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  1. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    [DE][CH][FR][ES] Von Reutlingen nach Santiago de Compostela

    #1
    Mitreisende: Wafer
    So fing alles an
    Eigentlich wollte ich gar nicht nach Santiago. Aber wie das so häufig im Leben ist: Man kriegt nicht immer das was man will aber man kann auch an Dingen, die man nicht direkt wollte viel Spaß haben!

    Es begann eigentlich mit einer üblichen Thematik: Ich war trotz regelmäßigem Sport gesundheitlich aufs heftigste angeschlagen. Die Einlieferung ins Krankenhaus bescherte mir 5 Tage im Krankenhaus während denen ein Arzt nach dem anderen bei mir auftauchte und genauso ratlos wieder verschwand. Irgendwann hatte ich von den handwerklich orientierten Ansätzen genug und schaute mich anderweitig um. Ein Experte der Bio-Chemie aus der Schweiz diagnostizierte dann: sportlich gesundes Herz aber trotzdem gefährdet. Ich solle doch etwas weniger Stress sowohl bei der Arbeit als auch beim Sport anstreben. Ideal sei ein sehr gleichmäßiger, wenig belastender Ausdauersport als Abhilfe. Also habe ich meine durchgeplanten Marathontrainings eingestellt und habe ihn wörtlich genommen. Für mich war das die exakte Beschreibung von Weitwandern ohne exakte Planung.

    Erste Etappe

    1. Tag: Reutlingen - Hausen
    Donnerstag, 14. Februar 2008
    Strecke: 37 Km - Gesamtstrecke: 37 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 800 m, ↓ 350 m
    Gehzeit: 7,5 h
    So starte ich kurz drauf im Februar 2008 in der Region Reutlingen und habe mir eigentlich nur ein grobes Ziel gesteckt: Den Bodensee. Keine Zeitplanung, keine Streckenplanung, keine ausgearbeiteten Etappen - sehr ungewöhnlich für mich.
    Meine Frau hat bis zum Schluss nicht wirklich verstanden, dass ich bei mir an der Haustüre starte. Man kommt sich zwar reichlich ungewohnt vor wenn man durch das eigene Dorf mit Rucksack und Wanderstiefeln zieht aber das gibt sich spätestens nach ein paar Kilometern.
    Unterwegs bin ich mit den Topographischen Landeskarten 1:50.000 mit Wanderwegmarkierungen die ich mir besorgt habe.
    Ich komme am Kreuzeichestadion von Reutlingen (380 m) vorbei und ziehe zum Wasenwald weiter. Ich staune nicht schlecht als ich um eine Ecke biege und um den Pfosten eines Verkehrsschilds einen Ferrari gewickelt sehe. Von einem Unfall habe ich nichts mitbekommen. Bei näherer Betrachtung stelle ich fest, dass der Fahrer noch bewusstlos auf dem Lenkrad hängt. Ich rufe den Notarzt und versuche zu helfen. Der Fahrer wacht auf und ist erstaunlich gut ansprechbar. Er scheint keine Verletzungen zu haben. Auch den Totalschaden nimmt er recht gelassen hin. Später erzählt er mir, dass er damit gerechnet hat, dass so etwas irgendwann passiert. Er habe in letzter Zeit öfter mal 'Aussetzer' gehabt. Er habe von dem Aufprall gar nichts mitbekommen. Irgendwie hat mich das sehr an meinen Zustand vor ein paar Wochen erinnert. Ich glaube da bin ich bisher noch mit einem blauen Auge davongekommen. Ich muss aktiv etwas tun, damit ich nicht so weit komme wie er! Er kam aber zum Glück auch mit einer blauen Schulter davon.
    Der Vorfall gibt mir auf dem Weiterweg über den Pfullinger Berg (725 m) und den Gielsberg (833 m) nach Genkingen noch schwer zu denken. Das Mittagessen in der Krone (Grieche) und der Weiterweg über Undingen und Erpfingen bringen mich dann wieder auf andere Gedanken. Es geht entlang mehrerer Ruinen Hohenerpfingen und Holstein immer oberhalb des Tals entlang nach Hörschwag. Nirgends ist ein Bett zu kriegen. Seit Erpfingen ist alles voll oder wegen Renovierung geschlossen. Und das im Februar. In Hausen haben ich dann keine Lust mehr – ich esse erst mal was. Mit dem Wirt ins Gespräch gekommen hängt er sich ans Telefon und findet im nächsten Ort - Bronnen - ein freies Bett für mich. Aber auch nur weil er angerufen hat. Eigentlich renovieren die auch gerade. Nach dem Essen lässt sich es der Wirt nicht nehmen mich dann auch noch dort hin zu fahren (ca. 5 Km). So komme ich doch reichlich erschöpft nach einem ersten sehr sonnigen Tag sehr gut unter. Das Bett steht zwar in der Mitte vom Zimmer weil die morgen mit streichen anfangen wollen aber das stört mich nicht wirklich. Der Geruch nach frischer Farbe aus Treppenhaus und Gang stört da schon mehr. Aber ich schlafe tief und fest.

    2. Tag: Bronnen - Veringenstadt
    Freitag, 15. Februar 2008
    Strecke: 14 Km - Gesamtstrecke: 51 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 100 m, ↓ 150 m
    Gehzeit: 4,5 h
    Nach einem kargen Frühstück im Gasthaus gegenüber starte ich gegen 8 Uhr und hole ein ausgiebiges Frühstück in Gamertingen in einem Kaffee nach. Leider muss ich hier auch schon das erste Mal eine Apotheke aufsuchen: Die erste Blase meldet sich. Die Schuhe sind eigentlich schon fast 10 Jahre alt - also eingelaufen sind die reichlich! Ich ziehe weiter über Egertsbühl und spüre wie ich jeden Stein durch die Sohle spüre. Bei Schloss Baldenstein geht ist in ein Bachtal hinein dem ich dann einige Zeit dem mäandernden Lauf folge. Hier fällt mir dann das erste Mal die gelbe Muschel auf blauem Grund auf. Bei Hermentingen geht mit einem stechenden Schmerz die Blase auf der Fußsohle auf. Na fein - ich habe nicht jeden Stein gespürt sondern hatte wohl schon eine Weile Blasenbildung auf der Lauffläche und habe die Herkunft missdeutet! Im nächsten Ort - Veringenstadt - beschließe ich den Rest vom Tag zu bleiben und den Füssen Ruhe zu gönnen.
    Ich komme gut im Lauchertstüble unter wo ich noch Mittagesse. Zu der Zeit hatte ich noch Leselektüre dabei. Die habe ich dann auf einen Rutsch aufgebraucht. Den Nachmittag bin ich mit meinen Turnschuhen Dann noch durch den Ort gestromert und habe mir viel Zeit bei der Erkundung von Kirche, Hausberg (na, sagen wir lieber Haushügel) und Haushöhle genommen.

    3. Tag: Veringenstadt - Pfullendorf
    Samstag, 16. Februar 2008
    Strecke: 38 Km - Gesamtstrecke: 89 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 350 m, ↓ 340 m
    Gehzeit: 8 h
    Für Februar finde ich das Wetter erstaunlich wanderbar. Ich war bisher nie ein Freund von Winterwanderungen. Es liegt aber kein Schnee, es ist zwar kalt aber die Sonne scheint. Und gegen Kälte ohne Feuchtigkeit kann man was tun: Handschuhe, Mütze, Pulli und alles wird gut! Die Wirtin berichtet mir beim Frühstück, dass der Jakobsweg hier schon länger durch geht. Und seit das Buch von Kerkeling auf dem Markt ist merkt sie deutlich eine Zunahme von Pilgern. Zu dem Zeitpunkt sehe ich mich noch nicht veranlasst mich als einen solchen zu betrachten. Ich will ja eigentlich nur zum Bodensee.
    Es ist doch erstaunlich wie sich ein Körper regeneriert, wenn man ihm die Ruhe dazu lässt! Nach ordentlicher Blasenversorgung breche ich bei strahlendem Sonnenschein aber durchaus Minusgraden auf und ziehe über Veringendorf und Jugnau nach Sigmaringen. Hier ist eine Runde durch die Altstadt mit Schloss fällig. Ein imposanter Bau!
    Ich habe leider keine eigenen Bilder gemacht aber ein Blick lohnt sich immer - z.B. auch ins Wikipedia!


    Ich verlasse Sigmaringen in Richtung Krauchenwies. Mit der Donau in Siegmaringen hört die hügelige und sehr abwechslungsreiche Landschaft schlagartig auf. Der Siegmaringer Forst, durch den es geht, ist noch leicht gewellt aber dann wird es richtig Flach im Vergleich zum Albhinterland. Dafür kann man aber auch weiter sehen. Die Jakobsmuschel als Wegweiser habe ich in Sigmaringen irgendwie aus den Augen verloren. Da ich eh nicht geplant hatte ihr zu folgen fällt mir das erst auf, als ich in Krauchenwies eine Unterkunft suche. Von 5 Gasthöfen haben 3 zu und die anderen haben keine Betten. Im 12 Km entfernten Pfullendorf gäbe es in meiner Richtung die nächsten Übernachtungsmöglichkeiten. So folge ich dem Andelsbach über Hausen und Zell bis ich rechts in Richtung Pfullendorf die Au verlasse. In Pfullendorf ist das erste Wanderzeichen, das mir über den Weg läuft natürlich wieder eine gelbe Muschel auf blauem Grund.
    Jugendherberge und Pensionen haben alle zu. Und nachdem auch dieser Tag wieder mit 38 Km recht lang ausgefallen ist und ich Lust auf Erholung habe, mache ich aus der Not eine Tugend und steige im Hotel Adler - mit Sauna - ab. Der Erholungswert ist schon sehr gut wenn man nach 2 Saunagängen und einem Vollbad ungestört in einem Einzelzimmer übernachtet. Nachdem der HP-Zuschlag zum Zimmer mit Frühstück sehr überschaubar ist nehme ich abends noch das 3-Gänge-Menü mit. Ich bin schließlich eigentlich zu 'Kur' unterwegs. Ob das die Krankenkasse genauso sieht wage ich zu bezweifeln.

    4. Tag: Pfullendorf - Überlingen
    Sonntag, 17. Februar 2008
    Strecke: 28 Km - Gesamtstrecke: 117 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 380 m, ↓ 660 m
    Gehzeit: 6 h
    Die Saune und der Wein zum Abendessen sowie die Ruhe im Zimmer haben dafür gesorgt, dass ich erst recht spät zum Frühstück komme. Auch heute spielt das Wetter wieder super mit. Schon beim Frühstück scheint mir die Morgensonne auf den Tisch. So schaffe ich es trotz - oder vielleicht gerade wegen? - des üppigen Büffets nicht deutlich vor 9 Uhr zu starten. Mein Frau will heute Morgen gleich mit den Kindern losfahren und mich dann auf dem Weg aufgabeln. Daher habe ich auch keine sonderliche Eile. Ab hier folge ich der Jakobsmuschel weil der Weg auch an den Bodensee führen soll. Es geht an einem kleinen Flugplatz vorbei in Richtung Großstadelhofen.

    Bei Großstadelhofen wird der Jakobsweg sehr deutlich bei den Wegweisern abgehoben!
    Durch meine Blasen auf zwischenzeitlich beiden Fußsohlen bin ich heute sehr langsam unterwegs. Durch eine wunderbar wilde Schlucht ziehe ich weiter über Kirnbach nach Großschönach und Taisersdorf. Fast überall werden Übernachtungsmöglichkeiten oder Kleinigkeiten zu Essen angeboten.
    Hier komme ich an ein Denkmal für den Flugzeugzusammenstoß über dem Bodensee am 1. Juli 2002. Teile der Maschinen sind bis hier her geschleudert worden. Der Alptraum eines jeden, der seine Kinder auf eine Jugendfreizeit schickt.
    Es zeigt mir aber auch, dass der Bodensee nicht mehr weit sein kann. Es geht nach Hohenbodman hinauf und ab hier sind die Berge am Horizont sichtbar. Auf dem Weg nach Owingen sieht man auch einmal kurz schon den Bodensee. Das Bräuhaus Stengel bietet für wenig Geld einen Zwiebelrostbraten als Mittagstisch - das kann ich nicht stehen lassen. Mit vollem Bauch 'rolle' ich über den Golfplatz mit grandiosem Blick auf den See - die Golfclubs wissen wie man seine Plätze legen muss - nach Überlingen hinunter. Ich lasse mich direkt am See bei einem Kaffee nieder und geniesse die Zeit bis meine Frau mit den Kindern kommt um mich ab zu holen.
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    Geändert von Wafer (07.06.2016 um 20:16 Uhr)

  2. Dauerbesucher

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    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #2
    Na, da freue ich mich auf eine Fortsetzung (die hoffentlich nicht so lange auf sich warten lässt )

    Die Entfernungen sind für den Anfang aber schon gewagt, da bin ich gespannt, wie es denn weitergeht.
    Ich vermute, Du hattest nicht allzuviel Gepäck dabei?

    Heute hatte ich den Ammersee umrundet, das sind knappe 50km und am Ende hatte ich meine momentanén Grenzen sehr deutlich gespürt.
    Am nächsten Tag weiterlaufen, da wäre nicht dran zu denken...

    Gruß,
    Stefan

  3. gelöschter Nutzer
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    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #3
    Auch wenn der Anlass der Tour nicht unbedingt ein positiver war - der Reisebericht liest sich
    sehr interessant und macht sehr viel Lust auf mehr
    Auf jeden Fall finde ich es bemerkenswert, dass Du mit zwei (?) wund gelaufenen Fusssohlen
    noch Touren von über 30 Kilometern Länge hinlegst. Respekt!

  4. Fuchs
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    AW: [DE][CH][FR][ES] Von Reutlingen nach Santiago de Compostela

    #4
    Hallo Stefan, hallo Schaiman.

    Na, so ganz unvorbelastet bin ich ja nun wirklich nicht. Ich gestehe, dass ich seit Jahren in die Berge gehe. Da legt man zwar keine 50 Km am Tag hin aber eine gewissen Grundkondition bringt das schon. Und meine Lauferei seit meinen Bandscheibenvorfällen hat da sicher auch geholfen.
    Die Vorfälle haben mich auch gelehrt mit dem Gewicht eher sparsam um zu gehen. Für die zweite Etappe war ich dann nur noch mit 13 Kg unterwegs. Aber auch das habe ich bis heute noch reduzieren können.
    Weitwandern war für mich Premiere. Hat mir aber auf Anhieb viel Spaß gemacht.
    Das mit den Blasen: Mit Comped geht eine ganze Menge. Der Rest ist dann 'weichtreten'. Am Anfang etwas schmerzhaft aber man gewöhnt sich dann dran.

    Gruß Wafer
    Geändert von Wafer (05.12.2011 um 09:59 Uhr)

  5. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    [DE][CH][FR][ES] Von Reutlingen nach Santiago de Compostela

    #5
    Intermezzo

    Der Erholungswert der 4 Tage war für mich erstaunlich groß. So haben meine Frau und ich beschossen auf diese Art weiter für meine Gesundheit zu sorgen. Da ich Mitte April wieder zu dem Experten in die Schweiz soll beschließen wir, dass ich vorher nochmal eine Woche oder zwei eine weitere Auszeit nehme und mich auf diese Weise erholen kann. Bei der Überlegung wie diese nächste Auszeit aussehen könnten führen schnell zu einem Ergebnis. Mit meinen Rahmenbedingungen:
    • Im Frühjahr machbar
    • In der Gegend von Bergen - idealerweise in der Schweiz
    • Mit guter Infrastruktur

    und etwas Internet-Recherche komme ich schnell auf eine gute Lösung: Ich werden einen Teil des schweizer Jakobsweges laufen. Ich lasse mir vom Verein Jakobsweg.ch Unterlagen schicken. Die sind besser als die meisten Führer und immer recht aktuell. Da ich mal auf dem Flohmarkt einen kompletten Satz Schweizer Landeskarten im Maßstab 1:50.000 gekauft habe ist auch klar, dass ich keine weiteren Karten brauche. Die sind zwar etwas älter aber die Landschaft verändert sich so schnell nicht. Nur: Meine Karten haben keine Wege eingezeichnet. Im Internet findet sich schnell eine KMZ-Datei vom schweizer Jakobsweg für Google-Earth die mir sehr hochauflösend den Weg auf dem Rechner zeigt. Den übertrage ich kurzerhand mit rotem Stift in meine Karten. Fertig! Was fehlt noch? Die Zeit totschlagen bis ich wieder los kann. Das ist am schwierigsten!
    6 Wochen später ist es dann so weit. Ich packe meinen Rucksack und starte in Richtung


    2. Etappe


    5. Tag: Dingelsdorf - Konstanz
    Montag, 31. März 2008
    Strecke: 14 Km - Gesamtstrecke: 131 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 100 m, ↓ 100 m
    Gehzeit: 2,5 h
    Die Bahn und der Bus bringen mich an den Ausgangspunkt Dingelsdorf (397 m). Eigentlich wollte ich in Überlingen starten und mit der Fähre übersetzen aber die fährt erst ab morgen. Also dann eben direkt nach Dingelsdorf wo die Fähre mich eh wieder abgesetzt hätte. Ich komme am Nachmittag dort an und ziehe über Ziegelhütte nach Litzenstetten. Von dort durch den Wald immer etwas auf und ab über den Loh (489 m) bis ich von hinten an die Uni von Konstanz komme. An der vorbei und dann geht es leider schon voll in die Stadt. Durch Allmannsdorf und Petershausen geht es über die Rheinbrücke, die den Untersee vom Bodensee trennt in die Altstadt von Konstanz. Die ist wirklich einen Besuch wert. Ich kannte bisher nur den Hafen und die Autobahn. Es hat schon seine Vorteile in diesem Tempo zu reisen: Man bekommt viel mehr von Land und Leuten mit. Die Eindrücke sind viel tiefer und Dauerhafter. Leider wird es schon sehr schnell dunkel. Die Pension Gretel gewährt mir Unterschlupf.
    Am Abend streife ich noch weiter durch die Altstadt und sehe mir die Kirche an. Eine ansprechende Kneipe ist auch schnell gefunden. Hier kann ich noch in Ruhe etwas über der Karte brühten und eine Kleinigkeit essen.


    6. Tag: Konstanz - Fischingen
    Dienstag, 1. April 2008
    Strecke: 38 Km - Gesamtstrecke: 169 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 490 m, ↓ 265 m
    Gehzeit: 8 h
    Der Start in Konstanz gestaltet sich etwas wild. Ich war der Meinung ich könne einfach an der Straße entlang nach Kreuzlingen gehen. Da hat aber die Polizei etwas dagegen weil man da über Gleisübergange zwischen Bahn und Straße muss und da dürfen Fußgänger nicht drüber! In Spanien oder Frankreich wäre ich sicher nicht von der Polizei zum Umkehren aufgefordert worden. Wie es der Zufall will komme ich auf dem Rückweg an einer Lücke im Zaun vorbei, die das Problem komplett umgeht. In Kreuzlingen erkenne ich dann, dass die KMZ-Datei wohl so genau auch nicht war - oder der Weg verlegt wurde. Den Wegweisern folgend geht es durch eine kleine Schlucht in der das Leiden Christi in mehreren Schnitzereien dargestellt ist. Ich merke deutlich: Hier wird theologischer Hintergrund vorausgesetzt. Ich betrachte mich zwar keiner Kirche zugehörig aber gut gemachte Kunst oder schöne religiöse Bauten schaue ich mir gerne an. Egal von welche Konfession oder Glaubensrichtung.
    Es geht über Ellighausen und Lippoldswilen nach Amlikon. Von den beiden Restaurants hat das eine geschlossen und das andere hat eine geschlossene Gesellschaft. Ich will mich gerade in Ruhe bei Zweiterem auf der Sonnenterasse zum Vesper niederlassen da kommt auch schon eine Bedienung. Hier dürfe ich nichts Mitgebrachtes essen! Auf die Erwiderung das sei die einzige Bank in der Sonne meinte sie das verstände sie ja. Aber ich dürfte eben keine mitgebrachten Speisen verzehren. Aber bei der Hochzeit sei so viel übrig. Wenn ich wolle könne ich gerne etwas von dem Essen bekommen. Sie hat mir dann Suppe, Salat, Hauptgang und Dessert gebracht. Beim Kassieren wollte sie dann aber nur das Getränk bezahlt bekommen. Das hätte ja eh keiner bemerkt und sie müssten es sonst auch entsorgen.
    Irgendwie hilft mir da heute einer!
    Ich komme viel zu spät weg - so haben wir uns noch verquatscht
    Der Weg über Hünikon, Maltbach nach Affeltrangen gestaltet sich mühsam - voller Bauch bewegt sich nicht gern - schon gar nicht aufwärts. Über Tobel und Tägerschen geht es durch ländliche Gegend nach Münchwilen. Hier lese ich von einem Kloster in Fischingen, das wegen zu weniger Mönche seine Zellen an Pilger für wenig Geld vermietet.
    Nachdem ich nun schon mal auf einem Pilgerweg unterwegs bin kann man sich durchaus auch als Pilger sehen. Also geht es abends noch über Sirnach und Wiezikon nach Fischingen. Das ist ein sehr schönes altes Kloster! Ich lasse mir eine Zelle zuteilen und harre der Dinge die da kommen werden. Das Abendmenü kann man für 10 Franken dazu zu buchen. Also nehme ich auch das noch mit. Gespeist wird zwar nicht mit den Mönchen aber die Atmosphäre ist sehr anregend. Nach dem Nachtessen lasse ich mir noch das Kloster zeigen. Wann sieht man so was denn schon mal von innen?
    Hier in Fischingen wurde ein Orden wiederbelebt. In der Schweiz ist der Zulauf zu den Klöstern wieder ansteigend und so wurde aus Einsiedeln eine Abordnung nach Fischingen verlegt um den Orden dort wieder zum Leben zu erwecken. Die ersten Novizen haben sie auch schon wieder neu an Bord. Unsere Gesellschaft erzeugt aktuell wohl genügend Leute die dem Druck unserer Leistungsgesellschaft nicht mehr gewachsen sind oder nicht mehr gewachsen sein wollen und einer der 'Abnehmer' für Systemaussteiger scheint auch ein Kloster zu sein.


    7. Tag: Fischingen - Hurden
    Mittwoch, 2. April 2008
    Strecke: 36 Km - Gesamtstrecke: 205 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 750 m, ↓ 975 m
    Gehzeit: 8,5 h
    Die Nachtmesse und die Frühmesse mit benediktinischen Mönchen - also ein eher konservativerer Orden - sind für mich als 'Klosterlaien' schon sehr spannend. Ein interessantes Ambiente. Nichts was ich ein Leben lang brauche aber das sollte man sich mal näher ansehen.
    Nach dem Frühstück ziehe ich um 9:30 Uhr erst weiter. Von Fischingen (625 m) geht es stetig aufwärts bis zu einem Gasthaus Kreutz in Allenwinden (914 m). Vor der Tür merke ich deutlich wo der Ort seinen Namen her hat! Ich versorge mich innen mit Getränken und komme als einziger Gast mit der Wirtin ins Gespräch. Als ich aufbreche gibt sie mir noch 5 Franken mit und bittet mich dafür in Einsiedeln für sie und ihre Familie eine Kerze an zu zünden.
    Draußen ist es zwar immer noch sonnig aber es weht ein kühler Wind. Der Weg führt weiter bergauf in Richtung Hörnli. April scheint aber auch hier ein Termin zu sein bei dem gerne gearbeitet wird. Im Forst rund um das Hörnli sind Baumfällarbeiten im Gange so dass der Weg gesperrt ist. Ich höre zwar nichts von den Arbeiten aber die Umleitung führt mich im großen Bogen um dem Berg herum und von hinten auf den Gipfel wo ein Gasthaus steht. Dort sitzen die Arbeiter am warmen Ofen und unterhalten sich angeregt. Na, da hätte ich auch direkt durch können. Wären ein paar Kilometer und ein paar Höhenmeter weniger gewesen. Aber ich bin ja zum Spaß hier und steige dann Richtung Süden auch wieder ab. Es geht steil abwärts bis man in Steg auf eine Straße trifft. Von dort geht es meist auf geteerten Wegen weiter, durch kleine Weiler nach Fischenthal. Bisher hatte ich noch keine Druckstellen aber so langsam melden sich meine Fußsohlen wieder.
    Nach einem Vesper schlage ich mich über Feldwege weil die Straße mir zu langweilig ist. So verfehle ich dann auch den Abstieg nach Rüti und komme dafür an einem Vereinsfest der Schützengilde vorbei. Hier kann ich dann im Warmen das Mittagessen etwas aufstocken. Das Weiterlaufen gestaltet sich immer schwierig nach dem Essen. Und bis die Füße wieder einigermaßen von alleine laufen braucht das bei mir seine Zeit. Durch den Wald geht es abwärts nach Jona und durch die Stadt weiter nach Rapperswil. Ein Steg nur für Fussgänger führt über den Obersee - die Verlängerung des Zürisees. In Hurden ist bei mir für heute Schluss.
    Sensationell: Ich habe heute die ersten beiden Pilger getroffen. Anfang April ist in der Schweiz auf dem Jakobsweg noch nicht wirklich viel Verkehr!


    8. Tag: Hurden - Einsiedeln
    Donnerstag, 3. April 2008
    Strecke: 14 Km - Gesamtstrecke: 219 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 700 m, ↓ 200 m
    Gehzeit: 5 h
    Ich bin heute extrem langsam unterwegs. Ich würde das gerne alleine auf die lädierten Füße schieben. Das wäre aber nicht ganz fair! Ich denke das Käsefondue und die Flasche Wein gestern Abend in sehr angenehmer Begleitung bis spät in die Nacht sind an dem Umstand zumindest teilschuldig! Und dann geht es natürlich erst mal nur aufwärts. Von Hurden (407 m) bis Pfäffikon sind es nur ein paar Meter. Dann muss ich schon den ersten Stopp einlegen und Regenzeug nachrüsten. Das schöne Wetter scheint vorbei zu sein. Im leichten Regen geht es stetig Bergan hinauf auf den Etzel (1098 m). Das Gasthaus St. Meinrad ist natürlich wiedermal zu. Dann geht es wieder etwas abwärts zur Teufelsbrücke. Das Restaurant Krone direkt daneben sieht warm und trocken aus. 2 Attribute, die eine Entscheidung vorweg nehmen: Hier wird heute zu Mittag gegessen! Die Feuchtigkeit geht langsam durch und mit dem Wind sind das gefühlt Minusgrade!
    Hier sitzt schon ein Pilger. Wieder ein Schweizer. Wir essen sehr gut und reden recht viel.
    Als wir vor die Tür treten ist mir klar warum ich es vorhin so kalt empfand: Es hat zu schneien angefangen und der Schnee bleibt liegen. Also echte Minusgrade. Bei Sichtweiten von unter 100 Metern steigen wir die letzten Meter auf und erreichen die Hochfläche bei ca. 900 m. Die Blasen in den kältestarren Schuhen gehen auf und bereiten viel Freude. So schalte ich in den ersten Gang zurück und schleiche wie auf Eiern die letzten Kilometer bis Einsiedeln. Ich komme im Kloster als Pilger unter. Nach einer ersten Fußanalyse und einem Blick aus dem Fenster steht fest: Hier wird ein Ruhetage fällig! Wie es aussieht bleibe ich vorerst der einzige Übernachtungsgast im Kloster.
    Der Gastpater gesellt sich zu mir und wir unterhalten uns über meine Tour. Ich erzähle ihm von Fischingen und dem geplanten Ruhetag und auch einige privatere Dinge. Nach einer Stunde bietet er mir an mich als 'Mönch auf Zeit' bis übermorgen auf zu nehmen.
    Damit hatte ich nun nicht gerechnet. An so was hatte ich in Fischingen nicht gedacht, als ich meinte das sollte man sich mal näher ansehen. Aber warum nicht? Ich bin hier, habe Zeit und Interesse mal detaillierter hinter Klostermauern zu schauen. Eine entfernte Verwandte macht so was seit Jahren regelmäßig und schwört drauf. Ich sage zu. Also nimmt er mich gleich mit zum gemeinsamen Abendessen. Es sind noch 3 andere 'Mönche auf Zeit' da. Vor dem Essen wird gebetet - das war zu erwarten. Aber während des Essens darf nicht gesprochen werden. Dafür liest einer der Mönche während des Essens - nein, nicht aus der Bibel, sondern aus den Memoiren von Nelson Mandela vor. Nicht unbedingt ein Buch, dass ich mir gekauft hätte. Aber auf diese Weise kriegt man auch Themen mit, die man sich selber nicht raus gesucht hätte. Was er da beschreibt ist schon interessant. Es geht um die Zeit seiner Inhaftierung und was ihn da aufrecht hält. Die Zustände in dem Gefängnis sind erschreckend. Mein Gott geht es uns gut!
    Nach dem Essen erläutert uns der Gast-Pater bei einer Tasse Kaffee an der 'Bar' wie es im Kloster steht: Sie haben gewaltige demographische Probleme lösen aber fast alles selbst. Begriffe wie Rente, Lebens- oder Krankenversicherung gibt es hier nicht. Das erledigt alles die Gemeinschaft. Dank dem seit ein paar Jahren wieder steigendem Zustrom an Brüdern bessert sich das Durchschnittsalter - aber es liegt aktuell jenseits der 60. Leider müssen wir die Diskussion schon abbrechen da wir zum Nachtgebet in die Kirche müssen. Er weist uns ein was da auf uns zu kommt und was welche Bedeutung hat. Mit ein paar Grundinformationen in der Hand kann man mit so einem völlig fremden Ablauf gleich viel besser etwas anfangen.
    Nach der Messe wird nicht mehr gesprochen und es geht zu Bett.


    Ruhetag in Einsiedeln
    Freitag, 4. April 2008
    Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich freiwillig um 6 Uhr aufstehe um mit Mönchen in die Kirche zu gehen. Draußen ist es stockdunkel. Es liegt zwar kaum noch Schnee aber es ist sehr kalt. Und gut beheizt sind Klosterkirchen nicht gerade. Die sein einfach zu groß. Nach der Messe erzählt der Pater wie sie die Wetterforschung unterstützen: Architekten haben das Temperaturverhalten in der Kirche in der Vergangenheit ermittelt und nun gehen Meteorologen die Aufzeichnungen von zig Jahrhunderten durch. Sie suchen dabei nach Hinweisen wie z.B. wann der Messwein gefroren war um daraus dann auf die Temperatur zu schließen. Da die Aufzeichnungen in diesen und anderen Details sehr genau sind, scheint das eine vielversprechende Methode zur Wetterforschung in der Vergangenheit zu sein. Am Vormittag drehe ich mit dem Gast-Pater eine Runde um das Kloster. Sie betreiben dort ein Gestüt, das als Zuschussbetrieb läuft. Das machen sie aus reinem Idealismus! Nicht für sich - sondern für andere. Sie selber haben nur sehr eingeschränkt Bedarf an Pferden. Dann haben Sie noch ein Sägewerk. Da Einsideln das älteste Kloster der Schweiz ist und Mönche im Regelfall keine Nachkommen haben ist über Jahrtausende der Besitz der Mönche immer an das Kloster gefallen. So kommt es, dass das Kloster Einsiedeln der größte private Grundbesitzer in der Schweiz ist. Um diese Ländereien und die anderen Aktivitäten des Klosters zu betreiben haben die 88 Mönche über 250 Angestellte. In dem Sägewerk - eines der modernsten der Schweiz - wird das Holz mit Lasern vermessen und vollautomatisch so verarbeitet, dass der höchste Ertrag entsteht. Mit der anfallenden Biomasse (Restholz, Sägespäne, etc.) wird das ganz Kloster beheizt.
    Am Nachmittag erzähle ich ihm dann aus meinem Umfeld. Es stört ihn überhaupt nicht, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin und den Kontakt eigentlich völlig abgebrochen habe. Wir kommen noch auf viele interessante Themen aber auch der Nachmittag ist schnell vorbei. Beim Abendessen wird von der Freilassung Nelson Mandelas vorgelesen und von der folgenden Entwicklung die Südafrika und er danach durchgemacht haben.
    Für mich war der Tag viel zu kurz! Der Gast-Pater - und ich nehme an auch andere - ist ein hoch intelligenter Mensch mit einer interessanten Entwicklung.


    9. Tag: Einsiedeln - Alpthal
    Samstag, 5. April 2008
    Strecke: 8 Km - Gesamtstrecke: 227 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 100 m, ↓ 10 m
    Gehzeit: 1:45 h
    Nach dem Frühstück wird uns noch die Klosterschule gezeigt. Die Mönche betreiben dort ein Gymnasium. Der Gast-Pater hatte Theologie studiert, seine Thesis (so hieß das glaube ich bei den Theologen) hat er über die Weltreligionen geschrieben: Buddhismus, Hinduismus, Islam und das Christentum. Er sieht sich selber als eine Mischung aus Hindu und Buddhist mit christlichem Unterbau. Interessant! Als er dann ins Kloster kam hat er festgestellt, dass naturwissenschaftliche Lehrer fehlen. Also ist er raus um Mathematik und Physik zu studieren um dann, nach seiner Rückkehr ins Kloster, naturwissenschaftliche Fächer unterrichten zu können. Sich mit solchen Leuten über Ethik, Religion oder auch andere Themen zu unterhalten ist extrem interessant und anregend!
    Die Führung geht dann doch recht lang so dass ich erst nach dem Mittagessen wegkomme. Da ich nicht gleich wieder Blasen kriegen will gehe ich langsam und vorsichtig. In Alpthal (1.000 m) stehe ich dann vor der Entscheidung noch bis auf den Hageneck-Pass (1.412 m) auf zu steigen. Da mir das aber zu knapp ist - ich käme zwar noch rauf aber was ist wenn...? Also bleibe ich unten. Auf der Suche nach einer Unterkunft treffe ich zwei Pilgerinnen. Die haben gerade bei einem älteren Ehepaar Quartier bezogen. Das soll gut sein. Also klingle ich auch dort. Die alten Leute sind nett und zweigen wir 2 Doppelzimmer. Ich solle mir eines aussuchen. Dann kochen sie uns noch Älpler Makkaroni mit Zwiebeln, Käse und Apfelmuss. Lecker! Nach dem Spülen entschuldigen sie sich, zeigen uns wo das Bier steht und wollen zur Kirche aufbrechen. Genau da klingelt es und es kommt ein vierter Gast. Die Anweisungen waren so klar wie verblüffend: Die Mädels sollen nochmal Älpler Makkaroni für den neuen Gast kochen, ich solle ihm sein Zimmer zeigen und sie würden jetzt in die Kirche gehen. Der Neuankömmling hat sich das alles angeschaut und hatte seinen Spaß als die Mädels kochten. So ganz haben wir es erst verstanden als er uns bei einem Bier erzählt hat, dass er Koch sei.


    10. Tag: Alpthal - Emetten
    Sonntag, 6. April 2008
    Strecke: 32 Km - Gesamtstrecke: 259 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 850 m, ↓ 1.050 m
    Gehzeit: 8 h
    Heute war die Überraschung groß: 50 cm Neuschnee. Und wir müssen über einen Pass mit über 1.400 Metern! Wir brechen zu viert auf und spuren abwechselnd.

    Hier noch recht weit unten

    Das ist auf halber Höhe.
    In 2 Stunden steigen wir hinauf auf das Hagenegg (1.412 m). Das Gasthaus hat natürlich geschlossen. Zum Glück bin ich gestern nicht mehr los!

    Da oben liegt weit über einen Meter zwanzig Neuschnee. Wir versinken teilweise bis zu den Oberschenkeln im Schnee.
    Da wir nicht wirklich klar erkennen können wo die Straße genau verläuft gehen wir teilweise einfach gerade abwärts. Je schneller wir tiefer kommen umso schneller wird die Schneehöhe auch wieder erträglich. Bis Schwyz sind es fast 1.000 Höhenmeter. Dort liegt fast nix mehr. Hier trennen wir uns und ich ziehe wieder allein weiter nach Brunnen am Vierwaldstätter See (435 m). Hier ist es trocken. Entsprechend werde ich in meiner vollen Wintermontur angestaunt. Das nächste und letzte Schiff nach Treib geht erst in über einer Stunde. Ich nutze die Zeit durch ein Vesper in der Sonne. Wie unterschiedlich doch das Wetter auf ein paar Metern Höhendifferenz im April sein kann!
    Das Schiff bringt mich nach Treib wo ich schleunigst aufbreche. Die nächste Unterkunft die mir zusagt ist erst in Emmstetten. So steige ich vom See (435 m) über Vollingen und Sunwil (782 m) auf um mit dem letzten Büchsenlicht im Gasthaus Engel in Emetten (750 m) an zu kommen. Hier in der Gegend war ich schon mal zum Skifahren. Damals sind wir 4 Stunden bis hier her gefahren. Langsam merke ich richtig welche Entfernungen man in ein paar Tagen zurücklegen kann.


    11. Tag: Emetten - St. Nicklausen
    Montag, 7. April 2008
    Strecke: 32 Km - Gesamtstrecke: 291 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 600 m, ↓ 570 m
    Gehzeit: 7:30 h
    Heute Nacht kam laut Wetterbericht der letzte Zucker und ab heute soll es Föhn geben. Es geht runter nach Beckenried (436 m) und wieder rauf nach Buochs und Walterberg (650 m) um wieder runter an den See zu kommen. Die Sicht entwickelt sich phantastisch! In Stans ist schon wieder fast Sommer.

    Mein Handy macht zwar nicht die schönsten Bilder aber man erkennt den Frühling.

    Auf der Terrasse vom Gasthaus Engel ins Stans (435 m) habe ich während des Vespers einen guten Blick auf das Stanser Horn. Wie ich sehe ist die Bahn hinauf in Betrieb. Die Fernsicht kann ich so nicht ungenutzt lassen. Nach dem Essen fahre ich also mit dem Schrägaufzug aus dem vorletzten Jahrhundert und der Seilbahn hinauf auf das Stanser Horn (1.848 m). Das Stanser Horn ist ein Aussichtsberg erster Güteklasse! Er steht recht allein und prominent mit seiner Höhe direkt am Vierwaldstätter See und man hat von oben ein 360°-Panorama das seinesgleichen sucht! Ich kann mich erst nach 2 Stunden losreißen. Die Liste der Orte die ich unbedingt mal besuchen muss ist dabei gewaltig angeschwollen.



    Jeder der mal in die Gegend kommt sollte sich das mal ansehen!
    Ich komme durch mehrere Weiler (Emmetmoos, St. Jakob sowie Acheri) und komme über Unter- nach Oberhalten. Hier hat eine Familie ihre Garage zu einer Pilgerstube umgebaut. Sehr ansprechend gemacht. Und bei der Aussicht von hier genieße ich auch noch mal von hier den Blick in die Zentralschweiz. Spät ziehe ich dann doch noch bis St. Nicklausen weiter wo ich in dem kirchlichen Ferienheim Bethanien unterkommen. Überrascht stelle ich fest, dass die hier über ein Hallenband verfügen. Das war bei dem Preis wirklich nicht zu erwarten. Also nichts wie rein und ausgiebig baden. Beim Abendessen muss ich das erste Mal auf Französisch ausweichen weil ich 2 französisch sprechende Schweizer am Tisch habe.

    12. Tag: St. Nicklausen - Bienzwiller
    Dienstag, 8. April 2008
    Strecke: 27 Km - Gesamtstrecke: 318 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 660 m, ↓ 740 m
    Gehzeit: 7 h
    Am nächsten Morgen führt mich der weitere Weg über Ranft (649 m) nach Flueli (740 m). Hier steht eine kleine Hütte in der Bruder Klaus als Einsiedler gelebt haben soll. Kaum vorstellbar in welchen Verhältnissen die Eremiten früher gelebt haben! Über Sachslen (472 m) gelange ich an den Sarner See an dem es dann in aller Ruhe die Uferpromenade entlang nach Gibswil geht. Die Großbaustelle der Bundesstrasse beendet die Beschaulichkeit. Gleich hinter dem Bahnhof von Gibswill geht es dann auch noch steil aufwärts. Immer an der Zahnradbahn orientiert sich der Weg hinauf nach Kaiserstuhl (646 m). Hier ist es dann mit den Füssen wieder vorbei. Ich ziehe meine Gummisandalen an und humple am Lungerer See entlang. Ich muss wohl so ein erbärmliches Bild abgegeben haben, dass mich eine sehr spirituelle alternative Frau angesprochen hat und mich zu sich zum Mittagessen eingeladen hat. Eine Einladung dich ich nicht ausschlagen kann. In ihrer sehr gemütlichen Hütte gab es dann viele leckere Kleinigkeiten. Dabei habe ich ihr von meinen Blasenproblemen erzählt. Daraufhin hängt sie sich ans Telefon und beordert ihr Freundin her. Die hat einen Schuhladen - erfahre ich - und ich kann mich bei ihr nach ein paar passenderen Schuhen umsehen. Mit den Gummilatschen komme ich nicht mehr weit und in die Wanderstiefel komm ich gerade nicht mehr rein.
    Mit einem neuen paar Schuhe die auch einen Nummer größer sind als normalerweise - bei Langstrecken schwellen die Füße teilweise mächtig an - breche ich dann in Lungern wieder auf. Es geht über wunderschöne Wege weiter hinauf um über Lichtungen und Wälder in die Bergwelt rund um den Brünig-Pass (1.002 m) zu kommen. Hier liegt bei weitem nicht so viel Schnee wie drüben bei den Mythen. Der Föhn hat im April schon richtig Kraft. Auch am Pass treffe ich einen schweizer Pilger. Ich bin wohl einer der wenigen die hier unterwegs sind, der nicht aus der Schweiz kommt. Da mir die Paßstrasse als Hintergrundgeräusch doch etwas laut ist steige ich dann auf der Südseite des Passes langsam wieder ab. Da müssen die Schuhe gleich zeigen, dass sie Wasserdicht sind weil hier mehr Schnee liegt als auf der Nordrampe. Im nächsten Ort Brienzwiller gefällt mir der uralte Gasthof Bären am besten. Also entschließe ich mich kurzerhand zum Bleiben und lasse den Abend in Ruhe ausklingen.

    13. Tag: Bienzwiller - Gwatt
    Mittwoch, 9. April 2008
    Strecke: 42 Km - Gesamtstrecke: 360 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 880 m, ↓ 1.020 m
    Gehzeit: 9,5 h
    So gemütlich solche alten Holzhäuser auch sind so ungemütlich sind die Betten wenn sie aus dem gleichen Baujahr stammen: Mir tut alles weh! Das Frühstück hält mich nicht lange, so dass ich kurz nach 8 unterwegs bin. Über ein Freilandmuseum führt der Weg hinab nach Ballenberg und Hofstetten. Häufig hat man den Blick bis in den Talgrund in dem unter anderem ein Militärflughafen liegen muss. Da ist gerade Übung. Das ist schön laut hier zwischen den hohen Bergwänden. Südlich von mir ist das Berner Oberland mit Eiger, Mönch, Jungfrau und weiteren Gipfeln dieser Größenordnung. Also reichlich hoch - über 4.000 Meter. Und entsprechend bombastisch ist die Kulisse. In Kienholz entscheide ich mich für die nördliche Uferseite des Brienzer Sees weil da die Sicht einfach grandioser ist und die Sonne länger scheint. Dort liegen auch mehr Ortschaften am See entlang. Wenn mich meine Füße nicht mehr tragen wollen kann ich jederzeit aufhören. So ziehe ich meist zwischen See, Straße und/oder Bahnlinie über Brienz, Eblingen, Oberried, Niederried und Ringenberg fast ohne Höhenmeter nach Interlaken. Eine Stadt für die man sich auch mehr Zeit nehmen könnte. Leider fängt es just in dem Moment an zu regnen. Dann doch weitergehen anstellen einer Stadttour im Regen! Interessant ist der Bahnhof: Der hat Gleise für die Bahn - nicht so ungewöhnlich bei Bahnhöfen - aber er hat auch 2 Schiffsanlegestellen - auf sehr unterschiedlichem Niveau. Die eine gehört zu den Schifffahrtslinien auf dem Brienzer See und die andere gehört zu den Linien auf dem Thuner See.
    Ich wandere zur Ruine Weissennau am Ufer des Thuner Sees und über sehr schöne Uferwege entlang nach Neuhaus und Sundlaunen (343 m). Die Beatushöhlen muss man sich ansehen wenn man hier in der Gegend ist! Der Aufstieg ist kurzweilig und lohnenswert. Trotz - oder gerade wegen? - der Zeit im April ist es hier sehr voll. Weiter geht es noch weiter aufwärts bis 800 Meter. Grandiose Aussicht über den Thuner See mit den gewaltigen Viertausendern. Zum Glück hat der Regen wieder aufgehört. Der Abstieg führt zu der Beathenbucht an den See zurück. In Merlingen kommt doch tatsächlich wieder die Sonne raus! Ein Grund mehr auf das nächste Schiff nach Spiez zu warten und eine sonnige Überfahrt zu genießen. Vom Spiezer Hafen gehe ich hinauf auf den Spiezberg (710 m) und auf dessen Rücken nach Spiezmoos. Da ich weit ab vom offiziellen Jakobsweg bin, sind brauchbare Unterkünfte wieder Mangelware. Also probiere ich es erst in Eggliwald und dann in Einingen. Die einzige Möglichkeit überhaupt ein Bett zu bekommen funktioniert hier nur Stundenweise. Also noch einen Ort weiter nach Gwatt ins Rössle. Die Pizzeria unten drin ist zwar gut aber die Zimmer zur Hauptstraße haben kein Schallschutzfenster.


    14. Tag: Gwatt - Burgistein
    Donnerstag, 10. April 2008
    Strecke: 14 Km - Gesamtstrecke: 374 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 160 m, ↓ 150 m
    Gehzeit: 3,5 h
    Völlig gerädert - weil schlecht geschlafen - finde ich mich zum spartanischen Frühstück ein. Heute läuft es Garnichts! Es gibt einfach solche Tage - es ist zwar gutes Wetter aber irgendwie kommt heute kein Spaß auf. Über Amsoldingen, Uebeschi, Leimere und Langebühl dümple ich in Richtung Forst. Hier beschließe ich es dann für dieses mal gut sein zu lassen. Über Wattenwil gehe ich nach Burgistein Station - dem Bahnhof von Burgistein. Da ich viel Zeit habe bevor ich morgen am Bodensee sein muss beschließe ich die gelaufene Strecke mit der Bahn zurück zu fahren. Mir viel Umsteigen fahre ich gemütlich über Thun, Gwatt, Interlaken, Brünnig-Pass, Luzern und Art-Goldau nach Rapperswill. Der letzte Anschluss zum Bodensee ist leider gerade weg. Bei den Kapuzinern gibt es aber ein tolles Zimmer direkt am See mit phantastischem Blick über fast den ganzen Zürisee! Ich bleibe lange auf der Terrasse sitzen bis es zu kalt wird. Da haben die Mönche aber eines der besten Grundstücke von Rapperswil erwischt.


    Heimreise
    Freitag, 11. April 2008
    Ich fahre an den Bodensee zu dem Bio-Chemiker und lasse mich untersuchen. Was ich als Ergebnis zu hören bekomme ist eindeutig: Selten habe er jemanden gefunden der so deutlich das umgesetzt habe was ihm gesagt wurde! Das sei zwar gut aber keine Entwarnung. Wer 20 Jahre Raubbau betreibt kann nicht erwarten dass in 2 Wochen alles in Ordnung sei. Aber die Richtung sei goldrichtig!
    Na, dann ist das ja genau das was man hören will. Und ich kann mich in Ruhe auf die nächste Etappe freuen. Und dann nehme ich auch einen anständigen Fotoapparat mit!
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    Geändert von Wafer (12.08.2014 um 19:21 Uhr)

  6. Meister-Hobonaut Alter Hase
    Avatar von Harry
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    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #6
    Top. Kurzweiliger Wanderbericht mit Hintergrund.
    Macht Spass zu lesen.
    Und so einiges kommt einem bekannt vor.
    Warte gespannt bis es weiter geht
    Gruß Harry.
    Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen. (Johann Wolfgang von Goethe)

  7. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #7
    Ich schließ mich mal Harry an, bitte weiter.

    Gruß
    Atze
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

  8. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    [DE][CH][FR][ES] Von Reutlingen nach Santiago de Compostela

    #8
    3. Etappe

    Im Oktober habe ich wieder 2 Wochen von der Familien frei bekommen. Was machen Weitwanderer eigentlich mit Partnern, die weniger Verständnis haben?
    Ich habe mir neue Schuhe gekauft, die ich schon ein paar Tage eingelaufen habe. Mal sehen wie es damit geht. Ich habe mir den Outdoor-Führer 128 - Jakobsweg GR65 - Via Gebennensis von Birgit Götzmann besorgt. Und dann noch die französischen Karten des IGN im Maßstab 1:100.000. Die 1:50.000 wären etwas viele gewesen. Ich hoffe mal mit denen kommt man auch zurecht.

    15. Tag: Burgistein - Heitenried
    Freitag 17. Oktober 2008
    Strecke: 25,5 Km - Gesamtstrecke: 399,5 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 575 m, ↓ 375 m
    Gehzeit: 4,25 h
    Die Bahn bringt mich wieder an den Bahnhof Burgistein Station. Nach fast exakt 6 Monaten stehe ich wieder an dem kleinen Bahnhof im Gürbetal. Die Sonne scheint und ich starte über kleine Sträßchen hinauf nach Riggisberg. Ich bleibe nicht ganz auf dem markierten Weg sondern folge ein paar schönen Feldwegen über Muriboden und Wiler in das Bachtal des Schwarzwassers. Leider wird das schon wieder schnell verlassen und über eine Hochebene wandere ich auf Schwarzenberg zu. Hier ist die Beschilderung etwas verwirrend. Prompt verfranze ich mich und muss einen Sandstein-Abhang hinunter. Na, da weiß die Hose gleich warum ich sie an habe! In Heitenried reicht es mir dann aber für diesen Nachmittag. Das Hotel Sternen hat Platz und gute Küche.


    16. Tag: Heitenried - Romont
    Samstag, 18. Oktober 2008
    Strecke: 42 Km - Gesamtstrecke: 441,5 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 685 m, ↓ 700 m
    Gehzeit: 9 h
    Das war die letzte Nacht auf deutschsprachigem Gebiet. Ich bin mal gespannt was da alles auf mich zukommt!
    Am heutigen Weg stehen etliche Kirchen oder Kapellen die dem Jakobus gewidmet sind. Mein Tourenbuch quillt heute richtig über vor lauter Stempeln. Gleich den Ersten hole ich mir in St. Antoni kurz hinter Heitenried. Der nächste ist in der St. Jakobus Kapelle in Tafers fällig. Auf dem Weg in Richtung Freiburg lasse ich dann meine Karte beim Vesper liegen. Nicht dass man die hier zwingend bräuchte, der Weg ist gut markiert, aber ohne Karte fühle ich mich recht nackt. Und dann bin ich durchaus einer der auch mal auf eigene Faust sich seinen Weg sucht. Über Uebewil komme ich nach Freiburg.

    Auf den letzten Metern deutschsprachigen Bodens blickt man hinüber zum anderen Ufer.
    Ich kenne in der Schweiz ja einige innerschweizer Sprachgrenzen. In Biel verschwimmt das alles weil fast jeder zweisprachig unterwegs ist. Hier in Freiburg haben sich die Schweizer für die gegenteilige Variante entschieden: Eine alte Holzbrücke über die Saane ist gleichzeitig auch eine scharfe Sprachgrenze. Obwohl die Uni in Freiburg die einzige zweisprachige in der Schweiz sein soll will der eine den von der anderen Uferseite nicht verstehen.

    Nicht nur diese alte Holzbrücke trennt die Stadt in deutsch- und französisch-sprachige Zonen.

    Mit dem Sprachwechsel vollzieht sich auch ein Kulturwechsel. Wo auf der deutschsprachigen Seite noch ein Gasthaus war gibt es auf der französischsprachigen Seite Tabac-Läden und die typisch französischen Bars. Den Wechsel zwischen den beiden Seiten finde ich sehr drastisch. Ich habe das Gefühl die eine Seite will partout nicht akzeptieren, dass es die andere gibt. Zwei Straßen weiter findet ein typisch französischer Wochenmarkt statt. Nun, ich habe mit der französischen Kultur kein Problem: Ich habe im Laufe meines Lebens 4 Jahre in Frankreich zu gebracht und komme damit bestens zurecht. Für mich kam der Wechsel nur sehr überraschend. Nach meinem letzten Besuch in Biel hatte ich mit einem ähnlichen Modell wie dort gerechnet. Aber so sind die regionalen Unterschiede zwar klein aber die kulturellen durchaus recht groß.
    Ich schlendere noch etwas durch die Stadt, genieße den Sonnenschein und sehe mir die Kirchen an. Hinter dem Bahnhof ziehe ich dann weiter und komme über Les Rouettes nach St. Appoline.

    Das ist die wunderschöne mittelalterliche Brücke St. Appoline über einen kleinen Bach.

    Es geht über schön gepflegtes Land nach Posieux. Dort lädt eine Hausbrauerei zu einem Mittagstisch. Ein Angebot, dass ich nicht ausschlage. Und gelohnt hat es sich auch! Es geht dann um den Flugplatz von Ecuvillens durch Autigny bis Romont. Kurz vor dem malerischen Ort liegt ein kleines Kloster: La Fille-Dieu. Dort komme ich für diese Nacht unter.


    17. Tag: Romont - Lausanne
    Sonntag, 19. Oktober 2008
    Strecke: 41 Km - Gesamtstrecke: 482,5 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 935 m, ↓ 1135 m
    Gehzeit: 10,5 h
    Ich starte nach dem Frühstück und der Messe und gehe durch (über) Romont durch (drüber). Der Stadtkern liegt auch einem Hügel und oben steht eine alte Kirche. Hinter Romont geht es dann rechte über diverse Hügel bis zum Flusslauf der La Broye. An selbigem entlang nach Moudon. Moudon selber finde ich wenig interessant.

    So hält es mich nach der Mittagspause auch nicht lange. Ich komme durch ein paar Weiler nach Montpreveyers. Eigentlich wollte ich hier unterkommen aber ich habe keine passende Unterkunft gefunden. Der Golfplatz oberhalb von Lausanne ist schnell durchschritten und es geht abwärts nach Epalinges zu einer kleinen Kapelle mit schönem Ausblick. Hier liegen schon die ersten Städter auf den Wiesen und genießen den Nachmittag. Durch ein Wohngebiet kommt man in eine kleine Schlucht, unterquert die Autobahn um an einen See mit hohem Freizeitwert zu kommen. Nach kurzer Rast ziehe ich weiter und komme nach einer paar wenigen Metern an einem Holzturm vorbei.

    Die Abendsonne beleuchtet die gedrehte Architektur und lockt mich hinauf zu klettern. Der Blick über den abendlichen See ist gewaltig!


    Bevor es ganz dunkel wird geht es durch einen schönen Park bis direkt in die Altstadt. Den Abend verbringe ich mit einem Altstadtbummel und ausgiebigem Abendessen.


    18. Tag: Lausanne - Nyon
    Montag, 20. Oktober 2008
    Strecke: 46,5 Km - Gesamtstrecke: 529 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 380 m, ↓ 480 m
    Gehzeit: 11 h
    Ich breche früh auf und gehe zu See runter. Dort ist außer ein paar Schwänen niemand unterwegs. Dann geht es immer Seeufer entlang über Morges und St. Prex sowie Bouchillon. Alles sehr schöne Orte aber für Weitwanderer wenig Infrastruktur. In Allaman gibt es einen Mittagstisch im Restaurant Chasseure - sehr zu empfehlen! Prompt geht es danach mal wieder den Berg rauf - ist ja klar: Immer wenn der Magen voll ist. Der Schlenker durch das kleine Weindorf Perroy lohnt aber durchaus. In Rolle geht es wieder am See entlang. Über Bursinel und Gland komme ich nach Nyon.
    Man kommt den ganzen Tag an top gepflegten Anwesen vorbei und hat meist einen grandiosen Blick über den See. Dort türmen sich die Alpen in den Himmel. Ich kann gut verstehen, dass der Michael Schumacher sich in dieser Region nieder gelassen hat. Aber mir fehlt dazu leider das Kleingeld in der Portokasse. Und ob ich selbst dann unter diesen VIPs und Reichen wohnen möchte würde ich mir immer noch genau überlegen.


    19. Tag: Nyon - Neydens
    Dienstag, 21. Oktober 2008
    Strecke: 40 Km - Gesamtstrecke: 569 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 500 m, ↓ 300 m
    Gehzeit: 10,5 h
    Ich breche wieder kurz vor 8 Uhr auf und der erste Schauer erwischt mich bereits wenige Km später in Crans. Also Regenzeug raus. In Celigny hört es aber auch gleich wieder auf. Regenzeug wieder rein. Um wenig später in Founex richtig los zu legen. Also wieder raus mit der Regenhaut.
    Man merkt deutlich, dass die Schweiz hier nicht mehr sehr breit ist und man direkt in der Einflugschneise des Flughafens unterwegs ist. Über diverse Vororte ohne viele Platz dazwischen geht es dann direkt nach Genf hinein - teilweise direkt an 4-spurigen Straßen entlang. Auf der Terrasse eines der ganz großen Hotels ist man nicht gerne gesehen und wird sofort entfernt. Ohne das obligatorische Foto der Wassersäule verlasse ich aber nicht den Genfer See.

    Kaum ist die im Kasten zieht es mich eh mehr in Richtung Altstadt. Da gibt es wenigstens etwas zu sehen ohne dass man angestarrt wird: Ein sehr schöne aber verwinkelte Kirche, viele kleine Altstadtgassen mit hübschen kleinen Kaffees und Bars. Da fällte es mir nicht schwer die eine oder andere Stunde zu verbummeln.


    Aber unruhig wie ich nun mal bin will ich heute irgendwie doch noch bis nach Frankreich rein kommen. Also gehe ich über Carouge und einige Felder an die Grenze. Hier gibt es einen letzten Stempel auf schweizer Seite mit dem Hinweis an dieser Stelle doch bitte nicht ohne gültige Papiere aus zu reisen. Klingt irgendwie gar nicht nach EU-Außengrenze - oder? Im Süden immer den Bergrücken von Monnetier-Mornex im Blick geht es dann einfach über die Grenze. Letztendlich werden die Felder etwas größer und ungepflegter aber groß ist der Unterschied hier nicht mehr. Je weiter man nach Frankreich reinkommt umso weniger Felder sind bestellt und man sieht auch zunehmende weniger Bauern auf ihren Feldern. Kulturell ändert sich nicht mehr allzu viel.
    In der ersten Ortschaft muss ich dann auch gleich mit dem hier üblichen Unterkunftssystem Bekanntschaft schließen. Der Campingplatz hat seine Lager schon vergeben. Also such ich in meinem Miam-Miam-Do-Do nach einer Adresse zum Übernachten. Ab hier gibt es nicht allzu viele Pilgerunterkünfte. Daher muss man etwas auf die Briefkästen achten. Wenn dort eine Jakobsmuschel klebt dann nehmen die Leute privat Pilger auf. So komme ich in Neydens zu einer Dame jenseits der 70 Jahre die sich freut dass noch jemand vorbeischaut. Sie springt sofort auf, geht in den Garten und erntet was sie an Artischocken, Radieschen und anderen feinen Sachen noch finden kann. Das wird mir dann nach einer Dusche als Abendessen gereicht. Ich liebe die französische Art Artischocken zu kochen. Ein Gemüse, das bei uns im Schwabenland nur zu einem Naserümpfen führt. Eigentlich schade!
    Geändert von Wafer (05.12.2011 um 10:00 Uhr)

  9. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [DE][CH][FR][ES] Von Reutlingen nach Santiago de Compostela

    #9
    Hallo Harry und Atze.

    Vielen Dank für die Blumen! Wenigstens scheint es gelesen zu werden. Das freut einen doch!
    Fortsetzung folgt sobald ich wieder dazu komme.

    Gruß Wafer
    Geändert von Wafer (07.06.2012 um 20:53 Uhr)

  10. AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #10
    Zitat Zitat von Wafer Beitrag anzeigen
    3. Etappe

    Im Oktober habe ich wieder 2 Wochen von der Familien frei bekommen. Was machen Weitwanderer eigentlich mit Partnern, die weniger Verständnis haben?
    ja die frage habe ich mir auch gestellt ...allerdings habe ich auch die besagte partnerin mit eher weniger verständnis für dieses hobby.

    sehr schöner bericht....freu mich schon auf die fortsetzung.
    Dass es nichts zu erreichen gibt,
    sind keine leeren Worte,
    sondern die allerhöchste Wahrheit
    >> Huang Po <<

  11. Fuchs
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    [DE][CH][FR][ES] Von Reutlingen nach Santiago de Compostela

    #11
    20. Tag: Neydens - Frangy
    Mittwoch, 22. Oktober 2008
    Strecke: 32 Km - Gesamtstrecke: 601 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 470 m, ↓ 715 m
    Gehzeit: 8 h
    Was mir sofort auffällt: Die Schweizer Pilger fehlen! Die hören wohl einfach in Genf auf. Die meisten gehen eh nur Etappenweise aber hinter Genf ist der Weg für die weitgehend zu ende. Auf dem ganzen weiteren Weg habe ich nur noch 3 oder 4 Schweizer getroffen. Dafür hatte ich in der Schweiz fast keine Ausländer vorgefunden.
    Hier in Frankreich überwiegen die Franzosen. Eigentlich klar auf einem Weg der nicht so übermäßig bekannt ist. Wie in der Schweiz treffe ich hier 1 oder 2 Wanderer oder Pilger pro Tag. Mit der Bettenrallye von der man überall liest hat das hier wenig zu tun. Liegt aber auch vielleicht an der Jahreszeit. Na: egal! Soll mir ja eher Recht sein. Und was mich in Spanien erwartet werde ich sehen.
    Frühstück gibt es pünktlich um 7 Uhr. Ich merke gleich, dass ich mir meine Achillesferse überreizt habe. Ich verlasse also den offiziellen Weg und gehen nach Le Chable weil es dort eine Apotheke gibt. Dort decke ich mich mit elastischen Binden und Salben ein.
    Von Blasen habe ich übrigens bisher noch nichts bemerkt. Ich probiere auch erstmals den Tipp eines Bergkameraden aus und gehe mit 2 Paar Socken. Das scheint wirklich zu funktionieren. Man ziehe einfach ein dünnes Paar über die normalen Wandersocken. Da wo normalerweise der Socken auf der Haut reibt weil er sich am Leder fest hält reibt jetzt Socken auf Socken und hinterlässt keinerlei Spuren. Ich hab's erst nicht geglaubt aber nach dem Debakel Anfang des Jahres ist das ein echter Fortschritt!
    Nach dem Auffüllen der Verpflegung geht es dann hinauf zum Col de Mont Sion. Dort soll der Weihnachtsmann zuhause sein. Da wurde eine Scheune zum Kaffee umgebaut und im Garten werden Rentiere gezüchtet. Sehr schön. Aber stimmungsmäßig bin ich noch nicht auf den Weihnachtsmann eingestimmt. Und in dem Kaffee dudelt meist weihnachtliche Musik im Hintergrund. Na - wenn's schön macht...
    Je weiter man aufs Land kommt umso deutlicher treten die für mich typischen Merkmale für Frankreich auf: Auf jedem Hof bellt ein Hund, die Häuser werden etwas verlotterter aber nicht marode, die Orte liegen zunehmend weiter auseinander und die wenigen Leute die man trifft sind eigentlich sehr hilfsbereit. Wenn Franzosen sehen, dass man sich um ihre Kultur und Sprache bemüht sind sie in der Regel recht offen. Wenn man sie gleich auf Englisch oder Deutsch anspricht reagieren sie aber schon recht eigen. Mit meinem langsam wieder erwachenden Französisch komme ich aber sehr gut zurecht.

    Typischer Hof in Frankreich

    Über etliche Weiler, in denen ich viele Häuser wie dieses finde, geht es weiter. Unterwegs treffe ich einen Pilger mit dem ich dann über Chaumont nach Frangy. Hier ziehe ich von Kneipe zu Kneipe und schlage die Zeit tot bis die Auberge 'La Cave de la Ferme' endlich auf macht. Die hat mir auf Anhieb gleich am besten gefallen. Und ich sollte Recht behalten! Im Wirtsraum ein offenes Kaminfeuer, hausgemachte Pasteten und andere Leckereien als Abendessen und ein Top Zimmer zum günstigen Preis. Ich unterhalte mich lange mit der Wirtin. Die bringt mir dann immer mal wieder eine Kleinigkeit, die ich doch unbedingt noch probieren soll. Es wird ein sehr gemütlicher Abend!

    21. Tag: Frangy - Crémon
    Donnerstag, 23. Oktober 2008
    Strecke: 48 Km - Gesamtstrecke: 649 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 740 m, ↓ 835 m
    Gehzeit: 9,5 h
    Am Morgen nach einem späten aber typisch französischen Frühstück treffe ich den Mitwanderer von gestern wieder. Er war gleich in der ersten Unterkunft abgestiegen. Er wollte unbedingt sofort duschen und sich ausruhen. Als ich ihm berichte wie es mir erging hat er sich wohl etwas geärgert. Nun ja, ich werde auch noch das eine oder andere Mal Pech haben.
    Über Desingy geht es über Wiesen und durch Wälder immer in einem leichten Auf und Ab nach Seyssel. Irgendwie hat mir das Städtchen nicht so zugesagt. Ein paar Meter weiter an der Pont de Fier gibt es ein sehr gutes Lokal in dem ich mir mal wieder etwas Zeit nehme und in der französischen Küche schwelge. Gut, das ist sicher etwas teurer als das einfache Pilgermenü aber auch um einiges besser!

    Das eine eines 6-Gänge-Menüs

    Nach 6 Gängen und einer halben Flasche Wein geht es dann entspannt weiter die Rhone hinunter.
    In Chanaz habe ich dann den Pilger der letzten Tage wiedergetroffen. Wir bummeln etwas durch das Örtchen an dem idyllischen Rhonezufluss. Trotzdem entschließe ich mich hier noch nicht zu bleiben. Ich melde mich in Crémon in der Moulin (Mühle) an und steige auf den Bergrücken entlang der Rhone hinauf. Dort komme ich über Vetrier nach Montagnin wo es zu der Mühle nach Osten ab geht. Die Mühle sieht von außen abschreckend aus. Aber von innen ist sie ganz toll renoviert.
    Seit ich angerufen habe steht die Frau des jungen Ehepaares in der Küche um mir ein Spezialität der Region servieren zu können. Da sie aktuell keinen Stempel haben zeichnet mir der Mann ein Bild seiner Mühle in mein Tourenbuch.
    Die Geschichte der Leute ist wieder ganz typisch: Unverhofft kommt oft! Die beiden hatten die Mühle vor vielen Jahren als Bruchbude gekauft und haben begonnen diese liebevoll zu restaurieren. Eines Abends stand plötzlich eine Pilgerin vor ihrer Tür und begehrte Einlass. Sie zeigten den beiden verdutzten Eheleuten ihren Führer in dem ihre Mühle als private Unterkunft eingetragen war. Sie habe ihr dann etwas gekocht und ihr im Anbau eine Liege aufgestellt. Wie sich herausstellte hatten ihre Vorbesitzer ab und an Wanderer aufgenommen aber beim Auszug nichts verlauten lassen. Die Adresse wurde nie aus den Führern gestrichen. Die beiden hatten mit dem Gast aber wenig Probleme und viel Spaß. Da nicht ständig jemand kam ließen sie es einfach laufen und gewähren bis heute Wanderern Unterkunft. Den Anbau haben sie ganz toll mit Schlafzimmer, Bad und WC für die Pilger her gerichtet. Von außen sieht es immer noch etwas abgerissen aus aber der Pilgeranbau ist ganz toll!


    Das ist die Mühle von außen. Rechts ist der 'Pilgeranbau'


    So sieht das Pilgerzimmer von innen aus.

    22. Tag: Crémon - Romagnieu
    Freitag, 24. Oktober 2008
    Strecke: 42 Km - Gesamtstrecke: 691 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 1.060 m, ↓ 1.130 m
    Gehzeit: 9,5 h
    Da die beiden morgens zur Arbeit müssen frühstücken wir zusammen und brechen dann auch kurz vor 8 zusammen auf. Es geht wunderschön über Lucey und Jongieux zu einer kleinen Kapelle Staint Romain aus dem Jahr 1995 mit einer tollen Aussicht über das Rhonetal. ein prädestinierter Platz für eine Pause. Dann der Abstieg nach Yenne zu einem zweiten Frühstück mit etwas mehr Ruhe. Da auf dem Originalweg angeblich wiedermal Baumfällarbeiten sind ist selbiger gesperrt. So steige ich über Taize Loisioeux zu dem Pass auf an dem ich wieder auf den Jakobsweg treffe. Prompt kommt da die Uli angepilgert. Die hat die Schilder einfach ignoriert und hat keinerlei Arbeiten entdecken können. Ich bin eben doch durch und durch der ordentliche Schwabe. Gemeinsam mit ihr wandern wir den Bergrücken entlang und steigen über Saint-Maurice und Gresin nach Staint-Genix-sur-Guiers ab.


    Pause kurz nach Gresin

    Weiter geht es dann noch nach Romagnieu. Hier gestaltet sich die Unterkunftssuche doch etwas schwierig. Die Gite hat zu und das einzige was wir kriegen ist ein Zimmer in der Michelin-bekannten Auberge La Forge de la Massotte. Da ging der heutige Tag aber weit über das übliche Budget hinaus. Da ich nichts mehr dran ändern kann sehe ich es mal sportlich: Spaß gemacht hat es auf alle Fälle!

    23. Tag: Romagnieu - Le Grand-Lemps
    Samstag, 25. Oktober 2008
    Strecke: 34 Km - Gesamtstrecke: 725 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 770 m, ↓ 470 m
    Gehzeit: 7,5 h
    Das ist wieder so ein Tag - der läuft nicht wirklich gut von der Hand. Das Frühstück ist eine Frechheit, ich bin noch keine 2 Km unterwegs da vertrete ich mir den Fuß - und das trotz richtig hoher Wanderstiefel - keine Ahnung wie ich das wieder hin gekriegt habe. In Les Abrets gibt es also erst mal ein anständiges zweites Frühstück. Bei der Gelegenheit werden auch noch die Vorräte aufgefrischt. Hier verlässt mich die Uli wieder. Sie will heute nicht mehr so viel machen und tigert in aller Ruhe vor sich hin. Ich gebe etwas Gas - und merke gleich den Knöchel. Über Valencogne geht es nach Le Pin. Aber hier wird der Tag auch nicht besser: Der Mittagstisch der bei den Nachbarn sehr gut aussieht kommt mit den Worten: Das Entrecote ist aus - wir haben ihnen eine Andoullets gemacht! Das ist nun nicht so meine Wurst. Aber man meckert ja nicht sondern hält sich mehr an die Pommes. Vesper wäre halt doch besser gewesen!
    Am Wald entlang und über Felder geht es weiter zur Autobahn. Danach geht es wieder aufwärts. Beim Abstieg kommt man an einem Hof vorbei der wieder Rentiere züchtet.
    Da die günstige Zimmer anbieten bleibe ich und genieße den Sonnenuntergang über dem Flachland vor mir. Durch die exponierte Lage dauert das eine Weile. Ein tolles Schauspiel! Die Rentiere haben sich schnell an mich gewöhnt und kommen wenn ich still sitze recht nahe ran.
    Das Abendesse wird mit der Familie zusammen serviert. Erstaunlicherweise war das schon im Preis mit drin. Sie hatten schon gar nicht mehr mit Pilgern gerechnet. So viele scheinen hier nicht mehr hängen zu bleiben. Die haben auch schon begonnen die Zimmer zu renovieren.


    24. Tag: Le Grand-Lemps - Chanas
    Sonntag, 26. Oktober 2008
    Strecke: 60 Km - Gesamtstrecke: 786 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 330 m, ↓ 830 m
    Gehzeit: 11,5 h
    Heute Nacht wurde mir durch die Zeitumstellung auch noch eine Stunde geklaut. Trotzdem komme ich gegen 7:45 Uhr weg. Es geht zuerst runter nach Le Grands-Lemps und über La Frette nach La Côte-Saint-André. Dann weiter über Farmas nach Pisieu.

    In Pisieu steht eine Vesperpause in einem Park an. Beim Studium der Karte stelle ich fest, dass der Weg einen Bogen nach Norden macht. Ich entscheide kurzerhand das durch eine direktere Route zu ersetzen. Über Revel geht es weiter nach Pact. Ungefähr aber hier versuche ich eine Unterkunft zu kriegen. Aber abseits des Weges ist das nicht so erfolgreich. Und an einem Sonntag Ende Oktober wird das nicht einfacher. Im nächsten Ort - Jarcieu - soll es eine Pension geben. Die hat natürlich zu und man schickt mich mit warmen Worten in das nächste Dorf. Aber auch hier wird es nichts. Langsam wird es dunkel. Die letzten Km nach Chanas kann ich kaum noch erkennen. Chanas streckt sich entsetzlich aber wenigstens haben sie Straßenlampen. Hinter der Autobahn komme ich dann endlich nach knapp über 60 Km unter. Völlig erschöpft falle ich von der Badewanne direkt ins Bett!
    So einen Tag brauche ich nicht nochmal!

    25. Tag: Chanas - Les Sétoux
    Montag, 27. Oktober 2008
    Strecke: 43 Km - Gesamtstrecke: 829 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 1.710 m, ↓ 700 m
    Gehzeit: 10 h
    Um 7:30 Uhr verlasse ich das unmögliche Haus. Über überquere die Rhone und erreiche Sablons. Ab hier ist es mit dem Flachland vorbei.

    Es geht steil aufwärts in Weinberge. Die Sicht ist zwar toll aber es strengt schon auch richtig an. Ich gehe durch Felines über den Col de Fayet nach St. Julien-Moulin-Molette. Hier treffe ich wieder den offiziellen Weg auf dem ich nach Bourg-Argental zum Mittagessen weiter gehe. Zwei alte Frauen bieten einen Mittagstisch für sehr überschaubares Geld an. Lokale Küche! Genau deswegen bin ich ja auch unterwegs. Wie will man Land, Leute oder Küche kennenlernen wenn man sich nicht zu den Leuten gesellt?
    Beim Verlassen des Lokals regnet es. Also mal wieder das Regenzeug ausgepackt und auf einer alten Eisenbahntrasse immer stetig bergauf. Leider sind die Tunnels alle versperrt. Das hätte doch was. In Saint-Sauveur-en-Rue bin ich eigentlich noch nicht wirklich müde. Daher breche ich noch Richtung Les Setoux auf. Das streckt sich aber doch noch gewaltig. Hier im ländlichen Frankreich sind die Ortschaften eben nicht so dicht wir bei uns im Großraum Stuttgart. Mit dem letzten Büchsenlicht komme ich wiedermal an. Les Setoux besteht gerade mal aus ca. 20 Häusern. Aber es ist eine Kneipe mit einer Gite dabei.
    Als ich die Kneipe betrete werde ich mit großem Hallo begrüßt. Schnell kehrt Ernüchterung ein: Mich haben sie definitiv nicht erwartet! Schnell klärt man mich auf: 3 Franzosen haben sich zum Pilze sammeln getroffen. Als sie dann wieder am Auto stehen stellt der Fahrer fest, dass er den Schlüssel wohl verloren hat. Sie haben dann seinen Sohn in Lyon angerufen der sich zu ihm nach Hause aufgemacht hat um den Ersatzschlüssel zu holen. Von dort sollte er dann nach Les Setoux fahren. Nur scheint er das Kaff bisher nicht gefunden zu haben. Man beschließt jetzt erst mal, dass Wirtin ein paar Pilze in die Küche zu stellen und eben noch einen Wein zu trinken. Ich darf gleich mitessen. Herrlich! Rinderhüfte mit Pilzen so viel man will.
    Nach dem Essen geht es im Laufschritt - weil es schon wieder gießt - hinüber zur Gite bei der Kirche. Die Gite fällt etwas aus dem Rahmen weil sie um mindestens 40 Jahre neuer ist als der Rest des ganzen Dorfes.
    Heute bin ich durch 4 Departments gekommen: Erst Rhone-Isere, dann durch die Ardeche, es folgte Loire und ab dem höchsten Punkt vor Les Setoux Haute-Loire.


    26. Tag: Les Sétoux - Saint-Jeures
    Dienstag, 28. Oktober 2008
    Strecke: 37 Km - Gesamtstrecke: 856 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 830 m, ↓ 930 m
    Gehzeit: 8 h
    Heute regnet es nur einmal: Es hat schon vor dem Aufstehen angefangen und nach dem Schlafengehen noch nicht aufgehört. Ab Les Setoux geht es erst mal 17 Km ständig auf und ab durch unbewohnte Gegend. Bei Sonne sicher ein Erlebnis - aber so? Schotten dicht und durch. Von Montfacon geht es dann immer am Rand einer Straße entlang nach Tence. Die Mittagspause reicht nicht zum Trocknen. Dann geht es immer auf kleinen Strassen und Waldwegen hinauf nach Staint-Jeures. Es wird schon richtig Kalt hier oben. In der Gite bin ich der einzige Gast. Trotzdem schmeiße ich den Kamin an und versuche die Kleidung irgendwie trocken zu kriegen. Ich koche mir ein paar Kleinigkeiten und gehe früh zu Bett.


    27. Tag: Saint-Jeures - Le Puy en Velay
    Mittwoch, 29. Oktober 2008
    Strecke: 38 Km - Gesamtstrecke: 894 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 650 m, ↓ 1.150 m
    Gehzeit: 9 h
    Ich schlafe sehr schlecht weil die Matratzen stark durchgelegen sind. Dadurch kriege ich mit, dass es um 3 Uhr anfängt zu schneien. Morgens liegt eine geschlossene Schneedecke. Bei Sichtweiten um die 50 Meter steige ich nach Araules auf und dann weiter hinauf zum Pass von Raffy (1.275 m). Dort liegt eine festgefahrene Schneedecke auf der Straße. Probleme hat aber keiner. Wenn in Stuttgart im Oktober 10 cm Schnee liegen ist der Teufel los weil alle Sommerreifen drauf haben. Hier scheint das kein Problem zu sein.
    Dann geht es abwärts über Queyrierès und Staint-Julien-Chapteuil nach St.-Germain-Laprade. Nach der Mittagspause ist der Schneefall wieder in Regen übergegangen. Bei diesem Wetter komme ich über die alte Römerbrücke nach Le Puy en Velay hinein.

    Ich deponiere das Gepäck in einem Hotel und erkunde Le Puy zu Fuß. Ich besteige die Kapelle auf der Basaltnadel - Staint Michel D'Aiguilhe.

    Den Abend verbringe ich in der Altstadt. Le Puy ist absolut eine Reise wert!!! Die Altstadt mit seinen Restaurants ist echt der Hammer. In der Kathedrale besorge ich mir zum Abschluss noch einen Stempel. Den Rest vom Abend verplempere ich in der Altstadt.

    Heimreise
    Donnerstag, 30. Oktober 2008
    Die Bahn bringt mich in 12 Stunden und 6-mal Umsteigen wieder nach Hause. Bis Bern hatte ich nur 4 Stunden gebraucht.
    Der Abschied von Le Puy fällt mir richtig schwer. Selten hat mir eine Stadt so auf Anhieb gefallen wie diese! Ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr wenn es hier wieder weiter gehen soll.

    Es steht für mich schon lange außer Frage, dass ich den Jakobsweg in den nächsten Jahren bis zu seinem Ende weiter durch gehen werde. Die langsame Art der Reise durch ein Land offenbart Einblicke in die Kultur und das Leben der Leute die man nur auf solchen Wegen kennen lernen kann.

    P.S.: Alle Namen sind geändert.
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    Geändert von Wafer (12.08.2014 um 19:23 Uhr)

  12. Dauerbesucher

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    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #12
    Das ist wirklich sehr schön geschrieben!!!
    Ich bekomme direkt Lust dazu, die Strecken nachzulaufen.
    Mal sehen, wie es zukünftig mit familienfreien Zeiten aussehen wird.

    Bitte schreibe weiter, der Thread ist abonniert und ich bin sicher, dass das viele mit Freude lesen, auch wenn nicht jeder seinen Senf dazugibt.
    (ich schreibe das jetzt auch nur, damit Du nicht meinst, es würde nicht wertgeschätzt!)

  13. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #13
    Ich lese ebenfalls interessiert mit. Du hast einen flüßig zu lesenden Schreibstil. Bin gespannt wie es weiter geht.
    Deine Tagesetappen wären mir allerdings zu lange.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  14. Vorstand
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    Avatar von lina
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    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #14
    Stimmt, man will am liebsten auf der Stelle loslaufen
    Vielen Dank, und ich warte ebenfalls gespannt auf die Fortsetzung!

  15. AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #15
    Klasse, mach mal weiter.

    Für einige Etappen könnte ich einen fast gleich lautenden Reisebericht schreiben. Jedenfalls was die Orte und die Erlebnisse mit den Menschen betrifft.

    In Kreuzlingen (wir waren im Sept. 1998 unterwegs auf dem E1 nach Lugano) wollten uns die Zöllner auch nicht so ohne weiteres die Grenze passieren lassen.

    Auf den Etzel hinauf haben wir geschwitzt wie die Schweine, allerdings konnten wir uns im St. Meinrad mit einen Kaffee belohnen.

    Und ab Lausanne bis Le-Puy-en-Velay sind wir 2004/05 wohl dieselbe Strecke wie du gegangen. Jedoch war auf der Via Gebennensis damals bedeutend weniger Betrieb. Wir (in dem Fall meine Frau und ich) haben uns nur eine lange Etappe gegönnt, die von Tence bis nach Le-Puy. Der Rest war so um die 25 km im Schnitt. Und wir haben die Strecke aufgeteilt. 2004 alleine bis le Grand Lemps und 2005 mit meiner Frau den Rest.

    Im Oktober habe ich wieder 2 Wochen von der Familien frei bekommen. Was machen Weitwanderer eigentlich mit Partnern, die weniger Verständnis haben
    Mitnehmen, bis sie Gefallen daran findet. Nach vielen Kurzwanderungen (auch mehrtägig) war genau die Stecke von le Grand Lemps bis Le-Puy die Initialzündung für meine Frau.
    Geändert von Werner Hohn (09.03.2011 um 18:22 Uhr)

  16. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    [DE][CH][FR][ES] Von Reutlingen nach Santiago de Compostela

    #16
    4. Etappe


    Nach einem Jahr geht es endlich weiter. Zwischendurch war ich zwar noch anderweitig unterwegs aber davon berichte ich mal an anderer Stelle. Die schlechte Nachricht vorne weg: Die Bilder sind einem Plattencrash zum Opfer gefallen. Da die letzte Datensicherung leider schon wieder ein paar Monate her sind fehlen von fast 4 Monaten Bilder. Für einen Informatiker besonders peinlich. Aber es ist mal wieder Wie üblich: Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe! Also wird der Bericht dieser Etappe etwas bilderloser.


    Anreisetag
    Donnerstag, 1. Oktober 2009
    Der Rucksack hat 13 Kg ohne Wasser und Verpflegung. Eigentlich ganz gut. Die Anreise gestaltet sich wie die Heimreise vor einem Jahr: weit über 11 Stunden Bahnreise mit 6 mal umsteigen. In Genf hätte ich dann noch fast den Anschluss verpasst, was einer Verspätung von einem halben Tag in Le Puy gleichgekommen wäre. Die letzte Teilstrecke ist die eingleisige Strecke nach Le Puy. Mich hält es kaum noch auf dem Sitz. Ich kann es kaum erwarten wieder auf dem Weg zu sein.

    Den Abend verbringe ich wieder in der Altstadt. Es fällt mir schwer mich für ein Restaurant zum Abendesse zu entscheiden. Einfach schade, dass es solche nicht auch bei uns gibt! Also wir wären Dauergast!
    Ich komme in der Gite direkt hinter der Kathedrale unter. Da ist es nicht so weit zur Pilgermesse, die morgens um 7 Uhr beginnt.


    28. Tag: Le Puy en Velay - Sauges
    Freitag, 2. Oktober 2009
    Strecke: 41 Km - Gesamtstrecke: 935 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 1.200 m, ↓ 775 m
    Gehzeit: 9 h

    Die Messe ist gut besucht - nicht nur von Pilgern. Ich bin überrascht um diese Uhrzeit auch so viele Einheimische vor zu finden. Neben diesen sind ca. 20 Pilger da, die heute Morgen hier ihren Weg beginnen wollen. Weit über die Hälfte sind Franzosen. Bei denen sind die französischen Teile des Weges sehr beliebt. Einige Wanderer aus Übersee, ein paar Engländer, ein Österreicher und ich. In jeder Sprache der Pilger wird ein Teil der Messe gehalten. Mich hätte interessiert ob sie das bei Finnisch oder Ungarisch auch durchhalten. Aber den Test muss ich wohl auf ein andermal verschieben. Ausgestattet mit meinem ersten Pilgerpass 'Créanciale' und dem ersten Stempel sowie einer kleinen Kette mit Jakobsmuschel starten wir und steigen erst mal wieder in die Altstadt ab. Die große Gruppe verläuft sich erstaunlich schnell.
    Es geht von Le Puy (628 m) meist aufwärts über La Roche und andere Dörfer bis Monbonnet (1.130 m). Ab hier wird man dann steil abwärts um seine mühsam errungenen Höhenmeter gebracht: Es geht abwärts nach St. Privat D'Allier (890 M). Der einzige Mittagstisch ist nicht berauschend - schade. Ich finde die Art so die lokale Küche kennen zu lernen sehr angenehm. Ich will mal für die Einwohner von dem Ort hoffen, dass es nicht an der Lokalen Küche sondern in dem Fall an einem schlechten Tag des Küchenchefs lag.
    Dann geht es noch weiter runter bis nach Monistrol d'Allier (619 m). Hier treffe ich ein Paar das sich mit einem Esel auf den Weg gemacht hat. Bis hier her ging es ganz gut. Aber das Tier will auf keinen Fall über diese Metallbrücke! Da hilft kein Zureden, kein Ziehen und Schieben. Er will einfach nicht. Und wenn Esel nicht wollen dann ist das so - Basta! Mit so einem Tier unterwegs zu sein mag ja nett sein aber es braucht sehr viel mehr Zeit als wenn man zu Fuß unterwegs ist. Auch mit Pferde ist man erfahrungsgemäß langsamer unterwegs als per Pedes. Später höre ich, dass die einen Tag dort geblieben sind und am nächsten Tag soll er dann völlig ohne mit der Wimper zu zucken über die gleiche Brücke drüber gegangen sein. Er wollte eben an dem Tag nicht. Na, ich wünsche den zweien auf jeden Fall noch viel Spaß!

    So Steil wie es auf der einen Talseite runter ging so geht es auf der anderen Seite wieder rauf. Sobald man die knappen 1.000 Höhenmeter wieder hat wird es dann etwas weniger anstrengend. Wir sind eben auf der Margeride - ein Mittelgebirge aus Granit das meist über 1.000 Metern liegt.
    In Sauges (1.050m) angekommen kann ich deutlich die Unterschiede zu den letzten Etappen erkennen: Es sind wesentlich mehr Pilger unterwegs und das merkt man auch sehr deutlich an der Infrastruktur. Selbst die kleinsten Orte haben meist mehrere Unterkunftsmöglichkeiten. Meist ist von der einfachen Gite bis zum Hotel alles dabei. In der Kirche liegt im Klingelbeutel kein Stempel sondern lauter kleine runde Papierstücke die bereits bestempelt sind.
    Im Restaurant am Abend treffe ich dann 2 Kanadier, 3 Franzosen, einen Polen und einen Belgier. Es wird also auch deutlich voller und auch international. Auf den Etappen bis Le Puy habe ich mich gefreut wenn ich nicht alleine war. Das scheint jetzt deutlich anders zu werden.


    29. Tag: Sauges - St. Alban sur Limagnole
    Samstag, 3. Oktober 2009
    Strecke: 34 Km - Gesamtstrecke: 979 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 755 m, ↓ 855 m
    Gehzeit: 6 h

    Na, 41 Km für den ersten Tag waren dann wohl doch etwas übertrieben. Noch dazu bei den Höhenmetern. Also lasse ich es heute etwas ruhiger angehen. Ich habe mir den Luxus erlaubt und habe den Outdoor-Führer vom letzten Mal dabei weil da die Via Podiensis auch mit drin ist. Zusätzlich habe ich aber noch den Rother von Betina Forst dabei. Mir liegt der Rother deutlich mehr. Da steht mehr Kulturelles drin was mich interessiert und die Höhenprofile sind nicht ganz so krass. Dafür sind im Outdoor mehr Unterkünfte - was man aber zu dieser Zeit kaum braucht. Ich habe dieses Mal so gut wie nie irgendwo länger nach einer Unterkunft suchen müssen.



    Langsam und stetig geht es immer aufwärts. Es geht meist abseits von Straßen auf Feldwegen durch Wiesen und Wälder. Das Gehöft Le Sauvage bietet etwas Windschutz zum Vesper. Und prompt hole ich mir einen leichten Sonnenbrand. Ideales Wanderwetter eigentlich: Leichter Wind und Sonne. Super Sicht und nicht zu warm. Echtes Feiertagswetter eben.







    Am Col de l'Hospitalet ist mit 1.304 m heute der höchste Punkt erreicht. Übrigens nur unwesentlich niedriger als der höchste Punkt überhaupt. Kurz dahinter steht eine kleine Kapelle St. Roche. Dann lasse ich es hinab nach St. Alban sur Limagnole laufen.
    Wir haben am Abend mächtig viel Spaß mit den 2 Kanadiern, 2 Norwegern und einem Holländer. Das entschädigt etwas für das schlechte Essen.







    30. St. Alban sur Limagnol - Montgros
    Sonntag, 4. Oktober 2009
    Strecke: 37 Km - Gesamtstrecke: 1.016 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 940 m, ↓ 660 m
    Gehzeit: 7,5 h
    Auch das Frühstück ist mäßig. Auf den Etappen vor Ley Puy gab es zwar seltener und Weniger Unterkünfte und Restaurants aber wenn dann waren sie besser als hier. Aber vielleicht ist das nur weil ich hier die falschen erwische? Na, schauen wir mal wie es weiter geht.
    Als ich gegen 8 Uhr aufbreche ist draußen alle mit Raureif bedeckt. Es ist halt doch Herbst und wir sind recht hoch. Pfützen sind zugefroren und es dauert eine Weile bis die Sonne alles aufgetaut hat. Ich bin froh, dass ich meine Wintermontur wieder dabei habe. Ohne Handschuhe und Mütze wäre es entschieden zu kalt. Es geht immer etwas auf und ab durch leicht gewelltes Land. Die Vegetation ist üppig aber es sind alles Pflanzen, die auch auf eher kargen Böden gedeihen. Im Wald hinter Les Estrets kommt mir eine große Gruppe mit Quads entgegen. ca. 20 Fahrzeuge. Die lassen es ganz schön krachen.

    In Aumont-Aubrac komme ich gerade zur Zeit des Gottesdienstes an. Auch hier ist die Kirche brechend voll. Die Bäckerei auf der anderen Seite der Straße freut sich dafür umso mehr über mich. Und da sind sie wieder meine Probleme mit französischen Bäckereien: Die machen einfach so viele leckere Sachen, dass ich voll bepackt den Laden wieder verlasse: Mille Feuille, Eclairs, Pain au Chocolat, Croisants, ... Und alles ganz frisch aus dem Ofen. Wer kann da schon nein sagen? Ich jedenfalls nicht! Und bei der körperlichen Tätigkeit spielt Gewicht sowieso nur so lange eine Rolle solange man das Zeug noch tragen muss.
    Dann bin ich wieder unterwegs durch die wirklich wunderschöne Landschaft. Die Meinung den Haken des Weges abschneiden zu können bezahle ich mit zusätzlichen Höhenmetern - bekomme dafür aber eine tolle Rundumsicht geliefert. Hier überholt mich übrigens bis heute der einzige Pilger zu Pferd. Bei Les Quatre Chemins (die 4 Wege) hat sich eine geschlossene Gesellschaft eingenistet. Die bekommen üppige Portionen und für mich gibt es nur eine Karaffe mit Wasser. So Gastfreundlich die einen so komisch sind manch andere. Aber nach dem Boxenstopp in der Bäckerei geht es hier ja auch nicht ums Überleben. Der weitere Weg führt mich stetig immer höher hinaus. Die letzten Bäume bleiben langsam zurück und man kommt in Richtung Aubrac. Hier wird meist nur noch Weidewirtschaft betrieben. Überall schauen abgerundete Felsen raus und zwischen den einzelnen Weiden ziehen sich endlos kleine Steinmauern durch die Landschaft. Hier weiden sehr viel von den Aubrac-Rindern. Man muss immer Weidetoren öffnen und schließen und sollte keine Angst vor den Tieren haben. Da sind - deutlich erkennbar - auch der eine oder andere Bulle mit dabei.
    Irgendwo hat mich ein Jagdhund adoptiert. Er läuft begeistert mit. Den Service, dass ich ihm die Tore öffne und hinter ihm wieder schließe findet er klasse. Das Aubrac ist sehr dünn besiedelt. Also immer genug Wasser mitnehmen. Ich trödle durch die Landschaft und genieße dieses sehr urwüchsige Ambiente. Es ist doch erstaunlich wie sich die Landschaft auf den wenigen Kilometern so wandeln kann. Erst das Rhonetal, dann der Aufstieg, die Hochfläche vor Le Puy mit sehr viel Wald (das war alles letztes Jahr) und nun erst das Velay, dann die Margeriede und jetzt dieses unvergleichliche Aubrac. Mit dem Auto hätte man keine Chance das so zu erleben!

    Eigentlich hatte ich Nasbinals als Etappenziel ins Auge gefasst weil ich ein Päckchen heimschicken will. Ich bin doch durch die eine oder andere Karte schon durch, zwei Führer sind deutlich einer zu viel und auch auf ein paar andere Kleinigkeiten kann ich gut verzichten. Es wird aber zunehmend später. Als ich durch Montgros komme springt mich die Auberge 'La Maison de Rosalie' geradezu an. Sieht einfach toll aus das alte Steinhaus - mit Liebe restauriert. Die Entscheidung hier zu bleiben ist im gleichen Augenblick getroffen als ich um die Ecke komme und den Garten mit den Tischchen stehen sehen. Für jeden der hier vorbei kommt und so was gerne hat ein absolutes Muss: La Maison de Rosalie!
    Was habe ich da eigentlich gestern von schlechtem Essen erzählt? Das wird hier und heute deutlich wiederlegt! Im Offenen Kamin brennt ein Feuer - Es ist schließlich Herbst hier oben! Interessant auch dies: im offenen Kamin - was in Frankreich ja meist eine offene Feuerstelle mit Rauchfang drüber ist - sind Wasserrohre installiert. Damit wird die Wärme über 'Zentralheizung' auch für andere Räume nutzbar gemacht. Auch heute sind wir wieder eine sehr internationale Tischgemeinschaft. An den sprachlichen Kauderwelsch muss man sich erste gewöhnen - aber nach dem zweiten Glas Wein geht das Problemlos! Der Abend ist viel zu kurz!


    31. Montgros - Espalion
    Montag, 5. Oktober 2009
    Strecke: 42 Km - Gesamtstrecke: 1.058 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 565 m, ↓ 1.455 m
    Gehzeit: 7,5 h

    Dafür hält mich das Bett heute Morgen auch besonders lange fest. Das super Frühstück bringt mich dann doch in die Gänge. Gegen 9 Uhr mache ich bereits die erste Pause in Nasbinals. Mein Päckchen will nach Hause. Es sind doch immerhin 2 Kg geworden.
    Diese Etappe scheint doch sehr beliebt zu sein. Hier ist mächtig viel los! Das hat seit Sauges aber sehr deutlich zugenommen. Man sieht den ganzen Weg voraus einen am anderen gehen. Wo kommen die auf einmal alle her? Ich habe das Gefühl da steigen viel ganz bewusst hier ein weil es zu einem der landschaftlichen Höhepunkte des gesamten Weges zählt. Es gibt hier oben nicht sehr viele Ortschaften und die wenigen sind nicht sehr groß. Es geht über Weiden - wie kann es anders sein - immer leicht aufwärts. Kurz vor Aubrac ist mit 1.368 Metern der höchste Punkt der Via Podiensis erreicht. Man nimmt es als 'Gipfel' gar nicht richtig war. Kurz danach kommt man durch ein Örtchen - von Ort will ich bei den 18 Häusern (ich hab's in Google Earth nachgezählt) - mit einer schönen Sonnenterasse vor der Bar 'Chez Germain'. Windgeschützt und mit Service versehen. Da es jetzt ins Tal geht mache ich hier nochmal eine Pause. Und siehe da: hier beginnt Südfrankreich! Das erste Stehklo. Wo jedes Lokal 2 Toiletten hat haben die hier 3: Männlein, Weiblein und Steher.

    Dann geht es über schöne Wanderwege erst langsam und später immer schneller abwärts. In St.-Chély-d'Aubrac gibt es im Hotel de la Vallée wieder einen hervorragenden Mittagstisch. Aber auch hier erkennt man einen schlagartig anderen Charakter: In den Gärten häufen sich die Pools. Oben auf dem Aubrac hab ich keinen einzigen gesehen. Wir kommen eben doch in Richtung Südfrankreich. Es geht über Weiden und durch wunderschöne Wälder (hab ich das eigentlich schon ausreichend betont??) immer weiter abwärts bis man in Saint-Côme-d'Olt im Lot-Tal angekommen ist. Hier treffe ich 2 Australier wieder die mit dem Taxi Cherry-Picking betreiben und nur die schönsten Etappen gehen. Auf dem Platz mit den Cafés herrschen 17 °C! Gestern Morgen hatten wir noch Bodenfrost - das war aber auch 1.000 Meter höher. Nach einer Radlerpause ziehe ich an der Lot entlang nach Espalion. Überall liegen Walnüsse und Esskastanien. Espalion selber ist schon fast eine richtige Stadt. Das Hotel Moderne ist genauso alt wie die Stadt selber. Aber die haben Pilgerzimmer für 10 €. Da kann man nicht meckern. Das Gerberviertel ist schön gemacht. Aber für eine große Stadttour reicht es bei mir heute nicht mehr.


    32. Espalion - Espayrac
    Dienstag, 6. Oktober 2009
    Strecke: 36 Km - Gesamtstrecke: 1.094 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 980 m, ↓ 950 m
    Gehzeit: 9 h
    Von Espalion aus geht es dann mal näher mal weiter von der Lot weg das Tal hinunter. Aber dafür geht es stark auf und ab. Ein Juwel erwartet einen in Estaing. Es soll eines der schönsten Dörfchen hier im Masif Central sein. Nicht ganz zu unrecht. Leider wissen das die Leute dort vor Ort auch und bei den Touristen scheint es sich auch schon rumgesprochen zu haben. Aber ein Schlenker durch die Gässchen und um Schloss und Kirche lohnt sich auf jeden Fall.

    Der Weg führt dann erst eben und dann durch den Wald steil aufwärts. Wenn man oben ist bleibt man dann auf der Höhe und zieht über - hier wieder bewirtschaftete Felder - und Wälder über Golinhac nach Espayrac. Die Wege liegen voll mit Nüssen und Maroni. 3-mal hat es heute angesetzt zu Regnen - Aber über einen Ansatz kam der Regen zum Glück nicht raus.
    Hier gefällt es mir - also bleibe ich. In einem Tante-Emma-Laden kaufe ich ein weil ich in der kommunalen Gite untergekommen bin. Die Gite füllt sich sehr schnell: Franzosen, Schwedinnen, Italiener, ... Es wird wieder international. Schnell einigen wir uns, dass jeder etwas aus seiner Region kocht und am Schluss kommt alles in die Mitte. 2 Französinnen haben einen Birnenbaum mit Früchten entdeckt und backen damit und mit Walnüssen natürlich einen Blätterteigkuchen. Ich mache Bratkartoffeln mit Speck und Ei. Der Italiener plündert den Kräutergarten und zaubert eine Pesto zu Nudeln die sich sehen lassen kann. Irgendwer hat noch sow as wie Coq au Vin gemacht und dann gab es noch einige eher einfache Gerichte. So macht das Essen doch wirklich Spaß. Nur der Wein kann unserem Konsum nicht schritthalten. Ist aber vielleicht ganz gut so!


    33. Espayrac - Concques
    Mittwoch, 7. Oktober 2009
    Strecke: 12 Km - Gesamtstrecke: 1.106 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 310 m, ↓ 400 m
    Gehzeit: 2,5 h
    Am Morgen ziehe ich wieder bei bestem Wetter weiter. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und sehr grün. Über Felder und schöne Wanderwege ziehe ich in Sénergues ein. Über Felder geht es dann weiter bis man durch den Wald wieder abwärtssteigen muss. Völlig unerwartet - weil vorher kaum sichtbar - steht man plötzlich in Conques. Einer der unbestrittenen Höhepunkte des Weges. Ein kleines Dorf tief im Wald versteckt und - damals - völlig einsam gelegen. Hier hat sich seinerzeit ein Einsiedler niedergelassen und schnell entwickelte sich daraus ein Kloster. Es wuchs und gedieh und wurde immer Größer. Heute steht in dem kleinen Dorf eine mächtige Kathedrale am Hang. Prädikat: Absolut sehenswert! Auf dem Marktplatz vor der Kirche spielt der Pilger mit seinem Saxophon auf, den ich gestern und heute schon getroffen habe. Was die Leute alles über tausende von Kilometern tragen ist schon erstaunlich. Ich sitze am Platz in einem Café und genieße den Vormittag. Zum Mittagessen lädt mich einer der Mönche zu sich in deren Runde ein. Irgendwie ziehen mich Klöster und Mönche auf diesem Weg magisch an. Ich habe sonst nichts mit der Kirche am Hut - aber hier auf dem Weg ist das ganz komisch! Am Tischen sitzen auch viel Hostanten, Leute die in ihrer Freizeit Pilger versorgen und die Herbergen betreuen, ehrenamtlich - versteht sich.

    Ich beziehe ein Zimmer in der Pilgerherberge direkt hinter dem Kloster. Den Nachmittag verbummle ich im Dorf. Die Bilder kann ich euch leider nicht mehr zeigen. In einem Café lerne ich Harry - einen 78 jährigen aus Los Angeles. Er wollte bevor er nicht mehr laufen kann unbedingt noch ein drittes Mal hier her kommen und auf den Weg gehen. Ich habe Pilger gesehen, die waren schlechter unterwegs als er. Hut ab!
    Am Abend gibt es eine Messe mit Pilgersegnung. Das schöne hier ist, dass es wenig touristisch angehaucht ist sondern alles ursprünglich und ehrlich wirkt. Nach der Messe gibt es noch ein Orgelkonzert. Am Anfang in Begleitung eines Klaviers. Mit Elton John, Abba und auch klassischen Stücken. Eine interessante Kombination in einer Kathedrale. Ich lerne Claude kennen - einer der Mönche hier. Er ist vor ein paar Jahren in 11 Monaten mit einem orthodoxen Christ und einem Juden zusammen von Jerusalem nach Santiago des Compostela gepilgert. Das sollen rund 11.000 Km gewesen sein. Da betreibe ich hier Kinderfasching dagegen.
    Über den Tag verteilt sind sehr viele Pilger eingetroffen, die ich im Lauf der letzten Etappe kennen gelernt habe. Da ich normalerweise eher zu den etwas Schnelleren gehöre ist das bei mir nicht unbedingt üblich. Dadurch, dass ich heute nur 12 Km unterwegs war und den ganzen Tag hier schon genossen habe war das alle paar Augenblicken ein mir bekannter Pilger der hier ankommt.


    34. Concques - Figeac
    Donnerstag, 8. Oktober 2009
    Strecke: 50 Km - Gesamtstrecke: 1.156 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 1.020 m, ↓ 1.100 m
    Gehzeit: 10 h
    Der Abschied fällt wieder sehr schwer. Zumal es auch regnet. Aber man soll sich den Ort ja immer so in Erinnerung behalten wie er am besten raus kommt. Also nichts wie weg! Der Regen verbreitet immer so eine niedergeschlagene Stimmung. Es geht weiter runter bis an den Fluss und auf der anderen Talseite durch den Wald wieder hoch.
    Auf halber Höhe ist eine nette kleine Kapelle Saint Foy. Jeder der vorbei kommt lässt das Glöckchen klingeln. Ich entscheide mich für die kürzere Variante weil die auch weniger Höhenmeter haben soll. Dafür geht es meist auf geteerten Sträßchen entlang. Nach 20 Km umgehe ich die Industriestadt Decazeville und steuere Livinhac-le-Haut direkt an. Die Essenqualität lässt im einzigen Lokal schon beim Blick durchs Fenster sehr zu wünschen übrig. Da auch die Nase abrät gibt es ein Vesper auf dem Weg nach Montredon. Die wilden Zacken des Weges kürze ich etwas ab. So werden es am Ende vielleicht doch nicht ganz 50 Km gewesen sein. Aber auch hier bezahle ich mit Höhenmetern. In St. Felix hat die einzige Gite mal wieder zu. Bei denen ist Oktober wohl nicht mehr Saison.
    So gehe ich weiter und komme nach Figeac hinein. Ich komme in der Gite Carmel unter. Die haben streng getrennte Schlafordnung: Ein Schlafraum (mit 10 Betten) für die 9 Herren und ein Schlafraum (mit 10 Betten) für die beiden Damen. Ich muss hier auch den Rucksack in einen Müllsack verpackt unter der Treppe stehen lassen. Die haben hier mächtig Respekt von Bettwanzen.


    35. Figeac - Limogne-en-Quercy
    Freitag, 9. Oktober 2009
    Strecke: 48 Km - Gesamtstrecke: 1.204 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 850 m, ↓ 750 m
    Gehzeit: 9 h
    Am Morgen regnet es schon wieder. Es geht über Teersträßchen auf einem Bergrücken entlang nach Faycelles und Béduer. Dann überwiegt der Wald auf dem Weg nach Cajar. Hier ist der lokale Mittagstisch wieder erstklassig. Die Sonne zeigt sich und schon macht das Wandern wieder mehr Spaß. Im Wald sind überall Jäger unterwegs. Scheint eine beliebte Jagdgegend zu sein. Die Besiedelung ist hier sehr dünn. Wenn man mal durch einen Weiler kommt fülle ich mir immer die Flaschen ganz auf. Wer weiß wann wieder was kommt? In Limogne-en-Quercy reicht es mir dann für heute.
    Am Nachmittag ist die Sonne nochmal richtig zu Wort gekommen. In einem Weingarten (Biergärten gibt es in Frankreich angeblich nicht) vertrödele ich den Rest vom Tag. Ich habe mich heute für ein Chambre d'Hotel (Privatzimmer mit Frühstück) entschieden. Gegen 20 Uhr macht das Restaurant "Au Rince Cochon" endlich auf. Die Speisekarte verspricht viel. Und die Küche kann es halten! Auch der Sommelier kann sich sehen lassen. Ein rundum gelungener Abend bis der Pilger am Nachbartisch bezahlt und mir den Rest seines ebenfalls exquisiten Weins auf den Tisch stellt. Ich sehe wohl nicht wie ein Kostverächter aus.


    36. Limogne-en-Quercy - Castelnau Montraitier
    Samstag, 10. Oktober 2009
    Strecke: 49 Km - Gesamtstrecke: 1.253 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 480 m, ↓ 480 m
    Gehzeit: 9 h
    Heute regnet es nur einmal: den ganzen Tag. nicht gerade das Wetter das man sich wünscht wenn man eine Stadt wir Cahor besichtigen will. Nun ist das nicht weiter schlimm denn ich war da schon mal. Daher beschließe ich kurzerhand den Teil einfach ausfallen zu lassen und den Schlenker über Cahor ab zu schneiden und mit einem direkten Weg Moissac an zu steuern.
    Ich ziehe über Varaire und Bach los und verlasse hier die 'offiziellen' Wege der Pilger und gehe nach Lalbenque. Nach dem Vesper kommt doch tatsächlich die Sonne raus. Ich lasse mich dazu verleiten und packe die Regensachen weg - um prompt eine halbe Stunde später richtig nass zu werden. Es regnet sich richtig ein - ein Dauerlandregen. Ich entschließe mich jeden Schnörkel im Gelände weg zu lassen und einfach entlang der D19 über St.-Cevel nach Castelnau Montraitier zu gehen. Trotz der beachtlichen Größe des Ortes gibt es nur eine Übernachtungsmöglichkeit - ein Hotel mit 3 Sternen. Wo sie die allerdings her haben weiß ich nicht. Das Restaurant hat geschlossen. Man stellt mir eine Kalte Platte und eine Flasche Wein aufs Zimmer und wünscht mir einen schönen Abend. Naja, dann versenke ich mich eben in der Badewanne und schau mir schon mal die nächsten Etappen an.


    37. Castelnau Montraitier - Moissac
    Sonntag, 11. Oktober 2009
    Strecke: 38 Km - Gesamtstrecke: 1.291 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 245 m, ↓ 470 m
    Gehzeit: 7 h
    Langsam wird auch das Wetter wieder besser. Es ist zwar noch bewölkt aber es regnet nicht mehr. Das ist doch schon ein Lichtblick! Ich verlasse das Hotel und bleibe immer auf dem Bergrücken. Ich komme durch Weinberge voller reifer Trauben. Zuckersüß und saftig. Innerhalb kürzester Zeit klebt alles. Klar, dass es heute nicht regnet - da könnte man das ja mal brauchen. Ich sehe es sportlich: Wer essen will muss kleben!
    Die Sicht wird immer besser und es zahlt sich aus, dass ich immer auf den Bergrücken bleibe. in Durfort-Lacapelette stoße ich wieder auf die Markierungen - um sie kurze Zeit später wieder zu verlassen. Ich habe mich so an die Crete - den Gipfel des Höhenzuges - gewöhnt, dass ich es nicht einsehe von ihr ab zu weichen nur um auf einer größeren Straße laufen zu dürfen. So bleibe ich oben bis ich im Tal vor mir Moissac erkennen kann. Durch einen weniger schönen Vorort komme ich nach Moissac. Die haben eine tolle Altstadt. In den Cafés am Platz vor der Kirche lässt es sich hervorragend sitzen um den Nachmittag zu verplempern. Mit einer Höhe von 76 Metern ist das so ziemlich einer der niedrigsten Orte auf der aktuellen Etappe. Das Klima ist angenehm und es sieht auch so aus als wollte das Wetter die nächsten Tage mit dem Regen etwas mehr geizen. Ich würde es ihm sicher nicht verübeln.
    Die Gite in der ich übernachte wird von Ordensschwestern betrieben. Hausfrauen hätten die bei der Kocherei keine guten abgegeben.


    38. Moissac - Miradoux
    Montag, 12. Oktober 2009
    Strecke: 37 Km - Gesamtstrecke: 1.328 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 480 m, ↓ 480 m
    Gehzeit: 9 h
    Ich besorge mir am Bahnhof Fahrpläne für die verschiedenen Orte, die mit Bahn- oder Bahnbus-Anschluss aufwarten können. Leider geht meine verfügbare Zeit dieses Jahr schon wieder dem Ende zu.
    Das Wetter verspricht gut zu werden. Der Weg führt entlang der Tarn. Immer auf Treidelpfaden unter alten Bäumen am Fluss entlang ist wenig anstrengend und man kommt schnell voran. Bei Pommevic muss man den dann verlassen und steuert dann Auvillar an. Die Altstadt ist super und der Mittagstisch auch. Über Bardigues und Saint-Antoine ziehe ich weiter und bin von der Autobahnbaustelle nicht wirklich angetan. Aber man muss auch irgendwie zu den Orten hinkommen. Immer nur maulen wenn man dort ist geht ja auch nicht.
    Hinter Saint-Antoine hat ein Bauer einen Tisch aufgebaut und biete Waren für Pilger darauf an. Was auf den ersten Blick ganz nett aussieht ist beim Näherkommen eine Zumutung. Das Zeug das da liegt ist etliche Tage als, der Käse stinkt und beheimatet tausende von Fliegen. Obst ist verschimmelt und alles macht nicht wirklich einen einladenden Eindruck. Die Idee ist ja nett aber dann bitte auch zu Ende bringen. Über Flamerance komme ich nach Miradoux.
    Der Ort hat seinen Namen von Miradore was so viel wie Aussichtspunkt heißt. Und das ist er auch. Ich kann am Horizont die Pyrenäen erkennen. Von Ost bis West. Tolle Fernsicht heute. Ich komme privat im 'Le Bonheur' unter. Er ist Belgier und sie ist Holländerin. Das alte Haus ist super in Schuss und man hat einen tollen Blick. Da ich als letzter kam musste ich nehmen was an Zimmern übrig war: Ein Zimmer voll mit Antiquitäten und einem eigenen Wohnzimmer mit Kamin. Und das zum Pilgerpreis. Das hausgemachte Essen ist erstklassig. Die Gesellschaft wieder sehr bunt gemischt. Aber nicht nur Pilger. Die beiden haben sich einen Namen über den Pilgerkreis hinaus gemacht.
    Vom Wohnzimmer aus hat man eine Fernsicht die hitverdächtig ist: über 260 Km sind die Pyrenäen noch weg und man kann den ganzen Gebirgszug bequem aus dem Sessel heraus betrachten.

    39. Miradoux - Condom
    Dienstag, 13. Oktober 2009
    Strecke: 43 Km - Gesamtstrecke: 1.371 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 725 m, ↓ 760 m
    Gehzeit: 8,5 h
    Beim Frühstück stellen die beiden dann überrascht fest, dass ich Deutscher bin. Mein Französisch läuft aber auch aktuell wirklich gut. Der Abschied fällt schwer - so komme ich erst gegen 9 Uhr weg.
    Es geht auf und ab nach Lectoure. In einer Bäckerei gibt es wiedermal etwas mehr als nur eine reine Grundversorgung. Die Gascogne ist zwar wesentlich dichter besiedelt als das Aubrac aber die Wege führen doch meist zwischen den Orten hindurch. Über Marsolan und Castelnau-sur-l'Auvignon geht es nach Condom.
    Heute ist mir doch tatsächlich das Wasser ausgegangen. In Frankreich ist das aber zum Glück kein Problem weil fast alle Friedhöfe eine Trinkwasserversorgung haben. Das Mittagsvesper mit Pyrenäenblick war heute schlicht weg der Hammer! Die Gacogne hat schon was.
    In der Altstadt verbummle ich den Rest vom Tag und sehe mich um. In einem Café machen ein paar Pilger mächtig Lärm. Peinlich! Das sind auch noch Deutsche. Die machen einen auf dicke Hose, und was sie nicht alles gelaufen wären. Sie seien schon seit Conques unterwegs. Irgendwann kommt ein Taxi um die Ecke und packt die ganzen 'Pilger' ein. Na super - Taxipilger. Warum müssen die dann auch noch so laut auftreten? Im Grunde kann doch jeder machen was er will - aber muss man denn gleich so übertreiben?


    40. Condom - Manciet
    Mittwoch, 14. Oktober 2009
    Strecke: 42 Km - Gesamtstrecke: 1.413 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 630 m, ↓ 570 m
    Gehzeit: 8 h
    Das Wetter hält. An einem Café am Ortsausgang mit Blick auf die Pyrenäen nehme ich noch ein zweites Frühstück. Dann geht es meist über Felder durch die hügelige Gascogne. Kurz hinter Montréal führt der Weg wiedermal auf eine ehemalige Eisenbahntrasse. Dadurch ist ein permanentes Auf und Ab unmöglich und es geht immer im Schatten von Bäumen dahin.
    Im Industriegebiet von Eauze hat das dann ein jähes Ende und man wird wieder in die Gegenwart versetzt. Die Innenstadt von Eauze war sicher mal ganz schön - und ich bin sicher sie wird es auch bald wieder sein. Aktuell ist es aber eine einzige Baustelle. Über alle Straßenzüge der Altstadt erstreckt sich die Baustelle zur Sanierung. Nach dem Rucksackvesper auf einer sonnigen Bank ziehe ich dann weiter.
    In Manciet bleibe ich für heute hängen. Hier bin ich mit einer älteren Italienerin (62 Jahre) alleine bei 'Chez Monique'. Wir verhocken den Abend am Kamin und sie erzählt mir begeistert von ihrer Heimat Udine im Friaul. Sie kommt aus einem kleinen Dorf aus den Bergen an der Grenze zu Österreich und Slowenien. Hört sich so an als sollte ich da mal hin! Sie kann zwar nur Italienisch und ich nur Französisch, Deutsch und Englisch aber wir haben uns hervorragend verstanden.



    41. Manciet - Aire sur L'Adour
    Donnerstag, 15. Oktober 2009
    Strecke: 38 Km - Gesamtstrecke: 1.451 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 400 m, ↓ 460 m
    Gehzeit: 7 h
    Nach dem Frühstück ziehen wir zwei zusammen weiter. Die Sicht auf die Pyrenäen ist immer noch phantastisch. Nur hat man irgendwie das Gefühl die kommen so gar nicht näher. Nach zwei Stunden sind wir schon in Nogaro. Die haben schöne einladende Cafés. Die Dame lässt ihr Gepäck über einen Taxidienst transportieren und weicht heute von der geplanten Route ab weil sie mit mir unterwegs ist und nun doch noch bis Aire-sur-L'Adour weiter will.
    Hinter Nogaro ist man zwar meist auf geteerten Sträßchen unterwegs aber der Verkehr hält sich - zumindest im Oktober - sehr in Grenzen. Das sind meinst kleinste Gemeindestrassen ohne viel Firlefanz. Prompt kommen wir zwar in Lelin-Lapujolle an aber kommen aus einer Richtung rein, mit der wir laut Karte und Führer nicht wirklich gerechnet haben. Na, egal. Wir sind ja angekommen. Dann geht es – immer noch mit Blick auf die Pyrenäen - zum Talgrund auf dem eine stillgelegte Eisenbahntrasse verläuft. Bei den Franzosen ist das schon komisch: Überall liegen stillgelegte Eisenbahntrassen aber den Kreuzgang des Klosters in Moissac wollten sie unbedingt zu Gunsten einer TGV-Trasse abreisen.

    Auf den letzten Metern Richtung Aire-sur-L'Adour geht es fast bis Barcelonne-du-Gers an dieser Linien schnurgerade entlang. Der Weg führt dann durch die südlichen Ausläufern dieses Ortes und führt uns nach Aire-sue-L'Adour.
    Ich besorge mir als erstes eine Fahrkarte und vergewissere mich, dass der geplante Bus auch morgen wirklich fährt. Das tut er - aber nicht am Busbahnhof, wie man das erwarten würde, sondern am stillgelegten Bahnhof. Es ist schließlich ein Bahnbus und der hält an einem Bahnhof. Nun, man muss nicht jede Logik verstehen. Hauptsache er hält morgen früh an der Bushaltestelle, an der ich mich dann befinde.
    Wir quartieren uns fast direkt bei dem alten Bahnhof ein weil unsere Busse - meiner in Richtung Westen, ich fahre über Bordeaux und Paris nach Hause und ihrer Richtung Osten weil sie über Toulouse nach Udine fliegt - am nächsten Morgen sehr früh (6:15 und 6:35 Uhr) dort abfahren.
    Einen Nachmittag und einen Abend zu verleben ist mit einer Italienerin nun wirklich nicht schwierig. Wir ziehen durch die Stadt die gerade irgendeinen Schutzheiligen feiert und essen abends zusammen zu Abend. Sie besteht darauf, dass es eine Pizzeria sein muss - sie will mir noch etwas von ihrer Heimat nahe bringen.


    Heimreise
    Freitag, 16. Oktober 2009
    Das uns das Aufstehen schwer fällt war klar als wir gestern zusammen losgezogen sind. Leider fahren die Busse auch ohne uns. So stehen wir an der frostigen Bushaltestelle und verabschieden uns voneinander und von Aire-sur-L'Adour. Ich bin mir sicher, dass ich spätestens im nächsten Jahr wieder hier sein werde. Sie ist sich da noch nicht so sicher.
    Dann kommt noch eine Deutsche, die genau den gleichen Heimreiseweg hat wie ich. Wir sind über Tage fast immer nebeneinander hergelaufen und haben uns nie gesehen.
    Der Bus bringt uns dann nach Mont-De-Marsan. Ab da gibt es eine Regionalbahn nach Bordeaux. Ab hier fährt ein TGV ohne den Umweg über einen Pariser Kopfbahnhof direkt über Straßburg nach Stuttgart. Was will man mehr? Meine Frau holt mich mit den drei Kindern am Bahnhof ab. Na, das ist mal ein Empfang!

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    Geändert von Wafer (12.08.2014 um 19:25 Uhr)

  17. Fuchs
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    #17
    5. Etappe

    Wieder hat es fest ein Jahr gedauert bis ich wieder auf 'den Weg' komme. Im Frühjahr war ich zwar auch unterwegs aber wegen ein paar Tagen lohnt sich die Anreise bis in den hintersten Winkel Frankreichs nicht wirklich. Ich bin schon recht routiniert, achte beim Rucksackpacken auf jedes Gramm (wenn eine Zahnpastatube zu Ende geht wird sie weg gepackt. Ich starte doch keine Weitwanderung mit einer vollen neuen Tube!). So sind es diesmal nur 11 Kg – allerdings ohne Verpflegung – die ich da mit mir rumtrage.
    Dieses Mal wird es vermutlich weit bis nach Spanien hinein gehen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Man hat ja zwischenzeitlich so viel gelesen.

    Anreise
    Freitag, 8. Oktober 2010
    Einen durchgehenden Zug von Stuttgart nach Bordeaux scheint es nicht mehr zu geben. Also plane ich einen Zwischenstopp in Paris ein. Da habe ich lange Jahre gelebt und kenne noch den ein oder anderen. Ich treffe mich am Abend mit einem Bekannten aus meiner Studienzeit in Compiegne. Wir haben uns ca. 20 Jahre nicht mehr gesehen. Wir ziehen durch die Straßen bis nach Mitternacht (… und haben das früher auch gern gemacht …)

    42. Tag: Aire sur L'Adour - Arsacq-Arraziguet
    Samstag, 9. Oktober 2010
    Strecke: 33 Km - Gesamtstrecke: 1.484 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 400 m, ↓ 250 m
    Gehzeit: 5,5 h
    Am Morgen nehme ich den ersten Zug nach Bordeaux, den Anschlusszug nach Mont-de-Marsan und den Bahnbus nach Aire-sur-L‚Adour. Dort komme ich Mittags an und ich lass mich im Sonnenschein an einem Mittagstisch nieder. Mein Gott wie da die Zeit vergeht. Nach 2 Stunden muss ich zusehen, dass ich starte sonst wird das heute nichts mehr. Man sitzt halt gemütlicher als man läuft! Wiedermal läuft der Weg entlang einer Autobahnneubaustrecke. Von dem Weg im Führer fehlt jede Spur. Eine neu markierte Strecke gibt es auch noch nicht. Es lohnt sich also, dass ich wieder Karten mitschleppe. Ich schlage mich frei Kompass durch und lasse Miramont links liegen. Bei Pimbo komme ich wieder auf den Weg und will dort eigentlich übernachten. Aber es ist alles zu. Also verlasse ich den Weg zugunsten einer Variante wieder und steuere Arsacq-Arraziguet an.
    Mit den ersten Regentropfen komme ich dort an.
    Ich komme in der kommunalen Gite unter. Bei guter Sicht wäre das heute sicher sehr schön gewesen. Aber mit der Baustelle und einer schlechten Sicht war es nicht ganz so der Renner. Das ich letztes Jahr die letzten Tage fast ständig die Pyrenäen gesehen habe ist heute kaum vorstellbar.


    43. Tag: Arsacq-Arraziguet – Arthez-de-Bearn
    Sonntag, 10. Oktober 2010
    Strecke: 30 Km - Gesamtstrecke: 1.514 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 300 m, ↓ 320 m
    Gehzeit: 5 h
    Ich sollte doch wissen, dass ich abends keinen Café trinken soll! Ich habe mir das vor 10 Jahren abgewöhnt und konnte gestern Abend einfach nicht wiederstehen – prompt lag ich die ganze Nacht wach. Ich vertrag halt nix mehr …
    So kriege ich aber akustisch mit wie es sich einregnet. Ich komme gegen halb Neun weg und der Regen hält sich in Grenzen. Bis Louviny bleibe ich wieder auf dem Weg um mich dann über Garos nach Uzan durch zu schlagen. Bei dem Wetter bringen auch die schönsten Schlenker nix. In Pomps wollte ich eigentlich Pause machen. Aber das Kaff hat so gar nix. Im Schutz einer Kapelle mache ich Vesper und ziehe weiter nach Castillon. Das liegt auf einem Bergrücken – aber bei Regen wird die Aussicht dadurch auch nicht besser. In Arthez-de-Bearn habe ich dann keine Lust mehr, alle Kleider am Leib sind nass und überhaupt – es ist schließlich Sonntag. In einer Bar treffe ich Pilger gleicher Meinung. Die Bar ist übrigens typisch südfranzösisch: Anstelle das Dach zu reparieren werden im Gastraum, den Toiletten und in der Küche einfach Eimer aufgestellt und die Möbel beiseitegeschoben. Der verstrahlt doch ein wirklich heimeliges Ambiente. So oft scheint es hier also nicht zu regnen.

    Pilgermenü am Ruhetag in Arthez-de-Bearn

    In der Gite ‚Maison de Pelerins‘ hängt schon alles voll nasser Klamotten. Ich hänge meine dazu und informiere mich was es heute noch so gibt.
    Eines der wenigen Restaurants, die ‚Auberge du Bourdalat‘, hat heute geschlossen. Aber genau an seinem Ruhetag kocht der Wirt speziell für Pilger. Zu viert wollen wir das ausprobieren. Vorspeise, Salat, Hauptgang, Dessert und Wein für 9 €. Die gute Stimmung haben wir mitgebracht – der Abend wird richtig nett! Das Essen lohnt sich absolut! Wegen uns 4 hat er extra die Küche auf gemacht.


    44. Tag: Arthez-de-Bearn - Navarrenx
    Montag, 11. Oktober 2010
    Strecke: 30 Km - Gesamtstrecke: 1.544 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 410 m, ↓ 500 m
    Gehzeit: 6 h
    Der Morgen beginnt mit einem Feueralarm – sehr stimmungsvoll! Leider aber ist es erst 6 Uhr. So kommt es, dass ich schon recht früh auf der Piste bin. Frühstück gibt es auch keines – außer Automatenbrühe. Über Argagnon gehe ich nach Maslaq – hier gibt es dann ein typisch französisches im Maugouber. Der Wirt berichtet gleich, als er hört dass ich aus der Region Stuttgart komme, dass er da auch schon mal war: 1945 beim Einmarsch! Es sei aber auch nicht wirklich schön gewesen. Wen wundert’s? Da war ja auch alles in Schutt und Asche.

    Weiter geht es immer leicht auf und ab durch die Gascogne nach Sauvelade zum Mittagessen und dann nach Navarrenx. Den ganzen Tag hängen am Weg kleine Täfelchen mit flotten Sprüchen. Unterschrieben sind die alle mit ‚L‘Alchimiste de Navarrenx‘. Wer steckt da wohl dahinter?
    Um 18 Uhr gibt es eine Pilgermesse. Die ist wirklich gut und anschließend mit Sektempfang. Sehr anregend – so auf nüchternen Magen. Zwischenzeitlich hat jemand rausgefunden wer der Alchimiste ist und wo er wohnt. Wir beschließen ihn zu besuchen. Das Unikum ist absolut einen Besuch wert! Er hat ein schönes altes Haus in der rue de l’Abreuvoir und hat auch Unterkunftsmöglichkeiten. Wir kochen zusammen – teilweise an seinem Kamin und teilweise in seiner Küche – und es wird ein unvergesslicher Abend.

    Das ist der L'Alchimiste de Navarrenx



    Er ist ein sehr kreativer Künstler – sein ganzes Haus hängt voll mit selbergemachten Lampen, Spiegeln und anderen Dingen.


    45. Tag: Navarrenx – Uhart-Mixe
    Dienstag, 12. Oktober 2010
    Strecke: 40 Km - Gesamtstrecke: 1.584 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 500 m, ↓ 500 m
    Gehzeit: 8 h
    Ich komme heute Morgen erst gegen 9 Uhr weg (Es war doch reichlich spät letzte Nacht!). Durch das alte Stadttor geht es hinaus über den Fluss und schon steht man im nächsten Ort Castetneu-Camblong. Es geht kreuz und Quer und auf und ab durch die Gascogne nach Lichos und Aroue-Ithorrots-Olhaiby. Nicht nur an den Ortsnamen ist zu erkennen, dass ich im Baskenland bin. Die Orte sind alle sehr sauber und ordentlich – so gar nicht das was man vom Süden Frankreichs kennt. Die Basken laufen unter sehr ordentlich und sauber.

    Das Baskenland - das Schwabenland unter den französischen Regionen

    An einer kleinen Kapelle abseits des Weges wird der Mittag verbracht. Langsam lohnt es sich wieder mit Blick in die Ferne zu essen – das Wetter macht sich. Nach dem Vesper ist man ja etwas träge – so merke ich erst nach einigen Kilometern, dass ich den Weg verpasst habe. Ich merke es als ich ein Jakobswegzeichen sehe, das ich gar nicht kenne. Der Weg von Vezelay – die Via Lemovicensis – kommt hier des Weges und trifft sich mit der Via Podiensis ein paar Meter weiter in Ostabat.
    Ich steuere für heute nach die Gite in Uhart-Mixe an. Eine Entscheidung, die mehr als richtig war! Der Weg dorthin ist gut markiert – das sind diese Schnecken am Weg. Uhart-Mixe besteht aus zwei Häusern, einer Kirche und eben der Gite. Die Wirtsleute sind sehr herzlich und wir werden bestens versorgt. Zur Begrüßung gibt es erst mal einen Durstlöscher aufs Haus. Abends gibt es eine Piperade – eine Spezialität der Region aus Paprika, Tomaten, Speck, Wurst aus der Region und Gemüse. Sehr zu empfehlen.
    Als Unterkunft stellt er 3 verschiedene Klassen:
    • Campingwagen
    • Anbau
    • Zimmer im Haus

    Ich entscheide mich für die goldene Mitte. Der Höhe der Tür nach – ca. 1 Meter 40 - war das wohl mal ein Stall. Aber innen ein normales Zimmer.


    46. Tag: Uhart-Mixe – St.-Jean-Pied-de-Port
    Mittwoch, 13. Oktober 2010
    Strecke: 27 Km - Gesamtstrecke: 1.611 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 450 m, ↓ 500 m
    Gehzeit: 5,5 h

    Ein Kreuz am frühen Morgen

    Heute macht es richtig Spaß zu laufen. Es ist zwar noch etwas wolkenverhangen aber langsam kann man etwas weiter sehen. Ostabat ist das erste Dorf wo wir uns unser obligatorisches zweites Frühstück einverleiben. Die Orte sind sehr gepflegt und jedes Dorf hat seine Kirche. Es geht durch Wiesen und kleine Wälder und am Horizont kann man die Pyrenäen erahnen – alles frisch gewaschen und sehr Grün!
    Durch ein paar kleine Weiler geht es über einen kleinen Pass und dann geht es abwärts nach Seint-Jean-le-Vieux. Wir genießen die Pause auf dem Marktplatz in der Sonne. Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis Saint-Jean-Pied-de-Port.

    Wir kommen dort durch ein altes Stadttor hinein und kommen direkt in die Altstadt. Wir reservieren uns Lager in einer der vielen Gites und stromern noch durch die Stadt. Hier ist es richtig touristisch! Ein Andenkenladen am anderen. Wer beginnt hier seinen Weg und nimmt sich als erstes Nippes mit? Ich tippe ja auf die lieben Touristen – aber was wollen die mit dem Nippes wenn sie nicht laufen? Naja, man muss nicht alles verstehen.
    Die Kirche hat ihren Kirchturm etwas abseits stehen – der ist gleichzeitig westliches Stadttor und kontrolliert durch die Brücke dahinter sehr gut den Eingang der Altstadt. Von den beiden Französinnen, die seit Arthez mit mir wandern wird uns eine Morgen verlassen. Die andere will mit mir noch bis Roncesvalles. So genießen wir den Nachmittag und feiern Abschied. Eine Metzgerei hat frische Gänseleber. Mit einem Baguette und einer Flasche Rotwein lassen wir den Nachmittag ausklingen.





    47. Tag: St.-Jean-Pied-de-Port - Espinal
    Donnerstag, 14. Oktober 2010
    Strecke: 33 Km - Gesamtstrecke: 1.644 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 1.470 m, ↓ 570 m
    Gehzeit: 7,5 h
    Ab heute bin ich also auf dem Camino Frances unterwegs. Wo ich bis Le Puy täglich einen, manchmal auch 2 Pilger getroffen habe sind es bis hier jeden Tag 5 bis 8 gewesen. Heute starten hier ganze Heerscharen. Wie muss das erst im Sommer sein?
    Die Sonne kämpft sich langsam durch die Wolken. Die einfallenden Sonnenstrahlen zeichnen auf dem Nachbarbergrücken Bilder wie sie ein Hans-Werner Sahm nicht besser mahlen könnte. Es geht gleich im Ort nach dem Kirchen-Stadt-Tor bergan. Es geht über kleine Teersträßchen Meter um Meter aufwärts. In der Gite in Honto wollen die Geld für einen Stempel. Auch die Refuge D’Orison will Geld für Stempel und Toilettengang sehen – zusätzlich zu den Getränken. Eine Japanerin – oder Koreanerin? – ist völlig aufgelöst weil sie eine Übernachtung zahlen soll die sie gar nicht gebucht hat. Mit Gastfreundschaft hat das nur noch sehr wenig zu tun. Was da 10 Km doch ausmachen – der Unterschied zu Uhart-Mixe oder zum L’Alchimiste de Navarrenx ist gewaltig.
    Wir ziehen ruhig aber stetig weiter.
    Neben etlichen Pilgerern sind aber auch sehr viele Jäger unterwegs. Wir sind in den paar Wochen wo die Taubenjagd erlaubt ist. Überall stehen sie hinter ihren Mäuerchen und warten auf die Vögel. Irgendwo kurz vor dem Sattel verlassen wir das Teersträßchen mit dem Verkehr einer Bundesstraße und es geht auf einem Feldweg noch etwas höher. Auf dem Bergrücken geht es dann über die Grenze. In Spanien scheint dann wohl öfter mal Nebel zu sein – anders kann ich mir die durchnummerierte Pfosten alle 5 Meter nicht erklären. Sehr schnell kommen wir wieder auf ein Sträßchen. Aber es gibt auch einen direkten Weg abwärts. Mit dem kommt man richtig schnell wieder runter – bei schlechten Wegverhältnissen würde ich den aber nicht empfehlen. Erstaunlich schnell taucht Roncesvalles auf.
    Wir trinken zusammen noch einen Abschiedstrunk und dann bin ich wieder alleine unterwegs. Mich spricht das Massenlager nicht wirklich an und da es noch am Nachmittag ist ziehe ich zwei Ortschaften weiter bis ich mir eine Unterkunft suche. Hier ist kein Mensch – die sind wohl alle da oben im Kloster hängen geblieben.



    48. Tag: Espinal – Pamplona
    Freitag, 15. Oktober 2010
    Strecke: 36 Km - Gesamtstrecke: 1.680 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 650 m, ↓ 1.035 m
    Gehzeit: 7 h

    Es geht immer mal auf und mal ab – aber mehr runter als rauf – durch mehrere ordentliche Baskendörfer, Wälder und über Wiesen. Ab Zubiri – eine richtig schöne alte Ortschaft – folgen noch einige kleinere Weiler am Flusslauf des Era. Hinter Arleta gibt es dann plötzlich sehr große Straßen und nach dem überqueren dieser Brücke steht man schlagartig in der Innenstadt von Villara – einem Vorort von Pamplona. Nicht wirklich schön. Dann geht es weiter und man kommt vom Regen in die Traufe: Nach Burlada. Ab da geht es dann nach Pamplona rein. Hier war ich schon in der Gite Paderborn eingecheckt bis die mir gesagt haben, dass sie um 10 Uhr schließen und um 6 Uhr wecken. Nun bin ich nicht an einem Freitagabend nach Pamplona gekommen um dann keine Zeit zu haben mir die Stadt dann an zu sehen wenn auch die Spanier unterwegs sind. Also suche ich mir ein kleines Hostal, erwerbe einen neuen Fotoapparat – bei dem alten tut das Display nicht mehr – und schaue mir Pamplona an.
    Also wer mal was erleben will, der sollte freitags hier etwas Zeit mitbringen. Die Stadt ist voller Studenten aus ganz Spanien, die hier mit ihren Instrumenten singend durch die Stadt ziehen und sich von Spenden über Wasser halten. Die treffen sich wohl jeden Freitag hier um das Studentenleben zu genießen – und das können sie! Richtig mitreißend ihre Lieder. Kaum eine Bar wo nicht eine Gruppe singt. Den Wirten und Gästen gefällt das gleichermaßen und unterstützen die Sänger durch Flüssigspenden – was die natürlich gerne nehmen.
    Ich ziehe bis spät in der Nacht von Tapasbar zu Tapasbar und genieße die Vielfalt. Da muss man nicht viel essen: einfach ein Glas Rotwein bestellen und ein paar Tapas dazu probieren. Dann die Bar wechseln und das Ganze von vorne. Bis man satt ist. Gegen 23 Uhr treffen sich die Studenten nochmal auf dem zentralen Platz – diesmal sind ihre Freundinnen dabei. Die stehen oben in dem Pavillon und hören sich die Liebeslieder von unten an.
    Weit nach Mitternacht gehe ich ins Bett – aber Pamplona kommt noch lange nicht zur Ruhe. Mein Fenster geht auf eine der Straßen mit sehr vielen Bars hinaus.


    49. Tag: Pamplona - Lorca
    Samstag, 16. Oktober 2010
    Strecke: 39 Km - Gesamtstrecke: 1.719 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 830 m, ↓ 840 m
    Gehzeit: 7,5 h
    Ich komme erst etwas später weg. Gegen 4 wurde es ruhiger und ich konnte vernünftig schlafen. Es geht durch einen Park und ein paar Häuserreihen und schon ist Pamplona wieder verlassen. Über Cizur geht es auf Felder hinaus und dann steigt der Weg auch schon wieder an – es geht auf den Pedron-Kamm der neben modernen Stahlfiguren auch mit jede Menge Windkraftanlagen verziert ist. Es zieht wie Hechtsupe – also leider keine lange Pause. Es geht abwärts nach Uterga. Hier zeigt sich dann, dass man nicht mehr einfach jeden Mittagstisch mitnehmen kann. Das Essen ist unter alle Kritik. Über Muruzabel und Obanos geht es nach Punte la Reina hinein. Ein Städtchen, das eigentlich nur als Altstadt besteht. Die Hauptstraße als Fußgängerzone mit einer Kirche dass man der Meinung ist hier würden tausende wohnen.
    Die Landschaft ist hier südlich der Pyrenäen – eigentlich seit dem Alto de Perdon-Kamm - wesentlich trockener und parallel zum Weg verläuft eine Autobahn. Als ich auf einem Schild den Namen der Autobahn lese ahne ich wie lange mir diese Autobahn erhalten bleibt: Sie heißt ‚Autovia del Camino de Santiago‘!

    Auch der Camino selber wurde zum Weltkulturerbe erklärt – und vermutlich für viele EU-Gelder überall in einen zwei Meter breiten Weg ausgebaut. Von Pfad oder Weg ist keine Rede mehr. Oben in den Pyrenäen wurde er betoniert – man hat zwar versucht die Oberfläche zu strukturieren aber es läuft sich deshalb nicht besser auf Beton. Was des Fahrradfahrers Freud ist des Wanderers Leid!
    Über Maneru kommt man auf das sehr schön gelegen Cirauqui zu. Man wändert durch Wein- und Olivenfelder auf das kleine Dorf auf einem runden Hügel und einer Kirche ganz oben drauf zu. Der Inbegriff wie man sich spanische Dörfer auf dem Land vorstellt.
    Es geht noch ein paarmal kreuz und quer über die Autobahn bis ich Lorca erreiche. Hier lerne ich dann die typische spanische Herberge kennen: Menu del Dia (meist Pommes mit Hähnchen oder so was) für 10 € und das Bett für das gleiche Geld.

    Cirauqui

    50. Tag: Lorca – Los Arcos
    Sonntag, 17. Oktober 2010
    Strecke: 36 Km - Gesamtstrecke: 1.755 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 430 m, ↓ 460 m
    Gehzeit: 7,5 h
    Wir waren nur zu dritt im Schlafraum. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich das Pärchen das ein wenig anders vorgestellt hat.
    Wieder gibt es kein Frühstück – zumindest nichts was ich als solches erkenne. Als nicht-Kaffee-Trinker kann ich mit dem Automat eben nix anfangen. In Vallatuerta gibt es dafür ein hervorragendes Café mit Bäckerei. Ich werde mir wohl angewöhnen das erste Frühstück gleich ausfallen zu lassen.
    Estella hat eine nette Altstadt aber die Stadt hat ihre Blüte deutlich hinter sich. Durch einen völlig neu gestalteten aber trotzdem hässlichen Park geht es hinauf zum Kloster Irache – wo der berühmte Weinbrunnen hängt. Aus der einen Seite fließt Wein und aus dem anderen Hahn kommt Wasser. Ich bin erstaunlicherweise alleine. Na, die werden um die Uhrzeit am heiligen Sonntag alle in der Kirche sein.
    Die Landschaft ist sehr wechselhaft – das Wetter leider auch. Zumindest bleibt es meist trocken. Über Azqueta gelange ich nach Villamayor. Hier gibt es einen ausgezeichneten Mittagstisch. Man muss einfach hartnäckig bleiben und immer wieder die regionale Küche ausprobieren.

    Danach geht es über endlose Felder durch die Hügel nach Los Arcos. Hier sind plötzlich alle Herbergen belegt – oder zu. Für viele scheint schon Neben- oder Nachsaison zu sein.
    Den Nachmittag verbringe ich in der Sonne vor einem netten Café und komme mit anderen Pilgern ins Gespräch. Die Messe am Abend zeigt eine Kirche, die an Prunk kaum zu überbieten ist. Wo kriegen die nur bei so kleinen Dörfern das Geld für solche aufwendigen Bauten her? Imposant! Und sofort nach der Messe auch schon wieder abgeschlossen.


    51. Tag: Los Arcos - Logrono
    Montag, 18. Oktober 2010
    Strecke: 29 Km - Gesamtstrecke: 1.784 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 450 m, ↓ 520 m
    Gehzeit: 5,5 h
    Das Wetter wird zunehmend stabiler. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und es herrscht ideales Wanderwetter: Nicht zu warm, aber sonnig und gute Sicht. Im Norden liegt ein Höhenzug und auch im Süden ist eine Bergkette hinter den anderen zu erkennen.
    Es geht über Sansol und Torres del Rio nach Viana. Wieder so ein Städtchen auf einem Hügel. Ich komme an, als die Siesta beginnt: Da ist tote Hose in dem Städtchen. Ich erwische noch einen Supermarkt vor dem Schließen und frische meine Vorräte auf. Auch ein Brunnen ist zu finden – Es gab wieder jede Menge reife Trauben am Wegesrand.
    Vesper mache ich dann an der Eremita da las Cuevas – mit Blick auf eine Müllhalde. Das in Spanien Kultur und die Wegwerfmentalität immer so dicht beieinander liegen muss ist sehr schade. Ab so sind sie nun mal.
    Hier endet dann aber auch das Baskenland und ich betrete Rioja. Über einen Industrievorort kommt man auf Logrono zu. Vor den Toren der Stadt bekommt man noch einen Stempel bei Felisa: Feigen – Wasser und Liebe!
    Logrono hat eine tolle Altstadt – aber auch hier ist nachmittags alles zu. Leben kehrt in Spanien immer erst am Abend in den Kulturmeilen ein.
    Logrono ist als Hauptstadt des Rioja auch nicht ganz unbedeutend.


    52. Tag: Logrono - Azofra
    Dienstag, 19. Oktober 2010
    Strecke: 36 Km - Gesamtstrecke: 1.820 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 525 m, ↓ 350 m
    Gehzeit: 6,5 h
    Der Weg aus Logrono hinaus ist kein Schmuckstück. Aber man hat es wieder recht schnell hinter sich. Es geht zu einem Stausee der wohl ein beliebtes Naherholungsbiet ist. Es geht mal wieder ein paar Kilometer direkt neben der Autobahn entlang bis man auf Navarette zuhält. Hier finde ich endlich eine passende Location für mein Frühstück. Im Sicherheitsabstand von 50 Metern geht es dann auf den Rücken hinter Navarette hinauf. Dann geht der Sicherheitsabstand leider wieder verloren. Auf dem nächsten Bergrücken erkennt man die Weite des Riojas. Ein Weinberg am anderen – die meisten werden gerade maschinell geerntet. Bis Najera keine Siedlung. Da ich dort dann gegen 2 Uhr eintreffe ist natürlich hier auch nichts mehr los – Siesta. So berauschend ist Najera dann auch nicht. Nach einer Runde durch die Altstadt ziehe ich weiter und komme in Azofra in der der Kommunalen Gite unter. Die haben Doppelzimmer!
    Eine der beiden Bars erklärt sich nach langer Disskusion bereit bei mindestens 6 Teilnehmern von dem Menu del Dia – Pommes mit Hähnchen, was denn sonst? – ab zu weichen und eine Paella zu kochen. Die 6 sind natürlich schnell gefunden. Man muss eben mit den Leuten einfach nur sprechen.
    Am Nachmittag drehe ich noch eine Runde durch das Dorf. 2 Läden – na, sagen wir lieber Tante Emma-Läden, und das ist noch geschmeichelt – haben offen und warten auf Kundschaft. Die Kirche ist natürlich verschlossen. Eine der alten Damen, die davor sitzen und ratschen fragt mich ob ich einen Stempel wolle. Bereitwillig steht sie auf und schließt sogar die Kirche auf. Sie nimmt den Stempel und – Zack habe ich den Klingelbeutel auf dem Schoß. Die wissen eben wie man Pilger fängt.
    Der Abend wird recht lustig in international gemischter Runde. Am Ende sind wir 12. Plötzlich hat die Küche auch Gambas in Ajoli und andere Leckereien für unseren Tisch. Preislich aber noch alles im Rahmen des Menu del Dia!


    53. Tag: Azofra - Belorado
    Mittwoch, 20. Oktober 2010
    Strecke: 39 Km - Gesamtstrecke: 1.859 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 625 m, ↓ 425 m
    Gehzeit: 7,5 h
    Ich breche früh auf. Das mit den Doppelzimmern war zwar schön aber der Trubel im Haus geht doch recht früh los – und die Zimmertüren sind nicht ganz schalldicht.
    Es geht an einem Golfplatz entlang – Wer braucht hier einen Golfplatz? – zu meinem Frühstück in Ciruena. Deren Kartoffelkuchen mit Ei ist vorzüglich. In Santo Domingo de la Calzada bin ich kurz vor der Siesta, so dass ich hier noch etwas Leben vorfinde. Die Hühner in der Kathedrale sind hinter Glas und wenig begeistert. Ansonsten gibt mir die Kathedrale nicht viel. Da gab es schon schönere Kirchen am Weg. Es geht entlang der Bundesstrasse, die Zug um Zug in die Autovia de Camino de Santiago ausgebaut wird, nach Granon – ein nettes kleinen Kaff, leider in der Siesta versunken. Auf dem Weg nach Redecilla del Camino wird die Grenze vom Rioja nach Kastilien überschritten. Auf den Bildern im Führer steht da noch ein schöner Grenzstein. Jetzt steht da ein völlig überdimensioniertes Schild. Über Castildelgado geht es nach Viloria de Rioja. Wie? Ich denke wir haben das Rioja verlassen?
    Es geht entlang einer Bundesstrasse. Vor mir eine Schulklasse, die als Schulausflug 2 Tage auf dem Camino unterwegs ist. Die Mädels wackeln so lange mit allem was sie haben und winken bis jeder Brummifahrer das hupen anfängt. Das wird dann mit lautem quietschen und johlen quittiert.
    Direkt am Ortseingang von Belorado liegt die Auberge A -> Santiago. Die haben einen Pool, Zimmer, Lager und im Bad von meinem Zimmer einen Whirlepool! Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen und als es zu kalt wird versenke ich mich im Whirlepool. Was will er Pilger eigentlich mehr? Das Essen ist dann wieder eher das übliche. Aber man kann eben nicht alles haben.


    54. Tag: Belorado - Atepuerca
    Donnerstag, 21. Oktober 2010
    Strecke: 28 Km - Gesamtstrecke: 1.887 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 500 m, ↓ 325 m
    Gehzeit: 6,5 h
    Nach dem Frühstück in Belorado – in der Auberge sind die erst gar nicht aufgestanden – waren wir dann zu dritt. Es geht auf dem üblichen, 2 Meter breiten, Weg entlang der Straße über Tosantos, Villambistia und Espinosa del Camino nach Vallafranca Montes Oca. Ab hier kommt eine Seltenheit: Es geht durch Wälder. Damit einem das aber nicht auf Anhieb zu viel wird haben die 50 Meter breite Schneisen in den Wald gehauen. Angeblich aus Feuerschutzgründen. Aber geht das nicht auch anders?
    Echte Berge sind die Oca-Berge nicht. Es geht mal etwas länger aufwärts und der Höhepunkt ist bei 1.162 Metern auch schon erreicht. Dann geht es schön langsam wieder abwärts z.B. zum Kloster San Juan de Ortega. 10 Häuser und eine große Kirche. In der Bar haben sie die hiesige Spezialität: Boudin – das ist eine gebratene Blutwurst – vorzüglich!
    Wir, ich bin zwischenzeitlich schon wieder eine Weile zu zweit unterwegs, ziehen weiter nach Ages. Ages ist nett – aber Atepuerca ist netter! Die Gite ist erstklassig und der Dorfladen unterhält nebenher noch ein Restaurant. Wir verdösen den Sonnenuntergang auf der Terrasse und ziehen dann die obligatorische Runde durchs Dorf. Das Abendessen ist zwar sehr gut aber gibt es auch erst ab 21 Uhr.

    Kneipe in Atepuerca


    55. Tag: Atepuerca – Rabé de las Calzadas
    Freitag, 22. Oktober 2010
    Strecke: 34 Km - Gesamtstrecke: 1.921 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 170 m, ↓ 325 m
    Gehzeit: 7 h
    Man hat Atepuerca angemerkt, das hier öfter mal was los ist. Die Ausgrabungsstätte bringt doch etwas Wohlstand in die Gemeinde.
    Am Matogrande geht es immer an einem Truppenübungsplatz entlang. Wie es sich anhört wird dort scharf geschossen.
    Ab der Anhöhe ist Burgos zu sehen. Davor jede Menge Industrie und die dazu gehörenden Siedlungen. Wir steigen ab über Orbaneja Riopico und entscheiden uns für die Variante südlich vom Flugplatz entlang. Die Siedlungen sind keine wirkliche Schönheit. Über Castanares und Villayuda geht es dann nach Burgos hinein. Die Altstadt selber ist dann sehr schön. Die Kathedrale hat mal wieder wegen Siesta geschlossen. Da die gerade erst angefangen hat und wir keine Lust haben hier 3 Stunden oder tot zu schlagen ziehen wir nach den üblichen Fotos weiter. Die Läden rund um die Altstadt sahen schon sehr touristisch angehaucht aus. Schade um die Kathedrale!
    Verstehe einer diese Baupolitik – Die eine Siedlung ist gerade fertig gestellt und steht genauso wie die davor gebaute völlig leer und schon wird die nächste Siedlung begonnen. Auch hier müssen wir der Autobahn unseren Tribut zollen: Der Weg zieht sich recht wirr durch das Autobahnkreuz östlich der Stadt.
    Die Gite in Tardajos finden wir nicht sehr ansprechend. Bei der in Rabé de las Calzades sieht das ganz anders aus. Wir haben ein Zimmer für uns alleine, die Wirtin kocht für uns und es wird ein recht netter Abend.

    Rabé de las Calzadas


    56. Tag: Rabé de las Calzadas - Castrojeritz
    Samstag, 23. Oktober 2010
    Strecke: 29 Km - Gesamtstrecke: 1.950 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 330 m, ↓ 350 m
    Gehzeit: 5,5 h

    Nebel am Morgen hinter Rabe de las Calzadas

    Wir brechen recht früh am Morgen nach einem wirklich guten Frühstück auf. Alles liegt noch hinter einem leichten Nebelschleier verborgen. Die Sonne kämpft sich langsam aber stetig durch den Schleier und präsentiert uns ein Hochplateau über das wir nach Hornillos del Camino kommen. Ein Dorf bestehend aus ein paar Häusern aus Lehm. Welch Unterschied zu Rabé de las Calzadas!
    Dann geht es wieder über weite Felder wo keine Menschenseele zu sehen ist - Außer reichlich Windkraftanlage. Die kleine Wirtschaft San Bol ist geschlossen und wir ziehen weiter über die Hochfläche. Nun kündigt ja jeder Führer an, das Hontanas erst sehr spät auftaucht. Aber selbst der Kirchturm ist erst ein paar Hundert Meter vor dem Ortsrand zu sehen. Dafür ist das ein ganz lauschiges Plätzchen mit ganz schicken Bodegas. Wir lassen uns zu einem zweiten Frühstück nieder und genießen die Sonne. Wir haben sicher 23 bis 25 °C und durch die geschützte Lage völlig Windstille. Und das im Oktober!
    Der weitere Weg führt im Talgrund durch Felder und Wiesen und führt durch einen Bogen des verfallenen Klosters von San Anton. Früher standen hier ein Kloster und die zugehörige Kirche. Beides war durch einen Bogen miteinander verbunden. Durch diesen Bogen führte seinerzeit der Jakobsweg. Mit dem Laufe der Zeit verfielen das Kloster und leider auch die Kirche. Der Bogen aber blieb stehen und der kleine Weg wurde zu einer Straße. So führt heute die Straße durch diesen Bogen. Schon seltsam manchen Entwicklungen.

    Bogen des ehemaligen Klosters San Anton

    Der nächste Ort gefällt uns: Castrojeritz. Eine große Auswahl an Unterkünften, Bars und Cafés. Wir suchen uns die mit dem schönsten Ausblick aus und vertrödeln den Nachmittag. Nach der obligatorischen Stadtrunde verleben wir einen schönen Abend in einem tollen Lokal.
    Wir werden morgen wieder getrennt weiter laufen. Sein Zeitplan ist etwas knapp und ich habe eigentlich nicht vor mich irgendwie zeitlich drängen zu lassen.


    57. Tag: Castrojeritz – Carrion de los Condos
    Sonntag, 24. Oktober 2010
    Strecke: 46 Km - Gesamtstrecke: 1.996 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 450 m, ↓ 410 m
    Gehzeit: 9 h
    Mit dem Vollmond im Rücken und der aufgehenden Sonne voraus besteige ich den Tafelberg vor Castrojeritz. Man kann sehr weit über das flache Land sehen. Der Weg liegt vor mir und es sind doch der eine oder andere schon vor mir unterwegs.
    So schnell wie man auf den Tafelberg gestiegen ist so schnell geht es auf der anderen Seite auch wieder runter. Ich komme über San Nicolas nach Itero de la Vega. Kulinarisch beginnt hier wohl der Camino Duro: Kein zweites Frühstück weit und breit! Auch nicht im nächsten Ort Boadilla del Camino. So führt mich der Weg an einem schönen Wasserkanal entlang nach Fromista. In dem einen Restaurant beginnen die Entrees mit 22 € und im anderen gebe ich nach dem Entree freiwillig auf. Ich bestelle den Rest des Essens ab und verlasse den Tatort. Das grenzt an kulinarische Nötigung! Der nächste Bäcker kann‘s aber einigermaßen richten.
    Erstmals seit etlichen Tagen ziehen heute mit dem starken Wind Wolken auf. Es geht entlang einer Straße nach Poblacion de Campos. Wie man freiwillig ewig neben dieser Straße bleiben kann ist mir ein Rätsel. Der Weg über Villovieco ist zwar auch geteert aber doch wesentlich abwechslungsreicher und nicht so stark befahren. Die anderen gehen aber stur an der Straße entlang. Naja, wenn’s schön macht?
    Leider bin ich aber Villarmentero de Campo auch wieder auf der Straße unterwegs. Stur gerade geht es weiter nach Villalcazar de Sirga und – man beachte – mit einem Bogen auch nach Carrion de los Condes.
    Morgen wird voraussichtlich mein letzter Tag dieser Etappe sein. So gönne ich mir zum Abschluss nochmal einen Höhepunkt: Ich steige im Klosterhotel Real Monasterio San Zoilo ab. Leider leben hier keine Mönche mehr. Aber Die Anlage ist grandios und das Essen ist auch erstklassig. Bei Remelluri und 4-Gänge-Menü lasse ich diese Etappe in aller Ruhe ausklingen.
    Morgen kommt nochmal eine Etappe bis Sahagun und dann ist die Heimreise über Madrid vorgesehen. Ich muss noch zusehen, dass ich einen Flieger kriege.



    58. Tag: Carrion de los Condos - Sahagun
    Montag, 25. Oktober 2010
    Strecke: 41 Km - Gesamtstrecke: 2.037 Km
    Höhenunterschiede: ↑ 275 m, ↓ 300 m
    Gehzeit: 8 h
    Am Morgen nutze ich noch die Zeit – und das Licht – mir das Kloster etwas genauer an zu sehen. Gestern war es dann doch schon recht spät geworden.
    Dann ziehe ich los und es geht endlose Kilometer über die Tierra de Campos. So schlimm wie sie immer beschrieben wird ist sie nicht. Es ist zwar lang aber nicht langweilig. Nach 17 Km kommt man nach Calzadilla de la Cueza – eine Anhäufung von Lehmhäusern ohne wirklich einladend zu wirken. Und das wäre nach den 17 Km nun wirklich nicht schwierig. Im nächsten Ort – Ledigos – mache ich in einem kleinen Park Mittagspause. Zweites Frühstück ist heute ausgefallen.
    In Terradillos de los Templarios gibt es dann eine wirklich gute Gite mit Frühstück, Tee und allem was man sich nur wünschen kann.
    Die letzten Kilometer nach Sahagun ziehen sich mal wieder an der Straße entlang. In Varianten kann man mal einen Schlenker nach links und mal einen nach rechts machen. Aber der neuen Autobahn und dem dazu passenden Zubringer kann man nicht wirklich ausweichen.
    Sahagun selber hat eine ganz interessante Gite: Die Kirche wurde zu einer Pilgerunterkunft umgebaut. Es geht erst eine lange Holztreppe nach oben. Unter dem Gewölbe hat man dann eine Plattform eingezogen auf der neben Küchen, Bad und Schlafraum auch die Toiletten sind. Alles ohne Decke und Entlüftung unter das Gewölbe. Aber dafür wollen sie nur 4 €/Nacht. Mir war’s dann doch etwas zu abenteuerlich. Wer weiß wie sich die Düfte der unterschiedlichen Räumlichkeiten so dicht unter dem Gewölbe entwickeln?
    Ich nehme ein einfaches Hostal und bummle noch durch die Stadt. Da treffe ich dann ein französisches Pärchen, das auf dem Rückweg ist. Die sind über den Camino del Northe nach Santiago und wollen nun über den Camino Franches wie der nach Le Mans zurück. Er hat seine Gitarre hinten auf den Rucksack gebunden, Bei ihr baumelt neben dem Regenschirm ein Topf und ein Gaskocher.

    Sie mit 22 und er mit 25 Kg sind die schon sein ein paar Monaten unterwegs. Respekt!

    Heimreise
    Dienstag, 26. Oktober 2010

    Das spanische Pendant zum ICE bringt mich in 2 Stunden nach Madrid. Im nächsten Internetcafé am Bahnhof buche ich auf den heutigen Flieger von Germanwings im Direktflug nach Stuttgart um und habe noch den ganzen Tag für eine Besichtigung von Madrid. So habe ich mit der französischen Metropole begonnen und sehe mir zum Abschluss die spanische an. Ich muss sagen: Beide gefallen mir ausgesprochen gut!
    Die Kathedrale, der Parc d’Espania, der Plaza Major, … Hier ein paar Stunden tot zu schlagen gehört nicht wirklich zu den schwierigen Themen dieser Welt.
    Die haben übrigens teilweise ganz witzige Straßenschilder!
    Viel zu schnell muss ich mich in Richtung Bajaras orientieren. Und abends holt mich meine Familie wieder am Flugplatz ab.

    Madrid - Blick vom Park auf Schloss und Kathedrale

    Generell kann ich sagen, dass die vorherigen Etappen nicht ganz so voll waren. Aber eine ‚Bettenrallye‘ wie sie in manchen Büchern beschrieben wird habe ich nicht erlebt. Mag vielleicht aber auch am Oktober liegen. Wer gerne mit Leuten unterwegs ist und den die 2 Meter breiten Wege nicht stören ist hier sicher sehr gut aufgehoben. Wer eher die Ruhe sucht und auch mal kleinere Pfade bevorzugt sollte auf den en Etappen davor bleiben.
    In einigen Orten wird auch kräftig gebaut. Meist konnte ich lesen was geplant wurde: häufig waren es neue Herbergen mit Restaurants – überwiegend mit kleineren Einheiten. Die Spanier richten sich also auf noch mehr Gäste ein bzw. versuchen den Standard etwas an zu heben. Ob es das ist was die Pilger wollen muss jeder für sich entscheiden.
    Und was mich auf den letzten Metern bis Santiago de Compostela noch erwartet werde ich hoffentlich spätestens im nächsten Jahr erfahren.
    Geändert von Wafer (16.04.2012 um 19:00 Uhr)

  18. chrischian
    Gast

    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #18
    Beeindruckende Tour und die Tageskilometerleistung ist auch nicht zu verachten.

  19. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #19
    Schreib doch bitte mal etwas über dein Gepäck, was du alles so dabei hattest.
    Hast du eigentlich abends immer leicht eine Bleibe gefunden oder musstest du öffters länger suchen.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  20. Dauerbesucher

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    10.04.2010
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    AW: [DE][CH][FR][SP] Von Reutlingen nach Santiago de Compostella

    #20
    Ja, Packliste wäre interessant.

    Wann wirst Du eigentlich wieder auf Tour gehen?

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