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  1. Dauerbesucher
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    [DE] 66-Seen-Wanderung - Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #1
    Mitreisende: geige284
    Prolog

    Seit ein paar Wochen hatte ich schon den Wunsch, aus dem Alltagstrott auszubrechen, der mich zurzeit mit Arbeit und Fernstudium stresst, wie lange nicht mehr.
    Durch einen Kollegen, der von seiner Grönlandreise berichtete, wuchs in mir wieder einmal die Abenteuer- und Outdoor-Lust. Einfach die Natur genießen und entspannen. Kein monotones Rauschen von Bahnen, Autos, Bussen, Flugzeugen und Menschen im Hintergrund. Einfach aus dem Großstadtdschungel rauskommen. Den größten Teil der Zeit mag ich Berlin schon gern, mittlerweile fühle ich mich tatsächlich zuhause hier. Aber trotzdem – ich wollte einfach mal raus.
    Ich verbrachte viel Zeit mit dem Lesen von Reiseberichten, guckte mir schon einmal Ausrüstungsgegenstände vom Rucksack über Survival-Kits bis hin zu Steigeisen an, schaute halb YouTube leer um dann am Ende doch fest zu stellen, dass ich zurzeit keine zwei, drei, vier, fünf Monate Luft hatte um durch Norwegen, Grönland, Kanada, Neuseeland, Tibet oder andere interessante Gegenden zu reisen.
    Da ich dafür in meinem Leben aber hoffentlich noch Zeit und Gelegenheit haben werde, hieß die Alternative – klein anfangen.

    Aber wenigstens anfangen.

    Also stand ich in Thalia und las in den Wanderführer (Trescher-Verlag) der 66-Seen-Wanderung rund um Berlin herein. Das klang natürlich nicht so spektakulär wir Patagonien, eine Alpen-Hochtour oder Wildnis-Trekking in Feuerland, aber wie gesagt – klein anfangen. Ich nahm den Wanderführer also inkl. passender Wanderkarte vom Verlag Dr. Barthel gleich mit.
    Die grundlegende Vorbereitung war getan, ich konnte los!
    Geändert von geige284 (22.06.2015 um 23:36 Uhr)

  2. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #2
    Zitat Zitat von geige284 Beitrag anzeigen
    ... 66-Seen-Wanderung rund um Berlin herein. Das klang natürlich nicht so spektakulär wir Patagonien, eine Alpen-Hochtour oder Wildnis-Trekking in Feuerland, aber wie gesagt – klein anfangen...
    Genau die richtige Einstellung! Freue mich auf deinen Bericht

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  3. Dauerbesucher
    Avatar von geige284
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #3
    Etappe 4
    Hennigsdorf – Wensickendorf

    04.10.2014

    Nun war es also so weit. Endlich unternahm ich meine erste Wanderung. Seit ich mir den Termin gesetzt habe, stieg die Vorfreude. Ich begann mit Etappe 4, da Hennigsdorf für mich am leichtesten zu erreichen war und ich die Gegend durch die Arbeit etwas kannte. Zumindest den Bahnhof
    Leider habe ich nicht mehr rechtzeitig einen neuen Rucksack, neue Schuhe und eine neue Hose bekommen, sodass das „alte Zeug“ ran musste. Das waren in diesem Fall mindestens 8-10 Jahre alte Sportschuhe, mein alter Deuter-Tagesrucksack und eine normale kurze Hose.
    Auf der einen Seite war ich froh, nicht vor der ersten Wanderung so viel Geld ausgegeben zu haben um mich grundlegend auszurüsten, auf der anderen Seite litt darunter der Komfort der ersten Etappe – aber alles der Reihe nach.
    Ich wachte also sehr früh, gegen 7:15, auf und nahm die S-Bahn 7:58 von Tegel nach Hennigsdorf. Mein Rucksack wog knapp 5 kg (inkl. ca. 1,5 l Wasser, zwei Brötchen, Apfelchips, ein paar getrocknete Birnenhälften, Knusperstangen, Wanderkarten, Digitalkamera, Handy und anderes Kleinzeug).
    Von Hennigsdorf ging es erst einmal Richtung Autobahn und Heiligensee – die Straße, die ich gut vom allnachmittäglichen Heimweg per Fahrrad kenne. Am Kreisverkehr folgte der Weg in den Wald hinein. Dort folgte ich dem Weg eine ganze Weile, nach einer Straßenquerung ging es kurz auf eine Asphaltstrecke, die mir irgendwann so lang vorkam, dass ich doch mal in den Wanderführer schaute und sieh an, ich war zu weit gegangen. Also ein Stück zurück, rein in den Wald und eine gefühlte Ewigkeit geradeaus.



    Hier war es so ruhig und menschenleer, dass ich gleich begeistert war. Das ist genau das was ich wollte. Ein Wanderstock war schnell gefunden und ich redete vor mich hin, sang, pfiff und fühlte mich einfach frei und gut!
    Am Ende des Weges standen eine Eisenbahnstrecken- und anschließend eine Autobahnunterquerung an. Es war noch ziemlich laut, was mich aber nicht so sehr störte.
    In dem Bereich sah ich auch den ersten von 66 versprochenen Seen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob er zählt. Mein Wanderführer schrieb davon nichts und auch laut Google Maps hat dieses Tümpelchen keinen Namen.



    Anschließend kam ich auch schon in Hohen Neuendorf heraus. Der Weg von dort nach Birkenwerder führte über weitläufige Wiese. Wirklich schön! Dort haben sich aber meine ollen Schuhe in Verbindung mit dem taunassen Gras gerächt. Nach ein paar Schritten hatte ich nasse Füße, die glücklicherweise doch recht schnell getrocknet sind. Sonst hätte das Blasenrisiko sicher deutlich zugenommen.



    Am Ende der Wiese begrüßte mich ein Pferd (hinterm Zaun), dass sich leider mehr für seine Fressorgie interessierte als für mich und meine Lockversuche. Sei’s drum – ich hatte noch genug Strecke zu schaffen und hoffte noch auf ein paar mehr Tiere, die ich treffe.
    Kurz darauf traf ich zum ersten Mal auf die Briese, die mich auf der heutigen Etappe lange begleiten sollte. Ein kleiner Steg im sumpfigen Ufergebiet führte in die Wildnis um Berlin. Der Steg lag am Anfang sehr, sehr tief, sodass meine Füße, kaum waren sie trocken, schon wieder nass wurden!



    Ein ganzes Stück durch Birkenwerder schlängelt sie sich. Nachdem man die B96 überquert hat geht es weiter, immer am kleinen Flüsschen entlang. Sogar eine Wassertretanlage wurde dort installiert. Eigentlich waren die Bedingungen perfekt, die Füße etwas abzukühlen, aber der Drang weiterzugehen war dann doch stärker.
    Kurz darauf sollte – laut Wanderführer – der Mönchsee und damit mein erster „richtiger“ See folgen. Leider habe ich ihn verpasst. Nun ja, halb so wild. Es folgen ja noch 65 weitere. Und kurz darauf war dann der zweite See, der Boddensee, dran, den ich glücklicherweise nicht verpasste.



    Kurz darauf querte ich die Autobahn und kam in den Wald, der mich fast bis zum Ende der Etappe begleiten sollte. Ab hier wurde es dann richtig ruhig.
    Rechts Eichen, fein säuberlich durch den Weg abgetrennt Kiefern. So sah es jetzt ein paar hundert Meter aus, bis ich wieder auf Steganlagen durchs sumpfige Briesetal wandeln konnte.





    Kurz darauf folgte mein langersehnter See Nummer drei und zugleich mein Mittagssee – der Briesesee. An seiner Badestelle lag ich in der Sonne, die Füße wurden von Schuhen und Socken befreit und konnten sich erholen und meine Nahrungsvorräte wurden geplündert.



    Hier begegnete ich auch den ersten anderen Wanderern (Spaziergänger und Jogger zählen nicht ) Drei junge Leute, englischsprachig, fragten mich, ob man in dem See den baden könne. Ich war mir nicht ganz sicher. Der Strand war zwar einladend, das Wasser dagegen nicht so sehr und so rieht ich eher ab. Sie hielten sich auch dran und machten sich dann kurz vor mit wieder auf den Weg, der sie heute auch noch nach Wensickendorf bringen sollte.
    Ich brach dann auch wieder auf um dem Waldweg entlang des Brieseufers zu folgen. Das Bächlein wurde in der Folge zu einem großen Moor. Bäume ragten aus einem riesigen Entengrütze-Teppich hervor, einige tot, andere wohl noch lebend. Ein tolles und beeindruckendes Bild. Sowas hatte ich tatsächlich vom Berliner Umland nicht erwartet.





    Ich holte auch meine drei Engländer (vielleicht auch Amerikaner, Neuseeländer, Australier…wer weiß) wieder ein, blieb aber knapp hinter ihnen um die Einsamkeit, die man in der Großstadt sonst eher weniger findet, einmal zu genießen und nicht schon wieder zu reden. An einer Gabelung, die sie früher als ich erreichten, Namen sie gemäß meines Wanderführers den falschen Weg. Da ich nicht den ganzen Wald aufschrecken und hinterherrufen wollte, trennten sich hier unsere Wege.
    Bald verließ ich auch das Briesetal. Der Rest des Weges war von Kiefernwäldern und sandigen Wegen dominiert, sodass es schön war, aber nicht mehr so imposant wie noch direkt im Briese-Entengrütze-Teppich-Tal. Aber auch hier gefiel es mir, es erinnerte mich ziemlich an meine Heimat, Usedom. Ein klopfender Specht riss mich aus den Gedanken, in denen ich immer steckte, wenn es ungestört einige 100 m ruhig war und ich einfach nur ging.



    Ich kam nach 25 km gegen 14:20 in Wensickendorf, einem wirklich sehr verschlafenen, brandenburgischen Dorf, wo sich sicher Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, an und hatte noch 45 Minuten bis mein Zug kam. Also war die Bank am Bahnhof mein bester Freund, meine Füße, die sich tapfer geschlagen haben, bekamen ein bisschen frischen Wind und die restlichen Vorräte wurden vernichtet.



    Sobald der Zug endlich kam und ich mich erhob merkte ich, dass ich trotz Lauftight und keinerlei Problemen beim Gehen selbst, mir einen kleinen Wolf gelaufen hatte. Ich denke, das war der nicht im Geringsten atmungsaktiven kurzen Hose zu verdanken. Nunja, Bepanthen sei dank, es ging schnell vorbei
    Ansonsten blieben keine gravierenden körperlichen Nachwirkungen übrig (immerhin bin ich wohl noch nie 25 km am Stück gelaufen). Ich hatte zwei Tage etwas Muskelkater im unteren Rücken, was mich aber nicht weiter beunruhigte oder mich von der nächsten Etappe abhalten wird!

    Wenn es soweit ist, werde ich die natürlich auch hier verewigen!
    Geändert von geige284 (23.04.2019 um 09:16 Uhr)

  4. AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #4
    Da bist du ja direkt mit einer der idyllischeren Etappen gestartet. Ich hab in diesem Jahr die 4te Runde beendet, nutze den 66-Weg meist um im "Training" zu bleiben. In der Tat gibt es einige schöne Etappen und inzwischen habe ich auch meine festen Übernachtungsplätze hier und da. Ich wünsche dir jedenfalls viel Spaß beim weiteren Erkunden dieses Weges!

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    Avatar von geige284
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #5
    Ja, ich befürchte auch, dass nicht jeder Tag so schön sein wird.
    Aber danke euch fürs Feedback :-)

  6. Alter Hase
    Avatar von AlfBerlin
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #6
    Danke, geige284 und weiter so Du musst die Runde ja auch nicht unbedingt komplett machen

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    Avatar von geige284
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #7
    Zitat Zitat von AlfBerlin Beitrag anzeigen
    Danke, geige284 und weiter so Du musst die Runde ja auch nicht unbedingt komplett machen

    Na, wenn schon, denn schon

  8. Erfahren
    Avatar von Wanderzwerg
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #8
    Hallo!

    Na, wenn schon, denn schon
    Jeder Weg begint mit dem ersten Schritt, und jezt bist Du schon genau so weit wie ich (eine Etappe), Ich hoffe mal daß es bei die besser vorangeht als bei mir (eine Etappe in jetzt fast 1m5 Jahrem). Aber die Etappe sieht sehr reizvoll aus, könnte meine zweite werden.

    Gruß
    Zwerg

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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #9
    Zitat Zitat von Wanderzwerg Beitrag anzeigen
    Hallo!



    Jeder Weg begint mit dem ersten Schritt, und jezt bist Du schon genau so weit wie ich (eine Etappe), Ich hoffe mal daß es bei die besser vorangeht als bei mir (eine Etappe in jetzt fast 1m5 Jahrem). Aber die Etappe sieht sehr reizvoll aus, könnte meine zweite werden.

    Gruß
    Zwerg
    Ja, deinen Bericht habe ich gelesen Sehr schön geschrieben!


    ...seit dem warte ich auch auf den zweiten Teil ;)

  10. Gerne im Forum
    Avatar von Palle
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #10
    Hallo,
    vielen Dank für den schönen Bericht. Ich bisher nur die Etappe von Straußberg (Etappe 10, wenn ich mich richtig erinnere) gelaufen. Hoffe aber, dein Bericht motiviert mich ebenfalls weiterzumachen! :-)
    Gibts bald eine Fortsetzung?

  11. Dauerbesucher
    Avatar von geige284
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #11
    Zitat Zitat von Palle Beitrag anzeigen
    Hallo,
    vielen Dank für den schönen Bericht. Ich bisher nur die Etappe von Straußberg (Etappe 10, wenn ich mich richtig erinnere) gelaufen. Hoffe aber, dein Bericht motiviert mich ebenfalls weiterzumachen! :-)
    Gibts bald eine Fortsetzung?
    In Anbetracht der noch nicht vorhandenen GTX-Schuhe, wird es bei diesem Wetter eher schwierig noch eine Etappe zu gehen. Aber für kommendes Jahr ist schon ein bisschen was geplant.
    Dann werde ich mich hier natürlich auch verewigen

  12. Dauerbesucher
    Avatar von geige284
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #12
    So, Sonntag gibt's endlich die nächste Etappe von Wensickendorf nach Melchow

  13. AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #13
    Eine schöne Etappe mit meiner Lieblingsübernachtungsstelle (die ich hier natürlich nicht verrate).

    OT: Ich werd mich dieses Wochenende mal im südlichen Brandenburg rumtreiben.

  14. Erfahren

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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #14
    Schön, deinen Bericht zu lesen. Da werden nette Erinnerungen wach. Ich bin ja leider zu faul, selbst einen Text über die eigene Runde zu schreiben. Ich mache es so ähnlich wie du. Immer wenn ich Zeit und Lust habe, wandere ich eine andere Etappe ab. Knapp 50 Seen dürfte ich mittlerweile besucht haben.

    Viel Spaß auf den kommenden Strecken!!! Die öden Abschnitte sind schnell vergessen...

  15. Dauerbesucher
    Avatar von geige284
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #15
    Etappe 5
    Wensickendorf - Melchow

    25.01.2015

    Endlich war es wieder soweit - ich konnte mir neben Uni- und Arbeisstress einen Sonntag freischaufeln um das trockene und nicht sooo kalte Winterwetter zu genießen und meine Runde um Berlin fortzusetzen. Außerdem gab’s um Weihnachten rum ein paar Ausrüstungsgegenstände, die ich beim letzten Mal (z.T.) schmerzlich vermisst habe.
    Als packte ich meinen Rucksack zum ersten Mal "richtig", schlüpfte in die neuen, wohl wasserfesten Schuhe und die neue Hose, legte obenrum ein paar Schichten an - und los ging es!
    Sonntag um 07:30 klingelte der Wecker und ich konnte mich tatsächlich aufraffen. Im Vergleich zu den kommenden Etappen hatte ich einen relativ kurzen Anfahrtsweg. Das wird sich sicher ändern, wenn es per Bus (wenn überhaupt…) in irgendwelche Dörfer im Süden Berlins geht. Vielleicht sollte ich unbequeme Etappen mal per Fahrrad “überfliegen”...
    Auf jeden Fall stand ich 09:15 in Wensickendorf am Bahnhof und konnte endlich wieder los.
    Zunächst ging es auf einem Feldweg vorbei an verlassen anmutenden Gehöften bis Stolzenhagen.





    Da traf ich nach knapp einer Stunde den ersten Jogger und einen Hundeausführer. Da ich mir, wie beim letzten Mal, sehr schnell einen Wanderstock gesucht hatte, erweckte der das Interesse des Hundes, sodass ich vom Herrchen aufgeklärt wurde, dass so ein Stock Hunde an eine “steife Rute” erinnert. Was auch immer das für Assoziationen bei denen hervorruft…
    Wie dem auch sei, natürlich wollte ich keinem Hund falsche Hoffnungen machen und versteckte den Stock in der Folge so gut es ging.
    Die erste Uferpromenade heute gehörte zum Stolzenhagener See.



    Anschließend ging es am Strandbad vorbei, durch ein kleines Wäldchen mit imposanten Grundstücken und Häusern mit teilweise opulenten Auffahrten.





    Kurz danach ging es schon zum zweiten heutigen See, dem Wandlitzsee. Hinter weiteren Villengrundstücken konnte ich ihn eine Zeit lang nur erahnen ehe ich später etwas besser ran kam und das nach 1,5 h Wandern mit meiner erste Trinkpause verband.
    (Dazu eine kleiner zeitlicher Sprung zum früheren Morgen, der Zugfahrt nach Wensickendorf. Eigentlich hatte ich mir am Samstag noch einen Trinkschlauch, den Source Convertube besorgt, den ich ausprobieren wollte, da ich bei der letzten Tour schon sehr wenig getrunken habe und das ändern wollte. Leider sind die stillen 1,5 l PET-Wasserflaschen mit dem “Minigewinde” dafür nicht geeignet. Das war schon der erste kleine Dämpfer auf dem Hinweg…)



    Irgendwie merkte ich während meiner Pause schon, dass ich leicht K.o. wurde. Trotz neuer Schuhe und eigentlich gut sitzendem Rucksack. Aber ich redete mir ein, dass ich die Schuhe natürlich erst einlaufen musste und der Rucksack für eine Tagestour mit ca. 11 kg (inkl. 3 l Wasser) sehr, sehr großzügig beladen war. Neben dem Wasser war viel Unnützes dabei, was beim nächsten Mal garantiert zuhause bleibt. Da kann man noch so viele Tourenberichte lesen und Appelle à la “Nimm nur mit, was du wirklich brauchst” hören - wahrscheinlich muss man erst selbst einmal zu viel mitnehmen um später Einsparpotential zu haben… Das sollte mich aber nicht vom Weiterlaufen abhalten. Wenn ich schon einmal Zeit finde zum Rauskommen, möchte ich das auch lange Zeit genießen!
    Als nächstes standen die Drei Heiligen Pfühle auf dem Programm, wobei ich den ersten nur durch Häuser und Bäume hindurch gesehen habe.



    Danach machte die Strecke, die bisher erst sehr schön, dann solala war, einen deutlichen Attraktivitätssprung. Es ging nicht mehr über gepflasterte Uferpromenaden sondern durch Wald und über Sandwege wobei mich immer der altbekannte blaue Punkt treu begleitete.



    Die andern beiden Pfühle waren dann auch besser zu sehen als der erste und ich flanierte eine Weile über schöne Waldpfade direkt an ihrem Ufer entlang.





    Der Wald war hier – wie überall auf der Tour – vom nassen Wetter der letzten Wochen gezeichnet. Die Wege waren sogar trocken, was ich mir manchmal ein wenig anders gewünscht hätte. Ich wollte doch meine Schuhe wenigstens ein bisschen auf Tauglichkeit prüfen…



    Der Weg zum Regenbogensee war jetzt vergleichsweise lang, erst nach ein paar Waldkilometern erreichte ich ihn und fand ihn seltsamerweise irgendwie sehr idyllisch. Auch wenn sich das obligatorische See-Foto nicht von den anderen abhebt, war die Stimmung dort doch „besonders“.





    Weiter ging es mit einem ungewohnt steilen Anstieg. Da war ich froh, dass ich meinen tollen Wanderstock dabei hatte! Oben bot sich aber als Entschädigung ein toller Anblick auf der Liepnitzsee.



    Am Hochufer ging es eine Weile entlang bis sich der Weg wieder auf Seeniveau absenkte. Wieder gab es ein schönes Uferpanorama, das mich so in seinen Bann zog, dass ich glatt den erneuten Aufstieg linker Hand verpasste um kurze Zeit später den Entschluss zu fassen, querfeldein zu marschieren. Laut Karte sollte die Straße parallel zum Uferweg verlaufen. Falls ich mich verirren sollte und für immer im Wald leben müsste, war meine leuchtend blaue Jacke ein Hoffnungsschimmer, doch noch gefunden zu werden. Es sprach also nichts dagegen – rein in den Wald.
    Nach abenteuerreichen 5 min war ich dann schon wieder auf der Straße. Allerdings gab es im Wald noch das Tageshighlight. Kurz vor mir brachen zwei Rehe aus einer Dickung und ich sah nur noch ihre weißen Hinterteile. Toll, was es kurz vor Berlins Toren zu sehen gibt! Auch wenn es „nur“ Rehe sind, mich beeindrucken diese Wildtiere in freier Natur immer sehr.
    Ein Stückchen auf der wiedergefundenen Straße ging es weiter, bevor ich einen Blick durchs Dickicht auf das Seechen erhaschen konnte – das heißt tatsächlich so!
    Über Ützdorf und unter der Autobahn hindurch, führte mich mein Weg zum Obersee. Wie fast alle Seen war er zugefroren und die Badestelle sah eher trostlos und wenig einladend aus.





    Eigentlich wollte ich am Obersee meine Mittagspause einlegen und mir superduper Knorr-Käse-Nudeln schmecken lassen, worauf ich schon einige Zeit Lust hatte. Aber der Obersee stand nicht sonderlich in meiner Gunst, sodass ich mich entschloss zum nächsten See, dem Hellsee, weiterzugehen.
    Das war im Großen und Ganzen ein guter Entschluss. Zwar zog sich der Weg zum Hellsee sowie er selbst sehr lang hin, sodass der Hunger schon wieder fast vergessen war, aber der See war dafür auch weitaus schöner als der Obersee. Auch der Uferpfad war ein Highlight. Teilweise nur so breit, dass zwei Wanderer nebeneinander keinen Platz gefunden hätten, viele interessant anmutende Bäume, viele Kurven, kleine Anstiege… Eine tolle Waldstrecke.





    Der Hellsee zog sich trotz sehr gutem Wanderführer, für den ich an dieser Stelle wirklich einen Wanderstock brechen muss, wirklich lang hin, sodass ich die schöne Strecke vielleicht nur zu 50 % genießen konnte. Auch wenn ich es oben schon einmal erwähnt hab – er zog sich wirklich sehr lang hin!
    Aber von der Pausenqualität her hat sich das Weiterlaufen gelohnt.
    Am Ostufer des Sees steht das Naturfreundehaus und auf dem gepflegten Außengelände stehen zwei Tisch-Bank-Bank-Dach-Kombinationen, die zum Verweilen einladen! Hier ruhte ich mich eine Stunde aus, wobei ich mir das Käse-Nudel-Festmahl richtig schmecken ließ. Selten war ein Essen so lecker! Ein Dank an „Die NaturFreunde Land Brandenburg, OG Biesenthal-Hellmühle e.V.“!
    Trotz heißem Wasser mit Apfelstücken und Rosinen (ersetzt keinen Teebeutel, lieber nicht nachmachen…) und meinen top Nudeln kühlte ich schnell aus, sodass ich auf einer Art froh war, wieder unterwegs zu sein. Der Weg führte jetzt an einem idyllischen Bach vorbei. Der Abschnitt erinnerte mich eher an den Harz als ans flache Brandenburg. Rechts vom Bach ein schmaler Pfad, daneben und am andern Ufer steil aufragende Hänge, die, wie der ganze Waldboden, mit Buchenlaub bedeckt waren. Dazu plätscherte das Bächlein fröhlich vor sich her – nur die Sonnenstrahlen, die durch die Bäume fallen, haben leider gefehlt.





    Hier gab es einen Wanderbriefkasten am Bach, kurz vor der Querung zum anderen Ufer. Also, wer vorbei kommt, kann den 25.01.2015 checken – ich war da!



    Bald darauf war die herrliche Waldidylle dahin.
    Ich kam nach Biesenthal. Bisher war eigentlich alles cool. Meine Kondition fand ich nach der Pause wieder, warm wurde mir auch recht schnell, die Füße schmerzten noch nicht so doll – alles cool eben.
    Aber Biesenthal habe ich gefressen. Es ging gefühlte 5 km gerade auf Pflaster an einer ziiieemlich langweiligen Hauptstraße entlang. Meine Ermüdung wird auch an dem leicht verwackelten Foto deutlich - so sehr zehrte das an den Kräften!



    Ich war froh, dass der Wanderführer eine Alternative für das letzte Stück auf der Asphaltstraße anbot, also bog ich in die Kiefernallee ein, verpasste aber wohl die richtige Kreuzung zurück in Richtung Originalstrecke nach Melchow, sodass ich mich auf einmal mitten auf einem schneebeglänzten Feld wiederfand. Hatte was von „Es ist für uns eine Zeit angekommen…“



    Mittlerweile war ich ziemlich kaputt. Der Untergrund war nicht wirklich lauffreundlich und das Pflaster davor war auch alles andere als angenehm. Auf dem nächsten Bild trügt der Schein tatsächlich etwas.



    Schließlich lief ich eine große Kurve und gelang so wieder auf den Weg nach Melchow, der nun auf den letzten Kilometern parallel zur Bahnstrecke noch einmal recht ruhig und idyllisch durch ein Wäldchen verlief – wofür ich aber mitlerweile nur noch wenige Augen hatte. Bestimmt keine zwei mehr…
    Das Ende vom Lied war, dass ich wirklich auf die Minute genau am Bahnhof ankam, mich noch durch die bereits geschlossenen Schranken durchschlängeln musste (nicht nachmachen!) und gerade so den Zug erreichte und wieder mit einem Umweg über Eberswalde nach Berlin zurückfuhr.



    Zurück in Berlin wartete eine leckere selbstgemachte Pizza auf mich. Ich konnte meine Freundin zwar nicht überreden, mitzuwandern, aber wenn man dann so zuhause empfangen wird, ist das nur halb so wild…
    Ich hoffe, dass ich auf die nächste Tour nicht so lange warten muss. Dann geht es von Melchow nach Leuenberg, was als sehr idyllische Etappe angepriesen wird.
    Bis dahin bedarf es Optimierungen im Rucksackpacken, im Unterhosen anziehen (doofer Wolf schonwieder…) und in der Flaschenauswahl. Außerdem sollten die Schuhe eingelaufen sein! Nach 29 km merkte ich schon, dass das noch nicht ganz optimal war. Vielleicht brauche ich auch andere Einlegesohlen und auf jeden Fall andere Socken (dünne Sportsacken haben sich nicht bewährt, eine kleine Blase war das Resultat). Mal gucken…
    Gefallen hat es mir trotzdem wieder sehr! Ich wundere mich jedes Mal wieder über die Stille und die Einsamkeit, die man rund um Berlin finden kann und genieße sie in vollen Zügen!
    Geändert von geige284 (23.04.2019 um 09:24 Uhr)

  16. Erfahren
    Avatar von Todden
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #16
    Zitat Zitat von geige284 Beitrag anzeigen
    Etappe 5
    Wensickendorf - Melchow

    25.01.2015

    Der Weg führte jetzt an einem idyllischen Bach vorbei. Der Abschnitt erinnerte mich eher an den Harz als ans flache Brandenburg.





    Hier gab es einen Wanderbriefkasten am Bach, kurz vor der Querung zum anderen Ufer. Also, wer vorbei kommt, kann den 25.01.2015 checken – ich war da!



    An der Stelle am Bach hatte ich die gleichen Gedanken wie Du, dass wird dir bei den nächsten Etappen noch öfters passieren. Für mich waren die Etappen im Nord-Osten von Berlin die schönsten... Und dem Stempelkasten kann ich mich auch noch gut erinnern...

  17. AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #17
    Ja, das Biesenthaler Becken ist wahrscheinlich die schönste Ecke auf dem ganzen Weg. Egal zu welcher Jahreszeit.

  18. Dauerbesucher
    Avatar von geige284
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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #18
    Na dann bin ich ja noch motivierter bald weiterzumachen!
    Eventuell schon in 3 Wochen!

  19. AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #19
    Na das ist doch mal ein schöner Reisebericht. Nicht dieses sinnlose um-die-Welt-herum-Gefliege, sondern Outdoor direkt "vor der Haustür", das finde ich super.

    Und wenn Du mit der Runde fertig bist, dann denk mal über Kanu-Touren in der Gegend nach, ihr habt da um Berlin herum so phantastische Möglichkeiten.

    Weiter so und viel Spaß!
    Geändert von GemeinsamDraussen (27.01.2015 um 13:41 Uhr)
    (www.)gemeinsam-draussen.de = Susi & Ralf. Der User "GemeinsamDraussen" ist Ralf.

  20. Erfahren

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    AW: [DE] 66-Seen-Wanderung // Zu den Naturschönheiten rund um Berlin

    #20
    Zitat Zitat von geige284 Beitrag anzeigen
    Na dann bin ich ja noch motivierter bald weiterzumachen!
    Eventuell schon in 3 Wochen!
    Vielleicht solltest Du mit den nächsten Etappen noch warten, bis etwas Grün an den Bäumen ist. Ich fand neben der Biesenthaler Ecke gerade die kommenden Abschnitte und den Gamengrund am allerschönsten, gerade im Frühling. Im Winter könntest Du vielleicht eher ein paar der ziemlich langweiligen südlichen Etappen durch Kiefern-Monokultur runterschruppen. Allerdings ginge dann sicher etwas das Langstrecken-Feeling flöten...

    Grüsse,
    eisen

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