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    [IE] Irlandtour - Beara Way & Dursey Island 2010

    #1
    Mitreisende: Schorsch74
    Land:Irland
    Reisezeit: März 2010

    Beara Way / Beara peninsula mit Dursey Island und Rückweg über I. Etappe Kerry Way

    Mit meinen Kumpeln aus dem schönen Ruhrpott/Essen fahre ich schon seit einigen Jahren zum Wandern nach Irland, hier werden also mit der Zeit noch einige Reiseberichte entstehen.
    Leider wollen die immer, das ich keine Bilder von denen veröffentliche, also muss ich wohl in ein paar Bildern rumkritzeln, was diese dann evtl. nicht schöner macht.

    Nun zur eigentlichen Reise:

    Nachdem wir schon 2x den Kerry Way, den Wicklow Way und Donegal unsicher gemacht hatten, stets in wechselnder Besetzung aber mit dem gleichen Kern der Truppe, wollten wir auch 2010 wieder nach Irland. Wir, das sind in diesem Fall die ständigen Irlandfahrer Stefan, Jogi und ich sowie dieses Mal noch Birne (wird halt so genannt). Zielroute sollte dieses Mal der Beara Way sein, da uns der süd-westliche Teil von Irland sehr zusagt und wir die kleinen Dörfchen lieben, in denen man anscheinend keine Sperrstunde kennt.
    Los ging unsere Tour am 19.03.2010 mit dem ÖPNV von Essen zum Flughafen Düsseldorf. Das Zeitalter der Billigflieger haben wir für uns abgeschlossen, wir fliegen lieber (lange vorgebucht) für 19,- € p.P. mit Airlingus von DUS nach Dublin und dann mit der irischen Bahn nach Kerry. Eigentlich sollte das sogar billiger als mit ‘nem Billigflieger sein, weil wir aber ja zwangsweise auch eine Nacht in Dublin verbringen mussten und da am Guinness nicht vorbei kamen, war es eigentlich auch wieder nicht billiger
    Wir genossen also besagte Guinness und hielten uns dabei sogar leidlich aus der Touri-Hochburg Temple Bar raus, gingen lieber südlich der Dame Street in „normale“ Pubs.





    Spät wurde es dennoch, sodass ich am nächsten Morgen auf das Frühstück verzichtete. Zu Fuß machten wir uns auf unsere erste Wanderung: vom Kinlay House Hostel zur Heuston Station. Dort nur noch die Kreditkarte in einen netten Automaten schieben und die zuvor in Deutschland übers Netz gebuchten Tickets mit Platzreservierung flutschten durch einen Schacht in unsere Hände. Nachdem wir dann noch unser richtiges Gleis gefunden hatten (es gab kurze Diskussionen) und sich die elektronische Durchgangssperre nicht öffnen ließ, weshalb ein freundlicher Bahnmitarbeiter heraneilte, versuchten wir noch unseren Wagon zu finden. Ich glaub sie waren alphabetisch geordnet und wir hatten Waggon E, was aber keiner von uns kapierte, da es unsere erste irische Bahnfahrt war. Aber auch hier half uns wirklich freundliches Bahnpersonal, absolut nicht zu vergleichen mit „traveling with Deutsche Bahn“.



    So zuckelten wir also um 09:00 Uhr aus Dublin raus, erst Mal Richtung Killarney, Kosten: 20,-€. Wären wir nicht so Guinness-Freunde, hätten wir auch die Bahn um 07:00 Uhr nehmen können, die fährt sogar für’n schlappen 10er quer über die Insel . Aber man muss ja auch Dublin genießen
    Jetzt genoss ich als einziger erst Mal das leckere Burger-Frühstück, mit dem irishrail so aufwartet.



    Anschließend konnten wir knappe dreieinhalb Stunden die irische Landschaft genießen, wobei gerade bei der Ausfahrt aus Dublin und den Vororten von genießen nicht wirklich die Rede sein kann.
    Aber so konnte man zur Not auch noch Schlaf nachholen.
    Endlich in Killarney angekommen, versuchten wir ein lokales Taxiunternehmen zu finden. Jogi hatte hier vorher Mailkontakt und einen guten Preis für den Transfer nach Glengarriff ausgehandelt, wo wir am nächsten Morgen starten wollten. Eine Busverbindung nach Glengarriff hätte uns irgendwie einen weiteren Tag gekostet, da wir ja wie gesagt nicht die Bahn um 07:00 genommen hatten, aber das wussten wir auch schon vorher.
    Da unser Taxifahrer uns zwar schon erwartete, noch mal eben aber so für zwischendurch noch ne andere Fahrt machte, hatten wir noch einmal etwas Leerlauf, um in den örtlichen, uns schon bekannten Pubs ein leckeres Mittagsmahl sowie evtl. nochmal ein Guinness einzunehmen.



    Am späten Nachmittag fuhren wir dann endlich über Kenmare nach Glengarriff. Unser Kutscher wählte netterweise die Strecke über den Ring of Kerry und Moll’s Gap, so dass wir schon mal ein wenig in Erinnerungen an vorherige Touren, auch von Killarney nach Kenmare, nur halt zu Fuß, schwelgen konnten.
    Letztendlich kamen wir dann doch etwas später in Glengarriff an, und damit mussten wir uns endlich mit der Frage beschäftigen wo wir unser Nachtlager nehmen würden. Fest eingeplant, und wegen des guten Wetters auch absolut erwünscht war eine Zeltnacht, um mal zwischendurch wieder etwas Geld zu sparen. Auf Anhieb war keine geeignete Stelle zu finden, und der Ort schien sich auch länger an der Straße lang zu erstrecken, als wir gedacht hatten.









    Da schnell abzusehen war, das wir ortskundige Unterstützung brauchten, führte uns der Weg mal wieder in den nächsten Pub, wo wir einfach mal fragen wollten. Bislang kam da immer was nützliches bei raus, und auch diesmal sollten wir nicht enttäuscht werden, allerdings wurde uns auch einiges abverlangt… Im Blue Loo, waren nämlich grad geschätzte 90% der männlichen Bevölkerung versammelt und fieberte erwartungsfroh und leicht bis mittelstark betrunken dem Anpfiff irgendeines wichtigen Spiels entgegen (tut mir leid dass ich hier nix genaueres berichten kann, Sport find ich doof) Die Bedienung rief, nach dem sie unser Anliegen verstand, in Absprache mit anderen Thekenkönigen einen „David“ für uns, der hätte sogar einen Campingplatz etwas außerhalb und würde uns auch hinbringen.

    Wir waren hocherfreut, bis wir merkten, dass David (so Anfang 30) zu den mindestens mittelstark betrunkenen Gästen gehörte. Gerne würde er uns fahren, er müsse nur noch sein Auto holen, wir sollen draußen warten. Schon etwas beängstigt warteten wir also draußen, und uns wurde nicht besser, als wir merken mussten, dass David auf der Suche nach seinem Wagen zweimal an uns vorbei lief. Hatte er noch was besorgt oder wusste er nicht mehr wo der Wagen stand? Egal, wir konnten uns inzwischen auch Mut antrinken und wollten ja die Zelte aufbauen und dann schnell zurück zum Pub um uns pegelmäßig der einheimischen Bevölkerung noch besser anzupassen. Und nachdem David dann erst seinen Wagen und hinterher auch uns wieder gefunden hatte, konnten wir uns zu viert mit Gepäck in den Corsa quetschen und fuhren ca. 2km westlich aus Glengarriff raus. Das hieß, dass wir am nächsten Tag schon mal 2 km gespart hatten, da der Campingplatz direkt am Weg lag.

    Eine Frage an David brannte uns aber doch noch unter den Nägeln: was macht ihr eigentlich wenn die Polizei kommt? Verkehrskontrolle? In breitestem irish-englisch nuschelte er voller Stolz zurück:
    „You are at Beara. If the police comes, we will shoot them. They know it and stay away!“
    Aha

    O.K. , im Kurztext weiter: Zelte auf einem recht netten Campingplatz aufgebaut, mit David einen super Preis ausgehandelt, den wir nach dem weiteren Verlauf des Abends am nächsten Morgen erlassen bekamen, und wieder im Promilletaxi zurück nach Glengarriff.



    David setzte sich wieder zu seinen Kumpels und tankte weiter, wir machten es uns etwas gemütlicher mit Live Musik nebenan, etc.
    Kurz nach der Sperrstunde ging es dann auch für uns zurück zum Platz, diesmal zu Fuß. Aber nicht, weil David das Auto nun mal endlich stehen gelassen hätte, sondern weil der - Gott sei dank ohne uns Bescheid zu sagen und mit zu nehmen- schon mal vorgefahren war.
    Nach den 2km Fußmarsch waren wir dann am Platz doch etwas überrascht von einer komischen Stimmung am Ende des Campingplatzes.
    Wie es sich herausstellte betrieb David hier in den Gemeinschaftsräumen des Campingplatzes einen eigen kleinen Pub!!!



    Der kannte natürlich keine Sperrstunde (siehe „shoot the police“) Hier war dann die komplette Nachbarschaft versammelt, also außer uns noch drei Mann, womit wir die Besucherquote sofort mehr als verdoppelten und somit auch den Umsatz deutlich steigerten.
    Kurz und gut: am nächsten Morgen mussten wir NIX bezahlen, das hatten wir quasi Abends in Guinness abgegolten, und David servierte uns vor unserem Abmarsch noch pro Mann 2 (!!) leckere Frühstücksguinness auf Kosten des Hauses.









    Den Namen von diesem super Platz haben wir uns dann am nächsten Morgen in der schnelle des Aufbruchs dann doch nicht gemerkt, aber wir haben mal ganz schlau einfach das Schild fotografiert

    Geändert von Schorsch74 (14.04.2013 um 18:34 Uhr)
    Die Leber wächst mit ihren Aufgaben

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    AW: (IE) Irlandtour - Beara Way & Dursey Island 2010

    #2
    1. Wandertag Glengarriff – Adrigole

    So, jetzt hatten wir’s geschafft und uns endlich mal von den Bierchen losreißen können und endlich, schon sehnsüchtig erwartet, auf die schlammige Piste Richtung Adrigole geschmissen. Was heißt schlammige Piste, erst mal ging es knappe hundert Meter die Straße lang, bis rechts ein Schotterweg abzweigte, der schön als Beara Way ausgezeichnet war. Die Schotterpiste schlängelte sich nun gemütlich durch einige Schafsweiden sachte bergauf und bergab.



    Nach einiger Zeit veränderte sich allerdings die Wegbeschaffenheit dramatisch, aus der schönen Fahrspur wurde ein matschiger Schafspfad, der sich nun immer steiler den Bergrücken entlang windet und uns zum nächsten Gap unterhalb des Sugarloaf Mountains führt.
    Nach dem wenigen Schlaf der letzten Nacht, dafür aber anscheinend deutlich zu viel von dem schwarz-braunen Göttersaft, schlaucht mich das ganz schön.
    Aber Gott sei Dank bin ich damit ja nicht alleine, wir 4 sind allerdings die ganze Zeit (und auch noch den kompletten Rest der Tour) hier oben ganz alleine und genießen vom Pass aus die Aussicht auf die Bantry Bay.
    Bei dem (noch) super Wetter ein Traum.









    Nach einem kurzen und sanften Abstieg zunächst über eine Art green road und dann über einen mit großen Felsbrocken durchsetzten Schlammweg immer an den Weidezäunen entlang, erreichen wir schon bald wieder die nächste geschotterte Fahrstraße. Da wir zeitlich noch ausreichend Spielraum haben, lassen wir uns mal auf eine längere Rast ein und holen in der Sonne noch ein wenig Schlaf nach.
    Als wir uns wieder auf den Weg machen, müssen wir feststellen, dass nun leider die Zahl der Beara Way Hinweisschilder sinkt, und nach einiger Zeit wissen wir nicht mehr, ob wir den Weg vielleicht verpasst haben, oder ob wir jetzt bis Adrigole über Schotter/Asphalt laufen müssen.



    Aber dank der guten Ordnance Survey Karte finden wir auch so unseren Weg und stoßen nach kurzer Zeit auf einen Trampelpfad, der (laut Luftlinie und Karte) zum Ziel zu führen scheint. Irgendwann wurde dieser Weg dann aber wohl durch einen doofen Bagger mal komplett umgepflügt, so das der Matschfaktor zunahm.
    Netterweise hatte der Bagger es aber nicht dabei belassen, nur unseren Weg umzubuddeln, sondern hatte dabei auch ganz viele andere Wege neu gematscht, die es laut Karte gar nicht gab. So haben wir uns dann einfach mal in Falllinie Richtung des hoffentlich irgendwo wieder vorhandenen Rest-Weges vorgearbeitet.
    Wir fanden sogar die auf der Karte verzeichnete Brücke über einen kleinen Bach und waren nun nur noch einige hundert Meter vom heutigen Ziel entfernt, der Hungry Hill Lodge in Adrigole.





    Hier wollten wir eigentlich auf dem hauseigenen Zeltplatz erneut unsere Zelte aufschlagen, ein nun einsetzender heftiger Regen motivierte uns aber nicht allzu sehr. So machten wir es uns erst mal im Koch-und Waschhaus bequem und kochten mit dem reichlich vorhandenem Kochgeschirr lecker Nudeln mit Sauce.
    Zusätzlich wärmen wir uns mit dem irischen „Wasser des Lebens“, welches wir auch noch ausreichend mit uns führten.







    Wir hatten uns schon mit dem Gedanken angefreundet, in dieser klammen Küche unser Nachtlager aufzuschlagen, da sich das Wetter draußen zu einem richtigen Unwetter entwickelt hatte. Zelten wär jetzt richtig doof, und das zur Lodge gehörige Hostel war noch geschlossen.
    Irgendwer von uns hat dann irgendwann mal gemerkt, dass es neben den Hostelgebäuden noch ganz versteckt eine Gartenlaube gab, unverschlossen, mit je zwei Hochbetten drin.

    Das passte ja. Nachdem uns gewiss war, dass wir diese Nacht auf richtigen Matratzen im trockenen schlafen konnten, machten wir uns mal wieder vergnügt auf in den Pub.
    Hier durften wir dann auch selber zapfen und am Ende des Abends noch ein paar Gläschen mit in das Küchenhäuschen nehmen, bevor wir uns dann (heimlich) im Gartenhäuschen schlafen legten.





    Geändert von Schorsch74 (22.10.2012 um 00:31 Uhr)
    Die Leber wächst mit ihren Aufgaben

  3. Erfahren
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    AW: (IE) Irlandtour - Beara Way 2010

    #3
    2. Wandertag Adrigole – Castletownbere (Castletown Bearhaven)

    So…nach dem zweiten Abend auf der Beara-Halbinsel wissen wir jetzt erst mal nicht wo wir heute hingehen.
    D.h. wir kennen den Ort, wo wir Abends sein wollen, aber irgendwie hat jeder Ire einen anderen Namen dafür: Castletownbere oder auch auch Castletown Bearhaven!
    Beides ist je nach Karte möglich, was normalerweise ja kein Problem im zweisprachigen Irland ist.
    Aber der gälische Name wäre Baile Chaisleáin Bhéarra.
    Und die Iren vor Ort haben noch einfach Castletown, Haven, Bearhaven oder einfach Beara für den Ort auf Lager.
    Ausgeschildert ist übrigens in jeder Variante.
    Aber das nur am Rande.

    Nach der ja überaus stürmischen und echt verregneten Nacht erwartet uns zur Abwechslung mal am frühen Morgen strahlender Sonnenschein. Wir frühstücken in Ruhe im Küchenhaus, genießen die Sonnenstrahlen und machen uns nach einer Weile tatendurstig und voller Zuversicht bezüglich des guten Wetters schnell auf den Weg nach…äh…sagen wir mal Castletownbere.
    Egal wie das jetzt heißt, wir haben viel Strecke vor uns liegen, etliche Kilometer immer am Hang lang.
    Man könnte wohl über die Fahrstraße abkürzen, die geht nämlich ziemlich grade am Ufer lang, wo hingegen der Beara Way laut Karte immer wieder tiefer ins Landesinnere abdreht, den Höhenlinien des Hungry Hill und des Maulin mit ihren Ausläufern folgend.
    Aber wer will schon abkürzen (denken wir da noch)




    unsere Übernachtungshütte und die Gebäuder der Hungry Hill Lodge mit Küchenhaus im Sonnenschein

    Zunächst ging es aber erst mal aus Adrigole raus. Der Ort, wenn man die paar Häuser so nennen will, erstreckt sich noch ca. einen Kilometer an der Bucht entlang, so dass wir erst mal Straße laufen müssen und auf schönere Wege hoffen.
    Doch erst nach ca. 4,5km zweigt der Beara Way wieder von der R572 ab, über eine kleine Behelfsleiter geht es über ein Mäuerchen und danach über etliche Weiden, Wiesen und Felsen immer höher in den Hang. Leider machen sich hier nicht nur die Hinweisschilder rar, auch die Sonne ist auf einmal weg und passend zum Untergrund (von Asphalt auf Erde) wechselt auch das Wetter (von Sonne auf Starkregen). Und aus einem schönen Erde/Torfgemisch wurde dicke Matsche.









    Gott sei Dank dauerte das alles nicht allzu lange, so das schon bald wieder die Sonne schien und wir uns aus den Regenjacken und Hosen wieder rauspulen konnten und nur noch mit den schlammigen Wegen zu kämpfen hatten. Das sich Sonne und Starkregen von nun an den ganzen Tag im halbstündigen Rhythmus abwechseln würden, wussten wir da ja noch nicht.

    So nach dem zweiten Regenintervall kamen wir an einen kleinen Bach an dem man wunderschön rasten konnte. Eigentlich war noch nicht die Zeit für eine Pause, aber wir wollten weder den schönen Ort noch die Regenpause ungenützt vorüberziehen lassen, weshalb wir schon einmal vorzeitig die Mittagspause einläuteten und irgendwas Leckeres im Trangia kochten.





    Mit dem irgendwann dann wieder einsetzenden Regen war die Zeit der Ruhe dann aber auch wieder vorbei, weshalb wir uns dann wieder weiter über schmale Trampelpfade am Hang entlang vorarbeiteten.





    Nach der Umrundung eines kleinen Teiches erreichten wir eine Schotterpiste, die uns einige hundert Meter an der Westflanke des Hungry Hill fort von der Küste in die Pampa führte. Eine beeindruckende Kulisse baute sich nun vor uns auf und sollte uns erst mal noch eine Zeit lang begleiten, steile Hänge und phantastische Felsbänder.





    Wie in den Bergen dachte ich die ganze Zeit, nur wenn man sich umdreht sieht man das Meer und merkt das man nur ca. 200m hoch ist.
    Der Beara Way schwenkte nun wieder westlich von der Piste weg, zunächst an einem Bach lang, dann darüber weg und langsam wieder höher.
    Irgendwann hörte auch die Beschilderung wieder auf, nur fern am Horizont sah man auf einer Hügelkuppe den nächsten Wegweiser, ich weiß nicht was man hier bei schlechter Sicht macht.
    Auf alle Fälle bewegten wir uns auf ein Felsband zu ,welches sich längs des gedachten Weges erstreckte und uns so vor die Wahl stellte, uns oberhalb oder unterhalb des Bandes auf den nächsten Wegweiser zu zu bewegen.
    Jogi, Birne und Stefan wählten den oberen Weg und mussten kurz ansteigen, wähnten sich damit auch näher am Ziel, ich ging untenrum, da es einfacher aussah. Da war’s aber auch glitschiger, weshalb ich schön auf der glatten Wiese ausrutschte und mit dem Hintern im vollgesogenen Modder landete. Konnten die anderen Gott sei Dank nicht sehen, und so hatte ich die Lacher dann auf meiner Seite, als sie am Ende des ca. 200m langen Felsbandes dann wieder absteigen mussten und dabei alle ins Rutschen kamen und auf dem Hintern landeten.

    Somit waren wir nicht nur höhentechnisch wieder auf einer Ebene und machten uns an den nächsten Aufstieg, dann wieder ein Abstieg, dann mal wieder über einen Bach, dem netterweise auch noch die Brücke fehlte.









    Und wieder über eine Schotterpiste weiter ins Landesinnere, bis zum nächsten Ausläufer der Berge, wo man dann wieder rauf muss, usw. usw.

    Allmählich macht es sich bemerkbar, das der Beara Way hier ganz schöne Schleifen macht, ganz schön unnütze Schleifen, wie wir alle finden.
    Trotzdem laufen wir alle Schleifen brav ab und denken nicht daran, mal links Richtung Straße abzukürzen.



    Bei mir tun langsam aber sicher ganz schön die Füße weh, was letzten Endes vor der Schwedentour im Sommer dazu führte, mir neue Stiefel zu gönnen. Aber erst mal wollte ich nur noch wie in Trance laufen und keine Pausen mehr machen.
    Jogi, Birne und Stefan hatten diesbezüglich keine Probleme und wollten noch einmal rasten, weshalb ich den letzten Bergausläufer schon mal alleine anging und Richtung Castletownbere (oder Bearhaven….) vorging.
    Über Schafsweiden mit Schafen ging es vorbei an einigen Farmen, bis ich auf die Hauptstraße traf, die hier eine scharfe Linkskurve machte und somit den Ortseingang von Castletownbere markierte.

    Und direkt hinter der letzten Brücke ein Pub.


    Als Hinweis für die Nachzügler auf meinen momentanen Aufenthaltsort stellte ich meinen Rucksack sichtbar vor der Bar am Straßenrand ab und machte mich erst mal an die Psycho-Hygiene.

    Guinness is good for you….

    Inzwischen war auch das Wetter dauerhaft besser geworden, so dass ich bei der Wirtin schon mal nach Zeltmöglichkeiten vorfühlte.
    Ihr Vorschlag eine Kuhwiese direkt an der Hauptstraße zu nehmen, wo uns jeder sehen konnte, fand ich dann aber zu doof.
    Nachdem die anderen drei auch eingetroffen waren und sich ausreichend gestärkt hatten, machten wir uns also weiter auf ins innere von Castletownbere, wobei eine leidenschaftliche Debatte darüber entbrannte, ob und wo wir zelten sollten oder ob nicht doch lieber ein Hostel gesucht werden sollte.
    Da letzteres eh zu war, blieb nur noch die Frage wo gezeltet werden sollte. Ich versuchte noch meine Kameraden bis nach Dunboy Castle zu überreden. Aber dies stellte sich für uns alle (mich vorneweg) als zu weit heraus.
    Irgendwann konnten wir einen netten Iren fragen, der mit seinem VW-Bus an uns vorbeituckerte.
    Der war so nett und stieg aus, ging mit uns gefühlte 10 Minuten zu Fuß zurück und wies auf ein Baustellengelände zwischen Straße und Meer, auf dem die Gemeinde Wohnhäuser errichtete.
    Übersetzter O-Ton: da baut die Gemeinde, also ist es öffentlich, wenn’s öffentlich ist ist es für jeden, also auch für euch.
    Feel free and make yourself comfortable !
    Wer den Platz kennenlernen will (der Bauboom is ja vorrüber und die Häuser werden bestimmt nie fertig ) guckt hier

    Jetzt nur noch schnell direkt am Ufer die Zelte aufgebaut und dann noch ein letztes Mal die Füße quälen, und etwas mehr als 1km zurück nach Castletownbere gelaufen. Jogi hatte schon ein leckeres Fischrestaurant gefunden, anschließend wollten wir dann noch in der berühmten McCarthys Bar den Abend ausklingen lassen.
    Das Foto dieser Bar ziert dieses gleichnamige Buch!





    Aber ich konnte eigentlich gar nix mehr, verabschiedete mich schon nach dem ersten Guinness und machte mich alleine auf den Weg zum Zelt.
    Nur noch runter von den Füßen und schlafen.



    Aber der Tag, das Gesehene und Erlebte war es Wert!!!


    3. Wandertag Castletownbere – Allihies

    Gemischte Gefühle machen sich morgens bei uns breit: der Ausblick aus dem Zelt und die Luft direkt am Meer sind genial, das Wetter ist nur mal wieder ganz fies drauf und macht auf nasskalte Nebelküche.
    Schnell rein in die klammen Klamotten und durch eifriges hin-und herlaufen bei der Frühstücksvorbereitung mal langsam auf Temperatur kommen, heute fällt es schwer, aber die Luft tut gut.









    Zwar schmeckt mir der Instant Kaffee nicht so richtig, aber es macht etwas warm.

    Die heutige Etappe soll auch nicht ganz so lang sein, der Beara Way führt uns nur über einen Berg nach Allihies, etwas weniger als 15km. Nach der gestrigen Etappe kommt einem das recht kurz vor.

    Wir brechen also unsere Zelte auf der Baustelle ab und queren das westliche Ende von Castletownbere, und gehen zunächst nördlich über Asphaltstraßen, um dann am Fuß der Berge wieder nach Westen abzubiegen. Unterwegs passieren wir diverse Steinkreise und noch ein altes Ringfort bei Teernahillane, auf das wir sogar draufklettern können.



    Anschließend werden die Hänge zu unserer rechten steiler, und wir kommen in die waldigere Gegend am Südhang des Knockoura. Aber immer noch über Asphaltstrasse, kurvig durch ein verlassenes Dorf.

    In einer scharfen Linkskurve verlassen wir nun endlich nach rechts die Straße und steigen zunächst direkt in Falllinie, später in vielen schlammigen Serpentinen einen äußerst steilen Forstweg bergauf, der uns auf die Passhöhe bringen soll.
    Nach einiger Zeit war es zwar nicht mehr so steil und man konnte wieder etwas atmen, dafür wurde es kurz vorm Pass noch mal richtig schlammig.





    Aber wir haben es alle geschafft und ein netter Zaunpfahl lädt auf der Passhöhe bei etwas über 300 m zum nebligen Gruppenfoto per Selbstauslöser ein.

    Der nun folgende Abstieg nach Allihies geht nun zum Glück über relativ trockene Schotterpisten, und irgendwann stoßen wir auch wieder unter der Wolkendecke durch und haben die erste Sicht auf Allihies und das Meer auf der Nordseite der Beara Halbinsel.







    Unten angekommen entdecken wir auf einer Kuhweide, über die der Beara Way führt auch die erste verlassene Kupfermine.
    Die Gegend rund um Allihies war eine ergiebige Kupfergegend, nun sind alle Minen verlassen und man erkennt an den Hängen nördlich des Dorfes noch mehrere größere Gebäude.
    Auf unserer Kuhwiese steht halt nur der alte Turm, dahinter klafft ein ca. 10x10 Meter breites Loch von unendlicher Tiefe, nur gesichert durch (ich will eigentlich nicht von gesichert sprechen…..irisch halt), einmal Stacheldraht an morschen Holz, die Kuh weiß dann schon Bescheid.
    Wir waren aber noch auf der Suche nach einem Nachtquartier.





    In Allihies führte uns der Weg also erst mal zum Pub, wo wir fragten und auf einen Campingplatz direkt am Strand verwiesen wurden.
    Ich freute mich schon wie Bolle, das wir wohl am Strand zelten könnten.
    Bei näherer Betrachtung der Örtlichkeit wähnten wir uns allerdings eher auf einem Schrott- denn Campingplatz, so dass dies für uns nicht in Frage kam. Und da meine Kumpel nun auf festen Räumlichkeiten bestanden, da alle Sachen klamm und kalt waren, fiel jede weitere Zeltmöglichkeit flach.


    da wurden wir zum Zelten hingeschickt, ne du, nix wie weg....

    Also wieder gute 2km zurück zu der auf der Karte verzeichneten Jugendherberge. War natürlich zu, und auch zu weit weg vom Pub.
    Aber da wir nun schon inzwischen ein paar Kilometer quer durch Allihies und Umgebung zurückgelegt hatten, war und nun auch schon das eine oder andere B&B bekannt.
    Bei dem ersten B&B an dem wir nun auf unserem erneuten Rückweg vorbei kamen fragten wir also einfach mal nach , 40,-€ p.P. war außen angeschlagen.



    Die Wirtin wollte aber nur 35,-€, wir einigten uns zunächst auf 30,- und weil die Zimmer super waren und wir am nächsten Tag nach Dursey wollten und deshalb spontan für 2 Nächte buchten, gab’s die dann auch für 25,-€ pro Person und Nacht.

    Watt haben wir uns gefreut über die warme Dusche und richtige Betten.
    Und wie sich in den nächsten beiden Tagen herausstellen sollte, hatten wir hier einen richtigen Glücksgriff gelandet. Denn wir wurden von unserem Wirt nach Dursey Island gefahren, da der dort arbeiten musste und Birne wurde die komplette nächste Etappe von unserer Wirtin mit dem Auto kutschiert, da er Fieber bekommen hatte.

    Aber davon später mehr, noch waren wir ja alle gesund und machten uns erst mal wieder auf in den Pub, ca, 1,5 km entfernt da unser B&B, das Beach View entsprechend außerhalb an der Straße nach Dursey lag.

    Der eigentliche Ortskern von Allihies liegt etwas erhöht und ist ein reines Straßendorf, das sich an der einzigen Straße entlangschlängelt.
    Nicht gerade hübsch, aber vielleicht lag das nur an dem nieseligen Wetter. Und die einzigen beiden Pubs liegen direkt nebeneinander, das O’Neills und das Lighthouse.



    Im O’Neills sollte man besser essen können, was wir dann auch taten und dort auch sitzen blieben bis Zapfenstreich war.
    Im Anschluss gingen wir mit der gesamten Pub-Besatzung inklusive Wirt nach nebenan in’s Lighthouse, wo die allabendliche Dorf Party weiterging.



    Und irgendwann fielen wir in unsere schönen, warmen und weichen Betten……
    Geändert von Schorsch74 (25.10.2012 um 02:09 Uhr) Grund: doch noch gaaanz vile Tippfähler entdeckt
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    AW: (IE) Irlandtour - Beara Way 2010

    #4
    4. Wandertag: Dursey Island und das Cable Car

    Wieder einmal wachten wir bei strahlendem Sonnenschein auf, und diesmal sollte sich das gute Wetter auch den ganzen Tag halten.
    Der Blick aus unseren Fenstern durch die drei zum B&B gehörenden Palmen auf die Ballydonegan Bay war in der morgendlichen Sonne atemberaubend schön.



    Und das Frühstück konnte sich auch noch richtig sehen lassen, ein full-irish-breakfast vom Feinsten. Und weil Birne und Jogi beide keinen Black-Pudding mögen, hatten Stefan und ich jeweils die doppelte Portion.
    Während die Herbergswirtin immer mehr Essen auftrug und stets nach unserm Wohlbefinden fragte, erkundigte sie sich auch nach unseren Plänen für den Tag.





    Als sie hörte, dass wir nach Dursey Island wollten, rief sie schnell noch mal ihren Mann rein. Der wollte nämlich ausgerechnet heute auf Dursey Island arbeiten und dort einen Zaunübergang sowie ein Beara Way Wegweiser instand setzen. Ich hab allerdings nicht verstanden, ob er so eine Art ehrenamtlicher Hausmeister für den Weg ist oder einfach als Handwerker durch das Cork County Council für diese spezielle Arbeit beauftragt wurde.
    Er machte uns das freundliche Angebot, uns auf dem hinweg mit zunehmen, allerdings mussten wir uns nun etwas beeilen, da er mit ein paar anderen Männern mit dem ersten Cable Car zur Insel rüber fahren wollte.
    Schnell noch die letzten Würstchen verdrückt und ab in einen kleinen Toyota und in halsbrecherischer Fahrt zur Festlandstation des cable car.





    Da unser Wirt nun mit den anderen Arbeiten zunächst das Baumaterial in das Cable car packte und die erste Gondel mit dem Material und Männern schon voll war, hatten wir noch eine kurze Pause auf dem Festland und konnten uns schon mal so Gedanken über die Sicherheit der ganzen Aktion machen. Durch die Seeluft waren die beiden Stelzen deutlich von Flugrost befallen.
    Aber Birne – seines Zeichens als Werkstoffingenieur bei einem deutschen Stahlerzeuger in der Fertigung beschäftigt – konnte uns da beruhigen. Das würde noch was dauern, bis das einstürzt, Flugrost wär nich so schlimm.











    Endlich kam dann die Gondel zurück und wir konnten unsere Fahrt auf die Insel antreten. Einsteigen und Schiebetür zu, los geht’s.
    An der Wand keine TÜV Plaketten oder so was, dafür der Gebetstext Psalm 91 „Anrufung in Not“ und eine kleine Flasche Weihwasser!!! Kein Scherz!








    Blick auf Dursey Island aus der Gondel

    Und durch die Bodenritzen der Gondel konnten wir auf den Atlantik schauen…..



    Aber dafür wackelte das Ganze nicht so, wie man es aus den Alpen kennt, da die ganze Gondel starr auf zwei Kabeln lief, allerdings fuhr sie so erst etwas schräg bis zur ersten Stütze rauf und dann wieder andersrum schräg runter.
    Irgendwie ganz lustig, wenn man nur genügend Vertrauen in die Technik hat.

    Auf Dursey angekommen, wählen wir für den Hinweg zur Spitze (übrigens noch offizieller Teil des Beara Way) die nördliche Route über die Insel, einen Trampelpfad über den Kamm der Insel. Zurück wollten wir dann den die südliche Route über die einzige Straße der Insel gehen.
    Vom Kamm aus fällt die Insel nach Norden sofort steil ab und bietet aus der Höhe spektakuläre Blicke auf Klippen und das Meer, nach Süden hin fällt die Insel Sanft ab und bietet Platz für Weideland und einige Häuseransammlungen.







    Wir laufen auf einen schon vom weiten sichtbaren Turm zu, einer der vielen Martello Tower an Irlands Küste.
    Zwischendurch begegnen wir noch unserem Wirt und seinen Männern, als erste dürfen wir quasi die neue Leiter über eine Weidemauer einweihen. Und weiter auf den Turm zu, mit einer super Aussicht in alle Richtungen.







    In den Turm können wir durch eine kleine Öffnung rein klettern, man könnte wohl innen an der Wand weiter nach oben klettern und dann von oben rausgucken, es siegt jedoch die Angst vor einem Absturz auf die Trümmer mit anschließendem Aus für die Tour, so bleiben wir doch alle unten.

    Auf dem weiteren Weg zur Westspitze trennen sich nun erst mal unsere Wege, Birne wird langsam krank, bemerkt die ersten Anzeichen von Fieber und will an der Straße, über die wir ja zurückgehen wollen auf uns warten.
    Jogi, Stefan und ich gehen weiter bis zur Spitze, wo auch noch ein gemauertes Gebäude steht. Sieht ebenfalls militärisch aus, ein weiterer Sinn erschließt sich uns nicht.







    Wir genießen hier die Sonne und ruhen uns bestimmt ne Stunde bei herrlichstem Wetter und super Ausblick an unserem westlichsten Punkt der Reise aus.

    Anschließend gehen wir über die unwirtlichen Weiden der Inselspitze zurück zur Straße, der einzigen auf Beara, einer Schotterpiste.
    Fast verpassen wir Birne, der sich in den Windschutz eines der verlassenen Häuser zurückgezogen hatte und dort eingeschlafen war. Aber irgendwie ist er doch noch wachgeworden und kam auf einmal irgendwo her.

    Einige der Schilder passen nur einfach nicht hier hin.









    Gemütlich ging es zurück zum Cable Car, kurz vorher kam noch der Inselfriedhof und man hätte über einige vom Meer knapp überspülte Felsen zu einer kleinen vorgelagerten Insel kommen und dort dann über glitschige Felsen hochklettern können.

    Aber wieder einmal siegte bei mir die Angst vor einem aufgeschlagenen Schädel, so dass ich auf der Hauptinsel blieb.




    zwischen Dursey und dem Felsen

    Hier kam dann auch bald eine Nachmittags-Gondel nach der anderen, die erste spuckte richtige Touristen aus, und wir ließen einigen Omis den Vortritt und warteten in der Sonne auf die erneute Rückkehr der Gondel. Als diese dann eintraf, war erst mal nix mit einsteigen, sondern wir durften alle mit anpacken und die Gondel erst mal entladen: bestimmt 30 Sack Viehfutter mussten raus, damit wir rein konnten.




    Flugrost ist harmlos ...





    Und wieder ging die Fahrt ruckelfrei los, aber alle waren wir etwas wehmütig, da Dursey einfach ein klasse Erlebnis war! Und sitzt man erst in der Gondel, kann man nicht mehr zurück.
    Nur zu empfehlen!
    Lost my soul at Dursey, die Überlegungen gingen so weit, dass wir uns evtl. gemeinsam eine der alten Ruinen kaufen und wieder herrichten wollten….

    Zurück auf dem Festland kramten wir noch mal die Wanderkarte raus und wählten den offiziellen Beara Way als Rückweg, der an der Nordseite der Halbinsel immer in Küstennähe entlang führt.
    Erst über den Höhenkamm der Spitze, dann runter zur Küste, ein Stückchen Straße entlang und wieder rauf auf fast 200m. Zum Abschluss ging es dann ganz steil runter bis auf Meereshöhe und dann über eine ganz normale Straße an der Ballydonegan Bay entlang zurück nach Allihies bzw. unserem super B&B, dem Beach View.


    Blick zurück auf Dursey und das Cable car









    Schuhe aus und mit Blick auf die Palmen in der Abendsonne relaxen.

    Das Beach View B&B findet ihr übrigens hier





    Birne verzog sich nun krankheitsbedingt sofort in sein Bett, so dass Jogi, Stefan und ich heute Abend mal alleine in den Pub gingen.
    Und täglich grüßt das Murmeltier, erst essen im O’Neills, dann nach der Sperrstunde mit allen rüber in’s Lighthouse, inklusive Wirt.
    Ist wohl so ein Ritual

    Ein super Tag, der für so manche Schmerzen und nasse Klamotten der letzten Tage mehr als ein Ausgleich war und alles wieder wett machte.

    Wir waren zufrieden …


    Mein Ticket zum Glück, ohne Fahrschein geht auch bin Irland nix...
    Geändert von Schorsch74 (24.10.2012 um 14:47 Uhr)
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  5. Erfahren
    Avatar von Schorsch74
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    AW: (IE) Irlandtour - Beara Way 2010

    #5
    5. Wandertag: Allihies – ArdgroomKenmare

    Diesen Tag hätte man ruhig mal auslassen können: es regnet in Strömen und Birne ist krankheitsbedingt total am Ende.

    Wir beschließen beim immerhin wieder einmal super leckeren und reichhaltigen full irish breakfast, dass Jogi, Stefan und ich weiter den Beara Way laufen wollen.
    Der nächste Ort Eyeries ist nur so 10 km weiter weg, was uns trotz des Regens zu nah ist.

    Wir wollen also sofort bis Ardgroom laufen, was je nach Wegführung dann insgesamt 15-20km wären.
    Hier wollen wir dann wieder auf Birne treffen, der sich von unserer Wirtin bis dorthin fahren lassen wird (das Angebot kam von ihr!!!)

    Im leichten Nieselregen machen wir uns also auf den Weg, zunächst noch einmal durch Allihies durch und direkt hinter dem Ort auf alten Schotterfahrwegen der Kupferminen immer weiter den Berg hoch. Auf dem Weg nach Eyeries müssen wir nämlich erst mal wieder eine Bergkette überwinden. Aber 250m ist ja nicht allzu hoch.
    An zwei verlassenen und wenig gesicherten Kupferminen vorbei geht es stets weiter bergauf. Bei dem Wetter kommt uns zu Gute, dass der Beara Way hier die ganze Zeit über eine geschotterte Piste führt.







    Auf dem Weg bergab nach Eyeries müssen wir das erste Mal die Regenhosen auspacken, da der Regen für einen kurzen Moment sehr heftig wird.
    Allerdings kommen wir bei relativ trockenem Wetter in Eyeries an.

    Eyeries ist ganz offiziell das bunteste Dorf Irlands.
    Für einen Film, der dort gedreht wurde, sollte der Ort absolute Tristesse vermitteln, und alle Häuser wurden grau gestrichen. Nach Beendigung der Dreharbeiten hat dann jedes Haus auf Kosten der Filmfirma einen neuen, bunten Anstrich bekommen, sozusagen als Wiedergutmachung.
    Und kommt es aber nicht bunter vor als jeder andere Ort auch. Kann aber auch am Wetter und unserer gedrückten Stimmung liegen.
    Wir decken uns im örtlichen Supermarkt mit Lebensmitteln ein und machen auf einer kleinen Parkbank direkt gegenüber Picknick.
    Nach einer halben Stunde setzt jedoch starker Regen ein, und wir brechen auf.


    gedrückte Stimmung

    Der Regen wird heftiger bis extrem, so dass wir nicht über die offizielle Route an der Küste entlang nach Ardgroom laufen, sondern der Straße folgen, was uns gute 5 km spart.
    Trotzdem kommen wir total durchnässt in Ardgroom an. Der Regen kam so heftig und waagerecht von rechts, dass wir rechts bis auf die Haut nass sind, unsere linke Körperhälfte ist jedoch komplett trocken, es gibt links sogar Stellen, an denen die Jacken außen noch trocken sind.

    Und jetzt sind wir nass in Ardgroom: kein Hostel auf, kein Pub, und Zelten fällt aufgrund unsere Zustands und Birnes Krankheit aus.

    Wir machen es uns also am Ortsausgang zunächst mal in einem kleinen und sehr netten Cafe gemütlich.
    Die Besitzer haben nichts dagegen das wir alles volltropfen und so legen wir uns erst mal trocken, und während wir auf Birne warten, beratschlagen wir das weitere Vorgehen.

    Aufgrund der allgemein widrigen Umstände und unserer arg gesunkenen Motivation beschließen wir, hier die Beara Way Tour abzubrechen, und mit dem Taxi zurück nach Kenmare zu fahren.
    Je nach weiterer Wetterlage und Birnes Zustand wollen wir dann noch von dort aus nach Killarney wandern oder fahren, da wir von dort aus ja wieder mit der Bahn zurück nach Dublin wollen.

    Die Cafebesitzer rufen jemanden an, der uns für 40,- nach Kenmare fährt, und so erreichen wir am späten Nachmittag den uns schon gut bekannten Ort. Während der Fahrt müssen wir leider bemerken, dass dieser Teil der Tour auch noch sehr schön gewesen wäre. Allerdings wären wir hier auch nur noch mit Zelten weitergekommen, da der nächste Ort - Lauragh - nur aus einer Kirche mit Schule und Pub besteht, und der Beara Way danach nur noch durch die Pampa führt.

    Allerdings ist auch hier noch das Hostel zu, wir sind ja noch in der Vorsaison. Bleibt die Frage, welches von den vielen B&B’s wir in Kenmare nun beziehen?
    Wir nehmen aus naheliegenden Gründen das B&B mit dem größten dazugehörigen Pub und landen so im O’Donnabhains in der Henry Street, mitten im quirligen Straßendreieck Kenmares.

    Kurz und knapp: wir nehmen erst die Zimmer in Beschlag und legen unsere Ausrüstung fachgerecht trocken, anschließend entern wir die Bar und stärken uns mit reichlich schwarzem Gesöff für den nächsten Tag.




    sind die Zimmer groß genug, kann man super ein Zelt darin zum Trocknen aufhängen


    6. Wandertag: Kenmare – Killarney

    Jeden Tag was neues: heute mal wieder strahlender Sonnenschein.
    Und Birne hat sich richtig erholt und ist wieder fit.
    Das macht uns die Entscheidung leicht, wir wollen den Weg nach Killarney zu Fuß zurücklegen. Von Kenmare nach Killarney führt eine Etappe des Kerry Way, die ich mit Stefan und Jogi 2002 + 2005 schon einmal andersrum gelaufen bin.
    Mit meiner Frau war ich auch schon mal dort, allerdings nur für einen Tagesausflug.

    Ich persönlich liebe diesen Teil des Kerry Way, da er größtenteils durch die Berge und über eine Hochebene durch den südlichen Teil des Killarney Nationalparks führt.

    Nur der Weg aus Kenmare raus bis auf die Passhöhe zieht sich nur wieder einmal gaaanz lang über Asphalt, ein steiler Hügel, dann noch ein steiler Hügel, dahinter dann noch ein steiler Hügel und dann ist es nicht mehr weit, nur noch ein Hügel…….


    letzter Anstieg vor der Passhöhe, aus Kenmare kommend

    Irgendwann waren wir dann halt wieder auf der Passhöhe und ab da dann auch im Matsch-Modus erst mal durch das Tal bergab bis fast zur N71 „Ring of Kerry“, dann rechts hoch auf die Hochebene, die mich immer wieder fasziniert.




    ein paar neugierige Rehe schauen uns auf einmal zu





    Nun geht es erst durch einen dichten alten Eichenwald zum Teil steil bergauf, bis dieser plötzlich aufhört.
    Nach einem alten, verfallenen Schafstall, der auch mal als Nothütte diente (2005 noch lecker drin gefrühstückt)kommt dann schon die weite baumlose Hochebene, über die zunächst größtenteils Holzbohlenwege führen, es wäre sonst einfach zu matschig.
    Nach dem Holzbohlen weg geht es über Felsen und durch eine enge Schlucht bergab und man kommt an einen Wasserfall, an dem ein kleiner See und ebenes kurzes Gras zum Rasten einladen.









    Genau das haben wir dann auch gemacht und hier ausgiebig geruht und gekocht, ich hatte noch eine Art „Black Pudding Verschnitt“ dabei, Roulade Slice genannt. der mir im Trangia nur nicht recht gut gelang. Aber Gulasch gab‘s ja auch noch.







    Nach ca. einer Stunde kam dann eine größere Gruppe von Schülern aus Richtung Killarney über die Ebene und machte sich ebenfalls daran, am Wasserfall zu rasten.
    Uns wurde es nun zu laut, und so machten wir uns daran, den restlichen Weg nach Killarney hinter uns zu bringen.

    Über die nun bald beginnende Old Kenmare Road, wieder mal Schotterpiste, gelangten wir zügig zum Wald oberhalb des Torc Waterfalls und machten uns dann daran, die unzähligen Stufen nach unten herab zu steigen, was noch mal richtig in die Knie ging.
    Aber andersrum, also die Treppen hoch sind auch nicht viel angenehmer, zumindest nicht mit Gepäck.
    Weiter zu Fuß und nicht etwa mit einer der Touristen-Ponykutschen machten wir uns auf den Weg durch den Park, vorbei an Muckross House und Abbey bis zum nördlichen Parkausgang an der N71.


    oberhalb vom Torc Waterfall, mit Blick auf Killarney und den See





    Hier kommt man nach einigen Minuten an mehreren großen Tagungs-Hotels vorbei.
    Das erste davon, das Killarney Oaks Hotel, wurde sofort von uns angesteuert und auf der Sonnenterrasse wurde erst mal eine Runde Guinness bestellt.
    Grund für unseren großen Durst war wohl unser Marschtempo: für die Strecke Kenmare – Killarney hatten wir mit etwas über 5 Stunden einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt.
    Und das trotz einer Stunde chillen am Wasserfall auf der Hochebene.



    Nun waren wir aber ja noch nicht ganz in Killarney drin, so machten wir uns nach einer Weile wieder auf den Weg und steuerten das Sugan Hostel in Bahnhofsnähe an, bezogen hier dann unsere Zimmer für 10,-€ die Nacht.
    Anschließend begab ich mich in das kleine Einkaufscenter in der Nähe und deckte mich für die kommenden beiden Tage noch einmal günstig mit neuen, nicht stinkenden Klamotten ein: Turnschuhe und Polohemd für zusammen 10,-€ , da kann man fast nicht für waschen.
    Allerdings sah ich jetzt auch aus wie…..Meine Kumpels hatten auf alle Fälle ihren Spaß.




    neu eingekleidet

    Es folgte noch eine lange Pub-Nacht in Killarney, die uns sogar noch in eine Disco sowie auf eine Geburtstags Party 10km entfernt führte. Gott sei Dank gab es auch nüchterne Iren, so das wir am frühen Morgen auch wieder Killarney erreichten.


    Abschied

    Nach einer kurzen Nacht und ein paar Frühstückguinness wurde nun die Abschiedsparty eingeläutet. Mit dem Zug machten wir uns auf den Weg zurück nach Dublin und konnten hier noch einmal 3 ½ Stunden Schlaf nachholen, bis wir in Dublin erneut ein Zimmer im Kinlay House bezogen und uns ein letztes Mal in’s irische Nachtleben stürzten.
    Dieses Mal mussten wir merken, das Dublin in etwa so viele Junggesellenabschiede und Hen-Partys hat, wie sonst nur aus der Düsseldorfer Altstadt bekannt.
    Mehrere pro Kneipe, zum Teil sogar mit demselben Stripper.
    Es waren größtenteils Schotten, die für eine Nacht zum Feiern rüberkamen.

    Die fotos hiervon möchte ich dem Forum dann doch ersparen .....

    Den nächsten Tag verbrachten wir noch mit ein wenig Touri-Programm in Dublin, es gibt ja immer noch einige Ecken die man sonst noch nicht gesehen hat.
    Und schlussendlich brachte uns der Flieger von AerLingus wieder heile zurück nach Düsseldorf

    Danke Irland, Danke Beara and thanks to all irish people for fantastic days
    Geändert von Schorsch74 (22.10.2012 um 00:21 Uhr)
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  6. Fuchs
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    AW: (IE) Irlandtour - Beara Way 2010

    #6
    ... und von mir danke für den Bericht und die Fotos Nett zu sehen, dass noch jemand dem schwarzen Getränk nicht abgeneigt ist Hast du schon mal Beamish probiert? Ist etwas milder und preiswerter, gibts aber nicht überall.
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  7. AW: (IE) Irlandtour - Beara Way 2010

    #7
    Toller Bericht und unterhaltsam geschrieben Werde wohl nächstes Jahr Ende April in Kenmare vom Kerry Way abbiegen und nen Umweg über den Beara Way machen. Macht richtig Vorfreude deine Fotos und der Bericht

  8. Erfahren
    Avatar von Schorsch74
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    AW: (IE) Irlandtour - Beara Way 2010

    #8
    Zitat Zitat von RockingKatja Beitrag anzeigen
    Werde wohl nächstes Jahr Ende April in Kenmare vom Kerry Way abbiegen und nen Umweg über den Beara Way machen.
    ..."nen Umweg" find ich ne mutige Formulierung Aber wenn du viel Zeit hast geht's, man muss aber auch von Kenmare erst mal nach Glengarriff oder einen der anderen Orte kommen.

    Aber ab und an kommt ja (evtl.) auch noch ein Bus.
    Viel Spass, beides (Beara und kerry Way) lohnt sich
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    AW: (IE) Irlandtour - Beara Way 2010

    #9
    Eyeries ist ganz offiziell das bunteste Dorf Irlands.
    Für einen Film, der dort gedreht wurde, sollte der Ort absolute Tristesse vermitteln, und alle Häuser wurden grau gestrichen. Nach Beendigung der Dreharbeiten hat dann jedes Haus auf Kosten der Filmfirma einen neuen, bunten Anstrich bekommen, sozusagen als Wiedergutmachung.
    Ich kenne die Geschichte so, dass es das bunteste Dorf ist, weil die Einwohner darauf bestanden, dass die Filmfirma das ganze Haus bunt streicht. Normalerweise ist in irischen Dörfern nur die Fassade bunt. Die Einwohner Eyeries behaupteten aber, dass die Häuser des Ortes vor den Filmaufnahmen von allen Seiten bunt gewesen wären und da es keine Beweise vom Gegenteil gab, wurde Eyeries das bunteste Dorf Irlands.

    Vielen Dank für den Reisebericht, hat Spaß gemacht, zu lesen.
    Geändert von Torres (24.10.2012 um 17:19 Uhr)
    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. F. W. Nietzsche

    Mein neuer Reisebericht: Leeward, Windward und viel Natur. Nur mit Anmeldung lesbar.

  10. AW: (IE) Irlandtour - Beara Way 2010

    #10
    Zitat Zitat von Schorsch74 Beitrag anzeigen
    ..."nen Umweg" find ich ne mutige Formulierung Aber wenn du viel Zeit hast geht's, man muss aber auch von Kenmare erst mal nach Glengarriff oder einen der anderen Orte kommen.

    Aber ab und an kommt ja (evtl.) auch noch ein Bus.
    Viel Spass, beides (Beara und kerry Way) lohnt sich
    Hab drei Wochen Zeit. Würde sich sozusagen anbieten, wenn ich schon da unten in der Ecke bin . Mach die weitere Planung vom Wetter abhängig.

  11. Anfänger im Forum
    Avatar von Danny90
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    AW: (IE) Irlandtour - Beara Way 2010

    #11
    Danke für den echt tollen und auch lustigen Reisebericht, hat echt spaß gemacht ihn zu lesen.
    Man muss sich einfache Ziele setzen, dann kann man sich komplizierte Umwege erlauben.

    Charles de Gaulle

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