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  1. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

    #1
    Mitreisende: Suomalee, Beyond
    Schnell - schneller - Urlaub!

    Diesmal hat es sich sehr spontan ergeben dass Beyond und ich einen Seekajaktrip planten. Also los geht’s, ich mag nicht lange vom Equipment schreiben. Klar, wir hatten zwei Boote dabei und auch Kompasse, Seekarten von Beyond und laminierte von Udo Beyer die er mir letztes Jahr überlies, eine Sternenkarte (allerdings mehr für die Nacht), ein Hermann Hesse-Buch (für die Pausen) und Ahoibrause (für echte Seeleute).

    Da ich bei unserem Trip vor zwei Jahren den Teil „feste fallen“ schon ausgereizt hatte (siehe Reisebericht Seekajakherz auffüllen) wollte ich diesmal den Schwerpunkt auf „feste feiern“ legen und so hatte Beyond jede Menge einheimisches, also bayrisches, Spezialgemisch im Gepäck sodass ich behaupten kann wir haben ordentlich gebechert denn wir hatten nur Becher dabei.
    Weil es im Süden meist warm ist, kann man seine Kleidung getrost zuhause lassen und dafür mehr Nahrungsmittel mitnehmen. Ich hatte 17 Portionen abgepackt an kochbaren Substanzen (ja ich wiederhole mich) in Bioqualität, denn irgendwoher muss ja die Leistung kommen. Nüsse, Nüsse und natürlich Nüsse. Frisches haben wir alle zwei bis drei Tage nach gekauft, sowie Wasser auch. Unser größter Wasservorrat betrug einmal sogar 36 Liter. Es war im Angebot und da muss man ja zuschlagen.
    Ansonsten ist das Leben dort zwischen Meer und Küste eher spartanisch, denn der Genuss besteht ja gerade daraus dass alles und um einem herum möglichst Pur ist. Deshalb haben wir weitestgehend kein Zelt und nur gelegentlich eine Plane benutzt. (Und deshalb brauchten wir ja auch eine Sternenkarte, damit wir unseren Lagerplatz auch unter einem Guten einrichteten)

    Es war einmal ein eigenbrötlerischer Mann der hatte die Aufgabe in den Mittelmeeren von Insel zu Insel zu fahren und dort überall nachzuschauen ob denn auch jeder Stein an seiner Stelle liegt. Weil er so seines Amtes waltete hieß er Walter. Es war auch eine Frau, die hatte so große Augen wie zwei türkisfarbene Seeigel. Sie hieß Lee und sie wusste (noch) nicht warum dies so war doch sie war dabei dies zu ergründen. Wie es das Schicksal so wollte taten sich die Beiden zusammen um auf dem Meer zu reisen, denn das war ihre Leidenschaft. „Ich kann für Dich am Abend kochen“, sagte Lee, “und tagsüber den Seeigeln die Zähne putzen während Du die Inseln vermisst und nachschaust ob alles an seinen angestammten Platz ist“.



    Das war ein guter Plan. Lee hoffte irgendwo auf einer der Inseln etwas zu finden. Vielleicht hatte ihr Name ja damit zu tun?!



    Die Fahrt an die dalmatische Küste war schön und unspektakulär. Wir übernachteten hinter einem Friedhof in Slowenien (durch die späte Wärme in diesem Jahr waren hier die Wiesen noch frühlingshaft und die Esskastanien blüten in ihrer unscheinbaren Art in zartem gelbgrün) am Waldrand zwischen gemähten Heuwiesen und Bienenstöcken. Ein Junikäfer kam noch in der Dämmerung vorbei und später ein einziges Glühwürmchen...dann hatten wir unser Bier alle und gingen schlafen.
    Anderntags ging alles sehr schnell und ehe wir uns versahen waren wir schon mittags in Vodice und suchten eine passende Stelle zum Einbooten. Länger dauerte es allerdings einen Platz für das Auto zu finden und nachdem wir ungewollt unschönen Familienstrukturen unserer zukünftigen Autobeherberger teilhaftig wurden, hatten wir endlich einen einigermaßen sicheren Stellplatz und widmeten uns dem Packen der Kajaks am Strand von Srima.
    Schwupp und los ging’s gegen 17:00 Uhr - erst mal Seemeilen machen und die Zivilisation hinter uns lassen. Wir paddelten hinüber nach Prvic, seine Küste entlang und wechselten bei nächster Gelegenheit auf die südliche Seite von Zlarin und schon war das Festland verschwunden.
    Jetzt konnte ich mich einfinden mit mir und meinem Boot, welches ich noch nicht oft gepaddelt bin. Tatsächlich musste ich mich noch daran gewöhnen dass es eine geringe Anfangsstabilität besitzt. Wir fuhren eher ruhig dahin, fast schweigend, jeder in seinen Gedanken treibend, an Inseln und Inselchen vorbei und von den Wellen leicht geschubst über links hinten. So sehr wir das unverhofft frühe Starten aufs Wasser genossen, so sehr wurde es Zeit einen Schlafplatz zu finden denn es war schon Abend und Hunger hatte ich auch.
    Nach einigen Suchen und Hinundherpaddeln fand Beyond eine seiner Lieblingsinseln wieder und wir landeten an. Eine ganz hübsche Stelle auf diesem Planeten war das! Mali Krebela heißt sie.



    Mit Felsenplateau und Hochbett im Gras unter Pinien. Dazu gab es den farbgewaltigsten Sonnenuntergang der ganzen Tour, den wir essender Weise mit erlebten. Erst grau, dann lila, dann flammend rot mit Edward Munch Wolken am restlichen Firmament in grellpink. In Zeiten von Analogkameras hätte man bereits jetzt schon sein gesamtes Filmmaterial verknipst.



    Dann stiegen wir in unser Hochbett die Felsen hinauf und ließen uns vom Wellenrauschen in den Schlaf wiegen.

    Geändert von Suomalee (16.08.2013 um 17:04 Uhr)

  2. Erfahren
    Avatar von xsamel
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    AW: Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #2
    Schöön!

    ...und jetzt bitte nicht solange schlafen, sondern weiter erzählen
    "Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen". Kurfürst F.W. aus Brandenburg, 1640 - 1688

  3. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #3
    Ein typischer Sonntag

    Morgens wusste ich dass ich wild geträumt hatte und dass die Mücken mäßig auf uns Zugriff hatten.
    Außerdem konnten wir Fischschwärme beobachten die nahe der Felsen Wasserballet darboten (klar, es war ja auch Sonntag).
    Beim Frühstück sahen wir ein uns unbekanntes Tier und nannten es Seeschnecke. Es war etwas mit einem Schneckenweichteilkörper und zwei Lappen seitlich an seinem Rumpf, dass von ihm rochenartig benutzt wurde. Also eine geflügelte Nacktseeschnecke kann man sagen.
    Sie schwebte durch türkisfarbene Wasser in Zeitlupenbewegungen...und braun gesprenkelt war sie.
    Wenig später entdeckte ich noch eine zwischen den flachen Felsen, dort wo wir ausgebootet hatten.
    Da ließ sich das Tier natürlich gut beobachten. Sie hatte wirklich diese typisch schneckige Kopfpartie mit den vier Fühleransätzen, die Teleskopartig zu variieren sind.
    Diese im flachen Wasser wollte jedoch nicht schwimmen sondern hatte sich eingerollt in ihre Flügellappen und wetterte wohl die Ebbe ab?

    Wie ich nun herausgefunden habe heißt das Tier Seehase und ist eine Meerschnecke!?
    Hier ein Foto von einem identischen Tier.

    Quelle: zentrales Medienarchiv Wikimedia Commons


    Da wir so unkompliziert los- durch- und weggekommen waren entschleundigten wir uns und begannen unsere Tour auf Mali Krebela mit einem Ruhetag.
    Wir nannten es Akklimatisieren.
    Hier auf der Südseite der Insel waren wir dem Festland abgewandt und obwohl es nicht weit entfernt war hatten wir durch unseren Blick auf nahe und fernere Inseln das Gefühl schon richtig weit Draußen zu sein.
    Die Insel war mit schönen Felsbändern gesäumt und bewaldet mit Pinien.
    Ansonsten gab es Grasflächen mit wildem Schnittlauch in lila und cremeweis und Mageritenartiges mit weisbepelzten Blättern. Vereinzelt goldgelben Mohn.
    Die Macchia war hier nicht ausgeprägt. Also irgendwie untypisch und eigenwillig.
    Aber auch hier alles noch recht frisch grün, noch nicht ausgezehrt von der Sonne.
    Noch nicht bleich und ledrig, noch elastisch und lebendig.
    Ein schöner Eindruck.
    Um es vorweg zu nehmen; ich suchte bewusst keine Seeigel dieses Mal, denn ich hatte ja so viele gefunden vor zwei Jahren und ich möchte ja nicht unverschämt sein...
    Aber: die Seeigel fanden mich!
    Bei meinen Spaziergang über die kleine Insel fand mich gleich der schönste Seeigel. Es hatte den Anschein als hätte der gestrige Sonnenuntergang auch auf den Seeigel abgefärbt, denn er war partiell hübsch errötet.

    Er war sehr sauber ausgewaschen, deshalb vermute ich dass er lange dort gelegen hatte, von Meer und Sonne herausgeputzt.

    Dann fand ich ein hübsches kleines rechteckigen Holzbrettchen, welches noch bläulich gefärbt war und mir auf der weiteren Reise gute Dienste leistete (neben Seeigel finde ich auch gerne Schwemmholz sowie gebleichte Wurzeln).
    So ein kleines Holzbrettchen eignet sich hervorragend um sein Kajak zu unterlegen wenn der Boden zu uneben ist, ist praktisch um einen Becher in groben Steinen oder Ähnlichem abzustellen, eignet sich als Fotohintergrund für Makroaufnahmen und dient als Auflage für den Hinterkopf wenn der Untergrund nicht bequem genug ist.



    Ich fand einen neuwertigen ovalen Netzschwimmer, den ich an einer Gummischnur hinten an den Fittings an meinem Boot befestigte um mein Paddel leichter fixieren zu können (es war ja Sonntag und das ist auch der richtige Tag für Tuning am Boot).

    Ansonsten war fotografieren angesagt...Das Meer hatte schon einige Motive zu bieten, die schön anzusehen waren und mit denen mein Körper vor zwei Jahren unfreiwillige nähere Bekanntschaft gemacht hatte. Diesmal also lieber nur in zwei D.



    So weit so gut, das sah nach einem vielversprechenden Urlaub aus...

    Nachmittags lasen wir in Hermann Hesses Märchen und dösten im Schatten...
    Abends kochten wir so richtig gemütlich und tranken eine ganze Menge Hopfengold, so nannte sich das einheimische Getränk von Beyond.
    Diesmal gab es einen leichten orangen Streifen am Horizont als Sonnenuntergang und bald darauf zeigte sich der Fastnochvollmond in lilapastelle Wolken gebettet im Südosten am Firmament.

    Also mit dem Sternegucken mussten wir noch ein paar Tage warten...





    ora et labora = bete und paddle

    Wir standen früh auf und bereits um 7:00Uhr waren wir unterwegs in Richtung Süden nach Primosten. Dort wollten wir eine Pause einlegen und ein wenig Lebensmittel einkaufen.
    Die Sonne hatte etwas Stechendes, doch maßen wir dem nicht viel Bedeutung bei. Noch paddelten wir auf ruhigem Wasser zwischen Inseln und Halbinseln am Festland entlang bis wir in Primosten am örtlichen Badestrand anlandeten.
    Wir tranken schnell einen Espresso und kauften Wasser und Essen ein, verstauten alles in den Kajaks und bemerkten währenddessen dass im Nordwesten der Himmel bereits sehr zugezogen war.



    Es ging weiter an Rogoznica vorbei, vorbei am Kap Movar, am Kap Fauc und am Kap Ploca. Doch so einfach war das nicht.
    Während wir paddelten wurde es immer schwärzer im Westen und ich sah auch bereits die ersten Blitze. Entscheidend ist wie schnell sich das Un-wetter nähert (darum fuhr ich die meiste Zeit mit dem Kopf nach links hinten gewendet). Und es näherte sich schnell.
    Doch das war das Eine. Das Andere waren Wind und Wellen die sich analog zu den Wolken verhielten. Das alles zusammen war eine Bora mit der wir noch weitere Tage Bekanntschaft hielten.
    Geändert von Suomalee (16.08.2013 um 17:11 Uhr)

  4. Alter Hase
    Avatar von peter-hoehle
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    AW: Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #4
    Ein sehr schöner und kurzweiliger Anfang.
    Bin schon auf die Fortsetzung gespannt.

    Gruß Peter
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  5. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #5
    Gekonnter Schreibstil und ein farblich wirklich anspechendes Bild. Fast schon ein kleines Kunstwerk. Ich freue mich auf mehr.
    Boote, Wasser, Küste....Das springt mir sofort ins Auge.
    Gruß Ditschi

  6. Vorstand
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    Avatar von lina
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    AW: Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #6
    Eine Geschichte, perfekt passend für einen Sonntag :-)
    Freu mich auch auf mehr!

  7. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #7
    Na ich geb' mir Mühe an diesem zu kühlen Sommersonntag möglichst viel zu schreiben.
    Da ist es natürlich prima von Usern motiviert zu werden.
    Allerdings ist es auch schön nach zu erleben und gleich wieder abzutauchen in noch lebendige Abenteuer.
    Eins kann ich mit Bestimmtheit sagen:
    Ich vermisse schon jetzt den Geruch der Macchia und das vielfältige Wellenrauschen...

  8. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #8
    Durch die Küstenlinie wurde der Wind abgelenkt und kam erst von Süden, dann von Westen bis Nordwesten. Die Wellen hatten 4 bis 5 Bft erreicht und kamen bei den Kaps (oder heißt es Kappen? ) von links hinten.

    Wie schon erwähnt ich kannte mein Kajak noch nicht so gut und hatte einigermaßen Schiss. Ich geriet teilweise in so heftigen Surf, dass ich, um eine gewisse Stabilität zu aufrecht zu halten schneller paddeln musste als ich es vermochte.
    Dementsprechend war meine Beschleunigung. Ich glitt Beyond einfach davon und fand das gar nicht schön.

    Die Vorstellung dass mein Kajak außer meine Kontrolle geriet und sich, je mehr ich beschleunigte, je schneller wegdrehen also entgleisen konnte behagte mir nicht. Zwar habe ich in der letzten Saison erfolgreich das Eskimotieren erlernt, doch mag ich es nicht gern auf See anwenden, schon gar nicht unfreiwillig. Das ist halt noch mal etwas anderes, rein psychologisch betrachtet.
    Ich verlies also (paddel-)schlagartig meine Komfortzone.

    Nach dem dritten Kap waren die Blitze und Fallstreifen so nah, dass wir in die Bucht bei Stivanica eintauchten und ganz hinten in einer kleinen Ortschaft zwischen einigen Badegästen sehr schnell unsere Plane zwischen den Booten aufspannten.
    Die Badenden hatten noch nicht bemerkt wie das Wetter sich änderte, denn hohe Felsenhänge versperrten ihnen den Ausblick auf das, was wir schon fürchten gelernt hatten.
    Wie anders doch die Sicht auf ein Unwetter als Landratte war! Dann zieht man sich halt was über, geht ins Haus und wartet bis die Sonne wieder scheint.
    Wir hingegen als Wasserratten kämpften, hatten Abenteuer zu bestehen, mussten Unterschlupf bauen und abwettern.
    Es dauerte nicht lange und die ersten Regentropfen fielen ins Wasser.
    Aber es blieb ein richtiges Unwetter aus. An den Felsen von den letzten drei Kaps kam es nicht vorbei. So schien einerseits verhalten die Sonne und andererseits regnete es. Gleichzeitig gab es gigantische indigo-bleigraue Wolkenschlieren am Himmel.

    Wir stärkten uns und tranken das noch gekühlte Dosenbier welches eigentlich für abends bestimmt war (aber wir hatten ja noch Hopfengold!).
    Wir rülpsten die vorher empfundenen Windstärken nach in der Hoffnung es würde den Wettergott gnädig stimmen, jedoch ohne nennenswerten Erfolg.
    Dann vertrieb ich uns die Zeit mit irischen Geschichten in gesungener Form. Da geht es dann um Frauen, die sich als Männer verkleiden und zur See fahren, oder welche die mit ihrem Gesang ganze Mannschaften an Bord einschläfern und den Kapitän um seine kostbaren Fracht berauben, um Lord Franklin und die Nordpassage usw.
    Das schien schon besseren Einfluss auf den Wettergott zu haben und allmählich stabilisierte sich die Wetterlage soweit dass wir unsere Zelte ab- und selbst aufbrechen konnten zu neuen Ufern weiter gen Süden zur Insel Mali Drvenik.
    Die Wellen schaukelten uns leider immer noch von links hinten was mir, wenn ich nicht mit surfen beschäftigt war, kardanmäßige Bewegungen einbrachte die mein Kajak mit mir vollführte.
    Irgendwie erinnerte mich das an das Levitieren...?
    Leevitieren! Ich wurde also levitiert (kommt sonst nur bei Heiligen im Mittelalter vor).
    Das war aber auch das einzig Lustige daran.

    Wir steuerten die Festland zugewandte Seite von Mali Dvrenik an damit wir nicht so viel Seegang hatten.
    Bald fanden wir eine passable Bucht um zu lagern und Beyond konstruierte seinen Planenkatarmaran zum Abwettern.



    Kochen, ein wenig herumlaufen, ein paar Badende aus Tschechien beobachten...dann dunkelte es.
    Aber nicht weil es dämmerte, doch dafür uns:


    Götter - Dämmerung





    Wir begriffen dass sich die Wetterlage noch nicht beruhigt hatte, im Gegenteil.
    Wir beobachteten riesige Blumenköhler, die sich im Süden bildeten.



    Auch Hammerwolken genannt. Im Norden dagegen wurde es indigo-schwarz und die ersten Fallstreifen markierten den Horizont. Vor und im Osten über dem Festland wurde es ebenfalls finster und ehe wir alles recht begriffen hatten sich drei Gewitter gebildet.

    ...Unter der heimeligen Plane im Schlafsack liegen und in die blaue Welt schauen.
    Alles ist blau wie durch einem Farbfilter.
    Mit einem Mal Zeit haben, viel Zeit und nachdenken können, nachsinnen und spüren...
    Es ist so viel geschehen in den letzten Wochen...und unterschiedliche Gefühle steigen in mir auf.



    Ich fühle all das Elementare und Substanzielle, fühle mich weich und zerbrechlich, bin Auge und Haut...


    Lee hoffte irgendwo auf einer der Inseln etwas zu finden. Vielleicht hatte ihr Name ja damit zu tun?!
    Doch zunächst gingen die Beiden auf große Fahrt, zwischen Inseln und Inselchen hindurch.
    Durch Unwetter und Stürme und Lee wünschte sich sehr dass ihr Name etwas mit dieser Reise gemein haben möge, denn sie sehnte sich nach der dem Wind abgewandten Seite.
    Doch wie es in Erzählungen nun mal ist, müssen die Abenteuer und Prüfungen gemeistert werden bevor ein Ziel winkt. Und so erging es auch Walter und Lee.
    Ein wenig Ablenkung hatte Lee als sie an die Küste einer Insel Namens Solta gelangten und in einer kleinen, feinen Bucht ein wenig Rast machten. leider war die Bucht zu klein als dass man ein Nachtlager hätte errichten können.
    Walter waltete seines Amtes und prüfte die Landschaft. Dabei entdeckte er ein großes Etwas im Wasser, welches offensichtlich nicht schwimmen konnte. Lee sprang rasch in die Wellen und angelte einen großen, grimmigen Falter heraus.
    Sie setzte das erschöpfte Tier auf den Kieseln ab und machte mit einem Brett ein wenig Schatten.
    Vielleicht war es ja ein Nachtfalter und mochte die heiße Mittagsonne nicht so sehr? Oder vielleicht hatten die kleinen Wassertröpfchen im Pelz des Tieres eine Lupenwirkung und am Ende fing er noch an zu brennen?
    Während ihrer Rast schaute Lee immer wieder nach dem großen Falter. Dann fasste sie sich ein Herz und fragte vorsichtig: „Großer Falter, kannst Du mir sagen was ich suchen oder finden soll?“
    Aber der große Falter war zu grimmig und zu erschöpft um eine Antwort zu geben. Er wollte nur lieber weg vom Strand hinein in die Vegetation, die hohen Gräser und sich verkriechen. Also setzte Lee ihn um und verabschiedete sich von ihm.
    Das ist der grimmignasse Falter (ca.10 cm lang)

    Geändert von Suomalee (01.03.2015 um 06:38 Uhr)

  9. Anfänger im Forum
    Avatar von RionCRaven
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    AW: Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #9
    Wow was ein toller Bericht, es macht wahnsinnig spaß das lesen zu dürfen.

    Vielen Dank dafür und hoffentlich geht es bald weiter.

    Liebe Grüße Rion

  10. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #10
    Die Drei Gewitter taten sich zusammen und wurden eins. Links, wo wir hergekommen waren, vor uns über dem Festland und rechts in Richtung Trogir und Split - überall Blitze oder Wetterleuchten.
    Ein echtes Spektakel. Allerdings blieben wir von Regen verschont. Nur die Gischt spritzte ab und zu bis in unser Lager.
    Doch der Wind, oder besser Sturm war heftig.
    (Wir waren am nächsten Morgen geradezu erkältet, derart zugig war es in unserem Landkatamaran gewesen und so lernte ich auch schon an Land etwas über den Düseneffekt und mehr darüber bei der nächsten Überfahrt nach Solta)

    Plötzlich wieder Stadionbeleuchtung über Trogir und Split und irgendwie war nachher alles anders, nur was?
    Stromausfall am Festland!
    Ungefähr die Hälfte der Küstenlinie die wir überblicken konnten war komplett dunkel...
    Als bei denen am Festland die Lichter wieder angingen, sah das recht putzig aus.
    So wie wenn die Kerzen einem Adventskranz angezündet werden...Erst eins, dann zwei , dann drei, dann vier...dann...

    Mitten in der Nacht wachte ich wieder auf. Beyond war damit beschäftigt die Plane nach zu spannen. Von dem heftigen Stürmen hatte sie zu viel Spiel bekommen und es war ja noch kein Ende des Unwetters abzusehen. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier?
    Da kam noch ein viertes nächtliches Gewitter hinterher.
    Später erfuhren wir durch Beyonds Heimattelefonate dass die Großwetterlage über Europa sich heftig umstrukturierte.


    Tatsachen, Fundsachen und andere praktische Maßnahmen


    Am nächsten Morgen hatte der Wettergott die Luft geputzt, so klar und frisch war sie...
    Ich machte einen kleinen Spaziergang denn ich war noch recht benommen von der unruhigen Nacht.
    Wir brachen auf. Beyond wollte südlich um die Insel paddeln.
    Doch kaum verließen wir die geschützte Zone zwischen Festland und Insel hatten wir mächtig Dünung von den nächtlichen Unwettern.
    Wieder mal Welle von schräg hinten links und ich hatte mich immer noch nicht daran gewöhnt. Irgendwie waren sie doch täglich etwas anders. Ich machte regelrecht eine Wellenschulung durch. Hat natürlich auch sein Gutes.
    Später auf der Tour war ich dann ziemlich souverän als es an manchem Kap 6er Wellen hatte im Kabbelwasser!
    Beyonds Kodiak ist ein echter Frachtkan neben meinem Biskaya.
    Sein Boot liegt ruhig im Wasser und meines schlawenzelt umher.

    Wir keuzten zwischen Inseln hindurch an der einen Seite Veli Drvenik und an der anderen Seite Orud. Und dann kam der richtige Düseneffekt.
    Kleine Inseln gaben das große Meer frei und die Wassermassen wurden zwischen ihnen hindurch gedrückt, sodass es deutlich zu spüren war wie diese uns abdrängten.
    Obendrüber war ja „nur“ die heftige Dünung zusätzlich zu den Wellen die mit dem mittäglichen Mistral einsetzten.

    Wir entschieden auf der Innenseite, also die dem Festland zugewandte Seite von Solta anzusteuern um es etwas ruhiger zu haben. Es dauerte eine kleine Ewigkeit bis wir aus dem ungeschützten Bereich heraus waren und Solta zum Greifen nah war und mentale Sicherheit versprach.
    Allmählich dämmerte es mir, wieso Udo Beyer meine Urlaubspläne fragend kommentierte mit: aber ist denn die Wetterlage nicht sehr unberechenbar, im Juni/Juli?
    Doch ich hatte mich auf Beyond verlassen, der schon öfters um diese Jahreszeit in diesen Gefilden unterwegs war und dachte mir nichts weiter dabei.
    Endlich erreichten wir auf Solta eine kleine Bucht. Sie besaß zu wenig flaches Hinterland als dass man hier hätte lagern können. Aber für eine Pause reichte es. Hier gab es wieder meinen beliebten Müllselbstbedienungssupermarkt in dem man Unrat und Rat finden konnte.
    Klar fand ich einen Seeigel.
    Und Netzschwimmer, sogar ziemlich viele. Beyond und ich teilten sie uns nach Form auf, die kleinen Runden für mich (wegen der Ähnlichkeit mit Seeigeln) und die größeren Fässchenförmigen für ihn.
    Ich fand auch anthrazitfarbene Bimssteine. Super um Hornhaut abzuschmirgeln.
    Beyond fand sein erstes und längstes Seil, über 10 Meter lang und ich eine schöne Wurzel, die fortan mein Top vom Kajak und die Seekarten zierte.

    Dann stachen wir erneut in See um einen Lagerplatz zu suchen.
    Im Norden der Küste entlang paddelten wir und fanden eine kleine Bucht unweit einer Ansammlung von Häusern. Es war sozusagen der örtliche Badestrand, jedoch nicht stark frequentiert und deshalb zogen wir es vor hier unsere Boote an Land zu ziehen und zu lagern.
    Zuvor hatte heftig die Sonne geschienen doch nun verschleierten Wolken diese und Beyond errichtete vorsichtshalber gleich einen Planenkatamaran.
    Ich ging baden, ich ging spazieren und Seeigel finden...

    Und nun mal in eigener Sache so unter uns:
    Der Seeigel.
    Er verlangt Aufmerksamkeit!
    Nicht nur beim Suchen und Finden, beim Säubern und Verstauen.
    Nein, schon bei der Aussprache seines Namens.
    Sagt einmal Seeigel ganz schnell.
    Aha, merkt Ihr was?
    Man neigt dazu das Wort zu vernuscheln. Heraus kommt etwas wie: „Seegel“ oder so, jedenfalls wenn man normaler Weise mehr oder weniger Hochdeutsch spricht.
    Außerdem kostet es viel Zeit dieses Wort korrekt artikuliert auszusprechen, ganze drei Silben lang.
    Da geht schon die halbe Konversation des Urlaubs dabei drauf, vor allem wenn man sich dauernd über Seeigel unterhalten muss weil man wieder neue findet, putzt, seziert und mustert. Ausserdem waren da ja noch die lebendigen Exemplare, die auch Aufmerksamkeit wollten oder besser Zeit in Anspruch nahmen.
    Man muss auch im Urlaub ökonomisch denken und handeln und deshalb strich ich kurzerhand die doppelten Buchstaben aus dem Seeigel heraus.
    Heraus kommt die Zeitersparnis von ganzen Zwei Silben, also Zwei Drittel Zeitersparnis und ein lustiges neues Wort:
    Der SEIGL!
    (Muss man sich bayrisch betont vorstellen wie in Bier-Seidl)

    Deshalb sei an dieser Stelle dem Seigl ein kleines bescheidenes Denkmal errichtet, wenn auch nur für eine Nacht aber wenigstens als Foto verewigt.

    Geändert von Suomalee (08.08.2013 um 23:52 Uhr)

  11. Erfahren
    Avatar von xsamel
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #11
    hm, was meinst du mit Seeigel, äh, sorry! Seigl also "weil man wieder neue findet, putzt, seziert und mustert"?

    ...werden die von dir wirklich seziert?
    "Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen". Kurfürst F.W. aus Brandenburg, 1640 - 1688

  12. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #12
    Na ja xsamel,
    also es versteht sich von selbst dass ich den Tierchen nichts tue. Aber wenn ich sie nach ihrem Ableben finde, kann es schon sein dass die Sonne und das Meer, oder die Möven sie nicht ganz bis auf ihr Gehäuse reduziert haben.
    Und entweder man findet ihre Laterne oder eben noch mehr...

    Wenn ich sie dann säubere, dann kommt das einem Sezieren schon recht nahe, allerdings soo viel ist ja nicht drin, von der Laterne abgesehen.
    Ich schreibe noch mehr darüber, also dranbleiben...
    Wegen der Laterne bitte den anderen Reisebericht von vor zwei Jahren lesen, da habe ich mich ausführlich damit befasst.
    (mein Seekajakherz auffüllen heißt der, wegen des Wiedererkennungseffektes bleibe ich dem Wort Seekajakherz treu, verstehst?)

    Wenn ich einen SEIGL gefunden hatte aus dem unten noch die Laterne heraus schaute und seine Häute unversehrt waren, er sich schwer anfühlte...
    habe ich in wieder eingetopft, also ins Meer zurückgeworfen.
    Ich habe später erst bemerkt, dass bei unruhiger See die kleinen Tierchen manchmal den Halt, also ihre Fassung verlieren und mit der Brandung an den Strand gespült werden.
    Sehr schnell kommen dann die Möven und holen sich eine Zwischenmahlzeit ab.
    Deshalb MUSS man SEIGL schnell wieder eintopfen wenn sie noch unversehrt und schwer sind.
    Schwer bedeutet nicht dehydriert.
    Das muss ich nicht weiter erklären. Dehydriert machen eigentlich alle Lebewesen einen ziemlich schlechten Eindruck.
    Doch zurück zum Thema:


    Durch den Wind


    Es wurde schon wieder extrem windig und wir waren inzwischen ein wenig genervt von so viel Wind.
    Das zehrt an den Kräften, selbst beim Nichtstun. Jeder Motorradfahrer kann das bestätigen.
    Wir waren also mal wieder durch den Wind.
    Beyond überlegte dass er den Planenkatamaran hätte um 90 Grad gedreht hätte aufbauen sollen.
    So genossen wir eben wieder den zuvor beschriebenen Düseneffekt.
    Doch dann hatte man ja keinen direkten Ausblick auf das Meer.
    Wir schmiedeten Pläne von durchsichtigen Folien als Tarp um den Panoramatapeteneffekt zu behalten in unserer bescheidenen Outdoorhütte.
    Aber wir müssten es uns in jedem Falle patentieren lassen.
    Derweil kochten wir unser Abendessen und hingen unseren gedanklichen Konstruktionen nach als sich bereits der Sonnenuntergang ankündigte.
    Einige Bewohner der naheliegenden Häuser gingen zum Strand oder angelten in den Felsen.
    Wir wollten auch schauen wie der Sonnenuntergang wurde, vielleicht verriet er etwas über das morgige Wetter? Hoffentlich etwas Gutes?
    Wie wäre es mit einem Schönwetterrot zur Abwechslung?
    Bitte ... ...Na ja, seht selbst, irgendwie dramatisch wirkte er.



    Wir überlegten ob es irgendeinen Sinn ergab, wenn wir die Sonnenuntergänge, also deren Schönheit, in Zusammenhang mit dem Gelingen unserer Abendmahlzeiten bringen würden...
    So wie beim Eiskunstlauf die A und B Note vergeben wird.
    Also das Abendessen ist die Pflicht und der Sonnenuntergang die Kür, oder so...
    Aber das hätte unseren gesamten Urlaub durcheinander gebracht sodass ich nicht mehr gewusst hätte wie ich das hätte schriftlich umsetzen sollen.
    Manche Gedanken lassen sich einfach nicht konsequent zu Ende denken, oder zumindest nicht in der Zeit die zur Verfügung steht.
    Trotz zweisilbiger Einsparung im Seeigel.

    Wir tauchten kurze Zeit später in eine windige Nacht ein und Beyond baute kurzerhand das Tarp wieder ab.
    Wir beschlossen dass es auch diese Nacht nicht regnen würde, jedenfalls nicht über uns.
    Denn wir waren schon erkältet genug um noch eine Nacht im Windsimulator zu verbringen.
    Nun lagen wir unter freien, bewölkten Himmel, immer noch mit Wind, aber schon etwas gemäßigter als zuvor.
    Wieder eine Nacht mit hellem dreiviertel Mondschein ansonsten keine bösen Überraschungen.

    Wir hatten seit drei Tagen Bora. Die bläst in Böen also nicht unbedingt kontinuierlich.
    Und wir hatten morgens unseren Kaffee im Schlafsack, weil es noch recht frisch war.
    Nachdem wir aufbrachen hatten wir dann zur Abwechslung mal Wind von links vorne!
    Super, denn ich hatte mich gerade an die Schübe von Hinten gewöhnt...
    Und stetig zunehmend. Den Wind meine ich. Weiter also im Norden um Solta.

    In dem Hafenstädtchen Stomorska landeten wir an, um einzukaufen (auch Bier).
    Hier im Hafen konnte ich die Segler nach dem aktuellen Wetterbericht fragen.



    Tatsächlich Bora und gegen Nachmittag sollte sie noch mal richtig aufbrausen.
    Ab morgen dann sollte es besser also ruhiger werden.
    Na toll.
    Schnell noch am örtlichen Badestrand eine wunderschöne Perlmuttmuschel im Vorübergehen gefunden, ja ich kann ja auch nichts dafür wenn die anderen Leute nicht richtig hingucken
    (ist auf dem blauen Brettchen weiter oben im thread mit abgebildet).


    Und ab in die Boote noch eine letzte Etappe für heute schaffen, einen Lagerplatz finden zum abwettern und wettern...über das Wetter.
    Erstaunlicher Weise hatte sich der Wind gelegt als wir wieder den Hafen verließen und so kamen wir gut voran, bis zum unteren Ende von Solta.
    Und nun? Rüber nach Brac? Oder um Solta herum in seinen Süden?

    Beyond entschied sich für den Süden, weil wir dann unter Land waren und es eine weniger windige Nacht versprach. So machten wir das auch und paddelten, Brac zu unserer Linken im Uhrzeigersinn um Solta.
    Zunächst kamen keine Buchten, nur schroffer Fels, nichts für GFK-Boote...

    Dann kamen tiefe Buchten in denen auch Segler ankerten. Wir fanden eine die Seglerfrei war.
    Veli Travna.
    Hinten drin erhöht stand eine stattliche Bauruine, aber es war Niemand zu hause.
    Eine Minimole gab es. Da konnte jedoch höchstens einer von uns drauf schlafen.
    Drei kleine Strände gab es. Entweder zu untief, zu steil oder zu unwegsam. Wir blieben trotzdem.
    Die Bauruine hatte eine riesige überdachte Veranda , die würde im Notfall unser Lager sein.
    Wir wollten üblicherweise nicht so nah an Besitz von Fremden heran aber Notfall ist Notfall.

    Wir hielten uns jedoch unten an der Minimole auf, endeckten dort einen Ameisenstamm, Haufen war es keiner, denn sie wohnten unterirdisch. Wahrscheinlich war einer von uns unabsichtlich auf einen Stein getreten, der sie durcheinander brachte und zum Herumwuseln veranlasste. Wir markierten ihren Eingang indem wir einige Steine darauf legten. So würden wir nicht wieder drauftreten und die Tierchen konnten zur Ruhe kommen.
    Nach einer Stunde war keine Ameise mehr zu sehen, sie hatten sich beruhigt. Das war gut für uns, denn wir wollten neben ihnen schlafen und das wäre nicht gut herausgekommen bei weiterer oberirdischer Aktivität ihrerseits.

    Ja ich fand SEIGL, sogar Beyond fand welche und das will was heißen.
    Und natürlich Netzschwimmer, die fand ich schon genauso häufig wie die SEIGL und einen schönen großen Fischwirbel, ich tippe mal auf Thunfisch, der Größe nach (auch weiter oben auf dem Foto).

    Wir erweiterten die Mole über Eck indem wir die Kiesel nivellierten und so zwei Schlafplätze erhielten.

    Dann kochten wir in der allerersten Reihe bei Bier und SEIGL zu unseren Füßen im Wasser unser Abendessen und sinnierten über die wirklich wichtigen Dinge im Leben.
    Waren SEIGL Zwitter? Wie vermehrten sie sich? Bei all den Stacheln und im Innern fand ich doch eigentlich nur ihr Gebiss, die schöne Laterne des Aristoteles .. .- wenn‘s hochkam noch ein wenig orangerostfarbenen Schleim... Waren sie festgemacht am Untergrund oder konnten sie sich bewegen? Sprachen sie miteinander?
    Mystische Fragen, keine Antworten, noch nicht...




    Aber der große Falter war zu grimmig und zu erschöpft um eine Antwort zu geben. Er wollte nur lieber weg vom Strand hinein in die Vegetation, die hohen Gräser und sich verkriechen. Also setzte Lee ihn um und verabschiedete sich von ihm.
    Doch Lee fand noch mehr.
    Sie fand so viele Plastikflaschen am Strand und Plastikschuhe, aber immer nur einen?!...und Zahnbürsten....
    Also das mit den Zahnbürsten wusste sie ja schon von ihrer letzten Reise mit dem Herrn Walter auf den Südmeeren:
    Die Zahnbürsten liegen am Strand um den Seeigeln die Zähne zu putzen...viel mehr anderes besaßen sie ja nicht, abgesehen von ihren Stacheln.
    Das war wie bei Frau Holle wo der Brotschieber neben dem Holzofen liegt, damit die Goldmarie die Brote heraus holen kann.
    Aber die Flaschen und Schuhe, die gaben Lee Rätzel auf...
    Mystische Fragen, keine Antworten, noch nicht...
    Geändert von Suomalee (08.08.2013 um 23:58 Uhr)

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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #13
    Hej Outdoor-Gemeinde, Seekajak-Freaks, hallo Lee,

    als ich früher diese Gegend um das Kap Ploce und der Küstenlinie Split - Trogir zur selben Jahreszeit mit dem Kajak unsicher gemacht hatte, war das Wetter immer sehr ruhig. Vermutlich zeigte der Meeresgott Neptun an mir alten Knacker kaum Interesse.

    Gut, der Meastral blies auch früher schon mit 3 bis 4 Beaufort und trieb mich an der Südküste von Solta in einem Abstand von 3 bis 4 km/h voran. Aber wie hast Du geschrieben? „Beyonds Kodiak ist ein echter Frachtkahn ...“ So ein Containerschiff liegt halt wie ein Baumstamm im Wasser – nichts kann ihn erschüttern. Das mussten auch zwei Kroaten im Jahre 2002 einsehen, die mit einem Schlauchboot extra wegen mir aus einer Bucht ungefähr in der Mitte von Solta herangefahren kamen und mir dringend empfahlen, etwas weiter in der sicheren Küstennähe zu paddeln. Als ich ihnen erzählte, dass ich von Grado/Triest komme und schon heftigere Wellen und Winde auf meinen beiden Überfahrten vom Grado zum Kap Savudrija und vom Kap Kamenjak zur Insel Unije mit jeweils rund 20 km gehabt hatte, erkannte sie scheinbar die Qualitäten meines Seekajaks und ließen mich ziehen. Allerdings hatte ich ihnen nicht verraten, dass es damals meine erste längere Tour in einem Seekajak war: Grado – Dubrovnik und wieder zurück mit etwas 1.500 km.

    Eigentlich sollten nach den dalmatinischen Wetterstatistiken in den Monaten Juli und August die windstillsten Zeiten für die kühle Bora aus nordöstlichen und dem warmen Jugo aus südöstlichen Richtungen sein. Na ja, vielleicht war Neptun heuer nur auf meine charmante Begleitung neidisch und hat deshalb so getobt.

    Viele Grüße
    Beyond

    Kleiner Nachtrag:

    „Ja ich fand SEIGL, sogar Beyond fand welche und das will was heißen“, schreibt Lee. Auf meinen Solotouren war mein Blick geschärft auf das reine Praktische: Taue, Enden, Leinen, Bändsel, Schnüre, Schnürl ... Erst allmählich schaffte es Lee, mein Auge auch an das Schöne zu gewöhnen, z.B. SEIGEL (vom Wellenschlag an Land gespült, mit oder ohne Stacheln), Muscheln mit Perlmutt-Innenschicht, knorrige Wurzeln mit besonderem Drehwuchs, Schwemmholz mit der Patina des Mittelmeeres ... beharrlich, aufopfernd, immer das Ziel vor Augen – manchmal sogar erfolgreich und das will was heißen! (Smiley: „Zwinkern“)
    Geändert von Beyond (14.07.2013 um 18:33 Uhr)

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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #14
    Stachelige Fakten


    Nein wie süss ist dass denn?

    Gerade habe ich im Internet recheriert und habe folgendes heraus gefunden:

    Seeigel sind Herdentiere, die die Küsten bis in eine Tiefe von 70 Metern besiedeln.
    Dabei bevorzugen sie felsigen Untergrund in ruhigem seichtem Wasser, das vom Wellengang nicht oder nur sehr wenig beeinflusst wird.
    Tagsüber verstecken sie sich in Höhlen oder Felsspalten oder sie drängen sich zum Schutz vor Fressfeinden dicht aneinander, so dass sich ein undurchdringlicher Stachelwald bildet. Nachts entfernen sie sich bis zu sechs Meter von ihrer Höhle und weiden Algen ab, wobei sie bis zu einem Meter pro Stunde zurücklegen können.
    Ein Großteil der Tiere kehrt am Ende der Nacht in dieselbe Höhle zurück – sie gehen so zu sagen „nach Hause“!

    Die Stachelhäuter sind getrenntgeschlechtlich, das heißt, es gibt Männchen und Weibchen, die sich äußerlich jedoch nicht unterscheiden.
    Die Befruchtung findet frei schwebend in einer Art Massenbesamung in der Wassersäule statt, nachdem tausende Seeigel gleichzeitig Sperma und Eizellen freigesetzt haben.
    Die daraus entstehenden Larven treiben bis zu zwei Monate im Wasser und legen dabei Distanzen von mehreren Kilometern zurück, bis sie sich in Gruppen auf felsigem Untergrund niederlassen.
    Hier entstehen durch Metamorphose ein bis zwei Millimeter kleine juvenile Seeigel. Werden sie nicht gefressen, erreichen sie ein Alter von bis zu vier Jahren.
    Die Fortpflanzung findet ganzjährig statt, wobei verschiedene Höhepunkte beobachtet werden.
    Auf den Kanaren zum Beispiel liegt die Hauptfortpflanzungszeit in den Monaten Mai bis Juli, wobei die Befruchtung immer zu Vollmond stattfindet.

    Quelle: Lanzarote 37/ Inselmagazin/ (11/08 No.28)


    Schade, ich weiß ja gar nicht ob ich männliche oder weibliche SEIGL gefunden habe.
    Aber dass sie mit dem Mond gemeinsame Sache machen habe ich mir fast schon gedacht.

    Und:

    Seeigel züchten Kristalle

    Über ihre Oberfläche kommunizieren Kristalle mit ihrer Umwelt. Bei antiken Denkmälern ist dies deutlich zu sehen in einem regelrechten "Gesichtsverlust", der durch Feuchtigkeit und andere Faktoren ausgelöst wird. Aber Minerale werden durch die umgebenden Substanzen nicht nur zerstört: Die Umgebung kann auch den Aufbau eines Kristalls steuern. So züchten Seeigel ihre Stacheln aus sich aufbauenden Kristallen gezielt in die für sie vorteilhafte Form. Dies berichten Mineralogen im Wissenschaftsmagazin RUBIN Geowissenschaften der Ruhr- Universität Bochum.
    So züchten Seeigel ihr Skelett und ihre Stacheln gezielt heran, indem sie Kristalle nur in ganz bestimmter Art und Weise wachsen lassen. Proteine in der Zellflüssigkeit benetzen die Oberfläche des wachsenden Kristallkeims und sorgen dafür, dass der Kristall nicht rhomboedrisch wächst, wie er es ohne Beeinflussung tun würde, sondern dass sich die neuen Atome nur in der gewünschten Richtung anlagern.

    Proteine steuern Prozesse

    Deshalb ist ein Seeigelstachel praktisch aus dem natürlichen Kristallgitter herausgeschnitten. Welche Proteine für die Steuerungsprozesse verantwortlich sind, ist Gegenstand weiterer Forschung. Erste Experimente mit einfachen Aminosäuren haben jedoch bewiesen, dass das gezielte Kristallwachstum damit möglich ist.
    Wissenschaftler vermuten in der Kommunikation zwischen Kristalloberfläche und Umgebung auch den Ursprung des Lebens: An eine Kristalloberfläche geheftet könnten die organischen Lebensbausteine sich erstmals so nahe gekommen sein, dass sie Verbindungen eingehen konnten.

    scinexx , das Wissensmagazin (idw - Ruhr-Universität Bochum, 16.05.2007 - DLO)



    Aha! Feuchtigkeit ist also auch für Gebäude von zentraler Bedeutung, nur im umgekehrten Sinn...

    Noch schnell ein SEIGLwürdigungsfoto, weil sie soo gescheit sind!



    Aber die Flaschen und Schuhe, die gaben Lee Rätzel auf...
    Mystische Fragen, keine Antworten, noch nicht...
    Lee überlegte während des Zähneputzens ihrer eigenen und die der Seeigel, selbstverständlich mit verschiedenen Zahnbürsten, welchen Reim sie sich darauf machen sollte.
    Gab es hier vielleicht Lebewesen die Wasser benötigten?
    Sie wusste dass so ziemlich jeder lebendige Organismus Feuchtigkeit brauchte, das hatte sie unlängst erst gelesen...
    Und die Schuhe? Immer nur ein einzelner. Konnte es sein dass es sich um einbeinige Wesen handelte?
    Da fand sie ihre Vermutung bestätigt, denn sie entdeckte ein einzelnes Bein im Strandgut.



    Etwas grausig war das ja schon und hoffte dass es nichts mit ihrer Suche zu tun hatte...aber nein, Lee hatte doch mit der dem Wind abgewandten Seite zu tun und nicht mit einbeinigen Gesellen.
    Sie beschloss ihnen nicht weiter Aufmerksamkeit zu schenken, lediglich Achtung, denn die sollte man allen Lebewesen entgegenbringen, gleichgültig der Anzahl ihrer Beine.

    Sie erinnerte sich an einen Reim der ungefähr so ging:

    Drei, zwei, eins...keins.
    (?)
    Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden...
    Geändert von Suomalee (09.08.2013 um 00:06 Uhr)

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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #15
    Hallo Seefrau+Seemann,
    Danke dafür, dass die Spannung der nächsten Abende gesichert ist.
    Liebe Grüße
    Jürgen

    PS: Lej hat seine Seeigelsammlung auch etwas erweitert

  16. Erfahren
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #16
    Hier hinten in der Bucht war von Bora nicht viel zu merken, kein Vergleich zu den zwei Lagerplätzen zuvor.

    Ich versuchte noch mit der stumpfen Seite eines Messer vorsichtig unter einen SEIGL, also zwischen seinen Stacheln und der Minimolenmauer zu gelangen und ein wenig Druck auszuüben.
    Waren die festgeklebt?
    Tatsächlich hatte der SEIGL einen Saugnapfeffekt.
    Ich konnte ihn nicht bewegen. Und fester wollte ich es nicht probieren.

    Als wir nach dem Essen unser Geschirr abwaschen wollten...war der SEIGL verschwunden!
    Er hatte ratz fatz unbemerkt seine Position verändert.
    Und nicht nur das: auch die SEIGL in seiner unmittelbaren Umgebung waren nicht mehr da.
    Es stimmt also dass es Herdentiere sind und dass sie sich bewegen können.
    Was ich jedoch nach meinen neuesten Erkenntnissen nicht mit Bestimmtheit sagen kann ist, ob der SEIGL ging weil ich ihn störte, oder ob er sowieso gerade auf dem Nachhauseweg war, wie die anderen SEIGL auch...
    Hier mal ein SEIGL beim missglückten Landgang...oder Nachhauseweg...





    Nachtunruhe


    Die Nacht war sternenklar und wir bekamen eine Menge Sterne zu sehen.
    Der Mond ging inzwischen recht spät in der Nacht auf und so konnten wir noch eine Weile staunen.

    In einen prallgefüllten Sternenhimmel zu schauen ist so unglaublich, das wisst Ihr bestimmt selbst...
    Man kann gar nicht einschlafen, denn man staunt und staunt über so viele Sterne.
    Es ist halt ein Wunder...
    Deshalb schläft man ja auch nicht ein, denn man behält ja die Augen immer weiter offen.
    Ein bisschen wie Zauberei ist das.

    Ich sah eine Sternschnuppe und wünschte mir was Schönes...

    Dann kam doch noch Wind in die Bucht und verwirbelte sich über unserem Lager.
    Das war ein bisschen unheimlich, weil es sich so anfühlte als ob Etwas an meinem Schlafsack leicht zieht oder darüber streicht...
    denn ob Ihr es glaubt oder nicht; ich hab ziemlich viel Fantasie.

    Später lag ich nach längerer Zeit des Schlafens längere Zeit wach, aufgeweckt durch das Glucksen des Meeres unter mir in der Minimole, in der ein durch die Ebbe freigewordener Hohlraum das Meer zu Geräuschen animierte, die zuvor nicht möglich waren.
    Ich lag sozusagen mit dem Ohr auf dem Verstärker.
    Wenn man nachts ein neues Geräusch hört ist man sofort wach.
    Ich hatte festgestellt, dass ich an den Plätzen wo ich mehr als eine Nacht schlief, in der zweiten Nacht viel tiefer ruhte, weil mein Unterbewusstsein die natürlichen, sich wiederholenden Geräusche abgespeichert hatte (also nicht nur SEIGL sind schlau, auch unser Unterbewusstsein).

    Irgendwie dachte ich sinniger Weise über ein Gespräch zwischen Beyond und mir vom Vortag nach, wo es um die Gezeiten ging. Es ging darum dass zu manchen Zeiten der Tidenhub im Sechsstundentakt verläuft und in anderen wiederum nur im Zwölfstundenrhythmus.
    Ich überlegte ob es mit den Mondphasen zusammenhing? Und ob deshalb nicht überall auf der Welt gleich war?
    Denn Vollmond und Neumond usw. sind ja lokale Ereignisse und nicht weltweite.
    Der Tidenhub allerdings schon, weltweit meine ich.
    Schon spannend.

    (Gern könnt Ihr Euch an meinen Überlegungen beteiligen, oder sogar mit Antworten antworten)

    Ich dachte auch noch mehr über die SEIGL nach, wie sie eigentlich wachsen?
    Biegen die sich von unten nach oben auf?
    Sie haben doch ein festes Gehäuse, sie können doch nicht umziehen wie Einsiedlerkrebse, die mal eben ihr Schneckenhaus wechseln?
    Wachsen die kleinen Kalkplatten mit?
    Die kleinen SEIGL hatten doch viel weniger Stachel als die großen, also einfach nur vergrößern konnte es nicht sein. Wie kommen die neuen Stachel zwischen die alten? Wie schiebt der SEIGL die da rein?
    Ach wenn die SEIGL doch nur reden könnten, aber dann bitte auf deutsch, kroatisch kann ich ja nicht.

    Also musste ich mich gedulden bis jetzt, wo ich vor dem Rechner sitze und ins Netz kann. Dafür ist Zivilisation schon sehr toll.

    (Ja so hatte ich mir das ungefähr vorgestellt.
    Dass ich während des Berichtschreibens im Internet stöbern werde um Antworten zu finden, die ich vor Ort nicht bekommen konnte.
    Sehr befriedigend und überaus spannend und unterhaltsam.
    Die Rechnung ging also schon mal auf. Das mit der Geschichte in der Geschichte wiederum ist ein Experiment, von dem ich nicht viel im Voraus weiß, es ist sozusagen ein Mutant in diesem thread.
    Aber so bleibt es für mich nicht nur Fleißarbeit, denn es ist schon anstrengend alles in dieser Manier zu schreiben, sondern ich überrasche mich selbst)
    Geändert von Suomalee (01.03.2015 um 06:37 Uhr)

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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #17
    Also wenn, dann sprechen die SEIGL auch italienisch, weil ich welche in Italien gesichtet habe. Eigentlich aber dachte ich bisher immer, sie würden sich auf mittelmeerisch unterhalten? Auf jeden Fall die mit den vielen Stacheln.

  18. Erfahren
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #18
    Mittelmeerisch als SEIGLamtssprache!

    Ein genialer Ansatz, gefällt mir sehr gut.

    Nicht die mit den Stacheln kommunizieren, sondern ja wohl irgendwie durch oder über ihre Stachel tun sie es miteinander, wenn man der Kristakllstrukturtherorie Glauben schenken darf...

  19. Fuchs
    Avatar von Robiwahn
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #19
    Hehe, sehr schöner Bericht

    Ich hatte mal beim Schlafen am Strand auf der Halbinsel Murter auch so ein träumerisches Erlebnis mit Mond und Wellengeräuschen und Nachdenken über Gezeiten, Einschlafen, wieder Aufwecken, sanft Entschlummern etc. usw. Endgültig aufgewacht bin ich dann, als das Wasser lustig zwischen meinen Zehen plätscherte Zum Glück war die Sonne dann tagsüber stark genug, meine Schlafdecke wieder zu trocknen

    Bitte, bitte weitermachen
    quien se apura, pierde el tiempo

  20. Erfahren
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    AW: [HR] Seekajakherz reloaded & die Geschichte von Wellenkamm

    #20
    Om


    Der nächste Tag brach an und ich war seehundemüde.
    Ich hatte zwar viel gescheites Zeug gedacht und Naturstudien betrieben, war jedoch jetzt sehr unsportlich in der Gesamtverfassung.
    Sozusagen schlecht für die B-Note...

    Oder wie die Berliner hier sagen: Ich war fertig auf der Bereifung.

    Wir wollten schon seit Längerem einen Ruhetag einlegen, weil wir doch recht beansprucht durch die natürlichen Umstände der letzten Tage waren.
    Und immer erschien es uns besser noch eine Etappe weiter zu ziehen in der
    Hoffnung in ruhigere Gefilde zu gelangen.
    Also packten wir ein und brachen auf nach...mhm, ja so klar war das nicht.
    Seit Tagen überlegten wir in welcher Reihenfolge wir unsere Vorhaben umsetzen sollten...wegen der Bora jedoch stießen wir unsere Pläne täglich um und hangelten uns von Tag zu Tag.
    Was nützt es eine Überfahrt von über 10 Kilometern auf offener See zu veranschlagen wenn die Bora von hinten und der Mistral von vorne bläst?

    Eben.

    Aber eben auch nervig, weil wir uns nicht auf etwas Konkretes einstellen konnten.
    Hier half nur noch der Buddhismus.
    Damit hatte ich in jüngster Zeit auch Bekanntschaft gemacht, im engeren und weiteren Sinne.
    Also nicht anhaften und immer schön locker bleiben und nur betrachten...
    Betrachten tat ich doch eigentlich schon genug?
    So hielten wir es buddhistisch und fuhren aus der tiefen Bucht hinaus an die Front, das stürmische Meer...
    Das mit der Zuflucht kam später ganz von allein...

    Sobald wir aus dem Windschatten waren, schlugen die Wellen unruhig um uns herum und von einem vorausgesagten Ende der Bora hatte diese wohl selbst noch nichts gehört.

    Zunächst paddelten wir so gut es ging unter Land in Richtung Brac, das war die kürzeste Distanz zu einer größeren Landmasse.
    Ursprünglich wollten wir eine Querung nach Vis machen, eventuell von Solta direkt, so etwa 30 Kilometer und ein paar Gequetschte.
    Aber das war uns echt zu heftig bei der Witterung.

    Wir hätten auch nach Hvar paddeln können, aber dafür stand der Wind gerade sehr schlecht.
    Deshalb erst einmal die kürzeste offene Distanz hinüber nach Brac um dann unter Land eine Gelegenheit für eine Überfahrt nach Hvar abzupassen.

    Die Überfahrt reichte mir bereits, doch als wir an der Leeseite von Brac entlang paddelten fühlte ich mich wieder heimisch.
    Doch die Küste sah nicht gut aus für einen Lagerplatz und so kamen wir immer weiter nach südosten.

    Wir machten eine Bootspause weil wir nicht anlanden konnten und stärkten uns mit Nüssen und Ahoibrause.
    (Apropos Ahoibrause; ich bin schon per PN von einem guten Bekannten gefragt worden ob ich davon nicht ein wenig viel hatte, wenn ich wie weiter oben zitiert selbst nicht weiß wie es weitergeht.
    Doch das bezieht sich eher auf die Gestaltung des Textes und im Speziellen auf die Wellenkamm-geschichte.
    Aber ich kann nicht leugnen dass die Ahoibrause eine psychodudeldelische Wirkung hat)

    Die hatten wir dringend nötig, denn alles deutete aus eine Überfahrt nach Hvar hin.
    Dort hatte Beyond mehrere Lagerplätze ausfindig gemacht.
    Und was, wenn der Mistral am Nachmittag heftig bläst?

    Also los gings, rüber machen nach Hvar.
    Die Fahrt dauerte mehrere Stunden, ich werde die Kilometeranzahl noch nachtragen, wenn Beyond mir die genauen Angaben durchgibt.

    (Überhaupt kann ich es Euch nicht ersparen noch mal durch zu scrollen, ob vielleicht das eine oder andere Foto dazugekommen ist, oder der eine oder andere Satz. Aber meist betrifft das dann den vorherigen Beitrag)

    Wir kamen gut hinüber, die Wellen waren ungewohnt klein, vielleicht hatte die Bora jetzt doch mal den Wetterbericht gehört?

    Ungefähr einen halben Kilometer von der Küste entfernt änderte sich das jedoch schlagartig.
    Es frischte so heftig auf, sodass wir sehr froh waren schon so nah an Land zu sein.
    Überhaupt ist das so eine Sache mit den Überfahrten.
    Man ist sehr konzentriert dabei und zieht lange und stetig das Paddel durch als wäre man ein Uhrwerk, eine Maschine, jedenfalls kein Mensch...
    Vielleicht ist auch das ein Trick um sich nicht so ausgeliefert zu fühlen.
    So ein wenig Entspannung kommt, wenn die Hälfte, besser noch zweidrittel der Strecke bewältigt sind.
    Das ist ein wichtiger psychologischer Moment dabei.
    Obwohl man auch ganz nah vor der Küste absaufen kann (um es mit den geschmeidigen Worten eines lieben Vereinskameraden zu formulieren).

    Wir schlichen Kap um Kap voran auf der Suche nach einem Lagerplatz...

    Da kam eine exponiertere Stelle der Küstenlinie und wir bekamen den gesamten Westwind der offenen See ungeschützt und frontal ab.
    Der Nachmittagswind Mistral hatte wohl schlechte Träume gehabt und heulte unvermittelt auf.
    Jetzt mussten wir kämpfen um vorwärts zu kommen.
    Nicht lustig.
    Ums Kap herum schafften wir es mit Müh' und Not und Beyond blies zum Ausbooten in der nächsten Bucht, egal ob bewohnt oder sonst was.
    Wir hatten fertig.
    Wir nahmen Zuflucht.
    Mit heftigen Wellen von hinten wurden wir in die Bucht gedrückt, froh darüber dass diese nichts gegen die See da draußen war und landeten an einem sehr steilen Kiesstrand an.
    In der Bucht standen auf der linken Seite vom Wasser aus gesehen mehrere Häuser.
    Nachdem wir die Boote gesichert, also weit genug aus dem Wasser gehoben hatten, ging ich zu den Häusern, um uns anmelden und höflich fragen ob das Abwettern gestattet sei.
    War es.
    Die Menschen die wir dort vorfanden waren allesamt sehr nett und hilfsbereit und wir lebten friedlich und in Eintracht nebeneinander her...
    Der Wind, nein Sturm war so heftig...
    Und wir waren dessen so überdrüssig. Jeden Tag, fast jeden Tag Wind, heftigen Wind und Sturm...

    Ich fühlte mich wie ein Sieger an diesem Nachmittag, als wäre ich der See von der Schippe gesprungen.
    Ich hatte gewonnen und das Land erreicht.
    Ich wollte einen Anlandeschluck und dabei blieb es nicht.
    Der Sturm brüllte uns derart ins Gesicht, dass wir nur in der heißen Nachmittagssonne nicht frohren, sosehr kühlte er uns aus.

    Ich hatte spontan das Bedürfnis diesem Wind entgegen zu brüllen.
    Irgendwie enthemmte er mich. War er doch selbst entfesselt. Pure Naturgewalten und ich mitten drin.
    Ich schrie ihm meine Lieder entgegen, von irischen Untergrundkämpfern und anderen Helden.
    Irgendwie tat das gut, war befreiend oder entspannend.

    Ich fand außerdem, nein keinen SEIGL (ätsch) sondern ein Gebäude zum schlafen.
    Aber nicht darin, sondern darauf!
    Es war eine Zisterne, allerliebst, wie ein Aussichtstürmchen über die Bucht und gleichzeitig gewährte sie ein wenig Privatssphäre in diesem ungewohnt bewohnten Areal.


    Zu dem Foto fällt mir spontan ein: Ich sitz' auf meiner Zisterne...mit der Melodie eines St. Martin Liedes

    Es wurde Tage später in der Morgensonne gemacht. Leider kommt die Tiefe nicht gut heraus bei den Fotos von oben hinunter in die Bucht. Ähnlich wie wenn man eine Schlucht hinunter fotografiert, es ist einfach nicht räumlich genug. Könnt hier nachschauen.




    Geändert von Suomalee (27.08.2015 um 15:29 Uhr)

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