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    [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #1
    Mitreisende: Rago
    Land: Schweden, Norwegen
    Reisezeit: 02.08.2010 - 17.08.2010
    Region/Kontinent: Nordeuropa

    Rügen-Malmö-Mora-Grövelsjön-Oasen-Femundsmarka-Rogenstugan –Storrödjärnstugan- Hävlingen-Grövelsjön-Mora-Malmö-Berlin

    Tach, liebe Leser und Leserinnen,
    nach einigen stillen mitlesen hab ich mir nun ein Herz gefasst und mir gedacht ich schreibe hier ein bisschen was über meine Tour vom Sommer 2010.
    Jedoch nicht ohne ein paar einleitende Worte dazulassen.

    Vorwort:
    Etwas mehr als ein Jahr vor dieser Tour sah ich den Film „Into The Wild“ der wie kaum ein Anderer Film großen Einfluss auf mich hatte, ich entschied mich bereits 2009, gerade volljährig geworden, dafür, per Anhalter nach Skandinavien zu trampen, aber das ist eine andere Geschichte.
    Jedoch hat der junge Autor schon zu dieser Zeit Blut geleckt, wurde er doch früher von seinen Eltern bereits nach Schweden und in die Hohe Tatra verschleppt entwickelte sich nun erst der eigene Wille Natur zu schnuppern.
    Die gesamte Reise war durch ein besonders geringes Budget, der daraus resultierenden Ausrüstung, dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr und einer guten Portion jugendlichen Idealismus geprägt.
    Nach einem Jahr der Planung fand ich, auch hier auf „outdoorseiten.net“ einen Reisebericht von
    „NilsAc“ der mir bei der Entscheidung für eine Route enorm half. Ihm sei an dieser Stelle gedankt.
    Die Bilder wurden übrigens aus Gewichtsgründen alle mit nem popeligen Camcorder gemacht, sorry dafür.
    Aber bevor jetzt alle eingeschlafen sind geht’s los.


    Montag 02.08.2010


    Der Wecker klingelte, doch eigentlich war das überflüssig.
    Vor lauter Aufregung fand ich eh keinen Schlaf, selbst meine Mutter war schon wach und hatte mir,
    wohl zur Feier des Tages, sogar schon Frühstück gemacht.
    Der Rucksack war schon seit einer Woche in einem mehr oder weniger gepackten Zustand.
    Während ich mein Nutellabrötchen mampfte kamen von der lieben Frau Mama natürlich geschätzte 136 Fragen
    „Hast du das Mückenspray?“ Eine Frage die mir noch lange im Kopf herumgeistern sollte...
    „Einen warmen Pullover?“
    „Genug frische Unterhosen?“
    Ohne wirklich groß darüber nachzudenken bejahte ich alles.
    Irgendwie schaffte ich es dann mit meinem Rucksack durch die Tür und lief zur U-Bahn.
    Der Rucksack war schwer, sehr schwer, das letzte wiegen bescheinigte mir 21Kilo.
    In der U-Bahn angekommen nahm ich Platz, der Rucksack auch, 2 sogar, die wenigen Rentner die zu dieser Zeit unterwegs waren starrten mich mit einer Mischung aus Verwunderung und Mitleid an, kann halt nicht jeder mit Rollköfferchen bei den Hurtigruten einchecken, pah.
    Die nächsten Stunden gestalteten sich eher langweilig, am Hauptbahnhof rein in den Regio nach Sassnitz, das einzig spannende war Mark Twain's „In 80Tagen um die Welt“ das ich aus gegebenem Anlass aus dem Keller bergen konnte und der „Into The Wild“ Soundtrack der mir durchs Ohr dudelte.
    Einige Müsliriegel später stapfte ich durch Sassnitz bereits in Richtung Fährhafen, doch nicht ohne im lokalen Aldi nochmal ein paar Vorräte aufzufüllen, es war bereits später Nachmittag,
    und ich nutze die Gelegenheit zwischen den Weizenfeldern meine im Lidl erstandenen Trekkingstöcke zu erproben.
    Ein wenig alt fühlte ich mich ja schon damit...
    Am Fährhafen Mukran angekommen überblickte ich die Situation schnell, die nächste Fähre würde erst mitten in der Nacht in Trelleborg ankommen.
    Keine gute Uhrzeit für Alleinreisende.
    Ungewöhnlich viele Menschen waren dort vor Ort.
    Sherlock Holmes mäßig ging ich der Sache auf den Grund.
    Ich erblickte ein mittelgroßes Schiff, mit der Aufschrift „Das Traumschiff“.
    Ich zuckte mit den Achseln uns ließ die Rentner gewähren, noch nicht ahnend was es mit dem Teil auf sich haben sollte.
    Nun waren wichtigere Fragen zu klären!
    „Wo hau ich mich aufs Ohr?“
    In nächster Nähe lag ein Rohrlager, wäre doch cool in so einer Röhre zu schlafen, nur blöd wenn man auf einmal in der Ostsee aufwacht. Idee verworfen.
    Aber da! Hinter dem Rohrlager, ein abgeerntetes Feld! Außerdem optisch durch einen 3Meter Erdwall im postmodernen Stil von der Straße abgegrenzt, So baute ich mein Zelt in dieser mondänen Nachbarschaft auf. Für diesen Abend mussten Muttis Brote als Abendessen ausreichen.


    Das "Feldlager" für die erste Nacht.


    Dienstag 03.08.2010

    Und wieder war das klingeln des Weckers überflüssig.
    Nach einem seltsamen Traum der Mähdrescher und eine marodierende Dorfjugend beinhaltete war ich ohnehin hellwach.
    Jedoch gab es ein für den Rest der Tour wichtiges Detail das mir den wolkenreichen Morgen etwas vermieste.
    Das Zelt der Marke „Rocktrail“ für 15€ ausm Lidl war einwändig und führte dazu das jeder Milliliter Wasser den ich so veratmete sich an der Decke sammelte, langsam herunterlief, meine Isomatte benetzte und auch auf den Schlafsack niederfiel.
    Egal!
    Aufgewischt, zusammengepackt, und los zum Terminal, der ja direkt vor der Haustür lag.
    Auf der Fähre angekommen unterschied ich mich von den anderen Rucksackreisenden dadurch das ich mangels Schlaf jetzt schon aussah als würde ich aus der Wildnis kommen.
    Doch jetzt war Zeit dafür und ich verbrachte, als wir bereits die Kreidefelsen hinter uns ließen, die nächsten paar Stunden mit wohlverdientem Schlaf.
    Irgendwann hieß es dann „Alle Mann von Bord!“ oder was man da so auf schwedisch für sagt,
    dass nächste Ziel war Malmö.
    Um wieder ein paar Euro zu sparen und Erfahrungen zu gewinnen entschied ich mich für das bewährte trampen.
    Hinter der letzten Ampel der Stadt, wo mich die Autofahrer schon von weitem Mustern konnten, positionierte ich mich und setzte mein schönstes Colgate-Lächeln auf.
    Jetzt ein Quiz:
    Die typisch schwedischen Reaktionen auf Tramper sind?
    a) weiterfahren
    b) zum nächsten Bahnhof/Bushaltestelle zeigen
    c) hupen
    d) Vogel zeigen
    e) hupen und Vogel zeigen

    Richtig! a,b,c,d und e!

    Und so kam es das in gewohnter Weise ein Fernfahrer hielt.
    Vladan, mein Fahrer, war aus Litauen und fuhr irgendwelche Metallteile.
    Lkw's sind das beste was einem Tramper passieren kann, viel Platz für den Rucksack, eine super Sicht und einen Kollegen der froh über jede Gesellschaft ist. Er konnte kein Englisch oder Deutsch, ich kein Litauisch oder Schwedisch, doch irgendwie wurde ihm klar das ich nach Malmö wollte.
    Was zur nächsten Herausforderung führen sollte.
    Denn irgendwie konnte Vladan mit seinem Lkw nicht nach Malmö rein sondern musste mich an einer Raststätte davor raus lassen.
    Erstmal Mittagspause, hier fand ich ein paar Motorradreisende von der Fähre wieder, ein wenig geplaudert und gegessen, jedoch nicht ohne den Eindruck zu bekommen das mein Vorhaben ein wenig Skepsis in meinen Zuhörern auslöste.
    Die besagte Raststätte lag wiederum ca. 6Km vom Zentrum am Autobahnring um das schöne Städtchen Malmö.
    Also losgestiefelt und erst mal zwischen den Abfahrten und Kreuzen verlaufen und mein junges Leben beim überqueren von Ausfahrten riskiert, bis ich die richtige Spur gefunden habe.
    Wieder die üblichen Reaktionen der Autofahrer, obwohl ich diesmal nicht einmal mit dem Daumen gezuckt hatte.
    Während dieses Marschs, den ich als Einstimmung auf die nächsten Tage betrachtete, schreckte ich eine Reihe an Hasen oder Kaninchen auf, von denen es hier wohl einige zu geben schien.
    Das verrieten mir die geschätzten zwei Dutzend Kadaver die ich andächtig passierte.
    Irgendwann geriet ich in die Innenstadt und suchte das STF Hostel im Zentrum auf, das ich vom letzten Jahr sehr positiv in Erinnerung hatte.
    Rauf auf mein Zimmer und aufs Bett gehauen und Füße gelüftet, unerklärlicher Weise veranlasste das meinen Zimmergenossen dazu aufzuwachen. An der kleinen Aufschrift auf meinen Schuhen „Bund“ entlarvte er mich als Deutschen.
    Siehe da, Marco war aus Bayern und mit dem Fahrrad in Skane unterwegs gewesen.
    Wir unterhielten uns, bis ich Richtung „Triangeln“ zum Einkauf startete.
    Malmö war bisher immer Station bei allen Reisen die ich nach Schweden machte,
    die schönen Backsteinfassaden wurden inzwischen durch ein hochmodernes Hafenviertel ergänzt.
    Hier hatte ich einen grandiosen Ausblick auf den Öresund und sogar der Skyline von Dänemark. (vermutlich schon Kopenhagen? )
    Vom Steg schmissen sich junge Frauen in die raue Brandung, was natürlich nur am Rande meine Aufmerksamkeit erhielt.
    Ein paar Meter weiter hielt eine schwedische Version einer Alt-68erin ihre Yoga-Session und ein Pärchen tanzte Walzer.
    Die Sonne ging unter und ich war schon jetzt wieder total hingerissen.
    Was könnte denn jetzt schon noch tolles kommen?
    Ich genoss die letzten Sonnenstrahlen des Tages und verspürte es wieder, ja da war es, dieses beflügelnde Gefühl von Freiheit.
    Zum Abendessen im Hostel stieß ich wieder auf Marco, nach ein wenig Mampf hatten wir ein ziemlich deutsches Verlangen.
    Bier!
    Gott sei Dank sind die Ladenschlusszeiten in Schweden recht flexibel, mit einem billigen Falcon schlenderten wir durch Malmö in der Hoffnung ein paar Schwedinnen vorgaukeln zu können wir hätten uns Verlaufen, was mir sehr schwer fallen würde, schon nach meinem ersten Aufenthalt in dieser Stadt kannte ich die Innenstadt auswendig.
    Großstadtkind eben...
    Irgendwie taumelten wir an etwas vorbei das nach einem Nachtclub aussah.
    R: „Da Schwedinnen!“
    M: „Ok hin da!“
    R: „Aber die lassen uns niemals rein“ (Deutet auf seine Sandalen)
    M: „Was haben wir schon zu verlieren.“
    Argumentativ sichtlich in Bedrängnis geraten blieb mir nichts übrig außer Marco zu folgen.
    Und siehe da! Wie Boris Becker sagen würde „Ich bin drin!“
    Im Club angekommen wusste ich dann auch warum man uns reingelassen hatte, eine gähnende Leere zog sich durch das durchaus elegante Etablissement.
    Nur der Western-typische Strohballen hat gefehlt.
    Außer einigen verlorenen Seelen auf einem Sofa fand sich nichts.
    Auch der übereifrige Barkeeper der uns ein Bier aufschwatzen wollte konnte uns nicht zum bleiben bewegen.
    Zurück im Hostel war es auch ungewöhnlich ruhig. Hatte ich doch noch die wilden Exzesse vom letzten Jahr in Erinnerung...
    Nach einigen weiteren Bieren war es dann Zeit zu schlafen, nicht jedoch ohne Bekanntschaft mit unserem schlafenden neuen Zimmergenossen aus Spanien zu machen.




    Abendstimmung in Malmö



    Mittwoch 04.08.2010

    Es war bereits 10 als ich erwachte, Marco war mit packen zugange und unser schnarchender Freund irgendwo unterwegs.
    Ziel des Tages war es herauszufinden wie ich nach Mora komme.
    Marco und ich spazierten wie ein eingespieltes Team durch die Stadt, die Sonne schien was den Outdoorler in uns herauskitzelte, wir besuchten alle Sportgeschäfte in Reichweite, ohne etwas zu kaufen.
    Am Busterminal informierte ich mich über die Route, die mich mit 2maligen Umsteigen innerhalb von 11Stunden nach Mora bringen sollte.
    Aber der Weg ist das Ziel und 40€ ein super Preis.
    Da kann sich die Deutsche Bahn noch umgucken.
    Mit dem erworbenen Ticket schlugen Marco und ich die Zeit tot, nicht ohne immer wieder eine Kontaktaufnahme mit den eingeborenen Vertreterinnen des anderen Geschlechts zu unternehmen.
    Ich genoss noch einmal alle Vorzüge des Hostels, den Flatscreen, die Ikea-Küche, Internet...
    Früh ging ich zu Bett, um 7 musste ich am Busterminal sein.

    Donnerstag 05.08.2010

    Deutlich zu früh ging ich nach kurzer Verabschiedung von Marco zum Terminal.
    Ich wartete zwischen all den Reisenden auf meinen Bus der mich zunächst nach Göteborg führen sollte. Kein Backpacker oder Tourist zu sehen, scheinen alle irgendwie entweder mit Auto,Bahn oder Flugzeug zu reisen.
    Im Bus selbst war ich von der Leere überrascht.
    Der Fensterplatz an der linken Seite war mir sicher, denn in weiser Voraussicht wusste ich das ich von da einen wunderbaren Blick aufs Meer haben werde.
    Lange Zeit saß ich allein, irgendwann hatte ich die Ehre einen jungen Schweden neben mir zu begrüßen, er bot mir zwar einen Schokoriegel an, war aber ansonsten sehr mit seinem Telefon beschäftigt.
    Irgendwann bei Helsingborg setzte sich dann eine junge Norwegerin neben mich.
    Den Trick mit dem Schokoriegel hab ich mir abgeschaut.
    Nur doof das sie vom Shopen kam und selbst genug von dem Zeug dabei hatte,
    egal, wir teilten brüderlich und unterhielten uns, leider ließ ihr Englisch keinen tiefgreifenden Austausch zu.
    Zur Mittagsstunde in Göteborg blieben mir keine 10Minuten um mich am Nils Ericsson Terminal in die Schlage für den nächsten Bus einzureihen.
    An dieser Stelle muss ich sagen, die Busse in Schweden haben, wahrscheinlich durch die vergleichsweise leeren Autobahnen eine Pünktlichkeit von der man hier nur träumen kann.
    Dieser Bus war deutlich voller, so saß ich erst neben einer alten, aber sehr niedlich zu beobachtenden Dame die gerade ihren Salat aß.
    Mir grummelte der Magen, meine Müsliriegel waren aufgebraucht, und meine Kaugummis hätten meinen Hunger nur verschlimmert.
    So schnell würde ich nicht an meinen Rucksack im Laderaum kommen.
    Super sind auch die Toiletten in den Bussen die zu jeder Zeit benutzt werden können und wirklich die Größe einer Toilette haben, nicht wie in den Reisebussen hierzulande, bei denen man Gefahr läuft beim verwechseln der Tür auf der Fahrbahn zu landen.
    Schon vor Göteborg hatte sich die Landschaft endlich in die borealen Wälder verwandelt die man von Schweden kennt, wenn ich nun schon wegen meiner zu langen Beine nicht schlafen konnte so hatte ich jetzt zumindest was zu gucken.
    Aus dem Fahrerbereich dudelte das Autoradio, irgendwann hallte ein kollektives Lachen durch den Bus, zu gern hätte ich gewusst was da so lustig gewesen war.
    Ich lächelte leicht verunsichert und ließ die Zeit an mir vorbei ziehen.
    Nur eine Pause brachte mich durcheinander, worauf wartet der Bus hier in diesem Kuhkaff, dessen Namen ich nicht einmal kannte?
    Ich erhielt auf Nachfrage bei einem Mitreisenden die Antwort.
    „Damit er pünktlich ankommt!“
    Das verwirrte mich, aber erschien mir später logisch.
    Wir machten Pause um unsere Überpünktlichkeit einzuholen.
    Ich spare mir an dieser Stelle einen Vergleich zu Deutschland.
    Der Bus leerte sich zum späten Nachmittag wie auch die Straßen.
    In Borlänge hieß es wieder umsteigen, auch in 10Minuten.
    Im Bus waren nur noch ein paar Omis, ein Typ mit Metallermähne und AmonAmart-Shirt und meine Wenigkeit.
    Hin und wieder kamen und gingen Leute.
    Es dämmerte bereits, als wir kurz vor Mora waren.
    Während der ganzen Fahrt konnte man die langsame Veränderung der Landschaft wahrnehmen.
    Mehr und mehr Seen tauchten auf und die flache Landschaft vom Süden weichte inzwischen einer Mittelgebirgslandschaft.
    Irgendwann war der Siljan-See zu sehen und der Bus kam ins stoppen.
    Ein ungewöhnliches, gar verstörendes Ereignis fand hier vor meinen Augen statt!
    Ein Stau!
    In Schweden!
    In einem Ort namens Rättviken trafen sich alle Oldtimerverrückten aus ganz Schweden!
    Und das sind bekanntlich einige. Ich hatte den Eindruck das ganze Land war hier um mich zu begrüßen.
    Aber Leute ich will doch nach Mora!
    Der Anblick von Schweden die im 50erJahre-Stil in ihren Cabrios sitzen und eine ganze Kleinstadt die einem Rummel glich hatten trotzdem einen wunderbaren Eindruck auf mich gemacht.
    Irgendwann sollten wir es dann doch aus dem Autokorso geschafft haben.
    Als die Sonne bereits verschwand, aber trotzdem noch ein ewiger Schein am Horizont verlief kam ich in Mora an.
    Durchaus etwas geschafft vom vielen sitzen suchte ich eine Bleibe.
    Aber was war denn hier los?
    Noch so ein Volksfest!
    Rättviken schien nicht groß genug um alle Feierwilligen Schweden aufzunehmen also hat man hier in Mora kurzerhand noch einen Rummel aufgebaut. An der Promenade des Seen tummelten sich betrunkene Schweden in meinem Alter die mir kaum noch eine wirklich brauchbare Antwort geben konnten wo man hier ein Dach überm Kopf bekommen sollte.
    Außerdem machte ich die ersten Bekanntschaften mit der einheimischen Fauna.
    Vandrarhem, ein Schild!
    Mora war nicht groß genug um sich zu verlaufen, dachte ich.
    Und so stand ich vor einer flachen Baracke mit STF-Fähnchen.
    So ein Glück! Kamen doch da grad ein paar betrunkene Seelen die mich sogar herein ließen, denn es ist übliche Praxis das man ab einer gewissen Uhrzeit die Türen hier nur noch als Gast öffnen kann.
    Doch die Rezeption, die eigentlich keine war, war unbesetzt.
    Nur ein Schild verkündete das die Sprechzeiten hier zwischen 15 und 17Uhr lagen.
    Das war ich von anderen Hostels nicht gewohnt.
    Ich begann zu realisieren das ich nördlich genug war um meine bisherigen Erkenntnisse über schwedischen Tourismus über Bord werfen zu können.
    Irgendwie waren auch alle in ihrem Zimmern verschwunden und kein laut drang nach Außen.
    Nur die Küche und ein Fernsehraum war hier für mich zu erreichen.
    Der Gedanke mich hier als „Besetzer“ einzuquartieren erschien mir unangebracht.
    Ich beschloss zu gehen, aber...., was ist das?
    Die Tür war verschlossen!
    Nichts half, ich musste jemanden dazu bewegen mir die Tür aufzumachen.
    Eine viertel Stunde klopfte ich an alle Türen bis mir eine verschlafene Belgierin gnädig den Weg nach Draußen eröffnete mit dem Hinweis das das Hauptgebäude ein Restaurant sei, ein paar Straßen weiter.
    Doch auch hier waren alle Lichter aus und nur der Hinweis auf die Sprechzeiten vorhanden.
    Ein kleines Fluchen konnte ich mir nicht verkneifen.
    Ich war müde, es begann zu regnen und ich hatte keinen Plan wo ich hier schlafen könnte ohne zu viel Aufsehen zu erregen oder mich zu verlaufen. Nach einigem herumirren fand ich einen großen leeren Parkplatz. Ideal um sich hier auf dem Boden einzurichten.
    Doch der immer wieder einsetzende Regen vermieste mir den Schlaf.
    Ich erspähte eine Parkbank mit integriertem Tisch, die sollte mein Bett für diese Nacht werden.
    Schlafsack rauf auf die Bank, rein da und irgendwie versuchen sich auf den 40cm Balken zu kauern.
    Ab und zu fuhr ein Fahrrad oder ein Auto vorbei, so richtig schlafen konnte ich nicht.
    Und als ich gerade davor war weg zu nicken hörte ich Schritte über den Rasen kommen, und einige Stimmen, weibliche Stimmen.
    In meinem schon tranceähnlichen Zustand erhoffte ich zwei wunderbare Feen zu erblicken die mir möglicher Weise aus dieser misslichen Lage helfen wollen, also regte ich mich sachte und versuchte die Damen zu erspähen, doch kaum als ich sie ins Auge gefasst hatte und sie das bemerkten schreckten sie zurück, ja schrien sogar.
    Selbst total überfordert machte ich einfach wieder die Augen zu und hoffte sie würden einfach gehen, aber unverhofft kommt bekanntlich oft.
    Sie näherten sich wieder an, ganz vorsichtig und riefen mir etwas zu.
    Ich verstand natürlich nicht und meinte nur „Sorry?“
    Man verstand mich und ich konnte trotz der Dunkelheit sehen das die beiden überrascht waren.
    Auf Englisch fragte man mich „Oh ehm, warum schläfst du hier?“
    Ich wusste nicht wo ich mit der Geschichte anfangen sollte, also machte ich es kurz.
    „Naja, ich bin mit dem Bus hier gegen 9Uhr angekommen und das Hostel war schon zu.“
    „Oh, mhm dann eh...naja wir müssen dann auch weg, Tschüß“
    „Gute Nacht“, brummte ich noch zurück bevor ich wieder versuchte zu schlafen.


    Der Camping...eh Parkplatz.

    Freitag 06.08.2010

    So richtig zu Bewusstsein kam ich erst als auf dem Parkplatz ein kleiner Pkw mit seltsamen Logo vorfuhr, aus dem stiegen zwei einheitlich gekleidete Frauen mit blauen Mülltüten und Greifzangen aus. So sieht also die örtliche Müllabfuhr aus...
    Es war so gegen6, als ich meinen Kram packte fuhren hin und wieder ein paar Schweden auf ihren Fahrrädern vorbei und winkten mir zu. Sehr freundliche Menschen. Der Plan sah es vor herauszufinden von wo und wann der Bus nach Grövelsjön fährt.
    Schwer war das nicht, vom Parkplätz zur Fußgängerzone waren es vielleicht 200Meter und am Ende dieser war der Busbahnhof. Der Bus sollte gegen 11Uhr kommen, also blieb noch genug Zeit für, ja für was eigentlich? Ich hatte jetzt schon das Gefühl Mora auswendig zu kennen.
    Gott sei Dank musste ich unbedingt noch meine Lebensmittelvorräte aufstocken, der ICA in der Fußgängerzone machte aber erst um 8 auf, der Rucksack war mir zu schwer um durch Mora zu streifen, also wartete ich auf einer Bank vor dem Laden, und wartete, und wartete.
    Selbst meine als Angler ausgeprägte Ausdauer wurde hier strapaziert. Ein alter Schwede war der Einzige der sonst noch zu dieser Zeit durch die Stadt lief. Nichts war mehr zu spüren von dem emsigen Treiben des Abends davor, haben bestimmt alle noch einen Kater.
    Es schien mir dann aber bald so als ob sich der Tagesablauf der Einheimischen stark nach den Öffnungszeiten des lokalen Supermarkts orientierte, als ich nämlich im ICA stand kamen auf einmal viele Andere in den Laden geströmt. Dieser bot auf etwa der Hälfte der Fläche eines Aldis mindestens so viel tolle Sachen wie 2 Stockwerke von Real.
    So, jetzt aber Schluss mit der Werbung!
    Fertignahrung ließ sich nur schwer auftreiben, hauptsächlich Cashewnüsse,Kekse und Brot fanden den Weg in meine Tüten.
    Mit diesen Sachen im Gepäck ging ich zum Siljan-See, das Wetter war aber eher bewölkt und ein frischer Wind wehte, jedoch entdeckte ich dabei die Touristeninformation welche, was für eine Überraschung, erst später, um 9Uhr öffnen sollte.
    Zeit verging, und letztlich stand ich in dem roten Häuschen und informierte mich nach dem Fahrplan des "Swebus" der mich später nach Malmö zurück bringen sollte.
    Als auch dies erledigt war saß ich am Busbahnhof, aß Kekse und stöberte durch Mark-Twain.
    Die Zeit kroch, bis der Bus endlich kam, hatte ich alle Autos der Stadt mindestens 3mal an mir vorbeifahren sehen. Im Bus hatte ich dann wieder einen Fensterplatz für mich allein. Viele Junge Schweden saßen mit mir im Bus und direkt vor mir ein Deutsch/Schwedisches Pärchen mit einem kleinen Baby. Die Landschaft wurde Wilder, ebenso wie die Straße die Zeitweise einer Schotterpiste wich. Regen setzte ein und mitten auf dieser Schotterpiste setztend ie Scheibenwischer aus. Unser Busfahrer telefonierte,fummelte,fluchte,...mit Erfolg. Irgendwann konnte er die Fahrt fortsetzen. Hügelketten mit langen Seen, kleine Ortschaft, Hochmoore alles das konnte ich sehen und irgendwann sah man die markanten Spitzen des Nipfjället vor Idre. In Idre selbst sah man das man sich hier schon vollkommen auf Tourismus eingestellt hatte. Sogar Schlittenhunde konnte man in einigen Vorgärten sehen. Als es dann zum Idrefjäll hochging sah ich dann zum ersten mal in meinem Leben die sagenumwobenen Rentiere in Natura, die stapften da einfach so über die Straße und hielten den Bus für einige Momente auf, in mir machte sich Euphorie breit. Das wurde dann verstärkt als der Bus oben auf dem Fjäll wieder eine dieser typischen Pünktlichkeitspausen machte.
    Unglaublich, und das trotz der Scheibenwischer. Inzwischen waren nur noch das Pärchen vor mir, ein alter Mann und Ich im Bus. Das Wetter entschied sich hinter dem Idrefjäll nun komplett für Regen, Platzregen, wie aus Eimern. Besonders zu erwähnen wäre vielleicht noch das der Bus hier die Funktion der Post mit übernimmt und in jedem Dorf Pakete an Kiosken und Supermärkten ein und ausläd, und trotzdem überpünktlich ist. Hinterm Idrefjäll wurde die ohnehin wilde Gegend noch wilder, keine Spur mehr von Zivilisation außer der Straße. Kein Haus, nichts. Nur irgendwann hieß es dann „Aussteigen“. Tatsächlich, wir waren an der Grövelsjön-Fjällstation.
    Wie lange und detailliert hatte ich mir vorgestellt wie es hier wohl aussehen mag, aber wie so oft liegen Vorstellung und Realität weit auseinander. Das erste was mir ins Auge fiel waren die Unmengen an Autos und Parkplätzen, dabei hab ich doch Wildnis erwartet. Aber ich war eigentlich ganz froh bei diesem Wetter nicht sofort ganz auf mich allein gestellt zu sein. Was mir sonst auffiel war das ich im Vergleich zu all den anderen Wanderern, die sich vor dem Regen unter dem Vordach und im Eingangsbereich schützen, ziemlich jämmerlich ausgerüstet schien. Ich sah die Hightechprodukte die ich schon vom Globetrotter kannte und wie das so ist verliehen die ihren Besitzern auch gleich eine ganze Menge Authentizität. Neidisch blickte ich auf die Fjällräven-Regenhosen, Aircontact-Rucksäcke die einen starken Kontrast zu meinem abgewetzten Essl-Rucksack und meiner schon durch den weg vom Bus durchgeweichten Moleskinhose bildeten.
    Für einen Augenblick fragte ich mich ob ich mir nicht zu viel vorgenommen hätte,ob meine Ausrüstung dem ganzen gewachen sei, aber schnell erinnerte ich mich an meinen wichtigsten Glaubenssatz bei der ganzen Sache „Früher haben das schon Leute mit viel schlechterer Ausrüstung unter noch schlechteren Bedingungen durchgestanden.“ Ich erkundigte mich nach einem Bett für diese Nacht, welches sich dann in einem 4Bettzimmer im Keller befand, aber ich war froh bei diesem Wetter die Fjällstation nutzen zu können. Und nach der Bank erschien mir das zu kurze Bett als riesige Spielwiese. In dem Zimmer waren sonst noch ein Mann mittleren Alters und eine Frau so ca. Ende 20 einquartiert. Ich hatte auch gleich die Ehre auf die Dame zu stoßen, sie war die stereotypische Schwedin, fragte mich etwas auf schwedisch und ich konnte erneut nur erwidern „Sorry?“
    Natürlich beherrschte sie Englisch perfekt und wir plauderten ein wenig, und wie so oft erhielt ich ungläubige Reaktionen als ich ihr von meiner Anreise berichtete, mit dem Hinweis darauf das es doch einen Bahnhof in Mora gibt. „Schon gut“ dachte ich mir, sie ließ sich für die nächsten Stunden entschuldigen und ich erkundete die Station. Hier gibt es Bilder und Relikte aus den Anfangszeiten des STF zu bestaunen und was mir besonders auffiel waren die Informationsbroschüren die hier auslagen und über das Verhalten im Falle eines Zusammenstoßes mit einem Bären oder Luchs informierten. Was ich als besonders praktisch empfand war der „Torkrum“ ein kleiner Raum mit geschätzten 30°C und einem ordentlichen Wind. Hier baumelten Handtücher und Unterhosen, nach dem Duschen gesellten sich meine dazu. Dann inspizierte ich den Shop, viele praktische Sachen, natürlich viel zu teuer, aber wenn einem mal was kaputt geht und man hier Ersatz findet ist man bestimmt sehr dankbar dafür.Schließlich viel mein Auge auf das Restaurant und besonders auf die Speisekarte die in großen Buchstaben am Eingang an eine Tafel geschrieben wurde. Mühelos konnte man das Angebot zur „gehobenen Küche“ zählen, die Preise verhielten sich dem entsprechend und so blieb mein Glas Wein eine kühne Fantasie. Mein Entdeckergeist trieb mich, nachdem der Regen nachließ wieder ins freie und so lief ich die ersten hundert Meter der markierte Wege und war verzaubert. Ich hatte noch nie die Fjällflora hautnah sehen können und jetzt war ich endlich da. Moose, Krüppelbirken, Pilze,Beeren ,so hab ich mir als Kind immer einen Märchenwald vorgestellt. Irgendwo hinter ein paar Sträuchern blitzte auch ein Zelt durch. Es war merklich kühl geworden und da ich nur Sandalen an hatte und auch die Mücken das bemerkten ging ich wieder ins trockene, es war Zeit für das Essen. Mit meinen Vorräten ging es dann in ein Nebenhaus in dem die Küchen waren, hier machte ich mir meine Spaghetti und studierte die Karte für den morgigen Tag. Mit mir in dieser Küche waren 2junge Familien von der eine wieder eine Deutsch/Schwedische Konstellation aufwies und sehr von antiauthoritäter Erziehung überzeugt war, was sich darin äußerte das zwischen den Kindern eine kleine Essensschlacht entstand die von den Eltern gedulded wurde. Nach dem Essen entdeckte ich ich den wohl schönsten Raum der ganzen Station den ich dann auch noch für mich allein hatte. Die Wolken lösten sich langsam auf und so konnte ich aus dem „Ruheraum“ das sich langsam auf tuende Panorama betrachten. Ich saß bis 10Uhr Abend noch da und hab einfach nur die einfache Süße meiner Existenz in diesem Augenblick genossen und bin dann mit einem guten Gefühl ins Bett gefallen. Der einzige Wermutstropfen war das ich meinen geliebten Mark-Twain im Bus vergessen habe.


    Der Ruheraum


    Der Weg an der Fjällstation



    Aussicht aus dem Ruheraum

    So, demnächst gehts weiter.

  2. Dauerbesucher
    Avatar von andrea2
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #2
    Hallo Robert,

    wie schön, dass du dich doch noch entschlossen hast einen Bericht zu schreiben. Das lies sich echt gut, sehr nett geschrieben, ich hab einige Male schmunzeln müssen, und fühlte mich an meine ersten Trekkingtouren erinnert.

    Freue mich auf die Fortsetzung.

    Gruß Andrea

  3. Anfänger im Forum
    Avatar von Breakenfarmer
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #3
    schöner bericht, viele situationen kommen mir bekannt vor
    ich freu mich auf die fortsetzung.

    Gruß Daniel

  4. Dauerbesucher

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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #4
    Wunderschöner Bericht. Hab die Region 2008 von der norwegischen Seite bereist(am Femunden) - tolle Region und da gibts sogar Sonne.
    Freue mich schon auf die Fortsetzung

  5. Gerne im Forum
    Avatar von vinne90
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #5
    Hi, wirklich schön formulierter Bericht deiner Erlebnisse. Into the wild ist wohl ein Film, der die meisten Jugendlichen hier im Forum stark geprägt hat, war für mich auch immer ein Antrieb gewesen.
    Hoffe, du schreibst eine Fortsetzung!

  6. Erfahren

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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #6
    Sehr schön geschrieben. Bitte mehr davon !!

  7. Neu im Forum
    Avatar von Rago
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #7
    Vielen, vielen Dank für das Feedback fürs erste.
    Ich schreibe fleißig weiter. Um euch etwas bei Laune zu halten kommt hier der zumindest schonmal der nächste Tag und einige weitere Bilder.


    Samstag 07.08.2010

    Eigentlich viel zu spät wurde ich wach, vermutlich weil durch das kleine Kellerfenster nicht genug Sonnenstrahlen hindurch drangen die mir früher die Nase hätten kitzeln können.
    Heute sollte es also endlich losgehen. Meine Zimmergenossen waren bereits auf Achse und ich beeilte mich meinen letzten Kram zu packen und mich in meine Klamotten zu schmeißen. Durch das erste größere Fenster konnte ich feststellen das mich ein grandioser Sonnenschein erwartete, die Station war im Gegensatz zum Vortag sehr leer, logisch, es war schon fast 10Uhr. Als ich schon fast an der Straße zum See angekommen war bemerkte ich das ich meine Stöcke vergessen hatte, also schnell nochmal hoch zur Station und nach dem Zimmerschlüssel gefragt. Mir wurde klar das ich es an diesem Tag ruhig angehen sollte.


    Los gehts!

    Am Grövelsjön selbst staunte ich dann erneut über die enorme Menge an Autos und ich befürchtete schon das ich die gesuchte Einsamkeit in den nächsten Tagen hier gewiss nicht finden werde. So nahm ich Platz am See und frühstückte ein wenig. Brot und Käse standen auf der Speisekarte.
    Von hier konnte man beobachten wie einige Leute ein Boot bestiegen oder um den Windschutz auf der anderen Seite des Grövlan-Fluss lagerten. Irgendwann war ich bereit und bewegte mich auf die naheliegende Hängebrücke zu, um dort, unerwarteter Weise, meine Bekanntschaft aus dem Bus aus Mora wiederzutreffen. Wir unterhielten und kurz, und wieder konnte ich diese unterschwellige Skepsis wahrnehmen, ja fast schon etwas Sorge, da man mir riet mich in allen Hüttenbüchern auf dem Weg einzuschreiben. Warum das sinnvoll ist sollte mir noch klar werden. Jetzt ging es nur noch bergauf, bald passierte ich die Landesgrenze und ich stellte fest das man sich mit Distanzen sehr verschätzen konnte. Hier waren noch viele Wanderer unterwegs, darunter auch meine schwedische „Bettgenossin“ wenn man das so nennen kann, sie kam von dort wo ich noch hin wollte, man sah ihr keinerlei Anstrengung an, was ich von mir, auch ohne Spiegel, nicht behaupten konnte.
    Deswegen machte ich auch bald die erste Pause bevor ich den „Gipfel“ erreichte, der Wind war erfrischend und am Horizont waren Rentiere zu sehen. Da war es wieder, dieses ominöse Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Als ich weiterging wurde ich sogar von einigen Rentieren begleitet, natürlich mit einem Sicherheitsabstand von etwa 50Metern.



    Diese Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen bereitete mir große Freude, sicherlich sind sie domestiziert und der Mensch hat immer noch großen Einfluss auf das Leben dieser Tiere doch ich kam nicht drum herum das als Sinnbild für Symbiose zu betrachten. Seit Jahrhunderten lebten die Sami mit und von den Tieren und letztlich waren es die Tiere die über Erfolg und Misserfolg der Menschen entschieden, nicht anders herum. Schon hier wurde mir immer mehr bewusst wie mächtig und groß die Natur ist.
    Als ich den höchsten Punkt dieses Berges überschritt waren an einer Steinformation einige Menschen mit dem Mittagessen beschäftigt, jedoch nicht ohne mich freundlich zu grüßen. Ncoh ging es sanft bergab und bald konnte ich wieder den Grövelsjön sehen. Jedoch ab dann ging es ziemlich Steil bergab. Nach einigen Höhenmetern befand ich mich auf einem etwa 2-3Meter breiten Sattel der auf mich einladender als jedes Bett wirkte, ich machte wieder eine Pause jedoch nicht aus Erschöpfung, eher aus purem Genuss der Szenerie, unten setze ein Motorboot nach Sylen über während ich mich auf einen kleinen Mittagsschlummer einstellte, die Sonne lachte mir ins Gesicht und ich zurück. Ab hier waren bis auf die Leute im Boot keine Menschen mehr zu sehen. Die Bäume im Tal erschienen wie Streichhölzer.


    Blick auf Sylen.



    Ich wollte aber weiter, mehr sehen, der Abstieg kam kurze Zeit einer Kletterpartie gleich denn ich musste Steine und Felsen mit Kanten von bis zu über einem Meter überwinden. Dann erreichte ich Sylen und die 2-3Hütten aus denen es bestand. Auf einer Wiese vor einem der Hütten stand ein mächtiger Rentierbulle. Als ich ihm so zusah fühlten sich andere Vertreter der Faune etwas vernachlässigt und fingen an mich dafür auch gleich zu stechen. Ich musste höhere Gefilde aufsuchen und so stieg ich zum Sylvola auf. Oben angekommen genoss ich wieder eine wundervolle Aussicht auf die Bergkette die ich schon von der Fjällstation betrachten konnte, nur jetzt von der anderen Seite, in der Weite blitzte ein See und ich stellte mir vor wie es wäre als Eremit dort unten in einer Hütte zu leben. Seit Stunden hab ich keine Menschen mehr gesehen was für mich absolut neu und ungewohnt war. Trotz des Wetters und dieser Freude war das ganze etwas unheimlich. Hinter dem Sylvola veränderte sich die Landschaft. Die saftig Grünen Birkenwälder wichen einer Geröllwüste die durch kleine Teiche und einigen verirrten Birken einem Dalmatinerfell ähnelte. Ich ließ mich an einem der Teiche nieder und horchte einer absoluten Stille, kein Bach, kein Vogel, und kein Mensch war zu hören. Nur der Wind und die Lieder die er spielte waren zu hören, boten sich ihm doch die Steine und Bäume als Instrumente an.



    Es war später Nachmittag und langsam wollte ich mein Zelt aufschlagen, in der Entfernung war der Ronsjöen zu sehen bei dem auch einige Hütten verzeichnet waren, der Weg führte direkt an seinem Ufer lang wenn man nicht beachtete das dazwischen ein Abhang von 3-4Metern war. Auf Höhe einer kleinen Bucht an der sogar Boote lagen schlug ich das Zelt auf und musste auch schon bald den Mückenschleier aufsetzen. Die Hütten auf der anderen Seite schienen unbewohnt, also keine Aussicht auf einen Abend in Gesellschaft, aber das sollte mich nicht stören, schließlich wollte ich auch irgendwie erfahren was Einsamkeit bedeutet. Mit dem frischen Seewasser kochte ich meine Spaghetti und futterte sie genüsslich. Ich hatte fast vergessen das die Sonne hier noch so lange die Umgebung erhellt, dadurch war es schwierig zu schlafen. Mal wieder bekam ich unerwarteten Besuch in der Nacht, nach den Schwedinnen erkundigte sich nun noch einmal ein Rentier, dessen Schritte ich erst mit denen eines Menschen verwechselte, nach meinem befinden. Nur das Schnauben verriet es schon bald. Wir wünschten uns eine gute Nacht und bald fand ich meine verdiente Ruhe.
    Geändert von Rago (30.03.2011 um 23:29 Uhr)

  8. Dauerbesucher
    Avatar von andrea2
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #8
    Wie schön, es geht weiter. Also für "langasam angehen" finde ich die Etappe von Grövelsjön bis zum Rønsjøen aber schon ganz ordentlich.

    Bitte bald weiter schreiben.

    Gruß Andrea

  9. Anfänger im Forum
    Avatar von Nordstroem
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #9
    Hej Hej,

    wann geht es denn endlich weiter?

    Ich komme dieses Jahr nicht nach Schweden und brauche etwas input.

    Die Rogentour habe ich schon einige Male gemacht, immer wieder schön.

    Hälsingar
    Nordstroem

  10. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #10
    Tolle Fotos und schöner Bericht, mach weiter.

    Gruß
    Atze1407
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

  11. AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #11
    VIelen dank für den Bericht. Es ist doch immer wieder schön zu lesen, wie die rste Tour abläuft. Ich selbst hatte meine erste Tour auch in dem Gebiet und meine Ausrüstung war ähnlich (u.a. fließend Wasser im Zelt). Bitte schreib schnell weiter, ich bin gespant wie es weiter geht.

  12. Gerne im Forum
    Avatar von vinne90
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #12
    Hi, geht's hier nochmal weiter?
    Der Bericht hat so gut angefangen, davon will man mehr!

  13. Anfänger im Forum

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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurück

    #13
    Auch von mir ein "bitte mehr davon"!

    Gruß

  14. Neu im Forum
    Avatar von Rago
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurü

    #14
    Ich bitte um Entschuldigung, hab meinen Stick mit dem Word-Dokument zeitweise verbummelt und diverse andere Umstände haben mich von der Fortführung abgehalten. Bevor ich nun nächstes Wochenende wieder in diese Region aufbreche möchte ich den Bericht aber noch vervollständigen. Versprochen!

    Sonntag 08.08.2010

    Still und klar lag der Rønsjøen am Morgen zu meinen Füßen wie ich am Tag davor vorgefunden hatte. Es sollte also in Richtung Svukuriset gehen, die Aussicht auf etwas Gesellschaft bereitete mir Vorfreude. Die Sonne schien weiterhin und perfektionierte meine Vorstellung durch eine Geröllwüste zu wandern.
    Hier fanden sich Steine enormen Ausmaßes.



    Das Gelände war selbst den Rentieren zu unwirtlich so ging es Meter für Meter über die Anhöhe zwischen dem Revlingkletten und dem Lil-Svuku. Irgendwann hatte ich den höchsten Punkt überschritten und konnte nun auf den legendären Femund Blicken. Ein angenehmer Wind kam mir von dort entgegen und ich versank für einige Minuten in der unendlichen weite und tiefe dieser Landschaft als ich mich in den Wind stellte und mich ein wenig Gänsehaut überkam.



    Dann ging es ins Tal und es gab wieder Bäume,Gräser,Sumpf und Mücken. Ich setzte mich über einige Rinnsale hinweg und bestaunte enorm hohe Ameisenhaufen die mir bis über die Hüfte reichten.



    Nicht vorstellbar was passieren würde wenn man in so einen hinein stolpert. Eigentlich hatte ich mich bereits an die Stille gewöhnt umso verstörender war es auf einmal Stimmen zu hören, ich fragte mich ob ich sie mir nicht vielleicht einbilde, aber nein, noch einige Meter weiter sah ich einige typisch rote, eingezäunte Häuser vor denen sogar einige Menschen ihr Mittagessen genossen. Ich wurde gegrüßt wollte aber seltsamer Weise nicht verweilen. Schließlich wollte ich mich der Einsamkeit stellen, so ging ich wieder weiter. Der Weg sollte für einige Kilometer außerhalb meiner Karte verlaufen, ich nutzte eine hier aufgestellte Tafel um mich zu versichern das auf diesen Kilometern keine Abzweigung folgte die dafür sorgen würde das ich mich in unbekanntem Gebiet verlaufen würde.




    Erneut wandelte sich die Landschaft, wie Schlangen zogen sich hier nun schmale aber lange Geröllhalden durch die Erde die nur spärlich bewachsen waren. Birken fand man hier nicht mehr, nur Kiefern, knochige,verwachsene Kiefern. Frei und doch gespannt meisterte ich diese Halden bis es wieder auf eine Anhöhe ging, eine weite Hochebene die rund um den Stor-Svuku hin zur Falkfangarhogda führte. Wenn ich zurück blickte konnte ich auf den Femundsee und die umliegenden Berge blicken, man fühlte sich an Bilder aus Fantasy-Filmen erinnert. Ab und zu kreuzte ein Bach meinen Weg der aus kleinen Quellen entsprang der sofort von einigen Birken umzingelt wurde. Jede Einzelne war ein willkommener Zeltplatz. Es war später Nachmittag als ich die letzte dieser Quellen erreichte die in einigen Karten auch als „Oasen“ benannt wird. Ohne Zweifel war sie die Größte ihrer Art. Hier hatte man zum einen den Stor-Svuku im Rücken zum anderen das Tal ,dass den Rogen und den Femundsee mit unzähligen Teichen,Seen und Bächen verband, vor sich. Der Wind frischte auf als ich mein Zelt auf dem Sandboden ausbreitete und die Temperatur fiel plötzlich. Hier lagen einige große Steine rum die sich dazu anboten meine Heringe zu beschweren, eine leise Vorahnung sagte mir das das vielleicht nötig werden könnte. Als ich die Steine sammelte fiel mir eine in den Sand gezeichnete Nachricht auf die lautete „Kate was here“ zu deutsch „Kate war hier“. Wer war wohl diese Kate? Entgegen gekommen ist sie mir auf jeden Fall nicht. Ich hatte fast vergessen das ich allein unterwegs war. Ich kochte erneut Spaghetti und blickte ins Tal und grübelte was mich da unten wohl erwarten würde, es sah nicht so einladend aus wie das von Svukuriset oder Sylen, was sich noch bestätigen sollte.
    Doch was war das! Da waren Wolken, enorm große,hohe,dunkle Wolken über dem Tal. Farbe verlieh ihnen nur die untergehende Sonne. Ich hoffte verzweifelt sie würden unten im Tal abregnen und mich nicht mehr treffen, fürs erste blieb es auch dabei, wenn auch das Grollen bis zu mir drang.



    Zur Beruhigung bekam ich Besuch von einer Rentierherde deren Augen mich in der Dämmerung anfunkelten. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch legte ich mich in den Schlafsack und stellte enttäuscht fest das ich auch hier keinen Handyempfang hatte.
    Stunden später wurde ich durch einen enormen Lärm wach, es war dunkel. Das prasseln von dicken Regentropfen und das flattern des Zeltes im Wind machten ein weiterschlafen unmöglich und ich hoffte nur das mein Zelt die nächsten Stunden durchhalten würde.

  15. Anfänger im Forum
    Avatar von Nordstroem
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurü

    #15
    Oje Oje,

    ich weiss was Dich erwartet.

    ich bin die Strecke in 2007 andersherum gewandert und habe dann nach dem "Tal" bei den Oasen gezeltet.

    Als ich nach dem Tal endlich die Baumgrenze erreicht habe, habe ich fast vor Freude geweint.

    Ehrlich die Mücken im Tal waren gross wie Elefanten

    Happy Hiking
    Nordstroem

  16. Neu im Forum
    Avatar von Rago
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurü

    #16
    Montag 09.08.2010

    Nachdem das Gröbste vorüber war packte ich meine sieben Sachen und trat den Weg hinab ins Tal an. Es war empfindlich kalt sodass ich tatsächlich Mütze und Handschuhe überzog, das hatte ich nie geglaubt als ich das auf den Packlisten gesehen habe das ich die tatsächlich mal brauch.
    Die Steine waren etwas glitschig aber noch war das Gelände einfach zu begehen. Allmählich hatte ich das Tal erreicht, hier war wieder ein dichterer Kiefernbewuchs festzustellen und die bekannten Geröllhalden tauchten auf.


    Die erste Kiefer sagt "Hallo".

    Laut Karte müsste mir in einigen hundert Metern eine Hütte entgegen kommen, dem war aber nicht so. Ich blickte auf meinen Kompass und erhoffte mir einen klugen Rat von ihm. So wie ich das Gelände eingeschätzt hatte lag ich etwas zu weit westlich.




    Die "böse" Hütte

    Und nach einigen Minuten war da tatsächlich eine Hütte, mit einer Grundfläche von vielleicht 3x3 Metern die außer von Mücken und Spinnen nur von einer geschätzten Tonne Müll bewohnt wurde. Obwohl ich seit langer Zeit keine Markierung gesehen habe erschien mir der Trampelpfad um das Moor als der richtige Weg, schließlich war auf der Karte keine weitere Hütte verzeichnet. Mit vollem Eifer marschierte ich über immer tiefere Pfützen und erahnte noch nicht die Konsequenzen meines Handelns. Bald wurde es trockener unter den Füßen, aber der Pflanzenbewuchs wurde dichter, so dicht das ich mich Meter für Meter durch Büsche voran schob. Viel früher wäre ich schon umgekehrt hätte ich nicht immer wieder ominöse Steinhaufen erblickt, wenn auch ohne Markierung. Aber wer weiß vielleicht war den Leuten des Tourismusverbandes die Farbe ausgegangen? Oder der Eimer wurde zu schwer und landete in der besagten Hütte von vorhin. Wirklich ins Grübeln kam ich als links von mir nur noch ein etwa 5Meter breiter Fluss war in den alle paar dutzend Meter ein Rinnsal aus meiner Richtung mündete, welche ich mit gezielten Sprüngen überquerte.Der Grotan.



    Nein, das konnte nicht der richtige Weg sein. Mein Kreislauf machte mir ab diesem Augenblick auch zu schaffen, hatte ich doch außer einigen Cashewnüssen nichts gegessen. Unter meiner Regenjacke hatte ich noch einen Pullover an, mir wurde langsam warm, die Handschuhe und die Mütze waren schon längst im Rucksack verschwunden. Ich fühlte mich schlecht, zu allem übel wurde ich von geschätzten 100Mücken verfolgt, das ist keine Übertreibung. Meine Mückenstiche und die Flecken auf meiner Wanderkarte sprachen Bände. Ich konnte kaum stehen bleiben um mich zu orientiere. Ich zog die Jacke aus, was bei dem grobmaschigen Pullover ein dummer Fehler war. Ich versuchte immer in Bewegung zu bleiben und dachte ich würde bald durchdrehen.
    Unglaublich wie schnell das Klima sich hier ändert. Ich wollte kehrt machen, das war aber schwieriger als man denken mag. Mein Plan war einfach, ich laufe parallel zum Weg der mich ins Tal führte, also einfach immer Richtung Stor-Svuku, auf dem Weg musste ich jedoch noch um ein Moor rum, und auf halber Strecke geschah es, ich versank mit beiden Beinen bis zu den Knien im Moor. Panik überkam mich und ich blendete für einen Augenblick alles andere aus. Adrenalin schoss in meine Arterien und ich klammerte mich an meine Stöcke die nun auch im Boden versanken. Dann begann mein Hirn doch wieder zu arbeiten und ich suchte nach der nächsten trockeneren Stelle und ließ mich schließlich nach vorne Fallen und drückte mich aus dem Schlamm. Ich kam raus, ich weiß nicht wie aber ich kam raus. Erschrocken und wie gelähmt suchte ich mir einen Stein zum rasten.

    Was mir da eben passierte war kein Spaß dachte ich mir. Abseits der markierten Wege und ohne das ich in irgendeinem Hüttenbuch eingetragen war oder jemand mich in den letzten Stunden hier gesehen hat bin ich in Gefahr geraten. Vielleicht sogar Lebensgefahr, wäre ich nicht am Rand des Moores gelaufen ,hätte ich keine trockene Stelle in erreichbarer Nähe gehabt oder wäre tiefer versunken, wer weiß was passiert wäre. Mir wurde klar das Solo-Wandern nicht so einfach ist wie ich es mir gedacht hatte. Langsam aber sicher fühlte ich mich wie in einer Survival-Situation, und da heißt es, das der Wille zählt.
    Letztlich kam ich nach einer geschätzten halben Stunde wieder auf den Weg und schaute nun alle 20Meter auf Kompass, Karte und nach der nächsten Markierung. Erwähnte ich bereits das diese sehr dürftig waren? Doch es ging voran. Von Geröllhalde zu Geröllhalde schlängelte sich der Weg , ich erreichte die Tatsächlich gemeinte Hütte, niemand zu sehen. Hin und wieder setzte ein Nieselregen ein . Ich wurde ruhiger. Die Anhöhen waren aber jeweils kaum höher als 10Meter und daher nicht immer eindeutig eingezeichnet. Nun sollte ich eine kleine Brücke überqueren die über eine kleine Insel in einem Fluss führen sollte, aber die Brücke hatte zwei Abzweigungen, und wie es so ist, trotz mehrmaliger Prüfung nahm ich wie ich später bemerken sollte die falsche Abzweigung.



    Erstmal war das Ok. Der weg wurde leichter zu begehen, nur fehlten wieder die Markierungen. Ich war wieder umgeben von Wasser und konnte nicht wirklich eindeutig sagen wo ich war. Aus einem Gebüsch sprang ein Schneehuhn und suchte das Weite. Ich kam an einem größeren See an und wunderte mich. Hier war ich definitiv falsch. Mir war klar wo ich falsch gelaufen bin, also wieder zurück. Für kurze Zeit kam die Sonne hervor, was das Klima schwül und noch weniger erträglich machte. Meine Pausen beschränkten sich darauf das ich mir ein paar Kekse und Nüsse hinter schob und das ohnehin wirkungslose Autan auffrischte. Ich kam wieder an den Brücken an und nahm endlich die Richtige. Meine Moral hatte gelitten unter den 3Stunden die ich inzwischen verloren hatte. Geröllhalden und Moore leisteten sich ein Wechselspiel. Ebenso wie das Wetter. Grau mit Regen, Grau ohne Regen. Bald kam ein größeres Moor über das Planken führten die schon letzte Saison hätten ausgewechselt werden sollen. Rostige Nägel stachen hervor, einige Planken schienen wie verschwunden sodass sich große Pfützen bildeten die mit jedem Wanderer größer wurden das dieser sie vermutlich umgehen wollte. Und dann war da nichts mehr außer Matsch.



    Ich war wieder sehr beunruhigt bis ich geschätzte 50Meter weiter an einem Baum am Ende des Moores eine Markierung entdeckte. Weiter und Weiter, jetzt schlängelte sich der Weg um die Seen, ganz ganz eng angeschmiegt an die steilen Halden. Wenn man hier einen falschen Schritt macht und im Wasser landet, ...ach ich war so pessimistisch an diesem Tag. Es war schon spät,. 18Uhr, ich wollte langsam einem Lagerplatz finden aber hier fand sich nirgendwo ein geeigneter Platz. Der Blick auf die Karte verriet das der nächste verlässliche Platz eine Hütte hinter einer Brücke sein würde. Die Mollerbua.
    Ich legte an Tempo zu, motiviert durch die Aussicht auf einen trockenen, sicheren Schlafplatz. Gegen 20Uhr kam ich an. Durchnässt, gepeinigt durch die Mücken aber unendlich Froh und Dankbar für die Hütte. Die Hütte war in einwandfreien Zustand. Nur die Axt vor der Hütte erschien wenig vertrauenswürdig, da der Kopf nur noch von Panzerband gehalten wurde. Ein paar Wanderer, eindeutig Deutsche, hatten Konserven und ein frisches, ordentlich gefaltetes T-Shirt vom
    Wacken-Metallopenair hier gelassen. An einer der Konserven bediente ich mich, und schaute mir die Broschüre über die Geschichte der Hütte an. Ein norwegischer Anwalt hat sie 1875!!! erbauen lassen und so fanden sich hier Einschnitzereien aus den letzten Jahrhunderten an den Wänden. Absolut erschöpft schlief ich wie ein Stein. Zum Ende sollte ich noch erwähnen das mir im Moor das Wasser in die Schuhe gelaufen ist und meine Blasen dementsprechend in üblem Zustand waren.
    Egal, das schlimmste war geschafft.


    Ganz schlechtes Bild, aber ich wollte nur veranschaulichen wie vollgesaugt die Moore waren.

  17. AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurü

    #17
    Ach ja, die guten Geschiebehügel. Die haben mich auch total fertig gemacht....
    Toller Bericht, bin mal gespannt, wie es dir weiter ergangen ist.

  18. Fuchs

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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurü

    #18
    Sehr schöner Bericht, toll geschrieben. Man reist und leidet beim Lesen richtig mit!

    Meine erste Tour begann übrigens auch in Grövelsjön - viele deiner Eindrücke haben entsprechende Erinnerungen in mir hervorgerufen.

  19. lortholstyggen
    Gast

    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurü

    #19
    Ja, die eiszeitlichen Geröllfelder und Moränenrücken konnen in dieser Gegend ziemlich herausfordernd sein. Jeder Schritt will mit Bedacht gewählt werden:



    Toller Bericht! Freue mich schon auf meine Femundsmarka-Tour im August!

  20. Neu im Forum
    Avatar von Rago
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    AW: [DE,SE,NO] Road-trip und Solowanderung Grövelsjön-Femundsmark-Rogen und zurü

    #20
    Dienstag 10.08.2010

    Obwohl ich super geschlafen hatte fühlte ich mich miserabel.
    Kein Wunder, ich hatte gestern kaum mehr als 1000Kalorien zu mir genommen und war jetzt total unterzuckert und zitterig. Nach einigen Dextro-Energys und etwas Wasser konnte ich mich aber aufraffen und schrieb mich ins Hüttenbuch ein und bedankte mich bei der norwegischen Forstverwaltung und den Wanderern die die Konserven hier ließen in schriftlicher Form und stöberte durch die anderen Einträge. Der letzte war vom 06.08.2010 . Nach kurzer Zeit sollte ich laut Karte einen Rentierzaun überqueren, hab ich aber nicht.
    Irgendwie war ich wieder vom Weg abgekommen. Meine Idee: Einfach immer weiter nördlich gehen, da muss der Zaun kommen und wenn ich an dem entlang gehe müsste ich auch an den Übergang kommen. Das war aber nicht so einfach das sie Steine hier die Ausmaße von 1x1Meter und mehr hatten. Aber bald war ich drüber und ich wusste, bald bin ich wieder in Schweden und ich hoffte die Markierungen würden wieder besser werden. Als ich das Schild erreichte das mir signalisierte das ich wieder in Schweden bin überkam mich meine Freude und ich reif mein Glück laut in die Welt hinaus.



    Wie ein Zeichen verschwanden auch langsam alle Wolken am Himmel. Und dann war da eine Hütte, ich setze mich rein, denn wieder nieselte es ein wenig. Hier wollte ich etwas Mittag kochen. Plötzlich, ein klopfen, ich sagte ganz aufgedreht „Ja“ und herein kam ein langhaariger junger Mann der mir, natürlich auf Deutsch „Hallo“ sagte, ich hätte ihm sofort um den Hals fallen können so froh war ich nach den letzten 3Tagen wieder Gesellschaft zu haben. Ich lud ihm gleich zum essen ein und er bemerkte das er mir diesen Wunsch nicht abschlagen konnte. Ansgar war sein Name und wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte ihn von den letzten Tagen und wie ich hierher gekommen bin und wieder bekam ich eine etwas ungläubige Reaktion. Dann ging die Tür auf während unsere Pilzsuppe bereits kochte. Ein, wie ich später herausfand, Forumsmitglied „Macintechno“ der hier in einer Gruppe unterwegs war schaute sich hier auch gerade um und wir unterhielten uns angeregt. So verging die Zeit wie im Flug und Ansgar verriet mir das er die selbe Tour wie ich läuft, nur andersrum. Nun wollte ich wissen ob ich es heute noch zur Rogen-Stuga schaffen kann, Ansgar meinte das geht.
    Wir wünschten uns viel Erfolg und so ging jeder wieder seiner Wege.



    So hatte ich Reva verlassen und der Weg hatte nun eine kontinuierliche Steigung. Jetzt konnte ich auf den Rogen schauen. Irgendwann hörte ich das Klicken von Wanderstöcken in der Ferne und bald hatte ich ein Paar aus Dresden eingeholt. Man kam wieder ins Gespräch und beschlossen gemeinsam zur Rogenstuga zu wandern, da die Windschutzhütten am Ufer uns nicht zusagten. Es war später Nachmittag aber mit dem Wissen das eine Hütte auf mich wartete machte ich mir heute keine Gedanken über die Zeit. Der Weg war ein Wechselspiel von Matsch und Steinen, um uns nur Moose, Heidekraut und hier und da eine Kiefer. Im Boden entdeckten wir etwas ungewöhnliches, die Spuren von nackten Menschenfüßen. Wer ist denn so Verrückt und wandert hier Barfuß wenn wir schon Probleme mit Stiefeln haben?



    Das Ganze sollte sich später noch erklären. Wir wanderten und litten alle unter Blasen doch als bereits der unendlich scheinende Sonnenuntergang einsetzte erreichten wir die Stuga und wurden von den Wirten, ein älteres Ehepaar mit Saft und Keksen begrüßt. Unweit der Stuga waren auch noch ein paar Zelte zu denen sich die Dresdner gesellten, ich für meinen Teil gönnte mir ein Bett. Hier war auch eine illustre Gruppe Deutscher mit einem Schweden und seinen beiden Söhnen untergebracht. Roine unterrichtete die Deutschen hier in Schwedisch in einem Programm das „Resme Roine“-„Reise mit Roine“ hieß. Reisen und schwedisch lernen, die Idee fand ich super. Ich wurde wieder etwas „interviewt“ und nachdem ich meine Tour beschrieb wurde ich sofort freundlich adoptiert. Für mich wurde ein Teller feinster Linsensuppe gekocht und Platz am Tisch gemacht. Ich wurde schon etwas verlegen vor lauter Fürsorge. Neben dem Essen gab es auch noch eine Dose Prips-Blâ. Meine Füße schmerzten in jedem Winkel und an jeder Stelle doch die Aussicht und das Essen waren eigentlich schon Trost genug, doch dann wurde es noch besser. Mir wurde von der Sauna erzählt die man durch das Fenster sehen konnte. Direkt nach dem Essen fand man mich dort wieder. Ich hatte die Sauna für mich allein und saß direkt am Fenster und schaute auf den See der in ein warmes Rot getaucht war in welchen ich mich dann stürzte. Das bitterkalte Wasser, die unterschiedlichsten Sinnesreize und diese einmalige Erfahrungen der letzten Tage machten mich zum glücklichsten Menschen der Welt. Das war der magischste Moment der ganzen Reise.



    Später saßen wir alle am Tisch, tranken Prips-Blâ, unterhielten uns, lachten und spielten Karten im Schein von Kerzen und fielen in die Betten. Was für ein Tag!


    Mittwoch 11.08.2010

    Die Sonne schien durch die Fenster. Wir waren fast alle wach und kümmerten uns um das Frühstück, ich wollte natürlich auch dazu beitragen. Also kam meine Dauerwurst, Käse und Tee auf den Tisch. Heute hatten wir alle einen Ruhetag. Ich, meine „Adoptivgruppe“ und die Dresdner, Macintechno sollte später von Reva auch noch zu uns stoßen. Nach dem Frühstück versuchte ich meine Hose erst einmal vom gröbsten Dreck zu befreien und wusch natürlich noch ein paar andere Klamotten bei der Gelegenheit. Roine kümmerte sich fachmännisch um meine Blasen die mich wie einen alten Greis laufen ließen. Sein Tipp: „Füße müssen atmen“ und so erfuhr ich wer da die Spuren am Vortag im Matsch hinterließ. Roine war tatsächlich barfuß gewandert. Die Schweden waren echt einfach härter. Ich gab mir also größte Mühe meine Füße atmen zu lassen. Jürgen aus meiner Adoptivgruppe erkundigte sich ob jemand mit ihm auf den See raus fahren wollen würde. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und so paddelten wir im Alu-Kanadier über den See. Wie das auf die Arme ging, unglaublich. Ich war froh das ich das nicht mehrere Tage hintereinander machen musste. Wir waren überrascht was sich hier trotz des guten Wetters für Wellen bildeten, die mir, da ich vorn saß, hin und wieder entgegen spritzten. Östlich der Stuga befand sich ein Strand aus feinem Sand den wir für eine großzügige Essenspause nutzten.



    Die Dimensionen des Sees waren enorm und mir fiel ein das der Femund noch viel größer war. Auf einer Insel konnten wir sogar ein einsames Rentier sehen. Nach über 3 Stunden reichte es uns dann auch. Langsam kamen auch wieder mehr Wolken auf, aber die Sonne schien weiter. An der Hütte kam eine Gruppe von 3 Wanderern an deren Altersdurchschnitt locker über 60lag und trotzdem mit vollen Gepäck hier auftauchten, diese Schweden... Roine erzählte uns etwas über die Moschusochsen die es hier gibt und wie sie in einem Jahr die Leute dazu zwangen in der Stuga zu verharren bis sie weiterzogen. Außerdem probierte ich etwas von getrocknetem oder geräuchertem Rentierfleisch. Den Rest des Tages haben wir in der Sonne verquatscht, Proviant für den morgigen Tag präpariert und wieder ein ordentliches Abendessen zu uns genommen. Achja und „saunieren“ waren wir auch noche inmal wobei ich mir ungeschickter Weise ausgerechnet dort wo mein Fuß eh von Blasen geschwunden war mich auch noch an einem Stein geschnitten habe.

    Donnerstag 12.08.2010

    Für meine Verhältnisse viel zu früh haben wir uns aus den Betten geschwungen. Dabei war es doch noch so dunkel. Ach das lag gar nicht an der Uhrzeit, sondern am Wetter. Es regnete, nicht sehr stark aber kontinuierlich. Aber wir hatten noch etwas großes vor. Ingmar, der Hüttenwirt hatte uns verraten wo eine Bärenhöhle war, in der im letzten Winter wohl Meister Pelz residiert hatte. Trotz langer suche fanden wir sie aber nicht mehr. Also machten wir uns auf den Weg zum Tandsjövâlen. Vor dem Anstieg bereicherten wir uns aber an den enormen Vorkommen an Moltebeeren die es hier gab.



    Der Anstieg war schon ganz ordentlich aber von oben hatte man, wenn auch eine leicht getrübte, großartige Aussicht über die unzähligen Seen.





    Nun folgte ein Auf und ab über die Erhebung herab in ein reich bewachsenes Tal in welchem sich auch wieder ein paar Beeren fanden. Kurz hinter einem Rentierzaun machten wir an einem Windschutz rast. Und mein Adlerauge erspähte etwas seltsames. Ein Gebiss von einem Rentier. Stolz präsentierte ich es meiner Truppe und wir vergingen uns mit einer Fingersäge an den Gebeinen des armen Tieres um die Zähne zu bergen.



    Unsere Dresdner Freunde hatten wir auch bereits eingeholt und so nahmen wir die letzten Kilometer zur Störrödjärnstuga in Angriff. Aber wie sich das zog. Bald sah man sie schon am Horizont aber sie schien einfach nicht näher zu kommen. Als wir da waren umgab uns Nebel bzw. Wolken und wir beneideten Macintochno ,der dann auch da war, nicht um seinen Zeltplatz. Jürgen strotzte an diesem Tag vor Energie. Er war nicht nur ständig 100Meter vor uns gelaufen sondern wagte einen Sprung ins kühle nass. Der Wind frischte so sehr auf das mir die Tür des Plumpsklos nach einem kleinen Rütteln entgegen geflogen kam und mir ein eisiger Wind um die Familienjuwelen wehte. Die Wirtin war froh über unseren Besuch, seit 4 Tagen meinte sie hatte sie keine richtige Gesellschaft mehr gehabt. Ich fühlte mich unheimlicher sicher hier oben in der Hütte als der Regen und der Wind um uns tobte. Später in der Nacht musste ich nur dringend wieder vor die Tür und ich stellte fest das es so kalt war das sogar mein Atem beschlug.

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