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  1. Erfahren

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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #21
    Mitreisende: codenascher, Schmetterling
    Schöner Bericht

  2. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Bergen

    #22
    das freut

    im neuen Globi Magazin gibt es einen mehrseitigen Artikel über den POB.

    Nachtrag: absolut oberflächlich geschrieben.... Der Autor war sicherlich nimmernie aufm POB einzig die albanische Seite hat er mal beschnuppert


    gesendet vom Schmatfon
    Geändert von codenascher (27.09.2014 um 07:50 Uhr)

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  3. Erfahren
    Avatar von Schmetterling
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #23
    Noch ein klainer Bildernachtrag zu Pej...


    Das Rugova-Camp


    Rugova-Tal


    Unsere netten Fahrer


    Der Maulbeerbaum im Kloster


    Streetlife


    Sweet Home


    Luft anhalten!


  4. Erfahren
    Avatar von Schmetterling
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #24
    15.7.2014 Rugova Camp - Milishevc
    18,3 km; 1342 Höhenmeter


    Gestern abend hatte uns unser neuer Fischfreund erzählt, dass die Belegschaft erst um 9 Uhr hier aufkreuzen würde, wir also auch nicht früher Frühstück würden haben können. Wir wären zwar gerne früher los, aber so schliefen wir eben nochmal aus. Die tief hängenden Wolken draußen luden auch nicht gerade zum Aufstehen ein. Die Bedienungen schüttelten ungläubig den Kopf, als wir ihnen weismachten, dass wir auf die andere Seite des Berges wollten. Als wir mit Frühstücken fertig waren, fing es denn auch an wie aus Wolken zu gießen. Also legten wir eine zweite Schlafrunde ein, bei dem Wetter bekommen mich keine 10 Pferde nach draußen. Wir überlegten hin und her, aber am späten Vormittag sah es dann doch wieder leicht besser aus und wir entschieden uns für den Aufbruch. Wir wollten nur nach Milishevc, was eigentlich nur eine halbe Etappe war, dafür aber mit 1200 Höhenmetern.
    Blieb nur noch die Frage nach dem Einstieg. Theoretisch müsste irgendwo ein Weg von der Straße abgehen und nach oben laufen. Den hatten wir vorgestern auch gesucht, aber nicht gesehen. In der Touristeninfo hatte man uns auf das Hotelpersonal verwiesen, die würden den Einstieg kennen. Diese sagten, dass wir zurück in Richtung der vorgestrigen Etappe laufen sollten und dass da ein Abzweig sei. Nun gut, vielleicht waren unsere Sinne etwas vernebelt gewesen… Wir schulterten die Rucksäcke und stiefelten die Straße entlang. Von Weg keine Spur, weder ein Fahrweg noch ein Trampelpfad. Als wir schon fast beim Abzweig nach Rek e Allages waren, war es sicher, dass der Weg nicht mehr kommen würde. Überhaupt stimmte das alles auf der Karte nicht, mit der Straße links und rechts neben dem Fluss. Also musste der Abzweig doch hinter dem Hotel sein. Schließlich sprach auch die Beschreibung davon, dass man unterwegs im Rugova-Hotel was trinken könne. Dass da aber auch keine Markierung war! Also stiefelten wir zurück und überquerten den Fluss auf einem kleinen Steg. Auf der anderen Flussseite fanden wir nur Müll und ein Fuhrweg, der schon bald aufhörte. Das konnte doch nicht der PoB sein! Der nächste Wegpunkt lag nur wenige Meter entfernt über uns im Wald. Einen kurzen Versuch durch das Flusstal brachen wir nach wenigen Metern ab und querfeldein zu laufen schied wegen der dschungelartigen Verhältnisse auch aus. Der Frust war groß!
    Zurück am Hotel klagten wir unserem Fischfreund das Leid, der sich gerade um die kleinen Larven kümmerte. Der verwies uns wieder auf die Straße, nach dem Abzweig nach Reke e Allages würde ein breiter Fuhrweg den Hang entlang führen nach oben zu einem Hirtendorf. Dort sei er auch schon gewesen. Auf der Karte war tatsächlich so ein Weg eingezeichnet, also versuchten wir unser Glück und liefen die 3 km wieder zurück. Inzwischen hatte es wieder angefangen zu regnen, das passte ja.
    Wir fanden nun tatsächlich den Fuhrweg. Das hatte zwar nichts mehr mit dem auf der Karte eingezeichneten Weg zu tun, aber er schien nach oben zu führen. An einer Gabelung nahmen wir den falschen Abzweig und landeten auf einem Grundstück, wo ein älterer Herr gerade Beton mischte. Er gab uns zu verstehen, wo wir wie abzweigen mussten und bestätigte, dass der Weg zum Pass führte. Immerhin etwas. Nach einer Abkürzung über einen Eselspfad waren die mühsam getrockneten Schuhe auch endlich wieder nass, gleichzeitig gingen sintflutartige Regenfälle nieder, begleitet von Donnergrollen. Eigentlich lief es sich auf dem Weg ganz angenehm, nur leider machten wir keine nennenswerten Höhenmeter. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir oberhalb des Rugova-Camps vorbei und wir kreuzten die auf dem GPS eingezeichnete Linie. Von Weg allerdings keine Spur, stattdessen ein steiler Abhang mit dichter Bewaldung. Ausgeschlossen, dass da was hochgehen würde. Irgendwas war hier wirklich oberfaul!



    Endlich kamen wir zur Hirtensiedlung und nahmen dankbar eine Einladung unters Vordach an. Wir wurden mit Kaffee aufgepäppelt, die Sachen wurden am Ofen getrocknet und nach den obligatorischen Fotos und dem Austausch der Facebook-Daten brachen wir wieder auf. Die Familie versicherte, dass dieser Weg nach oben auf den Pass führen würde.


    Unsere Gastgeber

    Der Weg auf unserem GPS führte ca. 300 m weiter rechts, aber nach einem kurzen Versuch, diesen zu erreichen, kehrten wir auf den Fuhrweg zurück. Er schien uns vertrauenserweckender. Inzwischen war es schon früher nachmittag, der Magen hing schon in den Kniekehlen und es blieben immer noch 1000 Höhenmeter. Es regnete Bindfäden, gleichzeitig war es zu warm, so dass wir ordentlich unter dem Plastik schwitzten. Der Weg war recht aufgeweicht, so dass wir bei jedem Schritt erstmal einen halben zurück rutschten. Kurz – es war eine richtige sch…. Schinderei.


    Matschepampenweg

    Aber es half ja nichts außer Denken ausschalten und weiter gehen. Weiter oben wurde dann auch klar, dass parallel von uns kein weiterer Weg laufen konnte, also müssen alle Punkte des Tages völlig falsch liegen. Na Bravo.
    Unterhalb des Passes hörte der Fahrweg auf und mündete in einen Trampelpfad durch hohes Gras. Und plötzlich waren da auch wieder Markierungen, sogar recht zahlreich! Ist doch schön, wenn man wenigstens einmal am Tag die Bestätigung bekommt, dass man noch richtig ist. Die letzten Höhenmeter gingen erstaunlicherweise auch vorbei (es war so ein Tag, wo ich mich frage, warum die Beine immer noch laufen, obwohl man keine Kraft und keine Lust mehr hat…).


    Oh, eine Markierung

    Kurz vor dem Pass verlief sich der Weg wie üblich in einer ausgedehnten Almwiese. Die dichten Wolken machten das Finden der Markierungen wieder zu einem Glücksspiel. Glücklicherweise riss es auf, so dass wir uns an den umliegenden Bergen orientieren konnten. So mit Sicht macht es ja durchaus Spaß, sich ohne Weg im Gelände zu bewegen, aber im Nebel ist es ein Albtraum.


    Auf dem Pass





    Einstweilen genossen wir aber die ausgedehnten Wiesenflächen und den Ausblick nach unten. Es war wunderschön hier oben! Wir fanden eine eingezeichnete Fahrstraße von unten und einen See. Leider lud die Umgebung und das Wasser nicht zum Bleiben ein (er wird als Viehtränke genutzt). Und am Ende des Sees endlich wieder eine Markierung, sogar mit Holzpflock!









    Der restliche Weg über den Pass ließ sich ganz gut finden, wenn auch die Stellen mit Markierungen oder sogar einem Wegweiser etwas sehr unlogisch gewählt waren. Egal, nach einem Doping in Form von gesalzenen Macadamia-Nüssen standen wir an der Kante und blickten ins weite Tal mit Milishevc.





    Wir gaben die Suche nach Wegen und Markierungen auf und stiegen einfach die Wiese nach unten. Das Glück wurde perfekt, als wir auch noch eine kleine Quelle fanden. Sauber markiert mit einem (umgefallenen) PoB-Pfosten, auch wenn sie weitab des Weges lag. Man muss hier wohl das logische Denken ausschalten.
    Wir fanden eine annehmbar ebene Stelle ohne Kuhscheiße und bauten zügig das Zelt auf. Von unten wehte ein eiskalter Wind herauf, der uns wieder mal schleunigst in die Schlafsäcke trieb. Spätestens hier war ich nun dich froh um meinen gestrigen Kauf!






  5. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #25
    Danke für euren Bericht. Ich habe schon die ganze Zeit immer auf einen neuen Eintrag gejiepert. Es ist großartig, dass Ihr diese Ecke in Europa beleuchtet. Dass Ihr diesem Wetter getrotzt habt ... meine allergrößte Hochachtung.
    Der "Abt" liebt es Quizfragen sich auszudenken, die meist keiner lösen kann: Eine Frage war nach dem regenreichsten Ort (mm Wassersäule im Jahr) in Europa. Der liegt in Montenegro, wäre ich nie drauf gekommen. Mich hat das Prokletje 2005 in Koplik / Albanien mit Regen abgewiesen. 2009 hatten wir dann mehr Glück.
    Mit dem Rugova-Tal beschreibt Ihr einen Ort, den ich nächstes Jahr auf meiner Balkan-Rad-Tour unbedingt besuchen werde. Ich hoffe, ich kann die Grenze Crna Gora / Kosovë dort oben überschreiten.

    PS: Die größte "Sehenswürdigkeit" ist die Gastfreundschaft der Albaner. Ihr beschreibt die sehr gut - raki, Kaffee ...

    Also ... auf geht's: Ich freue mich auf die nächsten Beiträge.
    Geändert von EbsEls (26.09.2014 um 16:21 Uhr) Grund: PS hinzugefügt
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  6. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #26
    Toll geschriebener Bericht, und Landschaft und Leute zum Verlieben
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  7. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #27
    Zitat Zitat von EbsEls Beitrag anzeigen
    ....
    nächstes Jahr auf meiner Balkan-Rad-Tour unbedingt besuchen werde. Ich hoffe, ich kann die Grenze Crna Gora / Kosovë dort oben überschreiten.

    PS: Die größte "Sehenswürdigkeit" ist die Gastfreundschaft der Albaner. Ihr beschreibt die sehr gut - raki, Kaffee ...
    Danke für die Kommentare

    Zur Grenze konnte man uns leider nichts genaueres sagen. Zumindest für Autos ist sie noch immer gesperrt, ob man mit dem Rad rüber kommt?
    Albanien war definitiv die größte Überraschung der Tour! Wir werden auch ganz sicher wieder kommen

    Hier noch schnell ein paar Bilderchen vom letzten Trekkingtag, eh der nächste kommt:


    Die ausgewaschene Fahrstraße vor dem kleinen Dorf oberhalb Rugovas


    Susi kämpft


    jup, is anstrengend


    immerhin wars nach dem Aufstieg wieder entspannter und es blieb sogar etwas Zeit für Fotos!





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    Geändert von codenascher (29.06.2015 um 18:43 Uhr)

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  8. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #28
    16.07.2014 Milishevc – oberhalb von Dobërdol

    Die Nacht haben wir sehr schlecht geschlafen. So exklusiv doch unser Schlafplatz war, so exponiert war er zugleich… Der Wind vom Vorabend hat die Nacht über noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen und hat unser Zelt volle Breitseite durch gerüttelt. Immerhin beginnt der Tag freundlich und selbst die Sonne lässt sich mal blicken

    Wir queren nach rechts weg von Milishevc, direkt Richtung Roshkodol. Vorbei an einem UCK Denkmal folgen wir der Fahrstraße. Anscheinend ist Milishevc hier noch gar nicht zu Ende und somit sehen wir weitere Häuser. Ein kleiner Junge kommt aus einer Hütte, bietet uns ein Zimmer im „Hotel“ an.


    FC Milishevc vs. keinen Gegner


    Zum Glück jibts Ketten


    Die Jungs waren ganz zahm!

    Der Wegesrand ist einmal mehr mit Erdbeeren gespickt! Lecker Vor Roshkodol entdecken wir noch eine wilde Mülldeponie eh wir das Dorf betreten… Roshkodol ist sehr lang gezogen. Rechts oberhalb von uns über den Nachbarhängen braut sich etwas großes schwarzes zusammen…
    Am Ende des Dorfes wechselt der breite Fahrweg in einen Viehtrampelpfad. Wir wechseln (zu früh) die Flussseite. Nachdem wir uns durch Kiefer und über Stein gekämpft haben, wechselt das Terrain zu Alm. Auf der anderen Seite sehen wir den Pfad, den wir eigentlich hätten nehmen sollen. Egal, wir treffen wieder auf Markierungen. Der Himmel in unserem Rücken ist mittlerweile nur noch schwarz.







    Gerade als wir unser Mittagspäuschen starten wollen, entlädt sich der Himmel. Wir schaffen es gerade noch in unsere Regenklamotten, nehmen unsere Vespersäcke an uns und flüchten unter eine große Kiefer, eh der Himmel seine Pforten öffnet. Die Kiefer war die beste Entscheidung des Tages. Von dem Regen bekommen wir quasi nichts ab und ich finde sogar Zeit für ein Nickerchen an Susis Schulter. Nach einer guten Stunde lässt der Regen nach und wir pellen uns wieder aus unseren Regenklamotten. Da meine Stiefel eh noch nass sind, macht mir das feuchte hohe Gras nichts aus.





    Die Markierungen mal wieder aus den Augen verloren laufen wir mal wieder zu weit das Tal hinauf. Hier haben wir die Wahl für drei verschiedene Pässe. Letztendlich entscheiden wir uns aber wieder richtig und entdecken dann sogar eine Markierung am Fels… Die paar extra Meter kümmern uns nun auch nicht mehr. Über den Pass blicken wir wieder in ein schönes Tal! Markierungen mal wieder Fehlanzeige. Susi entdeckt ein wenig weiter vorn einen ausgetretenen Pfad. Dieser Pfad ist in bester Alpenmanier ausgetreten und fällt leicht ab. Besser kann man gar nicht vorwärts kommen. Sollten wir aber schleunigst, da sich hinter uns schon wieder die Wolken zu einer schwarzen Wand formieren.
    Gute dreißig Minuten nach dem Pass sehen wir tatsächlich drei Wanderer. Es bleibt aber beim Blick in die Ferne, sie holen uns nicht ein.





    Der nächste Pass besteht für uns nur auf dem Papier. Wir bleiben einfach auf der Höhe. Ein Wegweiser sollte Richtung Deçan zeigen, welcher zu einer Aufstiegsroute des Gjeravicas führen soll. Ich habe gedanklich mittlerweile den höchsten Berg des Kosovo begraben. Da auf dem Wegweiser ebenfalls nichts steht wars das für mich gewesen. Hier müssen wir mal wieder an einer Schafherde nebst zweier großer Hütehunde vorbei. Auf die Kommandos ihres Hirten reagieren sie nicht, erst auf seine Steinwürfe. So richtig wohl ist mir ja nicht, wenn so ein Riesenköter sich vor mir aufbaut…




    Am nächsten Pass sitzen einige ältere Kosovaren. Einer von ihnen wohnt in den Staaten und wir fragen noch einmal nach dem Gjeravica und wie es weiter nach Dobërdol geht. Zum Gjeravica einfach hier das Tal hinunter. Am Anfang des Dorfes stehe auch sein Haus, wir können gerne seine Gäste sein Wir bedanken uns einmal mehr und laufen die grünen Hänge zu unserer Linken hinauf in Richtung Dobërdol Die Zeitangabe mit einer Stunde auf dem Wegweiser ist alles andere als richtig…
    Hier auf den grünen Matten möchte ich gerne unser Zelt aufschlagen, nur fehlt uns dazu Wasser… Also noch einen Buckel weiter. Der Blick ins Tal lässt uns hundert Meter weiter unten kleine Bäche erkennen. Wir entschließen uns hier zu bleiben und dann von weiter unten Wasser zu holen. Als Susi weiter unten ein grünes Tunnelzelt stehen sieht, können wir kaum unseren Augen trauen. Wir lassen die Rucksäcke an unserem gewählten Schlafplatz und laufen zu den ersten Wanderern die wir auf dieser Tour treffen werden. Die große Überraschung: Nach sechs Tagen ohne Wanderer treffen wir ausgerechnet abseits des POB Penny und Brian wieder. (die zwei Briten aus Plav) Die Freude ist groß und es gibt viel zu berichten.

    Susi und ich holen schnell unsere Rucksäcke und bauen unser Zelt unweit ihres Nallos auf. Nach der Körper- und Klamottenwäsche (die Sonne schafft es mit Hilfe der leichten Briese sogar die Wollklamotten zu trocknen!) bereiten wir gleich unser Abendessen zu. Nach dem Essen und Tee zeigen wir uns gegenseitig die gelaufenen Routen auf unseren Karten, klären Unwegsamkeiten und geben uns gegenseitig Tipps zu Schlafplätzen und Schwierigkeiten. Mir hat es den Anschein, als wenn wir mit unserer aufgeschlossenen Art deutlich mehr mit den Einheimischen zu tun hatten als unsere zwei Briten!


    Genau so haben wir uns das allabendlich vorgestellt!!!!


    Oh ja, ein Traumzeltplatz!!!!



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    Geändert von codenascher (29.06.2015 um 18:43 Uhr)

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

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  9. Fuchs
    Avatar von Rainer Duesmann
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #29
    Hammerbericht, spitze!
    Vielen Dank.

    Rainer

  10. Erfahren
    Avatar von Schmetterling
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #30
    Danke für das Lob!

    Hier geht es weiter mit noch einem fotografischen Nachtrag







    Überall wird neu gebaut




  11. Erfahren
    Avatar von Schmetterling
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #31
    17.06.2014 oberhalb von Doberdol – Liqenat i Gjeravices
    15,8 km; 1203 hm

    So schön wie der letzte Abend endete, so schön fing der Tag an. Die Sonne lachte. Während Penny und Brian neben uns schon fleißig am Zusammenpacken waren, drehten wir uns noch ein paar Mal im Schlafsack. Aufgrund unserer gestrigen Entscheidung, den Gjeravica nicht zu besteigen, hatten wir noch genügend Puffertage, um einen Gang runter zu schalten. So frühstückten wir in Ruhe, während Penny und Brian sich nach einem Abschiedsfoto auf die Ridge hoch arbeiteten. Wir hatten uns für Donnerstag im Hotel in Plav verabredet.




    Wir genossen die Sonne noch ein wenig, packten dann schließlich und begaben uns ebenfalls zurück auf den Kamm. Dort erwartete uns eine fantastische Aussicht auf die ersten Etappen der Tour und das Bergmassiv, hinter der der Hridsko-See lag.


    Der Blick voran - hinter der Kante liegt schon Albanien


    Hinter diesen Bergen liegt der Hridsko-See


    Ganz kurz kam ich in Versuchung, einfach hinunter zu steigen und zurück nach Plav zu laufen. Aber die Sonne lachte und Penny und Brian hatten uns von der guten Markierung in Albanien vorgeschwärmt. Also auf nach Albanien!
    Bevor wir die Grenze überschritten, begegneten wir jedoch zuerst noch ein paar Packeseln mit Wandergepäck und schließlich der dazu gehörigen Truppe mitsamt Guide. Unsere ersten anderen Wanderer!



    Wir wechselten ein paar Worte, ließen uns zum WM-Titel gratulieren und machten uns dann an den Abstieg nach Doberdol. Wir wurden vorgewarnt, dass er steil sei. Aber als wir so an der Kannte standen und auf die senkrecht nach unten fallende Wiese blickten (es ging 800 Höhenmeter runter), verließ mich doch spontan die Lust. Von Weg und Markierung war natürlich wieder nichts zu sehen. Also machten wir uns an den mühsamen Abstieg. Das Dorf schien nicht näher kommen zu wollen, das Gras war durch den morgendlichen Tau sehr rutschig und ich landete einige Male auf dem Allerwertesten. Und mit der Hand natürlich voll in einer großen Distel. Immerhin war die Aussicht toll.


    Da unten liegt Doberdol


    Kleines Empfangskomittee

    Als wir endlich unten angekommen waren, erwarteten uns klare Markierungen, eine nette Schafherde mit einem signifikaten Teppich-Schurmuster – und einen Wegweiser, laut dem man in 5 Stunden auf dem Gjeravica sei. Tatsächlich war in der Karte auch ein Wegabzweig eingezeichnet. Hätten wir das gewusst, wären wir heute morgen schneller losgelaufen. Inzwischen war es schon später Vormittag.


    Links oder geradeaus?

    Wir überlegten hin und her. Ich hatte ehrlich gesagt keine große Lust, einen Ruhetag für einen Berg zu opfern, aber ich sah Sven an, dass er sehr gerne dort hochgehen würde. Also gab ich mir einen Ruck und wir schlugen den Weg ein. Wenn alles gut ging, würden wir morgen Mittag wieder hier am Wegweiser stehen, müsste also klappen. Frohen Mutes folgten wir einer breiten Fuhrweg auf einen kleinen Pass, wo man auch sehr schöne Gletscherseen finden sollte.




    Der Blick zurück nach Doberdol

    Laut Karte müssten zwei Abzweige in Richtung Gipfel kommen. Natürlich fehlte von Hinweisschildern jede Spur. Hinter dem Pass ging es in ein weites Tal, in dem Hirtenhütten lagen. Mir kam es komisch vor, denn laut Karte sollten wir gar nicht so weit absteigen. Weit vor uns im Dunst lag ein ziemlich felsiges Massiv. Ich fragte mich erstens, wie wir das heute schaffen sollten (die 5 Stunden schienen irgendwie falsch zu sein) und zweitens, wo an dieser Felswand ein Weg sein sollte. Inzwischen waren wir so weit unten im Tal, dass wir vollends bis zu den Häusern laufen wollten, um zu fragen. Eine drohende schwarze Wand hinter uns bestätigte uns in unserem Entschluss. Noch bevor wir die Häuser erreichten, öffneten sich die Himmelspforten. Wir sprinteten zur ersten Hütte und baten um Unterschlupf, den man uns gerne gewährte. Drin bollerte der Ofen und eine Schar Kinder sowie mehrere Erwachsene sahen uns mit großen neugierigen Augen an. Die einzige Lichtquelle war die Türöffnung, entsprechend schummrig war es drin. Wir lauschten dem Regen auf dem Dach, stärkten uns mit dem obligatorischen Kaffee und versuchten uns im Smalltalk. Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ der Regen endlich nach und wir fragten nach dem weiteren Weg. Zu unserer Überraschung zeigte der Herr des Hauses auf die Wand direkt hinter dem Haus und meinte, dass der Gipfel dahinter sei. Er versicherte uns auch, dass wir den Gipfel auf diesem Weg auch erreichen konnten. Die Wand glich der von heute morgen – es würde eine Schinderei werden, aber immerhin schien der Gipfel in greifbarer Nähe zu sein.
    Wir fragten, ob wir hier noch unser Mittagessen auspacken könnten, was aber entschieden abgelehnt wurde. Stattdessen wurde uns frisches Brot, Honig, Käse uns ein frisch zubereiteter Spinat-Pie serviert. Sooo lecker! Als Dankeschön verteilten wir einen guten Teil unserer Süßigkeiten unter den Kindern.




    Spinat-Pie

    Derart gestärkt machten wir uns unter den Blicken der gesamten Familie an den Aufstieg. Der Einstieg war steil, aber aufgrund eines Weges gut machbar. Das Panorama nach hinten natürlich traumhaft schön.


    Blick zurück aufs Hirtendorf

    Schließlich endete der Weg und wir mussten uns nun selbst die Ideallinie suchen. Wir versuchten, einem ausgetrockneten Wasserlauf zu folgen, was überwiegend ganz gut ging. Zwischendurch kamen leichte Gedanken auf, was passieren würde, wenn einer von uns sich den Knöchel verstauchen würde, aber solche Gedanken helfen an der Wand nicht weiter und ich verbot sie mir. Im oberen Bereich wurde es immer steiler uns kraxeliger, so dass wir auf die Weise ausweichen mussten. Gefühlt senkrecht ging es über nasses rutschiges Gras nach oben und ich krallte mich mit den Händen an allem fest, was ich bekommen konnte. Ganz wohl war mir nicht mehr uns ich versuchte den Gedanken an die Tiefe unter mir und daran, was uns auf der anderen Seite erwarten würde, auszublenden. Was, wenn uns drüben eine Felswand erwarten würde oder ähnliches… Zelten konnten wir hier unmöglich…
    Schließlich war es aber geschafft und nach 3,5 Stunden erreichten wir die obere Kante. Dort erwartete uns kalter Wind und ein irrer ausblick, der mir im ersten Augenblick das Herz in die Hose rutschen ließ: Fels soweit das Auge reichte. Als ich mich wieder gefangen hatte, sah ich jedoch, dass wir problemlos nach unten gelangen würden, dass der Abstieg viel weniger tief war, dass dort perfekte Schlafplätze an einem traumhaften See auf uns wartete und wir erkannten auch einen Weg mitsamt Markierungen. Also wenn der nicht auf den Gipfel führte… Die gesamte Szenerie war in wunderschönes Abendsonnenlicht getaucht.


    Blick über die Kante

    Unten angekommen diskutierten wir über die Besteigung des Gipfels. Sven wäre am liebsten heute abend noch los, denn laut GPS konnte er nur einen Katzensprung entfernt sein. Ich hatte aber nach der Kletteraktion entschieden keine Ambitionen mehr auf einen Gipfel und wollte bis zum nächsten Morgen warten.
    Wir bauten also unser Zelt am schönsten Zeltplatz der ganzen Tour auf und während Sven den markierten Weg auskundschaftete, kümmerte ich mich um die andere Richtung. Und tatsächlich schien am Fuß der Wand, über die wir gerade gekommen waren, ein perfekter, klarer Weg zu führen. Das hätte heute unserer sein müssen, wie einfach hätten wir es haben können! Zumindest garantierte er für morgen eine angenehme Rückkehr.


  12. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #32
    Auch von mir danke fürs Lob Rainer, in diesem Ton hört man sowas sehr gerne

    Schon einmal noch ein paar Impressionen von mir, Text gibts heute Abend:


    links über die Kante liegt dann Albanien


    die ersten Wanderer!!!!




    jupp, da müssten wir lang


    Susi auf Tuchfühlung



    Am Ende des Tales links über den Pass gehts easy Richtung Gjeravica. Rechts über den Pass gehts erst weit runter und danach ganz steil wieder hoch
    In der POB Karte sind zwei Pfade hinauf zum Gipfel eingezeichnet. Dooferweise konnten wir den gesuchten Pfad nicht ausmachen, bzw. haben den linken Pass gar nicht auf dem Schirm gehabt... Die Karte, wie bereits an einigen anderen Stellen geschrieben ist auch hier wieder einmal eine Katastrophe

    Andersrum war zwar die Plackerei über "unsere" Kante ätzend, gleichzeitig haben wir dadurch natürlich einen Hauch mehr Abenteuer abbekommen Und nebenbei waren wir einmal mehr noch knappe zwei Stunden Gast bei einer unheimlich freundlichen Kosovarischen Familie. Hmmm, die Pie war soooo lecker!

    Kleine Anekdote am Rande: Vor diesem Urlaub habe ich sage und schreibe zwei (!!!!) halbe Tassen Kaffee in meinem Leben getrunken! Hier nun täglich... Der in dieser Familie dargebotene Kaffee schmeckte irgendwie komisch, eklig bitter!?
    Ich machte erst einmal gute Miene und fragte Susi, was ich denn machen sollte? Ich wollte mir natürlich nichts anmerken lassen, schließlich waren wir zu Gast!
    Der älteren Tochter fiel zum Glück direkt nach meinem ersten Schluck auf, dass etwas nicht stimme! Jo! Ich habe Salz anstelle Zucker in meinem Tässchen gehabt Ihr war es unheimlich peinlich. Der Rest der Familie aber lachte gemeinsam mit uns über diesen Fauxpas!


    neugieriges Rindviech


    da müssen wir hoch!


    Der Blick zurück


    hier werden die Dimensionen schon deutlicher!

    Auf jeden Fall eine ordentliche Plackerei.... Aber es hat sich gelohnt!


    Liqenat i Gjeravices[/I]


    <3



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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #33
    Ja, toll, da schaut man mal 4 Wochen nicht rein und dann gibts gleich jede Menge nettes zu lesen und zu schauen

    Mal ne Frage zum Geld. Wie habt ihr denn das mit dem Umtausch für Albanien geregelt? In den Bergen gibts doch sicher keine Wechselstuben?

  14. Alter Hase
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    Wandern in den Verwunschenen Bergen

    #34
    ist doch schön, wenn man mal wieder rein schaut und ne Menge neues steht

    Wir haben in Montenegro gefragt und als Antwort "mit Euro zahlen erhalten"! Hat auch funktioniert

    Wir haben dann in LEK unser Wechselgeld erhalten und gut is. Die paar Münzen wiederum haben wir am Valbona Pass ausgegeben (da gibts auf beiden Seiten des Passes irre Bars, kommt aber noch)


    gesendet vom Schmatfon

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  15. Alter Hase
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #35
    18.07.2014 Liqenat i Madh – Gjeravica – kurz vor Balqin

    Während ich des Nachts mal raus muss, freue ich mich wie ein kleines Kind. Sternenklare Nacht! Als dann um sechs der Wecker klingelt herrscht Ernüchterung…grau in grau, von den Bergen um uns herum ist weit und breit nichts zu sehen. Ich drehe mich noch einmal um, vielleicht geschieht ja noch ein Wunder. Um kurz nach sieben halten wir Kriegsrat. Susi kommt auf jeden Fall nicht mit, und ich hadere mit mir selbst, trotz der bescheidenen Wetteraussichten einfach los zu laufen. Wär ja gelacht, wenn Schottlands Berge die einzigen wären, die ich ohne Aussicht erklimme.
    Letztendlich siegt der der Titel „höchsten Berg des Kosovo“ über Schweinehund und Vernunft Schnell nen Brot eingeschoben, Gipfelsackerl gepackt und schon bin ich on Tour! Ich folge dem roten Punkt auf weißem Grund über den Bergrücken rüber ins Gjeravica Tal. Die Sicht enttäuscht weiterhin…


    Blick zurück zum Zelt


    Und über den Grat


    Das Gjeravica Tal

    Nach den letzten großen Bouldern geht es über hohes Gras und Kleinststräucher. Da ich in der Ferne nichts sehe, laufe ich praktischerweise dem eingezeichneten Weg auf der OSM Karte auf meinem Garmin nach. Praktischerweise verfügt die OSM Karte für den Kosovo über den Weg zum Gipfel! Bei schönem Wetter bräuchte man das aber definitiv nicht. Die letzten 30m hoch geht es noch einmal über ein wenig Blockhalde. Die Hände brauche ich nicht.

    Yeah, nach gerade einmal 58 Minuten stehe ich auf auf 2656m auf dem höchsten Berg des Kosovo (und gleichzeitig dem höchsten Punkt der gesamten Region). Wär ich doch nur gestern Abend noch los, ärgerlich. Ich fotografiere ins Nirgendwo, drehe ein kurzes Filmchen und sammel den Geocache ein, der hier liegt. Die sonst obligatorische „Gipfelcaraza“ verschiebe ich aufs Camp, möchte sie gemeinsam mit Susi essen.
    Zum ersten Mal in meinem Leben stehe ich auf dem höchsten Berg eines Landes. Ick fühl ma geil


    Der Gipfelpilz


    HIT


    auf dem Weg zurück erfreue ich mich noch kurz an der lokalen Fauna

    Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Weg, nur zum Ende, zurück im Starttal laufe ich querfeldein und spare mir noch ein paar Minuten. 47 Minuten! Da ich mich von weiter oben bemerkbar gemacht habe, wartet bereits ein Topf warmen Tees auf mich. Perfekt, wandern mit „Boxencrew“
    Nachdem ich mit dem schwärmen fertig bin und wir gemächlich zusammen gepackt haben, brechen wir kurz vor Mittag auf. Bis zu unserem geplanten Tagesziel Balqin haben wir noch einige Kilometer vor uns…
    Unser Rückweg Richtung Doberdol erfolgt über den von Susi entdeckten Weg. Wären wir gestern Abend auf ihm gekommen, hätten wir noch locker den Gjeravica angehen können.
    Zu unserer weiteren Freude zieht der Himmel frei und die Sonne scheint mit uns um die Wette. Einzig der Gipfel des Gjeravica will sich uns (noch) nicht zeigen. Das nächste Tal ist ebenfalls traumhaft schön und wir schießen viele Fotos! Den Gjeravica sollte man, sofern man genügend Zeit für den POB hat auf jeden Fall in die Tour mit einbauen!


    imposanter Berg, mit interessanter kurzer Nordwand


    Und dann zeigt sich endlich mein Gipfel.

    Über den Bergrücken, der sich als Pass links von dem unseren gewählten entpuppt kommen wir wieder ins Doberdol Tal. Zuvor gibts aber noch eine verdiente Brotzeit in einer alten Hirtenruine direkt am Pass. Die Sonne strahlt weiter mit uns um die Wette! Eine Ziegenherde stürmt den Hang hinauf und vernichtet alles, was ihr vor die Kauleisten kommt! Unsere Auslöser stehen wieder einmal nicht still.


    Nix für Vegetarier!




    Überfall!!!



    Da mir die Schnürung meiner Stiefel schon seit Tagen auf den Spann drückt und es anfängt merklich unangenehm zu werden, wechsel ich wieder von Wanderstiefeln auf meine Laufschuhe. Eine Wohltat! Die nächsten drei Tage werde ich in ihnen laufen. Für die nächste Tour sind Sie gesetzt! Der Weg ist breit und ausgetreten bis wir die planierte Piste erreichen und ab dort dann sowieso
    In Doberdol werden wir von dem gleichen kleinen Mädchen von gestern mit heller lauter Stimme begrüßt: „whats your name?“ „how are you?“ „i’m Blabla“
    Am Ende des Dorfes laufen wir durch ein Holztor am „Hotel“, zumindest wird uns die fensterlose Blechhütte von einem jungen Albaner in neonorangen „alles Atze“ T-Shirt so angepriesen.
    Wie die Briten uns bereits angekündigt haben, ist der albanische Teil des Trail vorzüglich markiert. Kurz gehts auf einer Fahrstraße weiter, die sich schon bald verengt und einem Pferdetreck wird. Zumindest liegen hier unheimlich viele Pferdeäppel rum Auf jeden Fall ein schmaler Wanderweg. Während der Fluss zu unserer linken abfällt, bleiben wir den Rest des Tages beinahe auf Höhe.
    An der verfallenen Hütte der alten Grenzpolizei rasten wir kurz. Passend dazu beginnt es zu regnen…. Unnötigerweise haben wir unsere Regenklamotten angezogen, so schnell wie der Regen kam, war er auch schon wieder weg!
    Es folgt ein malerischer alter Buchenhain. Hier und da ist man allerdings schon mit der Kettensäge angerückt

    Susi ist warum auch immer, ganz schön fertig. Schleppt sich hinter mir her. Einen Kilometer vor Balqin erreichen wir eine toll gelegene Wiese! Mit Blick auf das Dreiländereck baue ich das Zelt auf und hole Wasser. Der bedrohlich wirkende Himmel schickt uns zum Glück nur ein paar wenige Tropfen herunter. Eh wir das Abendessen aufsetzen saufen wir zwei Töpfe Thymiantee (und einen danach ) und lassen den Abend entspannt ausklingen!



    13,2km davon 5,9 Gjeravica Höhenmeter 551hm davon 518hm Gjeravica



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    Geändert von codenascher (29.06.2015 um 18:45 Uhr)

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

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  16. Erfahren
    Avatar von Schmetterling
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    #36
    Noch ein kleiner Bildnachtrag...


    Das lang gestreckte Gebäude links ist das hiesige Hotel


    Eine alte Zollstation


  17. Erfahren
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #37
    19.7.14 Balquin – Valbona
    23,5 km; 351 hm



    Der kurze Tag gestern hat gut getan und ich wachte mit frisch geladenen Batterien wieder auf. Keine Ahnung, was da los gewesen war, manchmal sind die Batterien eben alle. Die Aussicht war wie gestern Abend schon gigantisch. Da wir bis Valbona kommen wollten (was anderthalb Tagesetappen entsprach), stellten wir den Wecker auf 6 Uhr und beeilten uns mit dem Losgehen. Heute konnte ich den angenehm zu laufenden Weg richtig genießen. Im Nu waren wir in Balquin, wo wir gleich beim ersten Haus eingeladen wurden. Da es noch so schön früh am Tag war und wir nicht mit langer Wegsuche rechneten, nahmen wir die Einladung an und wurden fürstlich bewirtet mit Kaffee, Süßigkeiten und sogar einem Schnaps. Letzteren schlug ich aus, Sven nahm natürlich an


    Unser Gastgeber

    Beim Weitergehen begleitete uns der Hauswirt bis zur Dorfgrenze. Als er außer Sicht war, mussten wir erstmal kurz verschnaufen, da er einen ordentlichen Schritt vorgelegt hatte und Sven den kleinen Schnaps doch ganz gut merkte. Auf einem angenehmen Waldweg ging es durch sehr trockene Kiefernwälder. Nach einem leichten Anstieg gelangten wir auf den Kamm, der noch im Nebel lag. Hier würden wir wieder ein Stück durch Montenegro laufen, der Übertritt wurde durch eine alte Grenzpyramide gekennzeichnet. Diese markierten in alten Zeiten die Grenze nach Jugoslawien und sind heute noch als Reste erkennbar.


    Alte Grenzpyramide

    Hier trafen wir auch wieder einen Trupp junger Wanderer, die ein Teilstück des PoB in die Gegenrichtung laufen wollten. Albanien scheint eindeutig die beste Werbung für den Weg zu machen. Im Schlepptau hatte die Truppe einen netten Hund, der ihnen seit der ersten Etappe und einem Stückchen Brot treu ist. So einen Wegbegleiter auf Zeit hätten wir auch gerne! Stattdessen freuten wir uns eben an dem weiterhin hervorragend gut zu laufenden und zu findenden Weg. Wir spazierten durch angenehm kühle Wälder, es ging tendenziell bergab. Ehe wir uns versahen, waren wir wieder in Albanien. Auch hier zeigte eine zerfallene Pyramide die Grenze an. In der Ferne leuchteten mächtige weiße Felsen herüber und gaben uns einen Ausblick auf die folgenden Tagesetappen.
    Wir bogen ein auf einen Fahrweg und konnten nun ordentlich Tempo vorlegen. An einer kleinen Hütte saßen ein paar Männer, die uns gegen Geld nach Valbona fahren würden – ganze 50 Euro für 25 Kilometer! So schlecht konnte die Straße nach unten gar nicht sein, als dass dieser Preis gerechtfertigt sein könnte. Wir lehnten dankend ab und stiegen auf einem kleinen Trampelpfad nach Cerem ab. Es ging durch ungemähte Wiesen, sehr idyllisch.


    Abstieg nach Cerem


    Das wird uns in den nächsten Tagen erwarten

    Allerdings machte sich die niedrigere Höhe deutlich bemerkbar und uns rann der Schweiß in Strömen über die Stirn. Endlich war der mühsame Abstieg geschafft und wir standen im Tal. Einst war Cerem ein ganzjährig bewohntes Dorf, inzwischen sind nur noch im Sommer Hirten anzutreffen. Dementsprechend verfallen waren viele Häuser.


    Cerem



    Wir konnten das Idyll kaum recht genießen, denn es war einfach nur drückend heiß. Dazu die Aussicht auf 7 km Forstweg, nicht sehr verlockend. Aber wir waren optimistisch und hofften auf eine Mitfahrt. Doch zunächst erspähten wir zu unserem Entzücken eine Frau mit einer gut gefüllten Plastiktüte. Da hinten musste ein Kiosk sein! Tatsächlich fanden wir eine kleine Hütte mit allem, was unser ausgetrocknetes Wanderherz begehrte: gekühlte Getränkedosen! An den Tischen vor der Hütte versüßten wir damit unser Mittagessen. Auch eine Packung Nudeln erstanden wir. Selbst Gas hätte es gegeben.


    Das Paradies!

    Frisch gestärkt machten wir uns an den weiteren Abstieg. Da Sven Probleme mit seinen Füßen hatte und daher in Turnschuhen lief, entschieden wir uns gegen den kurzen steilen Weg und für den längeren gemütlichen Forstweg. Die Hitze machte uns ziemlich zu schaffen und drückte auf die Motivation. Wir versuchten uns mit dem Blick auf die umliegenden Berge abzulenken. Die waren einiges schroffer und höher als die der letzten Tage. Helles Kalkgestein, das Hitze und Trockenheit förmlich ausstrahlte.


    Ausblick auf Valbona

    Irgendwie ging der Forstweg auch vorbei und schließlich gelangten wir auf die Straße nach Valbona. Auf dem Asphalt schlug die Hitze erst richtig zu und wir schleppten uns förmlich dahin. Es war erstaunlich wenig Verkehr und ich sah uns schon den ganzen Weg laufen. Aber das Glück war uns hold und schon die ersten Autos hielten bei unserem Winken an. Es war ein Student, der ein paar Gäste zu einem Hotel begleitete. Das Valbona-Tal war ein kleiner Zivilisationsschock für uns: lang gestreckt bestand es nur aus Hotels und Pensionen, die sich insgesamt über 6 km zogen. Laut Tourbeschreibung sollten wir im hintersten Hotel nächtigen, um am nächsten Morgen gleich von dort aus starten zu können. Das letzte Stück ließen wir uns noch mit einem billigen Taxi fahren. Dort der große Schock: das Hotel sei komplett ausgebucht, ebenso wie alle anderen Hotels im Tal. Das Wochenende stand vor der Tür. Bedröppelt traten wir den Rückzug an und machten uns auf dem Weg, ein Zimmer zu finden. Zum Campen hatte ich definitiv keine Lust, ich hatte mich schon zu sehr auf ein Zimmerchen mit Dusche gefreut. Nach wenigen Kilometern landeten wir wieder bei dem Hotel, wo uns unsere Fahrtgelegenheit abgesetzt hatte. Auch dort war alles voll, aber einer der Angestellten organisierte uns ein Zimmer bei einer Familie. Frühstück würden wir im Hotel bekommen. Na gut, besser als Zelten.
    Das Zimmer entpuppte sich als das elterliche Schlafzimmer. In den Sommermonaten scheinen die Familien so viele Zimmer wie möglich zu vermieten. Wir genossen die heiße Dusche, wobei das ganze Bad unter Wasser gesetzt wurde – einen Vorhang gab es nicht. Deswegen bekam man auch Schlappen, um ins Bad reinzugehen. Nach einer Reinigungs- und Waschorgie liefen wir ein paar Meter ins nächste Restaurant und ließen es uns richtig gut gehen. Für schlappe 16 Euro (für beide) schlemmten wir und spülten das herrliche Essen mit viel Wein, Bier und Schnäpse hinunter.


  18. Alter Hase
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    #38
    Und noch ein kleiner Bildernachtrag von mir. Den nächtsten Reiseberichtstag gibt es allerdings erst nächste Woche....



    Stau im Wald


    puuuh, ein Schnäppschen am Morgen.... Mach ganz schön fertig

    Wie Susi schon schrieb, hat mir der kleene janz schön zu schaffen gemacht. Unser Gastgeber hat uns ja freundlicherweise zum Dorfende und zugleich zu ihrer Quelle gebracht, dort hab ich erst einmal ordentlich Wasser getankt und mir ordentlich das Gesicht gewaschen.


    Unser Gastgeber und seine Kumpels


    Hinter Çeremi

    Çeremi ist echt ein Jammer... Neben vielen verfallenen Gebäuden aus alter Zeit stehen plötzlich wieder neue Bauten, umringt von hohen Mauern! Wir vermuten auch hier wieder Familienangehörige im Ausland.
    Der beschriebene Shop ist echt ein Traum, kalte Getränke zu dieser Jahreszeit sind schon echt ein Luxus




    Der erste Hoxha-Pilz den wir auf dieser Tour sehen!

    Die Bunker in Albanien entstanden zwischen 1972 und 1984 unter der Herrschaft von Enver Hoxha im kommunistischen Albanien zu hunderttausenden. Die Bunker sollten der Verteidigung des Landes im Falle einer Invasion durch ausländische Truppen dienen. Die überall sichtbaren runden und an Pilze erinnernden Pillbox-Bunker waren zusammen mit anderen Bunkerbauten die bedeutendste militärische Anlage, die während des kommunistischen Regimes in Albanien gebaut wurde. Während der 1980er und 1990er Jahre prägten sie vielerorts das Landschaftsbild und sind auch heute noch häufig zu sehen.
    Oh ja, wir haben bestimmt 50 Stück gesehen, die meisten noch echt gut intakt.


    neu gebaute Straße in Valbona


    Verfall?


    und noch einer





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    Geändert von codenascher (29.06.2015 um 18:51 Uhr)

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  19. Erfahren
    Avatar von ZachX
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    #39
    Schöner Bericht und wundervolle Bilder

    Aber das Essen reicht doch gerade mal für eine Person

    [/QUOTE]

  20. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    #40
    Zitat Zitat von codenascher Beitrag anzeigen

    Verfall?
    Valbona war schon unter E. Hodscha ein Ferienort mit eben diesem Ferienheim für die Nomenklatura. Es wurde von der Bevölkerung während des Lottoaufstands 1997 gestürmt und geplündert.
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

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