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    [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #1
    Mitreisende: Sternenstaub
    Und nun war er endlich da, der 11.05.2013! Gleich sollte es los gehen. Taschen gepackt, Rad fertig, etwas kribbelig, ob alles so klappen würde. Also langsam zum Südbahnhof geradelt, das letzte Treffen ist bereits ein bisserl her, wie mag das werden, wenn wir erstmals auf Tour sind?
    Kondition komplett unterschiedlich, Geschwindigkeit und Gewohnheiten recht wahrscheinlich auch. Aber auch das ist spannend, nicht nur die Tour. Und ich bin in manchem ein wenig unkonventionell, aber das wird mit Sicherheit kein Problem sein, denke ich mir. Schon eher, dass ich (mich ärgenderweise) Schnarcherin bin und dazu neige, ganze Wälder abzusägen, wenn man mich denn lässt. Einerseits habe ich deswegen ein verdammt schlechtes Gewissen, andererseits weiß ich, dass ich das eher nicht beeinflussen kann. Aber auch sowas kann zum nervigen Störfaktor werden. Wir werden es sehen. Oder hören?

    Rechtzeitig den Südbahnhof erreicht, der Zug rollt passenderweise von Süden ein und ich bewache das Rad von X, während er letztmalig ein allseits bekanntes Outdoorsportgeschäft besucht, um einen Gutschein einzulösen, nach meinem Rat mit ÖPNV, weil mit bepacktem Rad quer durchs samstägliche Berlin - ich weiß ja nicht.

    Und die Zeit zu warten kommt mir gut zupass, das ist ein Einstieg wie ich ihn mag: Leute beobachten, lesen, zu den Rädern schauen, warten, nachdenken.
    X kommt wieder und hat alles zu seiner Zufriedenheit erledigen können. Der Zug bringt uns nach Rostock, noch eine kleine Radelei und wir sind am Fährhafen. Zügig kommen wir anbord, freundlicherweise schließt einer der Seeleute unsere Packtaschen ein, sodass wir nicht das Gepäck mitschleppen müssen. Geschlafen wird nahe der Info auf recht bequemen Sitzelementen, aber erst reden und essen wir, bevor wir dann versuchen, uns in Morpheus Arme zu begeben. Überwiegend gelingt das auch, obwohl wir von manchem Kabinenpassagier argwöhnisch beäugt werden und teils auch mitleidig ;) - am frühen Morgen laufen wir dann in Trelleborg ein.

    Der erste wirkliche Radltag beginnt. Geplant ist es, die Tour in Smygehamn zu beginnen, weil das der südlichste Zipfel von Schweden ist und da X plant, den nördlichsten auf dieser Tour zu erreichen, ist das der logische Startpunkt. Aber erstmal ein paar Kilometer durch Trelleborg und hinaus radeln, dann machen wir eine Pause in SH, dokumentieren fotografierenderweise unseren Aufenthalt dort.



























    Danach trennen wir uns - wie geplant, tagsüber getrennt radeln, abends reden & kochen ist angedacht. Der Treffpunkt wird ausgemacht und jeder schwingt sich auf sein Rad. Los gehts. Zufrieden truller ich vor mich hin, das von meiner Schwester geerbte Rad ist immer noch etwas gewöhnungsbedürftig für mich (ich hoffe, dass sich das bald ändern wird), ich hab es ja noch nicht lang. Fahre durch kleine Orte und ein wenig unstet hin und her. Ich muss mich ja langsam wieder an SChweden gewöhnen. Lang war ich schon nicht mehr hier.

    Ich komme nach Aby und fotogrtafiere die erste von vielen schwedischen Dorfkirchen.





    Kleine Landstraßen haben die Angewohnheit hin und her zu schlängeln und es ist nicht ihre Bestimmung einen direkt zum gewünschten Ziel zu bringen. Da der Schwedenatlas zwar durchaus eine Orientierung zulässt, aber etliche Dörfchen in ihm nicht zu finden sind, fahre ich mehr oder weniger nach Gefühl, was nicht unbedingt förderlich fürs Vorwärtskommen ist. Aber ab und an ein Schild in Richtung Skurupp ist doch ganz hilfreich.





    Ich radele in Klagstorp ein und staune über die riesige Kirche, die hier auf dem Hügelchen steht.







    Das Wetter ist recht wechselhaft, da aber Regen angesagt war, können wir wohl ganz zufrieden sein.

    Ich radele durch Tullstorp, immer wieder bewundere ich die schönen Kirchen, die in den kleinsten Weilern stehen.





    Gegen 12 erreiche ich diese schön gelegene Kirche, da ein Haus an dem See, das wäre doch etwas. Dieser Gedanke wird mir immer mal wieder durch den Kopf geistern in den nächsten Wochen.







    Hinter Skurup komme ich auf eine große gut zu befahrene Straße, auch der Verkehr hält sich in Grenzen. Hier komme ich km-mäßig endlich etwas weiter. Links von mir liegt das Hackeberga-Naturschutzgebiet, auch irgendein Schloss , aber ich lasse das links liegen, ich habe das Gefühl etwas zu sehr getrödelt zu haben.



    Ich beschließe dort einmal zu wandern, es ist wirklich ein herrlicher Blick. Gegen 14.00 Uhr



    In Veberöd muss ich noch einmal aufpassen und die Straße nach Silvakra finden, was aber leicht ist.



    Von hier ist es nicht mehr so weit bis zum Vogelsee. Gegen 15.30 (?) etwa erreiche ich den Krankesjön, problemlos finde ich die Schutzhütte, die nahe dem See liegt und neben Toilettenhaus auch über Grillplatz und Sitzgelegenheiten verfügt. Da es doch etwas später geworden ist, verdammt sei meine Trödelei, bin ich erleichtert, als ich das Rad von X an die Schutzhütte gelehnt sehe.

    Wir trinken einen Kaffee und ich sehe mich um, so eine Anlage zum Übernachten hat wirklich etwas. Da der See als Vogelbeobachtungsstätte wohl recht beliebt ist, streifen immer wieder Leute mit langen Teleobjektiven an ihren Kameras und stativbewaffnet sozusagen durchs Unterholz, es ist schon ziemlich viel Betrieb, das wird aber hoffentlich im Laufe des Nachmittag und Abend weniger werden.

    Ich gehe hinunter zum See









    und zum Vogelbeobachtungsturm, von dort hat man eine gute Sicht.







    unsere Schutzhütte







    Als der Betrieb etwas nachgelassen hat, beginnen wir uns Gedanken über das Abendessen zu machen. Eine ältere Frau kommt auf dem am Platz entlang führenden Weg, beladen mit einigen Lebensmitteln und schaut etwas misstrauisch, sie lädt die Sachen an der zweiten Grillstelle ab und geht wieder fort. Mehrmals geht sie hin und her, verschwindet aus unserem Blickfeld, holt Holz, welches hinter der Hütte gestapelt ist, es sieht so aus, als ob sie eine größere Grillfete vorbereitet. Plötzlich kommt sie zu uns herüber und fragt, ob wir Deutsche seien. öh, ja, sie nickt. Nun erscheint ein älterer Mann, ein bisserl gekleidet wie ein Landlord, Cordhose,eine Art abgeschabte Tweedjacke. Während wir unseren Couscous mit Tofu verspeisen, vollführen sie schon fast ein Zeremonie, sorgsam bedacht, Handschlag für Handschlag. Während das Feuer langsam startet, kommt er zu uns hinüber und spricht uns auf Deutsch an. Einerseits freundlich, aber irgendwie auch aushorchend, mir missfällt das ein wenig, es scheint, als ob er Punkte sucht, die in ein Klischee passen. Obwohl es schon teils amüsant ist, bin ich froh, als sie später dann gehen und nein, es waren nur die beiden, die dort grillten.

    Ich baue mein Zelt auf und nachdem wir noch einige Zeit geredet haben, verkriechen wir uns in unsere Schlafsäcke.
    Geändert von Sternenstaub (19.07.2015 um 22:41 Uhr)
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    AW: gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #2
    In der Nacht wache ich öfters auf, weil ich fröstel, als ich gegen 5.30 wieder munter werde, stehe ich leise auf, mache mich etwas im Klohäuschen frisch und gehe zum See.

    X schläft scheinbar noch tief und fest und ich fotografiere das morgendliche Lager.



    Wundervoll ist es dort, der Nebel zieht in Schwaden über den See, die Wasservögel sind bereits munter und ich genieße es, einfach dort zu sein und dem leisen Plätschern des Sees und den Rufen der Vögel zu lauschen.









    Ich spreche X an, weil er davon sprach, dass er gern am Morgen fotografieren möchte, er stiefelt davon und ich genieße die morgendliche Ruhe, ich mag Morgennebel, allerlei Singvögel beginnen geschäftig umher zu schwirren und ich sauge die Stille, die nur von desen Naturgeräuschen unterbrochen wird förmlich auf.

    Wir frühstücken gemeinsam, in der Sonne sitzend, sinniere ich darüber, wie genial doch diese Schutzhütte gebaut ist: Plattform, bis auf den Boden gezogenes Dach und eine Rückwand, vorne jedoch offen mit Richtung in die Morgensonne, wenn sie denn scheint.



    Wir besprechen den Tag, bzw, welche Streckenpunkte man anfahren könnte und wo unser nächster Treffpunkt sein wird und ich rätsel, ob ich die nächste Hütte genauso gut finden werde. Ich bin etwas eher fertig und fahre los, nur um kurz darauf eingeholt zu werden, während ich balancierend versuche ein Foto zu machen,(das ist am Anfang etwas schwierig, zu fotografieren, wenn man ein schwer bepacktes Rad nicht los lassen kann, deswegen ist das Foto denn auch verwackelt und es kommt in den digitalen Sondermüll).

    Die kleine Straße fahren wir aber noch gemeinsam, dann kommen wir an die größere Straße, wo ich nach einiger Zeit anhalte, weil ich rechts von mir ein interessantes Bauernhaus gesehen habe. Naturgemäß muss ich mir das anschauen, was dann der Anfang einer komplizierten Irrreise für mich wird.
    Ich weiß zwar theoretisch, wo ich hin muss, aber nun ist eine Mühle dort etwas weiter vor dem Waldrand und...



    tja, ihr ahnt es, ich fahre eben dort auch vorbei, wenn ich später links und wieder links fahre, komme ich schon wieder auf die richtige Strecke. Schöne Theorie, es kommen nur Schotterwege, die mich nicht wirklich überzeugen, im Laufe des Tages werde ich aber wesentlich abgehärteter gegen solche Bedingungen. Lauter namenlose Örtchen, nein, nicht wirklich namenlos, aber nicht auf der Karte auffindbar, lerne ich kennen, das macht durchaus Spaß, lässt mich aber befürchten, dass es nicht so einfach ist diese Labyrinth zu verlassen.

    Zum Bauernhof und Mühle ging es etwas steiler hoch, das bleibt jetzt erstmal so, ein bisserl hügelig ist es hier und ich sehne mich nach der etwas flacheren großen Straße zurück, aber nutzt ja nix.



    Landschaftlich schön ist es hier auf jeden Fall. So führt mich mein Sträßchen auch nach Slogstorp, ein weiterer noname-Ort für meine Karte.



    Als ich jedoch dieses Schild erreiche, gerate ich etwas in Panik, weil ich offensichtlich im Kreis herum gefahren bin und durchaus schon weiter von Harlösa entfernt war.



    Ich schwöre mir, mir vor der nächsten Radtour Karten mit einem anderen Maßstab zuzulegen und vor allem, mir mehr Zeit zu beschaffen, um die Strecke sauberer zu planen!
    Etwas fluchend drehe ich um. Auf dem Weg nach Löberöd radel ich an diesem schönen See mit Herrenhaus vorbei, welches von Ferne zu erahnen ist, wäre schon prachtvoll hier zu wohnen....





    Mir ist klar, dass ich nun endlich Gas geben und auf die richtige Fahrstrecke kommen muss und ich suche mir eine Sitzgelegenheit und erforsche die Karte. Jetzt wird aber ernst gemacht mit der Strecke! Erstes Ziel ist Erslov beschließe ich, um von dort eine große Straße hoch nach Tyringe zu nehmen, erst die 113, dann die 13 bis Rostange und von dort jucheee ist Tyringe ausgeschildert.
    Ich werde ziemlich schnell und komme gut voran. Wenn ich doch bloß direkt nach Erslov gefahren wäre, dann wäre ich schon sehr viel weiter nördlich. Von Tyringe aus schlage ich die Richtung nach Horja ein, bis jetzt läuft es nun wirklich gut, es ist noch hell und ich habe die Hoffnung im Hellen auch anzukommen. Von dort müsste es auf der Straße nach Röke gut machbar sein, den Abzweig nach Harsjö zu finden, wo ein See mit Schutzhütte sein soll. Die Straße nach R ist die 24 und ich habe das Gefühl jeden Moment von einem der LKWs von der Straße gefegt zu werden, es ist wirklich anstrengend, der Lärm und die Abgase machen mich nervös und irgendwie auch wütend, verdammte Pestkisten.

    Es muss doch noch eine andere Möglichkeit geben. Und siehe da, da ist eine Strecke nach Hässleberga ausgeschildert, das ist gar nicht sooo weit bis zum Zielpunkt. oh und sogar ein Straßenbauprojekt der EU wird hier angekündigt, das klingt wahrlich gut. Ich also runter von der 24 und froh gemut dem Sträßchen gefolgt. Das Straßenbauprojekt der EU entpuppt sich als wirkliches Desaster, wunderschön durch die Wälder führend, lediglich der Weg ist mehr ein mit Schotter durchsetzter Waldweg, mal harter Boden, zum Glück wenig Sand, aber kaum ein Millimeter Asphalt, rechts und links stehen die prachtvollsten alten Bauernhäuser, offenkundig ohne Mühen und Kosten gescheut ausgebaut, eines schöner als das andere. Wenn diese Holperstrecke nicht wäre, würde man sich vorkommen wie in einer Villengegend. Deswegen das Straßenbauprojekt??? Und die Holperstrecke wird schlimmer, rauf und runter, rauf und runter. Ich bin nicht so die mutige Radlerin, aber ich schwöre euch, ich bin da hinterher wie eine Geisteskranke runter gepeest, um genug Schwung fürs Rauffahren zu haben und manchesmal sah ich mich schon im hohen Bogen in die Botanik fliegen. Pfützen, Löcher, teils ganz schön tiefe und ich denke nur, Lenker gerade halten, nur nicht verreißen, nicht nachdenken, aufpassen.

    So langsam dämmert es, umdrehen wäre aber mehr als Blödsinn, wer weiß, ob der Weg von Röke hoch besser gewesen wäre und ich müsste ja auch die gleiche Strecke wieder zurück. Dann sehe ich ein Schild und endlich endlich ist H ausgeschildert. okidok, das packe ich auch, die dämliche Hütte werde ich schon finden. Tja, da stehe ich nun im kleinen Ort, es ist schon recht dunkel, verflixt, hier soll doch der Wanderweg die große Straße im Ort kreuzen, auf der anderen Seite dann der Zugang zu See und Schutzhütte sein. Kein Mensch auf der Straße, ein paar Häuser, aber für mich kein wirklich Weg erkennbar, ein paar Fußwege, die scheinen aber alle zu den Häusern zu führen. ich fahre noch mal an beide Ortseingänge, nichts, shit, was mache ich nun? Ich klopfe an einem Haus, dann einem anderen, es scheint niemand da zu sein. Am dritten Haus öffnet eine Frau und als ich ihr erkläre, was ich suche, lacht sie und kommt trotz des Regens der inzwischen heftig eingesetzt hat heraus und zeigt mir den Weg, es gibt von hier sogar zwei Zugänge und der ist wohl im Dunklen besser zu finden.
    Ich denke, ich probiers halt, was soll ich auch machen und schiebe mein Rad noch 10 Minuten über einen kleinen Pfad durch die Gegend, bis ich eine Rasthütte erahne. Puh, ich rufe, bekomme eine Antwort. Gut, angekommen. Käse und Brot mampfend, heut wird nicht gekocht, es ist zu spät/dunkel, ich entspanne langsam und erzähle von meinen Irrwegen. Die letzte Strecke querbeet auf dem wundervollen EU-Weg hat mich doch etwas knülle gemacht. "Aber da ist doch ein Wegweiser zur Hütte" ähja? den gucke ich mir dann morgen an, damit ich das nächster mal weiß, wie so einer aussieht. Das sah halt alles wie Privatgrund aus, mir scheint, ich bin in der schwedischen Philosophie noch nicht wirklich angekommen.

    Mit Zelt aufbauen ist heut nichts mehr, dort wo ein wundervoller Platz gewesen wäre, ist nun eine Pfütze, es ist echt dunkel nun und ich bin froh, in der Schutzhütte Schutz zu finden ;)
    In den Schlafsäcken sitzend unterhalten wir uns noch etwas, danach versuche ich möglichst nicht zu schnarchen, kann mir vorstellen, dass das bei dem schrägen Dach nicht so gut kommt, ich schlafe also spät ein, kann jedoch ab einer gewissen Uhrzeit nicht das Umsägen der in der Nähe stehenden Bäume verhindern.
    Wenn ich das recht in Erinnerung habe, waren es an diesem Tag irgendwas um die 110 km, jedenfalls behauptet das GPSies.
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    #3
    Der dritte Tag bricht an, es ist dunkel und verhangen, die Nacht über hat es immer wieder geregnet. Doch der Kaffee weckt die Lebensgeister, dazu Polarbröd und Käse.



    Wir besprechen die Strecke anhand unserer Karten und X schreibt mir die nächsten Stationen auf und ich schwöre mir hoch&heilig, dass das heute aber nun besser klappen wird. Im Dunklen erst anzukommen, ist nun nicht wirklich ein highlight. Deswegen will ich auch wenig Fotopausen machen, bei dem Wetter kann man eh nur radeln und radeln.
    Vittsjö. Emmaljunga, Markaryd, Hinnaryd, Torpa, die RV 25 überqueren, Odensjö und dann noch einmal weiter. Dort am "nochmal weiter" gibt es einen Grillplatz und da steht wohl auch eine Schutzhütte. ok, das sollte doch zu verorten sein. Wir sitzen noch etwas in der Hütte und quatschen, dann geht es los. Voll Vorfreude steige ich aufs Rad, fühle mich gut gebrieft, habe auch die ersten Stationen bereits in meinem Straßenatlas gefunden.

    Als ich die ersten beiden Stationen ohne jegliches Problem und in guter Zeit erreiche, wird meine eh gute Laune noch besser.





    In Markaryd wird es ein wenig komplizierter, dort ist eine größere Baustelle und ich frage einen Mann, der gerade vor der Bibliothek steht und raucht, wie ich am besten auf die Strecke nach Hinnaryd geht. Er malt es mir auf, fragt nach woher&wohin und wünscht mir eine gute Tour. Es ist zwar etwas tricky, aber dann bin ich auf der richtigen Route nach H, es ist eine kleinere aber gute Straße und die Radelei macht Spaß, auch wenn das Wetter sehr wechselhaft ist. Nach Odensjö gibt es mehre Streckenmöglichkeiten und bei ständig besser werdendem Wetter erreiche ich dann den Ort. Hier gefällt es mir, eine hübsche Kirche mit wundervollem Blick auf den Bommen, aber nicht dort liegt die Hütte sondern am Unnen, das habe ich in meinem Kopf abgepeichert. Und den Grillplatz, der dort irgendwo auf der Rundstrecke um den Unnen liegt, finde ich hoffentlich auch.
    Tja, und da setzt mein Kopf aus. Auf der ganzen Tour und lange vorher und hinterher habe ich mich nicht so sehr geärgert, als über meine nachfolgende Blödheit. Ich schaue nicht mehr auf meinen Zettel, weil ich bin ja schon "da!", sondern suche auf der Ortsumgebungstafel nahe der Kirche den Grillplatz, an dem die Schutzhütte sein soll. hm, ok, da ist ein Grillplatz eingezeichnet. Mal gucken, ob es der ist, Ich radel teils um den See, nirgendwo ein Platz, ich frage Leute, die nur den Kopf schütteln oder aber dort oder dort einen Grillplatz wissen. Ok, dann weiter. Nichts, wieder umgekehrt und zur Kirche und zum Plan zurück, dann nehme ich eben diese Strecke dort. Ist eine nette Strecke, ich frage zwei ältere Männer, die gerade in ihr Auto steigen, wo denn hier ein Grillplatz wäre. Lustigerweise sind es Deutsche, die hier ihren Lebensabend verbringen, sie leihen mir sogar eine Umgebungskarte, nach der ich fahren soll, ich könne sie ihnen ja später wieder zuschicken und schnell kritzeln sie noch ihre Anschrift darauf. Jetzt fühle ich mich besser gewappnet, dieser Unnen ist schon recht groß, was teils nur wie ein Klecks in meinem Atlas aussieht, ist meist größer als die Seen, mit denen ich es sonst zu tun habe. Ich folge der Strecke, bis ich wieder auf die größere Straße komme. Vollkommen ergebnislos, eine Frau, die in ihrem Garten arbeitet, fragt mich, wo ich denn hin wolle. Meinen Erklärungen folgt sie aufmerksam und schickt mich noch einmal drei Kilometer zurück an eine bestimmte Abzweigung, da wäre eine Halbinsel und ein Grillplatz und früher zumindest sei da auch eine Schutzhütte gewesen. Mein Herz wird leichter, schließlich radele ich schon gefühlte Ewigkeiten ergebnislos herum und ich wende wieder. Aber dort ist nur ein Bauernhof und irgend so ein Typ sägt Holz, man hört ihn nur, sieht ihn aber nicht. Mutig gehe ich auf den Hof, er sieht mich kommen und stellt die Säge ab. Er spricht ganz gut Englisch, als ich mein Problem schildere, schnalzt er nur mit der Zunge, als Ortsfremde wäre das für mich echt schwer zu finden, aber nach seiner Meinung müsse ich den nächsten Weg rein und dann nochmals rechts. Und dann fügt er hinzu, wenn ich es nicht fände oder es mir langsam aufgrund der beginnenden Dunkelheit zu gruselig würde, solle ich getrost zurück kommen, er hätte ein Zimmer frei für mich und er würde dann noch ne bottle öffnen, so oft habe er ja nicht Besuch. Und fügt noch schnell hinzu, einer seiner Freunde wäre ein Deutscher, der würde sich schon für ihn verbürgen. hm. Ich danke dem wirklich freundlichen Mann (grinse innerlich) und versuche auch noch ergebislos diese Möglichkeit. Ich radele die Strecke, die ich zuletzt von der Kirche gekommen bin wieder zurück, hinterlege die Karte im Briefkasten der freundlichen Herren und radele vollkommen entmutigt zurück zur Kirche. VERDAMMT.
    Ich entsinne mich der Handynummer von X, schicke eine sms, ich sei recht ratlos zwischen all den Möglichkeiten und erkläre, wo ich nun gerade bin. Als die Antwort kommt, könnte ich kreischen. Ich verdammte Trottelline. Von Odensjö sind es etwa noch 20 km in Richtung Unnaryd, die Hütte liegt bei Nässja am Unnen. Ich habe das einfach verpeilt, dass es ja noch eine weitere Station abzufahren ist. Es steht eindeutig auf meinem Zettel. Ich rätsel, ob das schon die beginnende Verkalkung ist oder der Stress in den letzten Monaten im Büro und im Privatleben doch zu viel waren (und der Stresspegel war wirklich schon enorm hoch!). So sauer war ich schon Ewigkeiten nicht mehr auf mich. Anstatt ordentlich die Route abzuklappern, mache ich so einen Mist, ich war schon gegen 16.00 in Odensjö, aber diese ganze Sucherei hat mich echt Stunden gekostet. Ich schicke eine sms, dass ich mich irgendwo in den Wald packe, verhehle nicht, wie sauer ich auf mich bin und stehe erst mal resigniert an der Straße, die nach Unnaryd führt. Es ist inzwischen schon dunkel geworden und meine Stimmung ist auf dem Tiefstpunkt. Ich fahre jetzt erstmal ein paar Kilometer, hier im Ort kann ich wohl kaum auf der Dorfwiese pennen. Vielleicht geht sich ein gemeinsames Frühstück wenigstens aus. Da sehe ich einen Sprinter kommen, mehr in einer Reflexbewegung hebe ich die Hand und der Sprinter stoppt. Ein junges Paar sitzt drinnen und ich erkläre mein Problem, 20 km in Richtung Unnyrad. Die junge Frau, die sehr gut Englisch spricht, lacht und springt heraus, danach er und sie öffnen die hintere Tür, gemeinsam hieven wir das Rad hinein und steigen dann vorn auf der Sitzbank ein. ich sage ihr, wohin ich genau muss, damit sie wissen, wo sie mich rauslassen müssen. Sie ist aus der Gegend und kennt See und auch den Platz in N gut, weil sie dort als Kind und Jugendliche oft war. Noch ist mein Plan, dann abseits der größeren Straße dann irgendwo in den Busch zu gehen, aber plötzlich biegt das Auto auf eine Nebenstraße, die nach N führt, im Dunklen sieht es auch für sie ungewohnt aus und sie suchen den Einganz zur Fußstrecke, wo es an den See und zur Hütte geht. Dabei unterhalten wir uns lebhaft und lachen über mein Missgeschick, als ich sage, über meine Dummheit, will sie sich ausschütteln und sagt, das wäre doch mal ein richtiges Abenteuer. Wir halten an, da ist eine Badestelle, aber hier ist Zelten verboten, sie zeigt mir den Einganz zu einem Pfad direkt am Wasser, der wäre aber nicht ratsam, weil echt schlecht, sie fragt noch einen Bauern, der mit seiner Frau auf einem Quad durch die Gegend düst und der weist in die Richtung zurück. Ok, also hier an diesem (anderen) Bauernhaus sei der richtige Eingang, ich müsse nur da ums Haus herum gehen und es wären nur wenige Meter.

    Puuuh, sie fahren weiter, ich winke hinterher und versuche um das Haus herum zu kommen. tja, ein hoher Zaun, verschlossenes Tor, DA geht es jedenfalls nicht weiter. Inzwischen ist es stockeduster, da steht noch eine Tafel zum See und Umgebung, aber ich kann nicht sehen, wo es denn lang gehen könnte.
    So radele ich zur Badestelle, denn dort beginnt ja ein Weg, wenn auch ein schlechter. Inzwischen ist mir fast alles egal, nur ankommen möchte ich. Der Weg geht wirklich rauf und runter, durch zwei Gräben, die ziemlich nass sind, es ist echt anstrengend das schwere Rad da rauf und runter zu schieben, gerade eben so sehe ich eine Art Weg. Und dann komme ich (von der falschen Seite aus, wie ich am nächsten Tag erfahre) zur Hütte, die mit einem Maschendrahtzaun umgeben ist, ein Tor erahne ich dort. Ob ich dort richtig bin? Ich frage sinnigerweise: "hallo, schläfst du schon?"
    Was wohl um die Zeit auch sonst? Ein Brummen kommt als Antwort und der Hinweis, ich soll nicht vergessen, das Tor zu schließen. Hatte ich auch nicht vor.
    Durch die Begegnung mit den wirklich total netten jungen Leuten und den Lift bin ich fast euphorisch angekommen und mir wird plötzlich bewusst, dass jemand, der gerade tief schläft, mich wohl etwas bescheuert finden muss. Reumütig schließe ich leise das Tor, parke mein Rad an irgend einem Mast dort, hole nur die eine Packtasche mit dem Schlafsack und das Zelt und baue es hinter der Schutzhütte auf irgendeinem Laubhaufen auf. Bin gerade fertig, als X mir nachkommt und meine Matte bringt, die ich nicht auch noch holen wollte, um nicht noch mehr Krach zu machen. da fühle ich mich gleich etwas besser und wünsche eine gute Nacht, bevor ich in den Schlafsack krieche.
    Ich bin wirklich vollkommen platt, waren auch heute wieder mehr Kilometer, als ich untrainierte gewohnt bin, in den Schlaf komme ich aber nur schwer.

    Am nächsten Morgen fällt es mir ein wenig schwer zu erklären (auch mir selber), warum ich nicht einfach zum letzten Punkt auf meinem Zettel gefahren bin, es liegt jedenfalls nicht daran, dass ich die Schrift nicht enziffern konnte, sondern ganz allein an meiner Blödheit.
    In einer ruhigen, friedlichen Stimmung frühstücken wir, ich erzähle von meinem unerwarteten Lift und ich kann die teils ja auch komischen Aspekte meiner erneuten Irrfahrt inzwischen auch belächeln. Ich sollte vielleicht meinen Nick besser auf Chaos-Kathi ändern?

    Nachdem der Tag 4 eindeutig besser begonnen hat als Tag 3 geendet, besprechen wir versuchsweise , wohin es heute gehen soll. In Bottnaryd gibt es am See eine Schutzhütte, das könnte aber haarig werden, rund 120 km oder so, da wir wie immer versuchen werden Nebenstrecken zu beradeln ggf auch mehr. Diesmal soll ich aber selber die Wegpunkte aufschreiben, es liegt wirklich nicht an der Schrift!!! - was ich auch mache und irgendwann geht es dann los. Jetzt sehe ich auch den Einstieg von der anderen Seite aus, offensichtlich hat der Bauer den verlegt, im Hellen sicherlich zu finden, im Dunklen aber wirklich nicht, weil man (also ich *g*) da gar nicht gesucht hätte. Egal, es geht wieder los.



    Auch heute beginnt alles sehr gut, es macht Spaß zu radeln, obwohl ich den gestrigen langen Tag durchaus in den Knochen spüre. Muskelkater habe ich noch keinmal gehabt, dabei bin ich seit den Tagen meiner Elberadelei kaum wirklich auf dem Rad gewesen.








    Ich befürchte, dass mir der Name Chaos-Kathi zumindest bei meinen Freunden erhalten bleiben wird...
    Wenn ihr euch fragt, wo ich an diesem Abend gelandet bin - nun -

    direktemang in einer.... aber lest selber

    Unnaryd ist schnell erreicht und auch die Anschlussstraße ist leicht zu finden. Ich spule mehr oder weniger das Fahrprogramm ab - Bredaryd, Anderstorp bis Gnosjö bin ich auch mehr oder weniger in meinem mir selbst gesetzten Zeitrahmen. Die Strecke ist recht unterschiedlich, mal hügelig, aber auch Teilstrecken relativ eben, große und auch größere Straßen, aber bisher hält sich alles verkehrsmäßig im erträglichen Maß. Ab und an mache ich eine kleine Pause, aber nie sehr lange, dann treibt es mich wieder fort.

    In Gnosjö ist alles ein bisserl blöd zu finden, ich habe mir eine Nebenstrecke ausgesucht zum Ort mit den Namen Asenhöga, da ich kein Schwedisch kann, fällt mir nicht auf, dass dies der Hinweis auf eine recht hügelige Strecke sein könnte. Ich verfranse mich erst etwas in G, weil die Ausschilderung nicht wirklich gut ist und als der Fahrradweg neben der größeren Straße nach Asenhöga, die ich nicht fahren möchte, weil sie sooo steil aussieht, plötzlich nach links abknickt, frage ich jemanden und erfahre, dass die Radstrecke zurück in den Ort führt. ok, das bringt also nix, ich radel zum Ausganspunkt der Steigung zurück, weil ich wegen Leitplanken nicht quer hoch kann, danach schiebe ich die erste echt steile Strecke hoch, weil mit Gepäck das Radeln für mich unmöglich ist. Dann kann ich ein Stück weit radeln, aber je länger ich nach Asenhöga unterwegs bin, desto mehr wird aus der Radlerei eine Schieberei und meine Geschwindigkeit damit drastisch geringer. Relativ dichter Verkehr, aber noch ok. Der Großteil der Strecke geht wirklich hoch auf die Höga und ich tröste mich, dass es doch gleich eigentlich wieder runter gehen müsste, dann werde ich wieder auf Tempo kommen. Ich bleibe immer wieder stehen, weil ich schlicht nicht mehr kann und verschnaufe. Endlich oben angekommen, mache ich bei der Kirche eine Verschnaufpause, ich fühle mich ganz schön unfit, eigentlich will ich mich ja gar nicht auf Bergradtouren spezialisieren.

    Wirklich runter geht es aber nicht, mal ein paar Meter, aber überwiegend geht es immer wieder nach oben, rechts und links der Straße teils dichter Wald und der Blick in hübscher Täler tut sich auf. Da es immer wieder regnet, nur sehr selten zeigt sich ein kleiner Klecks Blau am Himmel, hüllt sich die Landschaft mehr oder weniger in graue Wolken, dieses Auf und Ab schlaucht irgendwann nur noch. Dazu ist ein fast sturmartiger Wind mit heftigen Regenböen aufgekommen, ich habe das Gefühl anstatt vorwärts zu kommen, immer nur nach hinten geschoben zu werden. Ich mache eine 15-minütige Pause, um mich mal wirklich zu verschnaufen, die ich im munteren Geprassel (haha) von Regen verbringe.
    Es ist inzwischen Abend geworden und als sich der Weg teilt, einmal nach Bondstorp (von wo eine denkbare kleine Strecke nach Bottnaryd abgeht) und das andere Mal zur großen Straße nach Jonköpping, entscheide ich mich, zur großen Straße zu fahren, weil ich dort mit Sicherheit schneller voran kommen werde. Das sind noch einige Kilometer auf kleiner Straße, bis ich an der R 26 ankomme.

    Ich schicke eine sms und kündige an, dass ich es heute wahrscheinlich nicht schaffe, so leid mir das auch tut, weil ich völlig an meinem Limit angekommen bin. Inzwischen ist es kurz vor 21.00, mal sehen, ob ich doch noch ein paar Kilometer weiter komme. An der 26 herrscht ziemlich dichter Verkehr, aber zumindest sieht der Seitenstreifen durchaus befahrbar aus. Laut Karte teilt sich diese Straße irgendwann nach Jonköpping und Bottnaryd, direkter kann ich eigentlich nicht radeln. Ich mache immer wieder Schiebepausen, also ich schiebe statt zu radeln, weil natürlich auch diese Strecke nicht wirklich eben ist, außerdem ist Laufen & Schieben zurzeit weniger anstrengend. Und ich komme trotzdem ein wenig weiter. Wieso gibt es in der Mitte von Schweden eigentlich nur hügelige Strecken und ein ständiges Auf und Ab??? Wenn sonst bei Radtouren immer mein Motto war: Entweder bergauf oder Gegenwind, heißt es hier in Schweden bergauf UND Gegenwind! Als es immer dunkler wird, was auch noch durch das Wetter begünstigt wird, beschließe ich so lange durchzuhalten, bis ich entweder vom Rad falle oder ankomme. SO und BASTA!! So schnell gebe ich doch nicht auf.

    Inzwischen sind fast keine Autos mehr unterwegs, nur schwergewichtige LKWs fegen mich mehrmals fast von der Straße. Mein Licht ist zum Glück sehr gut, sehen müsste man mich eigentlich in ausreichendem Maße. Die Straße wird scheinbar wirklich schmaler, jede Richtung ist eh nur eine Fahrspur, was Überholvorgänge recht schwierig macht. Der Seitenstreifen ist definitiv nicht mehr befahrbar, zu schmal und bei der Beleuchtung einfach ein zu großes Risiko. Ich komme ab und an an Bushaltestellen vorbei, die Schwedenfahrern vielleicht bekannt sind. Aus Metall, wellblechartig, unten eine Betonplatte, links, rechts, hinten Blechwände und oben ein Blechdach, vorne offen. Die sind immer ein kleines bisserl von der Straße entfernt, da ist der Seitenstreifen ein wenig breiter. In mir kommt der Gedanke auf, doch vielleicht in so einer zu nächtigen, mir ist bewusst, dass das nicht mehr wirklich lange gut gehen kann mit meiner Radel/schieberei. Wenn ich gerade schiebe, verlasse ich komplett den Fahrstreifen und falle damit fast mehrmals in den Straßengraben, nun nicht wirklich, aber manchmal habe ich doch das Gefühl, als ob mich der Luftdruck beim Überholen der LKWs da hineinschiebt.

    Als ich noch müßig überlege, ob ich die erste, zweite oder dritte Bushalte nehmen soll, ich radele gerade, kommt von vorne ein LKW. der hektisch aufblendet und hupt und so eine Hupe ist schon verdammt laut. Hinter mir kommt ein offensichtlich viel zu schneller LKW, der nicht wie üblich mit der Geschwindigkeit herunter geht, weil er mich sieht und ja von vorn was kommt. Ich werde in Scheinwerferlicht gebadet, springe vom Rad, so schnell war ich noch nie unten und reiße mich und das Teil in den Straßengraben. Unbeeindruckt röhrt der Truck an mir vorbei, wer weiß, wie lange der schon am Steuer sitzt. Ein kleines Stück weiter ist auf der Spur des entgegengekommenen LKW eine kleine Ausbuchtung, der Fahrer schaltet das Warnlicht an und kommt schnellen Schrittes rüber zu mir. Offensichtlich erwartet er, mich von der Straße kratzen zu müssen. Er spricht auch Englisch und ist sichtlich erschüttert und froh, mich mehr oder weniger munter anzutreffen. ich bedanke mich bei ihm, ohne seine Warnsignale hätte mich der andere Truck voll erwischt. Als ich ihm versichere, dass ich heil bin und die nächste Bushalte ansteuere und dort schlafe/raste, wünscht er mir gute Erholung von dem Schreck und alles Gute. Ich schiebe jetzt nur noch und bewache argwöhnisch immer wieder die Straße hinter mir, es sind wirklich kaum noch Fahrzeuge unterwegs, als ein Straßenschild kommt, es sind noch 25 km bis Jonköpping, Bottnaryd ist noch nicht ausgeschildert.

    Kurz darauf ist eine Bushalte, ich stelle das Rad an die Seitenwand, packe nur die Isomatte und den Schlafsack aus, breite sie auf dem Beton aus. Erst als ich liege, merke ich, wie wahrlich geschafft ich bin. Die ganze Nacht donnern überwiegend LKWs über den Asphalt, die Lichter blenden mich immer wieder, aber ich bin so froh, hier geschützt zu liegen, dass ich sogar phasenweise in den Schlaf finde. Der Regen prasselt immer wieder herunter und auch dieses Geräusch ist ein schönes. Als ich einmal mehr vom Verkehr geweckt werde, fange ich plötzlich an zu lachen, also, in einer Bushaltestelle habe ich ja noch nie genächtigt.

    to be continued
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  4. Gerne im Forum

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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #4
    Ich freu mich schon sehr auf die Fortsetzung, du schreibst so spannend wie ein Krimi und die Bilder sind auch toll!

  5. Dauerbesucher
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #5
    danke dir Chewhren. ich schreibe gern Reiseberichte und freue mich, wenn es jemandem gefällt.
    Also weiter geht es:


    Obwohl ich naturgemäß recht früh komplett munter bin, dauert es dann doch noch etwas, bis ich mich aus dem Schlafsack schäle, alles einpacke und los radele. Der Verkehr ist noch sehr mäßig und nach wenigen Kilometern wird der Seitenstreifen wieder breiter, sodass ich gut darauf fahren kann. Ich lege ein ziemliches Tempo ein, selbst wenn der Schlaf kurz war, fühle ich mich richtig erfrischt. Dann komme ich zur Stelle, wo die 26 auf die R 40 stößt, rechts geht es nach Jonköpping ab, links nach Bottnaryd. Dort die Straße zu queren ist aufgrund des stärker gewordenen Verkehrs etwas schwierig, aber machbar und bald kann ich von der 40 wieder runter und biege nach B-Süd ab, finde auch den von X beschriebenen Supermarkt, der aber noch geschlossen hat. Ich radele an den See in die Nähe einer roten Brücke zu einer Insel und finde ein wenig weiter eine schöne Sitzgruppe, sogar mit Tisch. Unwahrscheinlich, dass X noch am Übernachtungsplatz ist, ist ja noch eine ganz schöne Entfernung bis zu den Elchen. Kein Mensch weit und breit und so mache ich mich etwas frisch, wechsle Klamotten und frühstücke. Genieße ein wenig die Sonne, die bereits seit Beginn der heutigen Etappe scheint.

    Ich radel südlich um den See auf einem Waldweg, lasse B unter mir liegen und oberhalb der kleinen Seen Garsjön und Vastersjön auf einer schmalen Strecke weiter, überquere die größere Straße, die direkt links vom großen See in Richtung Norden führt, es gibt mehrere Möglichkeiten, auf viel befahrene Strecken hab ich grad so gar keine Lust. Auch wenn es erst wieder hoch geht, ist das eine gute Entscheidung, weil es eine landschaftlich schöne Strecke ist. Über Prästeryd und St Löckna komme ich an einer schönen Kirche mit Friedhof auf einem Hügel, natürlich ist meine ausgesuchte Strecke wieder hügelig, aber inzwischen habe ich mich damit arrangiert, die Steigungen erscheinen mir auch sehr viel sanfter hier. Fragt mich nicht, wie der Ort genau heißt, aber auf jeden Fall mache ich eine Pause und setze mich auf die Bank, die hier steht.















    Ich befrage die Karte und beschließe bei Svansö zwischen den Seen hindurchzufahren nach Tokebo, um nördlich und auf der größeren Straße nach Mullsjö zu gelangen. Ich habe entdeckt, dass Mullsjö einen Bahnhof hat und an einer Bahnstrecke liegt, die weiter Richtung Norden führt. Ich habe nämlich beschlossen, auf jeden Fall heute bis zu den Elchen (ein Freund wohnt dort) zu gelangen und dort möglichst früh anzukommen. Das mag unsportlich erscheinen, aber das ist mir im Moment eher schnurz, der heutige Tag wird definitiv anders! Also nach einigen Fotos schwinge ich mich wieder aufs Rad, halte aber kurz am See und fülle Wasser in meine beiden kleinen Flaschen, der See sieht sehr sauber und rein aus, das passt schon. Noch die letzten 11 km nach Mullsjö gestrampelt und direkt zum Touristoffice, welches am Bahnhof liegt, weil ich erfragen möchte, wohin von hier aus Züge fahren. Zum Bahnhof selber kann ich nicht, es führen nur steile Treppen zu den Gleisen, da graut es mir schon etwas vor, mein Zeug rauf und runter zu schleppen.
    Nun passiert mir etwas lustiges, ein junger Mann spricht mich an, als er merkt, dass ich keine Schwedin bin, stellt er sich auf Englisch vor. Er ist ein hoffnungsvoller Nachwuchsreporter des örtlichen Zeitungsblättchens, in dessen Auftrag er eine Umfrage zur Meinung über die Infrastruktur des Ortes machen soll. Ich kontere, dass ich auch Fragen hätte, nämlich wohin es mit den Zügen hier gehe. Da lacht er und verweist mich ans Tourist-O und so gehe ich hinein.

    Die Frau dort ist sehr hilfsbereit und erklärt mir, dass ich sogar bis nach Skövde mit Umsteigen komme und natürlich könne ich mein Rad mitnehmen. Meinen dezenten Hinweis, dass es etwas schwierig sein wird, die Treppen mit Rad zu besteigen, kontert sie zwinkernd, um die Ecke gäbe es einen Aufzug zur Brücke da oben und von dort dann wieder auf den jeweiligen Bahnsteig. Das sei aber erstmal schlecht zu sehen, sagt sie wie entschuldigend. Und wenn ich mich spute, würde ich den nächsten Zug erreichen, weil so oft sie ja leider nicht fahren würden. Mein Ticket könne ich im Zug kaufen. Ich bedanke mich herzlich, weil sie wirklich nett und hilfsbereit ist und düse los. Ich bin gerade mit meinem Rad auf dem richtigen Fahrsteig gelangt, da fährt der Zug ein. Leider ist nur ein schmaler Bereich da, wohin ich mein Rad hineinschieben kann, aber ein freundlicher Mann springt auf und ist mir behilflich das bepackte Rad die drei Stufen nach oben zu tragen. Danke sehr! ok, das kann ich noch auf Schwedisch sagen, was ihn erfreut.

    Für mich und das Rad bezahle ich nach Skövde 130 Kronen, das erscheint mir nicht teuer und ich freue mich, dass ich auf diese Idee gekommen bin. In Falköping muss ich umsteigen, hier hilft mir wieder der Mann von vorher, er kommt wie selbstverständlich herbei. Ein bisserl warten und der andere Zug rattert herein, zum Glück am selben Perron, da hilft mir der Schaffner, weil auch hier steile Stufen zu überwinden sind.
    Echt klasse, bald werde ich in Skövde sein.

    Kurz vor 13.00 komme ich an, die Stadt ist mir viel zu laut und bevölkert. Ich kaufe mir Kebab und mache auf dem Platz am Dom eine längere Essenspause. Ich suche eine schattige Stelle unter den Bäumen, seit Beginn der Schwedenradelei laboriere ich an einem heftigen Sonnenbrand vor allem an den Armen und Händen und der Aufenthalt in der Sonne ist etwas schmerzhaft. Ich wechsle noch etwas Geld in der Wechselstube, von der mir der Kebabbudenbesitzer berichtet hat und radele dann hinaus aus der Stadt, ich hoffe, inständig in die richtige Richtung. Mein Orientierungssinn scheint aber wieder normal zu funktionieren und so gelange ich mit Leichtigkeit auf die Strecke in Richtung Skara. Im Zwischendurch, wo die Elche wohnen, muss ich etwas fragen, aber als ich das Haus sehe, erkenne ich es sofort. Genau hier muss es sein. Es steht noch kein Rad am Haus angelehnt, diesmal bin ich, wenn auch etwas auf unfaire Art Erste.

    Die Hausbesitzer sind leider zu einer Tour ausgeflogen, aber der Schlüssel ist bald gefunden, ich gehe hinein und hole mir als erstes ein wirklich großes Glas aus dem Küchenschrank und fülle es mit köstlichem kalten Wasser. Draußen auf dem Podest des Vordereingangs sitzend, die Füße hochgelegt auf einen zweiten Stuhl genieße ich das Angekommensein. Ein bisserl gehe ich danach übers Grundstück, packe mein Rad ab und setze mich mit einem zweiten Glas Wasser wieder vor die Tür, Entspannung pur!

    Ich weiß gar nicht, wie lange ich dort sitze, aber dann sehe ich, wie vorn auf der Straße ein bekanntes Gesicht auf seinem Rad die letzte Steigung hochstrampelt.
    Willkommen hier.
    Nun beginnt ein entspannter Nachmittag mit Reden, Duschen, Wäsche waschen, Kochen, Essen auf der Terrasse hinterm Haus, Grundstück anschauen, wirklich schön ist es hier! Und dem Elchfachmann schicken wir ein paar liebe Gedanken in Richtung Süden.

    Nach den anstrengenden, aber wirklich schönen vergangenen Tagen, wo wir ja unterschiedliche Dinge erlebt haben, gibt es genügend Gesprächsstoff und die Zeit vergeht sprichwörtlich wie im Fluge, bis wir dann doch müde werden.


    Am nächsten Morgen riecht es schon nach Kaffee, was eine echte Motivation ist, aufzustehen. Wir verplaudern gemütlich einige Zeit, dann beginnen wir mit der Packerei. Dieses Mal startet X vor mir, ich möchte noch in Ruhe einige Fotos machen und mir noch einmal auf der Karte anschauen, wohin ich vielleicht fahre. Für X geht es ja in Richtung Norden, da wartet ein berüchtigtes Kap auf ihn. Ich jedoch habe beschlossen, erst östlich und dann nördlich um den Vänern herumzufahren und ins Glaskogengebiet zu radeln. Da habe ich schon Interessantes von gehört und etwas Kartenmaterial habe ich auch bereits. Dann ins Bohuslän und von dort nach Göteborg, von wo meine Fähre nach Kiel abfahren wird. Dort in der Nähe ist noch ein kleines Treffen mit lieben Freunden geplant. Da heute Freitag ist, habe ich noch 1 1/2 Wochen Zeit hier in Schweden, eine halbe Ewigkeit scheint es mir.

    Da mein Zeltlein vom Aufenthalt am Unnen immer noch nass ist, habe ich es gestern als erstes aufgebaut, damit es Zeit hat schön auszulüften, es ist angenehmes Wetter, sonnig und leichter Wind weht.



    Gänseblümchen faszinieren mich immer wieder, ich liebe sie geradezu



    Hier ist es noch Frühling, die ersten Pfingstrosen zeigen sich und Schlüsselblumen.





    so eine Kräuterspirale wollte ich auch lange bereits anlegen.



    Ich gehe nochmal in Ruhe übers Grundstück, mein Rad lehnt am Haus und fordert mich auf, es endlich zu bepacken, recht hat es!



    byebye, Haus bei den Elchen



    Gegen 12.00 bin ich endlich abfahrbereit, ich radele die Straße nach oben, runter zur großen Straße möchte ich keinesfalls, ich will so schräg hoch zum Vänern trullern.
    Nicht zum ersten Mal fällt mir einer der alten Meilensteine auf, schön, dass doch noch etliche von ihnen erhalten sind.



    Ich radele über Öglunda nach Eggby mitten zwischen Seen hindurch, die ich hier aber noch nicht sehen kann, die Karte verrät es mir jedoch, dass sie da sind. An meinem Weg liegt ein ungewöhnliches Bauernhaus, mehr schon ein Gut, mit den ungewöhnlichen Fenster sieht es fast wie eine Abtei aus.



    Irgendwie habe ich eine gewisse Affinität zu Schafen aller Größen und aus allen Ländern ;) - ich gehöre nicht zu den Menschen, die Schafe dumm finden, im Gegenteil, sie haben ausdrucksstarke Gesichter.



    Mama guckt kritisch und das Kleine weiß nicht, was es von mir halten soll. Muss ja auch ulkig aussehen, das scheint ein Mensch zu sein, an dem aber sowas komisches angewachsen zu sein scheint, ein Rad mit Packtaschen welches der Mensch mit einigen Verrenkungen ausbalanciert und gleichzeitig durch so ein seltsames Ding guckt, muss man als Lämmchen ja zuvor auch noch nicht gesehen haben.



    Aber ein zweites Frühstück ist dann doch erstrebenswerter



    War es bisher ziemlich flach, komme ich nun in hügliges Terrain, die Region Valle am Fuße des Berges Billinge weist neben schöner Landschaft auch interessante eiszeitliche Rinnen und Seen auf, allein 6 Naturschutzbereiche gibt es hier.



    Landleben pur





    Das hier ist wirklich ein fast schon idyllisches Flecken Erde, hier könnte ich es auch länger aushalten.







    Ich finde ein angenehmes Plätzchen für eine erste Rast und genieße die Ruhe und Stille, dann kommen zwei Wanderer mit Ferngläsern vorbei, hier muss es also durchaus etwas besonderes zu sehen geben.





    eine zweite, aber kürzere Rast verbringe ich hier













    Die Landschaft wird wieder recht flach, das bin ich gar nicht mehr gewohnt und so komme ich trotz meiner Trödelei gut voran. Ich möchte auf jeden Fall heute bis zum Vänern kommen, hierfür radel ich am besten erstmal nach Götene.







    nein, nein, hier geht es nicht zur Universitätsstadt Uppsala, sondern zu einem kleinen Flecken nahe dem Vänern



    Wie gut, dass man immer mal wieder die Karte checken muss, so kann man gleich damit eine kleine Rast verbinden. Na, ob ich heut noch weit komme?





    Ich mag alte Steinmauern





    Dann erreiche ich Götene, schneller als ich erwartet habe. Götene überwältigt mich ein bisserl, hier gibt es sogar Cafés und da ich inzwischen Hunger bekommen habe, gönne ich mir dieses leckere Stück Kuchen und trinke köstlichen Kaffee.



    Nun verheddere ich mich im Straßengewirr, die Beschilderung nach Hällekis finde ich zwar leicht, bedauerlicherweise aber nicht den Übergang über die E 20, an der ich plötzlich stehe oder die 44. Mist zurück und ein neuer Versuch. Diesmal gelingt es, ich entkomme der Stadt und radel weiter in Richtung Hällekis, was direkt am Vänern liegen soll, das behauptet jedenfalls meine Karte. Von dort möchte ich in Richtung Mariestad, mal schauen, wie weit ich heute noch komme.
    Vom Vänern ist nichts zu sehen, ich bezweifle inzwischen, dass es ihn überhaupt gibt.
    Dichter Wald ist rechts und links und ab und an sieht man einige Ferienhütten. Langsam fällt die Dämmerung, in der Abendsonne leuchten die weißen Blümchen, die ständige Begleiter dieser Radtour sind auf, wirklich ein schöner Anblick.





    Vielleicht sollte ich mir für mein Nachtlager ein geeignetes Fleckchen suchen, so langsam werde ich müde. So gegen 21.00 schiebe ich mein Rad in den weglosen Wald und finde auch ein passendes Eckchen für mein Zelt.



    Das waren heut etwa 70 km, dafür, dass ich so spät gestartet bin, doch eigentlich ganz ordentlich
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  6. Freak Liebt das Forum

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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #6
    So wie es aussieht hattest du viel Glück mit dem Wetter, so früh im Jahr.
    2012 war es nicht so angenehm, da war ich von Anfang Juni bis Mittsommer oben, nur schxxx Wetter......

    Ein GPS mit Kartendarstellung hätte manchmal unheimlich geholfen.
    Geändert von cast (22.05.2015 um 08:52 Uhr)

  7. Dauerbesucher
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #7
    ja, über das Wetter kann ich nicht wirklich etwas negatives sagen. Natürlich gab es auch Regen, was mich aber eh nie besonders stört.

    Ein GPS kommt mir nicht ins Haus - so lange ich dort unterwegs bin, wo man ab und an durch Ortschaften kommt oder sich doch letztlich orientieren kann, brauche ich das persönlich nicht. Das kommt natürlich auch sehr auf die Tour an - logischerweise. Ich mag es einfach, relativ spontan die Route zu gestalten.
    Doof ist es natürlich, wenn man sich zwischendurch mit jemandem treffen möchte, dann ist eine bessere Orientierung schon wichtiger. Bisher hat mich neben den Kosten auch immer abgeschreckt, dass Display und Kartenausschnitt auf so Teilen zumindest in meinen Augen echt unkomfortabel sind.

    aber weiter:

    Ich habe tief und fest geschlafen, gut gelaunt erwache ich und obwohl ich erst noch etwas döse, bin ich dann bereits kurz nach 5.00 so munter, dass ich beschließe, den Tag wirklich beginnen zu lassen. Etwas frisch machen, Wasser trinken, langsam Zelt abbauen und alles aufs Rad packen. Das dauert naturgemäß seine Zeit, aber kurz vor 6.00 breche ich dann auf und schiebe das Rad zurück zur Straße.



    Die Luft ist so wundervoll am frühen Morgen, scheinbar bin ich doch ein Morgenmensch.



    von so Straßen habe ich die ersten Radltage geträumt. ;)







    Da zu wohnen ist wohl ein unerfüllbarer Traum!



    Ich beschließe am ersten wirklich netten Platz anzuhalten, ein Blick aufs Wasser ist ein MUSS, das ist gar nicht so einfach, weil zwar viele Ferienhäuschen zu erahnen sind, ich finde aber erst keinen ungehinderten Zugang zum See. Dann komme ich an ein Schild "Badestrand", das müsste ja wirklich dann öffentlich sein.

    Frühstück am Vänern



    das Haus



    mit diesem Ausblick wäre auch nicht unnett



    Ich verbringe einige Zeit hier an diesem ruhigen Plätzchen, höre den Wellen und den Vögeln zu, um diese Uhrzeit ist weit und breit noch kein Mensch zu sehen. Nachdem ich aufgebrochen bin, sehe ich einen Rad-Wegweiser nach Marienstad, 10 km sollen es noch sein. Also gut, tret ich doch mal in die Pedalen.

    Mariestad



    Städte sind am Morgen und am Wasser sehr viel besser erträglich für mich.



    Alles am Yachthafen hat noch geschlossen



    Ich sehe einen Mann mit einem Becher Kaffe vor der Eisbude sitzen und frage ihn, woher er den hat, ich würd mir auch gern einen kaufen. Mir muss der Kaffeedurst wohl so deutlich anzusehen gewesen sein, dass er lacht, danach verschwindet er in der Eisbude und kommt man einem Pappbecher voll Kaffee heraus und sagt: den schenke ich dir, hab mir nur vor der Arbeit einen gebraut, aber ich teile gern.
    Die Schweden können wirklich schon besonders nett sein!!!



    genüßlich trinke ich meinen Kaffee und schaue aufs Wasser.





    Langsam wird es etwas voller hier im Hafen, ich sehe dem beginnenden Treiben zu, beschließe dann aber weiter in den Ort zu gehen, Mariestad ist wirklich ein angenehmes Städtchen.
    Leider ist dieses Bild schlecht belichtet, aber ich mag es trotzdem



    Viele nette alte Häuser stehen hier, die Altstadt ist zwar überschaubar, aber dafür wenigstens um die Zeit noch nicht von Touristen bevölkert.





    Der Ort ist sehr viel gemächlicher als Skövde und gefällt mir aus diesem Grund gleich besser.





    Sogar ein kleines Theater ist vorhanden, da staune ich doch.





    Nachdem ich am Bahnhof, von dem aber keine Züge mehr fahren, noch einen Kaffee getrunken habe,verlasse ich Mariestad und fahre weiter. Rechts von dieser Kirche geht es weiter



    erst in Richtung Töreboda, weil ich die E 20 umgehen möchte, ich fahre also mehr in Richtung Osten, um eine geignete Strecke in Richtung Sjötorp im Nordwsesten über Hässle zu erreichen. Wider Erwarten klappt das probemlos und ich erreiche Sjötorp am Vänern, der Ausgangshafen vom Götakanal in Richtung Vättern. Das ist sozusagen ein historischer Ort und ich möchte mir Kanal und Ort näher anschauen.

    Am Götakanal













    die Schleusentore





    Da es aber immer voller wird, Zig Touristen sonnen sich inzwischen auf jedem freien Plätzchen, die Biergärten sind gefüllt, Hunde, Kinder, Oma und Opa, alle sind unterwegs. Nach einer guten Stunde wird mir der Trubel zu viel und ich fahre über die Kanalbrücke, das hier ist definitiv nichts für mich. puh

    Ich möchte noch ein gutes Stück weiter kommen, es gibt sicherlich auch Campingplätze am Vänern, hier erscheint mir alles sehr erschlossen, auf ein freies Stück Wald wage ich somit nicht zu hoffen. Also in die Pedalen treten, mal gucken, wohin es mich heut noch weht.
    Ich komme an einigen Hüttengebieten vorbei und bei Otterbäcken gibt es auch einen Campingplatz. Ein Stück vor dem Eingang entdecke ich ein Restaurant direkt am Strand mit Blick über den See, hm, hier etwas trinken oder ein Eis essen, das hätte doch etwas. Der gute Mann, offensichtlich der Besitzer, der am weit geöffneten Fenster sitzt und dem offensichtlich zu warm ist, ok, mir auch, trägt eine Art Fez, das sieht etwas verwegen aus, scheint aber keine "Verkleidung" wegen den Gästen zu sein, das Teil passt auf seinen Kopf, als ob es unbedingt dazu gehört. Mit mitleidigem Blick auf meinen Sonnenbrand, der sich heut wieder stärker entwickelt hat, stellt er mir schnell einen Sonnenschirm auf, bringt etwas, was eine Apfelschorle in etwa ähnlich zu sein scheint, ich studiere die Karte und bestelle mir die wirklich ausgesprochen preisgünstige Pizza Hawai. Auf einmal habe ich totalen Hunger bekommen, warmes Essen scheint plötzlich das nonplusultra zu sein. Über das Aussehen der Pizza muss ich ein wenig grinsen, soo kenne ich das nicht, aber sie schmeckt wirklich ausgesprochen gut.



    Ich esse sie ratzeputz auf, das gelingt mir eigentlich so gut wie nie, aber Radeln macht scheinbar doch hungrig. Der Chef erzählt mir, dass es eine Menge Dauercamper auf dem Platz gibt und die Rezeption zu dieser Uhrzeit nicht besetzt sei, aber die Frau dort bald kommen müsse.

    Gegen 1/2 5 stehe ich dann wartend vor der Rezeption, angeblich macht sie gegen 17.00 Uhr auf, aber irgendwie gefällt es mir hier nicht. Lauter grillende, Musik hörende Leute, irgendso ein Knirps, der mein abgestellte Rad befingert. hm. Wo ist eigentlich mein Schlüssel fürs Schloss? ähja, wo ist er???? Ich suche und suche, verdammt und zugenäht, ob ich den tatsächlich verloren habe? Bisher hat X immer mein Rad mit dem seinen zusammen angeschlossen, wenn es denn notwendig war, selbst vor einem ICA hab ich das bisher ansonsten nicht angeschlossen. aber hier bei den wuselnden Menschenmassen? Menschenmassen ist vermutlich sehr übertrieben, aber wie ich mich erinnere, ist ja heut Samstag vor Pfingsten, also viele Camper, die das gute Wetter nun ausnutzen wollen wollen. argh, ne, das ist mir nichts. Kurz entschlossen setze ich mich aufs Rad und fahre einfach weiter. Und radel und radel und radel. wohin eigentlich? Also letztlich Richtung Kristinehamn, aber das dürfte für die Uhrzeit nun vielleicht etwas zu weit sein. Da liegt noch Gullspäng vorher auf dem Weg, vielleicht gibt es ja da einen kleinen Campingplatz, irgendwie bilde ich mir ein, heute dringend eine Dusche zu benötigen. Ich komme mir zwar etwas dekadent vor, aber solche Gefühle muss man dann auch mal zulassen.

    Wann ich genau in G ankomme, weiß ich nicht mehr zu sagen, einen Campingplatz finde ich nicht aber ein Pensionat. Sogar mit Gaststätte, nicht dass ich schon wieder Hunger hätte. Fragen kostet nix, denke ich mir, mal in Erfahrung bringen, was hier ein Zimmer kostet. oh, Samstag ist Ruhetag. aber da ist eine Klingel, an der steht, man solle bitte auf sie drücken. ok, mache ich mal. Es dauert etwas, dann ruft jemand aus einem Fenster des Nachbarhaus etwas und schwingt die Arme, ich solle warten. ok, mache ich doch. Ein Paar erscheint, das sind die Betreiber, der Herr Betreiber riecht etwas aufdringlich nach Bier, aber hey, er hat seinen freien Tag, da darf er auch mal eines trinken. ;) Oder zwei.
    Die Dame des Hauses zeigt mir das vakante Zimmer, es gibt Frühstück dazu und das Haus gehöre mir heute ganz allein. Sie will zwar 395 Kronen haben, was mir recht teuer erscheint, aber ich überlege und nehme kurz entschlossen das Zimmer. Das Frühstück wird oben im Aufenthaltsraum vor meinem Zimmer bereits im Kühlschrank verstaut, eine Kaffeemaschine und Pulver stehen auf der Anrichte, Brot ist abgedeckt, Orangensaft, Müsli und Milch etc steht alles zu meiner Verfügung, auch heute abend schon. Na, das ist doch genial. Mein Rad darf ich unten in den Flur stellen und die Türe soll ich am Morgen einfach hinter mir zuziehen.

    Und das TV stünde dort und sie will mir erklären, wie ich es bediene, als ich sage, ich schaue nie TV schaut sie mich an, als ob ich das 10. Weltwunder wäre. Sie verabschieden sich freundlichst und ich nehme quasi das Haus in Besitz, also jedenfalls die obere Etage. Erstmal duschen, die Klamotten von heute und gestern waschen, dann ein riesengroßes Glas Orangensaft und später auch noch Kaffee, es ist alles reichlich vorhanden.

    Zufrieden lege ich mich in mein Bett und schlafe ein.
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #8
    Der nächste Tag ist - aus der Rückschau betrachtet - der einzig wirklich schlimme Tag für mich auf dieser Tour.

    Ich frühstücke in aller Ruhe



    und kann mich seltsamerweise nicht wirklich von meinem Übernachtungsort trennen, deswegen bepacke ich sehr spät erst mein Rad. Ich habe beim Packen wirklich jeden Millimeter untersucht, der Schlüssel für mein Radschloss scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Da muss ich mir wohl etwas einfallen lassen, spätestens auf der Fähre brauche ich ein Schloss!





    Von Gullspäng soll es nun in Richtung Kristinehamn gehen und möglichst weit in Richtung Karlstad, Wenn ich meine Karte befrage, scheint die Strecke nicht wirklich prickelnd zu sein, die eine große Straße, sonst nur wenige wirklich nutzbare kleine.



    Ich stelle an mir eine extrem schlechte Laune fest, etwas was mir eher wesensfremd ist.
    Ich mache - mehr pflichtbewusst - einige Fotos, weil mir aufgefallen ist, dass ich von den Tausenden Pferden, die ich auf der Tour gesehen habe, noch keines abgelichtet habe.





    Und radele und radele, aber Spaß macht das heute nicht. Warum tu ich mir das an? So beziehungslos durch die Gegend zu radeln, ist das nicht sinnfrei? Ich erreiche Kristinehamn, esse ein Kebab, wobei ich ein paar nicht wirklich sympathische Schweden beobachte, die total arrogant gegenüber Mitbürgern mit Migrationshintergrund sind. Was für Deppen, denke ich mir und wechsele mit dem Ehepaar, welches sehr gut gekleidet ist, dass sogar mir das gefällt, ein paar amüsierte Blicke. Die Frau sagt dann später nach einem kurzen Gespräch: Es gibt leider wenige, die so unvoreingenommen sind wie du, leider bist du keine Schwedin. ok, an etwas erinnere ich mich also doch an diesem eher gesichtlosen Tag.

    Dabei radele ich eigentlich gar nicht wenig. Nach Kristeinehamn fahre ich von der Hauptstrecke fort, sie nervt etwas und es scheint, als ob da ein möglicher Weg wäre. ok, falsch gedacht, an einer seltsamen Fabrik vorbei gekommen, die mit hohem Maschendraht abgesperrt aussah wie ein Hochsicherheitstrakt und das mitten in der Pampa. Noch einen netten Schweden getroffen, der mir sagt, ich sei falsch hier und ich - ich sehne mich danach irgendwo anzukommen. Egal wo.

    ok, ich finde neben der bisher überwiegenden Farbe Weiß nun auch Gelb, mache Fotos, an denen ich mich aber erst später erfreuen kann. Tatsächlich gelb, der schwedische Frühling ist weiß!





    Nach 92 km erreiche ich einen kleinen Ort oder besser eine Tankstelle an der E 18, ich will eigentlich nur etwas trinken, da entdecke ich das Schild RUM. ok, nachgefragt, der Rum kostet aufgrund der Uhrzeit nur 150 kronen, ich bekomme einen Schlüssel, den ich am nächsten Morgen wieder an der Tankstelle abgeben soll, und eine knappe Wegbeschreibung. Ich finde die Unterkunft, die wohl überwiegend für Trucker ist kurz vor dem Bahndamm, stelle mein Rad frecherweise in den Flur und beziehe mein Zimmer.
    Was für ein Scheißtag!!
    Der frisch von mir aufgebrühte Pfefferminztee tröstet mich etwas über den Tag hinweg, wenn das morgen auch so wird, kann ich mir gleich die Kante geben.



    Wider Erwarten erwache ich am Morgen munter und vergnügt. Und beschließe, mich noch einmal umzudrehen und etwas zu schlafen. Man könnte die nächsten Tage mühelos als Tage des Schlafens bezeichnen, scheinbar hole ich all den Schlaf der letzten Jahre nach, den ich nicht gehabt habe.

    Aber dann stehe ich doch noch auf, mache mir einen Tee und esse mein Polarbröd mit Käse. Nach dem Duschen packe ich meine Taschen und radel erst mal zur Tankstelle und gebe den Schlüssel ab. Da direkt hinter der Unterkunft ein Bahndamm mit Schienen ist, habe ich beschlossen danach nachzuschauen, ob von Vase tatsächlich ein Zug fährt. Allein das Vorhandensein eines Bahnhofes besagt in Schweden nämlich noch weniger als in Deutschland. Ich komme gerade rechtzeitig, um den kleinen Zug abfahren zu sehen. Verdammich, wenn ich 5 Minuten eher dagewesen wäre, müsste ich jetzt nicht so lange warten. Die Züge fahren je nach Takt alle 1 - 2 Stunden. Na prickelnd.

    Inzwischen hat es wieder begonnen heftig zu regnen, wie am frühen Morgen bereits und ich stelle mich in das Schutzhäuschen.



    Und warte und warte. Ich bin aber trotzdem zu faul, mein Buch heraus zu holen, ich habe da diesmal recht wenig hineingeschaut. irgendwie war ich mir selber genug.

    Als der Regen kurzzeitig nachlässt, tiger ich über den Bahnsteig, hin&her und her&hin, bis es wieder beginnt zu gießen.



    Der Zug fährt ein, Endziel ist Charlottenwasauchimmer, ich kaufe ein Ticket nach Arvika, dort soll es einen Zugang zum Glaskogen geben und genau dort möchte ich hin.

    Die Fahrt erscheint mir ewig lange, ich möchte am liebsten wieder raus aus dem Zug, aber noch eine größere Stadt (Karlstad) zu durchqueren, erscheint mir alles andere als attraktiv. Da ist Zugfahren definitiv die bessere Alternative. Ich erreiche Arvika und beschließe erstmal zum ausgeschilderten Turist-O zu radeln, vielleicht gibt es da ja gute Infos zum Glaskogen. Das Mädel dort ist blond, hübsch und doof. Nicht etwa, weil sie kein Englisch sprechen könnte, warum sollte das eine Schwedin auch können, sie spricht eigentlich ganz gut, aber sie scheint an Touristen nicht interessiert zu sein. (aber ok, hey, hier ist ein tourist-office), Sie will offensichtlich den Sinn meiner Fragen nicht nicht erfassen oder kann es gar nicht. Es gibt offensichtlich auch dumme Schweden. Ihr Kollege greift immer mal wieder ein, wenn es ihm zu skuril wird und lächelt mich entschuldigend an. Also ich habe nun verstanden, dass ich nach Sk radeln muss, was angeblich 20 kom entfernt sein soll, was nicht stimmt und dann werde ich da schon sehen. ok, sehen kann ich gut, also los mit mir

    Und radel und radel, immer wieder vom Regen durchtränkt, sodass ich Regenhose und Jacke gar nicht mehr ausziehe - aber hier muss ich stehen bleiben und freue mich, dass es einen Moment aufhört von oben nass zu sein.





    Schön ist es hier ja wirklich, ich verliebe mich jetzt schon in dieses Gebiet, ich liebe das Geräusch von Wasser, alle Geräusche von Wasser. Und die werden mich die nächsten Tage auch weitehrin begleiten.







    Nachdem ich diesen ominösen Ort, skwieauchimmer erreicht und fast durchfahren habe, halte ich an einem ICA und kaufe mir ein Krabbensandwich und Trinkjoghurt. Ich habe ja seit dem Polarbrödfrühstück nichts gegessen und das Sandwich schmeckt so köstlich, wie es aussieht. Ich radele weiter und beschließe, dass ich endlich versuchen muss, mir die schwedischen Ortsnamen einzuprägen, die irgendwie für mich alle gleich klingen. Plötzlich kommt in mir eine massive Radfahrunlust auf. Es gießt wie aus Eimern und links und rechts von der Straße scheint es immer wasserdurchtränkter zu werden. Also gut, ich suche eine Stelle zum Übernachten, auch wenn es noch keine 18.00 Uhr ist.

    Nachdem ich an einigen Häusern vorbeigeradelt bin, beschließe ich, dass die nächste irgendwie plausibel erscheinende Möglichkeit genutzt wird.
    ok, da ist Wald und dort, ein kleinerer Straßengraben ist zu durchqaueren. Und äh, da schimmert Wasser und dort, hier scheint es nicht erst seit heute heftig zu regnen. Inzwischen habe ich mein bepacktes Rad etwa 100 Meter in den Busch geschoben, langsam muss es was werden. ok, das sieht noch einigermaßen gut aus, hier baue ich das Zelt auf. Und das Wasser gurgelt ;)
    ok, aufgestellt, es hört kurzzeitig auf zu regnen, Regenzeug aus, übers Rad aufgehängt, Zelt wohnlich gemacht.



    Also Matte und Schlafsack hinein, nicht einmal die Packtaschen habe ich abgenommen. Theoretisch könnte ich mich jetzt ins Zelt fläzen und etwas ausruhen, hm. Es ist immer noch keine 18.00 Uhr, aber egal. Ich machs einfach.





    Ich schlafe ein und werde von einem ausgesprochen heftigen Gewitter geweckt. Es ist 21.00 Uhr und meine Regensachen hängen noch draußen. Aber Scheiß egal, die packe ich jetzt sicherlich nicht in mein Kleinzelt. Um 22.00 drückt trotz Gewitter die Blase, ich muss raus und sprinte gleich danach wieder hinein. Schlummere kurz ein und über mir entladen sich alle Schleusen des Himmels. Es gewittert und blitzt und donnert und ich habe das Gefühl, dass ich mich in einem Boot befinde, welches auf einem See davon getrieben wird. Aber trotz des heftigen Gewitters habe ich keine Angst.

    Ich schaue immer wieder mal auf die Uhr, wenn ich teils bewusst dem Gewitter lausche oder auch unvermittelt einschlafe und mich ein Donnerschlag weckt, über 3 Stunden tobt es sich aus über mir. Und ich fühle mich geborgen und geschützt. Der Regen schüttet die ganze Nacht die Last der Wolken über diesem Gebiet aus und ich frage mich müßig, ob ich morgen zur Straße schwimmen muss oder doch noch ein Weg ist, den ich beschieben kann. Aber trotz allem waren das mit die glücklichsten Stunden meiner Reise. curious me.

    Insgesamt schlafe ich mit Unterbrechungen gut 15 (?) Stunden - wie gut das tut!
    Geändert von Sternenstaub (22.05.2015 um 15:48 Uhr) Grund: ein Teil fehlte, habs noch nachgebessert. ;-)
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #9
    weiter gehts.

    Ich wache auf und bin erstaunt, wie lange ich geschlafen habe. Der Regen prasselt noch immer gegen das Zelt, aber es ist ein beruhigendes, zufrieden machendes Geräusch. Irgendwann werde ich aufstehen, wenn es kurzzeitig etwas trockener wird, mich anziehen, überwiegend trockene Sachen, aber die Schuhe werden immer noch pitschpatschenass sein, Ob meine Regensachen diesen Gewittersturm überlebt haben? Aber so wirklich berührt mich das nicht, ich werde es dann schon sehen. Nach einer guten Stunde wird es heller im Zelt und der Regen lässt nach, vielleicht ein geeigneter Moment um mal aus dem Zelt zu klettern und zu schauen was draußen los ist.
    tja, was ist draußen los? Das Zelt steht in einer großen Pfütze und ich lobe das Zeltlein, weil es kein Wasser ins Innere gelassen hat. Ich mache mich hastig etwas frisch, gelobt seien Feuchttücher und Deo ;) - ziehe mir saubere Wäsche an und die leicht muffige Oberbekleidung. Es beginnt wieder leicht zu regnen, schnell die Regenhose und die Jacke über mich drüber gezogen, ok, das ist ja von innen tatsächlich noch trocken. Den Schauer abgewartet und dann Zelt abgebaut, vorher Schlafsack und Matte eingepackt.

    Tag, ich komme!

    Ich schiebe das Rad in Richtung Straße und bin leicht erschrocken, wie groß die unter Wasser stehenden Flächen geworden sind, gestern hätte ich mich da nicht durch getraut. Aber ich weiß ja, wo die Straße ist und schaffe das schon. Ihr merkt, ich bin ein wenig morgenverwegen.

    Und dann stehe ich mit total nassen Füßen und leicht lädiert (aber nur leicht) an der Straße und es kann wieder los gehen. Ich fahre ein paar Kilometer die 172 bis ein Wegweiser nach Lenungshammar am Straßenrand steht, eine schmale Straße führt zwischen Seen und Hütten/Häusern hindurch. Schöne Ausblicke bieten sich.

















    In Lenungshammar ist ein Campingplatz und das Naturreservat-Infocenter, welches gerade dabei ist zu schließen, außerhalb de Saison ist nur eingeschränkt geöffnet. Ich kann aber noch die Glaskogskortet (also die Eintrittsberechtigungskarte fürs Reservat) erwerben und bekomme sogar noch ein Eis und eine Tasse Kaffee, die ich draußen zu mir nehme.

    Von Lenungshammar radele ich eine kleine, recht steile Straße nach Lenungen und biege dann spontan in einen Weg, der auf meiner Karte nicht weiterführt, ich will wissen, wie es da ausschaut und komme an diesem See vorbei.





    Der Weg ist ein Sand/Kiesweg, ab und an stehen einige wenige Häuser dort bis ich zu einem kleinen Platz komme, das Ende der Straße, nichts geht hier weiter. Auf der einen Seite steht ein recht heruntergekommenes rotes Häuschen, ein stämmiger Mann sitzt dort in Short und Unterhemd vor einem abgewrackten Campingwagen. Er mustert mich seltsam. das "WAS will denn die hier??" ist ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Aber auch er sieht aus wie ein Störenfried, nicht hierhin gehörend, wie er da breitbeinig an seinem alten Campingtisch sitzt und irgendeine Musik aus dem Radio dudeln lässt.

    Ich wende und schaue auf das zweite Haus in der Wendeschleife, größer und offensichtlich älter, die Fenster im Ergeschoss sind mit Holz zugenagelt und vor der Eingangstür hängt ein dickes Schloss mit Eisenstangen. Vor dem Haus ist eine Art Minaturbeet, windschiefe Tulpen blühen dort und Unkraut sprießt. Ich schaue an der Stirnseite zum ersten Stöck hoch und kann die oberen Umrisse eines Bettes am Fenster sehen und künstliche Blumen, die scheinbar auf einem Tisch stehen, ein Rahmen mit Foto und darüber ein kleines Holzkreuz und ein Madonnenbild. Der Rahmen ist aufgestellt, als habe sich jemand das Foto eines oder einer Liebsten auf den Nachttisch gestellt, um immer auf das Bild schauen zu können. Ich halte den Atem an, weil ich das Gefühl habe mitten in das Leben eines anderen Menschen hineinzuschauen, als ob dieses eine verblasste Fotografie wäre und ich bin mir sicher, dass dieser letzte Mensch in diesem Haus seit vielen Jahren verstorben ist und alles so gelassen wurde, wie es war. Ich frage mich, ob dieser Mensch, unwillkürlich stelle ich mir eine alte Frau vor, die da in wesentlich kargeren Tagen zurück blieb, hier einsam lag und zu einem ungewissen Gott betete, nachdem alle sie verlassen hatten. Sicherlich schon fast morbide anmutende Gedanken, aber irgendwie ist das in diesem Moment alles so präsent und ich bin froh, dass das Haus verschlossen ist und niemand dort drinnen die Ruhe stört. Das Dudeln des Radios klingt plötzlich wieder in meinen Ohren, der Typ glotzt mich an. Ich sehe ihn an, bis er den Blick abwendet. Zu gerne würde ich ein Foto machen von diesem Fenster, der verblassten Tapete, dem Schlafplatz eines alten Menschen, dann packt mich die Reue, ich fühle mich wie ein Voyeur, der das Schicksal eines anderen Menschen begafft.

    Ich radele zur Straße zurück, tief in Gedanken. Macht das Reisen aus, nicht nur die verschiedenen Landschaftem, Aussichten, die Natur an sich, sondern auch Einsichten ins eigene oder andere Ich, das so Fremde und so Vertraute? Dieses Fenster hat mich dermaßen berührt, dass es mir immer noch Schwierigkeiten macht, darüber zu sprechen, einfacher ist es eh für mich darüber zu schreiben.

    An der Straße setze ich mich auf Baumstämme, die auf den Abtransport warten und versuche wieder in der Jetztzeit anzukommen, ich habe alle Zeit der Welt, wer vermöchte mich zu treiben?

    Ich höre nur die Geräusche des Wassers, es gluckert, fließt von überall und ich denke: DAS ist SChweden, dieses Geräusch des Wassers. Überall schimmert es in Straßengräben und abseits der Straße.







    Ich radele weiter und entdecke irgendwann,( manchmal wundere ich mich kurzzeitig, dass ich nicht im Straßengraben lande, weil ich mit meinen Gedanken überall bin, nur nicht hier auf meiner Strecke) ein Hinweisschild zu einem Badeplatz. Das klingt doch schon einmal gut, vielleicht gibt es dort eine gute Möglichkeit, das Zelt aufzuschlagen. Mir scheint, ich habe genug erlebt, mehr fasst mein Kopf heute nicht. Sind vielleicht noch 2 km und ich erreiche einen hübschen, scheinbar recht großen See. Ein Mann steht dort am Wasser, es gibt mehrere Sitzgruppen und ich lehne mein Rad an einer von ihnen an und esse etwas. Danach gehe ich näher ans Ufer und sehe voll Entzücken auf dieser Seite schräg links eine Schutzhütte. Die Lage und der Blick aufs Wasser müssen einfach genial sein ud ich beschließe glücklich heute Nacht dort zu nächtigen. Es ist zwar noch recht früh, aber das macht ja nix. Irgendwo von dem Weg, auf dem ich gekommen bin muss es in Richtung Wasser einen schmalen Zugangspfad geben, den werde ich schon finden. die erste Möglichkeit geht steil nach unten über knorrige Wurzeln und ist sehr rutschig, aber bockig wie ich bin _ ich will dorthin!!!! schiebe ich das Rad hinunter, nur um an einem Wasserzufluss zum See zu gelangen, das was ein Strand sein könnte, ist hoffnunglos überspült, ansonsten ist alles dicht zugewuchert und mit Bäumen, Sträuchern aller Größen bewachsen, da geht es nicht weiter. Das Zurückschieben kostet mich fast meine letzte Kraft, zweimal rusche ich aus und falle fast mit dem Rad zusammen um, aber irgendwie lande ich dann doch noch relativ munter wieder oben. Einen Moment verschnaufen, dann gehe ich langsam weiter. Soo weit ist die Hütte doch gar nicht vom Weg/See entfernt, wo ist das nur? Dann sehe ich einen Holzpfeil, der in die richtige Richtung weist, das muss es sein. ein kurzes Stück geht es famos auf dem Pfad, dann führt er auf etwas, was eine Art Wiese sein könnte, relativ groß und von dichten Bäumen umstanden an und da, das sieht aus wie die Fortsetzung meines Pfades. Ich muss da nur noch hin und nach etwa 20 Schritten erkenne ich, dass das zwar alles gut und schön ist, aber nur Theorie, diese ganze Wiese steht tief unter Wasser, was auf den ersten Blick zwar zu erahnen ist, jedoch so schlimm wird das schon nicht sein. Ich will da hin! Als ich fast bis zur Wade im Modder versinke und das Rad unschiebbar wird, gebe ich auf. Hier ist Landunter und es wird Zeit, dass ich das akzeptiere und versuche mich und das Rad heil wieder aus diesem Sumpf heraus bekomme. Hinein war ich in wenigen Minuten, das heraus hat mich fast eine halbe Stunde gekostet. Am schwierigsten ist es, das Rad zu drehen. Keine Ahnung wie ich es geschafft habe, die notwendige Kraft zu mobilisieren. Dann stehe ich wieder auf dem fast trockenen Pfad, schiebe hoch bis zum breiteren Weg und gerade als ich mutlos wieder zur Badestelle gehe, prasselt der Regen herunter.

    Danke, Himmel! Das fehlt mir gerade. Ich stelle das Rad wieder an die Sitzgruppe, stelle mich im Regen ans Ufer und schaue duster auf die so nahe Schutzhütte. Endlich habe ich einmal in meinem Leben eine eigene Schutzhütte entdeckt und ich schaffe es nicht, sie zu erreichen. Ich könnte so heulen. Aber verdammt, ich tus nicht. Kriegerisch schaue ich auf den See, der ja gar nichts dafür kann. Nachdem ich mich abgeregt habe und der Regen etwas nachlässt, baue ich schnell mein Zelt auf, die Packtaschen bleiben wieder am Rad und werfe nur Schlafsack und Matte hinein. Danach wasche ich meine Füße und die Schuhe im See, wie gut, dass ich eine kurze Hose anhabe, die Regenhose hatte ich in der Sonnenpause ausgezogen, schlage die Regenjacke aus, bevor ich sie zum Kopfkissen zusammenknülle. Nasser können die Haare eh nicht werden. ich lege mich ins Zelt und bin froh über den warmen Schlafsack, für heute reicht das, denke ich mir, bevor ich bereits gegen 18.00 in Morpheus Arme sinke.


    Es regnet und stürmt fast die ganze Nacht. Heut ist mir jedoch ein wenig unheimlich, weil ich extrem nahe am See mein Zelt aufgebaut habe und ich das Wasser immer wieder gegen den kleinen Strand schlagen höre. Vielleicht wäre ein Meter weiter bzw höher, besser gewesen. Aber aufzustehen und zu gucken, ne, dazu habe ich auch keine Lust. Auch als ich am Morgen erwache, regnet es immer noch heftig, ich schaue hinaus und sehe nur in eine Regenwand. Ich harre so lange aus, wie es gerade nur geht und als es ein wenig nachlässt, eile ich barfuß zum Toilettenhäuschen. Das ist ein echt riesiger Raum, der Thron ist wahrlich ein Thron, aus stabilen Holzbalken gemacht mit einem ebensolchen Deckel, es riecht eigentlich gar nicht darin. Ich beschließe nach und nach meine Sachen dorthin zu bringen, um sie ordentlich verpacken zu können, es ist ein bisserl schwierig im Zelt den Schlafsack etc einzupacken. Außerdem will ich mich richtig frisch machen und die letzten sauberen Sachen anziehen. ok bis auf Socken und Hose, da gibt es nichts sauberes mehr. Ich habe beim ersten Gang die Tür weit aufgelassen und so riecht es nur noch frisch und nach Holz im Klohaus, das kann man mit einer normalen Toilette echt nicht vergleichen.

    Blick aus dem Klohäuschen ;)



    Der Weg zum Zelt



    Die Wunschhütte in dichtem Regen



    Ich pilgere mit den Klamotten also nach und nach zum Häuschen und deponiere sie dort, schiebe das Rad herbei und lehne es an die Wand, hole die Packtaschen herein, um zu sortieren. Letztlich stehen nur noch Zelt und Rad draußen im Regen. Nachdem ich mich frisch gemacht habe, mit etwas Wasser aus meiner Flasche die Zähne geputzt habe und alles wieder eingepackt ist, setze ich mich auf die recht hohe Türschwelle unter das Dach, was gerade so ausreicht nicht nass zu werden und esse Polarbröd und Käse. Langsam lässt der Regen wirklich nach, ich mache einige wenige Fotos, auch vom Zelt





    Und baue es ab, danach befestige ich mein ganzes Gerümpel wieder am Rad. Das wird immer wieder von neuen Schauern unterbrochen, aber ich hab es nicht wirklich eilig.
    Bevor ich endgültig los radele, mache ich noch ein Foto von dem Schild am Badeplatz, vielleicht finde ich ja diese Hütte wieder, so weiß ich wenigstens, wo ich etwa bin ;)



    Dann mache ich mich kurz vor 11.00 wieder auf meinen Weg, fahre über Kalleboda (an den Namen erinnere ich mich noch ;) ) dann doch lieber in Richtung der 172 als zur E 18, auf beiden Wegen werde ich Ärjäng erreichen, wo ich heute noch sein will. An der Strecke wird überall Holz geerntet, riesige Maschinen röhren auf enorm großen Flächen, Kräne hieven Stämme auf LKWs, welche Mühe haben, mich auf der schmalen Straße zu überholen. Wenn ich einen höre, fahre ich ganz an den Rand, bleibe oft stehen und weiche aus, weil bei diesen Steigungen, die Fahrer es echt schwer haben, die Last hoch zu schleppen. Mancher dankt mir mit Grüßen der Hand und einem Lächeln.

    Dann erreiche ich die 172, es beginnt wieder zu gießen und ich bin froh über meine Regenklamotten, so werden nur die eh patschnassen Socken und Schuhe noch nasser, wenn das denn geht. Das stört mich aber überhaupt nicht, ich fühle mich lebendig, zufrieden, der Regen fühlt sich wundervoll im Gesicht an.



    Ärjäng ist schnell erreicht, nachdem ich erstmal auf der großen Straße bin, ich kriege richtig speed drauf. Schon vor 15.00 bin ich in der Ortsmitte, wo auch das Touristoffice seinen Sitz hat. Ich überlege nur kurz und gehe hinein, um nach einer Pension zu fragen. Fast alles an mir ist klatschnass, mein Zelt war seit Tagen nicht mehr trocken und einige Klamotten müsste ich auch waschen. Die Frau dort ist echt nett, ich hab da generell Glück gehabt, bis auf Blondinchen waren alle in den Büros kompetent, ausgesprochen freundlich. Sie telefoniert herum, weil so vieles gibt es nun nicht hier und auf einen Campingplatz habe ich keinen Bock, ich möchte wieder trockene Sachen haben.
    Sie kommt sogar mit mir hinaus in den Regen und zeigt mir, wie ich fahren soll, es ist nicht weit und die Pensionswirtin wird dann jede Minute kommen. ok. Und ach ja, das Frühstück soll klasse sein.

    Ich finde auf Anhieb die Pension, die Wirtin kommt und zeigt mir das Zimmer. Nett und sauber, das Bad ist dort und wann ich Frühstück haben möchte. ok, so etwa 1/2 9, sie stellt mir dann morgen rechtzeitig alles hin. Mein Rad kann ich im Carport unterbringen, ich schleppe diesmal alles mit hoch, ich will ja Großwaschtag machen. Aber zuerst gehe ich zum nahe gelegenen ICA, um etwas Essbares zu kaufen und finde darin einen Grillstand, die lecker aussehende Hähnchenschenkel im Angebot haben, 22 Kronen für 2 große Schenkel, echt supergünstig. Dazu kaufe ich noch etwas Salat und als Luxus 2 Dosen Bier.

    Im Zimmer zurück, wasche ich erst meine Shirts und Wäsche durch, hänge das alles auf die Heizung und das Waschbecken bei mir im Zimmer, packe das Zelt aus, welches patschnass ist und hänge es über den zweiten Stuhl im Zimmer.
    Danach speise ich geradezu köstlich, nuckele an meinem Bier und mache mir mit Routenplanung und kurzen Aufzeichnungen, wo ich bisher alles war einen gemütlichen Nachmittag, Abend. Denke mir Erlebnisüberschriften aus, teils recht skuril, aber keine Bange, mit ihnen verschone ich euch.
    Gegen 21.00 schlafe ich bei weit geöffneten Fenster ein, das war ein guter Tag heute!
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #10
    Ich weiß nicht mehr zu sagen, wann ich aufgewacht bin, jedenfalls lange vor der vereinbarten Frühstückszeit. Ich drehe alle Wäschestücke, die meisten sind fast schon trocken, obwohl die Heizung nicht an war die Nacht, ich habe es auch gar nicht versucht, weil es ist ja Sommer. Ich überlege, ob ich gleich duschen gehe, die Dusche ist unten im Keller, während ich ein Zimmer im ersten Stock bewohne. Ich bin übrigens auch diese Nacht allein im großen Haus gewesen, die Saison hat definitiv noch nicht angefangen. Ich drehe das noch feuchte Zelt und lege mich noch einmal hin, bis es mir dann zu langweilig wird. Seltsamerweise bin ich doch noch einmal eingeschlafen.

    Ich nehme die inzwischen getrocknete Wäsche und Shirt mit und begebe mich zum Duschen. Es ist alles noch still im Haus. Die Pensionsfrau ist scheinbar noch nicht da, auf dem Weg zur Arbeit schaut sie herein und bereitet mir das Frühstück, hat sie versprochen.

    Als ich wieder oben bin, höre ich Türen klappern, ein wundervoller Kaffeeduft zieht durchs Haus.
    Auf dem Frühstücksbüffet ist alles, was das Herz begehrt: Müsli, Cornflakes, Joghurt, Milch, Wurst, Käse, Marmelade, gekochte Eier, Brot, Obst undund.
    Bevor mich jedoch am gedeckten Frühstückstisch niederlasse, mache ich mich ehrlich und bezahle, ich weiß ja, dass sie gleich danach wieder fort muss. Ich soll die Türe hinter mir zuziehen und den Schlüssel außen in der Zimmertüre stecken lassen. Sie verabschiedet sich und ich beginne ein gemütliches und langes Frühstück. Ich packe mir zwei Eier und ein Brot für unterwegs ein, hole mir von oben meine Metalltasse und fülle sie mit Kaffee, jetzt will ich in Ruhe packen und vielleicht doch nochmal die Landkarte checken.



    Dann gehe ich noch einmal hinunter und hole mir noch einen Kaffee, was für ein Luxus! Inzwischen ist es fast 11, hat noch etwas gedauert, bis ich alles trocken einpacken konnte. Ich trage meine Sachen hinunter, stelle sie vor die Hautür und ziehe diese fest hinter mir zu. Am Carport bemerke ich, dass das Vorderrad entschieden Luft verloren hat über Nacht. Entweder hat jemand am Ventil gedreht oder es ist ein Schaden am Schlauch. hm.
    Ich schiebe das Rad zur TouristInfo, um zu fragen, ob in der Nähe eine Radwerkstatt ist und die freundliche Frau von gestern erklärt mir, wie ich dorthin komme. Nochmal etwas Geschiebe, der Chef der Werkstatt meint, nein, nein, da fehlt nur die Luft und lässt von seinem Adlatus den Reifen ordentlich aufpumpen. Dann wünscht er mir eine gute Weiterfahrt. Ok, gehen wirs an.

    Wie es ausschaut, wird das ein ganz schönes auf und ab und JA, das wird es. Ich bin frohgemut, trotze den ersten Regentropfen, indem ich keine Regenjacke anziehe, der Wind soll mich trocknen und er tut es.







    Das Radeln macht enormen Spaß heut, macht richtig Laune, ich schiebe auch mal kurz, aber überwiegend schaffe ich es radelnd.





    und habe wundervolle Ausblicke.





    Ich erreiche den Dalslandlanal, von dem habe ich flüchtig bereits etwas gehört, aber natürlich ist der Götakanal bekannter. Neben mir gluckert das Wasser, auch hier ist leicht ersichtlich, dass es die letzten Tage enorm geschüttet haben muss. Schön ist es hier. Und interessant.











    Nachdem ich über die Brücke über den Kanal geradelt bin, liegt rechterhand ein ICA, da schau ich doch einfach mal rein. Eine extrem nette Kassiererin sitzt dort, ich unterhalte mich mindestens eine Viertelstunde mit ihr, sie spricht ein hervorragendes Englisch. Unsere Themen reichen von Weltpolitik bis zum Wetter, ich kaufe zu meinem Muffin und der Zimtschnecke noch eine Tasse Kaffe, nicht ahnend, dass im Vorraum kleine Tische stehen, an denen man gemütlich Rast machen kann. Und das tue ich dann ausgiebig. Ich weiß "tue" zu sagen ist in manchen Gegenden Deutschlands fast ein Sakrileg, aber da wo ich her komme, macht (tut) man sowas.




    Während ich dort sitze, kommt aus dem Verkaufsraum ein Ehepaar, welches mich anspricht, auf Deutsch, was mich etwas erstaunt. Es scheint, die Kassiererin hat von mir erzählt. Er ist wohl Dozent an irgendeiner Hochschule gewesen und war im Länderaustausch mehrmals in D, zB in Heidelberg, Düsseldorf, er spricht mit mir auf Deutsch, während seine Frau überwiegend Englisch redet, das macht es ein wenig mühsam. Aber echt interessante Leute, sie erzählen, dass sie übermorgen von Göteborg aus nach Kiel fahren werden, um, dann in Deutschland einzukaufen. Das würde sich wirklich lohnen, zurück dann über Dänemark. manchmal finde ich es seltsam, wie mitteilungsfreudig und auch gar bedürftig Menschen sind, wenn sie es mit einem einzelnen Gegenüber zu tun haben. Aber schön ist das. Wir wünschen uns dann gegenseitig eine gute Zeit!



    Ich verlasse Gustavsfors und radele in Richtung Bengtsfors, die Kassiererin hatte erzählt, dass es ein sehr hübscher Ort sei und die Umgebung sehr interessant. Es gibt eine alte Eisenbahnverbindung, die aber als solche schon lange nicht mehr bedient wird. Man kann jedoch mit Draisinen die Strecke befahren, Da bin ich ja mal gespannt, ob es mir zusagt dort.



    Nach einiger Zeit erreiche ich Bengtsfors, ich kann nicht einmal sagen, wie lang es gedauert hat, irgendwie werden Zeiten und Entfernungen immer unwesentlicher für mich. Ich bin hier und dann bin ich dort und zwischendurch ganz woanders. chaotisch? ok, ich stehe dazu.
    Ich komme am Touristoffice vorbei, es hat vor kurzem geschlossen, aber es gibt einen Plan vom Ort und da sehe ich einen Campingplatz. ok, den werde ich jetzt ansteuern, an einer schönen Seeküste radele ich entlang und komme dann zum wirklich schön gelegenen Platz. Der Mann in der Rezeption ist freundlcih und erklärt mir, wo ich zelten kann. Ich soll mir einen Platz suchen, der mir genehm ist, finde ihn auch bald, obwohl der Campingplatz stellenweise tief unter Wasser steht. Zum Abendbrot gibt es Polarbröd und Käse, was denn sonst.





    neben meinem Zelt





    Regenwolken jagen herbei





    und schütteln ihr Wasser aber zum Glück auf der anderen Seite des Sees aus.









    Ich beschließe den Abend zufrieden, das Zelt ist trocken, ich bin satt und alles ist gut!
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    #11
    Aber weiter, die letzten wenigen Tage sind noch zu erzählen...

    Ich schlafe recht lange, es hat leicht geregnet während der Nacht. Der Morgentau zaubert viele schöne Motive, aber das fototechnisch festzuhalten, klappt nicht so wirklich.





    Nachdem ich gefrühstückt habe, packe ich alles ein, da ich aber in Gedanken bin, merke ich nicht so gleich, dass ein Malheur mich ereilt hat. Das fällt mir erst auf als ich an der Straße stehe und beginnen will los zu radeln. Mein Vorderreifen ist platt, d.h. nicht komplett, aber es fehlt eindeutig an Luft. Komisch, das ist doch genau der Reifen, der angeblich gestern in Ordnung war und der ja nach dem Aufpumpen lange durch gehalten hat. Ich gucke zurück zum Campingplatz und zur Rezeption, die ist aber geschlossen und es ist niemand zu sehen. Schiebe ich jetzt die 2 - 3(?) Kilometer zurück oder probiere ich das kurze Stück nach Bengtsfors zu radeln? äh ne, nach zweimal in die Pedale treten, lasse ich das definitiv besser. Also schieben bis zum Tourist Office, das müsste um diese Zeit ja geöffnet haben. Nicht wirklich gut gelaunt beginne ich mit meiner Schieberei, noch ne Kurve und noch eine, obwohl immer am See entlang, das hebt meine Laune wieder etwas. Ich komme an einem Outdoorausrüstungs- und Kanuverleih vorbei, ein junger Mann kommt hektisch heraus gerannt und bedeutet mir, er habe keine Zeit, bevor er in einen mit Kanus schwer bepackten Transit mit Anhänger klettert und davon düst. Also weiter geschoben, ist schon einiges an Lauferei, im Office ist eine kleine Schlange vor mir, ich muss warten. Als ich an der Reihe bin und nach einem Radladen fragen, schüttelt die junge Frau mit dem Kopf, so etwas gibt es hier nicht. Aber wenn ich um die ganze Bucht herum laufe, dann gibt es an der Straße nach Gustavsfors, also kurz vorm Verlassen von B eine große Autoreparaturwerkstatt, die würden so etwas häufiger reparieren. ok, dann los. Es ist Samstag und ich hoffe, die haben lange genug auf, aber soo spät ist es andererseits auch noch nicht. Eine gute halbe Stunde später, das Stück zieht sich nämlich wirklich, bin ich an der Werkstatt angekommen und lehne mein schwer bepacktes Rad gegen eine Wand. Als ich dem Chef mein Problem schildere (es dort wirklich sehr viel los), schüttelt er gleich den Kopf, heute wird das nichts mehr, seine Leute sind alle arg beschäftigt, Termine, Termine. Ich muss wohl recht entsetzt geguckt haben, bis Montag zu warten würde mir nicht unbedingt Freude bereiten, da lenkt er ein. Okok, ich solle das Teil da lassen, einer seiner Leute würde sich darum kümmern, ich könne um 16.00 wieder vorbeischauen. Meine Sachen kann ich aber da lassen, puh, das fängt ja gut an.
    Ich nehme nur Kamera, Straßenatlas und Geldbörse mit und zuckel zurück in den Ort. In der Ortsmitte gibt es eine Fußgängerstraße, etliche Geschäfte, einen kleinen Platz, das interessiert mich aber so gar nicht. Pflichtschuldig gehe ich trotzdem herum und kaufe dann im ICA ein Krabbensandwich, Trinkjoghurt und zwei Äpfel ein und verziehe mich dann auf eine Bank in der Grünanlage am anderen Ende der Bucht. Eine Stunde trödele ich so herum und noch eine, die Zeit scheint nicht vergehen zu wollen. Ich beschließe zurück zur Werkstatt zu gehen, vielleicht habe ich ja Glück und sie sind eher fertig. Als ich hereinkomme winkt mich der Chef zu einer Sitzgruppe und sagt, ich solle mir doch aus der Thermoskanne dort einen Kaffee nehmen. Kaffee scheint in Schweden eine enorme Wichtigkeit zu haben. Jemand ohne Kaffee warten zu lassen, geht scheinbar gar nicht. So setze ich mich dorthin, trinke einen Kaffee, nehme von den mir angebotenen Keksen und trinke noch eine Tasse, blättere dabei in meinem Schwedenatlas und beobachte ein wenig die herum wuselnden Leute. Einer der Mechaniker kommt auf mich zu, das Rad sei fertig, ich hatte vorher meinen einen Ersatzschlauch da gelassen, den haben sie montiert. Ich kaufe noch ein Minischloss, damit ich mein Rad auf der Fähre abschließen kann, der Schlüssel meine Riesenschlosses scheint sich echt in Luft aufgelöst zu haben, obwohl ich es getreulich mit mir schleppe. Reifenwechsel und Schloss kosten zusammen umgerechnet etwa 8 €, das ist mehr als ok denke ich mir. Ich bedanke mich herzlich, immerhin haben die mir ja doch noch heut geholfen, das ist schon recht nett. Es ist auch erst kurz vor drei, da werd ich doch noch ein Stückerl radeln können heute. Laut Karte gibt es einen Campingplatz am Laxsjön, den will ich ansteuern. Das ist nicht weit, aber irgendwie war der Tag anstrengender durch all die Sitzerei/Warterei, als wenn ich ohne Unterbrechung geradelt wäre. Die Strecke führt durch eine hübsche Landschaft, es ist zwar eine größere Straße, auf der aber erstaunlich wenig Verkehr unterwegs ist, obwohl es ja Samstag ist.
    Der Platz liegt vor Dals Länged am See und nach einem Blick über das Gelände beschließe ich, hier wirklich zu bleiben. Irgendwie ist es die Gegend recht erschlossen und außerhalb etwas zu finden, erscheint mir schwierig. Als der freundliche ältere Mann an der Anmeldung erfährt, dass ich mit Zelt und Rad da bin, wobei er sich ausführlich nach meiner bisherigen Tour erkundigt, erklärt er mir einen besonders schönen Platz, wo ich mein Zelt aufschlagen kann. Direkt am Wasser, hinter einem größeren Gebäude, in welchem Zimmer an Gruppen vermietet werden, da gehöre mir die ganze untere Etage mit Waschräumen etc alleine. Ob das nicht nett sei, die anderen Sanitärgebäude wären am WE immer recht voll. Ich folge seinem Ratschlag und durchfahre das ganze Gelände bis zum benannten Punkt, das sieht wirklich gut aus. Ich trödele ein wenig herum bei der Entscheidung, wo ich denn nun genau das Zelt aufbaue, ich habe förmlich die Geschwindigkeit einer Schnecke, was mich schon selber nervt. Aber endlich ist alles aufgebaut, ich habe meinen Sanitärraum besucht und sogar eine Möglichkeit gefunden, mein Handy ans Stromnetz anzuschließen. Da ein Stückerl schräg über mit eine Sitzgruppe steht, beschließe ich, dort mein Abendessen zu mir zu nehmen. Bin gerade auf dem Weg, da kommen zwei später angekommene Radler, die ihre Zelte gerade auf der anderen Seite des Gebäudes aufgebaut haben und klauen sozusagen die ganze Sitzgruppe weg und packen ihr Zeug drauf, Taschen und allen möglichen Schrott. Hey, gehts noch? Die haben doch genau gesehen, dass ich mit meinem Essen in der Hand darauf zusteuerte. Ich war wirklich nur noch 2 Meter davon entfernt und die beschleunigen noch? Demonstrativ setze ich mich genau an den Platz, wo das Teil stand auf die Wiese, sie schauen aber diskret über mich hinweg. Wie ich höre sind sie Deutsche, na klasse, da ist mein Feindbild bezgl. Deutschen in Urlaub/auf Tour mal wieder bestätigt worden. Da ich aber keine Lust habe mich zu ärgern, nehme ich kurz darauf mein Geraffel und gehe zu der kleinen Halbinsel, der Weg führt direkt an meinem Zelt vorbei dorthin, am Ende steht eine wundervolle Hütte, die ich mir am liebsten gleich mieten würde, sie ist offensichtlich unvermietet und ich setze mich auf einen Gartenstuhl und esse dort mit Blück über den See. Das ist sehr viel schöner als auf der ollen Holzbank zu sitzen. So zu wohnen mit so einem Blick, das müsste doch wirklich mit das Wundervollste überhaupt sein!







    Ich kann mich gar nicht satt sehen. Und bleibe sehr lange dort sitzen, wie man an der Zahl der Fotos unschwer erkennen kann.

















    In dieser Hütte auf der anderen Seite würde ich mich sofort häuslich niederlassen, wenn mir das möglich wäre. Aber wer weiß, was die Zukunft noch alles für mich bereit hält!?



    Irgendwann lege ich mich dann zum schlafen hin, ich habe den Platz vor dem großen Haus allein für mich und auch meine Waschetage finden die beiden anderen Radler nicht, wie ich mitbekomme, gehen sie immer zum kleineren und weiter entfernten Gebäude hin. Hach, offensichtlich hat der Typ in der Rezeption nur mir diesen guten Tipp gegeben.
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #12
    Am frühen Morgen - noch vor dem Aufstehen zwingt meine Blase mich aus dem Zelt - meine Absicht, ins Waschhaus zu gehen, vergesse ich aber fast, als ich heraus krabbele. Ein Sonnenaufgang der Superklasse fesselt meine Bewunderung. Dann eile ich aber doch schnell in den Waschraum und bin ebenso schnell wieder zurück. Fast vergesse ich aufs Fotografieren, aber nur fast. Ich stehe bestimmt eine Stunde dort und bin nur glücklich.

    Da das Akku aber zickt mache ich nur 3 Fotos, sie reichen jedoch vollkommen aus, um mich wieder dorthin zu bringen. Wenn ich bedenke, wie viele Menschen es gibt, die niemals in ihrem Leben einen Sonnenaufgang erlebt haben, weiß ich, wie glücklich ich mich schätzen kann.







    Kurz vor 6.00 verkrieche ich mich wieder ins Zelt, irgendwie ist mir doch schattig geworden und ich schlafe beseligt ein und werde erst gegen 8.00 wieder wach. Schnell unter die Dusche, das Frühstückszeug eingepackt, diesmal gehe ich aber unterhalb der Hütte, an der ich gestern zu Abend gegessen habe den kleinen Pfad entlang und komme zu einer Sitzgruppe. Ganz allein für mich habe ich das Plätschern der Wellen und den Blick über den See. Es ist windiger geworden und ich freue mich über die Sonnenstrahlen, die ein wenig Wärme bringen.



    Obwohl ich nur ein Polarbröd mit etwas Käse esse und dazu Wasser trinke, genieße ich es lange, diesen Platz allein für mich zu haben. Dann beschließe ich aber doch, mich wieder auf Achse zu begeben, ich kann ja nicht hier den ganzen Tag herum hängen. Ich will es eigentlich auch nicht. Aber je näher ich meinem Ziel Göteborg komme, desto langsamer werde ich. Nicht etwa, weil ich müder oder fauler werde oder radelunlustiger, nein, wenn ich in Göteborg bin, ist alles vorbei. Dann wartet dort die Fähre und ich muss zurück. Mir wird aber von Tag zu Tag und Stunde zu Stunde klarer, dass ich überhaupt nicht zurück möchte. Ich will einfach weiter fahren, möglichst in Richtung Nordosten, da gibt es noch so vieles zu entdecken. Seufzend mache ich mir klar, dass es einfach ein Ende finden muss und wird, also nicht so zögerlich, mach hinne, Sternenstaub.

    Ich baue das Zelt ab, verpacke alles, übersehe die Radler großmütig, die irgendwas an ihren Rädern herumschrauben, dabei sehen die ganz fahrtüchtig aus, aber wer bin ich schon, das zu beurteilen. Tuning is für Radrennsportler eben wichtig.
    Wie gut, dass ich keiner bin.
    Langsam schiebe ich das bepackte Rad zum Ausgang, der nette Mann aus der Rezeption winkt mir zu, jetzt muss ich wohl wirklich weg. Na gut.

    Siedendheiß fällt mir ein, dass ich heut wirklich versuchen muss an Geld zu kommen, sonst hat es mit dem lustigen Leben und der Prasserei ein Ende, gestern wollte mir der Bankomat in Bengsfors kein Geld ausspucken. Ist das Konto mehr als sonst überzogen, die Karte kaputt oder bin ich für schwedische Banken einfach nicht mehr vertrauenswürdig??? Da ich keine Bank überfallen möchte, hinter schwedischen Gardinen im wahrsten Sinne des Wortes mag ich nur ausgesprochen ungern landen, muss ich heut unbedingt einen Bankomat finden, der mich oder besser meine Karte lieb hat. Wenn ich meine letzten Kröten zähle, kann ich vielleicht noch einmal Polarbröd und keinen Käse kaufen und müsste ständig im Busch pennen, was ja an sich nicht tragisch ist. Das Leben kann SO hart sein zu armen, alten Frauen!

    Dieses Ortsschild habe ich nur aus einem Grund fotografiert: Bäckefors hat einen Geldautomat, der mich und meine wundervolle Karte akzeptiert. Ich würde das Teil am liebsten knutschen, als ich sage und schreibe 1000 echte Kronen abhebe. Ich sehe aber davon ab, weil ich die Wartenden hinter mir nicht verunsichern möchte.



    Als allererstes kaufe ich mir ein leckeres Sandwich im ICA, wie gut, dass hier die Lebensmittelläden auch am Sonntag aufhaben! Natürlich auch Polarbröd und meinen unverzichtbaren Billingekäse und zwei Äpfel. Danach radele ich beschwingt weiter, ich wäre zwar auch mit Polabröd als einzigstgem Brennstoff nach Göteborg gekommen, aber so is doch irgendwie schöner.

    Irgendwo nördlich von Högsäter sehe ich nach einiger Radelei am frühen Nachmittag ein Schild zu irgendeiner "Lodge" und schließe messerscharf, da wo eine Lodge mit stugors ist, da kann man vielleicht auch zelten. Was heißt vielleicht? Sicherlich! Also ab von der Straße auf eine minimini-Strecke, gut eine halbe Stunde durch die Pampa und ich komme bei der Lodge an. Ich habe später ewig auf den Karten geforscht, das Teil aber schlicht nicht gefunden. Vielleicht war es ja auch nur ein surrealer Traum, dass ich dort war? Oben über dem Platz stehen ein großes Holzblockhaus und ein Backsteinhaus, hat alles etwas Westernflair. auf dem Gelände selber stehen etwa 15 Stugors, ein paar Caravans, ein Minigolfplatz ist vorhanden und erstaunlicherweise stehen auch drei Tipis dort. Nahezu alles ist verwaist, nur bei den Tipis prasselt ein Lagerfeuer und es sitzen drei Leute, zwei Männer und eine Frau um das Feuer herum. Ich gehe erst zur kleinen Rezeption, da ist aber alles verrammelt und verriegelt, so stelle ich mein Rad an eine Wand des kleinen Holzhauses, welches die Rezeption darstellen soll und gehe hinüber zum Feuer. Die Leute sind in Leder gekleidet, aber nicht nach Indianerart, mehr so wie Trapper oder wie man sie sich vorstellt. Meine Frage, ob sie mir sagen können, ob und wann jemand dort im Blockhäuschen ist, beantworten sie mit einem Lächeln, da käme wohl niemand mehr heute, ob ich einen Kaffee möchte. aber klar doch! Ich hole meinen Metallbecher und bekomme köstlichen Kaffee eingeschenkt, der gerade im Pott simmert und einen Dreibeinhocker nach Art der Trapper angeboten. Die drei sind alle schon älter, die 50ig sicherlich lange übeschritten, wie ich nun erfahre, waren sie für ein Kinder/Familienfest engagiert, das gestern war und stellten sozusagen die Attraktion dafür dar. Vor allem die Frau ist recht gesprächig, die Herren sind nach Trapperart männlich und schweigsam
    Sie versucht per handy die Eigentümerin des Platzes zu erreichen, aber niemand meldet sich. Hinter den Tipis steht ein großer, alter Volvobus, ich denke mir, was für ein netter Bus, der wäre klasse, um darin zu wohnen und zu reisen.
    Ich beschließe erstmal mein Zelt aufzu bauen und die Waschgelegenheiten zu inspizieren. Es ist alles recht nett und sauber und sogar eine Heizung hats.

    Inzwischen ist noch ein anderer Radler eingetroffen, etwas älter mit neuem Rad, sehr sportlich aufgemacht. Er setzt sich auf die Bank an der Rezeption und wartet offensichtlich. Nach einiger Zeit geht die Trapperin zu ihm hinüber und spricht mit ihm. Ich beobachte das ein wenig, habe aber keine Lust, ihn auch anzusprechen, nachdem er noch eine halbe Stunde da herumsitzt. Stocksteif und irgendwie hm "komisch". Im Waschraum treffe ich die Frau wieder und sie läd mich ein, doch noch einmal bei ihnen zu sitzen, ihr Sohn mit Familie ist auch gerade gekommen. ok, dem folge ich doch gerne. Sohn und Schwiegertochter sprechen perfektes Englisch, wir unterhalten uns über Schweden und Touren und Gott und die Welt, echt nett. Sie haben zwei Kinder, eine Tochter von 8-9 Jahren und einen etwa dreijährigen, der schelmisch immer wieder mich anspricht. Er lernt Englisch und ich Schwedisch ;) . Den Bus hat wohl die kleine Familie neu gekauft und sie sind hier, um ihn abzuholen. Er ist als Wohnmobil quasi ausgebaut und er überlegt, was er nun alles ändern kann, muss und will. Seine Mutter erzählt mir, dass der Radler, der immer noch dort hockt ebenfalls ein Deutscher ist. Waaah, nicht wirklich oder? Sie habe ihn auch zum Kaffee eingeladen, aber nun ja.

    Als er plötzlich nach all den Stunden aktiv wird und sein Rad zu einer Stugor schiebt, fühle ich mich doch irgendwie verpflichtet zu fragne, ob er irgendeine Hilfe braucht. Rotes Gesicht, kurze weiße Haare, Schnauzer, sportliche Hose, Radlhemd, Helm, halt alles neu, nicht gerade so mein Lieblingsaussehen. Nein nein sagt er, alles ist ok. Er hat nur gerade sich entschlossen auf der Terrasse einer Stugor zu übernachten, die Betreiber kämen ja wohl heute nicht mehr und er sei müde. Da sitzt der einige Stunden dort wartend auf der Bank, rührt sich nicht, guckt nicht einmal zu den anderen hin und DAS soll normal sein?

    Da plötzlich fährt der Bus an, Frau, Mann und Kinder winken mir freudig zu, ich natürich zurück und Herr Rotkopf sagt kopfschüttelnd, na, ob das Teil eine Zulassung hat????



    Ich antworte nur, ach das wird schon seine Richtigkeit haben und wünsche noch einen guten Abend. Was für ein Depp. Und wie fürchterlich deutsch. Ich würd mir nie einen Kopf machen, ob irgendwas eine Zulassung hat, das ist doch deren Bier. Statt sich über die alte Kiste zu freuen...

    nuja, er braucht also keine Hilfe und ich gehe zu den Tipis und wünsche eine gute Nacht. einer der schweigsamen Wildwestmänner sagt nun, ich könne ja nochmal ans Feuer kommen, wenn mir kalt würde oder langweilig. ich bedanke mich artig und verziehe mich in meinen Schlafpalast.


    Erster Teil des nächsten Tages

    Und wieder beginnt ein neuer Morgen. Ich wundere mich stets, wie ausgesprochen gut ich im Zelt schlafe, dabei habe ich keine Supersonderwunderaufblasmatte, sondern eine schlichte Schaumstoffmatte, also so eine Rillen/Noppenmatte. Ich bin sicher, dass die auch einen speziellen Namen hat, ich weiß ihn aber nicht. Rückenschmerzen, Ischiasbeschwerden, wehes Knie, sobald ich 1-2 Tage unterwegs bin, ist das alles weg. Auch an diesem Morgen erwache ich gut gelaunt, es ist schon gegen 8.00 Uhr und zuerst springe ich unter die Dusche. Erfreulicherweise ist hier alles wohl im Preis inbegriffen, also keine Abhängigkeit von Duschmarken etc.

    Danach setze ich mich auf die Treppe des Waschhauses und frühstücke. Im Tipilager schlaft noch alles und auch der Typ scheint noch tief und fest zu schlafen.
    Ich baue das Zelt ab, sortiere und packe alles und schiebe das Rad zur Rezeption. Immer noch niemand in Sicht. Mist, was mache ich nun. Madame Trapperin erscheint und verschwindet im Waschhaus, danach kommt sie zu mir, ich solle doch ruhig schon fahren, wenn die Betreiberin einfach nicht reagiert, ist das Zelten wohl umsonst, zwinkert sie mir zu. Zelte seien auch eher selten hier. Ich beschließe noch eine Stunde etwa zu warten und schaue auf mein Rad, das irgendwie ungewohnt aussieht. Ungewohnt deshalb, das erkenne ich jetzt, weil der Hinterreifen irgendwie schlapp aussieht. Na klasse. Und es erscheint wie Batman unser Radrennfahrer, er habe super geschlafen, guckt auf mein Rad und meint, fehlt da Luft? Ich frage ihn, ob er mir seine Radpumpe leihen kann. Aber, aber, er lässt doch sowas keine Dame machen, er kümmert sich darum. (Dame? Ich bin versucht hinter mich zu schauen, weil weniges schlechter auf mich passt als diese Titulierung). Ich antworte, das wäre ja ganz reizend von ihm. Ich packe also mein Rad ab, bin aber nicht schnell genug, um die Lenkertasche abzumontieren, schwungvoll dreht er nun das Rad herum und die Tasche scheppert gegen den Boden. Fröhlich fragt er, ob da etwas wichtiges drin sein, aber vermutlich nicht, da packt man doch nichts wichtiges hinein. Mir ist ziemlich nach Kreischen, ist ja nur meine Kamera da drinnen, aber heldinnenhaft verschweige ich die Möglichkeit, dass sie zu Bruch gegangen sein könnte. Er pumpt auf und befummelt den Reifen mit seltsamen Lautäußerungen. Also da ist offensichtlich ein Loch, aber er hat quasi ein Wundermittel dabei. Ob ich sowas kennen würde, triumphierend zeigt er mir eine Sprühflasche, das würde man in den fast leeren Schlauch durchs Ventil einspritzen, das Rad dann immer drehen und nach und nach den Reifen aufpumpen. Das wäre jetzt spannend, das habe er auch noch nie gemacht. Und während er da hantiert, erzählt er mir, dass er seit drei Wochen Rentner ist und nun zum Nordkap fahren werde, quer durch ganz Schweden. Aber leider schafft er es einfach nicht das neue Zelt aufzubauen, er habe es versäumt es einmal im Garten aufzubauen, bisher habe er sich in die Zeltbahn eingewickelt oder meist in Pensionen geschlafen. Ob ich es mir mal angucken könne? Notfalls schmeiße er es eben weg, es scheine ja echt Schrott zu sein. Also gut, ich gucke dann später, was sich machen lässt. Außerdem fühle er sich in Pensionen&Hotels eh wohler, Geld hätte er ja genug. ah, ok. Die Trapperin kommt für ein paar Minuten neugierig herüber und ich erzähle ihr, was mit meinem Rad ist. Da zischt er mir zu, ich solle aber nichts von seinem Zelt erzählen. Grübel.
    Das Rad wird getestet und für gut befunden und er holt den Packsack mit dem Zelt. Tausend Schnüre und Zeltteile, die auf eine irgend seltsame Art miteinander verknüpft werden müssen. Ein Riesenteil, hat er ganz günstig gekauft, erzählt er stolz, als ich anmerke, das dies ja fein sei, aber es wohl trotzdem unerfreulich wäre, ein scheinbar nicht so leicht aufbares Zelt mit sich herum zu schleppen. Sicher wäre das alles auch ohne Anleitung aufzubauen gewesen, aber da braucht man mit Sicherheit mehr als vier Hände, ist dann meine Vermutung. Fast zufrieden stopft er das elendig lange Teil dann in einen riesigen Sack und verkündet froh, er werde es dann außerhalb des Campingplatzes in einen Mülleimer werfen. Das wäre doch nur Ballast. Ich erzähle ihm, dass ich jetzt fahren würde, scheinbar käme heute niemand mehr vorbei und man habe mir das auch geraten. Ja, dann macht er sich auch bald auf die Socken.
    Ich bedanke mich für die Mühe, die er sich gemacht hat, aber, aber, da kommt wieder so ein Damenspruch und ich denke: wenn du wüsstest! Ich schiebe noch kurz zu den Tipis hinüber und verabschiede mich auch dort. "Bekommt er sein Zelt nicht aufgebaut?" werde ich gefragt und als ich verschwörerisch zwinkere, grinsen sie breit. Sie wünschen mir : "God Tur" (zumindest hört es sich so an) und ich mache mich vom Acker. Bloß Land gewinnen!

    Eine meiner ersten Handlungen ist es an einer geeigneten Stelle anzuhalten und meine Kamera zu untersuchen. Sieht erstmal gut aus. Also nichts wie weg. Ich radele den Weg zur großen Straße zurück, auch heute ist es dort relativ ruhig. Über Högsäter, Färgelanda will ich nach Uddevalla gelangen und dort mal schauen, welche Richtung ich dann einschlagen werde. So richtig habe ich mich noch nicht entschieden.

    Um die Mittagszeit erreiche ich Uddavalla, ich bin ganz gut vorangekommen. Die Stadt ist recht groß, aber trotzdem übeschaubar. Durch die Fußgängerzone schiebe ich, heut ist verkaufsoffener Sonntag, das ist groß überall angekündigt und viele Menschen nutzen die Gelegenheit. Ich fahre rüber zum Hafen und lasse mich am Büro des Gästehafens nieder, zwei junge Mädel verkaufen dort Eis, Getränke und Kaffee und ich kaufe mir Eis und Kaffee. Sie sind sehr nett und plauschen etwas mit mir. Es ist recht windig geworden und die Sonnenschirme und Gartenstühle fliegen fast weg, die kleine Pause ist wirklich sehr erfrischend.









    Ich radele langsam am Hafen entlang, es gibt einiges zu schauen, da ich leider dann nicht mehr am Wasser entlang kann, fahre ich durch ein Wohnviertel bis zu einem Parkplatz an der Bucht.











    Was ich danach erlebte gehört aber in Teil 2 des heutigen Tages..
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #13
    Teil 2 des Tages


    Der Parkplatz ist bis zum letzten Platz besetzt, Auto steht an Auto, obwohl ein paar hübsche Teile dabei sind - s.u.



    nerven mich all die Autos und wuselnden Menschen. Ich überlege schon, ob ich mehr ins Landesinnere fahren kann und soll, da entdecke ich einen interessanten Pfad am Ufer und durch die Felsen. Auch dort sind viele Leute unterwegs, ich beschließe mich eben schiebenderweise einer von ihnen zu werden.

    Dieser rostige Grill versöhnt mich dann wieder ein bisserl mit den Menschenmassen, er ist so herrlich schwedisch, vor allem der Standort an diesem Weg.



    Der Blick auf die Brücke über die E 6 in Richtung Oslo gefällt mir ebenso, das ist ein eyecatcher.



    hier wird es interessant, die schmale Fußgängerstraße wird nur auf Bohlen direkt über dem Wasser bzw über Verankerungen in den Felsen brückenartig in die Klippen hineingebaut. das ist schon ein besonderes Gefühl, zu wissen, dass da direkt unter einem es nur Wasser und Felsen gibt.





    Zwischendurch setze ich mich auf eine kleine Bank, die Kamera spinnt plötzlich und findet angeblich die Karte nicht mehr, ungut. Je nachdem, wie ich sie halte, funktioniert es oder eben auch nicht.



    In der Bucht von Gustavsberg







    Gustavbserg war ab dem 19. Jahrhundert der erste Meeresbadeort von Schweden und bei der Oberschicht des Landes sehr beliebt. Heute ist es ein viel besuchter Ausflugsort.
    Während es am Strand durchaus erträglich war, wird es immer voller, als ich in Gustavsberg selber ankomme, die Biergärten/Cafés sind gerammelt voll, alle Parkplätze belegt, Sonntag halt, wo viele Ausflügler aus Uddevalla und Göteberg hierhin fahren.
    Das STF Gästehaus Gustafsberg/Uddevalla



    sehr hübsche und teils noble und prächtige Häuser gibt es hier.



    Hier wohnen mit Sicherheit keine armen Leute.



    Ich gucke auf die Karte, man kann hier auf eine größere Straße und weiter in Richtung Süden, aber auch teilweise die Bucht entlang, wobei es aber mit Wegen etwas düster aussieht, aber viele sind ja auch gar nicht eingezeichnet und so beschließe ich es, mein Glück zu versuchen. Kaum bin ich an diesem Haus vorbei, wird die Straße zum Pfad, der steil nach oben geht. Das hier ist wohl Teil des Bohusleden, also eines Wanderweges.



    Ich schiebe das Rad unter Schwierigkeiten hoch, er ist recht rutschig und ausgetreten, oben teilt er sich und ich überlege, wie nun weiter, als eine Joggerin naht. Sie rät mir, keinesfalls dem Pfad nach rechts zu folgen, das würde noch steiler und unwegsamer. Wenn ich nach links ginge, käme ich zu einer Asphaltstraße, die nochmals links zu der großen Straße führt, rechts würde gerade gebaut und sie kann mir nicht sagen, ob die Straße wirklich da weitergeht, da sei alles neu. Ich danke und fahre erstmal nach links und finde kurz darauf eine frisch asphaltierte Straße oder besser Sträßlein, welches nach rechts geht. ok, ich probiere es mal. War bisher die letzten Kilometer dichter Wald gewesen, radel ich nun durch Brachflächen, hier wurde enorm gerodet, die Straße ist recht eng und sehr kurvig, sie erinnert mich an Bergstraßen in den Pyrenäen, das reinste Slalomfahren. Ich steige sogar dann vom Rad, weil es dermaßen steil und kurvig ist, überwiegend bergab, die reinste Einautostraße und ich frage mich, was das nun werden soll, ein Rennradfahrer peest an mir vorbei mit mächtig Speed und von vorne kommt auch noch einer, das erinnert an eine Radrennstrecke. Merkwürdig.
    Dann komme ich an vielen Bauplätzen vorbei, der ganze Berg ist abgeholzt und Bauparzellen wurden abgesteckt. Wie eine Mondlandschaft wirkt es.

    Fast surrealistisch wirkt ein bereits fertig gestellter Spielplatz zwischen all der nackten Erde und den Felsen. Vermutlich soll das Kunden anlocken, seht her, es gibt schon die entsprechende Infrastruktur.







    Es gibt noch einige Schilder, wo erläutert wird, dass hier auch ein Yachthafen entstehen soll, wenn man sich das so anschaut, könnte man meinen, dass bald die ganze Küste zersiedelt ist. Ich finde es auf der zukünftigen Megabaustelle gruselig und bin froh, dass ich kurz darauf auf eine normale Straße gelange.

    Ich bin mir noch sehr unschlüssig, wo ich die heutige Nacht verbringen möchte. In der Pampa? Dagegen spricht allerdings, dass ich wenig Pampa erkennen kann, einige Sachen dringend einer Wäsche bedürfen, also ein Campingplatz? Aber wo, die Karte ist nicht sehr aufschlussreich. Eine Pension? Eher nicht, der Typ bei der Lodge hat mir das ein bisserl vermiest, obwohl er ja nach Norden und nicht wie nach Süden wollte. Aber wo dann? Ach, ich lasse es einfach auf mich zu kommen, irgendwo muss ich ja notgedrungen mein Haupt betten. Ich radele so vor mich hin, als ich plötzlich auf einem Hügel - scheinbar inmitten von Bäumen - den Turm einer Kirche entdecke. Nach der Ödnis der Baustelle lechzen meine Sinne nach Grün und Schönheit und so beschließe ich, dass ich einen Weg dorthin suche. Das ist dann auch ganz einfach. Ein kleiner Parkplatz liegt rechts der Straße und eine Hinweistafel erklärt, wo man ist. Ich biege auf den Platz, gerade fahren 3-4 Autos los und einige Leute kommen mit Schildern/Plakaten den Weg herunter, das scheint eine Art Prozession zu sein. Seltsam. Auf der Hinweistafel steht etwas vom Pilgern und einer Veranstaltung, die heute endet. Das gehe ich mir doch einmal anschauen. Ich gelange auf ein großes Gelände mit etlichen Häusern und finde ein Hinweisschild zur Rezeption. Hier scheint tatsächlich ein Pilgerheim zu sein. Vor dem Hauptgebäude sind einige PKWs geparkt, Leute verabschieden sich voneinander, ein ziemliches Gewusel. Ich spreche eine Frau an und frage, ob das hier ein Pilgerheim sei und ob man als einzelner Reisender hier Unterkunft finden könne. Sie nickt und schickt mich in das Gebäude, dort drinnen sei die Rezeption.



    Eine Frau um die 50 steht dort und fragt mich, ob sie mir helfen könne, erst auf Schwedisch, dann aber auf Englisch, als sie merkt, dass ich sie nur teilweise verstehe. Ja, das ist eine Begegungsstätte für Gläubige und weniger Gläubige (dabei lächelt sie), natürlich auch für Reisende aller Arten. Ich frage, ob sie ein freies Bett für mich hat, vielleicht haben sie ja nur am WE geöffnet oder auf besondere Vorausbestellung? Nein, nein, heute würde nur eine größere Pilgergruppe abreisen, deswegen sei es ein wenig hektisch. Sie überlegt und sagt, der normale Preis sei sicherlich zu hoch für einen Einzelreisenden, der nur eine Übernachtung sucht, das Vandrarhem wäre grad geschlossen und außerdem nur für Gruppen, sie könne mir lediglich eines der 10 Zimmer im Haupthaus anbieten, das Einzelzimmer inclusive Frühstück für 790 Kronen. Da alles sehr gediegen, ja schon luxeriös aussieht, habe ich mit solchen Preisen bereits gerechnet und bedauere sagen zu müssen, dass mir das leider zu teuer wäre und ich halt etwas anderes suchen würde. Nein, nein, die Dame wird lebhaft, das gehe auf keinen Fall, sie überlegt sichtlich und bietet mir dann ein halbes Doppelzimmer zum allein bewohnen inclusive eigenem Bad für 490 Kronen an. Ich solle mich aber nicht gruseln, in etwa einer Stunde gehöre mir die ganze Anlage fast allein, es würde nur noch eine weitere Person heute Nacht hier sein. Ich überlege nicht lange und nehme das Angebot an, als ich erkläre, mich nie zu gruseln, lacht sie und freut sich, ich sähe schon so aus, als ob ich mir selber helfen könne Sie überreicht mir den Zimmerschlüssel, das Rad könne ich draußen vor die Rezeption stellen, hier käme nichts weg. Ich bezahle direkt und sie bittet mich, nach dem Bezug des Zimmers noch einmal bei ihr vorbei zu schauen, sie würde mir gern noch einiges erklären. ok.
    Ich packe mein Rad ab und trage die Gepäckstücke nach oben in den ersten Stock. Das Zimmer ist ausgesprochen schön und anheimelnd. Danach gehe ich wieder hinunter, die Rezeptionistin fragt, wann ich mein Frühstück haben möchte und zeigt mir den großen Essraum, wo auch das Büffet aufgebaut sein wird. Es gibt dort mehrere Kaffeeautomaten, die die unterschiedlichsten Kaffeesorten herstellen, Getränkespender fürt allerlei kalte Getränke, einen Milchspender, das alles kann ich heute jederzeit in Anspruch nehmen, ich soll mir einfach nehmen, was ich möchte, das koste nichts extra, wäre Service des Hauses. Danach sagt sie mir, wie man zur Bucht kommt, es gibt auch einen eigenen Badeplatz dort. Ich bedanke mich, sie ist wirklich ausgesprochen nett und gehe wieder auf mein Luxuszimmer. Als erstes dusche ich, dann wasche ich Shirts und Wäsche, drehe etwas die Heizung im Bad auf und hänge alles zum Trocknen auf. Die obere Etage ist stilvoll eingerichtet, man sieht noch einige Spuren des Treffens auf den Tischen.







    Durchs blaue Zimmer kommt man auf einen sehr großen Balkon, der an der ganzen Längsseite des Hauses entlang geht, man hat eine wundervolle Aussicht von dort auf die Bucht.





    Ich nehme Kamera und meinen Zimmerschlüssel, ich möchte zur Bucht gehen, als ich die schöne Holztreppe herunterkomme, winkt mich die Frau an der Rezeption zu sich, sie möchte mir die Frau vorstellen, die auch die heutige Nacht hier verbringen wird. Es ist eine ältere Frau mit kurzem Haar, sie stellt sich mir vor und gibt mir freundlich lächelnd die Hand. Vielleicht können wir uns später noch ein wenig unterhalten, fragt sie, erst wolle sie einige Leute verabschieden. Natürlich gern, antworte ich und mache mich auf den Weg zur Bucht.





    Der Kirchturm vom Wasser aus



    Ich bleibe recht lange unten an der Bucht, wundervoll ruhig ist es hier.





    Danach gehe ich über die kleinen Wege des Geländes, wirklich ein ganz schön großes Ensemble.









    Inzwischen ist alles hier wie verwaist, ich schließe die Haupttür auf, in einem tiefel Sessel sitzt der andere Gast und wir reden einige Zeit miteinander. Sie habe bei mir geklopft, weil sie fragen wollte, ob wir gemeinsam zu Abend essen würden, es wäre noch genug da gewesen, aber sie wäre dann doch so hungrig gewesen, dass sie bereits gegessen hätte. Ich erkläre, dass es dort unten am Wasser so wundervoll gewesen wäre, dass ich mich nicht losreißen hätte können. Ob ich mir auch die Kirche angeschaut hätte? Da ich davon ausgegangen bin, dass sie verschlossen ist, habe ich das natürlich nicht gemacht. Lebhaft erklärt sie, dass es in ihren Augen eine wunderschöne Kirche sei und ich sei herzlich eingeladen, mich dort umzuschauen, die Kirche würde abends nicht abgeschlossen. Zu Gott müsse man immer gehen können, wenn man danach Verlangen habe. Dann erklärt sie, dass sie in Göteborg lebt, aber mehrmals hier im Jahr den Service in der Kirche macht, weil sie in jungen Jahren hier einige glückliche Jahre verbracht hätte. Aber nun sei sie müde, diese Pilgertreffen wären zwar schön, aber auch recht anstrengend, sie wünscht mir eine gute Nacht und geht nach oben. hups, also eine Geistliche, aber ich habe ja bekennenderweise keine Berührungsängste bei Menschen aller Arten, sehr sympathisch, wie sie rüber kommt.

    Ich gehe also noch einmal zur Kirche hinüber, die interessiert mich wirklich. Ein schöner, schlichter Bau, gerade so, wie ich ihn mag.





    Ich beschließe auf dem Balkon zu abend zu essen, habe ja noch Polarbröd und Käse, ich lasse die Kamera gleich dort auf einem Tisch liegen und sehe, dass inzwischen die Sonne sich vom Tag verabschieden will. So hole ich schnell mein Essen und von unten Milchkaffee und ein Glas Orangensaft.
    Genußvoll esse und trinke ich und schaue dem fast schon dramatischen Theater über der Bucht zu.

    Aber seht selbst.









    Lange bleibe ich dort, hole mir nur zwischendurch noch mehr Kaffee und einige Kekse. Was für ein besonderer Tagesabschluss, lucky me.





    Irgendwann gehe ich dann doch ins Bett und nach einigen nachdenklichen Minuten, in denen ich darüber sinniere, was ausgerechnet ich in einem Pilgerheim suche, schlafe ich den Schlaf der Ungerechten.
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  14. Anfänger im Forum

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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #14
    ich lese deinen bericht sehr gerne! klasse geschrieben - ausführlich, persönlich und niemals langweilig.

    auch die fotos gefallen.

    vielen dank und freue mich auf eine weitere fortsetzung

  15. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #15
    das freut wiederum mich, das Schreiben bzw hier das Einstellen macht einfach mehr Spaß, wenn jemand gern liest, was man schreibt.

    last not least

    Der vorvorletzte Tag bricht an (ich weiß noch nicht, dass er der vorletzte sein wird) - gegen 8.30 habe ich das Frühstück bestellt. Wie immer werde ich von alleine wach, dusche mich und gehe hinunter in den Speisesaal, es ist ein üppiges Büffet aufgebaut, wenn man bedenkt, dass nur zwei Gäste im Haus sind. Später sehe ich, dass auch die hier arbeitenden Leute sich zu einem Frühstück treffen. Es gibt allerlei Köstliches, viele Sorten Müsli, Obst, Joghurts, Säfte, verschiedene Sorten Brot, Käse, Wurstaufschnitt, Fisch, Marmelade, gekochte Eier undundund noch etliches mehr. Ich esse langsam und genüßlich, hole mir hier ein Häppchen und dort, trinke Kaffee und Milch, Orangensaft, fast 1 1/2 Stunden frühstücke ich, nicht einmal große Mengen, aber ich zelebriere es nahezu. Dieses Haus hat schon eine besonddre Gastlichkeit. Als ich gerade überlege, dass das nun wirklich genügen müsste, kommt die Pfarrerin und fragt mich, ob ich noch einen Kaffee mit ihr trinke. Aber natürlich. Wir unterhalten uns lange und ausgiebig, darüber, dass sie bald in den Ruhestand geht und sie sich überlegt, was sie dann machen möchte und wo sie wohnen will. Ich muss lächeln und sie fragt, warum. Als ich ihr antworte, dass ich vor den selben Überlegungen stünde, weil ich in 5 Jahren etwa in Pension gehe, lacht auch sie. Ja, das wäre sehr wichtig, dass man versucht, nach dem retirement etwas ganz bewusst für sich zu machen. Diese Frau ist mir ausgesprochen sympathisch, später fällt mir auf, dass wir kein einziges Mal über Glauben, Religion gesprochen haben. Ihr fehlt das penetrante Sendungsbewusstsein meiner Exschwiegermutter, offensichtlich sieht sie mich als Person und nicht als jemanden, den man bekehren könnte und müsste.

    Da ich aber doch langsam in die Hufe kommen muss, verabschiede ich mich von ihr und gehe auf mein Zimmer zum Packen. Ich fotografiere mein schönes Zimmer, packe alle inzwischen getrockneten Sachen ein und bin endlich um 10.30 abreisebereit.



    An der Rezeption sitzt eine junge Frau, die mir eine gute Tour wünscht und fragt, ob ich noch etwas benötige. Sie sagt, dass sie sich immer freuen würden, wenn Einzelwanderer und lacht "Einzelradler" vorbei kämen, das würde die Welt doch erst bunt machen. Genau so ist es!
    Ich bepacke mein Rad und als ich vom Gelände herunter radele, kommt mir das Auto der Rezeptionistin von gestern entgegen, sie hupt und winkt mir.
    Ja, hier habe ich mich wirklich willkommen gefühlt und ich kann jedem nur empfehlen, hier Rast zu machen. Wie man an meinem Beispiel sieht, ist man durchaus kompromissbereit ;) , was Preise angeht.
    http://ahstiftsgard.se/en/om-ah/

    bybye Åh - ich komme wieder!

    Die nächsten Fotos entstehen ein bisserl beziehungslos, mal hier und mal dort, ich bin nahe der Küste und dann fahre ich wieder unerwartet in eine andere Richtung.



    Ich überlege, was das Besondere an diesem Ort ist, an welchem ich übernachtet habe. Ich habe eine ziemliche Religions...hm wie nenne ich das?? Religionsphobie könnte man fast sagen, als Katholikin getauft, bereits als Heranwachsende sehr skeptisch, zum Glück war mein Elternhaus sehr tolerant und mein Vater eher selbst ein Ungläubiger ;) , (der nur wegen meiner Mutter nicht zum zweiten Male aus der Glaubensgemeinschaft austrat) - als die Kirche für mein Verständnis immer intoleranter und rückständiger wurde, trat ich aus. Ich mag Kirchen als Gebäude, Friedhöfe, sakrale Orte, ich verabscheue aber Doktrinen, Glaubenszwang und was ich glaube oder nicht ist rein privat. Vielleicht gefiel/gefällt mir an Åh, dass es eine Stätte der zwanglosen Begegnung ist, ein Angebot, welches man annehmen kann, aber niemand zu Fragen bringt, wenn man dieses nicht annimmt. Ich glaube, ich könnte mit mit meiner Mitgästin ;) noch x mal unterhalten und wir fänden 1000 Themen und keines wäre über Religion, wenn ich das nicht wünschen würde. Ich akzeptiere bzw sehe es ja so, dass es bestimmte spirituelle Orte gibt, jedenfalls welche, die das für mich sind. Es gibt Kirchen, zB eine kleine alte Kirche auf dem Montmatre (nein, nein nicht SacreCoer, Paulinzella und eine wundervolle Basilika in der goldenen Aue, zwei, drei andere noch und eben nun auch Åh.

    Und so radele ich vor mich hin, sehe aber durchaus die Landschaft um mich, auch Landschaft hat für mich etwas mystisches (nein, nein, ich will niemanden verschrecken ) - also nur Fotos - auch profane









    ein Hafen an der Küste, kurzzeitig ziehe ich in Erwägung, mit der Fähre auf die Insel auf der anderen Seite zu fahren, verwerfe das aber wieder, die Karte ist mir zu ungewiss, aber nett ist es hier.



    wieder unterwegs



    und dann erreiche ich Stenungssund und weiß eigentlich nicht wie, aber macht ja nix.



    Stenungssund ist eine Industrie- und Mittelstadt hier in der Region, nachdem die Einfahrt eher demotivierend ist, empfinde ich die Stadt dann später doch als ganz angenehm.



    Ein nettes Einkaufszentrum gibt es und die Leute in der Touristinformation sind sehr hilfreich. Ich frage nach dem besten Weg nach Kungälv, ich habe mir nämlich in den Kof gesetzt, dort zu übernachten. Es gibt ein Vandrarhem mit Zeltplatz und genau dorthin möchte ich. Die Frau an der Info ruft für mich in K an, man verrät ihr den Code, mit welchem man in die Waschmöglichkeiten kommt, ich solle irgendwann ankommen, mir einen Platz suchen und am nächsten Morgen bezahlen, weil sie bald schließen. ok doch. Man rät mir nicht die große Straße zu nehmen, sondern durch ein besonders Gebiet zu radeln. Ich habe leider vergessen, wie es heißt und war bisher zu faul, nach dem namen zu suchen.

    Das Gebiet ist sehr hügelig, es erinnert mich an den Schwarzwald, auch hier möchte ich definitiv mal länger bleiben.



    Die Radelei ist abwechslungsreich und anstrengend, als ich Kungälv erreiche bin ich ziemlich schachmatt. Ich lande in einem Einkaufszentrum und versuche den Weg heraus zu finden. Dann frage ich ein nettes junges Paar, sie studieren hier, wie sie erzählen, sie erklären sehr gut, wie ich durch die Stadt und zum Vandrarhem komme. Ich hatte bechlossen mir Kungälv anzuschauen, weil dort eine der ältesten Festungen Schwedens ist.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kung%C3%A4lv

    und bin nun entzückt, dass das Wandererheim genau unterhalb der Festung ist. Klasse.

    Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, gehe ich zur Festung hinauf, nicht ohne mir ein Eis und einen Kaffee an der Bude zu kaufen.



    Mit dem jungen Inhaber unterhalte ich mich längere Zeit, ein echt sympathischer Typ und wir philosophieren über die Welt und die Weiten des internets. Als er den Laden schließt, bringt er mir noch einen Kaffee aufs Haus, wie er grinsend sagt. Nette Leute, diese Schweden.

    Danach gehe ich hoch zur Festung, es sind ja nur wenige Schritte.
























    In dieser Nacht regnet es enorm, das Geräusch ist sehr beruhigend und ich schlafe lange in den Morgen hinein. Als ich mich endlich dazu überreden kann, zum Waschraum zu gehen, schüttet es gerade wie aus Kübeln. So flüchte ich auf die Terrasse der kleinen Stugor, neben der ich gestern mein Zelt aufgeschlagen habe und warte bis ich zwischen zwei Schauern relativ trocken zum Hauptgebäude eilen kann. Danach bringe ich alle meine Sachen zur Stugor, dort werde ich packen und auch frühstücken. Da ich immer wieder Regenpausen abwarten muss, dauert es, aber ich habe ja Zeit. Zuletzt ist nur noch das leere Zelt übrig. Ich suche meine Anziehsachen heraus und gehe erstmal duschen. Danach packe ich alles ordentlich in meine Packtaschen, baue das Zelt ab und stopfe es in den roten Packsack und danach gibt es erstmal das Reisefrühstück: Käse und Brot.
    Es hat wieder begonnen zu gießen, scheinbar wird das heute eine Regenfahrt.

    Während ich unter dem Vordach sitze, besucht mich immer wieder dieser junge Rabe, er ist fast zutraulich und sichtlich froh, dem Regen zu entkommen.







    Es ist jetzt 10 vorbei und ich bezahle an der Rezeption des Vandradhems meinen Zeltplatz. Und dann geht es los, Ziel ist es für heute nur nach Göteborg zu kommen, was aber eh nicht weit ist, dabei werde ich versuchen parallel der E 6 zu radeln. Vielleicht werde ich heut bei der Schwester einer Kollegin/Freundin übernachten, Anschrift und Handynummer habe ich. Morgen geht die Fähre nach Kiel. Anfangs regnet es heftig, die Nebenstrecke ist teils schwierig zu finden, ich durchfahre allerlei Orte und Örtchen. Dann bessert sich das Wetter und ich kann die Regenklamotten wieder ausziehen. Als ich langsam in die Außenbereiche von Göteborg komme, wird es echt schwierig den Weg zu finden. Göteborg ist die zweitgrößte Stadt von Schweden und entsprechend unübersichtlich, wenn man auf einer Nebenstrecke herein kommt. An einem Busknotenpunkte versuche ich nochmals eine Orientierung (ich weiß schon, warum ich Städte per Rad nicht so mag!), erfahre zwar welche Busse vielleicht in die gewünschte Richtung fahren, was mit aber nichts nutzt. Ansonsten ist die Ausschilderung in die einzelnen Stadtbezirke eher spärlich. Wie da also hinkommen? Ich setze mich in ein kleines Schnellrestaurant und esse Falafel. Nachdem mir die Karte nicht wirklich weiterhilft, frage ich einen der LKW-Fahrer, der am Nachbartisch sitzt, ob er mir einen Tipp geben könne. Der meint, von hier aus sei es recht schwierig, weil ich quer durchs Stadtgebiet müsse und ohne Navi oder Stadtplan - hm - da könne er mir leider nicht helfen. Allerdings könne er mir den Weg zu den Fähren beschreiben, wenn mir das weiterhelfen würde. ok, dann fahre ich erstmal zum Fährhafen beschließe ich und versuche von dort aus die Schwester zu kontaktieren. Leider hat mir der gute Mann den Weg in den Industriehafen beschrieben, da geht es irgendwann auch zur Ferry, dort ist aber grad eine große Baustelle. Also ein paar Kilometer zu viel gefahren und wieder gewendet, ich befrage einen Radfahrer, der es nun ja wirklich wissen müsste und mir erklärt, wie ich dorthin komme. Über eine riesige Brücke radele ich auf die richtige Seite des Hafengeländes und stehe gegen 15.00 vor dem Gebäude der Stenaline. Ich überlege, während ich an meinem letzten Apfel nage, was ich tun soll. Danach gehe ich kurzentschlossen ins Gebäude und kann sogar das Rad im Aufzug mit mir nehmen. Ich muss nicht lange warten, dann wird ein Schalter frei und ich frage, ob ich das Ticket umbuchen kann, also schon heut fahren und nicht erst morgen. Die Damen diskutieren hin und her, leider ist keine Einzelkabine frei (ohne Kabine geht es auf dieser Strecke nicht), aber es wären noch mehrere Doppelkabinen innen frei. Sie könnten für mich eine halbe Zweierkabine buchen, aber nicht garantieren, dass das wirklich mit der Alleinbelegung klappt. Die Frau am Schalter wird aber eh die Einteilung nachher beim Abfahrtsterminal machen, ich solle dann zu ihr kommen, sie würde schauen, was sie machen kann. Klasse. Da sage ich nicht nein und buche kurz entschlossen um. Eine Odyssee durch Göteborg muss ich mir wirklich nicht antun und so bin ich halt einen Tag eher zurück, da ein Treffen mit Freunden an der Ostsee ansteht, passt das alles ja eh gut.

    Ich schreibe der Schwester eine sms, dass es leider nichts wird, wir uns beim nächsten Mal aber gern treffen können oder wenn sie einmal in Berlin ist. Das würde mich wirklich freuen.
    Das Terminal ist noch einmal 10 Radminuten entfernt, ich radele hinüber und gehe nach der Ankunft erstmal ins Büro, wo aber nur die LKWs einchecken dürfen. Als Trost bekomme ich zwei Freimünzen für Kaffee, ich solle doch hinterher einfach mich bei den Abfertigungshäuschen für die PKWs einreihen, da würde dann alles weitere gemacht. Ich hole mir also einen Kaffee am Automaten und gehe wieder runter zum Rad. Inzwischen ist ein Auto mit Kölner Kennzeichen gekommen und steht als erster in der entsprechenden Reihe. Der Fahrer steht gerade vor dem Wagen und reckt sich. Er fragt mich gleich, wo es denn den Kaffee gäbe, er sei seit dem frühen Morgen ab Oslo hierhin unterwegs gewesen. Ich gebe ihm meine zweite Kaffeemarke, weil einen Münzeinwurf habe ich am Automaten nicht gesehen. Darüber freut er sich und tigert los. Inzwischen habe ich mein Rad gegen eine Mauer gestellt und setze mich auf eine Bank, um meinen Kaffee zu trinken. Er kommt zurück und wir plauschern etwas miteinander. Er ist Norweger, seit einiger Zeit in Rente, mit seiner deutschen Frau war er lange in den Staaten und überall beruflich in der Welt, gerade ist er drei Monate bei seinem jüngsten Sohn in Oslo gewesen, der dort einen Schulaustausch macht und gerade dabei gewesen sei, das Abitur abzulegen. Es macht Spaß sich mit ihm zu unterhalten, aufgeräumt erzählt er von einem Hof, welchen er auf der Höhe von Trömso geerbt hat, den will er jetzt mit Freunden ausbauen. Nach und nach kommen mehr Autos. Als es plötzlich wieder heftigst zu regnen beginnt, schiebe ich mein Rad vor das kleine Bürogebäude, dort ist eine Überdachung, unter welche ich gerde so passe. Später sehe ich die Frau, bei der ich vorhin umgebucht habe, sie winkt mir zu und sagt, sie würde sich jetzt abfertigungsbereit machen, sie würde mir dann winken, wenn ich kommen solle. ok, danke.
    Nach etwa 20 Minuten winkt sie mir zu und ich komme neben den LKWs, die schon seit fast einer Stunde auf die Fähre fahren, als erste an Bord, werde von einem freundlichen Seemann bis zu einem Punkt gelotst, wo ich dann das Rad stehen lassen kann. Also alles abpacken und die Treppe hoch zum Servicebereich. Schnell bekomme ich meine Kabine, dort sagt man mir, dass ich sie vermutlich allein für mich habe, wenn nicht ganz kurz vorher noch jemand gebucht hat. ok. Die Zeit bis zur Abfahrt vergeht schnell, ich gehe nochmals zum Servicepoint, dort teilt man mir mit, dass ich tatsächlich allein für mich bin. ganz große Klasse. Ich packe nun alles aus, wasche noch 2 Shirts und Wäsche, bevor ich an Deck gehe und mir das Schiff anschaue. Da die beiden letzten Tage doch etwas teurer waren als vorgesehen, schaue ich erstmal, was es an Essbarem zu kaufen gibt, ich habe nämlich nicht einmal mehr Polarbröd und Käse. Im Shop kaufe ich zwei Mitbrinsel für meine Kinder. Oben an Deck ist inzwischen Rummel, zuerst war es ja schön ruhig dort, aber laute Diskomusik ist nun wirklich nicht das, wonach mir gerade ist, es beginnt nachher eine Show kündigt man an. öh nö.
    Ich gehe zu einem der Restaurants und lasse mir ein Krabbensandwich zum Mintnehmen machen, kaufe im shop im Sonderangebot eine kleine 125 ml Flasche französischen Rosé und begebe mich in meine Kabine. Das Krabbensandwich ist wirkich ausgesprochen lecker und üppig, dazu trinke ich ganz langsam meinen Wein aus dem Zahnputzglas. In Gedanken fahre ich die Tour anhand des aufgeschlagenen Atlas noch einmal ab. Ein guter und vergnüglicher Abend, irgendwie realisiere ich noch gar nicht, dass ich tatsächlich auf der Rückfahrt bin. Früh liege ich bereits in der Koje, um am nächsten Morgen wieder früh zu erwachen. Ich packe alles ein, es ist noch genug Zeit und so verprasse ich die letzten schwedischen Kronen, indem ich mir am Service einen Kaffee und zwei kleine Muffins hole. Rechtzeitig stehe ich mit meinem Gepäck an der Treppe zum Autodeck und bin auch früh unten, weil die meisten Gäste mit den Aufzügen hinunter fahren und das dauert dann eben.

    Kiel empfängt mich mit gutem Wetter und einem leckeren Frühstück. Diese Frühstückseinladung habe ich bereits, seitdem ich den Plan verriet, dass ich in Schweden radeln und vermutlich über Kie zurückkommen würde. Auch an dieser Stelle nochmal vielen Dank für das leckere Frühstück und den netten Plausch!!

    Danach fahre ich mit der Fähre hinpüber nach Laboe und radele die wenigen Kilometer bis zur letzten Station vor meiner Rückfahrt nach Berlin. Ich verbringe zwei angenehme, beschauliche Tage dort und dann heißt es wieder bye sagen.


    ein kleines Fazit:

    Schweden / Skandinavien wird sicherlich die nächsten Jahre Thema für mich bleiben, überwiegend wird das auch mit den Rad geschehen, ich liebe das Radfahren einfach, auch wenn ich es erst mit etwa 14 Jahren erlernt habe.
    Das einzige wirklich doofe bei der Tour war, dass sie vorbei war. Es gibt sicherlich Gegenden, die mir besonders gefielen und wo ich auf jeden Fall wieder hin möchte, aber überwiegend war es überall interessant. Ich musste nach Jahren der Skandinavienabstinenz mich ein wenig wieder dort "einleben", sozusagen ein Gefühl dafür bekommen. Vor allem Sprache und Ortsnamen waren mir sehr fremd am Anfang, ich bin halt anglophil und könnte zwar mühelos Namenslisten von Orten, die ich in Irland oder Australien besucht habe, herunter rasseln, aber bei schwedischen Namen stand ich komplett auf dem Schlauch, das machte die Ortsfindung auf der Karte teilweise echt schwierig für mich.

    Was ich anders machen würde? Nun, ich würde mir vernünftiges und vor allem ausreichendes Kartenwerk besorgen, versuchen nicht bis zur letzten Minute zu ackern und somit vollkommen untrainiert und überanstrengt in den Urlaub zu starten. ok, das ist nicht allein von mir beeinflussbar. Mit Rad, Zelt, Schlafsack, mitgenommen Klamotten war ichs zufrieden, mir fehlte nichts besonderes, ich hatte auch keinen überflüssigen Kram mit. Radpumpe und bessere Reifen werden das nächste Mal dabei sein, mein Schwedischlexikon, welches ich in der Hetze nicht gefunden hatte. Vielleicht noch etwas Papier für Notizen, damit ich abends die Route aufschreiben kann. Und als allerwichtigstes: Sonnenschutzmittel. Ein wenig Reparierkram sollte ich sicherlich lernen, das steht auf meiner to-do-Liste.

    Eigentlich war ich mit dem Verlauf vollkommen zufrieden und bin es im Nachhinein auch noch.

    achja, ganz wichtig für Zukunftspläne, ich könnte mir mühelos vorstellen, einen wesentlich längeren Zeitraum unterwegs zu sein, mir hat total etwas gefehlt, als ich nicht mehr weiter konnte, dieses etwas nomadische Leben liegt mir recht gut.

    fertig ist die Laube. Wenn Interesse besteht, könnte ich noch einen Bericht über die leider doch irgendwie gescheiterte Schwedentour in 2014 einstellen.
    Geändert von Sternenstaub (01.06.2015 um 20:05 Uhr)
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  16. Gerne im Forum

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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #16
    Vielen Dank für deinen Reisebericht! Die Mischung aus Landschaftsbeschreibungen, Erlebnissen, Begegegnungen und auch den eigenen Gedanken geben für mich genau das wieder, was eine Reise ausmacht. Toll auch die schönen Fotos⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

  17. Dauerbesucher

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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #17
    Von mir auch vielen Dank - solche schönen Berichte zaubern immer ein kleines Lächeln auf die Lippen und rufen neue Urlaubssehnsucht hervor...

    MfG, Heiko

  18. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #18
    vielen Dank an euch beide, freut mich, dass euch der Bericht gefällt.
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  19. Erfahren

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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #19
    Liebe Sternenstaub.
    das war ein ganz schöner Bericht. Ich habe ihn gestern gelesen und konnte mich gar nicht losreißen. Das Wetter war ja sehr durchwachsen, ich hab Dich bewundert, wie gleichmütig Du es hingenommen hast. Wir waren 2014 in Dalsland paddeln, die Gegend ist wirklich zauberhaft. Aber nach einer Woche Dauerregen haben wir die Tour abgebrochen und uns in der Gegend ne Hütte gesucht.

    Dass mit dem Sonnenbrand ist ja heftig. Das kann auch irgendwann ins Auge gehen, wie bei mir zum Beispiel. Immer schön Sonnencreme nehmen!

    Ganz liebe Grüße
    Sylvie

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    Avatar von danobaja
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    AW: [SE] gefühlt endlose Zeit in Schweden (2013)

    #20
    kaum holt syvlie den bericht nach oben stolpere ich auch schon drüber.

    sternenstaub!
    klasse. am besten find ich deine tourplanung, da finde ich mich wieder. so muss das ein. in der früh nicht wissen wo man abends schläft. karte? naja, bissl wenns gar nicht anders geht. deppen aus .de vermeiden, kontakt zu den eingeborenen (blondinen vermeiden), scheisswetter, und trotzdem eine tolle tour und eine super guter reisebericht!

    danke! das beste foto, find ich, ist das mit dem eis drauf und der hand die wie mit zuckerguss drauf aussieht. ich hab das gleiche mangels haarwuchs immer am kopf bei radltouren. hat dein rad nen namen?

    wenn du mal in thüringen bist komm mich besuchen, ich hab um mich rum lauter strecken zum gemütlich schieben. aber auch 10 km bergab am stück!

    ride on!
    danobaja
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