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    [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #1
    Mitreisende: tiwaz, nicki1005
    Ort: Schottland (Glenfinnan - Shiel Bridge)
    Reisezeit: Ostern 2012




    Ich sitze im Bus, der mich von Shiel Bridge Richtung Flughafen bringt. Meine komplette Kleidung und Ausrüstung ist nass. Vom Dauer-Regen. Mein Gesicht ist nass von all den Tränen. Taschentücher hab ich auch keine mehr. Alles scheint irgendwie aufgebraucht zu sein.
    Max steht an der Bushaltestelle und winkt mir nach. Da, wo ich vor ein paar Sekunden noch seine Lippen auf meinen gespürt habe, schmecke ich jetzt nur noch den salzigen Geschmack meiner Tränen. Wie kann etwas so schönes, nur so traurig enden?

    Zeitsprung:
    Nach unserer gemeinsamen Trekking-Tour im Februar am WHW Reisebericht WHW beschließe ich, dass ich so bald wie möglich wieder nach Schottland kommen muss. Wandern ist toll, Schottland ist toll und dann ist da ja noch Max, den ich unbedingt wieder sehen will. Die Zeit im Februar war einfach zu kurz, der Abschied zu plötzlich, die Freundschaft zu intensiv!!!
    Nach kurzem Email Verkehr mit Boderli und Codenascher steht fest, dass mein diesmaliges Ziel in den Osterferien Knoydart sein wird. Ich buche sofort meinen Flug und teile Max mit, dass ich wiederkomme und mich freuen würde, wenn er mich wieder begleitet, da er ja sowieso noch in Schottland ist. Eine gaaaanz unverbindliche Anfrage an ihn. Ansonsten würde ich halt alleine wandern gehen, sage ich zu Max (Damals will ich noch nicht zugeben, dass ich nur wegen ihm nochmal komme, aber das ist ihm bisschen später sowieso klar…) Und: Natürlich ist er ur gerne wieder mit dabei

    6 Wochen später beginnt also die große Reise. Die Zeit dazwischen ist voll mit Mails und Skype-Gesprächen zwischen Max und mir, die Vorfreude und Sehnsucht wird unendlich groß. Ich habe derweil alle Prüfungen fürs Studium hinter mich gebracht, Max war wandern, wwoofen und trampen in Schottland
    Das Wiedersehen ist, als hätten wir uns gerade gestern erst das letzte Mal gesehen. Nur mit dem Unterschied, dass wir uns trotz der Distanz Schottland-Österreich in den letzten Wochen soviel näher gekommen sind

    29.3.2012 – Tag 1:

    Flughafen Aberdeen, Mitten in der Nacht! Max erwartet mich in der Ankunftshalle, wir fallen uns in die Arme, ich bin endlich angekommen, zurück in der Traumwelt Schottland Wir sitzen am Boden mitten am Flughafen und packen unsere Rucksäcke, unsere Ausrüstung liegt in großen Bergen um uns herum verteilt. Max hat einen Teil seiner Ausrüstung diesmal bei Freunden zwischengelagert, den Großteil habe ich von Wien mitgebracht. Ich finde lange Zeit mein Geldtascherl nicht. Und das obwohl mir mein Papa vorher extra noch € 30,- gegeben hat, damit wir uns noch eine Wanderkarte für den ersten Teilabschnitt des Wanderweges kaufen können (Danke an Stompy, für den Scan des Südteils, der Ausdruck hat dann eh völlig ausgereicht und war ideal! ) Aber das Glück ist da bereits schon auf unserer Seite und das Geldtascherl liegt versteckt in einem der Crocs-Schuhe. Hab mich schon herumtelefonieren gesehen, um Bankomat und Kreditkarte zu sperren usw… Bin aber ganz relaxt die ganze Zeit, für mich gibt es grad nur noch Max und mich und unsere gemeinsame Reise. Daheim würd ich schon ausflippen, wenn ichs verloren geglaubt hätte.
    Nach und nach verlassen die anderen Passagiere den Airport, und irgendwann bleiben nur noch das Reinigungspersonal und wir zurück. Die netten Herren vom Reinigungsdienst wollen langsam dicht machen, geben uns aber alle Zeit der Welt, die wir mit unserer Umpack-Aktion brauchen.

    Fertig mit Packen – Wir treten vor das Flughafen-Gebäude – Warme Nacht – Spaziergang unter Sternenhimmel nach Dyce – glücklich, uns wieder zu haben – Sternbilder, der Schütze wieder über uns - überall hoppeln Hasen in der Nacht über die Wiesen und Osterglocken blühen am Wegrand – Alle Bäume und Büsche tragen Blüten – keine Menschenseele sonst unterwegs – 3 km weiter in Dyce irren wir durch die Straßen – in einem Park eine schöne Wiese gefunden – ein Rugbyfeld (Du Max, ist das für Stabhochspringer??? ) – Zelt aufstellen – es ist 1 Uhr Nacht – wir sind endlich wieder vereint



    Als Zelt haben wir uns diesmal fürs Hilleberg Kaitum 3 entschieden. Das will ja auch wiedermal an die frische Luft. Gleiches Recht, für jedes Zelt Wir haben uns diesmal im Vorfeld ein bisschen abgesprochen, wer welche Ausrüstung mitnimmt, damit wir nicht wieder Zelte und Kocher in doppelter Ausführung mitschleppen.

    30.3. – Tag 2:

    Los geht’s!!! Zeitig in der Früh mit Zug und Bus weiter Richtung Knoydart Ich bin müde! Sooo müde!!!! Der Flug am Vorabend war anstrengend, die Nacht kurz. Aber Zug- und Busfahrt sind wiedermal ein Erlebnis für sich Es sind kaum Menschen unterwegs, wir haben die letzte Sitzreihe für uns. Zweisamkeit. Schöööön ;)



    Max fährt sonst nie mit dem Zug oder Bus, sondern immer per Anhalter. Ich freue mich total, dass er diesmal Geld für Fahrkarten ausgibt, damit wir Zeit sparen können und jede freie Minute optimal für uns nutzen können

    Zwischenstop Fort William: Mittagessen auf einer Parkbank vor der Kirche. Musikalische Begleitung durch Dudelsack-Live-Musik. Die Sonne scheint! Das Herz lacht!

    Next Stop: Glenfinnan! Es ist bereits Nachmittag und unsere Wanderung beginnt!!! Wir schlendern drauf los, ich bekomme erste Einweisungen in den Umgang mit Wanderkarten. Hab mich noch nie zuvor mit sowas beschäftigt, und Max lässt mich immer Berge, Wälder, Flüsse usw auf dem Kartenmaterial suchen Er erklärt mir alles.




    Und wir fotografieren sie doch, die Harry-Potter-Brücke Für all meine Freundinnen, die sich sicher darüber freuen



    Irgendwann kommt uns ein Jeep entgegen. Der nette Fahrer weist uns darauf hin, dass wir sobald wie möglich „den Fluss“ überqueren müssen, da wir sonst vielleicht ein Problem bekommen, falls es regnet, und er zu weit ansteigt, weil die Brücke nämlich kaputt sei. Ich male mir schon schreckliche Bilder aus! Und erinnere mich an die Knoydart-Reiseberichte im Forum betreffend Matsch und Schwierigkeiten und so… Ich weiß allerdings bis heute nicht, von welchem gefährlich reißenden Fluss er gesprochen hat. Max allerdings erinnert sich an den Fluss, und dass die kaputte Brücke sogar am anderen Ufer sichtbar war. Wir sind also ohne Schwierigkeiten rüber gekommen… NOCH haben wir ja auch Sommerwetter und alles ist staubtrocken




    juhuuu!!! Es geht los!!!




    letzte Vorbereitungen ;)

    Der breite Wanderweg wird zusehends schlechter und mündet dann in einen Pfad mit wunderschönem Blick hinab in das Tal aus dem wir gerade kommen.



    An einem Bach halten wir, ich fülle meinen Wassersack, Max trinkt einfach direkt aus dem Bach. In Schottland trägt er doch nicht Wasser mit sich rum…



    Der erste Teil ist also ein gemütlicher Spaziergang, nach dem kleinen Anstieg haben wir den Pass auch schon erreicht und blicken auf der anderen Seite Richtung Strathan.





    Wir sind glücklich, jetzt sind wir langsam angekommen, wieder auf unserer Reise durch die Berge zu zweit Und mit ein bisschen gucken, wo man hinwandert gibt es aber keine Probleme a la tiefem Einsinken, oder gar bis zur Hüfte
    Zelt aufstellen – köstlichen Wein trinken, der uuuuur üüüübelst müde macht, aber verdammt geil schmeckt - Ausrüstung inspizieren.
    Ich hab ein paar neue Sachen mit, im Gegensatz zur letzten Tour und Max begutachtet alles:
    Da wäre einmal meine Deuter Trinkblase, die ich mir extra gekauft habe, weil ich von Max seiner so angetan war Bin so stolz drauf, jetzt auch sowas zu besitzen Am WHW hab ich meist bei Max mitgetrunken, da sind wir dann immer ganz nah beieinander gestanden und waren noch ganz scheu, am Anfang zumindest… (DAS sind Erinnerungen…) Jetzt trag ich mein eigenes Wasser. Und Max kann immer bei mir mittrinken.
    Dann hab ich eine neue Wanderhose, aus dünnerem Material, weil ich dachte, dass schon Sommer ist, in Schottland. Die Woche VOR unserem Urlaub hatte es ja sogar 23 Grad. Drum hab ich auch Sonnencreme mit! Eine andere Haube hab ich auch dabei, und eine Softshell Jacke statt dem dicken Fleece von unserer „Winter“ Tour im Februar. UND ich habe neue Crocs gekauft! Farbe: dunkelbraun Schauen schon um einiges besser aus, als die weißen, die ich das letzte mal mit dabei hatte. Was ist noch neu? Der Schlafsack! Für die wärmeren Temperaturen habe ich nun statt dem Nahanny Hibernatus einen Exped Comfort 600 mit. Man gönnt sich ja sonst nix Und Max und ich haben beide (sogar ohne es vorher abzusprechen) Trocken-Haar-Shampoo mit Also: Wir sind echt bestens ausgerüstet, komme was wolle! Max hat dann noch extra für die Abende im dunklen Zelt eine 360° Lampe gekauft. Die ist richtig groß und schwer Die ursprünglich geplanten Kerzen sind dieser Lampe zum Opfer gefallen. Um die Lampe herumgewickelt wird eine rote Tüte, die macht das Licht total angenehm.


    Unsere Essensvorräte für die nächsten Tage

    Es fühlt sich an als hätte es keine Zeit zwischen WHW und Knoydart gegeben.

    31.3. – Tag 3:


    Mein Daunenkleid

    Oh wow!!! Wieder ein Sonnentag! Wir sind voller Vorfreude aufs Wandern, kommen nach Vollkornbrot, Parmesankäse und Salami auch schon früh los!





    Heute ist ja lt. Berichten und Wanderführer der anstrengende Abstieg durchs Sumpfgebiet dran, und ich erinnere Max die ganze Zeit, wiiiiie schlimm und gefährlich das sicher sein wird. Ich sage immer: „Max, JETZT kommt sicher gleich der weglose Teil, da müssen wir total aufpassen, und du weißt ja, der Sumpf, bitte gehe vorsichtig!!!“ Hahahha!!!! Wir hattens wieder mal total lustig (Ich sage ihm das noch Tage später, dass jetzt endlich mal ein schwieriger Teil kommen MUSS. Er kam aber nicht. NIE! Wir sind in den letzten Tagen dann extra WIRKLICH weglos gegangen, damit ich das auch kennen lerne und Ruhe gebe, aber dazu später)


    Hah, also doch ein bisschen weglos! Aber nur kurz, dann kamen wieder Trampelpfade.




    WILDTIERE!!!



    Rast am Fluss – nackig ausziehen – komplett rein ins Wasser – eiskalt – die nasse Haut weich gebettet im warmen, weichen Moos am anderen Flussufer trocknen lassen – leichtes Prickeln – Gänsehaut-Feeling - Sonne!!! – Nur die Natur und wir – Der Fluss trennt uns von wirklich allem – Höhepunkt: 3 Ameisenbisse auf meinem Unterarm – Was für ein Tag!!!


    Nach unserem Bad ;)







    Zu Mittag gibt’s wieder eine Rast mit warm gekochten Essen. Max achtet immer gut drauf, dass wir regelmäßig essen. Wenns nach mir ginge, würden wir die ganze Zeit wandern, und nach 2 Tagen wäre ich so tot, dass ich nicht mehr weiter könnte. Danke, Max!








    Die Überlegung: Wald oder Wiesen-weg??? ;)

    Weiter geht’s Richtung Strathan. Wieder erinnere ich Max an das gefährliche Sumpfgebiet im Wald und auf den Wiesen rund um das Strathan-Glen Dessarry Gebiet…. Spätestens JETZT MUSS das ja kommen! Wir gehen nicht durch den Wald sondern außen rum, damit wir was von der Umgebung zu sehen bekommen. Wir laufen einfach über die Wiesen, ohne groß auf irgendwas zu achten.



    Querfeldein umgehen wir die Bogholes, soweit es geht bis nur noch drüber springen hilft. Da versuchen wir uns eigentlich immer an unterschiedlichen Wegen ;) Dann kommt etwas Teichähnliches mit Schilfgras drinnen, wo man nur durchkommt, wenn man die Grasbündel mit dem Schuh flach in den Sumpf drückt. Max kommt super durch, ich bade irgendwo hinter ihm bin zu den Knien im Wasser und teste die Tiefe mit meinen Stöcken Das macht Spaß!!





    Max wird langsam immer übermütiger und springt über immer längere Sumpflöcher. Noch trägt er keine Gamaschen! Er rennt über ein großes Boghole – versucht es zumindest – mit dem Ergebnis dass sein gesamter Schuh drin verschwindet. Seine Waden werden nun auch gebadet Aber das ist bei weitem nicht das Horror-Szenarium, mit dem ich ursprünglich in dem Gebiet gerechnet habe. War alles voll lustig und abwechslungsreich ;) Beide sind wir nun erfrischt und wirklich offroad geprüft ;)






    Wir haben darauf verzichtet, auf den dunklen Wald...



    Laut Beschilderung beginnt JETZT erst der echte „gefährliche“ Teil in der Wildnis Knoydarts. Aha! Na dann weiter!!! Wir sind schon gespannt!!!
    Eine SCHOTTERSTRASSE, auf der wir Hand-in-Hand entlang schlendern, soll uns also in den „wilden“ Abschnitt führen? Auf jeden Fall sehr romantisch hier. So idyllisch Eine echt nette Pärchen-Wanderung für Verliebte. Und sehr gemütlich



    Diese Schotterstraße laufen wir entlang, die noch Meilen weiter verläuft, vorbei an einer Häuser Siedlung, in der ein Dieselgenerator mit entsprechendem Lärm und Gestank die Einwohner mit Strom versorgt. Das Warnschild kommt uns nach nach dem Querfeldein-Moor und den Trampelpfaden der gestrigen Passüberquerung wie ein Witz vor. Es ist schwer für das Bild ein ernstes Gesicht zu machen







    Es ist wunderbares Wetter, grasendes Rotwild guckt auf uns herab und wir sind sehr froh nicht durch den dichten Nadelwald im Tal gegangen zu sein.





    Ein Wegweiser leitet nun von der Straße ab. Wegweiser??? Letzte Wildnis??? Max wehrt sich den Weg einzuschlagen, an dem ein Wegweiser steht Er läuft die Straße weiter um zu schauen, ob sie hinter dem Haus weiter verläuft. Ich warte am Wegweiser und freue mich insgeheim wie ein Schnitzel als er zurück kommt.. Ich hatte Recht, dass der Wegweiserweg unsrer war. Cool, es geht also einen Singletrack entlang. Freudig und schadenfroh zeigt Max auf ein uraltes, rutschiges, klappriges Holztreppenpodest, das wir zum Wildzaunüberqueren jetzt aber nutzen müssen... Er ist echt gemein *gg*




    Endlich den breiten Weg hinter uns gelassen...

    Es kommen uns ein paar Bergsteiger entgegen, die einige Gipfel hinter sich haben.
    Viele nasse Steine inmitten von ewiglangen Pfützen zieren unseren Weg. Max macht mit mir viele Gleichgewichtsübungen, und zeigt mir, dass auch nasse Steine meine Freunde sind. Ich bin es halt echt nicht gewohnt, mit großem Rucksack von Stein zu Stein zu hüpfen (oder auch nur zu steigen) und stelle mich dementsprechend an, am Anfang Wie behindert, echt! ABER: mit der Zeit wird’s immer besser auf den kleinen nassen Steinspitzen zu balancieren!



    Max bekommt eine Blase am Fuss, ich werfe ihm mein Erste-Hilfe-Packerl zu und es landet direkt im Bach… *gg* Typisch!!! Na echt, manchmal denk ich, ich bin nicht wirklich so fürs Outdoor-Leben geschaffen… Hahahaha!!! Aber Spaß haben wir auf jeden Fall



    Zeit für die Zeltplatz Suche!!! Abseits vom Weg im Glen Dessarry auf einer Anhöhe ist der passende Platz gefunden. (Aja, wir haben wiedermal kein Wasser! Aber das kennen wir ja schon vom WHW! Weit in der Ferne gibt’s dann noch einen Bach, der uns gerne versorgt.)


    Zeltplatz Suche als erstes ohne Rucksack!


    Erst dann holen wir die Rucksäcke mit rauf

    Heut Abend wird die 2. Hälfte des Weins gelehrt. Der Schlaftrunk wirkt wieder hervorragend. Wir werden schon beim Essen kochen schläfrig!! Das ist echt der beste Wein, den wir beide jemals getrunken haben – da sind wir uns einig – aber die Wirkung ist eine Katastrophe Liebestöter Nummer 2 (neben meiner Isomatte…)

    Geändert von nicki1005 (16.06.2013 um 01:13 Uhr) Grund: Grammatik

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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #2
    1.4. – Tag 4:


    Egal obs regnet oder nicht, für uns scheint trotzdem die Sonne

    Laut Karte müssen jetzt nochmal wirklich weglose Teile kommen! Und: wieder nichts Also nicht so RICHTIG weglos, es waren wie immer ganz offensichtlich Trampelpfade zu erkennen… Ich hab mir das einfach ganz anders vorgestellt Aber so ist es natürlich - ganz klar - angenehmer zu laufen.





    Dafür ist die Umgebung traumhaft schön!!! Ein fleißiger Wanders-Mann überholt uns von hinten und schießt ein Foto von uns. Er ist schon ein paar Tage unterwegs und geht nur noch bis Sourlies, dann ist seine Wanderung vorüber.



    Ein bisschen Regen trübt die schöne Aussicht zeitweise etwas, aber das ist kein Problem.







    Überall am Weg gibt es so schräg abfallende Stein-Platten und Max wählt unsere Route immer extra so, dass wir darüber gehen. Zur Übung für mich. Das ist schön!!! Genauso hab ich mir das so sehr gewünscht! Und wenns mal ganz schlimm ist, und ich auf so einem schrägen nassen Fels festsitze, dann kommt er zurück und zeigt mir, wies weiter geht. Hört sich vielleicht aufwendig an, ist für uns beide aber richtig lustig und macht uns Spaß! Wir sind ein gutes Team. Wir sind DAS Team schlechthin!!! Des öfteren wissen wir zwar nicht, worüber der andere gerade redet, aber sogar trotz diesen immer wiederkehrenden Missverständnissen verstehen wir uns super! Wir sind in allem so verschieden und trotzdem ist alles so unbeschreiblich harmonisch, dass man es gar nicht in Worte fassen kann.




    Mittagessen











    Bald kommen wir nach Sourlies, dort treffen wir in der Bothy auf den netten Wanders-Mann, der das Foto von uns geschossen hat, und einen weiteren, der vor der Bothy das Wetter genießt.
    Wir schauen hinein, und sind ziemlich begeistert von der Innenausstattung der Hütte! Lauter nette kleine Details und so! Und da hängt sogar eine Hängematte! Sehr schön hier!
    Aber es zieht uns weiter. Wir wollen allein sein. Also: Allein zu zweit







    Da Schottland ja bekanntlich auf unserer Seite ist, haben wir gerade Ebbe und wandern ungehindert weiter am Meer entlang. Da kommt es – OH MEIN GOTT!!! – zu einem kleinen Streit zwischen Max und mir Weil ich dauernd Fotos machen will, und Max Panik hat, dass die Flut inzwischen kommt und uns einholt UND weil ich meinen Fotoapparat einfach nicht im Griff hab, weil sich da dauernd was verstellt und ich dann ewig brauch, bis die normal Einstellung wieder gefunden ist (das ist ein ganz normale Digitalkamera, also eigentlich nix aufwendiges…) Wir pfauchen uns an. Ich bin eingeschnappt, Max genervt. Paar Schritte weiter: ein Lächeln. Sind wir wieder gut? JA KLAR! SORRY von beiden Seiten...



    Und dann: die erste Fluss-Überquerung! Da gibt’s zwar eine Brücke, aber die ist weit weg und außerdem will ich das endlich mal erleben, wie das so ist, durch einen Fluss zu waten. Naja, es ist dann nicht sooo aufregend, außer halt erfrischend für die Füße Wir wählen eine flache Stelle und höher als knietief steigt das Wasser eh nicht an.






    Max macht Unmengen an Fotos von mir :-)






    HIER kommt gleich das Zelt hin

    Zelten mit Blick über 2 Ruinen aufs Meer hinunter. Max und ich im Glück. In Schottland. Vor geiler Kulisse. Mit einem riesigen Zelt. Und noch sooo viele Tage vor uns!!! Kitsch und Romantik hoch 10!!!


    Wasser holen fürs Abendessen


    Ich hab einen Spork für Max mitgenommen, wohl wissend in der Annahme, dass er kein Besteck dabei haben wird Und dann genießen wir Kartoffelpüree, voller Hingabe und Begeisterung


    Die Vorbereitungen im Zelt laufen schon immer routinierter ab. "Nicki, wo sind denn die Kluppen?" "In der linken Seitentasche vom Zelt." "Und wo das Feuerzeug?" "Im rechten vorderen Seitentasche." Ich halte immer Ordnung, alles hat seinen Platz




    2.4. - Tag 5:

    Wellness- und Beauty-Programm! Heute Morgen kommt das Trockenshampoo zum Einsatz. Das ist schon ein super Zeug! Wir stylen uns beide und dann kommt auch noch die Sonne heraus!!! Wooowww!!! Ab vors Zelt mit unseren beiden Iso-Matten Meine Iso-Matte (TAR) ist übrigens der absolute Liebestöter IM Zelt. Die verrutscht andauernd und man liegt bei der kleinsten Bewegung daneben. In der Wiese macht sie sich aber ganz gut




    Dieses Volumen in den Haaren, ich kann es nicht fassen




    Max mit meinen Crocs, meinem Spiegel und meiner Bürste Jaja, alles findet eben seine Verwendung, nichts wurde umsonst mitgenommen



    Im Sonnenschein packen wir zusammen und steigen dann zum Mam Meadail Pass hinauf. Natürlich verschwindet während des Aufstiegs die Sonne, damit uns nicht zu warm wird. Danke Schottland, du schaust auf uns. Wir schweben im Glück! Der Aufstieg ist auch sehr gemütlich und keine große Sache. Ein super Weg!





    Oben gibts dann „AHHHH“s und „OOOHHH“s, weil der Ausblick so schön ist





    Und ein gemütlicher Spazierweg zum Händchen-halten hinab zum Gleann Meadail Echt traumhaft schön dort! Wunderschöne Zeltplätze entlang am Fluss!!! Aber der Tag ist noch jung, und wir wollen weiter gehen, weil das Wandern so viel Spaß macht!





    In dieser Gegend beschließe ich, dass ich später mal unbedingt wieder kommen muss, nach Knoydart. Also nicht schon nächsten Monat oder so ;) Sondern in ein paar Jahren! Nähe Inverie gibt’s eine hübsche Bothy zum Mieten, das wäre auch schön, ein paar Tagesausflüge von dort aus zu starten. Normalerweise zieht es mich immer weiter, egal wie schön es an einem Ort ist. Aber Knoydart wird mich sicher irgendwann mal wieder sehen. Nicht am kompletten Knoydart Trail, aber eben vielleicht ein paar Tage Nähe Inverie oder Barrisdale, oder Kinloch Hourn… Aber erst, wenn ich mir die Trekking-Tour-Hörner mal ordentlich abgestoßen habe









    Wir wollen Inverie einen Besuch abstatten und schlendern (mal wieder) eine Forststraße entlang. Unsere Rucksäcke lassen wir in einem Waldstück zurück und wollen sie später wieder abholen. Auf halber Wegstrecke erblicken wir Inverie bereits vor uns. Ein roter Kleinbus fährt in der Ferne die Küste entlang. Wir verzichten somit auf den Inverie-Besuch Wir sind dann wohl doch lieber für uns Dieser Ort passt irgendwie gerade so gar nicht in unsere kleine Welt. Wir essen einen Apfel und holen unsere Rucksäcke um uns weiter auf den Weg zu machen.


    Inverie

    Max erklärt mir entlang des Weges die Navigation mit Kompass und Karte und übt ein bisschen mit mir





    Dann beginnt es zu Regnen. Starker Regen. Nur noch Wolken. Ungefähr 1 km nach dem See Dubh-Lochain steigen wir zum Fluss hinab um das Zelt aufzubauen.
    Ich verdreh mir irgendwie das Knie und es tut so weh! Beim Zelt aufstellen sag ich noch nichts, aber dann halt ichs nicht mehr aus. Es ist echt schlimm, und Max merkt das auch. Ich mach noch gute Miene zu bösem Spiel, aber ich denke in dem Moment, dass ich nicht mehr weiter gehen kann. Lächelnd sage ich, dass morgen sicher alles wieder gut ist. Max bettet mich in meinen Schlafsack und mixt uns einen Vitamin Cocktail mit Magnesium, Kalzium und Vit C, den er mir während ich liege einflößt. Er ist so lieb und sorgt sich wirklich total!!! Danke nochmal dafür… (Hätte ich Handy-Empfang gehabt, hätte ich so gern meine Schwester angerufen, die beste Physiotherapeutin der Welt, die mir immer mit Rat und Tat bei diversen Verletzungen beiseite steht )
    Geändert von nicki1005 (16.06.2013 um 00:56 Uhr) Grund: Rechtschreibung

  3. Erfahren
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #3
    3.4. – Tag 6:

    Wir wachen in der Früh auf. Ich schaue aus dem Zelt. ES SCHNEIT! JUHUUUU!!! Wie geil ist das denn!!! Ich vergesse kurz den Schmerz und laufe draußen rum um Fotos zu machen und sie euphorisch Max zu zeigen, der noch wohlverdient im Schlafsack kuschelt Dann sind auch plötzlich die Schmerzen wieder da Diese Knie Verletzung ist bereits bei den “ Tätigkeiten“ im Zelt ein großes Handicap, und ich habe schon Bedenken (die ich aber nicht äußere) wie das beim Wandern wohl sein wird. Ich fühl mich wie Ballast für Max. Ich will ihm keine Last sein, aber er nimmt voll viel von einem Gepäck in seinen Rucksack auf. Und er bringt dann auch noch meinen Rucksack extra zurück zum Weg rauf.. Das ist mir total unangenehm, aber ich kann nichtmal „nein“ sagen, weil ich weiß, dass ichs nicht schaffen würd, ihn selbst rauf zu bringen. Als wir beide oben sind, fragt er, ob er meinen Leatherman haben kann. Ohne Nachzudenken geb ich ihn ihm. Auch der verschwindet dann noch in seinem Rucksack…
    Ich spreche das Thema an, dass mir das unangenehm ist, und Max sagt, dass ihm der Urlaub mit mir wahnsinnig viel bedeutet, und er mich jetzt mal entlasten will, damit wir auch noch weiterhin schöne Tage zusammen verbringen können, und nicht die Tour abbrechen müssen, sondern gemeinsam Spaß haben, auf jeder Brücke halt machen und uns umarmen und die Abende im Zelt genießen können






    Frühstück






    Da oben ist unser Weg!!

    Sonne und Schnee – Aufstieg zum Pass lässt sich mit meinem 10 kg Rucksack gut machen – Max nimmt seine Sonnenbrille raus – ich hab meine leider daheim gelassen, obwohl ichs schon mitnehmen wollte – schade!! - Abstieg nach Barrisdale wunderschön und total stürmisch! – ich nehme meine Haube ab und den pfeifenden Wind besser zu fühlen – ich liebe das!!!










    Blick durch die rosarote Brille










    Ich liebe dieses Bild. Diesmal krieg ich nicht genug, vom Fotos machen von Max




    Abstieg nach Barisdale. Schneidend kalter Wind, da fühl ich mich erst richtig wohl Max hat sich lieber etwas eingepackt




    wird schon wieder sonniger


    Wohooo!!! Ich will schnell runter zum Meer

    Barisdale: Ein wunderbares Fleckchen Erde, ein toller Strand, super Wetter! UND die nicht zu übertreffende Krönung: Wir finden zufällig HIER in Knoydart eine SONNENBRILLE für mich!!! Das ist doch ur arg, oder? Das Schicksal meint es so gut mit uns! Schottland zieht echt alle Register, um uns einen einmaligen Urlaub zu ermöglichen. Es spuckt extra eine Sonnenbrille für uns aus, weil ich meine ja daheim vergessen habe!!!!









    In Barisdale am Strand stehen auch 2 weiße Highland Ponys. Ich bin so glücklich!!! Dann suchen wir nach schönen Muscheln, für meine Freundin Resi, der ich ein Mitbringsel vom Urlaub versprochen hab und anschließend wieder Mittagessen am Meer… Hach! DAS ist Lebensqualität!!!
















    Mittagessen am Strand




    Die Fotos nehmen kein Ende...



    Kurz später müssen wir nochmal eine kleine Pause einlegen, an einem trockenen Gras-Strand am Loch Hourn, der geradezu danach schreit, einen besonderen Moment mit uns zu teilen.
    Weit und breit sind übrigens keine Menschen. In Barisdale haben wir den Jäger und 2 junge Wanders-Burschen gesehen. Das sind die letzten Personen, die uns auf der weiteren Wanderung begegneten.


    da unten ist schon der Gras-Strand!!!


    noch über eine der vielen Brücken...


    Unser Gras-Strand.













    Der wunderbare Weg entlang des Lochs führt durch atemberaubende Landschaftsbilder. Max denkt dabei immer an Südafrika Oft, wenn wir an Bäumen oder Büschen vorbei kommen, bleiben wir stehen und bestaunen die "Südafrikanische" Flora hier.










    Da hinten wirds aber ungemütlich!!! Ist aber (natürlich) an uns vorbei gezogen


    "unser" Südafrika




    Wenn ich direkt am Horizont stehen würd, wär mein Rucksack die perfekte Tarnung am blauen Himmel



    Langsam machen sich die 30 kg auf Max´ Rücken bemerkbar und wir finden direkt über dem Gebäude „Runival“ einen kleinen Berg, der sich ideal als Zeltplatz anbietet. Ein Stückchen hinaufgeklettert breitet sich die traumhafte Kulisse mit Sonnenuntergang unter uns aus. Wir sind selig und richtig dankbar für diese schönen Momente, die uns da geschenkt werden.


    Das Haus "Runival"


    hier rechts am Berg ist dann unser Zeltplatz!


    ein bisschen müssen wir hochkletttern!


    kleine Pause zwischendurch. Ich habe meinen Rucksack da aber selber raufgetragen, auch wenn er hier nicht am Bild ist


    Max sucht nach einer ebenen Stelle fürs Zelt






    Zelt in der letzten Abendsonne







    Im Zelt wird – wie jeden Abend – ein süßer Moment genossen. Diesmal haben wir zwei Geschmacksrichtungen mit dabei. Intensiv feurige Schokolade oder lieblich sanftes Vanilla. Je nach Lust und Laune für die passende Situation.
    Falls wir es gar nicht aushalten, und schnell Stärkung benötigen, wird die absolut unübertreffliche Peanut Butter von Max gelöffelt, hmmmm!!!!
    Und wie jeden Tag sitzen wir beisammen und holen alle Essensvoräte heraus, überlegen, wann wir was speisen werden Und ebenfalls wie jeden Morgen und Abend gibt es auch diesmal den Moment in dem wir sagen „Wow, noch so viele Tage haben wir für uns“ dann ein tiefer Blick in die Augen, so viel Glückseligkeit, soviel Freiheit, soviel Vertrauen und Dankbarkeit und tiefe Verbundenheit zwischen uns.

    Geändert von nicki1005 (16.06.2013 um 00:50 Uhr) Grund: Rechtschreibung

  4. Erfahren
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #4
    4.4. – Tag 7:


    GUTEN MORGEN!!!!









    Ich nehme eine Schmerztablette und das Knie ist eine zeitlang vergessen. Wandern mit Max ist so schön!!! Wir sind froh, dass wir mit keiner Wandergruppe unterwegs sind, denn die wäre schon längst genervt von uns gewesen. Immer das Händchen Halten und Umarmen und Schmusen Schrecklich für Außenstehende, umwerfend für uns. Wir verbringen sicher die Hälfte der Zeit während des Wanderns damit. Dauernd bleiben wir stehen und lachen schon drüber, weil wir einfach nicht weiterkommen Aber es fühlt sich einfach soooo richtig und gut an.










    Das Landschaftsbild ändert sich ein bisschen...

    Zwischendurch als Stärkung immer wieder Snickers, Twix, Kit Kat, Ritter Sport Schoko Rum-Traube-Nuss, Traube-Nuss und Dunkle Schoko mit Nuss Max´ Oma hat ihm ganz viele tolle Schokoladen und ur gutes Brot mit Salami und Käse geschickt!! DANKE!!! Wir leben echt wie im Schlaraffenland


    Hier gehts gemütlich direkt am Loch entlang!


    genießen die letzten Sonnenstrahlen für den Rest des Urlaubs

    In Kinloch Hourn treffen wir wieder ganz süße Ponys und ich bin voll in meinem Element. Leider stehen die aber mehr auf Max, als auf mich und sofort ist er von ihnen umzingelt




    Hiergeblieben!!! Ich will auch ein Pony-Foto!!!



    Auch einen Otter sehen wir hier! Aber nur recht kurz, er taucht gleich wieder ab und wir setzten unseren Weg fort, der uns durch ein wunderschönes Sumpfgebiet leitet, immer an Strommasten entlang.





    Auf der Karte von Max sieht das ganze Knoydart-Gebiet übrigens noch etwas anders aus. Seine Karte ist noch aus dem Jahre 1984, also laaaang vor seiner Zeit. Als er mich fragt, obs damals eigentlich schon das Telefon gegeben hat, komm ich mir vor wie eine alte Schachtel Wir vergleichen die Karten oft, und es ist recht interessant, welche Wege es damals gab und heute gibt. Im heutigen Knoydart wimmelt es im Gegensatz zu 84 von Wegen nur so



    Wir können durch eine Schlucht den Berg und einen Teil des Lochs sehen, auf dem wir gestern Abend gezeltet haben. Wie gerne würden wir diesen Moment mit dem schönen Sonnenuntergang nochmal genießen. Am liebsten zurück gehen und nie wieder weg von dort. Doch wenn man etwas Schönes erlebt hat, und dies wiederholen will, dann wartet man meist vergeblich auf den „magischen“ Moment, der einen beim ersten Mal so verzaubert hat. Also sollte man einfach weiterziehen und neue schöne Momente erleben, und die Vergangenheit als etwas Besonderes und Einmaliges in Erinnerung behalten. In diesem Moment wird mein Herz ganz schwer und ich unterdrücke ein paar Tränen. Ich habe Max schon sehr lieb gewonnen…


    Da auf einem der Hügel, die links ins Loch reinragen, haben wir letzte Nacht gezeltet!






    Die Strommasten leuchten golden in der Abendsonne, was man am Foto vielleicht nicht so gut erkennen kann




    ich mag dieses Gebiet hier. Es erscheint vielleicht etwas eintönig, zieht uns aber voll in seinen Bann...


    Wie transportiere ich beim Wandern meine Digitalkamera? In einer Plastiktüte... Kein Wunder, dass sich da dauernd alles von selbst verstellt


    und es wird fleißig navigiert!


    unser geliebter Mond



    Wir laufen diesmal noch bis zum Mondaufgang weiter, und werden unter einem sternenklaren Himmel mit einer trockenen perfekten Zeltstelle am Flussufer beglückt. Schnell getestet (es hat 2 Grad über null!) wird sie als würdig befunden und wir stellen das Zelt auf und richten uns ein. Durch das schöne Wetter und den hell leuchtenden Mond beschließen wir aber, unter freiem Himmel zu schlafen. Heute Nacht hat es dann schließlich -5° Grad und über uns sehen wir den großen Bären. Friedlich schlafen wir ein, werden später aber durch plötzlich aufziehende Wolken ins Zelt zurück getrieben. Die Schlafsäcke sind pitschnass. Schlaftrunken versuche ich das schlimmste mit einem Taschentuch zu trocknen. Am nächsten Morgen kümmere ich mich auch noch um Max´ Schlafsack. Wir sind im Einklang mit uns und der Welt


    Zeltplatz am Fluss


    Mein Mitbringsel: Seit Monaten wiedermal eine deutsche Zeitung in der Hand Zum Kreuzwort-Rätseln sind wir aber irgendwie nie gekommen...

    5.4. – Tag 8:

    Neue Aufgabenstellung von Schottland: Es regnet in Strömen, ununterbrochen! So will uns unser geliebtes Land zeigen, dass wir sogar bei schlechtem Wetter ein super Reiseteam sind und ur gut harmonieren Und wir sind nicht mehr nur Reisepartner. Aus dieser Reisepartner-Sache hat sich doch schon längst so viel mehr entwickelt…





    Heute weichen wir von der Standard-Route durch Knoydart ab und wandern Richtung Corran. Ursprünglich hatten wir ja bereits vor, bei Barisdale die Runde zum Loch Quoich zu laufen und wieder zurück. Aber das scheiterte ja an meiner Knieverletzung und war uns zu unsicher, ob das dann alles zu schaffen ist, innerhalb unserer möglichen Zeit…
    Also, ab Richtung Westen und vorher noch eine Fluss-Querung! Max springt über die Steine im Fluss. Hopp-hopp-hopp, drüber ist er. Er ist bei diesen Fluss-Manövern wirklich super gut drauf! Er rät mir aber, dass ich lieber durchwaten soll, ich hätt die Stein-Springerei diesmal nämlich nicht geschafft


    sicher ist sicher



    Der Wanderweg ist durchgehend gut sichtbar, das Gebiet sehr idyllisch, trotz Regen und Schlechtwetter. Die Fotos leiden halt etwas darunter, aber was solls









    Im Knoydart-Wanderführer (den Stompy auch für uns eingescannt hat - danke nochmals dafür - und den ich brav im Flugzeug gelesen habe )steht auf Seite 135 ein sehr lustiger Satz für den Fall von schlechtem Wetter, wenn man die Tour abbrechen will: „…versuchen Sie, sich bis nach Corran durchzuschlagen.“ Also: der Weg nach Corran ist echt kein Weg auf dem man sich „durchschlagen“ muss Wir sind den bei echt miesem Wetter gelaufen und dort gibt es weit und breit keine Problemstellen zum „durchschlagen“.
    Ich hab beim Lesen des Wanderführers im Flugzeug gelesen, dass man sich eine Zeitung mitnehmen soll, um nasse Schuhe zu trocknen. Haben meine aus dem Flieger mitgenommene Zeitung allerdings nur als Kochunterlage benutzt, erst in der letzten Nacht findet sie doch noch Platz in den Schuhen


    man beachte den Wanderweg! So ist der durchgehend bis nach Corran. Also nichts mit "durchschlagen"


    da unten ist Corran!

    Schließlich sehen wir in einiger Entfernung eine Hütte auftauchen, auf der anderen Seite des Flusses. Ich sage zu Max, dass das sicher ein Stall ist, mit ganz weichem, frischen Heu darin, und dass wir dahin gehen und eine kleine Pause einlegen werden. Tagträumerei und Kopfkino halt Als wir näher zur Hütte kommen, stehen wir vor einer riesigen Herde von Rehen. Sie heben die Köpfe, als sie uns erblicken und setzen nacheinander elegant und federleicht über einen richtig hohen Zaun. Nur eines traut sich nicht ganz und läuft außen rum. Die Sprünge mit der Leichtigkeit über den Zaun sind richtig beeindruckend anzusehen.

    Die Hütte liegt nun direkt vor uns, nur noch über eine verrostete Brücke, dann sind wir schon da.





    Kein Weg führt hin, nichtmal ein Trampelpfad, es sieht so aus, als ob nie ein Mensch dort hin ginge. Richtig einsam und verlassen steht sie da. Max geht voraus um zu schauen, was es damit auf sich hat.



    Als er zurück kommt, strahlt er bis über beide Ohren. Er sagt mir, dass ich nicht glauben werde, was darin ist. Die Hütte ist offen, und darin stehen Bänken, Sofas und Matratzen! UND ein Kamin mit Feuerholz! :-D Eine Bothy! Das kommt so unwirklich und überraschend, dass wir es kaum glauben können!!! Wir wollen mal kurz reinschauen, um es uns mal in einem echten Haus gemütlich zu machen… Bisher haben uns unsere Zelte ja immer ein gutes Dach über dem Kopf geboten, sei es nun das 1-, 2-, oder 3 Personen Zelt Und die Natur mit ihren herrlichen Stränden, Wiesen, Wäldern und Hügeln hat uns ebenfalls immer unterm Himmelsdach mit besonderen Orten verwöhnt.
    Aber ein echtes Haus aus Steinen, DAS war mal was neues für uns! Wir haben echt vor, es nur für eine kurze Rast in Anspruch zu nehmen, aber als wir es uns schließlich gemütlich gemacht haben und es immer noch regnet, da beschließen wir, über Nacht zu bleiben. Wir sind sehr andächtig und dankbar für diese Fügung des Schicksals.



    Anfangs sind wir nicht ganz sicher, ob das in Ordnung geht, hier zu bleiben, weil diese Bothy nicht auf der Offiziellen Bothy-Homepage angeführt ist. Aber sie ist unverschlossen und es sind keinerlei private Gegenstände oder so zu sehen (Bis auf einen roten Kugelschreiber!!! Den wir dann später noch gebraucht hätten, ihn aber in der Bothy zurück lassen...) Also bleiben wir
    In der Hütte liegen auch alte Zeitungen fürs Feuer machen. Ganz oben auf der ersten Zeitung ein großer Artikel über Südarfrika :-D



    Na bitte, wie passend zu unserem Landschaftsbild mit den Südafrikanischen Bäumen und so Es ist, als würde alles versuchen, uns zu sagen „Bleibt hier, über Nacht, hier seid ihr richtig, alles hat nur auf euch gewartet“
    Nun wird Holz gehackt. Im Nebenzimmer liegt ein ganzer Vorrat von tollem alten Holz. Mich trifft fast der Schlag, als ich das sehe. Ich rechne ja damit, dass da schon so fertige Holzscheitel liegen, die man nur noch bissl kleiner hacken muss, aber das ist ja ein ganzer Baumstamm nur in Scheiben geschnitten!!! Aber für Max alles kein Problem Es ist so lustig, er steht da, mit der Axt in der Hand, und hackt kraftvoll das Holz und ich stehe vor ihm und bin so glücklich, dass er das so heldenhaft meistert, dass ich richtig entzückt bin Dann darf ich auch mal ran, ans Holzhacken. Das klappt sogar richtig gut, und macht mir voll Spaß! Wir strahlen beide wieder bis über beide Ohren Wahnsinn, unser Urlaub! Ich kann mich übrigens nicht sattsehen an Max, wie der das Holz hackt und hab das Bild immer noch vor mir. So kraftvoll der Schwung mit der Axt, so hart das Holz, das er entzwei spaltet, ein Bild für Götter...







    In der Bothy gibt es unzählige Krabbeltiere. Große Käfer und viele Spinnen. Wenn ich mit der Stirnlampe zu Boden leuchte, krabbeln die Käfer davon. Das macht mir weniger Freude, denn Spinnen und Käfer sind nicht grad meine größten Freunde Wir legen 2 Matratzen direkt vor den Kamin und Max entfernt die Spinnen davon. Ich überlege, dass ich mal irgendwo gelesen hab, dass ein Mensch eine gewisse Anzahl an Spinnen oder Käfer im Schlaf übers ganze Leben verteilt unabsichtlich verspeist. HEUTE ist wohl die Nacht, in der das bei mir soweit sein wird…





    Vor der Bothy fliegt eine Fledermaus auf und ab! Hier sind wohl die Wildtiere zu Hause


    es wird Nacht...

    Das Feuer brennt schon im Kamin, die Socken und Schuhe trocknen langsam vor sich hin.
    Die wohlige Hitze ist schon auf der Haut zu spüren, wird immer heißer und intensiver mit der Zeit. Wir essen einen Apfel. Max trennt ihn mit der scharfen Klinge seines Messers in zwei Hälften, die saftige Innenseite funkelt uns im Schein des Feuers entgegen. Der frische Duft des Apfels in Verbindung mit dem rauchigen Geruch des lodernden Feuers vermittelt eine ganz besondere Stimmung. Die Süße des Apfels mit einem leicht säuerlichen Nachgeschmack bleibt auf den Lippen zurück und verdampft langsam in der Hitze.

    Ich liebe uns.

    Nachts werden die Schlafsäcke dann ausnahmsweise mal gekopplet Sonst verzichten wir darauf immer, weil meine Isomatte dann ja immer unter mir davon rutscht und ich nicht nachrutschen kann und dann auf dem kalten Zeltboden liegen würd Aber hier liegen sowieso die Matratzen unter uns. Es ist unbeschreiblich, zusammen vor dem Feuer zu liegen, das langsam vor sich hin knistert und uns in den Schlaf begleitet.
    Geändert von nicki1005 (16.06.2013 um 01:16 Uhr) Grund: Rechtschreibung

  5. Erfahren
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #5
    6.4. – Tag 9:


    in der Früh wird die Bothy noch zusammengeräumt und gereinigt Der Mäusedreck ist jetzt auch weg von den Tischen und Bänken...






    der Weg zurück zum Knoydart Trail



    Und WIEDER regnet es. Dabei wären hier wieder sooo viele schöne Foto Motive am heutigen Weg. Als wir wieder zurück Richtung dem eigentlichen Knoydart Trail kommen, bekomme ich endlich meinen wirklich weglosen Teil Juhuuuu!!! Und zwar bei Schlecht-Wetter im Sumpf mit viel Wasser und Schlamm Endlich weiß ich, wie das ist!!! (Es gibt übrigens auch einen WEG, aber wir sind halt extra weglos unterwegs, danke Max!!!! Ich will das ja alles erleben und spüren) Es ist wie eine Wellness-Wanderung. Sehr gelenkschonend! Der Boden ist sehr weich und man sinkt immer schön ein.


    zurück bei den Stromleitungen


    ja, da gehts eindeutig entlang


    Origami falten mit der Wanderkarte

    Es schüttet und stürmt. Beim Mittagessen schüttet und stürmt es noch mehr!!! Links, rechts, vorne und hinten, alles grau in grau. Max schaut zufällig genau nach oben. Das glaubt man ja nicht!!!! GENAU OBER UNS teilt sich der Himmel und ein kleines Stück strahlendes Blau kommt zum Vorschein!!! Das ist so unglaublich, so perfekt, so unrealistisch, aber so unbeschreiblich passend für unserer Tour


    unser Wolkenloch, jetzt schon ein Stück hinter uns...

    DIE GESCHICHTE MIT DEN MARS-MÄNNCHEN – Ein Schlüsselmoment:

    Wir sind überwältigt von den ganzen Eindrücken und dem Glück, das uns auf unserer Tour geradezu in den Schoß fällt. Angefangen von den wirklich großteils recht „trockenen“ und super begehbaren Sumpfgebieten, bis über die Sache mit der gefundenen Sonnenbrille, dann die unverhoffte Bothy mit Feuerholz, dann dass bergauf die Sonnen verschwindet und bergab wieder heraus kommt, dass wir Sourlies bei Ebbe erreicht haben, dass sich über uns der Himmel teilt um die Regenwolken von uns wegzubringen, und diese ganzen Dinge halt. Das ist zu schön um wahr zu sein, und irgendwie total surreal.
    „Das einzige, was das Ganze noch toppen könnte, wäre, wenn jetzt Mars-Männchen vor uns landen und uns mitnehmen würden.“ Wir lachen beide.
    „Durch unsere Unverdorbenheit und unsere reine Seele würden wir sie dann davon überzeugen, die Menschheit zu verschonen und zurück auf der Erde würden wir von allen als Helden gefeiert werden und ganz viel Geld verdienen.“
    „Mit diesem Geld könnten wir uns dann ein großes Haus kaufen, mit gaaaanz vielen Zimmern für Freunde und Couch-Surfer! Unser Haus steht nahe an einer Großstadt.“
    „Großstadt??? Welche Großstadt bitte??? Meinst du damit Wien, Max???“
    „WIEN???“
    „Oder irgendwo in Schottland??? Schottland ist ok für mich“
    „Nein Nicki, und ich will eigentlich nicht in Schottland wohnen… Besser woanders. Aber morgens riecht es in unserer Küche auf jeden Fall nach frisch gemahlenem Kaffee.“
    „Was? Ich hasse Kaffee Geruch!!!“
    Fassungslose Gesichter blicken einander an. Nichtmal mit Hilfe von Mars-Männchen und Vermögen haben wir eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft. Eine kilometerweite Kluft trennt uns einfach. Nicht, dass das jetzt etwas wirklich neues für uns ist, aber diese unbeschwerten Tage haben uns einfach so unglaublich nahe zueinander gebracht… So sehr diese Einsicht irgendwie schmerzt, so gut tut sie auch. Es ist so offensichtlich, dass wir nur HIER zusammen passen, auf unserer Trekking Tour durch dieses Traumland, das so voll und ganz hinter uns steht, und in der realen Welt da draußen einfach nicht die geringste Chance gemeinsam haben. Nichts von uns wird bleiben, außer eben die Erinnerungen an JETZT.



    Schottland hat nun aufgehört, uns mit durch ganzen Regen zu beweisen, dass wir auch in solch tristen Momenten super gut harmonieren und uns gegenseitig glücklich machen, sondern es weint jetzt einfach nur unaufhörlich bitterlich um uns, weil es trotz allen Anstrengungen und Entgegenkommen, es nicht geschafft hat, uns zueinander zu bringen.

    Hier noch ein Vergleich, wie Max die Flüsse überquert, und wie ich sie durchquere (das hebt die Stimmung gleich wieder an )







    Weiter unten an einem Fluss-Ufer beziehen wir unser Nachtquartier. Der Regen peitscht an unser Zelt, und wir liegen wohlig warm gebettet darin, satt und zufrieden mit uns und der Welt



    7.4. – Tag 10:

    Augen aufschlagen. Hallo Max. Hallo Nicki. Lächeln. Einfach wir… Draußen ist es kalt, im Zelt drinnen wird es jetzt total schwül. Uns ist heiß, wir brauchen eine Erfrischung. Ab in den Fluss? Ok!!! Max ist tapfer, er springt gleich ganz rein, und schnell wieder raus Ich bin wohl anscheinden eher masochistisch veranlagt. Als erstes mit den Füßen rein, bis es so weh tut, dass ich mich reinhocke, dann warte ich wiederum so lang, bis alles schmerzt vor Kälte, dann erst leg ich mich ganz rein. Da bleib ich dann kurz liegen, bis ichs nicht mehr aushalte und DANN aber schnell wieder zurück ins Zelt Das tut so gut!!! Wir spüren uns von Kopf bis Fuß!! Irgendwie kommen wir an diesem Regentag erst um 17 Uhr los. :-D Wir genießen die ganze Zeit die Ruhe und das gemütliche Zelt und uns…




    RIESIG, so ohne Innenzelt

    Sogar Mittaggegessen wird noch im Zelt :-D Dann langsam mal losgehen, alles grau in grau.









    Ein Stück weiter kommen wir schon zur nächsten Bothy, diesmal aber eine ganz offizielle. Somit rechnen wir eigentlich nicht damit, dass wir sie für uns allein haben und wollen lieber zelten, als den Abend mit anderen Leuten zu verbringen. Aber – voilà – kein Mensch drinnen Hier in der Suardalan Bothy gibt’s 2 große Räume zum Heizen UND ein kleines aber feines und sehr helles Doppelzimmer :-D Am Fenster stehen Blumen. Alles wirkt sehr freundlich und einladend. Hier bleiben wir! Sollte noch wer zu uns stoßen, haben wir ja immerhin das kleine Doppelzimmer für uns. Heute Nacht haben wir also ein Haus UND ein ECHTES BETT für uns







    Als erstes geht es in den „nahe“ gelegenen Wald zum Holz holen fürs Heizen. Bepackt mit Säge und Seilen suchen wir uns möglichst trockene Stücke zusammen. Auch ein alter kaputter Baum wird gefällt.









    Es regnet natürlich immer noch… Der Rückweg ist lang und beschwerlich. Das Holzbündel – SEHR viele Stämme und Äste aneinander gezurrt – lastet SEHR schwer auf unseren Schultern. Ich habe das Gefühl, dass mich die gesamte Wanderung bisher nur auf diesen einzigen Moment vorbereitet hat nämlich, es mit der schweren Last durch Regen und Sumpf, bei jedem Schritt bis zu den Knie einsinkend, und über einen kleinen Fluss zurück zur Bothy zu schaffen . Es ist echt harte Arbeit aber macht unglaublich Spaß, mit Max als Team das alles zusammen zu schaffen Zwischendurch machen wir mal kurz Pause und Max fängt einen Frosch für mich Der Spaß darf einfach nie zu kurz kommen!
    Verschwitzt, durchnässt und total erledigt kommen wir in der Bothy an. Ich hole Wasser und beginne zu kochen. Max sägt noch die Stämme in kleine Stücke und will Feuer machen. Das Holz, das wir geholt haben, ist wirklich gut, aber leider ist das kleine Brennholz in der Bothy nass und die Zeitungen tuns auch nicht… (Haben wir uns vorher nicht angeschaut) Es wird also nichts mit dem Feuer. Stört uns aber gar nicht, die Aktion mit dem Brennholz schleppen hat uns zwar erledigt, aber ist wieder ein schönes Erlebnis zu zweit Drüben im Schlafzimmer hätten wir sowieso nichts vom Feuer gehabt, also ist es halb so schlimm, darauf zu verzichten. Nur unsere Sachen trocknen halt nicht… Dafür haben die Besucher, die nach uns kommen, schon tolles Holz vor Ort.
    Wir schlucken beide eine Koffein Tablette, um nicht sofort umzukippen

    Heut Abend genehmigen wir uns 2 Fläschchen Jägermeister, die Max extra mitgenommen hat Dieses einfache kleine Zimmer ist eine super lustige und angenehme Abwechslung, obwohl wir uns einig sind, dass wir das Zelt grundsätzlich jeder Bothy vorziehen. Im Zelt fühlen wir uns einfach RICHTIG daheim, während wir in einer Bothy nur zu Gast sind


    das ist übrigens die 360° Lampe von Max, die uns äußerst gute Dienste geleistet hat

    Wenn ichs nicht besser wissen würde, könnt ich schwören, dass in dieser Nacht ein Feuerwerk über dem Dach unserer Bothy entfacht wird und draußen vor der Hütte eine riesige Herde von Highland Ponies vorübergaloppiert, die die Erde zum Beben bringt. In Wahrheit sind natürlich nur wir beide hier, Max und ich…

    Zum Andenken male ich ein Bild, das wir im Doppelzimmer an die Wand hängen. Leider habe ich nur blaue und schwarze Farbe. Dabei ist in der letzten Bothy ja extra der rote Kugelschreiber für uns bereit gelegen…




    8.4.- Tag 11:


    Make-up am morgen








    hier haben wir am Vorabend ein Stück Holz "verloren".. Naja, um ehrlich zu sein, haben wirs einfach liegen lassen, weil es schon so unglaublich schwer zu tragen war

    Heute steht die letzte Tagesetappe am Programm! Der Aufstieg ist erstmal anstrengend für mich, weil ich die Nacht über – so schön sie auch war – dann nicht schlafen konnte, weil ich auf Max´ dünner Isomatte direkt am Holzbett gelegen bin. Das war sooo extrem hart, dass mir alle Knochen weh tun. Aber ich wollte das Max nicht antun, er ist ja viiiiel weniger gepolstert, als ich. Im Nachhinein erfahre ich, dass er eh lieber auf seiner Matte geschlafen hätte, als auf meiner, weil meine viel zu warm war. Na toll





    Und es regnet wieder Andauernd! Am schlimmsten, als wir gerade Mittagspause machen! Manchmal teilt sich vor oder hinter uns der Himmel und das blau leuchtet hindurch. Das sind aber nur kurze Momente, die uns auch nicht vom Regen verschonen.
    Schottland weint nun nicht mehr um uns, es hat damit abgeschlossen, und lässt uns los. Es regnet nun nur noch, um uns den Abschied von Schottland und unserer gemeinsamen Zeit wenigstens bissl zu erleichtern. Wenn alles nass ist, lässt es sich leichter heimreisen (möchte man meinen).







    Die Landschaft heute ist wieder mal ein Traum! Hier ist es wunderschön, sogar mit sch*** Wetter
    Leider kann man das wetterbedingt wieder nicht so auf den Fotos festhalten. Aber ist vielleicht eh gut, dass nicht die Sonne scheint, sonst würden wir wieder nur an jedem Fluss-Ufer rumliegen anstatt zu wandern.


    da hinten links ist SONNE!!!

    Wir reden gerade über Foto-Themen und plötzlich taucht Shiel Bridge vor uns auf. Kein schönes Gefühl. Eher bedrückend…
    Wir laufen hinunter zum Ort, finden heraus, von wo morgen früh der Bus wegfährt, kaufen eine Flasche Wein, Max besorgt sich einen Papp-Karton zum trampen und es geht zurück in die Natur Denn in Shiel Bridge am Camping Platz wollen wir definitiv NICHT unsere letzte gemeinsame Nacht verbringen.



    Unsere Ausrüstung ist schon ziemlich durchnässt, wir müssen uns nun auch zusammen reißen und dürfen keine Tränen mehr fließen lassen, sonst werden die Schlafsäcke NOCH nasser! Leichter gesagt, als getan…

    Liebe – Der Versuch der Natur, den Verstand aus dem Weg zu räumen.
    In Knoydart gibt’s so extrem viel Natur, dass es schwer ist, den Verstand im Vordergrund zu behalten.


    9.4. – Tag 12:

    Wir stehen an der Busstation. Blicken zu den Bergen zurück, in denen sich in den letzten 12 Tagen die schönsten Momente unseres Lebens abgespielt haben. Schwer vorstellbar, was in diesen Hügeln und Bergen und Tälern und Wäldern und Flüssen und Wiesen und Hütten so alles passiert ist.
    Der Bus kommt. Bitte nicht. BITTE BITTE BITTE nicht!!! Es ist so schwer, jemanden gehen zu lassen, für den man so unglaublich viel empfindet. Noch schwerer ist es jedoch, SELBER zu gehen. Noch einmal riechen, schmecken, fühlen. Dann steige ich in den Bus. Die Tür schließt sich, der Bus setzt sich in Bewegung, in klebe an der Fensterscheibe und Max verschwindet hinter mir in der Ferne.


    Was uns unsere Tour bedeutet hat?
    Lebensfreude - Ehrlichkeit - Offenheit - Spontanität - Unverdorbenheit – Vertrauen – Leidenschaft – Glück – Sonne – Reinheit – Freundschaft – Lust – Spannung – Neugierde - Harmonie – Freiheit – Schönheit – Natürlichkeit – Begierde – Rücksicht – Kraft – Dankbarkeit – Toleranz – Lachen – Sinnlichkeit – einfach WIR.

    Ich werde die Zeit mit Max niemals vergessen, bin ihm unendlich dankbar für alles, was er mir hier ermöglicht, gezeigt, gelehrt hat. Ohne ihn wäre die Tour niemals zu dem geworden, was sie nun für mich bedeutet. Es waren oft die Kleinigkeiten, die besonders glücklich gemacht haben. Auf jeder Brücke ist Max stehen geblieben, hat meine Hand genommen und wir haben uns geküsst. Nach jeder schwierigen Stelle, die zu überwinden war, hat er zurück geschaut, und mich angelächelt, weil ich von Tag zu Tag sicherer wurde und sich mit mir zusammen gefreut. Wir hatten so viel Spaß, oft musste ich mir den Bauch vor lauter Lachen halten, weil es schon richtig geschmerzt hat, nicht mehr aufhören zu können
    Max hat sich richtig viel Zeit genommen und mir total geduldig und genau erklärt, wie man Karten liest. Sogar bei Sturm und Regen sind wir dagestanden und haben die Karte studiert, nur für meine Übungszwecke. Auch was mein Zelt betrifft, hab ich einiges neues erfahren, was den Aufbau betrifft und so. Wir haben es unter anderem auch bei wirklich extremen Sturm aufgestellt und es hat super Stand gehalten.
    Ich glaube – nein ich bin mir sicher – dass ich ihm aber auch so einiges mit auf den Weg geben konnte
    Und ich habe gemerkt, wie schön es sein kann, geschmolzene Milka Schokolade zu teilen (Ich teile sonst NIE meine Milka Schokolade!!! DAS bedeutet schon mal was *gg*).
    Wir waren so viel mehr als nur Reisepartner. Ein richtig gutes Team, zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können und so harmonisch nebeneinander ihre Erfahrungen durch und mit dem anderen sammelten. Was am WHW begonnen hat, haben wir hier in Knoydart fortgesetzt. Jede Sekunde wurde genossen, jeder Moment genutzt.

    Es war mir eine Ehre mit dir reisen zu können, Max Ich werde dich und das Gefühl, das ich mit dir und durch dich hatte, niemals vergessen.


    Betreffend Knoydart:
    Allgemein zu Knoydart kann ich sagen, dass wir – anfangs – wirklich Glück mit dem Wetter hatten, im Anfangsteil und die Wege durchwegs gut sichtbar waren, nicht schwer zu begehen und viel weniger schwierig als erwartet.
    Im Falle von schlechtem Wetter, mieser Sicht, und durchweichtem Boden durch tagelangen Regen kann sich das natürlich schnell ändern. Was hier als netter Spaziergang dargestellt wird, kann sicher unter anderen Bedingungen bald mal zu einer etwas zeitaufwendigeren Angelegenheit werden Als riskant oder übermäßig anstrengend habe ich aber keinen Teil der Standard Route empfunden. Die Knieverletzung hätte auf jedem anderen Wanderweg auch passieren können.


    Letzte Anmerkung:
    Es gibt diesmal keine Sichtweise von Max, die ich hinzufügen werde. Ich habe zwar einen Reisebericht von ihm erhalten, aber da wäre zu viel zum Zensieren gewesen, damit er Forums-würdig wird. Außerdem haben wir auf dieser Tour, im Gegensatz zum WHW, sogut wie alles genau gleich empfunden und so wird laut gemeinsamer Absprache nur mein Teil online gestellt.
    Wie es jetzt weitergeht?
    Max fliegt jetzt nach 6 Monaten kurz nach Deutschland zurück, kommt dann über ein verlängertes Wochenende zu mir nach Österreich – ein kleiner Abstecher im schönen Salzburg – und trampt dann weiter nach Osteuropa, wo er die nächsten 6 Monate sein Glück und Abenteuer suchen wird.
    Ich studiere fleißig weiter und werde den Sommer in Island und Schottland verbringen.
    Einerseits ist es für uns beide traurig, dass es die Umstände für uns nicht möglich machen, einen gemeinsamen Weg weiter zu gehen. Andererseits sind wir überglücklich zumindest die kurze Zeit gemeinsam erlebt zu haben.
    Wir sind voller Vorfreude und Spannung, was die Zeit noch so alles für jeden von uns bringen wird

    Geändert von nicki1005 (16.06.2013 um 00:34 Uhr) Grund: Grammatik

  6. Dauerbesucher

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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #6
    Darauf hat das Forum schon gewartet!

    Du lieferst uns mal wieder einen Bericht.

  7. winnetoux
    Gast

    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #7
    Boah, Nicki, ich sehe nur die Überschrift und das erste Bild - Gänsehaut! Das wird sicher umwerfend.

  8. milestone
    Gast

    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #8
    schön geschrieben. war irgendwie nach deinem letzten bericht absehbar.
    der nette mann im jeep sagt jedem, dass die brück kaputt ist

    bin gespannt wie es weiter geht und schon ein wenig neidisch, das sollte auch meine tour werden .

  9. Erfahren
    Avatar von Fliehender
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #9
    Ein romantischer Reisebericht, genau das fehlte hier noch
    Klasse Sache, klasse Bilder! Wie ihr um die Wette strahlt ist die reinste Freude!
    Das Wetter ist eine einzige Frechheit
    OT: Frisch verliebt auf Tour muss besonders intensiv sein...

  10. Erfahren
    Avatar von nicki1005
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #10
    @Fliehender: Das Wetter ändert sich noch, ich muss die letzten Teile noch fertig schreiben.. Das um die Wette strahlen bleibt natürlich

  11. Fuchs
    Avatar von Libertist
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #11
    Zitat Zitat von nicki1005 Beitrag anzeigen
    Und wir sind nicht mehr nur Reisepartner. Aus dieser Reisepartner-Sache hat sich doch schon längst so viel mehr entwickelt…
    Was du nicht sagst!


    Danke für die Unterhaltung, das war köstlich. Ich äußere mich später noch mal dazu, bin gerade etwas overwhelmed...

  12. Erfahren
    Avatar von wuschl25
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #12
    wow..

    -tolle fotos!
    -toller bericht!
    -tolles pärchen!

    schön wenn alles so gut abläuft

  13. Erfahren
    Avatar von Kamille
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #13
    Mitten in der Nacht stellst du diesen Bericht hier Online.

    Ich muss ins Bett.

  14. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #14
    Wenn ich mich recht entsinne, hat mich dein letzter Reisebericht schon vom pünktlichaufarbeitankommen aufgehalten. Nun beinahe wieder.
    Edit: Ubahn und Schmartfon sei dank, hab ich den Bericht nu komplett durch.

    Was für eine Geschichte, dein Schreibstil Klasse, die Bilder traumhaft!!! Ohne scheiß, die Rough Bounds in weiß, sind glaub ich ein Ort zum sterben.
    Schön das ihr solch schönes Wetter hattet, zwei Bothies für euch alleine wie erhofft. Mensch, was für eine Zeit.

    Geht es deinem Knie denn schon wieder besser?

    Werte Dame, ich nominiere deinen Reisebericht hiermit zum Reisebericht des noch jungen Jahres 2012. Großartig. Es muss ja wirklich eine traumhafte Zeit gewesen sein ;)

    Geändert von codenascher (19.04.2012 um 06:44 Uhr)

  15. Erfahren

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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #15
    Guten Morgen,

    na, so fängt mein Tag doch klasse an
    Eine "True-Outdoor-Lovestory" -leicht und fröhlich geschrieben. Wer da nicht lächelnd vorm PC sitzt, hat selber schuld.

    Danke für so viel Unterhaltung.


  16. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #16
    Was soll ich sagen ???
    Super !!!
    Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------Meine Oma ...
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------Motorrad, SUV, Discounterfleisch ...
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------Umweltsau
    Der über Felsen fuhr.________havamal
    --------"Was darf Satire?-Alles!" Tucholsky.

  17. Fuchs
    Avatar von Rainer Duesmann
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #17
    Toll! Jetzt kann ich meinen ersten Termin beim Kunden absagen...



    Vielen Dank das Ihr uns an Eurem Abenteuer habt teilhaben lassen. Sehr persönlich und sooooooooooo romantisch. Ich kam aus dem Seuftzen gar nicht mehr raus. Top!

    Danke, danke, danke.

    Rainer

    Ich drücke Euch die Daumen auf einen Teil 2 und Teil 3 und Teil 4, ach noch viele Fortsetzungen für Euch...

  18. AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #18
    Nicki, vielen, vielen Dank für diesen schönen Bericht!
    Wie gut, dass ich noch krankgeschrieben bin und Zeit habe, ihn gleich noch einmal zu lesen. So fängt ein Tag gut an!
    Ich freue mich, dass du eine gute Zeit in Knoydart hattest. Ist schon ein besonderes Fleckchen Erde (auch wenn man solo unterwegs ist und Mann und Kind zuhause bleiben ). Ich hole mir jetzt eine Tasse Kaffee und lese gleich nochmal.
    Danke, Danke, Danke!

  19. Anfänger im Forum
    Avatar von Leveller
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #19


    GROSSARTIG !!!!!!!

    Was, wann, wo, wie ist alles egal, wenn man nur mit dem richtigen Menschen auf dem Weg ist. Ich hoffe, euer Weg wird weitergehen !!!!
    Ich persönlich freu mich grad wie blöde auf das übernächste, schön lange Wochenende und eine kleine Sauerlandtour zwei Wochen später ...

  20. Gerne im Forum
    Avatar von Portaner
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    AW: [GB] Knoydart - Eine Liebesgeschichte

    #20
    Zitat Zitat von milestone Beitrag anzeigen
    schön geschrieben. war irgendwie nach deinem letzten bericht absehbar.
    Stimmt, das Gefühl hatte ich auch. Aber diese Trennung.... schrecklich. Ich sehe meine Liebste derzeit auch nur am WE und bin froh wenn das endlich vorbei ist. Ich wünsch Euch noch viele gemeinsame Stunden.
    Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen,
    dass Menschen nicht denken.

    Arthur Schopenhauer

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