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    [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #1
    Mitreisende: rockhopper
    [FR] Radtour 2010_Von Strasbourg nach Tulle (Limousin) Solotour 1_25.5 – 11.6. 2010

    Leider habe ich auf meiner ersten Radtour nur ein ganz schmales Roadbook geführt,
    und muss das Meiste aus der Erinnerung schreiben.

    Übersichtskarte

    Copyright: rockhopper

    Meine erste Solo-Radtour beginnt am 25. 5. mit der Zugfahrt im TGV von Stuttgart nach Strasbourg.
    In Strasbourg angekommen ist der Einstieg zum Radweg am Canal du Rhône au Rhin Richtung Saverne schwierig. Ich komme am Europa Parlament vorbei, von da aus ist es nicht mehr weit zum Kanal, das habe ich zuhause recherchiert. Ich mache 2 Fotos von dem beeindruckenden Gebäude.



    Dann verfahre ich mich. Als mir erste Zweifel kommen, ich bin bei einem Sportplatz Gelände gelandet, frage ich einen älteren Herrn auf dem Fahrrad der mir entgegenkommt. Er ist so nett und radelt mit mir einige Kilometer zurück und bringt mich direkt zum Canal. Das Wetter ist super und die Temperatur steigt über die 30° Grad Marke. In Hochfelden mache ich meine erste Kaffeepause. Weiter geht es gemütlich am Kanal entlang.



    An Saverne vorbei radle ich weiter zu meinem ersten Etappenziel, den Campingplatz Plan Incliné bei Lutzelburg. Ich zelebriere meinen ersten
    Zeltaufbau in der Öffentlichkeit, während die ersten Regentropfen fallen. Ich beeile mich und sehe zu, dass ich ins Zelt komme. Irgendwann kommt mein Nachbar vorbei, der mit seiner Frau, Hund und seinem Wohnmobil unterwegs ist. Er lädt mich für den nächsten Morgen zum Frühstück ein. Was kann mir besseres passieren, und das am ersten Reisetag. Am nächsten Morgen regnet es immer noch und ich bin froh bei meinen Nachbarn im trockenen zu frühstücken. Es wird ein netter Vormittag, wir unterhalten uns ausgiebig, und ich komme erst gegen Mittag los. Der Hund des "Hauses" mag mich nicht, er sieht mich als Eindringling und muss wegen mir draußen im Regen bleiben.



    Das Wetter schlägt um und es wird ziemlich trübe. Nach dem Campingplatz gibt es keinen Radweg mehr und ich arbeite mich eine ordentliche Steigung hoch und verfahre mich irgendwie über einige Dörfer. Jetzt regnet es wieder heftig und ich habe schon am 2. Tag meiner Tour keine
    Lust mehr auf Radfahren. Da sehe ich ein Gite étape Schild das mich dazu verleitet spontan ein Zimmer zu nehmen, was gleich zu Anfang meiner Tour meine Reisekasse belastet. Der Ort heißt Niderviller, weit bin ich heute ja nicht gekommen. Am nächsten Tag ist das Wetter nicht besser, es gibt immer wieder Regenschauer. Über hügelige, schöne Landschaft fahre ich fast autofrei bis Baccarat. Jetzt ist es zu dem Regen auch noch kalt geworden
    und ich beschließe mir in Baccarat ein Zimmer im Hotel zu nehmen.


    Mein Blick aus dem Hotel auf das Gebäude gegenüber.
    Geändert von rockhopper (08.03.2014 um 12:21 Uhr)

  2. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #2
    Hallo Rockhopper.

    Auf der Karte ist zu erkennen, dass du nicht aufgegeben hast. Da freue ich mich mal auf weitere schöne Bilder von einem Bericht zu das Herzen von Frankreich. Der Anfang ist ja vielversprechend!

    Gruß Wafer

  3. Dauerbesucher
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    AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #3
    Zitat Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
    Hallo Rockhopper.
    Auf der Karte ist zu erkennen, dass du nicht aufgegeben hast. Da freue ich mich mal auf weitere schöne Bilder von einem Bericht zu das Herzen von Frankreich. Der Anfang ist ja vielversprechend!
    Gruß Wafer
    Na ja, aufgegeben habe ich nicht, habe aber ab Meymac den Zug nach Tulle genommen. Ich hatte einfach keine Lust mehr
    auf Radtour. In der Nähe von Tulle habe ich noch für ein paar Tage Freunde besucht. Auf der ersten Radtour hatte ich auch die meisten Regentage.
    Gruß rockhopper

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    AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #4
    Mittlerweile bin ich schon den 5. Tag unterwegs. Heute ist Freitag, der 28. Mai und das Wetter präsentiert sich mit Sonne, Wolken und Wind. Ich komme aus Baccarat über einen heftigen Anstieg aus der Stadt heraus und fahre weiter durch eine
    wunderschöne hügelige Landschaft nach Charmes. In Vittel gehe ich auf den Campingplatz. Am nächsten Morgen möchte ich weiter über Lignéville zu der Römerstraße, die ab hier einige Kilometer führt. Den Einstieg zu der Römerstraße finde ich ausnahmsweise gut, hier verläuft auch der GR 714, der mir anfangs eine Schiebepassage beschert. Landschaftlich wunderschön! Da schiebe ich gerne. Später wird der GR 714 fahrbar und veläuft dann weiter schnurgerade auf einem etwas langweiligen Asphaltweg.

    Auf dem GR 714


    Das schöne Wetter bleibt leider nicht stabil. Als ich in Bourbonne-les Bains ankomme regnet es schon wieder. Es ist Wochenende und in der Kurstadt komme ich mir mit meinem Radel-Outfit wie ein Exot vor. Das ist mir gerade egal, da meine Laune auf Grund der Wetterverhältnisse einen Tiefpunkt erreicht. Also suche ich mir ein Zimmer über die Touristen-Info im Ort und bekomme relativ günstig für 27 € ein einfaches Zimmer in der Pension/Hotel Gérard. Ich bleibe 2 Tage in der Pension, warte das schlechte Wetter ab und verpflege mich sparsam in dem einzigen offenen Imbiss am Ort. Mein Zimmer liegt direkt über der Küche des Hotels, so kann ich sehen welch leckeren Köstlichkeiten die Kurgäste zum Mittagessen bekommen.



    Am Montag, 31. 5. verlasse ich die Pension bei Sonnenschein. Ich radle auf einsamen Straßen durch die wunderschöne hügelige Landschaft Burgunds. Unterwegs sehe ich auf einer Wiese 3 Stuten mit ihren Fohlen. Das Fohlen auf dem Bild ist in dem Blütenmeer kaum zu erkennen


    Pferdeglück

    Am frühen Abend komme ich auf dem Cp in Dijon an, es nieselt schon wieder. Der Campingplatz ist gut mit Wohnmobilen belegt und ich finde eine leicht abschüssige Stelle am Rand wo ich mein Zelt aufbauen kann. Für mich kein Ort zum Wohlfühlen. Dafür liegt der Platz schön am Lac de Kir und der Radweg zum Canal de Bourgogne geht kurz nach dem See los. Ich esse noch eine Kleinigkeit im Zelt, während der Regen auf das Zeltdach trommelt und krieche anschließend in meinen Schlafsack um zu schlafen.



    Am nächsten Morgen hat der Regen aufgehört, der Himmel ist bleigrau, ich fahre los und es gibt mal kein Wasser von oben.
    Ab jetzt fahre ich ein ganzes Stück am Canal de Bourgogne entlang, bei dem Wetter allerdings mit melancholischer Stimmung. Ab und zu erwischt mich ein kurzer Regenschauer.


    Eine der wenigen noch manuell betriebenen Schleusen. Das ist richtig schwere Arbeit.







    Das passiert mir öfters, die Kühe grasen weit verteilt auf der Wiese, dann entdecken sie mich und wie auf ein unsichtbares Kommando rasen alle zum Zaun hin um zu sehen wer da vorbei kommt. ich vermute mal, ihnen ist langweilig und sie sind über jede Abwechslung froh. Ich spreche ein paar Worte zu ihnen, man weiß ja nie was bei den Tieren ankommt.. Ich radle weiter durch wunderbare Landschaft Richtung Autun.



    Trotz des trüben Wetters ist die Landschaft ein Traum.
    Geändert von rockhopper (10.03.2014 um 06:50 Uhr)

  5. AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #5
    Neugierige Zaungäste hattest du. Wer hat denn wen beobachtet?
    .

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    AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #6
    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Neugierige Zaungäste hattest du. Wer hat denn wen beobachtet?
    Das beruht auf Gegenseitigkeit!

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    AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #7


    In Autun will ich mir unbedingt das Kapitell, Traum der Könige, in der Kathedrale Saint-Lazare ansehen. Ich kenne das Motiv von einer Postkarte her. Mir gefällt einfach die Vorstellung, wie die Könige in einem Crèpe eingewickelt da liegen.
    Zufrieden, das Original gesehen zu haben, radle ich weiter und finde etwas mühsam die richtige Ausfahrt auf einer langezogenen Steigung aus der Stadt. Irgendwann erwischt mich wieder ein Regenschauer. In Bligny-sur Ouche fahre ich am Zeltplatz vorbei. Von der Straße sieht es aus als ob die ganze Wiese unter Wasser steht. Da habe ich keine Ambitionen mein Zelt aufzubauen und nehme mir wieder ein Zimmer bei einem älteren Ehepaar, das mich sehr nett versorgt. Am Tag darauf bekomme ich das Frühstück im Wohnzimmer serviert und wir unterhalten uns noch eine Weile, bis ich weiter fahre.

    Mittwoch, 2. Juni. Heute scheint die Sonne, es ist bestes Radelwetter.
    Mein Ziel für heute ist der Cp in Étang-sur-Arroux. Ich stelle mein Zelt direkt am Ufer des Arroux auf. Weiter entfernt sehe ich noch ein Zelt stehen. Der Rest des Platzes scheint mir hauptsächlich von mehreren Jugendgruppen, die sich auf einer Wander- Paddel- Radlfreizeit befinden belegt zu sein. Die Nacht wird wohl nicht so ruhig werden Als ich zu dem Sanitärgebäude gehe, stehe ich vor verschlossener Tür. Also marschiere ich zu Rezeption und frage nach. Die Antwort erstaunt mich etwas. Sie haben das Sanitärgebäude wegen der Jugendgruppen abgeschlossen Ich bekomme den Hinweis in welchem Gebäude ich durch die Seitentüre durch einen Gang usw. eine Dusche und Toiletten finde. Am Abend sehe ich wie einige Jugendliche im Fluss baden gehen um sich zu reinigen Die Nacht bleibt erstaunlich ruhig.
    Am frühen Morgen, es ist noch ziemlich kalt, werde ich durch die Sonne wach. Ich mache mich in dem Gebäude, dessen Funktion sich mir nicht erschließt etwas frisch, und ziehe weiter.



    Weiter geht es ziemlich anstrengend zu radeln durch hügelige, schöne Landschaft Richtung Issy-l‘Éveque.



    Irgendwann beschleichen mich wieder Zweifel ob ich mich gerade verfahre. Es geht schön lange bergauf, ohne dass mir jemand begegnet. So trete ich weiter den Hügel hoch in einsamer Landschaft, bis ich doch an einem Haus mit einem großen Garten davor vorbeikomme und anhalte.
    Mit meinen sparsamen Französischkenntnissen frage ich den Mann, der eben im Garten zu tun hat, nach der Richtung.
    Da fragt er mich ob ich aus den Niederlanden komme . Ich antworte, nein, ich bin Deutsche. Ja dann ist es gut, Niederländern gebe er keine Auskunft. Er sagt mir wie der Weiler hier heißt, ich schaue auf der Karte nach und sehe, dass ich bei der letzten Kreuzung falsch abgebogen sein muss. Also den ganzen Hügel wieder hinunter fahren, bis zu nächsten Kreuzung.

    Geändert von rockhopper (26.04.2014 um 09:39 Uhr)

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    AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #8
    Unterwegs, es geht wieder bergauf, sehe ich an der linken Straßenseite dieses Anwesen. Brocante (Trödel) lese ich, und man kann hier einen Kaffee bekommen. Das lasse ich mir nicht entgehen und schiebe mein Rad in den Hof. Der "Trödel" wird von einem Niederländer geführt, ich bestelle einen Kaffee und wir wechseln ein paar Worte miteinander. Ein interessanter Ort, ich hätte mir gerne alles genau angeschaut, da ich aber mit dem Rad nichts mitnehmen kann, lasse ich die Besichtigung der Gebäude.



    Am späten Nachmittag erreiche ich den Campingplatz bei Issy-l‘Éveque, der etwa 1,5 km von dem Ort entfernt liegt, schön gelegen an einem kleinen Weiher. Es ist noch Vorsaison und der Kiosk hat noch zu. Ich kann an der Rezeption eine Dose Cola und eine Tüte Chips kaufen, mehr gibt es nicht. Das ist dann mein Abendessen. Nach der halben Tüte Chips, wird mir leicht schlecht und ich werfe die Tüte in die Mülltonne. Weil mir der Platz so gut gefällt, lege ich hier einen Pausentag ein.



    Am nächsten Morgen scheint die Sonne, ich radle ohne Gepäck, als ob ich Flügel hätte, in den Ort um zu frühstücken. Ich habe Glück, eine etwas größere Bar hat schon auf. Leider liegt die Terrasse noch im Schatten. Schade, denke ich und will mich schon innen nieder lassen.
    Da kommt der Betreiber mit dem Tablett und sagt mir ich solle mitkommen, ein paar Häuser weiter gebe es einen Tisch mit Stühlen in der Sonne, da könne ich mich ruhig hinsetzen. Das sei in Ordnung. Ich trinke meinen Crème vor dem Schaufenster eines Antiquitätenladens und freue mich an der Sonne.

    Heute haben wir Samstag, den 5. Juni und ich setze meine Radtour fort über Dompierre-sur-Besbre nach Montaigu-le-Blin. Bei Diou überquere ich den Allier.



    Als ich in Montaigu ankomme, empfinde ich irgendeine merkwürdige Stimmung. Wer weiß wo das wieder herkommt, denke ich mir, ich möchte hier auf den Campingplatz den ich zuhause im Internet ausgesucht hatte. Es ist ein von Niederländern geführte Platz, der auf der Webseite als familär geschildert wird. Ich sehe nirgends einen Hinweis, also frage ich wieder mal. Ich bekomme von der Frau, die ich anspreche eine ruppige Antwort, - hier gibt es keinen Campingplatz! Ich entgegne ihr, dass ich aus dem Internet weiß, dass es einen Platz geben muss, unter niederländicher Leitung. Sie: Ach, die Niederländer, die sind irgendwo da hinten. Ich fahre weiter und suche den Platz, den ich nach ein paar Kilometer finde. Ohne irgendeinen Hinweis. Später wird mir klar wieso. Der Platz ist ein Insidertipp für niederländische Urlauber, ich bin der Exot auf dem Platz. Man spricht Niederländisch. Ich werde freundlich empfangen, ich darf mir auf dem riesen Gelände einen Platz für mein Zelt aussuchen, der extra für mich gemäht wird. Der familäre Anschluß gestaltet sich in der Form, dass ich für 18 € ein Tagesmenue am Nebentisch essen darf. Spät am Abend, ich liege im Zelt und möchte eigentlich schlafen, fahren einige Autos an der weiter entfernt liegenden Straße vorbei und rufen unfreundlich Dinge zum Campingplatz herrüber. Glücklicherweise verstehe ich den genauen Wortlaut nicht.
    Ich bekomme den Eindruck das Niederländer hier in der Gegend nicht gern gesehen sind.



    Am nächsten Morgen packe ich gemütlich in der Sonne. Ich bin müde, die Nacht war nicht erholsam. Ich will weg von hier und empfinde immer noch eine seltsame Stimmung an diesem Ort. Die Hügelfahrerei ist anstrengend, so peile ich den nächsten Campingplatz in Gannat an. Auch zuhause recherchiert. Der Platz liegt hoch oben auf dem Berg, keuchend arbeite ich mich nach oben. Mir reicht‘s. Jetzt fängt es auch noch zu regnen an. Etwas hektisch baue ich das Zelt auf, in leichter Schräglage, das ist mir jetzt auch egal. Zum Essen kann ich hier auch nichts kaufen, es ist immer noch Vorsaison. Nochmal in den Ort hinunter fahren, dazu habe ich keine Lust und so gibt es zum Abendessen noch ein paar übrig gebliebene Kekse. Die Regentropfen trommeln auf das Zeltdach, irgendwann schlafe ich ein. Am nächsten morgen hat sich das Wetter wieder beruhigt und ich kann die lange Abfahrt ins Zentrum genießen. Ein leckeres Frühstück bekomme ich in einer Bäckerei, die auch Spezialitäten aus Gannat verkauft. Ich probiere eines dieser Köstlichkeiten. Danach ist die Welt wieder in Ordnung für mich und ich fahre weiter.


    Ich liebe bemalte Hauswände und Schriften aller Art

    Das Wetter stabilisert sich und ich freue mich auf die heutige Etappe. Ich habe meine Route so geplant, dass sie durch die Gorges de la Sioule führt. Irgendwo habe ich gelesen, dass das ein besonders schöner Streckenabschnitt ist. Etappenziel ist der CP in St. Gervais d‘Auvergne.
    Ich lasse mir viel Zeit, und genieße die wunderschöne Landschaft. Meine erste Tunneldurchquerung steht mir hier auch bevor. Zuhause habe ich mich schon mal virtuell mit Street View durch den Tunnel gezappt, um mich mental darauf vorzubereiten. Wegen meiner Tunnelphobie.
    Nach einigen Kilometern ist es soweit, ich sehe vor mir das schwarze Loch des Tunneleingangs . Ich weiß der Tunnel ist nur kurz, trotzdem stockt mir kurz der Atem, während ich ins Nichts eintauche. Nach einer Sekunde sehe ich schon wieder Licht und stehe nach ein paar Metern am Ende des Tunnels an einer Haltebucht und freue mich über meine erfolgreiche Tunnelfahrt.



    Nach einigen Kilometern biege ich hinter Châtauneuf-les-Bains ab nach St. Gervais d‘Auvergne zum nächsten Campingplatz. Die Straße windet sich 7 Kilometer auf die Höhe von über 700m. Ich muss teilweise schieben, dadurch ziehen sich die 7 Kilometer endlos in die Länge. Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich in St. Gervais d. A. an, mittlerweile ist der Himmel wieder grau. Ich fahre zum Campingplatz der nach dem Ortsende an einem See liegt. Der Cp ist offen, aber noch nicht in Betrieb. Ich suche mir eine geschützte Ecke und baue mein Zelt auf. Bei meinem Erkundungsspaziergang sehe ich, dass außer mir noch 2 Plätze belegt sind. Es scheint mir, dass es keine Touristen sind. Wenigsten ist das Sanitärgebäude offen. Der Empfang ist geschlossen. Ich verkrieche mich ins Zelt und gehe früh schlafen. In der Nacht fängt es heftig an zu regnen. Am nächsten Morgen gießt es immer noch und ich beobachte wie sich am Zeltboden ein Feuchtigkeitsrand bildet



    Gegen 11 Uhr läßt der Regen nach und ich trage meine Sachen unter das Vordach des Sanitärgebäudes, um im trockenen zu packen. Es riecht etwas streng aus dem Gebäude was dazu führt, dass ich ziemlich schnell fertig bin und losfahren kann. Bezahlen kann ich auch nicht, der Empfang ist immer noch geschlossen.
    Geändert von rockhopper (12.03.2014 um 20:00 Uhr)

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    AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #9
    Sehr, sehr schöne Bilder, ich möchte am liebsten sofort da hin :-) Mai/Juni ist ja eigentlich eine ideale Reisezeit. Da Du "Vorsaison" schreibst – "Saison" sind dann dort die Hochsommer-Monate, oder?

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    AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #10
    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen
    Sehr, sehr schöne Bilder, ich möchte am liebsten sofort da hin :-) Mai/Juni ist ja eigentlich eine ideale Reisezeit. Da Du "Vorsaison" schreibst – "Saison" sind dann dort die Hochsommer-Monate, oder?
    Hallo lina, Danke. ich würde auch am liebsten sofort wieder losfahren. Die Hauptsaison geht von Mitte Juni bis Ende August, in dieser Zeit ziehen die Preise auch gewaltig an. Wobei das kein strenges Zeitfenster ist.
    Grüße_rockhopper

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    AW: [FR] Radtour 2010 Von Strasbourg nach Tulle (Limousin)

    #11

    Ein paar Blumen am Wegerand

    Das Wetter ist absolut trist und es regnet schon wieder. Irgendwie ist bei mir die Luft raus und ich habe bei diesem Mistwetter keine Ambitionen
    zum Radfahren. Ich gehe zur örtlichen Touristeninfo in St. Gervais d' Auvergne und frage nach einem Zimmer. Es sieht schlecht aus, entweder zu teuer oder belegt. Eine Idee hat die Dame noch, etwa 20 Kilometer entfernt, gäbe es noch eine Möglichkeit. Ich glaube der Weiler heißt Troissagnes. Ich habe Glück! Eigentlich sind die Zimmer noch nicht alle renoviert oder umgebaut, eines sei bezugsfertig. Sie sind noch mitten in der Umbauphase. Ich bin der erste Gast im Haus und bekomme einen riesigen Wohnraum mit einem noch riesigeren Doppelbett, stramm bespannt mit einer Tagesdecke, zum Sonderpreis von 50€ die Nacht. Eigentlich wunderschön, so unterm Dach und Fenster bis zum Boden. Ich komme mir in dem großen Raum etwas verloren vor. Da ich nicht so groß bin, nehme ich das "Kinderbett" Draußen gießt es in Strömen, 2 Tage lang. Die belgische Familie, die hier ein Bauernhof - Anwesen umbaut ist sehr nett und ich werde auf das Allerbeste versorgt.



    Heute ist Donnerstag, der 10. Juni. Ich verabschiede mich von der netten Familie, bekomme noch ein Lunch-Paket mit und ziehe weiter. Es geht gleich mit einer ordentlichen Steigung los. Das Wetter wird wieder besser, meine Laune auch. Die Landschaft ist wunderbar. Durch den vielen Regen sind einige Bäche und kleine Flüsse über die Ufer getreten und haben weite Teile des Landes unter Wasser gesetzt.





    Mittlerweile befinde ich mich im Limousin und ich radle auf einsamen Straßen durch die Natur.







    Weiter geht es durch schöne und hügelige Landschaft Richtung La Courtine.


    Der Briefkasten steht so alleine an der Straße, irgendwo wird das Haus dazu sein.



    Als ich La Courtine erreiche regnet es schon wieder. Ich schaue beim Durchfahren des Ortes ob ich ein Hotel sehe. Das Einzige an dem ich vorbei komme ist in desolatem Zustand und steht zum Verkauf.



    Ganz am Ende des Ortes finde ich doch noch ein Hotel. Die Dame des Hauses scheint nicht gerade erfreut zu sein, als ich nach einem Zimmer frage. Ich bekomme im oberen Stockwerk ein einfaches Zimmer zugeteilt. Bezahlen muss ich sofort. Nach zweimaligem Nachfragen bekomme ich die Zusage eines Frühstücks gegen Aufpreis. In La Courtine gibt es in der Nähe ein Militärcamp, daher kommen die vielen Abzeichen an der Wand des Gastraumes. Ich verziehe mich auf mein Zimmer und verlasse es bis zum nächsten Morgen nicht mehr. In der Nacht regnet es wieder.



    Als ich den Frühstücksraum betrete, stelle ich fest, dass ich der einzige Gast bin. Das einfache Frühstück ist schon gedeckt. Als ich fertig bin,
    verabschiede ich mich und fahre weiter bis Meymac. Von hier aus nehme ich den Zug nach Tulle und verbringe dort noch ein paar Tage bei Freunden. Das Wetter stabilsiert sich wieder. Die Rückreise geht mit dem TER von Tulle nach Paris, ich komme am Gare Montparnasse an und muss etwa 7 Kilometer durch Paris fahren. Zuhause hatte ich mir den genauen Straßenverlauf aufgeschrieben, wie ich zm Gare de l‘Est komme.
    Als ich die ersten Meter fahre, wundere ich mich über die vielen Polizisten die an den Kreuzungen stehen. Dann ist die Straße gesperrt, die ich weiter fahren muss. Das ist jetzt aber blöd, denke ich, meine ganze Route kommt durcheinander. Die Straße ist autofrei, ich frage einen Polizisten ob ich durchfahren könne. Ja, mit dem Fahrrad kein Problem. So radle ich wie die Königin von England, ganz alleine auf großen Boulevards und Avenuen, nur ohne Beifall, fast bis zum Gare de l‘Est. Der Grund für die großräumige Sperrung ist eine größere Demontration an der ich vorbei komme. Der TGV bringt mich in 3,5 Stunden wieder zurück nach Stuttgart.

    Geändert von rockhopper (16.03.2014 um 22:22 Uhr)

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