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  1. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #1
    Mitreisende: EbsEls
    Ich plane für den Juni auch eine Balkan-Tour, aber mit dem Rad. Voraussichtlich werde ich um den 12.6.2015 (+/- ein Tag) von Montenegro aus (Murino) hoch auf den Tschakor-Pass stampfen, oben Boofen und dann die Rugova-Schlucht hinunter nach Peje brausen und in Peje einen Ruhetag genießen. Nach Empfehlung, den Trail entgegen der Uhrzeigerrichtung zu machen, könnte sich ein Treffen ergeben? Ich werde sicher unterwegs wenigstens einmal täglich online sein. Ich starte meine Tour "Balkan-Total" am 6.6.15 in Belgrad.
    Nun bin ich schon einige Wochen wieder zu Hause. Es gibt von der Tour nichts Sensationelles zu berichten: Ich habe sogar noch die Luft aus Saalfeld in den Schläuchen des Fahrrads wieder zurückgebracht. Ich habe auch die Hinweise hier aus dem Forum und von den Einheimischen unterwegs i.d.R. befolgt. Ich bin mit der Bahn nach Belgrad gefahren, heimwärts ging es mit dem Bus von Plowdiw aus. Die Details der Route gibt es hier. Dort sind Links zu den Tracks der Tagesetappen auf Bikemap, wo ich die Route im Nachhinein zusammengeklickt habe, um die "Leistung" zu ermitteln: Nur knapp 1500 km, aber fast 22.400 Höhenmeter geleistet.

    Das Motto der Tour:

    Kopf hoch & langsam: Vorbild für den Stil des Vorankommens während der Tour.

    ... wird fortgesetzt ...
    Geändert von EbsEls (22.01.2019 um 09:40 Uhr)
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  2. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #2
    das beginnt schon einmal gut. ich freue mich auf mehr!
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference (Robert Frost)

  3. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #3
    Ich auch

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  4. Dauerbesucher
    Avatar von Baciu
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #4
    Ja, da wären wir uns ja fast über den Weg gelaufen. War sicher auch ne recht sonnige Zeit dort. Bin mal gespannt.

  5. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    [RS] Serbien

    #5
    6.6.2015 Die Anreise

    Es war wieder dieses tolle Wetter während der Zugfahrt von Dresden nach Budapest, wo man geneigt ist, gleich an der nächsten Station aus zu steigen und los zu pedalieren. Mich begleitete der Abt aka Alibotusch. Er ist auf dem Weg in die rumänischen Waldkarpaten. Meine Planung hatte ja eine kleine Lücke: Der Anschluss nach Belgrad im Liegewagen nimmt keine Fahrräder mit. Meine Trumpfkarte war eine internationale Radkarte bis Belgrad ausgestellt. Der ungarische Schaffner auf der letzten Stunde ab Sturovo nach Budapest bemerkte als Einzigster, dass der Geltungsbereich ab Verkaufsdatum meiner Radkarte ausgestellt und im April 2015 abgelaufen war. Damit hat er sich die ersten ca. 7 € (2000 HUV) Schmiergeld verdient. Er meinte: "Für zwei Bier". Der serbische Liegewagenschaffner im Anschlusszug deutete sofort an: "Musst Du zahlen an die Ungarn und die Serben." Mein Fahrrad konnte ich taktisch günstig am Kopf des ersten Waggons, was auch mein Liegewagen war, abstellen. Die kleine Kröte, was die ungarische Schaffnerin war, wollte 40€, ich konnte auf 30€ runterhandeln. Es bewahrheitete sich mal wieder der Spruch des Abt: Was der Teufel nicht selber kann, stellt er durch ein Weib an. Der Liegewagenschaffner bezifferte den serbischen Anteil mit 10€, wir hatten eh Freundschaft geschlossen. Im Liegewagen war die lingua franca Englisch, mein Abteil war voll belegt wie der komplette Waggon, vier Amis, ein Bosnier mit perfekten Englischkenntnissen und icke, naja. Ich unterhielt mich mit drei Jungs, die als Studenten bei Audi in Györ arbeiteten und als Ziel für eine Spritztour sich Belgrad ausgesucht hatten, Respekt!

    Nur raus aus der Stadt - Belgrad

    Heute morgen dann der Standardablauf: Waschen am Bahnhofsbrunnen, Geld also Dinare zapfen (100 Dinare = 0,83€) und dann raus aus der Stadt. Ich bin bisschen zu weit ostwärts gekommen, jetzt aber auf der Ausfallstraße nach Süden Richtung Čačak, mit extrem viel Verkehr. Bei den Temperaturen wünschte ich mir ein wenig mehr Wind.

    7.2.2015 In Divcibare

    Ich fand ca. 8 km vor Mionica eine tolle Stelle zum Zelten, schön hinter einem Strauch. Trotzdem lämpelte nachts Einer rum und murmelte ein paar serbische überrascht klingende Wörter. Ich grüßte aus dem Zelt heraus und versicherte "sawtra utro" bin ich weg. "Dobro, dobro!" Da waren die meisten meiner Krämpfe schon vorüber. Am folgenden Tag habe ich das serbische Mineralwasser noch mit Magnesium-Tabletten verstärkt.

    Mionica

    Hier bin ich im serbischen Kernland, sehr ländlich geprägt. Ich war sehr überrascht, als ich in einer Kneipe in einem Extrazimmer einige verkopftuchte Frauen plappern hörte. Nach einiger Zeit brachte der Wirt den Weibern auch noch die shisha, die Wasserpfeife. Das waren wohl Flüchtlinge aus dem Maghreb. Im Nachbardorf war mein Nachbar dann wieder ein echter Vertreter seines Landes, stolz prangte das Tschetnik-Zeichen, serbisches Wappen über zwei gekreuzten Pistolen, an seiner Lederweste. Insgesamt war dieser zweite Tag schon einer, der mir schwer fiel. Es galt 800 Höhenmeter zu überwinden über das Maljen-Gebirge nach Divcibare.

    Der Aufstieg auf das Maljen-Gebirge ist geschafft

    Den Kamm überwunden, ist man in dieser typischen Hochweidenlandschaft mit vereinzelten Kiefern. Divcibare ist ein Wintersportort für die Belgrader, oder jetzt im Sommer ein Luftkurort. Nur am Sonntagabend waren alle schon wieder abgereist, die mich auf dem Weg hochwärts überholt haben. Aber in einem nacionalni restoran gab es ein prima Gulaschgericht mit domacni syr, hausgemachten Schafskäse. Mein Zelt stand auf dem Gelände des schon lange aufgegebenen Autocamping "Bresa" auf einer wohlriechenden Kräuterwiese.

    8.6.2015 Im Himbeerland

    Der Serbe an sich ist in Teilen schon ein Frühaufsteher, aber kein großer Frühstücker. Als ich heut morgen gegen halb Acht mir einen Kaffee bestellte, muss den wohl ein Gast gezapft haben. Denn dann kam die Treppe runter der Chefkellner, knipste den Computer an und bongte erstmal die bisher vom Stammtischler ausgeschenkten Getränke.

    Da kommt Freude auf: Eine Abfahrt ins Tometino Polje

    Ersatz für das Frühstück war eine feine Abfahrt bis zu einem Banner über die Straße in Jeshevica, Reklame für ein Hotel. Es war halb Zwölf, Zeit für einen Brunch bestehend aus einem Vorsüppchen und in Schinken eingerollten cevapcici mit shopski Salat. Ich habe eine Tradition, nach dem Essen einen rakija. So auch jetzt in Guca, dem Dorf des berühmten Trompeterwettbewerbs. Die allgegenwärtigen Pommes mopst mir gerade ein kleines Mädchen vom Teller. Gott sei Dank, das gilt dann auch als aufgegessen und das gute Wetter bleibt mir hold.

    Im Himbeerland

    Hier werden überall in Weinbaumanier Himbeeren angebaut. Bei dem Wetter wird wohl in ein bis zwei Wochen eine gute Ernte eingefahren. Ich sah reichlich Daumennagel große Beeren an den Sträuchern, und zwar Daumen von Leuten, die wirklich Daumen drücken.

    Krajputaši

    Am Wegesrand fielen mir einige Steinstelen auf, offensichtlich Gedenksteine für Verstorbene. Es sind Krajputaši genannte Grabmäler, die sich durch einzigartige gemeißelte und gemalte Motive und Epitaphe auszeichnen. Eine ähnliche Tradition gibt es im Bayrischen Wald mit den Totenbrettern.
    Wenn ich die hiesigen serbischen Riesen sehe und die deftigen Fleischgerichte würdige, kann der derzeitige Weg zum Veganertum nur ein Irrweg sein und zur Degeneration führen. Gerade sind mir die riesigen gegrilltem Fleischberge für eine Gesellschaft hier im Motel ASS in Guca aufgefallen. Auch wenn ich heute schon ein Pfund vom rostilj verspachtelt habe, es sah lecker aus.

    9.6.2015 Guca ohne Trompeten

    Ich bin heute früh in Guca gestartet, der Stadt des berühmten Trompeterwettstreits, dieses Jahr vom 3.-9. August. Said Miles Davis, a Guča Festival visitor: "I didn't know you could play trumpet that way.”

    Der erste Sieger des berühmten Trompeterwettbewerbs: Desimir Perišić

    Ich sitze in einem Gasthaus kurz unterhalb des 800 m Pass zwischen Guca und Ivanjica. Neben mir ein Bernhardiner, von dem man befürchten muss, dass er den Tisch umschmeißt, sollte er sich umbetten wollen. Er grunzt und japst aber friedlich weiter, mein dritter Doppel-Dezi spricer (Weinschorle) wird wohl stehen bleiben auf dem Tischchen. Gut dass ich die Einladung unten in Kotrasha nicht eingegangen bin. Den zweiten rakija des Op's habe ich bei der Passauffahrt wohl verspürt. Er wollte mir in seinem Haus ein gutes Mahl auftischen, er rieb sich viel versprechend den Bauch. Das wäre wohl aber das Ende der heutigen Etappe gewesen.
    So aber erreichte ich nach einer großartigen Abfahrt Ivanjica. Hier gab es einen Hamburger, so wie er immer sein sollte: Ein pleskavica. Der breitgeklopfte Bratklops wiegt hier fast 300 gr, das Brot ist warm und frisch. Bei der Gourmet-Ausführung gurman pleskavica mit Schinken und Käse kann man dann wie beim Döner noch diverse Gemüse und Saucen hinzu wählen.

    Perfektes Radlerwetter

    Über allen ist das schöne Wetter, wer weiß schon wie das hier im Dauerregen abgehen würde. Aber wie entspannt die Leute hier sind, lest in dieser kleinen Beobachtung. Ich halte an einer schattigen einladenden Kneipe für einen spricer. Ein riesig langer 99'er FORD Mondeo Combi fährt fast mein Rad um beim schwungvollen Einparken. Zwei Serben beleiern beim Aussteigen gleich den jungen Kneiper, der lässt sich aber bei seiner englischen Konversation mit mir gar nicht beirren. Dann besteigt er den Mondeo, nicht abgeschlossen und der Schlüssel steckt, ist hier so üblich, und fährt ein paar pleskavica aus. Nach ein paar Minuten zurück holt er seine Angel und fährt mit Einem der Leute zum Forellen fischen: "My hobby!" Die Uhr zeigt 15 Uhr.

    Amerikanisches Versprechen

    Morgen wird es wohl ans Eingemachte gehen, ich fahre noch bis zum Ende der asphaltierte Straße nach Kumanica. Das amerikanische Versprechen durch den Mercy Corps einer Fortsetzung der Asphaltierung bis Montenegro scheint nur Makulatur zu sein. Dort erwartet mich morgen 30 km Gravelroad aufwaerts.

    10.6.2015 Golija Planina

    Es war ein schweres Stück über die Golijan Berge in das Sandžak nach Novi Pazar. Ich fand eine großartige Zeltstelle am Ende des Asphaltbelags einer Nebenstraße gleich nach Kumanica. Was ich nicht fand - ein Lädchen. Damit war das Wasser knapp, zu Essen gibt es überhaupt nix. Ich ließ mir die Möglichkeit der Umkehr.

    Aufstieg Golija Planina

    Doch welche Überraschung, nach wenigen hundert Metern gab es Asphalt und immer wenn es knapp wurde mit dem Wasser eine Quelle. So erreichte ich bei knapp 1500 Metern die Wälder des Golija-Gebirges. Irgend einer hatte die Idee auf den höchsten Berg Jankov Kamen (1833 m) eine Seilbahn zu errichten. Am Forsthaus Golijanska Reka standen überall Gondeln und anderes Material für das Projekt rum.

    Golija Planina

    Hier war dann auch die Herrlichkeit des Asphaltbelags zu Ende. Noch mal hoch auf 1650 m, und die Gegend wendete sich schlagartig, weite Wiesen- und Weideberge und eine holprige Abfahrt.

    Blick in das Sandžak, Duga Poljana

    Ich erreiche das Bosniaken-Dorf Duga Poljana. Mir fällt sofort auf, dass in den Kühlschränken der Lädchen kein Bier mehr präsentiert wird. Um die Moschee ducken sich ein Dutzend Häuschen. An der kleinsten Hütte steht dran: Obucar, der Schuster. Daneben sehe ich wie ein Op' im Schaufenster gegrillte Hammelfleischstücke immer wieder mit Sauce übergießt. Das wird mein Happerchen zum Frühstück, würzig, heiß und gut. Es ist aber schon 16 Uhr.

    Die große Moschee in Rajcinovice (Džamija u Rajčinoviću)

    Zur Übernachtung suche ich mir ein Hotel in Novi Pazar Banja. Nachdem ich mich frisch gemacht habe, will ich noch auf ein Getränk eine Treppe tiefer. Da wird mein Flur zur Moschee, in der Tat, neben meinem Zimmer #102 liegt der Gebetsraum. Am Treppenaufgang haben alle bereits die Schuhe ausgezogen, bestimmt fünzig Paar. Als ich erfolglos nach ein paar Minuten zurückkehrte, was ich für das Restaurant hielt, war jetzt der Gebetsraum der Frauen, knieten und beteten immer noch Einige vor meinem Zimmer. Das Ganze incl. Übernachtung in einem hoch feinen Dreibettzimmer kostete 20€. Ein Glück, dass ich ein paar Minuten vorher noch eine serbische Kneipe fand und ein Zajecarsko pivo kalt genießen konnte.

    11.6.2015 Der Müller

    Gut, dass ich schon gestern mein Zimmer zahlte, wie erwartet war heute früh um Sieben keiner da. Also rein nach Novi Pazar zum Frühstück. Meine Gelüste gingen in Richtung Bäckerei und türkischen Kaffee. In der Bäckerei Evropa fand ich zwei schöne Stücke und direkt am Fluss Rashka eine kafana zum Verweilen. Das Tagebuch schrieb ich zu vier türkischen Tee. Es kündigte sich ein Tag der Ruhe und Entspannung an. Es ist schön, wenn man kein Ziel anstreben muss.

    Unter der Festung in Novi Pazar

    Heute scheint Abschluss des Schuljahres zu sein, von allen Seiten streben die Kinderchen mit den Farben der Schule als Luftballons dargestellt und verfolgt von den Handys der Eltern den zentralen Platz unter der Festung an.

    Basargassen

    Novi Pazar macht seinen Namen alle Ehre, in alle Richtungen kleine Basargassen mit nullstöckigen Buden und ein Gewimmel von Autos und Leuten dazwischen. Irgendwann wurde ich als würdig befunden, mit dem persönlichen Handy abgelichtet zu werden.

    ... aber eine Lunte liegt

    Endlich beschloss ich, den Weg zurück zur Route über Tutin zu nehmen, mit der Maßgabe: Langsam, langsam, heute nur ein viertel Tag. Überall finde ich muslimische Friedhöfe, doch nach der Abzweigung nach Tutin links Kreuze auf den Gräbern. Was bedeutet das für Einen, der Bierdurst im Zeichen der Minarette hat? Die Erlösung ... und bald fand ich Niksicko pivo in der Kühlvitrine eines kleinen Lädchens am Straßenrande. Ich holte mir ein Niksicko aus dem Kühlschrank und hockte mich in die Runde. Ich landete in der Runde von vier Serben und dem Betreiber des "magazin mixt". Einer verstand ein wenig Deutsch, er arbeitete einige Zeit in Duisburg. Der Platzhirsch wollte gleich wissen, was ich als weiteres trinken mag. "Rakija", mir war noch nicht klar, was folgen sollte.

    Der Mueller, der Platzhirsch, der Geselle

    Einer in der Runde war der hiesige Müller, er betreibt eine zweihundert jährige Wassermühle. Auf meine Frage nach einer Besichtigung packte der Platzhirsch den Müller, seinen Gesellen und mich in diesen tollen Michelin-Van von Fiat (die grandiose Konstruktion eines Raumwunder) und fuhr uns die paar hundert Meter zur Mühle am Fluss Rashka.

    In der 200-jährigen Mühle


    Giltig gemacht: Mit Stempel und rakija

    kukuruz (Mais) steht auf dem Mahlzettel, den der Müller mir giltig machte. Natürlich gab es für die Runde incl. Fahrer einen rakija, trotzdem konnte er mich wieder heile zurück bringen. Dort wartete der "Duisburger" mit einer neuen Runde von Freunden und rakija. Einer der Neuen war ein besonders Pfiffiger. Er überschlug schnell den Gewinn eines Exportgeschäfts, nachdem ich ihm auf Nachfrage den Literpreis eines guten Obstlers mit 25€ in deutschen Geschäften schätzte. Darauf den nächsten rakija. Ich habe jetzt die Reißleine gezogen, bin in der tollen Anlage Motel "Ras" Pazariste eingecheckt. Das liegt am Beginn einer tollen Felsenschlucht, wo ich morgen weiter radeln werde.

    12.6.2015 Auf der Seidenstraße

    Heute galt es nun nüber zu machen nach Montenegro. Parallel zur Hauptstraße über Novi Pazar gibt es die Nebenstraße über einen kleinen Pass nach Tutin.

    Der Weg nach Tutin

    Oben wieder der Landschaftswechsel zur Waldsteppe des Peshter. Die Stadt Tutin scheint wie erst vor zwanzig Jahren erfunden und jeder durfte bauen wie er wollte. Oft war aber schnell das Geld alle, es blieb ein Rohbau stehen, der auch mal für sieben Stockwerke angelegt sein konnte. Trotzdem ein großer Trubel allenthalben, es gab Zeugnisse für die überaus zahlreiche Jugend. Da wurde von den Vätern, Vettern und Onkels gern mal ein Schein ins Zeugnis gesteckt.

    Poser in Tutin

    Ein Op' aus Ahrweiler bei Bonn erzählte mir bei einen Tee die Geschichte dieser Gegend. Vom Berliner Kongress nach den ersten Balkankriegen wurde dem Sandžak die Autonomie zugesichert. Doch geschert hat sich keiner der Herrschaften darum, gekümmert aber auch nicht. In der Kneipe hingen zwei Tito-Plakate, unter dem ging es den Leuten noch am Besten, man hatte einen Pass, der was galt und konnte ins Ausland arbeiten gehen. Er unterstrich mehrmals, dass in dieser Stadt heute jede Familie das Geld aus dem Ausland kriegt. Er war schon in den 60igern mit der gesamten Familie ins Rheinland und hat heute einen deutschen Pass.

    Die Lage von Tutin an der Seidenstraße

    Auf dem Stadtplatz haben sie eine Weltkarte mit den diversen Seidenstraßen aufgestellt, letzte Station nach Westen kurz vor Venedig: Tutin.
    Geändert von EbsEls (22.01.2019 um 09:56 Uhr) Grund: Bilderlinks repariert
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  6. Erfahren
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    [MNE] Montenegro

    #6
    Nach dem unproblematischen Grenzübergang ins Euroland Montenegro dann die Ibar-Schlucht, eine Kopie der Ardeche-Schlucht.

    Die Schlucht des Ibar

    Genauso führte die Straße hoch über der Schlucht mit atemberaubenden Tiefblicken. Vor einigen tausend Jahren wird es wohl auch an der einen Stelle einen Ponte de Ibar gegeben haben.


    13.6.2015 Ein neuer Länderpunkt: Kosova

    Das Motel Grand am Ausgang von Rozaje Richtung Berane war großartig, Niksicko pivo, ein gutes gebackenes Schweinefleisch, eine fast heimische Kartoffelsuppe, viel Internet und ein kühles Zimmerchen - alles zusammen für sage und schreibe 25€.

    Holzernte oder Holzklau: Die Laster sah ich dann später auf dem Weg ins Kosovo

    Wie immer bin ich vor Sieben los, aber nicht weit zeigte das montenegrinische Tourismusentwicklungsbüro einen Radtrail zur Quelle des Ibar an. Da bin ich mal rein in das enge Tal, aber nach einigen Kilometern wieder umgekehrt, es sollte ja noch vor dem Aufstieg ein ordentliches Frühstück geben.

    Ideen für Rad und Wanderstiefel

    Wenn man von der Hauptstraße in Rozaje in die kleinen Gassen abbog, roch es überall lecker nach pekara, einer Bäckerei. Ich wählte eine bosniakische Bäckerei, drinnen ein leckeres Mädel, aber sonst war außer ein paar Waffeln und großen Broten nichts für mich zu happern. Ich fragte nach einer Portion burek, sie antwortete: "Mantije!" Ich konnte damit nichts anfangen und wandte mich ab, sie rief hinter mir her und zeigte mir das Blech in ihrem Ofen. Es waren lauter Tischtennisball große Buchteln aus Blätterteig gefüllt mit gehacktem Fleisch. Sie packte mir 10 Stück auf einen Teller und übergoss sie mit saurer Sahne, dazu gab es einen Becher Joghurt. Preis: 1,40€.

    Aufstieg zum Pass und zur Grenze zum Kosovo: Die Moschee in Dacići

    Nach einigen Runden durch das Städtchen und einer weiteren Portion burek startete ich den Aufstieg zum Pass hinüber ins Kosovo. Rozaje liegt auf über tausend Meter Höhe, trotzdem braucht es noch knapp 600 Höhenmeter um dann in das Amselfeld hinunter zu stürzen.

    Am Kula-Pass
    Geändert von EbsEls (22.01.2019 um 10:00 Uhr) Grund: Bilderlinks repariert
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    Eberhard Elsner

  7. Erfahren
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #7
    Zitat Zitat von Baciu Beitrag anzeigen
    Ja, da wären wir uns ja fast über den Weg gelaufen. War sicher auch ne recht sonnige Zeit dort. Bin mal gespannt.
    In der Tat: Ich war auch zu Gast in dem schönen Hotel Ҫardak - kommt im nächsten Beitrag
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  8. chrischian
    Gast

    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #8
    Zitat Zitat von EbsEls Beitrag anzeigen
    um die "Leistung" zu ermitteln: Nur knapp 1500 km, aber fast 22.400 Höhenmeter geleistet.
    Schaffst Du da überhaupt Deine 6000km dieses Jahr? Ansonsten sehr schön.

  9. Erfahren
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    [RKS] Kosovo

    #9

    Abfahrt vom Kula-Pass ins Kosovo

    Spektakulär, die Abfahrt! Bevor meine Reifen beginnen zu brennen vom Bremsen, steht die erste kosovarische Kneipe am Weg. Hier koste ich schon mal vor - das birra Peja, das Bier aus Pec, dem ersten Hauptziel dieser Tour. Morgen soll es in die Rugova-Schlucht gehen.
    Das Gewitter gerade würde wohl auch den Tropen gerecht werden, Golfball große Blasen vom Regen und Blitz&Donner im Minutentakt. Ich sitze beim 3. birra Peja im Trockenen. Es ist für mich immer sehr spannend in ein neues Land zu kommen, ich bin gespannt, ob die Vorurteile stimmen, worauf kann ich mich freuen und wovor muss ich mich in Acht nehmen. Ich bin dann sehr aufmerksam und suche die Zeichen an der Wand. Meine Kneipe hier ist dekoriert mit der amerikanischen und der albanischen Flagge. Neben mir bis eben drei Aufschneider, die sich nur mit ihren neuesten iPhones unterhielten, zwei der Kerle sind gerade in einem AMG S-Klasse-Super Coupé mit Flügeltüren weg. Soweit die Bestätigung der Vorurteile. Positiv für mich ist im Gegensatz zum bosniakischen Sandszschak die größere Toleranz zum Bier. Hier kriege ich ein kriegl Bier (albanisch für aus dem Fass ausgeschenkt) aus Pec/Peje. Vergleichsweise trocken noch die wenigen Kilometer hinein nach Peje gerollert.

    14.6.2015 Gryka Rugove: Kann ein Sonntag schöner sein

    Die Kosovaren halten die Sonntagsruhe ein, das muss man sagen. Gegen 7 Uhr gibt es noch wenig offene Caffees. An mein Rad komme ich noch nicht, im Hotel ist niemand. Bei einem netten Mann dann der erste und der zweite Espresso, er begrüßt hier jeden wie einen alten Bekannten. Ich kann mich mit ihm auf Deutsch verständigen, dass ich mir was leckeres&heißes von der benachbarten Bäckerei hole und bei ihm frühstücke.
    So gestärkt gehe ich die Rugova-Schlucht an. Am Ortsausgang am serbischen Kloster noch ein paar verlassene KFOR-Posten mit verrosteten "Nicht fotografieren!"-Schildern. Es ist die beeindruckendste Schlucht, die ich bisher durchfahren durfte, fantastisch.

    unterer Teil der Schlucht


    Beim Restaurant "Hani"

    Es gibt eine ordentliche Infrastruktur, im Restaurant "Hani" hat gerade eine KFOR-Streife in voller Montur (Lothar würde sagen: Mit der kleinen und der großen Demokratie, die Begleiter des Südtiroler Offiziers sogar mit Sturmgewehr) die Sicherheit für eine reservierte und gedeckte Tafel gecheckt. Ich erhalte Besuch am Tisch vom Präsidenten des kosovarischen Radfahrerbunds und dreimaligen kosovarischen Meister. Er ist so alt wie ich. Er hat unten in Peja einen großen Radladen. Wir schätzen unsere jeweiligen Rahmenkonstruktionen, er fährt einen Carbon-Rahmen. Er zutscht Energie-Drink aus seiner Radlerflasche, ich trinke birra Peja.

    Im Restaurant "Hani"

    Ich bin bis hoch zum Abzweig zur Grenze nach Montenegro, in die Siedlung Kuqishte.

    Kuqishtë - point of return

    Nun die Belohnung: Die Abfahrt zurück nach Peje. In den Tunnels hänge ich mich an den Sonntagsausflugskonvoi der italienischen Carabinieri mit Horn und Blaulicht. Ich bin auf einigen derer GoPro-Videos, besonders für mein Ausbremsen des einheimischen Gegenverkehrs in einer Kehre erhalte ich Beifall.
    Meinen Sonntagsbraten erhalte ich in einem äußerst schmucken Restaurant in Peje, zu deren Sauce würden auch die Thüringer Klöße passen. Kann ein Sonntag schöner sein?

    15.6.2015 Der Weg nach Prizren

    Gestern noch ein spannendes Gespräch mit den Besitzern des Hotels Çardak in Pejë gehabt, zwei Brüder. Der eine versuchte mir die widersprüchliche Geschichte des Kosovos zu erläutern. Es leben hier 30% Katholiken, 70% Moslems und Serben. Es hätte hier praktisch keine Kämpfe gegen die Deutschen im Weltkrieg II gegeben, mit den Italienern hätte es Probleme gegeben. Leider konnte ich nicht richtig folgen, die Sissi aus Stuttgart schwätzte mit dem anderen Bruder. Sie will am 16.11.2015 in Pejë dort im Restaurant ihren 55. Geburtstag feiern, ich bin eingeladen. Nach einigen Malorca-Abenteuern und vielen schwäbischen Automarken ist sie abgebrannt im Kosovo gelandet und macht jetzt mit ihrem Lebensabschnittsgefährten in Wasser. Diese Story ist reif für das reality TV in SAT1.

    Kloster Visoki Dečani

    Gerade konnte ich slowenische KFOR-SoldatInnen bei ihrem Dienst beobachten. Ich bin in Dečani und besuchte das serbische Amselfeld-Kloster hier, UNESCO-Weltkulturerbe. Man muss beim KFOR-Posten seinen Pass abgeben und erhält einen Besucherausweis, heute zusammen mit einer Rentnertruppe aus Japan. Am Posten und im Kloster überall Schilder zum Fotoverbot, bei der Ausrüstung der Japaner aber vergeblich. Sie waren neben den Fotokameras noch drahtlos mit ihrem Reiseführer verbunden, damit sie seine Erklärungen mit ihrem Reiseführerbuch vergleichen konnten. Alles sehr geordnet und höflich. Ich musste mir nur hinter einem KFOR-Jeep lange Hosen für den Klosterbesuch anziehen.

    Auf dem Weg nach Prizren: Die Schneider (Terzijski)-Brücke über den Erenik bei Đakovica, Kosovo

    Der Weg nach Prizren war arm an Schatten, windig und reich an Verkehr. Aber ich bin mir sicher, ich habe mit dieser Etappe die beiden schönsten Städte des Kosovo verbunden. Heute früh noch im Basar in Peje an einem Brunnen einen Kaffee. Einen Höhepunkt im Vorfeld von Gjiakove war ein Restaurant in einem Eichenhain mit diversen Brunnen und Bächlein zwischen den Sitzinseln, ein Muster von einem Biergarten. Nun unter der Festung von Prizren das dritte kleine Bier. Mittlerweile, jedenfalls die drei Tage bisher, hat KEDS, der hiesige Energieversorger, sein Netz im Griff. Man sieht noch ein paar Dieselgeneratoren auf den Dächern, aber sogar die Festung und die Moschee sind hier illuminiert. In Vorbereitung zur Tour hatte ich noch viel von den planmäßigen Stromabschaltungen bis 2012 im Kosovo gelesen.

    Prizren vor dem Shar-Gebirge

    16.6.2015 Das Shar-Gebirge


    Prizren: Die alte Brücke über den Fluss Bistrica


    Die Sinan-Pascha-Moschee in Prizren hatte das höchste Minarett des Balkans bis zum Ende des 20 Jhdt.


    Die Schlucht der Bistica

    Dafür habe ich den ganzen Tag gebraucht, von Prizren nach Prevalle auf 1500 m im Shar-Gebirge. Mit Mittagessen bei einem mächtigen Türken und später einem Nickerchen im Schatten. Unten war ich noch zu Gast bei der albanischen politischen Lokalprominenz. Mit den Serben vom Nachbardorf Sredska kämen sie gut aus. Es sind wohl nicht mehr viele im Nachbardorf. Dreie plus Wirt traf ich in der Kneipe zum Mokka und rakija.

    Haus der Kultur in Sredska, ausgebrannt im Juni 1999

    Als ich die Standortmarkierung der deutschen PzArtBatt KFOR fotografierte, pfiff der Polizist hinter mir her. Er wollte aber nur sein Missgeschick mit der Deutschen Bahn los werden: Auf Wochendticket von Braunschweig nach München, in Nürnberg Zug kaputt, mit ICE weiter und nochmal 64€ draufgezahlt. Solche Geschichten über unsere Bahn kriegst du mittlerweile schon im Kosovo erzählt.


    Oberer Teil des Bistrica-Tals im Shar-Gebirge mit dem Goranen-Dorf Gornje Selo

    Die oberen Dörfer des Tales waren Dörfer der Goranci. Das sind moslemische Slawen, Mittelpunkt des Dorfes ist die Moschee und die Frauen laufen in sehr schönen Pluderhosen und buntem Kopftuch rum.

    17.6.2015 Der Weg nach Tetovo

    Früh war der Pass Prevalle im Nebel. Das Wetter hat sich gewendet, es ist nicht kalt, aber feucht.

    Im Shar-Gebirge

    Hat die deutsche Politik hier mal was richtig gemacht? Vorhin bin ich an einem Bauschild einer Straßenbaumaßnahme vorbei gefahren. Investor: KFOR war zu lesen. Die Leute hier, soweit es Albaner sind, sind zufrieden und zuversichtlich. Auf unsere Angela lassen sie nichts kommen. "Die Deutschen haben uns am meisten geholfen!", sagt mir Einer, der hier gerade getankt hat und spendiert mir ein Bier. In den kleinen serbischen Enklaven, durch die ich bisher gekommen bin, sieht es aber anders aus. Breshovica war mal ein Wintersportort, hier steht ein Hotel wie das " Panorama" in Oberhof - tot. Der Kneiper, bei dem ich in Dinar bezahlen durfte, sprach von "Krise auf dem Balkan". Er freute sich, dass er nachher für eine wichtige Runde die Mittagstafel ausrichten konnte. Draußen döste Lisa, seine Shar-Hündin, und bewachte mein Rad. Das sind richtig große Schäferhunde, kräftig genug, um es mit den Wölfen hier aufnehmen zu können.

    Gipfel des Shar-Gebirges

    Ich habe mich vorhin gefragt, was die weißen Landrover mit großen Antennen ausgerüstet machen. Sie standen am Straßenrand. Im Hintergrund war noch ein Unterstand zu sehen. Auf den Fahrzeugen ist ein Signet eines "Halo Trust" zu sehen. Jetzt sind sie hier an meiner Kneipe auf dem Pass, auf dem Rücken ihrer T-Shirts steht Mine Clearence. Einer geht an Krücken und hat einen frischen Handverband. Ich sah bisher auf meiner gesamten Tour keine Warnschilder bezüglich Minen. Auf deren Webseite steht frei übersetzt zum Kosovo folgendes Statement:
    Die UN verwaltete ein großes Räumungsprogramm im Kosovo zwischen 1999 und 2001, die in der Erklärung der UN 2001 mündete, dass Kosovo sei frei von Minen.
    ...
    Aktuell hat der Trust drei Teams und insgesamt 52 Mitarbeiter im Kosovo im Einsatz. Dies sei ausreichend, um mit Minen und Streumunition (Cluster munitions) in einer fristgerechten Weise umzugehen.
    Geändert von EbsEls (22.01.2019 um 10:09 Uhr) Grund: bilderlinks repariert
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  10. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #10
    Zitat Zitat von chrischian Beitrag anzeigen
    Schaffst Du da überhaupt Deine 6000km dieses Jahr? Ansonsten sehr schön.
    Nicht die Menge machts, sondern die Qualität!
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  11. chrischian
    Gast

    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #11
    Zitat Zitat von EbsEls Beitrag anzeigen
    Nicht die Menge machts, sondern die Qualität!
    Danach habe ich nicht gefragt.

    Da traue ich mich gar nicht mehr, die anderen Fragen zu Stellen.

  12. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    [MK] Mazedonien, ggf. auch FYROM genannt

    #12

    UÇK-Heldenschrein bei Tetovo in Mazedonien

    Der weitere Weg nach Tetovo war fast nur noch Rollern. Lange fand ich keine Unterkunft, nix. Die scheinen hier nicht viel Touristen ab zu bekommen, trotz der weltberühmten Bunten Pascha-Moschee. In einer Hamburger-Bude mit dem Namen Berlin habe ich dann endlich gefragt, der Eine wies nach rechts, von dort kam ich, der Andere wies in die entgegengesetzte Richtung, die waren keine Hilfe. Endlich die Hotel-Tankstelle Euro Petrol.

    Tetovo: Die bunte Moschee
    Xhamia e Pashës, was zu deutsch „Pascha-Moschee“ bedeutet

    Es ist beeindruckend, wieviel Geschäfte hier das Erlernen der deutschen Sprache anbieten. Beim Reinrollern nach Tetove gleich am Stadtrand vier solcher Fakultäten.


    18.6.2015 Ein Regentag

    Ich plante bereits zu Hause für Tetovo einen Ruhetag, nun stellte sich auch noch dieser Regentag ein. Die 36€ für die zwei Übernachtungen in der Hotel-Tankstelle waren also gut angelegt. Die berühmte Bunte Moschee fand ich gestern schon, heute war ich an dem Bektashi-Kloster.

    Tetovo: Vor der Arabati-Baba-Tekke
    Eine Tekke ist ein Zentrum einer Sufi-Bruderschaft (Derwisch-Orden)


    Tetovo: Hinter den Mauern der Arabati-Baba-Tekke

    Es ist schon lange kein Derwisch-Kloster mehr, die Brandnarben und die Beflaggung zeugen vom widersprüchlichen Geschehen in den letzten Jahren.

    Tetovo: Der Friedhof

    Es ist hier viel schwieriger eine Kneipe mit Bierausschank zu finden als im Kosovo. Oberhalb der parallel zum Shargebirge verlaufenden Hauptstraße ist es vergeblich. In der Unterstadt ist die Wahrscheinlichkeit etwa fifty-fifty bei guter Vorrecherche. Diese besteht darin, dass ich nach einem Getränkekühlschrank von shkopsko pivo spechte. Es sind hier einige ganz unterschiedliche albanische Strömungen am Werk, hier in Tetovo sehr sunnitisch geprägt.

    Gemüsebasar

    Auf den Straßen am Kloster ist auch der Basar. Die verkopftuchten Hausfrauen kaufen ihr Gemüse nur beim Spezialisten, zum Beispiel die Frühlingszwiebeln. Ich kam mit einem der Händler ins Gespräch zum Woher&Wohin. Zum Schluss bekam ich drei Schlotten geschenkt. Was soll ich damit tun? Ich bin also damit zu meiner Stammkneipe hier und wollte sie dem Wirt schenken. Das ist eine eher säkulare Kneipe, geführt von Aleksandar. Es entwickelte sich ein großartiger Nachmittag. Meine Zwiebeln wurden mit Gurken, Oliven, etwas Salz und Öl dar gereicht.

    Tetovo: Bei meinem Freund Aleksandar. Mazedonische Spezialität: Als Meze, oder Meza (kyrillisch Мезе, Меза) perfekt zum Bier

    Dann gab es eine ganz überraschende mazedonische Spezialität: Sprotten! Ich habe nicht herausgekriegt, ob die Fischchen mal im Ohrid-See lebten. Dazu von jedem Gast einen rakija. Die albanische Runde, auch ein Schnäppschen trinkend, erhielten eine fast 1m-Durchmesser Pfanne mit gegrilltem Gemüse, dort durfte ich auch kosten.

    Im Hof der Bunten Moschee

    Ich bin hier im Orient, glaubt mir! Der Orientale vermag es seine Ware auch ohne aufwendige Verpackung zu präsentieren. Schon gestern verharrte ich vor dem Schaufenster einer mulleri. Das ist ein Laden für alles Kernige, ggf. wie beim Kaffee auch gemahlen, Nüsse und daraus bereitete Köstlichkeiten. Die Behältnisse mit allerhand Nüssen sind immer gleich gefüllt und der Spiegel ist zum Kunden angeschrägt, in jedem Behältnis kongruent. Was dieser Laden an Kaffeevarianten anbietet, spektakulär.

    19.6.2015 Ramadan

    Gestern wollte ich an der Eckkneipe, wo ich vorgestern mein Gute-Nacht-Bier getrunken habe, das wiederholen. Der gleiche Kellner, ein pfiffiger Internet-Experte, entschuldigte sich: "Ramadan". Ich habe mich schon immer gefragt, was machst Du auf Tour und es ist Ramadan.
    „Koran (erstmals) als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist, und (die einzelnen Koranverse) als klare Beweise der Rechtleitung und der Rettung (?). Wer nun von euch während des Monats anwesend (d. h. nicht unterwegs) ist, soll in ihm fasten.“
    – Koran: Sure 2, Vers 185
    Also Ebs, Du bist unterwegs, sei aufmerksam und navigiere dich geschickt durch die Nationalitäten! Mein Plan war entlang des Vardar nach Shkopje zu fahren. Meine Freunde aus Tetovo beteuerten immer, dass neben der Autobahn die alte Straße verlaufen würde. Das ist der kürzeste Weg. Darin besteht aber eben die Herausforderung, ich will nicht nach Shkopje, ich will einen coolen Weg nach Shkopje finden, dann eben auch einen Umweg.

    Derventska klisura des Vardar


    Gemeiner Bienenkäfer (Trichodes apiarius)


    Segelfalter (Iphiclides podalirius)

    Die schmale Straße durch die Derventska klisura war dann auch große Klasse, führte aber direkt wieder in das Feiertagsgebiet des Ramadan im Norden von Shkopje. In einer Dorfkneipe ließ mich der Wirt meinen Schweppes nicht draußen sitzend trinken. Da war es eine gute Idee, dass mein Frühstück bei den Arbeitern der Jugochrom-Hütte in Jegunovce zu deren Freude etwas mächtiger ausfiel. Ein Pleskavica Makedonka, gefüllt mit Käse. ...und das frische Brot, gewürzt mit vegeta und Paprika. Einer befragte mich nach der Religion, zum besseren Verständnis bekreuzigte er sich. Ich antwortete: " No Ramadan!" Ich glaube, darüber hat zur Mittagspause noch die ganze Frühschicht der Chromhütte gelacht.

    Die Matka-Schlucht

    Eine große Sehenswürdigkeit ist die Schlucht Matka. Mit der letzten Staustufe hat sich Mazedonien so eine Art Königssee geschaffen. Weiter geht es auf einem Saumpfad, ca. 6km, oder mit dem Boot. Es besteht eine sehr gute touristische Infrastruktur, die bis zum Angebot des Gleitschirmfliegen reicht. Das muss unglaublich beeindruckend sein.

    Auf Saumpfad oder mit Boot zu den vielen Klöstern

    Nun habe ich Shkopje erreicht, und zwar in dem Stadtviertel, wo der Ramadan nur im Fernsehen stattfindet. Ich feiere mit einem Tikves-Wein T'ga za jug.

    T'ga za jug

    20.6.2015 Eine Verbindungsetappe bis Negotino

    Heute bin den größten Fluss Mazedoniens den Vardar abwärts gefolgt. Diese Route nimmt auch der Highway Alexander von Mazedonien, wo ein Radler nix zu suchen hat.

    An der alten Straße hoch über dem Vardar-Tal zwischen Shkopje und Veles

    Aber es gibt ja noch die alte Straße. Es gab aber vor Veles eine Einlage, ein ordentlicher Anstieg mit zahlreichen Kurven auf einer fast zugewachsenen Straße. Ich habe sicherheitshalber zweimal geguckt, ob ich richtig bin. Die Wegweiser zeigten nur noch zu diversen Klöstern und Kirchlein.

    Im Tal des Vardar: Kirche St. Nikolai

    Nach Veles war dann die alte Straße neben der Autobahn in einem ordentlichen Zustand. Ich kam an einen Hügel mit einer großer mazedonischen Flagge, erst dachte ich, da auch Mauern zu sehen waren an eine Festung. Es war die antike hellenische Stadt Shtobi. Ein alter Mann bewachte aber nur ein paar Fundamente und einige zerbröckelte Säulen in einem riesigen eingezäunten Gelände.

    Vardar bei Negotino

    Erreicht habe ich die Stadt Negotino. Hier war ich schon mit Ralf 2006. Ich werde morgen die hier ausgewiesene Straße nach Strumiza nehmen, um nicht in alte Furchen zu geraten. Damit wird es wieder in die Berge gehen.
    In mitten eines großen Kindergeburtstags bei einem ordentlichen Gewitter gab es gerade eines meiner balkanischen Lieblingsgerichte: Gegrillten Schafskäse, petschene siren.

    21.6.2015 Ein regnerischer Sonntag

    Es ist nix geworden mit dem Weg über die Berge, bin hier geblieben im "Kraichgau" Mazedoniens.

    Weinland Tikves

    Das ist hier das Weinanbaugebiet Tikves, also auch eine Gegend für einen relaxten Sonntag. Gegen Mittag hatte es sich ausgreregnet, jetzt gegen 17 Uhr ist es genau richtig zum Draußen sitzen und die Weine des hiesigen Gutes "Rovin" zu verkosten.

    Frühschoppen in Negotino

    Sie spielen hier enthusiastisch Backgammon. Dieses Spiel wurde mir 1977 in Bulgarien auch beigebracht. Durch setzen, würfeln und gegnerische Steine blockieren muss man in einem so mit Spitzen illustriertem Spielfeld als Erster die andere Seite besetzen. Es wird mit zwei Würfeln gespielt, so dass man die Augenzahl taktisch klug aufteilen muss, was für die zahlreichen Kiebitze leidenschaftlichen Gesprächsstoff ergibt.

    22.6.2015 Strauchsteppe


    Strauchsteppe

    Auf den Hügeln hier im Süden Mazedoniens im Tikves wächst es nicht hoch. Es sind eine Vielzahl von blühenden Kräutern, Disteln und kratziges Gesträuch, weiter oben in günstigen Lagen ein paar Kiefern. Ich muss ja öfters halten, denn es geht wieder zünftig bergauf, ich kann mich mal ein wenig der Botanik und dem was drauf rum kräucht widmen. Größere Säugetiere wird es wohl wenig geben, in den Erosionsrinnen fließt nur Wasser nach den Regenfällen wie gestern, dann ist alles wieder weg und trocken. Es gibt hier auch viel weniger Greifvögel wie bei uns, einen Milan habe ich heute kreisen sehen. Bleiben die Kriechtiere und die Insekten. Die Eidechsen sind immer so schnell weg, die kriege ich nicht auf die Linse. Schlangen und Schildkröten habe bisher nicht gesehen, muss man wohl früh raus.

    Vor dem Serta-Pass

    Es war ein länger Abschnitt ohne Logistik von Negotino bis hier her nach Radovish über den Serta-Pass. Entgegen meiner sonstigen Vorgehensweise bin ich gleich beim ersten Kneiper ran, ist ein Guter, sitzen viele einheimische Gäste hier. Es ist interessant die Eigenschaften des rakija zu beobachten, von Belgrad bis hierher. Im Norden war es immer ein Obstler, dann fragten sie häufig nach: Slivovitz oder von der Traube. Bei den Muslimen war es immer ein klarer Tresterschnaps, hier in Radovish ist es ein Weinbrand, gelagert, golden. Bald bin ich in Bulgarien.

    Verkehsgeschehen in Podaresh, bei Radovish

    Heute habe ich meinen ersten verifizierten Hunderter geschafft, in Negotino war Strumiza mit 107km ausgeschildert. Nach Radovish habe ich noch eine Schleife auf einer Nebenstraße durch eine Gegend mit dem Stand von 1990 gefahren, mal von den Handies der Teenies abgesehen. Die Anzahl der Autos und Pferdefuhrwerke hielten sich die Waage.

    In Podaresh

    Deutlich ist der abgestorbene Tabakanbau, nur langsam werden die alten Darren für die Tabakpflanzen durch Foliengewächshäuser ersetzt. Das Polje zwischen Radovish und Strumiza ist sehr fruchtbar, da werden sich doch Alternativen finden lassen. Der Boden ist durch die Verwitterung der weiter vorn beschriebenen Landschaft sehr Mineralien reich. Vom Ograshden-Gebirge herunter kommende Bäche werden geschickt aufgefangen und über zahlreiche Kanäle verteilt, sehr interessant.

    Vom Dach meines Hotels in Strumica - Die Baba Wanga (1911–1996), bulgarische Prophetin ist hier geboren

    Jetzt hier in Strumica ist die Kluft zwichen Dorf und Stadt schon bemerkenswert. Strumica ist bei Karl May als Ostromdscha bekannt. Im Amtsgebäude des Ortsrichters Kodscha Bascha findet eine Verhandlung statt:
    Der Hof war außerordentlich schmutzig. Nur der Teil längs des Hauses war einige Meter breit mit einer Vorrichtung versehen, welche jedenfalls ein Pflaster vorstellen sollte. Doch sah dieses Trottoir grad so aus, als ob es aufgerissen worden sei, um als Material zu einem Barrikadenbau zu dienen. Vor der Türe stand ein alter Lehnstuhl, welchen ein vorweltliches Polsterkissen zierte.
    Heute ist das ganz anders. Das Zentrum von Strumica ist praktisch zweistöckig, unten die Autos, oben die Leute, spektakulär!

    23.6.2015 Der Weg nach Bulgarien


    Die Gemüsetafel Mazedoniens, im Hintergrund Strumica

    Heute nur eine kleine Etappe von Strumiza über die Grenze nach Petritsch in Bulgarien. Ich habe versucht heraus zu bekommen, wann das mit dem nickenden Verneinen und dem zustimmenden Kopfschütteln kommt. Es muss wirklich an der Grenze liegen.

    "Dobro slika", meinten die Einheimischen: Solche Fahnenmasten stehen an vielen zentralen Plätzen im Land
    Geändert von EbsEls (22.01.2019 um 13:33 Uhr)
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
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    [BG] Bulgarien

    #13
    Die Festung des Samuil gleich nach der Grenze zu
    Bulgarien, wo er gegen die Byzantiner verloren hat, war nicht so spektakulär, wie auch die gesamte Etappe heute durch die Gemüsetafel Mazedoniens und Bulgariens.

    24.6.2015 1977 - 1993 - 2015: 3mal Melnik

    Bisher waren es immer neue Wege, wenn ich auch mal eine Route von früher gekreuzt habe (2006 mit Ralf in Mazedonien). Jetzt bin ich auf alten Wegen nach Melnik! Ein Moment der Erinnerung unter dem Motto "Früher war Alles besser!"

    Damals und heute

    Ich sitze in der Kneipe ganz unten in der Stadt an der alten Platane, man sagt, sie steht da seit ca. 800 Jahren. Es ist gegenüber dem Lebensmittelladen, wo Schlottek damals den Joghurt holte, der so erfrischte. Dieses Melnik war für mich damals der Inbegriff des Orient. Die heutige Zeit tut dem Karma von Melnik nicht gut. Heute könnte ich mir den Orient kaufen, ab 20.250€ verkauft hier der Entwickler des Château Melnik Apartments in einem 5*-Hotel.

    Soll ich?

    Ich habe mein Rad der scharfen Wirtin der Kneipe anvertraut und einen Fotospaziergang durch das heutige Melnik gemacht. Es sind die meisten Gebäude sehr gut hergerichtet. Ich kann nicht erkennen, was alte Substanz oder was nachempfundener Neubau ist. Ich steige hoch zur Ruine der größten Kirche und komme auf dem Weg zum repräsentativen Kordupulov-Haus an einem Weinkeller vorbei. Nach den zwei Dezi verkosteten Roten werde ich sentimental und verrate dem Wirt, dass ich schon 1977 hier war. Darauf stoßen wir zusammen mit seinem speziellen Hauswein an.

    Kirche Sweta Nikola Mirlikijski
    Sie war die älteste christliche Kirche der Stadt und wurde während der Balkankriege 1912/1913 verwüstet. Im Südwesten der Kirche wurde ein frei stehender hoher Glockenturm errichtet. Der Glockenturm war viereckig, 4 mal 4,5 Meter, mit 1 Meter dicken Wänden.


    Fachwerk in Melnik

    So kommt es, dass ich mich vom Wirt der mechana und Pension "Vodenizata" in Karlanovo überzeugen lasse, hier mein Lager auf zu schlagen. Petr beschreibt den Weg nach Roshen sehr einprägsam als mächtig steil. Er vergleicht es mit dem Anstieg ab Chotovo, er muss mich wohl beim Quälen vom Auto aus beobachtet haben. Dieses Roshen, mein eigentliches Ziel ist auf dem Weg zur Slavjanka mit dem Alibotusch über den Parilski pereval wohl eher eine Sackgasse für den Radler mit Gepäck. Ich werde morgen ohne Gepäck eine Runde um Roshen und zum Kloster machen und mich am Freitag der letzten Herausforderung stellen. Nach dem nahrhaften Kavarma aus Schweinefleisch habe ich mir zur gepflegten Verdauung einen rakija bestellt. Er empfahl mir seinen domaschno rakija, das ist wieder mal ein klarer Tresterschnaps, aber angenehm mild.

    25.6.2015 Der Tunnel

    Heute also der Knoten in die Hügel von Roshen. Der Bulgare an sich ist kein Frühaufsteher.

    In Lyubovishte: Der Hirtenhund ruht noch, die Tiere sind noch im Pferch

    Niemand ist gegen 8 Uhr schon auf der Straße von Karlanovo zu sehen. Nach dem kleinen Buckel hinüber nach Roshen sieht es genauso aus, nix mit einem Kaffee zum Start des Tages. Der Himmel hat sich über Nacht total bezogen.


    Portal des Kloster Roshen

    Zuerst schiebe ich mein Rad hoch zum Kloster. Ich bin für den Besuch des Klosters Roshenski manastir dummerweise schlecht gekleidet, kurze Hosen. Ich traue mich nicht rein. Draußen gibt es auch keine richtige Stelle, um das Rad zurück lassen zu können und einen Spaziergang zu dem Pyramidy zu machen.
    Unten im Dorf ist immer noch nichts los. Außer zwei jungen Familien, die ein altes Haus fit machen für die Saison. Ich breche auf zum Ausflug hoch in die Sandhügel dieser Gegend nach Lyubovishte und drüber hinaus. Schnell komme ich zu dem vom Abt entdeckten Sandtunnel.

    Der Tunnel

    Die Straße wird aber immer buckliger, mit Gepäck werde ich diesen Weg nicht leisten können. Das wird mir nun klar.

    Ein Wegweiser?

    Auf dem Rückweg winken mich drei Leutchen hinein zum Camping von Lyubovishte, es gibt ein kaltes Bier und einen domaschno rakija. Sie sind stolz darauf, frisch gebrannt, über 50%. Der ist echt der Hammer, der Eine will mich locken, dass ich nach einem Zweiten umfallen würde. Es ist erst Mittag, ich habe bisher nix gegessen, vorsichtshalber lasse ich mich diesmal auf diese Wette nicht ein. Diese Zeilen schreibe ich bei Blagoj.

    Bei Blagoj

    Es ist die Kneipe, wo sich 2012 die Freunde nach dem Abstieg von der Pirin-Hütte wieder trafen. Hier gab es dann ein zünftiges Mahl. Blagoj macht in seiner Pracht aber auch eine gute Reklame für seine Küche. Jetzt werde ich unten in Melnik noch ein wenig elektronische Post erledigen und relaxen. Morgen muss ich stark sein, die letzte Herausforderung wartet.

    26.6.2015 Im Banne des Alibotusch

    Das ist sie nun, die letzte Aufgabe der BalkanTotal-Tour, die südliche Überquerung des Pirin auf dem Iron Curtain Trail. Ich hatte vom Abt einige Bilder im Kopf, er hat ja damals hier das ganze Gebiet intensiv erforscht. Kein Wunder: Damals ließ er sich noch Alibotusch nennen. Die höchste Erhebung des Slavjanka-Massivs ist der Gotsev Vrach (2212 m), oder der türkische Name Alibotusch, der Stiefel des Ali. Dieser Abschnitt ist tatsächlich Teil des EuroVelo 13, des Iron Curtain Trail. Aber der Reihe nach.

    Karlanovo: Bei Petr (GSM 0878 70 71 09)

    Früh bei Petr in Karlanovo los gefahren, da ging es ja erst mal runter nach Melnik, wo noch alles in der Morgenstarre war. Den Weg nach Katunzi auch gefunden, das war mit hoher Sicherheit auch unser Weg nach Kulata damals 1993 mit Mu.

    Letzter Blick zum Pirin: Winogradi (bulg. Виногради)

    Dann ging es los, ein längerer stetiger Aufstieg nach Petrovo. Die Leute in der Kneipe dort wunderten sich, dass ich in die Berge wollte. Sie boten mir eine Fahrt mit dem "Ökonomen" an. Petrovo liegt am Rande des Gebirges. Es ist aber alles noch eine hoffnungsvolle Asphaltstraße.

    Im Banne des Alibotusch

    Bald bin ich an der Hütte Isvora, es ist gegen 14 Uhr Ortszeit. Ich klinke behutsam und in der Tat, ein Frau führt die Hütte, ich bekomme ein Bier und bald stellt sie mir einen großen Teller ihrer eigenen Käsespezialitäten hin. Das ist, wenn man von einigen Plätzchen aus meinem bescheidenen Vorrat absieht, die einzigste Mahlzeit des Tages. Sie warnt mich vor meinen Plänen, noch bis nach dem Dorf Paril zu fahren. Aber hier an der Hütte bin ich ja noch nicht mal über dem Pass. Also weiter immer noch auf Asphalt. Dann erreiche ich den Pass und nach einer kurzen Abfahrt das Dorf am Ende der Welt Goleshovo.

    Brunnen in Goleshovo

    Hier versuche ich durch meine Anwesenheit jemanden zu veranlassen, das Geschäft zu öffnen. Es stehen nämlich drei leere Flaschen Pirinsko auf dem Tisch vor dem Laden. Das Haus, wie die meisten der Anderen, ist schon verfallen, im Erdgeschoss scheint es aber noch trocken genug für ein Lädchen zu sein.
    Nun kommt der Abschnitt bis zum nächsten Dorf Paril auf dem EuroVelo 13, der nur ein Attribut verdient: Unfahrbar. Es sind ungefähr ein Dutzend Kilometer.

    Parilski pereval
    Dazwischen der Pass auf ca. 1450 m. Wer behauptet, den EuroVelo komplett gefahren zu sein, muss mir das durch das Foto des Passes beweisen können. Auch abwärts muss ich meistens schieben, zu steil, zu hulprig, mit Auswaschungen so tief, dass ich mein ganzes Rad reinstellen kann. Im Dorf Paril ist nichts, außer wohl ein paar Liebhaberobjekte für das Wochenende, aber am Dorfende beginnt eine schöne asphaltierte Rollbahn bergab. Es ist schon weit nach 20 Uhr, ich nutze den Abzweig nach Nova Lovtscha in der Hoffnung, dass hier einige Einheimische für den Freitagabend eine Kneipe haben. Dort kaufe ich mir zwei Bier, eines zum Mitnehmen.

    Zelten am Rand des Reservats Alibotusch: Dorf Nova Lovtscha

    Vor dem Dorf finde ich eine Stelle für das Zelt. Das größte Radabenteuer meines Lebens hat ein gutes Ende genommen.

    27.6.2015 Der Alibotusch steckt noch in Knochen

    Eine Nacht mit ein paar Anfällen von Krampf. Ich muss heute mal wieder mehr auf die Mg-Anteile beim Mineralwasser achten. Das Wasser aus den zahlreichen Quellen ist wohl doch arm an Mineralien und das Bier reicht nicht.
    Zeitig bin ich los gekommen, gegen 11 Uhr war ich in Goze Deltschev, wo ich das Mittagessen, eine Polenta mit Schweinefleisch probierte. Als das scharf gebratene Schweinefleisch alle war, war der Rest des mamaliga zu trocken. Kennt man ja aus Rumänien. Hier heißt das kacamak.

    Letzter Blick auf den Alibotusch

    Der kleine Sattel am Morgen hat mich den gestrigen Tag spüren lassen, ich hatte sogar Muskelkater. Doch der lange Aufstieg nach Satovca hat mir gereicht. Möglicherweise geht es morgen nach Dospat großteils nur bergab. Ich hoffte inständig hier ein Hotel zu finden. Es gab Reklame für zwei Etablissements, das Erste war zu, das zweite ohne Bedienung, aber mit einer offenen Bar. Das ließ mich hoffen und ich wartete ein halbe Stunde. Als ich gerade mit der geringen Hoffnung auf eine ausschließliche 20km-Abfahrt nach Dospat weiter wollte, kam grinsend ein Mann, er ließ mich ein und gab mir ein Zimmer. Jetzt sitze ich bei seinem Bruder Quasimodo bei großartiger bulgarischen Folklore und dem zweiten Roten. Alles ist wieder gut.

    Arbeitsplatz der Steineklopfer

    Hier bin ich in der Gegend der Steineklopfer. Am Straßenrand wird von einem LKW frisch gebrochenes Gestein (z.b. aus einem Bruch oberhalb von Dolno Drjanevo) abgekippt. Auch von anderen Brüchen wird anders farbiges, aber immer spaltbares Material herangefahren. Das ist dann der Arbeitsplatz der Steinespalter. Sie spalten es zu Pläner (Platten) und stapeln es wie bei einer Trockenmauer fein säuberlich auf eine Holzpalette. So entstehen am Rande der Straße mitten im Wald Dutzende Arbeitsplätze. Am Baum hängt auf einem Schild die Mobilfunknummer des Unternehmers als Kontakt für den Kunden.

    Er sei so alt wie ich

    Eine Listung bei einem Baumarkt hat hier wohl der wenigste, teilweise stehen auf verlassenen Arbeitsplätzen Paletten mit Pläner, die schon die Patina von zwei Wintern haben. Der Preis (wenn ich es richtig verstanden habe) schwankt zwischen 100 und 200 Leva pro Palette. Bei großem Glück finden die Spalter ein versteinertes Blatt aus der Vorzeit. Einige Platten mit solchen Fossilien sind in der Vitrine im Hotel Zenit in Satovcha zu bestaunen.

    Traditionelle Bauweise mit solchen Pläner

    28.6.2015 Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert

    Also das wäre gestern eine verdammte Fehleinschätzung gewesen. Dospat im Tal an einer Staumauer hinter mehr als sieben Bergen liegt auf knapp 1300 m.

    Schöne Rastplätze allenthalben: Quelle, Dach, Grill, Schaukel ...

    Nach dem ersten Sattel gibt es jede Menge idyllische Schutzhütten immer mit Quelle, das wäre dann die Wahl gewesen. Aber die zwei Roten und die großartige Folklore bei Quasimodo waren viel besser zum Einschlafen.

    Lichte, lockere Landschaft

    Das ist jetzt hier eine wunderschöne lichte Pinienwaldlandschaft mit ein paar kleinen Almen. Aber trotzdem noch anspruchsvoll hucklig.

    Dospat

    Dospat hat Ramadan gefeiert, jedenfalls hatten beide Gaststätten, die ich besuchte, kein Bier im Angebot. Ich bin jetzt in Borino bei einer Shkembe-Suppe (bitte nachschlagen) auf dem Weg nach Teschel, wo ich schon zu Hause mindestens einen Knoten ohne Gepäck geplant habe.

    Die Rhodopen sind erreicht

    Es war nur noch ein kleiner Buckel, dann ging es hinein in die grandiosen Schluchten der Rhodopen. Das Hotel Orfei bei Teschel, gefunden bei Panoramio, ist korrekt und wird mich noch drei Nächte beherbergen, bevor es den Fluss Vatscha abwärts auf den Heimweg geht. Es liegt perfekt für Ausflüge in die Schluchten der Rhodopen. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

    29.6.2015 Trigadski Kanjon

    Wieder ein Superlativ. Es ist die beeindruckendste Schlucht, die ich bisher durchfahren durfte, fantastisch. Ich weiß, dass ich diesen Satz neulich schon mal gebrauchte, bei der Rugova-Schlucht. Dort war es die Mächtigkeit der Wände, hier ist es die Wildheit, die Ursprünglichkeit. Die Schlucht ist nämlich noch nicht fertig: Am "Schlund des Teufels" verschwindet der Fluss Trigadski reka, um knapp Hundert Meter tiefer nach einigen steilen Serpentinen wieder zu Tage zu treten. Dieser Schlund ist begehbar, vorhin war nur kein Strom da und geschlossen. Mal sehen, wie es nachher wird. Ob schon Alles zusammengebrochen ist und die Schlucht fertig ist?

    Im Schlund des Teufels

    In der Tat, es ist eine mächtige, ja teuflische Kraft am Wirken, das Wasser. Ich durfte nach 5 Leva Eintritt noch einer Gruppe den Tunnel hinterher. Man kommt dann in einen großen bestimmt 50 m hohen Dom raus, wo das Arbeiten des Wassers immer zu hören war, ich aber nur an einem Punkt in ca. 10 m Tiefe den rauschenden Trigadski reka sehen konnte. Dann führte eine steile Treppe aus Betonstufen steil den Teufelsschlund hinauf. Unten wurden die Leute mit diversen Krankheiten einschließlich Höhenangst noch gewarnt. Mit mir war eine deutsche Reisegruppe in der Höhle, da ist ja immer ein Buchhalter dabei, der die Stufen zählt: 288. Nach knapper Hälfte konnte man ganz oben dann auch die ersten Löcher zum Tageslicht sehen. Beeindruckend!

    Moschee und Baumhaus in Gjovren

    Unten in Gjovren hat Einer eine 200 Jahre alte Mühle zu einer schönen mechana ausgebaut, mit Baumhaus und Wasserfall. Dort konnte ich mich mit einem Waldtechniker (ausgebildet am Technikum in Velingrad) unterhalten. Sein Name war Djamil, er bezeichnete sich als Türken. Hier in den Rhodopen bekennen sich wohl fast alle zur türkischen Nationalität. Gjovren 100%, Borino 80%. Es ist aber alles cool, er bestellte für uns beide vier kjoefte (bitte wieder nachschlagen, danke). Alkohol trank er keinen.

    Er weiß schon, wie man sich zuprostet

    Eine Spezialität hier, und überall an den Souvenirständen angeboten, ist die reichhaltige Auswahl an Kräutern. Ich konnte mehrmals Kräuterweiblein beim Sammeln treffen und nach den Wirkungen befragen.

    Sie sammelten Rotklee ...


    ... gegen Frauenleiden in den Wechseljahren


    Sie sammelte Johanniskraut gegen Depressionen


    30.6.2015 Bujnovski Kanjon

    Heute bin ich in die zweite Schlucht aufgebrochen, wieder atemberaubend, und zwar gleich von Anfang an. Und dann weiter hoch nach Bujnovo.

    Bujnovo

    Hier erzählte mir der Kneiper Wladimir aus seiner Jugend. Als er noch ein Junge war, hieß es einmal, Banditen im Dorf. Die Grenzer schwärmten aus und fingen einen Ostdeutschen (istotschni). Es sind nur noch drei km auf den Bergkamm zur Grenze nach Griechenland.

    Pause mal bei Wasser

    Es ist ein gegnerischer und recht kalter Tag. Wieder muss ich mich untersetzen und ein Bier trinken, Zagorka retro, mein hiesiger Favorit. Der junge Wirt Kostadin hier spricht sehr gut Englisch und hat mir einiges von der spektakulären Hydrogeologie erzählt. Es ist garnicht der selbe Fluss vom Teufelsschlund, der unten im Trigadski Kanjon rauskommt. Holz, das in den Siphon unten im Teufelsschlund verschwindet, ist bisher garnicht rausgekommen, mit Farbe gekennzeichnetes Wasser nach zwanzig Tagen! Er meint, das ist hier alles sehr komplex.

    1.7.2015 Stausee-Etappe

    Gestern saß ich noch mit einem Paar aus Thüringen, große Wanderer vor dem Herrn. Wenn die Frau mal nach Venedig will, wird von Stadtilm aus los gelaufen. Hier sind sie von Erfurt nach Varna geflogen, mit Bus nach Asenovgrad getreidelt und von dort durch die Rhodopen marschiert. Sie haben beide jeweils einen ca. 12kg-Rucksack und sind super gut drauf.

    Stausee des Tsankov Kamak Wasserkraftwerk der Vatscha-Kaskade

    Für einen Wanderer oder Radler kann ein Stausee ganz schön nerven. Wer erinnert sich nicht gern an die große Heldentat des einzig lebenden Helden, als er am Cerna-Stausee jede Mitfahrgelegenheit ausschlug und vor dem magazin mixt in Cerna Sat zusammenbrach, 20 m über den Fluss wies und meinte: "Dort wird gezeltet!" Entschuldigt bitte, ich habe hier einem guten Freund ein Denkmal setzen wollen. Heute lagen drei Stauseen auf der Strecke im Vatscha-Tal nach Krichim bei Plowdiw. Gleich nach Devin ein Anstieg auf einer nagelneuen Straße. Diese führt bis auf eine Höhe von 1.080 m und beinhaltet den 880 m langen Lyaskovo-Tunnel. Dann folgte die Belohnung, eine großartige Abfahrt, die mit der Tunnel Durchfahrt oben beim Dorf Lyaskovo startete und hinter dem Tsankov Kamak Damm fast den Talboden erreichte.

    Damm "Vacha" / Язовир "Въча"

    Die nächsten beiden Stauseen waren ein lockeres Pedalieren durch ein faszinierendes Felsental, nach den beeindruckenden Staumauern immer mit einer tollen Abfahrt.

    Damm "Krichim" / Язовир "Кричим"


    Vor den Rhodopen in Krichim

    Ich muss noch was zu den aktuellen Eigenschaften des rakija sagen. Ich habe mir einen bestellt, Peschtchera, die Nachbarortschaft und offensichtlich ein Weinanbaugebiet. Das sind die führenden Marken beim rakija: Karnobatska und eben Peschtchera. Das sind ganz feine milde Brände, goldgelb. Nur etwas ist merkwürdig, man kriegt Eiswürfel dazu. Damit's länger reicht?

    2.7.2015 Reinrollen nach Plowdiw


    Krichim am nächsten Morgen

    Da es eine einfache Etappe ist mal was über das Essen. Als ich letztens die Shkembe-Suppe probierte war ich schon enttäuscht, sehr lasch. Ich habe zwar von allen Ingredenzien, die mir hingestellt worden, was rein getan. Aber zu wenig. Jetzt habe ich schon viel mehr gelernt. Der Bulgare an sich will individuell nach würzen. Das geht beim Salat los, und das gilt besonders für die Shkembe.

    Würze für die Shkembe

    Hauptzutat ist der mit Knoblauch-Spänen versetzte Essig. Dann noch Salz und Pfeffer. Wenn man von dem Essig ordentlich dazu tut, schmeckt es aber wie unsere saure Flecke. Nach dem heutigen Versuch also künftig abgewählt. Zum traditionellen Shkembe-Frühstück der Hiesigen gehört noch ein großes Glas Joghurt, was wirklich lecker ist. Bei dem reichlichen Fleischgenuss gehört nämlich ein Katalysator in den Verdauungsreaktor. Insgesamt darf ich schreiben, immer weiter nach Osten wird die Küche komplexer. Hier in Bulgarien gibt es für den Kartoffelfan wohlschmeckende Zubereitungen mit sirene, dem Weiskäse. Es gibt viele Pfannengerichte und scharf angebratenes Geschnetzeltes. Bestimmt wird kein Teil eines bulgarischen Huhnes nach Afrika exportiert. Ich habe heute in einer wunderbar würzigen Pfanne diverse innere Organe vom Flugvieh verspachtelt.
    Jetzt gegen 11 Uhr abends leiste ich mir aber ein wenig Dekadenz: Ich besuche die Whisky-Library in Plowdiw und gönne mir einen Islay Single Malt 15 YO Bowmore. Morgen wieder!

    3.7.2015 Der letzte Tag

    Es gibt nun nicht mehr viel zu berichten. Ich bin in der alten Stadt Philippopol, heute Plowdiw.

    Philippopol, Fundament für das heutige Plowdiw

    Erstes Ziel war gestern der Busbahnhof "Jug" (Süden). Morgen vormittag startet dort der Bus nach Dresden.
    Heute mehrere Stadtrundgänge in Plowdiw mit vielen wunderbaren Kostproben der bulgarischen Küche.

    Gebackener sirene und pomaki

    4.7.2015 Die Heimreise

    Hervorragende Busverbindung von und nach Bulgarien mit Racic Eurobus BG. Dabei ist Fahrradtransport möglich, bestimmt auch bis zu drei Stück. Es waren vier Fahrer an Bord, es werden ausreichend Pausen gemacht ... einwandfrei und empfehlenswert. Man hat ein großes Gepäckstück frei. Ich habe mein vollbepacktes Fahrrad ins office am Busbahnhof "Jug" in Plowdiw geschoben, das galt dann als das eine Gepäckstück. Wir erreichten die Haltestelle Bayrische Straße am Hbf in Dresden nach 25 Stunden, 10 Minuten vor dem Plan.

    Ich freue mich auf Fragen, Hinweise usw., wenn ich zu wenig Fakten und zu viel Befindlichkeiten geschrieben habe.
    Geändert von EbsEls (22.01.2019 um 11:01 Uhr) Grund: Bilderlinks repariert
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
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  14. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #14
    Zitat Zitat von chrischian Beitrag anzeigen
    Danach habe ich nicht gefragt.

    Da traue ich mich gar nicht mehr, die anderen Fragen zu Stellen.
    In der Tat: Ich habe abgenommen.
    Aber: Man sieht es nicht ... ich merk's nur am Hosenrutschen.
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #15
    Was für ein toller Reisebericht. Ich bin schwer beeindruckt. Wie machst Du das mit den Steigungen? Ich wäre da im Leben nicht hinaufgekommen. Und wie ist es dort mit den Grenzübergängen? Ist das unproblematisch oder muss man etwas beachten? Hast Du immer in Landeswährung gezahlt und an jeder Grenze umgetauscht? Woran erkennt man die Hotels, wenn man nicht fragen würde?
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

  16. Alter Hase
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #16
    Also ,- atemberaubende Geschichte, genau wie die Landschaften durch die uns mitgenommen hast.

    Anscheinend geht der einzig befahrbare Trail in Roshen oben zwischen der GrecoKirche und dem Kloster nach Zlatolist Richtung Süden als schmaler Saumpfad ab und geht nach ruppigen 5 km in einen Asphaltweg über.
    Den Passweg Parilska Prochod konnte man damals 2011 mit weniger Problemen machen. Sicher auch radeln.

    Ich sage DANKE.


    Gruß Abt

  17. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #17
    also ich habe nix zu meckern.
    Eine Tour vom feinsten und der Bericht dem genau angemessen. Mir gefällt neben den gezeigten Landschaften und geschilderten Erlebnissen besonders, dass du eine Genussreise daraus gemacht. hast.

    ich schließe mich also dem Abt an: Danke fürs Mitnehmen!

    ach übrigens: Danke für den Tip mit dem Busunternehmen, das klingt gut. Nach DD komme ich ja schnell (ebenfalls mit Bus). Das klingt echt wie eine Alternative-
    Two roads diverged in a wood, and I—
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  18. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #18
    Danke für das positive Feedback und (fast vergessen) für die Experten hier im Forum. Ohne diesem Fachwissen hätte ich vielleicht mir heute einen Rotklee-Tee gemacht

    @ Sternenstaub: Ich bin jetzt auch Busfan.

    @ Abt (aka Alibotusch): Es warten noch viele interessante Wege! Ich habe da schon Ideen auf Basis der Busverbindungen.

    @ Torres:
    Wie machst Du das mit den Steigungen?
    Es ist die Aussicht auf die Abfahrt - irgendwann bist Du immer oben. Nur eben bei der Stiefelspitze des Ali, als ich auch bergab schieben musste,

    Und wie ist es dort mit den Grenzübergängen?
    Völlig unproblematisch. Als Radler darf man sich vordrängeln. (Und ich weiß das noch zu würdigen Ich habe einen Ausweis, der was gilt. Ab&zu wurde ich mal nach meinem Alter gefragt.

    Hast Du immer in Landeswährung gezahlt und an jeder Grenze umgetauscht?
    Ja. Frisches Geld habe ich mir aus dem Automaten rausgeleiert. Ich konnte auch immer gleich die Restwährung in die neue Währung weiter tauschen. Musste nur dann eine Wechselstube in der nächsten größeren Stadt suchen. In Montenegro und im Kosovo gilt der €uro.

    Woran erkennt man die Hotels, wenn man nicht fragen würde?
    Na gut, das steht i.d.R. draußen dran. Nur eben nicht, ab wann die sich in eine Moschee verwandeln
    In kyrillisch sieht das so aus: Хотел
    Geändert von EbsEls (20.07.2015 um 07:18 Uhr)
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  19. Alter Hase
    Avatar von Abt
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #19
    Nochmal gelesen und es bilden sich kleine Pfützen unter meiner Zunge.
    Lesenswert, dass es Länder ganz ohne eigne Währung gibt.
    Geändert von Abt (07.09.2015 um 13:01 Uhr)

  20. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #20
    Zitat Zitat von Abt Beitrag anzeigen
    Lesenswert, dass es Länder ganz ohne eigne Währung gibt.
    Naja, das eine Land Kosovë/Косово, man weiß es nicht:
    Die Mitbewohner serbischer Nationalität sind der Meinung, dass sie schon eine eigene Währung haben, den динар.
    Der Wirt in Јажинце hat den динар gerne akzeptiert.
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

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