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  1. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #21
    Mitreisende: Suomalee, Beyond
    So nun bin ich wieder wach.
    Es ist toll in meinem Bett zu schlafen, es ist toll einen Espresso statt eines Cowboykaffees zu trinken, es ist nicht toll wieder arbeiten zu gehen...
    Gestern an diesem kühlen Sommersonntag habe ich mich ausgequetscht und geschrieben, geschrieben, geschrieben...
    das was heftig und auch schön, eigentlich war ich nicht hier und nicht dort...
    sondern ganz absorbiert von meinen Eindrücken und Empfindungen.
    Das ist das Schöne am Berichtschreiben-wenn man sich die Zeit nehmen kann.
    Leider werde ich ab heute wieder arbeiten.
    Da nach den Schulferien auch meine Ausbildung wieder anläuft, habe ich mir fest vorgenommen diesen Bericht bis dahin fertig geschrieben zu haben.

    @ ckanadier:
    Ob Du es glaubst oder nicht, dass Dein Sohn eine Vorliebe für SEIGL hat, habe ich mir sofort gemerkt. Auf dem Trip habe ich öfter an ihn denken müssen. Sozusagen ist Lej ein bisschen Mitverursacher, dass ich so viel über die SEIGL schreibe. (Vielleicht weil es dann nicht so anonym ist und ich mich, wenn auch ohne konkrete Ansprache, auf Jemanden beziehe? Das fühlt sich halt doch persönlicher an) So konnte ich mir vorstellen dass den Bericht auf jeden Fall Einer gerne liest. Ich hoffe es regt ihn an und er erfährt noch etwas Neues?

    @ Robiwahn:
    Dann war das wohl ein ganz flacher Strand an dem Du geschlafen hast? Ist uns mal auf der Insel Molat passiert, ganz seichte Bucht ...und Stunden später bei Flut kam das Wasser über viele Meter ins Land. Wir mussten die Kajaks mehrfach umsetzen, damit sie auch wirklich sicher waren.
    Wenn wir anlanden ist das eines der ersten Dinge die wir abchecken. Anhand der dunklen Linie auf den Felsen über dem Wassersaum, oder des letzten vom Meer umgeräumten Strandguts lässt sich leicht erkennen bis wohin das Wasser bei Flut steigt.

    @ Lina
    weißt Du denn vielleicht wie die SEIGL wachsen?
    Mittelmäßig oder Mittelmehrisch?

    @ Beyond:
    SEIGL, nicht SEIGEL...jetzt habe ich so lange geübt mit Dir! Tzzz

    @xsamel:
    Danke für das Gedicht, nein ich kannte es nicht...
    (oh, das reimt sich auch)
    Habe ich Dich seziermäßig beruhigen können?



    Also Fortsetzung folgt, Ehrenwort

    liebe Grüße
    LEE

  2. Dauerbesucher
    Avatar von grenzenlos
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #22
    Danke für den schönen Bericht!

    Wir waren vor vielen Jahren mit einem Faltboot in den Kornaten unterwegs. Spontan kam nun vieles an Eindrücken zurück.
    Freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Unsere Webseite: http://www.grenzenlosabenteuer.de

    Gruß, Wi grenzenlos

  3. Erfahren
    Avatar von elBarto
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #23
    Wir hätten AHOI-Brause mit auf die Schlei nehmen sollen, Lee!

    Habe Deinen Bericht haute nochmal von vorne an gelesen. Da kamen dann ja doch noch einige Sätze und Bilder seit gestern dazu.

    Bin gespannt wie es weitergeht!

    Gruß

    Matthias

  4. Erfahren
    Avatar von xsamel
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #24
    Zitat Zitat von Suomalee Beitrag anzeigen

    @xsamel:

    Habe ich Dich seziermäßig beruhigen können?

    LEE

    Ja, auf jeden Fall (habe dir Grausamkeiten eh nicht zugetraut)! Mein Mandat als potentieller SEIGL-Anwalt habe ich deshalb schon zurückgeben
    "Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen". Kurfürst F.W. aus Brandenburg, 1640 - 1688

  5. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #25
    @ elBarto:

    Oh, das tut mir ja soo leid für Dich.
    Versprochen, wir nehmen auf die nächste Tour Ahoi Brause mit.


    @ Xsamel:

    die SEIGL brauchen zum Glück sehr selten Anwälte.
    Sieh mal hier:
    Sie haben eine Gewerkschaft gegründet und sich formiert!




    SEIGL ALLER MEERE VEREINIGT EUCH!

  6. Erfahren
    Avatar von xsamel
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #26
    OT: Hoffe es ist nicht zu OT

    ...SEIGL's sind wirklich raffinierte, nicht nur gewerkschaftlich organisierte Viecher, ich habe nämlich auch beobachtet, dass manche sich tatsächlich als Kürbis tarnen und Ausflüge im Winter unternehmen...

    .

    "Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen". Kurfürst F.W. aus Brandenburg, 1640 - 1688

  7. Dauerbesucher
    Avatar von Beyond
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #27
    Hallo Lee und an alle Seekajakherz-Leser,

    meine Fleißaufgabe für Dich! Ich werde 100mal schreiben: Es heißt nicht SEIGEL, sondern SEIGL!

    „Ahoi Brause“ ist ein neo-kulinarischer Genussartikel, den wir als Kinder in den 1950er Jahren schon von unserem Taschengeld (Ein Tütchen für 1 Pfennig; das waren noch Zeiten!) im Krämerladen erstanden haben, so wie das „Kracherl“, das bunt schillernde Gesöff, in dem dieses Brausepulver einfach gelöst worden ist. Das hat so schön geprickelt auf der Zunge, in der Hand und ... (Günter Grass und sein Roman „Die Blechtrommel“ lassen grüßen!).

    Bei der nächsten Kajak-Tour im hohen Norden sollte man neben „Ahoi Brause“ unbedingt auch ein wenig „Hopfengold“ mitnehmen.



    Bild 1: Wenn Ihr ein Fläschchen davon benötigt, kann ich gerne aushelfen. Das Elixier gibt es auch in 5-Liter-Kanistern. Das müsste eigentlich für eine längere Seekajaktour auch bei den „Nordländlern“ ausreichen – haben ja die Bewohner der Alpen und der Küste eine ähnliche Mentalität: gutmütig, bequem, sprechfaul und trinkfreudig.

    Viele Grüße
    Beyond

    PS: Ich bin mit meiner Fleißaufgabe fertig: einmal den Text geschrieben, einmal die Speichertaste betätigt und neunundneunzigmal die Einfügetaste gedrückt – die EDV ist auch im tiefsten Niederbayern angekommen!

    PPS: Heute geht’s auf's Hopfenfest: einen Steckerlfisch, eine Brez'n und ein paar Mass Bier, mit den „Alten Herren“ vom Judo und Bado.
    Geändert von Beyond (16.07.2013 um 17:47 Uhr) Grund: Tippfehler verbessert

  8. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #28
    Sie erinnerte sich an einen Reim der ungefähr so ging:
    Drei, zwei, eins...keins.
    Und eins, zwei, drei...ging die Reise von Walter und Lee weiter.
    Walter hatte viel zu tun. In jeder Bucht all die Steine zu kontrollieren, zu ordnen und zu vermessen.
    Lee hatte auch viel zu tun.
    Es gab in diesem Jahr wirklich viele Seeigel, denen die Zähne geputzt werden mussten.
    Kaum war sie an einem Strand angekommen und aus dem Boot gestiegen, schon lagen da die Seeigel und zeigten Lee ihre Zähne.
    War etwa Zahnarzthelferin ihre Bestimmung?
    Lee wurde ihrer Aufgaben ein wenig überdrüssig und insgeheim sah sie sich auch nach anderen Dingen um.
    Das Zähneputzen konnte sie ja inzwischen im Schlaf...
    Sie fand Gefallen an hübschen Wurzeln die von Wind und Welle geformt und von Salz und Sonne gebleicht waren.
    Die zogen sie magisch an und deshalb hob sie die hübschen Hölzer auf.
    Vielleicht war hier die Antwort verborgen?
    Es waren stürmische Zeiten auf dem Meer und Walter und Lee hatten ordentlich zu tun um von der einen zur anderen Insel zu gelangen.
    Oft kamen sie abends sehr müde vom Meer ans Land.
    Einmal wurde ein Strohhut von den stürmischen Wellen an Land getragen, direkt vor Lees Boot. Da der Hut unversehrt, ja wie neu aussah nahm sie den Hut an sich, obwohl ein Strohhut in einem vollen Kajak nicht leicht zu transportieren war. Doch Lee hatte schon ganz andere Dinge in und auf ihrem Kajak transportiert...
    Da sie fortan behütet war, verbrachte sie unter diesem so manche Stunde, dichtend oder eine sonderbare Flöte spielend, die Walter in seinen sieben Sachen mit sich führte.


    Ein Gedicht von Lee unterm Hut:
    Im Hut ist‘s gut
    da ruht der Mut
    drum tut man gut
    ruht man im Hut



    Wir richteten es uns auf der Zisterne sozusagen häuslich ein und verbrachten den restlichen Nachmittag damit Tagebuch und Gespräche führen.
    So erfuhren wir von einem Bewohner der Bucht dass am folgenden Tag ein ebenso heftiger Wind angesagt war, wie er jetzt gerade blies.
    Das war also kein schlechtgelaunter Mistral, sondern er hatte sich noch Verstärkung geholt...
    Wir beratschlagten uns.
    Morgen wollten wir die größte Überfahrt starten, nämlich von Hvar nach Vis.
    Da kamen, je nach dem wo wir starteten und vor allem landen würden, locker 15 Kilometer offene See auf uns zu.
    Bei so einem Sturmwind zwar denkbar aber nicht besonders gescheit.

    Walter zauberte eine Weisheit aus seiner Seefahrererfahrungskiste:


    Der frühe Vogel fängt den Wurm!


    Ich habe nichts gegen frühe Vögel, doch morgens um 5:00Uhr aufstehen ist schon hart.
    Ich bin um diese Uhrzeit einfach noch nicht ganz Mensch, irgendwie noch nicht richtig da.
    Aber Walter hatte stichfeste Argumente so früh in See zu stechen.
    Wer früh lospaddelt hat mehr Spielraum bis zum mittäglichen Windspiel.

    Weil wir ja schon seit Tagen von windigen Gesellen begleitet wurden und uns die Zeitplanung dadurch immer mehr durcheinander kam und wir auch, mussten Entscheidungen getroffen und Herzen gefasst werden.

    Also morgen frühfrüh auf und rüber nach Vis.

    Da wurde von den heftigen Wellen ein Strohhut direkt an mein Kajak gespült.
    Der war bestimmt Seglern bei dem Sturm abhanden gekommen.
    Da er noch völlig heile war freundete ich mich mit ihm an.
    Ich finde doch so gerne Sachen.

    Die Wellen hatten ordentlich zugelegt und ich hätte an diesem steilen Kiesufer nicht mehr in mein Boot einsteigen und losfahren können.
    Das ist schon merkwürdig wenn sich der Weg so drastisch verändert.
    Das gibt es am Festland nur bei einem Erdbeben. Eben ist man noch über die überall befahrbare Wasserstraße angelandet und schon verändert der Wind dieselbe zu einer unpassierbaren Fläche.
    Alle Wege abgeschnitten, sozusagen.
    Wir kochten unser Abendessen auf unserem Zisternenbalkon in luftiger Höhe im doppelten Sinn und gingen müde und durch den Wind (auch im doppelten Sinn) früh schlafen.
    Es wären viele Sterne zu sehen gewesen wenn wir unsere Augen hätten offen halten können, aber sie fielen uns einfach zu und wir in den Schlaf.

    Ich erwachte vom Fauchen des Sturmkocher
    (der seinem Namen alle Ehre machte und tatsächlich zum notwendigen Equipment gehört bei so einer Tour)...
    Ich mach doch sonst das Wasser heiß?
    Walter hatte Ernst gemacht und war schon frühfrüh auf den Beinen.
    Das mit dem Kocher war seine subtile Art mich zu wecken ohne dafür verantwortlich gemacht zu werden.
    Es war ja das Fauchen des Kochers.
    Aber ich hatte schon durchschaut was er da im Schilde führte, ich bin zwar morgens frühfrüh noch nicht Mensch aber deshalb nicht auf den Kopf gefallen.
    Also gut Walter, Du hast gewonnen, sagte ich mir und ihm und stand fröstelnd auf.
    Selbst im so warmen Süden gibt es kurze Zeitspannen wo man mal frösteln kann.
    Vor dem Sonnenaufgang geht das besonders gut.
    Einen Cowboykaffee und ein Müsli mit Wasser angerührt, mehr geht eh nicht rein, und dann packten wir konzentriert unser sieben Sachen in die Kajaks.


    Here we are in Hvar wie's war:
    Morgens um 5:30 Uhr mit müden Meerschweinchenaugen...


    Diesen Momenten des Zusammenpackens sind eine eigentümliche Stimmung zu eigen:

    Es wird nicht dabei gesprochen und es umgibt einem eine gewisse Ernsthaftigkeit...
    Man spürt wie wichtig diese Phase auf so einer Tour ist.
    Ist alles gut verstaut und gesichert?
    Die Lukendeckel gewissenhaft geschlossen?
    Habe ich mein Hab und Gut beisammen?
    Werden wir eine sichere Fahrt haben?
    Wo werden wir am Abend sein?
    Man gibt einen sicheren Ort auf, nicht wissend gegen was man ihn eintauscht...?

    Los in die Boote, noch ist das Wasser ruhig, die Winde schlafen und die Sonne klettert noch hinter den Hängen den Himmel hinauf.

    Ein schöner, früher Morgen auf dem Wasser, alles noch jungfräulich frisch, mit dem Charme eines schlafenden Kindes, noch sanft und lieblich, unschuldig und unwissend dass es Stürme überhaupt gibt.
    Es ist schon eine sehr schöne Sache um diese Zeit unterwegs zu sein.
    Das entschädigte mich für das Überwindenmüssen zuvor.
    Wir haben das Meer noch mehr allein für uns.
    Solange man sich sicher fühlt ist das prima.

    Wir mussten noch eine ganze Menge Kilometer an der Küste entlang paddeln bis die Sicht frei wurde auf Sv. Klement, eine vorgelagerte Inselgruppe von Vhar.
    Kleine Querung, zum Aufwärmen sozusagen, noch mal schnell Beine vertreten auf einen dieser Inselchen und dann wird’s ernst.



    Raus auf die blaugrüngraue Fläche die sich vor uns kilometerweit ausbreitet...
    Vis vor uns am Horizont in der Morgensonne schlummernd.
    Jetzt gab es nur noch den gleichmäßigen Paddelschlag.
    Das Eintauchen in dieses riesige, weiche Element.

    Jetzt und jetzt und jetzt...

    über Vis bildete sich ein kleines Knubbelwölkchen.
    Wir beobachteten es und dachten uns Tiere und Geschichten aus.
    Mal sah die Wolke aus wie ein junges Urmel, mal wie ein Küken dass eine Bauchlandung machte.
    So kamen also die Seefahrergeschichten zustande.
    Im blauen Einerlei wird jedes Detail übergroß und aufmerksam wahrgenommen.
    Geändert von Suomalee (09.08.2013 um 00:34 Uhr)

  9. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #29
    Ab und zu kam ein Segel- oder Motorboot in näherer oder weiterer Entfernung vorbei.
    Das ist bei den Dimensionen sehr relativ.
    Es kam auch die große Fähre von Splitt nach Vis vorbei, sehr weit weg und doch riesig groß.
    Wir schauten ihr lange nach denn wo sie hinfuhr, da mussten wir ebenfalls hin, wenn auch Stunden später...
    Doch wir hatten Glück mit dem Wind oder der Wind hatte Mitleid mit uns, das Wasser blieb ruhig und wir näherten uns unmerklich und doch stetig der Küste von Vis.


    Vis wie's is


    Wie Beyond es schon in seinen Reiseberichten beschrieben hat, beobachtet man die Küste sehr genau:
    Wann kann man den Felsengürtel über der Wasserlinie erkennen?
    Wann kann man die Brandung ausmachen?
    Wann erkennt man die Fenster in den Häusern?

    Häuser waren zunächst nicht zu sehen, denn der Ort Vis lag in eine tiefen, gekrümmten Bucht.
    Zunächst sahen wir nur den Leuchtturm und das dazugehörige Gebäude auf einer vorgelagerten Inselfelsenspitze.

    Ach, was für mich ein Kriterium ist, wenn ich mich dem Land nähere, das ist der Geruch.
    Das Wasser riecht nach seidigem Nichts, frisch und klar.
    Wenn das Land näher kommt wehen Wolken von würziger Wärme herüber.
    Dann ist das Land nicht mehr weit (ungefähr einen halben bis Kilometer, je nach Windrichtung und -stärke)
    Der Duft der Macchia.
    Ich liebe ihn sehr.
    Rosmarin und Salbei, zuweilen Lavendel und viele Zistrosen. Und Vieles was ich nicht kenne.
    Eine ätherische Orgie sozusagen, jedenfalls für die Nase.

    Endlich passierten wir die Buchteinfahrt und paddelten noch eine gute halbe Stunde ins Landesinnere.
    Wir fuhren vorbei an Fischerbaracken und Yachthäfen, am örtlichen Badestrand und am Friedhof, der die Kirche säumend mit einer Mauer vom Wasser getrennt war.
    Ein wenig lustig sah das aus, hier konnte man also um den Friedhof schwimmen.
    Mir gefiel das Miteinander von Lebendigkeit und ewiger Ruhe.
    Wir fanden einen Ausstieg zwischen den Häusern und machten unsere Boote dicht für einen Landgang.


    Here it is, in Vis wie's is'

    Lebensmittel und Wasser nachladen, sich einen Cappuccino und ein Eis gönnen hatte jetzt oberste Priorität.
    Ach und natürlich noch schnell ein paar örtliche SEIGL eintopfen oder mitnehmen...
    Wir ließen es uns gut gehen, genossen eine Pause in der touristischen Zivilisation, in der wir ein wenig außerirdisch wirkten, so salzverkrustet wie unsere Kleidung war.
    Dann hieß es einen Lagerplatz finden und die müden Glieder ausstrecken.
    Wir entschieden uns für die Nordseite, gegen den Uhrzeigersinn, und suchten die Küste nach etwas Brauchbarem ab. Wenig später fanden wir eine Bucht die zwei Häuser weiter hinten im Land stehen hatte.
    Der Kiesstrand war eigentlich zu schmal, doch da gab es wieder mal eine Mole, damit war einer von uns schon mal versorgt.
    Wir genossen die Nachmittagssonne, flickten Löcher in der Kleidung, machten Fotos und lagen rum.

    Der Wind hatte ja seinen Einsatz bisher verpasst, doch jetzt erinnerte er sich wieder und versuchte sein Versäumnis mit grauen Wolken vom Westen her zu vertuschen.
    Wir sahen uns das eine Weile mit an, dann entschied ich mich vorsichtshalber das Zelt aufzubauen.
    Ich hatte keine Lust mitten in der Nacht damit herum zu hantieren wenn ich schon längst im Schlafmodus bin.

    Doch unten in der Bucht war kein ebener Platz für ein Zelt.
    Ich sah mich um.
    Weiter oben lief ein kleiner Pfad oberhalb des Felsensaumes entlang...
    Ich sah mich dort um. Sicher vor Wellen und geschützter vor Wind.



    Kleine Plateaus gab es hier, wie für Zelte geschaffen.
    Noch Fragen?
    Geändert von Suomalee (09.08.2013 um 00:43 Uhr)

  10. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #30
    @ xsamel:

    Die SEIGLette die Du uns hier unterjubelst ist ein japanischer SEIGL aus der Region Hokkaido.
    Dort haben sie ihre Stacheln alle in eine Richtung getrimmt um immer schön freundlich zu wirken.
    Man sollte sich jedoch nicht voreilig davon täuschen lassen.
    So ist das halt mit den Asiaten, sie sind komplett anders gestrickt, oder gebaut.
    Auch damit habe ich in letzter Zeit indirekt Bekanntschaft gemacht.

  11. Dauerbesucher
    Avatar von ckanadier
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #31
    @ckanadier:
    Ob Du es glaubst oder nicht, dass Dein Sohn eine Vorliebe für SEIGL hat, habe ich mir sofort gemerkt. Auf dem Trip habe ich öfter an ihn denken müssen. Sozusagen ist Lej ein bisschen Mitverursacher, dass ich so viel über die SEIGL schreibe. (Vielleicht weil es dann nicht so anonym ist und ich mich, wenn auch ohne konkrete Ansprache, auf Jemanden beziehe? Das fühlt sich halt doch persönlicher an) So konnte ich mir vorstellen dass den Bericht auf jeden Fall Einer gerne liest. Ich hoffe es regt ihn an und er erfährt noch etwas Neues?


    Moin Suomalee,

    Lej liest mittlerweile deinen spannenden Bericht selber und wartet mit Ungeduld auf die Fortsetzungen eurer Abenteuer. Er fordert Antworten über deine ihm nicht immer verständlichen Gedankengänge von mir. Irische Untergrundkämpfer kosten Lej schon mal allein eine Minute des Buchstabierens und mich eine halbe Stunde Erklärung.
    Deine Seeigelmeise teilt er leidenschaftlich und er erinnert mich regelmäßig an die Tauscherei.

    LG Jürgen

    PS.: habe den Bericht im www.open-canoe-journal.de verlinkt, denke er stößt da auch auf interessierte Leser
    Geändert von ckanadier (17.07.2013 um 01:24 Uhr) Grund: Reparatur

  12. Erfahren
    Avatar von Griffon
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #32
    Zitat Zitat von ckanadier Beitrag anzeigen
    nun geht der link!
    Dieser Beitrag wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig.

  13. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #33
    Seeigelmeise?
    Ja können die auch fliegen?

    Also, irgendwann in diesem Leben, wobei Lej da wahrscheinlich noch am meisten Zeit davon haben wird, können wir uns ja mal zum Tauschen treffen.
    Versprochen.
    Ich halte meine Versprechen.
    Versprochen.
    Aber manchmal dauert es halt ein wenig.
    Versprochen.

    Eigentlich machen Erklärungen von Kinderfragen doch auch Spass, oder?
    Schließlich lernt man ja auch etwas dabei.
    Mir geht es jedenfalls so dass es anregend ist den kindlichen Standpunkt einzunehmen.
    Die Welt sozusagen durch Kinderaugen zu sehen.
    Kann man sich vorstellen bei mir, oder?

    Danke fürs Verlinken, ich werde mal reinschauen was das für ein Forum ist.
    Übrigens, da gibt es noch den ersten Bericht von vor zwei Jahren. Ist der schon verlinkt?

  14. Gerne im Forum

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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #34
    Herzlichen Dank für den guten Bericht. Habe ihn über Jürgens link gefunden.

    Gruß. C.

  15. Erfahren
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #35
    Da Lee fortan behütet war, verbrachte sie unter diesem so manche Stunde, dichtend oder eine sonderbare Flöte spielend, die Walter in seinen sieben Sachen mit sich führte.

    Doch es ereignete sich nichts was ihr Aufschluss gab. Also probierte sie es mit anderen Unternehmungen.
    Sie fragte Pflanzen, die irgendwie verdächtig nach Tarnung aussahen, wie diese zipfelmützigen Schmalzwerge.



    Doch die kicherten nur als sie Lee sahen, denn sie kam ihnen sonderbar und komisch vor.
    Nachts, wenn Lee in ihrem Schlafsack unter dem Sternenhimmel lag und eine Sternschnuppe sah, wünschte sie sich einen Hinweis, einen Wink (wenn‘s sein musste auch mit dem Zaunpfahl) zu erhalten.
    Doch der einzige Zaunpfahl der ihr begegnete war merkwürdig verbogen und ganz in seine eigene Geschichte eingesponnen.
    Seht selbst...



    Sie schaute in Schächte...



    und suchte in Höhlen...



    und schließlich stellte sie sich auf den Kopf...


    Geändert von Suomalee (02.08.2013 um 08:58 Uhr)

  16. Dauerbesucher
    Avatar von ckanadier
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #36
    Danke Griffon,
    da hab ich geschlafen.

    LG Jürgen

  17. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #37
    Mein Zelt war schnell aufgebaut.
    Etwas weiter hinten am Felsensaum standen Pinien in denen Hängematten aufgespannt waren.
    Da hatte es sich also Jemand sehr gemütlich gemacht.
    Nachdem wir unsere sieben Sachen die paar Meter heraufgeschafft hatten, begriffen wir wie schön es hier oben war!

    Sonst eher darauf fixiert möglichst nah am Wasser zu schlafen weil der Kleiderschrank, der Vorratsschrank und das Fahrzeug gleich zur Hand waren (das Boot ist eben alles in einem), kam es uns zwar komisch vor so Bootlos und bezeltet in 10 Meter Höhe über dem Meeresspiegel ein heimeliges Nestchen, obendrein ideal getarnt zu besitzen...
    Doch es war einfach ein wunderschöner Platz.

    Natürlich waren die Plätze die wir hatten meistens schön und es fällt immer ein klein bisschen schwer sie wieder aufzugeben nachdem man sie für sich erobert, eingerichtet und belebt hat, doch manchmal spürt man dass man ein wenig länger verweilen sollte um die Stimmung, die Natur und den Ausblick in sich auf zu nehmen.

    Was sind Fotos gegen tief erlebte Landschaftseindrücke?
    Fotos sind bestenfalls Notizen die den überwältigenden Eindruck den wir durch unsere Augen in uns aufnehmen erinnern.
    Deshalb mache ich manchmal, wenn es sehr schön ist gar keine Fotos mehr.
    Ich kann es nur erleben und mit Zeit auf mich wirken lassen.
    Einmal hinschauen...herumlaufen, etwas herum hantieren und nochmal hinschauen...
    ...einschlafen und aufwachen und es ist immer noch um mich herum...und weiter hinschauen.

    Wir beschlossen einen Ruhetag einzulegen wenn das Wetter sich weiter so verhielt wie es gerade den Anschein machte.
    Sich zuziehen und windig sein.
    Zwar hatten wir nach wie vor Bedenken wegen unseres Zeitplans, doch sollte wider Erwarten alles schlecht laufen, mussten wir halt direkt nach Hvar zurück paddeln ohne Vis umrundet zu haben.
    Oder wenn es noch blöder kam sogar mit der Fähre die Überfahrt bewältigen.

    Es wurde eine stürmische Nacht in der wir spät abends noch einmal unsere Boote tiefer ins Hinterland umsetzten damit sie uns nicht noch vom Meer fortgespült wurden.
    Es fühlt sich schon blöd an, wenn man schlafen möchte und Sorge hat wie hoch das Wasser wohl kommen wird?
    Sicher ist sicher.
    Wir schliefen ganz anders im Zelt. Eben windgeschützt und daher sehr erholsam.

    Hier ein potentieller Molenschlafplatz auf dem ich in beschriebener Nacht mehr als nass geworden wäre.



    Der neue Tag war etwas zugezogen zunächst und gab sich, als wüsste er selbst noch nicht wohin die Reise geht.
    Aber wir hatten Zeit, den ganzen Tag lang; sollte der doch sehen wer den längeren Atem hat.
    Am Kiesstrand fand ich morgens einige SEIGL, die über Nacht vom stürmischen Meer sozusagen ausgerissen wurden.
    Die habe ich schnell wieder eingetopft (es kam auch keiner von ihnen zurück)
    Ich fand ausgebleichte und sehr verschlungene Wurzeln.
    Die habe ich mitgenommen.

    Dann gab es nur noch Zeit.
    Nichts tun.
    Das Meer rauscht einschläfernd vor sich hin.
    Der Himmel und die Stimmung sind angenehm bewölkt.
    Mattes Wetter um sich treiben zu lassen.
    Hingeben...Hingabe...
    Wirken lassen...Aufnehmen...Annehmen...
    Es ist schön Kleidung auf der Haut zu spüren, es ist schön im Windschatten zu verweilen.
    Ohne die direkte Sonne können die Augen sich weit öffnen und die Gesichtszüge sich entspannen.
    Stürmischer Ruhetag!
    Wann wird der Kopf besser frei als wenn man zu Ruhe gezwungen wird?
    Nur Sinneseindrücke aufnehmen, Monotonie aushalten, Gleichklang...der Wellen und des Windes...
    Irgendwann denke ich nicht mehr; das Meeresrauschen hat Besitz von mir ergriffen und rauscht in mir.

    Wir ließen und treiben und lasen Hesse und bekamen Besuch von Amrei.
    Sie suchte eine Gelegenheit zum Schnorcheln und wir das Gespräch.
    Amrei blieb über Nacht bei uns und nutzte dazu eine der Hängematten.



    Wir hatten einen kurzweiligen Abend mit einem ebensolchem Essen in unserem erhöhten Separee mit weiter Sicht über das Meer. Die ganze Strecke die wir hergekommen waren hatten wir im Blick.
    Nachts mit dem Lichterschein von Split und Vodice am fernen Horizont verdeckt vom Inselrücken Solta.

    Dann kam ein neuer Tag, eine neue Etappe und neue Entscheidungen auf uns zu.
    In welcher Richtung sollen wir um die Insel paddeln?
    Wir entschieden uns weiter in Richtung Westen zu paddeln und die Nordseite der Insel zu umrunden.
    Trotz nach wie vor bewegter See schien es uns einen Versuch wert.
    Umdrehen konnten wir immer noch.
    Geändert von Suomalee (18.07.2013 um 10:30 Uhr)

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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #38
    Das Wasser kocht


    Erneut in See gestochen fühlten wir uns schnell wieder heimisch im Kajak.
    Schon ein Tag Abstand vom Paddeln entfremdet, kann ich Euch sagen.
    Das komfortable Zelt, nur festen Boden unter den Füssen und schon mutiert man zur Landratte.

    Noch war das Wasser in der großen Bucht recht moderat.
    Doch es kam wie es kommen musste:
    Wir mutierten ganz schnell wieder zu echten Wasserratten.
    Kaum hatten wir den Schutz der Bucht hinter uns gelassen, mussten wir der großen See ins Auge blicken und ihr „guten Tag“ sagen.
    Die hatte sich dafür extra in eine brodelnde Wassermasse verwandelt.
    Nein, das ist kein Seemannsgarn was ich hier spinne:
    Das Wasser kochte – nur etwas höher als im Kochtopf.
    Es sah eigentlich ähnlich aus wie Kabbelwasser oder Kreuzsee.
    Aber ich hatte solche Wellen noch nicht erlebt.
    Wir fuhren nicht so nah an der Küste als dass es die Wellen waren die erst an den Fels und dann wieder hinaus ins Meer geschickt werden.

    Es war wie in einer Computeranimation.
    Als ginge es einfach um ein schnelles Reaktionsspiel, kamen die Wellen von allen Seiten, völlig unberechenbar wo die nächste auftaucht und manchmal auch wie hoch sie noch wird.
    Man konnte sie nicht zuvor orten oder sich aufbauen sehen.
    Das alles hatte nicht mit Wind oder Windrichtung zu tun, der Horizont war auch keine grade Linie, sondern eher so ne Art EEG während eines epileptischen Anfalls.
    Nur etwas mehr in die Länge gezogen, aber dafür dreidimensional.
    Eben so als wenn Wasser kocht.
    Walter fuhr ungefähr zehn Meter neben mir, oft konnte ich ihn gar nicht sehen.
    Es war nicht gemütlich.
    Es war anstrengend.

    Kommando:
    Aaaaaalle Sinne an Deck, bitte und nicht vergessen den Käpt’n an den Mast zu binden.
    Also in solchen Momenten, die sich tatsächlich zu Stunden ausdehnen, hat man 100% Urlaub.
    Das totale Abschalten von allem was einem sonst noch so bewegt.

    Es gab Situationen da trafen zwei Wellen von zwei Seiten zusammen und mein Boot war obendrauf, dass es einem Aufzug glich, schlimmer jedoch war, wenn zwei Wellen gleichzeitig auseinanderstieben und ich mit Boot in die Tiefe fiel.
    Wozu gehen die Leute auf den Rummel?
    Das kann man doch viel billiger haben, dachte ich mir.

    Man ist nur noch Reaktionspiel. Und tatsächlich half es mir ein wenig mir einfach die Situation als Geschicklichkeitsspiel einzubilden.
    Oder anders, ich habe viel über mich und die Fahreigenschaften meines Bootes gelernt.
    Sehr nützlich also, wenn man wieder zu hause aus der Ferne mit sicherem Boden unter den Füßen zurückblickt...

    Wir umfuhren die Insel also gegen den Uhrzeigersinn im Norden Richtung Westen.
    Wir hätten jeden möglichen Schlafplatz sofort akzeptiert, aber es bot sich keiner an.
    Als die Westseite endlich erreicht war und wir sozusagen um die Ecke bogen, änderte sich die Wellenstruktur recht schnell und beruhigte sich auf ein geradezu sanftes Maß.
    Interessanter Weise war das Wasser jedoch merklich kühler!
    Da ich mit meinen Händen sowieso regelmäßig ins Wasser komme, spüre ich das sofort.
    Andere Strömung vermutlich.


    Geschichtsträchtiger Ort und andere Greueltaten


    Der obere Zipfel des Westens von Vis präsentierte sich uns mit Bunkerruinen aus den Zeiten Titos.
    Noch ein wenig weiter und wir kamen an einen ehemaligen Hafen aus derselben Ära.
    Es war die Bucht Barjosko.
    Hier sah es irgendwie nach Lagerplatz aus.
    Die Mole war zwar riesig, aber deshalb konnte man ja auch darauf schlafen.
    Anlanden und Umsehen...
    Müll, wie immer.
    Schuhe soweit das Auge reicht, ein oder zwei SEIGL selbstverständlich und Plastikflaschen neben Kieselsteinen versteht sich.



    Ein Weg führte von der Bucht den Hang hinauf zu einer Ruine und einer stattlichen Pinie davor.
    Ein schönes Plätzchen mit toller Aussicht.
    Dort machten wir Brotzeit im Schatten.



    Der Wind fing jetzt an zuzulegen und ein Katamaran legte an der Mole an.
    Nachdem er das Ankern nicht schaffte.
    An Bord acht Männer, johlend und trinkend, sich mit baden die Zeit vertreibend.
    Sie blieben ein zwei Stunden, dann hatten wir das gesamte Areal wieder für uns allein.
    Ich ging den Weg weiter den Hügel hinauf zu den Bunkeranlagen.
    Viel war nicht zu sehen, diese Bunkeranlagen waren hauptsächlich unterirdisch, lediglich die Eingänge befanden sich über der Erde.



    Von dieser Seite der Insel hatte man das ganze Meer offen vor sich und Eindringlinge waren gut auszumachen.
    Ein bisschen gruselig finde ich solche geschichtsträchtigen Plätze, wo sicherlich nicht nur Pärchen geschmust und Fuchs und Hase sich „gute Nacht“ wünschten.
    Wieder zurück zog es uns an den Strand, wo wir im Schatten dösten.
    Wir waren sehr müde, von der vormittäglichen Paddelei und dem immer währenden Wind.
    Leider nahm er derart zu, dass es unmöglich war auf der Mole zu schlafen, jedenfalls nicht ohne Zelt.
    Und das benutzten wir ja nur im Notfall.
    Also haben wir uns ein wenig weiter im Hinterland ein Plätzchen gesucht, eins wo man sicher wieder herrlich Sterne gucken konnte.
    Doch es nicht tat weil die Augen einfach brannten vor Müdigkeit...

    Ach habe ich es schon erwähnt?
    Es gab sehr viele Schmetterlinge auf den Inseln.
    Und ebenso viele Spinnen, die ihre Netze in schwindelerregender Höhe und so ziemlich überall gesponnen hatten.
    Blickte man irgendwo zwischen Zweigen oder Bäumen in den Himmel, hing ein dunkler Oschie im blauen Nichts.

    Diese Sorte Spinne hatte extrem dicke und feste Fäden im Programm und ich bin oft darin hängen geblieben auf meiner Suche nach Fotomotiven, Schlafplätzen oder Aussichtsplätzen.
    Klar hatten sie ihre Netze hoch im Himmel; die vielen Schmetterlinge waren bestimmt ihre Hauptnahrungsquelle.
    Bei einem Spaziergang, den ich mal ins Landesinnere unternahm, habe ich mir einen Ast mit üppiger Verzweigung zugelegt und wie ein Weib an der Klagemauer (oder so) mit diesem Zweig über meinem Kopf bis runter zu den Kniekehlen stereotyp auf- und abgewedelt (während ich bedächtig vorwärts schritt um nicht an den Dornengestrüpp hängen zu bleiben), weil ich mit ihren starken, klebrigen Fäden in meinen Haaren und im Gesicht nicht so gut voran kam.
    Sieht nicht nur bescheuert aus, fühlt sich auch so an.
    Bestimmt war den Weg schon lange Keiner mehr gegangen und ich bin jetzt mit dem schlechtesten Karma aller Zeiten ausgestattet, weil ich so viele Einnahmequellen von Einmannbetrieben zerstört habe.
    Mal sehen was mein buddhistischer Freund dazu sagt.
    Ehrlich ich hatte Mitgefühl, doch ich wollte in diesem Fall nicht anhaften.
    Vielleicht ist an dieser Stelle das Foto von der vergangenen Agave passend, die ich neben einer Bunkerruine ablichtete.
    Sozusagen als Sinnbild des stetigen Werden und Vergehens.
    Sollen die Spinnen sich ein Beispiel daran nehmen.



    Habe ich jetzt genug von meinen Greueltaten abgelenkt?

    Aber wo wir schon bei Greueltaten sind....

    Gestern Abend konnte ich nicht an diesem Bericht schreiben denn ich erwärmte alle meine SEIGL in Chlorreiniger!
    Es war sehr aufregend weil...wenn man sie zu lange darin baded sind sie irgendwann nicht mehr da.
    Ein Schwede, der zu einer Schwedin gehörte hatte mir das verraten und behauptete dass die SEIGL dabei ihre Farbe verändern!
    Ich kann das bestätigen.
    Jedenfalls die, die zuvor dunkel rot-braun waren sind jetzt hell mit hie und da rötlich bis lachsfarbenen Stellen.
    Die Grünen sind immer noch grün, nur etwas leuchtender und irgendwie sauberer.
    Geändert von Suomalee (18.08.2013 um 20:00 Uhr)

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    #39
    Komiza, die Südseite von Vis und die Möwen von Budikovac


    Wir schliefen ganz passabel auf unserem Plätzchen welches von Rosmarin umgeben war und einer Art mutiertem Heidekraut. Sagte jedenfalls mein botanischer Weitblick.
    In aller Beschaulichkeit haben wir den Lagerplatz nach einem kurzen Frühstück auf der großen Mole verlassen.
    Zunächst wollten wir erst mal shoppen gehen in Komiza, das um die Ecke liegen musste.
    So war es dann auch.
    Komiza ist beschaulich und hübsch, hat einen Segelhafen wie Vis-Stadt auch und ein paar Badegäste obendrein.


    Leute, schaut auf diese Stadt

    Wir besorgten Wasser und Lebensmittel, tranken unseren obligatorischen Cappuccino, aßen ein Pflichteis (ja auch im Urlaub sollte man auf Regelmäßigkeiten achten)
    und ich ergatterte im Tourismusbüro einen weiteren Stempel für mein Fahrtenbuch, nachdem ich zuvor in die örtliche Bank hineinspaziert bin, das Schild mit der kroatischen Schrift geflissentlich übersehend (au weia, jetzt hat Ckanadier wieder eine halbe Stunde Zeit seinem Sohn die deutsche Sprache zu erklären), mitten in den Geldabtransport hinein, um mich herum verdutzte Beamten, die sich in ihrer Autorität untergraben fühlten.
    Doch da ich nicht viel anhatte und mit Einkaufstüten behangen war, muss ich einen entwarnenden oder auch entwaffnenden Eindruck auf sie gemacht haben.
    Bleiben durfte ich allerdings nicht.

    Frisch beladen ging es weiter die Westküste entlang mit, oh Wunder, ruhigem Wasser.
    Endlich ein Tag mit gemütlicher Paddelei, wo das Auge lustvoll die Küste und Felsen auf- und abschweifen kann, sich ergötzend an Seeschwalben und Möwen, Nester und Löcher ausmachend und Höhlen erspähend.

    Endlich, Urlaub, Muße, sonst nichts.

    Bis wir an die Südküste gelangten.
    Die hatte zunächst beeindruckende Felsenbänder, die steil ins Meer abfielen. Höhlen gab es und sehr viel türkisblaues Wasser.
    Ein, zwei kleine aber tief eingeschnittene Buchten die wir besichtigten.
    Und warum auch immer, der Wind fing an zu blasen und steigerte sich stetig.
    Einerseits war es mir inzwischen egal, weil ich inzwischen eine gewisse Grundsicherheit mit meinem Boot besaß und erst mal eine ganze Reihe von Wellen, ob nun von hinten links oder vorne rechts mich kalt ließen.
    Andererseits hatte ich mich über die Entspannung gefreut und außerdem hätte ich nichts gegen ein baldiges Ende für den heutigen Tag, paddelmäßig meine ich, gehabt.
    Doch steil abfallende Felsenplatten sind nicht so der Übernachtungshit.

    Noch einmal kam eine sehr schöne Bucht mit vorgelagerter Schlucht und wir beschlossen dort Pause zu machen, den gekauften Börek zu verzehren und mit frischer Kraft dann die letzte Etappe für heute anzugehen.
    In der Bucht war die Hölle los, jedenfalls für uns Einsiedler, aber es gab auch eine kleine Wirtschaft und so konnte Walter zu seinem Börek auch ein Bier genießen.
    Ich nippte nur daran, ich musste ja noch fahren.
    Wir hielten einen Schwatz mit dem sympathischen Wirt, der uns fragte woher wir kämen und dem ich die ganze Tour von Vodice mit allen Inseln bis Vis herunter ratterte und der dann gespielt pikiert antwortete, ich müsse ihm nicht erklären wie man hier her kommt...?!

    Wir legten einen Turbostart hin, hinaus auf die See. Nicht weil wir so viel Publikum hatten, sondern weil der Wind inzwischen so zugelegt hatte und durch die dazwischenliegende Schlucht der Düseneffekt mehr als anschaulich war.
    Wir mussten also regelrecht Schwung holen um voran und in Fahrt, nee auf Fahrt zu kommen.
    Draußen an der Küste heftige Wellen von links hinten, inzwischen ein Kinderspiel für mich.

    Beyond hatte irgendwelche Lagerplätze von vor zehn Jahren vor seinem geistigen Auge, aber auch nur dort.
    Wir paddelten und paddelten und es kam kein Lagerplatz.
    Wenn eine Bucht auftauchte wusste er direkt zu sagen, dass sie nichts taugt, Orte in der Nähe oder andere Katastrophen in Form von Segelyachten uns zuvor gekommen waren.
    Er deutete an die Küstenlinie und machte mir weiß, das zwischen der vorletzten und der letzten Landzunge die ins Wasser abfiel, unser Schlafplatz mit Kaviarhäppchen und Schampus auf uns auf-wartete.

    Ich beobachtete daher diese Stelle genau.
    Wie Ihr wisst verschieben sich die Landmassen so allmählich und geben mehr und mehr den Blick frei für das zuvor Verborgene. Wir kamen näher und näher und die Bucht die sich auftat wurde immer gewaltiger und schließlich so gewaltig, dass ich einsehen musste, und nicht nur ich, dass es keine Bucht war, auch kein Schlafplatz, sondern die Ostseite von Vis mit einer kleinen Insel dahinter.
    Wir waren irgendwie an Allem vorbei gepaddelt.
    Ich bekam einen Lachanfall und war froh dass die Wellen von links hinten jetzt ziemlich genau von hinten kamen und uns flott weiterbrachten.
    Wir disponierten um und flogen zwischen Ostseite und kleinen Inselchen hindurch und versuchten es schließlich mit einer kleinen Insel namens Budikovac.
    Also wenn wir schon so weit gekommen waren, dann war dies hier ein guter Ausgangspunkt für die Überfahrt zurück nach Hvar.
    Vorausgesetzt der Wind...

    Der Platz war nicht besonders toll.
    Nicht dass er nicht Pittoreskes vorzuweisen gehabt hätte, aber das Auge ist auch nicht alles.
    Es lag auch nicht an den zwei Yachten, die wir in Kauf nehmen mussten (im Gegenteil, die spielten Abends echte Gitarre und sangen echte Lieder auf tschechisch dazu)
    Es lag am Geruch der Möwen, die hier alle wohnten. Genauer an dem Geruch ihrer Kacke.



    Da mussten wir jetzt irgendwie durch, durch diesen penetranten Geruch und durch die Nacht und durch den Wind...
    Dieser fegte mächtig zu uns in die Bucht hinein.
    Wenigstens für die Nase eine böige Erleichterung.
    Ich mochte nicht an Morgen und eine mögliche Überfahrt denken.
    Ich hatte Schiss, dass uns weit draußen, ab vom Schuss solch ein Wind überfallen könnte und ich keine spannenden oder lustigen Geschichten mehr schreiben würde.
    Wir machten die Peilung für die Überfahrt falls es am Morgen dunstig sein würde und merkten uns die Gradzahl auf dem Kompass.



    Wir beobachteten die Verfärbung des Himmel und hofften auf Abendrot und aßen dabei Abendbrot, gingen zu Bett und Beyond hatte die Plane aufgespannt damit wir etwas Windschatten hatten.
    Im Windschatten roch allerdings die Möwenkacke doller.
    Ich träumte schlecht in dieser Nacht.
    Von Möwen die mir die Augen ausstechen wollten und anderem Unsinn. Der Wind verursachte allerlei Geräusche, die mich wiederholt weckten und dabei stellte ich fest dass die Möwen auch in der Nacht ständig herum flogen und Laute von sich gaben. Vielleicht weil wir für sie Eindringlinge waren und sie sonst den Strand auch für sich hatten?
    Dabei fiel mir auf was für verschiedene Schreie sie von sich geben können. Von Lachen wie die Hühner bis zu einer Art Miauen war alles vertreten. Allerdings lachten sie oft wie die Hühner und am einem gewissen Zeitpunkt der Übermüdung fragte ich mich ob die Bezeichnung Meerhuhn nicht eigentlich treffender als Möwe sei?
    Schließlich gibt es ja auch Meerschweinchen und Seeigel, Seekühe, Seehasen und Seepferdchen?
    Ok, Seehuhn geht auch, aber Meerhuhn ist besser, dann kann man für sich auch „Ich-kann-nicht-Mehr-Huhn“ draus machen.
    Geändert von Suomalee (26.08.2013 um 21:37 Uhr)

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    #40
    Innere Tiefdruckgebiete und äußere Strömungen


    Doch der nächste Morgen kam mit viel Röte am Firmament...
    und ich war mal wieder Seehundemüde (ah, noch so ein Tierchen).

    Beyond machte doch tatsächlich Anstalten heute und zwar lieber jetzt als gleich hinüber zu den vorgelagerten Inseln, dem Pakleni-Archipel vor Hvar zu paddeln.
    Ich versuchte es hinauszuzögern in der Hoffnung es würde windig genug werden dies doch nicht zu tun, aber Beyond hatte es sich in den Kopf gesetzt.
    Also hop hop - zusammengepackt und in See gestochen.
    Noch war zu unserer Linken die Insel Vis und so konnten wir einige Kilometer unter Land fahren, zwischen kleinsten Inselchen hindurch, an kleinen Fischerbooten vorbei...bis wir endlich die äußere Spitze mit dem Leuchtturm hinter uns ließen und aufs offene Meer gelangten.
    Dann arbeiteten wir uns stetig über das große Wasser...

    Manchmal kann das Meer auch im ruhigen Zustand beunruhigend sehr unheimlich sein...
    Man hat diese Tiefe unter sich und es scheint, als ob alles Unbewusste sich darin spiegelt und ungefiltert aufsteigt.
    Zweifel, die man lieber nicht hegt, nehmen ungefragt Platz an Deck und man hat noch nicht mal die Hände frei um sie wegzuscheuchen.
    Da sitzen sie und schneiden Dir Grimassen, tanzen Dir auf und führen Dich an der Nase herum.
    Machen sich nichts aus Deinen Wünschen, Hoffnungen und Ängsten.
    Mehren sich ungefragt und in epischer Breite aus (oder meeren sich aus?)...
    ...machen Dich mürbe - und als würdest Du Dich nicht sowieso schon klein und unbedeutend auf diesem großen Wasser fühlen, verzerren sie diesen Eindruck auch noch zugunsten des Meeres...
    Goya hätte das bestimmt sehr eindrucksvoll malen können.

    Hatte ich erwähnt ich hätte zuvor schlecht geträumt und schlecht geschlafen?
    Das kommt nun dabei heraus.
    Nicht nur auf die äußere Witterung ist also vor größeren Unterfangen zu achten, auch die inneren Tiefs sollten bedacht sein...

    Sonst ging es zunächst gut mit der Überfahrt wenngleich wir der Strömung in die Quere kamen, je mehr wir uns des Pakleni-Archipels näherten.
    Wir hatten in beträchtlicher Nähe der Küste, ca. ein, zwei Kilometer vom Land entfernt, den Kurs geändert und wollten direkt diagonal zur äußersten rechten Spitze hin um es nicht so weit nach Hvar-Stadt zu haben.
    Dort sollte unsere nächste Station sein.
    Aber mit dem geänderten Kurs hatten wir die Strömung in gesteigerter Form gegen uns.
    Nach einiger Zeit sprach mich Beyond darauf an.
    Du, sagte er, ich beobachte diesen Felsenschatten schon eine ganze Weile, aber seit wir den Kurs geändert haben, kommen wir nicht an ihm vorbei: wir werden abgetrieben und paddeln auf der Stelle.
    Also wieder Kurs ändern, es nützt nämlich nichts sich zu verausgaben und nicht von der Stelle zu kommen.
    Wir wählten zunächst den alten Kurs und das zeitigte Erfolg, wenn auch langsam.
    Da wir jedoch insgesamt viel weiter links von der Insel waren, paddelten wir gleich ganz links und damit weit weg von Hvar-Stadt langsam, sehr langsam an die andere Spitze von Pakleni heran.

    Es war wie Kaugummi, das Wasser.
    Man gleitet nicht, man schiebt sich mühsam durch die Wassermassen.
    Wir waren wirklich sehr verausgabt nach dieser Überfahrt, wenn auch ausnahmsweise mal nicht vom Wind.

    Da wir da wo wir jetzt waren schon mal waren, war es ein Leichtes einen Rastplatz zu finden und erst mal etwas zu essen und zu verschnaufen.
    Ein wenig heldenhaft fühlten wir uns schon, diese Tor-tour geschafft zu haben.
    Wir cancelten den Plan in Hvar-Stadt einkaufen zu gehen und wollten nur noch einen Lagerplatz finden.

    Doch leider kam keiner, oder wir sahen keinen und letztlich landeten wir wieder in unserer Zisternenbucht, wo wir schon einmal Bleiberecht erworben hatten und richteten es uns auf der Zisterne wieder häuslich ein.


    hallo again, ich sag einfach hallo again...

    An diesem Nachmittag, nach einer nicht enden wollenden Paddelstrecke (kein Wunder, wenn die Strömung stark gegen einen ist), war mir schlecht.
    Vielleicht hatte es mit meinem Kreislauf zu tun, vielleicht war ich einfach überanstrengt; ich legte mich in den Schatten auf die Zisterne und döste fröstelnd vor mich hin

    Beyond versuchte mich abzulenken in dem er für mich SEIGL fand und sie mir schenkte.
    Das half insofern, als dass ich noch viele weitere SEIGL in dieser Bucht fand und...eine weitere von diesen wunderschönen perlmuttschimmernden Muscheln!
    Abends hatten wir dann mal einen schönen orangenen Sonnenuntergang über Solta.


    Die Bucht Sviracina auf Hvar mit Blick auf Solta


    Bunker mit Balkon


    Wieder hieß es Abschied nehmen von diesen nun schon vertrauteren Platz und für heute hatten wir uns wirklich nicht viel vorgenommen.
    Nur ein Stückchen weiter an Hvars Küste entlang, eine schöne Bucht entdecken und dort ausspannen.
    Das klappte diesmal hervorragend denn es gab auf dem kleinen nördlichen Teil der Insel gleich mehrere Möglichkeiten.
    Wir suchten uns eine Bucht aus neben einer großen Felsenwand, die steil ins Meer abfiel am Kap Kabal.
    Hier sah es interessant aus.
    Zwar war die Bucht mit sehr spitzen Steinen ausgestattet, als wären wir auf einem Bahndamm gelandet, aber wir ließen uns nicht davon abschrecken.



    Wir sahen uns um.
    Viel Unrat, viel Gestrüpp aber auch eine üppige Brombeerhecke in ihrer Blüte.


    Traditionelle Brombeerblüte auf Hvar

    Es war noch früh am Tag, wir hatten nur sieben oder acht Kilometer zurückgelegt und irgendwie lag etwas in der Luft.
    Ich lief herum...Prima, da war wieder eine Zisterne und unserer Schlafplatz gesichert.

    Kennt Ihr das Gefühl wenn man spürt beobachtet zu werden obwohl man niemanden sehen kann?
    So was ähnliches hatte ich und konnte es mir noch nicht erklären.
    Aber es hatte mit Menschen zu tun, deren Präsens man (noch) spürt.
    Wir stromerten ein wenig herum zum Auskundschaften und freuten uns über unsere vielversprechende Entdeckung.
    Ein Weg ging seitlich den Hang entlang vor zur großen Felsenwand, an der ich zuvor vom Wasser aus irgendwas wie Mauerwerk oder Beton ausgemacht hatte.
    Da zog es uns zuerst hin.
    Wir gingen den Weg hinauf an das Ende der Bucht. Es war wunderschön im Schatten zu wandeln.
    Die Pinien standen hier dicht und groß.
    Besonders schön fand ich das Farb(zusammen)spiel zwischen dem noch frischen Piniengrün und den türkis-blauen Nuancen des Meeres.
    Ich habe viele Fotos gemacht, doch es lässt sich nicht ablichten.
    Deshalb lieber kein Bild.
    Aber Ihr könnt Euch das so vorstellen:
    Eine sich reibende Harmonie in allen warmen und kalten Grüntönen, freundlich und fröhlich und manchmal fast schrill.

    Auf dem Weg fanden wir ein rotes Handtuch.
    Huch, wo kam das denn her?
    Hatte es der Wind einer Yacht von Deck, hoch in die Luft hierhergeweht?
    Wir hoben es auf und waren kurzerhand vor einem Bunkereingang gelandet.
    Das ging ja ganz schön dunkel tief in den Fels hinein.
    Es kamen zwei Durchbrüche zur Meerseite hin und wir fanden uns auf Beobachtungsständen wieder und überblickten von dort die gesamte Wasserfläche. Links Hvar nord, geradeaus Solta süd, rechts Brac südwest.
    Gigantisch, denn wir hatten ja eine gewisse Höhe.
    Aber wie das so ist auf Fotos bleibt so ein Eindruck nicht hängen.


    Hier ein Ausschnitt des Ausblicks bei Sonnenuntergang

    Der Stollen ging tief ins Innere des Felsen, wir hatten keine Lampe dabei und machten kehrt.
    Es zog uns ans helle Licht und es war ein im wahrsten Sinne erwärmendes Gefühl aus der Kühle des Felsens wieder ins Freie zu gelangen.
    Auf dem Rückweg fotografierte ich ausgiebig und Beyond ging schon mal vor zu unserem Lager.

    Mit einem mal spürte ich...ich drehte mich um und da kam Jemand hinter mir den Weg entlang!
    Kurzer Sprachabgleich, bis wir feststellten dass wir beide Dieselbe sprachen und dann stellte sich heraus, das der Mann (wir haben beide seinen Namen vergessen, tja, kann ja nicht Jeder so außergewöhnlich heißen wie Amrei), tatsächlich die Nacht zuvor auf der Zisterne geschlafen und seinen Rucksack noch unmittelbar dort im Gebüsch versteckt hatte.
    Ihm gehörte auch das Handtuch, dass er auf dem Weg zum Bunker verloren hatte.
    Wir verbrachten noch eine Weile zusammen, auf dem Weg im Schatten sitzend, erzählend und essend.
    Dann ging unserer Gast seiner Wege.

    Wir machten noch mehr Spaziergänge, auch zur anderen Seite der Bucht gab es einen kleinen Pfad, der wohl dazu diente sich von dort aus die Sonnenuntergänge anzusehen.


    Blick auf unseren Schlafplatz
    Geändert von Suomalee (16.08.2013 um 11:56 Uhr)

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