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  1. Gerne im Forum
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    Meine Rucksackparade

    #1
    Hallo,

    nach all den Anregungen und Inputs will ich Euch mal zeigen, zu was mich das angestiftet hat

    In mehreren Posts stelle ich meine Rucksäcke vor und freue mich auf euer Feedback. Genaue Kontruktionsdetails gerne auf Anfrage!




    Der allererste: leicht und klein!

    Als Vorübung für das Tarp nähen und ersten Einstieg dachte ich an einen kleinen, leichten Tagesrucksack aus Silnylon mit 50g/m². Features sollten Netztaschen sein, ein Innenfach für die Sirex-Sitzmatte (34x27x0,8 cm, 26g) und ein einfacher Schnürzug im oberen Saum. Der Riemen zum Fixieren des Verschlusses sollte direkt an der Netztaschen andocken. Weiterhin ist der Boden hochgezogen (sieht man an der linken Ecke etwas) und die Netztaschen reichen dennoch bis zur Unterkante.
    Später habe ich zur Sitzmatte noch ein dünnes Kunststoff-Schneidbrett eingelegt und mit Kam Snap fixiert. Der nackte Rucksack hat ca. 10 l und wiegt 84 g.

    Ein nicht so tolles Foto:



    Fazit:
    Der erste Rucksack hat Lust auf mehr gemacht. Bei kleinen Wanderungen hat er sich bewährt, bis auf die Befestigung der Träger am Pack - da zieht es das Silnylon am Träger etwas auseinander. Hier wäre eine Verstärkung des Trägers angebracht, aber da ich den Rucksack nur sehr selten einsetze, wird das schon halten.

    Der nächste Backpack: UL-BP #1, mein erster Tourenrucksack

    Solcherart motiviert, ging es munter an den ersten richtigen großen Rucksack fürs Bikepacking. Von et wurde 3 mm Abstandsgewirk und ein einfacher grüner Nylonstoff mit 130 g/m² geordert, sowie diverses Kleinmaterial.

    Der Korpus hat folgende Grundmaße: Höhe 53 cm, Breite 28 cm (entsprechend 2 Segmente Z-Rest) und der Boden hat eine Tiefe von 24 cm sowie ausgerundete Seiten mit maximal 36 cm.
    Das Volumen beträgt ca. 40 l und die Waage zeigt 364 g.

    Ein Innenfach sollte die zur Polsterung dienenden Z-Rest-Segmente aufnehmen, der Pack sollte trinkblasenkompatibel sein und ein einfacher Hüftgurt für festen Sitz sorgen. Mittels Kordelhaken wurde außen eine Gummilitze befestigt, der Rolltopverschluß wird durch eine Steckschließe mit Stoffbefestigung gesichert.

    Es geht los mit dem Zuschnitt der Träger:



    Hier verwende ich ein festes, gummiertes Gewebe von einem alten Liegestuhl, 3 mm Mesh mit Abstandsgewirk und fasse das mit Ripsband ein.

    So sieht die Trägerkonstruktion dann aus:



    Sehr bewährt hat sich meine etwas unorthodoxe Verstellmechanik: die Leiterschnalle rutscht nicht und das Bandende flattert nicht herum.

    Am Übergang zum Rolltopverschluß sind die Träger mitgefasst, durch eine kühne Lücke fädelt sich der Trinkschlauch in der obligatorischen Isolierung:



    So hängt die Trinkblase im Pack, der orangfarbene Stoff für das Innenfach ist ein Sonderangebot (Heißluftballonmaterial) von et:



    Gesamtansicht:



    Meine erste Bikepacking-Tour in den fast heimischen Bergen des Lausitzer Gebirges in CZ:



    Unvergessen - die erste Tour! Es funktioniert, ich kann mit einem Rucksack alles zum draußen schlafen mitschleppen und dabei noch echte Trails fahren.

    Beweis (Singletrek pod Smrkem):



    Außentaschen habe ich bewußt weggelassen, beim Biken fliegt das Zeug da nur raus und die essentiellen Dinge habe ich in der roten Hüfttasche dabei.

    Fazit und Erfahrungen:

    Nun habe ich eindeutig Blut geleckt
    Folgende Sachen habe sich gezeigt:
    • Das Hauptmaterial wird bei Kälte brettsteif!
    • Das Volumen ist eigentlich viel zu groß.
    • Der Pack ist zu ausladend und hat bei schnellen, wendigen Trails zuviel "Trägheitskraft".
    • Die Burritomethode ist mit der Trinkblase nicht kompatibel.
    • Das Gummigeschlaufe ist recht zweckfrei, ein Netzfach wäre dann doch nicht schlecht.
    • Die Träger sind zwar an sich sehr komfortabel, aber in sich nicht verwindungssteif genug.
    • Ebenso habe ich eine Alternative zum Rolltopverschluß gesucht.
    • Außerdem wären Innenfächer für Luftpumpe, extra für die Trinkblase usw. nicht schlecht!
    • Für eine besseren Sitz wäre ein flächigerer Hüftgurt besser, das Hüft-Bändchen fixierte den Pack zu wenig am Körper für dynamisches Biken.

    Mein erster Pack ist nun auf dem Altenteil und dient mir gelegentlich im Alltag, ansonsten habe ich die Wunschliste dann in meinem UL-BP#2 verwirklicht, den ich demnächst vorstellen will. Zwecks Materialgewinnung habe ich auch die Kordelhaken abgeschnitten und den Brustgurt abgetrennt

    Der UL-BP#2 erfordert das eine oder andere Wort mehr und ich habe auch viele Fotos beim Nähen gemacht, entsprechend wird der Post etwas Vorbereitung erfordern.

    Bis dahin sagt veloziped "Ahoj"!
    Geändert von veloziped (29.04.2016 um 23:30 Uhr)
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  2. AW: Meine Rucksackparade

    #2
    Sieht interessant aus! Hast du mal daran gedacht, für einen größeren Sack eine Trichterform zu realisieren? Ich persönlich finde für die Rolltop-Rucksäcke die Modelle besonders brauchbar, die vom Boden bis zur Öffnung immer mehr Volumen zulassen (z.B. Exped Torrent, der natürlich nicht UL ist).

  3. Gerne im Forum
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    AW: Meine Rucksackparade

    #3
    Zitat Zitat von hungerast Beitrag anzeigen
    Sieht interessant aus! Hast du mal daran gedacht, für einen größeren Sack eine Trichterform zu realisieren?
    Hallo,

    das wäre dann Modell "Kiepe". Der Gedanke anfänglich war, dass die Isomatte reingerollt werden kann. Ich hatte auch schon Rucksäche mit verbreitertem unteren Bereich, da liegt dann die Last mehr am Körperschwerpunkt (MacPac Glissade anfang der 90er).

    Ein gleichbleibender Querschnitt hat sich jetzt bei mir bei allen Modellen bewährt, der Schnitt ist einfacher und der Pack kompakter. Nützlich wäre allerdings eine helle Innenfarbe, sonst wühlt man in so einem schwarzen Loch herum. Die passenden Materialien (Xpack) sind aber leider deutlich außerhalb meines Budgets.

    Ahoj sagt veloziped!
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    AW: Meine Rucksackparade

    #4
    Hallo allerseits,

    heute stelle ich Euch meinen UL-BP #2 vor, den ich aktuell für meine kleinen Fluchten nutze, wo ich auf dem MTB die Trails im nördlichen Teil Tschechiens unter die Stollenreifen nehme!

    Folgende Agenda hatte ich bei der Konstruktion abzuarbeiten (aus dem ersten Post kopiert):

    Das Hauptmaterial wird bei Kälte brettsteif!
    => bei extex fand sich ein anderes 2.-Wahl-Material, das bei Kälte bislang geschmeidig bleibt

    Das Volumen ist eigentlich viel zu groß.
    => Der neue Pack wurde ähnlich wie Ray's Rucksack mehr quaderförmig entworfen, mit folgenden Maßen:
    • Breite: 28 cm
    • Tiefe: 20 cm
    • konstruierte Füllhöhe (=Ende Rückenaussteifung): 53 cm

    Der Pack ist zu ausladend und hat bei schnellen, wendigen Trails zuviel "Trägheitskraft".
    => siehe oben, der Pack ist kompakter und weniger ausladend.

    Die Burritomethode ist mit der Trinkblase nicht kompatibel.
    => zum Einschieben von 2 (oder 4) Z-Rest-Segmenten wurde innen ein Rückenfach vorgesehen, auch leiten sich die Maße aus den Abmaßen der Z-Rest-Segemte her.

    Das Gummigeschlaufe ist recht zweckfrei, ein Netzfach wäre dann doch nicht schlecht.

    => Netzfach hinten dran, aber keine Seitentaschen (erstens huppt alles raus im groben Geläuf und zweitens bleibt man damit im Gestrüpp nur hängen)

    Die Träger sind zwar an sich sehr komfortabel, aber in sich nicht verwindungssteif genug.
    => Träger klassisch konstruiert mit 9 mm Evazote Polsterung innnen

    Ebenso habe ich eine Alternative zum Rolltopverschluß gesucht.
    => "inspiriert" durch andere Hersteller habe ich eine Art Deckel mit Tunnelzug entworfen, welcher sich komfortabel bedienen lässt.

    Außerdem wären Innenfächer für Luftpumpe, extra für die Trinkblase usw. nicht schlecht!
    => die Fächer kommen an das Isomattenfach innen noch dran

    Für eine besseren Sitz wäre ein flächigerer Hüftgurt besser, das Hüft-Bändchen fixierte den Pack zu wenig am Körper für dynamisches Biken.
    => Hüftflossen vorgesehen

    Zunächst wurde ein Folien-Mockup erstellt und Probebepackt, um die prinzipiellen Dimensionen auszutesten:



    Die Maße schienen zu stimmen, so wurden Schnitteile erstellt und fleißig losgeschneidert.
    Als Ansatzlinie für die Träger wählte ich 47 cm; der Deckel ist am höchsten Punkt 35 cm hoch und mit einem Besatz als Nahtversäuberung und für den besseren Griff versehen.

    Materialen waren für den Hauptkorpus ein simpler dunkelgrüner 2.-Wahl-Nylonstoff mit 160g/m², außer direkt unter der Meshtasche, dort verwendete ich einen ebenfalls 2. Wahl Nylonstoff mit Silionbeschichtung und ca. 90 g/m².
    Die Polsterung der Hüftflossen und Schulterträger erfolgte mit 3 mm Spacermesh unelastisch. Die Hüftflossen sind aus dem Bespannmaterial eines alten Liegestuhles, eine Art gummiertes Gittergewebe.

    Mittendrin beim Nähen:



    Die Innentasche für die Z-Rest-Segmente ist mittels französischer Naht an den entsprechend großzügig bemessenen Nahtzugaben des Korpus angesteppt - das ist schon irgendwie Rolle rückwärts ... würde ich so nicht mehr machen und einfach mit Einfaßband versäubern. Da hatte ich irgendwie Gehirnfasching

    Den hatte ich auch beim Bemühen, den Boden am Rücken durchgehend ohne Naht bis zum Mesh etwas hochzuziehen: da hängt dann die Innentasche quasi frei innen und an Ende habe ich mit Nahtdichter eine Nahtzugabe innen angeklebt. Fragt mich jetzt nicht, wie ich das genäht habe ... schon erfolgreich verdrängt

    Der Zeitbedarf war auch riesig ... mein Sturheitsvorrat war mit dem Finish aufgebraucht.
    Endlich fertig:



    Der Pack ist sehr kompakt und ausreichend groß, aber Packen will gelernt sein!

    Die Deckelkonstruktion im Detail:



    Für den Trinkschlauch (fahre nie mehr ohne Rad!) habe ich ein paspeliertes Knopfloch so modifiziert, dass es recht hoch ist und die beiden Paspeln sich überlappen.



    Der Brustgurt ist fix angenäht - leider einen Tacken zu hoch! Es würgt mich zwar nicht, aber ist schon grenzwertig. Enttäuschend ist allerdings die Bandqualität dieses Markenprodukts (wird als UL-Spannriemen verkauft):



    Die Meshtasche hat sich bewährt: ob das feuchte Tarp oder Handtuch, oder als mobiles Frischedepot (die Aprikosen sind frisch vom Baum ... keine zwei Zugstunden von Dresden entfernt):



    Der erste Einsatz erfolgte zum Jahreswechsel 2014/15 in den Lausitzer Bergen in Tschechien. Unterwegs auf verträumten Dorfstraßen:



    Tags Niesel und abends Frost lassen den ganzen Pack irgendwie durchfrieren:



    Zugegeben, hier hatte ich eine Trinkflasche bei, da der Schlauch ruck-zuck einfriert!

    Szenenwechsel, Sommer im Böhmischen Mittelgebirge - mein ganzer Krempel aus dem Rucksack:



    Meine Packtechnologie heißt: alles rein in den Sack, außer Werkzeug und Schlauch in einer Satteltasche und die Dinge fürs moderne Überleben (Geld, Handy, Schlüssel, Stift & Zettel, Energieriegel, kl. Messer) in einer Hüfttasche. Die ist natürlich standesgemäß aus dem Rucksackstoff genäht (=> Schnittmuster), schließlich fährt das Auge mit!

    Dafür mache ich das alles: Sattel runter, Knieschoner an und fahren bis die Bremse glüht



    Das soll nicht heißen, dass ich mit Schaum vorm Mund mit Tunnelblick durch die Gegend hacke, aber ich will damit die speziellen Anforderungen an meinen Backpack illustrieren.
    Gerade beim Hochschieben / Tragen hat man genug Zeit den Blick und die Gedanken schweifen zu lassen ...

    Da die Videokapazitäten hier im Forum arg limitiert sind, erlaube ich mir mal einen Link zum Nachbarforum ( ich hoffe das gibt nicht ):

    http://videos.mtb-news.de/42528/abfa...leschauer?play

    Fazit: Es heißt, dass man als MYOG-Freak alles zweimal Näht - das kann ich nur bestätigen. Jetzt bin ich mit meinem Pack zufrieden, würde allenfalls noch Details anders machen:
    • Brustgurt weiter untenn - oder einfach für besseren Halt einen zweiten Annähen!
    • Ein schmales nutzlosen Innenfach weglassen
    • Mit einer Bodennaht am Rückenteil unten leben ... und
    • das Innenfach einfach an die Nahtzugabe tackern! Wieder mal "over-engineered" ... Hüst
    • die Schulterträger in der Form vereinfachen und mit kleinerem Winkel annähen (also "schräger")

    Ansonsten ist das jetzt mein Standard-Bikepacking-Rucksack, der sich bis auf ein paar kleine Löcher in der Meshtasche wacker schlägt.

    Für die Statistik: Gewicht (pur) 442 g, errechnetes Volumen (Quadervolumen) ca. 30 l (29,68 l wers genau wissen will). Das Volumen ist praktisch größer, da der Korpus sich beim Packen doch merklich rundet - was das Volumen erhöht (nähert sich quasi Kreisform an).

    Auch hat die Erfahrung gezeigt, dass die eingeschobenen Z-Rest-Segmente schier unmöglich aus dem vollen Pack zu bekommen sind und durch geschicktes Packen die Form ausreichend komfortabel eingehalten wird. So kommt mittlerweile die lose gefaltete Synmat in das Rückenfach und nur oben ein leichtes Sirex-Sitzkissen dazu (26 g; super bei kalten Wetter als "Fußmatte" und während Pausen).

    Tatsächlich hat mir schlußendlich das Rucksack-Konzept so gut gefallen, dass ich mir (mit mehr/anderen Features) aus festem Courdurastoff einen Alltags-Rucksack mit dem gleichen Grund-Design genäht habe.

    Details zum Nähen, konstruktive Feinheiten usw. gerne auf Anfrage (oder irgendwann mal in meinem Blog als Workshop).

    Ahoj sagt veloziped!
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    AW: Meine Rucksackparade

    #5
    Tolle Arbeit und btw toller Blog und Schreibtil.
    "Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt."
    Albert Einstein

  6. Gerne im Forum
    Avatar von veloziped
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    AW: Meine Rucksackparade

    #6
    Zitat Zitat von wildscan Beitrag anzeigen
    Tolle Arbeit und btw toller Blog und Schreibtil.
    Danke für die Blumen!

    Diesmal geht es um einen Alltags-Rucksack nach dem Design meines UL-BP #2:

    MYOG EDC-BP

    Achtung - das wird jetzt Ultraheavy - als Ausgleich habe ich dann im nächsten (und vorerst letzten) Post einen *S*UL-Rucksack, so dass es sich wieder ausgleicht

    Eins vorweg: das Projekt entwickeltes sich zwischendurch fast zu meinem persönlichen Frust- und Haß-Projekt. Ich wollte *unbedingt* diesen Rucksack aus dem Kopf via Nähmaschine in die Realität umsetzen!!

    Ich hatte keinen Bock mehr, ständig aller zwei Jahre mehr als einen grünen Schein auf den Tresen des Outdoorhändlers zu deponieren, nur um festzustellen, dass der Rucksack doch nicht meinen Ansprüchen genügte

    Bei meinen Anforderungen und Beanspruchungen beim täglichen "Ride" von und zur Arbeit, kleinen bis mittleren Einkäufen und Wochenendausflügen machen die gekauften alle über kurz oder lang schlapp.
    Schließlich muss alles rein für einen langen Tag mit Rad&Bahn: Regensachen, Reparaturzeug, Versper, Trinken, ggf. Wechselsachen, Bügelschloß, und auf dem Heimweg wird auch mal spontan 'n Sixpack Bier hinten eingeworfen ... für das gepflegte After-Ride-Beer
    OT: Wo finde ich das Biertrinksmiley?!?

    Also musste etwas her mit:
    • einem ultrastabilem Korpus
    • einem großen, stabilen Latz fürn Radhelm, nasse Regenjacke etc.
    • ohne Seitentaschen - nerven nur, vermüllen schnell, dafür unbedingt:
    • zwei (!!) ausreichend große Taschen auf den Hüftflossen mit *einhändig* bedienbarem Reißer
    • und eine megagroße Deckeltasche für alles und jedes (Geld, 1. Hilfe, Kram, Messer) sowie
    • Lupu-Tasche, Mehrzeckfach und Stiftschlaufen innen.


    Der Korpus entspricht praktisch genau dem vom oben beschriebenen UL-BP #2, auch die Deckelkonstruktion wurde 1:1 übernommen.
    Trinkschlauchgedöns und Brustgurt wurde weggelassen, im Alltag und bei kleineren Ausflügen nutze ich eine Trinkflasche.
    Dafür wurde eine Bügelschloßhalterung angebracht. Das war noch das leichteste an diesem Projekt, dass sich weit über ein halbes Jahr hinzog, zwischendurch einstaubte, wieder vorgeholt wurde als mein neuer Bikerucksack anfing zu verschleißen (und auch zu klein war).

    Material: Hauptmaterial ist 725 den Cordura, was sich bis auf die schiere Dicke erstaunlich gut vernähen lässt. An gering beanspruchten Stellen kommt das grüne 160 g/m² Nylon zum Einsatz. Die Deckeltasche ist aus einem Laptopfachmaterial aus einer Ortlieb-Kuriertasche gefertigt (geschätzt 500 den). Das Innenfach besteht wie beim UL-BP#2 aus 90 g/m² Silnylon.
    Rücken und Träger sind mit 6 mm Abstandsgewirk (Kleinmenge hat gerade so gereicht) gearbeitet. Weiterhin wurde 25 mm und 40 mm Gurtband aus Polyamid und 25 mm Ripsband zum Versäubern verwendet. Weiteres Material aus dem Fundus im Text.

    Es geht los

    Zuerst nähte ich aus dem bewährten Liegestuhlbezugsstoff, 3 mm Mesh von extex und dem schon erwähnten 160 g/m² Rucksacknylon die Hüftflossen.
    Aus einem Grund, den ich nicht mehr nachvollziehen kann, sollte die Tasche aus einem Schnitteil bestehen. Da bin ich beim Konstruieren fast festgegangen, da natürlich auch noch eine Art Kellerfalte beidseitig das Volumen realiseren sollte.
    Da half nur umfangreiches Prototyping: zuerst feste Malerfolie, dann musste eine Einkaufstasche dran glauben und dann warn die blöden Dinger endlich fertig!! Toll, 5% vom Rucksack schon geschafft:



    Eine vergleichsweise leichte Übung war da noch die Aufteilung der Innenfächer:



    Auch habe ich diesmal den Deckel als eigenes Schnitteil gefertigt, dass erleichtert sehr das Annähen des inneren Deckels für das Isomattenfach und diesmal auch der "versteckten" Deckeltasche.

    Der Korpus nimmt langsam Gestalt an:



    Die Seitenteile sind viel zu lang, da kam dann das dünnere Nylon hin, weil da ja auch die Faltenbildung beim Zuschnüren erfolgt.

    Ein wenig stolz bin ich auf meinen austauschbaren Schnürzug. Zunächst hatte ich dafür sogar so eine Art Mini-Schwimmflossen geordert, aber dann doch ganz klassische ein Knopfloch genäht, links eine kleine Schlaufe mitgefasst und daran die Kordel mit einem Palstek geknüpft. Wenn das nicht nachhaltig, reparaturfähig, simpel und fertigungsökonomisch ist:



    Ich drücke mal die Vorspultaste ... zahllose Abende ... äh Nächte später war er endlich fertig ... ich begann wieder die Umgebung um mich herum bewußt wahrzunehmen ... es war Winter geworden und die Kinder! Gott, warn die groß geworden!

    Okay, da ist er:



    Rückenpartie:



    So ist die Deckelkonstruktion, mit eingehängter Deckeltasche und einem schicken Stopper mit Stoffbefestigung:



    Tunnelzug zusammengezogen:



    Die Gurtbandenden waren noch nicht versäubert, und es mussten unbedingt Lastkontrollriemen dran, da der ganze Pack sonst zu sehr nach hinten abkippt. Ersteres habe ich erst heute beendet und letztere direkt fest angenäht, dabei musste ich drei sehr feste mit ultrastabilem 40/3 Garn gefertigte Nähte teilweise wieder auftrennen

    Letztlich habe ich die oberen Steckschließen durch kompakte Leiterschnallen ersetzt und auch die unteren ausgetauscht: erstens hatte extex beim Nachbestellen eine andere Charge geliefert und zweitens sollten die Leiterschnallen etwas näher an den Latz heran. Dann wurde meine Standard-Gurtbandendefinalisierung vorgenommen:



    Nochmal im Detail:



    Folgende Gründe haben diese Art entstehen lassen: Im Winter muss alles mit Handschuhen bedienbar sein, also kommen D-Ringe dran. Damit nichts herumschlabbert, wird mit einem elastischen Band das Ende gesichert. Damit das nicht zur Schnalle rutscht - wie bei den Koofsäcken - wird es mit dem zurückgeführten Ende "gefangen". Klingt aufwendig, ist aufwendig - aber Du willst nie mehr zurück zur "Bastrockoptik"!

    Zumal sich die dünne Bandqualität zwar sehr angenehm vernähen lässt, aber lastfrei zum Wandern neigt - dies wird durch die beschriebene Konstruktion etwas gemildert.

    Der Rucksack ist nicht schwanger - er hat nur einen Helm verschluckt! Der normale CC-Radhelm passt locker rein, fürs Foto habe ich meinen Dirthelm reingequetscht:



    An sich könnte der Latz auch etwas kürzer sein, aber so bleibt der Inhalt sicher an Ort und Stelle, ohne dass der Latz noch zusätzlich einen oberen Verschluß hat.

    Ach ja, in das Rückenfach kommt ein passendes Stück der dicksten Evazote-Matte rein, da drücken auch die Bierflaschen nicht so im Rücken

    Manöverkritik Konstruieren & Nähen:


    Die eingehängte Deckeltasche ist aus zu dickem Material. Hier ist bei zusammentreffenden Stofflagen (teils bis 7 Lagen derbster Stoffe) schon auch mal der Nähfuß von selber in die Oben-Position gesprungen
    Das hätte ruhig deutlich dünner sein können (so 120 g/m² Nylon). Aufwändig war auch das Mitfassen der seitlichen Deckelteile (quasi der "Schneelatz") in die Verbindung Deckel - Deckeltasche: optisch sicher wertvoll, aber nächtechnisch zu schwierig. Einfach zusammensteppen und mit Nahtband versäubern hättes auch irgendwie getan ... schon wieder over-engineered

    Das 6 mm Abstandsgewirk werde ich nicht mehr verwenden. Warum? Erstens ist es reichlich teuer, muss mit durchstichfestem Stoff versäubert werden (ich habe die derben Abstandsfasern zwar gründlich angeschmolzen, dennoch pickst die eine oder andere durch mein Ripsband) und dann finde ich die klassische Lösung bei den Schulterträgern mit der 9 mm Evazote als "Füllung" wie beim UL-BP #2 im Endeffekt doch stabiler.
    Polsterung habe ich im Rücken durch die megadicke Evazote ja genung und weniger Schwitzen als beim 3 mm Spacermesh tue ich gefühlt auch nicht, da ich keine "Airstripes" oder Belüftungskanäle vorgesehen habe.

    Die Hüftflossentaschen aus einem Schnitteil lassen sich tatsächlich einfach vernähen, aber die Konstruktion hat mich etwas überfordert. Irgendwie ist es dann doch geworden, aber nur, weil ich größzügig Nahtzugabe drangelassen habe und beim Ansteppen alles irgendwie noch zurechtzupfen konnte.

    Praxiseinsatz

    Insgesamt bin ich mit meinem EDC-BP voll zufrieden

    Die fehlenden Lastkontrollriemen waren schnell nachgeholt; jedoch stört der zu flexible Rücken etwas. Der Pack ist ja nicht immer voll, und dass muss dann entsprechend durch höhere Eigensteifigkeit ausgeglichen werden. Jaaa, ich weiß, bei extex gibt es solche Plasteplatten, aber ich warte, bis mir was zum "Upcyclen" vor die Füße fällt

    Der Reißverschluß der Deckeltasche könnte aus Sicherheitsgründen quasi unten sein, also so, dass alles drinbleibt, wenn man den Reißer aus versehen offen gelassen hat und den Deckel umschlägt. Andererseit: So kann ich den Deckel schnell aufklipsen und dann ist der Zugriff schneller ...

    Zufrieden bin ich mit dem Volumen, der Latz ist sowieso unverzichtbar und die Hüftflossentaschen funktionieren prima. Auch habe ich gelernt, schlangenmenschartig das Bügelschloß ohne den Pack abzusetzen an- und abzumachen.

    So, nach dieser Grenzerfahrung gibt es das nächste Mal ganz simple Packs, gewissermaßen den "MYOG-Volksrucksack"!
    Ein idealer Einstieg in das Nähen (meinen Bloglesern schon bekannt, aber hier dann nochmal in kompakter Form für die Galerie).


    Bis dahin sagt veloziped "Ahoj"!
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  7. Dauerbesucher
    Avatar von Freierfall
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    AW: Meine Rucksackparade

    #7
    Das mit der "Volumenvergrößerung" verstehe ich nicht. Wieso nicht einfach ein weiteres "Fach"? (Also Rucksack, und dann die Vorderfläche separat, nur mit den Riemen gesichert, wie eine solid-mesh-tasche), dann käme man dran ohne den Hauptkorpus aufzumachen und der ggf. nasse Helm würde nicht in den Inhalt reintropfen.
    Wie funktioniert die U-Lock Halterung? per Klett in der Mitte? Baumelt dir das Schloss beim fahren dann nicht hinter dem Rücken runter?

  8. Dauerbesucher

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    AW: Meine Rucksackparade

    #8
    Vielen Dank für die Mühe, das so ausführlich zu beschrieben und zu bebildern

    Wenn ich mich recht entsinne hattest Du bei einem der anderen Rucksäcke geschrieben, dass Dir die Kombination aus "Liegestuhlmesh" und 3mm Netz für Schulterträger nicht steif genug war. Kann man daraus schließen, dass das nur bei entsprechender Belastung zutrifft, da es hier nur für die (wenig beanspruchten) Hüftflossen zum Einsatz kam?

  9. Vorstand
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    Avatar von derray
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    AW: Meine Rucksackparade

    #9
    Hallo veloziped!

    Schöne Rucksäcke!
    Zwei Fragen:
    Warum hast du dich für einen Rucksack und gegen Bikepackingtaschen entschieden?
    Warum hast du dich gegen einen Rolltop entschieden?
    Ich finde Rolltops deutlich unverseller, weil man mit ihnen das Volumen anpassen kann und sie wasserabweisender sind.

    mfg
    der Ray
    "The greatest threat to the planet
    is the belief someone else will take care of it"
    Robert Swan

  10. Gerne im Forum
    Avatar von veloziped
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    AW: Meine Rucksackparade

    #10
    Erstmal vielen Dank für die rege Diskussion und da gibt es einiges zu sagen!

    Zitat Zitat von Freierfall Beitrag anzeigen
    Das mit der "Volumenvergrößerung" verstehe ich nicht. Wieso nicht einfach ein weiteres "Fach"? (Also Rucksack, und dann die Vorderfläche separat, nur mit den Riemen gesichert, wie eine solid-mesh-tasche), dann käme man dran ohne den Hauptkorpus aufzumachen und der ggf. nasse Helm würde nicht in den Inhalt reintropfen.
    Wie funktioniert die U-Lock Halterung? per Klett in der Mitte? Baumelt dir das Schloss beim fahren dann nicht hinter dem Rücken runter?
    extra Fach: das ist ja ein extra Fach, vorne Cordura, der Hauptkorpus ist an der Stelle (nicht sichtbar) aus dünnerem Nylonstoff.

    Bügelschloßhalter: was so eine spontane Idee, ist fest angenäht. Ich schaffe es inzwischen das Schloß blind hinterm Rücken ab- und anzufummeln Außer vielleicht bei völlig leerem Rucksack stört das nicht, ich habe aber auch ein sehr kompates Bügelschloß.

    Zitat Zitat von morit.z Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für die Mühe, das so ausführlich zu beschrieben und zu bebildern

    Wenn ich mich recht entsinne hattest Du bei einem der anderen Rucksäcke geschrieben, dass Dir die Kombination aus "Liegestuhlmesh" und 3mm Netz für Schulterträger nicht steif genug war. Kann man daraus schließen, dass das nur bei entsprechender Belastung zutrifft, da es hier nur für die (wenig beanspruchten) Hüftflossen zum Einsatz kam?
    Die Träger beim ersten Pack sind leicht Doppel-S-förmig und da wirft es Falten. Die Hüftflossen sind ja einfach nur gerade belastet und breit am Korpus abgestützt, da komme ich gut damit zurecht (die Flexibilität ist da eher nützlich).
    Man könnte sagen, dass die Schulterträger torsionssteifer sein müssen, wenn sie konturiert geschnitten sind.

    In einem weiteren (und vorerst letzten) "Galeriepost" stelle ich simple Rucksäcke mit 40 mm Webband als Träger vor - das geht auch, bei entsprechend geringer Belastung und weitgehend geradem Kraftfluß.

    Zitat Zitat von derray Beitrag anzeigen
    Hallo veloziped!

    Schöne Rucksäcke!
    Zwei Fragen:
    Warum hast du dich für einen Rucksack und gegen Bikepackingtaschen entschieden?
    Warum hast du dich gegen einen Rolltop entschieden?
    Ich finde Rolltops deutlich unverseller, weil man mit ihnen das Volumen anpassen kann und sie wasserabweisender sind.

    mfg
    der Ray
    1. Rucksack: ich will echte Trails unter die Stollenreifen nehmen und da finde ich den kompakten Rucksack, nahe am Körperschwerpunkt, einfach dynamischer und besser ausbalanciert. Ich kann da besser mit dem Bike unter mir "Arbeiten".
    Teilweise trage ich das Bike in der Art der Bikebergsteiger (Unterrohr im Genick, Festhalten an Pedal und Federgabel-Tauchrohr) und hinzu kommt noch, dass ich erst nach meiner ersten Tour überhaupt auf das Thema "Bikepacking" gestossen bin.
    Es gibt natürlich auch Leute die mit klassischem Bikepacking-Setup derbe Trails fahren, letztlich ist das wie die Frage "Klickis - Ja oder Nein", Ketchup oder Majo, ...

    2. gegen Rolltop: das Herumgekrame in einer elend langen "Tüte" fand ich irgendwie nicht so doll und dann wollte ich auch einfach mal was anderes machen. Die Optik finde ich auch aufgeräumter, aber ansonsten ist es einfach auch ein wenig Geschmackssache! Rolltop ist natürlich um einiges einfacher zu nähen.
    Wasserfest ist meine Deckelkonstruktion für meine Zwecke ausreichend, da der Regen zunächst auf eine glatte Stoffoberfläche trifft.
    Ideengeber: hier und hier

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    AW: Meine Rucksackparade

    #11
    Zum Schluß wird es noch einmal so richtig UL!

    Hier stelle ich zwei ganz einfache Rucksäcke vor, die sowohl als "Overnighter" oder als einfacher Begleiter für Alltagszwecke dienen können:

    Simple Packs: Aufbau und Einsatz

    In meinem Blog gibt es dazu einen Workshop, für alle die es hernach in den Fingern juckt!
    Aber erstmal ein paar Worte zu

    Simple Pack #1

    Da ich zu blöd zum Stoff abschneiden war, wurde mein Minitarp nicht mal 1,50 lang, aber es blieb ein Streifen über, der dann letzlich zu einem extrem minimalistischen Rucksack verarbeitet wurde. Es ist wirklich nur eine Tüte mit Trägern (aus 40 mm Webband dran):



    So sieht das gepackt aus. Die Gummistrippe ist, bis auf das Fixieren des Rollverschlussen, eigentlich so zeimlich zweckfrei:



    Mit ca. 25 l und 107 gr (nur der Packsack) war ich im Endeffekt bei meinem ersten Test via "Microadventure" nicht nur UL, sondern sogar SUL unterwegs:



    Nach den aufwändigen Rucksäcken fürs Bikepacking und für den Alltag waren sowohl das Nähen (in 4 Stunden komplett fertig) als auch das Unterwegssein mit einem Gesamtgewicht von ca. 5,5 kg schon ein Aha-Erlebnis.
    Nicht, dass ich jetzt zum SULer mutiere - aber ich wollte schon mal wissen, wie sich das anfühlt. Beim Bikepacking ist bei meinem Setup die UL-Grenze von 5 kg BW einfach nicht zu knacken (zeltplatztaugliches Tarp, mehr Wechselsachen, komfortablere Isomatte, ...).

    Simple Pack #2


    Zufällig sah ein Bekannter den ersten Pack und wollte auch so etwas haben, allerdings für den gelegentlichen Alltagseinsatz. Obwohl ich sonst nur für mich nähe, habe ich mich breitschlagen lassen und Simple Pack #2 kreiert.

    Damit der Rucksack auch halbleer besser in Form bleibt, musste diesmal ein separater Boden her und ein Innenfach für ein passendes Stück Isomatte.
    Prinzipskizze:



    Der Korpus besteht aus 160g/m² Nylonstoff, der Boden aus 725 den Cordura; das Innenfach aus preiswertem Heißluftballonstoff.



    Beim Modell Tonne können die Träger klassisch mit Verstärkungsdreieck in der Naht mitgefasst werden. Da ich ein nicht so tolles 20 mm Webband zur Hand hatte, habe ich dies auswechselbar via Leiterschnalle gestaltet, ein Ersatzband kann in einigen Jahren einfach durch die untere und obere Leiterschnalle durchgeschlauft werden:



    So sieht der Übergang zur verstellbaren Leiterschnalle aus. Das Schulterriemenband ist ein 40 mm Gurtband aus dem Baumarkt (das dickste, was die hatten, ein Rest von einer Reparatur):



    Der Rollverschluß:



    Bis auf die "female" Seite der Steckschließe mit Stoffbefestigung von extex ist sonst nichts am Korpus angenäht oder befestigt. Die Steckschließe dient dem Fixieren des Rollverschlusses.

    Wer sich mit dem Gedanken trägt, einen Rucksack selber zu nähen, sollte mit den Simple Packs einen guten Einstieg finden. Erweiterungen sind natürlich immer möglich, aber hier wollte ich mich mal "Zen"-artig in der Kunst des Weglassens üben

    Damit ist meine Rucksackgalerie erstmal beendet und ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen!

    Viel Spaß beim Selber- und Nachnähen wünscht Euch veloziped!
    Geändert von veloziped (20.05.2016 um 19:17 Uhr)
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    AW: Meine Rucksackparade

    #12
    Ganz neu und ungetestet - ODS exklusiv:

    SimplePack #3: "Schlaufrei"


    Mit dem Thema Rucksäcke war ich noch nicht durch. Da musste noch was gehen: etwas mehr Volumen und Komfort als mein primitiver SimplePack #1, aber deutlich leichter als mein UL-Bikepack mit über 400 g. Material lag ja auch noch herum, insbesondere noch reichlich von einem silikonbeschichtetem Polyesterstoff mit 90 g/m² von extex zum Sonderpreis.

    Also ein UL-Rucksack für kleinere Trekkingtouren - und zugleich mit dem genannten Stoff in der Hauptrolle. Vom Design habe ich mich auch von HAL inspirieren lassen, welcher mich auf die Idee mit dem extrem nahtarmen Korpus gebracht hat.
    Weitere Stoffe waren ein 130 g/m² Nylon für das Rückepanel (so groß wie das Polster), 160 g/m² Nylon für den Boden und die Träger, 20 mm Webband für Schulterriemen und Rollverschlußfixierung, für das Trinkblasenfach Reste eines Sonnensegels (geschätzt 75 g/m²) und 20 mm braunes Ripsband.

    Bemerkenswert war, dass schon geringe Erweiterungen und Komfortwünsche die Komplexität so eines Nähprojektes regelrecht explodieren lassen, statt 4 Stunden wie beim SimplePack #1 waren dann grob gescchätzt in Summe fast 3 Arbeitstage vergangen, bis ich mit dem Stand zufrieden war.

    Ganz klassisch mit Rollverschluss und allseitig verstärktem Netz-Frontfach, dazu ein Fixierband direkt zum Latz:




    Die Rückenpolsterung habe ich mir von einem in der Szene bekannten Rucksack abgeschaut und aus dem Innenfutter einer ollen Windjacke realisiert (ob das robust genug ist, wird sich noch zeigen). Das Stück Schaumstoff wurde mir auf freundliche Nachfrage von der firmeneigenen Versandabteilung gesponsort



    Die Träger sind vom Schnittmuster her mit denen vom Alltags-Rucksack ("EDC-BP") identisch, aber mit Füllung und innen unbeschichtetem Material ausgeführt. Das ist auch aus der erwähnten Windjacke gewonnen, und der Schaumstoff ist Verpackungsmaterial, was mir jemand von sich aus mitgebracht hat ("Du bastelst doch so viel - da haben wir beim Auspacken gleich an dich gedacht" ).

    Innen ist noch eine Tasche für die Trinkblase eingehängt, jedoch musste ich die Trinkschlauchführung mittels Öffnung direkt über dem rechten Schulterträger verwerfen (da hatte ich eine Lücke gelassen beim Zusammensteppen). Dabei hatte ich extra noch einen Tunnel innen angenäht mit Stopper + Gummiltze, um das "Loch" abdichten zu können

    Da mein stabiles Amann Serafil 40/3 fast aufgebraucht war, habe ich alles mit grünem Garn (geschätzte Stärke 100) vom Discounter genäht, das sonst einen prima Job macht. Aber damit war es einfach überfordert und beim realistischen Probepacken mit reichlich 6 kg Gesamtgewicht (inkl. über 2 l Wasser) machte es knack und am linken Träger, direkt an der Befestigung mit dem Korpus, war die Naht futsch! Autsch!!

    Also tat ich, was ich tun musste: ich huldigte zunächst dem Nahttrenner, steppte alles nochmal mit dem allerletzen Rest Amann Serafil 40/3 zusammmen (musste dazu sogar die halbe Unterfadenspule auf eine weitere Spule zurückspulen, die dann den Oberfaden bildete) und kappte anschließend die Naht, um das gegen Punktbelastung empfindliche 90 g/m² SilPoly an der Stelle quasi zu Verstärken.
    Also fädele ich derzeit den Trinkschlauch durch den Rollverschluß mit durch, bis ich mal eine Idee für eine clevere Durchführung habe.

    Durch das Rückenpolster und die "richtigen" Träger ist der Tragekomfort größer als beim SimplePack #1, auch das Platzangebot erweitert den Einsatzbereich deutlich. Ich hoffe auf baldigen Einsatz und werden dann darüber berichten.

    Das Gewicht beträgt mit Polster 274 g, ohne 223 und als Packtechnologie empfiehlt sich die Burritomethode. Eigentlich wollte ich noch diverse kleinere Schlaufen am Netzfach mitfassen, aber das hatte ich dann vergessen und so ist ein Rucksack fast ohne Schlaufen entstanden. Aus "schlaufenfrei" entstand dann die Verkürzung "Schaufrei"

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    AW: Meine Rucksackparade

    #13
    Du solltest nach Berlin ziehen, eine kleine Manufaktur aufmachen und von Deinen Rucksäcken leben. Schaut echt professionell und stylisch aus, was Du hier präsentierst.

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    AW: Meine Rucksackparade

    #14
    Zitat Zitat von fw2 Beitrag anzeigen
    Du solltest nach Berlin ziehen, eine kleine Manufaktur aufmachen und von Deinen Rucksäcken leben. Schaut echt professionell und stylisch aus, was Du hier präsentierst.
    Danke für die Blumen

    Das Professionell besteht zu 50% in der geschickten Wahl des Bildausschnittes

    Ne Quatsch, bin auch selber sehr erfreut über meine Nähergebnisse und für mich ist das ein schönes Hobby ... was es auch bleiben soll ... bin für Berlin nicht hipsterig genug

    Ahoj sagt veloziped
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    AW: Meine Rucksackparade

    #15
    Meinen letzten Rucksack konnte ich nun auf einer kleinen Booftour testen:



    Das Netzfach schien mir beim Nähen optisch etwas klein zu sein, reicht in Praxis aber völlig aus:



    Hier mehr zur Tour.

    Der Rucksack trägt sich insgesamt bequem, bei voller Beladung mit 3 l Wasser kurz vor der Boofe erwies sich das Innenmaterial der Träger als grenzwertig stabil - 8,5 kg sind aber auch für diese Art Pack grenzwertig.
    Die 9 mm Evazote Matte ist nach meinen Erfahrungen eben doch das bessere Material als Schulterträgerfüllung.

    Der Schaumstoffrücken mit dem dicken Pad ist mega bequem und besser durchlüftet als man denkt. Der Aussenstoff ist wirklich nur für durschnittliche Wege im Mittelgebirge gedacht - mein Gekraxel durch Felsschluchten und schmale Felssteige war eigentlich jenseits des angedachten Einsatzbereiches.

    Verglichen mit dem Geschleppe früher ist eine Tour mit so einem kleinen Pack eine echte Wohltat! Liebe UL- und MYOG-Freaks, danke für Eure "Webinare", die mich so weit gebracht haben

    Eigentlich brauch ich nun wirklich keine Rucksack mehr ... aber extex hat da grad so tolle RS Nylons im Angebot
    Ist das eigentlich noch heilbar

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    #16
    Zitat Zitat von veloziped Beitrag anzeigen
    Ist das eigentlich noch heilbar
    Die Frage war natürlich nur Retorisch und ich berichte heute von einem ganz speziellen Entwurf.

    Ausgangspunkt war, dass mein bislang genutzter Bikepack #2 diverse Schwächen offenbarte: Er saß in ruppigen Donwhillpassagen nicht fest genug am Körper und das preiswerte Nylonmaterial war definitiv weder wasserdicht noch ausreichend wasserabweisend. Außerdem wollte ich für Wintertouren das Volumen etwas erhöhen.

    So entwarf ich einen speziellen Bikepack, gezielt auf den Einsatzbereich - Befahren anspruchsvoller Trails - zugeschnitten.
    Die ganzen ausführlichen funktionalen und ergonomischen Überlegungen will ich mir hier sparen, das habe ich in einem Blogbeitrag ausführlich erläutert.

    Kurz gesagt ging es darum, den Rucksack noch besser am Körper zu fixieren, ja regelrecht anzuschmiegen. Schließlich wollte ich vermeiden, dass der Rucksack beim Überfahren von Steilstufen oder in steilen Bergabpassagen den Helm in die Stirn schiebt oder Überschlaggefühle verursacht

    Für das Projekt habe ich mir richtig Zeit gelassen, zwei Prototypen angefertigt und die ganze Sache gründlich reifen lassen.

    Herausgekommen ist das hier:



    Das ist eine Probefahrt auf dem Hometrails.
    Mir war bald klar, dass der Rucksack schwierig zu packen geht, wenn die Hüftflossen und der Bereich der eingehängten Taschen sich sauber um den Torso schmiegen soll und nicht vollgestopft mit Ausrüstung pummelig vom Sack absteht.

    Der erste Einsatz fand dann aus diversen Gründen zu Fuß statt - immerhin konnte ich so Verarbeitung und Handling testen:



    Bis auf einzelne Nähfehler hat sich das Gesamtkonzept insgesamt als praxisgerecht erwiesen - bis auf die Herausforderung des korrekten Packens.

    Dreh- und Angelpunkt im Sinne des Wortes ist die D-Schnalle am Ende der Schulterträger, wo sich Schulterriemen und Brustgurt treffen. Ein richtiger „Kraftpunkt” also:



    Als extrem praktisch erwiesen sich die eingehängten Taschen. Mit etwas Verrenkung ließ sich so bei der Wanderung etwa die Knipse samt Ministativ beim Laufen herauskramen - ideal für spontane, schnelle Schnappschüsse.




    Hauptmaterial ist 500den Cordura mit 240 g/m², das dünne Material ist 68 g/m² RS-Nylon. Wenn man einen idealen Zylinder annimmt, hat der Rucksack rechnerisch 42 l. Ich ordne ihn in die 40-Liter-Klasse ein, der Rolltopveschluß bietet natürlich noch ein ordentliches Zusatzvolumen. Er wiegt ohne Rückenpolster 557 g.

    ausgestattet ist der Bikepack #3 mit
    • zwei eingehängten RV-Taschen in den seitlichen Flossen
    • Trinkblasenfach mit Durchführung
    • großzügigem Frontlatz mit Kellerfalte (Radhelm passt rein)



    Ob das noch Ultralight oder Light ist, kann man sicher unterschiedlich sehen. Es ist erstmal ein gestellloser Packsack, der fortgeschrittene UL-Fertigkeiten beim Packen erfordert. Die vielen Features lassen das Ganze natürlich nicht so simpel erscheinen, entsprechen aber meinen Bedürfnissen. Es wurden eben meinen Bedürfnisse mit möglichst minimalen Mitteln umgesetzt. Deshalb auch das doch recht schwere 500den Cordura, aber auf zugewachsenen Trails oder in den zahllosen Schlüchten im Elbsandstein braucht es eine gewisse Abriebfestigkeit - das ist nicht nur so auf Vorrat genäht.

    Letztlich bleibt der Bikepack #3 ein ganz spezielles Einzelstück für ganz spezielle Einsatzzwecke, etwa Overnighter im Winter oder MTB-Touren auf ruppigen Trails.
    Bedingt durch die aufwändige Fertigung werde ich das Design nicht weiter verfolgen, sondern plane als nächstes Projekt einen Universal-Rucksack im Design des Simple Pack #3, allerdings aus dem robusten 500den Cordura gefertigt und mit solcherart Schnittstellen für Brustgurt, (verschiedene) Hüftgurte/flossen und Täschchen versehen, dass ich je nach Einsatz (Wandern, Biken) das Setup rasch anpassen kann. Kenner wissen wer mich dazu inspiriert hat

    Mitr ist klar, dass ich hier die absolute Spezialnische verfolgt habe. Aber das meiste lässt sich auch auf normale Wanderrucksäcke übertragen.

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    AW: Meine Rucksackparade

    #17
    Sehr genial! Vielen Dank fürs zeigen!

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    AW: Meine Rucksackparade

    #18
    Super! Wie lange braucht man um so nähen zu können?

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    AW: Meine Rucksackparade

    #19
    Sehr schoen, ausfuehrlich dokumentiert, gute Detailfotos, prima, nette Projekte, die bestimmt Etliche motivieren, sich auch mal zu versuchen,.sehr schoen auch, dass Du auch ueber das schreibst, was nicht gut gelaufen ist.

    Habe bis jetzt nur fluechtig drueber geschaut, aber schon so einige Ueberlegungen gefunden, wo ich aehnlich denke z.B. habe ich den Sinn von Gummischnueren auf der Rueckseite noch nie nachvollziehen koennen (an der Seite klar fuer Kompression, aber dann lieber Reepschnur), wenn lieber eine Netztasche, da ist dann der Kram drin wenigstens abends noch da

    Danke fuer die ganze Arbeit.

  20. Gerne im Forum
    Avatar von veloziped
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    AW: Meine Rucksackparade

    #20
    Erstmal danke für die Blumen

    Zitat Zitat von Fabian485 Beitrag anzeigen
    Super! Wie lange braucht man um so nähen zu können?
    Das dauert schon eine Weile, so zwei bis drei Jahre würde ich schon rechnen für Menschen mit einem echten Leben an der Backe

    Auf meinem Blog (und natürlich anderswo) findest Du ja Anfängerprojekte, da kannst Du Dich vorsichtig an Deine individuelle Frustrationsschwelle herannähen

    Warnung der BZgA: Nähen und Selbermachen kann süchtig machen! Spielteilnahme erst ab 18

    Ahoj sagt veloziped
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