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    [SE] Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #1
    Mitreisende: Fliehender
    „Bisschen krank“ – 13 Tage Schwedentrekking

    Vorweg: Wer hier einen –nur- locker-flockigen Reisebericht erwartet, wird enttäuscht werden. Auch wird er ein paar Fragen aufwerfen und ja, das möchte ich damit unter anderem bezwecken.

    Reisezeitraum: 2-19 August

    „Bisschen krank, oder?“ Peter, ein Familienfreund bringt es wie immer auf den Punkt und alle zum Lachen. Auch ich lache und meine schnippisch-belustigt: „Ihr habt doch alle keine Ahnung!“
    „Nein, vermutlich haben wir das nicht“ meint mein Dad mit einem milden Lächeln auf dem Gesicht und ich weiß genau dass er sich seinen Teil denkt.

    Diese Szene, passiert vor einer Woche geht mir nicht mehr aus dem Kopf als ich im Zelt sitze und mit einer Mischung aus Unglauben, tiefer Enttäuschung und Erleichterung meine Karte betrachte. Das. Und: „Warum?“
    Warum denkt ein Außenstehender das über eine Trekkingreise, warum hat er vielleicht Recht und warum befinde ich mich 20 km nördlicher als gewollt mitten in einem riesigen Blockfeld und durch das Sarekmassiv von meiner Route getrennt?

    Nach und nach rekapituliere ich:

    2.08
    Meine Eltern sind nach Frankreich abgehauen, wie jedes Jahr. Ich folge ihnen in 17 Tagen, vorher steht noch meine diesjährige und 5. Trekkingtour an. Wie jedes Jahr gehe ich solo und wie jedes Jahr freue ich mich seit Wochen darauf. Seit neuestem arbeite ich aber vorher noch 6 Tage die Woche. Dennoch: die Route steht, neues Equipment liegt im Elternhaus, Essen und Sachen packen sind die letzten Dinge auf meiner To-Do-Liste. Und alles Mögliche an Kleinzeug organisieren, unter anderem Musik auf den Mp3 Player, Bücher auf den E-Reader spielen und den Findmespot aktivieren.
    Kurzes Zögern: Tut dat not?
    Die Vernunft siegt eine Sekunde später, eine halbe Stunde später ist das auch erledigt. Bis ich am nächsten Tag erfahre, dass mein erster Notfallkontakt und bester Freund sich einen wohlverdienten Urlaub genommen hat und daher eher nicht zu erreichen ist. Mein Zug fährt in wenigen Stunden, ich muss mir eine Alternative überlegen. Eine Freundin die ich eigentlich zu wenig kenne für eine solche Verantwortung fällt mir spontan ein: sie ist meistens ziemlich flott beim Antworten auf dem Handy, der englischen Sprache mächtig und sich der Schwere eines eventuellen Notfalles klar, da sie eine solche Reise wie Peter sieht. Sie wird die Nummer 2, mein Bruder kommt auf Platz 1.
    Hat alles nicht so geklappt, aber dazu später mehr.

    Die Zeit wird knapp, eine halbe Stunde bleibt mir noch. Wie immer schaffe ich es nicht, den kleinsten Kleinkram unterzubringen. In letzter Minute füge ich noch unwichtiges wie ein Taschenmesser oder den Kocher hinzu.
    Ich liebe meine Checkliste.
    Aber ich habe nichts Wichtiges vergessen, auch den Kompass nicht, bereitliegend auf dem Kaminsims.

    Vollgepackt mit circa 30kg, davon 11,7kg Essen, geht es zum Zug. Morgens wird es da obligatorische Knusperschokomüsli geben. Tagsüber habe ich ein paar Erdnüsse, Studentenfutter und unglaubliche viele Schokoriegel. Natürlich auch Schokolade pur. Und ein Kilogramm M+Ms. Salami, etwas Traubenzucker und Gummischlangen zur Stimmunsgaufhellung kommen auch noch mit.
    Abends gab es dann das altbewährte Spaghetteria in verschiedenen Sorten. Abgewechselt mit Schnellnudeln + extra Käsesauce. Kein Festmahl, aber sollte schon gehen.
    3200kcal sind das pro Tag, ausreichend für meine 70kg auch bei einem 17km querfeldein Tag. Multivitamintabletten dürfen nicht fehlen und die eine oder andere Beere zum Ausgleich wird sich schon finden lassen.

    Die Zugfahrt, 42 Stunden mit Wartezeiten, lässt mich meine Reiseplanung nochmal überdenken. Warum genau setze ich mich von den 5 Wochen Urlaub alleine 2 volle Tage in den Zug? Es lässt sich darüber streiten, ob es notwendig ist in Fulda von 0.00 bis 3.00 zu warten, um dann in einen völlig überfüllten ICE nach Hamburg einzusteigen. Spaß bereitet es zweifelfrei keinen. Verklemmte Zugbegleiter in einem früher fahrenden ICE sind da keine Hilfe. Ja, ich weiß dass mein Ticket Zugbindung hat. Das hatte ich bereits beim ersten Mal kapiert. Danke auch für das Angebot ein neues Ticket zu kaufen. Idiot.



    Meine Laune in Hamburg ist meinem Schlafpensum angepasst: Lass mich auf jeden Fall in Ruhe! Dementsprechend verscheuche ich die beiden jungen Damen auf meinem Sitz und schlafe erstmal ne Runde. Später riskiere ich dann doch einen freundlicheren Blick und erfahre interessante Dinge von den beiden Italienerinnen auf Interrail-Tour. Sie machen Stop in Kopenhagen, nachdem sie es fast geschafft hatten den Zug nach der Fährübersetzung zu verpassen. Für mich geht’s weiter nach Stockholm.








    Ein leckeres Abendessen ( ich liebe polarbröd! ) und schon ging es im Nachtzug nach oben. Im Liegeabteil habe ich kein Glück: eine rein schwedisch-sprechende Familie ohne weitergehenden Gesprächsbedarf auf beiden Seiten. Ich schlafe wie ein Baby.

    Beim Umstieg in Boden sind die Rucksäcke schon recht massiv geworden, mein Platz im Zug war bei drei Jungs die eine stramme Tour durch den Sarek geplant haben. Ein Gespräch will nicht aufkommen, aber ich konnte einen Blick in den Grundsten werfen und schauen was der so zu meiner Planung sagte. Nunja, offenbar eine Menge. Verstanden habe ich aber kein Wort.
    Vermutlich weil ich kein Schwedisch kann.
    Was wohl auch der Grund für meine Hektik ist, als ich erfuhr, dass die Ansage vor 3 Minuten nicht ein x-beliebiges Dorf sondern meine Endstation darstellt. Die Betonung der Wörter ist für einen in Bayern aufgewachsenen Wahl-Wiener mit Berliner Wurzeln dann doch gewöhnungsbedürftig.

    In Gällivare treffe ich 2 Jungs, deren zweite Tour direkt durch den Sarek geht. Unsere ersten Tage ab Suorva werden wir gemeinsam laufen, bis sie sich dann in Richtung Kvikkjokk begeben und ich durch das Rouhtesvagge zum Nordufer des Vastenjaure aufbreche. Das ist die einzige machbare Verbindung zum Rago Nationalpark in Norwegen. Dort wollte ich dann die restlichen Pausentage (2) beziehungsweise erlaufenen Frei-Tage nutzen um diese sehr attraktive Gegend ausführlich zu genießen und zu fotografieren.

    Ach Kameraausrüstung: Alpha 7 II ; 24-70 F4 ; 90mm F2,5 Bokina ; Velbon Stativ ; 7 Ersatzakkus ; diverser Kleinkram. Das wiegt natürlich ein bisschen was.
    Und natürlich hatte ich bei der Abfahrt vor 40 Stunden noch keine Ahnung wie ich die Kameratasche mit den beiden Objektiven und Body tragen wollen würde. Die Wartezeit in Fulda erwies sich da als sehr hilfreich. Die Tasche wurde an der linken Seite an die kompressionsgurte befestigt und zur weiteren Stabilisierung der Tragegurt der Tasche einmal um den Rucksack gewickelt. Daher musste ich jeden Abend/Morgen die Konstruktion von neuem ab/ aufbauen. Das war doch sehr hilfreich. Ich bin jetzt sehr viel geduldiger was Fummelarbeiten angeht. Auch bei Regen und Mücken und Mückenregen.

    Die Fahrt nach Suorva war recht unspektakulär, der Schwede neben mir war redselig und stieg mit mir aus. Er plante eine Reise auf diverse Gipfel in der Nähe und wir schnackten ein wenig.
    Und er half mir mein Bier zu vernichten. Was notwendig war, nachdem es anfing rumzusprühen wie ein 2 Tage geschütteltes Bier. Versuche, das -ich bin im Urlaub - Bier zumindest für den Abend zu retten scheiterten und so gab es für die drei Deutschen und den Schweden eben ein Start-der Tour-warmes-Schüttelbier. Auch okay.





    Er stürmte los und ward nicht mehr gesehen, wir drei ließen uns etwas Zeit. Mein Rücken war geistig noch nicht da und so zwickte es nach 30 Minuten das erste Mal. Ein bisschen Rumgeziehe an diversen Schnürchen und schon lief alles wie am selbigen.
    Tritrotraschend liefen wir den Damm entlang, das Wetter war einfach perfekt. Bei der "Kreuzung" zwischen den beiden Varianten in den Sarek zu kommen (gerade aus und hoch oder hoch und dann geradeaus) teilten wir uns. Wir würden uns ja bald wiedersehen.
    Oder auch nicht.

    Ich fand den Weg nicht und lief 3 mal an der Stelle vorbei bis es mir reichte und ich einfach mal in den Wald ging. 10 Minuten später stand dann auch schon die erste Furtung eines Baches an. Schuhe aus, nagelneue Crocs an, Mücken ignorieren.



    Es wurde immer steiler und dichter und ich war trotz 30kg+ Rucksack hochmotiviert noch den zweiten Fluss zu kreuzen. Aber Blockfeld im Wald ist echt anstrengend und ich machte gefühlt keine 500m in der Stunde. Ich wollte auf keinen Fall schon am ersten Tag mein Tagespensum nicht erreichen, wollte es aber auch nicht an Tag 1 derart übertreiben. Also lief ich gemütlich durch Moorgrasfelder und dichtem Wald immer höher.
    Irgendwann kam ich auf einen kleinen Pfad der zu einem großen wurde der über einen Fluss ging. Eine - leicht perverse- Enttäuschung über diese machte sich breit. War ich nicht in der "Wildnis" und wollte " echtes Abenteuer" erleben und meine "Grenzen" austesten um das "Adrenalin" zu erleben?
    Wie auch immer, es gab zumindest dort kein Adrenalin für mich. Menno! Also lief ich weiter vor mich hin, immer noch planlos wie weit ich denn jetzt bin.
    Nach und nach wurde es lichter und ich durchschritt die Baumgrenze und dort beging ich wohl meinen ersten Fehler.
    Ich wollte mehr und einen besseren Zeltplatz und wollte diesen verfluchten Bach haben. Also stapfte ich weiter. Gegen 22.00 wurde es mir zu kalt und zu spät und meh und ich baute mein Zelt auf. 5 Stunden gelaufen und kaum einen Schimmer wo ich mich genau befinde.







    Neuer Tag, neues Glück. Ein wenig fotografieren, ein wenig frieren, ein wenig einkuscheln in meinen neuen Schlafsack. Synthetik, weil Dauenallergie, 1 Kilo schwer weil eh alles zu schwer. Hat gute Dinge geleistet das Ding. Da fällt mir ein: Jemand Interesse an einem neuwertigen 1 Kilo schweren Synthetik Schlafsack? Steht zum Verkauf. Hab mir bei meiner letzten Tour den Arsch abgefroren. Und bin mal fast verglüht darin. Könnte aber auch am Fieber liegen, bin mir da nicht so sicher.

    Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Was heißen mag: Auch diese erste Nacht ging vorbei, sie war irgendwie wenig erholsam. Trotz 10,5 h "Schlaf".


    Also machte ich mir erstmal einen Kaffee. Beziehungsweise einen halben, denn meine Tasse hatte einen Sprung in der -Tasse-. (Jep, ich bin eine echte Spaßbremse auf Partys). Panzertape hatte ich keines dabei, ich wollte ja auch keine Panzer reparieren. ( Okay okay, ich hör ja schon auf ). Also wurde es notdürftig mit irgendeinem Tape was ich dabei hatte geflickt. Wenn ich schnell war, konnte ich in Zukunft 3/4 Kaffee trinken.
    Die Sachen gepackt, aufgebrochen gegen 12.30. Da ich noch immer keinen Plan hatte wo ich bin ( hatte zwar eine Karte dabei, aber das machte alles irgendwie keinen Sinn) ging ich erstmal auf einen Berg rauf. Immer rauf, kann ja nicht schaden. Oben angekommen sehe ich das Tageziel für den heutigen Tag, ein Felsvorsprung namens Nienndo. Um da hinzukommen muss ich an 2 Seen vorbei.
    Beide sind nicht eingezeichnet.








    Offenbar kann ich Entfernungen und Größen noch nicht so gut einschätzen. Nachdem ich den einen Fluss gefurtet habe der aus dem See fließt, ist der Untergrund recht einfach und ich beschließe mal gedanklich produktiv zu sein und die letzte "Affäre" zu "verarbeiten".
    Liebe Grüße an dieser Stelle an diese Person.
    Einmal in dieser Stimmung, merke ich dass es vielleicht nicht so die beste Idee war. Meine Stimmung verschlechtert sich. OH WUNDER! Großartige Leistung mal wieder von mir gewesen. Aber "zum Glück" besteht der Mensch auch aus einem Körper und der beschloss eben, dass alles etwas spannender zu gestalten.





    Ich laufe also unfröhlich vor mich hin als ich plötzlich merke, dass meine linke Hüfte abwärts ziemlich weh tut. Rucksack abgesetzt und 2 Schritt gegangen. Verfluchter Mistdreck. Das tut auch ohne Rucksack weh. Und zwar nicht unerheblich. Hatte ich meine Hand beim Gehen an der Hüfte, merkte ich dass der Oberschenkelknochen wohl ständig gegen die Enge der Pfanne protestierte. Und das nicht mit wenig Erfolg.

    Ich suchte jetzt, richtig schlecht gelaunt, einen Zeltplatz. Alleine dass ich mein Tagespensum nach 3 Stunden erreichte hatte, stimmte mich eeetwas zufrieden, auch wenn ich eigentlich noch 5 Stunden weiter laufen wollte. Es war halb 4 und ich mache noch ein paar Fotos bevor ich mich in den Schlafsack verkrieche und lese.

    Ach nee, ich bin ja im Abenteuerurlaub und da darf Entspannung nicht sein. Also schnappe ich mir meine Kamera, meine Stöcke und meine demolierte Hüfte und kraxel auf diesen Berg, von dem ich dachte es sei Nienndo. Oben angekommen sehe ich, dass ich bald nichts mehr sehe, weil es doch reichlich spät ist und langsam die Sonne untergeht. Das was ich sehe macht keinen Sinn laut Karte UND Kompass. Letzteren vertraue ich aber irgendwie nicht. Aber meinem Verstand vertraue ich noch weniger, hat er mich in den letzten Wochen doch das eine oder andere Mal im Regen stehen gelassen.





    Auch hier schieße ich eine Menge Fotos und mache mich im Anschluss auf den Rückweg. Die Hüftschmerzen halten sich in Grenzen, ich merke, dass ich das angedeutete Luxieren des Knochens verhindern kann. Dennoch tut die Hüfte auch im Ruhezustand weh und ich überlege schon mal, welche Bereiche Laponias Rollstuhltauglich ist. Das Ergebnis ist unzufriedenstellend und ich beschließe, diesen Gedankengang dann morgen weiterzuführen.
    Ich mache mir mein Essen und schlafe meinen unruhigen Schlaf. In der Nacht besucht mich eine sehr fette Maus, oder auch Lemming. Ich räume meine Essenssachen in das Zelt und lege Köder für das Viech aus. Fotos machen und so.
    Das Geklicke meiner Cam als auch der Lichtstrahl aus meinem Mund ( Taschenlampen schmecken nicht gut!) interessieren sie recht wenig und sie futtert dankend meine M&M’s.

    Da ich so lieb zu meiner Umwelt bin, sollte diese doch auch zu mir lieb sein.

    Nope. Ich wache auf, die Hüfte schmerzt, die Blase drückt, das Wetter wettert. Der Nebel schluckt nicht nur die Sicht, sondern auch meine Motivation mich heute von der Stelle zu bewegen. Immerhin vermute ich nun, dass es ein Muskel ist und nicht der Knochen der da weh tut. Vielleicht hoffe ich es auch nur.
    Ich mache mir was zu essen und lese mein Buch weiter. Manche Dinge müssen erledigt werden und auf den Weg nach draußen lassen mich die Schmerzen laut fluchen und humpeln.
    Abbruch?
    Ne, erstmal lesen. Draußen ist es kalt, ich friere und penne eine Runde. 2 Stunden später wache ich auf, es ist ne Affenhitze im Zelt, die Sonne erbarmte sich doch noch. Die Hüfte freut es, auf dem Weg zum Wasser aufgrund einer Ottervermutung meckert sie wenig. Der Otter ist doch nur ein Vogel und so baue ich mein Zelt ab und mache mich um halb 4 weiter auf meinen Weg.



    Ne, doch nicht. Offenbar brauche ich doch sehr viel mehr Zeit und das ich den kleinen Knirps von gestern vor seiner Haustüre finde, ist jetzt auch nicht gerade die Antriebsspritze.





    Also geht es um 5 Uhr weiter, die Hüfte kommt auch mit. Anstrengend ist es dennoch und hinter Nienndo sehe ich, dass Nienndo nicht Nienndo ist sondern..ehm, keine Ahnung. Auch das Gekraxel auf einen kleinen Berg hilft mir nicht weiter. Also gehe ich auf meinen nicht vorhandenen Weg bis ich defakto nichts mehr sehe. Der Nebel ist dicht und ich marschiere an einem Ozean entlang. Vielleicht auch nur der See von vorhin. Ist aber eher unwahrscheinlich.

    Gegen halb 9 habe ich keine Lust mehr auf Klettereien im fast nichts und baue mein Zelt auf. Das allabendliche Fotografieren ist auch nicht sehr ergiebig also verkrieche ich mich bald in mein Zelt und warte auf besseres Wetter. Geschlafen wird gegen halb 12, der kurze Tag war erstaunlich anstrengend.








    07.08



    Original aus dem Tagebuch: „Richtig mies geträumt.“ Von schlechten Erfahrungen in der Jugendzeit und schiefgelaufenen Frauengeschichten. Rückenschmerzen habe ich auch und das Wetter draußen ist immer noch mies und viel zu früh mit 9.30 ist es auch noch. Bah!
    Dennoch komme ich gegen 11 Uhr los. Eine der wenigen Male, wo ich vor 12 loskomme. Vermutlich waren die beiden Menschen, die ich im Nebel gestern etwas weiter oberhalb ihr Zelt aufbauen gesehen habe, auch ein Ansporn, wollte ich sie doch fragen, ob sie wissen, wo diese Brücke ist, die ich jetzt bald überqueren muss.
    Hab sie nie wieder gesehen. Andere Menschen die nächsten 4 Tage auch nicht.

    Nach einem echt nervigen und auch etwas gefährlichen Block-Schneefeld-Gemisch stehe ich vor einem Fluss, den ich überqueren muss. Trotz einer langen Suche nach einer Brücke finde ich dergleichen nichts und überhaupt sieht alles noch total anders aus als es auf der Karte verzeichnet ist. Irgendwas stimmt nicht.
    Ich komme nicht drauf was es ist und mache mich sicherheitshalber erstmal wieder auf die andere Seite der Fluss-See-Kombination. Nicht so einfach und kalt und Strömung.
    Kurz vor Ende bleibt mein Croc stecken und ich verliere das Gleichgewicht. Mit allerletzter Kraft schaffe ich es, mich auf meine Stöcke abzustützen, den Croc mit den nackten Füßen zu befreien und mich auf das rettende Land zu hieven. Uff, das war echt knapp!



    Nein, nicht wirklich. Ich übe mich nur in Dramaturgie und wollte etwas Spannung in den Reisebericht bringen.

    Auf der anderen Seite des Berges gönne ich mir das erste Mal auf der Reise eine wirkliche Pause mit nichts tun außer im Gras zu liegen. Diese Un-Unruhe dauert irgendwas um eine halbe Stunde, dann geht es auch bald weiter.



    Es ist circa 2 und ich laufe lange. Ohne große Pausen, bis auf kleinere Fotoshootings. Eine Anhöhe in einem Tal gefällt mir gut und ich bin guter Laune bei gutem Wetter. Lange hält das nicht an, ein schlechtes Gefühl stellt sich ein als ich einen See entdecke, der nicht sein sollte. Außerdem geht es sich wieder extrem anstrengend auf, unter und zwischen Granitblöcken den Berg runter.






    Gegen 7 reicht es mir, ich sehe einen zweiten See und peile nichts mehr. Das Wetter ist noch ganz gut, also beschließe ich einfach zig Panoramas zu schießen und mich dann in meinem Zelt solange auf eine Ortsbestimmung zu konzentrieren, bis ich weiß WO ICH ZUM TEUFEL BIN. Also marschiere ich mit meiner Kamera eine Stunde von einem Hügel zum nächsten und mache Panoramafotos.



    Es ist gar nicht mal so hässlich hier, aber ich kann es nicht genießen. Es ist keine Angst; ich weiß, dass ich in 4 Tagen wieder in der „Zivilisation“ sein kann. Aber ich bin dennoch extrem genervt von der Gesamtsituation.
    Ich komme gerade rechtzeitig zurück zum Zelt um es vor dem Regen aufzubauen. Ach, was habe ich dich vermisst! Bis auf etwas Nieselregen gestern war ja noch nicht viel von dir zu spüren. Mücken sind noch nicht wirklich Thema gewesen, aber es war auch noch nicht ihre bevorzugte Landschaft dabei.





    Zurück im Zelt packe ich meine Karte aus und
    HEUREKA, weiß wo ich bin. Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, aber die Zeit, die ich auf diese Karte geglotzt habe summiert sich sicherlich auf 2 Stunden. Und dennoch.
    Ich sehe auch gleich, wie ich an diesen miserablen Ort gelangt bin…und wie ich hier wieder rauskomme, was die schlimmste Nachricht von allen ist.
    Ich hatte es tatsächlich geschafft, an Tag 2!! In das falsche Tal abzubiegen und am Sarek vorbei im Sjöfallet herumzuirren. Nun fällt mir die Orientierung auch einfacher, ich weiß sofort in welche Richtung ich mich begeben muss. Ich sehe aber auch, dass ich sicherlich 2 Tage brauche um auf meinen alten Weg anzuschließen. Und diese 2 Tage wird es über Blockschutt gehen. Yiha!
    Es ist 22.00, ich bin viel zu erschöpft um mich großartig aufzuregen. Hunger habe ich auch keinen, aber essen sollte ich noch.
    Nach dem Essen kommt der ganze aufgestaute Unmut in Form von handfester Verzweiflung ob meines auf allen Ebenen miserablen Lebens zum Ausdruck. Gut ging es mir da wirklich nicht. Typisch für mich bezieht es sich dann auch hauptsächlich auf Beziehungen aller Arten. Für solche Fälle habe ich auch meinen Depri-Ordner auf meinem Mp3-Player.
    Nach anstrengenden und waschtechnisch dürftigen Tagen tut so ein ausgiebiges Bad in Selbstmitleid schon mal gut.
    Geändert von Fliehender (15.02.2016 um 01:09 Uhr)

  2. Erfahren
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #2
    8.8
    Das Tagebuch ist deutlich getrübter Stimmung. Spurenlos ging die Enttäuschung, den Sarek, das eigentlich Ziel des Treks, nicht durchlaufen sondern umlaufen zu haben, nicht vorbei.
    Ich schlafe schlecht, meine Hände dafür ständig ein. Mir ist in der Nacht kalt. Ich träume wieder random Mist, bin erschöpft. 10.30 ist auch diese Nacht zu Ende.
    Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Hohe Motivation, aber mir tut alles weh. Ich habe morgens großen Hunger, bekomme tagsüber und abends aber meine Portionen nicht rein. Retrospektiv kann das nur ungesund sein…
    Das Wetter schein ok zu sein, um 12.20 will ich losgekommen sein.

    Um 14.00 komme ich dann wirklich los, ein Riss in meinem Rucksack hält mich auf. Es geht wie erwartet über Block, durch kleine zu furtende Flüsse und natürlich regnet es heute auch wirklich.



    Um halb 8 reicht es mir für heute, gegessen habe ich wieder zu wenig. Zelt aufgestellt, Fotos gemacht. Überhaupt mache ich viele Fotos, aber wirklich zufrieden bin ich nicht. Vielleicht ist mein Anspruch zu hoch, vielleicht habe ich kein Auge dafür, vielleicht ist die Landschaft nicht so spektakulär wie gedacht. Klar, ich bin ja auch falsch hier. Verdammter Mist.
    Ich bin nicht so weit gekommen wie gehofft, es werden wohl doch 3 statt 2 Tage.
    Es hat heute das erste Mal wirklich geregnet, ich will nichts essen und könnte mal einen Tag Pause vertragen. Aber sicher nicht hier.
    Ach und mein Hirn ist noch im Grübel-Mode. #Läuft bei mir.
    Morgen wird alles besser, ganz bestimmt.
    Abends schieße ich Fotos bis mir zu kalt wird und verkrieche mich in mein Schlafsack. Hab ich schon erwähnt, dass der zu kalt ist? Diesmal ziehe ich mir meine lange Unterwäsche in der Nacht an, dann kann ich auch endlich durchschlafen. Vielleicht sollte ich auch mein Essen aufessen, der Zusammenhang mit der Kälte dämmert mir langsam.





    9.08
    Mein Schlafplatz ist windig, mein Zelt laut. Ich greife zu Ohropax und Schlafbrille und wache dennoch um halb 10 auf. Mein Rücken tut mir weh, es wird ein harter und langer Tag und ich bin noch immer im Rückstand. Sachen packen und auf geht’s um halb 12.
    Auch das schaffe ich nicht, alles zieeeeeht sich gefühlt ewig.

    Um 2 mache ich mich auf den Weg. Heute gibt es viel zu navigieren, lauter kleine Seen liegen auf dem Weg. Da noch immer alles voller Steine ist, will man da auch nicht einfach mal außen rum laufen. Das Wetter ist wechselhaft, ich habe meine Regenjacke an und schwitze demnach immer wieder. Dennoch geht es durch ziemlich kalte Flüsse, ( ohne Brücken, jeah Abenteuer-Stimmung.

    Immerhin hat sich ein gewisser Trott eingestellt, ich laufe 90 Minuten und verdonnere mir eine Pause von 30 Minuten. Viele Fotos mache ich nicht auf dem Weg, das Wetter und die Gegend ist viel zu bescheiden. Nach und nach ändert sich die Landschaft, es wird grasiger und ich komme ganz gut voran. Nicht mit mir, denkt sich wiedermal mein Körper und kitzelt etwas im Hals. Also auf Kranksein habe ich heute soo gar keine Lust. Ich nehme zwar immer brav meine Vitamin-Brausetabletten die ich mir runter würgen muss ( der Becher ist nur mehr halb voll zu bekommen), aber das scheint mir doch zu wenig in Anbetracht meiner körperlichen als auch psychischen Verfassung.

    Ich beschließe also hinter dem Gletscherfluss den Tag zu beenden und mir damit zumindest etwas Erholung zu gönnen.
    Der Gletscherfluss hatte einen recht niedrigen Stand, aber ich wollte nichts falsch machen oder mich hetzten. Eine richtige Stelle ausgesucht, merkte ich nach 3 Sekunden woher Gletscherflüsse ihrem Ruf haben. Leckomio, wie kalt kann Wasser bitte sein? Ich reiße mich zusammen und schaffte es bis in die Mitte auf einen kleinen Stein. Dort stellte ich fest, dass ich an dieser Stelle nicht durchkommen werde und machte mich auf den Rückweg. Beim zweiten Anlauf ging es dann auch durch, das Wasser stieg mir nur kurz übers Knie.
    Wenig weiter zog ich mir meine Hose wieder an, und kurz darauf baute ich mein Camp an einer wirklich Idyllischen Stelle auf. Vor mir das Ahka- Massiv, hinter mir die Berge des Sareks und alles auf einer schönen weichen grünen Fläche. Laut Karte Überschwemmungsgebiet, aber der Fluss ist 100 Meter entfernt und es hat strahlende Sonne und auch kein Starkregen seit Tagen.

    Ich verkroch mich zum Ausruhen in mein Zelt, vorher wurde noch dokumentarisch die Gegend in Binärform gebracht.



    Nach einer Weile merke ich wie hell das Zelt wird und ich riskiere einen Blick nach draußen. Tatsächlich haben sich die meisten Wolken verzogen und die Sonne ist gerade am Untergehen. Schnell die Kamera gezückt und losgeschossen. Kälte, Hunger, Krankheit vergessen und nur die Schönheit der Natur genossen. Wie prosaisch.















    Das geht bis halb 10 so, es wird ungemütlich kalt und ich bekomme richtig Hunger. Danach gibt es lecker Essen und Wein beim prasselnden Kamin zu Hause.
    Imagine is everything.


    10.08

    Ich schlafe auch diese Nacht nicht besonders gut. Ich schlafe unruhig, es ist kalt (völlig zusammenhangslos wie mir scheint) und ich träume zu verdursten. Logisch.
    Aber immerhin hat sich keine Erkältung eingestellt, nur die Nase ist etwas dick.
    Das Wetter scheint in Ordnung zu sein, daher werde ich auch heute wieder gehen. Jedoch etwas später, vorher Fotosession ( unbefriedigend) und Lesen. Bye the way: Mein Buch ist sehr spannend, aber auch etwas pervers. Es geht um einen Bibliothekar der seine Frau so sehr liebt, dass er sie mit einem anderen Mann verkuppelt, damit er seine Eifersucht voll ausleben kann. Spannend…aber auch irgendwie pervers. Zumindest beschreibt er seine Neigung so. I do not judge.







    Um 4 geht es los, um viertel vor 9 steht das Zelt. Dazwischen sind ein paar wenige Kilometer, eine Blase, nasse Schuhe aufgrund einer sehr optimistischen Flussquerung ( rein mit den Stiefeln, raus mit Crocs und sehr nassen Schuhen) und eine unglaublich nervige Mückenplage.
    Man stelle sich vor: Es ist warm vom Gehen, Windstille, unendliche Weite, schönes Wetter und ein beständiges Summen im Ohr. Man geht, egal ob Pause oder nicht. Denn die Mücken sind langsam, aber beständig. Du weißt: in 30 Sekunden sind sie wieder da. Mit ihren Gesumme. Das Kopfnetz raubt dir die Sicht und die frische Luft. Langsam aber sicher drehst du am Rad. Fängst an mit ihnen zu sprechen, erst freundlich, dann immer wütender. Du fängst an sie zu schlagen und im Kreis dich zu drehen.
    Ich bin mir sicher, dass die im Kreis hüpfenden und klatschenden Ureinwohner Nordamerikas genau aus diesem Grund im Kreis hüpfen und klatschen.





    Wie immer mache ich auch an diesem Abend Fotos von dem Sonnenuntergang hinter meinem Zelt. Diesmal sogar mit Selfie.



    11.08
    Ich habe endlich mal besser geschlafen, nur bis um halb 10, aber bin etwas erholter. Der Wind, der mir gestern fehlte, ist heute da. Dadurch wird es kalt und ich ziehe mir meine Regenjacke an. Regen gibt’s aber erst am Abend.




    Es ist Halbzeit und ich hinke einen Tag hinterher. Wobei hinken wörtlich zu nehmen ist, meine Hüfte zickt wieder rum und meine Schuhe geben mir nicht mehr den Halt den ich brauche. Ich laufe eher auf dem Außenriss als auf der Sohle, dass könnte zumindest die Hüfte mit erklären.
    Der Weg ist leichter zu laufen und die Landschaft ist wirklich schön, aber die vielen Menschen ( 5!!) stören mein Chi. Ich bekomme trotz der vielen Bewegung Verstopfung und kann nichts dagegen tun.







    Ich laufe bis zu den bewirteten Hütten und ziehe noch etwas weiter. Ich will mein Zelt aufbauen und sie warten schon. Mücken. Hi Friends. Ich hab euch schon fast ein bisschen vermisst.
    War nur ein Witz, verreckt alle elendlich!
    Zum Glück habe ich ja mein Kopfnetz, was auf meinem Kopf_ meiner rechten-linken-hinteren Jackentasche..ahh…im Baum 200 Meter zurück hängt.




    Der Tag war lang, Abends gibt es natürlich wieder Fotos und Nudeln.
    Ich. Kann. Sie. Nicht. Mehr. Sehen. Die Nudeln. Bald auch nicht mehr die Fotos, weil 4 von 8 Akkus sind leer. Aber anderes Thema.
    Ich habe etwas mehr gegessen heute, aber dennoch nicht genug. Meine Lust auf Schokolade ist auf dem niedrigsten Stand seit meiner Zahnung, Nüsse kommen mir unsinnig hart und unappetitlich braun vor.
    Immerhin merke ich, dass mein Hüftspeck, zuerst weichgeklopft durch den Gurt, schwindet. Auch hebt sich der Rucksack immer leichter. Licht welches durch eine hellgraue Unlustwolkendecke schimmert.

    Nach meiner Lektüre wird um 11 das Licht ausgemacht, es ist verdammt windig und ich stopfe mir meine Stöpsel ins Ohr.
    Geändert von Fliehender (15.02.2016 um 00:52 Uhr)

  3. Erfahren
    Avatar von Fliehender
    Dabei seit
    08.04.2011
    Ort
    Wien/ Bayern(Oberpf.)
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    492

    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #3
    12.08
    Pin Handy: 8596
    Kreditkarte: 6085
    Ec-Karte: 5528
    Ich habe panisch Angst, dass ich meine Zugangsdaten vergessen habe! Erschreckend wie man wichtige Sachen, ungebraucht, zu vergessen droht.
    Die Nacht war windig, es regnet morgens leicht. Essen, Abwasch, Zusammenpacken im Zelt.
    Ich warte, dass das Zelt etwas trockener wird und lege mich zum zweiten Mal in diesem Urlaub ins Gras in die nun vorherrschende Sonne und mache – nichts-. Ich versuche mich zu entspannen, die Sonnenstrahlen genießen, meinen Körper zu beruhigen.
    Ist man seit Tagen nur unter Spannung und hat ständig etwas zu tun oder will etwas tun, kann so etwas Einfaches sehr bereinigend wirken. Aber es zeigt auch, dass ich langsam und unmerklich an meine Leistungsgrenze sowohl psychisch als auch physisch komme.

    Das Zelt wird irgendwie untergebracht und ich trolle mich meines Weges unter Nieselregen.
    Ich komme gut voran, muss aber vermehrt an die zu-Hause-gebliebenen denken. Interessantes kommt da zu Tage, wenn man nichts zu tun hat außer Laufen und Denken.




    Ich gönne mir kaum eine Pause, es ist windig und ungemütlich kalt. Ich sehe die Brücken, weiß wo es heute noch weitergehen wird. Die Zeit drängt etwas, ich will meine Pausentage nicht durch Trödelei verlieren. Außerdem: Es wird einfach zu kalt wenn ich zu lange Pause mache. Wobei Pause eigentlich immer mit Fotografie verbunden ist. Auch diesmal geht dafür eine ganze Weile drauf.
    Ich drücke mich wo ich kann vor dem Kontakt mit anderen Menschen. Smalltalk liegt mir heute gar nicht und ich muss in der Zivilisation eh die ganze Zeit höflich und alles sein. Überhaupt kommen heute ziemlich viele mir entgegen, überholen tut mich keiner.
    Bei einer der Brücken begegne ich einer ganzen Gruppe an Italospaniern. Es stellt sich heraus, dass sie meinen Weg in entgegengesetzter Richtung gehen. Austausch an Routenideen, Gepäck, Foto. Viel Spaß, dies das Ananas.





    Ich gehe weiter und verlaufe mich erstmal wieder richtig. Ist man einen ganzen Tag auf einem Weg gelaufen, merkt man erst wieder wie anstrengend das Laufen ohne Trampelpfad ist.
    Es wird immer später, ich näher mich der Sami Siedlung und fühle mich dabei ziemlich unwohl. Laufe ich hier gerade durch irgendwelche Gärten? Darf ich die Toilette benutzen? Wieviel Abstand muss ich halten, damit sie keine Gebühren verlangen? Es ist niemand zu sehen, ich gehe also einfach quer durch.

    30 Minuten später beschließe ich, es mal wieder für heute zu belassen. Zeltaufbau, Wasser holen, mal ein paar Sachen waschen. Der See ist ja ganz in der Nähe, also wird ein Drybag spontan umfunktioniert. Natürlich mache ich mir auch mein Essen aus dem Wasser des Sees. War vermutlich nicht die beste Idee die ich auf Tour hatte.



    Nachdem das Zelt steht, gehe ich wieder auf Fotosafari, was muss das muss. Ich fotografiere bis mir kalt wird. Nein, eigentlich bis mir richtig kalt wird. Wirklich aufgepasst habe ich nicht auf mich heute, immer wieder ist es mir zu kühl gewesen. Das Wetter war recht wechselhaft mit Schauern und vielen Wolken. Zu gut um zu stehen, zu schlecht um gerne zu gehen.
    Ich habe noch 5 Tage. Sollte sich ausgehen, wenn meine Hüfte mitmacht und das Wetter nicht völlig durchdreht jetzt. Ich bin erschöpft, will langsam nach Hause. Kontakte pflegen, gutes Essen, gerader Schlafplatz.





    12.08
    Meine Laune und Verfassung ändert sich dramatisch, erkenntlich an sehr langen Beschreibungen im Tagebuch. Ich habe noch 5 Tage für 80 Kilometer, ich muss heute gehen!
    Ich habe miserabel geschlafen, lag nachts 4 Stunden wach und konnte nicht mehr einschlafen aus einer Mischung aus Schmerzen (Rücken), Sorgen und Kälte. Morgens bin ich dann jede Stunde aufgewacht nur um festzustellen, dass ich noch immer zu gerädert bin um aufzustehen. Letztendlich schaffe ich es irgendwie, mich aufzuraffen. Ich habe miese Rückenschmerzen und irgendwas bedrückt mein Magen. Ich habe Verstopfung und beschließe nach langem Zögern und diversen Hin- und Hergelaufe die Toilette der Sami zu verwenden.

    Vermutlich habe ich Verstopfung, weil mein Körper sehr viel Energie darauf verwenden muss, meinen Körper zu wärmen. Ich habe alle warmen Sachen an, die ich dabei habe und dennoch ist mir kühl. Meine Socken sind noch nass und auch meine Hose ist nass geworden durch meine Wasservorräte im Vorzelt. Nein, ich habe keine Ahnung wie das passieren konnte.

    Alles in allem sind das absolut miserable Vorzeichen um bei wechselhaftem Wetter eine anstrengende Etappe zurückzulegen. Meine Gedanken verfluchen mich selber: Was mache ich zum Teufel hier? Hätte, hätte Fahrradkette. Im Nachhinein erscheinen die folgenden Tage die logische Konsequenz ob meines Körperlichen Raubbaus zu sein, aber vor Ort wirkt es wie eine Bestrafung für alle meine Sünden.

    Wer auch immer Schuld hat: Ich musste also los und komme wie üblich sehr spät weg. Da mir alles wehtut, inclusive Magen und Rücken schlucke ich Voltaren und Tabletten zur Beruhigung des Magenmilieus nur um wieder halbwegs zu funktionieren.

    Hat nicht geklappt, keine halbe Stunde später erbreche ich mich am Weg. Das eh schon spärliche Frühstück bannt sich sein Weg nach draußen während über mir mehrere Helikopter vorbeifliegen. Ich denke an meinen Spot. Die Gedanken: Nimm mich mit! und Bitte flieg weiter! versuchen irgendwie in Einklang zu gelangen, was zu schmerzverzehrten Daumen hoch Zeichen führte. Als ob die mich überhaupt suchen würden.
    Ich stehe auf und gehe weiter, schließlich bin ich hier nicht zum Spaß. Der ist allerdings spätestens eine Stunde (?) später vorbei, als ich mein Zelt schon leicht schwummrig und sehr deutlich geschwächt aufbaue.

    Ich lege mich in mein Zelt und darf kurz darauf wieder würgen. So geht das die nächsten Stunden weiter, ich vertrage nicht mal mehr den Tee den ich mir gekocht habe. Und zur Neige geht der genauso wie meine restlichen Medikamente. Wann braucht man die schon mal…
    Ich bekomme hohes Fieber, der Spot liegt neben mir. Ich habe Schüttelforst, bin kaltschweißig und dem allem völlig hilflos ausgeliefert. Im Hintergrund tickt die Uhr, zu der miesen körperlichen Verfassung ( ich habe mich jetzt 3 mal in den letzten 6 Stunden erbrochen) kommt eine allgemeine Panik hinzu, es nicht mehr rechtzeitig an das Ende des Treks zu schaffen.

    Ich versuche zu schlafen, was durch Magenkrämpfe erschwert wird, ich träume fiebrig und alles wirkt wie frisch aus einem Alptraum. Ich hadere mit mir.
    Spot? Wegen ein bisschen Fieber?
    Spot? Weil akute Vergiftung? ( Das Wasser aus dem See!)
    Spot? Weil Zeitdruck?
    Spot? Weil gefährlich hohes Fieber?
    Spot? Weil alles?

    Ich setze mir ein Ultimatum: Erbreche ich noch einmal, wird Hilfe geholt. Ich würge, aber dabei bleibt es auch. Ja, danke, das macht meine Entscheidung wirklich leichter.
    Geändert von Fliehender (15.02.2016 um 01:17 Uhr)

  4. Erfahren
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #4
    13.08
    Nachts, ich habe tierischen Durst, aber kein Wasser mehr, zwänge ich mich in meine gefrorenen Socken um zu den Bach zu stolpern. Ein riskantes Unterfangen, überall Buschwerk und ich sehe kaum wo ich da hinlaufe. Aber ich brauche dieses Wasser! Die Szenen wirken auf mich irreal, selten war ich so froh wieder in einem Zelt zu liegen.

    Die Nacht ist wenig erholsam, das Wasser hat auch mein Darm durcheinander gebracht. Ich schaffe es gerade noch so raus, erstaunlich wieviel Energie der Mensch aus Adrenalin schöpfen kann…
    Meine Hose hat was abbekommen, ich habe aber jetzt endgültig die Schnauze voll. Was soll ich machen?
    Meine Gedanken kreisen:
    Die Sami? Irgendeine Hütte? Zum Rago krauchen? Ich gehe alle meine Möglichkeiten durch. Leere meine Nahrungsvorräte auf ein Minimum, man kann nicht leicht genug sein. Ich überlege ganz genau, bis wohin ich es an welchem Tag schaffen muss. Wie ich es noch IRGENDWIE schaffen kann. Denke an den Spot und versuche nicht in wenig hilfreiche Heulkrämpfe zu verfallen. Was passiert, wenn ich den Notruf drücke? Was ist ein echter Notfall? Ist hier dein Leben oder nur dein Urlaub in Gefahr? Bist du einfach psychisch am Ende oder körperlich? Wo ist die Grenze? Wo ist deine Grenze?

    Ich kann kaum klar denken, in erster Linie muss ich das Fieber irgendwie in den Griff bekommen. Influbene habe ich genau 1 Packung dabei. One shot. Ich trinke es und leg mich pennen. Ich schwitze wie ein Schwein als ich aufwache, fühle mich aber etwas besser.

    Ich beschließe heute noch etwas zu gehen. Eine Art Stresstest. Zu sehen, ob ich noch etwas zustande bekomme oder es keinen Sinn mehr hat. Ich wasche meine Sachen ab und gehe gegen 18.00 weiter. Ich fühl mich schwach, aber es geht.
    Nach 1,5 Stunden bin ich etwas optimistischer was meine Ziele angeht. Ich baue mein Zelt auf, hole Wasser und schlafe ohne Essen ein. Vermutlich Erschöpfung.
    Dennoch muss ich nachts raus, wieder spinnt mein Darm, wieder darf ich danach Sachen waschen. Ich schlucke noch etwas Immodium und schieße ein paar unscharfe Fotos. Dass ein Autofokus zum funktionieren Licht braucht habe ich in dem Moment vergessen.
    Nachts ist mir sehr kalt, ziehe alles an was ich habe und wirklich warm ist mir dennoch nicht.



    14.08
    Ich wache um 8 auf, ich hab Kopfschmerzen und bin fühle mich schwach, aber es geht mir deutlich besser. Es ist bestes Wetter, nur etwas windig.
    Ich schreibe mein Tagebuch und bau dann ab. Ich bin gerade sehr empfindlich, die Musik in meinen Ohren bringt mich zum Weinen. Ich lasse es zu und weiß, dass es vorbei gehen wird und ich gerade unter großem psychischen Stress stehe.
    Ich laufe los und überschätze nach einer halben Stunde erstmals eine Furt. Das Wasser ist höher als gedacht es reicht mir bis zur Unterhose. Meine Hose war jedoch nur hochgekrempelt und ist daher nass. Egal, wird wieder trocknen.
    Ich gönne mir kaum Fotopausen, wenn ich Pause mache achte ich genau darauf, dass ich irgendwie Kalorien rein bekomme und genug trinke. Zur Mittagszeit gibt es erstmals in diesem Urlaub ein Mittagessen. Es schmeckt so wie es klingt: Nudeln mit Salz. Aber immerhin bleibt es im Magen was ja nicht mehr als selbstverständlich bezeichnet werden darf.




    Die Strecke entlang des riesigen Sees ist sehr schön, allerdings bläst ein beständiger Wind der ziemlich nervtötend ist. Ich beobachte immer wieder Vögel und bin etwas versöhnlicher mit mir und der Welt. Das ändert sich auch nicht als ich bemerke, dass sich ein mieser Wolf entwickelt. Ich habe zum Glück eine Salbe dabei, weiß. Zusammen mit einer anderen Salbe, auch weiß, in einer Plastiktüte. Das eine ist Nivea, das andere Voltaren. Vom Geruch doch sehr verschieden. Nicht so nach 10 Tagen. Es ist ein 50-50% Glücksspiel. Vermutlich war es die richtige, ich hatte danach keine Probleme mehr.







    Allerdings geben auch meine Schuhe den Geist auf, meine Füße bekommen Blasen und sind allgemein sehr aufgeweicht. Kleine Wehwehs, aber sowas brauche ich gerade gar nicht. Genauso wie meine rechte Socke, die ich beim Sockenwechsel verloren habe.
    Obwohl ich den ganzen Tag am Laufen war, schaffe ich es nicht so weit wie gewünscht. Vermutlich habe ich mich zwischenzeitlich verlaufen und musste mich daher immer wieder neu orientieren. Das Ende des Tages markierte dann wieder meine linke Hüfte und nichts ging mehr. Ich suche noch einen möglichst windgeschützten Platz, gebe das nach 10 Minuten humpeln auf und baue mein Zelt auf.



    Es gibt Abendessen, Spaghetti Bolognese. Ich habe kaum Appetit und esse nur die Hälfte. Lege mich hin und höre Musik. Ich bekomme böse Magenschmerzen und nehme meine letzten verbleibenden Medikamente.
    Krampfend schlafe ich ein.
    Würgend wache ich auf.
    Ein zweites Abendessen, diesmal rückwärts, halb im Zelt. Weitere Details erspare ich mir.
    Vermutlich ist mein Essen kaputt geworden, damit habe ich noch einmal Nudeln für die nächsten 3 Tage. Ich schlafe wieder ein und träume von Rettungen verschiedenster Art.

    15.08
    Ich wache um halb 8 auf und bin viel zu nervös um wieder einzuschlafen. Ich habe außerdem Hunger und sollte etwas essen. Optimal wäre es, wenn mein Magen sie so lange behalten könnte, bis ich ein paar Nährstoffe aufnehmen konnte.
    Ich fühle mich sehr schwach, meine Hüfte schmerzt noch immer, meine Nase ist zu und ich stinke. Ich spiele mit dem Gedanken, mich direkt in ein Krankenhaus fahren zu lassen oder zumindest eine Apotheke aufzusuchen. Was meine Krankenkasse wohl dazu sagt? Ich bin nicht versichert im Eu-Ausland…und Norwegen ist keine 500 Meter entfernt.

    Ich will schnell los, bin rastlos. Abwasch machen und Frühstück runterwürgen und dabei nicht in Panik verfallen. Klare Aufgaben, anspruchsvolle Umsetzung für mich zu diesem Zeitpunkt.
    Mein Magen grummelt, Pantaloc genommen ( Pantaloc ist ein Anti-Gastritis- Mittel). Ich habe noch 2 Immodium und 28 Blatt Toillettenpapier. Ja, ich hab es abgezählt. Viel ist das nicht mehr...

    Trotz der klaren Aufgaben versage ich auch da: Ich esse kaum etwas und bin beim Packen verzweifelt. Ich laufe, überquere Flüsse und habe Magenkrämpfe. Das Wetter ist bestens, mein Körper ein Wrack. Ich habe Magenkrämpfe, Durchfall und bin am Ende.
    Ich schaue auf die Karte und sehe endlich die Stuga, an der ich gestern sein wollte. Die Entfernung erscheint mir gerade unüberwindbar. Zumal es auf der Karte, verglichen mit meinem heute notwendigen Leistungspensum, ein Klacks ist.
    Ich laufe verzweifelt weiter, einen steilen Berg herunter, mehr stolpernd als alles andere. Ich bekomme wieder krampfhaften Durchfall und zeitgleich meldet auch die Blase Probleme.

    Ich gebe mich geschlagen und drücke den roten Knopf auf meinem Spot. Notruf. GAU.

    Es fühlt sich richtig an. Ich bewege mich wenige Meter von dem Platz weg und benutze meine Trekkingstöcke und Rucksack-Schutzsack als gut sichtbares Mittel für die nahende Hilfe.
    Ich schmeiße noch ein paar Essenssachen weg, bereit, mich recht zu fertigen, warum ich den Knopf gedrückt habe. Gehe im Kopf meinen Monolog durch.
    Liegend in der Sonne lassen die Krämpfe nach und die Zweifel kommen wieder. Ich lebe, kann gehen und weiß wo ich hin muss. Warum genau habe ich den Notruf gedrückt?
    Wegen ein bisschen Magenkrämpfe?
    Wegen ein bisschen Durchfall?
    Weil ich noch so viel gehen muss?
    Die Zweifel mehren sich. Es wird gelauscht, es werden Beeren zertreten, irgendwas muss ich ja machen.
    Ich schaue in den Himmel.
    Ich schaue auf den Spot. Das Zeichen für GPS blinkt nicht, es blinkt nur das Zeichen für den Notruf.
    Ich fange an zu wandern und meine Zweifel fangen an ein Loch zu graben. Ich warte und warte. Eine Stunde. Zwei Stunden. Zwei ein halb Stunden.
    Dann begehe ich einen großen Fehler, dankenswerterweise ohne weitere Konsequenzen.

    Ich drücke auf „Cancel“ und packe meine Sachen. Ich schmeiße die Schokolade weg, lass mein Rentiergeweih, was ich seit 5 Tagen mit mir trage, da und lege auch meine Mülltüte darunter. Das Ziel ist die rettende Hütte im Rago Nationalpark.
    Das wird doch zu schaffen sein! Ich gehe los, das fehlende Gewicht merke ich sofort und nehme mir fest vor, nur Pausen zu machen um etwas zu trinken oder mich zu orientieren. Schmerzen werden unterdrückt, Gedanken werden unterdrückt, jetzt geht es darum, irgendwie in Sicherheit zu kommen.
    Ich begehe bei der nächsten Flussüberquerung Fehler, meine Sachen sind alle nicht mehr in ihren wasserdichten Packsäcken und ein Sturz würde alles klatschnass machen. Es passiert aber nicht und ich gehe weiter. Ein Graben weiter meine ich einen Hubschrauber zu hören. Überhaupt wundere ich mich darüber, warum niemand kommt. Der Hubschrauber puppt sich jedoch nur als keines Rinnsal heraus, es geht weiter.
    Und da sehe ich ihn kommen.
    Ein Hubschrauber der schwedischen Polizei fliegt das Wasser entlang.
    Ich fluche und habe plötzlich Angst. Wie erkläre ich das? Dass ich einen Notruf drücke und dennoch noch laufen kann? Einen Moment überlege ich, mich zu verstecken.
    Da setzt sowas wie ein funke Verstand noch ein und ich schnappe mir meinen Schutzsack (knallrot) und meine Trekkingstöcke und stiege aus dem Graben auf. Ich winke bis zur Erschöpfung und muss mit ansehen wie der Hubschrauber bei meiner ehemaligen Position landet und jemand aussteigt. Er sucht und findet nur meinen Müll. Ich winke wie bekloppt, stehe aber mit dem Rücken zur Sonne und werde nicht gesehen.
    Der Hubschrauber steigt wieder auf und fliegt in die Richtung zurück wo er hergekommen ist.

    Ich bin am Ende. Ich weiß, dass ich nicht träume und das macht das alles nur noch unerträglicher. Verzweifelt, verängstigt und dennoch überlebenswillig gehe ich meinen Rucksack holen.

    Und höre erneut ein Hubschrauber aus der gleichen Richtung kommen.
    Ich schnappe mir wieder meine Sachen und fange wieder das winken an. Nur um zu sehen, dass der Hubschrauber in eine andere Richtung wegfliegt.
    Ich kann mir ein Lachen nicht unterdrücken und pausiere mein Winken.
    Der Hubschrauber kommt letztendlich in meine Richtung geflogen und ich werde gesehen und kann endlich mit dem schwachsinnige Winken aufhören.
    Der Hubschrauber sinkt, lässt einen Mann aussteigen und landet in der Nähe. Der Mann hat einen Bart und ich muss im ersten Moment an Captain Haddock denken.

    Er fragt mich, ob ich okay bin.
    Ich rattere meinen Aufsatz los.
    Er fragt mich nochmal ob ich okay bin. Ich sage ja und wir gehen meine Ausrüstung holen.
    Smalltalk, Ermahnungen, Hinweise und gegenseitiges Fragen. Ich meine, dass ich noch nie in meinem Leben so froh war, zwei Männer zu sehen. Lachen. Ich lächle und weiß dass ich es ernst gemeint habe.

    Pilot Nummer zwei ist ein cooler Typ mit Sonnenbrille der in der Sonne liegt. Einer seiner ersten Worte war: You threw away your chocolate. Don’t do that. Chocolate is good. And we found your trash. Don’t do that!

    Sie sagen mir, dass sie mich nach Kiruna fliegen würden, aber da noch jemand vermisst wird und sie den Hubschrauber tanken müssen bringen sie mich zu einer Fjällstation. Ich bin einfach nur froh, dass ich nicht verhaftet werde und in Sicherheit bin.
    Ich sage, dass ich versichert bin. Ist den beiden herzlich egal, die Rettung kostet so oder so nichts, da das Aufgabe der schwedischen Polizei ist.

    Ein Flug mit dem privaten Heli hätte jedoch 800€ gekostet. Aber ich bin ja eh versichert über den Spot bzw. die GEOS Versicherung.
    Der Flug zur Stora Sjöfallet Fjällstation geht genau über mein erwandertes Gebiet und ich kann mir eine Bewunderung nicht ersparen.

    Der Flug verläuft ohne Probleme, ich versuche den beiden zu versichern, dass ich kein dummer Anfänger bin sondern nur dumme Fehler gemacht und teilweise einfach Pech hatte.

    Ich werde mehrmals ermahnt, mich nie nie nie unter keinen Umständen von dem Platz wo der Spot ausgelöst wurde wegzubewegen. ( Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe bei Libertist. In meinem Fall aber war es einfach nur dumm).
    Und gefälligst mein Müll mitzunehmen.
    Der wurde dann auch mit vorwurfsvollem Blick in den Mülleimer geworfen. Ich bedanke mich artig und da wartet auch schon Olivia auf mich. Olivia arbeitet in dem Stora Sjöfallet Hotel und wurde von der Polizei verständigt, dass ich ein Schlafplatz für die Nacht brauche. Das heißt, dass sich die Polizei wirklich darum bemühte, dass ich in Sicherheit bin, nachdem sie sich vergewisserten, dass ich keine medizinische Hilfe brauche.
    Geändert von Fliehender (15.02.2016 um 01:21 Uhr)

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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #5
    Ich möchte an der Stelle die Sache etwas abkürzen:
    - Der Aufenthalt in dem „Hotel“ konnte nicht besser sein. Abendessen, Frühstück, Bett. Für 500(?) Kronen. Alle sehr! zuvorkommend. Ständig den einzigen Pc benutzen dürfend, wurde ich wie ein wichtiger Gast behandelt.
    - Als erstes gab ich zu Hause Bescheid, dass ich in Sicherheit bin. Wie sich herausstellte wussten dass alle schon bevor ich überhaupt gelandet war. Mehr dazu später.
    - Das Bedürfnis zu kommunizieren war so hoch, dass alles andere plötzlich vergessen war.
    - Zum Abendessen gab es Lachs in Sahnesauce und Kartoffeln. Den Geschmack vergesse ich nie wieder.
    - Ich hatte keinerlei gastrointestinale Probleme mehr, auch die Hüfte meldete sich seitdem nicht mehr.
    - Am nächsten Tag musste ich mich um meine Weiterreise kümmern. Es galt einen Flug zu erwischen.
    - Vorher noch ausgiebig frühstücken..Lachs…Polarbröd…Kaffee…einen vollen Becher!
    - …natürlich klappte das nicht.
    - Ich habe den einen möglichen Bus verpasst.
    - Bei Fluege.de kann man keine Teilstrecke einer Flugverbindung wahrnehmen.
    -Umbuchung geht…wenn man nicht über eine Agency gebucht hat.
    - Ich buchte schnell eine Verbindung nach Stockholm.
    - Den Bus habe ich auch fast verpasst, weil er um die Ecke geparkt hatte.
    - Im Nachtzug habe ich dann, dank des Wifi eines Mitreisenden, einen Flug gebucht.
    - Natürlich funktionierte meine Kreditkarte nicht mehr, weil überzogen durch die Fahrt nach Stockholm. Aber zum Glück waren meine Eltern erreichbar.
    - Ein sonniger Tag in Stockholm, Flug morgens um 4.
    - Nach Helsinki. Weiter nach Paris.
    - Am nächsten Abend in Bordeaux.
    - Konnte 2 Wochen kaum mit meiner Familie reden, weil zu viel Gesellschaft und mit mir beschäftigt.
    - In Frankreich gefuttert wie ein Scheunendrescher.


    Spot: Das war insgesamt wohl ein ziemliches Chaos, weil ein paar Sachen nicht geklappt hatten.
    Das Signal des Notrufes bekamen alle auf meiner Kontaktliste (soweit ich weiß), angerufen wurden nur die Kontaktpersonen.
    Die Kontaktpersonen waren die „Falschen“ und nicht die die ich eingegeben hatte.
    Beide erhielten einen Anruf aus den Staaten, wurden gefragt was ich da mache und ob jemand meine Route hat.
    Danach wurde die Polizei von der Organisation verständigt. Allerdings wurden keine weiteren Nachrichten weitergeleitet, erst auf Nachfrage meines Freundes wurde ihm gesagt, dass ich gefunden wurde und in Sicherheit bin.
    Dieser Freund hatte auch die schwedische Polizei versucht zu erreichen, was aus dem Ausland kaum möglich ist, da die Notrufnummer aus drei Ziffern besteht. Er hat es dann, meines Wissens nach, über die schwedische Bergwacht geschafft.

    Normalerweise ist die Polizei schneller, aber sie kamen frisch aus Kiruna weil dort eine andere Geschichte zu erledigen war. Der zweite Heli war wohl auch unterwegs jemanden zu suchen, weswegen meine Rettung so lange dauerte. Meine Kontaktpersonen versuchten noch einen zweiten Heli zu organisieren, da sie wohl vertröstet wurden aufgrund oben genannter Schwierigkeiten.
    Offenbar wurde bei meinem Fund dann eine Nachricht weitergegeben, und damit eine Entwarnung gegeben.

    Die 3-4 Stunden zwischen Notruf und Entwarnung war für alle zu Hause Beteiligten schwer auszuhalten. Keine Informationen, nur ein Signal irgendwo in der Pampa und das Wissen, dass ich diesen Knopf nur im äußersten Notfall drücken würde. Ich habe nach einer Weile die verschiedenen Personen gefragt, was ihnen durch den Kopf gegangen bzw. wie es ihnen ergangen ist. Meistens reichte ein Blick in ihr Gesicht um zu verstehen, dass man es kaum in Worte fassen kann.

    Auch ich tat mich schwer. Daher kommt der Bericht erst ein halbes Jahr später. Ich habe auch lange gebraucht um mir selber zu verzeihen und bin noch immer dabei, zu verstehen. Zu verstehen, wo die eigene Grenze liegt, zu verstehen, warum ich solche Reisen mache und machen werde. Zu verstehen, woher das Gefühl im Nachtzug nach Hause kommt, dass es gerade eigentlich in die falsche Richtung geht.
    Ich habe aber auch sehr viel gelernt. Gelernt, dass es jemand zu Hause gibt, auf den man sich mehr verlassen kann als man realisiert hat. Gelernt, dass nicht alles möglich ist und jeder Mensch mehr oder weniger geben kann. Gelernt, dass, mich!, zu akzeptieren.

    Fehler passieren, ich habe einige schwerwiegende gemacht. Ich möchte sie gar nicht aufzählen, da darf sich jeder selbst ein Bild machen. Allerdings sollten sie nicht umsonst passieren. Sie sollten, sie dürfen nicht noch einmal passieren.
    Ich war es, der diese Reise gemacht hat. Ich war es, der mich in diese Situation gebracht hat. Ich war es, dessen Grenze aufgezeigt wurde.
    Ich war es, der daraus gelernt hat.

    Danke fürs Lesen!

    Ein paar Bilder noch aus Frankreich:







    Geändert von Fliehender (15.02.2016 um 01:25 Uhr)

  6. Lebt im Forum
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #6
    Zitat Zitat von Fliehender Beitrag anzeigen
    Ich war es, der daraus gelernt hat.
    Und, was hast Du gelernt?

    Dass Du ein (nach meinem Geschmack) "surrealistisches" Planungsverhalten hast, dass Du unbeirrbar auf jeder neuen Tour wieder viel mehr Gepäck mitnimmst, als Du bewältigen kannst, und dass dein Orientierungsvermögen mit deinen Ambitionen nicht mithält, kann niemandem entgehen, der über die Jahre deine Vorbereitungfäden und Tourberichte gelesen hat.

    Sorry, wenn ich das so direkt schreibe, und nicht missverstehen. Ich freue mich sehr, dass dir nichts passiert ist!

    Und ich finde es sehr respektabel, dass Du das alles so offen beschreibst. Es ist aber IMO für deine Art, an Touren heranzugehen, symptomatisch, dass ich beim Lesen deines Textes nur mit Mühen, und auch das nur teilweise, nachvollziehen konnte, wo Du langgegangen bist, und wo Du aufgegabelt wurdest. Falls das stilistische Absicht war, okay, falls nicht, nimm es als Hinweis...
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  7. Erfahren
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #7
    Wird nicht verraten!

    Meinen Weg kann ich gerne genauer beschreiben, sollte aber nichts an der Message ändern die ich versuche zu übermitteln.

    Sourva-Vuosskeljaure-Stuotajaure-Kasajaure-südlich des Ahka-Massives am Niak entlang-Kutjaure-nördlich des Vastenjaure entlang.

    Aufgegabelt wurde ich am Hurrejakkha, den hatte ich noch gefurtet.
    Bzw ungefähr da, wo der Punkt des Reiseberichtes ist.

    Hoffe dass das verständlich ist, ich habe meine Karte nicht zur Hand.

    Abgesehen davon,dass ich sie nicht lesen könnte

  8. Lebt im Forum
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #8
    Zitat Zitat von Fliehender Beitrag anzeigen
    sollte aber nichts an der Message ändern die ich versuche zu übermitteln.
    Dann versuche ich mich mal an einer Zusammenfassung (nach dreimaligem Lesen): Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
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  9. Erfahren

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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #9
    Gut dass du heile wieder da raus gekommen bist.
    Ohne deine vorherigen Themen gelesen zu haben ( die Sarekmaniac erwähnte), habe ich das Gefühl beim lesen bekommen, dass du schlecht oder falsch vorbereitet losgezogen bist und deine eigenen Reserven und Fähigkeiten etwas zu großzügig eingeschätzt hast.
    Mir stellt sich jetzt die Frage, was ich aus deinem Bericht ziehen kann um solche Situationen zu vermeiden...
    Generell aber danke für deine offenen Schilderungen

  10. AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #10
    Zitat Zitat von Fliehender Beitrag anzeigen
    In der Nacht besucht mich eine sehr fette Maus, oder auch Lemming. Ich räume meine Essenssachen in das Zelt und lege Köder für das Viech aus.
    Graurötelmaus (Myodes rufocanus)?

  11. AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #11
    Zitat Zitat von Fliehender Beitrag anzeigen
    Überhaupt mache ich viele Fotos, aber wirklich zufrieden bin ich nicht. Vielleicht ist mein Anspruch zu hoch, vielleicht habe ich kein Auge dafür, vielleicht ist die Landschaft nicht so spektakulär wie gedacht. Klar, ich bin ja auch falsch hier. Verdammter Mist.
    Also ich finde deine Fotos ausgesprochen gelungen. Steckt sicher auch viel Nachbearbeitung drin, oder kommen diese Bilder so aus deiner Kamera?

  12. Fuchs
    Avatar von Benzodiazepin
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #12
    danke für den ehrlichen (zumindest scheint er so) bericht. ich hoffe, ein nächstes mal einen bericht von einer einfacheren, aber befriedigenderen route zu lesen.

    OT: und nimmm nicht alle kritik allzu sehr zu herzen. auch ich hab schon schokolade weggeschmissen
    experience is simply the name we give to our mistakes

    meine reiseberichte

  13. Anfänger im Forum
    Avatar von Tractrice
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    Ein paar Fragen bleiben offen...

    #13
    Danke für deinen Bericht; mir war beim Lesen schnell klar, dass du sehr viel Arbeit da rein gesteckt hast. Drei Anmerkungen:

    1) Geile Fotos; du scheinst dir ja wirklich viel Zeit und Mühen für Fotografie und Nachbearbeitung genommen zu haben. Hut ab!

    2) Wie derNACHTFALKE hab ich auch das Gefühl, dass gegen Ende ein paar Fragen offen bleiben. Du hast geschrieben, die Fehler sollten nicht umsonst passieren. Also, wenn du (ein bisschen) konkrete Erkenntnisse aus der Geschichte gewonnen hast, wären die bestimmt für das ganze Forum interessant. Denn wenn du diese für dich behalten und nicht teilen möchtest, stellt sich mir die Frage nach der Intention der Veröffentlichung auf diese Weise. Oder ich habe die Message, die du versuchst, zu vermitteln noch nicht ganz herausgefunden. Vielleicht können wir uns darüber auch mal in Wien länger unterhalten, bei einem Glas Wein oder zwei.

    3) Hast du schon mal darüber nachgedacht, schriftstellerisch was zu machen? Ich finde deinen Schreibstil großartig. Pointiert humorvoll, zynisch, selbstkritisch und gleichzeitig locker-flockig wurde es immer spannender - das Lesen hat mir (jetzt mal abseits vom Inhalt) wirklich Spaß gemacht.

  14. Fuchs

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    AW: Ein paar Fragen bleiben offen...

    #14
    Zitat Zitat von Tractrice Beitrag anzeigen
    [...]

    3) Hast du schon mal darüber nachgedacht, schriftstellerisch was zu machen? Ich finde deinen Schreibstil großartig. Pointiert humorvoll, zynisch, selbstkritisch und gleichzeitig locker-flockig wurde es immer spannender - das Lesen hat mir (jetzt mal abseits vom Inhalt) wirklich Spaß gemacht.
    So ist es. Sehr gut geschrieben, einer der besten Berichte im Forum.
    bear shit - sounds like bells & smells like pepper

  15. AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #15
    Interessanter Bericht und spannend geschrieben!

  16. Dauerbesucher
    Avatar von Dogmann
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #16
    Zuerst einmal meinen Glückwunsch das du doch so gut aus der Sache rausgekommen bist!Solo ist immer eine andere Nr.!!!Aber auch Hut ab vor dir,du hättest es ja nicht berichten müssen und somit hätte es kaum einer erfahren!Ansonsten kann ich einiges gut nach vollziehen.Falsch gehen kann man dort oben schnell mal!Ich habe mal den Eingang des best.Tals gesucht ,obwohl ich genau wuste das er da sein muss-doch wenn man die Hand vor Augen nicht sieht(Nebel und der gleichen)ahnt man oft nur und aus der Ahnung geht man schnell falsch!Ich bin immer bei jeder Pause übertrieben bemüht fest zustellen wo genau ich gerade bin.Ja und verschätzt hat man sich auch schnell!Ein Grund warum ich immer genügend Reserve Tage einplane.Zum Pack-der ist bei mir auch immer schwerer-aber das hat durch die Hunde und meine wirklich gut sortierte "Erste Hilfe für alle Fälle"seinen Grund und Ursache.Ansonsten kleiner Trost-bin mal am späten Nachmittag nach Lager aufbau,losmaschiert um für den nächsten Tag einen besseren Weg zu finden.Soweit so gut,auf dem Rückweg habe ich mich dann so an einem Fluss gehalten-gutes Vorwärts kommen,immer dahin in Gedanken,prima Gegend,tolles Wetter-sieh an auf einmal war ich doch wirklich an einem Lagerplatz angelangt im Gras konnte man deutlich das ehem.Lager erkennen-Pech nur das es meins war!Ja so kanns kommen.Auserdem habe ich im Sarek schon genügend Leuten gezeigt wo der jetzige Standort war,bzw.welche Richtung sie zu welchem Zweck einschlagen müssen.Sogar einem netten jungen Mann der mir zuvor einfach das von mir fertig gemachte Boot entwendet hatte -ja nur das er mich dann beim Abendessen wieder getroffen hat weil er es so furchbar eilig hatte und absolut zu hoch am Hang war und dann ein falsches Tal erwischt hat.Find Dich!gruss Michael
    Richtig wohl fühle ich mich nur draußen !

  17. Dauerbesucher
    Avatar von Dogmann
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #17
    Zitat Zitat von tjelrik Beitrag anzeigen
    So ist es. Sehr gut geschrieben, einer der besten Berichte im Forum.
    Hier kann ich mich nur anschließen-toller Bericht,Prima Bilder,ehrlich und gut geschrieben!
    Richtig wohl fühle ich mich nur draußen !

  18. Alter Hase
    Avatar von Rhodan76
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #18
    Habe den Bericht zwar nur überflogen, trotzdem: klar hat der Junge ein paar handwerkliche Fehler gemacht (Rucksack zu schwer, Orientierung mangelhaft) - aber das größte Problem dürfte doch die Lebensmittelvergiftung gewesen sein, die er sich eingehandelt hat. Sowas ist zu Hause schon unangenehm, aber auf Tour eine Katastrophe. Da ist man gerne mal für 3 oder 4 Tage (unverschuldet!) schachmatt. Und dagegen kann man wenig machen.

  19. Fuchs
    Avatar von Nita
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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #19
    Fliehender, Deine Schreibstil und Fotos sind wirklich Klasse. Deine Touren erscheinen ungewöhnlich und spannend, u. a. weil nicht immer alles klappt wie geplant. Und trotzdem wünsche ich Dir (und dem Forum ) einen Bericht von Dir, der ein wenig glücklicher/ gelungener was die Tour angeht ist. Vielleicht beim 6. Mal ? ;)

    P.S. Sich zur Spot-Nutzung zu entscheiden - da möchte ich wahrlich nicht an Deiner Stelle sein!

  20. Dauerbesucher

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    AW: Ein "bisschen" krank: 13 Tage Trekking in Schweden

    #20
    Auch ich bin schwer beeindruckt von deinem Reisebericht. Ehrlich, tiefgründig und viel mehr als das alltäglich "und dann diesen Berg hoch und über diesen Fluss und dann hier zelten und dann da wandern", dass man sonst hier liest und dem ich auch öfters verfalle.

    Ich finde auch, dass du schriftstellerisch echt Talent hast, eine spannende Mixtur zwischen Zynik, Metaphern, brutaler Ehrlichkeit und Erheiterung. Gefällt mir sehr gut.

    Zu den Fotos: Leck mich am Ärmel, die sind hier eine absolute ausnahme und auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Auch hier habe ich versucht, mir zu merken welche Perspektiven du nutzt, ich habe das Gefühl da noch weit von entfernt zu sein. Versteh also deine Selbstkritik überhaupt nicht, klar ist man selber immer sein größter Kritiker, aber die sind genial in meinen Augen!

    Zur Krankheit, Reise etc. will ich lieber gar nicht viel schreiben, ich vermute, hier wird es eh Kritik von allerlei Seiten geben. (Finde es dennoch schön, dass du ungeschönt deinen Bericht aufgezogen hast.)

    Ich hätte nur zwei Impulse für dich: 1. Evtl. in Begleitung laufen das nächste Mal? Klar, bei Krankheit hilft dir das auch nicht, verbläst aber trübe gedanken und gibt ein wenig Sicherheit.

    2. Hätte nicht die einfachste Karten-GPS-App auf dem Handy geholfen um dir innerhalb von 5 minuten deinen Fehler in der Wegfindung aufzuzeigen? Locus als 5€ App, dazu gratis karten und einmal angeschaltet hättest du gewusst wo du wärst, hättest dir quälende Tage des "Wo bin ich?" und zahlreiche Spaziergänge auf Berggipfel zur Orientierung erspart.

    Ich hoffe du hast dich von dem Schock gut erholt und sollte es weitere Touren geben, nimmst du hoffentlich einen größeren Erfahrungsschatz mit!

    Grüße
    Daniel

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