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    AW: [DE, AT, CH, IT, SL, HR, HU, SK] 3300km mit dem Rad durch Europa

    #21
    Mitreisende: Starkbier
    Tag 18 - 21. Juli 2011

    Rijeka - Krk, ca. 60km

    Am heutigen Morgen lohnt sich die Schinderei des letzten Tages. Ohne Eile können wir wohlerholt zu einer für uns humanen Uhrzeit aufstehen und die letzten Kilometer nach Krk strampeln. Wir checken also aus unserem Hotel aus, holen unsere Kamera zurück und bedanken uns.
    Negativ wirkt sich jedoch der Blick auf die Karte aus. Wieder verwöhnt durch die Einsamkeit der Kroatischen Berge müsen wir heute erneut eine viel befahrene Straße befahren, die zu allem Überfluss so eng geraten ist, dass die Autofahrer nur wenige Zentimeter an unseren Lenkern vorbeischrammen. Nach gut zwei Stunden legen wir erstmal eine Pause davon ein und frühstücken an einem Supermarkt. Mal wieder werden wir von einem Mann angesprochen, der zu unserer Überraschung Deutsch spricht. Er hat lange in Deutschland gewohnt und versichert uns, dass wir in Kroatien mit Deutsch und Englisch sehr gut zurecht kommen werden. Meistens trifft das auch zu.
    Zurück auf der viel befahrenen Straße sind wir kurze Zeit später an der Brücke in Richtung Krk. Endlich gibt es wieder einen abgetrennten Seitenstreifen, was wir mit einem Foto feiern.



    Allerdings kommen wir nicht reibungsloser voran als zuvor, da uns noch auf der Brücke der nächste Plattfuß erwischt. Dieses Mal ist es Niko. Und um es vorwegzunehmene - Felix wird die ganze Tour von Platten verschont bleiben, aber er wird noch ein anderes Erlebnis auf dieser Brücke "geniessen"



    Im übrigen kostet die Benutzung der Brücke Maut. Gute drei Euro sind für ein Auto fällig. Wir dürfen gratis durch.



    Weiter gehts auf der Hauptstraße der Insel. Der Seitenstreifen löst sich wieder in Luft auf und wir nehmen erneut den Kampf Autofahrer gegen Radfahrer auf. Irgendwann ist es uns zu blöd und wir fahren von der Hauptstraße ab. Irgendwie werden wir auch über Nebenstraßen ankommen. Tatsächlich ist es nach einigen Kilometern auch soweit und der letzte Anstieg gibt den Blick auf Krk, das Mittelmeer und die übrigen Inseln frei. Ab jetzt gehts nur noch bergab!
    In Krk angekommen fahren wir direkt zur Promenade und schauen nach einer Touristeninfostelle.



    Wir wollen die restliche Woche auf Krk verbringen und suchen nach einem günstigen Zimmer. Uns wird ein Privatzimmer vermittelt, dass uns 51 Euro für vier Tage kostet. Damit können wir leben. So sehr wir auch den losgelösten Lebensstil schätzen und wir Freude an unseren unkonventionellen Unterkünften haben, freuen wir uns mal ein Paar Tage ohne diese Variable zu leben. Man merkt, dass dieser Lebensstil nur dadurch zum Vergnügen wird, da die Möglichkeit zur Rückkehr in ein geregeltes Leben immer möglich ist.

    Freudig erblicken wir an der Promenade eine Imbissbude, die scheinbar die aus Rijeka bekannten Burger führt. Dieses Mal ordern wir nur einen und wir verbringen den restlichen Abend mit ein paar Bierchen an der Promenade.



    Ein abendliches Gewitter sorgt bei einem kleinen Jungen für Euphorie. Immer wieder fährt er mit seinem Fahrrad die selbe Route durch den Regen. Felix fragt ihn irgendwann, was er denn da treibt. "It's the first rain for weeks. Until now there have always been up to 40 degrees". Eigentlich wären uns die 40 Grad lieber, aber was sollls. Wir haben ja ein Dach über dem Kopf.
    Solange es am Montag wieder richtig gut ist, sind wir zufrieden.

    Tag 19 - 22. Juli 2011

    Krk, ca. 0km

    Bis 10 Uhr gibt es Frühstück. Wir bekommen es sogar noch um halb 11. Glück gehabt. Das Frühstück fällt unglaublich üppig aus. Verschiedene Wurstaufschnitte, Käse, Pasteten, Marmelade, Kaffe und Tee. Das haben wir nicht erwartet bei diesem Preisen. Beschweren wollen wir uns aber natürlich nicht.
    Den heutigen Tag ernennen wir zum absoluten "Pflärz-Tag". Keinen Finger wollen wir rühren. Einfach an den Strand liegen und die Seele baumeln lassen. Tatsächlich spielt heute auch das Wetter mit und die Sonne scheint im Postkartenformat.
    Was gibt es also zu erzählen von diesem Tag. Außer nichts-tun und Mädels hinterherglotzen haben wir nichts getan, daher schnell weiter im Text.

    Tag 20 - 23. Juli 2011

    Nachdem wir gestern so faul waren wie jeder andere Tourist in Krk widmen wir uns heute der Ausrüstung. Solangsam vertragen unsere Klamotten eine Reinigung die jenseits von Bächen und Seen stattfindet. Es gibt wohl auch eine Wäscherei in Krk, die sich, welch Freude, am äußersten Ende Krks befindet. Naja, wir wollen mal nicht so zimperlich sein nach über 1000km. Wir bringen die Wäsche zu den glücklichen Auserwählten und warnen sie über den Geruchszustand unserer Garnitur.
    Zu Hause angekommen dann der Schock. Ein paar von Nikos Sachen, darunter das durch den Regen in Triest extrem modrig geratenes Handtuch, wurde im Zimmer vergessen. Da hilft nichts, selber schrubben ist angesagt. Aber später!
    Erst ein Mal gehts wieder an den Strand um noch ein wenig die Sonne zu geniessen. Gegen fünf Uhr holen wir unsere Klamotten ab und wir installieren eine Wäscheleine im Zimmer und hängen auch all die anderen Dinge zum Trocken auf. Generell räumen wir die Rucksäcke aus und verwandeln unser Zimmer in eine teure Müllhalde.







    Zum Glück ist die Hausbesitzerin nie in unser Zimmer gekommen. Auch den heutigen Tag beenden wir klassisch an der Imbissbude samt ein paar Bier.

    Tag 21 - 24. Juli 2011

    Im Grunde verläuft der Sonntag ganz ähnlich wie der Samstag. Wir müssen zwar nichts waschen, aber versorgen dafür heute die Fahrräder und packen die Rucksäcke wieder möglichst fertig.
    Strand, Sonne, Bier, Burger...täglich grüßt das Murmeltier. Ich denke, diesen Tag können wir uns getrost sparen.



    So uninteressant er auch war, so erholsam und genial war er für uns. Trotz allem freuen wir uns morgen endlich wieder weiter zu kommen. Das Touristenleben sagt uns einfach nicht so sehr zu. Spätestens als uns Eltern in einer SMS als Weicheier bezeichnen wird es Zeit aufzubrechen.
    Geändert von Starkbier (09.09.2011 um 19:28 Uhr)

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    AW: [DE, AT, CH, IT, SL, HR, HU, SK] 3300km mit dem Rad durch Europa

    #22
    Zitat Zitat von YoneX Beitrag anzeigen
    Dem schließe ich mich so an. Würde ich gerne nächstes Jahr auch machen, fehlt nur noch die passende Begleitung.

    Sehr cool, weiter so
    Ich kann es dir nur wärmstens ans Herz legen. Ich bin jetzt schon traurig, dass es gar nicht so einfach ist in Zukunft nochmals so lange am Stück frei zu haben. Trotz allem wird es aber auch nächstes Jahr zu 100% wieder eine Reise geben. Und dieser Gefahr musst du dir bewusst sein. Nachdem du einmal so etwas gemacht hast, bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit süchtig

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    AW: [DE, AT, CH, IT, SL, HR, HU, SK] 3300km mit dem Rad durch Europa

    #23
    Einfach klasse

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    #24
    Tag 22 - 25. Juli 2011

    Rijeka - Irgendwo im Nirgendwo, 100km, ca. 2200hm

    Als wir um acht Uhr morgens die Tore des Frühstückraums stürmen ist unsere Gastgeberin sichtlich überrascht. Mit uns habe sie nicht gerechnet, so dauert es auch noch einige Zeit bis der Tisch gedeckt ist. Ein letztes Mal schlagen wir uns mit dem üppigen Frühstück die Bäuche voll und machen uns anschließend ans restlichen Packen. Schnell wir noch bezahlt und wir können endlich weiter.
    Zunächst müssen wir erneut die Hauptstraße der Insel entlang. Allerdings entdecken wir dieses Mal einen Radweg. Waren wir blind bei der Hinfahrt? Jedenfalls kommen wir dadurch bedeutend angenehmer voran und dieses Mal bleiben wir auch von einem Platten auf der Brücke verschont. Wie bereits angekündigt passiert jedoch Felix ein Missgeschick. Dem schlechten Wetter geschuldet weht heute eine ordentliche Briese, die uns auf der Brücke mit voller Stärke von der Seite erwischt. Felix lenkt überrascht etwas zu stark dagegen und knallt mit dem Fuß gegen die Leitplanke, er kann sich jedoch gerade noch halten. Aufatmen! Bei dem Autoverkehr wäre ein Sturz nicht sehr vorteilhaft gewesen.
    Wir erreichen das Festland und halten Ausschau nach einer fahrradtauglichen Straße. Die Hauptstraße wollen wir meiden. Nach wenigen Kilometern werden wir fündig, wobei wir für die knappen fünf Kilometer sicherlich eine halbe Stunde benötigen. Der Wind weht auch vom Festland her so stark, dass wir selbst im kleinsten Kettenblatt nur mühsam voran kommen. Wir ahnen, dass uns schlechtes Wetter entgegenkommt.
    Aufgeben ist nicht, daher quälen wir uns weiter bis der Wind endlich nachlässt.
    Wir schauen noch ein letztes Mal in Richtung Mittelmeer, bevor wir hinter den ersten Hügeln verschwinden.







    Die unbefahrene, ehemalige Autostraße sichert ein bequemes Vorankommen. Verflucht bergig dieses Kroatien.



    Wie schon oben erwähnt sollen wir heute über 2000hm absolvieren. Ständig geht es
    auf und ab. Wenigstens finden wir wieder einsame Straßen. Nur wenige Autos
    begegnen uns. Aber leider verläuft der Tag dennoch nicht so angenehm, da es nach guten zwei Fahrstunden anfängt zu Nieseln. Anfang des Tages freuten wir uns über die sub 20 Grad, in Kombination mit dem Regen frieren wir durchaus. Wir wollen keine Fleecepullover anziehen, da diese verschwitzt am Abend nicht mehr wärmen werden. So zittern wir uns durch die Hügel.



    Trotz allem ist es eine schöne Etappe. Lediglich als der Magen drückt, wird es etwas kompliziert. Die Infrastruktur ist nur halb so dicht wie wir es im Moment bräuchten und so müssen wir einige Kilometer fahren, bis wir endlich etwas zu Essen finden. In Kroatien steht am Orteingang fast jeden Dorfes ein Schild, dass über Einkaufsmöglichkeiten, Wäscherein und Unterhaltungsprogramm informiert. Das ist wirklich sehr praktisch. Endlich erreichen wir ein derartiges erlösendes Schild und wir können eine Kleinigkeit essen. Zum ersten Mal seit wir unterwegs sind haben wir alle so kalte Finger, dass das Tomatenschneiden schwer fällt. An warme Handschuhe hatte natürlich im Vorfeld niemand gedacht. Wozu auch, ist doch Sommer...eigentlich!
    Normalerweise erfreulich entzieht uns die kommende Abfahrt noch mehr Wärme. Trotz Windblocker ist es kalt.
    Wir beschließen in einem kleinen Ort, deren Namen uns leider entfallen ist, zu übernachten. Bewaffnet mit einer kroatischen Vokabellisten und der richtigen Gestikulation erklärt Felix einer älteren Dame wonach wir suchen. Wir haben bereits ein kleines Hüttchen entdeckt unter dem wir letztlich auch nächtigen dürfen.



    Gegenüber befindet sich ein Kino, allerdings ist es geschlossen und wir fragen uns auch, wer es überhaupt besuchen soll. Schnell bereiten wir unser standardmäßiges Essen zu, als ein weitere Prämiere ansteht.



    Ein Polizeiwagen fährt die Straße entlang. Wir fürchten schon Ärger zu bekommen, aber der Polizeiwagen fährt einfach vorbei. Drei sekunden später hören wir jedoch schon den Rückwärtsgang und sie fahren vor unsere Vesperstätte. Na prima! Kroatisch Polizisten, so wurden wir schon gewarnt, seien korrupt und sprechen seltenst Englisch. Leider sprechen sie tatsächlich kein Englisch. So können sie uns nach nicht viel mehr als Geld und unserem hiesigen Treiben fragen. Wir bestätigen Geld dabei zu haben und reichen ihnen unsere Personalausweise. "Passport!" wiederholt sich der Beamte. Wir deuten auf unsere Ausweise. "Das sind sie doch du Idiot" geht uns durch die Köpfe. Ein minutenlanger Anruf der Zentrale verschafft letztlich Klärung. Der andere Beamte steht derweilen vor uns und wir fürchten schon, dass wir unsere Rucksäcke leeren müssen. Wir hatten zwar nichts zu verbergen aber Lust hatten wir ganz und gar nicht. Nachdem jedoch klar ist, dass wir hier legal unterwegs sind ziehen sie einfach davon. Wir sind froh, dass alles reibungslos abgelaufen ist und verziehen uns so früh in die Schlafsäcke wie noch nie. Halb 9 zeigt die Uhr an und wir liegen bereits in unseren Betten. Vor allem weil uns kalt ist, aber wir sind auch fertig vom heutigen Tag. So liegt es sich einfach am besten im Schlafsack.

  5. Gerne im Forum

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    #25
    Tag 23 - 26. Juli 2011

    Irgendwo im Nirgendwo - Zagreb, 123km

    Nach den Strapazen des gestrigen Tages wachen wir heute von alleine früh auf. Neun Stunden auf den Isomatten ist auch unseren Rücken zu viel. Spätestens als wir das deutlich bessere Wetter erblicken hüpfen wir aus den Schlafsäcken. Im Dorf gibt es einen Spar, der uns ein günstiges Frühstück liefert. Es ist um halb neun schon richtig warm und wir saugen die ersten Sonnenstrahlen auf.
    Nach der Stärkung geht es noch ca. einen Kilometer sanft bergauf, bevor wir einem riesigen Tal und kaum noch Bergen entgegenblicken. Satte 40km bergab stellen unser zweites Frühstück dar. Gerade einmal 80 Minuten benötigen wir für diese Strecke. So könnte es weiter gehen. Der restliche Tag wartet dann nur noch mit kleinen Hügelchen auf, lässt uns jedoch ansonsten gemütlich in der Ebene rollen.



    Zagreb heute noch zu erreichen stellt also kein Problem dar. Wir lassen es gemütlich angehen und sind eher unterwegs wie eine Horde geschwätziger Rentner als wie sportlich ambitionierte Reiseradler.
    Trotz allem verlassen wir die Berge erneut etwas wehmütig, insbesondere da wir wissen, die nächsten Tage viel in der Ebene zu verbringen. In Richtung Zagreb begegnen uns immer wieder große Gruppen Reiseradler die uns jedes Mal mit tosendem Jubel begrüßen. Auch Wanderer und Trekker begegnen uns freundlicher als es jemals in den Alpen der Fall war.
    Endlich im Außenbezirk Zagrebs angekommen beginnt wieder das übliche Großstadtfiasko. Viele Autobahnen führen in die Stadt hinein, die kleinen Straßen scheinen gut versteckt. Mit leicht strapazierten Nerven trudeln wir in Zagreb ein und fahren in Richtung Zentrum. Nur 750.000 Menschen bewohnen die Stadt, wobei die größe auf mehr Bewohner schließen lassen würde. Ewig fahren wir auf der Suche nach einem Internetcaffee durch die Gegend und werden letztlich auch fündig.



    Irgendwie sieht es ja viel mehr nach einem Stripclub aus und ebenso die lila Beleuchtung lässt darauf schließen, aber tatsächlich gibt es dort unten free w-lan. Blöd nur, dass wir es als iphone-Verweigerer nicht nutzen können. Dann bleiben die couchsurfing Anfragen eben unbeachtet. Irgendwie wirds auch so gehen.
    Im Zentrum angekommen futtern wir eine Pizza und lauschen dem Großstadttrubel.



    Richtig begeistern kann Zagreb nicht. Zwar ist das Zentrum von schönen Altbauten gesäumt, die auch alle samt komplett renoviert sind, aber verschandeln Leuchtreklamen und Firmenlogos den gesamten Charme.
    Viel hält uns hier also nicht und wir müssen ohnehin aus dem Zentrum hinaus um eine Unterkunft zu finden. Bezahlen wollen wir nämlich nicht. Zagreb ist von einem recht breiten Ring mtittelständischer Häuser umgeben, wo wir unser Glück versuchen. Eigentlich räumen wir uns keine guten Chancen ein und die Gedanken gehen bereits eher zum wildcampen. Tatsächlich grüßt uns eine Dreiergruppe sehr freundlich als wir vorbeifahren und wir beschließen nach deren Garage zu fragen. Da das Glück ein Rindvieh ist, können sie sogar Englisch und es ist ein Leichtes unser Vorhaben darzulegen. Die Garage sei eigentlich voll, aber sie werden die Autos umparken. Extra für uns? Eigentlich ist es uns äußerst unangenehm so viel Umstände zu bereiten aber unsere Gastgeber bestehen darauf. Nach kurzem Rangieren dürfen wir unser Quartier beziehen. Nur wenige Kilometer von Zagreb entfernt haben wir damit nicht gerechnet.



    Mal wieder fühlen wir uns vom Glück überwältigt, aber als sei es nicht schon genug gewesen, werden wir auf die Terasse gerufen. Dort wird auch klar, warum in diesem Haus so ein ausgezeichnetes Englisch gesprochen wird. Die Tante aus Toronto ist derzeit zu Besuch. Was für ein Glück. Aber trotz allem erreicht die Gastfreundschaft noch lange nicht ihren Höhepunkt. Der ebenso hier wohnende Sohn, ein studierter Anwalt, begrüßt uns sofort mit Bier. "Everything germans need, isn't it?" Wirklich widersprechen können wir nicht, gerade macht es uns wirklich glücklich.



    "Besser kann es nicht mehr werden Jungs!" Und es kam besser. Unsere Gastgeberin tischt uns ein Feuerwerk für die Sinne auf. "I hope it's okay, nothing special." Okay? Wir essen seit 25 Tage größtenteils nur Brot mit Wurstaufschnitt, da bringt uns so etwas fast zum Weinen.



    Interessiert wird unseren bisherigen Erlebnissen gelauscht und sie sind beeindruckt darüber, was wir noch vorhaben. Nach dem Essen dürfen wir noch duschen. Wir wissen nicht, ob aus Höflichkeit oder weil sie Angst hatten, den Geruch nicht mehr aus dem Haus zu bekommen. Jedenfalls müssen wir nicht Mal unsere Handtücher auspacken, dürfen ihr Schampo und Duschgel verwenden und sollen uns auch sonst wie zu Hause fühlen.
    Die sehr nette Tante aus Toronto scheint besonders begeistert zu sein von uns. Besonders als Felix sein Shirt auszieht leuchten ihre Augen. "If you are in Toronto one time, you can sleep at my house." Schön, wie man sich auf Reisen ein kleines Netzwerk aufbauen kann.



    Satt, geduscht und wieder gesellschaftstauglich bietet uns der Sohn eine Stadtrundfahrt durch Zagreb an. Er kenne sich unglaublich gut mit den geschichtlichen Hintergründen aus. Da sagen wir nicht nein. So wird es ein unglaublich amüsanter Abend, vor allem, da wir am Ende das "zagreber Oktoberfest" aufsuchen. Wir werden auf Bier und Schnapps eingeladen, dürfen ihn jedoch im Gegenzug nicht einladen. "You are my guests today." Zwei Bier und zwei Schnäpse kühlen unsere Kehlen. Er trinkt das selbe und fährt uns anschließend wieder nach Hause. Man merkt es ihm nicht an. Auch seine Kompetenz lässt sich nach. Wir reden viel über die Spannungen zwischen Bosnien und Kroatien, reden über die soziale und ökonomische Situation Kroatiens und erfahren auch sonst viel über die Geschichte des Landes. Obwohl wir eigentlich auch Freunde des einsamen Campens an idyllischen Plätzen sind, wissen wir diese Form des Unterkommens immer mehr zu schätzen.
    Zu Hause angekommen begeben wir uns alle ins Bett. Einer von uns vieren muss schließlich morgen arbeiten.
    Der Abend wird mit der Hoffnung beschlossen, dass karmische Gerechtigkeit schlichtweg ein Mythos ist. Ansonsten müsste uns bald wirkliches Unglück widerfahren.
    Geändert von Starkbier (11.09.2011 um 15:51 Uhr)

  6. Gerne im Forum

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    13.09.2010
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    AW: [DE, AT, CH, IT, SL, HR, HU, SK] 3300km mit dem Rad durch Europa

    #26
    Tag 24 - 27. Juli 2011

    Zagreb - Mala Subotica, 91km

    Wohl erholt wachen wir in unserem Garagendomizil auf. Doch lange soll dieser Zustand nicht anhalten, da wir eine ärgerliche Entdeckung machen. Die gestern Abend eingestöpselte Kamera scheint auf Grund eines Kabelbruchs nicht geladen zu sein. "In Zagreb wird es schon nicht so schwer sein ein Kabel für eine Kodak aufzutreiben." Wir täuschen uns leider in diesem Moment.
    Noch recht entspannt schlürfen wir zu unseren Gastgebern und erzählen ihnen von unserem Problem. "Breakfast now, problems later." Wir sind einverstanden und frühstücken eine Kleinigkeit.
    Anschießend wollen sie uns den Weg zu einem Elektroladen beschreiben, wobei sie diese Idee schnell verwerfen. Der Hausherr beschließt mit Niko loszuziehen um ein neues Kabel zu besorgen. Satte 1,5 Stunden sollen sie weg sein. Drei Elektro- und Fotogeschäfte erbringen nicht das gewünschte Ergebnis. Allmählich vergeht die Hoffnung, als unserem Helfer doch noch die zündende Idee kommt. Es gäbe so ein Geschäft von dem er gehört habe, er wisse allerdings nicht genau wo es ist. Telefonische Rücksprache mit zu Hause grenzt den Bereich auf wenige Quadratkilometer ein. Tatsächlich findet er das Geschäft. Drei Meter Deckenhöhe, max. zehn Quadratmeter Fläche und alle Wände sind von Platinen, Tv-Geräten, Radios, PCs und sonstigem Elekktrokrempel gesäumt. Ein Eldorado für Bastler und Elektronikfreunde. Der nette Mann wirft ein, zwei kurze Blicke auf das Kabel und beginnt mit kleinen Zangen, Lupe und Lötkolben zu hantieren. Nachdem alles neu verlötet ist ummantelt er das Ergebnis noch mit geschmolzenem Plastik und reicht das Kabel rüber. Er wolle nicht mal bezahlt werden, trotzdem bekommt er einen Obolus. Zu unserer Verzweiflung allerdings nicht von Niko, sondern von unserem Gastgeber. Mittlerweile dürften sie gute 300 Kuna für uns ausgegeben haben. Wir fühlen uns schlecht.
    Trotz dessen kehrt Niko völlig begeistert zurück und präsentiert das Ergebnis. "Funktioniert sicher besser als davor"



    Während die Kamera nun endlich Saft saugen kann, sitzen wir noch mit der ganzen Familie auf der Terasse und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Es ist eindeutig ein Ort, an dem wir gerne noch einen Tag länger bleiben würden. Nicht weil wir dort Essen bekommen haben, nicht wegen der Dusche, sondern schlichtweg wegen der netten Leute. Sie interessieren sich für uns und scheinen Verständnis für unser Vorhaben und unsere Motivation zu haben. Ein gutes Gefühl.
    Zum einen wollen wir aber die Gastfreundschaft nicht weiter austreten zum anderen wollen wir auch weiter voran kommen. Gegen 12 Uhr packen wir unser Zeug zusammen und werden herzlichst verabschiedet. Schnell essen wir noch etwas bei McDoof bevor wir Zagreb hinter uns lassen.
    Einige Kilometer erreichen wir wieder den status quo und finden uns auf einer einsamen, jedoch gut ausgebauten Straße wieder. So kommt man gut voran.



    Ursprünglich wollten wir schon heute bis nach Ungarn fahren, aber unser verzögertes Loskommen verhindert das. Nach guten 90 Kilometern sind wir in Mala Subotica. Während wir am Supermarkt sitzen beraten wir uns zwecks Übernachtung. Gern würden wir mal wieder die Zelte aufschlagen, doch die Wettervorhersage verheist nichts gutes. Und eigentlich haben wir keine Lust den morgigen Tag bei Regen im Zelt zu beginnen. Wir beschließen also das "Standartverfahren" anzuwenden.
    Wir fahren etwas in das Dorf hinein und finden ein paar Leute in ihrem Garten stehen. Der 16-jährige Sohn spricht sogar Englisch, was alles sehr erleichtert. Ohne große Skepsis werden wir in den Garten geführt. Die heutige Nacht soll jedoch von einer Todsünde geprägt sein - wir schlafen in einem fremden Zelt. Unsere Gastgeber stellen ihr eigenes Zelt in den Garten. Obwohl diese Leute (und im Gesamten das Dorf) bedeutend ärmer ausschaut als die Gegend in und um Zagreb, ist ihre Gastfreundschaft auf dem selben Niveau.



    Überraschend stürmt die Großmutter aus dem Haus und bringt uns ein Tablett voll Essen. Frittierter Fisch, Zwiebeln, Brot und Tomaten. Sie scheint sich irgendwie fast zu schämen uns "nur" so eine "Kleinigkeit" aufzutischen. Mehrfach versichern wir, dass das viel mehr ist als wir uns erhofft haben.



    Nachdem wir gegessen haben kommt der Hausherr an. Er ist bereits informiert und spricht ebenfalls Englisch, da er viel auf Bikertreffen unterwegs ist. Er nennt eine Harley Davidson (oder war es eine Yamaha? ) sein Eigen, die er jedoch schon so lange abbezahlen muss, wie man hier zu Lande Mittelklassewägen abzahlt. Wir zweifeln zum ersten Mal an unserer Art unterzukommen, als er uns nach den Preisen der Fahrräder fragt. Felix sagt ihm, dass seines etwa 700 Euro gekostet hat. Verblüfft gibt der Mann zu, dass er hierfür fast zwei Monate arbeiten muss. In Anbetracht des Gesamtwerts unserer Fahrräder und der Ausrüstung sind wir wirklich bestürzt. Wir haben so viel mehr an finanziellen Mitteln und nisten uns trotzdessen bei ihm zu Hause ein und werden versorgt. Wir befinden uns in einem echten Dilemma, das auch am Abend Gesprächsthema sein soll.
    Gegen später trudeln wir mit dem 16-jährigen Sohn in einer neu eröffnete Bar ein. Er vermitteln dem Barkeeper, dass er mit uns Englisch reden solle. Er denkt sich nichts dabei und hält sich daran. Wir drei reden untereinander Deutsch, als plötzlich der Barkeeper zu uns kommt "warum sagt ihr eigentlich nicht gleich, dass ihr aus Deutschland kommt?" Man hört drei Kinnladen auf den Boden knallen. Im kroatischen "outback" begegnet uns hier ein gebürtiger Deutscher. Mitte 20 ist er und hat sich dazu entschlossen, mit seiner Schwester eine Bar in Kroatien zu errichten - hier habe er seine Wurzeln.
    Ein weiteres Mal erzählen wir unsere Geschichte und vor allem seine kleine Schwester hält uns für total verrückt. Vielen Dank! Wir bekommen das ein oder andere Getränk spendiert, lassen ein gutes Trinkgeld da und schießen noch ein Abschiedsfoto.



    Felix scheint es nicht mehr hinbekommen zu haben, die Kamera ruhig zu halten.
    Wir laufen nach Hause zu unserem Fremdzelt, wobei es zunächst nur Niko und Felix ins Zelt schaffen. Verwundert fragen sie sich wo Manu bleibt, als die Geräuschkulisse auserhalb des Zeltes auf ein Mal Aufschluss darüber gibt.
    Ein toller Abend geht vorbei.
    Geändert von Starkbier (12.09.2011 um 13:58 Uhr)

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    #27
    Tag 25 - 28. Juli 2011

    Mala Subotica - Eszteregnye, ca. 50km

    Wie schon gestern befürchtet regnet es am Morgen. Alle noch geschafft vom letzten Abend wachen wir blöderweiße erst auf, als der Zeltboden zum Swimmingpool geworden ist. Das Wasser steht so hoch auf der Wiese, dass es einfach in unsere Behausung gedrungen ist.





    Sobald es regnet scheint uns immer das Glück zu verlassen. Aber halb so wild, dieses Mal haben wir ja eine bequeme Überdachung und können unsere Ausrüstung trocknen. Unsere Gastgeber haben wohl ein schlechtes Gewissen, da sie uns in einem undichten Zelt haben schlafen lassen. Wir sind ihnen jedoch keineswegs böse. Jedenfalls bekommen wir ein kleines Frühstück.



    Nun sitzen wir also bei diesen fremden Leuten, es schüttet wie aus Kübeln und wir können bzw. wollen bei diesem Sauwetter nicht weiter. Zum ersten Mal ist die Stimmung richtig im Keller. Nicht weil die Ausrüstung nass ist, sondern weil wir heute schon wieder ungeplant so spät loskommen werden. Erst gegen ein Uhr lässt der Regen nach und wir beschließen loszufahren.
    Uns wird angeboten, dass Zelt mitzunehmen und Manu wird noch eine dicke Lederjacke in die Hand gedrückt, da er ohne Jacke im Garten steht. Wir müssen uns richtig Mühe geben um die Freundlichkeiten abzulehnen.
    Als wir endlich wieder auf dem Weg nach Ungarn sind scheint da Wetter einigermaßen stabil zu sein. Zwar nicht schön, aber wenigstens trocken.





    Lediglich die kilometerlangen kurvenlosen Straßenabschnitte machen uns zu schaffen. Nach gut 1,5 Stunden kommen wir endlich zur Kroatisch-Ungarischen Grenze. Wir amüsieren uns über die ungarische Sprache. "Als ich als kleines Kind auf einer Schreibmaschiene rumgetippt habe, kam auch Ungarisch dabei raus."



    An der ungarischen Grenze wird wieder ein Mal leicht verwundert auf unsere Personalausweise geglotzt und der Beamte verschwindet für einige Minuten. Wir erwarten schon, dass die Ausweise gestempelt und gelocht werden. Letztlich läuft alles problemlos ab.
    Kurz vor Nagykanizsa öffnet der Himmel erneut seine Schleusen und ein Regen von apokalyptischen Ausmaßen prasselt auf uns herunter. Schutzlos ohne erreichbaren Unterstand sind wir in wenigen Sekunden komplett durchnässt. Wenigstens haben wir geduscht für heute. All zu weit wollen wir heute nicht mehr fahren. In einem 50 Seelen Dorf finden wir einen Tante Emma Laden (gibt es in jedem kleinen Dorf in Ungarn) und beziehen eines der abartigsten Nachtquartiere der Tour. Eine alte Fabrik lacht uns am Ortseingang entgegen. Schaut "gut" aus.







    Überall liegen diese roten und weißen Düsen herum. Wir finden noch lauter Bücher mit Arbeiternamen, Bestellungen, Adressen und sonstigen Information. Die Fabrik sieht aus, als wären über Nacht die Arbeiten eingestellt worden. Ein seltsamer Anblick. Wir bauen noch einen kleinen Sicht- und Windschutz vor die Fenster und die Tür, bevor wir uns breit machen. Anschließend gönnen wir uns ein Kontrastprogramm, da gegenüber ein recht edles Restaurant liegt. Es schmeckt auch fantastisch, v.a. da ein Schnitzel grandiose drei Euro kostet. Die Bedienungen reden alle samt Deutsch und die Karte ist ebenso verständlich für uns. Danach wieder in unsere Absteige zurückzukehren belustigt uns durch seine Absurdität.
    Wir zünden noch ein kleines, möglichst rauchfreies Feuer an, um der Kälte und Feuchtigkeit des Raumes etwas Einhalt zu gebieten. Tatsächlich reicht die kleine Flamme dafür aus.



    Schnell noch die ganze nasse Wäsche auf einer Wäscheleine verstaut, legen wir uns zufrieden schlafen.

  8. Gerne im Forum

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    AW: [DE, AT, CH, IT, SL, HR, HU, SK] 3300km mit dem Rad durch Europa

    #28
    Tag 26 - 29. Juli 2011

    Eszteregnye - Siófok, 105km

    Etwas seltsam ist es ja schon, in einer solchen Fabrik zu schlafen. Aber nachdem man gestern so nass geworden ist, hält einen das nicht davon ab, auch dort volle Erholung zu erlangen. Voller Tatendrang beginnt der morgen direkt mit einem kleinen Wettkampf. Die zu tausenden herumliegenden Ventile werden kurzer Hand dafür benutzt, um in ein offenes Rohr zu werfen.





    Es dauert jedoch nicht lange, bis das Spiel eskaliert und jeder nur noch dutzende von diesen Teilen quer durch den Raum befördert. Irgendwann sind wir halb bedeckt und beschließen, dass wir weiter müssen.
    Wir wollen heute auf jeden Fall zum Balaton und dort auch ein paar Tage verbringen. Da Ungarn bezüglich seines Terrains den Niederlanden sehr ähnlich ist, kommen wir schnell voran.
    Das Wetter ist auch heute nicht überragend aber wenigstens bleiben wir den ganzen Tag über trocken.



    Felix scheint noch ein wenig müde zu sein, aber das ist bei ihm nichts neues - wir nennen ihn nicht umsonst Sleepy.
    Angekommen am Balaton erblicken wir einen relativ schmutzig anmutenden See. Vielleicht lag es auch am Wetter aber wir haben es uns schöner vorgestellt.





    Da der Tag noch jung ist, wollen wir noch bis ans nördliche Ende des Sees fahren. Unterwegs bekommen wir erneut eine Kostprobe ungarischer Sparpreise.



    Wir hoffen, auch in Siofok etwas derartiges zu finden. Entlang des Balatons führt ein Radweg, was eine schöne Abwechslung zu den viel befahrenen Straßen Ungarns darstellt.
    Auf halbem Weg belustigt uns Felix mit einem grandiosen Stunt. Bei der Durchfahrt einer größeren Pfütze nimmt er seine Füß hoch von den Pedalen, schafft es allerdings durch seine motorische Unfähigkeit, seinen eigenen Fuß in die Speichen des Vorderrades zu buxieren. Ein Abflug über den Lenker in Richtung Pfütze ist das Ergebnis. Der Darsteller verneigt sich vor seinem begeisterten Publikum.



    Entgegen all unserer Hoffnung verschlechtert sich das Wetter weiterhin und der Balaton verliert noch mehr seiner "Schönheit".



    In Siofok angekommen suchen wir nach einer Unterunft. Obwohl der Balaton nicht so überragend zu sein scheint, wollen wir doch ein paar Tage hier verbringen. Im Touristenbüro wird uns gesagt, dass wir unglaubliches Gluck haben, da eine Wohnung genau bis Montag frei sei. 15 Euro pro Person scheint uns in Ordnung und wir schlagen zu. Der Hausherr, der mit seinen gelb glänzenden Faulzähnen begeistert,, führt uns in unser Reich. Wir sind positiv überrascht.











    Wir hätten nie gedacht, dass es einmal soweit kommt, doch wir haben deutsches TV und wissen es zu schätzen - egal was für ein Müll kommt.
    Am besten ist es jedoch, endlich mal wieder ordentlich kochen zu können.



    Sieht eigentlich ganz akzeptabel aus...nach dem Essen schauen wir noch ein paar Filme und gehen zum ersten Mal richtig spät ins Bett. Ein durchaus gutes Gefühl.

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    #29
    Nice!

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    #30
    Tag 27-28, 30-31. Juli 2011

    Die Tage in Siofok ähneln der Tage auf Krk. Eigentlich treiben wir nicht viel Forumrelevantes. Essen, Trinken, Schlafen sind die Eckpfeiler unseres Aufenthaltes. Ich denke, wir können es uns gut und gerne sparen und wir machen direkt am Montag weiter. Das einzig erwähnenswerte ist vermutlich, dass direkt vor unserer Wohnung das Fußballstadion steht, in dem am Samstag Siofok gegen Budapest spielt, was ein großes Polizeiaufgebot nach sich zieht.

    Tag 29, 1. August 2011

    Siofok - Cegled, 201km

    Der Partyhochburg überdrüssig starten wir früh am Morgen und übergeben die Schlüssel dem Hausherrn. Das Wetter scheint unverändert - graue, warme Suppe.
    Wir planen eigentlich, heute etwas mehr als die Hälfte der Strecke nach Szolnok zu absolvieren. Letztlich kommt es anders.
    Aber für die jenigen, die sich zurecht fragen, was wir in Szolnok vorhaben. Unsere heimische Schule startet jedes Jahr einen Austausch mit Schülern aus Szolnok. Daher haben wir dort einen Kontakt, den wir besuchen wollen.
    Wir starten also wieder in die riesigen, flachen Felder Ungarns und erfreuen uns am schnellen Vorankommen.



    Die Freude hält jedoch nicht lange an, da wir eine unbequeme Begegnung mit einem Hund haben. Als wir an einem Fabrikgelände vorbeifahren bellt uns ein Hund wie verrückt an. Zum Glück steht ein Zaun zwischen uns. Unbeirrt wird die Fahrt fortgesetzt, bis sich der Hund durch ein Loch im Zaun drückt. Wie gebannt verfolgen wir diesen Vorgang und hoffen darauf, dass er stecken bleibt. Leider schafft er es durch und wir legen alles in die Pedale was die Beine hergeben. In voller Fahrt sind wir glücklicher Weise eine ganze Ecke schneller als der olle Köter. Nach gut 100m lässt er auch wieder von uns ab.
    Wenige Kilometer später dann der nächste Zwischenfall. Wir fahren wieder an einem Fabrikgelände entlang, als auf ein Mal zwei Hunde vor uns stehen und durchaus nicht erfreut sind. Kurz bevor sie an uns hochspringen stößt der Besitzer hinzu und pfeift seine Wachhunde zurück. Als Entschuldigung dürfen wir durch das ansonsten unzugängliche Fabrikgelände fahren. Glück im Unglück.



    Wir hoffen, dass aller guten Dinge nicht drei sind und ziehen weiter. Aber tatsächlich dauert es nicht lange, bis die nächste Panne ansteht. Manu fährt seinen nächsten Platten. Immerhin angenehmer als eine weitere Hundeattacke.



    In Richtung Donau wird das Wetter immer besser, wobei teils kleine Regenschauer runterkommen.



    An der Donau angekommen müssen wir eine Fähre nehmen. Die ersten Kilometer, die wir nicht selbst bewältigen. Schande! Und dann kostet es auch noch zwei Euro pro Rad und Person für vielleicht 300m. Eine Brücke, so wird es uns versichert, gäbe es erst in Budapest.



    Wenigstens siegt die Sonne auf der anderen Seite vollständig über das schlechte Wetter. Auf dem Weg nach Dabas wird es immer sonniger.





    Irgendwann geht jedoch auch in Ungarn die Sonne unter und es macht sich ein seltsamer Plan in unseren Köpfen breit. Da es hier schwer fällt, einen Schlafplatz zu finden, weil alles voller Felder ist und wir uns nicht in solche legen wollen, beschließen wir, ein paar Stunden in die Nacht zu fahren. Schnell werden die Lampen angelegt und wir essen noch einen Happen.



    Es ist noch angenehm warm als wir uns auf die Räder schwingen. Anfangs macht es richtig Laune im Dunkeln zu kurven, letztlich sorgt die Dunkelheit aber doch für Müdigkeit. Wir wollen noch die 200km voll machen und dann irgendwo ein wenig schlafen. In Cegled ist es schließlich soweit. Halb Drei Uhr nachts zeigt die Uhr an, als wir uns unter ein Lidl-Vordach legen. Wir lassen alles verpackt und wollen nur bis zum Sonnenaufgang warten um dann schnell nach Szolnok zu fahren. Wirklich schlafen tun wir als nicht, aber auch die Döserei sorgt für ein wenig Entspannung.

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    #31
    Tag 30. - 2. August 2011

    Cegled - Szolnok, 30km

    Kurz vor sechs Uhr "wachen" wir auf. "Man war das eine blöde Idee gestern." Was tut man nicht alles für seinen verrückt-Status.



    Für Felix und Niko sind die Strapazen jedoch schnell vergessen, da Manus Reifen schon wieder platt ist. Lautes Gelächter verbessert Manus angespannte Laune nicht gerade.
    Halb so wild, wird schnell geflickt und die letzten Kilometer nach Szolnok runtergestrampelt.



    Während dessen erreichen wir noch die 2000km Marke, zumindest ungefähr. Unser Kilometerzähler wurde zwischendurch ausversehentlich gelöscht.



    Gegen neun Uhr trudeln wir in Szolnok ein und fragen uns zur gegebenen Adresse durch. Endlich angekommen begrüßt uns Ivett, unser Kontakt. 19 Jahre alt wird sie bald und studiert seit diesem Wintersemester in Budapest. Sofort werden wir bekocht und versorgt wie im Hotel. Den restlichen Tag nutzen wir zur Erholung.

    Tag 31-35 - 3.-7. August 2011

    Schon wieder legen wir eine Pause ein. Wir verbringen satte fünf Tage in Szolnok. Was soll man erzählen. Wir lernen aller hand witzige Ungarn kennen, lernen die Verwandten kennen, sind Abends in der Stadt unterwegs und lassen es uns gut gehen. Es ist eine tolle Zeit dort. Aber da die letzten Aufschriebe viel von Ruhetagen geprägt waren, fass ich es wieder kurz. Szolnok ist keine sonderlich interessante Stadt, aber unsere netten Gastgeber und Ivetts interessante Freunde machen es dennoch zu einem Erlebnis.

    Tag 36 - 8. August 2011

    Szolnok - Budapest, 112km

    Am Montag kommen wir nach einem ausführlichen Frühstück erst gegen 12 Uhr los. Unser Gastgeber, den wir liebevoll Joe nennen dürfen, fühlt sich für uns verantwortlich und legt uns nahe, ihn immer anzurufen wenn es Probleme gäbe. Solange wir noch näher an Szolnok sind als an zu Hause sei er unsere Adresse. Wir hoffen, davon nicht Gebrauch machen zu müssen. Wir verabschieden uns und schwören, irgendwann wieder zu kommen.



    Auf dem Weg nach Budapest fahren wir einige Kilometer der Hinfahrt, die auf Grund des heftigen Gegenwindes unerträglich sind. Die Sonne brennt darüber hinaus so sehr, wie sie es noch nie für uns in Ungarn getan hatte. Jedoch tut sie das nicht all zu lange. 30km vor Budapest erwischt uns mal wieder ein heftiger Regen. Wir retten uns gerade noch rechtzeitig unter eine Brücke.





    All zu lange lässt die Sonne aber nicht auf sich warten. Vielleicht 30 Minuten verbringen wir unter der Brücke, bevor wir wieder aufgewärmt werden.





    Es ist schon relativ spät, aber wir hoffen in Budapest mittels couchsurfing unterzukommen. Von Szolnok aus hatten wir uns darum gekümmert, aber in Budapest angekommen können wir leider keine Meldung verzeichnen. Nun stehen wir also in dieser riesigen Stadt und wissen nicht wohin. Zum ersten Mal möchte uns niemand aufnehmen. Leicht deprimiert suchen wir nach etwas zu Essen und beraten uns über die Möglichkeiten, bis auch schon die Dunkelheit über uns hereinbricht. Niko schlägt letztlich vor, was sowieso schon allen im Kopf herumgeistert - Brücke! Wir sind in der Nähe einer größeren Autostraße und sehen dort gute Chancen, eine größere Brücke zu finden. In völliger Dunkelheit finden wir eine und richen uns oberhalb der Schräge ein. Zu Hause wird es keiner verstehen können, wir fühlen uns allerdings richtig wohl dort.

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    #32
    Tag 37 - 9. August 2011

    Budapest - kurz vor Komárno, 110km

    In der Nacht wachen wir auf ein Mal auf. Schritte! Sollten wir nun tatsächlich noch Probleme bekommen, weil wir hier schlafen? Bewegungslos und still beobachten wir die Person. Er leuchtet mit einer Taschenlampe unter der Brücke. Polizei? Er besteigt die gegenüberliegende Seite der Brücke und krempelt zu unserer Überraschung in irgendwelchen Pappresten herum. Das kann kein Polizist sein. Vorerst beruhigt schlafen wir schnell wieder ein.

    Als wir am morgen aufwachen sehen wir die geheimnisvolle Person immernoch daliegen. Ein Obdachloser. Als er die Brücke wieder verlässt grüßt er uns freundlich. Alle Aufregung umsonst. Wir haben trotzdem gut geschlafen - selbst die durchaus lauten Lastwagen haben uns nicht gestört.





    Strahlender Sonnenschein versüßt uns den Morgen, weshalb auch der Ärger über die geplatze Unterkunft in Budapest schnell verflogen ist. Eigentlich sind wir sogar der Meinung, dass dieser Platz viel interessanter war.
    Eigentlich untypisch für eine Großstadt leiten uns Feldwege in Richtung Zentrum.





    Im Stadtkern selber werden wir dennoch nicht vom regen Verkehr verschont. Mehrfach werden wir beinahe überfahren. Da sag noch einer, die Alpen seien kein Spielplatz.
    Trotzdem kann Budapest begeistern. Es ist eine wirklich schöne und sehenswerte Stadt.







    Im Zentrum fertigen wir all die versprochenen Postkarten ab und lassen nochmal die bisherigen Bekanntschaften Revue passieren. Wir befinden uns nun auf dem Heimweg. Jeder Kilometer führt unweigerlich näher nach Hause. Es fühlt sich beinahe so an, als wären schon fast zu hause, obwohl wir noch gut 1200km zu bewältigen haben.
    Ab Budapest befinden wir uns wenigstens endlich auf einem schönen Radweg und müssen uns nicht mehr mit irren Autofahrern rumquälen.



    Wir bahnen uns den Weg durch eine schön gelegene Pferdefarm. Es erscheint uns eher wie auf einer amerikanischen Range als wie das ungarische Donaugebiet.





    In Esztergom beschließen wir das "Ufer zu wechseln" und in die Slowakei einzulaufen. Wir haben genug von Forint und Ungarn. Es dürstet nach einem neuen Land.



    Wir wollen heute noch bis in die Nähe von Komarno kommen. 15km vorher machen wir Rast.



    Etwas abseits einer Siedlung schlagen wir unser Lager auf einem nicht bewirtschafteten Feld auf. Ein reibungsloser und sonnengeschwängerter Tag geht zu Ende.


  13. Gerne im Forum

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    #33
    Tag 38 - 10. August 2011

    Komarno - kurz vor Bratislava, 70km

    Als wir am Morgen aufwachen sind wir natürlich von einer kleinen Tauschicht bedeckt.



    Wir lassen die Sachen ein Weilchen in der Sonne trocknen und frühstücken derweilen. Wir sind froh, dass der Himmel wieder genauso klar ist, wie er es gestern war. Allerdings weht heute ein Wind, der sich gewaschen hat. Er ist letztlich auch der Grund dafür, warum wir nur rund 70km weit kommen.
    Der Donauradweg verläuft in der Slowakei auf einem Damm, der günstiger Weise keinerlei Schutz vor dem Wind bietet. Kein Wunder kommen uns nur Radfahrer entgegen und niemand ist so verrückt den Weg andersrum zu fahren.



    Sichtlich erschöpft sehen wir uns nach Mittagessen. Ein kleiner Laden soll uns versorgen. Wurst scheint es nur in Dosen zu geben und wir kaufen eine in der Erwartung, eine schöne Dosen-Lioner o.ä. vorzufinden. Haben wir Katzenfutter gekauft?



    Es schmeckt eigentlich ganz okay, vor allem ist es aber einfach günstig. Das freut den Reisegeldbeutel. Mehr oder minder gestärkt stellen wir uns wieder dem Wind entgegen. Zwischendurch schreibt Felix ein paar geschäftliche Emails von seiner top modernen Schlatzentrale aus.



    Kilometer um Kilometer quälen wir uns auf einem schnurgeraden Damm.



    Jeder Versuch etwas Abwechslung ins Geschehen zu bringen endet in der Wallachei.



    Aber schön ist es hier trotzdem - nur verdammt anstrengend.



    Gegen sechs Uhr reicht es uns jedoch für heute. Wir kaufen schnell noch etwas fürs Abendessen und suchen in der Nähe eines großen Stauwerks einen schlafplatz. An einem Nebenkanal werden wir fündig.



    Von außen nicht ersichtlich steigt Felix in einen morastigen Bach. Viel sauberer steigt er nicht aus ihm heraus, nur Arbeit macht es ihm. Trotzdem waschen wir ein wenig unsere Trikots aus.



    Die Wetterprognose enstpricht heut ganz unserem Geschmack und wir verbringen einen schönen einsamen Abend an der Donau


  14. -ph-
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    AW: [DE, AT, CH, IT, SL, HR, HU, SK] 3300km mit dem Rad durch Europa

    #34
    Danke für den tollen Bericht!

    Da werden Erinnerungen wach... Wie wir vor 13 Jahren 3 Monate durch die USA fuhren... Übernachten vor'm Supermarkt, unwahrscheinliche Gastfreundschaft, lange Strecken, steile Berge.

  15. Erfahren
    Avatar von Flachzange
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    AW: [DE, AT, CH, IT, SL, HR, HU, SK] 3300km mit dem Rad durch Europa

    #35
    Super Tour und RICHTIG guter Reisebericht.

    DANKE!
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  16. Gerne im Forum

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    #36
    Tag 39 - 11. August 2011

    kurz vor Bratislava - Bisamberg, 130km

    Als wir morgens aufwachen schimmert alles im Glanz der Tautropfen. Unsere Zelten haben in der Nacht etwas an Spannung verloren und wirken etwas geknickt.



    Gemütlich packen wir alles zusammen und schätzen uns glücklich, dass entgegen all unserer Prognosen noch kein schlechtes Wetter aus Deutschland oder Österreich hierher gezogen ist. Wir wissen, dass wir heute Österreich erreichen werden und schauen doch etwas wehmütig dem "Bekannten" entgegen. Trotzdem sind wir ja noch lange nicht daheim.
    In einem nahegelegenen Dorf kaufen wir ein und sorgen noch ein wenig für eine kleine Katze.



    Heute gibt es keinen Gegendwind, weshalb wir nur zu gerne auf unseren Dammweg zurückkehren. Ab hier ist er wunderbar geteert und wir kommen schnell voran. Irgendwann bremst uns Felix ein, ihm gehe es nicht so gut und ihm sei kalt - bei gefühlten 30 Grad. Wir nehmen es ernst und verlangsamen das Tempo. Er soll die letzten Tage bis nach Hause leichte Magen-Darm-Probleme aufweisen, kämpft sich aber tapfer durch.
    Wir dümpeln mit seichten 20km/h auf dem ebenen Weg und trudeln pünktlich zur Mittagszeit in Bratislava ein. Eine wirklich schöne und aufgeräumte Stadt. Ganz und gar nicht so, wie man es aus "Eurotrip" gewohnt ist.
    Insgesamt kann man sagen, dass mit Ausnahme von Ungarn alle bereisten Ostländer auf einem absolut aufsteigenden Ast sind.



    Nachdem wir mal wieder einen McDonalds aufgesucht haben, entspannen wir noch etwas auf dem sonnigen Marktplatz. Viele Reiseradler sind hier unterwegs. Sicherlich 200l Stauraum schleppt der Standartradler mit sich rum. Wir haben zwischen 50l und 65l dabei und sind wohl länger unterwegs. Allerdings haben sie auch mehr Klamotten dabei, was uns auch ab und an gut getan hätte.
    Des weiteren fällt uns ein Althippie auf, der uns durchaus mit seinem Äußeren belustigt.



    Weiter geht es und kurz nach Bratislava ist es auch soweit - Österreich. Wir freuen uns letztlich doch, endlich wieder Schilder lesen und jeden verstehen zu können. Zumindest in der Theorie ist es so, aber der österreicher Dialekt ist teilweise grausam.



    Wir werfen einen letzten Blick auf die Spitzen Bratislavas.



    Auch in Österreich ist es uns vergönnt, einen strickt geraden Weg zu befahren, der zwar stark durch Monotonie glänzt aber durch schöne Wälder und entlang der Donau führt. (Logisch, ist ja der Donauradweg)



    Als wir Abends irgendwo bei Bisamberg campieren werden wir beinahe von den Schnaken aufgefressen. Die gesamte Tour waren wir davon vollständig verschont geblieben und nun trifft es uns mit tausendfacher Härte. Bis ca. 12 Uhr ist nicht an schlafen zu denken, aber dann verziehen sich die Fliegen und wir kommen doch noch zu unserem Schlaf. Beruhigt durch die Prognose einer Ortsansässigen schlagen wir nicht die Zelte auf, sondern legen uns nur unter die Moskitonetze. Keine gute Idee, wie es sich im Nachinein herausstellt. Um ca. 1 Uhr fängt es an zu regnen. Also schnell Zelte im Dunkeln aufgestellt und zurück in die Kammer.



    Natürlich haben wir nicht so geschlafen, wie es Manu auf dem Bild zeigt. Wir haben das Moskitonetz ebenso wie ein Zelt aufgebaut. Hat eigentlich ganz gut funktioniert. Letztlich schlafen wir auf jeden Fall ganz in Ordnung.
    Geändert von Starkbier (14.09.2011 um 10:41 Uhr) Grund: Fehler bei der Ortsangabe

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    #37
    Tag 40 - 12. August 2011

    Bisamberg - Melk, 130km

    Schnell wollen wir viel Abstand zwischen uns und den Schnaken bringen, weshalb wird schon um sechs Uhr auf den Beinen sind. Irgendwie zieht die Heimat nun doch.
    Nur einen Kilometer sind wir vom Donauradweg entfernt, weshalb wir schnell wieder auf der richtigen Route sind. Das Wetter ist heute perfekt.
    Da wir schon längers die Kamera nicht mehr laden konnten, schwächelt sie heute wieder und wir schießen nicht all zu viele Bilder, obwohl es eine tolle Gegend ist. Die Donau ist zeitweise gesäumt von wunderschönen Weinbergen.
    Eigentlich passiert den Tag über nicht viel spektakuläres. Auf Grund Felix Krankheit fahren wir weiterhin ein recht verhaltenes Tempo und machen öfters Pausen. Er zieht trotz des Wetter ein Fleece an, weshalb wir uns etwas sorgen machen, ob wir zusammen zurückfahren können. Für Felix ist jedoch ständig klar, dass es kein Aufgeben gibt - schon allein der Gedanke, die überteuerten Bahnpreise zu löhnen widern ihn an. So fahren wir zwar nicht sehr schnell, aber konstant und so kommen wir doch meist ordentlich vorwärts.



    Irgendwo hinter Melk kommen wir heute Abend unter. Wir suchen uns ein großes Haus samt riesigem Vordach aus und fragen ein weiteres Mal nach Obdach. Der zünftige österreichische Hausherr zweifelt nicht mal eine Sekunde und bietet uns sofort sein Vordach an. Das ging aber einfach. Kurze Zeit später hört man das Öffnen eines Fensters und die Frau des Mannes lugt heraus. "Kannst die Buben doch ed da drause schlofen lasse." (oder so ) Ihr Mann stimmt zu, sie haben einen ausgebaut Dachstuhl überhalb des Vordaches. Da sollen wir rein. Schon wieder sind wir der Meinung zu viel Arbeit zu verursachen und wir folgen nur widerwillig. Der Dachstuhl ist jedoch fabelhaft. Zum Glück haben wir uns breitschlagen lassen.





    Zur Freude von Felix und Niko finden sich im Dachstuhl Gitarren, Bass und Verstärker. Sie sind gleich Feuer und Flamme und klimpern darauf herum. Nach so vielen Wochen endlich mal wieder spielen - herrlich.



    Der absolute Knüller haut uns aber erst von den Socken, als wir nochmal von unserem Gastgeber aufgesucht werden. Heute Abend werden alle außer Haus sein, da in einem etwas entfernten Dorf ein Fest stattfindet. Sie geben UNS fremden Burschen jedoch den Hausschlüssel, damit wir Toilette und Dusche benutzen können. Seine einzige Rückversicherung besteht in einer Ermahnung, wir sollen nichts dummes tun. Wie viel vertrauen kann man fremden Menschen entgegen bringen. Wir sind beinahe schon perplex bei diesem Angebot. Wir hatten seit Szolnok keine Dusche gesehen, daher nehmen wir nur zu gerne an. Sogar Schampoo und Duschgel dürfen wir benutzen, Handtücher liegen bereit und wir sollen uns auch sonst heimisch fühlen. Seelenruhig verabschieden sich unsere Gastgeber, fahren mit dem Auto davon und lassen uns mit ihrem Haus alleine. Irgendwie freut es uns ja.
    Frisch geduscht legen wir uns auch bald in die Federn, da wir morgen wieder ähnlich früh loskommen wollen.

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    #38
    Tag 41 - 13. August 2011

    Melk - Linz, 95km

    Wir schlafen wie die Götter, aber dennoch klingelt der Wecker unerbärmlich um sechs Uhr. Ein Blick aufs Dachfenster offenbart uns, dass es regnet. Zum einen nervt es uns, zum anderen sind wir aber auch ganz froh nochmal ein wenig liegen zu bleiben. Gegen neun stehen wir dennoch auf und frühstücken unter der Dachlaube. Von unseren Gastgebern fehlt immernoch jede Spur, weshalb wir uns beim Gehen nur bei einem seiner Söhne verabschieden können.
    Der Regen hat aufgehört, jedoch lässt der Blick in die Ferne auf kein gutes Wetter schließen. Zum Glück täuschen wir uns dabei.
    In Krems kaufen wir in einem Supermarkt ein und bekommen von einem ansässigen Fressbudenbesitzer Colas spendiert, als wir ihm unsere Geschichte erzählen. Natürlich kaufen wir dann auch etwas, schließlich haben wir die letzten Wochen schon genug geschnorrt.
    Weiter geht es in Richtung Linz und das Wetter wird zunehmend besser. Der Donauradweg ist glücklicherweise deutlich abwechslungsreicher als er es schon war. Meist ist der Weg nicht mehr nur geradeaus sondern führt durch alle möglichen Dörfer.
    Kurz vor Linz machen wir wieder Halt an einem Supermarkt. Manu hat heute Geburtstag, also gehen Felix und Niko einkaufen. Als sie wiederkommen macht Manu große Augen.



    Freudig nimmt er sein Geschenk in Empfang.



    Tatsächlich handelt es sich dabei zwar nur um die normalen Einkäufe und ein paar Feierbiere, aber er darf es wenigstens auspacken. 20 Jahre ALT zu werden bietet sowieso keinen Grund zu feiern.
    Wir suchen einen nahegelegenen Bauernhof auf und Fragen dort nach einem kleinen Platz zum schlafen. Uns wird ein kleines Hüttchen angeboten, wo wir uns auf die Terasse legen können. Das passt uns.



    Schön ist es hier, vor allem da nun richtig die Sonne herauskommt und wir noch ein wenig die Klamotten trocknen können.



    Zu unserer, aber vor allem zu Felix Freude, finden sich einige Katzen auf dem Hof ein. Er spielt mit ihnen und macht einigen Unsinn. Später wollen sie uns fast nicht mehr in Ruhe lassen, aber wir wollen nichts mehr von ihnen wissen, da eine der Katzen Würmer hat. Mahlzeit!



    Aber bis jetzt leben wir noch, mal schauen ob es sich in zehn Jahren rächt.

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    #39
    Tag 42 - 14. August 2011

    Linz - Irring, 145km

    Heute werden wir endlich einmal mit einer schönen Kulisse für unser frühes Aufstehen entschädigt. Wieder zeigt der Wecker sechs Uhr als wir aufstehen. Um sieben sind wir, ein einsamer Radler und dichter Nebel die einzigen auf dem Donauradweg.



    Eine ganze Weile fahren wir im dichten Nebel bis die Sonnenstrahlen ihn verdrängen und ein herrlicher blauer Himmel freigegeben wird.
    In Linz angekommen bietet sich ein befremdlicher Anblick. Im Park steht eine Gruppe Frauen mit einem Mann, die einen ekstatischen Tanz aufführen. Ohne jegliches System scheinen sie sich einfach gehen zu lassen und wild durch die Gegend zu wirbeln. Über den Nutzen wollen wir nicht urteilen, aber wir haben uns köstliche amüsiert.



    Auf Grund es Biergartenwetters beschließen wir, heute einen Biergarten aufzusuchen. Wir wollen uns ja doch auch ein wenig den Donauradlern anpassen. Da wir ein Mal verpasst hatten, das Donauufer zu wechseln, müssen wir nochmal mit einer Fähre fahren. Zuvor gönnen wir uns das geplante Bier an einer recht anschaulichen Stelle.



    Schon wieder Fähre fahren. Bereits das dritte Mal, dass wir uns befördern lassen müssen. Insgesamt sind es nun fünf Kilometer, die wir nicht selbstständig gefahren sind. Das kränkt die Radlerehre, aber letztlich ist es wohl halb so wild.
    Spätestens als wir Deutschland erreichen, ist alles vergessen. Noch nie haben wir uns so gefreut, Bayern zu erreichen.



    Es ist schon recht spät als wir das schöne Städtchen Passau erreichen.



    Also fahren wir nur noch 10 oder 15 Kilometer über Passau hinaus bevor wir uns nach einer Unterkunft umschauen. in Irring fragen wir einen Mann mittleren Alters, der zwar sagt, er habe nur eine Gartenlaube, aber ihm sei es egal wenn wir dort schlafen wollen. Wir wollen natürlich und er führt uns hinein. Kurze Zeit später kommt seine Mutter heraus - sie hat Altzheimer oder etwas ähnliches und erzählt uns viele Male, dass ihr Mann vor 20 Jahren gestorben sei, fragt uns ununterbrochen die selben Dinge und scheint auch sonst etwas desorientiert. Trotzdem ist sie liebenswert, auch wenn ihr Sohn sich scheinbar etwas dafür zu schämen scheint. Uns geht sie jeden Falls nicht auf die Nerven.



    Stilecht bekommen wir von unserem Gastgeber ein paar Bier serviert. Hier lässt es sich aushalten und wir schlafen zufrieden ein.

  20. Erfahren
    Avatar von Dogeared
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    #40
    Hej Ihrs!


    Das ist ein unglaublich toller Reisebericht - eine tolle Route und eine gute Schreibweise und natürlich interessante Photos!

    Ich bin stark gespannt wie es weiter / zu ende geht!

    von mir (vorab) schon einmal

    Grüße
    Charlotte

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