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    [FR] Bretagne II_Atlantik _Radtour 2015

    #1
    Mitreisende: rockhopper
    Endlich an die Küste

    Bei der letzten Tour 2014 hatte ich die ursprünglich geplante Route auf Grund von Gelenkproblemen
    geändert. Ich wollte ja schon letztes Jahr zur Côte Granit Rose.
    Mit kurzen Etappen und ohne Zeitdruck plante ich die Route, mit einem Zeitfenster von maximal 4 Wochen. Dieses Mal verlief die Tour fast ohne nennenswerte „Katastrophen“. Die Bahn streikte nicht und es gab keine Umleitungen und Sperrungen der Wege.
    Das Wetter: Fast 28 Tage bestes Radelwetter, kaum Wind und ich hatte viele nette Begegnungen.
    Für den Abschnitt am Atlantik bis Bordeaux bekam ich schon vor der Reise etliche Hinweise, dass
    die Strecke nicht so spannend sei. Trotzdem wollte ich da entlang fahren und mir einen eigenen Eindruck verschaffen. Jetzt weiß ich, dass ich da nicht noch einmal entlang radeln muss. Trotzdem war es interessant durch kilometerlange Feriensiedlungen und an endlos langen Hotel Anlagen vorbei zu kommen. Dazwischen gibt es natürlich einige schöne Dünenwälder, die auch relativ hügelig sind.
    Meine Ängste bezüglich des Abschnitts der Passage du Gois waren völlig überflüssig.
    An diesem Tag war schönstes Sommerwetter, es war gerade Niedrigwasser und hunderte von Menschen und Autos bewegten sich auf und neben der Passage. Letztendlich habe ich in La Rochelle die Tour beendet, da ich keine Lust mehr auf Badetourismus hatte.
    Das letzte Stück bis Bordeaux schien mir auch auf der Karte nicht so spannend.
    Campingplätze gibt es genügend. Der günstigste, ein Municipal mit 4,50 €, der teuerste und lauteste, ich habe die Nacht kaum schlafen können, ein 4 Sterne Platz mit 16,50 €.
    Fazit: Ich möchte am liebsten noch einmal in die Bretagne.


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    Los geht‘s :

    12. Juni
    Es geht mit dem Regionalzug von Stuttgart nach Freudenstadt. Weiter mit einem kleinen Zug, bestehend aus nur 2 Wagen, quer durch den Schwarzwald und durch das schöne Kinzigtal nach Offenburg. Hier muss ich wieder in einen kleineren Zug umsteigen, der direkt nach Strasbourg fährt. Vom Bahnhof ist es nicht weit zu meinem Hotel/Hostel das ich vorgebucht hatte. Ein Bett in einem 4-Bett Zimmer. Für eine Nacht, denke ich, geht das. Das hatte ich früher auch problemlos überstanden. Mit Nachtruhe ist allerdings nichts. Ich habe eh‘ schon Einschlaf Probleme, als um 22:30 h die 3. Frau ins Zimmer kommt. Bis sie endlich das ganze Dusch- Toilettenprogramm absolviert hat, der Sanitärbereich ist im Zimmer intergriert, ist es dann schon Mitternacht. Um 1:30h kommt dann die 4. Frau ins Zimmer.....Aus lauter Sorge zu Verschlafen, stelle ich mein GPS und mein Handy zum Wecken.

    13. Juni
    Um 4:30 h schrecke ich aus dem Halbschlaf hoch, weil es in meinem Bett brummt und klingelt.
    In Panik versuche ich die Geräte auszuschalten um die anderen Mädels nicht zu stören. Das Handy bekomme ich aus, das GPS versetze ich aus Unkenntnis in Schlummer/Wiederholmodus. Während des Packens geht das GPS noch 2 Mal an, bis ich das Gerät richtig ausschalte.
    Zum Ende knallt mir noch vor lauter Aufregung die Türe ins Schloss.
    Ich schleppe meine Packtaschen zur Rezeption, es ist 5:30 h und muss noch mein Fahrrad aus der Tiefgarage holen. Der Mann sagt mir wo sich der Knopf zum öffnen des Tores befindet, um wieder heraus zu kommen. In die Tiefgarage komme ich direkt über das Hotel. Meine größte Sorge ist, dass ich den Knopf nicht finde und überhaupt die Technik versagt, ich eingesperrt bis zur Rettung bleibe und dadurch den Zug verpasse. Die Sorge ist natürlich unbegründet, die Tiefgarage ist Video überwacht und der Mann an der Rezeption verfolgt mein Tun da unten und öffnet mir das Tor. Erleichtert und entspannt radle ich zum Bahnhof. Der TGV fährt pünktlich und ich bin die einzige Radlerin im Abteil. Gegen 12:30 komme ich in Rennes an, löse hier noch ein Ticket für den TER nach Guingamp, mein eigentlicher Startpunkt der Tour. Von hier sind es nur 8 Kilometer zum ersten Campingplatz Milhin Kerhe bei Pabu. Nach Google Maps leicht zu finden, so meine Vorstellung. Dass ich es wieder schaffe, mich zu verfahren, bringen mir gleich zu Anfang einige Zusatzkilometer. Der Cp liegt sehr idyllisch in einem kleinen Flusstal.



    Die bleiummantelte Holzspitze (1612) der Kapelle Saint-Gonéry in Plougrescant neigt sich unter seiner schweren Last.

    14. Juni
    Brrrh....die Nacht ist kalt, ich friere in meinem Kunstfaserschlafsack und schlafe schlecht.
    Heute ist mein Ziel der CP Le Gouffre bei Plougrescant. Von hier aus kann man bequem mit dem Rad zu dem Haus zwischen den Felsen und dem Gouffre, einer Felsspalte, in die das Meer hinein donnert, kommen. Am Nachmittag checke ich auf dem CP Le Gouffre ein und mache mich nachdem das Unna aufgebaut ist auf den Weg ans Meer. Das Rad darf nur bis zum Parkplatz mitgenommen werden.
    Ich bin die einzige Radlerin und schließe mein „Schätzchen“ an einen Pfosten an, in der Hoffnung, dass noch alle Teile da sind bis ich wieder zurück komme. Das Haus zwischen den Felsen ist für mich dann im Original doch nicht so spektakulär wie auf den vielen Fotos, welche im Internet zu sehen sind. Beeindruckender sind die Felsen rund um den Gouffre. Das Meer donnert leider nicht so doll in die Felsspalte, da es bei dieser Windstille total ruhig ist. Ich verfalle in meinen ersten Fotografier-Rausch. Mein Radcomputer gibt den Geist auf, die Batterie ist alle, super!


    Le Gouffre

    15. Juni
    Heute will ich zum Highlight meiner Tour fahren, die Côte Granit Rose.
    Das Wetter ist bestens, sonnig und windstill. An der Rezeption bekomme ich auf Nachfragen, ob es auf dem Platz eine Möglichkeit gibt einen Kaffee zu trinken, 2 gratis Kaffee zu meinen Croissants. Nach Trégastel fahre ich hauptsächlich die D38. Unterwegs kann ich in einem Badeort eine Batterie für den Radcomputer kaufen. Leider bekomme ich die Uhrzeit nicht eingestellt. Nach ein paar Kilometer hängt sich das Teil auf und zeigt nur noch kryptische Zeichen auf den Display. Dann ist plötzlich alles wieder normal zu lesen. Das wiederholt sich noch einige Male. Das hat zur Folge, dass meine gefahrenen Kilometer nicht korrekt angezeigt werden. Das nervt. Nach Buguèlés bewältige ich schiebender Weise meine erste Passage bei Niedrigwasser, etwa 300 m. Ich halte an und gehe in dem Schlicker auf Foto-Entdeckertour.



    Die Küstenstraße ist nicht so spannend zu fahren. In Perros-Guirec kürze ich etwas ab, um nicht auf der stark befahrenen D788 die Landzunge abzuradeln. Die letzten Kilometer bis zum Campingplatz muss ich dann doch bei ziemlichen Verkehr auf der D788 fahren. Ich checke auf dem CP Tourony für 3 Tage ein. Man kommt nur zu Fuss direkt an die Küste. In der Nacht friere ich wieder, trotzdem schlafe ich einigermaßen gut.

    16. Juni, Wandertag
    Das Val Traouiero steht heute auf dem Programm.
    Vom Campingplatz führt ein Wanderweg direkt in das Tal. Leider muss ich wegen eines Erdrutsches am Anfang des Tales auf die Straße ausweichen und kann erst etwa 1 Kilometer später in das Tal hinab steigen. Hier empfängt mich ein verwunschener Wald mit zu Teil riesigen, tonnenschweren Felsen. Auch hier bin ich fast alleine, nur 3 Paare überholen mich.
    Am Ende des Tales führt der Weg wieder zur Straße hoch. Bei brütender Hitze gehe ich die 8 Kilometer auf der Straße zurück zum Campingplatz, mache mich dort etwas frisch und eine kleine Erholungspause. Es ist noch früh am Nachmittag und ich begebe mich auf den Weg den Zöllnerpfad um Ploumanac zu gehen. Ich bin jetzt schon high von den schönen Felsformationen.


    Im Val Traouiero

    Den Rückweg gehe ich unspektakulär auf der D788. Etwas k.o. komme ich wieder am CP an. Zum Einkaufen radeln habe ich keine Lust mehr. Es gibt Reste Essen.

    17. Juni
    Heute will ich die Ile Renote rumrunden. Mit dem Fahrrad radle ich bis zur Touristeninfo und schließe mein Rad dort an. In den Reiseführern steht, dass die Insel in gut 30 Minuten zu Fuss umrundet werden kann. Wahrscheinlich wenn man auf dem Weg bleibt, zügig wandert, sich nebenher unterhält und fast nichts wahrnimmt. Die Insel ist wunderschön. Da Ebbe ist, gehe ich vom Weg ab und tauche in die traumhafte Welt der zum Teil gigantischen Felsformationen ein. Ich befinde mich in einem fast glückseligen Zustand und nehme wie im Rausch unzählige Fotos auf. Ich bin froh und dankbar über das gute Wetter, da bei diesem Licht die Farben der Felsen besonders schön zur Geltung kommen.


    Chateau Costaéres





    Vielleicht wurde der Bildhauer Henry Moore hier inspiriert.

    18. Juni
    Den ganzen Vormittag gibt es Nieselregen. Neben der Rezeption gibt es einen Mini Raum für Gäste mit 3 kleinen Tischchen. Hier lasse ich mich nieder, warte den Regen ab und esse meine vorbestellten Croissants. Die Dame vom Empfang spendiert mir noch eine große Tasse löslichen Kaffee dazu. Das Frühstück ist perfekt.
    Kurz vor 12 Uhr hört der Regen auf und ich packe meine Sachen um weiter zu ziehen.


    So packt sie‘s

    Heute soll die Route über Lannion gehen. Zum Glück hatte ich mir noch vor der Reise für dieses Gebiet noch eine Wanderkarte gekauft, die Lannion mit einschließt. Bei einem Maßstab von 1:25 000 sind die Möglichkeiten sich zu verfahren doch sehr eingeschränkt. Ich suche mir eine Strecke über Pleumeur-Bodou aus. Nach diesem Ort radle ich auf etwa 8 Kilometer durch ein Naturschutzgebiet in dem Radfahrer erlaubt sind.



    Dann muss ich die vielbefahrenen D65 queren und arbeite mich im Zickzack Kurs über Kerbalanec und Servel Richtung Lannion durch. In Lannion nervt mich der viele Autoverkehr und ich fahre sofort nach der Brücke über den Léguer, erstmal unten rechts am Fluss entlang, nur um den Autos zu entkommen. Nach etwa 7 Kilometer geht es ziemlich steil den Berg hoch um nach Ploulec‘h zu kommen.
    Ich muss wieder mal schieben. Bei bestem Wetter erreiche ich den Municipal in Loquemeau.
    Die Nacht ist wieder kalt. Ich höre das Meer rauschen bevor ich einschlafe.

    19. Juni
    Es geht heute weiter, mehr oder weniger an der Küste entlang.



    Unterwegs komme ich an einer Crèperie vorbei und gönne mir hier eine Mittagspause. Ich bestelle mir einen Galette mit Gorgonzola, Kräuter und Nüssen und eine bretonische Cola.
    Die Galette schmeckt so köstlich, dass ich mir am liebsten eine Weitere bestellt hätte. Satt und selig radle ich weiter.



    Im Internet hatte ich an dieser Straße ein Buchcafé, Librairie Caplan & Co, entdeckt. Das will ich mir ansehen. Als ich davor stehe, hat es wegen Renovierung zu. Ich muss wieder schieben, die Steigung hier hat vielleicht 18% . Bald erreiche ich den Ort Christ, mit gleichnamiger Bar, die ebenfalls zu hat.



    Über Plougasnou und Térenez komme ich am Cp beim Cairn de Bearnenez an.

    Geändert von rockhopper (13.09.2015 um 13:01 Uhr) Grund: Tour Berichte zusammengeführt

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    AW: [FR] Bretagne II_Atlantik _Radtour 2015

    #2
    Danke dir für einen wunderbaren Erinnerungsschub...

    "Fazit: Ich möchte am liebsten noch einmal in die Bretagne." - Logisch, immer wieder!

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    Avatar von rockhopper
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    AW: [FR] Bretagne II_Atlantik _Radtour 2015

    #3
    20. Juni
    Nachts friere ich wieder.
    Heute Morgen scheint die Sonne wieder und ich trockne meine Sachen in der Sonne.
    Es geht heute über Morlaix, wo ich mir den Viadukt ansehen will, nach Huelgoat.




    Im Sog der Torbögen mache ich unzählige Fotos.

    In Morlaix beginnt auch ein Voie Verte (stillgelegte Bahntrasse) der über die Monts Arrée nach Carhaix Plouguer führt. Auf der Karte sieht alles flach aus ))). Den Einstieg zum Voie Verte erreiche ich schiebender Weise, da die Straße super steil aus Morlaix heraus führt.





    Unterwegs hole ich eine radelnde Bretonin ein, wir fahren eine Weile nebeneinander her und unterhalten uns. Bei einem stillgelegten Bahnhof, nach etwa 30 Kilometer, verabschieden wir uns und sie fährt nach Morlaix zurück.


    Zeitloser Bahnhof

    Zum Glück habe ich zuhause recherchiert an welcher Stelle ich den Radweg verlassen muss, um auf die Straße nach Huelgoat zu kommen. Es gibt an dieser Stelle des Voie Verte keinen Hinweis Richtung Huelgoat, auch keinen deutlichen Abzweig. Nur einen kleinen Trampelpfad. Ich wußte nur, dass nach etwa 58 Kilometer sich der Voie bis auf die Nähe von 20 m der Straße in einer Kurve nähert. Zum Glück habe ich diese Stelle nicht verpasst. Nach ein paar KIlometer erreiche ich den CP Rivière d‘Argent der etwa 3 Kilometer vor Huelgoat sehr schön im Wald liegt.
    Auf dem Platz, es ist ja noch Vorsaison, wird heftig gebaut und „gebastelt“.
    Zum ersten Mal friere ich nachts nicht.

    21. Juni, Wandertag
    Ich frühstücke am CP und bekomme noch ein Stück selbst gebackenen bretonischen Kuchen geschenkt, lecker! Dann lasse ich mir noch ein paar Informationen geben und mache mich auf den Weg die Gegend um Huelgoat zu erkunden. Zuerst muss ich eine ganze Weile an der Straße gehen, bis die eine Hinweistafel zu einer Sehenswürdigkeit auftaucht. Le Gouffre steht auf einer kleinen Holztafel mit dem Hinweis, dass man beim Abstieg zum Gouffre aufpassen muss. Unten empfängt mich eine tosende Felsspalte. Das Gewässer setzt sich in einem kleinen idyllischen Bach fort.


    Le Gouffre

    Ich gehe wieder zur Straße hoch um zum nächsten Parkplatz zu kommen, an dem eine Hinweistafel mit den einzelnen Wanderwegen zu den jeweiligen Felsen und Sehenswürdigkeiten steht. Nacheinander bestaune ich den „Wackelfelsen“ und den Champignon, zwei tonnenschwere riesige Felsen, und weitere schöne Felsformationen. Die Artusgrotte finde ich nicht so spannend.





    Auf dem Rückweg steige ich noch einmal zu dem Gouffre hinunter und gehe etwa 2 Kilometer unten an dem Fluss entlang Richtung Campingplatz zurück.


    Rivière d‘Argent

    Hier kaufe ich mir zu einem stolzen Preis von 4,60 € aus Interesse eine kleine Flasche bretonisches Schwarzbier von einer lokalen Brauerei in La Fueillée.



    22. Juni
    Die Nacht ist wieder kalt, mich friert es, ich drehe mich immer wieder im Schlafsack um etwas Wärme zu bekommen. Ich bin nicht ausgeruht, das Wetter ist bedeckt und es sieht nach Regen aus. Es geht heute weiter über La Feuillée auf der schön zu radelnden, hügeligen und sehr ruhigen D42.


    Haus mit Charme.

    Einsame D42

    Am späten Nachmittag komme ich in Le Faou an. Ich steuere den örtlichen Municipal an, dessen Zufahrt etwas versteckt hinter der Kirche liegt.
    Die Rezeption ist geschlossen, der Platz total leer. Ich suche mir hinter einer Hecke, etwas Wind und Sicht geschützt einen Platz um das Unna aufzubauen. Im Sanitärgebäude finde ich eine geschlossene Dusche, immerhin gibt es an den äußeren Waschbecken Wasser und die Behindertentoilette ist auch offen. Ich koche mir noch eine Suppe und verkrieche mich ins Zelt. Dann höre ich ein Auto herankommen, das hinter dem Unna anhält. Es ist der Platzbetreuer der Stadt. Wir wechseln ein paar Worte, bezahlen kann ich morgen, da macht er die Rezeption auf, dann tuckert er wieder mit seinem Mini-Fahrzeug davon.

    23. Juni
    Das Wetter ist sonnig!
    Ich mache mich etwas frisch und räume meine Sachen im Zelt zusammen, als ich wieder das Auto hinter meinem Zelt anhalten höre. Der Platzwart ist doch tatsächlich extra zu mir her gefahren um mir einen guten Morgen zu wünschen und zu fragen, ob ich gut geschlafen hätte.
    Außerdem wollte er mir wieder die Dusche aufschließen, aber ich hatte ja schon alles erledigt. Ein freundlicher Mensch. Als ich an der Rezeption stolze 7€ für die Nacht bezahle, sehe ich außerhalb des Platzes noch 3 weitere Wohnmobile stehen, die auch bezahlen müssen, obwohl sie gar nicht auf dem Platz stehen. Dann besorge ich mir noch 2 Croissants beim Bäcker und frühstücke ausgiebig in der Bar Donegal.


    Le Faou
    Geändert von rockhopper (10.08.2015 um 11:40 Uhr)

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    AW: [FR] Bretagne II_Atlantik _Radtour 2015

    #4
    da freue ich mich, dass es mit deinem Bericht weiter geht. In der Bretagne bin ich vor Tausenden von Jahren auch herumgeradelt und auch mit dem Auto mehrmals gewesen. Deine Fotos und der Bericht wecken feine Erinnerungen.
    Schreib ruhig rasch weiter.
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    I took the one less traveled by,
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    AW: [FR] Bretagne II_Atlantik _Radtour 2015

    #5
    Heute will ich auf die Halbinsel Crozon.
    An der Rezeption wird mir dringend davon abgeraten die stark mit LKW‘s frequentierte D 791 zu benutzen. Ich suche mir auf der Karte eine Alternative über die D47 nach Rosnoen, weiter zur Pont de Térénez. Diesen architektonischen Leckerbissen will ich mir nicht entgehen lassen, eine Schrägseilbrücke über die Trichtermündung des Fluss Aulne. Die Brücke wurde 2011 fertig gestellt und ist die erste Schrägseilbrücke Frankreichs mit einer in einer Kurve verlaufenden Straße. Länge 515 m.


    Die Pont de Térénez


    Nach der Brücke verlasse ich den Rad- und Fussgängerweg auf der D791 und arbeite mich auf einem Waldweg der links der Brücke abgeht, schiebender Weise, den Berg hoch. Mein Ziel ist erstmal Argol.
    Eigentlich sind es nur 8 Kilometer, da ich mich wieder verfahre, kommen noch einige Kilometer dazu. Außerdem halte ich bei der Orientierung die Karte falsch herum und ich biege statt nach rechts nach links ab. Ich radle auf der D60 etliche Kilometer hin und her und kann mich einfach nicht orientieren. Meine Laune ist auf dem Nullpunkt als mir endlich eine Rennradlerin begegnet, die ich mit wedelnden Armen anhalte und aus dem Tritt bringe. Ziemlich gestresst frage ich sie nach dem Weg. Nach Argol 5 Minuten mit dem Rad, sagt sie mir, zeigt nach rechts und düst davon. In Argol gönne ich mir eine Erholungspause in einer Crèperie am Platz und trinke eine Cola, lasse mir noch von zwei älteren Damen Komplimente zu meiner Tour geben und weiter geht‘s auf der D60.



    Die Hügelfahrerei zehrt an meinen Kräften und ich beschließe die 13 Kilometer nach Crozon auf der D791 geschwind abzuradeln. Dass die D791 auch ziemliche Steigungen hat war mir nicht so klar. So quäle ich mich bei Hitze und ziemlichem Verkehr. Bei Tal ar Groas entdecke ich einen Voie Verte auf dem dem ich 5 entspannte Kilometer fahren kann. Mir begegnet noch eine Frau auf dem Rad, wir kommen ins Gespräch und sie erzählt mir, dass sie auf diesem Voie Verte vor kurzem eine sich sonnende Viper gesehen hätte. Ich solle aufpassen. Na ja, mir begegnet keine Schlange.



    Am frühen Abend komme ich endlich auf dem Municipal in Camaret-sur-Mer an und suche mir ein Plätzchen auf der Zeltwiese unter einer Kiefergruppe. Etwas weiter weg sehe ich ein großes "schwarzes" Tunnelzelt von HB mit einem Radlerpaar.

    24. Juni
    Das Wetter ist immer noch sonnig. Ich wasche meine Wäsche, radle zum Hafen und frühstücke in einer Boulangerie. Der Tour Vauban wird gerade renoviert und ist nicht zu besichtigen, dafür mache ich wieder eine Menge Fotos von den malerisch da liegenden alten Booten am "Schiffsfriedhof".



    Wieder zurück am CP mache ich mich zu Fuß auf den Weg die Alignements (Steinreihen) von Lagatjar anzusehen.
    In unmittelbarer Nähe der Alignements stehen die Überreste des Herrenhauses des französischen Dichters Saint-Pol-Roux. 1944 wurde es von den Allierten zerbombt und zerstört. Zuvor wurde es von Soldaten geplündert und ein Teil seiner Manuskripte zerrissen. Die Hausdienerin wurde getötet und seine Tochter wurde schwer verletzt. Ein Schock von dem er sich nicht wieder erholte. Er verstarb 1940 in Brest. Mich schauderts als ich das lese.



    Ein paar Schritte weiter habe ich einen wunderbaren Ausblick auf das Meer.



    Dann gehe noch zu den Verteidigungsanlagen Batteries de Kerbonn und sehe mir das Gelände der Bunker und Geschützanlagen des 2. Weltkrieges an. Mich beschleicht ein eigenartiges Gefühl an diesem Ort und ich kehre wieder zum Campingplatz zurück.



    Nach einer Erholungspause fahre ich mit dem Rad zum Pointe de Pen Hir. Hier empfängt mich ein riesiger Parkplatz. Ich muss etwas suchen, bis ich eine Stelle finde, wo ich mein Rad anschließen kann. Für Fahrräder gibt es keine Parkmöglichkeit. Nach etwa 500m komme ich an den Aussichtspunkt, der gut mit Menschen vollsteht. Ich mische mich unter das Volk und schaue auch andächtig zu den Tas de pois, den 3 Erbsen, hinüber und an den Klippen hinunter. Das Meer ist bügelglatt und plätschert sanft gegen die Felsen. Lange halte ich mich hier nicht auf und gehe wieder zu meinem Rad zurück.



    Mittlerweile haben sich noch weitere Fahrräder dazu gesellt. Die Rückfahrt zum CP gestaltet sich in Form eines kleinen Wettrennens zwischen zwei Pedelecs mit älteren Herrschaften, die bald überholt sind und einem jungen Paar auf 3-Gang Rädern die versuchen vor mir zu bleiben. Ich muss ordentlich in die Pedale treten um dran zu bleiben... Ich fahre mit Helm, da sieht man nicht, dass ich auch schon ein älteres Semester bin...

    25. Juni
    Ich schlafe nicht wirklich gut, da ich aus dem Halbschlaf aufschrecke weil ein Hubschrauber derart nieder über den Platz fliegt, dass man meinen könnte, er will hier landen. Das Zusammenpacken dauert heute ewig. Zum Frühstücken radle ich wieder zum Hafen hinunter in die Boulangerie. Endlich raffe ich mich auf weiter zu ziehen. Da sehe ich wie sich die Straße steil den Berg hochwindet und steige erst garnicht auf das Rad, sondern arbeite mich schiebender Weise den Berg hoch. Mein Ziel ist heute Chateaulin am Canal de Nantes à Brest. Die vielbefahrenen D887 und D791 will ich vermeiden und radle über die D55 nach Le Fret, Lanveoc und weiter bis la Maison Blanche. Hier biege ich auf eine ruhige kleine Straße ab auf der ich alleine fahre, bis auf ein Postauto. Ich genieße die Stille. Nach etwa 10 Kilometer muss ich abbiegen und die D791 queren. Dazu geht es wieder ordentlich den Berg hoch. In Argol mache ich wieder einen Stopp in der Crèperie um einen Crèpe zu essen. Die Madame freut sich, dass ich noch einmal bei ihr vorbei komme. Bis Chateaulin zieht sich die D60 in ordentlichem Auf und Ab. Hier empfängt mich wieder ein Autoverkehr, dass ich gleich weiter zum Campingplatz Rodaven radle, der sehr schön direkt am Canal liegt.


    Linkes Bild: D60, rechtes Bild: Der Canal bei Chateaulin

    26. Juni
    Zum ersten Mal seit gut 2 Wochen friere ich nachts nicht.
    Heute geht es weiter am Canal de Nantes à Brest entlang. Das Stück von Chateaulin bis zu Lac Guerledan kenne ich noch nicht. Nach etwa 65 Kilometer gehe ich in der Nähe von Landeleau auf den CP Le Moulin Vert der zu einem Chateau mit riesigem Anwesen gehört. Davor sehe ich auf der Straße eine „Fliege“ hüpfen, merkwürdig. Ich halte an. Es ist eine kleine Kröte der ich dann über die Straße helfe. Überhaupt begegnen mir allerlei Viechereien auf meiner Tour. Leider auch einige Tote, ein Fuchs, Kaninchen, Igel, das krasseste war der Kopf eines Reh‘s mit einem Stück Hals. Ein anderes Mal trage ich einen Salamander, der auf dem heißen Asphalt die Straße überqueren will, auf die andere Seite. Auf dem Campingplatz kann ich mich bestens versorgen. Zum Abendessen gibt es lokale Pâté mit Brot und einen Cidre. Zum Glück öffne ich die Flasche vor meinem Zelt. Der Korken macht sich mit einem lauten Knall davon und der Cidre schießt in einer Fontaine aus der Flasche, dass schon mal ein Drittel der Köstlichkeit „getrunken“ ist.



    27. Juni
    Die Nacht ist wieder kalt, es regnet und ich schlafe schlecht. Am Morgen kann ich in dem riesigen Raum in dem sich auch die Rezeption befindet frühstücken. Ich bekomme die Information, dass der Lac Guerledan seit April ,wegen Sanierung der Staumauer, ohne Wasser ist. Das sei eine riesen Spektakel und das solle ich mir nicht entgehen lassen. Die Bauzeit soll über 35 Jahre dauern. Ich bekomme noch einen Prospekt dazu. Um 12 Uhr bin ich endlich fertig und radle weiter.



    Unterwegs kommt mir eine Wandergruppe mit mindestens 70 Leuten entgegen, und ich sage etwa 50 Mal Bonjour. Heute ist viel los am Canal. Dann begenet mir eine Frau mit ihrem Esel auf Wanderung. Als der Esel mich wahrnimmt, bleibt er stehen und rührt sich nicht mehr vom Fleck. Ich muss auf Ansage der Frau weiter fahren, sonst würde „er“ nicht weiter gehen. Beim vorbei schieben wechseln wir noch ein paar Worte miteinander. Ich bin schon 20m weiter gegangen, da höre ich die Frau immer noch ihren Esel mit einem energischen allez! anfeuern.



    Bei schönstem Wetter und ziemlicher Hitze komme ich in Gouarec an. Ich flüchte mich gleich in die erste Lokalität die mir hier begegnet und trinke eine eiskalte Cola. Anschließend radle ich zum Campingplatz, der direkt am Canal liegt und checke dort ein. Viel ist hier nicht los. Auf der weitläufigen Wiese hat noch ein Radler aus England sein Zelt aufgestellt. Die Campingplatzkatze besucht mich und spielt mit den Abspannleinen des Unna, bis sie sich mit dem Kopf in den Schnüren verheddert und leicht in Panik gerät. Natürlich befreie ich sie sofort.



    28. Juni
    Die Nacht verläuft ruhig. Beim Packen höre ich irgend etwas das scheppert und ich sehe nach, was das sein könnte. Der CP-Betreiber hat die volle Mülltonne an sein Auto gebunden und fährt sie wahrscheinlich zum Müllabladeplatz.
    Zum Frühstücken radle ich in den Ort und bekomme in einer Boulangerie Kaffee und Croissants.


    Gouarec

    Dann radle ich weiter über die Abtei Bon Repos, wo heute irgend ein Fest stattfindet und die „Hölle“ los ist. Lange halte ich mich hier nicht auf und biege auf die D158 ab. Es wird wieder hügelig. Auf meinem Flyer, den ich auf dem Campingplatz bekommen habe, sind die erlaubten Zugangstraßen zu dem "See" gekennzeichnet. Nach einigen Kilometern sehe ich ein Schild am Straßenrand: Crèpes & Galettes, erst Mal sehe ich nichts. Doch dann taucht plötzlich nach einer Kurve die „Oase“ auf und ich lege beinahe eine Vollbremsung hin, um nicht daran vorbei zu fahren.



    Mich wundert es nicht, dass kein Auto anhält. Bis man die Haltebucht entdeckt hat, ist man schon vorbei gerauscht. Ich bestelle mir einen Crèpe und einen Cidre, Während ich warte, sehe ich diese kleine Findel-Katze, die von einem der Söhne der Familie, welche die Rulotte-Crèperie betreibt, groß gezogen wird und die Ersatzmutter ist. Gut gestärkt radle ich weiter und komme an einen Abzweig in Form einer schmalen Einbahnstraße die Richtung See führt. Es geht auch relativ steil bergauf und ich bin auf dem kleinsten Kettenblatt unterwegs. Ich denke noch, hoffentlich kommt kein Auto.....dann höre ich plötzlich hinter mir etwas „surren“ Ich halte an um mich umzudrehen, , ein großer Reisebus, der die ganze Straße ausfüllt, zuckelt hinter mir her. Um den Bus vorbei zu lassen, lege ich mein Rad an die steile Böschung und mich fast dazu. Der Reisebus zirkelt so knapp an mir vorbei, dass ich garnicht hinsehen möchte. Als ich dann endlich auch „oben“ bin, geht es natürlich den Berg wieder zum See hinunter. Dann empfangen mich riesige Parkplätze, jede Menge Autos und Menschen und eine schnell gebaute Location um die Besucher zu versorgen und zu bespaßen. Ich schiebe mein Gefährt durch das Gewimmel und binde es, als nur noch striktes Wandern erlaubt ist, an ein Holzgeländer. Den ausgewiesenen Fahrrad Parkplatz kann ich nicht entdecken. Ich bin gespannt, wie der Stausee jetzt ohne Wasser aussieht.


    Lac Guerledan 2014


    Zum Glück war ich hier letztes Jahr unterwegs und konnte den See noch sehen. Über St. Aignan radle ich noch ein Stück am Canal de Nantes à Brest bis Pontivy, um hier auf dem Municipal die Nacht zu verbringen. Beim Einchecken bekomme ich einen Platz in der prallen Sonne zugewiesen, und reklamiere, dass ich gerne einen Schattenplatz hätte. Habe heute sowieso schon zu viel Sonne ab bekommen. Den Platz bekomme ich nicht, da der von mir ausgesuchte Schattenplatz Strom hat und für Wohnmobile frei gehalten wird. Mit dem Handtuch auf dem Kopf baue ich das Unna auf und bin stinksauer. Anschließend mache ich noch einen Abendspaziergang in der Altstadt. Das Chateau Rohan ist in der Abendsonne besonders schön. Dann entdecke ich in einem Fachwerk die Madonna im Käfig.



    Erst als die Sonne hinter den Bäumen verschwindet kann ich mich ins Zelt legen. Der Schattenplatz war natürlich nicht belegt worden.

    29. Juni
    Trotz der lauten Straße schlafe ich gut, packe relativ früh meine Sachen zusammen und mache mich auf die Suche eine Bäckerei und eine Bar zu finden. Gar nicht so einfach in Pontivy. Nachdem ich einfach nichts passendes finde, nehme ich mein Frühstück in einem Backshop ein. Der Kaffee und das süße Teilchen schmecken dementsprechend. Dann geht es weiter am Ufer des Blavet nach Hennebont, etwa 65 Kilometer. Hier hatte ich mich letztes Jahr verfahren, weil die Richtung nicht eindeutig ausgeschildert ist. Am Blavet bin ich so gut wie alleine unterwegs.
    Ich genieße die Stille, lasse mich auf einer kleinen Bank nieder und sehe zu der Kapelle hinüber, die merkwürdig in eine Felswand gebaut ist.
    Dann höre ich plötzlich einen lauten Platsch, da will ich doch wissen, was das eben war und stehe auf um besser auf das Wasser sehen zu können. Ich habe noch nie ein schwimmendes Reh gesehen , schnell hole ich den Fotoapparat und erwische das Reh noch wie es aus dem Wasser kommt, den Weg quert und im Wald verschwindet.


    Schleuse 10


    Gegen 17 Uhr komme ich in Hennebont auf dem CP an. Die Rezeption hat noch zu, ich muss noch 30 Minuten warten. Der Municipal liegt direkt am Blavet. Nach dem Einchecken baue ich das Unna auf Platz 32 auf mit Blick über den Fluss auf die Ville Close. Gegen später bekomme ich Nachbarn, ein älteres Ehepaar aus Rennes mit einem alten VW LT, umgebaut zum Wohnmobil. Wegen der Hitze lege ich hier noch einen Pausentag ein. Zum ersten Mal kommt mein modifiziertes Tarp als Sonnensegel zum Einsatz. Die Idee das Tarp am Fahrrad zu befestigen hat sich wegen der Windboen nicht bewährt. Nachdem mir das Rad 3 Mal umgefallen ist, befestige ich das Tarp am liegenden Rad.



    30. Juni Pausentag wegen der Hitze

    1. Juli
    Heute gibt es nur eine kurze Etappe mit dem Rad, den größten Teil lege ich von Hennbont nach Savenay mit dem Zug zurück. Ich hatte mir ja geschworen nie wieder mit einem IC zu fahren. Nachdem mir aber die Dame am Fahrkartenschalter versichert, dass die neuen Intercities alle ein
    Abteil für Fahrräder haben, komme ich in den Genuß einer entspannten Zugfahrt. Mit mir im Abteil ist noch ein Neuseeländer auf Europatour. Nach gut 2 Stunden steige ich in Savenay aus und besorge mir noch ein Ticket für den TER nach Coueron. Hier gibt es eine kostenlose Fähre über die Loire nach Le Pellerin. Am Fähranleger treffe ich ein Paar aus Grenoble. Bis die Fähre anlegt unterhalten wir uns sehr nett. Die Frau, vielleicht ist sie Lehrerin, bringt mir in der Zwischenzeit die korrekte Aussprache des Wortes ennuyeux, langweilig bei.
    Auf der Fähre gibt es für Fussgänger, Radfahrer und Reiter eine schmale extra Spur. Ich bin froh, dass keine Pferde übersetzen wollen.



    Die Überfahrt dauert nur einige Minuten. Wir radeln noch gemeinsam zum örtlichen Supermarkt um uns mit Lebensmittel zu versorgen. Auf dem nächsten CP bei Migron gibt es nichts zu kaufen. Der Platz ist kaum belegt als wir ankommen und unsere Zelte aufbauen.

    2. Juli
    Gegen 4:30 Uhr werde ich durch Gewittergrollen wach, das sich zu einem heftigen lokalen Gewitter entwickelt. Ich überlege noch, ob es für mich ein sichereres Gefühl ist, in das Sanitärgebäude zu flüchten. Dann schlägt in relativer Nähe ein Blitz ein, dass ich mich vor Schreck wie eine Kugelassel zusammen rolle. Während sich mein Herzschlag wieder beruhigt, zieht das Gewitter, so schnell wie es gekommen war, wieder weiter. Ich vermute der Blitz ist in die Loire eingeschlagen, die direkt hinter der Hecke des Campingplatzes fließt.
    Beim Packen am frühen Morgen treffe ich das Radelpaar aus Grenoble in einem extra für Radler aufgestellten Zelt wieder. Beim Frühstücken und Sachen trocknen. Sie erzählen mir, dass ihr neues Hubba Hubba Nx, welches sie mir gestern Abend stolz vorführten, den Gewitterregen nicht so toll überstanden hat. Es war nicht wirklich dicht. Ich finde das Radler-Zelt super und schleppe meinen ganzen Kram auch in die „Schutzhütte“ um im trockenen mein Hab und Gut zu packen. Draußen ist noch alles nass von dem Gewitterregen.


    Die Loire bei Migron


    Die Franzosen sind schon längst weg, bis ich endlich losfahre. Sie wollen über die Brücke nach St. Nazaire. Ich lasse es gemütlich rollen, bis ich in Paimboef eine Boulangerie finde um die weltbesten Croissants zu kaufen. Dann steuere ich eine Bar an in der wohl nur Männer vom Hafen einkehren. Ich werde zur Kenntnis genommen, bekomme freundlich meinen Crème und kann in Ruhe mein Frühstück genießen.


    Fassaden Gestaltung bei Paimboef

    Nach wenigen Kilometer erblicke ich die Brücke von St. Nazaire, des Radler‘s Albtraum.


    Brückenkonstruktionen


    Ich radle ab jetzt auf der Radroute Vélodyssée, die ganz gut ausgeschildert ist. In St.Brevin-les-Pins werde ich schön abseits, durch Ferienwohnungs-Siedlungen geführt. In St.-Michel-Chef-Chef erweckt eine Kirche meine Aufmerksamkeit und das dahinter sich befindende Gebäude. Es ist der Hauptsitz der Firma St. Michel. Hier werden die super leckeren Galettes (Kekse) herstellt die man überall in Frankreich in jedem Supermarkt finden kann. Wenn ich schon mal hier bin, kaufe ich eine Packung Galettes und eine Packung göttlichen „Schokokuchens“ den ich sofort in der Bar daneben zu einem Cafe Crème in Angriff nehme.



    So gestärkt radle ich weiter bis zum CP Le Collets bei Les Moustiers-en-Retz. Der Platz ist mit 4 Sternen ausgezeichnet und verlangt einem astronomischen Preis für eine Nacht. Ich komme beim Zeltaufbau mit meinen Zeltnachbarinnen, zwei Studentinnen aus Trier, ins Gespräch. Sie wollen morgen auch über die Passage du Gois radeln.

    3.Juli
    Als ich nach einer ruhigen Nacht morgens aus dem Zelt krieche, sind die Mädels schon am Packen und ich denke noch, bei dem vielen Gerödel das da rumliegt, brauchen die ewig, bis sie loskommen. Als ich vom Duschen zurück komme sind sie schon ab gefahren. Jetzt habe ich etwas Stress, weil ich mich im Zeitplan verkalkuliert habe. Ich muss ja wegen der Passage du Gois in einem bestimmten Zeitfenster dort sein und habe gut 35 Kilometer bei Hitze zu fahren. Also beeile ich mich, trinke in der Bar einen Espresso und verschlinge schnell ein Croissant. Beim Bezahlen handle ich bei der Madame noch auf die Frage bezüglich eines Radlerrabatts, den es hier nicht gibt, eigentlich, von 16 € auf 10 € herunter. Jetzt muss ich wirklich Gas geben und düse auf dem großen Kettenblatt los, verfahre mich komplett, bis ich die Richtung habe, verinnt die Zeit. Ich vermute, dass ich die Passage du Gois nicht mehr zur richtigen Zeit erreiche, gebe frustriert auf und radle etwas entspannter weiter. Dann verfahre ich mich wieder, weil ich zu früh abbiege. Nach 1 Kilometer kommen mir doch Zweifel, eigentlich müsste das Meer in Fahrtrichtung rechts von mit liegen.. Ich drehe um und radle wieder alles zurück. Zum Glück komme ich an einer Werkstatt vorbei und kann dort fragen.


    Verfahren

    Etwas geschafft erreiche ich den Anfang der Passage und bin leicht überrascht. Hier geht alles ganz entspannt zu. Der Damm ist fast trocken befahrbar. Die Autos nerven und überhaupt sind hier jede Menge Leute unterwegs die im Schlicker nach Krebsen (?) suchen. Ich bin fast etwas entäuscht, und meine Angst die ich vorher hatte, war völlig überflüssig. Die 4,5 KIlometer sind schnell erledigt und es geht bei brütender Hitze, teilweise über eine staubige Sandpiste, weiter auf der Ile Noirmoutier zu der Autobrücke die mich wieder auf das Festland bringt.


    Die Passage du Gois bei Niedrigwasser und bestem Wetter


    Auf der Brücke zeigt mein Radcomputer 36° Grad in praller Sonne an. Die Hitze zehrt an meinen Kräften und ich checke auf dem CP, La Parée Chalons, in Notre-Dame-de-Monts ein. Mir reicht es für heute. Ich bin froh einen schattigen Platz zu bekommen und habe etwas Mühe das Unna vernünftig abzuspannen, da die Häringe so garnicht im Sand halten wollen. Zum Einkaufen muss ich etwa 2 Kilometer in den Ort fahren. Auf dem Rückweg bringe ich es tatsächlich wieder zustande mich zu verfahren.

    4.Juli
    Nach einer ruhigen Nacht, packe ich zusammen und radle zum Frühstücken ins Zentrum.
    ...und weiter an der Küste entlang...



    Heute ist wieder ein Tag mit Temperaturen um die 30°. Wirklich spannend ist dieser Abschnitt nicht. Links von mir endlose Touristen Hotels und Ferienwohnung- Anlagen, rechts von mir ist meistens das Meer in Sicht. St. Hilaire-de-Riez ist etwas stressig, wegen der vielen Autos und Urlauber. In Bretignolles-sur-Mer gönne ich mir eine Kaffeepause. Vor Les Sables d‘Olonne komme ich auf etwa 10 Kilometer durch einen schönen und hügeligen Dünenwald. Ich genieße die Stille und die Einsamkeit.


    Hunde Hitze__Der Vélodyssée Radweg in den Dünen

    Irgendwo vor Les Sables d‘Olonne

    Als ich in Les Sables d'Olonne an der Strandpromenade ankomme, werde ich mit einem Schlag in eine andere Welt versetzt. Das muss ich erst verkraften und stehe einige Minuten einfach auf dem Gehweg, um das Ganze, einem Mix aus Animationsmusik, jede Menge Badetouristen und Touristen zu Fuss und mit dem Fahrrad und Autos, auf mich wirken zu lassen. Zur Touristen Information schiebe ich, aus Sorge, dass irgend ein "Dödel" in mich rein fährt. Ich habe erfahren dürfen, dass Rad fahrende Urlauber auf einem Radweg keinerlei Bewusstsein für Verkehrsregeln haben.


    Etliche Kilometer Strand_Blick hinter die Kulisse

    Die Tourist-Info muss ich nicht lange suchen, sie befindet sich in der Nähe der Strand Promenade. Dort werde ich mit einer Karte versorgt und der Adresse des Campingplatzes Le Petit Paris, etwa 10 Kilometer nach Les Sables d‘Olonne. Ich melde mich in der Rezeption an und bekomme im letzten Eck, neben eines abgestellten, vergammelten Wohnwagens, einen Platz. Wenigsten ruhig, denke ich.

    5. Juli
    Leider bleibt die Nacht schlaflos, da hinter der Hecke junge Leute sich ewig lange laut unterhalten. Um 1 Uhr wird es ruhig...ich freue mich schon auf etwas Schlaf, da geht um 3 Uhr das Geplapper und Geschepper wieder los, als die Gruppe wieder von ihrem Nacht Ausflug zurück kommt. Ziemlich genervt packe ich am Morgen zusammen, trinke in der Bar am Empfang 2 Crème um wach zu werden und esse meine Croissants dazu. Die Küste ist schön zu fahren und das Wetter wieder super.



    Ich komme heute bis La Tranche-sur-Mer und checke auf dem Municipal Le Vieux Moulin ein, der sehr schön terassiert im Pinienwald liegt. Es gibt hier mal wieder einen Radlerrabatt und ich bezahle 10€ für die Nacht, das für einen CP in der Nähe zum Meer, günstig ist.



    Nach dem Aufbauen des Zeltes schaue ich mir den Ort an, esse dort eine Kleinigkeit, gehe kurz ans Meer um ein Foto zu machen und flüchte wieder zurück zu meinem Zelt. Die Hauptstraße, auch Fussgängerzone ist derart voll mit Touristen, dass ich Mühe habe, mit dem Rad durch zu kommen, schiebender Weise.



    6.Juli
    Die Nacht verläuft ruhig. Dann geht es gepackt mit dem Rad ins Zentrum, das um diese Uhrzeit noch wie ausgestorben ist. Zum Glück hat ein Hotel geöffnet und ich kann dort in der Bar frühstücken. Heute will ich La Rochelle zu erreichen. Das Wetter ist wieder bestens. Ich folge weiter der Ausschilderung des Velodyssée und hätte mir viele Kilometer in praller Hitze sparen können, wenn ich mal auf die Karte geschaut hätte. Statt dessen fahre ich einen weiten Bogen um nach St. Michel l‘Herm zu gelangen. Ab L‘Aiguillon-sur-Mer komme ich durch das Marais Poitevin. Hier überfällt mich eine Armada von tausenden Mini-Fliegen, etwa 1,5-2mm lang und so dünn, dass ich sie ohne Brille kaum erkennen kann. Mit gesenktem Kopf und Flachatmung radle ich durch das Marais bis ich in St. Michel l‘Herm ankomme.


    St. Michel l'Herm

    Marais Poitevin

    Hier mache wegen der Hitze eine Cola Pause und befreie mich und mein Gepäck von den Mücken. Dann führt der Vélodyssée Radweg etwas abenteuerlich über einen kleinen Damm, auf dem Schafe weiden, weiter. Eigentlich ist dieser Dammweg als Wanderweg (GR8) bezeichnet. Ich muss durch ein Tor schieben, an dem der Hinweis hängt, Rücksicht auf die Schafe zu nehmen. Nach einigen Kilometer kommt wieder ein Tor, durch das ich schieben muss und erreiche nach ein paar Meter die D9. Hier entscheide ich mich die Vèlodyssée zu verlassen und etwas abzukürzen und Straße zu fahren. Die D9 ist stark befahren, vor allem mit LKWs und ich bin froh in Charron auf die ruhige D105E1 nach Esnandes abzubiegen. In der Hitze radle ich weiter über St. Xandre und komme wieder auf die D9 die mich Richtung La Rochelle bringt. Als ich ein Radwegeschild nach La Rochelle sehe, freue ich mich auf eine entspannte Weiterfahrt. Leider sehe ich nach kurzer Zeit keine Schilder mehr und verfahre mich. Mit Fragen arbeite ich mich zum Alten Hafen von La Rochelle durch.



    Von hier ist es nicht mehr weit zum Municipal Le Bon Soleil. Wegen der Hitze habe ich Probleme die Häringe in den steinharten Boden zu bekommen.


    CP Le Bon Soleil__Am Alten Hafen

    7. Juli
    Heute muss ich mich um die Rückreise kümmern. Ich bekomme schon sms wann ich wieder zuhause bin Ich bin jetzt 26 Tage unterwegs. In La Rochelle liegt der Bahnhof zentrumsnah und es ist heute meine erste Aktion die Zugfahrt zu organisieren. Als ich den Bahnhof wieder verlasse, habe ich 2 Fahrkarten, die Erste bis Angoulème, die Zweite für den TGV bis Strasbourg. Mein Zug fährt erst am Nachmittag. Die 4 Stunden bis zur Abfahrt verbringe ich mit einer Stadtbesichtigung und dem Besuch eines Salon de Thé.



    Hier sehe ich zum ersten Mal ein Éclair mit Heidelbeerfüllung und muss das natürlich probieren. Köstlich! Am frühen Abend komme ich in Angoulème an und muss ziemlich unangenehme 10 Kilometer auf stark frequentierten Straßen mit 4 Kreisverkehren bis zum Campingplatz hinter mich bringen. Den CP finde ich nur Dank eines zuvor am Bahnhof gekauften Stadtplans. Beim Anmelden erkundige ich mich nach einer alternativen Strecke. Und tatsächlich gibt es diese, nur muss man das wissen. Der Campingplatz ist kaum belegt und ich verbringe eine ruhige Nacht.

    8.Juli
    Auf dem CP gibt es so früh morgens noch keine Frühstücksmöglichkeit, deshalb fahre ich gleich nach dem gepackt ist los. Ich bin froh um die schöne alternative Strecke direkt an der Charente. Nach 7 Kilometer muss ich die Fluss Seite wechseln und befinde mich in einem Vorort von Angoulème.



    Hier entdecke ich diese "Schräg-Gastro", ein Laden in dem es Lebensmittel, Zeitschriften, Glücksspiele und eine Bar gibt.



    Dass der Betreiber ein kreativer Mensch ist offenbart sich mir in diesem Etablissement. Hier kommen wohl auch kaum Touristen vorbei. Ich kann hier meine Croissants essen und bekomme einen großen Crème, der erst dann nach Kaffee schmeckt, als ich mir noch einen Espresso dazu gieße. Am besten gefällt mir der rosa Kaffee Pott und die Tennisbälle an den Tischbeinen um den Fussboden zu schonen. Die Stadt ist ziemlich hügelig und so bin ich nur am Schieben. Bis zur Abfahrt meines Zuges habe ich genügend Zeit und so arbeite ich mich zum historischen Zentrum, das ganz oben auf dem Berg liegt, hinauf. Belohnt werde ich hier mit einer wunderschönen romanischen Kirche.



    Dank des Stadtplans kann ich mich zum Bahnhof durch finden. Nach etwa 6 Stunden Zugfahrt bin ich wieder in Strasbourg. Ich fahre gleich mit dem kleinen grenzüberschreitenden Zug weiter nach Kehl um hier auf den Campingplatz zu gehen. Ein super geführter Platz, der um diese Zeit sehr gut belegt ist.


    Heidelbeer Èclair___Im TGV

    9.Juli
    Heute geht es nach dem Frühstück auf dem Campingplatz mit dem BW-Ticket wieder über den Schwarzwald nach Stuttgart zurück.
    In Offenburg schaffe ich es in den falschen Zug einzusteigen. Zum Glück komme ich mit einem Radler im Abteil ins Gespräch, der mir erzählt, dass er nach Konstanz an den Bodensee fährt. Gerade entgegen gesetzt. Wieder zum Glück, muss ich einfach nur Aussteigen und 15 Minuten auf den nachfolgenden Zug warten, der dann meiner ist, nämlich nach Freudenstadt. Hier wird noch einmal umgestiegen und erreiche nach etwa 40 Minuten den Stuttgarter Hauptbahnhof. Ich bin wieder zuhause, und es empfängt mich eine ähnliche Hitze wie in der Bretagne und am Atlantik.
    Geändert von rockhopper (19.02.2016 um 17:28 Uhr)

  6. Anfänger im Forum
    Avatar von LadyofPedelec
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    AW: [FR] Bretagne II_Atlantik _Radtour 2015

    #6
    Hallo Rockhopper, ich bewundere die tollen Bilder und Deine Begeisterung für Frankreich. Weiter so.....
    LadyofPedelec

  7. Dauerbesucher
    Avatar von rockhopper
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    AW: [FR] Bretagne II_Atlantik _Radtour 2015

    #7
    Ich habe die beiden Berichte Bretagne Teil I und Teil II zu Einem zusammengeführt.
    Es liest sich doch besser.

  8. Fuchs
    Avatar von Ultraheavy
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    AW: [FR] Bretagne II_Atlantik _Radtour 2015

    #8
    Ein schöner Bericht und ganz tolle Bilder!

  9. Dauerbesucher
    Avatar von Blahake
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    AW: [FR] Bretagne II_Atlantik _Radtour 2015

    #9
    Wow! So ein schöner Bericht und eine wundervolle Tour!! Der Fahrradhelm ist wirklich ein toller Verjüngungstrick, ich werde damit locker zehn Jahre jünger geschätzt und musste gerade schmunzeln, als ich das bei Dir auch gelesen habe

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