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  1. Alter Hase
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    [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Paring, Capatinii und Fagaras

    #1
    Mitreisende: volx-wolf
    Land: Rumänien
    Reisezeit: Juli/August 2010
    Region/Kontinent: Südeuropa

    edit: Wer sich den Reisebericht lieber ausdruckt, der sei darauf hingewiesen, dass bei www.karpatenwilli.com der Reisebericht als pdf hochgeladen ist.

    Nach vielen Reisen schreibe ich nun zum ersten Mal einen Reisebericht.
    Ich hoffe er gefällt - für kreative und konstruktive Kritik bin ich offen.

    Anfahrt
    Am 22. Juli diesen Jahres war es endlich wieder soweit: Auf in die Karpaten.
    Nachdem ich in den letzten beiden Jahren wegen Kindern und Arbeit nicht nach Rumänien gefahren bin, konnte ich mir nun 16 Tage arbeits- und kinderfrei aushandeln. Auf dieser siebten Tour ins für mich „heilige Land“ konnte ich meinen Bruder W. mit seinen holden 16 Jahren vom Computer weglocken und meinen Freund C. (24) vom Doppelkopf-Stammtisch überreden, mitzufahren.

    Erstes Ziel in diesem Jahr war die Stadt Petrosani, von wo aus wir in das Paring-Gebirge wollten, eines der alpineren Karpatengebirge, allerdings nicht sehr groß. Von dort aus wollten wir in das Capatinii-Gebirge überwechseln und dann, soweit noch Zeit ist, zum Fagaras weiterziehen.

    Karten für den Fagaras hatte ich noch vom Dimap-Verlag und für das Paring ließ ich sie mir zuschicken. Um dann allerdings festzustellen, dass sie nur die Gegend zwischen Petrosani und der gebirgsquerenden Straße Transalpina umfasst. Für das Capatinii scheinen keine Karten mehr käuflich erwerbbar zu sein. Nach längerer Recherche fand ich jemand, der sich die Mühe gemacht hat, alle Karten, die anno-dazu-mal in der Reihe „Muntii nostri“ erschienen sind, hochauflösend einzuscannen.
    Im CopyShop druckten wir nun diese Scans sowohl für das Paring als auch das Capatinii-Gebirge in der Größe A1 sowie bunt und in Farbe aus und ließen sie mit 25µ-starker Folie laminieren. Zum Glück besitze ich einen 80l-Rucksack, in dem die eingerollten Karten neben dem 3-Mann-Zelt einen wunderbar geschützten Platz fanden.
    Für das Paring-Gebirge hatten wir nun zwei Karten dabei: Eine aktuelle und eine ~25-jährige, dafür hatte letztere den Vorteil, dass sie die Umgebung bis Curmatura Oltetului umfasst, von wo aus dann die Capatinii-Karte anschloss. Genauso wenig aktuell, dafür aber immerhin überhaupt etwas in den Händen. Leider wurde damals vergessen, eine Maßstabsangabe aufzudrucken.

    Die Fahrt war ganz traditionell mit der guten alten Eisenbahn, doch nun in der Luxusvariante „Schlafwagen“. Keine durchwachten Nächte mehr im Sitzwagen, keine Kamikaze-Fahrer von der Mitfahrgelegenheit und erst recht nicht tagelanges Daumenkühlen an der Autobahn.


    Im Schlafwagen nach Rumänien


    Nach München ging es schnell und zügig mit dem ICE, dort stiegen wir dann in den Schlafwagen nach Bukarest, den wir etwa 17 Stunden später in Simeria wieder verließen. Da wir einiges an Verspätung hatten, konnten wir auch hier erst einen späteren Zug nehmen, so dass wir erst gegen halb elf in Petrosani eintrafen.


    Was wollte uns der Schriftkünstler hiermit sagen???



    Transit durch Ungarn ... es ist immer noch flach wie ein Holzbrett



    Rumänien aus dem Zugfenster



    Erste Berge!


    Diese Stadt haben wir ohne viel Federlesens schnell wieder verlassen: Der erste Taxifahrer, den wir fragten, bot an, uns für 10,-€ zum Hotel Rusu zu bringen. Dankbar nahmen wir an und schon ging es bergauf und hinein in das Paring. Gegen 23:00 Uhr erreichen wir das Hotel Rusu. Ab hier gilt offiziell dann ein Fahrverbot für Autos und der Weg bergauf ist nur mehr ein Feldweg. Da wir nicht im Hotel nächtigen wollen, aber auch nicht direkt davor unser Zelt aufschlagen wollen, ziehen wir los: Bergan in Richtung Cabana I.E.F.S

    Es ist klarer Sternenhimmel, der Vollmond scheint und Thymian & Oregano duften. Die Wegzeichen sind sofort gefunden – endlich wieder auf dem roten Band unterwegs! Ganz klassisch rumänisch geht der Wanderweg auch den kürzesten, d.h. steilsten Weg: Immer unter der Seilbahn entlang. Nach einer Stunden sind stehen wir dann kurz vor der Siedlung, die inzwischen um die Cabana entstanden ist, und stellen das Zelt auf.

    1. Tag

    Morgens als wir aus dem Zelt klettern, geniessen wir den Ausblick und das Frühstück, dass uns von nun an die nächsten 16 Tage begleiten wird: Milchpulver, Schokomüsli und Kaffee bzw. wahlweise Tee. Ebenso wie auch die folgenden Urlaubstage bereite ich das Frühstück vor, bevor ich die beiden Jungspunde aus den Schlafsäcken bekommen.


    Erster Morgen im Paring


    Frühstücken, Zelt einpacken und dann starten wir zum Paringul Mare, mit 2519 m der höchste Berg des Paring und der dritthöchste Berg Rumäniens. In der Cabana I.E.F.S lassen wir uns noch einmal die Wasserflaschen nachfüllen, dann steigen wir weiter ins Gebirge hinauf.

    Leider macht sich nun die Fußsohle meines Bruders bemerkbar, die er sich zwei Tage vorher am Sprungbrett im Freibad aufgeschnitten hat. Nicht tief, dafür aber die komplette Länge zwischen Zehballen und Ferse. Die nächsten drei Tage wird es mit Wunddesinfektionsspay sauber gehalten und mit einer Kompresse und sowie Tape abgedeckt. Tatsächlich verheilt es dann irgendwann. Leider verdirbt es W. damit aber doch etwas die Freude am Wandern.

    Der Kollege vom Doko-Stammtisch bemerkt nach einigen hundert Höhenmetern, dass sein Rucksack nicht richtig sitzt. Wir packen um, wir stellen im die Nackengurte enger. Nichts hilft so richtig, es zieht immer mehr im Nacken und schnürt ihm dann irgendwann auch die Schulterblätter ab.
    Erst bei diesem Hinweis komme ich darauf, dass er vielleicht seinen Tragegurt lockern sollte, wenn der Rucksack so stramm sitzt. Dies ginge nicht, die hat er doch festgenäht. … Gut, so wird die die Näharbeit wieder rückgängig gemacht und danach ist der Tragekomfort doch um einiges höher.
    Warum er diesen Tipp, den es irgendwo im Internet oder bei seinen Buni-Freunden gab, anwendete, ist mir bis heute ein Rätsel. Aber so waren wir um eine Erfahrung reicher: Nähe niemals Deine Rucksacktrageriemen fest!
    Dass das Tragesystem eines von Miltec nachgebauten Armeerucksacks nicht wirklich komfortabel ist, begleitet uns aber noch den gesamten Urlaub.

    So schufteten wir uns an diesem Tag erst den Cirja (2405 m) hoch, bevor es weiter zum Paring Mare geht. Es ist nun doch schon später am Tage, als eingeplant. Aber die Gesamtfitness der Gruppe kann halt, wenn man nicht in einer Gegend wohnt und vorher nicht gemeinsam unterwegs gewesen ist, erst „on tour“ getestet werden. Kurz vor dem Cirja in der Nähe der Schutzhütte gibt es Mittagessen: Knäckebrot und Speck. Eine Kombination, die sich gut bewährt hat.


    Auf dem Weg zum Paringul Mare


    Ab diesem Zeitpunkt zieht es leider immer mehr zu und in der Ferne ist auch erstes Gewittergrollen zu hören. So treibe ich meine Wanderkollegen etwas an, da ich keine Lust habe, ein Gewitter-Notbiwak irgendwo auf dem Berg zu machen, sondern gerne noch bis zum Lacul Mindra unterhalb und etwas nord-westlich des Paring Mare kommen möchte. Beliebt mache ich ich damit aber nicht unbedingt.


    Blick zurück


    Irgendwann stehen wir dann tatsächlich auf dem Berg, geniessen Bananenchips und die Aussicht, soweit es im aufwallenden Nebel möglich ist, bevor es im Eiltempo bergab geht.


    Auf dem Paringul Mare


    Am Sattel Gruiu ist dann aber endgültig die Puste raus. Den Abstieg von 200m zum See verweigern die beiden Wanderkumpanen, insbesondere da auf dem Sattel schon eine Zeltstelle hergerichtet ist. Mein Hinweis auf die exponierte Lage bei dem aufziehenden Gewitter kommt leider wegen der müden Beine und schmerzenden Füsse kein Gehör.

    So erbarme ich mich und steige allein zum See, um Wasser für das Abendessen zu holen. Bei der Gelegenheit wasche ich mich nach der langen Zugfahrt und dem ersten Wandertag ausführlich und horche dabei auf das Donnergrummeln. Oben am Sattel wieder angekommen wird noch Abendessen gekocht, ein paar Runden Skat gespielt und Tee getrunken, danach geht es ins Bett. Zwischenzeitlich begrüßen wir noch zwei andere Wandersleut, die aber noch zum See absteigen.


    Still ruht der See ... Lacul Mindra



    Blick vom Lacul Mindra hinauf zum Sattel Gruiul


    Pünktlich zum Einschlafen legt auch das Gewitter los. Etwa zwei Stunden später gegen 23:00 Uhr halten wir es im Zelt nicht mehr aus. Mittlerweile ist es mehrmals nur einige hunder Meter entfernt in den Paringul Mare eingeschlagen, ebenso in den See unterhalb. Das drei Meter neben unserem Zelt ein eiserner Wegweiser steht, gibt uns auch nicht gerade mehr Sicherheit. Vor lauter Elektrizität in der Luft stehen die Haare zu Berge.

    So ziehen wir die Regensachen an und steigen im strömenden Regen, bei kräftigen Gewitterblitzen und Donnergrollen die 200m zum See hinab. Leider habe wir nur eine Taschenlampe im Durcheinander gefunden, so dass der Abstieg etwas länger dauert. Unten angekommen kriechen wir unter die großen Steinbrocken, die durch andere Wetter- und Witterungsereignisse en masse im Tal liegen.
    Nach einiger Zeit beginnt W. allerdings aufgrund fehlener Unterbekleidung zu zittern und zu bibern. So klopfe bei den beiden Wandersleut am Zelt an und bitte für ihn um Obdach. Sie rutschen in ihrer Dackelhütte zusammen, geben ihm trockene Kleidung und Unterkunft. C. Und ich ziehen uns wieder unter die Steine zurück. Gegen zwei Uhr sind auch wir dann endgültig durchgeweicht und -gefroren. Das Gewitter ist inzwischen etwas weitergezogen, aber immer noch beeindrucken uns die Blitze und das Donnergrollen runterherum. So holen wir W. aus dem Zelt der beiden rumänischen Ungarn und erhalten zusammen mit ihm noch 300 ml von Opas gutem Selbstgebrannten. Die anderen 200 ml sind schon die Kehlen der drei heruntergflossen, um aufzuwärmen und aufzulockern. Den Gesprächen und Gelächter, das aus dem Zelt erschall, waren die drei aber durchaus gut vergnügt. Nun steigen wir wieder zu unserem Zelt auf und verkriechen uns in unsere Schlafsäcke.

    Leider zeigt sich nun, das auch klitzekleine Senken bei Gewittergüssen mit Wasser volllaufen können. Doch zum Glück gibt es außer etwas feuchten Thermarest-Matten, da das Wasser zwischen Unterplane und Zeltboden gelaufen ist, keinen nennenswerten Wasserschäden. Dafür aber ausreichend Schlamm im Vorzelt. Doch das ist uns in diesem Moment erst einmal egal. Eingerollt, auf den Donner gelauscht und eingeschlafen...


    OT: Weiter geht es, sobald ich wieder Zeit finde
    Geändert von November (06.11.2011 um 20:16 Uhr)

    Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen,
    daß wir unsere Gedanken kontrollieren können. (C.R. Darwin)

  2. Gesperrt Dauerbesucher

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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #2
    ja sehr schön. Weiter als bis zum Rotenrurmpass bin ich nie gekommen, da les ich gerne was von einer mir neuen Region.

    Freu mich schon auf den nächsten Teil.

  3. Dauerbesucher
    Avatar von Zz
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #3
    Danke, da werden Erinnerungen wach, an die Karpaten/Paring und die Gewitter .
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

  4. Erfahren
    Avatar von Dustin
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #4
    Wunderbarer Reisebericht.
    Will mehr

  5. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Paring, Capatainii und Fagaras

    #5
    OT: Vielen Dank für die Blumen. Dann gebe ich hier einmal die nächsten beiden Tage wieder.


    2. Tag
    Morgens sieht die Welt wieder in Ordnung aus. W. wird allerdings noch 2 Tage brauchen, um den Gewitter-Schock zu verarbeiten.


    Morgendlicher Ausblick: Ach wie schön ist Panama Rumänien



    Morgendlicher Ausblick II


    Während C. noch einmal zum See hinabsteigt, um Trinkwasser zu holen, sich zu waschen und den beiden Ungarn die ausgeliehenen Dinge (außer Opas Bestem, der uns noch bis in den Fagaras begleiten wird) zurückzubringen, b(e)reiten wir beiden anderen Matten und Schlafsäcke zum Trocken aus und das Frühstück vor. Nach Schokomüsli und Kaffee wir das Zelt abgebaut, ein letztes Winken in das Tal und weiter geht es.


    Morgendlicher Blick auf den Lacul Mindra.
    (Der rote Fleck ist das Zelt der beiden nächtlichen Helfer)


    Das heutige Tagesziel ist kürzer gesteckt, da wir zum einen von der dritten kurzen Nacht in Folge nun doch etwas müde sind. Auch der starke Aufstieg des Vortages fordert seinen Tribut. Die Wettervorhersage ist zudem auch nicht die beste. Bis ins Tal des Lacul Cilcescu soll es gehen.

    Pünktlich zum Aufbruch zieht dann auch der Nebel auf. Die erste Zeit reißt es immer noch einmal auf. Doch bald laufen wir kontinuierlich in der dicken Suppe und die Aussicht beschränkt sich auf wenige Meter. Irgendwann setzt dann auch ein Nieselregen ein, der bis abends anhält.


    Berge im Nebel I


    Aber auch wenn das Wetter nicht so mitspielt, wie wir es uns bei der Planung erträumten - es ist wunderbar wieder unterwegs zu sein. Das Laufen tut gut, abseits jeglichen Alltags- und Arbeitsstresses. Ruhe herrscht! Und sobald der Wolkennebel nur ein wenig Sicht erlaubt, sehen wir, in welch wunderbaren Landschaft wir unterwegs sind.


    Berge im Nebel II


    Aufgrund des Nebels verlieren wir auch zweimal den Weg. Hier, hinter dem Paringul Mare, wo keine Tagestouristen mehr unterwegs sind, ist die Auszeichnung zwar noch ausreichend gut. Aber der Wanderweg hat sich zu einem kleinen Pfad verringert. Den breit ausgetretenen Weg haben wir seit gestern Nachmittag hinter uns gelassen. Ebenso wie auch die anderen Menschen. Gestern gab es noch einige Tagestouristen, zumindest bis zum Cirja. Andere Langstreckentouristen sahen wir außer abends nicht. Heute begegnen unsnur zwei Hirten.

    Kurze Tagesstrecke und wenig Verweilpausen, da es im kühl-feuchten Nebel bei geringer Aussicht wenig verlockend ist zu Rasten. So erreichen wir schon gegen 16:00 Uhr unser Tagesziel, den Sattel Piatra Taiata, wo wir den Kammweg verlassen und ins Tal hinabsteigen.


    Blick zum Sattel Piatra Taiata


    Wir steigen nicht weit in das Tal hinab, sondern bleiben auf Höhe der beiden kleinen, unbenannten Seen. Da die Gegend ziemlich morastig ist, braucht es eine Zeit, bis wir einen Rastplatz finden. Doch dann drohnen wir, einer Burg gleich auf einer kleinen Anhöhe zwischen den Seen.


    My home is my castle



    Lacul Cilcescu


    Angenehmerweise beschließt der Regen sich für den Abend zurückzuziehen, so dass wir das Zelt in Ruhe aufbauen können. Und so können wir den Abend in Ruhe und zumindest ohne Feuchtigkeit von oben genießen. Nachts plattert es allerdings wieder kräftig.
    Der Abend geht mit Zeltaufbau, ausruhen, essen, einigen Skatrunden und zeitigem zu Bett-Gehen schnell herum.


    3. Tag
    Der Morgen ist glücklicherweise wieder regenfrei, wenn auch noch immer bewölkt. Aber so können wir wenigstens die Aussicht in diesem wunderschönen, menschenverlassenem Tal beim morgendlichen Müsli geniessen.


    Der Autor beim morgendlichen Kaffee & Müsli


    Währenddessen laufen unterhalb unsere Anhöhe drei Tagestouristen vorbei und beginnen mit dem Aufstieg zum Sattel Piatra Taiata. Etwa anderthalb Stunden, nachdem wir gepackt haben und selbst wieder auf den Sattel gestiegen sind, kommen die drei uns aus Richtung der Transalpina entgegen. Diese Straße wollen wir heute erreichen und - je nach Wetterlage - queren, um ins Capatanii-Gebirge zu gelangen oder ihr folgend in das Skiresort Rinca abzusteigen.
    Die drei Rumänen verblüffen uns nun gleich zweimal.
    Zum einen Fragen sie uns, ob wir eine Karte der Gegend besitzen, in die sie gerne einen Blick werfen wollen. Eigentlich wollten sie zum Paringul Mare wandern, hatten aber den Eindruck, dem roten Band in die falsche Richtung gefolgt zu sein. Diese Frage ist schnell beantwortet: JA!
    Wie, bitte, kann man ohne Karte aufbrechen? Aber es werden nicht die einzigen sein, die uns in diesem Urlaub um einen Blich auf unsere Karten bitten werden.

    Zum anderen fängt der eine nun an, einen unteren Teil seines T-Shirts abzuschneiden. Was bitte schön wird das denn? Die Erklärung wird schnell gegeben: Er hat ein schmerzendes Knie und möchte sich aus dem T-Shirtstreifen einen Stützverband binden. Über unsere Elastikbinde freut er sich sehr, bietet sie seinem schmerzendem Knie doch mehr Halt. Nun muß er allerdings bauchfrei durch das Gebirge laufen. Außer einer Windjacke hat er nicht mehr Bekleidung dabei.

    Sicherlich nicht sehr angenehm, denn inzwischen ist es wieder zugezogen und der Nieselregen hat wieder eingesetzt. Wir lassen sie auf dem Sattel zurück, wandern weiter und haben sie wegen des Nebels bald aus den Augen verloren. Hoffentlich haben sie sich entschieden, wieder abzusteigen und auf den Paringul Mare zu verzichten.


    Rückblick ins Tal - auf der Anhöhe mittig im Bild haben wir gezeltet


    Für uns wird der Tag auch immer ungemütlicher. Der Regen setzt kaum noch aus, dafür bekommen wir auch noch Wind. Die als grandios beschriebene Aussicht auf dem Satea Mare (2365 m) entfällt: Die 10 m kommen nicht in die Wertung.


    Der Nebel vor dem Regen danach


    Am frühen Nachmittag erreichen wir die Transalpina. Inzwischen strömt der Regen und so entscheiden wir uns, nach Rinca abzusteigen. Erst einmal geht es aber noch einmal bergauf zu Urdele (2228 m), danach stetig bergab. Mitterweile sind wir auch durchgeweicht. Die Schuhe haben die Wasserdichtigkeit durch das stundenlange Laufen im nassen Gras schon länger aufgegeben.

    Wegen des strömenden Regens packe ich die Kamera auch nicht mehr aus. Zu sehen gibt es sowieso wenig. Im Regen wird das Gehen auch zur meditativen Angelegenheit, bei der sich jeder in sich selbst zurückzieht und wir so vor uns hin trotten.

    Unsere Hoffnung, auf der Straße eine Mitfahrgelegenheit zu finden, zerschlägt sich mit der Zeit. Es gibt zwar einigen Verkehr, doch der besteht vorrangig aus Baustellen-LKWs. Die Transaplina wird asphaltiert. Nur noch wenige hundert Meter sind Schotterstraße. Die Bilder, die wir uns vorab bei Google Earth anschauten sind, obwohl nur ein oder zwei Jahre alt, kräftig überholt.

    Als wir Rinca dann erreichen, wissen wir auch, warum so wenig sonstiger Verkehr unterwegs war: Die Straße war wegen der Bauarbeiten (eigentlich) gesperrt.

    Auch Rinca hat sich gegenüber den Erwartungen, die ich aufgrund der Karte aus den 80ern hatte, deutlich vergrößert. Es sind viele, viele Neubauten entstanden, anscheinend wurde/wird Rinca zum Wintersportort entwickelt.

    Wir sind klatternass und müde. Die letzten Stunden sind wir sehr zügig und fast ohne Pause gewandert. So stoppen wir am ersten Hotel am Dorfeingang. Nagelneu gebaut und den Eindruck erweckend, dass wir es uns eigentlich nicht leisten möchten. So gehe ich erst einmal alleine ins Hotel. Um die Lage zu checken und die Inhaber nicht sofort zu erschrecken.
    Ein älterer Herr empfängt mich, der gebrochen Englisch spricht. Ich frage nach einem Zimmer für drei Leute.
    Er zweigt mir ein Doppelzimmer: Alles funkelt noch wie frisch ausgepackt, es gibt Dusche, heißes Wasser, Heizung und TV. Das Zimmer soll 100 Lei pro Nacht (~ 25,-€) kosten.
    Pro Person?
    Nein, insgesamt.

    Als ich noch einmal nach einem Zimmer für drei Menschen frage, möchte er wissen, wie alt wir denn sind. Zwei Erwachsene und ein Teenager. Ja, dann könnten wir doch auch zu drittt in dem Doppelbet schlafen, in dem wir uns z.B. für quer hinein legen.
    Für 100 Lei?
    Ja!
    Abgemacht!

    Als wir dann zu dritt ins das Hotel stampfen, werden wir trotz, dass wir vor Wasser und Schlamm triefen und de "Teenager" sich als ein nicht gerade kleiner und/oder hagerer Kerl entpuppt, freundlichst empfangen.
    Regenjacken, -hosen und Überzüge werden in den Heizungskeller zum trocknen gebracht. Die Schuhe mögen wir aber bitte an der Eingangstür ausziehen, zum Zimmer tragen und dort, ebenso wie die Rucksäcke auf dem Balkon lagern.

    Es ist wunderbar. Dieser freundliche Empfang, das warme Zimmer und die nun folgende heiße Dusche. Danach werden unsere feuchten Sachen im Zimmer drappiert, damit sie wieder trocknen.
    Leider waren meine Hinweise beim Packen, dass alles im Rucksack nochmals in Plastiktüten verpackt werden soll, nicht richtig angekommen („Ja, aber der Schlafsack hat doch schon eine Hülle“ - dito für Matte und diverses Klamotten), so dass es einiges zu trocknen gibt.

    Anschließend geht es ins hauseigene Restaurant. Außer uns ist nur noch eine Familie mit zwei kleinen Kindern im Hotel anwesend. Ob sie nun aber Gäste sind oder zur Besitzerfamilie gehören, erschließt sich uns nicht ganz.

    Frittierte Kartoffelspalten, Schnitzel, Krautsalat und Bier – frisch, kräftigend und es ist kein Essen aus der Tüte. Wir sind's zufrieden und zahlen dafür auch 90,- Lei. Irgendwie müssen wir den Zimmerpreis ja wieder ausgleichen.


    Auf dem Zimmer gibt es dann den obligatorischen Abendskat, diesmal mit Beschallung durch rumänische und ukrainische Musiksender.

    Schlafen!
    (Der "Teenager" w. muß allerdings im Schlafsack auf den Boden
    Geändert von volx-wolf (24.09.2010 um 09:55 Uhr)

    Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen,
    daß wir unsere Gedanken kontrollieren können. (C.R. Darwin)

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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #6
    Leider waren all die Karten von Rumänien Gold - STAUB und ich kann Deinen Reisen nur noch in meinem Kopf folgen, danke!

  7. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Paring, Capatinii und Fagaras

    #7
    Wenn Du meine Route auf der Karte verfolgen willst, so wirf doch einmal die Google Bildersuche mit dem Stichwort "Paring" bzw. "Capatinii"/"Capatanii" an. Das dürften auch in etwa die Karten sein, die Du damals hattest (z.B. die Karten bei Landstreicher).
    Und dann sind wir immer dem Roten Band gefolgt.
    Zumindest war es der Plan, bis wir in das Capatinii kamen. Dazu aber bald mehr & ausführlich.
    Geändert von volx-wolf (24.09.2010 um 09:56 Uhr)

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  8. Neu im Forum

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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #8
    Ein schöner Bericht. Die Bilder erinnern mich an die Bergwelt der Hohen Tauern in Österreich: solche Kare und Seen gibt es auch dort. In Rumänien bin ich leider noch nicht gewesen.

    Viele liebe Grüße,

    Alex

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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #9
    Hallo volx-wolf, ich habe mal auf den Karten link geklickt und die Seilbahn gefunden, danke. Die einzige Erinnerung ist die Seilbahn....denn ich war auf dem Weg nach Petosani und die Leute hatten mir unterwegs gesagt, dann und dann fährt die letzte Bahn, die habe ich auch noch bekommen. Ich war der letzte und einzige Gast. Auf ca. der halben Strecke ruckelte die Seilbahn plötzlich und das war es dann auch, Feierabend, Stromausfall?? Die Fahrt war zu Ende und ich richtete mich auch schon auf eine Nacht in der Höhe ein, neben mir saß mein Rucksack. Zum Glück ging es irgendwann weiter und ich weiß nicht mehr, wo ich am Erdboden geschlafen habe.
    Wanderkarten hatte ich keine, dafür die mündliche Ermunterung von drei Rumänen am Lacul Cindrel. Ich bin von Platinis übers Cindrel, Lotru, Paring einfach geradeaus nach Petrosani gelaufen. Den Weg habe ich mir ganz genau eingeprägt. Später hatte ich eine richtig gute Papierkarte vom Paring, wie gesagt hatte...Es gibt aber noch einige russische Blätter von anderen Ecken, falls Du mal Bedarf hast. So, ich freue mich auf das weiterlesen Deines Berichtes, Z

  10. Erfahren
    Avatar von Dustin
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #10
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  11. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #11
    OT: Danke für die aufmunternden Worte. Dann mache ich auch gerne mal weiter...

    4. Tag
    Pausetag.
    Zum einen müssen die Sachen trocknen, zum anderen regnet es draußen in Strömen. Bei so einem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür.
    Obwohl: Die rumänischen Hunde kommen gar nicht erst ins Haus.

    Wir verbringen den Tag mit ausschlafen, Skat spielen, quatschen und essen. Nebenbei erkunden wir die ukrainischen und rumänischen Musikcharts in dem wir alle sechs Musiksender hoch- und runter zappen.

    Abends geht es wieder ins hauseigene Restaurant. Da die Auswahl sowieso nur zwischen Schweine- und Geflüpgelschnitzel mit fritierten Kartoffeln und Krautsalat besteht, bestellen wir uns wieder das Gericht vom Vorabend.
    Allerdings ist heute der Hausvater nicht anwesend, so dass wir mit der Hausmutter (75 Jahre) ins Gespräch kommen. Da sie allerdings kein Englisch spricht, haben wir viel Spaß beim gegenseitigen Gesten erraten.

    Jedenfalls schließt sie uns so sehr ins Herz, dass sie für jeden von uns zwei große Eierkuchen backt und dick mit Blaubeermarmeladen bestreicht. Zudem beharrt sie darauf, dass diese ein Geschenk sind und auf keinen Fall bezahlt werden sollen.

    Kassiert wird heute von der Köchin (Tochter?) und so können wir doch ein kleines Trinkgeld loswerden. Gestern scheiterte es an dem Hausherren, der uns deutlich darauf hinwies, dass er kein Angestellter sei, sondern Besitzer des Hotels. Wir seien seine Gäste und Trinkgeld sei unangemessen. Auch gut. Heute Abend freut sich die Köchin über das kleine Zubrot. Und Oma ist sowieso begeistert von uns.

    In den Abendnachrichten, die wir im Restaurantfernseher verfolgen, sehen wir, dass es wieder einmal Überschwemmungen in Rumänien gibt. Der Wetterbericht gibt glücklicherweise aus, dass es besser werden soll. Was uns auch noch einmal bestätigt wird.

    Wir packen soweit wie es möglich ist, wollen wir am nächsten Tag doch zeitig aufbrechen, um soweit wie möglich zu kommen, bevor der nachmittägliche Regen einsetzt. Danach gibt es wieder rumänische Charts und Skat, dann geht’s ins Bett.


    5. Tag
    Wir stehen zeitig auf, packen die restlichen Dinge ein und genehmigen uns wieder einmal Schokomüsli aus dem Blechnapf. Danach verabschieden wir uns von den beiden Frauen. Die Hausmutter versichert uns noch einmal, dass der Regen aufhört, wünscht uns viel Glück und hat für jeden auch noch einen Schmatzer auf die Wange parat. So freundlich verabschiedet, geht es fröhlich beschwingt hinaus zur Tür.

    Erst einmal heißt es, wieder bis auf den Pass aufzusteigen. Je höher wir kommen, desto deutlicher wird, dass das Tief der vorhergehenden Tage noch nicht völlig aus den Bergen verschwunden ist. Wir sehen schon von unten, dass die Gipfel noch in den Wolken liegen. Mit jeden Höhenmeter nimmt auch der Wind zu. Gleichzeitig weht er aber auch die Wolken hinweg, so dass wir eine herrliche Aussicht bekommen und feststellen können, was wir zwei Tage zuvor im Regenwetter alles nicht sehen konnten.


    Neu erbaute Transalpina



    Blick zurück auf Rinca und W. beim Luft holen.
    as gelbe Haus vorne rechts war unser Hotel "Cabana Rinca".


    Wir folgen der Transalpina bis auf den Kamm. Dort zweigt dann wieder das Rote Band in Richtung Osten ab. Die Berge sind zunehmend weniger alpin, wie auch die Karte es ausgezeichnet. Das Carpatanii ist dann mit etwa 1800 bis 2000 m und geschwungenen, grünen Bergrücken eher ein Mittelgebirge. Zudem sind hier der Karte nach und auch den Bildern auf Google Earth zufolge, sehr viele Schäfer unterwegs, was breitere Pfade und Wege auf dem Kamm zur Folge hat.


    Auf, auf in Richtung Capatinii



    Blick zurück in Richtung Transalpina


    Außerdem sind nun keine große Aufstiege mehr vor uns. Jeder nächste Gipfel wird nun nicht mehr höher als der vorherrige sein. Wir kommen gut vorwärts und rechnen damit, unser anvisiertes Tagesziel, die große Schäferei Curmatura Oltetului zu erreichen.

    Unterwegs treffen wir mehrere Schäfer mit ihren Herden. Einziges Problem ist, dass uns seit dem Abschied vom Hotel vier Hunde folgen. Sie lassen sich nicht verjagen, ziehen aber die Hirtenhunde an. Zum Glück halten sie soviel Abstand zu uns, dass wir von den Hirtenhunden nicht beachtet werden und ruhig unseren Weg gehen könne. Auch rufen die Schäfer schnell die Hunde zurück.


    Blickfang Schafherde




    Was für Aussichten!



    Auf breiten Wegen läuft es sich leicht


    Im Laufe des Tages wird der Wind aber immer stärker und auch die Wolkendichte erhöht sich stark. Gegen Mittag scheint wieder starker Regen aufzuziehen, so dass wir das Außenzelt aufstellen und darin rasten. Eigentlich wollen wir darin abwettern, aber der Regen lässt auf sich warten.


    Ausblick genießen...



    ...dann senken sich Wolken auf die Häupter...



    ...und es zieht kräftig zu.






    So verpacken wir nach einer Stunde das Zelt und ziehen weiter. Der Wind ist aber mittlerweile so stark, dass wir den direkten Aufstieg auf den Micaia, der sehr steil ist und direkt an einem steilen Abhang erfolgt vermeiden wollen. Durch den Wind den Tritt zu verlieren und dann den Abhang hinunter zu segeln, ist uns doch zu riskant.

    Laut der Karte sollen der Hirtenweg später in einen anderen Weg münden, der dann wieder auf den Roten-Band-Wanderweg kommt. Soweit die Theorie. Leider liegen doch mindestens 25 Jahre zwischen Kartenentstehung und heutiger Realität. Der zweite Hirtenweg kommt und kommt nicht. Als dann klar ist, dass unsere Karte an Aktualität eingebüßt hat, steigen wir „von hinten“ auf den Micaia (2170 m). Oben ist die Sicht nun auf weniger als 5 Meter eingeschränkt und der Wind wandelt sich zum Sturm.
    Aufrecht zu gehen wird schwierig, wir müssen uns richtig in den Wind legen, um vorwärts zu kommen. Zwei Lerchen, die wir aufscheuchen, werden schon bei einer Flughöhe von 30 cm abgetrieben und verweht.

    Nach langem Suchen finden wir eine rote Markierung, aber leider keine zweite, die uns zeigt, wo der Abstieg wäre. Wir suchen und suchen. Immer entlang des steilen Abhang, der meistens eine Steilwand ist. Aber es gibt keinen Weg, der gangbar erscheint. Bis wir wieder dort stehen, von wo wir aufgestiegen sind. Also wieder zurück auf den Gipfel und eine zweiter Versuch. Der Regen, der einsetzt, macht die Suche auch nicht leichter. Auf der Karte scheint die Lösng so nahe zu liegen, hier oben im Regen und Sturm ist sie weit weg.

    Auf einen dritten Versuch verzichten wir. Vor allem W. fehlt inzwischen die Kraft, noch länger herumzustiefeln. So stiegen wir wieder auf bekanntem Wege ab.
    Hundert Höhenmeter weiter unten ist der Sturm dann wieder abgeflaut. Unten suche ich einen Weg um den Berg herum. Aber es gibt nichts, dass ich den Jungs bei diesem Wetter, um dieser Zeit und ihrer fehlenden Kraft zumuten will. Leider gibt es auch keine wirklich gerade Stelle für das Zelt und vor allen Dingen besitzen wir nur noch einen halben Liter Wasser und haben keine Quelle.

    Wir gehen in dorthin, wo wir vorher einen Hirten mit seiner Herde im Wald verschwinden sahen. Am Waldrand haben sie meistens ihre Nachtpferche und Hütten. Dort wird es auf jeden Fall Wasser geben und vielleicht auch eine gerade Stelle zum Zelten. Ich brüte noch einmal über der Karte, dann sehe ich eine Lösung, denn auf den Berg bekomme ich die Jungs nicht mehr: Die Hirtenhütten sind aber zur Versorgung meistens per Weg ins Tal verbunden. So frage ich die Schäfer, die gerade beim Melken sind. Tatsächlich, es gibt eine Weg hinunter, der dann auf den Weg nach Malaia führt. Die Hüttenumgebung ist allerdings so von achselhohem Ampfer umwuchert und durch den Regen und die Schafe sehr verschlammt und zugesch..., dass wir beschliessen, hinabzusteigen und uns weiter unten einen Schlafplatz zu suchen.

    Die Entscheidung, eine Etappe säter noch einmal in das Capatinii aufzusteigen oder aber schon in den Fagaras weiterzuziehen, wird auf den nächsten Tag verschoben. Nun gibt es auch etliche Quellen, so dass wir uns satt trinken können und auch gleich noch einen späten Nachmittagssnack zu uns nehmen.

    Unterhalb der Hütte ist wieder einmal Kahlschlaggegen. So etwas habe ich schon verschiedenen Gebirgen in Rumänien gesehen. Die jährlichen zwei bis drei größeren Überschwemmungen wundern mich nicht. Ich frage mich nur, wieviel Tote es noch geben muß, bis die rumänische Regierung vernünftige Abholz- und Nachpflanzungenregelungen erläßt bzw. diese entsprechend umsetzt und kontrolliert.

    Wir rutschen den Weg hinunter, der nun zum Holzrücken dient und mehr als knöchelhoch aus Schlamm besteht. Dreimal furten wir auf unserem Weg hinab den gleichen Bach. Er ist zum Glück nicht tiefer als einen halben Meter, aber aufgrund des Regens sehr, sehr schnell. Wir finden aber immer Stellen, an denen wir uns Trittsteine legen können, so dass wir ohne nasse Hosen hinüber kommen.


    Auf schlammigen Wegen bergab


    Gegen 19:00 Uhr erreichen wir dann den Forstweg im Tal am westlichen Ende des Lacul Petrimanu. Neben den Holzstapeln machen wir ein kurze Verschnaufpause. In diesem Moment kommt ein großer leerer Holztransporter daher. Wir nutzen die Chance und fragen, ob er denn tatsächlich heute noch in Richtung Malaia fährt und er Platz für uns hätte. Die Antwort fällt positiv aus. Allerdings sollen wir uns noch drei Stunden gedulden, denn muss beladen werden.

    So entzünden wir ein Feuer und kochen Kaffee. Gegen halb elf sind dann sowohl der Transporter als auch der Hänger (über-)laden. Unsere Rucksäcke werden zwischen Verladekran und Holzstämme geklemmt, wir selbst dürfen aber in die Fahrerkabine. Der Beifahrer, C. und ich quetschen uns auf die Liege. W. darf luxuriös auf dem Beifahrersitz thronen. Damit es nicht zu sehr verschlammt, haben wir unsere Wanderstiefel ausgezogen, was aber der Fahrerkabine eine interessante Duftnote gibt.

    Der Forstweg ist ausgesprochen schmal, links geht es steil hinunter in den See, rechts sind steile Felswände. Gespannt warten wir, wie der große LKW samt Anhänger diesen Weg fahren will. Bis zu dem Zeitpunkt, wo sich Fahrer und Beifahrer mehrmals und kräftig bekreuzigen, waren wir noch relaxed, denn immerhin fahren sie den Weg täglich. Nun schlucken wir doch.

    Dann geht es los – im Schritttempo. Immer wieder schiebt sich die Fahrerkabine weit über den Abgrund hinaus, damit der Bogen für die nächste Rechtskurve weit genug ist, damit auch der Anhänger folgen kann. Zudem ist es seit einer Stunde auch schon stockdunkel und es nieselt noch immer. Die vielen, nicht gerade kleinen, Schlaglöcher bringen den Transporter zusätzlich immer wieder kräftig ins schaukeln. Die Schwingungen sind beeindruckend. Während für uns dies Aufregung ausreichend ist, schaltet der Beifahrer die Innenbeleuchtung an, um zusammen mit dem Fahrer – immer wenn er einen Blick frei hat – die Papiere für die Holzlieferungen des Tages durchzusehen.

    Glücklicherweise wird der Weg nach und nach besser. Ab der Staumauer ist er dann auch, mehr schlecht als recht, befestigt und ab Ciungetu asphaltiert.
    Als dann die kleine Straße auf die DN 7a mündet, wird gestoppt. Der Fahrer muss nach Malaia, der Beifahrer hat seinen Jeep hier stehen, denn wer wohnt in Voineasa.

    Unterkunft in Malaia? Ja, es gibt wohl Pensionen, die sind nun aber zu. Immerhin ist es schon nach Mitternacht. In Voineasa gibt es aber ein Hotel, dass uns noch aufnehmen könnte. Er würde uns auch hinfahren.
    Gut, bevor wir ein Risiko eingehen. Wir sind schrecklich müde und haben wenig Lust im Dunklen und im Nieselregen, dass Zelt noch aufbauen zu müssen.

    Es gibt ein großes Danke an den LKW-Fahrer, dann quetschen wir uns mit den Rucksäcken in den Jeep. Denn leider ist der Kofferraum schon voll. Unterwegs wird fleissig telefoniert. Dann fährt er uns tatsächlich nicht nur bis nach Voineasa sondern noch bergauf bis vor das Hotel. Damit ist es aber mit der Gastfreundschaft noch nicht zu Ende. Die Telefonate dienten dazu, die Rezeption auf unsere Ankunft vorzubereiten. Er checkt uns ein und bringt uns noch bis aufs Zimmer.

    Die Gastfreundschaft der Rumänien ist doch immer wieder überraschend. Was bringt einen Holztransporteur dazu, drei wildfremde Männer nachts durch die Gegend zu fahren, ins Hotel zu bringen und ihnen beim Einchecken zu helfen? Er geht erst wieder, als er sieht, dass wir nun vernünftig untergebracht sind. Immerhin ist es nun fast 1:00 Uhr!
    Auch das leckere Eierkuchen-Geschenk des Vortages ist so ein Beispiel.

    Der Preis beträgt nun 130,-Lei, dafür gibt es aber auch drei Betten. Das Hotel ist ein riesiger Komplex aus Ceausescu-Zeiten, seitdem wurde augenscheinlich auch nicht mehr renoviert. Es ist zwar sauber, dafür aber wirklich absolut zerschlissen. Warmes Wasser gibt es auch nicht. So duschen C. und ich eben kalt. Dann geht es schnell ins Bett - morgen ist ein neuer Tag.

    OT: So, ich gehe jetzt auch schlafen. Weiter geht's, wenn ich wieder zeit finde.
    Geändert von volx-wolf (24.09.2010 um 09:51 Uhr)

    Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen,
    daß wir unsere Gedanken kontrollieren können. (C.R. Darwin)

  12. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Paring, Capatinii und Fagaras

    #12
    Wer auf die Karte schauen will, auch zum Capatinii gibt es bei Landstreicher eine Karte: klick.
    Geändert von volx-wolf (24.09.2010 um 09:56 Uhr)

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  13. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Paring, Capatinii und Fagaras

    #13
    Noch eine Anmerkung zur Schreibweise der Gebirge:

    Es gibt sie jeweils in verschiedenen Schreibweisen:

    Căpățânii – Căpăţânei - Căpățînii

    Parîng - Parâng

    Der Laut â wird im Rumänischen aber genauso ausgesprochen wie î.
    In etwa wie eine Mischung aus ü und ie.
    Die Unterschiede in der Schreibweise liegen irgendwo tiefen Sprachhistorie (hier auf Seite 8, oder hier, allerdings wirkt es wie aus Babelfish übersetzt). Auf jeden Fall werden beide Buchstaben, insbesondere wenn man noch auf altes Kartenmaterial zurückgreift, parallel verwendet.

    Im Deutschen hat sich dadurch allerdings sowohl die Schreibweise Parang als auch Paring bzw. Capatanii und Capatinii eingebürgert.
    Wobei erstere dann zu einer falschen Aussprache des Gebirgsnamens verleidet. Deswegen habe ich nun auch, soweit möglich in meinem Beitrag alle Namen auf Paring und Capatinii abgeändert. Im Titel geht es leider nicht mehr (oder ein Mod übernimmt ?!?).
    Geändert von volx-wolf (24.09.2010 um 10:34 Uhr)

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  14. Gesperrt Dauerbesucher

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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #14
    Zitat Zitat von volx-wolf Beitrag anzeigen
    [OT]

    Unterhalb der Hütte ist wieder einmal Kahlschlaggegen. So etwas habe ich schon verschiedenen Gebirgen in Rumänien gesehen. Die jährlichen zwei bis drei größeren Überschwemmungen wundern mich nicht. Ich frage mich nur, wieviel Tote es noch geben muß, bis die rumänische Regierung vernünftige Abholz- und Nachpflanzungenregelungen erläßt bzw. diese entsprechend umsetzt und kontrolliert.
    Ja den selben scheiss machen sie auch am Lacul Pecineagu, zwischen Fagaras und muntii Iezeru-papusa.
    Ein ganzer Hang, komplett kahl.
    Und solang korrupte Geldgeile Verbrecher im Land das sagen haben wird sich das nicht ändern.

    Interessanterweise scheint sich das aber auf einige Gebiete mehr zu konzentrieren als auf andere. Die Muntii Persanii aus meinem Reiserbericht sind halbwegs davon verschont. Auch wenn im Zeidner Wald ebenfalls ein Kahlschlag gemacht wurde. Jedoch recht klein. Aber vielleicht kommts ja auch noch dort hin.

  15. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Paring, Capatinii und Fagaras

    #15
    Es waren im Capatinii noch relativ kleine Flächen. Aber mit der Zeit wird es wohl zunehmen.

    Die schlimmsten Kahlschläge, die sich über mehrere Bergrücken erstreckten, habe ich im Rodna-Gebirge gesehen.
    Geändert von volx-wolf (28.09.2010 um 23:51 Uhr)

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  16. Gesperrt Dauerbesucher

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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #16
    Zitat Zitat von volx-wolf Beitrag anzeigen
    Es waren im Capatinii noch relativ kleine Flächen. Aber mit der Zeit wird es wohl zunehmen.

    Die schlimmsten Kahlschläge, die sich über mehrere Bergrücken erstreckten, habe ich im Rodna-Gebirge gesehen.
    Und da kannste sicher sein, das sind nicht irgendwelche Bauern die ein bischen Holz fürs zum bauen und zum verkaufen abholzen. Das sind alles global operierende Multis, die ins Land strömen weil sich die korrupten Sesselfurzer gut dafür haben bezahlen lassen.

  17. AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #17
    Schöner Bericht über eine schöne Tour.
    Die schlimmsten Abholzungen die ich gesehen habe, waren in den Bergen an der Grenze zur Ukraine. Rumänien ist wirklich ein Naturschatz, fragt sich nur wie lange. Pläne für ein Atomkraftwerk in Siebenbürgen gibt es, Pläne für Autobahnen durch.....
    Auf der Transalpin war ich letztes Jahr unterwegs, allerdings bereift. Soll angeblich ein alter Römerpfad sein, der von den Deutschen im 2. Weltkrieg ausgebaut wurde.



    Dieses Jahr soll die Transalpin schon zu 50% asphaltiert sein.
    Gruß Roland

  18. Alter Hase
    Avatar von volx-wolf
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Paring, Capatinii und Fagaras

    #18
    OT: Sorry, für die lange Wartezeit. Komme leider nicht jeden Abend zum Schreiben. Vielen Dank für die Kommentare und viel Spaß beim Weiterlesen

    6. Tag
    Ich träume wunderbar von reißenden Gebirgsbächen. Laut und wild. Irgendwann erwache ich, und stelle fest, dass das wilde Rauschen aus dem Bad kommt. Als ich nachsehe, stelle ich fest, dass das heiße Wasser in Strömen läuft. Das Bad gleicht mittlerweile schon einem türkischen Hammām. In der Nacht hatten wir wohl den Heiß-Wasserhahn offen gelassen, als nicht herauskam. Nun läuft es kräftig. Ich drehe ab und lege mich wieder hin, es ist erst halb acht. Nach dem gestrigen Tag müssen wir nicht übermäßig früh aufstehen.

    Gegen acht Uhr kann ich nicht mehr schlafen. Die Gedanken, wie wir nun weitermachen wollen, kreisen mir im Kopf. Gestern Abend war Konsens, dass wir gleich in den Fagaras weiter ziehen und nicht noch einmal in das Capatinii aufsteigen.
    Hierfür sind wir mit unserem jetzigen Aufenthaltsort, Voineasa, auch etwas weit ab. Aber wie kommen wir von Voineasa nach Brezoi, wo wir Essen nachkaufen und mit dem Zug weiter in Richtung Fagaras fahren wollten?
    Sicherlich, es gibt die Straße DN 7a, die beide Orte miteinander verbindet. Aber wie oft am Tag fahren wohl Busse? Ich beschließe, erst einmal an der Rezeption nachzufragen. Es ergibt sich, dass nach 9:00 ein Bus direkt vom Hotel in Voineasa nach Brezoi fährt (unterwegs von Tirgu Jiu nach Sibiu).

    So wecke ich die beiden Jungs. Nach meiner Erzählung freut sich W. auf ein warme Dusche. Leider hat die Hotelleitung das heiße Wasser schon wieder abgestellt. Es bleibt ihm ebenfalls, nur kalt zu duschen.


    Blick vom Hotelbalkon


    Auf das Frühstück im Hotel wird verzichtet. Draußen kaufen wir uns frische Brötchen, Wurst und Coca-Cola, genießen die warme Sonne, die heute vom fast blauen Himmel scheint und essen auf einer Parkbank.

    Der Kleinbus kommt und bringt uns in anderthalb Stunden nach Brezoi. Das erwartete Dorf entpuppt sich als kleine Stadt. Aufgrund der Karte hatte ich weniger erwartet. In einem der drei Supermärkte im Ort, der das gesamte mitteleuropäische Warenprogramm führt, kaufen wir einige Brote und Brotaufstriche. Frühstück und Abendbrot für die kommende Woche haben wir noch in den Rucksäcken. In der Planung waren wir davon ausgegangen, dass es hier weniger zum Einkaufen gibt, weshalb wir ausreichend Proviant für die 14 Tage im Gebirge dabei haben wollten. Abzüglich von etwas Brot und Schmierage, die in Rumänien im noch so kleinen Dorfkonsum erhältlich ist. Nun gut, so haben wir wohl nun einige Kilogramm mehr als notwendig durch die ersten Berge geschleppt.

    Anschließend wandern wir die drei Kilometer zum Bahnhof Lotru, der der Bahnhof für Brezoi und Umgebung ist. Die Stichstrecke der Bahn nach Brezoi hinein war nie für den Personennahverkehr ausgebaut und ist mittlerweile sowieso stillgelegt.

    Das Wandern in der Mittagssonne verlangt uns einigen Schweiß ab.
    Auf dem Bahnhof erfahren wir dann, dass die Bahnauskunft der Deutschen Bahn richtig ist. Der nächste Zug in Richtung Norden mit Halt in Valea Marului, von wo aus wir in den Fagaras starten wollen, fährt erst gegen 17:00 Uhr. Zurück in den Ort möchte aber niemand von uns laufen. Die nächsten Stunden verbringen wir auf dem Bahnhof. Halten die Füße in die Sonne, quatschen und relaxen.

    Der Zug trifft pünktlich ein und bummelt anschließend gemütlich das Olttal hinauf.


    Unsere Bummelbahn das Olttal hinauf nach Valea Marului


    Kurz nach 18:00 Uhr steigen wir in Valea Marului aus.
    Vor drei Jahren war ich überrascht, nun weiß ich, dass uns hier nichts und niemand erwartet. Außer dem Streckenwärterhäuschen gibt es rundherum keine menschliche Behausung. Die Fernstraße, die durch das Olttal führt, ist jenseits des Flusses und nicht zu erreichen, da es keine Brücke gibt.

    Wir gehen den inzwischen ziemlich zugewachsenen Feldweg in Richtung Norden einige hundert Meter entlang. Dort, wo er etwas breiter ist und eine Kurve beschreibt, ist ausreichend Platz für unser Zelt. Morgen beginnt hier der direkte Aufstieg in Richtung Westen in den Fagaras. Außerdem fließt hier noch ein kleines Bächlein. Das Wasser enthält reichlich Trübstoffe, aber zum Abwaschen reicht es. Trinkwasser haben wir reichlich vom Bahnhof Lotru mitgebracht.

    Nachdem Zeltaufbau wird ein kleines Lagerfeuer entzündet, auf dem das erste Rührei aus dem Trockenei gebraten wird, dass wir dabei haben. Dazu gibt es frischen Pfefferminztee von der Minze, die am Bachlauf in Unmengen und hüfthoch wächst.


    So wird aus Trockenei auf dem Lagerfeuer Rührei


    Dann etwas Skat im Lagerfeuerschein, so haben wir einen sehr romantischen Abend am Fuße des Fagaras. Nur die Stechfliegen stören etwas, aber mit Autan lassen sie sich halbwegs abhalten.
    Das Zelt ist glücklicherweise ungezieferfrei.

    7. Tag
    Es geht hinauf. Der Aufstieg vom Bahnhalt Valea Marului hinauf in den Fagaras ist anstrengend, beginnt er doch bei etwa 360 m. Auch ist der Wanderweg nicht mehr markiert und die Dimap-Karte zeigt die Gegend nur bis zu einem Punkt, der weiter östlich liegt (am Abzeig vom Kamm nach Turnu Rosu), als bis dahin, wo wir heute gehen wollen.

    Zum Glück kenne ich die Gegend noch von vor drei Jahren. Damals war der Pfad etwas mehr begangen und mit orangen Plastikstreifen in den Bäumen markiert, von denen wir aber in diesem Jahr so gut wie keinen mehr finden. Wir steigen die Wiese in Richtung Westen hinauf, die gleich rechter Hand hinter unserem Zeltplatz beginnt. Erst entlang eines alten Stacheldrahtes, dann kommt man auf einen Waldweg oberhalb eines Steinbruches. Dieser führt wieder in den Wald.
    Im großen und ganzen muss eigentlich immer nur den Bergrücken bergauf gefolgt und hinaufgestiegen werden.


    Blick zurück auf den Bahnhalt Valea Marului



    Durch unwegsame Wälder.
    Links am Baum ist eine der wenigen Wegauszeichnungen


    Nach einiger Zeit kommt man aus dem Wald und über eine Wiese, die einmal das Nachtquartier für einen Schäfer mit seinen Schafen gewesen ist. Leider ist diese Fläche schon lange nicht mehr bewirtschaftet, so dass man nun durch achselhohen Ampfer und Brennessel wandern muss. Erste Brombeerranken machen sich schon bemerkbar.


    Schäfers Wiesen.
    Dies gingen sich noch problemlos und waren wegen zweier Motorrad-Crossfahrer, die vor uns unterwegs waren, leicht zu sehen



    Aufstieg über verlassene Wiesen


    Dann geht es wieder in den Wald und auf den nächsten Bergrücken. Hier im Wald gibt es eine Senke, in die hinabgestiegen werden muss.
    Wer wissen will, ob er die richtige Senke hinabgestiegen ist, schau, ob er diese wunderschönen Tulpen an den Buchen findet.


    Tulpen im Buchenwald



    Es folgt wieder ein steiler Aufstieg, dann geht es wieder hinaus aus dem Wald. Hier gibt es wieder eine verlassene Hirtenhütte, die etwas entfernt und rechter Hand des Wanderweges liegt. Nahe dabei ist eine Quelle, so dass auch für ausreichend Trinkwasser gesorgt ist.

    Gegen halb vier erreichen wir das Domizil, dass als heutige Tagesetappe auserkoren war. Die Hütte wird aufgeräumt (Wer in aller Welt schleppt Bockwurstgläser und volle Geschirrspülmittelflaschen auf den Berg. Und vor allem: Wer lässt sie dort dann herumliegen?).

    Wir sind geschafft vom Aufstieg. Insbesondere W., dem eine alte Kriegsverletzung im linken Knie wieder etwas zu schaffen macht. C. hat seit dem schnellen Abstieg nach Rinca im strömenden Regen in seinen nassen Bundeswehrstiefeln Blutblasen unter einigen Zehnägeln, die das Wandern nicht unbedingt versüßen. Glücklicherweise verleiden sie es ihm aber auch nicht so sehr, dass er nicht weitergehen möchte. Gleiches trifft auf W. zu.
    Dafür ist das Unterwegs-Sein und diese Gegend viel, viel zu schön.


    Müde? Jaaaa!
    Dennoch schafft es W. noch, uns einen Pfad von der Hütte zu Quelle durch den Ampfer zu schlagen.



    Ausblick von der Schäferhütte.
    Rechter Hand der Kamm mit dem Wanderweg.


    Auch der rumänische Wetterfrosch lag mit seiner Prognose richtig. Nicht nur gestern im Tal herrschte eitel Sonnenschein, sondern auch heute den gesamten Tag lang. Wenn man sich von hier oben aus umschaut, dann weiß man wieder ganz genau, warum man sich diese elendige Plackerei vom Bahnhof hier herauf angetan hat. Dafür ist man unterwegs, die anderen Erscheinungen gehören mit dazu. Ohne Regen wäre die Sonne nicht zu genießen.

    Anschließend entzünden wir ein Feuer auf der Feuerstelle und braten wieder Rührei, wollen wir die das Trockenei doch nicht weiter durch das Gebirge schleppen, immerhin gibt es noch ausreichend vom guten Drytech Real. Dazu gibt es wieder Polenta in Milch und mit vielen schönen Kräutern gekocht, frischen Pfefferminztee und einen traumhaften Abendhimmel. Es ist menschenleer und wir sind weit oben in den Bergen mit einem traumhaften Ausblick.


    Die Hütte wird beheizt



    Unser Nachtdomizil.



    Kochen auf offenem Feuer.
    Der ganze Müll auf dem Tisch stammt nicht von uns!


    Abends nutze ich die Chance, um mir den Schweiß vom Vortag und dem heutigen Aufstieg abzuwaschen. Wer weiß, wann wir wieder einen Zeltplatz haben, an dem wir alleine sind. Immerhin sind wir nun im Fagaras.

    C. folgt meinem Beispiel. Es ist mittlerweile schon nach neun Uhr und es dämmert stark. Während er nun so, wie Adam ihn erschuf in Bachnähe steht und sich abspült, schallt vom Wanderweg ein Ruf hinüber: „Hallo, gibt es da Wasser?“. Er hatte die beiden Gestalten kurz vorher entdeckt und sich ein Handtuch um die Hüfte geschlungen. Die Frage wird rufend bejaht.

    Kurze Zeit später haben sich R. und S. aus München zu uns durch den Ampfer hindurch geschlagen. Sie freuen sich wahnsinnig über das Wasser. Die beiden sind erst gegen 16:00 Uhr mit dem Zug aus Sibiu in Valea Marului eingetroffen und hatten, wegen des fehlenden Kartenausschnittes und mangelnder Kenntnis der Gegend nicht ausreichend Wasser dabei.

    Nachdem sie sich satt getrunken haben, schlagen sie ihre Zelte auf dem Kamm neben dem Wanderweg auf. Zu uns in die Hütte ans Feuer wollen sie aber nicht kommen.

    So rollen wir nun zu später Stunde unsere Schlafsäcke in der Hütte aus und schauen durch die Lücken in Wand und Dächer in den Sternenhimmel.


    Abendstimmung



    Nächtlicher Blick ins Tal.
    Geändert von volx-wolf (28.09.2010 um 23:50 Uhr)

    Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen,
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    Avatar von Zz
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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #19
    Hallo volx-wolf und Gassan, hier ein Radio Tip für Euch: am Samstag den 30. Oktober um 11.05 Uhr im Deutschlandfunk Gesichter Europas: Kahlschlag im Karpatenland, Rumänien holzt seine Wälder ab. Mit Reportagen von Keno Verseck
    PS Vorgestern kam auch gerade eine Ansichtskarte aus Rumänien, die alte Wassertal - Eisenbahn fährt wieder. Sie ist ja ursprünglich auch zum Abtransport des geschlagenen Holzes gedacht, aber trotzdem immer wieder ein Erlebnis.
    Hey volx-wolf , bitte das Weiterschreiben nicht vergessen, ich brauche das für meine Wanderung im Kopf Die Bilder entstehen darin wieder, wenn ich Deinen Zeilen, Schritten folge. Danke.
    Geändert von Zz (05.10.2010 um 13:54 Uhr)

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    AW: [RO] Unterwegs in den Südkarpaten: Parang, Capatanii und Fagaras

    #20
    Zitat Zitat von Zz Beitrag anzeigen
    Hallo volx-wolf und Gassan, hier ein Radio Tip für Euch: am Samstag den 30. Oktober um 11.05 Uhr im Deutschlandfunk Gesichter Europas: Kahlschlag im Karpatenland, Rumänien holzt seine Wälder ab. Mit Reportagen von Keno Verseck
    PS Vorgestern kam auch gerade eine Ansichtskarte aus Rumänien, die alte Wassertal - Eisenbahn fährt wieder. Sie ist ja ursprünglich auch zum Abtransport des geschlagenen Holzes gedacht, aber trotzdem immer wieder ein Erlebnis.
    Deutschlandfunk? Welche Frequenz ist das, ich höre eigentlich nie Radio

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