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  1. Fuchs
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    [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #1
    Mitreisende: Monika
    Region/Kontinent: Europa
    Land: Tirol
    Reisezeit: Juli 2011

    Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    In 10 Tagen vom Zillertal nach Meran


    „Ja, es ist noch möglich, ein großes Stück Tirol für sich alleine zu haben. Der Tiroler Höhenweg beginnt und endet in den touristischen Zentren Mayrhofen und Meran -
    dazwischen liegen 130 Kilometer einer atemberaubend schönen, oft beeindruckenden
    und fast immer einsamen Bergwelt.“

    So lockte uns die Webseite (http://hoehenweg.eisacktal.info/de/home.html) auf den Tiroler Höhenweg.
    Eigentlich wollte ich dieses Jahr den Karnischen Höhenweg laufen, aber nachdem in einigen Reiseberichten von überfüllten Hütten berichtet wurde, fing ich dann doch an mich nach einer alternativen Route umzuschauen.
    Irgendwie bin ich dann auf den Tiroler Höhenweg gestoßen und schnell war klar; den will ich gehen! Zum einen war ich noch nie im Zillertal, den Brenner trotz allem automobilem Verkehr zu Fuß überqueren reizte mich und zu guter Letzt mein geliebtes Pflerschtal wiederzusehen gab dann den finalen Ausschlag. Dort hatte ich vor 30 Jahren meine ersten Wanderungen in den Bergen gemacht – ich war neugierig ob und wie sich das Tal verändert hat. Anschließend würden wir über das Timmelsjoch (den E5 und damit unsere erste eigene Alpentour kreuzen) nach Meran laufen.

    Schnell war der Zug bis Jenbach gebucht und für die Rückfahrt gab es unökologisch einen günstigen Flug ab Mailand und damit die Gelegenheit noch ein wenig Kultur (Shoppen) zu genießen.
    Etwa 4 Wochen vorher bestelle ich die passenden Karten im Internet – leider werden diese aber trotz mehrfachem Nachhakens nicht rechtzeitig geliefert, so dass wir mit dem Ausdruck der Kompasskarte und mit dem GPS-Daten der Webseite sowie dieser beiden Seiten: http://www.gps-tour.info/de/touren/detail.65143.html und http://www.gps-tour.info/de/touren/detail.65122.html losziehen müssen. Zur Sicherheit nehmen wir neben Ersatz Akkus noch 4 Lithiumbatterien mit und das GPS wird per Karabiner am Rucksack gesichert.

    Zusatzinfo: mittlerweile ist die Strecke auf der Webseite auf 13 Tage ausgedehnt – die „Originalstrecke“ mit der ich noch geplant habe, findet man noch im Downloadbereich. Dort gibt es ein kleines Heftchen von Kompass als pdf-Datei.

    Anreise.

    Endlich Urlaub – logischerweise klingelt unser Wecker 2 Stunden früher als normal und nach einen kurzen Rundgang durch die Wohnung schnappen wir uns die gepackten Rucksäcke und fahren mit dem Bus zum Bahnhof. Dort hat sogar schon ein Bäcker geöffnet und wir können die fehlenden Stunden Schlaf mit einer Tasse Kaffee kompensieren. In München haben wir einige Zeit zum Umsteigen, die ich nutze um zu schauen, ob wir im Bahnhof in dem kleinen Buchladen Karten bekommen – leider ohne Erfolg. In Jenbach haben wir knappe 10 min Zeit zum Umsteigen. Wir finden zwar sofort die Zillertalbahn, aber keinen Fahrkartenautomaten und keinen Schaffner – also stürme ich mit Gepäck zum Hauptgebäude und werde von einer netten Dame sogar vorgelassen, so dass ich noch rechtzeitig zur Abfahrt mit 2 Fahrkarten bei meinem Mann ankomme und wir die letzte Zugetappe in Angriff nehmen können. Kaum ist der Zug unterwegs, kommt auch schon ein Schaffner, bei dem wir die Fahrkarten auch hätten kaufen können – die Hektik beim Einsteigen also völlig unnötig.
    Da wir erst am Nachmittag in Mayrhofen ankommen und wir gemäß der offiziellen Routenplanung nur 11 Tage brauchen, aber 14 Tage Urlaub genießen wollen, planen wir für den Rest des Tages nur ein wenig durch Mayrhofen zu spaziert und den Urlaub gemütlich zu starten. Um vor der Einsamkeit und den zu erwartenden Strapazen noch mal zu relaxen habe ich im Alpendomizil Neuhaus ein Zimmer reserviert. Kaum haben wir den Bahnhof verlassen, laufen wir auch schon am Hoteleingang vorbei. An der Rezeption wird uns mitgeteilt, dass das reservierte Zimmer leider nicht mehr frei ist, und so mussten wir für den gleichen Preis eine Suite beziehen – der Urlaub fängt ja gut an!
    Halbherzig unternehme ich noch einen letzten Versuch eine „richtige“ Wanderkarte zu kaufen, aber die meisten Läden haben entweder geschlossen, oder die Karte geht nur bis zum Schlegeisspeicher, von dem wir morgen die Wanderung starten wollen. Dafür komplettieren wir noch unser Outdoor Equipment, da nach unserer Erfahrung die Läden vor Ort am ehesten die Dinge zum Probieren haben, die wir ansonsten bestellen müssten.
    Nach ausgiebiger Nutzung des exzellenten, hoteleigenen Wellnessbereichs genießen wir im Rahmen unserer Halbpension noch ein schönes Abendbrot und gehen voller Vorfreude ins Bett: Morgen geht es endlich los!

    Geändert von Sandmanfive (06.11.2011 um 20:11 Uhr) Grund: Reisecharakter eingestellt

  2. Fuchs
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher - Tag1

    #2
    1. Wandertag: Schlegeisspeicher – Landshuter Hütte/Europahütte

    Nach einem sehr guten Frühstücksbüffet verlassen wir etwas wehleidig das Hotel und schlendern zur Bushaltestelle. Dort stehen schon viele Wanderer, die aber erstaunlicherweise alle einen anderen Bus besteigen und ich erinnere mich daran, dass auch der ‚Traumpfad’ München-Venedig in der Nähe vorbeiführt. Endlich kommt auch unser Bus und nach einer knappen Stunde stehen wir in der Nähe der Staumauer und schalten unser GPS ein.
    Ein schnelles Foto vom Stausee und einige Minuten später treffen wir auf das erste Schild: „Tiroler Höhenweg“.



    Es geht einen gemütlichen, von Alpenrosen umsäumten Pfad leicht bergauf und da wir noch voller Tatendrang sind, erreichen wir das Pfitscher Joch bereits nach zwei Stunden. Direkt am Joch können wir den bis hierher sehr stark begangenen Weg verlassen und zur Landshuter Hütte abbiegen– der Weg ist fast eine Straße und plötzlich sind wir das erste Mal völlig alleine.



    In den kommenden Stunden kommen uns nur noch vereinzelt Wanderer entgegen und irgendwann beginnen wir sehnsüchtig nach der Hütte Ausschau zu halten– die müsste doch irgendwann kommen? Es ist sehr kalt und dazu windig und das Pfitscher Joch hatten wir doch so schnell erreicht. Immer noch ist keine Hütte in Sicht. Das GPS verkündet auch nur, was wir sehen: da vorne müssen wir noch rüber.



    Wir grüßen die letzten Wanderer die uns entgegenkommen, rutschen mühselig über ein Schneefeld und schielen vorsichtig über das Joch: wir stehen direkt vor der Hütte!
    Gefühlt sind es deutlich unter 0 Grad was auch das gefrorene Wasser am Boden des Foyers der Hütte erklärt und wir sind froh endlich ins Warme zu kommen.
    Da es eine kleine Hütte ist, haben wir vorgebucht und sollten gute Chancen auf das einzige 2-Bettzimmer haben. Da wir aber die einzigen Übernachtungsgäste sind ist sowieso alles egal. Wie sich herausstellt, bekommen wir das einzige Zimmer mit Heizung, worüber wir sehr glücklich sind. Wir fallen um 20:00 Uhr todmüde ins Bett und verpassen so leider das Herz-Jesu-Feuer, das traditionell am 3. Sonntag nach Pfingsten stattfindet. In der Nacht klarte das Wetter auf und der Hüttenwirt berichtet am nächsten Morgen das man alle Feuer der Region erkennen konnte. Hätten wir davon gewusst, hätten wir es vermutlich trotzdem verschlafen.

    Offizielle Länge: 12 km, 950 hm hoch und 0 hm runter und 5 Stunden Gehzeit
    Unser Fazit laut GPS: 15 km, 1080 hm hoch und 160 hm runter, 5 Stunden Gehzeit ohne nennenswerte Pause aber mit vielen Fotostopps

    GPStrack: http://www.gpsies.com/mapFolder.do?id=14921
    Geändert von Monika (03.02.2013 um 12:19 Uhr)

  3. Fuchs
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #3
    2. Wandertag: Landshuter Hütte - Sattelbergalm

    Obwohl mein Mann über Halsschmerzen als Teil einer Erkältung klagt, entscheiden wir uns aufgrund des exzellenten Wetters für die spektakulärere Strecke – am Wolfendorn vorbei zur Sattelbergalm.




    Da es sich bei der Sattelbergalm um eine kleine Hütte handelt, habe ich vorsichtshalber zwei Lagerplätze vorgebucht, so haben wir keinen Zeitdruck und wandern gemütlich drauf los.



    Die Sicht ist einfach umwerfend und das Wetter traumhaft, dadurch ist der Steig bis zum Wolfendorn auch sehr gut zu gehen, da aber noch über 1700hm runter zum Brenner vor uns liegen, ignorieren wir die Möglichkeit die Wildseespitze und den Wolfendorn zu besteigen und wählen direkt den Abstieg.



    Nachdem wir die alten Militärwege verlassen haben geht es durch ein wunderschönes Tal an blühenden Alpenrosen, Pferden und Kühen vorbei Richtung Griesbergalm.



    Hier müssen wir immer mal wieder auf das GPS schauen, da zwischen der Vegetation die Steine mit den roten Markierungen immer wieder verschwinden. Wie immer auf derart steilen Abstiegen werde ich wehleidig: ich mag nicht mehr, zumal auf der anderen Seite des Taleinschnitts ein Steinbruch zu sehen ist aus dem eine so schöne Straße führt. Leider dauert es noch eine gute Stunde, bis wir endlich von dem steilen Wiesenpfad an der Straße ankommen und diese zum Brenner runter laufen.



    Dort kommt der unangenehmste Teil des Tages: unter der Eisenbahn durch gibt es noch eine Unterführung.




    Dann queren wir die alte Brennerstraße und folgen dieser auf einem sehr schmalen Bürgersteig bis wir auch noch die Brennerautobahn überquert haben.
    Anschließend finden wir an einem LKW-Parkplatz das Schild zur ‚Sattelalm’ dem wir berghoch folgen.



    Während wir uns den steilen Weg hoch quälen grübele ich die ganze Zeit: das ich doch eigentlich nicht bei der Sattelalm sondern bei der SattelBERGalm reserviert habe? Hier ist aber die ganze Zeit nur noch die Sattelalm ausgeschildert. Habe ich nun in der falschen Hütte reserviert? Zudem passt der Weg nun gar nicht mehr zum Track: während wir den GPS-Track der GPS-Tour noch hin und wieder kreuzen, ist der Track der offiziellen Webseite irgendwie völlig anders. Ich hab zwar noch für alle Fälle eine Telefonnummer von einer Pension am Brenner dabei, wir entscheiden uns aber doch erst mal zu schauen, ob es nicht doch die Sattelbergalm ist.
    Irgendwann klettern wir über einen Stacheldrahtzaun und stehen auf einer Forststraße. In der Beschreibung steht zwar was von einem Jubiläumsweg und das GPS zeigt an, dass wir eigentlich noch ein paar Höhenmeter hochgehen müssten um den „offiziellen Weg“ zu gehen, aber das Schild vor uns zeigt eindeutig auf den breiten Forstweg und ist beschriftet mit SattelBERGalm. Wir haben keine Lust mehr auf Umwege oder Experimente und nehmen den direkten Weg zur Sattelbergalm, wo wir sehr freundlich empfangen werden. Nachdem wir uns mit einem Kuchen und Bier gestärkt haben wollen wir das Lager beziehen. Da wird uns spontan für einige Euro Aufpreis eine kleine Ferienwohnung im Nebengebäude angeboten: 2 Zimmer mit Kamin, Dusche und Fernseher! Wir schlagen sofort zu und genießen erst mal eine warme Dusche. Mit einem weiteren kühlen Bier im Liegestuhl vergeht die Zeit bis zum Abendbrot im Flug und nach einem super leckeren Essen fallen wir satt und glücklich ins Bett.

    offizielle Länge: 13,5 km 650 hm hoch und 1730 hm runter
    unser Fazit: 15 km, 760 hm hoch und 1770 hm runter; Gehzeit inklusive einer großen Pause: 9:15 Stunden
    Hinweis: Sattelbergalm und Sattelalm verweisen auf die identische Hütte.

  4. Fuchs
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #4
    3.Wandertag: Sattelbergalm - Obernbergsee

    Für den heutigen Tag haben wir zwei offizielle Möglichkeiten: entweder „nur“ bis Obernbergsee oder die längere Strecke bis zur italienische Tribulaunhütte. Nachdem wir aber gestern bereits so lange unterwegs waren planen wir für heute einen ‚Ruhetag’ und wählen die vermeintlich kürzere Etappe und versuchen in der Pension direkt am See ein Zimmer zu reservieren, leider wird diese Pension gerade renoviert und ist geschlossen. Der Besitzer empfiehlt als Alternative die Pension Egg. Dort ist sogar noch ein Zimmer mit Frühstück frei. Ohne weitere Nachfragen reserviere ich das Zimmer. Nach einem reichhaltigen Frühstück in der Sattelbergalm starten wir gestärkt und nehmen direkten Kurs auf die Skipiste – als uns der Besitzer der Alm hinterher pfeift bemerken wir unseren Irrtum und nach einem prüfenden Blick auf das GPS sind wir wieder auf dem Track.



    Heute ist wie gesagt ein Ruhetag geplant und so nehmen wir erst mal den einfachen Weg an der Straße entlang und ignorieren die ausgeschilderte Schiebestrecke für MTB Richtung Sattelberg. Kurze Zeit später stehen wir an einem Zaun mit dem eindeutigen Hinweis, dass der Weg nun Privatbesitz ist und dass keinerlei Durchgang erlaubt sei.



    Neben der Grenze finden wir aber einen kleinen Trampelpfad, der uns auf direktem Weg steil auf den Gipfel bringt. Nachdem wir einen letzten Blick auf die Sattelbergalm werfen konnten suchen wir den weiteren Weg. Dieser führt hier quer durch eine kleine Pfütze.



    Ein Blick in den Kartenausdruck zeigt, dass der offizielle Weg nun auf dem Kamm entlang bis zum Sandjöchl führt. Wir bleiben aber auf der italienischen Seite und folgen der alten Militärstraße die um die Gipfel herumführt.



    Letztere finden wir deutlich einladender finden, zumal wir ja heute einen Ruhetag eingeplant haben!
    Während wir nun einige Stunden der Straße folgen, finden wir so allerlei am Wegesrand: zerfallene Bunker, Murmeltiere, einsame Mountainbike Fahrer, zurückgelassene Wanderschuhe und einmal meinen wir sogar am Horizont einen Wanderer erspäht zu haben.



    Nach einigen Stunden erreichen wir endlich das Sandjöchl und ignorieren dezent die Empfehlung die Allerleigrubenspitze mitzunehmen, da wir ja noch ins Dorf runter wollen – laut Beschreibung des Kompass-Führers aus der Karte gerade mal 200hm mehr.



    Am See angelangt schauen wir etwas wehmütig zur Pension, ein kühles Bier wäre jetzt schön, aber leider ist auch der Gasthof geschlossen, also steigen wir weiter ab Richtung Dorf. Am Ende der Straße (Rodelbahn) erreichen wir einen Parkplatz und das Gasthaus Waldesruh in dem wir hätten übernachten können, aber wir haben ja schon eine Reservierung. So ignorieren wir sogar die Bushaltestelle und laufen immer weiter entlang der Straße weiter dem Dorf entgegen. Etwa 4 reale aber gefühlte 10 Kilometer hinter dem See erreichen wir kurz vor dem Ortsende tatsächlich unsere Pension. Das ehemalige Gasthaus hat vermutlich schon bessere Tage erlebt, aber die Zimmer sind groß und sauber und nach einer heißen Dusche, einem kühlen Bier und der Auskunft man werde uns am nächsten Morgen kostenlos wieder bis zum Gasthaus Waldesruh hochfahren ist die Stunde Fußmarsch entlang der Straße schon fast wieder vergessen. Da das Gasthaus nur noch als Pension dient, ist unsere einzige Chance ein warmes Abendessen zu bekommen das Hotel schräg gegenüber. Beim Essen schauen wir noch mal in die Karte und stellen fest, dass man Obernberg auch deutlich kürzer direkt vom Sattelberg hätte erreichen könnte.

    Offizielle Länge:16,4 km, 900 hm hoch und 1000 hm runter
    Unser Fazit: 22 km, 850 hm hoch und 1100 hm runter, inklusive einer kleinen Pause fast 7 Stunden Gehzeit - eine Ruhetag sieht irgendwie anders aus.

    Anbei mein Tipp für zukünftige Wanderer:
    In Pflersch haben wir 3 Österreicherinnen getroffen, die am Tag vor uns versucht haben, der Route auf dem Kamm zu folgen. Sie haben erzählt, dass der Wanderweg am Kamm mal auf der einen und mal auf der anderen Seite des Stacheldrahtzauns führt und sie abwechselnd drüber klettern oder drunter durch robben mussten. Daher denke ich, dass wir mit der Militärstraße den deutlich einfacheren Weg gewählt haben, wenn dieser auch einige Kilometer länger ist.

    Der Weg ab Gasthaus Waldesruh bis Pension Egg zieht sich – Aus diesem Grund würde ich das nächste Mal je nach Kondition eine der folgenden Varianten wählen (solange direkt am See keine Übernachtungsmöglichkeit besteht)
    - direkt ab Sattelberg runter nach Obernberg
    - Übernachten im Gasthaus Waldesruh
    - Versuchen ab Gasthaus Waldesruh den Bus ins Dorf zu nehmen
    - nett bei der Pension Egg anfragen ob man abgeholt wird

    Da sowohl wir als auch die Österreicherinnen netterweise am Morgen wieder mit dem Auto kostenlos bis Gasthaus Waldresruh gebracht worden sind, kann ich mir durchaus vorstellen, dass die Pension Egg einen dort auch abholt.

  5. Fuchs
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #5
    4. Wandertag: Obernberg - Pflersch



    Heute gibt es offiziell 2 Varianten: am See vorbei durch das Portjoch und über den Pflerscher Höhenweg zur italienischen Tribulaunhütte. Zu beachten ist dabei, dass in einigen Karten dieser Abschnitt des Höhenweges als Klettersteig ausgeschildert ist.
    Als Alternative gibt die Webseite die Variante über das Gstreinjöchl, und die österreichische Tribulaunhütte zur italienischen Tribulaunhütte an.
    Variante 1 hat ab Obernbergsee offiziell 11,5 km und führt 750 hm hoch,
    Variante 2 ist offiziell ebenfalls 11,5km lang, geht aber 1450hm hoch und 740 hm runter.
    Da ich mittlerweile leider auch erkältet bin wählen wir eine 3. Variante:
    Nach dem Frühstück lassen wir uns von der Pension Egg mit dem Auto zum Ende der Straße bringen und laufen etwa 2km und 170hm auf der Rodelbahn wieder zum See zurück.



    Wir folgten bis zum Portjoch der offiziellen Route und entscheiden uns dann trotz traumhaftem Wetter für den Abstieg ins Pflerschtal und einer Übernachtung im Hotel.

    Seit gestern befinden wir uns in dem Gebiet in dem ich als Kind immer Urlaub gemacht habe und nun stehe ich das erste Mal seit 30 Jahren wieder im Pflerschtal.



    Ich bin aufgeregt, da ich meinem Mann Jahrelang von diesem Tal vorgeschwärmt habe und nun etwas Angst habe, dass er das Tal einfach nur öde und langweilig findet. Oder viel schlimmer: dass ich das Tal nicht so vorfinde, wie ich es in Erinnerung habe.



    Der Weg ins Tal ist wunderbar ausgeschildert und führt uns im Tal entlang eines Radweges bis nach Ast (Die Ausschilderung lautet: Seilbahnstation Ladurns). Dort finden wir eine Pizzeria in der wir eine kleine Pause einlegen um dann die letzten Kilometer bis St. Anton mit dem Bus zu überbrücken. Als wir den Bus im Dorf verlassen sind die Zweifel vergessen: es gibt hier vielleicht kein Matterhorn, aber die Kulisse ist dennoch spektakulär und ich erkenne sogar den einen oder anderen Berg wieder. Und zu meiner großen Freude ist auch mein Mann vom Pflerschtal total begeistert. Wir quartieren uns daher gleich für zwei Tage im Hotel Panorama ein und da Pflersch in den letzten 30 Jahren nicht wesentlich größer geworden ist, buchen wir auch gleich die Halbpension mit.

    Im Hotel angelangt beginnt das übliche Ritual: Duschen, T-Shirt auswaschen und dann auf die Suche nach einem kühlen Bier gehen. Da das Hotel eine eigene Kneipe hat, werden wir sehr schnell fündig. So gestärkt erinnere ich mich daran, dass es im Dorf damals in einem Haus einen kleinen ‚Supermarkt’ gegeben hat – man musste klingeln um Einlass zu erhalten und in einem kleinen Raum gab es dann einen Tante Emma Laden. Was soll ich sagen: den Laden gibt es immer noch und wird mit viel Liebe und Engagement von der Inhaberin gepflegt. Zur Vollendung meines Glücks gibt es neben einem leckeren Eis endlich eine richtige, topografische Landkarte von unserer Wegstrecke zu kaufen.



    Unser Fazit: 17,2 km – davon etwa 3,5 km im Bus, 840 hm hoch und 1005 hm runter – inkl. Wartepause auf dem Bus bei einem kühlen Getränk und Busfahrt heute nur 6 Stunden unterwegs. Auf der kompletten Strecke haben wir nicht einen Wanderer gesehen.

    Hinweis:
    kurz nach uns erreichen die drei schon erwähnten Österreicherinnen ebenfalls das Hotel Panorama - sie hatten am Vortag versucht über die österreichische Tribulaunhütte bis zur italienischen Tribulaunhütte zu wandern. An der österreichischen Hütte haben sie sich dann doch spontan entschlossen zu übernachten um am 5. Tag statt der nachfolgend beschriebenen Variante den Abstieg nach St. Anton in das Pflerschtal zu wählen.
    Ich denke, dass man für die Variante über die österreichische Tribulaunhütte auf jeden Fall einen zusätzlichen Tag einplanen sollte.

  6. Fuchs
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    #6
    5. Tag - Ruhetag

    Offizielle Länge: 10 km, 550 hm hoch und 1680 hm runter
    Heute hätten wir eigentlich über die Weißwandspitze und die Magdeburger Hütte nach St. Anton absteigen sollen, da wir aber schon in St. Anton sind und sich die Berge heute in Regenwolken verstecken, fahren wir lieber mit dem Bus nach Sterzing zum Stadtbummel. In den Regenpausen finden wir in den Läden sogar noch etwas zusätzlichen „Ballast“ für unseren Rucksack.



    Hinweis: Beim Bus fahren unbedingt die Karte aufheben, da diese für weitere Fahrten genutzt werden kann und bei der ersten Fahrt mit einem Euro im Fahrpreis enthalten ist. Die Pflerscher Hölle ist zudem einen kleinen Spaziergang wert, wenn man ansonsten nur gemütlich in der Kneipe sitzen würde.
    Da wir heute keine Wanderschuhe anhatten, habe ich auch kein GPS mitlaufen lassen.
    Daher ist unser Fazit heute : 0 km und keine Gehzeit
    Ein wenig traurig war ich schon, dass wir die Magdeburger Hütte und die Tribulaun Hütte nicht besucht haben, da ich damals als Kind in beiden Hütten übernachtet habe. Als Trost habe ich mir versprochen wiederzukommen und das nächste Mal die Hütten zu besuchen.
    Das Hotel Panorama hat uns sehr gut gefallen, hier würden wir wieder übernachten.

  7. Fuchs
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    #7
    6. Tag: Pflersch - Ridnaun

    Heute bleiben wir mehr oder weniger auf dem offiziellen Weg – wir starten am Hotel und wandern an der Allriss Alm vorbei Richtung Wetterspitze. An einer Baustelle müssen wir den gut gebauten Weg kurzzeitig verlassen und über eine Wiese laufen, nach kurzem Suchen finden wir aber wieder die gewohnten Markierungen und ein einfacher Weg führt bis zum Joch hinauf. Schon von Ferne können wir am Joch einen Wanderer erkennen, der nach einer kurzen Gipfelbesteigung am Joch auf uns wartet.



    Nachdem sich auf unserer bisherigen Route Wanderer sehr rar gemacht haben, freuen wir uns über die Gesellschaft und da wir mit Gepäck bei Nebel keinen Sinn darin sehen die Wetterspitze zu erklimmen steigen wir gemeinsam in Richtung Ridnaun ab. Irgendwann biegt unser Kollege zu seiner Ferienwohnung ab. Da wir noch kein Hotel gebucht haben steigen wir erst mal in Richtung Straße und anschließend auf dem offiziellen Wanderweg ins Tal ab. Vom Joch aus könne wir schon von oben ein Schwimmbad im Tal erkennen und durch meine gestriger Recherche wusste ich, dass das Schwimmbad zu einer großen Hotelanlage inkl. Wellnessbereich gehört. Mein Mann findet, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, mich daran zu erinnern, dass ich ihm aus dem letzten Sommerurlaub noch so ein Hotel schuldig bin.
    Tatsächlich ist in der billigsten Kategorie noch ein Zimmer mit ¾ Pension frei und den Rest des Tages verbringen wir mit Essen, Schwimmen und Saunieren.

    Offizielle Länge:
    11 km, 1270hm hoch und 1140 hm runter
    Unser Fazit laut GPS: 15,6 km, 1313 hm hoch und 1140 hm runter – ohne nennenswerte Pause 6,5 Stunden Gehzeit – sehr einfaches Gelände.

  8. Fuchs
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    #8
    7. Tag: Ridnaun - Schneeberg

    Da wir Wochenende haben und das heutige Etappenziel eine Schutzhütte ist, haben wir ausnahmsweise mal wieder vorgebucht, obwohl wir so langsam den Eindruck gewinnen, dass parallel zu uns kaum einer den Tiroler Höhenweg geht.



    Wir starten heute direkt neben dem Hotel und lassen das Bergbaumuseum links liegen.
    Offiziell führt der Tiroler Höhenweg heute über einen Lehrpfad zum Thema Bergbau zum Poschhaus. Aber das Tal liegt wunderschön und die vielen in Blüte stehenden Blumen verleiten uns heute lieber Lust dem Bachlauf bergauf zu folgen. So erreichen wir auf einem wunderschönen Wanderweg das Poschhaus, wo wir uns erst mal was trinken.



    Wir sind uns noch nicht ganz sicher ob wir die Mountainbike Fahrer am Nachbartisch bedauern oder beneiden sollen. Als wir dann hören, dass sie ebenfalls über das Joch wollen entscheiden wir uns für Bedauern. Nach der Hütte geht es gleich steil den Berg hoch zur Schneebergscharte und obwohl wir gemütlich unterwegs sind, hängen wir unsere mountainbikenden Kollegen, die nun ihr Rad tragen müssen, mühelos ab.



    An der Scharte treffen wir voller Erstaunen auf unsere erste Gruppe von Wanderern seit Tagen, Anhand der einheitlichen Helme und Gummistiefel erkennen wir aber schnell, dass es sich doch „nur“ um eine Besuchergruppe des Bergwerks handelt.



    Nach einem kurzen Abstieg erreichen wir das ehemalige Bergbaugebiet Schneeberg und die ‚Schutzhütte’ die Teil der alten Herrenhauses ist. Wir hätten mühelos noch bequem bis Hochfirst laufen können, aber wir haben keine Eile zumal das Anwesen wunderschön ist. So quartieren wir uns für heute hier ein. Die Freude ist groß als wir feststellen, dass wir statt Lager wieder ein 2-Bettzimmer haben und es sogar eine kostenlos warme Dusche gibt. Irgendwann erreichen auch unsere Mountainbike Fahrer den Schneeberg, die sie aber mit keinem Blick würdigen, da sie heute noch bis Pfelders wollen. Wir genießen lieber die leckeren Hüttennudeln und als ich am Nebentisch ein Stück Schokoladentorte entdecke, ist mein Glück perfekt. Ich gönne mir zum Nachtisch ein Stück vor der Hütte während mein Mann die Liegestühle genauer überprüft.




    Unser Abendbummel führt uns noch zum angegliederten kleinen Museum und an der kleinen Kapelle vorbei.

    Offizielle Länge: 10,5 km, 1350 hm hoch und 370 hm runter
    Fazit laut GPS: 12,7 km, 1395 hm hoch, 330 hm runter, inkl. gemütlicher Pause am Poschhaus 5:45 Stunden Gehzeit

  9. Fuchs
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    #9
    8. Tag: Schneeberg - Hochfirst

    Heute geht es nur bis zum Gasthaus Hochfirst.
    Offiziell soll die Variante über den großen Schwarzsee führen, nachdem wir aber die Planung für morgen kennen wählen wir den einfachsten Weg und starten zudem sehr gemütlich. Wir schauen uns noch mal die Überreste der alten Bergbausiedlung an und steigen auf dem alten Knappenweg hinunter zu einem See, an dem sich eine kleine Herde Pferde tummelt.



    Dann schlendern wir weiter Richtung Timmelsbrücke.



    Diese erreichen wir noch vor dem Mittag. Hier schicke ich, wie ich nachher feststelle, leider einen E5-Wanderer auf einen kleinen Umweg. An der Brücke fehlt jeder Hinweis auf den E5 und da wir an dieser Stelle vor einigen Jahren auf der Straße berghoch nach Hochfirst gelaufen sind um von dort aus am nächsten Tag hinter dem Haus auf einem kleinen Weg direkt nach Moos wandern, empfehle ich dem Wanderer ebenfalls voller Überzeugung diese Strecke Dabei ahne ich nicht, dass er Moos einfacher erreichen könnte, wenn er einige Meter der Timmelsjochstraße bergab folgen würde und dann in einen Feldweg abbiegt. Den Fehler stelle ich aber erst später auf der Wanderkarte fest. Falls der Wanderer mitliest: Ich bitte vielmals um Entschuldigung!
    Von unserer E5 Tour weiß ich aber noch, dass es einen direkten Weg vom Timmelstal zum Gasthaus Hochfirst geben muss, da dort damals eine Ausschilderung war. Wir begeben uns auf die Suche nach diesem Weg und finden ihn auch im 2. Anlauf. So verzögern wir die Ankunft um knappe 1,5 Stunden.
    Die Wartezeit bis wir unser Zimmer mit Dusche beziehen können überbrücken wir geschickt mit einem leckeren Schnitzel inkl. Pommes und frischen Salat.
    Da die Timmelsjochstraße ab 20:00 gesperrt ist, wird es gegen Abend auch sehr ruhig. Trotzdem wird es für meinen Mann eine schlaflose Nacht, da ich ihn erfolgreich mit meinem Husten wachhalte.

    Offizielle Länge:
    11 km, 474 hm hoch und 1066 hm runter, Gehzeit: 3.40 h
    Fazit laut GPS: 9 km, 321 hm hoch, 767 hm runter, Gehzeit ohne Pause aber gemütlichstes Tempo 4 Stunden, da wir ja die vielen Wanderer, Pferde, Blumen und Kühe beobachten mussten.


  10. Fuchs
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    #10
    9. Tag: Hochfirst - Pfelders

    Lange diskutiere ich mit meinem Mann, ob wir die heutige Etappe in Angriff nehmen. Obwohl ich ziemlich erkältet bin, will ich diesen Abschnitt unbedingt gehen und schaffe es irgendwann ihn zu überreden.
    Da die Etappe auf der Karte sehr lang erscheint und es unterwegs keine Einkehrmöglichkeit gibt, nutzen wir das üppige Frühstück und nehmen jeder noch ein Brötchen als Wegzehrung mit. Zudem stocken wir unser Lunchpaket noch mit einer Tafel Schokolade auf.



    Noch ein letzter Blick auf die Karte und los geht es. Der Weg ist wie immer gut ausgeschildert dafür an einigen Stellen richtig matschig. Wir wandern vergnügt in das Seitental hinein und dabei immer am Bach entlang. Irgendwie habe ich mir am Morgen eingeprägt, dass unser Weg bei 2100 müNN links über den Bach abzweigt - leider befindet sich die gesuchte und auch einzige Brücke bereits bei 1800 müNN. Da wir bei diesem bezaubernden Weg weder auf das GPS noch in die Karte schauen (ich bin mir ja so sicher, dass wir noch einige Höhenmeter hoch laufen müssen), stehen wir irgendwann auf der falschen Seite des Baches und stellen fest, dass der Weg eigentlich „da drüben“ verläuft. Nun könnten wir natürlich einfach zurückgehen und die richtige Abzweigung nehmen, aber das einzige Hindernis zwischen uns und dem gut sichtbaren Weg stellt nur dieser kleine Bach da. Spontan entschließt mein Mann, dass wir da vorne doch gut furten könnten. Während er dies auch problemlos schafft, rutsche ich ab und stehe mit meinen wasserdichten Stiefeln mehr als knietief im Bach. Das Gute daran: meine Schuhe sind nun nicht mehr schlammig, aber leider sind die Socken etwas „feucht“! Zu allem Überfluss sind heute tatsächlich Leute auf diesem Abschnitt unterwegs, die mir neugierig vom Weg aus beim Socken wechseln zuschauen. Kaum auf dem Weg stellen wir fest, dass es sich dabei um zwei Arbeiter handelt, die in einer unglaublichen Geschwindigkeit den Weg ausbessern. Einige Zeit später treffen wir an einer kleinen Hütte noch 2 Wanderinnen, die aber leider kein Bedürfnis nach Kommunikation haben. Während ich noch mal die Socken wechsele holen uns die Arbeiter fast wieder ein. Die beiden Wanderinnern sind auch schon wieder unterwegs und wir folgen ihnen nun eine Zeit lang im gleich bleibenden Abstand bis diese kurz vor dem Joch nach rechts abbiegen.




    Wir bleiben dagegen lieber stur auf dem Track und lassen das GPS nicht mehr aus den Augen. In der Nähe des Jochs ist dann das 2. und letzte Mal auf unserer Tour Trittsicherheit gefragt. Der Steig hier fällt steil zur linken Seite ab und ist rechts mit einer Stahlkette im Fels gesichert. Der Weg führt nun einige Zeit an der Hangkante entlang, mal queren wir Wiesen dann wieder felsig und steil abfallend. Wir haben herrliches Wetter und so ist der Weg gut zu gehen, bei Dauerregen oder Schnee könnte man hier Probleme bekommen.




    Irgendwann erreichen wir eine Schafherde, die sich um das neu errichtete Biwak tummelt. Wir machen ein schnelles Bild vom Biwak, trauen uns aber nicht hinein, da wir die Herde nicht vom Eingang verscheuchen wollen. Nach einem weiteren Blick auf das GPS erkennen wir, das wir uns immer noch über 2600 müNN und im Tal ca. 1000 m tiefer irgendwo unser heutiges Ziel (Pfelders) liegen muss.
    Als wir endlich die 2000 m-Marke unterschreiten feiern wir dies mit einer kleinen Pause bei Brötchen und Schokolade. So gestärkt nehmen wir die letzten Höhenmeter in Angriff und holen auf unserem Weg nach unten einen netten Wanderer ein, der sich als ‚Ranger’ des Nationalparks entpuppt. Er wandert mit uns gemeinsam zum Ort und erklärt uns auf dem Weg nach unten warum das Tal auf dieser Seite so eine große Blumenvielfalt bietet und einige geologische Detail zu den Dolomiten. So plaudernd, merken wir die letzten Meter unseres Abstieges gar nicht und stehen plötzlich vor der Touristeninformation von Pfelders. Dort holen wir uns eine Liste der freien Zimmer und entscheiden uns bei einem Spaziergang durch den Ort für die Pension Pöhl. Das Haus sowie das Zimmer ist sehr liebevoll eingerichtet und natürlich haben wir eine eigene warme Dusche.
    Obwohl wir heute lange unterwegs waren, ziehen wir noch mal los; wir brauchen für den nächsten Abschnitt eine neue Wanderkarte. Im ‚Supermarkt’ schnappe ich einer anderen Kundin gerade noch das letzte vorrätige Exemplar der begehrten Karte vor der Nase weg. Letztere ist zwar in italienisch und liegt vermutlich auch schon seit einigen Jahren im Schuber am Tresen, aber besser als mein Ausdruck dieser vermaledeiten Kompasskarte ist es allemal.

    Am Dorfrand finden wir ein kleines Gasthaus in dem wir halbherzig versuchen Abendbrot zu essen. Aber irgendwie sind die bestellten Nudeln heute nicht nach unserem Geschmack und wir entscheiden uns beide nach dem halben Teller dass wir doch lieber beim Fernsehen im Bett den Abend ausklingen lassen wollen.

    Offizielle Strecke: Länge: 13,5 km, 1100 hm hoch und 1200 hm runter
    Fazit: 16,2 km, 1280 hm hoch und 1430 hm runter; Gehzeit inklusive Schuhwäsche im Bach, Socken wechseln und Brötchenpause: 7:45h
    Geändert von Monika (16.08.2011 um 08:34 Uhr)

  11. Fuchs
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #11
    10. Tag: Pfelders - Dorf Tirol

    Heute haben wir keine feste Planung, da wir gestern Abend bei beiden Hütten auf der Strecke keinen erreicht haben. Nach einem fantastischen Frühstück verlassen wir die Pension Pöhl und steigen ein letztes Mal berghoch. Die Etappe führt über das Spronser Joch zu den Spronser Seen. Wir merken die Nähe zu Meran, da die Zahl der Wanderer nun explosionsartig zunimmt. Während wir die letzten Tage nur vereinzelt Wanderer gesehen haben, sind heute sogar ganze Wandergruppen unterwegs.
    Der Weg ist heute sehr einfach, die Anstiege eher gemächlich und wir erreichen schon bald das erste Joch und kurz darauf das zweite und damit letzte Joch auf unserer Tour.







    Wir machen ein paar Fotos von der Seenplatte als mein Mann zu fluchen anfängt. Vor 3 Tagen hatte er am Schneeberg einen Stolleneingang fotografiert und dabei am Fotoapparat mit den ISO-Werten rumgespielt und vergessen diese wieder zu reduzieren, wodurch alle Fotos der letzten Tage extrem Körnig sind.
    Auf diesen Schreck legen wir am Oberkaser erst mal eine Pause ein und stärken uns mit Bier und Suppe. Sitt und satt gehen wir beschwingt weiter zur Bockerhütte, dem offiziellen Ende der heutigen Etappe. Aber irgendwie haben wir noch Kraft und beschließen über den Bockerstieg Richtung Hochmut weiter (runter) zu wandern. Hätten wir vorher in die Karte geschaut, wären wir vermutlich nicht erstaunt gewesen, dass es ab der Bockerhütte erst mal wieder etliche Höhenmeter berghoch geht.





    Obwohl der Weg wunderschön ist und immer wieder die Sicht auf Meran freigibt schwächele ich heute. Mein Mann grummelt mich bei jedem „Turnschuhwanderer“ der uns überholt an und das sind heute leider recht viele. Deshalb beschließen wir den Rest der Wanderung mit der Seilbahn abzukürzen. So erreichen wir innerhalb kürzester Zeit Dorf Tirol. Passenderweise steht ein Bus direkt an der Talstation bereit und bringt uns weiter ins Zentrum. Obwohl die Tour heute nicht wirklich schlimm war, bin ich nun völlig fertig. Mein Mann verwandelt sich zu meinem Held als er uns im nächstgelegenen Hotel ein wunderschönes Zimmer mit Dachterrasse bucht.
    Zum Abendessen überfallen wir erst die Eisdiele um die Ecke und danach die Pizzeria schräg gegenüber. In den Liegestühlen auf unserer Dachterrasse lassen wir anschließend mit Blick auf Meran den Abend gemütlich ausklingen.

    Offizielle Strecke:
    12,5 km, 960 hm hoch und 880 hm runter am 10 Tag und
    11 km und 1200hm runter am 11. Tag
    Fazit bis zur Seilbahnstation: 17,8km, 1210hm hoch und 1430hm runter; Gehzeit inklusive 3 langer Pausen 7:45h

  12. Fuchs
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #12
    11. Tag: Dorf Tirol - Meran

    Heute erreichen wir endgültig Meran. Obwohl ich es schaffe noch einigen Umwege einzubauen, sind wir schon kurz nach dem Frühstück wieder auf der Suche nach einem Hotel. Meinem Mann steht heute der Sinn nach Luxus und er entscheidet sich an der Touristeninformation für das Hotel Windsor in dem tatsächlich noch ein Zimmer frei ist.
    Dort werden wir herzlich empfangen und erhalten eine Karte mit der wir kostenlos Zug fahren, diverse Museen besuchen oder mit den meisten der umliegenden Seilbahnen die Berge erkunden könnten. Wir bummeln aber lieber ein wenig durch die Stadt, schwimmen eine Runde im hoteleigenen Pool und planen die nächsten Tage, da wir erst in 3 Tagen in Mailand sein müssen.
    Den Abschluss der Wanderung lassen wir in der Trattoria da Santoni bei hervorragenden Italienischen Nudeln und einem gutem Rotwein ausklingen.

    Fazit: gemütlicher Spaziergang durch die Weinberge; Laut GPS: 5km, 34m hoch und 370hm runter; Gehzeit 1h

  13. Fuchs
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #13
    Abreise:

    Am nächsten Morgen verlassen wir etwas wehmütig dieses tolle Hotel um uns nun etappenweise Richtung Mailand zu begeben. Geplant ist nur noch ein gemütliches Ausklingen mit einem Besuch beim Ötzi in Bozen, einer Oper in Verona und shoppen in Mailand. Leider vergessen wir in Meran unsere Ausweise im Hotel und so wird das ganze kurzfristig noch mal hektisch. Da uns der Besitzer des Hotels die Ausweise freundlicherweise kostenlos hinterher nach Bozen bringt und sie in unserem Hotel Feichter in der Innenstadt abgibt können wir die letzten Tage dann doch noch unbeschwert genießen und unser restliches Geld in Italien ausgeben.


    Verona:




    Hinweis: Zugefahren im Nahverkehr ist in Italien sehr preiswert. Man sollte nur beachten, dass man entweder eine Fahrkarte mit Zugbindung hat oder dass die Karte vor Fahrtantritt abgestempelt werden muss.

    Kurz vor der Abreise kaufen wir im Supermarkt noch eine Rolle Frischhaltefolie, da in Mailand das Verpacken eines Gepäckstücks in Folie 8 Euro kostet und die 50m Frischhaltefolie für 2 Euro bequem für beide Rucksäcke reicht.




    Das Versprechen: „atemberaubende schöne, oft beeindruckende und fast immer einsamen Bergwelt“ hat der Tiroler Höhenweg in unseren Augen gehalten. Allerdings fand ich den Weg selbst in unserer abgeschwächten Variante als anstrengend und einige Etappen erfordern Trittsicherheit und gutes Wetter. Man trifft dafür an einigen Tagen mehr Murmeltiere als Wanderer und wird bei gutem Wetter mit grandiosen Aussichten bis zu den Dreizinnen belohnt.

    Auf der Webseite gibt es nun neben der Kompass-Wanderbeschreibung als PDF-Datei die erweiterte Beschreibung für 13 statt für 11 Tage, bei Pfelders wird die Strecke um 2 weitere Hüttenübernachtungen (Zwickauer Hütte und Stettiner Hütte) erweitert. Da mir dieses Tal neben dem Pflerschtal auch sehr gut gefallen hat, kann ich mir durchaus vorstellen diese Variante irgendwann mal zu gehen.


    Nachtrag:

    Die GPS-Daten bearbeite ich gerade noch, um Nachfolgenden die unfreiwillige "Schuh und Socken-Reinigung" zwischen Hochfirst und Pfelders zu ersparen.
    Falls aber jemand vorab schon die Rohdaten möchte einfach eine kurze Mail an mich.
    Geändert von Monika (16.08.2011 um 12:31 Uhr)

  14. Erfahren
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #14
    Hallo Monika,
    danke für den schönen und vor allem ausführlicher Reisebericht mit hilfreichen Hinweisen. Zum Glück hat bei euch das Wetter besser mitgespielt als bei uns...
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  15. Erfahren

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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #15
    Sehr schöner Bericht!

    Danke Dir, auch für die tollen Bilder!

    Eine Frage noch: Welches GPS mit welchen Karten habt Ihr verwendet?


    Danke und lG,
    Thomas
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  16. Fuchs
    Avatar von Monika
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #16
    Ich hatte das Garmin GPSmap62s und die "openmtbmap – Alps" sowie zuschaltbar die Höhenlinien.
    Dann habe ich mir noch zusätzlich die erwähnten Tracks aufgespielt.
    Die Tracks vom der original Webseite waren teilweise sehr ungenau.
    Mit dem Track von der http://www.gps-tour.info gab es deutlich weniger Abweichungen (solange wir die selben Wege langelaufen sind).
    Besonders aufgefallen sind mir die starken Abweichungen am 2. Tag - da passte z.B. beim Aufstieg zu Sattelbergalm im Wald keiner der beiden Tracks - aber den Track von gps-tour haben wir wenigstens hin und wieder gekreuzt.

    Monika

  17. Erfahren

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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #17
    Danke für die Info!

    Die Map werde ich mir genauer ansehen :-)

    lG;
    Thomas
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  18. Fuchs
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #18
    Hier:
    http://www.gpsies.com/mapUser.do?use...&d-6723156-p=1
    sind nun die GPS-Daten zu finden

    Monika

  19. Neu im Forum

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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #19
    Hallo Monika! Erstmal vielen Dank für den wirklich informativen Bericht mit tollen Bildern... man vergisst beim Lesen ganz, dass man daheim vorm PC sitzt Den Weg finde ich sehr interessant, und dieses Jahr sollte ich auch Zeit für so eine Wanderung haben... Denkst Du man kann im Juni schon gehen, oder ist das wetter-technisch zu früh? Habe selbst schon einige Bergerfahrung, aber noch keine Weitwandererfahrung bisher.... Du schreibst, man sollte trittsicher sein - das bin ich, ABER ich bin NICHT schwindelfrei... d.h. wenns richtig grad runtergeht neben mir, dann geht da eher nix mehr so recht... Wie würdest Du den Weg in dieser Hinsicht einschätzen? Weiß nicht, ob Du schonmal auf den Guffert gegangen bist - da gibt es eine kurze Stelle vorm Gipfel mit Seilversicherung - die ist für mich eigentlich schon überm Limit - frag mich wie ich das damals (mit sehr leichtem Rucksack) geschafft habe.... Zu guter Letzt noch die Frage nach Eurer Ausrüstung - ich habe gute Meindl Bergschuhe und wollte mir einen Deuter 45+10 Rucksack zulegen. Was hattet Ihr dabei, und was war besonders gut oder eher gar nix...

    Nochmal vielen Dank für den Super-Bericht, und sorry für die vielen Fragen!!

    Wandergrüße aus München
    Hirbelino

  20. Fuchs
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    AW: [AT-IT] Der Tiroler Höhenweg für Warmduscher

    #20
    Hi,

    Ich kenn den von dir beschriebenen Weg nicht.
    Ich mach die aber mal eine PN mit Empfehlungen fertig.

    Monika

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