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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Baciu
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #21
    Mitreisende: EbsEls
    Schöne Reise, hat Spaß gemacht zu lesen. Ja da kommt Lust auf nächstes Jahr auch mal dem Weg und Wandel des Rakijas zu folgen

  2. AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #22
    Ein herrlich farbiger Bericht aus faszinierenden Gegenden, danke dafür. Vor tausend Jahren als Studentin bin ich mal mit nem Fiat Panda bis an die Grenze Montenegros gekommen, was hatte man da für Eindrücke und Begegnungen!

  3. Alter Hase
    Avatar von Abt
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #23
    Nun habe ich doch noch eine Frage, wie das mit den Streunern (Hunden) unterwegs in den Orten allgemein war.
    Gemeint sind nicht die Hütehunde der Hirten. Radler werden jaam ehesten , zumindest aber sehr oft damit konfrontiert
    In Rumänien scheint das immer noch ein Thema. Aber wie ist das auf dem restlichen Gebiet des Balkan, oder ist das ein speziefisches Thema von Rumänien? (Könnte auch eine Thematik einer Dissertation sein.)

    Mittlerweile gibt es in den Nachbarstaaten Albaniens Mazedonien erhebliche Probleme mit der albanischen Minderheit. Kosovo hat sich schon verselbständigt. Wollen die an Albanien angeschlossen werden?
    Upps, das war ja zwei....
    Geändert von Abt (26.07.2015 um 11:36 Uhr)

  4. Moderator
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    Avatar von November
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #24
    Fantastisch!

    es ist mir ebenfalls ein Rätsel, wie du all die Aufstiege bewältigst.
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  5. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #25
    Zitat Zitat von Abt Beitrag anzeigen
    Nun habe ich doch noch eine Frage, wie das mit den Streunern (Hunden) unterwegs in den Orten allgemein war.
    Gemeint sind nicht die Hütehunde der Hirten. Radler werden jaam ehesten , zumindest aber sehr oft damit konfrontiert
    In Rumänien scheint das immer noch ein Thema. Aber wie ist das auf dem restlichen Gebiet des Balkan, oder ist das ein speziefisches Thema von Rumänien? (Könnte auch eine Thematik einer Dissertation sein.)

    Mittlerweile gibt es in den Nachbarstaaten Albaniens Mazedonien erhebliche Probleme mit der albanischen Minderheit. Kosovo hat sich schon verselbständigt. Wollen die an Albanien angeschlossen werden?
    Upps, das war ja zwei....
    zu 1.: Dieses Jahr hatte ich wenig Probleme ... kurz hinter Goleshovo Richtung Paril war so eine Farm, da bin ich abgestiegen. S.a. hier.

    zu 2.: Wenn im Sandszschak (hier in Novi Pazar, RS) die Lunte liegt ...


    ... in Mazedonien brennt sie schon.

    Wegzeichen in der "Republik Ilirida", Dorf Radusha am Vardar, nordöstlich von Shkopje
    Geändert von EbsEls (22.01.2019 um 10:27 Uhr)
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  6. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #26
    Eine interessante Fahrt hast du da gemacht.

    An die verkehrte Bedeutung von Kopf schütteln und Kopf nicken in Bulgarien kann ich mich auch noch gut erinnern. Gab öfters lustige Missverständnisse als ich ein paar Tage in Bulgarien, ebenfalls in der Stadt Plovdiv, war. Obwohl ich davon wusste konnte ich mich nicht so schnell umstellen.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  7. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #27
    Es geht wieder los ...
    @ Sternenstaub: Ich bin jetzt auch Busfan.
    @ Abt (aka Alibotusch): Es warten noch viele interessante Wege! Ich habe da schon Ideen auf Basis der Busverbindungen.
    Am Mittwoch, 20.6.2018, starte ich mit dem Racic-Bus nach Pazardshik.
    Seid aufmerksam ... es wird fortgesetzt.
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  8. Alter Hase
    Avatar von Abt
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #28
    Schön, Dann mal tau.
    Es warten viele neue Ziele. https://de.wikivoyage.org/wiki/Rhodopen

    Als er Abschied nahm...
    Geändert von Abt (11.07.2018 um 17:29 Uhr)

  9. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #29
    ich freue mich jetzt schon auf den neuen Bericht!
    viel Spaß und Freude auf der Tour.
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference (Robert Frost)

  10. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #30
    Ich will meine große Balkantour von 2015 in den bulgarischen Rhodopen fortsetzen.
    In einer von einem Außenseiter hier im Forum angezettelten Diskussion wird Bulgarien als „Billig“-Reiseland vorbeurteilt. Das ist wohl in Teilen so, wobei das Gesetz von Angebot&Nachfrage allgemein und damit auch für Bulgarien gültig ist. An den Schwarzmeerstränden liegt mehr Potenzial faul herum als wandernd durch die Rhodopen. In der Literatur findet sich oft Bismarcks Einschätzung: „Der Bulgare ist der Preuße des Balkans“. Bulgarien hat seinen Lew 1zu1 an die DM gekoppelt, was heute noch als Wechselkurs zum € gilt. Der Preisvergleich ist für den deutschen Touristen also einfach. Schwierig wird es für 4 Fünftel der deutschen Touristen mit der kyrillischen Schrift.
    Im Vergleich zu den 90er Jahren wurde mittlerweile eine gute touristische Infrastruktur entwickelt. Viele der BTS-Hütten funktionieren wieder, es sind sogenannte Eko-Trails mit wunderbaren Picknick-Stellen eingerichtet. Diese Picknick-Stellen, häufig privat gestiftet, haben eine Quelle, einen Grill oder Platz für Feuer (Място за огън), überdachte Rastplätze. Natürlich kann man da sein Zelt für eine Nacht aufstellen. Häufig versteckt (Zeichen → „тоалетна“ beachten) gibt es sogar eine Toilette.
    Ich plane mit mapy.cz eine Route durch die bulgarischen Rhodopen. Auf der tschechischen Webseite werden sehr viele kleine Wege durch die Rhodopen als Radwege vorgeschlagen. Ich buche über die Racic-Webseite meine Hinfahrt nach Pazardshik, bezahlen soll ich mit einem Aufpreis von 15 € für mein Sondergepäck Fahrrad erst in Dresden zur Abfahrt beim Fahrer.

    Ein Busreise nach Pazardshik, Bulgarien
    Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht. Der Racic-Bus erreichte die internationale Haltestelle an der Bayrischen Straße hinter dem Dresdner Hauptbahnhof mit einer reichlichen Stunde Verspätung. Der Abt (aka Gert, aka Alibotusch) und ein durch den "stärksten Magneten der Welt" nach Deutschland verschlagenen Bulgaren verkürzten mir die Zeit. Der stärkste Magnet der Welt ist die Liebe, ein Sprichwort aus Raslog am Pirin, dem Heimatort des Bulgaren. Das Rad konnte im Gepäckraum des MAN-Lions-Bus gut verpackt werden und los ging's … Nach genau drei Wochen werde ich mit dieser Reisebusgesellschaft wieder 24 Stunden von Plowdiw nach Dresden zurück fahren.


    In Pazardshik hatten die drei Fahrer die Verspätung wieder aufgeholt, trotz der zwei Übergänge an der EU-Außengrenze zu Serbien. Die Passagiere mussten persönlich am Grenzschalter sich vorstellen. Ich bin ja so dankbar, dass ich einen Ausweis habe, der was gilt.


    Die Dulle, als höchster Trumpf des Kartenspiels Doppelkopf, auf dem Pflaster von Pazardshik nehme ich als gutes Zeichen für meine Tour in die Rhodopen.

    Vom Gewitter geblockt
    Vor dem Start mit dem Rad noch unbedingt notwendige Vorkehrungen für eine Tour getroffen: Lewa (Kurs zum Euro wie die alte DM) aus dem Automaten geleiert und Wasser gespeichert. Es wird bergauf gehen, anfangs moderat, aber heiß und trocken. Im Dorf Radilovo finde ich im Schatten des Dorfparks einen Kiosk für die erste große Pause. Gegenüber ist ein klitze kleiner Laden für 1000 kleine Dinge des täglichen Bedarfs. Man kommt keinen Meter in den Laden rein, dann tritt man in die Auslagen der Waren. Am Nachbartisch des Kiosks sitzen drei alte Weiber. Eine lässt sich vom Ladenbesitzer diverse Hygienepapiere zur Ansicht bringen. Ihre Freundinnen sind von den Servietten auch begeistert. Der Ladenbesitzer kann jeder was verkaufen. So muss das mal begonnen haben, die Erfindung der Tupperware-Parties.


    Antike byzantinische Festung Peristera

    In Peschtera lasse ich mich von einem Schild zur Festung Peristera leiten. Noch um 2000 war das ein Hügel verwachsen mit stacheligen Gebüschen. Dann kamen die Archäologen und fanden bei umfangreichen Ausgrabungen ganze Lager von Amphoren, die antiken Kühlschränke, und jede Menge Münzen aus römischer Zeit, auch Goldmünzen. Nach dem Abschluss der Grabungen hat man die Mauern der Festung nachgebaut, so dass eine beeindruckende Museumsanlage entstanden ist.
    Nach einer kleinen Selektion bulgarischer panierter Käse zum Mittagsmahl in dem modernen Bar & Restaurant des Hotelkomplex „HEAT“ wurde ich von der Kellnerin zum Besuch des nächsten Museums eingeladen. Schon auf der Festung hingen zwischen den Amphoren Werbebanner für eine Ausstellung sozialistischer Automobile. Garniert sind die Autos des bulgarischen Sozialismus mit weiteren Waren aus der Zeit: Cognac "Slanchev Brjag", Zigaretten "STEWARDESS", die Marke meiner Jugendsünden und einigen Musikinstrumenten aus Klingenthal, die Triola.


    Kindheitserinnerungen oder Vergangenheitsbewältigung? Dinko Kuschews privates Museum in Peschtera

    Am Nachmittag habe ich dann nur noch ca. 5 km in Richtung Batak geschafft, dann kam ein mächtiges Gewitter in den Rhodopentälern. Bin zurück hier nach Peschtera geflüchtet.


    Peschtera: Die alte Moschee (17. Jhdt.) und der Stundturm

    Das Massaker in Batak und eine schöne Frau
    Ich bin jetzt auf 1000 m.ü.d.M geklettert. Ich bin in Batak. Hier gibt es eine offensichtlich alte Kirche. Wie schon in Peschtera muss man einen Meter hinuntersteigen, um durch das Portal die Kirche zu betreten.


    Die Kirche Sweta Nedelja in Batak

    Erstmal sieht alles orthodox normal aus, bis mir die zwei Sarkophage auffallen, gefüllt mit Schädeln, viele mit mächtigen Löchern in der Schädeldecke. Es ist der Ort einer der größten Wunden, die die Türken der bulgarischen Nation beigebracht haben. Während der Jahrhunderte der osmanischen Besetzung konnten sich die reichen Holzhändler von Batak freikaufen, es war eine Insel des Christentums im Land der Pomaken. 1876 zur Zeit der bulgarischen Wiedergeburt dachten einige der Bürger, dass man sich endlich befreien könnte und den Tribut sparen. Nach einiger Zeit merkten die Osmanen, da stimmt was nicht. Sie schickten eine Armee aus 8000 Soldaten, dazu Freischärler, Banditen, die Başı Bozuk. Wieder handelten die Kaufleute einen Waffenstillstand aus und gaben einen Großteil ihrer Waffen ab. Das war das Zeichen für die Başı Bozuk zum Plündern, Brandschatzen und Morden. Einer der letzten Zufluchtstellen war die Kirche "Sweta Nedelja". Die Frauen gruben in der Kirche einen Brunnen auf der Suche nach Wasser.


    Aus dem Bericht des amerikanischen Korrespondenten MacGahan der "Daily News"

    Ein Korrespondent der englischen "Daily News" schätzte damals die Zahl der Toten auf 7000 in Batak. In der Kirche ist ein Foto zu sehen, dass die Gebeine ausgebreitet auf dem Boden der Kirche zeigt. 130 Jahre später entzündet sich in Bulgarien ein Bilderstreit - das Bild ist inszeniert.
    Dann wird weiter geklettert, es werden in Summe seit Peschtera oben auf dem Pass Kapelna über 1000 Höhenmeter sein. Zweimal gab es Abschnitte mit 9% ausgezeichnet - den zweiten Abschnitt habe ich geschoben. Den Pass konnte ich schon von weiten hören, die dumpfen Bässe bulgarischer Diskomusik stampften durch den Wald. Oben gibt es eine neue Hütte mit Eko-Kamping, ein Holzzuber-Spa und eine Sauna auf der Wiese. Hier hatten sich für das Saturday-Night-Fever eine Gruppe junge Leute eingemietet. Einer der Wortführer entschuldigte sich auch gleich: "Maybe noisy!", ich könnte mein Zelt oben am anderen Ende aufstellen. Es stellte sich heraus, dass die Wirtin der Hütte, jedenfalls hat sie mir Bier gezapft und Waffeln verkauft, die bulgarische Helene Fischer war. Die hat dann am Abend playback zu Musik, gestreamt über Wifi auf ein Samsung-Phone und verstärkt durch zwei mächtige Boxen eine große Show abgezogen. Selbst mir alten Tanzbär zuckte das Twistbein. Als ich mich von der Bande mit "Лека нощ" (ausgesprochen „leke noschtch“) verabschiedet habe, hat die Künstlerin mir so tief in die Augen geschaut, dass ich die ganze Nacht im Zelt von ihr geträumt habe.



    Nicht wegen der Träume, sondern wegen der Kälte habe ich schlecht geschlafen im Zelt. Trotzdem habe ich mich durch den abwechslungsreichen Wald der Rhodopen geholpert, teilweise geschoben. Es kommen Zweifel, ob ich tatsächlich den Empfehlungen der Tschechen auf mapy.cz, die das als Radweg ausgewiesen haben, folgen kann. Nach dem kleinen Stausee "Toschkov Tschark" bin ich jetzt am großen wunderschönen Stausee "Schiroka Poljana" gelandet. Hier gibt es endlich Angebote für ein Frühstück zur Mittagszeit.


    Der Weg nach Toshkov chark (Тошков чарк)


    Am Stausee Shiroka Poljana

    Nachdem ich den "tschechischen" Radweg einige hundert Meter inspiziert habe, beschloss ich doch lieber auf die Straße #37 nach Dospat zu wechseln.


    Stausee Dospat

    Dort bin ich in ein kleines Familien-Hotel eingecheckt. Deren Bett war genauso hart wie letzte Nacht meine Isomatte im Zelt.

    Ein Wiedersehen in der alten Mühle
    Am Ortsausgang von Dospat entdecke ich eine seltsame Art von Ackerbau.


    Es werden wohl Pilze angebaut: Eine Erklärung findet Ihr hier und den folgenden Posts

    Nun lasse ich es doch ruhig angehen und habe den "tschechischen" rauen Weg verlassen. Auf der bequemen Straße von Dospat hierher in alte und bekannte Gefilde nach Teschel. Bestärkt in dieser Entscheidung hat mich der ständig drohende Regen und ein Forstingenieur in Zmeitsa:. "Nimm die Asphaltstraße!"


    Kemera-Brücke über die Sarnena reka bei Zmeitsa - gebaut im römischen Stil im 17. Jhdt.


    Ein Selfie

    Ich habe mich diesmal in die neue хижа Тешел, eine Berghütte des bulgarischen Touristenverbands BTS, für drei Nächte eingemietet. Das ist ein perfektes Basislager auch für Wanderer in dieser wunderbaren Region mit den Schluchten Trigradsko und Buinovsko shdrelo.


    Rasante Abfahrt von Borino in die Schluchten

    Nur muss der Wanderer hoch modern gerüstet sein. Ich fand am Beginn eines Eko-Trails von Dospat nach Koschari einen Wegweiser ausschließlich mit QR-Code und einem RFID-Chip für NFC. Da nützt selbst die Kenntnis der kyrillischen Schrift nix. Man braucht den siebten Sinn eines Smartphones, um sich den GPX-Treck runterzuladen. Unterwegs wohl kaum noch Wegweiser, der moderne bulgarische Wegewart läuft den Weg einmal ab und nimmt den Treck auf. Es braucht dann keine Farbe an den Bäumen oder Wegweiser aus dem letzten Jahrtausend.


    In der alten Mühle

    Gerade bin ich von einer kleinen Abendausfahrt zurück. Ich besuchte die "Barbecue Melnitsata" bei Giovren, ein Dorf bulgarischer Türken. Dort war ich vor drei Jahren schon. Ich konnte mich recht ordentlich mit dem Wirt unterhalten. Er fragte mich nach den vielen Türken in Deutschland und, ob ich türkisch könnte. Ich zeigte ihm meinen Google-Übersetzer mit Türkisch. Es stellte sich heraus, dass er zwar türkisch spricht, es aber nicht schreiben kann. Die Sprache der Pomaken wird nur noch von den Müttern und Großmüttern mündlich überliefert. In der Schule lernen die Kinder seit 100 Jahren alle ausschließlich bulgarisch.

    Für meinen Ausflug in das Reservat Kasanite warnte er mich vor Bären und den ca. 80 cm langen giftigen Schlangen.




    Regentage
    So sieht es gerade aus meinem Fenster in der хижа Тешел aus.


    Wie fotografiert man Regen?

    Das sind jetzt die vom Abt angekündigten Regentage. Gestern reichten die drei blauen Flecken in den Wolken für einen Radausflug hinauf nach Jagodina und bis Buinovo. Der Buinovsko Shdrelo (Buinovo Canon) ist beeindruckend. Mit dem Weitwinkelobjektiv konnte ich hoffentlich mehr Motive aus der Schlucht einfangen als vor drei Jahren.


    Schlucht Buinovsko Shdrelo: Straße nach Yagodina und Blick auf den Orlovo Oko


    In Jagodina: Oben am Orlovo oko braut sich Regen zusammen

    Eine wesentliches touristisches Angebot für den Touristen ist eine Fahrt mit dem Jeep zum Orlovo oko, dem Auge des Adlers. Das ist ein Steg hinaus über eine Felswand über der Schlucht Buinovsko Shdrelo.
    Mein sommerlich optimistisches Weltbild von Bulgarien hat mich zu einer Ausrüstung verleitet, die diesem Wetter nur sehr wenig gerecht wird. Mal sehen, was ich heute anstellen kann...
    Ich bin nicht weit gekommen, nur hinauf nach Gyovren. Dort konnte ich hören, das es tatsächlich die Großmütter sind, die die türkische Sprache an die Enkel weiter geben. Ein Ömchen hat der Enkeltochter etliche Artikel aus dem Lebensmittelladen erläutert. Die Kleine war noch nicht in der Schule. So wie es der Wirt aus der Mjelnitsa erzählt hat.


    Furt bei Gyovren zum Weg nach Mugla durch das Reservat "Kasanite" vor dem Regen

    Am nächsten Tag ist die Furt nicht mehr ohne weiteres begehbar.


    Nun ist bereits Freitag, 29. Juni.
    Nach Devin nur sprungweise vorgearbeitet, sobald sich ein blaues Loch am Himmel zeigte. Ich muss wohl laut der Wetterkugel im Internet noch bis Sonntag rumgammeln, bevor es wieder auf Tour gehen kann. Dann über Smolyan zum Tal des Arda-Flusses, da sind zwei ordentliche Pässe.


    Nastan unter einem blauen Loch im Himmel

    In Devin
    Der Letzte im Monat ist immer noch ein Regentag, wenn auch die Sonnenzeiten sich an die Stundengrenze annähern. Es hat heute Vormittag zu einem Spaziergang in eine Schlucht oberhalb von Devin gereicht. Das Hochwasser der Devinska Reka hat aber das Weiterkommen verhindert.


    Schlucht der Devinska reka

    Vor 10 Jahren hätte ich vielleicht die glibbrigen Steine noch für günstig angeordnet empfunden und die 50 m überwunden, wo der Kunststeig durch die Schlucht sich fortsetzte. Dieser Abschnitt der Schlucht wird “Lakate” genannt und ist bei diesem Hochwasser sehr beeindruckend. Seitwärts geht noch ein Pfad zu einem Wasserfall hoch in die Wand, doch dieser Weg schien unter diesen Umständen auch nicht begehbar zu sein.


    Lakate


    Also widme ich mich an diesem schaurigen Nachmittag, es drascht gerade, einer Sache, die immer geht: Der hiesigen Küche. Ich sitze in einer mechana mit viel Ethno-Musik. Natürlich dominiert der Grill - “skara”. Aber da übertreibt der bulgarische Grillmeister an sich es oft und das Fleisch ist sehr durch und tot. Die Salate sind in der Regel diverse Variationen des berühmten Schopski Salat. Aber es gibt auch tolle Überraschungen unter den Salaten, dann mit mehrheitlich Käse, eine Spezialität der Rhodopen. Persönlich liebe ich leider ja Gebackenes, auch da bin ich hier richtig. Ich habe mir schon öfters als Mezes zum Bier Parlenka po Rhodopski bestellt. Das ist eine Art Pizzateig bestreut mit weißem Käse - sirene … oder gerade eben mit Knoblauch. Tatsächlich findet sich auf den Speisekarten die Rubrik “mezeta”, also Kleinigkeiten zum Getränk. Gestern wählte ich daraus “sudshuk”. Es war eine gegrillte Wurst (ringförmig), für deren Würze sich kein Thüringer Rostbratwurst-Fleischer hätte schämen brauchen.

    Wird fortgesetzt, seid neugierig ...
    Geändert von EbsEls (04.08.2018 um 20:43 Uhr)
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  11. Alter Hase
    Avatar von Abt
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #31
    Danke Ebs, da wollten wir uns ja irgendwo treffen...
    Danach hat es in Bulgarien und in Griechenland Dauerregen und riesige Überschwemmungen gegeben. Hätte meinen Plan ja total durcheinander gebracht und gestört.

  12. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #32
    ... Fortsetzung

    Im Tal der Arda
    Wieder 1000 Höhenmeter auf dem Weg von Devin nach Smoljan geschafft. Bis Shiroka Laka war es noch ein ordentliches Pedalieren. Das Dorf konnte seine Architektur, Musikkultur, Natur und Geschichte aus der Zeit der Wiedergeburt erhalten.


    In Shiroka Laka


    Die Orthodoxe Kirche "Hl. Jungfrau Maria " (Православен храм “Св. Богородица”)

    Einen kleinen Abstecher in das Seitental nach Gela habe ich schnell abgebrochen. Dort oben gibt es mehrere alte Burgen und Kultstätten der Thraker, zum Beispiel die Turlata. Die früheste Kultur auf dem Boden des heutigen Bulgarien waren die Thraker. Dem alten Griechen Herodot zufolge waren die Thraker ein großes Volk, das zweitgrößte nach den Indern. Die Götterwelt der Thraker ist praktisch in den griechischen Göttern aufgegangen - aus Zagareus wurde Zeus.


    Blick zur Turlata, der Kegel im Mittelgrund

    Der Abbruch war auch richtig, ich bin am Nachmittag zum Pass hoch viel Rad gewandert, soll heißen: Geschoben. Hier um Stoikite gibt es wieder die Waldkooperative “Borika”. König Karl Ferdinand, einer aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha, stiftete seinen Waldbesitz in den Rhodopen. Die Einwohner konnten für einen Goldleva 1ha Wald kaufen. Er brauchte wohl Bares nach den Balkankriegen. Es wurde eine Kooperative gegründet, die den Wald bis zu den Kommunisten verwaltete. Zur Wende in Bulgarien wurde das Gebiet wieder an die neu gegründete Kooperative “Borika” zurückgegeben. Es wird heute “FSC”-zertifiziert erfolgreich bewirtschaftet. Es gibt hier schon Pilze. In Stoikite zeigte Einer mir seinen Korb voller Pfifferlinge und einen weiteren gefüllt mit diversen anderen Pilzen.
    Die Abfahrt vom pereval unter dem Großen Perelik hinunter nach Smoljan war spektakulär. Da freue ich mich immer wieder über meine zuverlässigen hydraulischen Felgenbremsen.
    Am nächsten Tag der Weg ins Arda-Tal nach Smilyan.


    Zum Pass hinüber ins Tal der Arda von Smoljan aus

    Es gilt wieder, einen steilen Pass zu bewältigen, hinüber ins Arda-Tal nach Smiliyan. Bin wieder viel gewandert.
    Auf dem Pass hat Vladimir Serafimov seine Gedenkstätte, der 1912 die Gegend um Smoljan im Rahmen des Ersten Balkankriegs als Befehlshaber des 21. Regiment Sredna Gora von den Osmanen eingenommen hat. Das Dorf Tschokmanovo am Pass soll heute nur noch 50 Einwohner und einen Laden haben. Vor diesem einem Laden trank ich mit einem Einwohner ein Zagora spezialno, er erzählte mir die ganze Geschichte (was ich so verstanden habe).
    Auf der Abfahrt traf ich einen bulgarischen Strahler. Er rief mich heran und bot mir einen kalten Kaffee aus seinem Wohnmobil an.


    Beim Strahler

    Dann fielen mir seine Steine auf, zum einen zum Trockenen ausgelegt oder beim Waschen am Brunnen. Dann zeigte er mir seine in den Rhodopen im letzten Monat gefundenen Schätze. Es hat und regnet hier zur Zeit viel, so werden auch viele Kristalle frei geschwemmt.


    Ein Sahnestück war ein Bergkristall, gekrönt mit einigen Stibnit-Kristallen (Antimonit-Nadeln)

    Es gewittert und drascht in Smilyan, ich habe mich für die nächsten drei Nächte hier einquartiert. Es ist gegen 3 Uhr nachmittags am zweiten Tag der zweiten Hälfte des Jahres, ich mache jetzt ein Nickerchen.


    In Smilyan

    Der Konak des Agha Salih
    Es war heute morgen nach Auflösung des Nebels ein sehr schönes Pedalieren hinauf in das obere Arda-Tal. Immer wieder finden sich Wegweiser und -tafeln zu zahlreichen Wanderwegen zu Höhlen, Canons und Festungen der Thraker. Ich habe mich mit meinem Rad an die Straße gehalten.


    Thrakische Festung "Kale" (Крепост "Калето") beim Dorf Koshnitsa (Kошница)

    Nach den Erfahrungen mit dem bulgarischen Strahler gestern habe ich die Ausschwemmungen der letzten Regenschauer auf Mineralien untersucht und tatsächlich einige Gänge gefunden. In Mogilitza gibt es wohl den letzten Serail in Bulgarien, das Agushevi konatsi (bulg.), Agha’s Konak. Ein Konak ist eine Residenz eines lokalen osmanischen Feudalherren. Das Konak hat der Agha Salih von 1820 bis 1840 für sich und seine drei Söhne als Sommerresidenz von drei bulgarischen Handwerksmeistern erbauen lassen. Leider konnte ich das Haus nicht besuchen, es muss richtige “Versteckecken” (secret enclosures) drinnen geben.


    Der Konak des Agha Salih

    Ich musste immer das Wetter im Blick haben, ich bin nach einem kleinen Spaziergang in Gorna Arda wieder zurück nach Smilyan gekehrt. Die ersten fünf dicken Tropfen trafen mich noch beim Abschließen des Rads vor meiner Stamm-mechana hier.



    Entgegen der Wetterkugel: Der zweite Tag war länger schön. Erst jetzt gegen 17 Uhr gibt das Wetter in Smilyan ein mächtiges Gewitter.
    Der Plan für heute sah vor, einige der Sehenswürdigkeiten im oberen Arda-Tal zu besuchen. Plan nicht erfüllt - in der Höhle Uhlovitsa und auf der Festung Kaleto war ich nicht. Die Steigen sind noch recht nass, und vor allen Dingen steil – abgewählt.


    Borikovo bei Mogilitza (Могилица)

    Bei Mogilitsa bin ich in ein Seitental zum Dorf Borikovo und noch darüber hinaus. Auch dort gibt es eine Höhle - Borikovska Peschtera. Hier stellte ich mein Rad in die Büsche und bin mit dem Makroobjektiv bewaffnet auf Motivsuche gegangen.


    Ein Widderchen


    Ein "Heupferd"

    Nun konnte ich auch das Konak des Agha Salih besuchen. Es gab eine Führung in bulgarischer und englischer Sprache. Sehr interessant und spannend.


    Raum zum Repräsentieren: Hier wurden hohe Besucher empfangen

    Viele der Räume hätten noch originale Einrichtungen. Zum Beispiel die Schlafräume: Dort gibt es hölzerne Einbauschränke, eine der Schranktüren führt zur banja, der Dusche.


    Mir haben die noch originalen Farben gefallen

    Mir sind schon gestern die vielen Schornsteine (es sind 24) aufgefallen, jedes Zimmer hat einen Kamin. Am prächtigsten ist die oberste Etage ausgestattet, es ist die Etage für die Gäste des Hauses und zum Repräsentieren. In einem der Gästeschlafzimmer gab es ein als Fenster getarntes Türchen zu den Zimmern der Herrschaft.


    Der Konak des Agha Salih: Haupteingang zum ersten der drei Innenhöfe

    Die Führerin hat zum Schluss noch etwas zur jüngsten Geschichte erzählt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstanden habe: Bis 1949 hat die Besitzerfamilie Agushev aus Russe hier im Sommer gewohnt. Seit 10 Jahren soll das Konak wieder an die Besitzerfamilie zurückgegeben worden sein und heute im Rahmen einer Stiftung als Museum und Tagungshaus genutzt werden.

    "Diese Stadt hat gebaut uns Väterchen Stalin”
    Ich möchte noch auf eine Spezialität dieses Ortes Smilyan hinweisen - die Smilyaner Bohnen.


    Die Smilyaner Bohne - in den Nationalfarben von Bulgarien

    Diese dicken Bohnen werden in zahlreichen Zubereitungen dem Gast angeboten, als Salat zusammen mit Kartoffeln oder für mich paniert!


    Jedes Smilyaner Böhnchen ein Tönchen! Panierte Tönchen.

    Ich hatte von einem Herbergsgast gestern Abend noch den Tipp erhalten, den Weg nach Kardshali über Zlatograd zu wählen. Durch die vielen Stauseen konnte ich selbst das schwierige Profil des Weges im Arda-Tal vermuten. Ich folge also mal wieder dem Iron Curtain Trail. Anfangs Arda-abwärts mit schluchtartigen Abschnitten bis Rudosem.
    In den Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens sind mir immer die großen Minarette der neu errichteten Moscheen aufgefallen. Im Vergleich zu den kleinen geduckten orthodoxen Kirchlein geben die Türme der Moscheen ein eher herausforderndes Bild ab. So etwas gibt es in Bulgarien nicht. Haben die Bulgaren das durch eine Bauordnung geregelt?


    Ein bescheidens "Ofenrohr"-Minarett

    “Diese Stadt hat gebaut uns Väterchen Stalin”, hätte am Ortseingangsschild stehen können. Zu Rudosem gehören noch etliche richtige Dörfer, aber das Zentrum rund um ein Hüttenwerk ist eine Gründung der 1950er.


    “Diese Stadt hat gebaut uns Väterchen Stalin”

    Der Name ist ein Kunstwort zusammengesetzt aus руда (Erz) und земя (Erde). Heute wird überall gründlich renoviert, zum Beispiel der Platz vor dem Kulturpalast. An der Kreuzung direkt im Zentrum drehen sich noch die Seilscheiben einer Schachtanlage.



    Die nächste Bergbaustadt, Madan, macht da einen bedeutend moderneren und agileren Eindruck. Es ist ein altes Bergbaugebiet. Schon die Thraker sollen hier Bleierz im 4. bis 5. Jahrhundert v. Chr. abgebaut haben. Wozu haben die Blei gebraucht? Für Särge? Es war eben ein leicht zu verarbeitendes Metall.
    Hier sind mir wieder etliche hochwertige PKW mit Rechtslenker aufgefallen. Der Bulgare an sich scheint auch ein Brexit-Opfer zu sein. Früher kam man als Tourist noch mit russischen Sprachkenntnissen klar, das können nur noch die Alten. Der junge Bulgare ist fit im Englischen und hat sein Glück in Britannien gemacht.


    Das ist der Idealfall: Nach langer Auffahrt auf den Pass Petschinsko pereval eine Kneipe

    Nach Madan ging es schon leicht aufwärts, danach die Auffahrt zum Petschinsko Pereval auf 1050 m war zünftig. Unterwegs bekam ich erfrischende Melonenstücke von einer Familie bulgarischer Türken, die auf Urlaub aus Deutschland mit ihrer gemieteten brandneuen Daimler C-Klasse hier den Maxen raushängen lässt. Der eine Sohn (ca. 16 Jahre) wollte sich unbedingt mit mir, dem Rad und in seiner Rede “meinem Auto” abfotografieren lassen.


    Man beachte rechts die Bergbauhalden mit Mundlöchern und großen Felsspalten

    Die Abfahrt vom Pass war spektakulär. Es gab überall Reste von Bergbaustollen und Halden zu sehen. Direkt unter dem Pass, bei Straschimir, mehrere Stolleneingänge und eine riesige Spalte im Fels … man muss eigentlich nochmal dorthin. Jetzt bin ich in Zlatograd, wo der Geraer Goldwäscher (ein Gast beim Rumänien-Treffen an der Lützsche) zum Staunen der Bulgaren mitten in der Stadt Gold gewaschen hat.

    Im türkischen Thrakien
    In Zlatograd gibt es ein sehr hübsches sogenanntes Ethno-Zentrum, ein ganzes Viertel von sicher kaum 10 Jahre alten Häusern im Wiedergeburtsstil. In einem dieser Häuser fand ich gestern noch Unterkunft.


    Ethnographischer Komplex (Етнографски ареален комплекс „Златоград”)

    Nun schon Tradition ist ein Frühstück in einer pekarna, einer Bäckerei. Es gibt einen Kaffee, Joghurt und banitsa. Das ist ein frisch gebackenes Stück aus heißen Blätterteig, für mich gefüllt mit Käse. Es ist das traditionelle Frühstück auf dem Balkan, in Serbien ab einem gewissen Alter noch ein rakija dazu. Im zivilisierten Bulgarien sieht man das gar nicht mehr.
    Ich folge immer noch dem Iron Curtain Trail und es geht rauf und runter. Es gibt aber praktisch keine andere Wahl, es führen hier nur Stichstraßen hoch in die Berge zu den türkischen Dörfern. Bei Benkovski besuche ich ein thrakisches Kultgebiet. Es sind Sandsteinfelsen, ähnlich wie die Vasquez Rocks in “Star Trek”.




    Thrakischer Kultplatz "Krokodil" (Тракийски комплекс Крокодила)

    Nach einigen Schieben in praller Sonne (ich habe jetzt das korrekte Wetter für meine Ausrüstung) will ich im Schatten ein Päuschen machen. Hier warten einige alte Leutchen auf einen von mir nicht erforschten Service. Der Op neben mir zeigt auf sein Beutelchen, wo leere Glasgefäße klappern und sagt: “Schtschuk”. Dann kommt ein OPEL-Hundefänger und es werden die Gefäße gegen volle getauscht - kein Geld, nur voll gegen leer. Ein Ömchen wird von schwerer Arthritis geplagt, sie klettert als rechter Winkel zurück zu ihrem schattigen Plätzchen unter dem Baum. Aber sie hat ständig was ihren nur wenig jüngeren Freundinnen zu erzählen. Blitzschnelle Rede und Gegenrede, die ist fit im Kopf.


    Die Berge der östlichen Rhodopen: Es geht anstrengend rauf und runter

    Von meinem Nickerchen werde ich durch Gewitterdonner geweckt. Es gilt den letzten Huckel nach Dzhebel zu meistern. Ich finde das schöne moderne Bar-Café-Restaurant “Ester” in Dzhebel südlich von Kardshali und schon geht der Platzregen los. Es ist 16 Uhr, mit Internet findet sich das Hotel Royal, ich kriege ein Zimmer für 15 Lewa. Jetzt ruft der Muezzin zum Freitagsgebet.

    Heimwärts gewendet
    Ich bin in Momtschilgrad. Es wären bis zu dem Grab des Orpheus beim Dorf Tatul nur noch 15 km bergauf. Ich beschließe trotzdem meine kleine Rhodopen-Tour heimwärts zu wenden. Entsprechend einer Karte, die hier im Zentrum aufgestellt ist, wimmelt es hier rundherum von Nachweisen der ersten Kulturen Europas ab der Jungsteinzeit. Es wurde soviel erjagt, geerntet und erhandelt, dass sich Einige dem Esoterischen zuwenden konnten und rumorakelten. Etliche zogen ihre Orakel aus dem Wein, einer war ein großer Sänger - Orpheus. Es entstanden hier Kulte der Thraker, die mit Dionysos und Orpheus bis weit in die griechische Götterwelt hinein wirkten. Der bulgarische Namensgeber der Stadt ist übrigens derselbe, dem die Burg in Pirot (Serbien) zugeschrieben wird - der alte Wojwode und Raubritter Momtschil.
    Nun nur ein Dutzend Kilometer weiter in Kardshali muss ich einige Regenschauer überstehen. Mit meinem Glück erfolgt das immer mit gastronomischer Unterstützung.
    Ich muss noch einmal über die Rhodopen, wenn auch nicht mehr über die ganz hohen Pässe. Ich habe mir einen einfachen Weg über Chaskovski Mineralni Bani gewählt.


    Radler, habe immer das Wetter im Auge!


    Den Regenschauer gerade noch in einer Kneipe in Karamantsi (Караманци) abgewettert

    Aus Kardshali geht es auf einer Hauptstraße (einstellige Nummer #5, für Fuhrwerke gesperrt) mächtig und lange bergauf. Der Verkehr auf dieser Hauptstraße war akzeptabel, es gilt wohl auch in Bulgarien ein Sonntagsfahrverbot für LKW. Als ich mit meinem Drahtesel am Polizeiposten vorbei zog, erhielt ich ein “Daumen hoch”. Mein Frühstück, diesmal in Form von zwei Baniza und zwei Bier nahm ich in einem wunderbaren schattigen Gastgarten in Chernoochene ein. Reich besucht von alten Männern zu einem Frühschoppen mit Kaffee. Sicher nur eine Einbildung, nach meinem Bier gab es dann auch etliche Bestellungen dieses alkoholischen Getränks durch die anderen Gäste. Der Oblast Kardshali ist die am stärksten muselmanisch geprägt Region Bulgariens. In den Dörfern wird exclusiv türkisch gesprochen.
    Nach einem letzten Aufstieg könnte ich über weitere 800m-Rücken nach Asenovgrad abbiegen (zweistellige Straßennummer #58), aber ich möchte hinunter ins Mariza-Tal in den Kurort Chaskovski Mineralni Bani.
    Nach Einschätzung der Wetterlage suche ich mir hier eine Herberge, und in der Tat, eine halbe Stunde nach dem Zimmerbezug gegen 16 Uhr geht das Gewitter mit ordentlich Regen nieder, der bis jetzt nicht aufgehört hat.


    Hier kann man die Flunken tunken: Das Fußbad in Chaskovski Mineralni Bani

    Ich bin gerade zurück von einem Spaziergang durch den überaus sozialen Kurpark von Mineralni Bani. Habe mich an einigen modernen Sportgeräten ausprobiert und meine Rückenmuskulatur und mein Koordinationsvermögen auf einem Kreisel trainiert. Dann habe ich die Quellen entdeckt, die ihr heilendes Wasser frei für alle Besucher spenden, als Trinkkur oder zum Wassertreten. Die Quellen haben eine Temperatur von ca. 50°C und man erntet eine Dosis Radioaktivität in Höhe von 0,04 mSv/Jahr. Eine Quelle schüttet fast armdick einfach in den Straßengraben. Natürlich habe ich meine Flunken in den Quell getunkt: Sie strahlen jetzt und müffeln nicht mehr.

    Ich bin ein bekennendes Landei

    Die Ayda-Berge über Mineralni Bani – goldhaltig

    Gestern bin ich aus Chaskovski Mineralni Bani anfangs noch auf Nebenwegen unterwegs. Der rauhe Weg führte über einige Hügel mit lichten Eichenwäldern. Am Rande standen etliche PKW, wird hier möglicherweise nach Trüffeln gesucht?


    Eiche bei Susam (Сусам)

    Diese unbefestigten Wege mühen mich sehr, bei nächster Gelegenheit bin ich auf ein Asphaltstraße, die mich dann auf die Hauptstraße #8 führte. Der Verkehr war akzeptabel, ich hatte das Gefühl, dass mir mehr LKW entgegen kommen, als mich überholen. Pünktlich zum Regen in Plowdiw angekommen.


    Tomaten-Giganten und die stolze Verkäuferin

    Heute am Morgen die Rückfahrt am Racic-Schalter im Avtogara Jug gekauft. Meine e-Mail-Bekanntschaft Iliana aus der Vorbereitung der Reise war da, ich konnte mit ihr in deutscher Sprache alles vereinbaren.
    Plowdiw ist eine der ältesten ständig besiedelten Städte der Welt. Es wurde an sieben Hügeln erbaut, die bis heute ein Wahrzeichen der Stadt sind.


    Nebet Tepe (Небет Тепе) mit thrakischen Siedlungsresten. Ein Tepe ist in der Archäologie eine Erhebung, die durch wiederholte Besiedlung entstand.

    Nachdem mich die Stadtpolizei auf dem Boulevard vom Rad gejagt hat, bin ich zurück ins Hotel und habe meinen Stadtspaziergang zu Fuß absolviert. Es hat sich wieder gezeigt: Ich bin ein bekennendes Landei. Es hat viel mehr Reiz nach langer Strampelei auf einen Pass einen kleinen Laden vorzufinden, als vom beeindruckenden Angebot im “Kreativviertel” Kapana (Die Falle) nach Pflastermüdigkeit eine Wahl zu treffen. Im Amphitheater war gerade Soundprobe mit dem Skyfall Theme, hat großartig geklungen.


    Das antike römische Theater. Wikipedia: Die 7.000 Zuschauerplätze sind auf zwei Ränge mit jeweils 14 Reihen verteilt. Auf die Bänke eines jeden Sitzplatzbereiches wurden die Namen der Stadtteile geritzt, so dass jeder Besucher entsprechend seinem jeweiligen Wohnsitz Platz nehmen konnte.


    In der bulgarischen Altstadt (Zeit der Wiedergeburt): Überall antike Reste auf dem Platz "St. Konstantin and Elena"

    Mein letzter Gang des Tages in Plowdiw war zum Restaurant “Fly Garden” in der Nachbarschaft meiner Unterkunft. Gestern betafelte gerade ein Bulgare zwei Gottesdiener, er muss ganz schön gesündigt haben. Ich interessierte mich nach meinem abschließenden Rakija für das Dessert des Sünders. Ich verschob es auf heute.


    Im Fly Garden

    Heute hat mich das Team sehr freundlich wieder begrüßt. Zu meinem Wein stellten sie mir eine Platte mit den unschlagbaren Mezes der Bulgaren hin: Sudshuk, Lukanka und Filet Elena, ein Pastrami. Als Gruß des Teams! Das wird neben Karnobatsko Rakija meine Einkaufsliste für Morgen.
    Heimfahrt planmäßig mit dem Racic-Bus nach Dresden.
    Geändert von EbsEls (04.08.2018 um 22:21 Uhr)
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    Eberhard Elsner

  13. Alter Hase
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #33
    Danke für deinen Rad-Bericht. Auch wenn etwas erschobenes dabei ist.
    Wie hast du es mit dem Rad über Nacht gemacht? gab es da einen Drahteselstall? oder hast du es mit aufs Zimmer genommen?

  14. Fuchs
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #34
    Schöner Bericht mit interessanten Details.

    Danke für die Bilder aus Plovdiv. Da war ich vor ein paar Jahren für einige Tage und es sind Erinnerungen hoch gekommen.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  15. Alter Hase
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #35
    Die Letzte Grenze am Rande Europas davon erzählt Kapka Kassabova die Geschichen aus ihrer bulgarischen Heimat über Flüchtlinge früher, die versuchten Bulgarien auf abenteuerliche Art und Weise in südliche Richtung zu verlassen.
    Heute ist diese Grenze wieder Schauplatz der bewegten Ereignisse in andere Richtung. Ebsels ist nun wieder dort mit Rad unterwegs.
    Ich hab ihn am Bus getroffen um Abschied zu nehmen.
    Mit schöner Tradition kam der Bus zwei Stunden zu spät zur Abfahrt an. Diesmal verlief die Warterei bei ungemütlichen Temperaturen um die acht, neun Grad plus.
    Ich hoffe auf einen spannenden Reisebericht.
    https://www.lebensreise.com/


    Gruß Abt
    Geändert von Abt (13.04.2019 um 01:54 Uhr)

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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #36
    Ich wünsche dem Protagonisten gutes Gelingen der Tour und in den nächsten Tagen etwas wärmere Temperaturen...
    >> Ich suchte Berge und fand Menschen <<

  17. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #37
    Eine weitere Fortsetzung der Lebensreise Balkan - eine Tour durch Thrakien.

    10. April 2019, Abfahrt des Racic-Bus in Dresden mit der üblichen zwei stündigen Verspätung, aber er kommt zuverlässig. Gert hat wieder beim Verpacken des Rades geholfen. Das ist der Start in das große Bulgarien-Jahr 2019 auf meiner Lebensreise Balkan. Es soll so laufen: Eine Fahrt durch Thrakien mit der Erforschung von etlichen Heiligtümern des einflussreichen Volkes der Thraker auf die Geschichte der Griechen. Im Juni eine Wanderung mit Freunden in die “thrakische Kernzone”, die Rhodopen. Im Herbst dann zu den Eroberern Thrakiens, nach Mazedonien.
    Inflation in Serbien: Ein Schild stellt den Umtauschkurs mit 1€ = 115,96 Dinar fest, bei einer der regelmäßigen Pausen der Busfahrt an einer Raststätte bei Subotica. Dann kommt Einer raus und wechselt die Magnetfolien: 116 + paar Zerquetschte gilt ab dieser Minute. Sie nehmen hier Euro, aber kein “metal”, keine Münzen. Die Raststätte hat auch zwei Plätze mit Ladesäulen für das “Elektrische”. Scheint aber wenig Resonanz zu haben, selbst die Polizei hält das für normale Parkplätze und parkt die Ladesäulen zu.
    Diesmal hat der Racic-Bus die Verspätung nicht aufholen können. Einer der Passagiere besaß einen diffizilen Ausweis, was die ungarische und die bulgarische EU-Grenzpolizei zu einer zeitraubenden Überprüfung veranlasste. Ich bin mir nicht sicher, ob er dann am Grenzübergang Dimtrovgrad (SRB)/Dragoman (BG) wieder in den Bus zurück stieg. Unterwegs vor Nis ist einer der Busfahrer der serbischen Polizei aufgefallen. Seine Fahrerkarte wurde kontrolliert und er musste wohl eine Strafe zahlen. Möglicherweise war da was aus Deutschland anhängig, jedenfalls fiel immer wieder das Wort “Germanija” im auswertenden Gespräch mit den Kollegen. Das war alles gestern am 10. April.


    Ausfahrt Plowdiw


    Die Festung Stanimaka bei Asenowgrad

    Heute konnte ich früh nach erholsamen Schlaf im vorgebuchten “Business Hotel” in der Nähe des Avtogara Jug in Plovdiv starten. Ein kleiner Umweg nach Asenovgrad ersparte mir die verkehrsreiche direkte Straße. Ich bin im Dorf Batschkovo und wettere den Regen ab.

    Im Gebirge der sterbenden Dörfer

    Hier befindet sich auch eines der größten Nationalheiligtümer Bulgariens, das Kloster Batschkowo. Es ist eine georgische Gründung aus dem Jahre 1083. Im Klostermuseum kann man ein Schwert, das der Legende nach Kaiser Friedrich Barbarossa bei seinem Kreuzzug hier zurückgelassen haben soll, besichtigen.


    Eingang ins Kloster Batschkowo

    Das Batschkowo Kloster beeindruckte mich mit seinen farbenreichen Fresken und einem weißbärtigen Ehrwürdigen. Er beobachtete mich streng, dass ich in seiner Kirche auch keine Bilder mache. Ich habe den Heiligen drei Kerzen gespendet, als pomana für meine Tour.


    Im Kloster Batschkowo


    Dort brennen drei Kerzen für meine Reise

    Den Ehrwürdigen wegen einer persönlichen pomana anzusprechen, traute ich mir nicht. Drumherum ums Kloster blüht der Kommerz für die Touristen. Es gibt neben viel Tinnef aber auch sehr gesunde Kräuter für Tee und Honig aus den Rhodopen.


    Honig am Straßenrand im Tal der Tschepelarska reka

    Im Tal der Tschepelarska reka verläuft eine Hauptstraße (#86) mit reichlich Verkehr, aber tolerabel. An meiner morgigen Abzweigung, die Straße #861 steht das Jugower Wirtshaus.


    Das Jugower Wirtshaus

    Der Besuch am Kamin verleitet mich schon etwas früher in der Tour von den Spezialitäten des Landes und zwar im speziellen Parlenka zu probieren und zu schwärmen. Sonst wird das Parlenka in Pizzaform serviert, hier richtig als kleiner Brotlaib, gefüllt mit Kaschkaval und mit Knoblauchcreme bestrichen. Dazu gibt es hier nalivna shiva bira - lebendes Bier vom Fass im Jugowskijat Han.
    In dem Kurbad Narechenski bani habe ich das Hotel RELAX zum Ziel der ersten Etappe erklärt. Das Abendbrot gibt es auf einer Terasse über der Tschepelarska reka wie einst der river Swat in Kalaam.


    Das Abendbrot

    Das Abendbrot besteht aus einem Salat von Smilyaner Bohnen (ähnlich wie ein Salat aus den Bohnen der Steiermark) und den drei kalten Leckerbissen zum gepflegten Kamenitsa-Bier.
    • Lukanka, eine bulgarische Salami-Spezialität
    • Pastrami, ein Schinken aus Rindfleich und
    • Филе Елена (Filet Elena), ein luftgetrocknetes und gepresstes Schweinefilet aus der Stadt Elena in Mittelbulgarien.



    Das Dorf Kosowo

    Um mich für die nun in den nächsten Tagen folgenden schweren Bergetappen zu wappnen, habe ich einen kleinen Abstecher hinauf auf ca 900m in das Dorf Kosovo gemacht. Dieses Dorf wird nur noch durch einige Enthusiasten mit Ferienhäusern am Leben erhalten.


    Traditionell gedecktes Haus

    Die schweren Pläner, mit denen hier die Häuser früher gedeckt wurden, drücken die morschen hölzernen Dachfirsten ein. Das sieht aus, als hätte das Haus einen Artillerietreffer abgekriegt. Das Haus verfällt.
    Ich bin gerade wieder im Jugower Wirtshaus, es gab “Snjeshanka”, Joghurt-Bällchen mit Zwiebeln, Knoblauch und Walnusssplittern.


    Über dem Tal des Flusses Jugow

    Das Dorf Jugovo liegt 5km vom Wirtshaus steil im Hang. Die Straße führt mit 10% Steigung hoch über einer wilden Schlucht.


    Oben im Tal zeigt sich Regen ...

    Oben im Tal zeigt sich Regen, ich muss eine trockene Stelle finden. Vorhin das Kapellchen (ein Paraklis) war offen, aber ich habe ja die Fürsprache der Heiligen und finde auf der OSM-Karte eine Schutzhütte eingezeichnet. Als ich die Hütte gegen 17 Uhr erreiche, beginnt der Regen, der die ganze Nacht über nicht ablassen wird. Kann man Glück erzwingen? Glück planen? Ja, geht, dank OSM.


    Meine Schutzhütte

    Morgen beginnt der schwerste Abschnitt der Tour, 1000 m Aufstieg, werde wohl 3...4 Tage brauchen bis ins Tal der Arda.
    Geändert von EbsEls (27.05.2019 um 16:56 Uhr)
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #38
    Na da werden ja wieder balkanische Leckerbissen präsentiert...
    Also im Herbst nach Mazedonien, vielleicht treffen wir uns ja...

  19. Erfahren
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    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #39
    Fortsetzung von hier

    Ich kenne meine Grenzen

    In meiner Schutzhütte und dem dicken Schlafsack habe ich die Nacht gut überstanden. Es hat durchgeregnet, ich war im Trockenen. Für ein Frühstück einen Abstecher hoch nach Laki gemacht. Das ist eine alte Minenstadt, noch bestehenden Bergbau habe ich nicht beobachten können. Aber der alte Bergmann ist zum Sonntagmorgen immer noch durstig, weiß aber, was sich gehört und trinkt zum Frühschoppen Kaffee und raucht dafür viel. Die Kneipe war voll.


    Hundehütten vor der Kneipe

    Ich konnte dann in einem Geschäft einen Ring leckere Knackwurst und tatsächlich Schwarzbrot kaufen. Ich bin dann zurück zu den Rauchern und habe mir ein Kamenitsa-Bier bestellt. Es schien ein Signal zu sein, immer mehr Kumpels hatten eine grüne Flasche statt des Espresso vor sich.


    Die Straße #8611 im Tal der Belischska reka

    Nun sollte der schwierigste Abschnitt der Tour beginnen. Die Straße #8611 das Tal der Belischska reka aufwärts und über Planinsko und Riben dol nach Bezvodno, als Rhodopen-Radweg bei mapy.cz eingezeichnet. Der Fluss führt reichlich Wasser und presst sich durch eine zwei bis drei Meter tiefe Klamm. Ein großartiges Tal mit zwei Sehenswürdigkeiten: Eine Steinbrücke, wo der Fluss durchfließt, und ein respektabler Wasserfall.


    Skalen Most, Steinbrücke


    Wasserfall Gjumbertijata

    Auch hier finden sich in den Hängen etliche Halden, die auf Bergbaustollen hinweisen. Weiter oben finde ich im Wald einige Villen im Naturschutzgebiet “Karamusch”.


    Point of return

    Hier ist dann auch das Campieren verboten. Letztlich erzählt mir Einer am Verbotschild “Putj satvoreno!”, dass der Asphalt noch 5km anhält, der weitere Weg nach Planinsko aber nur noch Baustelle und Steine sind. Es ist sehr kalt, das Navi zeigt 900 Höhenmeter an.


    Im Naturschutzgebiet Karamusch

    Meine Grenze ist erreicht, hier komme ich nicht über die Berge ins Arda-Tal. Ich kehre um. Ich werde nachher an einem der schönen Plätze im Tal beim Dorf Belitsa zelten und morgen zum Aufwärmen ein Hotel aufsuchen und umplanen.

    Über die Rhodopen

    Es waren die erwarteten schweren Tage mit einem Aufstieg auf über 1600 m, dorthin wo noch der Winter zu Hause ist.


    Der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in die Rhodopen zurück.

    Ich fand in Belitsa einen schönen Platz zum Zelten auf der anderen Seite des Flusses auf einem Spielplatz neben der Hütte der Baba Jaga. Abends bin ich noch in die kleine Kneipe “Caffee aperitif 1 Stern” nach dem bulgarischen Standard der Gastronomie. Niedriger geht’s nicht, aber die Gastfreundschaft kennt keine Sterne in diesem Standard. Ich wählte einen weißen Wein mit einer schweren Note und im Abgang ein wenig Harz, wie beim retsina. Der größte Suffke spendierte mir gleich noch ein zweites Glas. Obwohl der Wirt selbst raucht, in seiner Kneipe verbietet er es stikt, schmeißt auch gleich mal Einen raus.
    In Laki zum Frühstück bei einem Stück Torte beschloss ich doch den Aufstieg über die Straße #861. Schon im Ort zogen die Prozente der Steigung an.
    Nach einigen Kilometer traf ich auf eine Mine, es gibt also tatsächlich noch Bergbau im Gebiet. Damit erklären sich auch die vielen schweren Dumper die graues Gestein vom Berg herunter bringen. Ich kann an einem Schacht den Aufzug des Erzes und die Beladung der LKW beobachten.


    Interessante Arbeitsschutz-Zeichen (auf's Bild clicken zum Vergrößern) sind an diesem Arbeitsplatz angebracht.

    Einer der Mineros schenkt mir einen Erzbrocken, der in vielen Farben schillert, einschließlich Gold. Dieser Schacht geht 500m abwärts. Weiter oben dann eine weitere Mine “Rudnik Drushba”. Bis hierher ist es eine normale Straße, dann ein asphaltierter einspuriger Weg. Es soll oben noch ein Dorf Shdranets mit einem Hotel geben. Meine Rettung?
    Es ist alles offen im Hotel, bis hinein zur Küche und den Kühlschränken, ein Schild heißt die Gäste “Dober doschli”, herzlich willkommen. Ich mache in den Sesseln der Lounge ein Nickerchen. Dann kommt Einer: “Hotel do not working”. “Wo kann man hier zelten?” In ca. 50 Meter einen Feldweg in einem Nebental hinauf gäbe es einen Rastplatz mit Wasser und Feuerstelle. Dort könne ich zelten. Ich gehe zu Fuß hoch und finde einen großartigen Platz zum Zelten mit Kamin, Quelle und großzügiger Hütte mit Sitzplätzen.


    Die empfohlene Stelle zum Zelten

    Die ganze Zeit kommuniziere ich mit Anne und Detlef aus Rudolstadt, die auch einen Osterausflug in Bulgarien machen. Ich lotse sie zu diesem Platz, etwas herausfordernd die Anfahrt für einen VW Caddy. Es wird ein toller Abend.


    Nacht in den Rhodopen

    Ich möchte hier mal eine Laudatio auf die Stifter solcher Raststellen einflechten. Es ist schon lange Brauch auf dem Balkan, dass Brunnen zu Ehren von Verblichenen, zum Andenken an Freunde gestiftet werden. In den Rhodopen ist das erweitert worden: Hier werden wunderbare Rastplätze rund um einen Laufbrunnen gestiftet. Immer sind Sitzplätze und Tisch vorhanden, ein Kamin mit Grill, ausgestattet mit den wichtigsten Utensilien und Zutaten. Bei größeren Anlagen findet sich immer auch ein Schild zur abseits gelegenen Toilette (Plumsklo). Es gibt häufig eine Schaukel für die Kinder. Alles ist ordentlich gepflegt, steht doch für die Nutzer auch ein Besen zur Verfügung.


    Rastplatz bei Belitsa


    Hier im Bergbaugebiet wird der Brunnen mit Mineralienstufen verziert, wie sie kaum bei der heimischen Mineralienbörse in den Saalfelder Feengrotten zu finden sind.

    Heute habe ich die letzten 15 km Aufstieg in den Winter absolviert und bin jetzt bis Banite gefahren. Hier wollen wir uns nochmal treffen.

    Über dem Tal der Arda

    Gestern noch ein schöner Abend mit den Rudolstädtern. Ich brauchte diesmal ein Hotel und fand noch oben am Ortseingang einen Hinweis zu einer mechana und Hotel “Belite Kutscha”, das Weiße Haus. Eine mechana ist ein folkloristisches Restaurant mit deftiger bulgarischer Küche und rakija. Dieses Programm haben wir mit zünftigen kavarma vom Schwein und vom Huhn und Karnobatsko rakija durchgezogen. Nur die bestellten Bratkartoffeln sind wohl in der Küche unter den Tisch gefallen. Dafür gab es dann am späten Abend auf Kosten des Hausherrn kacamak und parlenka. Das ist in der Pfanne gebratene Polenta und ein Geröstl aus dem Erdapfel. Es war Küchenschluss, es war der Rest, es war kalt - es hat trotzdem geschmeckt.


    Straßenverkehr: Die Hirtenhunde sind zahm

    Die Berge in den östlichen Rhodopen erreichen nur noch selten die tausend Meter, es geht aber trotzdem ständig knackig hoch&runter. Hier in der Nähe von Ardino gibt es die antike Teufelsbrücke über die Arda. Letztendlich besucht man diese Sehenswürdigkeit nur über eine Stichstraße, deshalb wohl eher nichts für mich. Es muss also vor zwei tausend Jahren tatsächlich Wege in den Flusstälern gegeben haben. Die modernen Straßen heute führen immer über die Berge. Gemütlich das Arda-Tal nach Kardshali hinab pedalieren ist nicht möglich, oft sind noch nicht mal Wanderpfade vorhanden und dann laufend Stauseen. Das Gebiet ist mit jeder Menge hydroenergetischen Installationen bestückt.


    Arda mit Stoyanov-Brücke

    An der Stoyanov-Brücke wird dem ersten Operateur der Turbinen im unterirdischen Kraftwerk Byali Isvor, Weiße Quelle gedacht.


    Die Wolken sind weg, früh komplett blauer Himmel, Detlefs Frontscheibe war vereist. Am Tag über auf dem Weg nach Ardino hat die Sonne aber schön meinen ausgekühlten Korpus gewärmt. So möge es bleiben.

    In Kardshali

    Der Tag in Ardino begann endlich bulgarisch korrekt: Kaffee, Banitsa und Ayran, eine Art Buttermilch. Das ist die Stärkung für die letzten Berge an der tausend Meter Grenze auf dem Weg nach Kardshali. Die Steigung beginnt sofort an der Hauptkreuzung von Ardino. Es ist heute wieder kalt und nass. Oben am Pass im Gebiet des touristischen Komplexes “An den Weißen Birken” komme ich in einen heftigen Graupelschauer.


    bei Kobiliane

    Bald ist Volksfest in Kobilane: Ringen und Grill. In der Tat, hier im Bezirk Kardshali wird überwiegend türkisch gesprochen, es ist die am stärksten islamisch geprägte Region Bulgariens. Hier erreichte die pro-türkische Partei Bewegung für Rechte und Freiheiten bis zu 70 %.

    Endlich startet die lange Abfahrt durch etliche türkische Dörfer. Die Logistik in solchen Dörfern ist meist entwicklungsfähig. In Kobiliane hat Einer in ein Handelszentrum mit Lebensmittel- und Baumarkt investiert. Nach meinem Eindruck ist er gerade in seiner ersten Renovierungsphase nach der Eröffnung vor fünf Jahren. Die Gäste des kleinen Bistros sind seine Bauleute und vorlaute Pensionäre. Am Tisch klingelt einer der Bauleute mit dem Vielfachmesser die Spannungszuleitungen und den Schalter zu einem BOSCH-Hammer aus. Die Anteilnahme seiner Kollegen am Reparaturfortschritt lassen darauf schließen, dass der Zustand dieses Werkzeugs ihre Pause verlängern wird. Dazwischen wuselt ein dünner Junge im Hoody und Basecap als Bedienung rum. Meine Frage nach etwas zu Essen nimmt er begeistert auf, holt einen Elektrogrill raus (der funktioniert) und es gibt die besten Kjöfte der Tour.
    Im nächsten Dorf spreche ich mit einem alten Kommunisten. Er erzählt von seiner Reise zu Ostzeiten nach Berlin, Potsdam und Leipzig mit dem Besuch der Georgi-Dimitroff-Gedenkstätte. Er freut sich, dass ich istotschni bin, einer aus dem Osten Deutschlands. Für die nächsten vier Nächte habe ich mich in eine Gartenhütte eingemietet.


    Bei der Höhle Utrobata - dem Genital der Mutter Erde, ein thrakisches Heiligtum

    Karfreitag: Fahrt zur Utrobata, zum Genital der Mutter Erde. Früh entdecke ich eine SMS von den Rudolstädtern, sie haben an der Höhle Utrobata genächtigt. Ich bin auch gerade auf dem Weg dahin. Ich habe mich ja so was von getäuscht, es ist keine Uferstraße entlang des Arda-Stausees, es geht mächtig hoch in die Berge. Unten in der Stadt hängen an meiner Banitsa-Frühstücks-Bäckerei Ausschreibungen für Stellen und Lehrausbildungen im Gastronomiegewerbe. An einigen der Baustellen zu einem großen Stadtpark mit noblen Wohnungsquartieren durch die Gebrüder Koch aus den USA scheint es an Bauleuten zu mangeln. Weiter oben in den Dörfern leistet sich ein Holzhändler viele billige Hände, um Holzstämme von einem alten SIL-Laster auf einen großen Sattelschlepper umzuladen. Der SIL-Laster rangiert gerade wacklig neben den Auflieger des Mercedes-Trucks. Die Holzstämme liegen ungesichert auf der platten Pritsche des SIL und werden nun durch die Hände von sechs Männern auf die platte Pritsche des Trucks umgeladen. Utensilien zur Ladungssicherung des Holzes sind weit und breit nicht zu sehen. Je billiger die Arbeitskräfte sind, desto geringer wird der Anreiz sein, die Produktivität zu erhöhen - ein Teufelskreis.


    Rufe des Muezzin hallen durch das Tal der Arda

    Die Rufe des Muezzin hallen durch das felsige Tal der Arda. Ich treffe mich zum Mittagessen am wunderbar gelegenen Hotel Borovetsa mit Anne und Detlef ganz in der Nähe der Höhle. Detlef darf ja fahren, aber Anne und ich beschließen das Mahl mit einem goldenen Rakija grosdova aus dem Hause Karnobats. Mir schwant schon, die Höhle werde ich wohl nicht erreichen. Ich stelle mein Rad unten ab, stecke Geld und Dokumente in die Hosentaschen und beginne auf einem Pfad den Aufstieg.


    Am Fußweg zur Höhle

    Als der Pfad wieder steiler wird, fällt mir ein, dass alle Schlüssel noch in der Lenkertasche sind. Ich habe einen triftigen Grund, den Aufstieg nach ca. einem Drittel des 4km-Aufstiegs abzubrechen. Abends rauscht durch Kardshali ein mächtiger Sturm, die abgerissenen Wellblechdächer aus meiner Gartensiedlung fliegen durch die Gegend. Beinahe kriege ich von so einem Ding eine neue Frisur.
    Heute gönne ich mir einen Ruhetag in der Stadt: Diesen Text schreiben, baklava kosten, den frisch gekauften “Guide to Thracian Bulgaria" studieren ...
    Geändert von EbsEls (29.05.2019 um 17:00 Uhr)
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  20. Erfahren

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    361

    AW: [RS, MNE, RKS, MK, BG] Über die Berge und durch die Schluchten des Balkan

    #40
    Schöne Tour und schöner Bericht, da steigt die Vorfreude auf unsere nächste Mazedonientour...
    Wandern & Flanieren
    Neues entdecken durch Langsamkeit

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