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    [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #1
    Mitreisende: Feurio
    Hallo zusammen!
    Als Dankeschön für die vielen Empfehlungen, die ich im Vorfeld hier im Forum bekommen habe, und um selbst dem Einen oder Anderen einen inspirierenden Eindruck geben zu können, hier mein Bericht vom südlichen Kungsleden diesen September:

    Südlicher Kungsleden, Storlien-Grövelsjön, 02.09.10 - 16.09.10.


    Nachdem ich mich schon seit einiger Zeit die hier im Forum gelesenen Berichte samt Bildern mit immer größerer Sehnsucht nach diesen unglaublichen Weiten Skandinaviens erfüllten, habe ich im Juni kurzerhand beschlossen einen Teil meiner Semesterferien diesen Sommer noch für eine größere Trekkingtour in Skandinavien zu nutzen.
    Auf meine Anfragen hier im Forum habe ich viele Denkanstösse bekommen und mich schließlich für zwei Wochen auf dem südlichen Kungsleden entschieden.
    Dieser Wanderweg verläuft entlang der schwedisch-norwegischen Grenze von Storlien über Fjällnäs und Grövelsjön nach Sälen und ich habe mich entschlossen, mir dreizehntage Zeit für die laut einem Führer aus dem Conrad Stein Verlag aus elf Tagesetappen bestehende Tour zu nehmen um pro Woche einen Tag "frei" zu haben.
    Übrigens wandere ich sehr gerne alleine, so auch jetzt in der nordischen Wildnis - dabei erlebe ich die Natur einfach noch intensiver, der Bezug zur Natur scheint mir noch unverstellter und intimer zu sein. Ich bin auch gern in Gesellschaft in der Natur, nur manchmal brauche ich die Ruhe des sich entziehenden "Anderen" um zu mir selbst zu kommen.. - soviel nur zu meiner Motivation.

    Anreise:
    Mit Lufthansa am Nachmittag des 02.09. nach Stockholm Arlanda, wo ich den Abend in der "Sky city" am Flughafen lesend verbracht habe und um 00:19 in den Nachtzug nach Storlien eingestiegen bin.

    Tag 1, 03.09.:

    Storlien - Blahammaren

    Um halb zehn kommt der Nachtzug in dem kleinen Grenzdörfchen Storlien an, wo ich mich noch umgehend mit Spiritus und Trockennahrung, Butter, Brot und Keksen eindecke. Von Storlien geht man zunächst ein kurzes Stück zurück nach Osten (von wo man mit dem Zug hergekommen ist) und wendet sich dann, die Gleise überquerend nach Süden. Dort trifft man dann auf einen Supermarkt, wo ich mir das meiste gekauft habe- Spiritus hatten sie aber keinen, oh Schreck! Also bin ich kurz zurückgetrampt -ein schwedischer Jäger war so nett- und habe bei einem Outdoorladen am Bahnhof den Brennstoff nachgekauft. Endlich kanns losgehen!
    Nachdem man ca. 30 min. auf der Landstraße richtung Berge wandert (mein Rucksack wiegt übrigens zu Beginn der Tour ca. 25 kg, essen für eine Woche incl.) beginnt in Storvallen schließlich der südliche Kungsleden.
    Das Wetter war sehr wechselhaft, ab und zu kleine Nieselschauer, windig und kalt (10°C).
    Über Holzbohlen steigt der Weg langsam auf moorigem Boden an und überquert einige kleine Bäche (einmal verwechsel ich den Weg und folge einem Trampelpfad - eine Stunde Umweg..) um schließlich den mit Schnee angestaubten Gipfeln in der Ferne immer näher zu kommen:




    Bald sehe ich mit Freude auch die ersten Rene:


    Nur selten treffe ich einen anderen Wanderer, die meiste Zeit bin ich völlig alleine und auch die Geräusche der Straße in Storlien verhallen allmählich. Bald passiere ich die Baumgrenze und der Weg windet sich etwas steiniger bergan nach Blahammaren, der Endstation für heute.





    Hier der Blick zurück nach Nordwesten:




    Die Offenheit der Landschaft und die sanft rollenden Hügel sowie die baumlose, karge Fjällvegetation unterstreichen auf beeindruckende Weise diese Weite, die mich sofort in ihren Bann zieht.
    Bei der Fjällstation sage ich Hallo und decke mich mit Müsli und Milchpulver fürs Frühstück ein und gehe anschließend auf dem Sattel noch etwas weiter, bis ich mein Zelt im Sonnenuntergang am Ufer von einem der hunderten kleinen Seen aufbaue.


    Hier der Blick auf das Sylarna-Massiv, die Etappe für morgen:


    Es hat mittlerweile nur noch -2°C und ich friere ziemlich. Also verkrieche ich mich schon früh im Schlafsack, nachdem ich mich über die Qualität des Bl°a Band Outdooressens gefreut und einen Guten-Abend-Tee genossen habe.
    Geändert von Sandmanfive (05.11.2011 um 00:36 Uhr) Grund: Reisecharakter eingestellt

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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #2
    2. Tag, 04.09.:

    Blahammaren - Sylarna

    Heute Morgen wache ich auf, weil etwas neben meinem Kopf laut klingelt - aber es ist erst halb sechs! Ich fluche und denke, dass der Wind meine Töpfe, die ich zum Einweichen vors Zelt gestellt habe, aneinanderschlägt. Nachdem ich ein bisschen weitergedöst habe und das Klingeln nicht aufhört, entschließe ich mich grummelig einen Blick nach draußen zu riskieren:


    Da erschrecke ich selbst ziemlich und begeistert mache ich ein paar Fotos: Das ist ja unglaublich, ich bin wirklich in Schweden! Trotz der frühen Uhrzeit bin ich jetzt sehr gut gelaunt und bereite langsam mein Frühstück vor. Nachdem die Rene weitergezogen sind lege ich mich aber nochmal hin und breche dann tatsächlich erst um zehn auf.... immerhin, das Wetter war sehr bedeckt, windig und kalt. Heute wandere ich im Grunde den ganzen Tag sehr mit mir selbst beschäftigt und in Gedanken versunken und ärgere mich, weil ich den Kopf so voll zu haben scheine, dass ich die grandiose Naturlandschaft gar nicht sehen kann. So vor mich hinbrütend treffe ich nachmittags einen Wanderer aus Stockholm mit dem ich mich bis zur heutigen Fjällstation ca. 2 Stunden lang lebhaft unterhalte.










    Allmählich wird es richtig bergig, ich wandere zusehends mitten in das Sylarna-Massiv hinein. Ein Stück hinter der Fjällstation baue ich mein Zelt mitten auf der Insel in einem FLuss auf und genieße diese wirklich absolut herrlichen Berge, die einen unglaublichen Zauber haben und aussehen wie schlafende Riesen.




    Endlich gelingt es mir auch mich aufzurütteln und ich bin völlig überwältigt von der Schönheit der Natur hier und sitze noch lange im Zelt und betrachte den leuchtenden Sternenhimmel. Für morgen habe ich geplant einen meiner "freien Tage zu nehmen" und anstatt weiter zu wandern das Sylarna-Massiv zu erklimmen!
    Geändert von Feurio (23.10.2010 um 16:49 Uhr)

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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #3
    Tag 3, 05.09.:

    Sylarna Bergtour

    Heute wache ich auf und der Himmel schaut sehr freundlich aus! Tatsächlich verziehen sich die WOlken immer mehr und während ich frühstücke kitzelt mich schon die Sonne im Gesicht. Gestern war der Sylarna noch in Wolken gehüllt, heute aber geben die Wolken die fast alpin wirkende und unvermutet steil und schroff aufragenden Zacken frei.


    Munter beende ich mein Frühstück, packe meine Sachen ins Zelt, das ich stehen lasse und gehe nur mit Jacke und Kamera los - querfeldein.
    Zunächst gestaltet es sich recht schwierig, den Bach zu überqueren, ohne ins Wasser zu fallen. Immerhin führen alle Bäche hier im Moment sehr wenig Wasser, sodass man an geeigneter Stelle problemlos von Stein zu Stein hüpfend das andere Ufer erreichen kann. Irgendwann gelingt mir das auch und stolz über den erfolgreichen Sprung marschiere ich leichten Fußes durch die Geröllfelder bergauf. Nach und nach rückt ein bestimmter Gipfel in den Fokus und ich entschließe mich, ihn zu besteigen obwohl oben noch einiges an Schnee liegt. Die Sonne wärmt mir inzwischen schön den Rücken und ich springe am verschneiten Berghang vorsichtig und mit großem Vergnügen von Fels zu Fels: Rutscht man ab, dann zwickt man sich den Fuß zwischen zwei Steinen ein- eine ungünstige Situation, man muss also wirklich aufpassen.
    Der Gipfel kommt aber einfach nicht näher, obwohl er immer zum Greifen nah zu sein scheint, zudem sind diese Hügel hier doch ohnehin nicht so groß! Tatsächlich kommt man nur sehr langsam voran und es ist auf Dauer auch ziemlich anstrengend, einen Berg so raufzuhüpfen. Schließlich habe ichs dann aber doch geschafft:


    Dort unten ist die Fjällstation und etwas oberhalb müsste irgendwo im FLuss mein Zelt stehen..
    Es ist wirklich unbeschreiblich, wie still es ist! Und wie weit man sieht, ohne dass ein Auto oder eine Straße in Sicht kommt! Dieses Gefühl ist wirklich überwältigend und mir fallen keine Bilder ein, die diesen Eindruck vermitteln könnten.
    Man hält den Atem an und hört nichts als den eigenen Herzschlag im Ohr und sein Blinzeln.
    Hier der Blick Richtung Norwegen - auch dort nichts als Berge, Seen und Flüsse.


    Beschwingt mache ich mich nach einiger Zeit, die ich grinsend und tief atmend im Windschatten eines Felsklotzes verbringe an den Abstieg. Dort kommen mir nach einiger Zeit drei junge Schweden entgegen, die meinen Spuren gefolgt sind und eigentlich den nächsten Gipfel auch noch besteigen wollten - ohne zu wissen das dazwischen eine extrem steile und zugeschneite Schlucht ist..
    Als ich nach einiger Zeit wieder am Zelt ankomme ist es gerade früher Nachmittag und die Sonne strahlt mit voller Kraft in einem wolkenlosen Himmel. Da ergreife ich die Möglichkeit und wasche mich im doch recht frischen Wasser meines "Burggrabens".
    Derart belebt und durch und durch euphorisch packe ich meine sachen und mache mich auf den Weg: Über das Tempel- Tal, das besonders schroff und alpin wirkt gehe ich querfeldein nach Osten, über Blockfelder und Moorboden an einen von tausenden Bächen durchgluckerten Hang, wo ich ein stilles und ebenes Plätzchen für mein Zelt finde:




    Dort verbringe ich ganz entspannt den Abend und genieße einen herrlichen indirekten Sonnenuntergang, blicke aus dem Zelt auf den See und den leuchtenden Nachthimmel und lese mit Zeltlicht ein bisschen in einem großartigen Buch.
    Doch was ist das? Bewegt sich da nicht was am Horizont? Sieht aus wie eine Stadt,
    die den Himmel anstrahlt - aber dieses Licht bewegt sich! ... !! ach, krass!!
    Nordlichter!


    Ich kann es gar nicht glauben, dann mache ich einige Fotos, renne frierend aus dem Zelt um noch ein schönes Bild zu machen (ich finde es hat sich gelohnt) und schaue fassungslos und ergriffen diesem zauberhaften Phänomen zu, bis es irgendwann ausklingt und nur noch als ein grünlicher Schleier verblasst. Der kristallklare Sternenhimmel bleibt und irgendwann schlafe ich dann selig ein.
    Geändert von Feurio (23.10.2010 um 16:50 Uhr)

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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #4
    Ärgerlicherweise sind die Fotos im Forum so grisselig. Das kommt wohl davon, dass ich sie für den Upload auf Paint verkleinert habe - ich hoffe, Ihr mögt sie trotzdem!
    Übrigens habe ich sehr lange gezaudert, ob ich jetzt wirklich in RAW fotografieren soll, oder nicht noch lieber dem Bildbearbeitungsprogramm der Kamera ein bisschen vertrauen?
    Schließlich habe ich mich entschieden, auch wenn das mit enormer Arbeit verbunden ist, alles in RAW zu fotografieren und anschließend selbst zu "entwickeln".
    Leider ist mir erst nach ca.150 Bildern aufgefallen, dass man auch mehrere Bilder auf einmal bearbeiten kann.. Insgesamt aber würde ich sagen dass es die Mühe wert war, in Zukunft werde ich immer dieses Format benutzen.

  5. Anfänger im Forum
    Avatar von Squirrl
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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #5
    Hallo,

    eine Reise(-route) ganz nach meinem Geschmack.
    Ich bin leider nicht von oben angefangen, sondern habe nur die untersten 5 KM (Einstiegspunkt in Sälen). Nur mal kurz, weil wir gerade in der Gegend waren.
    Darum für mich sehr interessant...(Wie geht es weiter...???) und beneidenswert.

    Wärst Du so nett (Vielleicht auch erste zum Schluß) auch noch was über Deine Ausrüstung zu schreiben?

    Freue mich auf die Fortsetzung. Weiter so!

    Gruß,
    squirrl

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    Avatar von andrea2
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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #6
    Hallo Feurio,

    ich hatte leider noch keine Zeit gehabt mir alles durchzulesen. Freue mich aber schon darauf, wenn ich etwas Zeit habe. Aber die Fotos sind schon einmal sehr schön.
    Wenn du sie gleich in deinem RAW-Konverter statt in Paint verkleinerst ist die Qualität vielleicht besser?

    Ich fotografiere immer in RAW und JPEG (niedrigste Auflösung), da mir meine Kamera die RAW Bilder nicht anzeigt. So hab ich schon mal einen Überblick.

    Freue mich schon auf die Fortsetzung

    Gruß Andrea

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    Avatar von Feurio
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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #7
    Tag 4, 06.09.:

    Sylarna - Helags


    Heute morgen wache ich um sechs auf, weil die Sonne im Osten auf einem wolkenlosen Himmel aufgeht. Die weite Ebene, die die Etappe Sylarna-Helags durchmisst, liegt in klarem, warmem Morgenlicht unter und vor mir ausgebreitet und ich breche voller Tatendrang heute ungewöhnlich früh auf. Bis zu 17°C gibt es heute und in Anbetracht der völligen Windstille ist das herrliche T-shirt-Temperatur.


    Zunächst gehe ich geradewegs nach Osten, oberhalb des Wanderweges, den ich aus der Ferne gut erkennen kann. Eine Zeit lang beobachte ich eine Gruppe Schneehühner, dann gehe ich bergab und folge bald dem ausgetretenen Wanderweg. Das Fjäll beginnt allmählich sich zu verfärben, innerhalb der nächsten Tage wird es immer leuchtender rot:


    Weil einfach alles perfekt ist - ich treffe nur eine kleine Gruppe am Nachmittag - gehe ich einfach gleichmal vier Stunden ununterbrochen auf und ab auf der gewellten Talsohle und passiere tausende glitzernde Seen und Bäche. Allmählich gerät das Sylarna-Massiv in meinem Rücken immer mehr in den Blick, zumal der weg sich jetzt nach Süden wendet und direkt den Helags-Klotz anstrebt, der den größten schwedischen Gletscher südl. des Polarkreises beheimatet.
    Hier der Blick zurück auf den südl. Sylarna:


    Mittags mache ich Halt und springe in einen der recht flachen aber kristallklaren Seen:


    Grandios!

    Weiter durchquert der Weg das Tal zwischen Sylarna und Helags und man hat, zumal bei diesem genialen Wetter, einen bombastischen Blick auf die beiden Berggruppen.
    Allmählich wird der Rucksack schwer auf meinem Rücken und ich kann mich nicht so recht an die Druckverteilung gewöhnen aber es geht schon. Der Weg zur Helags-Fjällstation zieht sich dadurch aber recht ordentlich. Endlich biegt der weg direkt um den inzwischen zu voller Größe herangerückten Helags und ich komme an der kleinen Häusergruppe an. Da es hier sogar Steckdosen gibt lasse ich meinen Akku zum Laden über Nacht in der Küche, kaufe etwas Essen und ein eiskaltes Bier und schultere meinen schweren Rucksack von neuem, um mich auf die Suche nach einem Zeltplatz zu machen. Laut Karte ist hinter dem kleinen Hügel östlich der Fjällstation ein See - ich gehe querfeldein in diese Richtung und schnaufe nicht schlecht als ich durch Moorboden stapfen muss. Irgendwann aber bin ich über den Hügel rüber und stehe plötzlich vor einem großartigen blauen See mit bombastischer Aussicht auf Helags im Westen, Sylarna im Norden und den See im Osten:


    Obwohl ich ja schon gebadet bin muss ich da natürlich rein!


    Anschließend lasse ich mich von der immer noch warmen Spätnachmittagssonne trocknen und kredenze mir das Bier das eine wahre Geschmacksexplosion bewirkt.
    Dann setze ich mich in den Windschatten eines Felsbrockens und lausche der unendlichen Stille während ich mich an der schier endlosen Weite des offenen Horizonts besoffen schaue.


    Danach gibts Essen, Tee, Sonnenuntergang, Lektüre und Sternenhimmel (in dieser Reihenfolge).
    Geändert von Feurio (23.10.2010 um 16:50 Uhr)

  8. AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #8
    Grandiose Bilder! Warte gespannt auf die Fortsetzung.

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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #9
    Tag 5, 07.09.:

    Helags - Fältjägaren

    Wieder wache ich unter einem wolkenlosen Himmel auf! Das Wetter ist einfach großartig!
    Mit der Morgensonne im Gesicht marschiere ich von meinem Zeltplatz bald zurück zur Fjällstation und hole meinen inzwischen aufgeladenen Akku ab und folge dann dem falschen Weg nach Funäsdalen, der gerade nach Süd-Südost verläuft, entlang einer Telefon/Strom(?)-Leitung. Bald stelle ich aber meinen Fehler fest und quere ca. 200 Meter gerade gen Westen in Richtung Weg. Dabei springe ich über kleine Bäche, umrunde Moorflächen und erklimme kleine Hügelchen, die wie schon tags zuvor die Talsohle wellen. Der Weg verläuft entlang der Ost - Südost - Südseite des Helags-Massivs und nachdem man zunächst gen Westen und Norwegen blickt wendet sich der Weg dann schnurgerade nach Süden. Man sieht ewig weit, nur die gewellte Talsohle, in der Ferne Seen und Berge. Übrigens ist der Punkt, an dem der Weg über eine Schulter des Helags gleichsam diesen passiert der höchste des Kungsledens überhaupt (1100m ca, glaube ich). Wen's interessiert....

    Hier der Blick nach Westen, im Nordwest der Helags mit dem markanten Predikstolen:


    Nach einigem Weg der Blick zurück nach Norden, direkt an der Flanke über dem Wolkenschatten ist der höchste Punkt des KL, dahinter etwas von links kommt der Weg von der Helags Fjällstation:


    Hier jetzt der Blick zurück nach Norden, frontal auf den Helags-Klotz:


    Wenn man so nach Westen schaut und nur Berge und Seen sieht, einfach grenzenlose Weite, dann sieht man sehr deutlich, wie absurd es ist, dass da drüben jetzt "Norwegen" sein soll, während ich hier in "Schweden" bin..
    Der Weg ist in dieser Etappe ein gut zu laufender schmaler und steinig-erdiger Pfad der nur immer auf und ab über die vielen Hügel geht. An einem kleinen See mache ich Mittagspause und wasche mich, meine Socken, Unterwäsche und Tshirt und packe mich dick in frische Sachen ein, lege mich in den Windschatten eines Steines mit Blick auf den Helags, genieße die Stille und die Aussicht und döse etwas während meine Sachen in Wind und Sonne trocknen.
    Jetzt kann man nordwestlich vom Helags auch wieder den Sylarna sehen und meinen Wegverlauf gut nachempfinden: Gestern Abend war ich nordöstlich des Helags mit direktem Blick auf den Sylarna - jetzt bin ich südlich vom Helags, der Sylarna schaut auf der anderen Seite wieder hervor:


    Schon gegen vier Uhr nachmittags komme ich bei der Fältjägaren-Hütte an und baue mein Zelt ein Stück weiter, ausser Sichtweite mitten in einem Meer von Seen auf. Dann spaziere ich über kleine Hügel zwischen den Seen herum und mache ein paar Fotos, als die Sonne langsam untergeht lese ich und lege mich dann ins Fjällgestrüpp und beobachte den Sonnenuntergang.




    Ein genialer Zeltplatz mit Helags und Sylarna im Hintergrund:




    Heute Nacht wird es wieder recht kalt und zudem windig, also verkrieche ich mich schon früh im Zelt und lese noch. Heute war die kürzeste Etappe (14km. Durchschnitt sind ca. 20, dafür brauche ich meistens so 6 Stunden) aber morgen sind es 31 km nach Fjällnäs und übermorgen 28 nach Skedbrostugan - ich will die beiden Etappen in drei Tagen machen, das habe ich schon von Anfang an geplant.
    Geändert von Feurio (23.10.2010 um 16:51 Uhr)

  10. Neu im Forum
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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #10
    Hallo Feurio,

    die Lust wird immer stärker, mit deinem Bericht und den wunderschönen Bildern
    bereitest du gerade unsere Tour für das nächste Jahr vor.

    vielen dank

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    #11
    Tag 6, 08.09.:

    Fältjägaren - <Fjällnäs

    Heute wache ich unter einem erstmals seit Tagen bedeckten Himmel auf, es windet zudem und ist ziemlich frisch - ein Vorgeschmack auf die nächsten Tage. Ich habe gestern Abend übrigens eine Schneeeule gesehen! Als ich mich auf den Weg mache komme ich nochmal bei der Fältjägarstuga vorbei und die freundliche Wirtin zeigt mir ein Foto das sie vom SOnnenuntergang gemacht hat, zufällig mit Blitz, und in dessen Blickfeld ganz nahe just in diesem Moment eine Schneeeule vorüberfliegt. Mit der netten Dame unterhalte ich mich noch sehr angeregt über dies und das, kaufe Kekse nach (zum allabendlichen Tee) und bald schon wandere ich geradewegs gen Süden, immer wieder von der Sonne angestrahlt.
    Allmählich rücken Helags und erst recht Sylarna immer weiter in die Ferne, bevor ich in ein Tal (Klinken) hinabsteige, wo ich die ersten Bäume seit Tagen sehe, scheint mir der Sylarna Gletscher einen Liebesgruß hinterherzuschicken:




    Im Laufe des Nachmittags wird es immer sonniger, auch wenn der Wind bisweilen sehr frisch ist und eine gemütliche Mittagspause vereitelt. Auf der anderen Seite des Tals muss ich wieder bergauf, ein verdrehter Wegweiser schickt mich gegen mein Orientierungsgefühl geradezu nach Westen und erst nach fast einer halben Stunde bin ich skeptisch genug, um einen Blick auf die Karte zu werfen - fluchend, weil ich langsam vom vielen Gehen ermattet bin, kehre ich um und stelle die Ursache meines Irrtums fest. Immerhin habe ich einen herrlichen Ausblick nach Norwegen genießen können, das wars auf alle Fälle wert!




    Nachdem ich schließlich und endlich an einem herrlichen See ankomme, beschließe ich kurzerhand hier das Zelt aufzustellen, anstatt es noch gut ein bis zwei kilometer an einem größeren See zu tun, wie ich es ursprünglich geplant hatte. Diesen sehe ich dann, als ich ohne gepäck den nächsten Hügel hinauftänzel, wo ich, dick eingepackt und gegen den Wind geschützt, den umwerfenden Weitblick in diesen letzten, wolkenlosen SOnnenstunden genieße. Hier der Blick auf den größeren See und am Horizont das Ziel der morgigen Etappe, hinter den Hügeln, die man dort sieht erstreckt sich das Rogen Naturreservat:




    Ein ganz ordentliches Stück Weg!

    Ich verbringe wie jeden Tag noch etwas Zeit, im Windschatten eines Felsens liegend, damit der Stille zu lauschen und diese herrliche Offenheit und Weite in mich hineinzutrinken.
    Yeah!




    -bei dem kleinen See da hinten habe ich mein Zelt aufgestellt; das ist der Blick nach Nordosten also.

    Weil es sehr kalt wird, sobald die Sonne weg ist, verkrieche ich mich heute Abend schnell im Zelt und lese noch recht viel.
    Geändert von Feurio (23.10.2010 um 16:53 Uhr)

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    #12
    Tag 7, 09.09.:

    <Fjällnäs - >Fjällnäs

    Leider ist das Wetter heute nicht mehr so schön wie die Tage. Stattdessen ist der gesamte Himmel dicht grau verhangen. Dafür kommt bei dem Wetter das inzwischen leuchtend rot gefärbte Fjäll besonders intensiv raus:








    Ich laufe bei fast ausschließlich trockenem Wetter immer weiter gen Süden und treffe, wie auch schon die letzten drei Tage, niemanden. Irgendwann aber kommt mir dann doch ein anderer Wanderer entgegen und erkundigt sich nach dem Weg, der teilweise im matschigen moorboden (hier ohne balken, aber auch nicht richtig moorig) schwer zu finden ist. Ich orientiere mich da immer an den winterkreuzen, die in dem Abschnitt parallel verlaufen. Nach einem recht langen Marsch ans Ende dieser Hochebene (wie auf dem gestrigen Bild zu sehen) gehts durch einen netten kleinen Wald bergab nach Fjällnäs.




    Eine Straße! und Autos! Das erste mal seit einer Woche, das ist ein kurzer Einbruch in die Zivilisation, die ich schnell wieder hinter mir lassen will. Leider finde ich den Weg nicht, zudem brauche ich Spiritus, meiner hält noch für zwei Tage und ich weiß nicht, ob ich welchen bei der Skedbrostugan kaufen kann....
    Fjällnäs selbst hat aber keinen Supermarkt, da müsste ich schon weiter nach Tänndalen. Von dort wäre auch der Weg nach Skedbro kürzer, ich könnte also hintrampen. Aber ich finde es grässlich an einem eigentlich ganz schönen Wasserfall mittagzuessen (und zu frieren, es ist nämlich inzwischen ziemlich kalt geworden, vor allem im Wind) wenn nebenan Autos die Grenzstraße entlangrauschen. Also beschließe ich einfach schnell das Weite zu suchen und nach einem bisschen Suchen finde ich dann auch den Weg Richtung Rogen. Ich gehe auf eine Anhöhe und Fjällnäs verschwindet samt den Staßengeräuschen in der Schlucht, während ich, von meinem längeren Marsch recht erschöpft, kurz vor der Grenze des Naturreservats mein Zelt aufbaue, wo sich mir ein grandioser Blick nach Norden bietet: Wie schon die Tage zuvor lege ich mich wieder ins Fjällgestrüpp und genieße diese entspannende Weite und schaue zurück (der Helags ist nur noch im Dunst zu erkennen).




    Ich hoffe, dass das Wetter hält und trocken bleibt und gehe wegen der niedrigen Temperaturen (ca. 2°C) bald in mein warmes Daunenbett. Außerdem nehme ich gedanklich nochmal (wie auch schon gestern) Abschied von der ersten Hälfte meiner Tour, ab morgen wird sich mir eine andere Landschaft bieten, auf die ich aber auch äußerst gespannt bin.
    Geändert von Feurio (23.10.2010 um 16:52 Uhr)

  13. Gerne im Forum
    Avatar von sieb10er
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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #13
    toller Bericht und super Fotos - macht echt Laune zu lesen!

    Gruß

  14. Dauerbesucher
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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #14
    Tag 8, 10.09.:

    >Fjällnäs - Skedbro

    Heute ist es windig und kalt, aber man hat einen herrlichen Weitblick über die rote-grauen, sanft rollenden Bergrücken. Bald sehe ich ein Schild, das den Beginn des Naturreservats ankündigt, sowie vor den Moschusochsen warnt. Von denen habe ich natürlich schon gehört und ich kanns kaum erwarten, endlich welche zu sehen...
    Nein, natürlich wusste ich schon, dass es sehr unwahrscheinlich ist, aber dennoch habe ich insgeheim sehr auf eine Begegnung mit diesen urtümlichen Tieren gehofft.
    Der Weg geht nun bergab auf eine Seenplatte zu, die man zuvor aus der Anhöhe vor sich ausgestreckt sah. Gelb leuchtet der ganze Birkenwald, dazwischen vollkommen rot die Blaubeersträucher.




    Über Stock und Stein geht es bergab, die meiste Zeit verläuft der Weg über Blockfelder, die aus großen Felsbrocken bestehen und höchste Konzentration erfordern, wirklich! Dazwischen immer wieder kleine moorige Abschnitte. Das Wetter ist stabil aber immer noch etwas kalt und windig, aber völlig harmlos.
    Ich bin begeistert von der Menge an überreifen Blaubeeren, die ich hier erstmal antreffe!
    Neben blauen Händen und einem blauen Mund hat das auch zur Folge, dass sich meine Gehzeiten um Stunden verlängern, weil ich immer wieder eine Viertelstunde damit verbringe, gierig und mit vollen Händen die süßen Beeren in meinen Mund zu stopfen. Tatsächlich bin ich dabei derart besinnungslos, dass ich manchmal aufschrecke, weil ich offensichtlich keinen Einfluß mehr über meine Hände habe, die nur noch meinem Mund zu gehorchen scheinen...
    Hier ein Foto von der moorigen Landschaft:




    Immer wieder sehe ich auch große Hufabdrücke im Matsch, bald meine ich, Moschusochsen auf der Spur zu sein, bis mir später auffällt, dass die Abdrücke von Moschusochsen denen von Renen sehr ähnlich sind...
    Ich unterhalte mich ein bisschen an der Skedbrostuga mit dem Wirt, der einige Tage zuvor direkt vor der Hütte am See zwei Bären gesichtet hat. Leider kann ich dort weder Spiritus noch Brot kaufen, wobei mir Brot in der Rogenstuga gesichert ist, dafür hat der Wirt extra dort angerufen. Die Befürchtung, dass ich keinen Spiritus mehr bekomme beiseiteschiebend wandere ich noch ein kleines Stück weiter, obwohl es schon sehr spät ist und ich wirklich erschöpft bin von der Kraxelei über die Blockfelder. Die Landschaft ist wunderschön und vor allem wild! Überall Felsen, umgestürzte Bäume, wilde Bäche und dazwischen herrliche Seen mit tausenden kleinen Inselchen, das ganze umgeben von den formschönen schwedischen Bergen.
    An eben so einem See schlage ich schließlich auch mein Zelt auf und obwohl es eiskalt ist und die Sonne schon untergegangen ist, springe ich noch kurz in den kalten See um mich ein bisschen zu waschen - brrr! Immerhin frisch duftend entsteige ich dem eisigen Wasser und kuschel mich in den wärmenden Schlafsack, wo ich von neuem Leben durchpulst werde. Hier der Blick auf den See:




    Und auf mein Zelt:




    Gute Nacht!
    Geändert von Feurio (23.10.2010 um 16:54 Uhr)

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    #15
    Tag 9, 11.09.:

    Skedbro - Rogen


    Heute hängt alles in grauen Wolken, es ist windstill aber klamm. Ich wandere über Stock und vor allem Stein eine Weile nach Westen, bis ich dann nach Süden um einen Berg herum abbiege und im völlig stillen Wald auf einem besser zu gehenden Weg geradeaus stapfe. Der Himmel ist weiß und es ist leicht neblig, man sieht nur die dunkelgrünen Kiefern in losen Abständen um einen herum, der Boden ist moorig und mit dem üblichen roten heideartigen Herbstgestrüpp bedeckt.




    Ab und zu überquere ich größere Sumpfgebiete und manchmal schimmert rechts von mir, im Westen, die Wasserfläche des Rogen durch, man kann aber nicht viel erkennen.
    Aber auch in diesem Wetter finde ich die Natur beeindruckend:




    Als ich Mittagspause mache horche ich in diese enorme Stille hinein, und als sich irgendwo ein kleiner Ast im Wind bewegt, während alles andere still steht, da scheint mir auf einmal etwas durch dieses Schweigen hindurchzuscheinen, die sich stets entziehende Natur kurz, nur für einen Augenblick zu zeigen.

    Nach nur vier Stunden komme ich schon an der Rogenstuga an, wo ich herzlich von einem charmanten älteren Ehepaar begrüßt werde. Glücklicherweise kann ich dort auch Spiritus kaufen und das reservierte Knäckebrot wird mir auch gleich überreicht. Mit neuen Vorräten mache ich mir einen gemütlichen Beeren-Pflück- und Leseabend und freue mich. Morgen werde ich für zwei Tage ein Kanu leihen, um damit die Seen zu erkunden!

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    #16
    Tag 10, 12.09.:

    Kanufahren auf dem Rogen I



    Das Wetter ist etwas besser als gestern, auch wenn es morgens eine halbe Stunde lang unfassbar viel regnet. Danach aber hat sich die grau-weiße Verschleierung in große, dunkle Wolken verwandelt, die mit kleinen blauen Himmelsfetzen über den See ziehen. Es hat außerdem kaum Wind, was für die Kanufahrt sehr vorteilhaft ist.
    Zunächst aber gibts ein stärkendes Frühstück:




    Dann leihe ich mir ein Alu-Kanu vom netten Wirtspaar und rudere am Ufer entlang kurz nach Süden, um dann einem Flußlauf aufwärts zu folgen, einige Male umzutragen:




    und schließlich völlig erschöpft den Stor-Tandsjön (wenn ich mich richtig erinnere) zu erreichen. Das Umtragen (Ich alleine das 2-Mann-Blechkanu auf meine Schultern) war unglaublich anstrengend. Aber die MÜhen wurden belohnt: Zunächst konnte ich keine große Offene Wasserfläche sehen, weil das andere Ufer sehr nah war. Rudert man aber etwas am Ufer entlang, dann öffnet sich der See und man sieht zahlreiche kleine Inseln, mit kleinen Bäumen bewachsen, und lange Landzungen und Seitenarme, ein Geflecht von See und Land, das so unglaublich wild und unzugänglich erscheint, dass mir nochmal deutlich wird, wie "tief" ich hier in der Natur bin.
    Es scheint immer wieder die Sonne und mir ist richtig warm ohne den Wind.
    Nachdem ich ziemlich weit in diesen geheimnisvollen See hineingefahren bin, zieht am Himmel eine dunkle Wolkenfront auf... ich rudere schnell ein bisschen zurück und schlage mein Zelt auf einer der ganz kleinen Inselchen auf. Nachdem ich meine Sachen ins Trockene gebracht habe, beginnt auch schon der Platzregen. Immerhin dauert er nur eine Viertelstunde und plötzlich ist es mucksmäuschenstill. Ich schaue aus dem Zelt und kanns nicht glauben:




    Ein gigantischer Doppel-Regenbogen leuchtet volle 180° direkt über dem Ufer hinter mir. Ich schnappe den Fotoapparat und springe ins Kanu - leider ist es ziemlich schwierig so schnell weit genug wegzupaddeln um den Bogen ganz aufs Bild zu bekommen. Immerhin sieht man ganz schön die kleine Insel mit meinem Zelt!
    Hier sieht man jetzt auch, dass es ein doppelter Regenbogen ist:




    Nach diesem Spektakel rudere ich langsam wieder zurück zu "meiner" kleinen Insel:




    Wieder kommt eine Wolkenfront, wieder hört der Regen auf, nur ist es inzwischen langsam dunkler und es entfaltet sich ein grandioses Lichterspiel von dunklem See und hellem Himmel. Ach ja, und noch ein Regenbogen:




    Nun, nachdem der Regen ganz vorbeigezogen ist, ist es wieder so unglaublich still - die Stille scheint über den See zu hallen. Nur manchmal erschallt das Geschrei von Wasservögeln, Loons "heulen" in Ufernähe und Enten fliegen gefährlich nahe über meinen Kopf. Die Wolken werden immer schwerer und dunkler, es bleibt jedoch der Himmel über mir leuchtend blau. Gemeinsam mit dem nun plötzlich völlig eingeschlafenen Wind ergibt das ein unglaublich schönes Bild:




    Wieder setzt der Regen ein:




    Und nachts, nachdem die Rufe der Vögel verklungen sind und es, durch die vom Wasser bewirkte Hellhörigkeit, "doppelt" still zu sein scheint, steige ich nochmal in mein Kanu und rudere über den spiegelglatten See, in dem sich die Sterne spiegeln, um ein Foto zu machen:


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    #17
    Tag 11, 13.09.:

    Kanufahren auf dem Rogen II


    Heute morgen wache ich in unglaublicher Stille auf - nichtmal der Wind haucht gegen das Zelt. Ein Blick nach draußen: Wo ist der See? Ich befinde mich mitten in dichtestem Nebel, es gibt also nicht nur keine Geräusche und keinen Wind, sondern auch keine Sicht. Gemütlich frühstücke ich bei diesem Spektakel und mache dann ein paar Fotos, als allmählich schemenhaft die ersten Bäume sich abzeichnen:




    Als ich mein Zelt abgebrochen habe und losrudere, hat sich der Nebel ganz gelüftet. In der Windstille liegt der Stor-Tandsjön aber wie gestern Abend spiegelglatt da, und ich schneide mit meinem Kanu in das Spiegelbild der Seenwelt.
    Es ist völlig ruhig und ich man hört nur das Tropfen vom Ruderblatt zwischen den Schlägen. Ich gleite ein bisschen über den See und fahre in eine Sackgasse, an deren Ende eine Gruppe Loons auffliegt. Der See liegt herrlich still da in dem nur durch die Wolken abgeschirmten und irgendwie sich trotzdem bemerkbar machenden Morgenlicht:




    Bald steuere ich aber auf das Ende des Sees zu (von dem ich komme) und trage ächzend das Kanu um die erwähnten Stellen. Erschöpft lasse ich mich dann zu Boden sinken und tröste mich mit ein paar Blaubeeren.
    Als ich wieder auf dem Rogen bin wird es anstrengend das Kanu in der Spur zu halten - hier gibt es ein bisschen Wind und, obwohl ich ein paar große Steine vorne reingelegt habe, bin ich immer noch zu leicht. Ich fahre ein Stückchen südlich des Flusses ans Rogenufer und lege mich auf ein mittelmäßig bequemes fleckchen in einem Blockfeld, auf meine Jacke und lasse mir, windgeschützt, die Sonne, die es inzwischen geschafft hat, durchzubrechen, auf den Bauch scheinen.




    Schon um fünf etwa kehre ich zur Rogenstuga zurück, denn, so wurde mir versichert, heute gibts Sauna! Also nutze ich die Sonnenstrahlen um mein Zelt aufzubauen und alle meine Sachen auszubreiten und zu trocknen und durchzulüften.
    Ich treffe auch ein paar andere Deutsche und unterhalte mich ein bisschen mit ihnen, bleibe dann aber doch die meiste Zeit für mich - es ist echt seltsam, nachdem man so lange allein war und nur ein paar Worte englisch gesprochen hat.
    Der Saunabesuch ist großartig und ich springe zur Abkühlung in den Rogensee und schaue mir, auf einem Baumstamm sitzend, den Sonnenuntergang an - es sieht aus als würden die Berge am Nordwestufer brennen.
    Dann bleibe ich noch recht lang wach und genieße die sternenklare Nacht...


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    Avatar von Squirrl
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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #18
    Einfach nur toll!

    Macht echt spaß, Deinen Bericht zu lesen!

    Freue mich schon auf die Fortsetzung. Top!

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    Avatar von Feurio
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    #19
    Tag 12, 14.09.:

    Rogen - Storrödtjärn


    Nachdem ich gestern mein Zelt und alle anderen Sachen so schön getrocknet habe, wache ich heute mit einem frisch nassgeregnetem Zelt auf. Egal, ich hoffe heute einen schönen Blick über das ganze Rogengebiet zu erhaschen, der Gipfel, den man auf dem Weg nach Storrödtjärn besteigt, soll ein phantastisches Panorama bieten. Schnell zusammengepackt und ausführlich verabschiedet von den sympathischen Wirtsleuten gehe ich los. Bald fängt es an zu nieseln, ich ziehe meine Regenjacke über und marschiere geschwind weiter.
    Es geht bergauf. Und es wird nässer und kälter. Da packe ich dann doch noch meine eigens für diese Tour angeschaffte Regenhose aus und ziehe sie mir über. Derart gegen Nässe, Wind und Kälte abgeschirmt schreite ich voran.
    Der Gipfel ist in dichte Wolken gehüllt und mir schlägt die Feuchtigkeit geradezu ins Gesicht. Der beste Ausblick zurück ist daher dieser vom Fuß des Berges:




    Naja. Aber bei dem guten Wetter, das ich hatte, ist das leicht zu verschmerzen. Ich kann nicht gerade sagen, dass ich den Weg genieße- die Kälte spürt man, sobald man stehenbleibt; und meine sorgfältig im Saunavorraum über zwei Tage getrockneten Schuhe sind wieder durch und durch nass. So eingepackt gehe ich zügig und ohne Pausen vier Stunden lang, bis mir der Rucksack unbequem wird und ich ziemlich erschöpft bin. Endlich komme ich an dem kleinen Shelter am Südende des Rogen an, wo ich mich halbwegs in den Windschatten setzen kann und mir eine Suppe koche.
    Danach spaziere ich nicht mehr lange bis zur Storrödtjärnstuga, unterhalte mich mit dem Wirt, der gerade putzt, weil er ein paar Tage später dichtmacht, und gehe noch eine halbe Stunde weiter Richtung Grövelsjön damit ich morgen nicht die vollen 28 oder 29 km latschen muss.
    Der Blick zurück auf die steinige Ebene um die Hütte:




    Aber auch vor mir wird es ... sehr steinig!




    So stolpere ich noch ein bisschen weiter, bis ich schließlich am Sjusjön (ich glaube so heißt der See), 3 km von der Hütte entfernt, ankomme. Weil ich noch etwas Zeit habe, besteige ich gleich noch den Berg westlich davon und genieße den für den Moment freien Blick zum Hävlingsjön und den Bergen dahinter. MOrgen gehe überquere ich den See ein ganzes Stück südlicher. Von hier kann man einen herrlichen Blick auf das umliegende Fjäll genießen und immer wieder reißen die Wolken auf und ich sehe ein paar Gipfel in Abendsonne getaucht.
    Am See unten bietet sich ein schöner Abendhimmel:




    Ich lese noch, bevor ich mich hinlege und schließe gedanklich allmählich mit meiner Tour ab, schließlich ist das meine letzte Nacht in der Wildnis. Leider hatte ich insgesamt in der zweiten Hälfte der Tour, mit Ausnahme der Momente auf der Insel, nicht mehr ganz so intensive Erlebnisse, seltener das berauschende Gefühl von endloser Stille und Weite. Schuld daran war in meinen Augen, dass mich die "planerischen" Überlegungen bezüglich des Weges, des Spiritus- und Brotnachschubs sowie des Finanziellen, was meine Heimfahrt anbelangt (ich wusste nicht, wieviel der Bus nach Mora kostet) und des Organisatorischen bezüglich der Busfahrt (ich habe einem Fahrplan im Internet entnommen, dass der Bus um 6:45 fährt und meine Zugverbindungen und letztlich auch mein Flug waren von der Gültigkeit dieses Fahrplans abhängig. Im Laufe der zweiten Woche schien mir diese immer fragwürdiger...) immer mehr in ein planendes und rechnendes Verhältnis zu mir und der Natur gebracht haben, das mir das einfache Verweilen bei der Natur - sofern es überhaupt ganz möglich ist - äußerst erschwerten.
    Das fand ich freilich bedauernswert, aber dennoch habe ich mich auch in der zweiten Woche oft besinnen können und habe in jedem Fall eine großartige Naturlandschaft zu Gesicht bekommen und fühle mich durch und durch entspannt.
    Diese Überlegungen schildere ich, weil ich mir vorstellen kann, dass es jemandem ähnlich geht und dass es dann für die eigene psychologische Vorbereitung interessant sein kann - naja.
    schöne Grüße, bald kommt der Schluss.

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    AW: [SE] Südlicher Kungsleden Herbst 2010, Storlien-Grövelsjön

    #20
    Tag 13, 15.09.:

    Storrödtjärn - Grövelsjön



    Die letzte Etappe! Und wer sagts denn, Sonnenschein! Zwar ist es wegen dem Wind recht kühl, aber man kann einen herrlichen Weitblick genießen.
    Der Weg windet sich zunächst in ein kleines Waldstück über Blockfelder, dann geht es einfacher bergab zum Hävlingsjön. Diesen überquert man und der Weg wird immer breiter, er steigt langsam wieder über die Baumgrenze und mit dem klaren Wetter hat man einen herrlichen Rundumblick:

    Nach Norden:




    Nach Süden:




    Weil der Wind doch garstig kalt macht, beschließe ich, schnell in einer kleinen Rasthütte Zuflucht zu suchen. Dann ärgere ich mich aber, dass ich auch nur ein paar Minuten meines letzten Tages hier drinnen vergeude und setze mich halbwegs windabgewandt vor die Hütte und schaue in die Ferne.
    Was ist das? Ein Stückchen von mir entfernt sehe ich eine Gruppe von ca. 15 Menschen! Das sind die ersten Wanderer seit zwei Tagen, gefühlt sogar seit fünf oder mehr. Zum Glück ziehen sie etwas entfernt vorbei und ich wandere die letzten Meter meiner Kungsledentour alleine weiter - kein Mensch weit und breit in Sicht!
    Schließlich erreiche ich eine Art Sattel, von dem aus ich schon das Tal sehe, in dem Grövelsjön liegt:




    Ein letztes Mal lasse ich den Blick zurückschweifen und gehe dann bergab. Bald sehe ich die große Fjällstation mit dem geteerten Vorplatz und der Straße. Im Gebüsch stehen auch ein paar andere Zelte, ich frage aber zuerst an der Rezeption des Fjäll-Hotels, wann der Bus fährt, und wieviel er kostet. 6:45, 126 SEK. Puh! Das freut mich sehr, so habe ich noch fast 200 SEK übrig, um mir davon ein Abendessen zu kaufen. Ich spare aber lieber beim Essen und nehme stattdessen ein Andenkens-Tshirt. So sitze ich dann im Zelt und esse Baked Beans und lese mein zweites Buch, zur Hälfte im Schlafsack, weil es wirklich kalt ist.
    Ein bisschen beobachte ich noch den Nachthimmel, schlafe aber dann bald ein, weil ich erledigt bin von der Etappe, und weil ich morgen um halb sechs aufstehen will um in Ruhe zu frühstücken.




    Abreise, 16.09.:

    Hierzu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen: Ich frühstücke gemütlich und packe meine Sachen zusammen und gerade als ich fertig bin und denke ich habe noch ewig Zeit und lese am besten noch in der Wartehalle der Fjällstation, kommt der Bus bereits an. Oha! aber kein Problem, ich bezahle mein Ticket und setze mich auf den weichen Sitz und schlafe ein. Dann schaue ich ziemlich lange aus dem Fenster, staune über die schwedischen Häuser, deren "Garten" aus Wald besteht, über Rentiere auf der Straße und freue mich über Schulkinder im Bus. Dann schlafe ich wieder und nach insgesamt dreieinhalb Stunden Fahrt ist Mora station (10:10 Uhr) erreicht. Von dort nach Borlänge, von dort nach Arlanda Central. Wieder sitze ich irgendwo und lese, unterhalte mich mehr als eine Stunde über dies und das mit einem freundlichen Verkäufer und fliege schließlich nach Hause.




    So, das wars! Wenn ihr noch Fragen habt, dann fragt - ich hoffe es hat euch gefallen!
    Für mich war diese Tour phantastisch und ich werde garantiert zurückkommen ins Fjäll, so bald wie möglich.
    In diesem Sinne,
    schöne Grüße.
    Geändert von Feurio (23.11.2010 um 14:25 Uhr)

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