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    [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #1
    Mitreisende: GandalftheGrey
    Reisezeit: Juli 2015
    Teilnehmer: GandalftheGrey


    Dieses Mal hat es glücklicherweise nicht wieder mehrere Jahre gedauert, bis ich Zeit für eine ausgedehnte Wanderung hatte, sondern konnte mir das noch fehlende Teilstück des Nordkalottledens zwischen Vaisaluokta und Kvikkjokk schon gleich im folgenden Jahr vornehmen, welches gleichzeitig das 20ste Jubiläum meines ersten Lappland-Besuchs im Jahr 1995 ist.

    Geplant hatte ich eigentlich, von Vaisaluokta aus bis Hemavan zu gehen, um meinen Urlaub voll auszukosten und um die 2011 angestrebte Route zu gehen. Bedingt durch die Berichte über viel Schnee und schwierige Wegverhältnisse im Norden hab ich mich seelisch und moralisch aber schon mal darauf vorbereitet, dass die Tour unter Umständen nicht ganz nach Plan verlaufen könnte, wenn noch zu viel Schnee liegt oder der eine oder andere Fluß noch unpassierbar ist.

    Die Anreise verlief bis auf einen ausgefallenen EC zwischen Hamburg und Kopenhagen ruhig und ohne große Verspätungen, so dass ich pünktlich am 05.07.2015 das Boot über den Akkajaure erreicht habe.

    1. Tag, 05.07.2015

    Am Boot wurde mir mitgeteilt, dass die Sommerbrücke zwischen Vaisaluokta und Kutjaure immer noch nicht montiert ist und dass es wegen dem vielen Schnee dort oben besser ist, dort nicht zu wandern. Den Schnee konnte ich schon von der anderen Seeseite aus sehen, daher bin ich dem Rat mal vorsichtshalber gefolgt, bevor ich mich da durchquäle und am Ende am Allakjågåsj umkehren muss. Ich ging nämlich davon aus, dass man hier nicht furten kann, warum sonst sollte da eine Brücke sein...


    Blick über den Akkajaure zum geplanten Startpunkt

    Ich bin dann also mit dem Boot nach Änonjálmme gefahren und hab der Dinge geharrt, die im Tiefland auf mich warten.

    Gewartet haben vorwiegend Modder und Wasser, aus denen der Padjelantaleden hier zum Großteil zu bestehen schien - trotz Bohlen.



    Stellenweise war der Matsch fast knöchelhoch, so dass mir alle Wanderer mit niedrigem Schaft echt leid getan haben, weil sie ständig nach alternativen Trittmöglichkeiten suchen mussten, was insbesondere in Gestrüpp-Passagen nicht sehr leicht gewesen sein dürfte. Zwischendurch gab aber auch immer mal wieder trockene Passagen, auf denen man zügig voran kam.

    Innerhalb kürzester Zeit sah ich mehrere Lemminge, von denen aber leider keiner lange genug stillgehalten hat, um ihn fotografieren zu können. Da waren die ersten Rentiere am Wegesrand schon kooperativer, aber nach der Masse an Tieren letztes Jahr hab ich diesmal nicht bei jedem Ren die Kamera gezückt.

    Nach ca. 8 km kam ich an einem Rastplatz an, den ich spontan zu meinem Tagesziel erklärte... zumindest für eine Weile.
    Leider kreuzten am Abend 14 Finnen auf, die sich hier ebenfalls niedergelassen haben. Und da sie wegen ihres bevorstehenden Tourendes in Feierlaune waren, war der Geräuschpegel nicht unbedingt leise. Ich hab daher um 22:00 meinen Krempel gepackt und bin zwei Hügel weiter, wo ich dann meine Ruhe hatte und friedlich schlafen konnte. Die haben mir zwar angeboten, ab jetzt leise zu sein, aber ich hab genug Feiern mitgekriegt, um die Halbwertszeit dieser Ruhe abschätzten zu können.

    Am neuen Zeltplatz ist mir dann sogar tatsächlich ein Moskito begegnet, der erste und einzige an diesem Tag.
    Geändert von GandalftheGrey (31.07.2015 um 07:24 Uhr) Grund: geotag repariert

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #2
    Schön - freue mich auf mehr 😀

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #3
    Kommt sofort!

    2. Tag, 06.07.2015

    Nach einer nur 5 °C kalten Nacht zog ich am nächsten Morgen bei bedecktem Himmel los Richtung Kisurisstugan. Der Weg wurde zunehmend besser in Sachen Modder, daher ging das Laufen recht gut. Moskitos gab es immer noch quasi keine, obwohl ich mich noch in den waldigen Bereichen herumtrieb.

    Je weiter ich nach Süden und damit in höhere Lagen kam, desto stärker mehrten sich dann die Anzeichen, dass der Winter doch noch nicht so lange vorbei war. Die Schneereste am Wegesrand wurden häufiger, die beiden Flüsse vor der Kisursstugan führten ziemlich viel Wasser, und der Wald sah stellenweise noch so aus:



    Ich war zwar noch recht weit unten im Tal, aber es lag zunehmend mehr Schnee in der Landschaft.



    Im Bereich der Vuojatstugan führt der Weg auf Bohlen durch ein kleines Sumpfgebiet. Wegen der Schneeschmelze war der Wasserstand dort aber so hoch, dass die Bohlen stellenweise fast 10 cm unter Wasser standen. Dank meiner hohen Stiefel musste ich mich darum aber nicht kümmern, sondern konnte mich darauf konzentrieren, auf den glitschigen Planken nicht auszurutschen beziehungsweise Ausrutscher möglichst elegant abzufangen. In dieser Disziplin sollte ich in den nächsten Wochen noch viel Übung erhalten...

    Nach einer Weile kam dann auch das erste Schneefeld, das über dem Weg lag.



    Falls sich jemand über die Schlangenlinien wundert: das sind Spuren von Motocross-Maschinen, die von den Sami für die bevorstehende Rentierkälbermarkierung in Position gebracht wurden.

    Zu der kühlen Witterung gesellte sich am späten Vormittag noch ein eiskalter, ziemlich heftiger Wind, der aus östlicher Richtung wehte. Der Weg verlief zu der Zeit entlang der Kante einer kleinen Anhöhe, so dass ich stellenweise aufpassen musste, dass ich nicht über die Böschung hinunter geweht werde. Starke Seitenwinde beim Laufen sind an sich schon nichts Tolles, aber mit einem dicken Rucksack auf dem Rücken bietet man gleich noch mehr Angriffsfläche.

    Gegen Mittag erreichte ich die Brücken über den Vuojatädno, wo der NKL auf den Padjelantaleden stößt. Damit war ich jetzt wieder offiziell auf dem richtigen Wanderweg und konnte meinen Plan, den NKL dieses Jahr abzuschließen, fortsetzen.

    Nach der Mittagspause, bei der ich einen kleinen Umweg laufen musste, um an Wasser zu kommen, weil noch mehrere Meter dicke, steil abfallende Schneereste das Flussufer säumten, begann ich den nun folgenden Anstieg entlang des Loadásj.
    Ab hier nahmen die zu querenden Schneefelder massiv zu und auch der Blick auf den Vastenjaure hatte noch etwas Winterliches...


    noch ordentlich Eis auf dem See...

    Am Scheitelpunkt angekommen war vom Frühlings-Charakter, der in den Tieflagen herrschte, nichts mehr übrig.



    Die Schneefelder hier oben waren bisweilen etwas schwierig zu überqueren, weil sich zahlreiche Flüsse und Rinnsale darunter verbargen und daher die Gefahr, einzubrechen, entsprechend hoch war. Zwar waren hier schon viele Leute unterwegs und es gab daher gut ausgetretene Pfade durch die Felder, aber gerade das sorgte manchmal dafür, dass der Schnee unter den Füßen noch dünner war als ohnehin schon.

    Gegen 15 Uhr erreichte ich den Vierttjågåsj, wo ich dann mein Zelt aufschlug. An genau dieser Stelle haben wir bei unserer Padjelanta-Tour im August 2008 unsere vorletzte Nacht verbracht, daher fand ich die Idee, hier die zweite Nacht meiner Tour zu verbringen, ganz witzig, auch wenn es eigentlich noch etwas früh für den Feierabend war. Ein Blick auf die Karte hat mein schlechtes Gewissen dann aber beruhigt, denn die heutige Etappe brauchte sich nicht verstecken.

    Und Sorgen, dass ich am nächsten Tag Probleme bekommen würde, den Fluss zu queren, brauchte ich auch nicht haben, denn der sah so aus:



    Ich hab dann bei starkem Wind mein Zelt aufgestellt (ich hatte wie auch im Vorjahr meine Zweimann-Festung dabei) und durfte beim Essen einer kleinen Rentierherde zusehen.
    Da es wegen dem Wind draußen lausig kalt war, bin ich dann doch recht früh im Zelt verschwunden.

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #4
    Sag mal, was für Stiefel hast du?
    War der Untergrund für das Zelt einigermaßen trocken?

    Ich vermisse Schweden, obwohl ich erst im März zuletzt da war.

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #5
    Ich hab (noch) ein Paar Lundhags Professional.

    Bisweilen war es nicht unbedingt einfach, einen geeigneten Zeltplatz zu finden, weil viele ebenen Stellen klatschnass waren, dazu dann mehr im Laufe des Berichts. Aber gerade in den Hochlagen, wo die Vegetation nur noch kriecht, findet man eigentlich immer was halbwegs geeigenetes, vor allem um diese Jahreszeit, wenn es ringsum noch genug Trinkwasser gibt.
    Und mit meiner NeoAir All-Season kann ich auch einiges an Unebenheiten und Steinchen ausgleichen, so dass meine Zeltplätze nicht perfekt sein müssen.

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #6
    Das ist ja super,
    Du kannst doch gerade erst zurück gekommen sein und schon der Bericht? Habe Deine bisherigen Nordkalottledenberichte sehr gern gelsen und freue mich auf das Finale :-)

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #7
    Freut mich, dass meine Berichte geschätzt werden!

    Ich schreib die gerne kurz nach der Tour, weil dann die Eindrücke noch frisch sind.

    3. Tag, 07.07.2015

    Wieder war die Nacht recht kühl. Nachdem ich inmitten einer Hitzewelle nach Norden gefahren bin, war das Wetter hier oben erst mal gewöhnungsbedürftig, obwohl ich eigentlich eher ein Freund von geringen Temperaturen bin.

    Da die Sonne aber schon vor 06:00 Uhr begann, auf mein Zelt zu brennen und ich wegen dem Wind die Apsiden zu hatte, trieb mich die Hitze im Zelt heute schon recht früh zum Aufbruch.
    Låddejåkkå hatte ich recht bald hinter mir gelassen und begann nun den Aufstieg zur zweithöchsten Erhebung des Padjelantaledens.
    Unterwegs traf ich unten im Tal auf niedliches Getier:


    Hermelin mit Beute


    Und nach einem Aufstieg, der zügiger ging als befürchtet, traf mich oben fast der Schlag:




    der berühmte Padjelanta-Monolith





    Der Weg oben auf der Höhe bestand zu mehr als 80% aus Schnee. Glücklicherweise war er gut zu gehen und durch die Spuren war die Orientierung trotz zahlreicher eingeschneiter Wegmarkierungen recht einfach.
    Da der Schnee hier oben auch noch recht fest war (nicht zuletzt dank der 10 °C Lufttemperatur und bewölktem Himmel), kam ich gut voran.

    Der Abstieg zum Mielädno verlief überwiegend problemlos, nur einmal bin ich einem Schneefeld zu weit gefolgt und musste dann kurz den Weg suchen. Hier traf ich einen deutschen Solo-Wanderer, der in Gegenrichtung lief und der mir sagte, dass es bei Tuottar genauso aussieht.
    Damit konnte ich mir hier schon ausmalen, dass es auf dem NKL zwischen Staddajåkkå und Tarrekaise ähnlich oder vielleicht sogar noch schlimmer aussehen wird, da der Weg dort stellenweise noch höher liegt.

    Nach einer Pause am Mielädno ging es dann schneeärmer weiter, vorbei an Arasluokta Richtung Staloluokta.


    Blick Richtung Virihaure

    Auf der letzten Anhöhe für diesen Tag gab es dann noch ein kleines, aber feines Schneefeld zu meistern:


    die Steilheit des Schneefelds kommt zwar nicht besonders gut rüber, aber ich hab die Kamera komplett waagrerecht gehalten...

    Hier musste ich die Stiefelkappen richtig in den Schnee rammen, um genug Auftrittsfläche zu schaffen, damit ich hoch kam. Dabei haben mir die Trekkingstöcke gute Dienste geleistet, da ich mich nach hinten/unten abstützen konnte.

    Kurz vor Staloluokta kam ich an einem weiteren Zeltplatz von 2008 vorbei, den ich aber diesmal wortwörtlich links liegen gelassen habe, da es mir einfach noch zu früh zum Feierabend machen war und ich außerdem mich mal in Stalo nach der aktuellen Schneelage auf dem NKL erkundigen wollte.


    Blick auf den Virihaure kurz vor Staloluokta

    Ich bin daher noch bis zur Hütte weiter, wo ich mich für die Nacht einquartiert habe (was im Nachhinein wegen einsetzendem Regen gar nicht mal so verkehrt war). Hier traf ich eine Deutsche aus meiner Heimat, die eine zweimonatige Tour nordwärts begonnen hatte und die von Kvikkjokk bis Stalo in Gesellschaft zweier Japaner unterwegs war. Von ihr erfuhr ich, dass der Hüttenwart der Vaimokstugan vor wenigen Tagen beim Versuch, seine Hütte mit Schneeschuhen zu erreichen, gescheitert ist und sich deshalb mit dem Helikopter zur Hütte bringen lassen musste. Gepaart mit den Infos des Hüttenwarts von Stalo, dass zwischen Staddajåkkå und Pieskehaure ebenfalls zu viel Schnee liegt, wurde mir klar, dass ich hier jetzt eine grundsätzliche Entscheidung bezüglich meiner weiteren Wegführung treffen musste. Das hat mir dann schon etwas auf die Laune gedrückt und auch Sauna, Sami-Brot und Fotos von Bärenspuren, die die Japaner bei Kvikkjokk gefunden haben, konnten nicht viel verbessern.

    Einerseits wollte ich den NKL dieses Jahr unbedingt zu Ende bringen, andererseits sollte die Tour aber auch Spaß machen. Sich tagelang durch Schnee quälen (und eine Quälerei war zu erwarten, wenn jemand auf Schneeschuhen nicht durchkam) und sich unter Umständen auch noch in Gefahr begeben, wenn ich die Belastungsfähigkeit von weichem Schnee nicht richtig einschätzen kann, wollte ich dann doch nicht.

    Ich hab mich dann letzten Endes doch lieber dafür entschieden, erst einmal den Padjelantaleden bis Kvikkjokk zu gehen und dort dann, je nach Wetter und neuen Infos, entweder weiter nach Hemavan zu gehen oder umzudrehen und über den NKL zurück nach Ritsem zu marschieren. Auf diese Weise hatte ich noch etwas Zeit, um zu erfahren, ob ich mein eigentliches Reiseziel, den Abschluss des NKL, dieses Jahr erreichen konnte oder nicht.
    Geändert von GandalftheGrey (29.03.2016 um 19:04 Uhr) Grund: irgendwas findet man immer

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #8
    Na, das bleibt ja immer noch spannend, ob's überhaupt das Nordkalottledenfinale wird oder ob Dir der Schnee einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, ich werd's neugierig weiter verfolgen. Macht Freude, Deine Schneebilder von den selben Orten mit meinen von 2012 bei absolut sommerlichen Bedingungen zu vergleichen.

  9. Fuchs
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #9
    Schöner Bericht, der optisch perfekt einer Winter - Tour gleicht - Respekt.
    Bin gespannt, wie es weiter geht und ob du es vervollständigt hast.
    Geändert von evernorth (25.07.2015 um 16:45 Uhr) Grund: Wort getillt
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #10
    Winterlich war es bisweilen wirklich. Manchmal war ich schon am Überlegen, ob ich als Touren-Hymne nicht lieber "Leise rieselt der Schnee.." nehmen sollte statt "I'm gonna be (500 miles)"... aber der Schnee lag ja nur und fiel nicht von oben, von dem her hab ich´s gelassen. Außerdem kommt Song mittendrin wechseln komisch.

    4. Tag, 08.07.2015

    Trotz eines japanischen Säge-Orchesters in der Nacht konnte ich einigermaßen gut schlafen, bin aber wegen Hoffnung auf neue Infos zur Schneelage am NKL erst recht spät los.

    Nach nicht allzu langer Zeit stand ich an der Abzweigung nach Staddajåkkå, wo ich erst einmal kurz innehielt und für einen kurzen Moment überlegte, ob ich nicht vielleicht doch in diese Richtung ziehen sollte. Da aber meine Bedenken von gestern immer noch gültig waren und ich außerdem Tuottar im Hüttenbuch von Stalo angegeben hatte, hab ich dann doch den Padjelantaleden beibehalten.

    Dieser bedankte sich für meine Wahl promt mit einer Reihe fieser Schneefelder entlang des Gieddávrre. Bretthart, quer zum Hang, kaum Fußspuren vorheriger Wanderer, schön schräg, und endeten mit dem unteren Ende meist direkt im See.
    Ein falscher Tritt hätte ein sehr erfrischendes Bad bedeutet...

    Nach einer Stunde war ich aber dann unversehrt am See vorbei und befand mich nun erst einmal in einer sumpfigen Niederung mit vielen Modderstellen und kleinen Bächen. Hier musste ich feststellen, dass mein rechter Stiefel irgendwie undicht zu sein schien, denn mein rechter Fuß fühlte sich deutlich feuchter an als mein linker. Da ich letztes Jahr an diesem Stiefel auf Tour einen kleinen Riss im Gummi kleben und vor der diesjährigen Tour eine aufgegangene Naht bei einem Schuster reparieren lassen musste, hatte ich kein gutes Gefühl. Naja, was auch immer es war, es würde bis zum Abend warten müssen...

    Da ich bald wieder aus der Niederung heraus war und damit auch weniger Wasser zu erwarten war, konzentrierte ich mich wieder auf die Landschaft, die bereits wieder damit begann, sich in Weiß zu hüllen.



    Am Vormittag setzte dann ein recht kalter und kräftiger Wind ein, der gepaart mit den ohnehin nicht besonders hohen Temperaturen die Kulisse angemessen untermalte. Allerdings sorgte er auch dafür, dass ich meine Mittagspause im Windschatten eines Felsbrockens verbringen musste...

    Als Aufheiterung kamen allerdings etwas ausgefallenere Anblicke wie dieser hier:


    eingeschneiter Wasserfall

    Gegen 14:00 Uhr kam die Tuottarstugorna in Sicht. Der Padjelantaleden quert hier, von Süden kommend, erst den Auslauf des Tsiekkimjávrre und dann den Auslauf des Duottarjávrre.
    Bei der Tour im Jahr 2008, bei der ich halbhohe Lowas im Stil der Renegades trug, war die Überquerung des Auslaufs des Tsiekkimjávrre die einzige Querung, an der ich aufpassen musste, dass ich mir keine nassen Füße hole.

    Diesmal sah es hier so aus:



    Zwei Meter Schnee an beiden Ufern und das Wasser so tief, dass ich auch mit meinen Lundhags keine Chance hätte, trockenen Fußes rüber zu kommen...

    Glücklicherweise gab es nur 50 Meter entfernt ein Stelle, die weitaus geeigneter war.


    Zwar etwas tiefer als die eigentliche Furt, aber immerhin wenig Strömung

    Also fix die Lundhags runter, Neoprensocken und Crocs rauf, die Hose vorsichtshalber bis knapp über´s Knie hochgekrempelt, und nichts wie rein ins Vergnügen...


    ... das Vergnügen war wirklich eiskalt und ging mir fast bis zur Oberschenkelmitte.


    Ganz große Klasse! Zwar war die Furt mangels Strömung nicht schwer und meine Füße dank Neopren schön warm, aber dafür war jetzt ein großer Teil meiner Hosenbeine nass, und das bei der Witterung und dem kalten Wind.
    Naja, rumjammern hilft nix und die Reservehose auspacken ist grade auch noch Quatsch, weil ja noch eine zweite Furt ansteht.

    Unterwegs zu Selbiger konnte ich dann noch ein paar schöne Blicke auf den See werfen:





    Kein Wunder, dass das Wasser so kalt war...

    Kurz vor der zweiten Furt hab ich es dann tatsächlich noch geschafft, einen Lemming zu finden, der Lust hatte, sich fotografieren zu lassen:



    Bisher zeigten die kleinen Biester beim Anblick einer Kamera die gleiche Reaktion wie ein Politiker im Freudenhaus - husch und weg... aber dieser hier hat sich tatsächlich mal ablichten lassen.

    Die zweite Furt bedurfte ebenfalls der Furtausrüstung, war aber bei Weitem nicht so tief wie die erste.



    Beim Erklimmen des Schneefelds auf der gegenüberliegenden Seite (in Crocs wohlgemerkt) kam mir dann der Gedanke, dass ich das kleine Problem "nasse Hose" und das große Problem "undichter Stiefel" hier mit einer Hüttenübernachtung gemeinsam in den Griff kriegen könnte.

    Ich hab mich also in einer der Hütten einquartiert und meinen Krempel erst mal im Trockenraum untergebracht.

    Der Hüttenwart hat mir dann noch gesagt, dass die tiefe Furt seit ein paar Tagen die sicherste Möglichkeit ist, da rüberzukommen. Bisher konnte man noch über den See laufen, aber mittlerweile ist das Eis so dünn, dass er jedem davon abrät, es zu versuchen. Ich war zwar der Meinung, dass blaue Stellen im Eis und reichlich Risse jeden vernünftigen Menschen auch ohne Tipps von außen von einem derartigen Vorhaben abhalten, aber scheinbar bin ich da zu optimistisch...

    Ein paar Stunden nach meiner Ankunft in Tuottar hab ich mir die Stiefel dann mal angesehen und dabei festgestellt, dass die Klebestelle von letztem Jahr undicht geworden ist. Ok, kann passieren... Freesole hab ich mit, dann mach ich das halt nochmal. Ich hab diesmal sowohl von außen als auch von innen geklebt, was dann auch den Rest der Tour astrein dicht gehalten hat.

    Mehr geärgert hab ich mich dann aber über gleich zwei! weitere offene Stellen an Nähten im Zungenbereich. Die waren zwar an Stellen, die bei geschnürtem Stiefel von den Falten der Zunge abgedichtet werden, aber bei einem Paar Stiefel, das 400 Euro aufwärts kostet, erwarte ich schlichtweg, dass er nicht schon nach vier Jahren und 1.500 km beginnt, auseinander zu fallen. Auch wenn ich das Konzept der Lundhags im Fjäll für die einzig vernünftige Lösung halte, was mir bisher jede einzelne meiner Touren bestätigt hat, so ist mein Paar entweder ein Montagsmodell oder die Qualität der Marke ist allgemein in den Keller gerutscht...
    Geändert von GandalftheGrey (26.07.2015 um 20:56 Uhr)

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #11
    Wow, wirklich faszinierend, die Gegend des Padjelanta so verschneit zu sehen. Ich war im August 2012 da. Das Furten, nach Tuottar, von Staloluokta kommend, war damals eher etwas zum Schmunzeln.

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #12
    Ja, der Unterschied zu einer Sommertour war schon gravierend... wobei ich ehrlich gesagt die Frühlingstour schöner fand. Ich empfand die Landschaft dieses Jahr als wilder und rauer, so dass auch ein so leichter Weg wie der Padjelantaleden ein Gefühl von Abenteuer vermittelt hat.


    So, weiter geht die Reise, diesmal gleich zwei Etappen...


    5. Tag, 09.07.2015

    Jalousien vor den Fenstern sind schon was Tolles, wenn es nachts nicht dunkel wird, ich hab tatsächlich mal durchgeschlafen. Leider muss man sie aber irgendwann wieder öffnen...

    Regen... wie schön! Den hatte ich bisher auf der Tour noch nicht und es kann ja nicht angehen, dass man seine Regensachen dabei hat, ohne sie bestimmungsgemäß zu gebrauchen...

    Glücklicherweise war er nicht besonders stark, so dass zumindest die Regenhose im Rucksack bleiben konnte.

    Ich entschuldige mich hier gleich mal im Voraus für die Qualität der kommenden Bilder. Der Schnee hat mich bei den Belichtungs- und Helligkeitseinstellungen auch bei an sich gutem Licht geärgert, aber durch das Wetter wurden die Bilder an diesem Tag extrem dunkel. Selbst nachbearbeiten hat nicht viel gebracht...

    Ich bin dann also mit frisch geklebten Stiefeln etwas später als sonst los marschiert in der Hoffnung, dass der Regen die Schneefelder nicht zu arg aufweicht.

    Nicht lange nach dem Start kam dann auch gleich die erste Stelle, an der ich testen konnte, ob die Stiefel jetzt dicht sind:


    Ein Bach im Schneefeld, da sinkt jeder ein... ein Bach im Schneefeld, muss das wirklich sein?

    Das Bächlein, das tatsächlich im Schneefeld floss und nicht durch, war zwar nicht breit, aber der Schnee links und rechts davon war total aufgeweicht, so dass man einen viel größeren Schritt machen musste als eigentlich absehbar, um da nicht einzusinken. Ich hab mich dann stabhochspringermäßig auf den Trekkingstöcken drübergeschwungen, um weit genug weg zu landen...

    Weiter ging es über zahlreiche Schneefelder durch eine fast weiße Landschaft.



    Gut einen Kilometer vor der höchsten Stelle des Nordkalottleden stand dann eine weitere Furt an. Auch hier war mit den Lundhags kein trockenes Durchkommen, wenn auch nur knapp, so dass ich zum dritten mal auf dieser Tour die Furtausrüstung gebraucht habe.

    Nach ein paar Stunden hörte der Regen dann wieder auf und statt dessen begann eine Nebel-/Wolkenfront, mich von Norden her zu verfolgen.

    Das Wetter änderte sich dann aber schlagartig, als ich mich den Tarraluoppalstugorna näherte. Es wurde etwas wärmer, ab und an spitzte die Sonne raus und die Wolkendecke wurde lichter.

    An den Hütten sicherte ich mir erst einmal die letzten beiden Brote samt Rezept und machte eine kleine Pause, bevor ich meinen Weg fortsetzte. Hier unten im Tal waren zwar Moskitos vorhanden, aber nicht in einer Geschwanderstärke, die mich zu Gegenmaßnahmen verleitet hätte.
    Mehr Probleme hatte ich (und zahlreiche andere Leute) eher mit den Flüssen, die sich zwischen Tarraluoppal und Såmmarlappa den Weg ins Tal suchten.
    Beim ersten Fluss kurz nach der Hütte hatten die Hüttenwirte noch eine Reihe von Behelfsbrücken gebastelt, über die man trockenen Fußes rüberkam, aber danach war man auf sich allein gestellt.



    Glücklicherweise war keine Stelle dabei, die ich nicht in Lundhags bewältigen konnte, auch wenn ich dafür an manchen Stellen einen kleinen Umweg machen musste.

    Am Nachmittag wurde ich durch zwei andere deutsche Wanderer auf einen Elch am Ufer des Tarraädno aufmerksam, der aber leider so weit weg war, dass ich kein vernünftiges Foto machen konnte. Aber gefreut hab ich mich über den ersten Fjäll-Elch seit 2008 trotzdem.

    Da es zunehmend wärmer wurde und ich recht verschwitzt war, machte ich an einer der Furten einen Zwischenstop und nutzte die Gelegenheit für eine kurze Katzenwäsche in der prallen Sonne. Die Wäsche wurde allerdings von einem Blick zum Himmel rüde unterbrochen. Ich hastete zum Rucksack, zog schnell die Regenjacke an und schaffte es gerade noch, den Regenschutz des Rucksacks anzubringen, bevor es aus heiterem Himmel anfing, wie aus Kübeln zu schütten.
    Glücklicherweise war der Schauer genauso schnell vorbei, wie er gekommen war...

    Zur Såmmarlappastugan hin wurden die ebenen Stellen entlang des Weges immer nasser und der Wald dichter, so dass ich auf der Suche nach einem anständigen Zeltplatz langsam die Geduld verlor.

    Trotz meiner sinkenden Laune konnte ich mich noch an meiner Umgebung ergötzen und den Wasserstand des Tarraädno bewundern, der "dezent" voller war als ich ihn in Erinnerung hatte:



    Am späten Nachmittag stand ich dann letztendlich vor der Hütte. Da die nächsten Zeltmöglichkeiten laut Hüttenwart direkt am Ufer lagen und das Tal hier von der Luft her irgendwie "feucht" wirkte, hab ich mich dann doch lieber zur dritten Hüttenübernachtung in Folge entschieden. Temperaturen um 5 °C und hohe Luftfeuchtigkeit sind für Daunenschlafsäcke ohne entsprechende Außenhülle in der Regel gar nicht gut.

    In der Hütte traf ich auf zwei weitere Deutsche (so langsam hatte ich das Gefühl, dass auf dem Padjelantaleden mehr Deutsche als Moskitos rumgeistern), die von Kvikkjokk kamen und die mich vor einer Furt kurz vor Tarrekaise warnten. EIner von den beiden hatte die gleichen Stiefel an wie ich und er meinte, es gäbe keine Möglichkeit, da trocken durchzukommen.
    Eine andere Deutsche wäre an dieser Furt sogar umgekehrt und würde sich nun mit dem Helikopter nach Stalo fliegen lassen, weil sie hier nicht weiter kam.

    Nachdem die Hütte dann noch Besuch von einem alten Herrn mit Geweih bekommen hatte...



    ... kamen auch noch die beiden Elchfinder in die Hütte, wo sie ihre Tierfindergabe mit einer Schneeeule ein weiteres Mal unter Beweis stellten.

    Kurz nach der Eule, die leider fotoscheu war und sich immer nur ein paar Sekunden blicken lies, begann es kräftig zu regnen, so dass ich doch ganz froh war, in der Hütte und nicht im Zelt zu sein.

    Später am Abend bekam der Hüttenwirt noch einen Anruf aus Tarrekaise, weil die Hüttenwirtin dort sichergehen wollte, dass nicht irgendjemand an der Furt verloren gegangen ist. Bei sowas freut man sich dann schon richtig auf die Querung...



    6. Tag, 10.07.2015

    Aufgebrochen bin ich mal wieder erst nach 08:00 Uhr, was aber nicht schlecht war, weil der Wald dann noch etwas mehr Zeit hatte, abzutropfen.
    Durch dichten Wald ging es erst mal dicht am (und manchmal sogar im) überschwemmten Tarraädno entlang.
    Ein Seeadler, den ich weniger als 50 m von mir entfernt aufgescheucht habe, verschwand, bevor ich die Kamera draußen hatte. Gleicher Mist wie letztes Jahr: Seeadler vor der Nase, aber trotzdem zu spät gesehen...

    Nach ein paar Stunden, in denen sich tatsächlich mal gutes Wetter einstellte, erreichte ich dann die ominöse Furt:


    sieht schmal aus, ist aber ganz schön breit

    Da der "Hier kann man nicht trocken in Lundhags furten"-Spruch meinen Ehrgeiz, das doch hinzukriegen, beflügelt hat, unternahm ich erst einmal eine ausgedehnte Erkundungstour den Fluss hinauf, da dort ein paar Stellen auch aus der Entfernung vielversprechend aussahen. Ich vertrödelte damit zwar mehr Zeit als wenn ich einfach die Furtausrüstung verwendet hätte, aber stiefeltief ist nunmal auch sicherer und außerdem könnten vom Fund einer besseren Stelle auch andere profitieren, die nicht durch die tiefe und reißende Stelle am Weg wollen.

    300 m flussaufwärts hab ich dann tatsächlich eine Stelle gefunden und bin trocken rüber (Harhar! ). Eine halbe Stunde später stand ich dann an der Tarrekaisestugan, wo ich auf die Frau traf, die am Vortag an der Furt gescheitert war.
    Leider hatte sie vom Zeitplan her wegen dem ungeplanten Stopp keine Zeit mehr, es an der von mir genannten Stelle nochmal zu versuchen, so dass ihr meine Infos den Heli nicht ersparen konnten...

    Bei der Rast fand ich auch das erste mal auf dieser Tour nennenswerte Moskito-Vorkommen, so dass ich tatsächlich mal das US622 auspacken musste.

    Von der Hüttenwirtin bekam ich die Info, dass bisher noch niemand aus Richtung Vaimok gekommen sei und dann es bisher auch noch niemand in diese Richtung gewagt hat.

    Der Weg zwischen Tarrekaise und Njunjes hat nicht unbedingt den besten Ruf und ich konnte die Gründe dafür ausgiebig erleben. Über Stock, Stein, Modder und nasse, teils sehr rutschige Bohlen ging es zäh gen Südosten.

    An einer Stelle grinste mich eine harmlose kleine Schlammpfütze mitten auf dem Weg an und ich reagierte darauf mit dem klassischen Lundhags-Ausweichmanöver... einfach reintreten.




    Ich kann nur erahnen, wie viel arme Wichte in knöchelhohen Schuhen hier leiden mussten, aber mir tut jeder einzelne leid.

    An einem kleinen Bach traf ich auf eine Wanderin (natürlich aus Deutschland), die über Vaimok nach Norwegen wollte, aber bereit war, umzukehren, wenn es noch nicht gehen sollte. Für mich bedeutete das Folgendes: Wenn ich in Kvikkjokk umkehren sollte und die Dame auf dem Weg Richtung Vaimok nicht mehr treffe, dann ist es zumindest bis Pieskehaure möglich, durchzukommen. Damit hätte ich dann einen aktuellen Indikator für die Begehbarkeit der Strecke...

    Der Hügel kurz vor Njunjes bot landschaftlich nochmal eine kurze Abwechslung zum Wald, die ich in vollen Zügen genoss. Je länger ich zwischen den Bäumen unterwegs war, desto mehr wurde mir bewusst, wie viel lieber ich das Kahlfjäll mag.


    Blick zurück ins Tarradalen

    Zum Vergleich:


    Farn auf dem Weg im Wald

    An der Njunjesstugan machte ich eine Rast, bei der ich meine lieben alten Bekannten aus dem Vorjahr wiedertraf. Nein, nicht meine menschliche Reisebegleitung, sondern die ach so liebgewonnenen Rentierbremsen...
    Glücklicherweise waren es nur zwei und nach ein paar schnellen Bewegungen meinerseits dann gar keine mehr.

    Nach einer Weile zog ich dann aber weiter, denn bei dem guten Wetter würde ich bestimmt nicht in der Hütte pennen.
    Nach knapp zwei Kilometern fand ich in der Nähe von ein paar Häusern am Ufer des Tarraädno eine Art Rastplatz, wobei außer einer Mülltonne und ein paar ebenen Stellen nichts weiter vorhanden war.

    Da ein mäßig starker Wind wehte und es warm und trocken war, konnte ich es riskieren, hier mein Lager aufzuschlagen.



    Hier hatte ich sogar Handyempfang, so dass ich mal zu Hause Bescheid geben konnte, dass ich bisher noch nicht in einem Schneeloch verschwunden war oder von den Moskitos aufgefressen wurde. Auch nutzte ich die Zeit, bevor die Sonne hinter dem Njunjesvárre verschwand, um wenigstens etwas Saft in die Elektronik zu bekommen. Bisher hatte mir das Wetter dazu noch keine rechte Gelegenheit gegeben, da es zwar tagsüber hier und da mal etwas Sonne gab, diese aber abends gerne mal von durchziehenden Wolken versteckt wurde.

    Als die Sonne dann hinter dem Berg verschwunden war, wurde es merklich kühler (nicht dass es wegen dem Wind vorher besonders warm gewesen wäre) und so verschwand ich dann im Zelt und schlief nach einer Weile umsäuselt vom "sanften" Rauschen des Tarraädno ein.
    Geändert von GandalftheGrey (29.07.2015 um 10:16 Uhr) Grund: Tippfehler

  13. GELÖSCHT Dauerbesucher

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #13
    schöner, sehr eindrucksvoller bericht, danke!

    ...um 8 uhr morgens los, wie haste das geschafft?
    :-)

  14. Dauerbesucher
    Avatar von GandalftheGrey
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #14
    Freut mich, dass der Bericht gefällt!

    Das mit dem früh los ist bei mir chronisch... Ich bin im Alltag Frühaufsteher und das färbt bis in den Urlaub ab. Meist zieht es mich zwischen Sechs und halb Sieben aus dem Zelt, wenn die Sonne dazwischen funkt auch mal früher... aber dafür lauf ich dann meist auch nur bis ungefähr 17:00 Uhr.
    Kann aber durchaus seine Vorteile haben, wenn man den Vormittag zum Laufen hat...

  15. Erfahren
    Avatar von efbomber
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #15
    Danke für den tollen Bericht! Die Schneemassen sind eindrucksvoll, die Landschaft wirkt aber umso "dramatischer".

    Ich freue mich auf die Fortsetzungen!

    Lieben Gruß
    David

  16. Liebt das Forum
    Avatar von Prachttaucher
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #16
    Von mir auch ein Dankeschön für den wirklich packend zu lesenden Bericht. Den ganzen Tag durch nassen Schnee ist sicher auch für die Lundhags heftig ?

    Hoffentlich taut es in den nächsten 2-3 Wochen noch kräftig.

    Freut mich daß Du eine Stelle zum Furten gefunden hast - manchmal lohnt das Suchen.

    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    ...
    Das mit dem früh los ist bei mir chronisch... Ich bin im Alltag Frühaufsteher und das färbt bis in den Urlaub ab. Meist zieht es mich zwischen Sechs und halb Sieben aus dem Zelt, wenn die Sonne dazwischen funkt auch mal früher... aber dafür lauf ich dann meist auch nur bis ungefähr 17:00 Uhr.
    Kann aber durchaus seine Vorteile haben, wenn man den Vormittag zum Laufen hat...
    Bei mir ergibt sich das auf Solo-Tour dadurch, daß ich gerne früh schlafen gehe und dann auch früh wach bin. Ein sonniges Plätzchen am Nachmittag nach der Wanderung finde ich auch toll - soll auch durchaus schon vorgekommen sein, daß es vor 17.00 Uhr war.

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    Avatar von GandalftheGrey
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #17
    Zitat Zitat von Prachttaucher Beitrag anzeigen
    Den ganzen Tag durch nassen Schnee ist sicher auch für die Lundhags heftig ?
    Wenn sie gut gefettet sind, dann macht das nichts, so lange nicht dauernd Schnee von oben reinkommt. Aber dazu komme ich noch im Laufe des Berichts...

  18. AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #18
    Zitat Zitat von Prachttaucher Beitrag anzeigen
    Hoffentlich taut es in den nächsten 2-3 Wochen noch kräftig.
    Hm, für alle Tourengeher wünsche ich das auch, für die Gletscher wäre es ja ganz nett, wenn der Schnee liegen bleiben würde...

  19. AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #19
    Fast hätte ich es vergessen: Gandalf, vielen Dank für die tollen Bilder und den super Bericht. Freue mich auf die Fortsetzung.

  20. Dauerbesucher
    Avatar von GandalftheGrey
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #20
    Da setze ich doch dann glatt mal gleich fort, wenn ich damit Freude machen kann...

    7. Tag, 11.07.2015

    Heute ging es mal wieder etwas früher los, aber das war Absicht, denn ich hatte die Hoffnung, das erste Boot nach Kvikkjokk um 10:00 Uhr zu erwischen.
    In der Nacht hatte ich mich dafür entschieden, meinen ursprünglichen Plan, nach Hemavan zu gehen, zu Gunsten eines zweiten Anlaufs am NKL erst mal aufzugeben. NKL wäre überwiegend Kahlfjäll und weite Landschaft, der Kungsleden hätte viel mehr Wald. Und da die Mücken langsam auftauten, wäre der Weg Richtung Süden vielleicht sogar der Weg in die Hölle...

    Mit etwas zügigerem Tempo als normal machte ich mich also auf den Weg, der hier wenigstens weitaus trockener war als der gestrige.




    Unterwegs gab es so einges an interessanten Funden wie beispielsweise das hier:



    Ich hab bisher noch nicht herausfinden können, was für ein Tier hier am Werke gewesen sein könnte, aber kurz nach diesem Fund fand ich eine Fährte, die eventuell damit zu tun haben könnte:


    Luchs?

    An den Brücken über den Råvejåhkå musste ich dann nochmal kurz furten. Nicht, weil die Brücken kaputt oder weg gewesen wären, sondern weil sich der Fluss einen neuen Arm gegraben hat, der mitten durch die Brücken führte.

    Bei der vorletzten Brücke vor der Bootsanlegestelle hat der Fluss ebenfalls seine Spuren hinterlassen:



    Furten wäre viel zu gefährlich gewesen, geschätzte Tiefe war bis über das Knie, und das bei reißender Strömung. Also blieb nur das Balancieren über die Brücke, die trotz der zahlreichen Bäume, die darin verkeilt waren, noch recht solide wirkte.
    Trekkingstöcken sei Dank war das Überqueren aber kein großes Problem, und so war ich dann rechtzeitig am Bootsanleger.

    Dort stiegen eine schwedische Familie, die nach Ritsem wollte, und ein Niederländer, der auf dem NKL Richtung Norwegen wollte, aus. Alle vier warnte ich noch, wie es sich gehört, vor der kaputten Brücke.

    Da Björn (der Bootsführer) spät dran war und er noch schnell zwei Leute zum Startpunkt des Kungsleden in südliche Richtung bringen musste, bot er mir an, dass ich für 50 SEK extra die große Tour mitfahren könnte, wenn ich wollte.
    Das Angebot hab ich natürlich angenommen, denn so schnell würde ich die Flusslandschaft bei (glasklarem) Hochwasser nicht mehr zu sehen kriegen.







    Als wir zum Bootsanleger bei Mallenjarka kamen, brach erst einmal allgemeine Heiterkeit im Boot aus...





    Zum Glück für die beiden Kungsledengänger konnte Björn bis ans Ufer fahren, so dass sie ihre Reise nicht mit einer Watstelle beginnen mussten.

    In Kvikkjokk angekommen machte ich mich zuerst einmal auf den Weg zur Fjällstation, um zu sehen, ob mein Paket schon da ist. Das war es dann glücklicherweise auch und für eine Aufbewahrungsgebühr von 100 SEK konnte ich es dann im Empfang nehmen.

    Nachdem ich mich dann noch mit den restlichen Nahrungsvorräten eingedeckt hatte und diese im Rucksack verstaut waren, machte ich mich auf den Weg zurück zum Boot, um gleich wieder zurück zum NKL zu fahren.

    Die Fahrt musste dann wegen eines medizinischen Notfalls schneller gefahren werden als sonst, was mir Björn mit einem ermäßigten Fahrpreis entschädigte... nicht, dass mich die höhere Geschwindigkeit gestört hätte.

    Der medizinische Notfall erwies sich dann als ein gebrochener Finger an der Hand eines der vor drei Stunden ausgestiegenen Schweden. Den hatte er sich gebrochen, als er über die kaputte Brücke gehen wollte.
    Schon echt übel... die zehntägige Wandertour nach einer Stunde schon wieder beendet. Und ich dachte, mich hätte es 2011 mies erwischt.

    Da mein Rucksack nun wieder deutlich schwerer war als am Vormittag und ich mir aber auch wieder mehr Zeit beim Laufen lassen konnte, brauchte ich länger als die 2,5 Std, die ich vom Zeltplatz zum Boot gebraucht hatte, um wieder beim Zeltplatz vorbeizukommen.
    Kurzerhand quartierte ich mich dann hier für eine zweite Nacht ein, in der Hoffnung, dass die kommende Nacht ebenso kondensfrei wird wie die letzte.



    8. Tag, 12.07.2015

    Glück gehabt! Weniger Wind, aber trotzdem keine Feuchtigkeit im Zelt am nächsten Morgen. Dafür war es bereits früh recht warm und die Moskitos schienen auch mehr geworden zu sein...

    Da ich wusste, was mir auf den nächsten 12 km bevorstand, hielt sich meine Begeisterung heute etwas in Grenzen.

    Der Anstieg hinter der Njunjesstugan ging dann aber erstaunlich gut von statten und ich konnte sogar die Aussicht geniessen, wenn sich mal eine bot.


    Blick zurück nach Njunjes

    Als ich mich gegen Mittag (mal wieder) der Tarrekaisestugan näherte, meldete mein linker Fuß, dass etwas nicht stimmte und ich hier erst mal Pause machen sollte.
    Nachdem ich die Feststellung gemacht habe, dass ich im weiteren Tagesverlauf bei der bisher größten Hitze auf Tour (knappe 26 °C) von Mücken umsurrt mit schmerzenden Fuß einen steilen 200 hm-Anstieg zu bewältigen habe, beschloss ich, mal wieder etwas Geld in die Hand zu nehmen und hier einen (zumindest halben) Ruhetag einzulegen.
    Hatte den Vorteil, dass ich mich und meine Klamotten mal vernünftig waschen konnte und meine Elektronik dank strahlender Sonne voll aufladen konnte.
    Da das Wetter so schön war, trotzte ich den Mücken mit einer Prise DEET und verbrachte den Tag im Freien. Leider war ich beim Einschmieren mit Mückenmittel nachlässig und hab meine Füße vergessen, die in den Crocs steckten (meine Lundhags hatten wegen bevorstehender Pflegebehandlung Freigang), so dass ich am Abend Socken aus Streuselkuchen trug...

    Ein weiterer Vorteil der größeren Pause war, dass ich am nächsten Tag mehr Zeit für den Abstieg hätte, falls der Weg nach Vaimok immer noch unpassierbar sein sollte... was ich dank der Vorausgehenden ja dann vielleicht sogar erfahren würde, bevor ich mich den Berg hochgequält habe.


    Und wie auf meiner Tour auch wird in diesem Bericht die Antwort auf die Frage, ob es auf dem NKL weitergeht oder nicht, bis morgen warten müssen

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