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  1. [DE] Eifelsteig mit Hund

    #1
    Mitreisende: Waldlaeuferin
    Hallo,
    die Tage habe ich den Eifelsteig angegangen, mit meiner Hündin als Begleitung.
    Packliste war
    - Schlafsack Yeti (ca 1kg)
    - ein Schaffell aus einem schwedischen Möbelhaus in einer Mülltüte
    - DD Tarp 3 x 3 Meter
    - Hufix (eine Art Hobo-Kocher zum Zusammenstecken) und Kessel
    - Unterwäsche, Socken, T-Shirt zum Wechseln
    - Kleinkram wie Messer etc.
    - Waschkram, Outdoorhandtuch (so was schnelltrocknendes, was wahnsinnig viel Wasser aufnimmt)
    - Tasse, Löffel
    - Kaffee, Müsli, Fruchtriegel vom Discounter, Hundefutter
    - Miniregenzeug, zusammengeballt eine Faust groß
    - Karte Eifelsteig
    und der Rest, der mir jetzt nicht mehr einfällt.

    Mein Auto stelle ich in Blankenheim Wald ab am Bahnhof und lasse mich nach Kornelimünster bringen. Doch halt, bei der Anfahrt sehe ich auf einmal die Tiefebene vor mir - will ich das alles wieder hochlatschen? Kurz entschlossen kappe ich Etappe 1 und lasse mich in Hahn an der Kirche absetzen. Kornelimünster - Hahn also geschlampt.
    Dazu muss ich sagen, dass ich viel zelten war, aber meine letzte Wanderung seeeehr lange her ist.
    Zur Erläuterung Packliste: Mit aufblasbaren Isomatten habe ich schlechte Erfahrungen, die aus Schaumstoff sind sehr sperrig - ein Fell schien mir eine warme und praktische Lösung.
    Den Hufix wollte ich mal ausprobieren, er hat den Vorteil, dass er platzsparend ist und kein Treibstoff transportiert werden muss, er funktioniert mit Reisig o.ä.
    Für die ersten 3 Nächte habe ich eine Unterkunft gebucht, aber da danach keine zu kriegen war, habe ich das Tarp als Sicherheit mitgenommen.
    Hahn-Roetgen
    Weg entlang kleiner Bäche, nett, aber nicht spektakulär. Übernachtung am Camping Faulenbruch, wo ich ein Tipi reserviert hatte. Das Tipi ist leider mit Teppichboden ausgelegt, so dass der Vorteil dieses Zeltes, das man drin Feuer machen kann, entfällt. Dafür gibt es aber eine Feuerschale.
    Die Campingplatzfrau beharrt darauf, Niederländisch zu ihren Gästen zu sprechen, ob diese es verstehen, oder nicht. Wer weiß, warum.
    Das Tipi ist klasse, fast, wie unter freiem Himmel zu schlafen, nur weniger nass und windig.
    Am Morgen den Hufix fix zusammen gesteckt und in die Feuerschale gestellt. EIn paar Zweiglein rein und Kaffee gekocht. Das Feuer wird durch den Kamineffekt im Hufix begünstigt, wenig Zweige reichen aus, um das Wasser zum Kochen zu bringen und es wirkt fast wie ein echtes Minifeuer.
    Roetgen - Monschau
    Ich freue mich auf das Hohe Venn, von dem ich so einiges gehört habe. Erstmal komme ich an ehemaligen Höfen vorbei, die wegen einer Wassergewinnung geräumt wurden - nachdem die Menschen dort ca. 600 Jahre gelebt hatten. Dann biegt der Eifelsteig nach Belgien ab - ups, eigentlich sollte Hund hier seinen Heimtierpass dabei haben. Ich hatte nicht gewusst, dass der Weg teils durch Belgien verläuft.
    Auf dem belgischen Teil darf man den Wald nicht betreten sondern muss auf asfaltierten Pisten bleiben. Schöner Wald jedenfalls. Viele Eichen.
    Komme dannzum Hohen Venn. Ebenfalls handelt es sich um eine schnurgerade Asfaltpiste. Hm, ich hatte was von Holzbalkenwegen gelesen, aber das muss ein anderer Teil sein. Außerdem ist in diesem Naturschutzgebiet der Hund verboten. Soll er sich nun auflösen? Oder kilometerweit um das NSG herumlaufen? Hund quert das Hohe Venn illegal.
    Es ist erstaunlich heiß - auf der ersten Hälfte des Weges ist Wasser im Graben, aber dem Hund schmeckt's nicht - vermutlich eisenhaltiges Moorwasser. Ich kriege einen Sonnenbrand und meine Halbliterflasche Wasserist zu schnelll leer - müsste eigentlich mehr Wasser für mich und noch extra was für den Hund dabei haben.
    Danach Abstieg Richtung Mützenich. Dort weiche ich vom Eifelsteig ab, weil in der Karte eine Einkehrmöglichkeit angezeigt ist. Der Venngasthof bietet lecker Essen und einen guten Blick. Leider war er nicht auf der Webseite des Eifelsteigs als Übernachtungsmöglichkeit angegeben, aber offensichtlich ist er im Verzeichnis Bed Bike des ADFC, so jedenfalls die Plakette an der Tür. Ich hatte Schwierigkeiten, kurzfristig und mit Hund Übernachtungsmöglichkeiten zu finden - das Verzeichnis des ADFC wäre eine weitere Möglichkeit, Adr. zu finden.
    Abstieg nach Monschau - es geht steil runter und nochmal steil rauf und dann runter in den Ort. Beim Abstieg hüpft ein Rotkehlchen vor uns her, das einen gebrochenen Flügel simuliert, um uns von seinem Nest wegzulocken. Das Nest sehe ich aber nicht.
    Hier Übernachtung in einem Hotel, das nicht weiter empfehlenswert ist.
    Der Ort ist mir zu dunkel, eng ins Tal gebaut, idyllisch auf die zu saubere Art und Weise.
    Am nächsten Morgen Aufstieg durch Gärten - sehr schöne Wegführung.
    Monschau - Einruhr
    Dann geht es durch den Wald am Ufer des Perlenbachs, eine sehr schöne Strecke durch Schieferfelsen. Im Wald beobachte ich Buchfinken bei der Paarung.
    Dann geht es hinauf nach Höfen, einem Ort mit besonders hohen Hecken, die eine Art Kulturdenkmal sind. Auch hier gibt es ein Restaurant, dies ist nicht auf der Karte eingetragen. Wolken ziehen auf, es wird schwül und dann fällt die Temperatur ab. Als ich den Wald erreiche, fängt es an zu regnen. Kurze Rast im Waldmuseum, das aus einigen Hütten und einer ehemaligen kleinen Sägemühle besteht, aber alle Hütten sind verschlossen. Unter dem Vordach trotzdem trocken.
    Der Regen hört nicht auf und ich gehe weiter bis Widdau. Im Wald bin ich einigermaßen geschützt, aber die letzten Meter durch Widdau werde ich durchnässt. Die Softshelljacke ist nicht wirklich regendicht. Den Regenschutz habe ich nicht rechtzeitig angezogen - über die durchnässte Jacke bringt er nichts.
    Am Ende des Ortes ist eine Kapelle in einem modernen Stil, viel Glas. Zu meiner Überraschung ist die Tür offen und ich nutze den Ort, um mal im Trockenen zu sitzen. Wie weiter?
    Gegenüber am Haus hängt ein Schild "Ferienwohnung". Aber mit nassem Hund bekomme ich dort keine Herberge. Dafür sehe ich nun das Gasthaus, das etwas abseits liegt. Hier wärmt mich eine Hühnerbrühe wieder auf. Der Hund darf vor dem Bollerofen trocknen.
    Weiter geht es mit frischem Mut Richtung Hammer. Inzwischen habe ich Blasen an den Füßen und jeder Schritt tut weh. Ich rufe ein Taxi an, aber das hat erst in einer Stunde einen Wagen frei. In einer Stunde bin ich auch die letzten 3 Km von Hammer nach Dedenborn gelaufen, wo ich einen Wohnwagen auf dem Campingplatz reserviert habe.
    Ich weiche vom Eifelsteig ab und gehe an der Bundesstraße entlang, weiter im Regen. Bei den paar Autos, die vorbeikommen, versuche ich es mit Autostopp, aber wer will schon eine nasse Wanderin und einen nassen Hund in seinem schönen Auto?
    Also durchhalten.
    Wahrscheinlich hätte ich unten an der Rur entlang gehen können anstatt die Bundesstraße zu nehmen, aber ich werde aus der Karte nicht schlau. Es empfiehlt sich, eine TK 1:25.000 zu kaufen zusätzlich zur Eifelsteig-Karte. Der Eifelsteig ist supergut ausgeschildert, aber wer mal abweichen will, ist mit der TK besser bedient.
    In Dedenborn auf der Höhe hat man einen wunderschönen Rundblick. Obstbäume und Schlehen in voller Blüte. Die Eifel von ihrer schönsten Seite. Allerdings muss ich nun zum Campingplatz wieder komplett runter ans Rurufer.
    Fast nur Dauercamper, aber netter Platzwart. An der Rur können Zelte aufgestellt werden. Die Gaststätte auf dem Campingplatz ist nicht bewirtet und das nächste Gasthaus oberhalb an der Straße hat Mi UND Do Ruhetag. Naja, ich habe ja Müsli dabei, lecker. Der Campingwart spendiert mir eine Tüte Milch.
    Zwecks Auskurieren der Blasen bleibe ich einen Tag hier und beobachte die Tiere an der Rur, u.a. ein Kleiberpärchen, das seine Jungen versorgt.
    In der Nacht strömender Regen.
    Dedenborn - Vogelsang
    Checkout bei Sonnenschein, aber kaum bin ich 500 Meter unterwegs, wieder Regen. Diesmal bin ich schlauer und ziehe sofort die Regenjacke über. Die ist eigentlich als Notfallmaßnahme fürs Joggen gedacht, also sehr dünn, dafür aber bis über den Hintern gehend.
    Abweichend vom Eifelsteig gehe ich an der Rur entlang nach Einruhr - ein sehr schöner Weg. Der Regen hört auf, die Welt ist wie frisch gewaschen. An der hier langsam fließenden Rur mit vielen Teichen stehen Graureiher. Frösche quaken.
    Unvermittelt komme ich um eine Wegbiegung und bin schon in Einruhr. Ups, das ging aber flott. Hier ist ein nettes Cafe und ich esse erstmal einen Strammen Max - nach 2 Tagen Müsli mal was Warmes.
    In Einruhr gibt es übrigens auch eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit im Mehrbettzimmer, die nicht auf der Webseite des Eifelsteigs erwähnt ist (Einruhe Coffee & Shop). In dem angeschlossenen Cafe samt Shop kaufe ich (da Feiertag, alles sonst geschlossen) Pflaster, denn mein Vorrat ist aufgebraucht.
    Blasen neu verpflastert und weiter.
    Jetzt geht es immer an der Rur bzw. der Urfttalsperre entlang. Weg leicht zu gehen, keine Steigungen. Es geht durch einen Naturpark, der früher Militärgelände war, daher darf man die Wege nicht verlassen, weil Minengefahr. Jedenfalls eine billige Lösung, dieses Gebiet der Natur zu überlassen - man spart sich die Entminung. Die Natur kommt nur zum Zuge, wenn das Gebiet nicht verwertbar ist.
    Dann ab Urfttalsperre ein steiler Anstieg, aber inzwischen bin ich in guter Kondition, nur die Blasen schmerzen.
    Danach eine Ginsterheide, sehr nett. Ich rolle das Fell aus und mache Pause. Das Fell hat sich gut bewährt.
    Dann kommt die Wüstung Wollseifen - ein Dorf, das von der belgischen Armee geräumt wurde, um dort ungestört Manöver abzuhalten. Traurige Geschichte.
    Irgendwie verliere ich durch die Besichtigung des Ortes den Eifelsteig und folge den Wegweisern aus Holz Richtung Vogelsang.
    Dort ist ein gigantisches Nazi-Gelände, jetzt umfunktioniert zu Infozentrum etc.
    Auf dem Weg Richtung Infozentrum und Cafe kommt mir ein Bus entgegen, der Nationalpark-Shuttle Richtung Kall.
    Ich halte den Bus an und fahre mit nach Kall, von dort mit der Bahn nach Blankenheim-Wald, wo mein Auto auf mich wartet.
    Nun ja, die Wanderung verlief nicht ganz wie geplant, aber die Landschaften sind so toll, da muss ich noch weitere Etappen laufen. Jedenfalls mit besserer Ausrüstung für Füße. Statt Regenjacke evtl, das Fahrrad-Regencape, das könnte auch über den Rucksack passen, ist aber schwerer. Außerdem mit der jeweiligen TK zusätzlich zur besseren Orientierung. Übernachtungen im voraus buchen. Das mit dem Übernachten in einer Schutzhütte oder unter dem Tarp fand ich dann doch keine gute Idee, als die Temperaturen deutlich fielen.
    Ansonsten hat es super Spaß gemacht. Fortsetzung folgt (hoffentlich bald).
    Geändert von Waldlaeuferin (21.06.2017 um 13:30 Uhr)

  2. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #2
    Gibt es auch noch Fotos?
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

  3. AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #3
    nö. Habe paar Fotos mit dem Handy gemacht, ist aber nur Grünzeug zu sehen. Bäume und sowas. Dann hatte ich nicht genug Strom und hab den Handystrom gespart. Sorry. Nächstes Mal.

  4. Dauerbesucher
    Avatar von entropie
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    AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #4
    Dein schreibstil gefällt mir.
    Whenever people agree with me, I always feel I must be wrong.
    -- Oscar Wilde

  5. AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #5
    Schöner Bericht.

  6. Erfahren
    Avatar von stoeps
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    AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #6
    Tour im eigenen Stil. Bericht im eigenen Stil. Lakonisch, könnte man sagen. Sehr schön.

    Danke.

  7. #7
    Sehr schöner Bericht und auch noch nett geschrieben Ich habe den Eifelsteig mit Hund auch für den Sommer + Übernachtung in Schutzhütten oder Zelt geplant

    Gesendet mit Tapa irgendwas ...

  8. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #8
    Die Natur kommt nur zum Zuge, wenn das Gebiet nicht verwertbar ist (Zitat)

    Da ist was Wahres dran. Leider!
    ansonsten interessanter Bericht, ich will die Strecke auch bald machen.

  9. AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 5-7

    #9
    So, hat etwas gedauert, aber nun fortgesetzt.
    Taxi Blankenheim bis Gemünd würde 45 Euro kosten, daher Wagen zum Bhf. Blankenheim Wald gebracht, dort nach Kall gefahren. Von dort fährt ein Bus nach Gemünd, Nr. 829.
    Der Einstieg in den Eifelsteig ist relativ leicht zu finden, hinter der Kirche den Berg hoch. Sofort wird der Weg zu einem kleinen Pfad.
    Leider Kondition verloren, die Steigungen fallen mir schwer.
    In Golbach, etwa auf halber Strecke, ein Kiosk mit Café. Der Kiosk bietet außerdem gebruchte Bücher und jede Menge selbst gestrickte Wollsocken. Fast hätte ich eine Ausgabe von Lederstrumpf, 5 Bände in einem Band, für einen Euro erstanden, aber will das Buch nicht schleppen.
    Schöne Strecke bis Kloster Steinfeld, dort steige ich ab nach Urft. Man muss nicht der Straße folgen, es ist ein Fußweg nach Urft ausgeschildert. Im Urfter Hof herzlich empfangen. Hunde erlaubt gegen geringen Aufschlag. Zimmer müsste mal renoviert werden, Bad ist eine optische Katastrophe. Dafür sehr gute Küche und man wird umsorgt, so dass es fast schon zu viel ist. Wer nicht die gehobene Küche im Urfter Hof will, für den bietet Urft noch 2 weitere Lokale (einmal Schnitzel und einmal eher nur Frikadellen).
    Am nächsten Tag voller Elan wieder die Höhen hinter Urft erklommen und den Eifelsteig wieder gefunden. Leider Regen. Nach ein paar Stunden hebt der sich aber wieder. Mein Lodenpulli hat den Regen gut abgehalten, brauchte kein Plastik-Regenzeug. Das bleibt demnächst zuhause, Lodenpulli reicht.
    Die Strecke bis Nettersheim ist schön, auch Nettersheim sehr attraktiv. Ins Naturerlebnishaus darf kein Hund rein, daher dran vorbei. Hund stört ja auch beim Natur erklären, oder was? Hinter dem Dorf der "grüne Pütz", eine Quelleinfassung aus Römerzeit. Auch die zugehörige Wasserleitung ist teils offengelegt und funktioniert auch noch.
    Von Nettersheim bis Blankenheim leider eine enttäuschende Wegstrecke. Nur "Piste", viel Schotter, schnurgerader Weg am Bach lang. Langweilig zu laufen, auch wenn man schnell voran kommt, weil kaum Steigung.
    Vor Blankenheim gibt es die Möglichkeit, über den Quellenweg nach Blankenheim Wald zu laufen. Habe aber immer noch nicht genug und nehme die weitere Strecke bis Blankenheim. Das war ein Fehler! Kein Bus von Blankenheim nach Blankenheim Wald. Später höre ich, dass es den nur 2 mal am Tag gibt. Anscheinend gibt es auch einen "Taxibus", aber wie der funktioniert, konnte mir niemand erklären. Eine Frau, die ich nach dem Bus frage, bietet spontan an, mich nach Blankenheim Wald zu bringen. Das nehme ich gerne an. Wie nett!
    In Blankenheim Wald steht mein Auto und ich fahre nach Blankenheim - Ripsdorf. Dort nämlich habe ich ein Zimmer bekommen, Blankenheim war ausgebucht. Ripsdorf ist allerdings noch knapp 8 km von Blankenheim. Bei Fam. Schmitz, Haus Elisabeth, ein wunderbares Zimmer. (Appartments gibt es auch) Hund ist willkommen, auch hier ein geringer Preisaufschlag. Bad muss man sich mit einigen anderen Wanderern teilen, ist aber supersauber und gigantisch groß.
    In Ripsdorf ist der Gasthof Scheuer mit rustikalem Essen.
    Am nächsten Morgen gibt es bei Familie Schmitz ein üppiges Frühstück, das keine Wünsche offen lässt und noch für weitere zehn Personen reichen würde. Außerdem unterhalten wir uns sehr angeregt.
    Dann fahre ich mit dem Wagen nach Blankenheim zurück, am Ortseingang ist ein Wohnmobilstellplatz, Tagespreis 2 Euro für PkW. Dort nehme ich den Eifelsteig wieder auf. Nun zeigt sich die typische Eifel. Toller Weg bis Ripsdorf, dort wieder Einkehr bei Gasthof Scheuer. Danach wird der Weg noch schöner. Wacholderheide. Eifelsteig führt direkt über den Friedhof einer kleinen Kapelle, dort ein eindrucksvolles Gedenken an die Kriegsopfer des Ortes Alendorf.
    Sehr, sehr schöner Weg durch das Lampertstal, geprägt von kalkliebenden Pflanzen.
    Schließlich endet die Etappe in Mirbach, sozusagen im Nirgendwo. Hier erwartet am Wochenende das "Em Backes" den Wanderer mit Eifelsteig. Hund darf mit rein und ich sitze direkt am Holzofen, wo die Flammkuchen gebacken werden. Super nette Unterhaltung dort.
    In Mirbach gibt es am Wochenende keinerlei ÖPNV. Ein Freund holt mich ab und bringt mich zurück nach Blankenheim zu meinem Auto.

    to be continued 2017

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    Avatar von Dogmann
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    AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #10
    Schön geschrieben, deine eigene Art, gefällt!
    Überhaupt mit Hund gleich neugier !
    Richtig wohl fühle ich mich nur draußen !

  11. AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #11
    Zitat Zitat von Waldlaeuferin Beitrag anzeigen

    Ich freue mich auf das Hohe Venn, von dem ich so einiges gehört habe. Erstmal komme ich an ehemaligen Höfen vorbei, die wegen einer Wassergewinnung geräumt wurden - nachdem die Menschen dort ca. 600 Jahre gelebt hatten. Dann biegt der Eifelsteig nach Belgien ab - ups, eigentlich sollte Hund hier seinen Heimtierpass dabei haben. Ich hatte nicht gewusst, dass der Weg teils durch Belgien verläuft.
    Auf dem belgischen Teil darf man den Wald nicht betreten sondern muss auf asfaltierten Pisten bleiben. Schöner Wald jedenfalls. Viele Eichen.
    Komme dannzum Hohen Venn. Ebenfalls handelt es sich um eine schnurgerade Asfaltpiste. Hm, ich hatte was von Holzbalkenwegen gelesen, aber das muss ein anderer Teil sein.
    Du hättest nach Reinartzhof dich links halten können und den Weg durchs Imgenbroicher Venn laufen können. Dort gibt es die besagten Holzbalkenwege und fast keinen Aspalt. Ähnlichen Umweg kannst du auch im Struffelt laufen.

  12. AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 8

    #12
    Ostern Etappe 8 gelaufen, aber in zwei Teilen: Mirbach - Kerpen, Kerpen -Hillesheim.
    Der Anfang war eher eintönig, außerdem haben mir die vielen Steinbrüche nicht gefallen.


    Überraschenderweise verlief der Weg anders, als auf meiner Karte eingezeichnet. Die Karte ist von 2012, aber inzwischen verläuft der Eifelsteig am Nohner Wasserfall vorbei (Dreimühlen). Vielleicht ist die Etappe daher auch mit 26 km recht lang.
    Den Wasserfall kannte ich schon, er ist nicht so spektakulär, aber doch immer ein schöner Anblick. Allerdings war gerade ein Bus dort angelandet, entsprechend Trubel. Der Wasserfall wird immer mehr gehypt, die Besucherzahlen nehmen dort stetig zu.
    Gut für das nette Cafe dort. Daneben ist auch ein ehemaliger Zigarettenautomat, an dem Mini-Kunstwerke gezogen werden können. Witzige Idee.
    Auf dem Eifelsteig an sich ist sonst nicht viel los, pro Tag etwa 4 Wanderer kommen mir entgegen, 5 sind in meine Richtung unterwegs, und das über die Ostertage. Darunter drei junge Männer, einer trägt ein Skateboard. Ich frotzele ein wenig, dass das ja in der Eifel wenig nutzt. Er erzählt, dass er noch bis Athen will und das Skateboard gut sei, um auf Radwegen voran zu kommen.

    Der Eifelsteig vom Wasserfall bis Kerpen ist wieder sehr abwechslungsreich. Abgesehen von dem Klärwerk Kerpen, an dem er vorbei führt, eine wunderschöne Strecke. In Kerpen empfiehlt sich das "kleine Landcafe". Dort bekomme ich noch 5 Minuten vor Feierabend einen Flammkuchen. Eigens noch mal den Herd angeschmissen.



    Ich gucke den kleinen Stausee an, wo man angeln kann, wenn man die Angelkarte besorgt. Dort ist auch ein abgelegener Parkplatz, man darf aber weder zelten noch Feuer machen.

    Die Logistik ist diesmal einfach, da ich privat übernachte und auch an den Startpunkt gebracht wurde. Es gibt werktags einen Bus von Kerpen Richtung Niederehe, aber nicht am Wochenende.

    Am anderen Morgen sehr kalter Wind, teils Nieselregen. Hinter Kerpen eine Anhöhe hoch, an sich sollte die Aussicht gut sein, aber alles ist vernebelt bzw. diesig. In Berndorf beeindruckt mich die alte Wehrkirche.

    Reste einer Verteidigungsanlage aus dem WWII sind auch zu sehen (Schwedenschanze). In Hillesheim kehre ich im Krimi-Cafe ein. Killer-Kakao zum Ausklang.
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  13. Dauerbesucher
    Avatar von entropie
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    AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #13
    Der stil erinnert mich echt an Homo Faber. Das ist ein kompliment.
    Whenever people agree with me, I always feel I must be wrong.
    -- Oscar Wilde

  14. AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 1-4

    #14
    Danke Im echten Leben mach ich was mit Medien, das kommt davon.
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  15. AW: [DE] Eifelsteig mit Hund, Etappe 9 - 11

    #15
    Hillesheim – Gerolstein
    Wieder locken einige freie Tage in die Eifel. Das Auto stelle ich in Gerolstein ab und fahre mit dem Zug nach Oberbettingen. Gleich drei positive Überraschungen: Wahnsinn, es gibt einen Fahrkartenschalter. Eine nette Frau gibt Auskunft. Wahnsinn, die Bahnhofstoilette ist einigermaßen sauber. Und nochmal Wahnsinn: Der Zug, der schon seit zehn Minuten auf dem Bahnsteig hält, ist der richtige. (RB22, fährt etwa stündlich). Ich kenne das nur so, dass der Zug eben so lange hält, dass man eine halbe Minute Zeit hat, um an Bord zu springen. Hier geht es gemächlich zu. Ein Mann steigt ein und sagt zu seinem Kumpel: „Der Zooch is aber nit schwer voll.“ Der Eifler Dialekt ist doch klasse. In der Tat sind noch sehr viele Plätze im Zug frei. Genau acht Minuten nach Abfahrt steige ich in Oberbettingen aus.
    Hier hat der Bahnsteig einen Ausgang nur nach Norden, obwohl ich nach Süden will. Hinter dem Bahnsteig müsste ich noch einige 100 Meter weiter gehen, um dann auf die Landstraße zu kommen. Ich spare mir den Umweg, nehme den Hund auf den Arm und wate durch einen Graben voller hüfthoher Brennesseln, nur um festzustellen, dass sie durch den Outdoor-Stoff pieken. Kann zwar eigentlich nicht, ist aber so. Dann trotte ich die Landstraße Richtung Süden. Nach etwa 200 Metern zweigt ein Schotterweg links ab, der sich bald in eine asphaltierte Straße verwandelt. Diese führt nach Bolsdorf, wo man wieder auf den Eifelsteig trifft.
    Ich bin extra früh losgegangen, weil es heiß ist und nachmittags gewittern soll. Vor dem Gewitter will ich die Etappe beendet haben. Der Weg führt durch Feld und Wald bis Dahm, wo es neben der Brücke über die Kyll eine Einkehrmöglichkeit gibt. Doch die lasse ich links liegen, es ist mir noch zu früh und Wasser habe ich ohnehin mit. Ein Blick auf die Kyll zeigt, dass sie hier wohl nicht paddelbar wäre. Alle paar Meter liegen Bäume quer über dem kleinen Flüsschen, das ohnehin nicht sehr tief ist.
    Hinter der Kyll geht es wieder bergauf. Diese Etappe ist abwechslungsreich, nur an sehr wenigen Stellen verläuft der Eifelsteig über asphaltierte Straßen. Ich laufe und laufe, treffe nur 2 holländische Pärchen und ein Pärchen mit Wanderstöcken.
    An einer Stelle im Wald erwische ich Lupo in flagranti mit einem Dackel. Eine seltsame Installation mitten im Wald.
    Sehr schön ist der „Rother Kopf“, eine Anhöhe mit Ginster bewachsen. Von oben hat man einen wunderbaren Rundumblick. Leider erwischen mich zwei Bremsen, die Stiche schwellen sofort an. Es wird zunehmend heißer. Mein Wasser ist alle bis auf einen Not-Schluck. Der Hund ist schlapp und lässt sich ziehen. Da sehe ich ein Schild „Landgasthof Müllenborn, 10 Min. zu Fuß“. Darunter der Schriftzug der Bitburger Brauerei. Die Vision eines kühlen Biers setzt sich in meinem Kopf fest. Ich folge dem Schild. Derjenige, der das Schild aufgestellt hat, ist vermutlich nie zu Fuß gegangen, denn der Weg ist deutlich länger als 10 Min. Außerdem geht es steil bergab, ich verliere Höhenmeter. Schließlich sehe ich eine Gaststätte. Es ist zwar nicht die avisierte Landgaststätte, sondern ein „Fuchsbau“ genanntes Lokal, doch das ist mir egal. Hauptsache was zu trinken. Das Lokal entpuppt sich als Restaurant für gehobene Ansprüche. Es gibt ein Menü für 32 Euro und einige wenige Gerichte. Eigentlich war mein Budget auf „Schnitzel mit Pommes“ ausgerichtet. Aber egal. Gibt es eben morgen Schnitzel, heute was edles. Das Essen ist gut und überraschenderweise auch reichlich – meist sind ja die Portionen in den teuren Läden eher mini, hier aber nicht. Das Personal kennt die übrigen Gäste mit Namen, hofiert die örtlichen Autoritäten.
    Eine Apfelschorle und ein Radler später mache ich mich wieder auf den Weg. Es sind kleine Wölkchen aufgezogen, der Wind nimmt zu. Ich laufe den ganzen Berg wieder hoch. Na gut, vielleicht sind es doch nur 10 Minuten. Erfrischt und satt läuft es sich eben besser.
    Der Eifelsteig verläuft jetzt im Zickzack zwischen Feldern und Waldstücken genau nach Südosten Richtung Gerolstein. Interessant ist die Mühlenhöhle, wo früher Mühlsteine gebrochen wurden. Die Höhle ist zugänglich, aber dummerweise habe ich keine Lampe dabei. Sonst habe ich immer eine Stirnlampe mit, aber die ist in einer anderen Tasche. Ich laufe weiter auf Gerolstein zu. Der Himmel hat sich ganz zugezogen. Es wird noch drückender. Jetzt will ich keine Pause mehr machen, denn ein Gewitter wird immer wahrscheinlicher.
    Der Eifelsteig läuft an einer Felsnadel vorbei, sehr schöne Ausblicke. Durch einen Wald geht es jetzt bergab Richtung Gerolstein, dann kommt man an einen Stausee. Dort sitzen Angler. Weiter durch einen Ferienpark mit Bungalows. Da ist sogar ein Pool. Ein Schild sagt: „Nur für Bewohner des Ferienparks“.
    Weiter bis zum Auberg, dann folge ich der Straße nach rechts Richtung Innenstadt. Ein großes Thermometer einer Firma für Kältetechnik zeigt 28 Grad.
    Der Eifelsteig führt zwar in einigen Schleifen noch nordwärts an den Gerolsteiner Dolomitenfelsen vorbei, aber das spare ich mir. Unten in der Stadt ist der Bahnhof schon in Sichtweite, wo mein Auto parkt, doch da ist kurz vorher noch ein Eiscafé. Ich esse ein Spaghettieis und gerade, als ich damit fertig bin, fängt es an zu regnen.

    Gerolstein – Daun
    Meine Nachforschungen haben ergeben, dass Bus 500 von Daun ZOB nach Gerolstein fährt. ZOB, also Zentraler Omnibus-Bahnhof, befindet sich anscheinend am Michel-Reineke-Platz. Dieser ist per Google nicht zu finden, aber die Michel-Reineke-Straße. Im Vertrauen darauf, dass sich der Platz dort irgendwo befindet, fahre ich hin. In der Tat ist der Platz an der Trierer Str./Ecke Michel-Reineke-Straße. Der „ZOB“ stellt sich als abbruchreifes Wartehäuschen und zwei Bushaltestellen dar. Im Edeka um die Ecke ist eine Filiale der Bäckerei Schillinger, einer Eifler Qualitätsbäckerei, dort hole ich Wegzehrung. Der Bus kostet dann sage und schreibe 5,58 Euro für 20 Min. Fahrt.
    Nach den paar Tropfen gestern Abend ist das Gewitter ausgeblieben, aber die Temperaturen sind trotzdem gesunken. Morgens um 8 Uhr nur noch 13 Grad und nicht 23. Sehr angenehm zum Laufen. Ein leichter Wind weht.
    Von Gerolstein Bahnhof aus weist ein Wegweiser zum Einstieg Eifelsteig. Es geht über die Hauptstraße und kurz vor dem Naturkundemuseum rechts Treppen den Berg hoch. Einmal oben angekommen bietet sich ein schöner Blick über die Stadt, die von Felsen umgeben ist. Bald taucht der Eifelsteig in den Wald ein. Die folgenden zehn Kilometer gehen nur durch Wald. Laut Karte sind auch rechts und links kilometerweit nur Wälder. Dieser Abschnitt bis kurz vor Neroth gefällt mir besonders gut. Die Erdbeeren und Himbeeren am Wegrand sind leider noch nicht reif, in ein paar Wochen könnte man sich hier durchfuttern.
    Wieder sehe ich am Wegrand eine Installation, diesmal geprägt von Plastiksauriern. Sind das Gebilde von Geo-Cachern? Oder ist eine neue Religion auf dem Vormarsch, die solche Reliquien-Altäre aufstellt? Jedenfalls mitten im Wald geschmacklos und unpassend.
    Neroth ist von Wiesen voller Wildblumen umgeben. Solche tollen Wiesen habe ich ewig nicht mehr gesehen. Häufige Mahd und Überdüngung haben ja weitgehend Wiesenblumen beseitigt.
    Heute gehen 4 Holländer und 2 Schweizer in meine Richtung, 2 Wanderer kommen mir entgegen. Die Schweizer wollen in Neroth einkehren, aber ich laufe weiter. Auf meiner Karte ist wenige Kilometer vor Daun eine „Neunkirchener Mühle“ mit dem Zeichen für „Einkehr“ eingezeichnet. Also weiter. Der Hund nimmt ein Bad in der kleinen Kyll, ich ziehe mein Sweatshirt aus, denn jetzt geht es hoch zum Nerother Kopf. Der Anstieg ist steil und als ich glaube, er sei schon geschafft, geht es erst recht noch mal steil hoch, durch einen tollen Buchenwald.
    Oben am Nerother Kopf ist eine mächtige Höhle, halboffen wie eine Halbkugel. Sie ist zwar mit einem Zaun abgesperrt, aber der hat in der Mitte eine Aussparung. Am Boden der Höhle sind aus Steinen und Brettern Sitzbänke improvisiert. Oben auf der Höhle aber steht die Ruine einer Burg. Es ist düster hier, die Buchen schirmen das Sonnenlicht fast ganz ab. Zwei Bäume reiben sich aneinander und quietschen. Das Ganze wirkt wie eine Szene aus einem Gruselfilm.
    Ich folge dem Eifelsteig weiter, der jetzt ebenso steil wieder nach unten führt, wie er hinauf ging. Am Fuße des Nerother Kopf geht es durch das frühere Windbruchgebiet des Sturms Xynthia. Eine Erklärtafel erklärt, dass hier der Windfall sich selbst überlassen wurde. Außer ein paar Stämmen, die quer liegen, aber schon ziemlich verrottet sind, sieht man kaum mehr was davon. Prächtige Holunderbüsche blühen am Rand des früheren Windbruchs, der schon längst wieder vom Wald erobert ist.
    Nun geht der Weg über offene Wiesenflächen, man hat einen tollen Blick über die Vulkaneifel. Dann steigt man ab zu einem Bach, dem man bis Neunkirchen folgt. Der Bach ist aber im Moment trocken gefallen. Hinter Neunkirchen erreiche ich die Neunkirchener Mühle und träume von Schnitzel mit Pommes samt einem kühlen Bier. Von wegen: Anstelle einer Speisekarte hängt dort ein Zettel: „Liebe Kunden, nach 40 Jahren harter Arbeit schließen wir...“. Für Wanderer gibt es aber noch Getränke und Kuchen. Mir ist nicht nach Süßem, ich trinke frustriert eine Apfelschorle.
    Nun geht es noch mal rauf und runter, bevor nach ca. 23 Kilometern Daun erreicht ist. Der Eifelsteig quert die B257, der ich nach links in die Stadtmitte folge. So erreiche ich nach 10 Minuten wieder den „ZOB“, wo mein Auto parkt. Jetzt bin ich zu müde, noch eine Gaststätte zu suchen und kaufe stattdessen ein Fertiggericht im Edeka.

    Gemündener Maar – Manderscheid
    Von Manderscheid (Dauner Str.) nehme ich den Bus Richtung Daun bis Gemünden Maarstr. Macht 4,75 Euro. Kein Wunder, dass die Busse leer sind. Immerhin verkehren zwischen Manderscheid bzw. Bernkastel-Kues und Daun mehrere Linien, so dass ich sogar an einem Sonntag mehrere Verbindungen zur Auswahl habe.
    Ich spare mir die Wanderung aus Daun heraus und beginne mit dem Eifelsteig in Gemünden. Direkt an der Haltestelle geht eine Straße den ehemaligen Kraterrand hoch. Die Maare sind auch mit dem Auto gut erreichbar. Am Gemündener Maar gibt es Kioske und Gaststätten, so dass viele Leute einen Sonntagsausflug machen.
    Am Gemündener Maar vorbei geht es hoch über den Kraterrand zum Totenmaar. Innerhalb weniger Meter hat man den Blick auf das eine und dann auf das andere Maar. Postkartenanblick.
    Der Weg verläuft quer über eine Ziegenweide. Hund zerrt wie wild an der Leine, er möchte gerne die Ziegenherde jagen. Die Ziegen sollen wohl die Wiese kurz halten, ziemlich weiträumig zieht sich ihre Weide am Maar entlang.
    Ich gehe in die kleine Kapelle, die der einzige Überrest menschlicher Siedlung am Totenmaar ist. Hier hängen viele Schilder mit Dank an Maria. Man darf auch die Glocke läuten. Viele Geschichten ranken sich um das Totenmaar und diese kleine Kirche.
    Heute leuchtet das Maar türkisgrün. Hier gibt es keinen Rummel, keinen Bootsverleih, keine Badeanstalt, keinen Kiosk. Der Weg führt um das Maar herum. Eine Gruppe Esel mit Fohlen kommt mir entgegen, zur Begeisterung des Hundes. Auch wenn man sie anbellt, schrecken die Esel nicht auf, sondern nähern sich neugierig. Hund ist beleidigt. Ziegen jagen darf er nicht und die Esel haben keinen Respekt.
    Ein Paar mit einem Kleinkind fotografiert die Esel von allen Seiten, streichelt sie, setzt das Kleinkind auf den Rücken eines Esels. Jetzt hätte ich ja gelacht, wenn der Esel mit dem Kind davon getrabt wäre. Die Esel aber bleiben geduldig, sie sind anscheinend Touristen gewöhnt.
    Hinüber zum Schalkenmehrener Maar. Das hat flachere Ränder und wirkt fast mediterran. Hier gibt es Tretbötchen und ein Strandbad sowie einen winzigen Campingplatz. Das Dorf hat auch mehrere Cafés und Hotels mit Restaurant. Ich mache einen Abstecher zum Heimwebereimuseum, das ich schon lange mal besichtigen wollte. Mehrfach überklebte Schilder machen deutlich, dass die Öffnungszeiten immer stärker eingeschränkt wurden. Aktuell von Frühjahr bis September nur sonntags 15 bis 17 h geöffnet. Leider ist es erst Vormittag. Ich nehme mir vor, bis September an einem Sonntag hier vorbei zu kommen. Die letzten überlebenden Heimweber scheinen nicht mehr lange aktiv zu sein. Neben dem Museum ist ein winziger Museumsgarten, in dem Färbepflanzen und wilde Karden wachsen.
    Weiter geht es auf dem Eifelsteig, vorbei an einer sorgsam ausgelegten Blütendekoration von der Fronleichnamsfeier. Als ich die Höhe erreicht habe, wo mehrere Wege aufeinander treffen, lege ich eine Verschnaufpause ein. Ein paar andere Wanderer ziehen vorbei, wir haben uns an den Maaren schon gesehen. Einer starrt im Laufen auf sein GPS-Gerät, schlägt aber trotzdem den falschen Weg ein. Oder vielleicht hat er eine andere Route als den Eifelsteig. Jedenfalls kehrt er nicht wieder zurück, solange ich hier raste.
    Mein nächstes Ziel ist die Üdersdorfer Mühle, wo ich Mittag essen möchte. Jedenfalls ist sie in meiner Karte als Einkehr bezeichnet. Bis dahin geht es einen langen Weg den Hang hinab. Logo, eine Mühle muss ja an einem Bach sein, also im Tal. Ich komme an Fischteichen vorbei, die nicht in der Karte eingezeichnet sind. Es scheint der Angelsee des Angelvereins Tettscheid zu sein. Dort ist auch ein Picknickplatz.
    Schließlich bin ich an der Üdersdorfer Mühle. Ein gewaltiges Gutshaus mit Scheune. Auf dem Hof Bierbänke. Leider kein Schatten. Es gibt eigenen Honig und Schinken zu kaufen. Der Schinken ist sehr lecker, aber ich habe keine Lust, ihn mitzuschleppen. Hier bekomme ich endlich Hausmannskost. Die Bratkartoffeln schwimmen im Fett. So rustikal musste es denn doch nicht sein. Da es sich auf dem Hof in der brennenden Sonne schlecht sitzt, gehe ich nach dem Essen weiter bis zum Waldrand und chille dort eine Weile.
    Hier weidet eine Herde Wasserbüffel. Mächtige Viecher. Immerhin haben sie Hörner. Kühe dürfen ja in letzter Zeit keine mehr haben. An der Weide hängt eine Erklärtafel. Ökobetrieb soundso.
    Der Weg folgt nun der Lieser bzw. der Eifelsteig ist hier identisch mit dem Lieserpfad. Auf dem Lieserpfad bin ich vor zig Jahren mal gelaufen, als Michael Andrack ihn gerade als „schönsten Wanderweg Deutschlands“ bezeichnet hatte. Das war im Herbst und es war sehr viel los. Daher erwarte ich, hier viele andere Wanderer anzutreffen. Doch im Gegenteil, die ganze Strecke entlang der Lieser bin ich alleine, bis mir kurz vor Manderscheid ein Jogger begegnet.
    Außerdem hatte ich den Lieserpfad als engen Steig oberhalb des Baches zwischen Felsen in Erinnerung. Vielleicht ist das die Strecke südlich von Manderscheid? Hier jedenfalls mäandert die Lieser durch Wiesen und Wald, der Weg ist meist ein breiter Forstweg, häufig geschottert.
    Ich höre ein lautes Rupfgeräusch und nach einer Weile entdecke ich eine Hirschkuh, die mich nicht bemerkt, weil ich oberhalb von ihr auf dem Weg bin. Sie weidet in den Lieserauen. Ich kann sie gut beobachten. Es geht kein Wind. Auch der Hund hat keine Witterung aufgenommen, bemerkt nichts. Ich sehe der Kuh zu, wie sie genüsslich Kräuter und Gräser abrupft, bis sie unter Büschen verschwindet.
    Der Weg zieht sich. Im Wald, wo es windstill ist, stürzen sich Bremsen auf mich. Das Wasser geht zur Neige, obwohl ich an der Üdersdorfer Mühle nachgefüllt habe. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen habe ich Blasen an den Füßen. Der Hund hat auch keine Lust mehr. Wir trotten Richtung Manderscheid.Vielleicht ist Wandern im Sommer doch keine gute Idee. Wer ist überhaupt auf diese bekloppte Idee gekommen? Ich bin froh, als ich an einem Aussichtspunkt die Manderscheider Burg sehe. Hier kann man sich richtig vorstellen, wie die Manderscheider einst das ganze Tal unter Kontrolle hatten.
    Es ist eigenartig, vollkommen alleine Kilometer um Kilometer zurück zu legen, und das mitten in Deutschland. Mit dem Niedergang der Landwirtschaft sind keine Bauern mehr unterwegs. Milchvieh wird eh nicht mehr gehalten, also treibt auch niemand mehr Kühe zum Melken nach hause. Die Wiesen werden ein, zwei Mal im Jahr gemäht, um Heu oder Silage zu gewinnen, das ist alles. Den Eiflern bleibt Hartz 4 oder ein Pendlerjob in Köln.
    Etwa einen Kilometer vor Manderscheid, ab der Rulandshütte, gewinnt der Lieserpfad den Charakter, an den ich mich erinnere. Er verläuft als schmaler Pfad oberhalb der Lieser, vorbei an Felsen, bis plötzlich die ersten Häuser von Manderscheid auftauchen. Ich stürze ins nächste Cafe und inhaliere eine große Apfelschorle.
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

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