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  1. Erfahren
    Avatar von FrankK
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    Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal"?

    #1
    Mitreisende: FrankK


    Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal"?

    Da ich den größten Teil meines Urlaubes für dieses Jahr schon genommen hatte und mir dafür im Januar
    in Australien die Sonne auf den Bauch scheinen lies, blieben mir nicht mehr viele Möglichkeiten übrig,
    um vielleicht eine längere Tour zu machen.
    Aber da hatte ich doch im letzten Jahr etwas gelesen. Einige waren den Rennsteig in 3 Tagen gelaufen.
    Für 3 Tage eine weite Strecke. Aber machbar wie es schien. Vorausgesetzt man bringt die nötige Ausdauer
    und Fitness mit. Und sicher sollte es auch eine Kopfsache sein.









    So reiste ich am Pfingstfreitag in Hörschel mit dem Zug an.
    Als erstes ging ich zum Startpunkt des Rennsteiges, die Werra.
    Ich besorgte mir den obligatorischen Stein, wobei ich mir das erste mal
    meine Schuhe und die Hose so richtig schön dreckig machte,
    in dem ich an der Seite des Steges herunter gestiegen war um aus dem Wasser einen Stein zu holen
    und wieder hinauf klettern wollte, was sich als wesentlich schwieriger gestaltete als mir lieb war.
    Pünktlich als ich aus dem Zug gestiegen war begann es zu regnen, was mein Unterfangen nun recht schwierig gestaltete.
    Das sollte der erste Dämpfer werden auf welchen noch einige folgten.
    Die ersten Kilometer waren ziemlich einfach. Eigentlich stellte ich mir immer wieder die Frage, wie man denn diese 700 Höhenmeter bis zum Großen Inselsberg bewältigen wird.
    Aber in mir machte sich auch irgendwie eine Lustlosigkeit breit.
    Der Dauerregen versprach eigentlich keine guten Aussichten. Und so begann ich alles madig zu machen. Ich spielte mit den Gedanken, dass ich die 45° von Australien im Winter nun doppelt und dreifach zurück zu zahlen hatte.
    Die ersten 8 Kilometer waren nun aber auch wirklich nicht sehr schön. Auf den freien Flächen peitschte der Regen
    von allen Seiten auf mich ein. Der Wind nahm ständig zu und ab und schon fast sturmartig hetzte er durch die Bäume
    was von lauten Geräuschen begleitet wurde. Ich empfand das auch ein wenig bedrohlich.
    Aber es ist ja auch einfach bei schönem Wetter durch schattigen Wald zu spazieren. Mein "Frühstück " nahm ich
    während des Laufens ein. Eigentlich bestand es nur aus ein paar Müsliriegeln und irgendwann hatte ich das Gefühl
    einfach nur Kraftlos zu sein. Wenn das so weiter geht, wie sollte ich dann die Strecke schaffen?
    Ab dem Vachaer Stein wurde der Weg etwas schöner. Eigentlich verlief er nur durch Wald. An einigen Punkten
    hätte man bei schönem Wetter die Möglichkeit für ein paar schöne Aussichten gehabt.
    Aber nicht bei diesen Wetter. Eigentlich, so dachte ich mir, würde ich den Weg wohl nur zurücklegen ohne jemals
    die Chance auf einen Ausblick zu erhaschen. Und das machte sich auch in meiner Stimmung breit.
    In der Schutzhütte Wilde Sau machte ich eine Kurze Pause. Ich war total erschöpft.
    Keine Ahnung was mit mir los war. Ich setzte den Rucksack ab und versuchte noch einen Riegel zu essen.
    Innerhalb kurzer Zeit fühlte ich mich auch etwas besser und wollte gleich wieder los.
    Dummerweise lief ich erstmal in die falsche Richtung. Hätte ich mal an der Schutzhütte auf den Wegweiser geschaut.
    Aber nach 50 Metern fiel mir auf, den falschen Weg eingeschlagen zu haben und war auch ganz schnell wieder
    in der richtigen Richtung unterwegs.
    Ich muss aber sagen das der Rennsteig der wohl am besten ausgeschilderte Weg ist den ich jemals gesehen habe.
    Das große weiße R leuchtet einem stets schon von weitem entgegen. Eigentlich kann man sich da garnicht verlaufen.
    Es sei denn man legt es darauf an?!
    Etwa 8.30 Uhr überholten mich das erste mal 3 Mountainbiker. Bei dem Anblick fror es mich noch mehr.
    Die waren zwar mit Regenjacken, aber nur mit kurzen Hosen unterwegs. Die sollte ich noch einige Male sehen.
    An der Hohen Sonne war eigentlich nichts los. Viel zu früh für eine Pause und das Lokal war sowieso noch geschlossen.
    Leider wie so oft, machten die Gaststätten erst viel zu spät auf. Da kam sicher keiner auf die Idee,
    dass da ein Wanderer unterwegs sein könnte, welcher früh mal einen Kaffee oder etwas anderes heißes trinken möchte.
    Alles in allem sehr schade, auf dem ganzen Weg
    Also ging es weiter. Ich hatte sowieso den Großen Inselsberg im Blick für meine Mittagspause.
    Der Weg ging immer nur auf und ab. Langsam fragte ich mich wirklich wann den nun der Aufstig richtig stattfinden sollte.
    Am Ruhlaer Häuschen war ich dann bei 629 Meter angekommen. Nach einer kurzen Pause und einem weiteren Müsliriegel
    ging es dann aber wieder bergab. Als der Weg über eine Straße und einen Parkplatz führte kamen mir zum ersten mal Leute entgegen,
    welche zu Fuß unterwegs waren. Eine Gruppe Frauen rucksacklos und in durchsichtige Plastigregenjacken gehüllt
    stakste mir entgegen, als würden sie auf heißer Glut laufen. Also ging ich links an ihnen vorbei und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
    Auf dem Großen Weißenberg hatte ich dann 740 Meter erreicht. Auch dort sah alles noch sehr geschlossen aus.
    Weiter ging der Weg teilweise steil bergauf, aber auch gleich wieder steil bergab. Und irgendwann stand ich dann
    oben am Beerberg. Auf den Felsen kletterte ich nicht erst, da ich ja kaum die Hand vor den Augen sehen konnte.
    Weiter im Anstieg zum großen Inselsberg war vor lauter Nebel eigentlich nicht zu erkennen das ich auf einmal wirklich auf dem Berg stand.
    So sehr mich der Gedanke über die 700 Meter Aufstieg im Kopf auch beschäftigte, so unverhofft kam plötzlich auch der Gipfel.
    Erst machte ich mir Gedanken ob ich mich trauen sollte in das Gasthaus zu gehen, sah aber dann 3 Mountainbikes stehen, und ich erinnerte mich an die Fahrer, wie verdreckt die aussahen als sie mich überholten. Also ging ich hinein und wurde von genau den 3 Bikern
    begrüßt mit den Worten " Na hast es ja nun auch geschafft" " Ja erstmal aufwärmen" war meine Antwort. Sie fragten wie weit ich denn noch wollte,
    Und meine ehrliche Antwort war dann auch "Na noch etwa 30 Kilometer sollten es dann schon noch sein".
    Nach einem warmen Essen bestellte ich mir ein großes Bier. Das sollte meine Stimmung heben, oder wenigstens betäuben.
    Was auch half. Dann ging es über steile Wege bergab und wieder bergauf. Hier überschreitet man gleich mehrere Berge die über 800 Meter hoch sind.
    Im Laufe das Nachmittages besserte sich das Wetter und damit auch schlagartig meine Stimmung.
    Je besser das Wetter wurde um so mehr Leute kamen raus. Wo waren die denn alle heute Vormittag?
    Ich lief straff durch bis zur Neuen Auspanne, einer bewirtschafteten Hütte auf einem Wanderparkplatz.
    Die Pause dort zog ich ewig in die Länge, da ich mich mit einem älteren Ehepaar unterhielt, welches alles genau über mein Vorhaben wissen wollte.
    Viel zu spät ging ich dann weiter. Ich wollte ja mindestens noch 12 Kilometer laufen. Oftmals verlief der Weg über breite Forststraßen
    auf denen man hunderte Meter geradeaus blicken konnte. Im Sonnenschein lief ich Schutzhütte an Schutzhütte vorbei.
    Aber ich wollte einfach noch nicht Schluss machen, denn sonst wäre ich gleich am ersten Tag in Rückstand geraten.
    Also ging es immer weiter und die Steigungen gingen mal so richtig in die Beine.
    Ich überquerte die Landstraße nach Oberhof und ging gleich weiter in den nun schon sehr dunklen Wald.
    Es folgte ein heftiger Anstieg. Eine kurze Pause nutzte ich, um meine Stirnlampe herauszuholen.
    Jetzt sollte eigentlich eine Schutzhütte kommen, in welcher ich übernachten wollte.
    Im Dunkeln sahen die Infotafeln an der Wegkreuzung von weiten aus wie das Dach einer Hütte.
    Aber Fehlanzeige! Angekommen sah ich nichts!!! Keine Hütte!
    Also bleib mir nichts weiter übrig als weiter zu laufen, immer auf der Suche nach einem Platz für die Nacht.
    Ich lief über eine Straße auf einer Brücke und als ich wieder im Wald angekommen war, war es nun schon fast dunkel.
    Irgendwann erreichte ich dann die Schutzhütte an der Sommerwiese. Als ich um die Ecke der Hütte kam, stand da ein Auto mit Wohnwagen, in dem noch Licht brannte.
    Ich überlegte noch kurz ob ich anklopfen sollte um bescheid zu sagen, dass ich in der Hütte gedenke zu übernachten, entschied mich dann aber kurzfristig, das es mir doch egal sei und ich einfach nur schlafen wollte.
    Wer weiß wobei ich die dort "erwischt" hätte.
    Vielleicht hätten die sich auch zu Tode erschreckt oder am Ende ich sogar mich.
    So ging der erste Tag zu Ende. Ich schlief nun hoffnungvoll ein........















    Geändert von FrankK (28.06.2013 um 19:26 Uhr)

  2. AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung

    #2
    :thumbup:

    Viele Grüße
    Ingmar
    Viele Grüße
    Ingmar

  3. Alter Hase
    Avatar von peter-hoehle
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #3
    Dummerweise lief ich erstmal in die falsche Richtung. Hätte ich mal an der Schutzhütte auf den Wegweiser geschaut.
    Aber nach 50 Metern fiel mir auf, den falschen Weg eingeschlagen zu haben und war auch ganz schnell wieder
    in der richtigen Richtung unterwegs.
    Da bist du aber nicht der erste.
    Den scharfen Rechtsknick des Rennsteiges übersehen einige Wanderer.
    Bei meiner ersten Tour (vor vielen Jahren) bin ich dort auch falsch gelaufen.

    Gruß Peter
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  4. Moderator
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #4
    Danke für den Bericht!

  5. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #5
    Da werden auch bei mir gleich wieder Erinnerungen wach.
    Obwohl ich ihn nicht besonders mag, werde ich ihn wohl dieses Jahr noch einmal laufen. Allein schon wegen dem unwiederstehlichen Angebot von peter-hoehle.
    Vielleicht ändere ich ja doch noch meine Meinung über den Rennsteig.

    LG
    Atze
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #6
    Ist aber noch nicht zuende, oder? Es klingt jedenfalls nach spannender Fortsetzung

  7. Erfahren
    Avatar von FrankK
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #7
    ...Fortsetzung folgt!...

  8. Vorstand
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    Avatar von lina
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #8
    *freu*

  9. chrischian
    Gast

    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #9
    Sehr schön! Schlechtes Wetter hat auch Vorteile. Da sind wenigstens nicht so viele Leute unterwegs.

    Zitat Zitat von Atze1407 Beitrag anzeigen
    Obwohl ich ihn nicht besonders mag, werde ich ihn wohl dieses Jahr noch einmal laufen.
    Schlimm, wenn man schon alle Wege gelaufen ist und jetzt die "langweiligen Wege" noch mal laufen muss. Ich habe Dein Geschimpfe noch im Ohr.

  10. Erfahren
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #10
    Ein schöner Bericht, bis hierhin. Mehr davon, ich bin gespannt ob dir der ewige Wald und einziger Blick da hinein, dann auch irgendwann aufs Gemüt geschlagen ist.
    Im Prinzip führe ich das Leben einer kinderlosen Hausfrau. Nur ohne die ganze Hausarbeit...

  11. Erfahren
    Avatar von FrankK
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #11



    ......Da ich einen unruhigen Schlaf hatte, hörte ich fast die ganze Nacht hindurch die Motorengeräusche
    der Autos, welche an der nah gelegenen Straße vorbei fuhren. Einmal, es war schon dunkel bretterte ein Autor über den geschotterten Parkplatz, an dessen einen Ende sich die Schutzhütte befand, und blieb unweit von ihr stehen.
    Ich war hellwach, schlief aber gleich wieder ein, als das Auto wieder genauso schnell davon fuhr, wie es gekommen war.
    Das nächste Mal, als ich aufwachte, wurde es schon langsam hell. Vor der Hütte war nichts zu sehen, denn die Welt war in Nebel gehüllt. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es erst 4.30 Uhr war. Also versuchte ich weiter zu schlafen.
    Jedoch war dann als das Vogelgezwitscher einsetzte nicht mehr daran zu denken. Also stand ich kurz nach 5 Uhr auf und packte langsam meine sieben Sachen. Ich steckte mir noch 2 Müsliriegel in die Hüfttaschen meines Rucksackes,kontrollierte ob ich auch wirklich nichts vergessen hatte und war so gegen 5.30 Uhr wieder auf dem Weg.
    Nachdem ich gestern 66 Kilometer geschafft hatte, wollte ich an diesen Tag etwa genauso weit gehen um dann am letzten Tag gemütlich ins Ziel zu kommen. Aber es sollte alles ganz anders kommen.....



    .......Als ich die ersten Meter auf dem Parkplatz entlang lief begann sich auch schon der Nebel zu verziehen. Aber es war an diesen Morgen sehr kalt. Man kann sagen das der Rennsteig ab diesen Punkt bis hin nach Masserberg fast immer in der Nähe einer Straße verläuft. Dieser entkam ich aber nochmal für kurze Zeit, als ich zur Suhler Ausspanne hinauf lief und dann weiter zur Plänckners Aussicht. Noch immer lief mitten auf dem Weg das Wasser herab. Und als ich dann endlich oben am Aussichtspunkt ankam war schönstes Wetter. Mein erster Blick in die Ferne und über die Berge des Thüringer Waldes.
    Dann ging es wieder etwas bergab und eben immer unweit einer Straße entlang.
    Die Schmücke hatte ich mir in meinen Gedanken etwas anders vorgestellt. Doch der Weg war eigentlich sehr schön, wenn man eben die Straße nebenan in seinem Kopf auch ausblenden konnte.





    ......Kurz vor Mordfleck lief ich dann die paar hundert Meter auf der Straße. Der Blick nach Osten und zum Großen Finsterberg versprach aber dann kein gutes Wetter. Zumindest lag das Tal dahinter im Nebel. Im Moment konnte ich die Wärme der Sonne noch genießen. Kurz nach der Schutzhütte gab es eine alternative Route, bei welcher man den 944 Meter hohen Großen Finsterberg besteigen konnte und das Hinweisschild versprach eine wundervolle Aussicht auf die höchsten Berge des Thüringer Waldes. Eigentlich wollte ich ja den "originalen Rennsteig" gehen. Aber da ich durch das schlechte Wetter bisher überhaupt keine schönen Aussichten hatte außer am frühen Morgen entschied ich mich hier für das blaue R, was einerseits zwar einen längeren Aufstieg und den damit verbundenen höheren Kraftaufwand bedeutete, sich aber andererseits als die richtige Wahl bestätigte. Nach einer Kurve und einer Wegkreuzung ging es auf einer Forststraße stetig bergauf. Immer monoton konnte man auch hier einige hundert Meter weit sehen, bis hin zur Abzweigung des Pfades auf den Gipfel.
    Der Nebel der eben noch den Wald und den Berg beherrschte verzog sich mit jedem Schritt, je näher ich zum Gipfel kam.
    Die durch den Wald einstrahlende Sonne und der noch vorhandene Nebel boten ein fantastisches Naturschauspiel.
    Hier machte ich wohl die meisten Fotos. Aber vorher hatte ich ja auch kaum die Gelegenheit dazu. Was hätte ich auch fotografieren sollen? Pfützen, Regentropfen oder meine durchweichten Füße?









    Die letzten Meter zur Gras bewachsenen Kuppe des Berges und zum Aussichtsturm waren noch einmal richtig steil und anstrengend. Aber ich wurde mit einer wundervollen Rundumsicht belohnt.
    Auf der Wiese hinter dem Turm standen zwei Zelte. Ein wirklich schöner Platz für eine Übernachtung dachte ich mir und das bei dem Sonnenuntergang gestern Abend. Ich lief zur Schutzhütte die auf der anderen Seite auf einer Anhöhe stand. Zwei Wanderer hatten hier letzte Nacht geschlafen und machten sich gerade fertig um weiter zu laufen. Der Blick von der Hütte ins Tal versprach aber nichts wirklich gutes.
    Eine wirkliche Aussicht hatte man hier nicht, denn ich starrte direkt in eine Wolke.
    Bei schöner Sicht konnte man hier ein Tafel zur Hilfe nehmen um auch genau zu wissen, welche Berge man hier sehen konnte. Aber wie gesagt, mehr als weiß und grau war nicht zu sehen.
    Also lief ich gleich den steilen Abstieg wieder hinunter bis ich an einer Wegkreuzung wieder auf den Rennsteig traf.
    Von nun an verlief der Weg wieder entlang einer Straße. Mal ganz nah, mal 20 Meter entfernt, aber immer in Hör- und Sichtweite.
    Schon von weitem war die Geräuschkulisse vom Rennsteig Bahnhof zu hören. Laute Schlagermusik und einige Sprüche eines wohl selbsternannten Komikers, mit Kommentaren zu irgendwelchen sich dem ergötzenden und wohl mindestens genauso früh wie ich aufgestandenen Fahrgästen.
    Eigentlich konnte man hier nur seine Beine in die Hand nehmen und sehen das man ohne Schaden schnell weiter kommt.
    Dennoch musste ich mich selbst zu einer Pause überreden, denn die war nun zwingend notwendig. Auf einer Bank machte ich es mir für kurze Zeit gemütlich und die zwei Wanderer vom Finsterberg kamen an mir vorbei.
    Ich hatte die beiden nun immer in Augenweite vor mir. So ging es nun wieder in den Wolken versunken weiter.
    In Allzunah verlief auch der Rennsteig wieder all zu nah an der Straße und man musste danach auch öfter diese überqueren.
    Irgendwann überholte ich die beiden, da sie mit ihren überdimensionalen Rucksäcken bepackt nun mit fortschreitendem Weg immer langsamer wurden.



    Kurz nach dem Mittelpunkt des Rennsteiges entschieden sich die Wolken nun auch zum Glück sich endlich zu verziehen und die Sonne eroberte den Himmel. Dennoch war es den ganzen Tag zumindest so kalt geblieben, dass ich meine Jacke niemals ausziehen wollte.
    So erreichte ich mein zu höchst ersehntes Ziel für eine Pause und ein warmes Mittagessen.
    In Neustadt lief ich am ersten Hotel vorbei da es mir irgendwie unsympathisch war.
    Auch alle anderen Gaststätten sahen irgendwie nicht so aus als wäre an einem Sonntag Mittag geöffnet. An einem Gasthof lief ich auch erst vorbei, in der Hoffnung etwas besseres zu finden. Aber ich entschied mich dafür mein Glück dort zu versuchen, da ich im vorbeigehen sah, dass die Tür offen stand.
    Wenigstens ein Anzeichen das geöffnet sein könnte, denn Licht war von draußen nicht zu sehen. Also ging ich hinein und erblickte in der Gaststube in einer dunklen Ecke, welche nur spärlich beleuchtet war, eine Frau hinter der Theke. Meine Frage ob ich denn hier etwas essen könne, beantwortete sie mit einer Art " Ja sicher doch, wir sind ja hier ein Gasthof und kein Friseur". "Ja gut" dachte ich mir, suchte mir einen Platz und setzte mich. Vielleicht wäre ein Schild auf dem "Geöffnet" steht und an der richtigen Stelle platziert hilfreicher gewesen und dazu vielleicht noch ein paar Deckenlampen welche auch benutzt wurden. Zumindest taten das einige Gäste, welche kurze Zeit später hinein kamen und sich das Licht selbst anschalteten. Das Mittagessen gestaltete sich dann zwischen amüsant und nichts wie weg hier. Wobei ich sagen muss, dass das Essen wirklich gut war. Irgendwann sah ich wie die beiden Wanderer von heute Früh vorbei liefen. Sicher genauso wie ich auf der Suche nach einem Platz für eine Pause und warmen Essen. Nach meiner Pause hatte ich zum ersten mal Probleme mit meine Füßen.
    Jetzt spürte ich die ganzen Kilometer zum ersten Mal. Es dauerte ein paar Meter bis ich wieder ganz normal weiter laufen konnte.
    Am Ortsausgang besorgte ich mir noch einiges in einer Tankstelle. Und von dort an ging es oft wieder direkt neben einer Straße entlang bis zur Triniusbaude, einer Servicestation für Wanderer. Beeindruckend war dort eine riesige Schafherde zu sehen die sich über die ganze Wiese verteilt und von einem wachsamen Hund und einem alten Schäfer bewacht wurde.
    Dann ging es wieder in den Wald und einen Berg hinauf. Irgendwann war wieder laute Schlagermusik zu hören und ich näherte mich dem Örtchen Masserberg, an dem wohl die Hölle los war, so schien es zumindest. Die laute Musik dröhnte aus zwei überdimensionalen Lautsprecher neben einer Imbissbude. Dem Geruch des Grills konnte ich nicht widerstehen und erstand dort eine kalte Flasche einheimisches Bier, wie mir versichert wurde, und eine leckere Bratwurst in einem mindestens drei Tage alten Brötchen. Ich verzog mich auf eine Bank auf der anderen Straßenseite und war hochzufrieden.
    Dann ging es weiter den Berg hinauf und mir kamen des öfteren Gruppen von Spaziergängern und Tageswanderen entgegen.
    Irgendwann erreichte ich die Friedrichshöhe und machte wieder eine Pause vor einem Gasthaus. Der Wirt bediente hier wohl nach dem Motto, "So viele Kilometer wie du heute schon gelaufen bist oder noch laufen willst, so viel Bier solltest du trinken". So zog sich meine Pause unnötig in die Länge, denn ich verfiel in eine Starre und dachte nicht ans weiter laufen.
    Dann kamen die beiden Wanderer und gesellten sich zu mir. Wir unterhielten uns und stellten fest, dass wir der gleichen Meinung waren was die Versorgung hier betrifft. Es gibt zwar ausreichend nur bekommt man das nicht wirklich mit wenn alles wie geschlossen aussieht. Sie wollten eigentlich so wie ich auch in Neustadt etwas zu Mittag essen, waren aber nicht so mutig wie ich und liefen deshalb noch den ganzen Weg zur Servicestation um dort einen Snack zu erstehen.
    Auf einmal wurde es schlagartig dunkel und es kündigte sich ein Unwetter an.
    VERDAMMT!
    Ich bezahlte schnell und ging los. Am Waldrand angekommen begann es auch schon wie aus Eimern zu schütten. Unter dem Vordach einer verschlossenen Hütte suchte ich Zuflucht und zog mir meine Regenkleidung an. Mir blieb nichts weiter übrig. Ich musste weiter.
    Zu allem Unglück brach auch noch wenige Minuten später ein Gewitter über mich herein als ich schon einige hundert Meter im Wald unterwegs war. Ich weiß nicht mehr wirklich wie lange es dauerte bis meine Kleidung auch unter den Regensachen nass wurde. Eigentlich habe ich nicht wirklich mehr viele Erinnerungen an den Weg. Nur so viel. So wie auch meine Kleidung durchnässt war stand der Weg bald unter Wasser. Es gab kein ausweichen mehr. Also lief ich direkt durch die Pfützen und es schüttete und schüttete. Der Regen kam von allen Seiten und mir war alles andere als wohl dabei. Ständig donnerte es um mich herum. In einer Schutzhütte mitten im Wald suchte ich ich Schutz. Aber hier konnte und wollte ich auch nicht übernachten. Also musste ich weiter. Das nächste Mal machte ich noch Pause in einer Schutzhütte bei Limbach um dann einen Anstieg hinauf zu klettern der mir in dieser Situation alles andere als gelegen kam.
    Den nächsten Berg ging es dann noch über einen steinigen Hohlweg hinauf und wieder herunter.
    Durch den Sintflut artigen Regen, welcher immer noch anhielt, hatte er sich in einen Sturzbach verwandelt.
    Irgendwann kam ich an einer geräumigen Hütte mitten an einer Straße an. Bis Neuhaus würde ich bei dem Wetter nicht mehr kommen.
    Ich hätte ja auch noch einige Kilometer weiter gehen müssen um einen Platz für die Nacht zu finden.
    Also entschied ich mich hier zu bleiben. Ich zog all meine nassen Sachen aus und breitete sie auf den Bänken der Hütte aus.
    Jetzt wollte ich nur noch in den Schlafsack, denn es war auch noch ziemlich kalt geworden.
    Bibbernd schlief ich ein, wachte aber als es schon dunkel war wieder auf, weil ich vor Kälte nicht schlafen konnte. Ich ging hinüber zur Bank um meine Fleecejacke zu holen. Sie war immer noch klitsch nass. Ich hatte vergessen sie auszuwringen, was ich nun verspätet nachholte.
    Ich zog sie an und beschloss die nasse Kleidung an zu behalten, in der Hoffnung sie durch meine noch vorhandene Körperwärme zu trocknen.
    Die restliche Nacht war einfach nur fürchterlich kalt.......

    Geändert von FrankK (31.05.2013 um 23:53 Uhr)

  12. Alter Hase
    Avatar von peter-hoehle
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #12
    Kurz nach der Schutzhütte gab es eine alternative Route, bei welcher man den 944 Meter hohen Großen Finsterberg besteigen konnte und das Hinweisschild versprach eine wundervolle Aussicht auf die höchsten Berge des Thüringer Waldes.
    Der große Finsterberg ist ein schönes Fleckchen Erde.
    Zwei Wochen vor Ostern haben sich dort oben fünf ODS-ler
    getroffen und übernachtet.scheeeen wars.

    Hut ab vor deiner Leistung bei dem Wetter.

    Gruß Peter
    Geändert von peter-hoehle (01.06.2013 um 14:21 Uhr) Grund: Rechtschreibung
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  13. Erfahren
    Avatar von FrankK
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #13


    .....wieder wachte ich in der Morgendämmerung auf und konnte zum Glück feststellen, dass meine Kleidung in der Nacht wirklich getrocknet war. In meinem Schlafsack war es so kuschelig warm, dass an aufstehen einfach nicht zu denken war.
    Ich wollte nicht wirklich wieder die Dummheit begehen und in den nass kalten und aus Pfützen und Schlamm bestehenden Wald zurück.
    Dann aber rappelte ich mich doch auf und stieg in meine nassen Schuhe. Ein echt unangenehmes Gefühl. Würde es trocken bleiben, dann wären meine Füsse irgendwann auch wieder warm. Aber als ich dem Weg hinauf in den Wald folgte begann es wieder zu regnen.
    Es dauerte nicht lange und ich erreichte Neuhaus. Die beiden Tankstellen, welche ich ansteuerte, waren beide geschlossen.
    Ein Blick auf die Karte verriet mir, dass es noch lange dauern würde bis sich eine Gelegenheit für eine Pause und zum aufwärmen finden würde. Ab hier war dann auch mein Ziel ausgeschildert. 50 Kilometer hatte ich noch vor mir und als der Weg aus der Stadt wieder hinaus führte stürmte es nun noch zusätzlich zum nun mittlerweile tief gehassten Regen.
    Da der Weg hier nur am Waldrand entlang führte gab es keinen Schutz und ich war den Elementen komplett ausgesetzt.
    Dann ging es nach einer kurzen Ortsdurchquerung wieder in den Wald. Sicher ein herrlicher Weg bei schönem Wetter.
    Aber Ich hatte nur die Wahl zwischen der einen oder anderen Pfütze. In einer Schutzhütte an einem Wanderparkplatz machte ich dann Pause, bevor ich die Straße überquerte. Hier ist eine ganze Region stolz auf den Rennsteig und darauf ausgerichtet. Im gesamten Thüringischen Bereich wird dem vorbei kommenden Autofahrer angezeigt, dass hier der berühmte und altehrwürdige Rennsteig die Straße kreuzt oder sich in unmittelbarer Nähe befindet. So etwas hatte ich selten oder bisher garnicht gesehen. Und das machte die Strapazen dann auch irgendwie erträglicher. Jeder der mich sah, wusste von meinem Unterfangen ohne auch je ein Wort mit mir gewechselt zu haben. Man sah es mir an. In Ortschaften, in welchen ich auch manchmal Menschen begegnete wurde ich immer freundlich gegrüßt. Den Gaststätten machte es zumindest in meiner Gegenwart niemals etwas aus, als ich mit meinen dreckigen und durchnässten Klamotten in der Tür stand und auch meine Wasserflaschen wurden immer gern aufgefüllt wenn ich danach fragte. Dennoch hätte ich jetzt gern einen heißen Kaffee getrunken. Die nächste Gelegenheit mitten im Wald öffnete erst um 11 Uhr. So ging ich weiter und hoffte in Spechtsbrunn auf mein Glück. Als ich dann an der Clemens Major Hütte vorbei lief lichtete sich der Nebel im Tal und ich konnte endlich einmal wieder einen Blick in die Ferne genießen.



    Unten in Spechtsbrunn angekommen konnte ich nur ein Schild mit der Aufschrift " Geschlossene Gesellschaft" an der Tür einer Gaststätte lesen. Davon mal abgesehen hätte die sowieso erst um 16 Uhr geöffnet. Wie kann man hier an einem Pfingstmontag die Einkehr für Wanderer schließen und wenn überhaupt erst so spät öffnen? Mal ganz unabhängig vom Wetter. Ich muss nämlich sagen das trotz des Regens mir seit dem letzten Berg immer wieder einige entgegen gekommen waren. Also konnte ich nur weiter gehen und nun lag meine ganze Hoffnung auf Steinbach am Wald. Doch ab hier begann nicht nur wieder der Regen stärker einzusetzen, nein hier zeigte sich der originale Rennsteig auch von seiner hässlichsten Seite. Ab dem Kilometer 133 gab es wieder die Möglichkeit den "alten" und originalen Rennsteig zu gehen oder eine Alternative. Und ich kann nur jedem strengstens raten ab hier dem blauen R zu folgen.



    Aber ich wollte ja sehen wie der originale Rennsteig so ist und dachte mir "so schlimm kann es ja nicht sein". Aber da hatte ich mich gründlich geirrt. Der Weg wurde zu einer Farce. Als ich die Straße kreuzte sah ich einen asphaltierten, schnurgeraden Weg zu dessen linker und rechter Seite Strommasten standen. Ab hier begann ich zu zweifeln wie man denn den Weg nur so verschandeln konnte. Hätte man wenigsten einen Pfad in der Nähe der Straße und durch den Wald angelegt als man ihn verbaute. So konnte man Kilometer weit sehen. Immer in der Hoffnung das nach einer Kurve oder einer Kuppe diese Tortur ein Ende hatte. Aber jedes Mal als ich den Punkt erreichte ging es weiter und weiter. Nachdem ich zwischen den Strommasten hindurch gegangen und die nächste Kreuzung überquert hatte nahm ich festen Glaubens an, dass nach diesem Weg der Akku meines Handys wohl wieder voll aufgeladen sein musste. Den ganzen Weg fluchte ich über meine Entscheidung. Aber ich wollte etwas warmes essen und die alternative Route hätte wohl fast zwei zusätzliche Kilometer bedeutet.
    Irgendwann erreichte ich den Rand der Ortschaft. Ich war auf der Suche nach einer geöffneten Tankstelle, welche ich dann auch unweit fand. Aber irgendwie sah diese auch geschlossen aus. Vor dem Tankstellen Shop stand keine Ware wie es sonst eigentlich üblich ist und Licht brannte hier auch keins. Ich musste erst wirklich an der Tür probieren ob geöffnet war und betrat überglücklich den warmen Verkaufsraum. Nachdem ich meinen Einkauf verstaut hatte war ich auf der Suche nach einem Restaurant. Etwas abseits aber auch gleich am Anfang des Ortes fand ich eine Pizzeria. "Ja, eine schöne große Pizza wäre mir jetzt recht" dachte ich mir und mein Wunsch wurde mir erfüllt.
    Als ich dann weiter durch den Ort ging konnte ich feststellen das er dennoch ziemlich belebt war. Am Hotel und einem Bäcker war geschäftiges treiben zu beobachten. Und weiter ging nun der monotone Weg immer bergauf. Fast oben angekommen verlief der Weg wieder über eine Straße. Zum Glück wurde er von hier auch wieder ansehnlicher fürs Auge und bequemer für die Füsse, denn die hatten gelitten wie ich kurze Zeit später sah.
    Durch die Feuchtigkeit im Schuh hatte ich mir Blasen gelaufen.
    Ich setzte mich auf einen am Wegrand liegenden Baumstamm, zog mir Schuh und Socke aus und stach mir mit dem Taschenmesser eine Blase auf, denn den Druck und den damit verbundenen Schmerz konnte ich nicht länger aushalten.
    Das Wundwasser spritzte mir fast ins Gesicht, so ein Druck war in ihr. Dann ging ich weiter und nach kurzem brennen an der Stelle an der sich die Blase befand konnte ich wieder erleichtert weiter laufen. Der Weg kreuzte nun mehrfach die ehemalige Grenze was immer noch deutlich durch den Kolonnenweg zu erkennen war. Als ich am Nachmittag an einem Schild vorbei kam, welches darauf hinwies, dass es im nahe gelegenen Grumbach einen Gasthof gibt und man nur 500 Meter laufen müsse, überredete ich mich zu einer Pause. Als ich das Haus betrat befand ich mich wie in einem schlechten Traum. Der Wirt stürzte mir aus einem Nachbarraum entgegen und öffnete dir Tür zur wohl der übelsten Sorte angehörigen Gaststuben, welche ich jemals betreten hatte. Renoviert wurde hier wahrscheinlich vor 30 oder 40 Jahren zum letzen Mal. Ich befand mich in einem größeren Wohnzimmer mit Tresen. Das Mobiliar war wohl noch aus der Gründung des Gasthofs und an den Wänden waren teilweise helle Stellen zu sehen an denen sicher einmal Bilder hingen oder wie ich vermutete Urkunden aus besseren Zeiten welche das Gesundheitsamt dem Wirt aus den Händen gerissen hatte.
    Ich konnte nun aber auch nicht so ohne weiteres gehen und bestellte mir ein Bier, holte mein Handy raus um nicht länger meinen Blick durch den Raum streifen lassen zu müssen. Hier musste ich schnell wieder weg. Und so war ich dann kurze Zeit später, erleichtert diesen Ort hinter mir gelassen zu haben, auch wieder auf dem Weg. Und meine Freude wurde nun auch noch durch den Sonnenschein, welcher wohl in der Zeit in der ich in diesen Loch verschwunden war, und den Regen und die Wolken vertrieben hatte, verstärkt.



    Viel gibt es nun über die letzten 17 Kilometer nicht zu berichten, außer dass der Rennsteig nun ab Schlegel wieder einer Straße folgte. Auf einem schmalen Pfad direkt neben der Fahrbahn verlief der Weg. Links die Straße und rechts Felder. Wenn hier der Bauer einmal nicht richtig aufpasste und nur 50 Zentimeter weite rüber führe, dann wäre es auch um den restlichen Rennsteig geschehen.
    Glücklich erreichte ich nun am Abend Blankenstein. Ich stieg die steilen Strassen immer bergab und folgte dem Wegweiser des Beginnes vom Rennsteig (seltsamer Weise gibt es ja eigentlich kein Ende des Wege sondern nur einen Anfang auf beiden Seiten) und befand mich dann auf der Selbitzbrücke. Nach meinem Wanderführer sollte ich hier oder in der Saale meinen Stein aus der Werra versenken. Ich entschied mich dafür es hier zu tun, denn ich war nun wirklich ziemlich am Ende meiner Kräfte. Auch wenn es nun wieder bewölkt war hatte ich nun Frieden mit dem Weg geschlossen........


  14. Erfahren
    Avatar von FrankK
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #14
    ........der Rennsteig kann in bestimmten Bereichen ein schöner Wanderweg sein und ist es mit Sicherheit auch. Er überquert außer den Großen Inselsberg sonst keine nennenswerten Berge und bietet deshalb auch selten wunderbare Ausblicke. Um zu verstehen warum das so ist, muss man die Geschichte des Weges kennen. Er war eben ursprünglich nicht als Wanderweg geplant. Man hat ihn erst dazu erkoren als das Zeitalter des "Laufens zum Vergnügen" anbrach. Und man merkt ihm seine Geschichtsträchtigkeit an. Teilweise kann man sich dann auch vorstellen, wie er im Zeitalter des Automobils und dem damit verbundenen Straßenbau veränderte und weichen musste. Was für den einen gut war, ist für den anderen schlecht. Nicht umsonst hat man alternative Routen angelegt und ich kann nur jedem raten diese zu gehen. Sicher macht der Abstecher zum Großen Finsterberg nur bei schönem Wetter Sinn. Aber der Hässlichkeit der öden Straße vor und nach Steinbach am Wald kann man dort entfliehen.
    Ich weiß nicht ob ich diesen Weg jemals wieder laufen würde. Da gibt es sicher andere Wege die ein wenig mehr zu bieten haben. Und es gibt natürlich auch noch genügend Wege die erstmal gegangen sein wollen. Unter Beachtung der Ratschläge kann man dennoch auf dem Rennsteig ein wundervolles Outdoor Erlebnis haben. Für das leibliche Wohl ist oft gesorgt und die Menschen in Thüringen sind wirklich ein freundliches Volk. Aber wie immer im Leben gibt es natürlich verschiedene Ansichten und jeder Geschmack ist verschieden. Um sich ein eigenes Urteil zu bilden sollte man den Weg selber gehn. Aber ich denke das jeder der das Wandern für sich entdeckt hat den Rennsteig einmal gelaufen sein muss!



    Rennsteig! Für das schlechte Wetter wollte ich noch jemanden verantwortlich machen und dafür musste dieser Tannenzapfenmann aus Neuhaus herhalten.
    Geändert von FrankK (04.06.2013 um 11:35 Uhr)

  15. Erfahren
    Avatar von Jack68
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #15
    Vielen Dank für den Bericht und die genialen Bilder. Danke für die Möglichkeit des Mitreisens.
    ...

  16. Erfahren
    Avatar von Mario294
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #16
    Sehr schöne Bilder hast du da gemacht ;)

    Das Wetter meint es dieses Jahr nicht so gut mit und Wanderern

    Mfg Mario

  17. Neu im Forum

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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #17
    Toller Bericht und tolle Fotos! Danke! Da werde ich leicht neidisch!

  18. Erfahren
    Avatar von FrankK
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #18
    Vielen Dank!
    Dabei hatte ich nur eine billige Kamera mit weil die leichter war und ich einiges an Gewicht sparen wollte.
    Und Gelegenheit zum fotografieren gab es ja auch nicht so oft.

  19. AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #19
    Zitat Zitat von FrankK Beitrag anzeigen
    Vielen Dank!
    Dabei hatte ich nur eine billige Kamera mit weil die leichter war und ich einiges an Gewicht sparen wollte.
    Und Gelegenheit zum fotografieren gab es ja auch nicht so oft.
    Auch von mir ein dickes Danke für Deinen Bericht.
    Ich denke, wenn Du eine etwas bessere Kamera dabei gehabt hättest, wären die Fotos noch bedeutend eindurcksvoller geworden. Aber das aller erste Foto (am Anfang Deiner Beschreibung) hat wirklich eine tolle Ausstrahlung. Hat mir auch sehr gut gefallen.
    Back to the boots ---- the-trekker.de

  20. Erfahren
    Avatar von FrankK
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    AW: Rennsteig. Eine Schlammschlacht mit Versöhnung oder "Nur Original ist legal

    #20
    Ja, das Thema Kamera ist immer so eine Sache. Geplant hatte ich das alles etwas anders. Eigentlich nehme ich für qualitativ bessere Fotos auch ein paar Gramm mehr in Kauf. Und eine Kamera sollte auch immer griffbereit sein. Jedes mal den Rucksack absetzen wird einem irgendwann auch zu viel. Dann fotografiert man vieles nicht und es geht einem so mancher Schnappschuss verloren.
    Als ich meinen neuen ÜLA bei einer Tour vorher getestet hatte, mußte ich nämlich feststellen, dass man die schönen großen Hüfttaschen nicht richtig nutzen kann, da sie vollbepackt nur störend sind und ein gehen mit Stöcken sogar unmöglich.
    Lange Rede kurzer Sinn. Entweder muß eine kleine, sehr gute, leichte und kompakte Kamera her oder ich muß etwas einfallen lassen. Alles Überlegungen die bei bis mehr als 60 Kilometer pro Tag auch sehr wichtig sind.
    Aber bei meinem nächsten Reisebericht (etwa im September) gibt es dann auch wieder Fotos vun meiner Lumix.

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