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  1. Dauerbesucher
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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #21
    Mitreisende: GandalftheGrey
    Schön, dass dir mein Bericht gefällt.

    Das war jetzt mein viertes Mal in Lappland und vor dieser Tour wusste ich auch nicht, dass es da bromsar gibt.
    Ein älterer Schwede, mit dem ich mich unterhalten habe, hat aber gemeint, dass die nur in wirklich heißen Jahren auftreten.

  2. Fuchs
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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #22
    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    Je weiter dein wunderbarer Bericht geht umso mehr weiss ich weshalb ich lieber erst im August/September in Lappland unterwegs bin.
    ...
    Wenn ich mich recht erinnere ist auch dingsbums in ihren normalen Wanderstiefeln ohne Schuhwechsel durchgekommen - aber da wir uns nur in den Hütten getroffen haben weiss ich das nicht mehr so genau.
    Stimmt genau, wir haben auf dem Abschnitt Kilpis - Abisko jeden Fluss in unseren Hanwags/Meindls gefurtet.

    Ich lese die Sommerberichte auch immer mit großer Freude, aber sie können mich nicht davon überzeugen, unsere Septemberreisezeit durch eine frühere zu ersetzen.

    Bin gespannt auf die weiteren Etappen.

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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #23
    11. Tag, 17.07.2014

    Die ganze Nacht lang hat es geregnet und auch am Morgen sah es nicht so aus, als würde sich heute was daran ändern.
    Ich frühstückte im Zelt während ich darauf wartete, dass der Regen mal eine Pause einlegen würde, was er gegen 09:00 Uhr dann auch mal kurz tat. Da mir klar war, dass ich heute nass werden würde, war nur die Frage, ob ich nass und warm oder nass und kalt sein wollte. Ich hab mich für warm entschieden und meine Regensachen angezogen, allerdings auf Hemd und Hose verzichtet, da ich keinen Sinn darin sah, die auch noch nass werden zu lassen, und mich mit einem Merino-Shirt begnügt, damit der Oberkörper bei geöffneter Jacke nicht auskühlt.
    Nachdem ich Innenzelt und Footprint trocken verstaut hatte, wischte ich das Außenzelt noch schnell ab, um so wenig Wasser wie möglich mit zu verpacken und machte mich auf den Weg nach Süden. Dabei kam ich an zahlreichen Zelten und Leuten in Biwaksäcken vorbei, die ebenso wie ich zu doof waren, die Hinweistafel am Eingang des Nationalparks zu lesen.



    Die Bohlen waren zwar nass, aber im Gegensatz zum letzten Abschnitt häufiger begangen und damit bei weitem nicht so rutschig.
    Einen knappen Kilometer nach Verlassen des Nationalparks, nach der Brücke über den Siellajohka, begann der stellenweise recht steile Aufstieg ins Garddenvaggi. Dank der Anstrengung wurde mir ziemlich warm und wegen der hohen Luftfeuchtigkeit wollten meine eVent-Klamotten von "vent" nichts mehr wissen. Also blieb nur das möglichst geschickte Öffnen der Reissverschlüsse an Jacke und Hose, um den Dampf rauszulaussen, ohne den Regen reinzulassen.
    Ab dem Aufstieg wurde der Weg schmäler und näherte sich wieder dem an, was ich gewohnt war.


    Blick Richtung Abiskojaure

    Da ich dank des miesen Wetters kaum Fotos machen konnte und auch keine Lust auf Pause hatte, wanderte ich stur vor mich hin, bis ich am frühen Nachmittag so langsam das Gefühl bekam, als stünde Wasser in meinem Stiefeln. Da ich aber heute bisher kaum durch Bäche oder Morast durchgemusst habe und die Regenhose am Gummiteil der Stiefel abschließt und das Tropfwasser somit nicht aufs Leder und damit irgendwann in die Schuhe gelangen konnte, war das eigentlich unmöglich.

    Also hab ich dann doch mal angehalten und nachgesehen, was los ist.
    Socken und Einlegesohle waren komplett durchtränkt, erstere bis ganz oben. Folglich musste der Schweiß an meinen Beinen, da er nicht verdunsten konnte, der Schwerkraft gefolgt und in die Stiefel gelaufen sein.
    Da meine Füße aussahen wie nach zwei Stunden Badewanne hab ich bei einer stark verkürzten Mittagspause dann versucht, sie wieder einigermaßen trocken zu kriegen. Da die Stiefel inklusive Einlegesohlen aber bereits völlig durchnässt waren, würde das wohl nur eine kurze Linderung bringen.
    Und in der Tat war das Gefühl, dass ich in feuchten Schuhen laufe, nach zwei Stunden wieder da.

    Am Alesjaure angekommen fasste ich den Entschluss, dass ich, so man dort mit Kreditkarte zahlen kann, heute in der Alesjaurestugorna übernachten würde. Selbst wenn sich das Wetter bessern sollte, würde ich bis morgen meine Stiefel nicht trocken kriegen.

    Auf den letzten Kilometern zur Hütte schien der NKL dann nochmal richtig durch, mit unverplankten Sümpfen und mehreren Bächen, die gefurtet werden mussten.



    Gegen 15:00 Uhr erreichte ich die Hütte, die eigentlich mehr eine Fjällstation war und freute mich, als der Hüttenwirt die Kartenzahlungsmöglichkeit bejahte.


    kleiner Teil der Hüttenanlage

    Im Shop kaufte ich gleich noch Zucker und Milchpulver und dann machte ich mich daran, mein Zeug trocken zu kriegen und mich von dem miesen Tag zu erholen. Die Sauna am Abend hat dabei tatkräftig mitgeholfen.
    Da der Heißwasserkessel der Sauna ziemlich groß ist, war nach dem Saunabetrieb sogar noch genug warmes Wasser übrig, so dass ich meine Klamotten mal anständig waschen konnte. Da das Wetter sich zwischenzeitlich besserte, hätte ich sie außen auf die Wäschespinne hängen können, aber der Trockenraum war mittlerweile wieder so leer, dass ich den nutzen konnte.

    Da ich das Zimmer mit einem Schweizer teilte, kaufte ich kurz vor Ladenschluss noch schnell Ohropax im Shop, was sich später als weise Entscheidung herausstellte. Dank der Dinger hatte ich eine wunderbar ruhige und erholsame Nacht.


    12. Tag, 18.07.2014

    Wunderbar ausgeruht und mit trockenen Sachen begann ich um 08:30 Uhr den Marsch Richtung Sälka. Da die Stiefel wieder völlig trocken waren, spendierte ich ihnen dann gleich noch eine Runde Wilmas Stiefelfett.

    Das Wetter war am morgen perfekt fürs Wandern: nicht zu warm, leichte Brise, ab und an Wolken, die die Sonne in Schach hielten. Der Weg war ebenfalls gut begehbar und so konnte ich mir schon am Vormittag Hoffnungen machen, heute bis Sälka zu kommen.


    Kungsleden oder Kungslatten?

    Stellenweise waren die Bohlenabschnitte wahnsinnig lange, so dass ich mich schon fragen musste, ob so ein Aufwand nicht doch etwas übertrieben ist.

    Pünktlich zur Mittagspause erreichte ich die Rasthütte am Tjäktlapasset. Bei einem tollen Ausblick ins Tjäktjavagge rüstete ich mich für den restlichen Marsch zur Hütte.



    Nach gut drei Stunden erreichte ich die Hütte dann zusammen mit einem Wanderer, den ich gestern in Alesjaure kennen gelernt habe und der heute morgen fast zeitgleich mit mir aufgebrochen ist.

    Ich war erst am überlegen, ob ich nicht noch weiterziehen soll, aber ich hatte genug Bargeld dabei (Karte geht hier nicht), um an der Hütte zu zelten und die Annehmlichkeiten zu geniessen.

    Am Abend kam dann noch einmal Regen auf, der sich allerdings vorher sehr fotogen ankündigte.



    Ich unterhielt mich noch eine Weile mit dem Wanderer aus Alesjaure, der vom Nordkapp auf dem E1 nach Göteborg unterwegs ist, bevor ich dann ins Zelt verschwand.

  4. AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #24
    Genial geschriebener Bericht!!!!

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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #25
    Bei so viel Lob schreibt man doch gerne mehr!

    13. Tag, 19.07.2014

    Trotz ergiebiger Regenfälle konnte ich das Zelt nach einem gründlichen Einsatz kapillarischer Trocknungsmittel ohne größere Gewichtszunahme verpacken. Gegen 09:00 Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung Singistugorna und ärgerte mich schon bald, dass ich erst so spät losgekommen bin, denn die heute wieder einsetzende Hitze war in Verbindung mit der regenbedingten Luftfeuchtigkeit nur schwer zu ertragen.

    Nach einer Weile hatte ich dann die Nase voll von gut ausgebauten Wegen, weiten Tälern und dem Blick in Richtung Kebnekaise und wendete mich nach Westen, um im Cuhcavaggi nach dem Nordkalottleden zu suchen.


    Blick ins Cuhcavavvi von der Stelle aus, an der sich NKL und Kungsleden wieder trennen

    Vom Tor des Kungsleden bis nach Sälka fanden sich regelmäßig Hinweise, dass man hier auch auf dem NKL läuft, aber an der Stelle, an der sich die beiden Wege wieder trennen, deutete nur ein verfallenes Hinweisschild ohne Beschriftung darauf hin, dass es hier auch woanders hingehen könnte als nach Singi.
    Bis zur Brücke über den Tjäktjajåkka war der NKL zwar nicht markiert, aber trotzdem nicht verfehlbar. Ab dann kamen zwar Markierungen auf, aber dicht gesät waren die nicht gerade.


    kurz nach der Brücke gefunden, leider viel zu schwer zum mitnehmen

    Im Cuhcavaggi machte sich der Pfad dann sehr schnell rar, da hier wohl nur selten Leute gehen und die Vegetation die vorhandenen Spuren immer wieder überwächst.



    Ein Blick in die Karte verriet mir, dass sich für die nächste Zeit Sommer- und Winterweg den Verlauf teilen würden. Ein Blick in die Realität verriet mir, dass das nicht sein kann. Die Blockschuttstellen und Sümpfe mögen im Winter kein Problem sein, im Sommer plagt man sich auf der Winterroute nur unnötig.
    Mit wachsamen Auge und etwas Glück beim Wiederfinden des Weges entwickelte ich aber dann doch noch eine Art Gespür, wo es langgehen könnte und so wurden die Zeiten abseits des Pfades immer kürzer. Genervt war ich allerdings trotzdem ohne Ende.
    Gegen Mittag stand dann eine Furt an, für die ich besser meine Hose ausgezogen hätte, statt sie nur bis über die Knie hochzukrempeln. Da ich aber ohnehin erst einmal Pause gemacht habe, waren die Hosenbeine bis zum Weitergehen wieder einigermaßen trocken, so dass mich das groß gestört hat. Außerdem wurde meine Laune dadurch aufgebessert, dass kurz nacheinander zwei Rentiere recht nah an mir vorbei liefen und ich somit endlich mal wieder welche aus der Nähe sehen konnte.

    Nach der Furt wandelte sich die Landschaft. Statt saftiger Wiesen gab es jetzt viel Geröll und Fels. Das hatte den Vorteil, dass den Wegmarkierern mehr Material zur Verfügung stand. Leider haben sie darauf verzichtet, diesen Vorteil zu nutzen, und daher sahen die meisten Wegmarkierungen so aus:


    Irgendwo in diesem Bild befindet sich eine Wegmarkierung; Auflösung hier

    Am Nachmittag zogen im Norden und im Osten dunkle Wolken auf, die sich dann auch bald zu leeren begannen.


    im Norden

    Wäre ich auf dem Kungsleden geblieben, wäre ich jetzt wohl schon völlig durchnässt, aber noch hatte ich über mir blauen Himmel und Sonnenschein.


    im Nordwesten


    im Nordosten

    Ab dem Abzweig Richtung Hukejaurestugan bekam die Markierung des NKL dann plötzlich etwas Farbe und die Steinhäufchen waren oben mit einem blassen Orange gestrichen, was die Sichtbarkeit stark verbesserte.

    Kurz vor dem Rentierzaun, der knapp 2 km nach der Abzweigung kommt, schlug ich dann mein Zelt auf, da ich nach den Mammutetappen der vergangenen beiden Tage mal wieder Lust auf einen längeren Leseabend hatte. Außerdem schmerzten meine Füße wegen der ständigen Geröllfelder.
    Bereits um 18:00 Uhr lag ich dann im Zelt und freute mich, dass der aufgekommene Wind die Regenwolken von mir fern hielt.
    Und während ich noch darüber sinnierte, dass die heutige Etappe durchaus das Prädikat "menschenleer" verdient, liefen binnen einer Stunde mehrmals Wanderer an meinem Zelt vorbei. Ich war wohl doch nicht so allein, wie ich dachte, auch wenn die alle in Gegenrichtung unterwegs waren.

    14. Tag, 20.07.2014

    Heute kamen neben häufigeren Begegnungen mit anderen Wanderern auch die Schneefelder zurück. Am Kungsleden hatte es zwar auch das eine oder andere gegeben, aber insgesamt waren sie da doch eher spärlich gesät.



    Der Weg war heute weitaus besser zu erkennen und ich konnte es häufiger riskieren, die Landschaft zu bewundern, was mich den Ärger von gestern schon wieder fast vergessen ließ.
    Zumindest bis zur norwegischen Grenze. Denn da war der Weg plötzlich verschwunden.
    Laut Karte verläuft der NKL südlich des Vanas, folgt eine Weile der Grenze und wendet sich dann nach Norden. Die orangene Markierung führt allerdings nördlich des Vanas zum Grenzpunkt Rr 259A. Also musste ich einen knappen halben Kilometer nach Westen gehen, um wieder auf den NKL zu stoßen. Da die Norweger aber weitaus besser markieren als die Schweden, war der Pfad schnell gefunden und ich konnte meinen Weg zur Gautelishytta fortsetzen.

    Nach ein paar Kilometern stand ich dann vor einem Meisterwerk norwegischer Brückenbaukunst.


    schwankt furchtbar, aber hat trotzdem gehalten

    Nach der Mittagspause an der Gautelishytta ging es erst einmal einen knackigen Anstieg hoch, der selbst ohne die mörderische Hitze schweißtreibend gewesen wäre. Weiter oben wurde der Anstieg zwar flacher, aber dank zahlreicher Watstellen wurde der Weg nicht einfacher. Schließlich hatte ich den Buckel dann doch hinter mich gebracht und näherte mich wieder dem Gautelisvatnet.



    In der Nähe der Staumauer machte ich noch einmal eine Pause, da meine Füße wieder zu schmerzen begonnen hatten.
    Die zwei Kilometer Straße wollte ich heute auf jeden Fall noch hinter mich bringen, und so machte ich mich bald wieder auf die Socken.


    Staumauer am Gautelisvatnet, für 2 km sieht der Weg so aus


    von der Mauer bis zu der Linie, an der die Steine verschwinden, sind es ca. 2 m

    Nachdem der NKL die Straße wieder verlassen hat, musste ich noch einen guten Kilometer laufen, bis ich bei der erstbesten Gelegenheit mein Zelt aufbaute.
    Nach dem Essen verzog ich mich ins Zelt und kritzelte gerade in meinem Reisetagebuch herum, als ich draußen ein eigenartiges Grunzen hörte. Ich blickte nach draußen und sah in einiger Entfernung am Hang des Gautelifjellet ein paar Rentiere.



    Wenig später zog eine Gruppe weniger als 30 m von meinem Zelt vorbei und ich fand heraus, dass das Gegrunze der Laut der Jung-Rene war. Die Tiere waren so nah, dass ich sogar ohne Fernglas/Kamera sehen konnte, dass sie sich gerade von ihrem Winterfell trennen.



    Schnell stellte ich fest, dass die kleinen Gruppen, die im Minutentakt an meinem Zelt vorbeikamen (und mir dabei immer näher kamen, manche hatten weniger als 10 m Abstand von meinem Zelt), Teil einer Herde waren, die mehrere hundert Tiere umfasste. Mehr als zwei Stunden lang zogen die Rentiere an mir vorbei. Ich hab an dem Abend mehr Rentiere gesehen als in den drei vorherigen Lapplandbesuchen zusammen, und sowohl 1995 als auch 2008 waren das jeweils nicht wenige.





    Irgendwann habe ich es dann geschafft, mich auf´s Beobachten zu beschränken und nicht ständig Fotos zu machen, da ich sonst am Ende einfach zu viele Rentierbilder gehabt hätte. Außerdem hat die Herde die Moskitodichte um den Zeltplatz gewaltig erhöht und ich musste nach jedem dritten Bild erst einmal auf die Jagd gehen, um das Innenzelt wieder mückenfrei zu kriegen, da ich zum knipsen den Reißverschluss aufmachen musste.

    Gegen 22:00 Uhr war die Herde im wesentlichen durch und ich konnte mit dem Gefühl, diesmal was richtig Tolles erlebt zu haben, einschlafen.
    Geändert von GandalftheGrey (21.06.2015 um 14:55 Uhr)

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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #26
    Hallo Gandalf,
    ich winke Dir nachträglich, virtuell und entzückt zu! Ich habe nämlich gerade meinen Übernachtungsplatz vom 17.7. auf Deinem Bild entdeckt. Im Wäldchen oben rechts von der Brücke. Wir müssten uns begegnet sein. Na, wahrscheinlich habe ich noch selig geschnarcht, als Du schon unterwegs warst.


    Blick Richtung Abiskojaure

    Aber - an einem Tag vom Alesjaure bis Sälka!? Da muss ich Deine 15 bis 18 Kilometer Tagesdurchschnitt auf den anderen Etappen neu einordnen und mir klar machen, dass ich wesentlich bescheidenere Etappen planen muss, falls ich mich mal von meinen bisherigen Komfort-Wanderautobahnen runtertrauen will. Dabei spukt mir der NKL doch schon lange im Kopf rum...

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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #27
    An der Brücke war ich um 10:30 Uhr rum, ob du um die Zeit noch gepennt hast?

    Die 25 km von Alesjaure nach Sälka an einem Tag gingen, weil ich gut erholt und der Weg echt einfach war. Ich hab zwar auf dem 3. Abschnitt einen höheren Tageskilometerdurchschnitt hingelegt als auf dem 2. Abschnitt, aber solche langen Tagesetappen waren eher die Ausnahme.

  8. AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #28
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Da ich das Zimmer mit einem Schweizer teilte, kaufte ich kurz vor Ladenschluss noch schnell Ohropax im Shop, was sich später als weise Entscheidung herausstellte. Dank der Dinger hatte ich eine wunderbar ruhige und erholsame Nacht.
    Läuft das jetzt schon unter Rassismus?
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Im Cuhcavaggi machte sich der Pfad dann sehr schnell rar, da hier wohl nur selten Leute gehen und die Vegetation die vorhandenen Spuren immer wieder überwächst.
    ...
    Ein Blick in die Karte verriet mir, dass sich für die nächste Zeit Sommer- und Winterweg den Verlauf teilen würden. Ein Blick in die Realität verriet mir, dass das nicht sein kann. Die Blockschuttstellen und Sümpfe mögen im Winter kein Problem sein, im Sommer plagt man sich auf der Winterroute nur unnötig.
    Mit wachsamen Auge und etwas Glück beim Wiederfinden des Weges entwickelte ich aber dann doch noch eine Art Gespür, wo es langgehen könnte und so wurden die Zeiten abseits des Pfades immer kürzer. Genervt war ich allerdings trotzdem ohne Ende.
    Ja in dem Tal kann man im Frühsommer herrlich Wegsuche spielen, mir ging es letzten Juli nicht wirklich besser. Kombiniert eingezeichnet heisst wirklich nicht immer gleicher Verlauf, aber 100m Distanz (Die die Wege ja oft nicht voneinander haben) sind auf der Karte 1 mm und nicht wirklich darstellbar.
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Gegen Mittag stand dann eine Furt an, für die ich besser meine Hose ausgezogen hätte, statt sie nur bis über die Knie hochzukrempeln. Da ich aber ohnehin erst einmal Pause gemacht habe, waren die Hosenbeine bis zum Weitergehen wieder einigermaßen trocken, so dass mich das groß gestört hat. Außerdem wurde meine Laune dadurch aufgebessert, dass kurz nacheinander zwei Rentiere recht nah an mir vorbei liefen und ich somit endlich mal wieder welche aus der Nähe sehen konnte.

    Nach der Furt wandelte sich die Landschaft. Statt saftiger Wiesen gab es jetzt viel Geröll und Fels. Das hatte den Vorteil, dass den Wegmarkierern mehr Material zur Verfügung stand. Leider haben sie darauf verzichtet, diesen Vorteil zu nutzen, und daher sahen die meisten Wegmarkierungen so aus:
    Hast du ungefähr dort gefurtet wo sie auf der Karte eingezeichnet ist? Mir, und drei Schweden, sah das letztes Jahr nicht so wirklich danach aus, so dass wir erst weiter oben im Tal gefurtet haben. - Markierungen gab es in dem Bereich auf beiden Seiten des Flusses immer wieder mal - aber mehr verwirrend als helfend.
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Zumindest bis zur norwegischen Grenze. Denn da war der Weg plötzlich verschwunden.
    Laut Karte verläuft der NKL südlich des Vanas, folgt eine Weile der Grenze und wendet sich dann nach Norden. Die orangene Markierung führt allerdings nördlich des Vanas zum Grenzpunkt Rr 259A. Also musste ich einen knappen halben Kilometer nach Westen gehen, um wieder auf den NKL zu stoßen. Da die Norweger aber weitaus besser markieren als die Schweden, war der Pfad schnell gefunden und ich konnte meinen Weg zur Gautelishytta fortsetzen.
    Sei froh hattest du keinen Nebel, da kann man sich dort gut verfransen...
    Der veränderte Wegverlauf ist etwas komisch: Auf meinen beiden Karten (1998 und 2006) ist der Verlauf runter zur Furt am Ivarsten eingezeichnet, aber schon 2003 als ich das erste Mal in der Ecke unterwegs war (und von Norwegen kommend dem alten verlauf gefolgt bin) gab es eine Auflage der BD6 mit dem aktuellen Verlauf. Da ich dann mehr oder weniger frei nach Schnauze auf den weiteren Weg nach Hukejaure zurückgekehrt bin, könnte ich mir vorstellen dass der Weg gar nie wirklich da unten rum geführt hat - ursprünglich ging er wohl beim Ivarsten über eine Brücke und am Südufer des Vanasjaure nach Hukejaure.

    Gruss
    Henning
    Es gibt kein schlechtes Wetter,
    nur unpassende Kleidung.

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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #29
    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    Läuft das jetzt schon unter Rassismus?
    Nachdem der Kerl an dem Tag von Abisko bis Alesjaure gelaufen ist, kann man ihn wohl nur in Bezug auf nächtliche Geräuschemmissionen als Schnarcher bezeichnen. Womit dann auch der Beweis erbracht wäre, dass nicht alle Schweizer langsam sind. (Das war jetzt Rassismus )

    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    Kombiniert eingezeichnet heisst wirklich nicht immer gleicher Verlauf, aber 100m Distanz (Die die Wege ja oft nicht voneinander haben) sind auf der Karte 1 mm und nicht wirklich darstellbar.
    Das sind die Schattenseiten der 1:100.000er Karten. Aber mit kleineren Maßstäben schleppt und zahlt man sich halt zu Tode.

    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    Hast du ungefähr dort gefurtet wo sie auf der Karte eingezeichnet ist? Mir, und drei Schweden, sah das letztes Jahr nicht so wirklich danach aus, so dass wir erst weiter oben im Tal gefurtet haben. - Markierungen gab es in dem Bereich auf beiden Seiten des Flusses immer wieder mal - aber mehr verwirrend als helfend.
    Die Furt war an der verzeichneten Stelle, und es führten auch einigermaßen erkennbare Markierungen hin und wieder weg.
    Bei den Markierungen hatte ich manchmal den Eindruck, dass Wanderer da eigenmächtig Alternativen anlegen. Ich hab zwar ab der Furt auch angefangen, Markierer zu spielen, aber ich hab mich drauf beschränkt, umgefallene Platten wieder aufzustellen oder zu keine Steinhaufen etwas zu vergrößern. Neu angelegt hab ich nicht

    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    Der veränderte Wegverlauf ist etwas komisch: Auf meinen beiden Karten (1998 und 2006) ist der Verlauf runter zur Furt am Ivarsten eingezeichnet, aber schon 2003 als ich das erste Mal in der Ecke unterwegs war (und von Norwegen kommend dem alten verlauf gefolgt bin) gab es eine Auflage der BD6 mit dem aktuellen Verlauf.
    Ich hab die BD 6 von 2009 und da geht der NKL über den Ivarsten... komisch.

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    #30
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    An der Brücke war ich um 10:30 Uhr rum, ob du um die Zeit noch gepennt hast?
    Um 10:30 habe ich dann wohl doch langsam mein Frühstück beendet und meinen unten zu sehenden Krempel gepackt (die Wäsche hatte ich aber nachts schon vor dem Regen retten müssen, war dann morgens leider noch nicht ganz trocken). Als ausgesprochenes Murmeltier strecke ich nur selten vor Neun meine Nase aus dem Zelt.



    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Die 25 km von Alesjaure nach Sälka an einem Tag gingen, weil ich gut erholt und der Weg echt einfach war. Ich hab zwar auf dem 3. Abschnitt einen höheren Tageskilometerdurchschnitt hingelegt als auf dem 2. Abschnitt, aber solche langen Tagesetappen waren eher die Ausnahme.

    "Echt einfach" beschreibt allerdings auch alle Wege, die ich bisher gegangen bin (Laugavegur, Padjelantaleden, Hardangervidda Ost-West und Kungsleden von Kvikkjokk nach Abisko). Auf 25 km bin ich auch da nur selten gekommen. Deshalb ist mir Dein toller Bericht nicht nur eine wundervoll unterhaltsame Lektüre, sondern zeigt mir auch, dass ich auf anderen Wegen u.U. mehr Zeit einplanen muss.

  11. Fuchs
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    #31
    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    Der veränderte Wegverlauf ist etwas komisch: Auf meinen beiden Karten (1998 und 2006) ist der Verlauf runter zur Furt am Ivarsten eingezeichnet, aber schon 2003 als ich das erste Mal in der Ecke unterwegs war (und von Norwegen kommend dem alten verlauf gefolgt bin) gab es eine Auflage der BD6 mit dem aktuellen Verlauf. Da ich dann mehr oder weniger frei nach Schnauze auf den weiteren Weg nach Hukejaure zurückgekehrt bin, könnte ich mir vorstellen dass der Weg gar nie wirklich da unten rum geführt hat - ursprünglich ging er wohl beim Ivarsten über eine Brücke und am Südufer des Vanasjaure nach Hukejaure.
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Ich hab die BD 6 von 2009 und da geht der NKL über den Ivarsten... komisch.
    Als Kartenfetischisten haben wir auch die BD6 vom November 2012 hier liegen. Habe eben nachgeguckt - wie in der Onlineversion ist der Weg nun korrekt eingezeichnet, so wie er wohl auch verläuft. Wir sind 2006 von Gautelis kommend auch unten am Ivarsten gelandet, weil der Weg nun mal so eingezeichnet war und wir ihn suchten. Da wir nach Hukejaure wollten, sind wir einfach gefurtet und auf einem sehr gut markierten, wenn auch nicht eingezeichneten Weg bis Hukejaure weitergelaufen.

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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #32
    Bin begeistert, verschlinge jeden neuen Beitrag.
    Freu mich auf mehr!

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    #33
    15. Tag, 21.07.2014

    Der Tag begann, wie der letzte aufgehört hat: mit Rentieren. Diesmal aber nur ein Handvoll Tiere, die sich auch gleich aus dem Staub machten, als ich den Kopf aus dem Zelt steckte.

    Auf dem Weg Richtung Skoaddejavrihytta waren die Spuren des gestrigen Ereignisses nicht zu übersehen. Überall Hufspuren, Fellfetzen und Köttel. Da die Herde (wohl zufällig) dem NKL gefolgt war, war meine Wasserversorgung auf Grund der allgegenwärtigen Hinterlassenschaften erst einmal stark eingeschränkt.
    Nach zwei Kilometern sah ich dann in der Entfernung noch einmal mehr als nur Spuren.



    Landschaftlich war die heutige Etappe wirklich was besonderes. Sehr schroff und felsig, mit nur sehr wenig Grün. Karger geht es wohl fast nicht.





    Auf der Hochebene vor der Hütte hatte ich in Sachen Vogelwelt dann auch noch Glück.


    Seeadler

    Da ich die Hütte schon vormittags erreichte, hielt ich mich gar nicht lang dort auf und zog weiter.
    Der steinige Weg machte meinen Füßen zwar bald wieder Probleme, aber noch konnte die grandiose Landschaft davon ablenken.



    Lange würde die Ablenkung nicht mehr funktionieren, denn je näher ich der Sitashytta kam, desto mehr graute mir vor den Dingen, die mir harrten.
    Gegen Mittag erreichte ich dann die Kante der Hochfläche, von der aus das Grauen auch erstmalig sichtbar wurde.


    in der Entfernung sieht man sie schon...

    Bevor ich vor Selbstmitleid darüber zerfliessen konnte, dass es von der Talsohle an für fast 15 km auf einer Schotterstraße weitergehen würde, musste ich erst einmal lebend dort ankommen. Und das stellte sich als gar nicht so leicht heraus.
    Der Abstieg war zwar nicht übermäßig lang, aber dafür kraftraubend und stellenweise gefährlich.

    Bei den zu überwindenden Geröllfeldern reichte die Spanne von großen Blöcken, bei denen man schon mal die Hände einsetzen musste, um weiter zu kommen bis hin zu kleineren Steinen, die nicht immer liegen blieben, wenn man drauf trat.
    Zu allem Überfluss lag an manchen Stellen noch Schnee, der heute noch keine Sonne gesehen hatte und deswegen recht hart war. Die Krönung war ein sehr steiles Schneefeld, das ich rückwärts heruntersteigen musste, weil ich sonst zu wenig Halt mit den Stöcken gehabt hätte.
    An einem Wasserfall machte ich dann erst einmal Mittagspause, um mir und meinen Füßen Gelegenheit zur Erholung zu geben. Beim Blick über die Berge bemerkte ich, dass auf einem ein Mast stand und in mir keimte die Hoffnung auf, dass ich hier Handyempfang haben könnte. Dies bestätigte sich auch und so konnte ich nach der Pause den Abstieg mit dem Wissen fortsetzten, dass ich hier im Notfall Hilfe rufen könnte.
    Ich bin sonst zwar nicht unbedingt zimperlich, was das angeht (ich nehme auch keinen PLB oder ähnliches mit nach Skandinavien), aber hier war ich echt froh um den Mobilfunkempfang.

    Da ich während der Pause mehrere Autos auf der Straße gesehen habe, standen die Chancen für mich nicht schlecht, dass ich zumindest einen Teil der Straße per Daumentaxi hinter mich bringen könnte.
    Auf den ersten Kilometern war aber erst einmal Verkehrsruhe, und als dann ein Auto kam, fuhr es in die falsche Richtung.
    Erst nach drei Kilometern näherte sich von hinten ein Auto, das dann sogar angehalten hat. Das norwegische Ehepaar wollte mich zuerst nicht mitnehmen und ist weitergefahren, aber nach 200 m haben sie es sich anders überlegt und mich doch noch eingesammelt. Sie wollten zwar nicht zur Sitashytta, aber zumindest ein Stückchen würden sie mich mitnehmen. Im Laufe der Fahrt beschlossen sie dann, einen kleinen Umweg zu fahren und mich doch bei der Hütte abzusetzen, worüber ich sehr froh war, da ich mir so einen Großteil des Straßenabschnitts sparen könnte.
    Leider wurde die Freundlichkeit der Norweger nach nur drei km von einer Schranke gestoppt, die die Straße nach Sitas versperrte. Also würden mir die letzten 9 km der Straße wohl nicht erspart bleiben.
    Ich verabschiedete mich von den Beiden und dankte ihnen nochmal herzlich für ihre Bemühungen und setzte meinen Weg wieder zu Fuß fort. Da die Schranke geschlossen war, machte ich mir erst gar keine Hoffnungen, dass ich nochmal per Anhalter weiterkommen würde, und so hielt sich sie Enttäuschung in Grenzen, als nach weniger als einem Kilometer dann doch ein Auto in meine Richtung fuhr und leider nicht anhielt.

    Da es noch etwas zu früh für meinen Geschmack war, das Zelt aufzustellen, ignorierte ich die recht schönen Zeltplätze auf dem Weg zum Sitasjaure und marschierte weiter der Hütte entgegen. Da aber am See der Berghang nahtlos ins Wasser übergeht, gab es für mehrere Kilometer keinen ebenen Flecken, auf dem ich mein Zelt hätte aufstellen können. Selbst bei der Hütte war Fehlanzeige und erst einen weiteren halben km später hab ich einen passenden Flecken gefunden, der dann aber gleich richtig gut war. Mit fließendem Wasser zum kochen nah am Zelt und dem See zum Baden nicht weit, beschloss ich, erst einmal ein Bad zu nehmen und meine Klamotten zu waschen.
    Als ich die Hand in den See hielt, änderte ich meine Pläne zur Wassernutzung sofort. Trinkwasser aus dem See und Reinigung am Bach. Der Sitasjaure war nämlich eiskalt. Mehr als 4 °C kann das Wasser nicht gehabt habe und so verabschiedete ich mich von dem Gedanken, planschen zu gehen und spulte nur das normale Programm runter.



    Obwohl die heutige Etappe auch ohne die 3 km im Auto noch sehr lang gewesen war, freute ich mich trotzdem, denn ich hatte jetzt nur noch knappe 1,5 km Straße vor mir.

    Da ich um Mitternacht zufällig mal kurz wach war, nutzte ich die Gelegenheit, mal festzuhalten, wie hell es auch ohne Mitternachtssonne noch ist.

    Geändert von GandalftheGrey (21.06.2015 um 15:04 Uhr)

  14. AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #34
    Ganz, ganz toller Bericht ! Da kommen viele Erinnerungen wieder hoch! In der Tat ist der Weg von Abisko bis zur Lappjord - Hütte nicht ganz so toll, jedenfalls bis es von der Straße rüber zur Grenze geht! Habe mich da böse verschätzt und bin das an einem ziemlich langen Tag gegangen! Aber Trampen oder Busfahren ging ja nicht Bin gespannt wie es weiter geht!

    Beste Grüße Simon

  15. Dauerbesucher
    Avatar von Blahake
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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #35
    Danke für die schöne Sonntagvormittagslektüre, ich habe die BD 7 in meinem Regal gefunden und bin auf der Karte mitgewandert. Jetzt weiß ich auch, wo die ganzen Rentiere waren, die ich kurz vorher auf dem Kungsleden vermisst habe. Freue mich schon auf die Fortsetzung.

  16. AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #36
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Lange würde die Ablenkung nicht mehr funktionieren, denn je näher ich der Sitashytta kam, desto mehr graute mir vor den Dingen, die mir harrten.
    Gegen Mittag erreichte ich dann die Kante der Hochfläche, von der aus das Grauen auch erstmalig sichtbar wurde.


    in der Entfernung sieht man sie schon...
    Ich habe echt das Gefühl die meisten Wanderer machen sich da selber im Kopf kaputt. Mir hat die Strasse damals, obwohl ich vorher auch nur die negativen Beurteilungen gelesen hatte, gar nichts ausgemacht. Ich habe es versucht positiv zu sehen: Keine Wegsuche, keine Stolper- und Umknickgefahr - Also die Möglichkeit die Landschaft ohne grosse Ablenkung zu geniessen. Aber ich hatte ja auch einen absoluten Prachtstag nach einem Regen-/Nebeltag und die Strasse gleich am Morgen nach dem Aufbruch von der Sitashytta das macht es vielleicht etwas einfacher.
    Und im Hinterkopf waren auch immer noch die 2 Tage Schotterstrasse 2 Jahre vorher, da war das kaum der rede wert.
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Bevor ich vor Selbstmitleid darüber zerfliessen konnte, dass es von der Talsohle an für fast 15 km auf einer Schotterstraße weitergehen würde, musste ich erst einmal lebend dort ankommen. Und das stellte sich als gar nicht so leicht heraus.
    Der Abstieg war zwar nicht übermäßig lang, aber dafür kraftraubend und stellenweise gefährlich.
    Die Gegenrichtung ist da definitiv einfacher aber anstrengend ist der Aufstieg auch.

    Gruss
    Henning
    Es gibt kein schlechtes Wetter,
    nur unpassende Kleidung.

  17. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #37
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Lange würde die Ablenkung nicht mehr funktionieren, denn je näher ich der Sitashytta kam, desto mehr graute mir vor den Dingen, die mir harrten.
    Gegen Mittag erreichte ich dann die Kante der Hochfläche, von der aus das Grauen auch erstmalig sichtbar wurde.


    in der Entfernung sieht man sie schon...

    Bevor ich vor Selbstmitleid darüber zerfliessen konnte, dass es von der Talsohle an für fast 15 km auf einer Schotterstraße weitergehen würde,
    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    Ich habe echt das Gefühl die meisten Wanderer machen sich da selber im Kopf kaputt. Mir hat die Strasse damals, obwohl ich vorher auch nur die negativen Beurteilungen gelesen hatte, gar nichts ausgemacht.
    Da ist jeder Mensch wohl unterschiedlich......
    Mir persönlich würde diese 15 km Straßenwanderung auch so richtig den Trekkingtag vermiesen
    Aber ich würde die Straße wahrscheinlich nicht langlaufen, sondern nur queren und weglos weiterwandern. Wenn man weglos Richtung Nordwesten über das Kjørdafjellet wandert stößt man nach 5 bis 6 km auf meine Route, die am Middagsvatnet vorbeiführt und dann beim Forsvatnet wieder zurück auf den NKL stößt. Auf dieser Strecke hat man zwar keine Straße, dafür aber eine häßliche Hochspannungsleitung, was auch nicht gerade das Gelbe vom Ei ist.
    So ganz kann man in diesem Gebiet die Zivilisation wohl leider nicht meiden

    Ansonsten: sehr interessanter Bericht. Bin gespannt wie es weitergeht

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    Avatar von GandalftheGrey
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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #38
    16. Tag, 22.07.2014

    Dank der Lage im Talkessel erreichte mich die Sonne heute morgen etwas später, so dass ich länger schlafen konnte. Das kompensierte sie dann aber hundsgemeinerweise mit mehr Kraft, so dass ich schon am frühen Vormittag gebraten wurde.

    Die Straße und den leichten Anstieg zum Filtinden hab ich noch einigermaßen hinter mich bringen können, aber als der Aufstieg entlang der Stromleitung zum Hochtal zwischen Filtinden und Baugefjellet zu bewältigen war, hat es mich beinahe niedergestreckt. Auf einem knappen halben Kilometer geht es schnurstracks 100 Hm aufwärts ohne jede Kehre. Die Anstrengung des Aufstiegs in Verbindung mit der sengenden Sonne haben meinen Kreislauf gefährlich nach unten gebracht.

    Glücklicherweise gab es an der Stelle, wo der Pfad die Leitung quert, einen kleinen Bach, an dem ich mich erfrischen konnte.
    Der Rest des Aufstiegs war dann flacher und einfacher, und außerdem kam ein kühlender Wind auf. Bald erreichte ich den Abstieg zum Baugevatnet und dort verlor die Sonne erst einmal sämtlichen Schrecken.




    Baugevatnet

    Nach dem recht leichten Abstieg machte ich eine kurze Pause, um die Kühle, die vom See ausging, voll auszukosten, und ging dann weiter nach Südosten, um das Paurofjellet zu umrunden.
    Am Auslass des Sees fand ich dann den wohl bisher größten Zelt-/Campingplatz, den ich je Lappland gesehen habe.



    Bretteben und Platz für dutzende von Zelten, mit Wasser direkt nebendran. Allerdings ist er erst nach der Schneeschmelze verwendbar, vorher ist er etwas nass.

    Kurz nach dem Zeltplatz erreichte ich dann die Brücke, die wieder mal wenig vertrauenserweckend aussah.



    Hier wollte ich Mittagspause machen, da es laut Karte eine Rasthütte geben sollte. Die war aber nicht mehr da und so machte ich es mir auf dem Holzstapel neben der Brücke gemütlich und genoss den kühlen Wind, der vom See her wehte.

    Nach kurzer Zeit kam dann ein Wanderer mit Hund aus Richtung Pauro vorbei, aber das Gespräch war eher kurz, da er noch einiges an Weg schaffen wollte.

    Auf dem Weg um das Paurofjellet ging es dann ein kurzes Stück auf schwedischem Boden weiter, wobei die Norweger hier durchgehend ihre Markierung beibehalten haben.


    in Grenznähe

    Der Pfad ging dabei die ganze Zeit bergauf und erst kurz vor dem Bovrojavri ging es wieder nach unten.




    Bovrojavri

    Nach dem Erreiched des Sees stand ich vor dem gleichen Problem wie gestern: keine trockene ebene Fläche vorhanden und so erreichte ich dann am späten Nachmittag die Paurohytta. Bei der es aber auch keinen vernünftigen Zeltplatz gab, da alle ebenen Flächen klatschnass waren.
    Dafür war dann die kleine der beiden Hütten offen und ich beschloss, heute mal wieder eine Hüttenübernachtung einzulegen. Da da aber gerade niemand da war, musste ich noch eine Weile warten, bis mir jemand die andere Hütte aufsperrte. Während der Wartezeit konnte ich dann die zahlreichen Kühlboxen und Wassermelonen und dergleichen bewundern, die überall herumstanden. Dabei waren doch nur vier Personen in der Hütte einquartiert, zwei davon Teenager... wer hat das alles hergeschleppt?

    Die Antwort zu dieser Frage machte dann um 22:00 lautstark auf sich aufmerksam.



    Auch eine Möglichkeit, Urlaub zu machen. Man niste sich drei Tage in ner Wanderhütte ein, zu der man sich fliegen hat lassen und macht dann Tagestouren mit der Angel.
    Geändert von GandalftheGrey (31.03.2016 um 09:58 Uhr) Grund: Name korrigiert

  19. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #39
    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    16. Tag, 22.07.2014

    Unglaublich wieviel Schnee da noch war. Ich war ein Jahr zuvor dort, fast die gleiche Zeit (17.Juli), da war der See komplett eisfrei,......dafür war das Wetter aber auch richtig mies.


    Zitat Zitat von GandalftheGrey Beitrag anzeigen
    Hier wollte ich Mittagspause machen, da es laut Karte eine Rasthütte geben sollte. Die war aber nicht mehr da und so machte ich es mir auf dem Holzstapel neben der Brücke gemütlich und genoss den kühlen Wind, der vom See her wehte.
    Das ist ja merkwürdig Wurde sie abgerissen??
    Ein Jahr zuvor stand sie noch da.

  20. Fuchs
    Avatar von dingsbums
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    AW: [FI][NO][SE] Von Kilpisjärvi nach Vaisaluokta, Tropenfeeling am Nordkalottle

    #40
    Zitat Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
    Das ist ja merkwürdig Wurde sie abgerissen??
    Ein Jahr zuvor stand sie noch da.
    Der NOT meint auf seiner Homepage: "tatt av snøskred april 2014".
    Eine Lawine hat sie das Leben gekostet ...

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