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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #21
    Mitreisende: GandalftheGrey
    Toller Bericht bisher, danke dafür! Das steigert die Vorfreude auf meine Lapplandtour, die in ein paar Tagen startet !

    Eine Frage: Du benutzt anscheinend ein Solarpanel für die Elektronik, lohnt sich das im Vergleich zu mehr Ersatzakkus?

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #22
    Ich hab mir das Solarpanel damals für meine geplante Dreimonatswanderung geholt, wo Tonnen von Ersatzakkus keinen Sinn gemacht haben....

    Wenn es nur um die Kamera ginge, wären für eine 2-3 wöchige Tour zwei Akkus mehr sinnvoller und leichter, aber ich kann mit dem Panel (wenn das Wetter mitspielt) halt auch meinen E-Reader und mein Smartphone (da sind die Pflanzen- und Tierbücher drauf, weil der Reader keine Farbfotos kann), bei denen der Akku fest verbaut ist, sowie die NiMH-Akkus vom GPS laden.

  3. Anfänger im Forum

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #23
    Was für ein Modell von Solarpanel hast Du denn, und warst/bist Du zufrieden damit?

  4. Dauerbesucher
    Avatar von GandalftheGrey
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #24
    Ich hab das Silva Solar II.
    Es gibt leichtere Module, aber dafür ist es sehr robust (man kann es also einfach irgendwo in den Rucksack stopfen) und dank Zigarettenanzünder-Adapter universell verwendbar.

  5. Dauerbesucher
    Avatar von Blahake
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #25
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    ...wird in diesem Bericht die Antwort auf die Frage, ob es auf dem NKL weitergeht oder nicht, bis morgen warten müssen
    Och Mennooooo, wie gemein

  6. Dauerbesucher
    Avatar von GandalftheGrey
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #26
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Och Mennooooo, wie gemein
    Geht doch schon weiter...

    9.Tag, 13.07.2015

    In der Nacht konnte ich nur wenig schlafen, zu sehr quälten mich meine Gedanken, die sich hauptsächlich darum drehten, was für eine bescheuerte und sinnlose Art des Urlaubs eine Lappland-Wanderung eigentlich ist. Am Morgen war daher mein Reisefieber komplett verflogen und ich wollte nur noch weg. Also lies ich über die Hüttenwirtin den Helikopter rufen, der mich dann gegen Mittag nach Ritsem gebracht hat...


    Nein, war nur Spaß!

    Nach einer vor allem für meinen Fuß erholsamen Nacht bin ich am morgen recht bald los, weil den Aufstieg Richtung Vaimok hinter mich gebracht haben wollte, bevor es wieder recht warm wird.
    Die Mücken waren aber schon schon wach und hatten sich über Nacht mal wieder vermehrt, so dass ich mich vor dem Aufbruch erst noch einmal mit DEET einschmierte.

    Es sind zwar angeblich vier Kilometer bis zur Abzweigung des NKL, aber ich hab weniger als eine Stunde dafür gebraucht, was mich zu der Annahme verleitet, dass die Angabe nicht stimmt.
    Unterwegs schreckte ich eine Auerhenne auf, die aber leider sofort wieder im Unterholz verschwand, so dass ich auch von diesem Tier kein Foto machen konnte.
    An der Abzweigung angekommen, hielt ich erst einmal kurz inne und setzte dann feierlich den ersten Schritt auf reinem, ungetrübten Nordkalottleden in diesem Jahr.



    Der Weg war hier erstaunlich gut erkennbar und auch frisch markiert, was aber, wie ich später feststellen musste, nicht von Dauer war. Kaum war ich über den Tarraädno, war Schluss mit leuchtenden Markierungen und ausgetretenem Pfad.

    Da es bereits früh am morgen unglaublich schwül war, wusch mir der Schweiß das Mückenmittel in Rekordzeit runter, so dass ich mich im Wald noch einmal kurz einschmierte, bevor ich mich an den Aufstieg machte.

    Dieser war zwar knackig, aber zumindest die Baumgrenze war dennoch recht zügig erreicht, wo es in Sachen Moskitos sofort spürbar besser wurde.



    Mit abnehmenden Mücken wurde es aber auch sofort wieder schneereicher und der Weg ähnelte öfter mal einem kleinen Bach.





    Das Laufen durch den immer häufiger auf dem Weg liegenden Schnee ging überwiegend gut, nur manchmal gab es Stellen, in denen ich oft eingebrochen bin.
    Ich überquerte gerade ein einfaches, aber langes Schneefeld, als mir doch tatsächlich ein Mensch entgegenkam. Schon keimte die Freude in mir auf, dass die Strecke nun endlich passierbar ist...

    Aber nein, zu früh gefreut. Der Mensch war der Holländer, den ich am Bootsanleger getroffen habe. Und er hat kapituliert.
    Er hatte es am Tag vorher unter Aufbringung aller seiner Kräfte nach Vaimok geschafft, war dann aber so erledigt, als er ankam, dass er sich eigentlich mit dem Heli ausfliegen lassen wollte. Nach einer Nacht in der Hütte fühlte er sich dann aber doch im Stande, den Rückweg zu Fuß anzutreten. Er meinte dann, um mich noch weiter zu motivieren, dass der schlimmste Teil in Sachen Schnee erst noch kommen würde.

    Da ich aber gerade erst den verflixten Aufstieg hinter mir hatte, wollte ich hier nicht gleich aufgeben, sondern mir wenigstens ein eigenes Bild machen. Schließlich ging es doch bisher auch einigermaßen... Ich hab mich also von ihm verabschiedet, ihm noch eine schöne Tour zurück gewünscht und bin stur weiter Richtung Vaimok.

    Gegen Mittag erreichte ich dann den Kurajaure, der sich aber noch nicht aus seiner Decke geschält hat:



    In der Rasthütte, in der ich meine Mittagspause machen wollte, fand ich dann die Ausrüstung der Deutschen, die ich drei Tage vorher getroffen hatte. Sie selbst war aber nicht da. Laut einem Zettel, den sie hinterlassen hat, wollte sie mal ohne Gepäck den Weg auskundschaften.

    Nach der Pause, in der ich vorsichtshalber meinen Namen ins Hüttenbuch eingetragen habe, wurde der Weg dann auch wirklich anspruchsvoller. Zwar hatte ich nun frische Spuren vor der Nase, an denen ich sehen konnte, wo man einbricht und wo nicht, aber zum Einen gab es teilweise Stellen, an denen das Einbrechen schlicht unvermeidbar war und zum Anderen hatte ich ein größeres Kampfgewicht als die beiden "Kundschafter", so dass mein Bein ab und zu auch dann im Schnee verschwand, wenn die Spuren sicheren Schnee vermuten ließen. Auch machte die Wärme der Mittags- und Nachmittagssonne den Schnee nicht unbedingt fester..
    Je länger ich die Spuren vor mir hatte, um so öfter habe ich an manchen Stellen die Wegwahl insbesondere des Holländers in Frage gestellt. Der schien dem Verlauf des Weges exakt gefolgt zu sein, auch wenn manchmal ein kleiner Umweg oder das Bleiben auf dem Schneefeld sinnvoller gewesen wäre...
    Ich bin daher dazu übergegangen, mich nach Möglichkeit mehr am Hang zu halten als auf der Spur, weil dort die Schneefelder steiler und fester waren. Außerdem ging mir der Weg stellenweise etwas zu nahe an die zahlreichen Seen heran, und das sind Stellen, die ich tunlichst meide, weil das Einbrechen dort im besten Fall zu nassen Füßen führt und im schlimmsten Fall die Tour und so einiges Andere beendet. Atmen zum Beispiel...


    schön weit rechts dran vorbei...

    Etwas eine Stunde nach meiner Pause traf ich dann auf die Deutsche, die ihre Erkundungstour vorzeitig beendet hatte. Auch sie teilte mir mit, dass sie nicht weitergehen würde, weil ihr mit ihren 60 Jahren der Schnee zu viel ist.
    Ich war nun echt gespannt, ob ich auch irgendwann aufgeben oder mehr Hartnäckigkeit an den Tag legen würde.
    Da die Dame die die Strecke zumindest im Sommerkleid schon kannte, bekam ich von ihr dann noch zum Abschied die Information, dass ich, wenn ich weiter gehen würde, bis Vaimok durchhalten müsste, weil es bis dahin kaum Möglichkeiten geben würde, das Zelt aufzuschlagen.
    Na gut, wenn schon durchbeißen, dann wenigstens gleich richtig...

    Weiter ging es also mit mulmigem Gefühl, das aber bald trotz der gelegentlichen Plagereien von der grandiosen Landschaft überdeckt wurde.


    Blick nach Westen





    Die Rentiere waren mir nicht nur als Fotomotive willkommen, sondern auch als Zeiger für sichere Passagen über den Schnee. Ich kann nur jedem empfehlen, sich bei solchen Wegverhältnissen nach Möglichkeit auf den Rentierspuren zu halten. Das bietet zwar keine Garantie, dass man nicht doch mal einbricht, aber die Chance ist doch bedeutend geringer.

    Kurz nach den Renen ging der Weg dann wieder etwas abwärts und ich sah den Vajmok zum ersten Mal:



    Da ich so langsam doch ziemlich geschafft war von der Schneestapferei, hielt ich trotz des Hinweises der Dame meine Augen nach einem Zeltplatz offen und fand knapp 1,5 km vor der Hütte dann tatsächlich eine geeignete Stelle. Schon wieder eine Hüttennacht wollte ich nach Möglichkeit vermeiden.



    Leider war der Boden hier komplett mit Krähenbeeren bewachsen, die noch ihre Früchte vom letzten Jahr hatte, so dass ich jedes mal, wenn ich mich hinknien musste, mehr rote Flecken auf der Hose hatte. Als das Zelt stand, sah ich aus, als hätte ich größere Wunden an den Knien.
    Nur gut, dass sich das Zeug recht schnell rauswäscht...

    Beim Abendessen genoss ich das tolle Winterpanorama, an dem ich mich trotz allem kaum satt sehen konnte, aber bedingt durch die anstrengende Etappe wurde ich an diesem Abend nicht alt.



    10. Tag, 14.07.2015

    Ich bin diesmal schon um kurz nach 07:00 Uhr los, weil ich so lange wie möglich auf festem Schnee laufen wollte, bevor die Sonne mir den Weg versaut. Und Sonne war heute zu erwarten... kaum eine Wolke am Himmel zu sehen.

    Der Weg bis zur Hütte hat dann aber doch recht lange gedauert, weil die Kombination aus Schnee und Geröll nicht unbedingt geeignet ist, Strecke zu schaffen.
    An der Hütte begegnete ich dann dem Hüttenwart, der sich über die Gesellschaft freute, weil bisher kaum jemand da war. Ich war aber immerhin schon Nummer fünf, und abgesehen von dem Niederländer sind alle weiter nach Westen. Nach Staddajåkkå wollte aber bisher keiner...
    Auch hier trug ich mich ins Hüttenbuch ein, obwohl ich mich nach kurzer Zeit wieder auf den Weg machte.

    Die Furt direkt neben der Hütte war zwar ein Hindernisparcours, aber trotzdem in Lundhags machbar.

    Danach stand aber erst einmal ein 200 hm-Anstieg an, auf den ich mich schon so richtig "gefreut" habe, seit ich ihn am Vortag schon mal vorab mit dem Fernglas auskundschaftet habe...





    Vaimokstugan



    Vajmok



    tapfer aufwärts



    endlich oben...



    ich bin nicht das einzige Lebewesen hier oben...


    Mein Plan mit dem frühen Start ging leider nicht auf, da die Sonne wohl die halbe Nacht auf den Hang geschienen hat, so dass der Schnee stellenweise verflixt weich und nass war. Zu allem Überfluss war er auch stellenweise nicht mehr allzu dick und nach einer halben Stunde war ich so oft eingebrochen, dass meine Hose nass war und ich dauernd Schnee aus den Stiefeln fummeln musste.
    Trotz der Wärme und der brennenden Sonne hab ich daher meine Regenhose angezogen, sie unten an den Stiefeln mit den Ersatzschnürsenkeln festgebunden, damit sie beim Einbrechen nicht nach oben rutschen kann und der Abschluss zum Stiefel dicht ist und dann zur besseren Belüftung die Reissverschlüsse bis zum Knie geöffnet. Den restlichen Tag hatte ich keine Probleme mehr mit nasser Hose und Schnee im Stiefel.

    Einziger Vorteil des nassen Schnees war, dass ich dadurch trotzdem an Wasser kam, den bis über die Kuppe gab es kein fließendes Wasser...

    Aber das sollte mich nicht allzu lange beeinträchtigen, denn es ging bald darauf wieder abwärts.



    Eine Woche früher hätte ich mir den Berg wahrscheinlich schenken und statt dessen einfach auf dem Vajmok laufen können...

    Am späten Vormittag erreichte ich den eisbedeckten Vistekjávrre, wo ich eine Spur entdeckte, die den Hang hinunter und über den See führte.



    Mein erster Gedanke war: "Was für ein Vollidiot läuft denn bitte über das brüchige Eis?"

    Dann kreuze ich die Spur und konnte die Abdrücke genauer sehen...



    Offensichtlich war das ein Vollidiot gewesen, der den Namen "Björn" trägt, um die 200 Kilo wiegt und sich dringend mal die Zehennägel schneiden sollte. Und er war erst unlängst hier gewesen...

    Ich hab natürlich erst einmal den Rucksack abgesetzt und mit dem Fernglas die ganze andere Talseite abgesucht, aber leider war keine weitere Spur von dem Bären zu entdecken, ganz zu schweigen vom Bären selbst.
    Das war zwar schade, aber immerhin hab ich eine Spur gefunden... das war besser als nichts.

    Der weitere Wegesverlauf bot zwar keine weiteren Bärenspuren, aber dafür so einige Tücken...



    Hier musste ich viel Sondierungsarbeit mit den Stöcken leisten, um mir keine nassen Füße zu holen.

    Obwohl der Schnee stellenweise immer weicher wurde, genoss ich die heutige Etappe in vollen Zügen.







    Als dann der Abstieg Richtung Pieskehaure anstand, wandelte sich die Wegbeschaffenheit in kürzester Zeit. Von den bisher zurückgelegten 14 Kilometern waren gut und gerne 10 bis 12 Kilometer reiner Schnee gewesen. Ab dann wurde der Schnee schlagartig weniger und unten angekommen gab es kaum noch Stellen, an denen noch Schnee lag.


    Blick zum Pieskehaure


    Schotterebene kurz vor Pieskehaure

    Vier Kilometer vor der Hütte musste ich dann noch eine Furt bewältigen. Fast hätte ich sie in Lundhags geschafft, aber das letzte Drittel war dann doch zu tief. Also hab ich kurzerhand auf einem großen Felsbrocken mittem im Fluß die Fußbekleidung gewechselt und bin das letzte Stück dann in Crocs gewatet.

    An der Hütte angekommen hab ich mich dann für die Variante "Zelt vor Hütte" entschieden. Eine Entscheidung, die ich zumindest während des Zeltaufbaus verflucht habe, denn es ging ein verflixt heftiger Wind und ich hatte Mühe, das Ding aufzubauen, ohne dass es davonfliegt.
    Nachdem ich meinen Bunker dann errichtet habe, ging es erst einmal in die gut geheizte Sauna, bevor ich mich dann noch mit den vogelaffinen Hüttenwirten über meine Sichtungen der letzten Tage austauschte. Glücklicherweise hatte ich bis dahin den einen oder anderen schwedischen Namen für die Viecherei aufgeschnappt, so dass wir uns da verständigen konnten.

    Am Abend bekam ich dann noch ein Schauspiel zu sehen, dass an der Pieskehaurestugan regelmäßig auftritt: brandende Wolken. Das sind Wolken, die wie Wasser über die Berge schwappen und daher aussehen wie eine seeehr langsame Brandung.


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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #27
    Juhuu, die Fortsetzung und zum Glück auf den NKL! 😀 Sag' mal, wie hast Du denn an den Stellen mit dem vielen Schnee überhaupt gesehen, wo der Weg lang geht? Und ob der Untergrund sicher war? Neben so einem großen See, von dem Du ja klug Abstand gehalten hast, kann sich ja auch ein Tümpel o. Ä. unterm Schnee verstecken!?

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    Avatar von GandalftheGrey
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #28
    Die Markierungen in der Gegend sind recht groß und haben daher häufig aus dem Schnee herausgespitzt. Manchmal musste ich aber trotzdem mit dem Fernglas in der Entfernung suchen, bis ich eine gefunden habe, auf die ich dann direkt zugehalten habe.

    Ich hab in der Nähe von Seen ebene Schneefelder grundsätzlich gemieden. Die Geneigten sind dann entweder am Hang mit Fels/Erde drunter oder zumindest um einiges dicker und damit stabiler. Die Markierung, sofern erkennbar, hilft da aber auch, weil ja der Pfad kaum durch tiefere Gewässer geht. Ein bisschen Hochwasser kann unter dem Schnee zwar sein, aber da würde man sich beim Einbrechen dann nur nasse Füße holen.

  9. Fuchs
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #29
    Ich möchte mich auch mal für diesen tollen Bericht bedanken. Freut mich für dich und uns zum Lesen, dass es doch weiter über Vaimok und Pieskehaure ging. Das weckt Erinnerungen - wenn es auch komplett anders aussieht als bei uns im Spätsommer. Aber so oder so klasse. Leider hatten wir keine brandenden Wolken - Pieskehaure war grau in grau. Ein guter Grund wiederzukommen.

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    Avatar von GandalftheGrey
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #30
    Freut mich, dass dir mein Bericht gefällt!
    Die Wolken waren wirklich genial, aber ich weiß nicht, ob das im Herbst auch noch so stattfindet...

    11. Tag, 15.07.2015

    Den ersten Kilometer nach dem Aufbruch hab ich noch Fußspuren von anderen Wanderern gesehen, aber ab der Abzweigung Richtung Mavas (Norwegen) war dann schlagartig Schluss damit. Das war schon ein komisches Gefühl, zu wissen, dass man in dieser Saison der Erste ist, der hier entlangwandert...

    Die erste Zeit ging es neben einen Fluss entlang, der noch deutliche Winterspuren trug,



    aber es dauerte trotzdem eine ganze Weile, bis dann das erste Schneefeld zur Überquerung anstand.




    Nach gut zwei Stunden stand dann die erste Brücke des Tages an, die aber scheinbar davon träumte, ihr Leben in wärmeren Gegenden als Banane zu verbringen.




    Über gelegentliche Schneefelder ging es auf dem recht gut zu laufenden Pfad zügig voran, bis ich um 11:00 Uhr die Brücke über den Varvvekjåhkå erreichte, wo die Reise erst einmal beendet war.




    Schöner Mist! Die Kluft ist zu weit zum Springen, weil der Rucksack zu schwer ist. Springen überhaupt erschien mir bei dem Ding keine gute Idee. Furten ging schon gleich gar nicht.
    Glücklicherweise lagen neben der Brücke zwei angerostete L-Eisen in passabler Länge, mit denen ich eine notdürftige Reparatur durchführen konnte.




    Dann bin ich erst mal ohne Rucksack rüber, um zu sehen, ob meine Konstruktion (und die Brücke an sich) tragfähig ist, und hab dabei gleich noch das Geländer wieder eingehängt.




    Das ich ab und an mal ne Wegmarkierung auf Tour repariere, war für mich ja nix Neues mehr, aber ne Brücke war dann schon etwas abgefahren...

    Nach der Mittagspause kam ich dann zur einer Furt neben einer Rentierwächterhütte, wo mir dann tatsächlich ein Duo junger Schweden auf dem Weg nach Süden begegnete. Beim Austausch der Infos über die jeweils kommenden Wegverhältnisse erfuhr ich, dass die beiden von Staddajåkka kamen, aber unterwegs campieren mussten, weil der Weg eine absolute Katastrophe ist. Viel Schnee (meist nass) und sehr viel Wasser und Schlamm. Die Schuhe der beiden trieften vor Nässe, und das nicht vom Furten. Sie wollten unbedingt an diesem Tag noch nach Pieskehaure, um den Trockenraum ausgliebig zu nutzen und freuten sich, dass sie das locker bis zum Abend schaffen könnten. Ich hab mich allerdings ob der kommenden Aussichten weniger gefreut...




    Nachdem ich die Furt in Furtausrüstung hinter mich gebracht hatte, dies war das letzte Mal, dass ich sie brauchte, denn die nächste Furt 100 Meter weiter ging dann schon wieder in Ludhags, begann ich mit dem Aufstieg in Richtung Gájlávágge, während das heute ohnehin schon kühle Wetter noch kühler wurde.






    Unterwegs säumten nicht nur Schneefelder meinen Weg, sondern auch immer wieder größere Rentierherden, so dass ich über den Tag verteilt heute mehr als tausend Tiere gesehen haben muss.

    Bald war ich aber oben angekommen und der NKL verlief überwiegend eben.
    Die beiden Schweden hatten nicht übertrieben, hier oben war das Vorwärtskommen echt furchtbar. Meine Regenhose diente schon nach kurzer Zeit wieder als überlange Gamasche, damit ich bei den kalten Temperaturen hier oben nicht mit einer nassen Hose herumlaufen musste.
    Das der Pfad hier oben oft in der Nähe des Flusses verläuft, der noch mit dicken Schneefeldern eingepackt war, machte mir die Wegsuche auch nicht einfacher.




    Um das Ganze in Sachen schwer zu gehender Schnee noch aufzupeppen, flossen zahllose kleine Bäche von den Talflanken hin zum großen Fluss, so dass die Schneefelder sehr häufig brüchig waren.

    Die kurzen Stücke zwischen zwei Feldern waren dann natürlich auch noch ungeniessbar, da sie stellenweise mehr als knöchelhoch unter Wasser standen oder so matschig waren, dass man bis zum Knöchel einsank.



    Neben den kleinen Bächen gab es auch noch ein paar größere Bäche, die sich bereits vom Schnee befreit hatten und die ich dann furten musste.



    Zum Furten musste ich aber erst einmal vom Schneefeld runter, dann durch´s Wasser und zu guter Letzt wieder auf den Schnee rauf. Bei Schneedicken bis Brusthöhe bisweilen kein leichtes Unterfangen.

    Gegen Ende der Schnee, Schlamm und Wasser-Orgie fand ich dann noch die Reste einer Lawine, die irgendwie befremdlich wirkten, da sie mich an eine Erd-Deponie erinnerten.
    Kurz nach der "Deponie" griff mich dann plötzlich eine Falkenraubmöwe an, die sich nur durch wildes Gefuchtel mit meinen Stöcken halbwegs auf Distanz halten lies. Scheinbar war das Junge in der Nähe...




    Etwa drei Kilometer vor der Hütte fand ich einen schönen Zeltplatz, den ich dann auch postwendend in Beschlag nahm. Ausgelaugt wie ich war würde ich weit über eine Stunde bis zur Hütte brauchen und außerdem begann mein Knöchel wieder zu zicken, weil ich ihn mir bei einem Schnee-Einbruch an einem Stein angehauen habe.



    Beim Abendessen stellte ich fest, dass ich an diesem Abend einen direkten Nachbarn hatte, weswegen ich mein Essen besonders gründlich verstaute.



    Meine Stiefel hatten heute zwar anstandslos dicht gehalten, aber abgesehen von der Furt hatte ich sie heute nie ausgezogen, so dass sie trotzdem ein gewisses Maß an Feuchtigkeit aufwiesen. Da heute kein Wind ging, lies ich die Apsiden offen, damit es nicht wegen den ausdampfenden Stiefeln und Socken zu Kondensbildung im Zelt kommt.

    12. Tag, 16.07.2015

    Verdammter Mist! Es hat in der Nacht doch tatsächlich etwas genieselt und somit waren meine Stiefel, die einen halben Tag Schnee, Wasser und Matsch klaglos ohne Wassereinbruch überstanden haben, nun innen nass... immerhin hatte ich trockene Socken, so dass ich wenigstens warme Füße behalten konnte.

    Eine Dreiviertelstunde nach Aufbruch erreichte ich den Wasserfall vor der Hütte, der durch seine Schneeflanken kleiner wirkte, als er war.




    In der Hütte versorgte ich mich mit Rentierfleisch und erhielt noch die Information, dass es hier zahlreiche Seeadler geben würde.
    Fünf dieser schönen Tiere hab ich dann eine Stunde später auch zu Gesicht bekommen, aber leider nur aus der Entfernung, da die Fluchtdistanz dieser Vögel sehr hoch ist. Die Massen an Rentieren am Weg waren da schon zutraulicher.

    Am Nähesten kam ich aber an ein Falkenraubmöwen-Küken. Das saß einfach auf dem Pfad und ich wäre beinahe draufgetreten. Zum Glück waren die Eltern gerade nicht da.




    Da der Weg insgesamt bergab ging und kaum Schnee hatte, kam ich gut voran.


    Lagune am Wegesrand

    Gegen Mittag erreichte ich dann (mal wieder) Staloluokta. Da die Stiefel immer noch reichlich feucht waren und es auch immer wieder mal kurz geregnet hatte, beschloss ich, mir nach den Anstrengungen des Vortags mal was zu gönnen und hab mich daher in der Hütte einquartiert.

    Nach dem vollen Wellness-Programm (frisches Brot, geräucherter Fisch und Sauna) wurde ich dann abends noch von einer Gruppe Schweizern, die nach Süden unterwegs waren, zum Kartenspielen eingeladen, was sie dann bitter bereut haben

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    Avatar von GandalftheGrey
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #31
    13. Tag, 17.07.2015

    Dem Trockenraum sein Dank waren meine Stiefel morgens wieder richtig trocken. Immerhin eine positive Seite an diesem Morgen, denn ich hatte recht schlecht geschlafen.
    Da die Stiefel auch gerade noch schön angewärmt waren, hab ich ihnen gleich noch eine kräftige Dosis von Wilmas Hausmittelchen spendiert... allerdings vor der Hütte, da nicht jeder so scharf auf den Duft der Schmiere ist wie ich.

    Die ersten Kilometer heute hielten nichts Neues für mich bereit, da hier bereits vor zwei Wochen kaum noch Schnee lag. Die einzige Überraschung war ein Goldregenpfeifer, der scheinbar auf seinem Stein festgeklebt haben musste, denn ich kam so nach an ihn heran wie sonst noch bei keinem dieser fliegenden Moralzerstörer.




    Die Schneefelder waren zwar nicht komplett verschwunden, aber es waren deutlich weniger und die, die noch da waren, waren weitaus kleiner als vor zwei Wochen.
    Der Weg war stellenweise besonders um Arasluokta herum stark zerfahren, denn bis vor ein oder zwei Tagen fand hier die Rentierkälbermarkierung statt und die Sami haben ihre Herden unter anderem mit Motorrädern zusammengetrieben. Zu schade, dass ich für dieses Schauspiel etwas zu spät dran war.

    Wirklich interessant wurde es für mich dann am Nachmittag, als ich den Aufstieg in Richtung Låddejåkkå in Angriff nahm.
    Vor zwei Wochen lagen hier noch Unmengen an Schnee und die Landschaft war noch sehr winterlich. Ich war wirklich gespannt darauf, wie sich das Bild hier verändert hat.

    Und in der Tat war es ein gewaltiger Unterschied:















    An der Låddejåkkåstugan versuchte ich, in Erfahrung zu bringen, ob die Strecke Kutjaure-Vaisaluokta mittlerweile passierbar war, aber die Hüttenwirtin konnte mir keine Auskunft geben. Ich würde also unterwegs die mir entgegenkommenden Wanderer befragen müssen.

    Da ich es mir in den Kopf gesetzt hatte, den Zeltplatz von Nacht Zwei zu recyceln, quälte ich mich noch zum Tagesabschluss den Hügel hinauf. Dabei machte ich die unschöne Entdeckung, dass über dem Vastenjaure eine Regenfront heranzog.
    Bevor ich mein Zelt aufstellen konnte, musste ich aber erst einmal (wieder) über den Vierttjajågåsj. Die Schneebrücke gab es zwar noch, aber sie hat sich mächtig verändert:



    Das Zelt muss ich wegen dem näher kommenden Regen wohl in Rekordzeit aufgestellt haben.




    Dabei hab ich es aber trotzdem geschafft, die Ruhe zu bewahren und meine Routine größtenteils beizubehalten: Zelt abspannen, Heringsbeutel mit ungenutzten Heringen zusammen mit dem Stangenbeutel und dem Footprint-Beutel in den Zeltsack, diesen hinten in die Apsis und zum Schutz gegen Wind da die Trekkingstöcke draufgelegt. Normalerweise würde ich danach jetzt die Iso-Matte aufpusten und das Innenzelt einräumen, damit der Schlafsack nochmal etwas lüften kann, und erst danach kochen. Da ich aber keine Lust auf Essen im Regen hatte, hab ich die zwei Punkte getauscht.

    Umsonst, wie sich später herausstellen sollte, denn der Wind drehte und ich blieb vom Niederschlag verschont...

    Da ich recht müde war, klappte ich heute ziemlich bald die Gehsteige hoch und ging Schlafen. Diesmal aber bei geschlossenen Apsiden... nicht, dass mir der Mist mit nächtlichem Regen nochmal passiert.

    Gegen 3:00 Uhr wurde ich plötzlich von einem schleifenden Geräusch geweckt, das klang, als hätte der Wind mal kurz das Footprint angehoben. Kurz danach hörte ich eine Art Prasseln und dachte mir noch, dass es gut war, die Apsiden zu schließen.
    Kurz nachdem ich wieder eingedämmert war, kam das schleifende Geräusch erneut. Ich beobachtete das Zelt, aber es ging kein Wind, also sah ich mal aus dem Lüftungsspalt ins Freie.

    Dort fiel mein Blick auf das Hinterteil eines Rentieres, das direkt neben meinem Zelt graste. Bis ich die Kamera möglichst geräuschlos herausgeholt hatte, war es aber verschwunden.
    Weiterschlafen war aber erst einmal nicht drin, denn mein Körper dachte sich, da ich ja gerade eh schon wach war, dies wäre eine gute Gelegenheit, etwas überschüssiges Wasser loszuwerden.
    Zu faul zum Anziehen bin ich daher in meiner Schlafkluft (T-Shirt, Short und Fleece-Mütze) aus dem Zelt, um dieses herum und erst einmal erstarrt, weil mich das Bild, das sich mir bot, so erstaunt hat.
    Ich fand folgendes vor:

    - meine Trekkingstöcke, halb aus dem Vorzelt hervorgezerrt
    - mein Footprintbeutel, ohne erkennbare Einwirkungen
    - mein Stangenbeutel, kräftig vollgesabbert
    - mein Zeltsack, kräftig vollgesabbert
    - meine Rockpins, ohne erkennbare Einwirkungen;

    Irgendetwas an diesem Bild passte im Allgemeinen und ein Detail im ganz Besonderen nicht... "Mal sehen... Wind kann ich ausschließen, sonst wäre der Zeltsack weg, der haut sonst auch bei jeder Böe ab, wenn er nicht beschwert ist... was bleibt dann noch als Lösung?"

    Wie sagte schon Sherlock Holmes?
    Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.
    Damit blieb als Rätsels Lösung nur eines:


    DIESES VERDAMMTE RENTIER HAT MEINEN HERINGSBEUTEL GEFRESSEN!


    Das musste ich erst einmal sacken lassen... das Vieh hat allen Ernstes meinen Zeltsack stibitzt, diesen dann beim Abschnullen ausgeleert, sich danach den Stangenbeutel vorgenommen, der zum Glück die Ersatzsegmente enthält und daher schlecht zu kauen ist und dann das Ganze noch mit dem Heringsbeutel gemacht, aus dem die Heringe gefallen sind, so das der Beutel nun verzehrbar war...
    Und um das Ganze dann perfekt zu machen: von den beiden Heringsbeuteln, die ich besessen habe, war der Gefressene der, der in besserem Zustand war; also quasi "der Gute".
    Geändert von GandalftheGrey (01.08.2015 um 20:54 Uhr)

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    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #32
    Vielen Dank für diesen Bericht, über das Sabber-Knabber-Ren musste ich echt lachen, obwohl du das in dem Moment sicherlich nicht so lustig gefunden hast.

    Vor allem gefallen mir die schönen Vogelfotos, dein Schreibstil eh.
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    #33
    Ooohh, da sollte ich wohl doch mal meine Angewohnheit überdenken, in der festen Überzeugung "Hier ist ja eh' kein Schwein außer mir." mein Geraffel draußen liegen zu lassen... Das ist ja echt der Hit! Bei mir hätte das Ren wohl Verwertbareres gefunden. Du hast überhaupt einen ordentlich großen Teil der Fauna da oben getroffen, und im Gegensatz zu mir erkennst Du die Viecher ja auch! Das Falken-Raubmöwenküken ist toll!

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    #34
    Zitat Zitat von Sternenstaub Beitrag anzeigen
    ...obwohl du das in dem Moment sicherlich nicht so lustig gefunden hast.
    Als ich die Situation umrissen hab, hab ich mir erst mal den Allerwertesten abgelacht. Muss auch doof ausgesehen haben: ein Kerl, der bei 2°C (es war die kälteste Nacht auf meiner Tour) leicht bekleidet vor dem Zelt steht und vor sich hinkichert

    Freut mich, dass der Bericht so gut gefällt.

    @ Blahake:

    Deinen Namenspatron hab ich öfter gesehen, aber keines hat lange genug stillgehalten, dass ich endlich mal ein anständiges Foto davon zustandegebracht hätte.

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    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #35
    prima, deine Reaktion gefällt mir!
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    #36
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    @ Blahake:
    Deinen Namenspatron hab ich öfter gesehen, aber keines hat lange genug stillgehalten, dass ich endlich mal ein anständiges Foto davon zustandegebracht hätte.
    Das Blaukehlchen hab' ich letztes Jahr am Kungsleden bewundert, aber leider hat es auch nur für dieses unscharfe Bild gereicht. Schön gezwitschert hat es, dadurch hab ich es überhaupt erst bemerkt. Bin gespannt, mit welchen Tierbildern Du im weiteren Bericht noch aufwarten kannst, ist echt spannend und lustig zu lesen

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    Avatar von GandalftheGrey
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    #37
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    14. Tag, 18.07.2015

    Heute Morgen kam ich erst recht spät los, da ich zum Einen nach der unterbrochenen Nacht noch etwas Schaf brauchte und zum Anderen wider der Hoffnung noch eine Suchaktion nach dem Beutel machte, leider ergebnislos. Damit musste ein ZipLoc-Beutel als Ersatz herhalten..
    Bei der Suche wurde ich argwöhnisch von der Rentierherde, die immer noch da war, beäugt, aber ich konnte bei keinem Tier auch nur eine Spur schlechten Gewissens im Gesicht ablesen, so dass ich beim Abmarsch einen letzten Fluch allgemein an die gesamte Herde richten konnte...


    wer von euch war´s?


    Auf dem Scheitelpunkt des Abschnitts angekommen warf ich nochmal einen letzten Blick auf den Vastenjaure, der zwar nun eisfrei war, aber nach Westen hin immer noch winterlich wirkte.




    Als ich an der ersten Brücke über den Vuojatädno stand, wusste ich immer noch nicht, ob die Stelle an der Sommerbrücke nun passierbar ist, aber ich beschloss, mein Glück einfach mal zu versuchen.

    Nach der ersten Brücke traf ich aber gleich auf vier junge Schwedinnen, die von Vaisaluokta kamen und die mir sagten, dass sie den Fluss einfach gefurtet sind. Das waren doch mal gute Nachrichten!

    Also flugs ab über die anderen beiden Brücken...


    Brücke 2


    Brücke 3 (sieht aus wie Brücke 1, ist aber erst gebaut worden)

    ... und erst einmal durch ein doch recht eintöniges Sumpfgebiet.



    Glücklicherweise ging etwas Wind, so dass mich die fliegenden Plagegeister weitestgehend in Ruhe ließen.

    Kurz nach der Mittagspause ließ ich dann die Kutjaurestugan und damit den Padjelanta-Nationalpark hinter mir und begann meinen Aufstieg zu der Stelle, die mich gleich am Anfang meiner Tour zur ersten Umplanung gezwungen hatte.
    Eine lundhags-geeignete Furt war schnell gefunden, da der Wasserstand so niedrig war, dass ich mich ernsthaft fragen musste, warum die sich hier die Mühe mit der Sommerbrücke machen. Weg verlegen und gut ist es...



    Als ich dann auf der anderen Flussseite wieder auf den Pfad gestoßen bin und mich noch einmal zur lagernden Sommerbrücke umdrehte, musste ich aber erst einmal laut fluchen...



    Na klasse, das hätten mir diese Gören aber auch sagen können, dass da eine astreine Schneebrücke ist (die man leider von unten kommend nicht gesehen hat)! Immerhin musste ich für die Furt meine Stiefel nicht ausziehen, sonst wäre ich wirklich sauer geworden...
    Ich hab die Vier aber später in Gällivare wiedergetroffen (die sind nur die kleine Tour von Vaisa über Kutjaure nach Änonjálme gelaufen), wo ich dann eine Erklärung für ihre zweifelhafte Auskunft erhalten habe:
    Sie selbst sind über die Schneebrücke gelaufen und nicht gefurtet, wurden aber durch die erschreckte Reaktion vom Hüttenwart in Kutjaure (der das Ding offensichtlich nicht gesehen hat, sonst hätte er gelassener reagiert) so verunsichert, dass sie beschlossen haben, keinem von der Schneebrücke zu erzählen, damit nicht einer wegen ihres Hinweises da verunglückt. Mit Anfang 20 denkt man halt manchmal etwas seltsam...

    Der weitere Wegverlauf erwies sich dann ähnlich dem Teilstück vor Staddajåkkå, aber zum Glück mit weniger Schnee. Dafür kam aber mehr Geröll hinzu, was meinen Füßen, die heute schon viel Strecke gesehen hatten, nicht besonders gefiel.
    Das ein kalter Wind aufzog, war auch nicht förderlich für die Moral.




    Auch wenn das mit der Sommerbrücke kein Problem gewesen wäre, wenn ich beim Tourstart vor zwei Wochen gleich den NKL gegangen wäre, so hätte ich mit dem Stück bis dahin aber wegen der damals noch liegenden Schneemassen meine liebe Not gehabt. Von dem her war es wirklich gut gewesen, die Tour so abzuändern, wie ich es getan habe.

    Kurz nach der Rasthütte am Kårsåjaure, der immer noch vereist war, wurde der Pfad dann noch einmal kurz schneereicher, was dank der dünnen Schneedecke oft ein Problem wurde. Zu allem Überfluss verließ ich hier auch die Karte, die mir nur noch sagen konnte, dass es noch 8 km bis Vaisaluokta sind. Ich hatte mir zwar daheim den Anschlussausschnitt kopiert, ich muss ja für 8 km nicht eine ganze Karte mitschleppen, aber da ich bei meiner Ankunft dann dachte, ich brauch den Ausdruck ja nun doch nicht, hab ich ihn im Boot entsorgt. Etwas voreilig...
    Zum Glück war der Pfad aber gut markiert, so dass ich die Karte nur zur Beantwortung der "Wie weit isses denn noch?"-Frage gebraucht hätte.

    Der Gang nach Vaisa stand heute aber ohnehin nicht auf dem Programm, da ich beschlossen hatte, erst mit dem Nachmittagsboot nach Ritsem zu fahren, dort zu übernachten (heiße Dusche!) und am nächsten Morgen dann die Heimreise in einem Rutsch anzutreten.

    Also schlug ich am Abend an der erstbesten geeigneten Stelle, die gar nicht so leicht zu finden war, da Zeltplätze hier oben erstaunlich rar sind, mein Zelt auf. Beim Aufbau ist mir dann einer meiner neuen "Titan"-Heringe beim Eindrücken mit dem Stiefel verbogen und als ich ihn dann wieder gerade biegen wollte sogar ganz zerbrochen. Das war die erste und letzte Tour mit denen. Teurer Mist, egal wie leicht, ist nunmal Mist. Lieber schlepp ich ein halbes Kilo mehr an Heringen und Stahlnägeln, auf die ich mich voll verlassen kann, als nochmal mit Material loszuziehen, das noch nicht einmal den Zeltaufbau überlebt...

    Kaum hatte ich die Hütte eingeräumt (diesmal zog ich die Kordel vom Zeltsack zu), schon begann es zu regnen... Glück gehabt!



    In Verbindung mit dem stärker werdenden Wind war es draußen so ungemütlich, dass ich ausnahmsweise mal in der Apsis kochte, wo ich vor Wind und Regen geschützt war.


    15. Tag, 19.07.2015

    Die ganze Nacht durch hat es geregnet. Schon mal wieder typisch... ausgerechnet die letzte Nacht im Fjäll muss eine Regennacht werden, und das, obwohl das Zelt beim Verpacken für die Rückreise eigentlich trocken sein sollte...

    Gnädigerweise ging der Regen aber am frühen Morgen in leichten Niesel über und hörte dann sogar ganz auf, so dass ich mit reichlich Handtuch-Einsatz das Zelt sogar tatsächlich trocken in den Beutel brachte.

    Das Wetter klarte in einer unglaublichen Geschwindigkeit auf, so dass ich schon bald die Regenjacke und den Regenschutz vom Rucksack wieder einpacken konnte.


    Blick auf den Akkajaure kurz vor dem Abstieg nach Vaisaluokta

    Als ich die Baumgrenze erreichte, wurde es sogar richtig warm und leider auch schwül, so dass ich auf den letzten Kilometern nochmal so richtig ins Schwitzen kam...

    Am Mittag hatte ich dann die Hütte und damit für mich das Ende des Nordkalottledens erreicht. Das war trotz der Umstände ein tolles Gefühl, das ich auch auskostete.

    Da noch ein paar Stunden bis zur Fahrt nach Ritsem blieben, mietete ich mich zur Feier des Anlasses als Tagesgast in der Hütte ein, wo ich mich erst einmal daran machte, überflüssiges Essen aus dem Rucksack loszuwerden, in dem ich mir ein warmes Mittagessen kochte.
    Da es in Vaisa sehr guten Mobilfunkempfang gibt, nutzte ich die Wartezeit gleich einmal, um die Verwandtschaft davon in Kenntnis zu setzten, dass die ruhigen Tage bald vorbei sein würden und um meine Rückreise zu planen und zu buchen.

    Etwa zwei Stunden vor Abfahrt begann es, wie aus Kübeln zu gießen, was dann leider nicht mehr aufgehört hat, bis ich in Ritsem war....


    Wettermäßig war die Tour dieses Jahr bei weitem nicht so schön wie 2014, aber das hatte ich auch nicht wirklich erwartet. Zwei Jahre hintereinander fast nonstop Sonnenschein wären schon sehr seltsam...

    Das bei meinem Trip noch viel Schnee liegen würde, hatte ich erwartet; dank des Forums war ich ja vorgewarnt. Das es stellenweise noch so viel sein würde, dass ich umplanen musste, kam dann aber trotzdem überraschend. Es war aber ein einmaliges Gefühl, die Landschaft noch so winterlich zu erleben. Dieser Vorfrühlingsaspekt ist zumindest bei gutem Licht wirklich wunderschön.
    Da ich meine Kenntnisse im Umgang mit Schneefeldern, diesmal auch welche in schlechtem Zustand, erneut erweitern konnte, würde ich ohne zu zögern nochmal bei solchen Bedingungen eine Tour machen.

  18. Fuchs
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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #38
    Toller Tour - Bericht, sehr informativ und gut geschrieben, aus einer winterlichen Landschaft - mitten im Sommer.
    Ich habe viele Anregungen für meine eigene Sarek - Tour bekommen, für irgendwann.
    Das Rentiere solche Gauner sein können, war mir auch neu. Trotzdem lustig, jedenfalls für die Leser.
    Danke für´s teilen.
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #39
    Schaade, schon vorbei, und keine Tiere mehr...
    Danke Dir für den wundervollen Bericht! Zwar macht mir das Wissen um die späte Schneeschmelze jetzt ein bisschen Sorge für meine Furten Ende August, aber vielleicht ist bis dahin ja wieder alles ganz anders. Und hoffentlich verzögert sich die Reife der Moltebeeren nicht zu sehr.

    Aber eine Frage hab' ich doch noch: Wenn ich Dich richtig verstanden habe, war Dein Zelt samt Apsis zu, als das Rentier Hunger hatte. Hat das da frech unter der Zeltplane durch gestöbert oder hab' ich da was falsch verstanden?

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    AW: [SE] Holiday on ice - Juli am Padjelanta- und Nordkalottleden

    #40
    Ende August solltest du keine Probleme beim Furten haben...

    Ja, die Tiere haben sich leider am Schluss sehr zurückgehalten. Nach dem Vuojatädno war irgendwie tote Hose, auch mit Rentieren, von denen ich sonst bis auf die Zeit südlich von Tarrekaise täglich welche gesehen hab.

    Das hast du richtig verstanden, das Mistvieh hat den Zeltsack samt Inhalt aus dem geschlossenen Zelt unter der Plane hervorgezerrt. Und das, obwohl kein Zipfelchen davon aus dem Zelt hervorgespitzt hat.

    Nicht auszudenken, was das Biest alles gefressen hätte, wenn die Apsis offen gewesen wäre... im besten Fall meine Socken und im schlimmsten Fall meine Stiefel... wobei es diese Fressattacke dann wahrscheinlich auch ohne mein aktives Zutun nicht überlebt hätte

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