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    [GB, IR] Süd- und Westküsten Englands, Wales und Irlands

    #1
    Mitreisende: Torres
    Termin 11.07.2002 – 28.08.2002
    Süd- und Westküste Großbritanniens und Irland
    Reise mit dem Motorrad, Wandertouren.

    Vorwort:
    Die Reise fand bereits im Jahr 2002 statt. Damals kannte ich das Forum noch nicht, hatte noch keine Digitalkamera und habe lediglich Tagebuch geschrieben, in das ich Postkarten geklebt habe, die natürlich dem Copyright unterliegen. Nur einige wenige analoge Fotos sind vorhanden, die ich nun eingescannt habe. Die Bilder wurden nicht bearbeitet. Einige besonders krasse Farben schreibe ich der Alterung der Fotos zu. Möglicherweise haben sich durch die digitale Technik aber auch die Sehgewohnheiten geändert.

    Dass ich dennoch aus der Reise einen Reisebericht mache, liegt daran, dass ich die Aufzeichnungen erhalten möchte. Da ich das Tagebuch in Englisch geschrieben habe (zur Übung), ist der Stil einfach gehalten. Eventuell muss ich einiges aus dem Gedächtnis ergänzen. Die Schreibweise der Ortsnamen kann in einigen Fällen fehlerhaft sein, so ich es merke, werde ich es korrigieren.
    Diese Reise war meine erste echte Soloreise und mein erster echter Urlaub überhaupt. Zuerst wollte ich zum Nordkap fahren, doch viele Biker rieten mir ab, weil ein großer Teil der Strecke, wenn man alleine fährt, doch recht eintönig ist und das Nordkap ein touristisches Zentrum ist, welches Eintritt kostet. Also entschied ich mich für den Traum aller Aussteiger – für Irland. Gesagt getan. England und Irland – warum nicht, immerhin hatte ich die Sprache lange genug in der Schule gelernt. Leider fuhr die Englandfähre nicht mehr ab Hamburg, aber immerhin noch ab Cuxhaven und so buchte ich die erste Fährfahrt meines Lebens für stolze 130,00 €. Das war viel Geld, denn noch rechnete man ja in Mark, so lange war die Euroeinführung noch nicht her.

    Geotagged habe ich Doolin, da Doolin ungefähr in der Mitte der Reise lag.

    1.Teil Südengland

    Do 11. Juli 2002
    Die Reise beginnt damit, dass mein Kumpel, der mich nach Cuxhaven begleiten wollte, zu spät kommt. Auf halber Strecke ist dann noch seine Maschine defekt und ich bin genervt. Also fahre ich alleine nach Cuxhaven. Es regnet in Strömen. Die Abfertigung klappt wunderbar, das hatte ich mir schwerer vorgestellt. Ich stelle die Maschine ab und nehme meinen Tankrucksack mit, den Rest lasse ich auf der Maschine, wird hier schon niemand stehlen. Was ich nicht weiß, ist, dass die Türen nach der Abfahrt komplett verriegelt werden. So kaufe ich mir später für 4 Euro die teuerste Zahnbürste meines Lebens.

    Meine Kabine ist auf dem untersten Unterdeck, eine Vierbettkabine ohne Fenster direkt neben dem Motor. Ich gehe nur kurz auf das Deck, dann lege ich mich bei dem ohrenbetäubenden Maschinenlärm ins Bett. Mein Fuß schmerzt. Ich hatte die Woche zuvor eine Bänderdehnung und Kapselprellung im Fußgelenk erlitten, als ich mit dem rechten Fuß umgeknickt war. Motorradfahren geht gut, laufen nicht. Ich lege mich in das obere Bett, der Fuß ist dick und pocht, ich komme mir vor, wie in einem stählernen Sarg und denke an die Titanic: Hier komme ich nie wieder raus, wenn das Schiff untergeht. Halb schlafe ich, halb wache ich, später kommen noch andere Leute, ob ich wirklich geschlafen habe, weiß ich nicht, aber vermutlich schon.

    Fr 12. Juli 2002
    Um 11.15 Uhr betrete ich englischen Boden. Zwei andere Biker fragen mich, ob ich nach Newcastle will, da ist ein Bikertreffen, aber ich sage, ich will nach Cornwall. Schließlich will ich ja hoch nach Irland. Ich fahre die M5 entlang, an einer Tankstelle kaufe ich leckeren Orangensaft als Wegzehrung. Ich streife London, es regnet in Strömen, an der Brücke muss ich Gebühren zahlen. Bloß weg hier. Der Linksverkehr geht besser als gedacht, die Autos fahren auch nicht so schnell wie bei uns, das ist angenehm. Ich halte mich in südwestlicher Richtung, ohne zu wissen, wo ich hin will. Ein Bett wäre jetzt gut, mein Fuß tut wieder weh. Ich lande in Hythe in the New Forest und suche eine Touristeninformation. Tatsächlich finde ich eine mit viel Glück, es ist gegen 18.00 Uhr, schon fast zu spät. Sie findet für mich ein B&B. Die Vermieterin ist nett, das Zimmer okay, der Preis stolz – 25 Pfund, in Mark gerechnet fast 80 Mark oder 40 Euro. Für mich ein Vermögen. Ab morgen muss ich campen gehen.

    Ich gehe zum nächsten Supermarkt und kaufe Milch und Cornflakes. Alles andere ist zu teuer. Dann gehe ich noch etwas spazieren, um meinen Fuß zu bewegen. Ich laufe am Fluss entlang und bin verwundert, in England zu sein. Eine Band spielt am Fluss und als ich weiter gehe, sehe ich eine riesige Seebrücke, auf der eine alte Straßenbahn (Harbour-railroad) fährt. Ich fahre einmal hin und her für kleines Geld. Der Charme eines untergehenden Städtchens, das schon bessere Zeiten gesehen hat. Als ich zurück gehe, sehe ich ein Schild, das die alte Bedeutung von Hythe spiegelt: Hythe, the place, where the Supermanic factory produced a new, invented aeroplane. Das Flugzeug wurde später unter dem Namen „Spitfire“ berühmt. Und ich erfahre, dass Hythe bei Southhampton liegt, wo die Titanic zu ihrer letzten Fahrt startete. Fast jede Familie in der Gegend verlor Verwandte, da viele Angehörige der Crew aus Southhampton kam.

    Sa 13.07.2002
    Am Morgen bekomme ich ein klassisches Frühstück serviert: Müsli, ham and egg, mushrooms, tomatoes, beans, toast und tea. Ich bin glücklich, ich liebe english breakfast. Ich habe wunderbar geschlafen und fühle mich erheblich besser. Ich fahre durch den New Forest und sehe Wildpferde – klar, hier kommen die New Forest Ponies her. Nie vorher nachgedacht, warum die so heißen – jetzt weiß ich es.


    Zur Info: Die Ponys sind hinter dem Straßenschild

    Es ist heiß heute, ich fahre nach Beaulieu, weil ich denke, dort ist ein Flugzeugmuseum, doch es ist nur ein Rennwagen Museum, das Flugzeugmuseum ist in Bournemouth. Ich entschließe mich, das Museum dennoch zu besuchen, der Parkplatz ist recht leer und ich riskiere, mein Gepäck auf der Maschine zu lassen. Im Museum ist eine lange Schlange, ich beschließe, nur den gift-shop zu besuchen und kaufe Postkarten. So lange möchte ich meine Maschine doch nicht alleine lassen. Ich verpasse Oldtimer, Formel 1 Rennwagen, James Bond Boote und historische Busse.

    Ich fahre weiter Richtung Küste. Es ist Samstag, die Straßen sind verstopft. So entscheide ich mich, Bournemouth nur zu durchfahren und lenke mein Motorrad Richtung Poole. Poole hat einen riesigen Sandstrand, den schönsten der Südküste, ein Bekannter von mir, ist da immer hingefahren. Der Strand ist voller Surfer und Sonnenanbeter, ich sehne mich aber eher nach Ruhe und so fahre ich Richtung Dorchester. Auf meiner Karte ist bei Sherbourne ein Campingplatz eingezeichnet. Plötzlich sehe ich an einem Hügel einen aus Steinen gebildeten Mann – the Giant.



    Erst denke ich, das Kunstwerk ist ein Schülerstreich, doch er ist alt und eine Sehenswürdigkeit. In Cerne Abbas finde ich einen Informationsschalter und bekomme den Weg zu einem kleinen Campingplatz auf dem Hügel erklärt. Der Platz ist eigentlich nur eine Wiese eines Bauern mit einfachen Sanitäranlagen – aber genau das, was ich mir gewünscht habe. Der Ausblick gefällt mir.



    Ich baue mein Zelt auf und laufe ein wenig durch die Felder, um meinen Fuß zu trainieren.



    Als ich zurück komme, komme ich mit anderen Zeltern ins Gespräch, wir reden lange über die Beatles, Politik und Camilla Parker-Bowles, die meine Gesprächspartner ab und zu in London aus dem Hintereingang des Buckingham Palastes herauskommen sehen und mein Englisch wird immer besser. Sie erklären mir, dass die Menschen den Giant besuchen, um der Fruchtbarkeit nach zu helfen – an lauen Nächten geben sie sich daher in den Grenzen der Figur sexuellen Aktivitäten hin. Wir können uns ein Grinsen nicht verkneifen. Am späten Abend sehen wir dann noch ein Feuerwerk, das in Yeodil oder in Sherbourne stattfindet und damit ist der Tag perfekt abgerundet.

    So 14. Juli 2002
    Ich wache früh auf und starte entsprechend früh. Auf Nebenstraßen fahre ich nach Honiton und Exeter. Dann führt die Straße weiter durch Dartmoor National Park und ich bin ein wenig enttäuscht – ich habe ihn mir aufgrund von Krimilektüren unheimlicher vorgestellt. Allerdings ist das Moor Nationalpark und für den Verkehr gesperrt, so dass es sicherlich noch ganz andere Eindrücke geben könnte als von der Straße aus. Immerhin sehe ich ein paar wilde Dartmoorponys.






    Weiter geht es über Liskeard und St. Anstell Richtung Falmouth, wo ich leider nur riesige Wohmobil-Campingplätze an der Küste sehe. Dann atemberaubende Anblicke der Küste, ein Traum, die Reise hat sich gelohnt. In St. Mawes findet sich auch kein Campingplatz, also fahre ich über Truro nach Helston. In Helston ist ein Royal Air Force Airport, in drei Tagen ist dort Flugtag, schade, da werde ich nicht mehr hier sein. 5 km vor Liezard, in Franchis finde ich einen Campingplatz, er kostet 9,50 Pfund, aber ich bin müde. Der Boden ist weich, das Motorrad sackt ein, aber ein Ehepaar aus Erlangen – sie ist Halbengländerin – helfen mir und geben mir ein Brett zum Unterlegen. Das Brett benutze ich noch heute. Der Platz ist schön, doch spazieren gehen kann man hier nicht. Ich kaufe ein paar Lebensmittel und entscheide mich, mir morgen etwas Günstigeres zu suchen. Mein ALDI Zelt erweist sich als ungeheuer praktisch – da es koppelbar ist, kann ich den hinteren, apsislosen Eingang öffnen und damit das Außenzelt ans Motorrad anbinden – Schutz vor Diebstahl und ich komme einfacher an die Koffer ran.
    Geändert von Torres (02.11.2011 um 01:04 Uhr)
    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. F. W. Nietzsche

    Mein neuer Reisebericht: Leeward, Windward und viel Natur. Nur mit Anmeldung lesbar.

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    AW: [GB, IR] Süd- und Westküsten Englands, Wales und Irlands

    #2
    2. Teil: Cornwall

    Mo 15. Juli 2002
    Ich schlafe schlecht, weil der Fluss hinter meinem Zelt so laut ist. Am morgen wecken mich die Vögel, Weiterfahrt ist angesagt. Ich fahre zu Lizard Point, dem südlichsten Punkt Englands, der Parkplatz ist überfüllt, in England sind Ferien. Die Maschine ist durch das Gepäck (geschätze 40 kg?) schwer zu rangieren, der Parkplatz ist aus Schotter und stark abfallend. Das Rangieren ist ätzend, ich verliere die Lust und fahre weiter, ohne Lizard Point zu besichtigen.

    Ich halte mich Richtung Penzance und sehe tiefbeeindruckt





    St. Michaels Mount.

    Mt. Saint Michel in der Normandie war mir ein Begriff, aber dass es in England das Gegenstück gibt, war mir unbekannt. In Penance ist es unglaublich warm, es wachsen Palmen, ich komme mir vor, als wäre ich in Südeuropa. Ich fahre Richtung Mousehole die Küste entlange, kleine Häfen und Fischerboote säumen die Fahrt.





    Ich halte mich Richtung Land´s End, um einen Campingplatz bei St. Just zu finden, aber den gibt es schon lange nicht mehr, ich treffe nur Schafe und einen wortkargen Landarbeiter. Ich folge der Straße und bin plötzlich auf einer Serpentinenroute, überall Steine, eine menschenleere, menschenfeindliche Landschaft, es fröstelt mich. Hier wurde früher Kupfer abgebaut, zurück blieben kalte, tote Hügel, durch die eine enge Straße gehauen wurde, die stark befahren ist. Vor allem die Reisebusse flößen mir Respekt ein.

    Und dann plötzlich wieder das Meer und vor mir liegt St. Ives. Größer könnte der Kontrast kaum sein, es kommt mir vor, als wäre ich in Italien oder Südfrankreich, ein wunderschönes kleines Städtchen.




    Beide Fotos sind von 2007

    Ich finde aber nur überfüllte Beach Campingplätze (später war ich noch einmal da – ein schöner Campingplatz ist auf dem Hügel, den konnte ich aber von der Straße aus nicht finden). So fahre ich weiter nach Norden und ärgere mich dann ziemlich bald, dass ich nicht angehalten und gefragt habe. Aber aus irgendeinem Grund bin ich schon immer unfähig gewesen, zu wenden, ich denke immer, das ist Schicksal, wenn ich nicht auf Anhieb etwas finde.
    Und so fahre ich genervt und auch müde weiter. Ich folge der schmalen Küstenroute, schaue in Perranporth – nichts. Mein Handgelenk tut weh, mein Arm schläft immer ein, ich halte das für Überlastung und fühle mich gar nicht gut. Immer wieder wunderschöne Buchten, aber kein Campingplatz – ich will unbedingt einen mit Seeblick.
    In Newquay besichtige ich einen Platz, Seeblick, aber die Athmosphäre gefällt mir nicht – außerdem ist er zu teuer. Also weiter. Wohmobile quälen sich die schmale, kurvige Küstenroute entlang – fast stoße ich in Trenance mit einem zusammen – bin ich froh, dass ich kein Auto dabei habe und so schmal bin. Dann habe ich hinter mir einen aggressiven Autofahrer, der nicht überholen kann – Blödmann, ich suche einen Campingplatz, da kann ich nicht so schnell fahren. Und ich bin hungrig. Und kein Campingplatz in Sicht. Dann kommt wieder eine Kurve in einem Dorf, drei Häuser und im Gebüsch ist ein kleines Schild angebracht:


    Das Bild habe ich natürlich erst später gemacht...

    Atlantic view Camping site. Mein Hirn sagt: Abbiegen und reflexartig biege ich links ab und komme auf eine Schotterstraße. Der Boden wird immer schlechter, schlammig und plötzlich befinde ich mich auf einem Bauernhof. Na fein, das wird ja heute mein Glückstag, hier geht es nicht mehr weiter. Ich entschließe mich, englischen Schildern zu vertrauen und fahre weiter und plötzlich öffnen sich die Buschreihen und ich schaue auf einen riesigen Campingplatz. Ich suche nach einer Anmeldung – gibt es nicht. Also fahre ich erst einmal zu den Sanitärräumen, unterstes Niveau, aber immerhin gibt es Meerblick. Ratlos frage ich jemanden nach der Anmeldung. Gibt es nicht, sagt der Engländer – no office. Der Farmer kommt abends vorbei und kassiert. Und es ist cheap – billig hier. Find your place. Das tue ich umgehend, zwischen zwei Wohnwagen sehe ich eine Lücke, ich stelle mein Motorrad ab und werde freundlich begrüßt. Ich frage, ob ich etwas beachten muss und der Nachbar sagt: There ist only one rule – never park in the middle. Es gibt nur eine Regel: Niemals in der Mitte parken.

    Ich suche mir einen Platz am Rand. Als mein Zelt steht, verschlägt es mir den Atem – aus der hinteren Apsis heraus habe ich Atlantikblick.



    Und Blick auf den Sonnenuntergang.



    Und vorne heraus schaue ich auf eine riesige Wiese – eben die, auf der nicht geparkt werden darf. Als wäre man in einem englischen Park.



    Später werde ich auf dem Platz mehr als 130 Wohnmobile zählen – aber es kommt einem vor, als wäre man allein. Der Campingplatz hat einen Zugang zu einem eigenen Beach,



    ich schaue auf die Klippen Cornwalls, die Sonne scheint und das erste Mal bin ich völlig glücklich. Die Übernachtung kostet 4 Pfund – günstiger war kein anderer Platz.

    Di 16.- Sa 20. Juli
    Am nächsten Tag sehe ich am Eingang des Campingplatzes eine lange Schlange von Wohnmobilen. Der Nachbar klärt mich auf: Die Ferien haben begonnen und das ist einer der begehrtesten Geheimtipps in Cornwall. Also alles richtig gemacht.
    Die nächsten Tage verbringe ich mit Wandern, um meinen Fuß zu trainieren.



    Dann gehe ich mit den Nachbarn an den kleinen Badestrand und schwimme im kühlen Atlantik. Die Nachbarn zeigen mir einen kleinen zu Fuß erreichbaren Strandshop in Porthcothan, der Strand ist größer, aber mittags auch gut besucht.



    Einmal fahre ich dann mit dem Motorrad nach Padstow, da der Tesco erheblich günstiger ist, aber Städte sind im Urlaub einfach nicht mein Ding. Cornflakes und Milch sind die einzigen Dinge, die ich mir leisten kann, dazu kommt dann full-grain Brot und ein wenig Chesterkäse. Gemüse ist teuer, ich sehe verkrüppelte Gurken für 1 Pfund und bin froh, genug Chinasuppen eingepackt zu haben.

    Nachts wird es verdammt kühl an der Küste, ich habe zwar einen Motorradkunstfaserschlafsack (Louis Snow), eine selbstaufblasende Billigmatte und eine Aluunterlage dabei, aber das reicht nicht. Aber ich habe Glück. Als ich die Küste erwandere



    finde ich einen National Trust Shop, bei dem ich für horrende 25 Pfund eine halbgroße Wolldecke erstehe, um jedenfalls halbwegs schlafen zu können. Die Worte Evazote, Komfortwert, Isoliervermögen, Fleecejacke, Merino, ODS sind mir damals noch kein Begriff. Und über das Wetter habe ich mir auch keine Gedanken gemacht. Ich habe das gekauft, was billig war und fand Isomatte, Schlafsack und ALDI-Zelt schon Luxus.



    Durch das Wandern tut mein Fuß wieder höllisch weh und auch das raubt mir ein wenig den Schlaf. Am Freitag laufe ich dennoch zwei Stunden zu Marwan Bay und gönne mir fish and chips mit vinegar. Erst ist es neblig, dann kommt wieder die Sonne und die Felsen sehen aus, als würden sie brennen.

    Am Samstag kollabieren die Sanitäranlagen – auf dem Platz sind nun schätzungsweise 500 Menschen und es gibt insgesamt zwei Duschen und 5 Toiletten. Die Mülleimer quillen über. Es wird Zeit, zu fahren.
    Geändert von Torres (10.12.2010 um 16:31 Uhr)
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    AW: [GB, IR] Süd- und Westküsten Englands, Wales und Irlands

    #3
    3. Teil: Über Wales und Schottland Richtung Irland

    So, 21. July 2002
    Als ich morgens aus dem Zelt krabbele, liegt neben meinem Zelt ein fetter Haufen Hundekot. Es ist tatsächlich Zeit zu fahren. Das macht einen Caravanbesitzer glücklich, der schon seit den frühen Morgenstunden wartet, ob jemand abreist.

    Um 9.00 Uhr starte ich Richtung Monmouth. In Monmouth war ich mal mit 16 Jahren bei einem Schüleraustausch, das würde ich gerne noch mal sehen. Dort hatte ich den ersten Preis gemacht, weil ich das beste Scrapbook abgegeben hatte. Ich hatte zu den Tagebucheinträgen einfach Postkarten, Eintrittskarten und Erinnerungen hinein geklebt und das gefiel den Lehrern. Genauso führe ich nun auch das Tagebuch meiner Reise.

    Ich fahre Landstraße, die Brücke bei Wadebrigde ist idyllisch. Tintagel, mir als Geheimtipp empfohlen (später war ich noch einmal dort und es ist wirklich schön da),


    Das Foto ist von 2007

    erscheint mir uninteressant und ich fahre nach Barnstaple. Dort finde ich eine wunderschöne Küstenroute Richtung Lynton und merke mir diese Strecke – da will ich noch einmal hin.

    Ich durchquere Exmoor Park – ein Tipp eines deutschen Mädchens, aber ich finde ihn nicht so beeindruckend wie Dartmoor (auch hier muss man länger verweilen und den Park erwandern, doch das weiß ich da noch nicht). Ich fahre Richtung Bridgewater und biege dann auf die Autobahn nach Bridgewater ein. Die Mautbrücke ist für Motorradfahrer kostenfrei – sehr nett. An Tintern Abbey kann ich mich gut erinnern, aber Monmouth kommt mir sehr fremd vor, als wäre ich nie dort gewesen. Dabei war ich drei Wochen dort gewesen! Gut, es ist auch schon eine Ewigkeit her.

    Ich entscheide mich, mir einen Campingplatz am Breacon Beacons Nationalpark zu suchen, aber die Fahrt war anstrengend und ich bin müde. Ich verfehle die Abfahrt in Abergavenny und fahre nach Marthil Tyfill. Ich suche einen Campingplatz und finde auch ein Schild, aber ich lande wieder in Abergavenny. Also schlage ich eine andere Straße ein und lande auf einer Straße nach Cumcarn. Ich habe keine Ahnung mehr, wo ich mich befinde, meine Karte ist wenig hilfreich und ich bin zu müde, um jetzt zu korrigieren. Also fahre ich einfach völlig irrational weiter und auch diesmal lässt mich mein Glück nicht im Stich. Ich sehe plötzlich ein winziges Campingplatz-Schild und folge ihm durch Felder und Dörfer, bis ich denke, ich hätte wieder den Weg verloren.

    Und dann bin ich plötzlich da – ein kleiner Campingplatz – PONT Kemys Caravan and Camping Park in Chainbrigde, Abergavanny - mit einem freundlichen Herrn an der Anmeldung, der sich freut, mich zu sehen. Der Platz kostet 5 Pfund die Nacht und die Sanitärräume sind das beste, was ich jemals gesehen habe. Zwei Motorradfahrer aus Recklinghausen mit Viragos bauen ein Wurfzelt auf und ich staune – so etwas habe ich noch nie gesehen. Ich kaufe ein paar Eier und schnorre bei freundlichen englischen Wohnmobilbewohnern etwas Öl und setze meinen Campinggazkocher in Gang. Ich schlafe wunderbar.

    Mo 22. July 2002
    Am Morgen ist es neblig und feucht. Ich stehe spät auf und laufe eine Stunde lang durch den Usk Valley Park mit einer Karte, die mir der Campingplatzbetreiber geliehen hat. Es geht über Wiesen, an Herrenhäusern vorbei und ich treffe keine Menschenseele. Schön hier. Trotzdem habe ich das Gefühl, ich muss weiter ziehen. Und so habe ich ein sehr schlechtes Gewissen, als ich dem Campingplatzbetreiber sagen muss, dass ich jetzt doch abreise. Er hatte mir vorher sein Leid geklagt, dass er einen wunderschönen Platz hat, die Leute aber lieber auf die überlaufenen Plätze nach Breacon Beacon fahren. Er klingt verzweifelt, vermutlich hat er viel Geld in die Renovierung gesteckt und die Leute bleiben aus. Aber ich bin noch nicht betriebswirtschaftlich sensiblisiert (heute wäre ich wohl noch einen Tag geblieben, es war wirklich schön dort) und so fahre ich trotzdem.

    Ich fahre wieder Richtung Abergavenny und verpasse wieder am Kreisel die richtige Ausfahrt und befinde mich wieder Richtung Monmouth. Aber langsam kenne ich den Kreisel und weiß, wo ich bin und finde daher doch noch den Weg nach Brecon. Das Wetter bleibt wolkenverhangen und es ist kühl. Auf den Straßen ist wenig los, die Straße ist nass und ich erfreue mich mal wieder meines BMW Fahrwerks und der Eigenschaft meiner Maschine, bei schlechtem Wetter am besten gelaunt zu sein. Ich fahre Richtung Norden, in der Hoffnung, dass sich das Wetter bessert und tanke in Builth Wells. Im Ort laufen sehr merkwürdige Leute rum, viele Touristen, einer ist so betrunken, dass man es durch den Helm riecht. Ich mache, dass ich weg komme. Hinter dem Ort sehe ich plötzlich hunderte von Caravans, Autos und Zelte. Hinterher lese ich in der Zeitung, dass hier die Royal Welsh Show stattgefunden hat – das größte walisisch/britische Landwirtschafts-Event (Messe?) mit Shows, Unterhaltung und landwirtschaftlichen Produkten.

    Ich fahre Richtung Rhyader und gewöhne mich an die Straßenbemalung „Araf“ – ich vermute, es heißt „langsam fahren“. Ich finde die Straße Richtung Devils Bridge.

    Nun wird es plötzlich lausig kalt, auf einem kleinen Sträßchen geht es höher und höher, die Hügel werden karg und baumlos, nur ein paar Schafe sieht man als kleine weiße Punkte in der Ferne.



    Die Bäume wurden vor einigen Jahrhunderten für den Schiffsbau der britische Flotte gefällt und sind nie nachgewachsen. Dann beginnt es zu regnen und ich ziehe meine Wintermotorradjacke an – es ist einfach zu kalt hier. Später fahre ich Richtung Aberystwyth, aber auch dort ist keine Sonne, obwohl es vielversprechend aussah. Immerhin ist es im Tal von Cardigan Bay etwas wärmer, aber ohne Sonne wirkt die Landschaft farblos. Ich fahre über Machyullath durch die Cumbrian Mountains nach Dogellan, eine wunderschöne Strecke mit schönen Kurven. Dogellan liegt in dichtem Nebel, der Ort ist reizvoll, aber es ist so eine kalte Feuchte, dass ich beschließe, mir an der Küste einen Campingplatz zu suchen.

    In Barmath schaue ich links auf das Meer und rechts auf Hügel, doch die großen Campingplätze haben große Schilder: Couples only und da ich das nicht zu deuten weiß und definitiv alleine da bin, entscheide ich mich für einen Platz am Hügel, ebenfalls mit Meerblick. Der Farmer knöpft mir für den Stellplatz 5 Pfund ab, es gibt eine Toilette und kaltes Wasser, keine Dusche. Außer mir ist nur ein Ehepaar mit Zelt aus Wales da, welches mich in ihr warmes Zelt einlädt und Rotwein spendiert. Wir reden lange, bis es dunkel wird. In der Nacht stürmt es und regnet in Strömen, aber die ALDIkuppel hält und ich schlafe tief und fest. Bei Regen und Sturm schlafe ich immer am besten.

    Di 23. Juli 2002
    Am Morgen stoppt der Regen und ich kann das Innenzelt trocken wegpacken, da der Sturm dafür gesorgt hat, dass es nicht von innen feucht war. Ich bin dankbar und liebe mein Zelt dafür. Auch die Nachbarn packen, sie sind schneller als ich und ich fühle mich ein wenig einsam, als ich den Platz verlasse.

    Ich fahre wieder die Küste entlang in den Regen hinein und gelange über Porthmadog zum Beddgelert Pass. Die Strecke ist bei gutem Wetter sicherlich ein Traum, es macht Spaß, die Kurven zu fahren, aber von der Landschaft sehe ich nichts, da dichter Nebel in den Hügeln herrscht. Ich hätte ja so gerne den Snowdon gesehen, aber keine Chance. In Bangor nehme ich die Autobahn Richtung Norden und plötzlich – ich kann es nicht fassen – kommt kurz die Sonne raus. Ich fahre schnell auf einen Parkplatz und packe zum Erstaunen der Autofahrer mein Zelt zum Trocknen aus. Leider reicht die Sonne nicht aus, so dass das Zelt später stockig riechen wird, ein Geruch, der nie wieder herausgehen wird.

    Auf einer wunderschönen Straße – ab und zu lugt die Sonne wieder hinter den Wolken hervor – komme ich auf die Autobahn bei Chester. Ich fahre auf der M 5, ein Motorradfahrer auf einer R1100 S freut sich, mich zu grüßen. Je weiter ich nördlich komme, desto stärker nieselt es, aber wenn ich nach Irland will, muss ich nun mal weiter fahren. Auf der Höhe von Lake District entscheide ich mich, Strecke zu machen, bei dem Wetter werde ich eh nichts von der Landschaft sehen. Aber ich schwöre mir, dass ich dort noch einmal hinfahren werde (was ich 6 Jahre später dann auch gemacht habe).

    An einer Tankstelle treffe ich Biker aus Scotland. Ich verstehe kaum ein Wort, aber zumindest soviel, dass es im Norden schüttet. Ich ziehe meine Regenklamotten an und zwei Minuten nach der Ausfahrt fängt es an zu regnen, zu regnen, zu regnen und zu regnen. Dann kommt einer der magischen Momente, die man nie vergißt: Ich fahre über die schottische Grenze und überlege, ob ich noch die Westküste von Schottland fahre. Da sehe ich vor mir eine dicke fette Wolke, die quer zur Autobahn wie ein Grenzbaum steht, mich ansieht und mir zu verstehen gibt: Lass es! Ich grüße freundlich und biege links Richtung Irland ab, was die Wolke aber nicht daran hindert, Massen von Regen auf mich herab zu schütten. Ich schwöre mir, im nächsten Jahr eine Schottlandtour zu machen (ist nie etwas draus geworden, leider) und fahre Richtung Stanraer. Mir ist nach einem warmen Bett zumute und lande in Dumfries.

    Die Touristeninformation ist geöffnet und bucht mir Bett und Breakfast bei den Sutherlands, die einer von mir als typisch empfundenen Straßenzeile wohnen.



    Meine Gastgeber stellen mein Motorrad in die Garage, kümmern sich um mich und ich habe die Möglichkeit, das Zelt zum trocknen auf zu hängen. Das Zelt müffelt und ich hoffe, dass sich das die nächsten Tage geben wird (Nein, definitiv nein). Ich zahle 17 Pfund und 1 Pfund Vermittlungsgebühr für die Touristeninformation und suche dann den Coop, doch der hat leider schon geschlossen. So laufe ich ein wenig durch die Stadt, der Fluss sieht freundlich aus, die Pommes frites sind lecker, aber der Ort kommt mir doch sehr verloren vor. Jugendliche langweilen sich auf der Straße, die besten Zeiten scheint der Ort hinter sich zu haben. Ich entscheide mich, früh zu Bett zu gehen und schlafe 11 Stunden durch.

    Mi 24. Juli 2002
    Ich stehe um acht Uhr auf und packe das Motorrad. Dann bekomme ich ein leckeres englisches Frühstück, das ganze Programm. Mr. Sutherland bestätigt meine Vermutung – die besten Zeiten von Dumfries sind vorbei, die Jugendarbeitslosigkeit ist sehr hoch und nur Renter wie er haben noch ein gutes Auskommen. Wer kann, verlässt die Stadt.
    Ich fahre die Straße nach New Galloway und finde eine nette kleine motoradtaugliche Straße. Aber ich muss mich beeilen, ich will die Fähre um 13.30 Uhr bekommen. In Cairnryan kaufe ich für 28 Pfund das Ticket – es ist günstiger als im Internet, da sollte es 35 Pfund kosten.



    Auf der Fähre treffe ich einen Holländer, der sogar 70 Pfund bezahlt hat, der Preis scheint also Glücksache zu sein. Ich teile einen Tisch mit einem holländischen Motorradfahrerpärchen, die beiden sind frisch verliebt und unglaublich nett. Dann sind wir in Larne, die Holländer wollen nach Dublin, ich die A2 an der Küstenroute nach Norden, unsere Wege trennen sich.
    Geändert von Torres (10.12.2010 um 16:21 Uhr)
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    #4
    4. Teil: Nordirland und Nord-Irland

    Ich bin auf (nord)irischem Boden und völlig enttäuscht. Es riecht penetrant nach Seetang, die Straßen sind fast menschenleer und das, was ich britische Leichtigkeit nenne, fehlt. Aber vielleicht ist das Einbildung. Das Wetter ist nicht besonders vertrauenserweckend, so dass ich nach einer Jugendherberge suche. In Ballycastle gehe ich zur Touristeninformation und erhalte zwei Adressen. Das erste Haus gefällt mir nicht, aber bei der zweiten Adresse in einer Nebenstraße erhalte ich ein kleines nettes Appartment für mich allein für 10 Pfund. Ich entschließe mich, es nicht nur zu nehmen, sondern länger zu bleiben, um etwas zur Ruhe zu kommen und mir die Gegend an schauen zu können.



    Später hole ich mir am Geldautomaten nordirische Pfund und kaufe ein paar Lebensmittel ein.



    Do 25. July 2002
    In der Nacht schlafe ich schlecht, weil ständig ein Hund herumkläfft. In der Folge bin ich den nächsten Tag hundemüde. Am Frühstückstisch treffe ich Iwan aus Spanien, der seit fast einem Jahr in verschiedenen Teilen von Irland gearbeitet hat und in drei Wochen über England nach Spanien zurückkehrt. Er hat von Irland die Schnauze voll – von dem Land, den Leuten und den Arbeitsbedingungen. Ich bin erstaunt, es heißt, Irland sei ein Traumland. Er verneint.

    Ich nehme einen Bus zum Giant´s Causeway, einer Felsformation, die sehenswert sein soll. Alle anderen Fahrgäste wollen zu Bushmills, der Whiskeybrauerei und so löse ich ebenfalls ein Ticket zu Bushmills.



    Die Besichtigung der Brauerei kostet 4 Pfund, das ist mir zu teuer. Ich kaufe lieber im gift Shop zwei Flaschen Whiskey – eine günstige und eine etwas teurere.

    Dann geht es mit dem Bus zum Giant´s Causeway. Ich bin beeindruckt von den Felsformationen, obwohl es ziemlich neblig ist und viele Leute da sind.



    Es ist schon erstaunlich, was die Natur für Phänomene herbeizaubern kann. Ich laufe den offiziellen Fußpfad entlang,



    besonders die Orgel hat es mir angetan





    und fast verpasse ich den letzten Bus, aber Gott sei Dank nur fast, der Busfahrer wartet, als ich ihm entgegenrenne, welch ein Glück. Am Abend kommt doch noch die Sonne heraus und der Strand von Ballycastle erstrahlt in leuchtendem Glanz. In der Ferne kann man den Mull of Kentire erahnen.



    Ich gehe zusammen mit Iwan einkaufen, schaue mir noch eine Rede der Queen an, die irgendwelche Wettkämpfe eröffnet und gehe dann früh zu Bett.


    Fr 26. Juli 2002
    Ich wache um 8 Uhr auf und schaue mir den Wetterbericht im Fernsehen an. Danach gehe ich umgehend wieder ins Bett und schlafe weiter bis 11.00 Uhr. Iwan ist schon abgereist. Ich frühstücke ein wenig, um dann wieder zu schlafen, Tagebuch zu schreiben, Gemüse zu kaufen, zu duschen und weiter zu schlafen. Mehr geht heute einfach nicht.

    Sa 27. Juli 2002
    Ich wache um 8 Uhr auf und packe. Ein T-Shirt ist Opfer einer Käseattacke geworden, ich muss es auswaschen und nass einpacken. Ich zahle 30 Pfund und verabschiede mich. Nun geht es die Küstenroute weiter, es ist wolkig, aber es regnet nicht. Ich fahre an Dunluce Castle vorbei, das so nah am Meer gebaut ist, dass irgendwann einmal die Küche in die Tiefe gestürzt ist – heute ist es eine Ruine.

    In Portsteward fühle ich mich wohl, der Strand ist beeindruckend, aber es sind viele Touristen mit teuren Autos dort, so dass ich weiter fahre. In Derry fahre ich über die Grenze nach Irland, mir ist ein wenig mulmig, wenn ich an die Attentate denke, aber alles ist ruhig und der Grenzübergang ist nicht besetzt. An der Tankstelle wechsel ich die Pfund in Euro um, endlich wieder das gewohnte Geld.

    Der erste Sightseeing Point, den ich anfahren will ist Greencastle, aber ich verfahre mich zweimal. Nicht, weil ich müde bin, sondern weil die irischen Straßenschilder gewohnheitsbedürftig sind. Die Küste ist nicht so interessant wie ich dachte. Dagegen gefällt mir Ratmullah sehr gut, vor allem ist es richtig warm dort, aber ein Campingplatz ist nicht hier so leicht zu finden wie in England. Immerhin sehe ich einen am Strand von Portsalon, aber der schaut nicht sehr freundlich aus. Irische Verhältnisse noch nicht gewohnt, fahre ich weiter Richtung Carrowkeel und sehe einen riesigen Wohnmobilcampingplatz, der eigentlich ganz nett aussieht, aber scheinbar nur ein Wohnmobilpark ist. Später erfahre ich an der Tankstelle, dass der Platz auch Zelte aufnimmt, aber so sah er einfach nicht aus.

    In Carrickart nehme ich die Straße nach Rosapenna, weil dort ein Campingplatzsymbol auf meiner Karte eingezeichnet ist. Dieser ist tatsächlich nur für Mobil homes und Caravans, so dass ich die Atlantic view route weiter fahre und mich an beeidruckenden Klippen erfreue.




    Keine Ahnung, wo genau das ist - aber es gefiel mir

    Dann die Erlösung: Ein Schild „Jugendherberge“. Ich quäle mein Motorrad die steile, geschotterte Auffahrt hinauf, am Fuß des Hügels ist ein Wohnwagen mit der Aufschrift „amusement“, der Blick auf die Umgebung zeigt auf zwei hässliche Mobilhome Campingplätze. Na toll. Das Jugendherbergshaus ist ein einfacher Steinbau, es riecht nach Holzfeuer und Urin, aber ich will ein Dach über dem Kopf und so zahle ich ohne zu Murren 11 Euro für die Nacht.



    Der Herbergsvater ist leicht depressiv und erzählt, dass man es hier oben nicht länger als 1 Monat aushält, sonst bekommt man einen Knall. Zu einsam. Ich glaube ihm sofort, nachdem ich einen Rundgang durch die Umgebung gemacht habe. Zwar gibt es einen netten Strand, aber außer Schafen ist hier nicht viel zu sehen. Diese dringen permament in die Herberge ein, so dass der Herbergsvater eigentlich nichts anderes tun kann, als ständig Schafe zu verjagen. Als ich nach einem Zaun frage, kollabiert er fast und murmelt etwas von „kein Geld für Nützliches“.


    Das graue Doppelhaus rechts ist die Jugendherberge

    Im Haus ist es erheblich kälter als draußen, daher machen andere Gäste ein nettes Feuer im Wohnzimmer und ich gehe früh schlafen. In der Nacht stauche ich gegen 4 Uhr einen Spanier zusammen, der ständig durch die Tür rein und rausgeht ohne die Tür leise zu schließen und sich benimmt, als wär er der einzige Gast.
    Geändert von Torres (11.12.2010 um 14:21 Uhr)
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    #5
    5. Teil: Glancolumkille, Co. Donegal

    So 28. Juli 2002
    Am Morgen regnet es. Ein feiner, fieser, irischer Nieselregen. Grrrh. Ich packe und unterhalte mich mit einem Schweizer Fahrradfahrer, der deutsch spricht. Er empfiehlt mir das freie Hostel in Glancolumkille in Donegal. So habe ich nun ein Ziel. Ich sehe, dass er wheatabix ißt und beschließe, mich damit ein zu decken.

    Auf der Strecke regnet es stärker, ab und zu gibt es Nebelfelder und ich sehe manchmal die Straße nicht mehr. Auch die Landschaft entgeht mir so natürlich. Die Straßen sind menschenleer, aber es liegt nicht am Wetter, sondern die Iren sind in der Kirche. Ich fahre am Grenveagh National Park vorbei und habe einen Glücksmoment, als sich der Nebel für kurze Zeit lichtet und ich einen wunderschönen Blick von den Bergen zum See habe.

    In Falcarragh gehe ich an einen Geldautomaten der Bank of Ireland, als ich die Karte herausziehe, brauche ich wegen der kalten Finger und Handschuhe zu lange, bis ich diese im Portemonnaie verstaut habe und flugs zieht der Automat das Geld wieder ein. Ich fluche höllische Flüche, versuche einen Menschen zu finden, aber es ist geschlossen. Also hebe ich das Geld ein zweites Mal ab und hebe die Quittung auf. (In Deutschland erkläre ich meiner Bank die Situation und tatsächlich bekomme ich nach 3 Monaten das Geld wieder zurück!).

    Ich halte mich wieder an die als besonders schön ausgewiesenen Routen, aber es ist diesig und grau und ich sehe einfach nichts. Richtung Glancolumkille fahre ich durch eine menschenleere Landschaft mit vielen verlassenen Häusern, an der Seite ist ein wunderschöner Bach zwischen den Bergen und die Straße führt über den Balbane Hill mit 1649 m. Es ist wieder furchtbar neblig und dann öffnen sich urplötzlich die Wolken und ich habe einen traumhaften Blick auf ein grünes Tal an dessen Ende das Meer liegt. Ich weiß, dass ich hier richtig bin.



    Die Straße finde ich schnell, aber ich fahre an der Einfahrt vorbei. Vor mir wenden Holländer, sie hatten das gleiche Problem. Ein steiler kleiner Weg führt bergab zum Haus und ich kann im Hof parken. Die Holländer wollen campen, aber ich denke an das muffige Zelt und die Parkplatztrockenaktion und als ein Bett frei ist, entscheide ich mich für ein Bett, damit ich mein Zelt trocken bleiben kann.(!) Die Betreiberin ist bestimmt schon achtzig und die Seele des Hauses, das Haus ist in einzelne Sequenzen unterteilt, in denen sich jeweils 8 Leute einen Raum mit eigener Küche teilen.



    Außerdem gibt es Gemeinschaftsräume und vom Aufenthaltsraum hat man einen atemberaubenden Blick auf den Sonnenuntergang und das Meer.





    Die Gäste sind nett und kommunikativ, ganz Europa trifft sich hier, selbst Iren haben sich einquartiert, die hier ein Seminar besuchen, um gälisch zu lernen. In der Gemeinschaftsküche für die Camper wird irische Musik gespielt, die meisten Musiker sind Deutsche oder Holländer und die Stimmung ist ausgelassen und gelöst. Wahrlich ein Geheimtipp.





    Mo 29. July 2002
    Am Morgen scheint die Sonne und ich wandere die Passroute Richtung Glengesh Pass. Ich treffe irische Fahrradfahrer, die mich fragen, wie die Deutschen zum Euro stehen. Ich erzähle ihnen, dass ich den Euro gut finde, sie sind erstaunt, denn sie haben anderes gehört. Sie erzählen, dass die Iren über den Euro sehr glücklich sind, jetzt sind sie endlich europäisch akzeptiert. Ich gehe immer die Straße entlang, mache auf dem Hügel ein paar Bilder (die ich nicht mehr finde) und entscheide mich, dass es mir zu weit nach Ardana ist. Ich gehe zurück zum Ort, kaufe ein paar Postkarten und etwas zu essen in einem winzigen Dorfladen, dann gehe ich zur Herberge zurück und schon fängt es wieder an zu regnen.



    Am Abend findet in der Küche eine Session mit irischer Musik statt, es sind Holländer und Deutsche. Ich trinke etwas von meinem Whiskey und schließlich gehen wir gemeinsam in einen irischen Pub, wo sich uns noch Italiener zugesellen. Auch viele Iren sind da, die gemeinsam musizieren, aber mit Iren Kontakt zu bekommen, ist nicht möglich. Die Iren möchten unter sich bleiben. Müde, cidreschwer und zufrieden schlafe ich die Nacht tief und fest.


    Di 30. July 2002
    Am nächste Morgen fahre ich mit einer Italienerin, Maria, zum Malin Beach zum Schwimmen. Sie hat ein Auto dabei, das ist sehr praktisch. Maria spricht gut englisch, ist immer gut gelaunt und voller Tatendrang. Ihren Freund hat sie im Süden Irlands aus dem Auto geworfen, weil ihr sein Gezicke auf die Nerven ging. Wie ich genießt sie es, alleine unterwegs zu sein. Das Wasser ist furchtbar kalt, aber schön. Danach brauche ich eine warme Dusche, um wieder auf zu tauen. Einige Leute organisieren ihren nächsten Aufenthaltsort und ich lerne, dass es klug ist, sich vorher an zu melden. Ein paar Leute reisen ab, dafür kommen neue. Am Nachmittag laufe ich mit ein paar anderen in Richtung Leuchtturm auf der anderen Seite der Bucht.



    Es geht steil bergan und die Wiesen sind überflutet. Ich hatte Turnschuhe eingepackt, da ich keine Wanderstiefel besitze und meine Füße sind nach kurzer Zeit klitschnass. Mein Fuß ist besser, kaum aus zu denken, wenn ich jetzt ausrutsche und alles wieder zunichte mache. Daher kehre ich alleine um. Der Abend endet früh, während die Klamotten und Handschuhe auf der Heizung trocknen.
    Geändert von Torres (11.12.2010 um 14:23 Uhr)
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    #6
    6. Teil: Über Connemara nach Doolin, Co. Clare.

    Mi 31. Juli 2002
    Am Morgen ist das Wetter grauenhaft. Feiner irischer Regen, windig, neblig. Die Holländer , die auf der windgeschützt angelegten Zeltwiese gezeltet haben, sind gedrückter Stimmung und haben bereits gepackt, da Ihnen in der Nacht im Sturm ein Teil des Zeltes zusammengebrochen ist. Sie hatten Glück im Unglück, einem ist das Zelt sogar weggeflogen, andere hatten Totalschaden. Erst jetzt fällt mir auf, dass der immer gut gefüllte Platz fast leer ist.

    Ich bin mir nicht sicher, ob das ein guter Reisetag ist, aber ich will aus dieser depressiv machenden Wetterzone heraus. Also fahre ich gegen 10.00 Uhr los und da Glancolumkille auf einer Halbinsel liegt, fahre ich die Straße vom Hinweg zurück bis nach Donegal. Ich brauche noch eine gute Regenhose und lasse meine Sachen auf einem belebten Parkplatz und kaufe in einem Kaufhaus eine furchtbar teure atmungsaktive Regenhose (die aber immerhin 7 Jahre lang perfekte Dienste geleistet hat) und einen original Donegal-Tweed-Sakko, a) weil er mir gefällt und b) da ich erfahren habe, dass man in Irland viele Restaurants nur im Sakko betreten darf. Ich weiß ja nicht, ob ich nicht doch einmal essen gehe.

    Hinter Donegal fahre ich achtlos an einem ausländischen Schild vorbei und erschrecke, als mein Gehirn verspätet realisiert, dass ein Teil des Schildes auf deutsch war: Die Aufforderung links zu fahren. Ich rede, schreibe, lese, denke, träume Englisch. Deutsch erscheint mir fremd.

    Ich fahre nach Süden über Sligo und Ballina – die Strecke ist nicht schön, nur zweckmäßig. Dann biege ich auf die Küstenroute ab, aber auch diese beeindruckt mich wenig. Dann kommt zwischen Ballycroy und Mallarauny ein wunderschöner Abschnitt, viele Fahrradfahrer quälen sich auf der nassen Straße – das Wetter ist weiterhin durchwachsen mit starker Tendenz zu Regen. Ich überlege, ob ich Achill Islands besuche, aber auf dem Weg dahin fährt Auto an Auto und es ist nicht zu übersehen, dass es dort gerade gießt. So entschließe ich mich zur Weiterfahrt und erfreue mich an Newport und Westport, zwei wirklich niedliche irische Ortschaften. An der 59 bei Lenann ist ein schöner Aussichtspunkt, hier gefällt es mir wieder. Da ich vor habe, im Old Monastry in Letterfrack, Co. Galway zu übernachten, biege ich in eine kleine Straße ein, da ich denke, dass das Hostel dort liegt. Leider falsch, es ist der Weg zum Killarney Hostel. An der Kreuzung stehen Tramper, sie applaudieren, als ich vorbei komme und wollen mitfahren – ich winke und gebe Gas und verstehe erst später, dass sie eigentlich an einer Bushaltestelle stehen und vermutlich der Bus einfach nicht kommt und ich wohl das erste Fahrzeug seit Stunden bin, das vorbei gefahren ist.

    Killarney Hostel sieht von weitem so kalt und feucht aus, dass ich auf eine nähere Kontaktaufnahme verzichte. So fahre ich elend lang die Straße entlang und schaue mit Entsetzen auf diesen armen Landstrich, der außer Steinen, ein paar Schafen und ein paar kleinen Hütten nichts zu bieten hat. An allen Ecken und Enden riecht es nach kargem Leben und bitterster Armut und ich fühle mich ins letzte Jahrhundert zurück versetzt, wo der irische Boden seine Kinder nicht ernähren konnte und zur Auswanderung zwang. Auch der Anblick des Meeres und eine kurze Sonnenphase kann meine leichte Depression nicht verscheuchen.


    Auch hier weiß ich nicht, wo das war - irgendwo zwischen Donegal und Doolin.

    Endlich erreiche ich Letterfrack, aber die Athmosphäre ist mit Dooeys Hostel in Donegal nicht zu vergleichen. Die Leute sind mit sich beschäftigt, niemand grüßt oder redet mit Fremden, jeder kocht für sich alleine – ein kleiner Kulturschock.

    Auf dem angrenzenden Zeltplatz ist ebenfalls merkwürdige Stimmung, ich erfahre, dass Schwärme von Moskitos den Aufenthalt erschweren und die Leute sind tierisch genervt. Ich öffne meinen Motorradkoffer, um Orangensaft zu holen, da sehe ich, dass die Packung aufgeplatzt ist, der O-Saft quillt mir entgegen. Fein. Es ist zwar nichts kaputt gegangen, aber es dauert, bis der O-Saft weggewischt und alles saubergewischt ist. (Leider ist der Saft in die Poren des Koffers eingezogen, so dass der Geruch von gegorenem O-Saft noch heute meine Touren beglückt!). Ich gehe früh schlafen, aber überall ist Rumgewusel. Und die doppelstöckigen Betten sind uralt und quietschen, wenn man sich umdreht. Ich schlafe schlecht.

    Do 1. August 2002
    Ich wache um 5 Uhr morgens auf und kann nicht mehr einschlafen. Ich bin völlig gerädert. Ich vermisse mein eigenes Heim und packe. Als ich die Gepäckrollen befestige, kommen wie auf Kommando Schwärme von Stechmücken auf mich zu – Zeit, Land zu gewinnen. Ich will zum Aile River Hostel in Doolin, auch das wurde mir empfohlen. Ich folge der Coast Route of Connemara and Connaught, aber die Sonne fehlt, die Landschaft sieht einfach arm und langweilig aus.

    In Galway ist ein riesiger Stau, es ist Pferderennen und es ist mit dem Gepäck nicht möglich, an den Autos vorbei zu fahren. Zwei holländische Motorradfahrer tauchen neben mir auf – ich erkenne sie wieder, sie hatten mich im nebligen Donegal wie die Geisteskranken überholt, während ich Mühe hatte, die Straße zu sehen. Sie laden mich ein, mit ihnen Kaffee trinken zu gehen, aber ich fühle, dass ich weiter fahren muss (was sich als richtig bewahrheitet!). An einer Straße, die zur Rennbahn führt, kommen wichtig aussehende, aufgebrezelte Leute aus dem Hotel, laufen vor mir durch den Stau und steigen auf der anderen Seite in einen Helikopter, der sie zur 3 km entfernten Rennbahn bringt. Ich bin beeindruckt. In Deutschland gäbe es dafür niemals eine Genehmigung.

    Nach über einer Stunde habe ich freie Fahrt und fahre die Küstenroute weiter. In Kinvarra sehe ich ein Hostel, das ich mir merke, das mich aber nicht überzeugt. Links leuchtet der Burren, aber das weiß ich da noch nicht. So fahre ich über Black Head nach Doolin und mag Doolin sofort. Dass Doolin berühmtes Zentrum irischer Musik ist, weiß ich nicht.



    Das Hostel ist ausgebucht, aber Carl sagt mir, dass ich warten kann, bis der Bus kommt. Falls jemand nicht kommt, kann ich das Bett haben. Ich entscheide mich aber, auf dem dazugehörigen Zeltplatz zu campen. Ich habe das Bedürfnis nach Privatsphäre. Am späten Nachmittag schlendere ich durch Doolin durch zum Hafen – und meine Laune hebt sich.













    Der Blick auf das Meer und auf Inisheer ist idyllisch. Hier werde ich länger bleiben.
    Geändert von Torres (10.12.2010 um 21:05 Uhr)
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    #7
    7. Teil: Tagestouren: Aran Islands, Dingle und Kerry, Galway, Beara

    Fr 2. August 2002
    Am nächsten Tag erfahre ich, was ein Bank Holiday ist. Nämlich ein verlängertes Wochenende, das jeden zur Küste treibt. Überall sind Menschen, die eine Unterkunft suchen. Der Campingplatz am Hafen – gestern noch sehr übersichtlich besucht, kann sich vor Anmeldungen nicht retten. Schnell buche ich meinen Zeltplatz für die nächsten drei Tage, aber Carl beruhigt mich: Wer erstmal drin ist, ist drin.
    Das Hostel hat Waschmaschine und Wäschetrockner – welch ein Luxus, den ich gleich wahrnehme, um alles einmal durch zu waschen. Dann nehme ich die Fähre zu den Aran Islands, genauer: nach Inishmore. Mein erster Eindruck ist: Was für eine arme, raue Insel, aber ich mag sie sofort.





    Ich wandere los, besuche die Heilige Quelle, bestaune die aus Steinen gebauten Umzäunungen der Wiesen und kaufe in einem kleinen Geschäft einen warmen Aran Schafwollpulli. Ich unterhalte mich lange mit den Besitzerin des Shops, einer Engländerin, die mir bestätigt, dass die Iren ein ganz eigenes Volk sind. Die Leichtigkeit, Weltoffenheit und der Humor der Briten geht Ihnen ab. Ich überlege, eine Woche auf der Insel zu verbringen, denn alles in mir sehnt sich nach Ruhe und Einsamkeit. Dann müsste ich aber das Motorrad auf dem Festland lassen und das will ich nicht riskieren.
    Als ich wieder am Fähranleger stehe, kommt kurz die Sonne heraus und die Insel sieht wunderschön aus, eine Leute gehen schwimmen, die Geschäfte öffnen, die Menschen kaufen Eis und die Insel bekommt plötzlich ein mediterranes Flair. Ich hatte völlig vergessen, dass eigentlich Hochsommer ist.

    Am Abend bezahle ich vorsorglich. Immer mehr Menschen kommen zu den Campingplätzen, die offizielle Youth Hostel wird von Backpackern belagert, die nicht wissen, wo sie die Nacht unterkommen sollen, alle Hostels und Campingplätze sind überlaufen. Auch die Wiese, auf der ich stehe, ist bis zur Grenze ausgereizt. Ich gehe früh schlafen, um dann gegen 1.30 Uhr mit "Shut up" mal wieder deutlich zu werden, weil ein paar Polen und Franzosen meinen, Zelte seien schalldicht isoliert. Danach ist Ruhe.

    Sa 3. August 2002
    Am Samstag mache ich Ruhetag. Man unterhält sich mal hier, mal dort. Irische Dauergäste sind fasziniert von meinem Motorrad, in Irland sind die Versicherungsprämien so hoch, dass kaum jemand Motorrad fährt. Die erste Frage lautet immer: "How much cc" (wieviel Kubik) und ich lerne technische Begriffe auswenig. In einem Zusammenhang sage ich zu Carl: "He is away", er schaut mich an, als wolle er mich töten und sagt "He is gone". Ich lerne. Carl hat eine Zeit lang in Deutschland gelebt, er kennt deutsche Wörter und versteht vermutlich alles, aber das verbirgt er lieber und wir reden englisch. Dann laufe ich doch ein bisschen an der Küste entlang, doch die Steine sind ziemlich gefährlich, denn meine Turnschuhe sind sehr rutschig. Es sind die Ausläufer des Burren und die Steine haben faszinierende Formen.





    Ein schöner Sonnenuntergang lässt mein Herz wieder höher schlagen.



    Die Pubs sind überfüllt, viel zu viele Menschen hier, ich gehe früh schlafen.


    So 4. August 2002
    Am Sonntag entscheide ich mich, nach Dingle zu fahren. Um 10. 00 Uhr bin ich auf der Fähre Killimer / Tarbert, die den Shannon River überquert. Auf der anderen Seite empfängt mich dicker Nebel, der bis Trailee anhält, so dass ich fast umkehren will.

    Aber Richtung Conor Pass wird es besser und besser und ich genieße die Aussicht. Der Pass selbst ist dann aber wieder in dichtem Nebel und die Abfahrt ebenfalls, so dass ich auf Fotos verzichten muss. Der Ort Dingle sieht nett aus, aber es ist ein so dicker Verkehrsstau, dass ich wieder die Küstenroute nehme und mich entscheide, den Ring of Kerry zu fahren.


    Blick auf den Ring of Kerry

    Gesagt getan, die Straße ist relativ leer, ich mache einen Abstecker nach Valentia Islands, die Ausblicke sind wunderschön.


    Blick auf Valentia Islands

    und erst hinter Waterville nerven ein paar Reisebusse. Glück gehabt! Ich passiere Ladie´s View mit Blick auf den Killarney Nationalpark und ich genieße die Fahrt. Als ich die Fähre bei Kirush nehme, geht gerade die Sonne unter, Delfine sehe ich leider nicht. Um 20.00 Uhr bin ich wieder in Doolin. Abends gehe ich mit ein paar Leuten in einen völlig überfüllten Pub, aber da ich keine Lust auf Alkohol habe, verdrücke ich mich recht früh in mein Zelt.

    Mo 5. August 2002
    Man kennt die Leute jetzt besser, so gehen ein irischer Dauergast und ich ein zusammen wandern. Die Kommunikation ist sehr einseitig, er erzählt mir seine halbe Lebensgeschichte, aber da er sehr schnell und undeutlich spricht, verstehe ich nur die Hälfte. Aber das war ihm vermutlich Recht. Zum Dank bekomme ich ein Cider spendiert. Die ersten Liebespaare finden sich im Hostel, ob das von Dauer ist? Ich telefoniere mit einer Bekannten, die ihn Adrgroom wohnt und verabrede mich mit ihr für Mittwoch. Ich verlängere meinen Aufenthalt bis Freitag.

    Di 6. August 2002
    Das Wetter ist nicht gerade gut. Die Nacht war lausig kalt, ich wache ständig gegen 4 Uhr auf und friere, keine Ahnung, was ich tun soll, mehr anziehen kann ich nicht. Um 3.00 Uhr nachmittags ist es zumindest wieder trocken, ich fahre mit dem Motorrad nach Galway, auch in der Hoffnung, dass dort das Wetter vielleicht besser ist. Ist es nicht.
    Ich suche einen Supermarkt, ein Biker mit einer Fireblade bedeutet mir, ich solle ihm folgen und er lotst mich perfekt durch die Straßen. Ich laufe ein bißchen durch Galway und finde einen Bioladen, wo ich mich mit Vollkornreis, Vollkornnudeln und Roggenbrot (schmeckt später wie ein Stein!) eindecke.

    Auf dem Rückweg ist wieder Stau, aber jetzt kenne ich die Lage und überhole rücksichtlos und furchtlos. Ich wähle die Route durch den Burren und bin überrascht und begeistert. Die Steine leuchten in unterschiedlichsten Farben und ich kann mich nicht satt sehen. Ich mache einen ausgedehnten Spaziergang und genieße die Stille. Dann regnet es wieder. Ich bin schon nass, als ich auf das Motorrad steige und ziehe die Regenkombi daher nicht an. Dann fängt es an zu gießen und ich werde bis auf die Haut patschnass. Im Hostel gehen weder Heizung noch Feuer, ich hänge die nassen Sachen ins Zelt und hoffe, dass ich gesund bleibe.

    Mi 7. August 2002
    Am nächsten Morgen denke ich, mein Zelt ist undicht, ich liege in einer Wasserlache. Aber es ist nur das Wasser der zum Trocknen aufgehängten Kleidung. Die Funktionsklamotten trocken nicht, sie laufen aus. Ich werfe das Hemd weg.

    Um 9 Uhr starte ich Richtung Cork, wobei ich über Limerick, Charleville und Kantuk fahre. Meine Kleidung und die Motorradjacke sind feucht, ich friere, aber hilft ja nichts. Landschaftlich ist die Strecke ganz anders, als die Küste, wenige Autos. Ich überlege, Cork zu besuchen, aber mir ist nach Landschaft und so fahre ich den Pass of Kenmaneigh, der leider enttäuscht. Ich fahre über Glengariff und biege dann in den Ring of Beara ein, um den Healy Pass zu fahren – und mir verschlägt es den Atem. Welch ein Bauwerk. Wieviele Menschen werden gelitten haben, um dieses Pass den Bergen ab zu trotzen. Was für eine Straße, brutal und imponierend!

    Um 2.30 nachmittags bin ich in Ardgroom und finde das Haus, in dem meine Bekannte und ihr Mann wohnen. Da ihr Mann beruflich lange Jahre viel in Amerika tätig war, hatten sich beide überlegt, sich einen Feriensitz zu zu legen, an dem die Familie beisammen sein kann. Zwischen Hamburg und den USA lag Irland und so haben sie Anfang der 60er Jahre das Haus in Ardgroom erstanden. Mittlerweile ist es der Altersruhesitz geworden. Mütterlich macht sie mir Rührei von Eiern der Hühner aus dem Garten und dann reden wir lange über Irland, Politik und die Umgebung.

    Da ich eine Unterkunft in der Gegend suche, fährt sie mit mir im Auto zu Dunloc Castel, um zu schauen, ob es dort einen Campingplatz gibt, doch dieser ist nur für Gruppen.



    Dann fahren wir zu einem Campingplatz, die Leute kennen sie und sind nett, aber er ist an der Straße weit von Einkaufsmöglichkeiten entfernt, so dass ich zur Versorgung das Motorrad nehmen müsste. Wir fahren durch Castletownbeare zurück und sie zeigt mir ein Hostel, ich speichere es im Hinterkopf ab.



    Gegen 6.30 Uhr fahre ich zurück, 600 km liegen vor mir und ich brauche 4 Stunden. Aber als ich in der Dunkelheit über den Hügel fahre und vor mir die Lichter der Aran Islands funkeln, kommt es mir vor, als käme ich nach Hause.

    Do 8. August 2002
    Es regnet in Strömen. Ich bleibe lange im Schlafsack, denn es ist tierisch kalt. Später gebe ich unsinniges Geld für Souvenirs aus. Frustkauf.
    Geändert von Torres (12.12.2010 um 13:45 Uhr)
    Das Tragische an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte. F. W. Nietzsche

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    #8
    8. Teil Beara Peninsula

    Fr 9. August 2002
    Abreisetag.

    Am Morgen geschieht das Unfassbare: Die Sonne scheint. Es gelingt mir sogar, das Zelt trocken ein zu packen. Die Dauergäste haben nicht damit gerechnet, dass ich Doolin tatsächlich verlasse und verabschieden mich herzlich. Ich fahre zu den Cliffs of Moher, aber der Parkplatz ist völlig überfüllt.

    Ich fahre Richtung Beara über Glengariff und Bantry. Die Straße ist ein Traum für Motorradfahrer, leider sind viele Touristen unterwegs, die angesichts der engen Straße und des ungewohnten Linksverkehrs Tempo 20 wählen. Sie wissen nicht, dass es in Irland zur guten Sitte gehört, schnellere Fahrer vorbei zu lassen. Stattdessen bremens sie in Kurven und beschleunigen bei den Überholmögichkeiten. Selbst ich komme nicht vorbei.

    Spontan entscheide ich mich für die offizielle Jugendherberge Glenmore Lake am Hungry Hill. Von der Natur überwältigt bezahle ich für 3 Tage, da ich wandern gehen will. Dann sehe ich die Betträume und die Dusche. Dreckig, verwahrlost, unterstes Niveau. Ich sage dem Hostfather, dass ich die Buchung rückgängig mache und fahre zur Tankstelle, um mir eine Karte der Region zu besorgen. Auf dem Rückweg halte ich an, um die Landschaft zu betrachten. Beim Überholen touchiert mich ein italienischer Caravan und schubst mich in den Graben. Der Fahrer ist sichtlich geschockt, aber es ist mir nichts passiert und da die Maschine nicht bepackt ist, ist es kein Problem, sie auf zu heben. Abends kommen noch vier Gäste, vier Engländer, die wandern gehen wollen. Wir machen wunderbaren Unsinn und sie sind ganz enttäuscht, dass ich morgen abreise. Sie treffen sich hier regelmäßig zum wandern, weil Irland so günstig ist.

    Sa 10. August 2002
    Ich beschließe, meinen Ekel zu überwinden und zu duschen, aber die Dusche macht Geräusche wie eine Dampfmaschine und ich verzichte. Als ich mein Geld für die vorausbezahlten Tage zurück will, wird der Hostvater wütend und will wissen, warum. Ich erzähle von den Betten und der Dusche und da flippt er richtig aus. Als ich ihm erkläre, dass mich die Mitgliedschaft im DJV Geld kostet und 12 Euro die Nacht in einer derartigen Hostel auch für Deutsche verdammt viel Geld sind, brüllt er herum, dass er niemals wieder Deutsche in diese Jugendherberge lassen würde und gibt mir 20 Euro wieder. 4 Euro behält er. Als ich fahre, scheint die Sonne, seine Frau lächelt mich nett an und ich entschuldige mich noch mal bei ihr. Es scheint, als würde sie die Problematik kennen.

    Über Castletownbere fahre ich nach Allihies, aber das Hostel ist ausgebucht, es regnet in Strömen und der Blick auf die Kupferberge macht mich depressiv. Ich brauche geistige Anregung. So nehme ich doch das Harbour Hostel hinter der Kirche.



    Ich bekomme ein Bett in einem Zweibettzimmer, die Sanitäranlagen sind erste Sahne, es ist ruhig, es gibt es große Gemeinschaftsküche, es kostet 13.00 € die Nacht und ich bin in zwei Minuten in der Innenstadt. Perfekt. Ich teile das Zimmer mit einem bayrischen Urgestein, während die meisten Bewohner des Hostels Polen sind, die nur rudimentär Englisch sprechen und in Irland arbeiten. Wir unterhalten uns lange und als wir endlich eingeschlafen sind, werden wir von einem lauten Knall geweckt. Wir halten die Luft an, dann machen wir vorsichtig das Licht an: Der Garderobehaken hat das Gewicht meiner Motorradjacke nicht ausgehalten. Wir lachen und lachen und reparieren den Schaden so gut es geht, damit man nichts sieht. Aber etwas Schweres darf man da nicht mehr dran hängen.

    So 11. August 2002
    Am nächsten Tag laufe ich die Treppe an der Kirche herunter und kaufe im Supermarkt ein. Ich erkläre zwei Fahrradfahrern den Weg nach Doolin und hätte Lust, den Ring of Kerry zu fahren, aber es regnet wieder. So entscheide ich mich für einen langen Weg durch die Berge, am Beara Way entlang.



    Die Ausschilderung ist gewöhnungsbedürftig, aber die Landschaft ist schön.





    Dann kommt die Zivilisation näher,



    kurzzeitig werde ich verfolgt



    und für sportliche Einlagen ist ebenfalls gesorgt.



    Der Regen hört auf, aber es ist sehr stürmisch. Meine Turnschuhe sind wieder klitschnass und ich schwöre mir, endlich Wanderschuhe zu kaufen.



    Mit Blick auf Bear Island geht es wieder zum Hostel zurück



    Am Abend esse ich auf dem Marktplatz Crepes mit Lemon und sugar und laufe ein wenig durch den beleuchteten Ort.

    Mo 12. August 2002
    Den nächsten Tag regnet es wieder den feinen irischen Regen und es ist neblig.





    Ich suche nach Wanderschuhen, aber so etwas gibt es hier nicht. Joan quartiert mich in einen größeren Raum um, ich nehme dankend an. Von nun an habe ich ein Einzelzimmer. Der Hausmeister des Hauses gräbt die Frauen an – er ist schon morgens völlig betrunken. Ich verdaddel den Tag und telefoniere mit Deutschland. Am Weg hinter dem Haus wachen die Gartenzwerge einer holländischen Familie über das Wohlergeben des Ortes.



    Etwas weiter entdecke ich einen Steinkreis, doch was es mit ihm auf sich hat, erfahre ich nicht.


    Di 13. August 2002
    Das Wetter ist entsetzlich. Es gießt. Ich fahre mit dem Motorrad nach Bantry, um Wanderschuhe zu kaufen. Der Verkäufer in einem altehrwürdigen Schuhgeschäft ist ganz bekümmert, so etwas gibt es in Bantry nicht. Ich kaufe hohe wandertaugliche Lederschuhe von Ecco. Sie sind furchtbar teuer, aber sie gehen über den Knöchel, sie passen perfekt und es sind die einzigen, die erhältlich sind.

    In strömenden Regen fahre ich nach Baltimore, West Cork zu Rolf´s Hostel, auch das wurde mir wärmstens empfohlen und wird von Deutschen betrieben. Das Hostel ist modern eingerichtet, aber ausgebucht. Sie erzählt mir, dass gerade 50.000 Menschen in Prag vor dem Wasser evakuiert werden und das die Autobahn München-Wien wegen Überflutung geschlossen wurde. Ich besichtige den Hafen von Baltimore und fahre zurück nach Castletown. In einem Geschäft fragt mich der Verkäufer, ob ich aus Deutschland käme und erzählt mir, dass Dresden gerade in Wassermassen untergeht. Ich kann es kaum glauben.

    Abends gehe ich ins Kino und schaue „About a boy“ mit Hugh Grant. Das Kino ist in einem LKW, es ist ein mobiles Kino. Auch eine Erfahrung.




    Mi 14. August 2002
    Am morgen telefoniere ich mit meiner Bekannten aus Ardgroom und sie laden mich für den Nachmittag zum Essen ein. Ich trockne meine Kleider im Fernsehraum und versuche, Bilder von Dresden zu erhaschen, aber das Fernsehbild ist völlig verzerrt.
    Als ich nach Ardgroom fahre, regnet es wieder in Strömen. Der Abend ist wunderschön, um 8 Uhr sehen wir Tagesschau und ich bin geschockt, als ich die Bilder der Jahrhundertflut in Dresden sehe. Das Ehepaar erzählt mir, dass am nächsten Tag Pferderennen in Allihies ist und wir verabreden uns dort.

    Do 15. August 2002 (Mariä Himmelfahrt)
    Am nächsten Tag scheint tatsächlich die Sonne. Es ist Sommer, ich kann es nicht fassen. Joan rät mir, Dursey Island zu besuchen und das tue ich. Leider kann ich nicht übersetzen, die Seilbahn macht bis Nachmittag Pause, so laufe ich nur ein wenig herum.





    Später fahre ich noch ein wenig auf Nebenstraßen herum.




    Scarif Island und Kerry? Ich weiß es nicht mehr.

    In Allihies gibt es kaum Parkplätze, es ist Kirchtag, Kuchentag und Renntag. Aber mit dem Motorrad kein Problem. Ich gehe an den Strand und versuche zu schwimmen, aber die Wellen haben ungeheure Kraft und schleudern einen an den Strand, wenn man nicht aufpasst.



    Ich halte in der Sonne einen Mittagsschlaf, dann gehe ich nach Allihies, wo ich das Ehepaar treffe und deren Tochter kennenlerne, die in meinem Alter ist. Sie ist mit einem irischen Fischer verheiratet, hat drei Kinder und führt ein karges, arbeitsreiches Leben, das die Eltern ab und zu abfedern müssen. Gemeinsam fahren wir zum Pferderennen und ich geniesse die besondere Athmosphäre dieses Events.





    Abends besuche ich ein Pub in Castletown, aber fast alle Iren sind an diesem Abend sinnlos besoffen und ich gehe heim.

    Fr 16. August 2002
    Den nächsten Tag erzählt mir Joan, dass das Wetter besser wird. So fahre ich mit dem Motorrad auf Kerry herum und dann erneut den Ring of Kerry. Radfahrer quälen sich die Straße entlang, sie tun mir leid, einige scheinen konditionell überfordert zu sein. Ich fahre im Uhrzeigersinn und die Busse kommen mir Stoßstange an Stoßstange entgegen. Später fahre ich kleine Straßen im Norden Bearas entlang und sehe einsame Häfen und viel Natur.

    Sa 17. August 2002
    Am Morgen bekomme ich eine Erkältung. Meine Bekannte aus Deutschland empfiehlt mir lemsip und bietet mir an, ein paar Sachen von mir im Auto nach Deutschland zurück zu nehmen. Trotz der Erkältung entscheide ich mich gegen 12.30 Uhr, zum Pallas Harbour zu laufen. Über die Hügel laufe ich nach Eyeries und folge der Straße nach Ardgroom.







    Dann folge ich dem Beara Way durch die Hügel und treffe zwei Frauen aus Cork, die den gleichen Weg laufen. Meine Wanderschuhe erweisen sich als perfekter Kauf und geben im Gelände Halt.





    In Cleanderry mache ich Rast und stelle fest, dass Pallas Harbour zu weit ist. Ich treffe die Frauen wieder und gehe mit ihnen Richtung Ardgroom zurück, um den Bus zu nehmen. Meine Erkältung wird schlimmer und als ich einen Nachbarn meiner Bekannten aus der Straße heraus kommen sehe, frage ich ihn, ob er zufällig nach Castletownbere fährt. Tut er und ich bin froh, so schnell wieder zu Hause zu sein.

    So 18. – Mo 19. August 2002
    Am nächsten Tag habe ich Schüttelfrost. Ich packe dennoch und wasche noch einmal meine Sachen. Ich verabschiede mich von Florri, einem irischen Bekannten meiner Bekannten und er empfiehlt mir, mich aus zu kurieren. Abends trinken wir noch einen Cider im Pub, aber ich bin schwach auf den Beinen und gehe früh schlafen.

    Am nächsten Tag komme ich kaum aus dem Bett, es geht mir schrecklich, an Motorradfahren ist nicht zu denken. Ich kaufe Hustensaft und Paracetamol und lese im Garten ein Buch. Abends geht es mir etwas besser.
    Geändert von Torres (11.12.2010 um 15:10 Uhr)
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    #9
    9. Teil: Rosslare

    Dienstag 20. August 2002
    Ich stehe um 7 Uhr auf und entscheide mich, zu fahren. Ich fahre über Ardgroom, um Abschied von der Westküste zu nehmen und noch einmal meine Lieblingsplätze zu sehen. Endlich finde ich auch den gesuchten kleinen Hafen der Region.
    Ich sage den Farben, dem Wasser, den Hügel auf Wiedersehen, es mutet seltsam an, zu fahren, ich fühle mich heimisch und bin doch nicht traurig, weiter zu ziehen.



    Ich fahre an Cork vorbei und stelle das erstaunt fest, dass Hochsommer ist. Hier ist die Landschaft wie in Schleswig-Holstein – fruchtbar und lieblich. Grüne Wiesen und Weizenfelder säumen den Weg. Vorbei die raue und karge Landschaft der Westküste.

    Um 13.30 Uhr erreiche ich Rosslare und habe gerade die Fähre verpasst. Die Fähre um 18.30 Uhr zu nehmen ist zwecklos, weil ich dann keine Möglichkeit habe, mir in Wales eine Unterkunft zu suchen. So buche ich die Fähre für 9.00 Uhr und checke in einer An Oige JH ein, die erste, die wirklich qualitativ hochwertig ist. Ich bekomme ein Einzelzimmer und darf das Motorrad mitten im Hof parken.

    Abends mache ich einen langen Spaziergang am Meer entlang.





    Um nicht den gleichen Weg zurückgehen zu müssen, suche ich eine Küstenstraße und durchquere St. Helens Village, das dem Golf Club angegliedert ist. Ein kleiner Kulturschock, das Village wirkt durch und durch amerikanisch-kommerziell. Hier amüsieren sich also die städtischen Iren – welch ein Kontrast zur Landbevölkerung in den von mir besuchten Regionen.
    Geändert von Torres (10.12.2010 um 23:19 Uhr)
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    #10
    10. Teil: St. Briavels, Wales

    Mi 21. August 2002
    Um 9 Uhr verlasse ich Irland und lege mich auf der dreistündigen Fährfahrt faul in die Sonne. Immer noch bin ich von der Erkältung etwas angeschlagen. Als ich in Wales anlande, hebt sich meine Laune schlagartig. Irritiert stelle ich fest, dass ich das Gefühl habe, hier erheblich richtiger zu sein als in Irland. Hier ist alles viel freundlicher, bunter, die Leute lachen und sind nett und humorvoll. Die Bewohner der irischen Westküste kamen mir viel düsterer, trauriger und zerrissener vor.

    Auf der Fähre habe ich den Tipp erhalten, nach St. Briavels Castle zu fahren, einer Jugendherberge, die in einem Schloss untergebracht ist. Mein Zelt riecht seit Doolin noch stockiger und ich erinnere mich mit Schaudern an die durchfrorenen Nächte, so dass ich gleich Feuer und Flamme bin.

    Ich fahre durch Wales und verspüre Glücksgefühle – Wälder, Felder, kleine Dörfer wechseln sich ab, was für eine wunderschöne Landschaft. Ich fahre Richtung Monmouth, verfahre ich mich wie üblich heillos und finde den Weg dann wieder.
    Endlich ist das Castle ausgeschildert, ich fahre eine steile Straße hoch, da macht die Straße abrupt eine Linkskurve. Ich hatte damit gerechnet, dass die Straße gerade aus geht (das ist ein Feldweg), gehe die Kurve falsch an und lege mich vor der Kreuzung auf die Nase. Mein Außenspiegel und der linke Blinker haben Risse. Ich versuche die Maschine auf zu richten, sie hat Hanglage und ich bin völlig unterzuckert, ich hatte vergessen, etwas zu essen. Gott sei Dank kommt kurz darauf ein Bauer vorbei, er schaut mich an, als hätte ich ihm gerade noch gefehlt und gemeinsam bekommen wir die Maschine auf die Räder. Tatsächlich ist ein Bett frei. Ich lasse die Koffer am Motorrad, weil die Treppen zu den Zimmern unglaublich eng sind. Die Betten quietschen zum Erbarmen und sind furchtbar wackelig, aber ich schlafe wie ein Stein.



    Do 22. August 2002
    Am nächsten Morgen stelle ich fest, dass die Motorradkoffer weit offen stehen. Außer einer Flasche Whiskey fehlt nichts, aber das Kofferschloss ist ruiniert. Härter trifft es einen Engländer, dem die Diebe die Autotür aufgebogen haben, um eine 10 € Kamera vom Beifahrersitz zu stehlen. Er heult. Gemeinsam rufen wir die Polizei. Später nehme ich an einer Führungs durch das Schloss teil und erfahre alles über das Schlossgespenst, das dort wohnt.
    Dann gehe ich lange spazieren, Wales ist wunderschön und ich genieße den sonnigen Tag. Am Abend grillen wir im Hof, es ist warm. Es sind viele Deutsche da, wir erzählen uns lustige Geschichten über Geister und Unholde, während unsere englischen Mitbewohner in mittelalterlichen Kleidern am Burggelage teilnehmen. Mein Motorrad darf ausnahmsweise im Schlosshof parken.
    Geändert von Torres (11.12.2010 um 15:21 Uhr)
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    #11
    11. Teil: Über Eastbourne und Brügge nach Hause

    Fr 23. August 2002
    Nach dem Frühstück im Schlosshof reserviert mir das Hostel einen Platz in der JH Eastbourne, damit ich den Voucher „4 Übernachtungen zahlen – eine frei“ nutzen kann. Ich entscheide mich für die schnellste Strecke, nicht die landschaftlich Schönste.

    Auf meinem Weg liegt Stonehenge, ich biege falsch ab, stehe plötzlich mitten in einem menschenleeren Gebiet und weiß überhaupt nicht, wo ich bin. Ich halte an und rätsel über der Karte, da hält hinter mir ein Auto: Polizei. Ich bin erleichtert, er weiß bestimmt den Weg. Der Polizist steigt aus, seine Gesichtzüge sind undurchdringlich: „Wo möchten Sie bitte hin?“ „ Ich möchte nach Stonehenge, aber ich habe mich verfahren.“ „Ich muss Sie darüber aufklären, dass Sie sich in einem militärischen Sperrgebiet befinden.“ Meiner Reaktion merkt er an, dass ich mich wirklich verfahren habe. Distanziert beschreibt er mir den Weg und ich bedanke mich. Er sitzt schon fast im Auto, da dreht er sich noch mal um und knurrt: „Nice bike“.

    Als ich an Stonehenge vorbei fahre und die Steine durch den Zaun sehe, bin ich enttäuscht. Erstens habe ich sie mir viel größer vorgestellt und zweitens besteht die Besichtigung aus einem weihevollen Umkreisen des Steinkreises. Ich gebe Gas.

    Die Strecke nach Eastbourne zieht sich hin, es ist Wochenendverkehr und Stau. Die Jugendherberge öffnet erst abends. So laufe ich ein wenig durch Eastbourne



    und treffe zwei deutsche Jugendliche, die eine Unterkunft suchen und erhalte später ein Bett in einem 5 Bettzimmer. Die Unterkunft ist wieder sehr einfach, die öffentlichen Jugendherbergen scheinen wenig finanziellen Spielraum zu haben. Immerhin sind die Betten neu.

    Sa 24. August 2002
    Die Sonne scheint und ich habe gut geschlafen. Mit zwei Deutschen gehe ich zu Fuß nach Eastbourne, wir wollen den footpath nehmen, landen aber doch an der Straße. Am Ärmelkanal trennen wir uns, ich gehe an den steinigen Strand, nehme ein Bad und beobachte britische Badekultur und Bademode. Später mache ich einen langen Spaziergang am Meer entlang bis zu Beachy – Head. Es sind weiße Klippen, denen ein Leuchtturm im Wasser vorgelagert ist. Ich mache das letztes Foto.



    Ein Engländer erzählt mir, dass diese Klippen Selbstmordklippen für Hunde heißen, weil immer wieder Hunde die Vögel jagen, ihnen hinter her springen und dann ins Wasser stürzen. Ca. 180 Hunde verlieren im Jahr dort ihr Leben. Auf dem Rückweg laufe ich durch das Binnenland, der Weg zieht sich lange. Die meisten Gäste sind abgereist, ich habe das Zimmer für mich alleine und genieße das sehr. Ich bleibe noch eine Nacht, um meine kostenlose Übernachtung zu nutzen.

    So 25. August 2002
    Ich finde endlich den Fußweg nach Eastbourne und gehe wieder an den Strand. Dann schlägt das Wetter um und ich schaue mir die Geschäfte und die Zeugen verblassender Seebadkultur an. Dann laufe ich langsam zum Hostel zurück und unterhalte mich mit neuen Gästen aus England und Deutschland.

    Mo 26. – Mi 28. August 2002
    Ich verlasse Eastbourne um 9.00 Uhr und fahre die Coast Route nach Dover. Überall sind Blitzer und ich fahre langsam, die Straße ist zwar landschaftlich schön, aber zeitraubend.

    Ich zahle 80 Pfund für die einfache Überfahrt, das ist fast so teuer wie meine Fähre nach Cuxhaven. Ich hätte vielleicht doch ab Harwich fahren sollen. Auf der Fähre treffe ich Motorradfahrer und unterhalte mich nett.

    Dann fahre ich bei Nieselregen die belgische Küste entlang, der Rechtsverkehr macht mir Probleme, Linksverkehr war einfacher. Alle Hostels sind ausgebucht und nach Zelten steht mir nicht der Sinn. Das Hostel in Osterkin organisiert mir ein Bett in Brügge. In Brügge verfahre ich mich wieder und spreche schließlich einen Autofahrer an, der sich erbarmt und mir den Weg nicht nur zeigt, sondern sogar vorfährt, damit ich ihm folgen kann. Das Hostel ist riesig, die Bettnachbarn sind nett, leider wird am nächsten Tag das Hostel geräumt, da sich eine Gruppe angesagt hat, die das ganze Hostel mietet. Abends laufe ich in Brügge herum, die Gebäude werden angestrahlt und leuchten in den Nachthimmel, irgenwo her ertönt klassische Musik und ich freue mich auf zu Hause.

    Am nächsten Abend übernachte ich in einer Jugendherberge in Rüthen und einen Tag später bin ich wieder zu Hause. Hinter mir liegen fast 3500 gefahrene Kilometer und ich habe 7 Kilogramm abgenommen.

    Das Gewicht meines Zeltes betrug 6.9 kg.
    Geändert von Torres (11.12.2010 um 15:28 Uhr)
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  12. Erfahren

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    #12
    ich mag das frische & improvisierte dieser ersten reise. man spürt in jeder zeile, wie herrlich du es fandest, endlich zu reisen.

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    #13
    Oh, kleinere Touren habe ich schon vorher gemacht - auch mit dem Zelt. Nur da war ich in Süddeutschland und da war im Sommer auch Sommer!
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  14. Erfahren

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    #14
    der weißwurstäquator zwischen nord- & süddeutschland ist zwar auch eine (zumindest aus sicht der bayern) hochoffizielle landesgrenze, aber die erste england-irland-tour ist dann doch noch einmal ein ganz anderes kaliber.

  15. Alter Hase
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    #15
    Schöner Bericht Torres.

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    #16
    Danke.

    Heute abend geht es weiter - der Bericht ist fertig, ich muss ihn und die Fotos nur noch einfügen.
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  17. Erfahren

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    #17
    die besondere stimmung des alleine reisens kommt gut rüber. wer beim lesen keine sehnsucht bekommt, sofort alleine loszuziehen, kann davon ausgehen, dass er an solotouren keine große freude hätte.

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    #18
    die besondere stimmung des alleine reisens kommt gut rüber
    Danke - tatsächlich liebe ich es, alleine zu reisen, da man dem eigenen Gefühl folgen kann. Die Strecke habe ich vorher nicht geplant - ich habe mir lediglich eine Shell-Karte von Großbritannien und Irland gekauft. Alles andere war Zufall. Ich habe mich lediglich bemüht, so weit es ging die Routen zu wählen, die mit einem grünen Strich als sehenswert eingezeichnet sind. Auf diese Weise reise ich noch heute. Ich möchte ein Land neu entdecken und nicht von Reiseführern beeinflusst werden. Mag sein, dass man da manchmal etwas verpasst, aber dafür entdeckt man anderes.


    Ein Nachtrag zur Ausrüstung:

    Nach der Tour habe ich das Innenzelt meines Zeltes mehrfach sorgfältig ausgewaschen. Der Geruch wurde nun von Waschmittelduft überlagert, blieb aber erhalten. In der Folge habe ich die Ausrüstung einige Mal in Norddeutschland eingesetzt, aber das Problem, dass ich morgens gegen 5 Uhr zähneklappernd und frierend aufwachte, blieb. Nach jedem Einsatz musste das Innenzelt ausgewaschen werden, um den Geruch unter Kontrolle zu halten und die Stockflecken an einer weiteren Ausbreitung zu hindern. Als mir Nachbarn, die seit Jahren in Skandinavien campen, erzählen, sie hätten ihr altes Zelt ersetzen müssen, sich nun für ein unglaublich teures Markenzelt entschieden und seien völlig überrascht, wie groß der Qualitätsunterschied sei, werde ich nachdenklich.

    2006 plane ich einen Erholungsurlaub in St. Peter Ording. Schon als Kind habe ich dort Zelte zusammenbrechen, wegfliegen oder im Schlamm versinken sehen. Ich halte mein Zelt für ungeeignet, zumal bei Regen und Wind die Apsis unbenutzbar ist. Beim lokalen Händler erwerbe ich ein Zelt, das mein Budget sprengt, mir aber als einziges gefällt: das semigeodätische ME Dragonfly 2. Es trotzt Sturm und Regen mit Bravour und - was unfassbar ist – es hält warm. 2007 nehme ich es im September nach England mit. Es ist feucht, nachts kühlt es auf 4-5 Grad ab - und mein Schlafsack ist viel zu warm.

    Da es ist für Motorradtouren zu klein ist, kaufe ich mir ein Zelt einer anderen ME Serie, das leider produktionsbedingt Materialfehler aufweist und zurückgeschickt werden muss. Auf der Suche nach einem baugleichen Zelt stoße ich auf ODS, stelle aber keine Suchanfrage (was vernünftig gewesen wäre), sondern entscheide mich nach langem Ringen für das ähnlich konstruierte Svalbard. Wieder friere ich in den Morgenstunden, als ich im Herbst an der Küste zelte, das Zelt ist für den Expeditionseinsatz in trockener Luft gebaut. Ich kaufe mir einen – 14 Grad KuFa Schlafsack, aber das löst das Problem nur geringfügig. Aus der Billigmatte wird eine FoamMat, aber erst als ich Evazote als Unterlage entdecke, zieht Wärme ein. Die Downmat macht dann auch Zelten bei Minustemperaturen möglich. Von nun an bleibt die in Cornwall erstandene Wolldecke zu Hause.
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  19. Alter Hase

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    #19
    Ich kann "mein" Irland und England wiedererkennen. Wenn auch nur knapp. Außerdem bin ich froh, dass wir nicht im August, sondern im Mai gefahren sind. "Meine" Iren hast du aber anscheinend nicht getroffen.

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    #20
    Wo warst Du denn bzw. welche Tour hast Du gemacht?
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