos. Am Brückenende komme ich mit einem jungen Radler aus der Schweiz, der nach Portugal möchte, ins Gespräch. Er hält an, um mich zu fragen, ob alles OK ist. Weiter geht es auf der D38 über Bellegarde. Ich schaffe es wieder mich im Ort zu verfahren. Dabei sieht es auf der Karte ganz einfach aus. Nur auf der Hauptrasse bleiben...mmh, dann gabelt sich die Straße und ich nehme natürlich den falschen Abzweig. Ich bleibe weiter auf der D38 bis ich in St. Gilles ankomme und auf dem CP einchecke. Zum ersten Mal sind die Sanitäranlagen top und die Dusche kann man selbst regulieren. Oft ist es so, dass das Wasser brühheiß aus dem Duschkopf kommt. Ist bei 30 Grad auch kein Vergnügen. In St. Gilles will ich mir unbedingt die romanische Basilika und die Krypta, ein Weltkulturerbe, ansehen. Deshalb lege ich hier einen Pausentag ein.



    Sa. 11.06.2016 Pausentag in St. Gilles
    Ich bekomme einen neuen Zeltnachbar, ein Franzose mit Liegerad, der Frankreich umrundet. Wir tauschen uns über einige Streckenabschnitte aus. Er erzählt mir, dass der Canal du Midi streckenweise schwierig zu befahren sei. Naja denke ich mir, da ich den Canal schon geradelt bin...vor 8 Jahren.


    Gut gepackt

    Heute kündigt schon der Vormittag an, dass es wieder heiß werden wird und mache mich schon früh auf den Weg zur Basilika. Das romanische Portal ist sehr beeindruckend. Die Kirche selbst kann man kostenlos ansehen. Die Krypta, die sich unter dem ganzen Kirchenschiff erstreckt, kann nur durch ein Eintrittsgeld von 3€ besichtigt werden. Ich habe das Glück, für einige Minuten die Stille und die besondere Atmosphäre da unten ganz für mich alleine zu haben und genieße den Moment, bis die nächste Busladung mit Besuchern die Krypta überfällt. Mitten in der Nacht bekomme ich zu meiner rechten Seite noch einen neuen Nachbarn, der sich offensichtlich aus Müdigkeit schwer tut, sein Zelt auf zu bauen. Ich schlafe schlecht, da ich nun zwischen zwei Schnarchzapfen liege.

    So. 12.06.2016
    Am Morgen, sehe ich das Zelt eines Schotten, das dem entsprechend „schief“ da steht. Als er dann später aus seinem Zelt kriecht entschuldigt er sich für die nächtliche Störung. Ich frühstücke im Ort mit meinem üblichen Croissant und Pain au Chocolat und einem Crème. Heute ist mein Etappenplan bis Vic-la-Gardiole auf einen der Campingplätze zu kommen. In Aigues Mortes ist die Stadt voller Touristen, deshalb gibt es hier nur eine kleine Pause. In La Grande Motte verfahre ich mich, die vielen Autos nerven mich, es ist zu heiß und die vielen Menschen gehen mir auf den Geist, trotzdem finde ich die Architektur interessant.


    Aigues Mortes__La Grande Motte

    In Carnon-Plage habe ich keine Lust mehr. Ich steuere den erst besten CP an, einen 5 Sterne Platz. So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen und bin fast geschockt. Der CP ist so etwas wie ein großes eingezäuntes Dorf mit Sicherheits-Wach-Personal am Eingang und riesigen Gebäuden die für einen angenehmen Aufenthalt der Camper sorgen. Ich habe sofort keine Ambitionen mehr hier zu bleiben und flüchte. Eigentlich will ich ja weiter über Die Abbaye Magelone, immer schön am Meer entlang, mit der Erinnerung Im Kopf, wie schön die Strecke war,.... vor acht Jahren. Während ich in freudiger Erwartung so vor mich hin radle, will dieser schöne Streckenabschnitt so gar nicht auftauchen. Und ich ärgere mich ein bisschen über mich, dass ich es nicht einmal schaffe, einfach am Meer entlang zu fahren. Dann kommt wieder so eine Gabelung.....ist das der Abzweig zur Abtei Magelone???...ich müsste aber vorher an dem schönen Küstenabschnitt vorbei gekommen sein....


    Souvenir 2008 Küstenabschnitt, Abbaye Maguelone

    Während ich so da stehe und überlege, taucht glücklicherweise ein Mountainbiker mit seinem kleinen Sohn auf, den ich nach der Richtung frage. Ich kann mit ihnen fahren. Dabei schaut er mein Fahrrad etwas kritisch an. Die Strecke ist eigentlich nicht für ein Tourenrad geeignet und ich bin froh um meine super Reifen, denn es geht ordentlich über groben Schotter. Dann kommt noch eine Stelle wo das Rad getragen werden muss....wir tauschen die Räder. Mein freundlicher Helfer quält sich mit meinem “Paket“ den Abhang hinunter. An der Abbaye Maguelone kommen wir nicht direkt vorbei. Keine Ahnung, wo wir gerade sind. Irgendwann erreichen wir am frühen Abend Villeneuve-les-Avignon. Hier gibt es auch einen Campingplatz nach Aussage meines „Begleiters“. Auch gut, mir reicht es eh’ für heute. Dann stehe ich im Eingangsbereich des CPs und sehe keine Rezeption....super. Von ein paar Boule spielenden Männern werde ich aufgeklärt, dass das hier ein Feriendorf ist. Also muss ich doch noch 10 Kilometer nach Vic-la-Gardiole radeln, die sich ewig ziehen, weil der Tramontane mir entgegen bläst. Kurz vor Vic nehme ich den ersten Cp der sich anbietet, direkt an der Hauptstraße.
    Die Rezeption hat zu, die Bar und das Restaurant sind noch im Winterschlaf. Zum Glück gibt es eine Telefonnummer die ich anrufen kann. Viele Minuten später kommt eine nette Dame und weist mir einen etwas Wind geschützten Platz zu. Ich frage nach, ob es auf dem Campingplatz irgendetwas zu Essen zu kaufen gibt. Ich sehe ja, dass alles noch zu ist, aber manchmal kann man doch eine Kleinigkeit kaufen. Man muss nur fragen. Also es gibt nichts. OK, macht nichts sage ich zu ihr. Ich mache dann Diät. Ein paar Minuten später, „klopft“ es an mein Zelt und die Dame von der Rezeption bringt eine Teller Pasta mit Thunfisch und Tomate vorbei und eine Gabel dazu. Freu!!!



    Mo. 13.06.2016
    Geduscht und gepackt, in den Ort geradelt, das übliche Frühstücksprogramm absolviert.
    Heute soll es bis zum CP nach Villeneuve-les Beziers gehen. Bei Frontignan verfahre ich mich wieder so übel, dass wieder viele Kilometer zusätzlich zu fahren sind. Ich ärgere mich, das GPS Gerät nicht mitgenommen zu haben. Sète passiere ich problemlos mit der Unterstützung von Monika, einer Schweizerin, die hier wohnt. Der Abschnitt Sète_Agde ist Dank des „neuen“ Radweges entspannt abzuradeln.



    Vor 8 Jahren sind wir noch auf der 1-spurigen Straße und teilweise im Baustellenbereich gefahren. Spannend ist dieser Abschnitt nicht, so zwischen Bahngleisen, Straße und Kilometer langen Parkplätzen und Dünen-Schutzzäunen. Es gibt etwa 60 Strandzugänge. Ich möchte mir gar nicht vorstellen wie voll es in der Hauptsaison ist. In Marseillan verliere ich mich in dem Straßengewirr. Ich komme an einer Fahrrad-Werkstatt vorbei, die ausnahmsweise am Montagvormittag geöffnet hat. Hier kann ich endlich mein Lenkerband, das sich gelöst hat, reparieren lassen. Vor Agde stehe ich wieder in der Pampa und weiß nicht mehr weiter. Die stark befahrene D912 will ich nicht nehmen und so stehe ich wieder mal herum und überlege. Und wieder kommt ein „Schutzengel“ in Form eines älteren Franzosen auf einem Mountainbike daher, den ich nach dem Weg frage. Er versucht mir erst gar nicht zu erklären wo es lang geht, sondern bietet mir an, mich direkt zum Canal du Midi zu lotsen.
    Ich hänge mich an das Hinterrad und wir fahren etwa gefühlte 30 Minuten quer durch Agde. Wahrscheinlich hätte ich Stunden gebraucht, um den Einstieg zu finden. Total glücklich bedanke ich mich für die Hilfe. Den Canal-Einstieg hatte ich als ziemlich zugewachsen in Erinnerung.
    Nun präsentieren sich die ersten Meter ziemlich rustikal, es sieht eher danach aus, als ob eine Planierraupe durch gefahren ist.


    Abenteuerliche Wege

    Die ersten Kilometer am Canal


    Am frühen Abend erreiche ich den CP in Villeneuve-les-Beziers. Der Platz für die Radler, ein Seitenstreifen am Schwimmbad, ist eigentlich komplett belegt. Ganz am Ende finde ich dann eine Stelle wo ich das Unna aufbauen kann.

    Di. 14.06.2016 Pausentag
    Der Tramontane bläst immer noch. Heute ist Waschtag und ich möchte einen Ausflug nach Beziers machen. Es sind etwa 10 Kilometer bis ins Zentrum und ich werde den Bus nehmen. Auf dem Campingplatz liegen die Busfahrpläne aus. Super Service! Ich mache mich auf den Weg zur Bushaltestelle, die Straße vor, dann rechts, wird mir gesagt.. Irgendwie laufe ich wieder verkehrt und brauche statt der 5 Minuten etwa 20 Minuten bis ich die Haltestelle finde. Ich komme mir echt blöd vor und bin entsprechend sauer auf mich. Wenigstens stehen schon Leute da, der Bus müsste auch gleich kommen. Die Zeit verstreicht....., dann frage ich einen der „Wartenden“ wann denn der Bus kommt. Heute fährt kein Bus, es wird gestreikt, bekomme ich zur Antwort. Super!
    Ich gehe wieder zum CP zurück, der so gerade mal um die Ecke liegt.. und gönne mir einen relaxten Nachmittag.

    Mi. 15.06.2016
    Ich stehe gut erholt auf und ziehe weiter, erstmal bis Beziers.



    Heute ist es windstill, die Sonne scheint. Es lohnt sich einen Abstecher hinauf in das Zentrum zu machen. Ich streune durch die Altstadt. Beim weiter Fahren gibt es vor der Pont du Canal, die über den Orb gebaut ist, eine Umleitung für Radfahrer, wegen...?...keine Ahnung. Ich verfahre mich unten herum. Die Umleitung ist wegen der Sanierung der Écluse de Fontséranes, erfahre ich ein paar Meter weiter, Klasse. Die sieben Schleusen wollte ich mir eigentlich noch einmal ansehen. So gibt es nur einen Bauzaun, Absperrgitter und Umleitungs-Schilder zu sehen.



    Es ist schon später Nachmittag und ich entscheide mich auf dem CP in Colombiers zu bleiben. Ich suche mir eine „Stille“ Ecke am Ende des Campingplatzes aus, meine Nachbarn, eine Familie, die wohl ständig hier wohnt. Nachts wird es für kurze Zeit ziemlich ungemütlich, weil die Familie gegenüber Stress miteinander hat und es ziemlich laut zugeht. Der Streit wird durch einem Knall unterbrochen. Ich vermute, dass irgend etwas größeres durch die Gegend geworfen wurde und dadurch einiges zu Bruch geht. Ich spähe vorsichtig unter der Hutze des Unna durch, um die Lage da draußen zu checken. Es bleibt ruhig und ich versuche weiter zu schlafen.


    1 "großer" Berliner auf gemütlicher Tour nach Spanien. Ich bin schwer beeindruckt.

    Do.16.06.2016
    ich habe schlecht geschlafen und bin unmotiviert, trotzdem will ich einen Blick auf den Étang de Montady werfen, eine im Mittelalter im Drainagesystem trocken gelegte Mittelmeer Lagune.



    Am Canal ist der Weg mühsam zu fahren.
    Bei einer Gabelung des Treidelpfades, entscheide ich mich für die Ufer Variante. Der andere Weg führt den Hügel hoch, dazu habe ich sowieso keine Lust. Der Pfad wird immer enger, bis ich den Tunnel sehe, aber da habe ich mich schon in eine etwas prekäre Situation gebracht.




    Zu Fuss kann man den Tunnel passieren, da es einen schmalen Weg gibt, der am anderen Ende des Tunnels an einer steilen Steintreppe, ohne Geländer, endet. Das weiß ich, weil ich schon mal hier war. Mir wird klar, dass ich umdrehen muss. Wenn der Pfad nur nicht so schmal wäre. Blöd wieder mal, und peinlich ist es mir auch. Nur gut, dass mich niemand sieht. Ich lade vorsichtig mein Gepäck ab und suche mir eine etwas breitere Stelle um mein Rad um zu drehen. Jetzt nur nicht ins Wasser fallen, schießt es mir durch den Kopf, gefolgt von den Schlagzeilen der Lokalpresse: Deutsche Radtouristin fällt vor dem Tunnel du Malpas mit Rad und Gepäck in den Canal du Midi . Mit höchster Konzentration schaffe ich die heikle Stelle zu überwinden und schiebe demütig zu der Abzweigung zurück.


    Die Boote erscheinen kurz nach meinem Wende Manöver

    Natürlich muss ich den Hügel hoch, um den Tunnel zu überqueren!

    Am anderen Ende des Tunnels

    Etwas geschafft radle ich weiter über Capestang. Wegen einer Umleitung verfahre ich mich wieder und lande am Canal de la Robine in Saléles d’Aude. Dank Archies Camping finde ich hier den kleinen und feinen Municipal.


    Schleuse in Saléles d'Aude

    Fr. 17.06.2016
    ich frühstücke im Grand Café. Habe ich meinen Geschmackssinn verloren? Ich bin etwas irritiert.
    Ich kenne das schon, mit einem weiteren Espresso dazu, bekommt der Kaffee etwas mehr Aroma. Irgendwie schmeckt mir das trotzdem nicht. Jetzt muss ich erst wieder zum Canal du Midi kommen. Dieses Mal einfach, da es nur 10 Kilometer gerade aus, auf einer Strasse, direkt am Canal geht.


    Canal de la Robine

    Bei der Einmündung des Canal de la Robine in den Canal du Midi, verfahre ich mich...beinahe. Zum Glück steht am Ufer ein riesiges Schild für die Bootsfahrer in welche Richtung es geht. Fast wäre ich wieder zurück nach Beziers geradelt.


    Canal du Midi, links die Mündung des Canal de la Robine

    Bis Trèbes zu meinem Etappenziel wird es richtig anstrengend auf dem schmalen Trampelpfad, trotzdem landschaftlich sehr schön.


    Hier hole ich mir nasse Füße, weil ich lieber schiebe

    Erledigt checke ich auf dem 4 Sterne CP ein. Es fängt an zu nieseln. Neben mir baut ein Stuttgarter mit seiner norwegischen Frau ihr Tunnel-Hilleberg, in schwarz, auf. Er freut sich, jemand aus seiner Heimatstadt zu treffen und mal wieder schwäbisch reden zu können.

    Sa. 18.06.2016
    Bis Carcassonne sind es noch 12 Kilometer. Es ist heiß heute!


    Impressionen am Canal vor Carcassonne

    Noch fahrbar

    Ich muss mich konzentrieren, einfach so dahin radeln ist nicht. Trotzdem ist die Landschaft ein Genuss!

    Meterhohes Gras, hoffentlich fange ich mir keine Zecken ein.

    Die anstrengende Passage ist geschafft.

    Pause

    Da ich keine weitere Lust auf Holper-Wurzel-Schlagloch-Strecke habe entscheide ich mich für
    den Zug bis Toulouse. In Toulouse empfangen mich Hitze, viel Verkehr und ich habe schon zum 2. Mal keine Ambitionen durch Toulouse zu fahren und löse gleich eine Fahrkarte bis nach Moissac. 2012 erging es mir ebenso und ich fuhr damals mit dem Zug bis Agen. Vom Bahnof in Moissac geht es gleich zu dem schön gelegenen CP Le Moulin de Bidounet am Tarn.



    So. 19.06.2016 Pausentag
    Stadtbesichtigung


    Das romanische Portal der Abtei Saint Pierre,11. Jahrhundert, ein Weltkulturerbe.

    Begeistert von der Fassaden Architektur in der Stadt, fotografiere ich ohne Ende.

    Das Schaufenster eines Buchladens in Moissac

    Mo. 20.06.2016
    Etappenziel heute der CP Le Moulin de St.Laurent. Auch hier war ich 2012 schon gewesen. Der Campingplatz liegt einige Kilometer abseits des Canals. Heute ist es wieder fast zu heiß.


    Canal Lateral de la Garonne, die Fortsetzung des Canal du Midi

    Zum Glück gibt es hin und wieder bewirtschaftete Schleusen die zu einer Pause einladen.

    Der Campingplatz Le Moulin de Saint Laurent...und Choukie: krieg' ich jetzt etwas zu futtern?

    Dieses Mal ist der Platz sogar gut belegt, alles Radler mit Zelten. Ich zähle 4 Zelte, immerhin.
    Der kleine Campingplatzhund, Choukie, ist sehr an meinem Rucksack interessiert, der offen auf dem Boden steht. Bevor ich reagieren kann steckt der halbe Hund drin. Er wird nichts finden Das Salami Baguette habe ich schon verspeist. Leider kann ich kein Foto machen, da sich die Kamera auch im Rucksack befindet.

    Di. 21.06.2016
    Am Morgen bekomme ich ein feines Frühstück im Aufenthalts- Rezeptionsraum. Zum Glück kann ich noch ein Baguette mit Käse belegt erwerben.
    Das wird für den heutigen Tag meine einzige Verpflegung sein.



    Die Temperaturen steigen wieder zur 30° Marke. Die Strecke ist jetzt gut zu fahren, abschnittsweise sogar asphaltiert. Irgendwann am frühen Abend erreiche ich den Campingplatz bei La Réole. Der Platz ist etwa zur Hälfte belegt. Ich brauche eine Weile, bis ich mich entscheiden kann, das Unna zwischen ein paar Schattenflecken, die ein Bäumchen wirft, auf zu bauen. Mir ist zu heiß, da bekomme ich schlechte Laune. Deshalb verkrieche ich mich relativ früh ins Zelt. Die Dame an der Rezeption erzählt mir, dass heute Abend das Musikfest, Fète de la Musique, statt findet. Ich stelle mich auf eine laute Nacht ein. Ich höre so gut wie nichts von der Musik und die Nacht verläuft total ruhig.

    Mi. 22.06.2016
    Trotz des Straßenlärms auf der anderen Seite der Garonne habe ich gut geschlafen. Die Sonne brennt jetzt schon am frühen Morgen, so dass ich bald das Zelt verlassen muss. Alles ist klatschnass, das Unna und die Wiese. ich lege erst mal meine Sachen zum Trocknen auf den Weg.



    In der Rezeption erfahre ich, dass meine Route zuerst 20 Kilometer nur Berg auf geht, bis ich zu dem Voie Verte (Bahntrasse) nach Bordeaux gelange. Heute soll der heißeste Tag werden, so nehme ich doch lieber den Zug nach Bordeaux. Nachdem das Rad bepackt ist mache ich mich auf den Weg zu dem kleinen Bahnhof in La Réole. Dort organisiere ich auch gleich die Rückfahrt mit dem TGV nach Strasbourg. Ich habe Glück, es gibt noch freie Plätze im Zug. Gegen Mittag komme ich am Bahnhof in Bordeaux an. Was ist das denn überall Bauzäune, Absperrgitter und Umleitungen für die Reisenden. Der Bahnhof wird saniert und ist eine einzige Baustelle. Ich muss mich erst erholen und trinke in der Nähe einen Kaffee und esse eine vorzügliche Quiche dazu. Bei der Touristeninformation werde ich schnell abgefertigt. Ein Zimmer, schwierig....wegen des Euro . Ich verstehe erst nicht Irgendwann wird mir klar, sie meint die Fussball EM. Bordeaux ist auch Austragungsort und die Stadt ist voll mit Fussball-Touristen. Dann drückt sie mir ein Hotelverzeichnis in die Hand, ich soll selbst suchen. Ich schreibe jetzt nicht, was ich in diesem Moment gedacht habe. Das Hotel-Verzeichnis landet im Mülleimer und ich begebe mich zu Fuß auf Hotelsuche. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs finde ich relativ schnell ein schönes und ruhiges Zimmer in einem 2 Sterne Hotel. Das Fahrrad kann sicher im Hinterhof geparkt werden. Nachdem das Zimmer bezahlt ist, mache ich mich auf den Weg noch etwas durch das Zentrum zu Bummeln. In der Altstadt wundere ich mich über den merkwürdigen Geruch. Nachdem ich den Müll in den Gassen und Straßen sehe, wundert mich das nicht. Irgendwann erfahre ich, dass die Müllabfuhr streikt. So macht das Bummeln keinen Spass. Nach 2 Stunden bin ich wieder im Hotel zurück. Ich kaufe mir noch für die morgige Zugfahrt eine 1,5 l Wasserflasche und packe meine Sachen zusammen, da mein Zug um 7:23 fährt, hoffentlich.


    Bordeaux, mein Lieblings-Café


    Do. 23.06.2016
    Ich habe nicht gut geschlafen. Mein Handy-Wecker klingelt um 6 Uhr.
    Mein Fahrrad ist schnell bepackt und ich schiebe zum Bahnhof, es ist 6:5o Uhr.
    Am einzigen geöffneten Imbiss gibt es einen Espresso und ein Croissant zum Frühstück. Hier will ich mir noch ein belegtes Baguette für die Zugfahrt kaufen. Die Baguettes werden erst um 7 Uhr geliefert, OK, ich habe ja noch 15 Minuten Zeit. Ich bemerke erst jetzt dass ich meine Wasserflasche im Hotel vergessen habe. So ein Mist, ich kaufe mir für 5€ ! 2 Flaschen 0,5l Wasser. Die Baguettes kommen nicht....und ich muss zum Zug, der Gott sei Dank, fährt. So futtere ich während der 6,5 Std Zugfahrt meine restlichen Ingwer-Zitrone-Haribos.
    In Strasbourg steige ich in den kleinen Regionalzug nach Kehl um. Puh, hier ist es genauso heiß wie in Bordeaux! In Kehl gehe ich erstmal ein Eis essen, bevor ich zum Campingplatz radle. Jetzt noch einmal über 4 Stunden Zugfahrt nach Stuttgart, bei der Hitze, darauf habe ich keine Lust!
    Ich lasse den Abend gemütlich mit Schnitzel und Pommes auf dem CP-Platz Restaurant ausklingen.

    Fr. 24.06.2016
    Rückfahrt mit dem Zug nach Stuttgart bei 35 Grad.

    Fazit
    Wenn....das Wetter besser gewesen wäre, wenn....es weniger Umleitungen gegeben hätte....
    Die Via Rhôna wird sehr beworben, obwohl sie nur abschnittsweise fertig gestellt ist, bzw. beschildert ist. Der Hochglanz Prospekt verspricht mehr, als die Realität zeigt. Den wahrscheinlich schönsten Abschnitt habe ich wegen des schlechten Wetters nicht befahren und dadurch verpasst. Der Abschnitt um Avignon war wegen des Verkehrs ziemlich anstrengend. Die Passage am Mittelmeer war ok. Die Radwege Führung nach Agde zum Einstieg Canal du Midi ist ungenügend...oder ich habe sie übersehen. Was durchaus sein kann. Die Wege Qualität am Canal ist sehr unterschiedlich. Wenn man MTB-Erfahrung hat ist das von Vorteil. Die Provencalen mögen das Französisch, welches nördlich von Lyon gesprochen wird nicht so. . Das habe ich einige Male erfahren. Da wird man dann einfach nicht verstanden. Schaue ich mir meine Fotos im Nachhinein an, war es doch eine erlebnisreiche und schöne Tour. Die nächste Tour geht wohin..? ..in den Norden Frankreichs..wieder.
    Geändert von rockhopper (28.08.2016 um 11:10 Uhr)

  4. Gerne im Forum

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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #4
    Schön, mal wieder ein Bericht von Dir. Vielen Dank.

  5. AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #5
    Ahh, rockhopper war mal wieder in Frankreich unterwegs.

    Zitat Zitat von rockhopper Beitrag anzeigen
    Fazit Die Via Rhôna wird sehr beworben, obwohl sie nur abschnittsweise fertig gestellt ist, bzw. beschildert ist. Der Hochglanz Prospekt verspricht mehr, als die Realität zeigt.
    Daran wird sich auf absehbare Zeit nicht viel ändern. Im letzten Urlaub habe ich einen Franzosen getroffen, der sich (scheinbar) sehr gut mit den französischen Radwegen auskennt. Für die Via Rhône soll es zwar ein tolles Konzept geben, aber die Umsetzung liegt in Gemeindehand, bzw. bei den "Kreisverwaltungen". Wer, wann und wie seine Kilometer baut, dafür gibt weder einen Plan noch den nötigen Zeitrdruck.

    Zitat Zitat von rockhopper Beitrag anzeigen
    Die Radwege Führung nach Agde zum Einstieg Canal du Midi ist ungenügend...oder ich habe sie übersehen. Was durchaus sein kann. Die Wege Qualität am Canal ist sehr unterschiedlich. Wenn man MTB-Erfahrung hat ist das von Vorteil.
    Für Nachahmer: In Agde der Ausschilderung Écluse ronde d'Agde folgen. Da fängt der Waldweg entlang des Kanals an, der später, wenn der letzte Schrottkahn passiert ist, zum Trampelpfad wird. Auf der Strecke war ich auch unterwegs - aber zu Fuß. Mit dem Rad würde ich mir das nicht antun.

    Besser man sucht sich eine Route durch die Wiesen: Westlich der Stadt bei der Kartbahn an der D 612 in den Chemin Neuf abbiegen. Immer auf dem Asphalt bleiben. Am Europark vorbei bis zur D 37 bei Portiragnes. Beim Reiterhof an der Brücke fängt der geteerte Radweg an. Agde-Reiterhof ist jedoch kein Radweg.
    Geändert von Werner Hohn (23.12.2016 um 17:06 Uhr) Grund: So, jetzt versteht es nicht nur der Verfasser.
    .

  6. Erfahren
    Avatar von Franky66
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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #6
    Ohhh, sehr schade, daß ich hier lange nicht mehr im Forum war und erst jetzt von der Tour erfahre - hättest nämlich in unserem Haus in Capestang übernachten können, direkt am Marktplatz.

    Zwischen Béziers und Carcasonne ist der Canal sehr schlecht befahrbar, da er sehr lange nicht mehr gepflegt wurde und die Bäume weichen müssen.
    Das schönste Stück am Robinie hast Du ja entdeckt


    Liebe Grüße

    Franky
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  7. Dauerbesucher
    Avatar von rockhopper
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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #7
    Ach, ich war auf dem Marktplatz und habe in der Boulangerie Köstlichkeiten gekauft und am Platz einen Crème getrunken. Ursprünglich wollte ich hier auf den Campingplatz, den ich aber nicht gefunden habe.
    Mit der richtigen Bereifung ist der Treidelpfad einigermaßen zu fahren. Die Spurrillen fand ich schon anstrengend. Die Ruhe am Canal ist schon etwas besonderes. Der Abschnitt Moissac_La Réole bietet diesbezüglich so gut wie keine Herausforderungen.


    Das ist doch am Marktplatz?

    Liebe Grüße
    rockhopper
    Geändert von rockhopper (26.12.2016 um 15:16 Uhr)

  8. Erfahren
    Avatar von Franky66
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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #8
    Japp, das ist die Collégiale St. Étienne direkt am Markplatz. Dein Foto ist aus der Richtung des Cafés/Restaurant La Grille entstanden. Am linken Ende des Place Jean-Jaurès befindet sich das Restaurant/Pizzeria Le Provence, und links daneben unser Haus.
    Die Boulangerie ist die beste im Ort - gute Wahl, dort zu kaufen!
    Hast Du das Haus in der Rue Gigiry mit der Fassadenmalerei besucht? Ein Highlight in Capestang.

    Vor Capes bist Du durch den knuffigen Ort Poilhes gekommen, wo man sehr gut essen kann. Der Canal fließt hier mitten durch. Die VinAuberge dort betreibt ein Deutscher mit seinen Kompagnons, der seinen (Bio-)Wein auch in den Élysée-Palast liefert - Les Trois Tomates.

    Gerade werden und wird zwischen den beiden Orten und weiter westlich von Capes fast der gesamte Platanenbestand radiert


    Liebe Grüße

    Franky
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  9. Dauerbesucher
    Avatar von rockhopper
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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #9
    Das bemalte Haus in der Rue Gigiry habe ich leider verpasst. Dank G-Maps konnte ich es mir doch noch ansehen. Klasse! Am Canal habe ich auch viele neu gepflanzte Platanen gesehen. Weiß aber nicht mehr wo das war. Es läuft gerade ein Projekt, am Canal die Platanen wieder auf zu forsten. Den Kaffee hatte ich im Café de la Grille getrunken. Ach, wenn ich mich gerade mit Street View da noch mal hin zoome, bekomme ich Fernweh.

    Liebe Grüße
    rockhopper

  10. Erfahren
    Avatar von Franky66
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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #10
    Dort lässt es sich gut leben - wenn auch nur für eine kurze Zeit. Ich freue mich schon auf den Urlaub dort in 2017

    Der Ort hat sich in den zehn Jahren, in denen ich ihn nun kenne verändert, der Markt (Mittwoch und Sonntag) ist mehr touristisch und hat an Flair echt verloren. In Olonzac, 30km westlich, hat man Dienstags den Genuss eines grandios französischen Marktes.
    So etwas lebhaftes gepaart mit eine enormen Auswahl an regionalen Produkten suchte ich schon lange, hatte aber auf Grund der direkten Nähe zum Markt in Capes kaum den Drang, in andere Orte zu schauen. Nu iss Olonzac Pflicht!

    Die Platanen werden durch andere Baumarten ersetzt, aber nicht alle. Gerade Capestang hat die Chance als große Basis für den Kanal-Bootsverleih genutzt und weitere Flächen als Anlegestellen erschlossen. Wenn ich Dir Fotos von früher zeige und die heutigen daneben, weint man innerlich.
    Man muss bedenken, die Platanen wurden ja nicht fürs Auge gepflanzt. Sie sollten im Sommer das Wasser der Kanäle im Midi vor zu hoher Verdunstung, die Treidelpferde vor zu hoher Sonneneinstrahlung schützen - eine in den nicht außergewöhnlich heißen Tagen dort mit 40°C wichtige Funktion. Auch Wandern und Radfahren ist im Schatten angenehmer


    Kommt gut ins neue Jahr

    Franky
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  11. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #11
    wow !!!! wunderschöne Tour, tolle Bilder. Respekt

    Bin auch schon auf ähnlichen Wegen Richtung Süden gefahren. Frankreich ist echt wunderschön zum radeln.

  12. Erfahren

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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #12
    ... ach so ein schöner Bericht... ich liebe Frankreich: die Landschaft, Leute, Cafés und Campingplätze...

  13. Dauerbesucher
    Avatar von rockhopper
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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #13
    Wenn ich Dir Fotos von früher zeige und die heutigen daneben, weint man innerlich.
    Zitat von franky66



    Zeit Unterschied 8 Jahre. Da könnte man auch weinen. Der Charme dieser Schleuse ist durch die "Erweiterung" des Angebots für die Touristen total hinüber.

    Einen guten Start ins neue Jahr!
    wünscht euch rockhopper

  14. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [FR] Via Rhôna_Canal du Midi_Radtour 2016

    #14
    liebe Rockhopper,
    bin gerade erst über diesen Bericht hier gestolpert und es kommt pure Nostalgie auf. Bin dort vor (mal überlegen) etwa 32 (?) Jahren herum geradelt. Von Valence an der Rhone immer nach Süden, in St. Gilles waren wir auch, Pont St. Esprit waren wir auch bis irgendwo hinter Seté bis Gruzierre (?) oder wie das hieß und mit dem Zug nach Bordeaux und an den Atlantik.

    Was mir ausgesprochen sympathisch ist, dass du dich auch öfters verfährst.
    Danke für den Bericht.
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference (Robert Frost)

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