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  1. Alter Hase
    Avatar von umeier
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    @Ditschi: Ich bin jetzt auch ein Stück weit fassungslos.
    Irgendwie scheint der Blick durch die Windschutzscheibe auch an einem ansonsten angenehm ruhigen und sachlichen Juristen irgendwelche unguten Veränderungen vorzunehmen.

    Es beginnt hier schon mal mit der Terminologie.
    Hier nur mal beispielhaft aus Bayern:
    Zitat Zitat von BayStrWG
    Art. 2
    Bestandteile der Straßen
    Zu den Straßen gehören
    1.
    der Straßenkörper;
    das sind insbesondere
    a)
    der Straßengrund, der Straßenunterbau, die Fahrbahndecke, die Brücken, Tunnels, Durchlässe, Dämme, Gräben, Entwässerungsanlagen, Böschungen, Stützmauern und Lärmschutzanlagen,
    b)
    die Fahrbahnen (Richtungsfahrbahnen), die Trenn-, Seiten-, Rand- und Sicherheitsstreifen und die Omnibushaltebuchten, ferner die Gehwege und Radwege, soweit sie mit einer Fahrbahn in Zusammenhang stehen und mit dieser gleichlaufen (unselbständige Gehwege und Radwege),
    2.
    der Luftraum über dem Straßenkörper,
    3.
    das Zubehör;
    das sind die Verkehrszeichen, die Verkehrseinrichtungen und die Verkehrsanlagen aller Art, die der Sicherheit oder Leichtigkeit des Straßenverkehrs oder dem Schutz der Anlieger dienen, und die Bepflanzung,
    4.
    die Nebenanlagen;
    das sind solche Anlagen, die überwiegend den Aufgaben der Straßenbauverwaltung dienen, z.B. Straßenmeistereien, Gerätehöfe, Lager, Lagerplätze, Ablagerungs- und Entnahmestellen, Hilfsbetriebe und -einrichtungen.
    Der Radfahrer fährt also ohnehin auf der "Straße".
    Es ist wohl unstreitig, dass sich aus der Anordnung einer Radwegbenutzungspflicht ein Fahrbahnverbot nur dann ergeben kann, wenn der zu benutzende Sonderweg unzweifelhaft Bestandteil der gleichen Straße ist. Ist dies nicht der Fall dann ist das blaue Schild bestenfalls ein netter Hinweis (und bedeutet andererseits, dass hier Kfz nichts verloren haben, was diese uU nicht wirklich interessiert, wie ich schon mehrmals feststellen konnte).

    Die Minimalanforderungen an Radwege ergeben sich aus der VwV-StVO. Sofern diese in den jeweiligen Straßenverkehrsbehörden überhaupt bekannt sein sollte (die täglich im öffentlichen Verkehrsraum zu bewundernden Sonderlichkeiten bieten Anlass, daran zu zweifeln) scheint sie nicht mehr Wirkung zu erzeugen als ein müdes Achselzucken der Adressaten.

    Die Arroganz, einerseits zu fordern, langsame Radfahrer mögen einem nicht im Wege sein, andererseits dem Radfahrer aber abzuverlangen abzusteigen und zu schieben macht mich nur fassungslos. Ist der MIV ein besserer Verkehr? Gibt es ein Kastenwesen im Straßenverkehr? Die StVO zumindest gibt das nicht her.
    Wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, dann zumeist nicht zum Müßiggang sondern weil ich ein wahrhaftiges Verkehrsbedürfnis habe. Sei es, dass ich zum Dienst muss oder von diesem wieder nach Hause will. Ist dieses Ansinnen mehr wert wenn ich mit einem Kfz unterwegs bin? (Gründe nicht mit dem Pkw in die Münchner Innenstadt zu fahren gibt es übrigens zahlreiche. Will ich legal parken brauche ich mit Anfahrt und Parkplatzsuche in etwa die gleiche Zeit wie mit dem Fahrrad.)

    Und zu dem immer wieder dargebrachten Sermon vom "gefährlichen Auto":
    Die Dinger sind - man darf mir glauben - maximal harmlos. Die beissen nicht, man kann sich gefahrlos unter sie legen, an ihnen vorbeigehen etc.
    Gefahrlich sind sie erst dann, wenn sie in Betrieb genommen werden. Der Kraftfahrer in seinem ungehemmten Vorwärtsdrang ist das Problem! Von diesem geht die Gefahr aus und hier gilt es Maßnahmen zu ergreifen!
    Ich sehe es verdammt noch mal nicht ein auf irgendwelche fragwürdigen (und nur in ganz wenigen Fällen rechtskonformen) Wegelchen gezwungen zu werden, nur weil Trollo sein Testosteron und seine PS nicht im Griff hat.

    Genug für den Moment ...
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  2. Alter Hase
    Avatar von iwp
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Danke, dass Du meine Gedanken zu einem Text gemacht hast !!!

  3. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Ich würde sogar noch einen Schritt weiter denken:
    Auch der Radfahrer, der zum Vergnügen Rad fährt, hat das gleiche Recht, auf der Straße zu sein,
    gleich jenen Kraftfahrern, die ihr Gefährt ebenso, zum schlichten Vergnügen auf der Straße bewegen.
    Wärme wünscht/ der vom Wege kommt-------------Draußen hängt die Welt
    Mit erkaltetem Knie;-------------------------------------------in Fetzen
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,------Laßt uns drinnen Speck ansetzen
    Der über Felsen fuhr.________havamal
    --------"Was darf Satire?-Alles!" Tucholsky.

  4. Anfänger im Forum

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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Schlimm, was man hier von Autofahrern lesen muss.
    Ist das hier jedes Frühjahr so?

    Besser erstmal informieren, bevor man sowas schreibt.

  5. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Einmal noch: Ich bin lange Jahre mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Natürlich auf unseren Radfahrwegen. Weil ich von einem Auto nicht nicht übergemangelt werden wollte. Auf den PS-Protz, der zu schnell fährt, kann man schimpfen, wie man will: ich war der Schwächere und ich wäre gestorben, nicht er. Das Gesetz mit der Radwegebenutzungspflicht verlangte von mir, daß ich den Radweg benutze. Das war unnötig. Ich fühlte mich weder gezwungen, noch sah ich es so, daß jemand etwas von mir forderte. Ich machte das freiwillig. Wie alle hier. Reiner Selbsterhaltungstrieb und eine als natürliche und richtig empfundene Handlungsweise. Dafür hat man schließlich demonstriert und die Radwege eingefordert.
    Auch auf dem Radweg lauern gefahren. Zum Beispiel, wenn jemand aus einer Einfahrt will, aus der er den Radweg schlecht einsehen kann. Die Stellen kannte ich, fuhr vorsichtig und hielt notfalls an. Selbstverständlich! Der Mähdrescher war stärker, auch wenn ich Vorfahrt hatte. Der hätte mich platt gemacht und selbst nichts gemerkt.
    Selbstverständlich halte ich auch mit dem Auto an, wenn es unübersichtlich wird. Wer rauscht denn blind in eine Verkehrssituation, die er nicht überblickt?
    Jetzt bin ich , wenn ich nicht Auto fahre, Fußgänger. An Landstraßen, die keinen Fußweg und nur ganz schmale Seitenstreifen haben, darf ich gehen. Links. Niemand zwingt mich dazu, sie zu meiden. Niemand fordert mich dazu auf. Eine Teufel werde ich tun, da zu laufen. Es ist mein Leben. Wenn es irgend einen gefahrloseren Umweg gibt ohne oder mit ganz wenig Autoverkehr, gehe ich den. Und den gibt es immer.
    Ich fordere garnichts. Ich verstehe nur nicht, warum Radfahrer so versessen darauf sind, ums Leben zu kommen? Oder finanziell zu bluten? Es ist Eure Entscheidung, wenn ihr unbedingt auf der Straße fahren wollt. Ihr laßt Euch ja eh nicht abhalten. Ich erlaube mir nur den Hinweis, daß ich es-- zumindest hier bei uns mit den schönen Radwegen-- für bescheuert halte. Nicht als Jurist und nicht als Autofahrer, sondern weil mir jede Ideologie und Rechthaberei zu dämlich wäre, dafür mein Leben zu opfern.
    Das sage ich jetzt als Fußgänger, der freiwillig auch nicht an oder auf der Landstraße geht, und nicht als Autofahrer. Und ich dürfte sogar ohne Verkehrsverstoß.

    Es sind auch hier nicht so die Autofahrer. Habt ich mal erlebt, wenn auf einer schmalen Landstraße ein MB- Truck fährt mit 40 KM/h und einem überbreiten Maishäxler? Ob er Euch überholt, ihr ihn überholt oder ob er nur entgegen kommt: wenn der einmal niest und der Hänger einen Schlenker macht, seid ihr mit dem Rad weg vom Fenster. Der merkt das nicht einmal.
    Ditschi
    Geändert von Ditschi (17.03.2016 um 21:23 Uhr) Grund: Ergänzung

  6. Alter Hase
    Avatar von umeier
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    @Ditschi, bei aller Liebe:
    Merkst Du eigentlich dass alle Deine Aussagen Dein Dasein als Radfahrer und Fußgänger betreffend geprägt sind von einer diffusen Angst davor von Kraftfahrzeugen gemeuchelt zu werden? Damit bist Du zwar in guter Gesellschaft aber irgendwie ist das doch total krank.
    Radfahrer und Fußgänger werden deshalb gefährdet, weil sich Menschen, die durch den Betrieb von Kraftfahrzeugen Gefahren verursachen, mit diesen nicht regelkonform und verantwortungsbewusst umgehen können.
    Und was ist die Folge? Es wird gekuscht. Warum muss hier das Recht dem Unrecht weichen? Warum gilt ausgerechnet im Straßenverkehr das Recht des Stärkeren?
    Warum werden Fußgänger und Radfahrer auf irgendwelche unverschämten Konstrukte gezwungen die sie dann auch nicht wirklich benutzen können weil da irgendwelche Dreckskarren drauf geparkt werden.

    Ne, sorry.
    Ich lesen Deine Beiträge wirklich gerne, aber hier finden wir keinen Konsens.
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  7. Lebt im Forum
    Avatar von derMac
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Zitat Zitat von Ditschi Beitrag anzeigen
    Ich verstehe nur nicht, warum Radfahrer so versessen darauf sind, ums Leben zu kommen?
    Sind sie gar nicht. Sie schätzen Gefahren nur anders ein als du. Würdest du sie realistisch einschätzen, würdest du nicht auf Landstraßen Auto fahren. Das ist in D statistisch so ziemlich die gefährlichste Art am Verkehr teilzunehmen.

    Mac

  8. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Zitat umeier:
    Radfahrer und Fußgänger werden deshalb gefährdet, weil sich Menschen, die durch den Betrieb von Kraftfahrzeugen Gefahren verursachen, mit diesen nicht regelkonform und verantwortungsbewusst umgehen können.
    Alle machen Fehler in Straßenverkehr. Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger. Würden alle die StVO strikt beachten, gäbe es theoretisch keine Unfälle. Ist aber eine Illusion. Einseitige Schuldzuweisungen an nur eine Gruppe halte ich für Ideologie.
    Autofahren ist gefährlich, da die Autos die stärksten und schnellsten sind. Dem wird schon dadurch Rechnung getragen, daß Autofahrer pflichtversichert sind und auch den anderen Schwächeren schon ohne Verschulden haften. Also aus reiner Gefährdungshaftung. Umgekehrt ist das nicht so. Die Gefahr, die von Kraftfahrzeugen ausgeht, ist also bekannt und wird von niemandem geleugnet. Für mich als Radfahrer oder Fußgänger bedeutet das: wenn ich schon weiß, daß alle Fehler machen, dann halte ich mich von denen fern, die damit am meisten Schaden anrichten können. Da weicht nicht das Recht dem Unrecht, sondern die eigene Vernunft gebietet, eine potentielle Gefahr von vorn herein zu meiden. Weil ich als der Schwächere immer den Kürzeren ziehe. Da legt man es doch nicht drauf an, wenn man seine Sinne beisammen hat? In der Stadt mag das anders sein, aber hier bei uns ist Platz genug, die Autos zu meiden. Sie zu verbieten, ist illusorisch. Wenn sie aber da sind und ich mit realistischerweise mit ihrem Fehlverhalten rechnen muß, gibt es für mich als als Radfahrer oder Fußgänger doch nur eins: weg von der Straße! Egal, wer den Unfall zu verantworten hat: das Auto hat Kratzer im Lack und ich bin tot. Prima, davon habe ich etwas. Bin dem " Unrecht" nicht gewichen. Deshalb habe ich hier in diesem thread noch nicht einziges überzeugendes Argument gelesen, hier auf dem Land nicht auf dem Radweg zu fahren. Es sei denn, man ist suizidal. Oder er ist tatsächlich einmal unbefahrbar, aber das ist banal. Hier stirbt man auf der Straße, nicht auf dem Radweg. Rechtzeitiger gebaut, hätte er ein paar Schulkindern das Leben gerettet. Natürlich trugen die Autofahrer dafür die Verantwortung, und sicher haben sie dafür gebüßt und büßen noch. Wer fährt schon gerne ein Kind tot? Ich bin glücklich über jeden Radweg hier und halte jeden -- im Verschulden gegen sich selbst--für bescheuert, der ihn nicht benutz.
    Gott, ich wollte schon 5mal aufhören und wiederhole mich. Na ja, bin geduldig.
    Ditschi
    Geändert von Ditschi (17.03.2016 um 23:05 Uhr)

  9. Lebt im Forum
    Avatar von derMac
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Zitat Zitat von Ditschi Beitrag anzeigen
    Wenn sie aber da sind und ich mit realistischerweise mit ihrem Fehlverhalten rechnen muß, gibt es für mich als als Radfahrer oder Fußgänger doch nur eins: weg von der Straße!
    Der Radweg bringt mich aber gar nicht vollständig von der Straße (korrekt Fahrbahn) weg. Er zwingt mich sogar 2x sie zu kreuzen, wenn ich auf der falschen Seite bin. Gibt es da spezielle Maßnahmen um die Sicherheit beim Überqueren zu erhöhen (wie vorgeschrieben)? Außerdem führt er mich an unübersichtlichen Stellen an mehreren Zufahrten vorbei (wenn ich das auf der Karte richtig deute). Niemand hat etwas gegen erhöhen der Sicherheit. Irgendwelche Radwege bauen erhöht sie aber nicht zwingend. Die Radwege in SH haben die Sicherheit bisher nicht nachweislich erhöht (hatte ich verlinkt). Und ein "Erhöhen" der Sicherheit das bedeutet, dass der Radfahrer eben auch sicherheitshalber mal schiebt ist schlicht eine Benachteiligung der Radfahrer die nicht zum offiziellen Ziel dieses Landes, den Radverkehr zu fördern, beiträgt. Wenn ich z.B. auf einer Radtour alle paar km die Seite wechseln soll lass ich das irgendwann. Das ist 1. nicht sicher und 2. nervt es. Es geht nicht darum aus Prinzip nicht Radweg zu fahren, es geht darum nicht permanent benachteiligt zu werden. Einen Radweg der mich nicht benachteiligt fahr ich gerne.

    Mac

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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Wir kommen wieder an den Punkt, wo man feststellen muss, dass Du einfach kein Radfahrer bist, Ditschi.

    Ich gehöre tatsächlich zu den Leuten, die aus den von Dir genannten Gründen Radwege nutzen. Und ehrlich gesagt kotzt mich das an. Autos fahren auf perfektem Asphalt und ich, als gleichwertiger Verkehrsteilnehmer und steuerpflichtiger Bürger darf in der Holzklasse auf minderwertigem Belag vor mich hinruckeln. Findest Du das demokratisch? Oder gehörst Du zu den Fatalisten, die meinen, wenn der Stärkere die Regeln bestimmt, dann muss man sich fügen?
    Sorry, aber die Argumentation erinnert mich an Empfehlungen an Frauen, dann abends nicht mehr auf die Straße zu gehen, um nicht belästigt zu werden. Was Du als Selbstschutz-Ideallösung propagierst, ist Unterwerfung. Es wird Zeit, dass Autofahrer lernen, dass hinter jeder Kurve ein Kind radeln kann. Fast jeder hat heute ein Navi und kann unschwer feststellen, dass man mit rücksichtslosem Fahrstil kaum Zeitgewinne hat. Es wird Zeit, rücksichtsvolle Fahrer positiv zu sanktionieren und die entsprechende Reife einzufordern. Notfalls mit Landstraßen, auf denen für Autos Tempo 30 gilt . Man hätte die Straße, an der die Kinder starben, auch verkehrsberuhigen können. Wäre billiger gewesen, als der Radweg.
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Danke Torres, du hast das geschrieben, worüber ich gegrübelt habe, wie man es formulieren könnte.

  12. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    @ Torres, so argumentieren Städter. Ich bin hier kein Radfahrer, sondern Autofahrer ( und oft Fußgänger, wenn ich meine Wanderungen mache). Wie fast alle hier. Hier hat das Auto Priorität. Deshalb hat hier auch niemand Verständnis, würde man ihm diesen gebührenden Vorrang nicht auch einräumen. Mit autofeindlicher Einstellung kannst Du hier einpacken.

    Eine kleine Anekdote: Ein Amtsarzt, mit dem ich jahrelang zusammen gearbeitet habe, hatte sich von Berlin aus auf die Stelle im Gesundheitsamt beworben und sie bekommen. Er war Radfahrer aus Überzeugung und, milde formuliert, Autogegner. Deshalb wollte er auch hier Radfahren und weigerte sich, den Dienstwagen seiner Behörde zu benutzen. Ein Amtsarzt hat aber auswärtige Termine. Statt der 8 Termine am Tag schaffte er mit dem Rad nur 2. Das geht natürlich nicht. Der Landrat als Dienstvorgesetzter mußte ihn schriftlich anweisen, das Auto zu benutzen. Sonst hätten sie ihm gekündigt.

    Ich bin mit dem Rad solange zum Dienst gefahren, bis ich wegen der auswärtigen Termine den Wagen brauchte. Mein Auto wurde damals auf Antrag als " privateigenes Dienstfahrzeug" ( so hieß das tatsächlich) zugelassen. Danach habe ich 23 Jahre lang jährlich 18 000 KM mit dem Auto dienstlich zurückgelegt. Gegen Kilometergeld, natürlich. Für jeden hier, der auswärtige Termine wahrnehmen muß, ist der Führerschein Einstellungsvoraussetzung. Mit Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln ( Was ist das? Schulbusse gibt es) könntest hier einen Großteil aller Berufe nicht ausüben.

    Kannst Du Dir vorstellen, wie völlig unrealistische Forderungen wie " Tempo 30 auf Landstraßen" oder " verkehrsberuhigte Landstraßen" hier ankommen ? Das ist wirklich lachhaft. Ich will das auch nicht. Hier will das keiner. Wir wollen auf der Landstraße die erlaubte Geschwindigkeit fahren. Wenn dann ein auswärtiger Radler vor uns strampelt, obwohl der schöne neue Radweg daneben frei ist, dann ägern wir uns selbstverständlich, wenn wir unnötig auf 30 KM/h runterbremsen müssen und nicht überholen können. Das ist erträglich, weil es nicht oft passiert. Aber jeder ärgert sich darüber. Ich bin verwundert über jeden, der das nicht nachvollziehen kann.
    Dem einen oder anderen sind hier im thread schon mit autofeindlichen Äußerungen die Gäule durchgegangen. Nehmt einfach mal zur Kenntnis, daß so etwas hier nicht gut ankommt. Ihr übertragt Eure urbanen oder gar städtischen Erfahrungen einfach auf eine Region, von der ihr nicht den Schimmer eines Hauches einer Ahnung habt.
    Bei uns kann man wunderbar radfahren. Hunderte von Wirtschaftswegen und viele Kilometer Radwege laden dazu ein. Aber bitte nicht auf der Straße.
    Aber um es einmal ganz klar zu formulieren: hier hat das Auto Vorrang ! Schon beruflich. Meine Frau muß ihre Klienten auch zu Hause aufsuchen und kommt mit dem Auto auf eine Jahresfahrleistung von 50 000 KM. Radfahren ist hier ausschließlich Hobby und Zeitvertreib und steht folglich hinten an. Außer für die Schulkinder, die noch keinen Führerschein haben. Das sind die einzigen, die hier tatsächlich Radfahren müssen. Und sei es, daß sie von den Höfen zur Haltestelle des Schulbusses fahren. Für die sind die Radfahrwege gebaut. Und für Euch Touristen.
    Ditschi
    Geändert von Ditschi (18.03.2016 um 07:09 Uhr) Grund: Ergänzung

  13. Vorstand
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    Avatar von Torres
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Ditschi, ich bin ja auch Autofahrer. Und ich ärgere mich als Autofahrer genauso, wenn Autofahrer nicht in der Lage sind, Verkehr auszuhalten. Die Landstraße von Heide nach Husum. Oder Husum nach Heide im Berufsverkehr, noch besser. Da geht oft nur Tempo 50. Warum sind erwachsene Menschen nicht in der Lage, zu akzeptieren, dass LKW oder Traktoren auch das Recht haben, auf Straßen zu fahren. Da wird lebensgefährlich von Auto zu Auto gehoppt, um vier Minuten rauszuschlagen. Da liegt der Denkfehler.

    Ich bin gleich auch auf das Auto angewiesen. Bei Vollgas und riskanter Fahrweise hole ich zehn Minuten raus. Mit Glück. Lohnt das? Wo kommen denn wohl die schweren Unfälle her. Da muss sich im Kopf einfach was ändern. Für Radfahrer übrigens auch, die mit Tempo 25 auf Radwegen oder Gehwegen andere gefährden.
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Zitat Zitat von Ditschi Beitrag anzeigen
    Hier hat das Auto Priorität. Deshalb hat hier auch niemand Verständnis, würde man ihm diesen gebührenden Vorrang nicht auch einräumen.
    Woraus ergibt sich dieser Vorrang?
    Und warum verlangst Du, entgegen der StVO und dem BGH, Fahrzeugführer (Radfahrer) von der Fahrbahn zu verbannen damit andere Fahrzeugführer (Kraftfahrer) ihre Pflicht zur Einhaltung des Sichtfahrgebotes und angepasster Geschwindigkeit vernachlässigen können?
    Zur Erinnerung: Höchstgeschwindigkeiten sind keine Erlaubnis sondern ein Verbot. Auf der unbeschilderten Landstraße darf man nicht 100 km/h fahren, sondern man darf unter keinen Umständen mehr als 100 km/h fahren.
    Wenn mir am Montag einfiele mich mit dem Landauer zum Dienst fahren zu lassen wäre das eine legale Nutzung der Fahrbahn, der Kraftfahrer hat mit dieser zu rechnen und hat diese auch zu dulden.

    Das Sicherheitsfeigenblatt zur Radwegnutzung ist sowas von ausgelutscht und auch Du hast Dich mit den oben zitierten Zeilen entlarvt.
    Ohne jetzt Zahlen zur Hand zu haben: Unfälle mit Radfahrern im Längsverkehr sind absolut selten. Unfälle passieren an Knotenpunkten, und hier trägt die Separierung zur Konfliktbildung bei. Aus den Augen, aus dem Sinn und am Knoten taucht dann unvermittelt der auf einmal rasende (ansonsten aber unerträglich langsame) Radfahrer auf und erfrecht sich auch noch, die ihm zustehende Vorfahrt zu "erzwingen".

    Und geflissentlich ignoriert wird auch, dass eine unstetige Führung von Radwegen agO (mal links, mal rechts) durch die sehr oft "vergessene" Querungshilfe das Ihre zur "Gefährdungsoptimierung" beiträgt.
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  15. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Ach Torres, jetzt weichst Du aus. Natürlich haben LKW und Traktoren das Recht, auf der Straße zu fahren. Wo denn sonst?
    Und daß es ungeduldige und schlechte Autofahrer gibt , bestreitet niemand. Genauso gibt es rücksichtlose Radfahrer und Fußgänger. Was soll das?
    Wir müssen hier Autofahren. Beruflich und privat. Sonst kommen wir nirgendwo hin. Radfahren muß hier niemand. Das macht man als Freizeitbeschäftigung oder einmal im Jahr zum Betriebsausflug. Hier hat zwar fast jeder ein Rad ( ich auch) , aber in erster Linie sind wir Autofahrer und sorgen hier folglich auch dafür, daß wir als Autofahrer gut vorankommen. Das sind die Prioritäten.
    Und wer von auswärts kommt, muß sich anpassen. Ist doch überall so. Ich stelle mich als Autofahrer auch nicht in Deiner Stadt Hamburg hin und fordere für mich als Autofahrer mehr Straßen. Wäre auch völlig unrealistisch. Das Auto kommt auf den P&R -Platz, dann fahre ich S- Bahn und gehe zu Fuß. Anpassung halt an die örtlichen Gegebenheit. Und ihr besucht uns alle Jubeljahre mal mit dem Rad und fordert. Kommt nicht gut an. Auch nicht das Argumentieren mit Unfallzahlen, die nachweislich innerstädtisch erhoben wurden. Macht ihr Eure städtische Radfahrpolitik, wie sie dort erforderlich ist. Und laßt uns einfach mal hier unsere machen, denn nicht ein einziges Eurer Argumente greift hier.
    Ditschi
    Geändert von Ditschi (18.03.2016 um 07:39 Uhr)

  16. Alter Hase
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Stop, Ditschi. Einbremsen. Deine Zeilen noch mal in Ruhe lesen. Schaum vom Mund abwischen.
    Und Dich dann bitte mal fragen, was es noch ausser Recht und Gesetz gibt, dem man sich zu unterwerfen hat. Bitte!
    Auf das "Oiwei scho so, wo kammat ma denn da hi"-Prinzip haben wir Bayern das Copyright, das kannst Du für Euch nicht in Anspruch nehmen.

    Mir macht diese "Bei uns fährt man Auto und wer mitspielen will hat sich zu fügen"-Attitüde Angst.
    Da klingt ein "wer anders ist wird separiert" an und das erzeugt bei mir ganz hässliche Bilder. Ich glaube wirklich nicht dass das Deine Intention war und ist.

    Fakt ist, das hast Du inzwischen schön herausgearbeitet: Freie Fahrt ist die Motivation, Sicherheit wird vorgeschoben.
    Wenn bei Euch nur ein paar Touris und Schüler herumradeln frage ich mich übrigens ernsthaft was eigentlich das Problem ist?
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  17. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    @umeier, Ich habe keinen Schaum vor dem Mund. Es gibt nur ein Problem. und das ist ein Forumsproblem: daß Umeier aus München, Sigggi aus Köln und Torres aus Hamburg mitreden wollen, was für uns gut ist. Sonst haben wir kein Problem.
    Du fragst, woraus sich der Vorrang hier für Autofahrer ergibt? Ist das nicht deutlich geworden? Wir sind hier Autofahrer.
    Regionalpolitik macht man für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Und wenn hier alle Autofahrer sind und es auch sein müssen und wollen, dann wirst Du hier in keine Gemeindevertretung oder keinen Kreistag gewählt, wenn Du Dich nicht für die Autofahrer und ihr Anliegen einsetzt. Radfahrer stehen auf der Prioritätenliste ganz unten. Und das ist auch richtig, weil es hier nur Hobby ist. Das ist ein tatsächlicher, also politischer Vorrang, kein rechtlicher, der die StVO außer Kraft setzt.
    Ohne die verunglückten Schulkinder wäre Radfahren hier nie in den Focus gerückt.
    In Dithmarschen wird Kohl angebaut. Deshalb machen wir Politik zur Förderung und zum Absatz für Kohl. Aber nicht für Wein.
    Und da wir Autofahrer sind, machen wir Politik für Autofahrer. Und nicht für Radler. Daß der politische Vorrang des Autos hier Auswirkungen auf die Beschilderung zugunsten der Autofahrer hat, will ich nicht bestreiten. Aber die Bedürfnisse der Bevölkerung sind hier nun einmal so.
    Ditschi
    Geändert von Ditschi (18.03.2016 um 08:29 Uhr) Grund: Ergänzung

  18. Freak Moderator
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    Avatar von Flachlandtiroler
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Ditschi, wie steht es denn um die Rechten Bedürfnissen von Minderheiten bei Euch?
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  19. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Radwege - wie und wie nicht

    Radfahrer sind bei uns Minderheit. Da sie aber zumeist auch alle Autofahrer sind, sind die Bedürfnisse von Minderheit und Mehrheit identisch. Wenn Du mit Minderheit Sigggi aus Köln meinst? Nee, an den denkt hier keiner.
    Wie läuft denn das? Die Gemeinde beschließt, einen Radfahrweg zu bauen. Die Eltern der Kinder fordern das und haben gute Argumente. Verunglückte Kinder sind ein gutes Argument. Wird also gemacht. Und dann bekommt die Politik von ihren Wählern den Auftrag: " Wenn ihr schon einen Radweg baut, dann beschildert ihn bitte auch so, daß keiner mehr auf die Idee kommt, trotzdem noch auf der Straße zu fahren". "Klar", sagt die Politik, " hatten wir eh vor".
    Niemand widerspricht. Niemand klagt. Alle sind einverstanden. Wo soll hier eine Minderheit herkommen, die Nein schreit und sich übergangen fühlt? Die paar Auswärtigen?

    Ich persönlich finde, daß Geld für die Schilder hätten wir uns sparen können. Die einheimischen Radfahrer und Schulkinder fahren eh auf dem Radweg und sind froh, von der Straße weg zu kommen. Die fahren auch auf dem Fußweg, um von der Straße zu kommen. Sie kennen die örtliche Verkehrsituation. Sie beklagen sie aber nicht. Die Straße den Autos, LKW`s und Traktoren. Das besteht Konsens.
    Die wenigen auswärtigen Radfahrer kümmern sich nicht um die Schilder und fahren trotzdem auf der Straße. Sie übertragen ihre städtischen Erfahrungen auf das Land, weil sie die örtlichen Verhältnisse nicht kennen und sich auf der Straße fälschlich sicherer fühlen. Oder aus Gewohnheit? Oder aus kindlichem Trotz? Bescheuert, aber man bekommt es wohl nicht raus.
    Polizeibeamte, die die Einhaltung der Beschilderung einmal überprüfen könnten, gibt es nicht mehr. Die ländlichen Dienstellen sind geschlossen.
    So zynisch, daß es uns egal wäre, daß die auswärtigen Radfahrer sich selbst gefährden, ist hier niemand. Aber mehr, als sie mit einem Schild zu "bitten", den Radweg zu benutzen, können wir nicht. Durchsetzbar ist das faktisch nicht. Also nehmen wir es hin und ärgern uns nur.

    Und wenn jetzt wieder einer schreibt, ich schriebe nur vom belanglosen Dithmarschen, dann antworte ich, daß ich nur so höflich bin, Fragen zu beantworten. Wenn keiner mehr fragt, höre ich sofort auf.
    Ditschi
    Geändert von Ditschi (18.03.2016 um 09:36 Uhr) Grund: Ergänzung

  20. AW: Radwege - wie und wie nicht

    @ditschi
    Nur durch die ständige Wiederholung wird es nicht wahr dass man auf Radwegen sicherer fährt als auf der Straße.
    Das gilt sowohl fürs Land als auch für die Stadt.
    Den Statistiken glaubst du ja nicht da hier die Daten alle angeblich aus dem urbanen Raum kommen. Ist mir nicht bekannt dass die Datenerhebung so klar ist.

    Dafür zeigt mir meine persönliche Erfahrung als auch die Erfahrung aus dem Radsportverein (Rennrad und MTB) in dem ich früher war wie gefährlich Radwege sind. Unfälle gab es in der Zeit in der ich im Verein war nur wenn man auf Radwegen unterwegs war, nie auf der Straße. Und die Trainingsgruppen waren nicht in der Stadt unterwegs sondern auf dem Land. Fahrleistung pro Jahr bei vielen Fahrern über 10000 km…

    Auf meinem täglichen Arbeitsweg erlebe ich auch deutlich mehr brenzelige Situationen wenn ich auf Radwegen fahre. Mann wird einfach schlechter wahrgenommen als auf der Straße. Geht mir als Autofahrer nicht anders.

    Argumentiere doch bitte ehrlich: Es geht bei euch auf dem Land nicht darum dass die Radfahrer sicherer sind, sondern darum dass die Autofahrer ohne Hindernis vorwärts kommen. Das Ansinnen mag für euch auch legitim sein, aber dann schiebt keine anderen Gründe vor.

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