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  1. Dauerbesucher
    Avatar von boulderite
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    AW: [ISR] Yam leYam und Golan-Trail in Israel, März 2014

    #21
    Mitreisende: theslayer
    Wow, ein wirklich interessanter Bericht. Auf die Idee, in Israel wandern zu gehen wäre ich nie gekommen, aber das überdenke ich nun noch mal. Schön, das hebt sich sehr von den vielen Skandinavien-Berichten ab. Danke!

  2. Dauerbesucher

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    AW: [ISR] Yam leYam und Golan-Trail in Israel, März 2014

    #22
    Sonntag 30.3. Alonei Habashan -> Daliot Camping ~18km

    Die Rechnung folgt auf dem Fuße. Um 3 Uhr werde ich wach... *platt - platt - platt* schlägt der Regen aufs Zeltdach. Hmm, erstmal abtasten, Schlafsack trocken? - Yo!... *denkpause* Rucksack im Außenzelt trocken? - Yo so einigermaßen! *denkpause* Wie spät ist es eigentlich? - 3:10 Uhr laut Handy... *Denkpause* Na, dann kann ich ja weiterschlafen... *denkpause*
    VERDAMMT, die Schuhe sind draußen noch aufm Baum!!!

    Wie ein geölter Blitz schieße ich aus dem Zelt und rette die Schuhe, auf die ich keine Lust im Innenzelt hatte, vom Baum runter. Jetzt habe ich den Mief doch noch im Innenzelt, na toll!

    Als ich um 8 aufstehe ist immer noch alles Grau in Grau, und voll mit tiefhängenden Wolken.


    Großer Unterschied zu gestern.

    Beide Trail Angels sind schon zur Arbeit gegangen, und so mache ich mich langsam ans zusammenpacken und breche dann gegen 9 Uhr auf. Die ersten 2km führen weiter die Landstraße entlang. Kaum habe ich das Örtchen verlassen, tröpfelt es schon wieder und keine 2min steh ich im strömenden Regen. Schnell reiße ich die Regenjacke aus dem Rucksack (wenigstens habe ich die jetzt nicht die ganze Zeit umsonst mitgeschleppt! ) und ziehe die Regenhülle über den Rucksack!


    Nass, kalt, igitt! Fernsicht gleich 0.

    Nach den 2km biegt man nach Osten auf einen Feldweg ab. Hier ist es wirklich richtig matschig, der Regen kommt eher horizontal. Die Hose ist bereits komplett durchnässt, aber die Regenjacke schlägt sich tapfer. Dann komme ich irgendwie an ein paar Bäumen vorbei, und bevor ich weiß was Sache ist, hört man ein schönes *ratsch* und in der Deuter-Regenhülle ist ein ca. 20cm langer Riss. Ich fluche bitterböse, das ist das erste mal das die Regenhülle in Benutzung ist und sie hat nicht einmal eine halbe Stunde überlebt. Zudem war der Rucksack nicht rappelvoll, die Hülle also nicht auf Zugbelastung gespannt und bei der Kontrolle der 2 Äste, die vermutlich die Übeltäter waren finde ich nicht mal Dornen. Hätte ja nicht gedacht, dass die so empfindlich ist und werde mal schauen was der Deuter-Service dazu sagt.

    Wenigstens ist der Riss am Unteren Drittel, da kann ein wenig Wasser eindringen ohne den Rucksack zu fluten. Weiter geht es über den Weg, welcher leider extrem matschig geworden ist. Ich finde überhaupt keine "Traktion" mehr auf dem Boden und bin nur froh, dass der Weg relativ ebenmäßig verläuft. Die Schuhe gewinnen auch je ca. 1kg Matsch-Ballast und so wird das laufen doch zur Tortur.



    Doch nach ca. 2 Stunden klart der Himmel ein wenig auf, der Regen hört auf und es geht um einiges gemütlicher voran. Da ich jetzt auch noch vom Feldweg abbiege und durch wunderschöne Blumenwiesen laufe hilft zwar nicht der Hose beim Trocknen, bietet aber eindeutig mehr fürs Auge.

    Zur Mittagszeit erreiche ich die Ruinen des verlassenen, ehemals syrischen, Dorfes "Faradge". Kurz streife ich durch die Gebäude, betrachte die Ruinen der Moschee und schaue mir die anderen eingestürzten Gebäude an.









    Ein paar Kekse später ziehe ich auch endlich den Pulli aus und weiter geht's.



    Zwischenzeitlich liegt die Wegführung auf einem Art Damm, welcher durch die Landschaft läuft. Da aber alles noch recht nass ist und der Weg auf dem Damm von Steinen und Schrägen übersät, laufe ich doch lieber direkt neben dem Damm.



    Heute hat man kein beeindruckendes Fernpanorama, sieht dafür aber die tollsten Blumen und auch einiges an Tieren. Sehr zahlreich kommen schwarz-orangene Raupen in den Wiesen vor, deutlich seltener sieht man ein paar Gazellen durchs hohe Gras streifen. Diese sind aber so was von flink und scheu, bevor der Gedanke "Ich könnte jetzt die Kamera auspacken" das Gehirn erreicht hat, sind sie bereits davon gesprungen.


    Deswegen als Fotobeweis nur die Raupen.





    Auf einer Wiese verliere ich den Weg, da aber keine Minenwarnschilder angebracht sind, quere ich das Feld einfach so. In der Mitte läuft nur leider ein kleines Bächlein durch, und natürlich schaffe ich es reinzufallen. Jetzt war die Hose grade trocken und schon geht es mit einem nassen Schuh und Hosenbein weiter. Da es jetzt durchs hohe Gras geht, welches mit recht vielen verdeckten Steinen gefüllt ist, kommen jetzt auch wieder die Stöcke zum Einsatz. Zahlreiche Wegmarkierungen sind vom hohen Frühlingsgras ein wenig verdeckt aber mit ein bisschen schauen findet man den Weg schon!


    Hier hätte ich mich nicht verlaufen dürfen.


    An vielen Stellen geht es auf breiten Wegen gut voran.

    Dann kommt auch das Daliot Wasserreservoir in den Blick, da kann der Campingplatz nicht fern sein.


    Das Daliot-Reservoir


    Piekst schön!


    Auf dem Rand des Sees geht es weiter.


    Das Waldstück wo der Campingplatz drin liegt.

    Man umrundet auf dem Trail das Reservoir und kommt dann ein bisschen Abseits zu einem Waldstück mit Picknickbänken, Parkplatz und einigen Freiflächen zum Zeltaufstellen.

    Schnell den Rucksack hingepfeffert und dann geht es an den Zeltaufbau. Als ich ankomme ist es richtig windig und so beschließe ich das Zelt in einen der aufgebauten Steinkreise reinzusetzen um doch ein wenig Windschutz zu haben. Auch wenn dies zu Lasten der Eingangstüren geht, welche ein wenig eingedrückt werden, funktioniert der Aufbau einwandfrei.





    Ein einsamer Jeep steht noch im Parkplatzgelände und so gehe ich doch mal kurz hallo sagen, als zwei junge Männer zurück zu ihrem Wagen kommen. Ich rede kurz mit ihnen und freu mich zu hören, dass der Wind bald nachlassen soll und kein weiterer Regen zu erwarten ist. Sie fragen (wie so viele andere Israelis auf dem Trail) mich gleich nach meinen Wasservorräten. Als ich erwidere, dass ein Liter mehr nicht schaden könnte, zeigt er auf den 20L Kanister auf der Rückseite des Jeeps und ich darf mich bedienen. Sehr zuvorkommend!

    Alle Klamotten habe ich mal zum Trocknen ausgelegt, auch der Schlafsack darf mal endlich richtig auslüften!


    Alles wird getrocknet.


    Der Wassereinbruch und Regen hat heute Spuren hinterlassen.

    Abends gibt es dann die doppelte Portion Kartoffelsnack (ich schleppe zwar Nudeln und Couscous mit mir rum, habe aber keine Lust darauf und vernichte damit jeden Abend nur die leichtesten Sachen in meinem Essensvorrat - so was von taktisch unklug ), viel Tee und sogar eine Orange, die ich seit Tel-Aviv mit mir rumschleppe.


    Abendstimmung am Daliot Camping.

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    AW: [ISR] Yam leYam und Golan-Trail in Israel, März 2014

    #23
    Vielen Dank für den Bericht.

    Ich habe auch schon darüber nachgedacht in Israel zu wandern und bin für detaillierte Reiseberichte dort sehr dankbar!

  4. Dauerbesucher

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    AW: [ISR] Yam leYam und Golan-Trail in Israel, März 2014

    #24
    Der letzte "Full-Time-Wandertag" in diesem Bericht...

    Montag 31.3. Daliot Camping -> Giv'at Yoav ~20km

    Nachts hört der Wind schnell auf und obwohl ich allein auf dem Campingplatz bin, schlafe ich super. Heute soll mein letzter Trekking-Tag sein, da ich am 1.4. mit einem Freund in Tel Aviv verabredet bin und laut den Berichten die letzten 25km auch nicht so wahnsinnig spannend sind (von schönen Ausblicken über den See Genezareth mal abgesehen).

    Da es auch nicht so weit gehen soll, kann ich erstmal gemütlich bis 8 Uhr ausschlafen, dann wird alles zusammengepackt und um 9 Uhr bin ich abmarschbereit. Die ersten Teile des Weges verlaufen durch Militärtrainingsgelände, genau wie große Teile des gestrigen Tages (das habe ich aber erst erfahren, nachdem es mir meine 2 Wasserspender am Abend erzählt haben).
    Da es aber nur 3-4km sind, entscheide ich mich, dieses Gebiet einfach schnell zu durchqueren, danach soll es in einen schönen Bachlauf gehen. Teilweise läuft man auf dem Weg in den Spuren, welche Panzerketten in die feuchte Erde gedrückt haben.






    Mehr Disteln


    Sogar mit Balanceeinlage, der Rucksack zieht aber zu stark für meine Schwebebalkeneinlage.


    Grün, grüner, am Grünsten!


    Wie der Reifen wohl dahin kam?

    Der Weg runter in die Schlucht, durch welcher der Bach läuft ist die ersten 8km doch recht anstrengend, da es auf schmalen Wegen an der Kante der Hänge entlangläuft. Vielerlei Disteln versüßen einem das Durchlaufen.


    Einstieg in die Schlucht.


    Da geht es heute runter!

    Zudem geht es doch manchmal recht steil bergab, meine Wanderstöcke leisten mir hier gute Dienste. Unten im Tal angekommen muss ich mich durch eine Engstelle voll mit Schilf kämpfen.



    In der letzten Sekunde, bevor er zu Schaschlik verarbeitet wird, entdecke ich das ein Flußkrebs/Krabbe auf dem Stein sitzt wo ich beinahe unachtsam meinen Trekkingstock hingebohrt hätte. So sehe ich also noch eine Tierart, nachdem ich es am Vormittag erneut nicht geschafft habe, eine Gruppe Gazellen zu fotografieren.



    Bald nach der Kletterstelle komme ich zu einer Brücke, die teilweise im Schatten liegt. Da es bereits halb 1 ist, entscheide ich mich für eine kurze Mittagspause im Schatten. Die Schuhe sind gerade ausgezogen, das Buch und die Kekse aus dem Rucksack gefischt, als plötzlich der Jeep vom Daliot-Parkplatz an mir vorbeiknattert und direkt neben der Brücke hält. Die zwei Israelis, welche mir gestern noch Wasser gegeben haben, grüßen freundlich und laden mich zum Frühstück/Mittagessen unten am Fluss ein. Diese nette Einladung kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so geselle ich mich zu ihnen, um ihnen bei der Zubereitung zu helfen.

    Es gibt Schakschuka, ein traditionelles Frühstücksgericht aus Tomaten, Auberginen, Paprika und garniert mit einem Spiegelei. Bedanken kann ich mich wenigstens, indem ich ihnen meine Gaskartusche schenke, die werde ich heute Abend nicht mehr brauchen und vor dem Rückflug hätte ich sie eh wegwerfen müssen.

    Natürlich erfahre ich allerlei über die zwei Israelis und es wird nett geschnackt und so sitze ich ca. 1std mit ihnen am Fluss. Dieser ist an dieser Stelle übrigens tief genug, dass man gut hätte drin Baden können, nach den 4 Tagen ohne Dusche wäre dies vielleicht auch empfehlenswert gewesen, jedoch weiß ich das mich heute Abend eine Dusche erwartet.

    Ich packe erst zusammen und gehe weiter, als ich merke wie die Gluthitze sich langsam in einen Sonnenbrand verwandelt. Die vorherigen Tage hatte man eigentlich immer eine angenehme Brise, welche über die Golanhöhen fegte, aber heute im Tal staut sich die Hitze ganz schön. Von der Brücke geht es links einen Weg hoch, dem man einige Kilometer folgt, bevor es einige Kilometer auf diesem Weg wieder ganz in die Tiefe der Schlucht geht. Dabei sind ca. 250Hm zu überbrücken und der Weg spendet überhaupt keinen Schatten. Schlechtes Timing, dass ich das jetzt bei Sonnenhöchststand absolviere. Man hat am Rand der Schlucht einen wunderschönen Blick über das Tal, teilweise sehen ein paar Hänge eher aus wie Alpenwiesen und dabei lässt der Ausblick schon ein wenig vom tiefer gelegenen See Genezareth durchscheinen und man erkennt im Dunst sogar die Stadt Tiberias, welche am gegenüberliegenden Ufer des Sees liegt und von wo ich morgen mit dem Bus nach Tel Aviv zurückfahren werde.


    Beim Abstieg


    Man sieht endlich den See Genezareth!

    In meiner Wegbeschreibung steht nun "jump into the stream because after that you will walk 40-60min uphill". Rein springen tu ich nicht, aber dafür wird das T-Shirt und die Kopfbedeckung nass gemacht.




    Beim Aufstieg: Sieht doch tatsächlich ein wenig aus wie Alpen oder?

    Vor dem Aufstieg treffe ich auf ein nettes Rentnerpärchen, welches ich an der Brücke bereits getroffen habe und welche deswegen eine Stunde Vorsprung hatten. Gemeinsam beschließen wir den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Da ihr Englisch recht gut ist, gibt es auch allerlei zu erzählen. Der Mann Ephraim erklärt mir, wie er den Yom Kippur Krieg als Fallschirmjäger auf dem Har Meron erlebt hat und den darauffolgenden Vorstoß nach Damaskus. Als er mir erzählt, wie sie vor dem Krieg im Training alles aus einem Hubschrauber nehmen mussten, was nicht festgenietet war und dann umständlich auf den nächsten Gipfel schleppen mussten, wird mir klar, wie dieser rüstige Mann mit 72 Jahren mir davon laufen kann. Der Umstand, dass ihre Tagesrucksäcke auch 12kg weniger wiegen als mein Trekkingrucksack spielt aber hoffentlich auch mit rein.

    Beide scheinen gerne und oft Wandern zu gehen, nicht umsonst ist Wandern eine Art "Nationalsport" der Israelis. Seine Frau Ahawa (hebräisch für Liebe) gibt dagegen eher den patenten Naturguide. Sie versucht mir allerlei Pflanzennamen beizubringen, erklärt mir welche Früchte essbar sind usw. Alle 3 von uns bleiben öfters stehen um die tolle Landschaft um uns herum zu fotografieren.


    Ahawa und Ephraim




    Fast fertig für heute!

    Nach ca. 45 Minuten entspannten Wanderns erreichen wir die "Road 789" auf der sie gen Norden laufen wollen um zur Busstation zu kommen und auf derer ich nach Süden zum Örtchen "Giv'at Yoav" laufen werde. Schnell noch ein Foto von ihnen, und eins von mir (endlich ein Foto, für das ich mir keinen Stein als Stativ suchen muss ) und dann trennen sich unsere Wege.

    Bis zu diesem Punkt bin ich bereits 15km gelaufen, es geht auf 15:30 Uhr zu und so beschließe ich, tatsächlich auf der Landstraße zur Stadt zu laufen und nicht dem Trail weiter zu folgen, da dieser über Stock und Stein geht und nur um den Ort herumläuft. Laut GPS Karte gibt es zwar aus dem Westen noch einen eingezeichneten Weg in den Ort, jedoch steht in meiner Internetbeschreibung das dort einige Minenfelder noch sind und bevor ich nachher 3-4km zurücklaufen muss, nehme ich lieber die langweilige Landstraße. Leider verpasse ich dadurch einen tollen Aussichtspunkt, welcher den See Genezareth überblickt und bei Sonnenuntergang die phantastischsten Ausblicke bietet. Den habe ich aber schon letztes Jahr besucht, ich hoffe ihr akzeptiert also davon ein paar ältere Bilder






    Alle 3 Bilder vom letzten Jahr, man sieht aber wie toll dieser Aussichtspunkt bei Sonnenuntergang sein kann!

    Die Landstraße sind nochmal 6km, der Asphalt brennt noch mal richtig von unten und auch von Oben ist kein Schatten gegen die gleißende Sonne zu erwarten.


    Immer gradeaus..


    Wenigstens ist der Ausblick schön.

    Da aber das Ende meiner Tour in absehbarer Nähe ist, geht es doch recht zügig bergauf und nach 1,5 Std. habe ich den Ortseingang erreicht.


    Endlich das Ziel erreicht!

    Direkt am Ortseingang ist auch gleich ein Supermarkt, wo es meine Standesgemäße "Tour-Beendigungs-Belohnung" gibt: Noch ein Eis, noch ein Eistee. (Und ich sehe schon wieder so fertig aus, diesmal fühle ich mich aber deutlich besser )


    Same procedure as last time...

    Ich war letztes Jahr (allerdings mit dem Mietwagen) in Giv'at Yoav und habe da ein tolles "Hostel" entdeckt und habe beschlossen dort dieses Jahr meine Tour ausklingen zu lassen.


    Komisch, mein Zelt ist über Nacht doch etwas gewachsen...


    Und die Inneneinrichtung ist auch ein wenig luxuriöser.

    In 20 Minuten streife ich durch den Ort und erreiche dann das "Hostel". Hostel in Anführungszeichen, da es "Ghengis Khan in the Golan" heißt und von dem Besitzerehepaar 10 mongolische Jurten aufgebaut wurden, komplett mit Aircon/Heizung, Teppichen und Schaumstoffmatratzen. Jede Jurte hat Platz für 3-8 Gäste und neben jeder Jurte steht ein eigenes Dusch-/WC-Häuschen. Zudem gibt es eine große Gemeinschaftsküche, viele Sitzgelegenheiten und tolle Blumen im Garten. Mit 100 Shekel pro Nacht (ca. 20€) ist es auch gut bezahlbar und damit kann ich das Zelt heute Abend im Packsack lassen.



    Ankunft bei den Jurten.


    Ich gebe es zu, ein wenig Stolz schwingt mit!

    Exakt wie letztes Jahr bin ich die einzige Person für die Nacht, hab also eine Jurte ganz für mich alleine. Nach einer tollen Dusche, welche aber gehörig auf dem heute erarbeiteten Sonnenbrand knallt gibt es eine Riesenportion Nudeln mit Tomaten-Thunfischsoße. In Autoreifen im Garten gibt es einen kleinen Kräutergarten voll leckerer Minze und allerlei anderen Kräutern und damit werden die Nudeln zu einem vollen Erfolg.


    Ordentlicher Sonnenbrand...


    Der "Kräutergarten"








    Blumen im Garten...

    Während ich die Wanderung Revue passieren lasse, falle ich auch schon gegen 22 Uhr todmüde auf die Matratze.

  5. Fuchs

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    [ISR] Yam leYam und Golan-Trail in Israel, März 2014

    #25
    Ei, welch feiner Bericht aus einer mir sehr fremden Welt. Ich bekomme gerade große Lust Land und Leute dort zu besuchen. Ganz toll geschrieben und welch angenehme Abwechselung zu den Skandi Trips.
    bear shit - sounds like bells & smells like pepper

  6. Dauerbesucher

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    AW: [ISR] Yam leYam und Golan-Trail in Israel, März 2014

    #26
    Dienstag, 1.4. Giv'at Yoav -> Tel Aviv

    In der Früh hat mich der Hostelbesitzer dankenswerterweise zur Bushaltestelle am Ortseingang gefahren. Sein Rat "Der Bus kommt eh erst in einer halben Stunde, fahr halt per Anhalter".

    Gesagt getan und so bin ich nach ca. 8 Minuten total verdattert als eine brandneue Mercedes E-Klasse neben mir anhält und anbietet mich mitzunehmen. Auch will er, dass ich meinen Rucksack nicht in den Kofferraum sondern auf die Rücksitzbank werfe, angesichts des blütenweißen Lederbezugs eine gewagte Äußerung des Fahrers. Ich bin ehrlich, hätte ich so ein Auto, ich hätte keinen schlammigen, dreckigen Anhalter mitgenommen aber auch das ist Israel. In Serpentinen geht es daraufhin im Affenzahn (ca. 170 statt erlaubter 90km/h) den Hang hinunter und einmal um den See nach Tiberias. Ich nutze die 20 Minuten Fahrt, um noch ein paar letzte Blicke auf die Golanhöhen zu erheischen, bevor es mit dem Bus zurück nach Tel Aviv geht.

    Die letzten 4,5 Tage gibt es dann das heilsame Konzept namens Strand, Falafel, Humus um richtig Kraft zu tanken bevor die Uni wieder anfängt und auch für einen Kurzbesuch bei einem Freund in Jerusalem ist noch genug Zeit.

    Hier noch ein paar Impressionen:


    Strand Tel-Aviv mit Blick auf Jaffa


    Endlich ein wenig entspannen!


    Ausblick von der Universität in Jerusalem auf Westbank


    Ausblick 2


    Mehane-Yehuda Markt in Jerusalem. Ähnlich wie der Carmel-Markt in Tel-Aviv sicherlich DIE Quelle um Essen vorm Trip zu kaufen


    Brücke Jerusalem


    Letzter Abend in Tel Aviv (und ich will schon wieder hin )

  7. Dauerbesucher

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    AW: [ISR] Yam leYam und Golan-Trail in Israel, März 2014

    #27
    Abschließende Betrachtungen

    Abschließend möchte ich noch was zu den beiden Trails sagen:
    Sollte jemand Interesse haben, diese Trails zu laufen, könnt ihr euch gerne bei mir melden, ich habe sowohl einige GPX-Tracks für die Strecke, wie auch eine 14-seitige, detaillierte Wegbeschreibung, die ich mir auf englischen Seiten zusammengesucht habe und die sicherlich bei der Wanderung hilft.

    Zum Personenaufkommen: Wie ihr ja lesen konntet war es bei mir einigermaßen leer, der einzige Stau wurde vom Schul-Wandertag verursacht . Natürlich ist es keine Wanderung in Skandinavien, wo man tage- wenn nicht gar wochenlang alleine, fernab der Zivilisation unterwegs ist. Man kreuzt min. einmal täglich eine Straße und es gibt einige Dörfer und Städte in Nähe des Trails. Andererseits kann man so auch Proviant aufstocken und ist bei Verletzungen schnell in Reichweite möglicher Hilfe.
    Alle wanderbegeisterten Israelis, welche ich getroffen habe waren unglaublich hilfreich, an einem interessiert und sprachen zumeist recht gut Englisch (außer die Ultraorthodoxen, bei denen kann man es aber auch mit Deutsch versuchen, welches ja einige Überschneidungen mit dem Jiddischen hat ).

    Was sicherlich die meisten Wanderer stören wird ist der Müll, der rumliegt. Nicht überall, aber besonders in Zivilisationsnähe und auf den großen Picknickplätzen merkt man, dass es einfach keinerlei Bewusstsein dafür gibt, den Müll wieder mitzunehmen oder gar in die Vielfach aufgestellten Müllcontainer zu packen. Das schmälert ein wenig das Naturgefühl aber kommt nur an einigen Stellen vor, dort aber umso heftiger.

    Als ich da war, waren die Campingplätze immer komplett leer, man sah zwar ein paar Tagesausflügler, hatte aber nachts den Platz für sich allein. Hat natürlich seine Vorteile, jedoch auch seine Nachteile. Wenn man nicht allein unterwegs ist, macht das sicherlich wenig Unterschied.

    Beim ersten Trail hangelte man sich doch ein wenig von Wasserquelle zu Wasserquelle. Da die Flüsse durch zahlreiche Kühe kontaminiert sind, wäre es eine gute Idee einen Wasserfilter mitzunehmen, ansonsten muss man wie ich es gemacht habe, Umwege in Kauf nehmen um den Wasservorrat aufzufüllen.

    Fasziniert war ich von der Pflanzen- und Tierwelt. Wo letzten Oktober die gesamten Golanhöhen verdorrt und vertrocknet aussahen, sprießte es jetzt überall, man lief die gesamte Zeit durch Blumenwiesen und sah allerlei Tiere. Das bestätigt mich darin, den Frühling als perfekte Zeit für diese beiden Trails zu bewerten, im Sommer wird es unerträglich heiß, im Herbst geht es aber man hat sicher nicht mehr die reichhaltige Pflanzenwelt und im Winter kann es auch gehen, wenn auch in den Bachbetten einiges mehr an Vorsicht aufgewendet werden muss.

    Eine Erklärung zu den Fotos: Ich habe ja einige Fotos zu verwaisten Militäranlagen gemacht. Dies ist von den Israelis nicht gern gesehen und kann an der Grenze zu intensiveren Befragungen führen. Diesmal ist es mir nicht passiert, aber letztes Mal hat man stichprobenartig meine Fotos angeschaut bei der Ausreise. Also, entweder nicht fotografieren, oder die Fotos anderweitig nach Hause mitnehmen, euch fällt schon was ein. Vermutlich kann man es auch einfach erklären und wird damit durchkommen, meine Ideen sind nur dahin orientiert, einer möglichen Befragung aus dem Weg zu gehen.
    Wenn man bei den Trailangels auf der Matte steht, sollte man vorher anrufen (ich habe es leider nicht getan) und speziell bei den religiösen Trailangels einen Gedanken an Shabbat verschwenden.

    Wie beschrieben hat mir der Golan-Trail deutlich besser gefallen, was nicht allein daran lag, dass ich dabei endlich mal was gegessen habe sondern weil auch das landschaftliche Panorama mir weitaus mehr zusagte. Vom Schwierigkeitsgrad würde ich den Yam leYam auch höher einschätzen, wobei beide nicht sonderlich schwer sind. Aber das sind natürlich rein subjektive Empfindungen.

    Zum Ende noch eine Anmerkung zu meiner Ausrüstung.

    Mein Zelt hätte es vermutlich nicht gebraucht, ein leichtes Tarp hätte gereicht. Ganz ohne Dach über dem Kopf würde ich aber nicht dorthin reisen, wie beschrieben kann es doch einige regenreiche Tage geben.
    Auch bin ich froh das ich meinen guten Daunenschlafsack mitgenommen habe, speziell in den Golanhöhen war es Nachts sicherlich 6-7° kalt, tagsüber angenehme 20-23°.

    Zum Spirituskocher ist ja bereits alles gesagt worden, kurzum: Vergesst es! Ich glaube aber fast, man könnte auch mit nem Hobo dort auskommen, wo ich überall war, gab es immer ein wenig Totholz, dann könnte man sich das Brennstoff-Schleppen sparen. Ob es überall erlaubt ist kann ich aber nicht sagen, keine Ahnung!

    Ich habe mir nicht die Landkarte (Nr. 2 für den Yam leYam und Nr. 1 für den Golantrail) gekauft, sondern bin mit meinen Zusammenfassungen aus dem Internet und GPX-Tracks auf dem Handy sehr gut gefahren. Speziell der Golantrail ist sehr gut beschildert, man schaut bloß 2 oder 3x täglich aufs Handy um sich zu vergewissern, dass die Abbiegung jetzt korrekt war. Auch gab es auf dem Golantrail zahlreiche Hinweistafeln welche den kommenden Wegabschnitt detailliert dargestellt haben.

    Die Wanderstöcke waren ein Segen auf beiden Trails, ich hätte es nicht ohne machen wollen, auch wenn es sicherlich gut möglich ist. Rückblickend hätte ich auch lieber Wanderschuhe gehabt, welche über den Knöchel gehen, um so das häufige Umknicken zu verhindern.

    Regenjacke ist ein Muss, Regenhose oder Gamaschen kann man meiner Meinung nach aber daheim lassen.

    Aufpassen mit Messern in Israel, da gibt es recht strenge Regelungen, wobei ich leider viele unterschiedliche Meinungen gefunden habe, was geht und was nicht. Ein Schweizer Taschenmesser sollte gehen, viel mehr würde ich aber nicht nehmen. Auch aufpassen das man Messer und Gaskartuschen etc. nicht mit in die Einkaufscenter nimmt, die haben vor jedem Laden einen Metalldetektor und das würde sicherlich zu langen Erklärungen führen.

    Die absolute Ausrüstungsenttäuschung war das Trek n' Eat Vollmilchpulver vom Globetrotter. Egal in welchem Verhältnis ich es angerührt habe, es hat einfach eklig geschmeckt. Dann doch lieber Müsli mit Wasser oder Tee und ich spar mir in Zukunft das Zusatzgewicht

    Der Rest hat ganz gut gepasst, und auch wenn die ganze Ausrüstung zu schwer war (am Anfang mit allem Essen ca. 15kg + Wasser), war es doch gut zu transportieren. Die nächsten paar Trails werden zeigen, wo ich noch ein wenig Ausrüstungsgewicht abspecken könnte!

    Aber es war jetzt keinesfalls so, dass ich mir auf der ersten Tour den Rücken gebrochen habe und einen unhebbaren Rucksack mitgenommen hätte.

    Das war es jetzt soweit erstmal von mir, ich hoffe euch hat der Bericht gefallen und ich würde mich über Anmerkungen oder Fragen sehr freuen.

    Grüße
    Daniel

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