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  1. Liebt das Forum
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    Die Schleimspur

    #1
    Inhaltsverzeichnis (ständig in Bearbeitung)

    1. Worpswede - Friedehorstpark
    2. Friedehorstpark - Bremen
    3. Bremen - Sottrum
    4. Sottrum - Rotenburg
    5. Rotenburg - Harburg
    6. Harburg - Hamburg
    7. Hamburg - Hamburg
    8. Hamburg - Hamburg
    9. Hamburg - Niebüll
    10. Niebüll - Flensburg
    11. Flensburg - Gelting Mole
    12. Gelting Mole - Kappeln
    13. Kappeln - Weidefeld
    14. Weidefeld - Damp
    15. Damp - Eckernförde
    16. Eckernförde - Schnellmark
    17. Schnellmark - Gettorf
    ___Gettorf - Preetz
    18. Preetz - Bad Schwartau
    19. Bad Schwartau - Lübeck
    ___Lübeck - Rostock
    20. Rostock - Usedom (1. Tag)
    ___Rostock - Usedom (2. Tag)
    ___Rostock - Usedom (3. Tag)
    ___Rostock - Usedom (4. Tag)
    ___Rostock - Usedom (5. Tag)
    21. Usedom - Anklam
    22. Anklam - Fürstenberg
    23. Fürstenberg - Lychen
    24. Lychen - Templin
    25. Templin - Oranienburg
    26. Oranienburg - Glienicker Brücke
    27. Glienicker Brücke - S Grunewald
    28. S Grunewald - S Treptower Park
    28b. Platzrunde Berlin Innenstadt
    29. S Treptower Park - SchWAInebucht
    30. SchWAInebucht - Wildau
    30b. Rundtour Finowfurt
    31. Wildau - Wendisch-Rietz
    32. Wendisch-Rietz - Lübben
    33. Lübben - Calau
    34. Calau - Elsterwerda
    35. Elsterwerda - Kutschenberg
    36. Kutschenberg - Ortrand
    37. Ortrand - Zittau
    38. Zittau - Schmilka
    38b. Stadtspaziergang Dresden
    38c. Neurathener Felsentor
    39. Schmilka - Lauenstein
    40. Lauenstein - Einsiedel
    41. Einsiedel - Dachsbaude
    42. Dachsbaude - Olbernhau
    43. Olbernhau - Bärenstein
    44. Bärenstein - Fichtelberg
    45. Fichtelberg - Rittersgrün
    45b. Meissen
    46. Rittersgrün - Adorf
    47. Adorf - Oelsnitz
    47b. Adorf - Vojtanov
    47c. Schmilka - Nordpol
    48. Oelsnitz - Pirk
    49. Pirk - Drei-Freistaaten-Stein
    50. Drei-Freistaaten-Stein - Lichtenfels
    51. Lichtenfels - Hirschaid
    52. Hirschaid - Forchheim
    53. Forchheim - Pegnitz
    54. Pegnitz - Wunsiedel
    55. Wunsiedel - Neusorg
    56. Neusorg - Windischeschenbach
    57. Windischeschenbach - Schnaittenbach
    58. Schnaittenbach - Monte Kaolino
    59. Monte Kaolino - Amberg*
    60. Amberg - Hersbruck
    61. Hersbruck - Nürnberg
    62. Nürnberg - Rednitzhembach
    63. Rednitzhembach - Roth
    ___Roth - Wallersbach
    ___Wallersbach - Heideck
    ___Heideck - Weissenburg
    64. Weissenburg - Eichstätt
    65. Eichstätt - Eilsbrunn
    66. Eilsbrunn - Grossgehring
    67. Grossgehring - Neuburg
    68. Neuburg - Taufkirchen
    69. Taufkirchen - Krailling
    70. Krailling - Hammersbach
    71. Hammersbach - Eibsee
    72. Eibsee - Eschenlohe
    73. Eschenlohe - Einödsbach
    74. Südlichster Punkt Deutschlands
    75. Einödsbach - Lindau
    76. Lindau - Rüdlingen
    77. Rüdlingen - Tössegg
    78. Tössegg - Rheinsfelden
    79. Rheinsfelden - Bad Zurzach
    80. Bad Zurzach - Rheinfelden
    81. Rheinfelden - Wittlinger Höhe
    82. Wittlinger Höhe - Feldberg
    83. Feldberg - Freiburg
    83b. Ausflug Schwarzwald
    84. Freiburg - Denzlingen
    85. Denzlingen - Breisach
    86. Breisach - Karlsruhe
    86b. Kurier Karlsruhe
    87. Karlsruhe - Bruchsal
    88. Bruchsal - Zeutern
    89. Zeutern - Rheinbrücke
    90. Rheinbrücke - Rheinsheim
    91. Rheinsheim - Neustadt (Weinstrasse)
    92. Neustadt - Kaiserslautern
    93. Kaiserslautern - Lauterecken
    94. Lauterecken - Bad Sobernheim
    95. Bad Sobernheim - Bad Kreuznach
    ___Bad Kreuznach - Bingen
    96. Bingen - Bullay
    97. Bullay - Mühlheim
    98. Mühlheim - Trier
    ___Trier - Dreisbach
    ___Dreisbach - Saarbrücken (1/2)
    ___Dreisbach - Saarbrücken (2/2)
    99. Saarbrücken - Kirkel
    100. Kirkel - Neunkirchen
    101. Neunkirchen - Otzenhausen
    102. Otzenhausen - Erbeskopf
    103. Erbeskopf - Orscholz (1/2)
    ____Erbeskopf - Orscholz (2/2)
    ____Orscholz - Echternach
    104. Echternach - Rothekreuz
    105. Rothekreuz - Burg Drachenfels
    106. Burg Drachenfels - Bonn
    Geändert von hotdog (09.04.2014 um 10:49 Uhr)
    Arrivederci, farewell, adieu, sayonara WAI! "Ja, wo läuft es denn? Wo läuft es denn hin?"

  2. Liebt das Forum
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    1. Etappe: 28.11.2009

    #2
    Worpswede - Friedehorstpark: 21,5 km zu Fuss mit -ph-, balticskin, Harry, hotdog, iwp, Sternenstaub, Stev


    Es liegt eine gewisse Spannung in der Luft, als am Morgen des 28.11.2009 über dem Campingplatz Worpswede die Sonne aufgeht. Die 7 Freiwilligen -ph-, balticskin, Harry, hotdog, iwp, Sternenstaub und Stev und das Unterstützungsteam bestehend aus lina und Okolyth (Torres und waldmann können an diesem Morgen leider nicht anwesend sein, stellen sich aber an den Abenden vorher bzw. nachher ebenso in den Dienst der guten Sache) bereiten sich konzentriert auf den wichtigen Moment vor.



    Es wird nochmal die Ausrüstung gecheckt, der Inhalt des WAI überprüft, in Gedanken nochmal die Strecke abgelaufen, Lockerungsübungen absolviert, etc.



    Gegen 11:28 Uhr ist es dann soweit. lina macht das Startfoto und los geht es auf die erste Etappe.



    Die folgenden Bilder zeigen diesen magischen Moment, an dem sich alles in Bewegung setzt und das ganze Forum fortan nur noch für dieses eine Ziel lebt: das WAI durch alle Bundesländer zu tragen und dabei alle 16 Summits zu erklimmen.



    Die ersten 3 Kilometer sind zum Warmlaufen. Es geht gnadenlos geradeaus nach Westen auf der Waakhauser Strasse, gefolgt von einem Linksschwenk auf die Strasse "An der Hamme", und nach knapp 6 Kilometern wird die Mammutherde (na gut, es waren vielleicht 3 oder 4 Mammuts, die übrigen Herdentiere waren anders gebrandmarkt) endlich erlöst und darf nun zwar weiter geradeaus aber nicht mehr ganz so gnadenlos auf dem ruhigen Kirchweg wandern.



    Wie auf dem Bild unschwer zu erkennen, hat sich der einsetzende Nieselregen mit der Zeit zu einem amtlichen Regenguß entwickelt. Aber wir wären nicht ODS, wenn wir auf so etwas nicht eingestellt wären. Regencapes und Regenhosen sind selbstverständlich im Gepäck und werden nach und nach angezogen.

    Nach 8 Kilometern erreicht die Herde die Wümme, einen Grenzfluß zwischen Bremen und Niedersachsen, der laut Wikipedia einer der saubersten Flüsse Norddeutschlands sein soll. Nach den starken Regenfällen der letzten Tage läßt sich das aber nicht mal mehr erahnen.



    An der Wümme wendet sich die Mammutherde wieder Richtung Westen und läuft immer am Deich entlang bis nach Lesum. Unterwegs ist für manche eine gefährliche Furt zu bewältigen (na gut, ein Harry hüpft einfach drüber, über die Pfütze ), die den Rüsseltieren alles abverlangt. Die Glühweinpause in Wasserhorst (das t am Ende des Namens war leider nicht mehr vorhanden, sollte vielleicht durch ein e ersetzt werden - man weiß es nicht) kommt da gerade recht, um die Moral zu heben.

    Es wird schon langsam dunkel als sie den Knoops Park erreichen. Hier ist es eigentlich schon sehr hügelig, findet hotdog, aber -ph-, die die Reiseleitung übernommen hatte, treibt die Herde unerbittlich weiter. Das Erreichen des Friedehorstparks wird aufgrund des starken Sauerstoffmangels in dieser Höhe nur noch schemenhaft wahrgenommen, für Sternenstaub wohl zu schemenhaft, denn kurz vor dem Gipfel verliert sie die Gruppe. Oder die Gruppe verliert sie. Das läßt sich im nachhinein nur noch schwer nachvollziehen. Jedenfalls hilft nur noch das beherzte Hinterherspringen von Stev, das verlorene Schaf wieder zur Herde zu bringen, und endlich kann um 17:18 Uhr nach 21 km und ca. 60 Höhenmetern auf 32,5 Metern Höhe das Gipfelfoto geschossen werden:



    Zur Dokumentation hier der GPS-Track (es waren, man glaubt es kaum, nur zwei GPS-Geräte dabei):

    Geändert von hotdog (02.08.2012 um 16:09 Uhr)
    Arrivederci, farewell, adieu, sayonara WAI! "Ja, wo läuft es denn? Wo läuft es denn hin?"

  3. Sternenstaub
    Gast

    1. Etappe: 28.11.2009

    #3
    Und so fing es an:

    Nachdem die meisten der Startenden bereits am Freitag beim Nordlichtertreffen angereist sind, muss natürlich bei Glühwein, anderen Getränken und dem von Stefan immer wieder unermüdlich belegten Grill unterm Tarp besprochen werden, wie die erste Wanderung des Staffellaufs nun genau begangen werden soll.
    Das WAI wird herumgereicht und für gut befunden, speziell das sehr schöne Tourtagebuch findet Anklang und hier testet Hottie, ob das Tool zu verwenden ist. ;)



    Wir trennen uns recht spät und sind schon regelrecht enthusiastisch und in Vorfreude, was uns am nächsten Morgen erwarten wird.
    Für die späte Schlafenszeit und der teilweise aus undefinierbar und nicht zu ermitteltenden Richtungen durch seltsame würgende Laute (später wird eruiert, dass es SChnarchtöne waren) gestörten Nachruhe ;) finden sich die Ersten schon recht früh beim Frühstück ein.

    Und was sehen wir? Die Sonne; es scheint, dass ist kein winterliches Treffen sondern ein Aufenthalt in der Sommerfrische.




    und endlich kommt Philine so schnell mit den Brötchen um die Ecke gepeest, dass sie nur ganz verschwommen durchs Bild huscht. ;)



    Bei noch trockenem Wetter geht es nach einigen Verzögerungen wie umfangreiches Frühstückbereiten etc nach dem Startfoto los und in unserem Elan macht es uns wenig aus, dass wir zuerst auf einem Radweg eine Straße lang trotten müssen. Es gibt immer wieder schöne Ausblicke und noch hoffen wir, dass wir trockenen Fußes zu unserem ersten Höhepunkt gelangen. Nach nicht allzu langer Zeit nehmen wir eine schmale Straße unter die Füße, wo es gleich auch ruhiger und beschaulich wird. Allerdings erschrecken wir etwas bei dem Gedanken, welch schlimmes Schicksal Umweltfrevler in diesem Landkreis erwartet, wenn sie Müll hier entsorgen. Man sehe die Sohle des Gummistiefels unter diesem Aspekt, wir haben aber nicht gewagt den Frevler auszubuddeln, dieses Mahnmal soll offensichtlich bestehen bleiben.



    Den Hinweis finden wir etwas gemein, wir überlegen gerade, ob man hier irgendwo ein Boot organisieren kann, um die Füße ein wenig zu entlasten.


    Es hat immer wieder getröpfelt, nun aber beginnt sowas, was man Landregen nennt, was aber die mutigen Explorer nicht daran hindern kann, ihren Auftrag weiter zu verfolgen. ;)
    Die Abenddämmerung bricht unerwartet über uns herein und allmählich wird es stockeduster.
    Wie bereits hottie beschrieben hat, erreichen wir aber unter Aufbietung all unserer Kräfte das Etappenziel. Aber glaubt ihr nicht, ich ging nicht verloren, die anderen bogen nur so blitzschnell um eine unerwartete Ecke und versteckten sich hinterlistig hinter der höchsten Erhebung des Bremer Landes.



    Verdienterweise werden wir zum Übernachtungsplatz gefahren, wo wir mehr oder weniger müde beschließen, es diesen Abend ruhiger anzugehen und vor allem früher auf die Matten zu kriechen. Nun ja, gute Vorsätze sind das Eine und der Verlauf von Startfeten was Anderes. So wird es wieder recht spät, sehr lustig und auch über Vernebelungsanktionen und brennenden Glühwein könnte wieder berichtet werden.








    Geändert von hotdog (02.08.2012 um 15:37 Uhr)

  4. 2. Etappe: 5.12.2009

    #4
    Friedehorstpark - Bremen: 21,2 km zu Fuss mit iwp, Leif, M aus B



    „Die Schecke kann Dir mehr über den Weg erzählen als der Hase!“
    (Bernd Stromberg)

    oder

    „Am Wochenende soll sogar schönes Wetter werden!“

    (meine Freundin)


    Am 05.12.2009 solle sich das WAI, begleitet von einem vierköpfigen Hofstab, also wieder auf den Weg begeben und mit rasanter Geschwindigkeit, der eines Blitzes gleich, durch die idyllische Flusslandschaft der Wümme getragen werden.

    Zur Durchführung dieser ehrenwürdigen Aufgabe trafen sich um 10:00 Uhr am Bremer Hauptbahnhof, Treppe an Gleis 5:

    2 x M. aus B.
    1 x iwp
    1 x Leif


    Mit dem 10:11 Uhr Zug legten wir die Strecke bis nach Burg-Lesum zurück, wo wir und bei herrlichem, trockenem Wetter und der feinsten Laune auf den Weg zur Übernahme des WAIs am Summit machten, welcher nach ca. 45 Minuten erreicht wurde.

    Hier sollte sie also starten, die zweite und natürlich WICHTIGSTE Etappe des GANZEN ODS-Staffellaufes! Alles hängt von uns ab, wen wir jetzt und hier versagen, dann ist alles zum Scheitern verurteilt, es werden noch Generationen nötig sein, um unserem Scheitern die Wogen zu glätten – nicht auszumalen!

    Pünktlich zum Auspacken der Kamera schlugen bereits die ersten Regentropfen, noch klein und verhalten, auf meine Brillengläser – Schauer?!?


    Nach ungefähr 60 Minuten Fußmarsch auf leichten Sohlen lagen auch schon die letzten Zeichen der Stadt hinter uns und wir fanden und in der schönen und lieblichen Landschaft rund um die Wümme wieder – herrlich!



    Auch der Nieselregen hatte sich gelegt
    und in einen Dauerregen verwandelt, der einem mit der Kraft eines deutschen D-Zuges und der Ausdauer einer chinesischen Langstreckenschwimmerin gegen uns stemmte und uns zum Auspacken der Regenbekleidung zwang. Auf dieses Recht wollte der Dauerregen auch bis zum letzten Meter der Tour nicht verzichten!


    „Regen ist gut für die Bauern!“
    (meine Oma bei Regen, ausserhalb der Erntezeit)

    Wäre ich doch Bauer geworden
    , dachte ich mir ab und an….

    So sehr Petrus und der Regen sich doch mühten, eines konnten sie nicht:
    Unsere gute Grundstimmung, viele tolle Gespräche, viele lustige Sprüche und eine wirklich schöne Wanderung unterbinden!

    So ließen wir es uns auch nicht nehmen, bei BESTEM Wetter eine gemütliche Rast zu machen, um uns mit heißen Getränken neuen Mut anzutrinken und die Kräfte wieder zu sammeln, die Uhr zeigte ungefähr 14:30 Uhr an.



    iwp packte sein Trail Designs Caldera Cone Stove System aus dem Rucksack und genauso schnell waren auch schon 20 ml Spiritus abgemessen und unter Opferung von ein paar kleinen Haaren auch entflammt. O-Ton iwp: „Brennt der schon? Ohhhh jaaa!“





    Nach ein paar extra ml Brennspiritus hatten wir dann auch heisses Wasser.

    Heissgetränke, selbstgebackene Kekse, Orangenstückchen und andere Leckereien machten die Runde, bis wir nach einer halben Stunde unser schönes Plätzchen wieder verließen um schweren Fußes die verbleibenden Kilometer bis zur nächsten Rast und einer verlockenden Suppe abspulten.





    Keine besonderen Vorkommnisse!

    17:00 Uhr
    Wir kamen an dem Bootshaus von M. aus B an, und fanden uns wenig später in einer lauschig warmen Küche des Bootshauses wieder! Das Leben kann so schön sein – warm und trocken!

    M. aus B. packt in Rekordzeit seinen Kocher und Topf aus und machte sich unter Zuhilfenahme eines Stückchens Butter daran Porree und Pilze anzubraten, anschließend mit Wasser aufzugießen und mit Suppenpulver dem Ganzen die letzte Würze zu geben. LECKER, LECKER, LECKER!




    Für kurze Zeit war alles Still!

    Zum Nachtisch gab es Hanuta und Glühwein,.


    Der Glühwein beflügelte noch mal richtig!

    Gut gesättig, gewärmt und fast zufrieden machten wir uns gegen 18:30 Uhr auf die letzen Kilometer nach Bremen, die trotz vereinzelter Schmerzen schnell und unkompliziert in der Dunkelheit das Ziel näher rücken ließen.


    19:45 Uhr
    Das Ziel ist erreicht!


    Die Stassenbahn der Linie 6 an der Universität in Bremen!
    Geändert von hotdog (02.08.2012 um 16:08 Uhr)
    Ich brauche nicht viel Gepäck, nur ein paar Träume!

  5. Meister-Hobonaut Alter Hase
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    3. und 4. Etappe: 11.-13.12.2009

    #5
    Bremen - Sottrum: 37,3 km zu Fuss mit Harry



    Frisch zurück gibts auch von mir den Wegverlauf.
    Am Wochenende des 11.12-13.12 sollte diesmal das WAI trocken weiter gebracht werden.
    Sogar mit Sonnenschein.


    Na ja die Wolkenlücke ist zu erahnen.

    So verabredete ich mich mit Leif am Freitag Nachmittag 17°° zur Übergabe des Schatzes, ja Kronkorken können so wertvoll sein, am Bremer Hauptbahnhof.





    Irgendwann müssen wir wohl oder übel die Box mal ausmisten oder ein Ul er bekommt die in die Hand

    So ging es nun bei naßkalten 4°C und Dunkelheit durch den Bürgerpark, an der Uni vorbei
    bis Borgfeld auf dem Jakobsweg Via Baltica.

    .


    Puh rasch noch Proviant geladen in Borgfeld war ich schon an den Wümmewiesen angelangt und müde nach einem langen Tag.

    Also Schlafplatz suchen. Mist nur die Wiesen sind alle überflutet.
    Da kam mir dieser Beobachtungsturm gerade recht.





    Nach einer frischen zugigen Nacht erreichte ich gegen 11°° Fischerhude wo ich mich beim Bäcker erstmal von links nach rechts durchfutterte.





    Sonnenaufgang


    Schatten meiner selbst


    Allerdings musste ich mich dort fragenden Passanten stellen, die so einen Typen mit Rucksack noch nie gesehen hatten.
    So habe ich ihnen von unserem Projekt erzählt und die Box gezeigt.
    Mir wurde darauf mehrfach angeboten, dass ich auch mitfahren könne, habe aber dankend abgelehnt.

    Weiter ging es über

    bis Sottrum Bahnhof.

    Da ich mich mit Werner dort am nächsten Morgen treffen wollte musste mal wieder ein Platz zum Nächtigen gesucht werden.
    Wieder Mist. Eine Seite Autobahn, Bundesstrasse und Bahnlinie sowie Hochspannungsleitungen. Wie soll man sich da ausruhen.
    Aber 2 Straßen weiter war ein kleines Wäldchen auszumachen. Perfekt.

    Sottrum - Rotenburg: 20,3 km zu Fuss mit Harry und Werner Hohn

    Pünktlich Sonntag morgen dann am Bahnhof

    wurde ich schon von Werner mit Begleitung erwartet.
    Von hier aus sollte es erstmal gemeinsam auf dem Wümmeradweg bis Rotenburg weitergehen.



    Überrascht
    Geändert von hotdog (02.08.2012 um 16:08 Uhr)
    Gruß Harry.
    Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen. (Johann Wolfgang von Goethe)

  6. 4. und 5. Etappe: 13.-15.12.2009

    #6
    Sottrum - Rotenburg: 20,3 km mit Harry, Werner Hohn



    Sonntag, 13. Dezember 2009: Der Fluch der Südroute

    Nur zögerlich hat die Dunkelheit Harry preisgegeben. Erst beim Näherkommen wird aus dem dunklen Fleck ein Mensch. Wenig später, ist aus dem Mensch Harry geworden, auch wenn ich ihn nicht kennen würde. Die Insignien haben ihn verraten. An einem Sonntagmorgen um 8 Uhr rennt um diese Jahreszeit niemand mit einem Rucksack durchs norddeutsche Plattland, es sein denn, er wird von einem Komitee gehetzt.

    Eine knappe Begrüßung, das Foto für die Nachwelt, dann muss eine Entscheidung fallen: Nordroute oder Südroute? Beide sind in etwa gleich lang, aber die Südroute hat mehr Waldanteil. Also Südroute, fällt einstimmig die Entscheidung unter Männern. Meine Frau geht dann schon mal los und zieht direkt das Tempo an, als ob sie es geahnt hätte. Die Männerentscheidung war (wieder mal) eine falsche Entscheidung, denn wir sind schon auf der Nordroute und müssen nun dreieinhalb zusätzlich Kilometer davor schieben, um auf die Südroute zu kommen. Mindestens 40 Minuten länger zu Fuß unterwegs, und das für einen ollen Radweg und ein paar Meter Wald.

    Dass es dann doch etwas länger dauern würde, ist uns nach und nach bewusst geworden. Zum ersten Mal, als wir von Hunger und dem Wunsch nach Kaffee getrieben zielstrebig die Bäckerei an der B 215 in Unterstedt angesteuert haben. Das Auftauchen drei Paar schmutziger Wanderschuhe auf der anderen Straßenseite hat die Bedienung vermutlich zum Anlass genommen, uns die Tür vor der Nase zu verschließen. Drei läppische Schritte wären es für Harry noch gewesen, dann hätte die Türautomatik reagiert und ihm geöffnet. Aber da ging das Licht aus und die Tür hat nicht mal gezuckt.

    Gnadenlos ist der Fahrrad-Wegweiser am Stadtrand von Rotenburg. Der an der Kläranlage. Wir gehen da nicht hin und schauen da auch nicht drauf, hat Harry gesagt. Natürlich geht jeder dahin, und wenn ‚jeder’ meine Frau ist auf alle Fälle. „Sottrum 6,4 km“ hat auf dem Schild gestanden. Da waren wir schon 150 Minuten ohne Pause unterwegs und das mit Sicherheit nicht langsam.

    Mittags sind wir dann endlich in Rotenburg, sogar im Zentrum. Die Südroute des Wümme-Radwegs hat jede Menge Zeit gekostet, viel zu viel. Harry bekommt seinen Kaffee, direkt auch noch das Mittagsessen, und dann lädt er zu Tupperparty ein. Eine Box, so groß, dass meine Oma ihren Wochenvorrat an Bohnensuppe darin untergebracht hätte, sofern es so etwas damals schon gegeben. Die Bohnensuppe ist nicht gemeint. Während meine Frau und ich noch staunen, kritzelt Harry schnell ein paar Zeilen und schiebt mir dann das WAI übern Tisch. Das soll nach Hamburg, zu Torres. Ich kann mit nicht helfen, aber irgendwie sieht er so aus, als sei er froh dieses Ding weitergeben zu können. Oder ist es nur das zufriedene Gesicht eines gesättigten Menschen?

    Rotenburg - Harburg: 67,7 km mit Werner Hohn



    In Rotenburg verlässt er uns. Harry nimmt den Weg zum Bahnhof und wir entscheiden uns für die Direttissima nach Stemmen, denn dahin sind es schon wieder 18 Kilometer. Hinterm Ortsausgang lässt uns die Bundesstraße nicht mehr los. Zum Glück gibt es einen Radweg und zum Glück scheint die Sonne. Die B 75 ist laut, sie ist schnell, sie glitzert und blinkt von all dem gewienertem Blech, das mit hohen Drehzahlen in den sonntäglichen Abend getrieben wird.

    Als wir nach Stemmen abbiegen dämmert es schon, und so ist, obwohl vorgebucht (eine Premiere), die Erleichterung greifbar endlich am Ziel zu sein. Angesicht der Widrigkeiten, die das WAI auf seinem zukünftigen Weg noch alle aushalten muss, gönnen wir ihm ein 4-Sterne Hotel. Etwas anderes gibt es hier sowieso nicht. Im Hotel sind wir die einzigen Gäste, im Restaurant auch. Zu sehen gibt es hier nichts. Feierabend.

    v.o.n.u.

    Bei Veersebrück
    Kirchturm in Scheeßel
    Auf der B 75 zwischen Scheeßel und Lauenbrück


    Von Sottrum (Bahnhof) nach Westen zur Hellweger Straße, weiter nach Süden bis Hellwege. Hier auf die Südvariante des Wümme-Radwegs. In Richtung Osten über die Ahauser Mühle bis zur Unterstedter Straße in Ahausen. Weiter über den Wümme-Radweg nach Unterstedt bis Rotenburg/Wümme.
    Ab Rotenburg über Radwege entlang der B 75 nach Scheeßel, vorbei am Abzweig Lauenbrück bis zum Straße nach Stemmen und ins Dorf hinein.

    Entfernung: ca. 34 km


    Montag, 14. Dezember 2009: Der Fluch der Landstraße

    Heute wollen wir vom Wümme-Radweg auf den Radfernweg Bremen-Hamburg wechseln. Eine direkte Verbindung gibt es nicht. Zwischen uns, Stemmen und dem Radfernweg liegt das Ekelmoor. Weil zwischen meinen beiden Radwegespiralos ein Lücke klafft, muss Harrys Straßenkarte aus der Box herhalten. Wir wollen zunächst zur B 75, der bis zum Weiler Wümme folgen und dort nach Vaerloh abbiegen. Dahinter würden wir auf den Radfernweg treffen, und wären dann wieder mit einer halbwegs brauchbaren Karte unterwegs. Soweit die Planung.

    Noch vor dem Frühstück hat meine Frau ihre Blasen verarztet, darunter eine ausufernde Druckblase über den ganzen Ballen. 34 km in neuen Wanderschuhen von Deichmann (30 Euro, Testbericht folgt) waren doch etwas happig – dachten wir da noch. Später haben wir festgestellt, dass die Ursache in den alten, ausgeleierten Liebelingswandersocken zu finden ist. Solche Socken neigen zu Faltenbildung unterm Fuß.

    Unsichtbar, weil grau und dunkel, ist der Himmel bei unserem Aufbruch. Unsichtbar, grau und dunkel ist der Himmel als wir auf die Bundestrasse 75 treffen. Unsichtbar, grau und dunkel ist der Himmel über Wümme, wo wir nach Norden abbiegen wollen, um zum Radfernweg zu kommen. „Everstorfermoor 2 km“ zeigt der Wegweiser an. Harrys Karte kennt kein Everstorfermoor, aber die Straße sollte passen. Meine Frau ist nicht scharf auf Experimente. Die Blasen an den Füßen und der unsichtbare, graue und dunkle Himmel reichen ihr. Mir auch. Wir bleiben bis Tostedt an der B 75 und werden dort nach Hollenstedt abbiegen. Über den Weg machen wir uns keine Gedanken mehr. Eins haben wir in den anderthalb Tagen gelernt: ist eine Straße verkehrsreich, gibt es eine Radweg daneben. Wo es den nicht gibt, fährt auch kein Auto.

    Unter unsichtbarem, grauen und dunklem Himmel ziehen wir müde nach Tostedt, biegen ab, hinauf nach Norden, ziehen gedankenlos und fast stumm weiter. Das Wetter ist deprimierend. Aus konturlosem Himmel fallen dünne Schneeflocken. Zu wenig, für eine weiße Winterlandschaft. Am Mittag sieht's am Nachmittag, um 15 Uhr wie in der Abenddämmerung. Hoch nach Dohren, ein, zwei Kurven durch den Ort, rauf nach Dohren-Gehege. Weihnachtsbaumplantagen beidseits der Straße. Tausende Weihnachtsbäume, sonst nichts. Dohren-Gehege ist das Zentrum niedersächsischer Weihnachtsbaumzucht.

    Jetzt die unendliche, im grauen Zweilicht nicht schöner werdende Gerade hinunter nach Hollenstedt. Wir gehen tatsächlich eine Anhöhe hinunter. In Hollenstedt sind wir am gleichnamigen Hotel vorbeigegangen. Da war gegenseitiger Zwang nötig. Wir sind dann noch ein Stück dem Radfernweg gefolgt - endlich! In Appel sind wir schon wieder runter vom Weg. Da war es dann schon ganz dunkel. Wir wollten nach Eversen-Heide, ins dortige Hotel. Erneut 4 Sterne, diesmal nicht vorgebucht. Untergekommen sind wir dann bei einer viel preiswerteren privaten Zimmervermietung, dafür ohne Frühstück.

    v.o.n.u.

    Baggersee bei Stemmen
    Bei Tostedt
    Im Morgengrauen bei Wümme


    Von Stemmen bis Tostedt entlang der B75 (Radwege). Weiter nach Norden über Dohren, Dohren-Gehege, Siedlung Ochtmannsbruch bis Hollenstedt. Ebenfalls über Radwege. Von Hollenstedt bis Appel auf dem Radfernweg Bremen-Hamburg. Die letzten paar Kilometer bis Eversen-Heide auf Autostraßen.

    Entfernung: ca. 26 km


    Dienstag: 15.Dezember 2009: Der Fluch des Hasselbrack

    Der Tag fängt gut an. Gestern Abend hat Harry angerufen, sagt mir mein Telefon beim Aufstehen. Ganz sicher bin nicht, aber die 3 letzten Ziffern scheinen zu stimmen. Was der wohl will? Das lässt sich mit einem Telefonat raus finden – auch um 20 Minuten nach 6 Uhr in der Früh. Nein, er hat nicht angerufen, meldet sich Harry mit verschlafender Stimme, und er wird jetzt weiterschlafen. So ist das nun mal. Früher war man weg, dann war man eben weg. Heute ruft die Schwägerin an und fragt nach, welche Mülleimer raus müssen. Deren 3 letzten Ziffern sind ähnlich wie die von Harry.

    Wir wollen heute in die Berge, in die Harbuger Berge. Die sind bis 155 m hoch. Doch so hoch wollen wir nicht. Wir müssen auf 116 Meter und 20 Zentimeter. So hoch ist der Hasselbrack, Hamburgs höchste Erhebung. Der Hasselbrack hat es in sich, den kennt niemand, nur ein oder zwei vermutlich uralte Mitarbeiter der beteiligten Vermessungsämter, und die wenigen Menschen, die den bestiegen haben. Der Hasselbrack ist kein genauer Punkt, kein Gipfel, kein Restaurant, keine Hütte, überhaupt nichts. Hasselbrack ist ein Flurname, sonst nichts. Aber es gibt einen Messpunkt auf Hamburgs höchstem Hügel, ein kleiner unscheinbarer Stein soll das sein. Da müssen meine Frau und ich hin.

    Und weil der Hasselbrack so sagenumwoben ist, dass sogar einheimische Expeditionen den nicht so oft auf Anhieb finden, sind wir bestens ausgestattet. Eine Radwegekarte, die kurz vorm Hasselbrack endet, ein Ausdruck vom openstreetmap-Projekt mit Wikipedia-Layer und ein winzig kleiner Ausschnitt der DGK 1:5.000 (Deutsche Grundkarte) des betreffenden Gebiets. Außerdem habe ich gestern in Tostedt eine „Offizielle Wanderkarte Zwischen Harz und Heide“ 1:50.000 gekauft. Topographisch steht nicht drauf. Das hat schon seine Gründe, denn Höhenlinien, eine anständige Schummerung, oder ein en Haufen gar nicht mal so kleine Lichtungen hat der Verlag direkt weggelassen.

    Noch in der Dunkelheit ziehen wir los, was bei Radwegen überhaupt kein Problem ist. Als es hell wird treffen wir auf den Europäischen Fernwanderweg E1. Kaum hat man einen Wanderweg unter den Füßen wird es steil, bemerken wir. Unser Plan ist, bis zur Waldsiedlung Tempelberg zu gehen. Von dort geht ein in den Karten verzeichneter Wanderweg beinahe schnurgerade und immer an den Landesgrenzen entlang nach Südosten. Sobald der Weg in Schlenker über geht, wollen wir 400 Meter nach Osten gehen, wieder bis zur nächsten Landesgrenze (Tempelberg und Hasselbrack sind wie ein kleiner Wurmfortsatz Hamburgs, der nach Niedersachen hinein zeigt, Größe: ca. 400 mal 1.500 m). Dann wollen wir so lange die wenigen Wege dort oben entlang laufen bis wir den Vermessungsstein gefunden haben. Zudem hoffen wir auf Spaziergänger, die uns den Weg weisen können. Soweit die Theorie.

    Wir haben beinahe eine ganze Stunde gesucht. Haben mit Anwohnern, Spaziergängern und einem Waldarbeiter geredet. Alles vergebens. Vom Hasselbrack hat noch keiner etwas gehört, von höchsten Punkt Hamburgs ebenfalls nicht. Ein Pärchen wollte uns auf den nächsten Berg schicken, der sei doch viel höher. Leider gehört der zu Niedersachen Die beiden haben nicht verstanden, dass die Berge Hamburgs niedriger sind und doch die höchsten des Landes. Lehrpfade, Reitwege, eine vergammelte Siedlung mitten im Wald, eine schöne Lichtung, Hügelgräber und einen tatsächlich schönen Wald haben wir gesehen, aber den verfluchten Vermessungsstein haben wir nicht gefunden. Irgendwann haben wir es aufgeben. Wir sind uns sicher, dass das WAI auf dem Hasselbrack war, wenn nicht, dann höchstens 200 m vom Stein weg.

    Es geht schon auf Mittag zu, als wir uns auf den Weg nach Harburg machen. Durch die niedersächsischen Fistelberge kommen wir nach Alvesen und haben sofort festen Boden unter den Füßen, auch im übertragenen Sinn. Nun stimmt die Karte wieder, denn hier fahren Autos und Fahrräder. In Ehestorf sehen wir den Radfernweg Bremen-Hamburg wieder, dem wir bis zum Stadtrand folgen werden. Weiter nicht.
    Schon gestern haben wir uns entschieden nicht bis in die Hamburger Innenstadt zu gehen. Wir werden in Hamburg-Harburg aufhören. Die Füße meiner Frau wollen nicht mehr weiter, nach den Irrwanderungen auf dem Hasselbrack erst recht nicht mehr. Die 10 Kilometer bis zur Innenstadt, sagen wir uns, können die Hamburger selbst machen. Fahrrad untern Hintern klemmen und einmal bei Sonnenschein durch den Südhafen.

    v.o.n.u.

    Morgens in den Harburger Bergen
    Harburger Berge bei der Siedlung Tempelberg
    Hier auch
    Bei Alvesen


    Radweg und Straßen von Eversen-Heide bis zum Europäischen Fernwanderweg E1 (Straße Elstorf-Bachheide – Tötensen). Durch die Harburger Berge über Waldwege bis zur Siedlung Tempelberg. Kreuz- und quer über den Hasselbrack. Über die Fistelberge zur Straße Alvesen – Sottorf (Am Rosengarten). Hoch nach Alvesen, rüber nach Ehestorf und runter nach Harburg auf kleinen Dorf- und Landsträßchen. Durch den Ehestorfer Weg, später Straße bis zum Bahnhof in Hamburg-Harburg.

    Entfernung: ca. 20 km


    * Warum die genaue Streckenangabe? Die braucht hotdog für die Google-Karte.
    Geändert von hotdog (02.08.2012 um 16:06 Uhr)

  7. Liebt das Forum
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    6. Etappe: 16.12.2009

    #7
    Harburg - Hamburg: 14,5 km per Rad mit Torres


    Und weiter gehts:
    Werner hatte das WAI zwar schon nach Hamburg gebracht, aber eine kleine hinterlistige Blase hatte dafür gesorgt, dass die Reststrecke per S-Bahn zurück gelegt wurde. Das ging ja nun gar nicht und so sattelte ich mein Pferd, um wagemutig bei strahlendem Sonnenschein zwischen zwei Geschäftsterminen die Strecke zu vervollständigen.



    Beweisfoto: Torres was here

    Zunächst geht es auf der Hauptverkehrsstraße (B 75?) auf eine, abenteuerlich engen Fahrradweg Richtung Harburg Hafen auf den Radweg Hamburg-Bremen. Der Harburger Hafen ist im Moment im Umbruch und ich bin neugierig auf die Hausbootsiedlung und so fahre ich in eine Seitenstraße hinein und sehe:



    Es gibt nur noch ca. 5 Schiffe dieser Art auf der ganzen Welt, es sind die klassischen Personentransportschiffe der HADAG gewesen und da ich drei der Schiffe kenne, kann es nur die ----- Nein, die war doch rot. Oder wurde sie umlackiert? Aber sie muss es sein, sie wurde doch letztes Jahr verkauft. Vielleicht restauriert sie jemand. Verdammt, das ist sie, warum ist hier kein Schild. Da steht einer. Fragen wir mal: Tschuldigung, wie heißt das Schiff? Keine Ahnung? Ach, das ist der Besitzer? Wie heißt das Schiff? MS Tonne, ehemals MS Tonndorf. Ja! Sie ist es, der Rost ist ab, die Originallackierung ist wieder drauf, die Tonndorf lebt. Wir schnacken ein paar Minuten über dit und dat und ich erfahre, dass die Tonndorf nächstes Jahr Hafenrundfahrten im Hamburger Hafen machen wird. Dieser Tag wird gut, ich bin am richtigen Ort.
    Aber ich muss ja weiter, keine Sentimentalitäten. Ich bewundere noch kurz die Hausboote, die man für ca. 250.000 € erwerben kann, für Hamburg ein Schnäppchen und lasse den Blick über die bunte Vielfalt an Architektur in der Ferne gleiten.




    Dann geht es auf den Fernradweg, endlich nicht mehr die Straße lang und ich komme an die alte Verbindungsbrücke zwischen Harburg und Wilhelmsburg, denn Harburg wurde es in den 30er Jahren Hamburg zugeschlagen.





    Es ist eine filigrane Stahlkonstruktion, die lichtdurchflutet und erhaben wirkt, abgerundet durch das Tor, das die Wappen Hamburgs und Wilhelmsburgs zeigt. Heute ist sie Fuß- und Radweg, die Autobahn verläuft parallel. Ich befinde mich nun also in Wilhelmsburg. Ich mache Fotos, aber die Stahlkonstruktion ist falsch belichtet, weil ich an den Einstellregler gekommen bin. Zu spät. Naja, hellblau ist mal was anderes....





    Der Radweg folgt der Autobahn, ich nehme den Radweg linkerhands, da ich ja später in Richtung Alter Elbtunnel möchte. Links von mir sind Wiesen, Obstbäume, kleine Bäche und auf der anderen Seite der Autobahn stehen Pferde als wären sie in unberührter Natur. Die Autos fahren nur 70, die Strecke ist verkehrsberuhigt und alles wirkt so idyllisch. Das liebe ich an Hamburg - die Kontraste: Weltstadt mit Grün und immer wieder dörflichen Elementen.






    Dann stehe ich plötzlich vorm Wilhelmsburger Bürgerhaus und muss mich entscheiden: Rechts geht der Radfernweg weiter, es sind 8,9 km bis Hamburg, der Weg führt an Speicherstadt und Hafenkante vorbei, aber ich umfahre dann Hafen und Elbtunnel. Ich entscheide mich für den Hafen, auch 8,9 km. Nun geht es durch Wohngebiete, die Häuser freundlich aneinander gereiht. Plötzlich dann ein Schreck: Ein stummer Zeitzeuge der Vergangenheit mahnt eingemauert in einem Wohnviertel an Krieg und Elend im strategisch wichtigen Hafengebiet.



    Ich bin schon in Georgswerder, als ich alte Bausubstanz entdecke, der dörfliche Charakter ist noch da, als wäre hier die Zeit stehen geblieben.



    Die Hauptstraße ist fast leer, der Wochenmarkt ist vorbei, man sieht viele türkischstämmige Familien.



    Dann geht es durch eine kleine Parkanlage, noch eine kleine Anhöhe und schon bin ich auf einer der zentralen Zufahrtsstraßen zum Hafen. An der nächsten Brücke ist Zollkontrolle - natürlich nicht für mich, sondern für die LKWs - und ich sinniere darüber, dass in den nächsten Jahren der Freihafenstatus für dieses Gebiet abgeschafft wird. Alles ist im Wandel, das ist der Lauf der Zeit.



    Nun geht es Richtung Roßdamm, neben mir brettern die LKWs Richtung Autobahn, ich fühle mich zu Hause und von der Finanzkrise merke ich nichts. Dann endet der Radweg plötzlich und ich fahre ein Stück zurück, denn ich vermute, dass ich mich verfahren habe. Da tutet es neben mir und eine Lok rangiert leere Güterwaggons hin und her. Und plötzlich bin ich wieder Kind, fasziniert bleibe ich stehen und nehme meine Umgebung mit allen Sinnen auf: Die LKW tuten und klappern, die Bahn pfeift und zischt, die Waggons ruckeln und hinter der Straße tuckert ein Lastkahn mit Ware in die weite Welt. Alles ist im Fluß, alles verändert sich binnen Minuten, überall bewegt sich etwas. Ich genieße diesen Moment und überlege, woher meine Faszination für den Hafen kommt. Ich komme zu keinem Ergebnis, es war schon immer so. Und ich bin stolz, mich im zweitgrößten Hafen Europas und im achtgrößten Hafen der Welt zu befinden.





    Eine Frau mit Hund zeigt mir die Treppe, mein fehlendes Verbindungsstück, ich schiebe das Fahrrad an den angebrachten Fahrradschienen auf die Brücke und stehe plötzlich auf dem Veddeler Damm.





    Nun ist es zum Elbtunnel nicht mehr weit, hier kenne ich mich aus. Ich fahre auf dem Kopfsteinplaster, neben mir überholen klappernd die LKWs und ich freue mich über jeden einzelnen, sie symbolisieren pulsierendes Leben. Dann ein kurzer Blick auf die "König der Löwen" Ausschilderung und auf Blohm und Voss - zwei Kreuzfahrtschiffe liegen gleichzeitig im Dock - und dann ist der Alte Elbtunnel erreicht.






    Ich kenne mich aus und so gehe ich rechts vorbei um bei diesem traumhaften Wetter einen fast vergessenen Blick auf die Elbe zu werfen - und meine Heimatstadt zeigt sich in strahlendem Licht, wie Perlen aufgereiht der Fischmarkt, die Hafenstraße, die Landungsbrücken, der Michel, die Rickmer Rickmers, die Cap San Diego, man sieht schon die Konturen der neuen Elbphilharmonie - die Glasfassade wird seit gestern angebracht - und neben dem neuen Kreuzfahrtterminal steht ein Kreuzfahrer. Hamburg - Meine Perle. Lotto King Karl, Du musst hier gestanden haben, als Du dieses Lied geschrieben hast.












    Doch die Zeit drängt, nun geht es durch den Alten Elbtunnel, er wird gerade renoviert und die Kacheln leuchten in neuem Glanz.




    Dann geht es mit dem Aufzug nach oben und ich habe mein Ziel, die Landungsbrücken, erreicht. Nun kann das WAI an Mika übergeben werden, bevor es seine Reise nach Schleswig-Holstein antritt.



    Torres
    Geändert von hotdog (02.08.2012 um 16:16 Uhr)

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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #8
    Und schon ist das WAI wieder auf Tour: Mika bringt es jetzt den Alsterlauf hoch, um noch ganz andere Seiten von Hamburg zeigen.



    Gute Reise.

    Torres

  9. 7. Etappe: 19.12.2009

    #9
    Hamburg: 30,5 km per Rad mit Mika Hautamaeki

    So, endlich geht der Bericht weiter:

    Rundreise durch die Freie und Hansestadt Hamburg

    Es begab sich, dass ich am Sonnabend den 19.12.2009 eine kleine Plastikschachtel von den Landungsbrücken abzuholen hatte, damit diese auch mal einen Blick auf die Reize der schönen Stadt Hamburg werfen kann.

    Also ging traf ich verabredungsgemäß um 13.00 Uhr mit dem Rad an den Landungsbrücken ein, um das WAI in Empfang zu nehmen. Nach dem üblichen Übergabeprotokoll (Foto, Klönschnack, usw.) ging es dann bei frischen -8°C los. Zu Fuß schleppte ich meinen Rad die doch ziemlich rutschige Landungsbrücke hoch und packte mich auf diesen ersten 50 m fast dreimal auf die Nase. Toller Start dachte ich, aber gleich geht’s ja besser, wenn du erstmal fahren kannst… Aber nein, zu früh gefreut. Mein Rad stand die letzten Wochen erst im Regen, dann im Schnee und dank der warmen S-Bahn, mit der ich zum Hafen gereist war, war alles einmal angetaut, tief in jede Ritze eingesickert und dort dann friedlich wieder eingefroren. Also die Bremsen gingen nicht, aber das is ja auch egal, denn wer bremst hat Angst, die Schaltung ging auch nicht, aber im nich ganz so bergigen Hamburch is auch die eher überflüssig. Naja, und das Tretlager war auch eingefroren und ließ mich häufiger mal durchtreten, aber fahren insgesamt ist ja auch völlig überbewertet....
    Es ging also mal fahrend, mal rollend und häufig lauthals fluchend zunächst zum Baumwall, wo die Alster in die Elbe mündet.



    Dort ging es auf den Alsterwanderweg und über die Admiralitätsstraße, Stadthausbrücke und dem Neuen Wall in Richtung Jungfernstieg, auf dem sich Heerscharen von Weihnachtseinkäufern tummelten und meine Mission sabotierten (Im Weg stehen, rumstehen, blind die Straße überqueren und dabei stehenbleiben, waren die beliebtesten Manöver). Den Rathausmarkt habe ich an dieser Stelle bewusst gemieden, da sich hier der Weihnachtsmarkt aufgebaut hatte und mit dem Rad kein durchkommen zu erwarten war.
    Aber es gelang mir diesem Wirrwarr zu entkommen und ich fuhr am Westufer der Binnenalster in Richtung Außenalster, die schon fast gänzlich zugefroren war. Einzig eine Fahrrinne für die Alsterdampfer war noch mehr oder weniger frei.



    An der Außenalster angekommen konnte ich zum ersten Mal den Schnee und das herrliche Winterwetter genießen, da ich nun nicht mehr jeden Meter einen Passanten vorm Vorderrad hatte.

    IMPRESSIONEN







    An der Krugkoppelbrücke wechselte ich auf das östliche Alsterufer und fuhr den Leinpfad entlang.







    Diesem folgte ich bis zum Winterhuder Fährhaus, bevor ich immer noch auf der Ostseite auf den Winterhuder Kai und ein kurzes Stück auf der Bebelallee weiterfuhr und schließlich durch ein Kleingartengebiet die Fuhlsbüttler Schleuse erreichte. Fix den Ratsmühlen Damm überquert und ich war im Alstertal.
    Dieser Streckenabschnitt wird von Ohlsdorf bis Poppenbüttel (9 km) von keiner Straße unterbrochen und führt durch wunderschöne Flußauen. Häufig hört man trotz des manchmal starken Verkehrs der näheren Straßen wirklich keinerlei Verkehrslärm. Durch den Schnee und die teilweise zugefrorenen Tümpel ein wunderschönes Fleckchen mitten in einer Millionenstadt.

    Alsterdorf:



    Im Alstertal (Klein Borstel)







    Wellingsbütteler Torhaus:



    Mittlerweile waren durch mein langsames vorankommen alle Pläne heute noch wieder an die Landungsbrücken zurückzukommen und so den Rundkurs zu komplettieren zunichte gemacht worden. Davon ließ ich mich aber nicht beeindrucken und folgte dem Alsterwanderweg bis zur Poppenbütteler Schleuse.

    Kurz vor Poppenbüttel:



    Von dort ging es entlang der Harksheider Straße zur ersten Winterbesteigung eines 6000ers. Die Hummelsbüttler Müllberge (6110 cm ü. NN) sind eine ehemalige Müll- und Bauschuttdeponie, die begrünt wurden und nun ein beliebtes Ausflugsziel sind. Die Aussicht reicht von dort an klaren Tagen bis zum Hafen. Und gerade bei Schnne sind die doch ziemlich steilen Hänge ein beliebtes Rodelrevier.

    Rodelbahn:



    Aussicht vom Gipfel:





    Nach einer ausführlichen Rundumsicht stieg ich im restlichen Tageslicht wieder ab und fuhr zurück Richtung Wellingsbüttel. Von hier wird das WAI dann in den nächsten Tagen per Rad oder zu Fuß zurück an die Landungsbrücken gebracht werden, wo Torres es dann für die weitere Route wieder in die Arme schließen kann. Die genaue Route steht noch nicht fest, aber wahrscheinlich geht’s wieder an der Alster lang bis zum Rathausmarkt (fehlt ja noch), dann durch die Speicherstadt und an der Elbe lang zu den Landungsbrücken.
    Momentan denke ich, daß es am Di soweit sein wird. Mal sehen was die nähere Planung nach dem Weihnachtsfeiertagen bringt.

    Edit: Warum so viele Bilder nen Blaustich haben, kann ich euch nicht erklären, abe es könnte daran gelegen haben, daß ich noch Restalk vom Vorabend hatte
    Geändert von hotdog (09.10.2012 um 17:32 Uhr)

  10. 8. Etappe: 29.12.2009

    #10
    Hamburg: 21,4 km zu Fuß mit Mika Hautamaeki

    So, das WAI ist wieder sicher zurück in den Händen von Torres. Meine Tour heute war eher unspektakulär, da ich die selbe Route wie auf dem Hin weg genommen habe. Einzig im Innenstadtbereich habe ich noch ein bischen die Touri-Punkte abgelaufen. Ich bin also bei frostigen -1 Grad von Wellingsbüttel entlang der Alster bis zur Binnenalster gelaufen. Die Strecke bis dahin war nun ja hinreichend bekannt, zeigte sich aber mit den reifüberzogenen Pflanzen mal wieder von einer ganz anderen Seite. (Leider war es in Hamburg derartig nebelig, daß ich keine wirklich hübschen Panoramabilder machen konnte)



    Von der Binnenalster aus, hab ich dann zuerst das Rathaus und den Michel angelaufen. Der Michel selbst war gerade für Besucher geschlossen, da der tägliche Mittagsgottesdienst gerade abgehalten wurde. Aber aus einem vorherigen Besuch kann ich sagen, daß der Innenraum nach Abschluß der Restaurierung unglaublich hübsch geworden ist.

    Michel (St. Michaelis) im Nebel, die Turmspitze war kaum zu erkennen



    Krameramststuben beim Michel



    Ich rang mich schweren Herzens dazu durch nicht ne Portion Labskaus im Old Commercial Room zu essen, da meine Tour ja noch nicht vorbei war. Auch an der Merimieskirkko ging ich ohne einen Blick hinein vorbei und erreichte schließlich die Speicherstadt.



    Von dort folgte ich der Elbe, kam an der Rickmer Rickmers vorbei



    und erreichte endlich...den ALTEN ELBTUNNEL. Hier war ja noch eine senkrechte 25 m Rechnung offen. Also die Treppe runter, unten einmal in die Röhre gekuckt und die Treppe wieder rauf, so daß wir mit Fug und Recht behaupten können, daß das WAI keinen Meter mit Motor zurückgelegt hat. (Mit dem Fahrrad wäre diese Treppe übrigens nichtmal ansatzuweise zuschaffen gewesen).
    Dann endlich ging es zu Torres und die Übergabe erfolgte gegen 12.55 Uhr Hamburger Ortszeit. Bald gehts dann weiter die Elbe runter, aber diese Geschichte wird euch Torres dann ja erzählen.
    Geändert von hotdog (09.10.2012 um 17:39 Uhr)

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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #11
    Das WAI wünscht allen Staffelläufern ein gutes, erfolgreiches und vor allem erlebnisreiches Jahr 2010.







    Torres

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    9. Etappe: 3.1.2010 - 11.1.2010

    #12
    Hamburg - Niebüll: 303,6 km per Rad mit Torres

    Gerade stürmt und schneit es auf Sylt - welch ein gutes Timing - eine Tour wäre heute nicht mehr möglich.....

    Ich schreibe jetzt mal die ersten groben Kapitel meines Reiseberichtes - die Fotos kann ich aber erst einstellen, wenn ich zu Hause bin.

    1. Tag Sonntag, 4.1.2010
    Ich wache morgens auf und denke über Marsch und Geest nach. Da: ein Gedanke - wir haben als Summits die höchsten Punkte Deutschlands festgelegt. Aber wo ist der niedrigste? Ich kukkel und siehe da: Neuendorf-Sachsenbande bei Wilster. Das liegt zwar nicht auf der geplanten Strecke, dann muss ich die eben entsprechend abändern. Ich packe die letzten Sachen ein, das Gewicht beträgt 30 kg. UL ist was anderes, aber es ist ja Winter.
    Gegen 12.00 Uhr komme ich los, ich fahre mit der U-Bahn zur Station Landungsbrücken und habe große Schwierigkeiten, das Fahrrad die Treppe runter zu bringen. Ich fahre an der Elbe lang - nur Spaziergänger, ich muss langsam fahren.


    Almauftrieb - so nenne ich Massenspaziergänge an Sonntagen. Hier am Strand von Neumühlen, wo man sich im Sommer sonnt und abends die Zäune und Bänke der Anwohner beim Grillen verheizt...

    Der verschneite Boden ist festgetreten, so dass ich Grip habe, aber der Belag kostet Kraft.


    Blick auf die ehemaligen Lotsenhäuser in Neumühlen, die heute begehrtes Wohneigentum sind.

    Die Schiebestrecke an Neumühlen zieht sich ellenlang hin, der Boden ist uneben, naja.
    Der Alte Schwede hat ein Schneemützchen auf, ich mache ein Bild und denke an den ersten Hamburger ODS Stammtisch mit Meer Berge, Lina und Sandmanfive. Erst ein Jahr her, es kommt mir vor, alls würden wir uns ewig kennen.


    Der alte Schwede - ein Findling aus der Elbe.

    An einer Rodelstrecke lege ich mich längs hin, dann geht es im Strom der Spaziergänger weiter. Es ist kalt, die Spaziergänger rechnen nicht mit Fahrradfahrern, motzen, wenn ich vorbei will, dabei bin ich auf einem Fernradweg. Ich komme nur langsam voran.


    Blankenese, ein ehemaliges Fischerdörfchen und heute eines der teuersten Wohnviertel Hamburgs.

    Gegen 15.00 Uhr erreiche ich Falkenstein, der Campingplatz ist geschlossen, aber die Türen sind auf, damit Spaziergänger ans Wasser können. Ich entschließe mich hier zu bleiben und stelle mein Zelt unter einer Weide auf.


    Blick aus dem Zelt.

    Ein paar Spaziergänger drücken sich in der Nähe herum, sie suchen einen ungestörten Pinkelplatz. Mountainbiker heizen durch den Wald, Hunde werden spaziergeführt, Sonntag in Hamburg eben. Gegen 16.30 Uhr wird es leer, Containerschiffe schieben sich vorbei und Hamburg färbt den Himmel orange-rot. Der Raddampfer "Lousiana Star" ködert die letzten Gäste für die Hafenrundfahrt, man hört das charakteristische Tuten meilenweit. Es ist schneestill, richtig idyllisch. Wie erwartet sind die Innenschuhe nass und die Daunenjacke ebenfalls. Ich stopfe Zeitung in die Jacke, dennoch fällt sie total zusammen, Mist. Es ist windstill, das Zelt wird nass vor Kondens, ich schlafe dennoch gegen 19.00 Uhr tief ein und werde nur ab und zu von den Schiffsmotoren wach.

    2. Tag Montag, 05.10.2010
    Ich wache gegen 5 Uhr auf und öffne um 5.30 Uhr mein Zelt. Es ist menschenleer und ich vermisse Sandmanfive, der jetzt schon wortkarg seine Pfannkuchen braten würde und Lina, die um diese Uhrzeit noch fest und tief schlafen würde und erst später die fantastischsten Köstlichkeiten aus ihren Taschen zaubern würde. Das Packen ist schnell gemacht, das Kondens ist vereist, aber die Daunenjacke ist nur noch ein nasses Brett. Auch von außen hat sie Wasser gezogen. Das kann ja heiter werden - vielleicht sollte ich Zelten hinten an stellen. Die Motorradtasche fürs Zelt ist steif gefroren - sie ist nicht kältetauglich. Die Ortlieb-Taschen und der Vaude - Fahrradkurierrucksack sind dagegen einwandfrei.
    Auf dem vereisten Weg schlittere ich bei Dunkelheit an der Elbe entlang, dann kreuzt eine Treppe meinen Weg - Mist. Obwohl (vereiste) Fahrradschienen angebracht sind, muss ich abladen und brauche bestimmt 20 Minuten bis ich oben bin.


    Die Treppe.

    Immerhin mache ich zwei Fotos, während die Enten mich auslachen.


    Quakquakquakquakquakquakquak.......

    Ob angekommen herrscht ein rauher Wind, mir ist lausig kalt, die Jacke ist immer noch nass. Ich schlittere über den Parkplatz auf eine Straße und fahre nach Wedel rein. Man Navi lenkt mich nach Schulau zur Schiffsbegrüßungsanlage, die ein- und ausfahrende Schiffe mit ihren Nationalhymnen begrüßt und heute noch den gleichen Sound hat, wie in meiner Kindheit - Technikfredis würden sich schütteln, aber ich liebe das. Leider kommt kein Schiff, aber die Sonne geht auf und ich mache ein Foto.


    Links das Schulauer Fährhaus, recht die Schiffsbegrüßungsanlage.

    Es ist lausig kalt und schon 8.00 Uhr und ich bin gerade mal in Schulau. Oh Gott. Schulau ist zwar schon Schleswig-Holstein, aber Hamburg immer noch in greifbarer Nähe. Ich entscheide mich, über Holm nach Elmshorn zu fahren und nicht die Strecke durch die Haseldorfer Marsch zu fahren - sie wird nicht geräumt sein, die Marsch wird tot und kahl aussehen, Vögel sind auch keine zu erwarten und da die Pinnau- und Krückau-Sperrwerke im Winter zu sind, muss ich eh über Elmshorn fahren. Ich suche den Radweg, biege daher in eine vereiste Straße ein, die Straße ist falsch, ich wende und lege mich auf blankem Eis voll auf die Schnauze. Es tut weh, aber es hilft nix, ich muss weiter. Ich denke an die alte BMW Motorradfahrerweisheit: Fahre immer mit Koffern, auch wenn sie leer sind - legst Du Dich hin, sind die Koffer kaputt, aber die Knie bleiben heil. So ist es!

    Ich fahre Landstraße in den Ort und finde tatsächlich den nicht ausgeschilderten Ochsenweg und gebe Gas. Der verschneite Weg ist relativ festgetrampelt, ich komme leidlich gut voran, aber die Strecke kostet Kraft. Ein zugefrorener See lockt mich, Fotos zu machen, aber ich will weiter und erreiche gegen 10 Uhr Holm. Ich schätze, ich bin vielleicht 10-12 km in 4 Stunden gefahren und bin deprimiert. Ich kaufe Wasser, Orangina und zwei Brötchen, die so knackig sind, dass die Hälfte auf dem Boden landet. Meine Hände sind eiskalt, so komme ich nie nach Sylt!

    Ich fahre ein Stück Landstraße, hier ist geräumt und biege vor Heist wieder in den Ochsenweg ein. Ein Mann fällt Bäume, der Weg ist unpassierbar, ich hebe mein Fahrrad über die Baumstümpfe und er grinst, wer rechnet denn mit Radfahrern um die Zeit. Ich kontere: "Das ist doch hier der Ochsenweg - Ochse zu Ochse". Er grinst noch mehr: "Ja, sogar zwei Ochsen, das passt".


    Das Bild ist heute vom Zug aus gemacht worden, aber es zeigt, was es zu sehen gab: Felder, Zäune und Bäume....

    Zwischen Heist und Moorege halte ich an einer Bushaltestelle und lege mich fies auf die Schnauze, als ich versuche, vom Fahrrad zu steigen. Es hat schon seinen Grund, warum ältere Herren Damenfahrräder kaufen! Ich bin noch deprimierter, noch bin ich gerade einmal 45 Autominuten von meinem Wohnort entfernt und es geht schon auf Mittag zu.
    In Uetersen verlasse ich mich weiterhin auf mein Navi, ich will über Heidgraben nach Elmshorn, es fängt wieder an zu schneien. Ich irre herum, um die Strecke zu finden. Eine Frau zeigt mir den Weg an der Landstraße und ich verstehe, dass mein Navi die kleinen Fahrradwege nicht kennt und einfach imaginäre Wege ausspuckt.
    In Heidgraben verliere ich die Orientierung und entschließe mich, den Autoschildern zu folgen. Es ist ein Umweg, aber ich lerne, dass die Radwege an den Landstraßen geräumt sind, eine wichtige Erkenntnis für die ganze Tour. Ich kämpfe mich an der vielbefahren Landstraße Richtung Elmshorn, es schneit weiter. An einer Bushaltestelle entwickelt ich eine neue Technik, vom Fahrrad zu kommen: Fahrrad anlehnen und dann vorsichtig Bein zusammenziehen und entfernen. Normalerweise schwinge ich das Bein über den Sattel, aber das geht wegen der Zelttasche nicht. Auf der rechten Seite taucht eine Skulptur eines Holsteiner Pferdes und der Gedenkstein von "Meteor", dem legendären Springpferd von Fritz Thiedemann auf, ich weiß wieder wo ich bin und fahre bei Schneetreiben nach Elmshorn rein. Ich überlege ein Foto von Weihnachtsmarkt und Kirche zu machen, aber ich bin so durchgefroren, dass ich Abstand nehme.
    Ein Mann erklärt mir den Weg nach Bullendorf, ich will die Landstraße Richtung Wilster hoch. Die Straße ist menschenleer, es sind kaum Autos unterwegs und ich kämpfe gegen den eisigen Wind an, der trotz Sturmhaube, Mütze und Helm meine Ohren auskühlen lässt.


    Auch das Bild wurde heute nachträglich aus dem Zug gemacht und zeigt, wie weitläufig die Landschaft ist

    Ein Segeberger Mercedes mit SE-XY schießt an mir vorbei und überholt riskant einen langsam fahrenden Kleinwagen. In letzter Sekunde kapiert er, dass der Kleinwagen langsam fuhr, weil der Bahnübergang rot zeigt, er bremst stark ab, kommt zum Stehen und eine Sekunde später donnert der Zug vorbei. Ich denke mir meinen Teil.... Ich fahre durch Siehtwende und Sommerland und vergesse völlig, ein Foto vom Ort "Grönland" zu machen, der in der Nähe liegt. An der Straße langweilen sich zwei Kinder, sonst ist alles ausgestorben, der Radweg ist pudrig mit Schnee bedeckt, der Wind ist laut.


    Foto aus dem Zug. Aber so sehen die Gehöfte in der Gegend aus.

    Ich erreiche Süderau, langsam wird es dunkel und ich entscheide mich, nur noch bis Krempe zu fahren. In Krempe huschen nur wenige Menschen noch schnell in den Supermarkt, ein Campingplatz ist weit entfernt und an Wildcampen ist bei dem Wetter nicht zu denken. Eine patent aussehende Frau kommt mir auf dem Fahrrad entgegen, ich spreche sie nach Zimmern an, sie wendet sofort und sagt "Folgen Sie mir". Sie bringt mich zu einer Zimmervermietung, das Zimmer ist sauber und groß, es gibt eine Kochküche und ein luxoriöses Bad mit Ganzkörperdusche. Ich zahle 23 Euro, davon 5 Euro Eine-Nacht-Zuschlag. Klasse. Als ich Lina meine Position durchgebe, bin ich völlig deprimiert, wenn das so weiter geht, schaffe ich die ganze Strecke keinesfalls. Die problematischen Strecken an der Küste kommen ja erst. Ich kann froh sein, wenn ich Husum erreiche. Ich trockne den nassen Klumpen Daunenjacke, das eingefrorene Zelt und den Daunenschlafsack, koche Kartoffelpü mit Soße und schlafe 12 Stunden durch.

    3. Tag, Dienstag, 06.01.2010
    Morgens ist alles getrocknet. Ich ziehe eine Windbreakerjacke unter die Daunenjacke - vielleicht wirkt das ja wie VBL (Antwort: Nein, das macht alles nur noch schlimmer, man wird innen und außen feucht und fängt an zu stinken!). Es ist wärmer geworden, das heißt, der Tag wird kalt und feucht, eine böse Mischung. Ich ziehe die Regenjacke drüber. Bei feuchtem Schneetreiben fahre ich Richtung Bahrenfleth und mache die ersten Fotos der verschneiten Landschaft.


    Trist, trüb und feucht und trotzdem schön.

    Es sind wieder kaum Autos unterwegs, der Wind kommt von vorne, ist aber schwach. In Beidenfleth will ich mit der Fähre über die Stör setzen, aber die Fähre ist vermutlich wegen des Eises gesperrt. Ich finde einen Bauern im Stall, der mir das bestätigt, wir schnacken über dit un dat und ich lenke mein Fahrrad Richtung Heilgenstedten bei Itzehoe. Die Straße ist idyllisch, ich klettere an einer Stelle den Deich hoch und mache ein Foto von der Stör, hier bin ich als Kind oft gewesen, es ist Heimat.


    Ein harmloser Fluss - aber wehe, wenn er über die Ufer tritt.

    Leider verstelle ich die Kamereinstellung, die Bilder werden blau, das merke ich aber erst später.
    In Heiligenstedten geht es über die Brücke.


    Die Stör von der Brücke aus gesehen

    An der Brücke steht ein lustiges Gebührenschild, ich fotografiere es auf der anderen Seite, bin mir aber nicht sicher, ob es das gleiche Schild ist.


    Die Gebührentabelle in DM - ein Mauthäuschen gab es nicht...

    Ich überlege, zurück zu fahren, da schneit es plötzlich in dicken Flocken, ich muss weiter. Über Bekdorf und Moorhusen fahre ich Richtung Sachsenbande, der Schnee ist feucht und mein Schutzblech sprüht ihn auf die Hose. Innerhalb von Sekunden sehen mein Fahrrad und ich aus wie ein Schneemann. Die Hose wird nass, ich überlege, wo ich die Gamaschen hingepackt habe, aber ich habe keine Lust ab zu steigen. Die Straßenschilder sind kaum zu erkennen, nur selten taucht ein Auto auf und ich denke an meinen Lieblingsspot: "Man ist das heute wieder ein Betrrrieb hier".

    Die Straße ist weiß und rutschig, als ich Neuendorf erreiche und auf den Parkplatz einbiege, der die niedrigste begehbare Stelle in Deutschland mit -3,54 m unter N.N. begleitet.


    Die Markierung - die kleine weiße Plakette stellt Normalnull dar.


    Die erklärende Grafik im Schaukasten

    Neben dem Wegpunkt steht ein Pegel, auf dem Normal Null und die Sturmfluthöhen markiert sind. Die höchste Markierung vom 8m ist die Elbdeichhöhe, die höchste Flut betrug 6,78m, unvorstellbar, ich fühle mich furchtbar klein.


    Die zweithöchste Markierung markiert die Januarflut vom 03.01.1976. Das Wetter hätte also schlimmer kommen können....


    Die Grafik dazu....

    In der Hütte trage ich mich ins Gästebuch ein und trinke Tee, danach ist mir lausig kalt und ich radel weiter.
    Die Fähre bei Burg ist in Betrieb und ich setze über den Nordostseekanal. In der Ferne ahne ich die Brücke bei Hochdonn im Nebel, schade, sie hätte ich gerne fotografiert. In Burg schneit es wieder, der Ort liegt auf einem Hügel, ich spreche einen Ortsansässigen mit bayrischem Akzent an, der mich den Hügel ein Stück hochbegleitet und über meine Wegwahl den Kopf schüttelt. "Fahren Sie Landstraße über Hochdonn und Süderhastedt, da ist geräumt", rät er mir. Er hat Recht, schlagartig erinnere ich mich an die Strecke über Burg, die ist gefährlich und riskant. Also doch nach Hochdonn, jetzt auch ein Foto von der Hochbrücke:


    Die Eisenbahnbrücke bei Hochdonn.

    und ich erinnere mich vergnügt daran, dass ein Anwohner unter der Brücke jahrelang gegen die DB geklagt hat, weil er immer die Scheiße aus den Zügen auf sein Grundstück bekam. Früher gab es ja keine Chemieklos, sondern Klappe auf und weg ist (weswegen man in Bahnhöfen nicht aufs Klo gehen sollte....) Ich male mir zum hundersten Mal aus, wie die Familie auf der Terrasse sitzt und Platsch die Häufchen runterregnen - und mir wird wieder warm.
    Auf dem Bürgersteig räumen die Anwohner pflichtbewusst den Schnee weg, ich bedanke mich herzlich und biege auf die Landstraße nach Süderhastedt ein. Der Weg ist nicht schlecht, es wieder kälter geworden, der Schnee ist gefroren, aber die Baumwurzeln haben den Weg aufgebrochen und jeder Huckel tut weh, die Hose drückt. Das wundert mich, ich fahre seit Jahren mit der Kombi, hinter her stellt sich raus, dass ich anders sitze als sonst, die Hose ist daher vorne aufgerissen. Die Straße zieht sich endlos hin, immer wieder kleine Hügel und Talstrecken, die man dennoch langsam fahren muss, damit man nicht fällt. Am liebsten würde ich im Waldstück mein Zelt aufbauen, aber dort sind Holzarbeiten, das wird nichts.


    Die Süderhastedter Mühle - sie ist noch in Betrieb


    Nein, das ist kein Badeschaum - das sind die gefrorenen Reste des Schneetreibens vom Vormittag

    In Krumstedt mobilisiere ich die letzten Reserven, freue mich auf das Schild Meldorf, aber ich bin erst in Nindorf. Dann kommt endlich Meldorf, mir kommt nur Landprekariat entgegen, wo bin ich hier hingeraten? Ich schiebe mein Fahrrad durch die Unterführung, halte bei der Apotheke quer zum Fahrradständer, ein Rentner will da parken, also wieder alles zur Seite schieben. Grrrr. Eine freundliche Frau in der Apotheke verweist mich auf die Tourist Info am Dom, ich schiebe mit letzter Kraft mein Fahrrad da hin - sie hat zu. Ich spreche eine Frau nach einem Hotel an, sie grinst und zeigt aufs Nebenhaus, tatsächlich - Hotel zur Linde.


    Hotel zur Linde am Marktplatz von Meldorf

    Ein Bett & Bike Symbol, bestens. Der Typ an der Rezeption ist total nett und lacht die ganze Zeit, das Fahrrad kommt in eine Garage. Das Zimmer ist nicht ganz billig, 52 €, das Doppelzimmer kostet 4 Euro mehr, ich nehme das Doppelzimmer, ich kann nicht mehr. Das Zimmer ist ein Traum, Blick auf Marktplatz und Dom, ich trocke meine Sachen und esse im dazugehörigen Restaurant Rinderbrust mit Bratkartoffeln und Meerrettichsoße. Ich schlafe bestens, am liebsten würde ich hier gar nicht mehr weg.


    Der Marktplatz von Meldorf - rechts ist der Dom. Ich hoffe, das Bild wird durch die Verkleinerung nicht zu dunkel....
    Geändert von hotdog (09.10.2012 um 17:43 Uhr)

  13. Liebt das Forum
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #13
    4. Tag Mittwoch, den 06.01.2010
    Der Wetterbericht warnt vor Sturm am Wochenende, ich muss mich sputen. Das Frühstück ist sensationell, ich esse eine Packung Geflügelsalat und mache mich über Mozarella, Eier, Obst und Joghurt her. Auf meine Frage, warum der Dom ein Dom ist (meiner Kenntnis nach haben nur Katholiken einen Dom - dieser Dom ist aber als Dom konzipiert worden und im 12./13 Jh. gebaut worden) , werde ich umgehend umfassend informiert. Hier werde ich wieder herkommen, garantiert. Ein phantastisch geführter Familienbetrieb mit drei Sternen, empfehlenswert. Hier ist der Gast wirklich König.
    Vor der Tür hält mich eine Dame an, sie ist von der Presse, aber für ein Interview reicht die Zeit nicht. Ich informiere dennoch über unseren Staffellauf.
    Ich fahre Richtung Meldorf Hafen, um an der Küste nach Büsum zu radeln. Der Wind frischt auf und ich sehe den Radweg. Nein. Diese Strecke würde viel zu viel Zeit und Kraft kosten, ich muss die Landstraße nehmen. Also fahre ich an dem Radweg der Landstraße Richtung Wöhrden, es ist ungemütlich kalt und diesig, aber die im Sommer vielbefahrene Straße ist recht leer. In Wöhrden halte ich an einer Kreuzung und nehme einen Schluck Wasser zu mir, da hält ein Auto hinter mir: "Wo wollen Sie denn hin". Ich sage" Nach Sylt, aber erst mal nur nach Wesselburen". Er sagt: "Geradeaus bis zum Kreisel und dann weiter geradeaus", guckt auf mein Fahrrad, guckt mich an und sagt:" In Wesselburen gibt es einen Bahnhof!". "Jou", sag ich," in Hamburch auch". Er lacht und gibt Gas.
    In Wesselburen sind die Bürgersteige nicht geräumt, es dauert, bis ich durch den Ort bin, denn fahre ich Richtung Eidersperrwerk. Die Autos nerven, es sind viele und da die Straße frei ist, geben sie richtig Gas. Ich kämpfe mich dennoch durch, der Wind wird stärker und eisiger. Ich überlege, am Deich entlang zu fahren, aber es ist nicht geräumt, da komme ich nicht durch. Ich schiebe mein Fahrrad das Eidersperrwerk hoch und bin entsetzt. Vor dem geistigen Auge hatte ich den traumhaften, sonnendurchfluteten Blick auf die Halbinsel Eiderstedt mit den auf Stelzen stehenden Strandkiosken von St.Peter Böhl, den Blick auf Büsum zur Linken und auf meinen sonnenbegrünten, kleebunten Lieblingsbadestrand Vollerwiek (ein Ort, der leider keinen Campingplatz für Zelte hat, deshalb fahre ich da nicht mehr hin) zur Rechten. Statt dessen sehe ich eine tote, graue Landschaft, schmutzige Schneereste und schmutziges Eis übersät das Watt, Büsum und Vollerwiek sind nur durch einen faden schmutzigen Schleier von Dunst zu erahnen, St. Peter ist von einer dunklen tiefhängenden Wolkenschicht verschluckt.


    Vor Schreck halte ich die Kamera schief.....


    Schmutzige Eisschollen.

    Auf der anderen Seite ist der Ausblick nicht besser, statt der Seehundsbänke sieht man ein mit schmutzig grauem Schnee überzogenes Flussbett, die Eider scheint kaum noch befahrbar zu sein.


    Blick auf die Seehundsbänke vor Tönning, wo sich im Sommer die Seehunde in der Sonne räkeln...

    Aber einige Austerfischer picken auf der Eisfläche herum, es scheint doch noch Nahrung zu geben.


    Die Vögel stört das Eis scheinbar nicht.

    Auf dem Eidersperrwerk weht ein brutal eisiger Wind, ich mache, dass ich weg komme.
    Ich biege in die Landstraße nach Tönning ein, das Katinger Watt, ein Vogelschutzgebiet, ist totenstill, kein Vogel zu sehen und zu hören. Es schneit wieder und ich mache links des Weges ein Bild von einem wunderschön zugefrorenen Bach. Meine Kamera funktioniert nicht, ich fluche, denn ich kann die Fehlermeldung nicht interpretieren. Ich wechsel das Objektiv, jetzt geht es, das Objektiv war nicht richtig eingerastet.



    Ich lenke mein Fahrrad Richtung Tönning, hier gibt es einen Campingplatz. Der Wind fegt über die Straße, meine Jacke ist wieder klitschnass, ich bin völlig ausgepowert, will aber noch nach Husum. In der Nähe des Marktes entschließe ich mich, doch ein Bild vom Tönninger Hafen zu machen. Die Fischereigenossenschaft, wo ich immer meinen Fisch kaufe, ist geschlossen, die Krabbenkutter an Land gezogen, damit sie bei Eis nicht zerquetscht werden. Der Hafen ist vereist und verlandet, dennoch hat er wie immer sein eigenes Flair.


    Der Tönninger Hafen. Hier kann man im Sommer frischgefangene Krabben vom Kutter kaufen



    Es schneit stärker, ich gehe ich Kopf die Strecke nach Husum durch und denke: "No". Ich überlege, ob ich campen soll, Lust hätte ich, aber die Vorstellung, mir bei der körperlichen Anstrengung in nassen Klamotten womöglich eine Lungenentzündung zu holen, ist nicht verlockend. So siegt die Vernunft. Die Tourist Info hat geöffnet, ich finde für 30 Euro ein Zimmer mit Frühstück, dann gehe ich auf dem Marktplatz Pizza essen


    Der Marktplatz von Tönning

    und wasche meine klitschnasse Icebreaker aus, während draußen Schneegestöber tobt.

    5. Tag, Donnerstag, 07.01.2010
    Laut Wetterbericht weiß ich, dass Tief Daisy im Anmarsch ist. Heute wird der letzte windstille Tag sein, also muss ich wieder Gas geben.
    Die Wirtin hat mir geraten, Landstraße zu nehmen, aber auf den Anblick auf Gewerbegebiet Ost habe ich keine Lust, ich fahre Richtung St. Peter. Zwischendrin werde ich unsicher, drehe und denke an hotdog. Hotdog wird bei der Trackbereinigung fluchen. Sorry, hotdog. Ich drehe dennoch wieder, ich bin schon richtig und biege bei Kotzenbüll auf die Landstraße zur B 202 ein. Die Straße ist verschneit, aber einige Autos sind durchgefahren, ich komme gerade noch durch. Auf der Höhe von Oldenswort kommt plötzlich eine fahle Sonne durch die Wolken, sie kämpft und ich mache ein Foto von der futuristischen Landschaft, in der man an den gebogenen Bäumen die Hauptwindrichtung bestimmten kann.


    Die Sonne kämpft und zwei Stunden später hat sie es geschafft. Leider ist auf den Fotos jetzt ein Fussel drauf, den ich nicht mehr wegbekomme.


    Die Bäume - vom Wind geformt

    Ich sehe den Radweg nach Oldenswort - unbefahrbar.


    Oldenswort aus der Ferne

    Ich trenne mich von dem Gedanken, den Roten Haubarg zu besuchen, dessen Baumeistersage mich als Kind schwer beeindruckt hat. (Wette des Teufels mit dem Bauern: Wenn der Teufel fertig ist, bevor der Hahn kräht, gehört ihm die Seele des Bauern. Der Bauer schafft es, dass der Hahn früher krät, daher wird der Teufel mit dem Bau nicht fertig und noch heute fehlt ein Stein). Der Rote Haubarg beherbergt heute ein sehenswertes landwirtschaftliches Museum und ein Cafe, dessen Kuchen legendär ist.
    Ich fahre auf dem Radweg der B 202 nach Husum, die Autos nerven entsetzlich, es ist die einzige westliche Verbindung zwischen der Autobahn HH-Heide und Husum, Sylt, Dänemark, Norwegen. Im Sommer fahren die Autos langsam, die Straße ist dann völlig überlastet, aber heute ist freie Strecke und die Autos fahren schnell und laut. Ich denke an die Grachten und Hollandhäuser von Friedrichstadt, hier wollte ich ursprünglich Rast machen, aber der Umweg ist einfach zu groß. Immerhin: Gegen 11.30 Uhr erreiche ich Husum


    Wildgänse kurz hinter dem Ortsschild von Husum. Erst betrachten sie mich mißtrauisch,


    dann entscheiden sie sich zur Flucht


    und ziehen geräuschvoll von dannen

    und um 12.00 Uhr mache ich ein Foto vom Markplatz.



    Der Souvenirshop hat leider keinen Aufkleber fürs WAI, egal.
    Ich nehme den Weg vom Hafen zum Campingplatz, die Sonne scheint und ich erklimme hoffnungsfroh den Deich. Und das erste Mal auf dieser Tour stellt sich ein echtes Glücksgefühl ein. Ich bin zu Hause. Friedlich schlafend liegt meine geliebte Insel Nordstrand im Dunst, das Silo von Süderhafen ist gut zu erkennen, dazwischen sind Schichten von Eis und Schnee auf dem Watt, die Fahrrinne scheint aber noch eisfrei zu sein.


    Blick auf den Süderhafen von Nordstrand


    Eisformationen vor Husum

    Ich mache Fotos, obwohl es windig und bitterkalt ist und würde am liebsten hier bleiben. Ich denke an die 2. Marcellusflut, die Grote Mandränke, bei der Nordstrand bis auf einen kleinen Rest zerstört wurde und tausende Menschen in den Fluten ihr Leben verloren. Nur der Kern, die alte Insel Strand ist noch erhalten, der Rest der Insel besteht aus dem Meer abgetrotztem neu gewonnennen Land. Ich kann mich nicht satt sehen an dem Anblick, aber meine Hände gefrieren zu Eis, ich muss weiter. Eine Fußgängerin bewundert meine Rucksack, erstaunlich, wieviele Spaziergänger das Wetter zum Spaziergang nutzen.


    Ich bin nicht allein....

    Ich radel den Deichweg entlang, der Weg ist fürs Fahrrad lebensgefährlich, überall ist Eis und Pulverschnee, aber die Winterreifen haben genug Grip, so dass ich vorsichtig und langsam voran komme. Die Landschaft ist traumhaft, ich stelle fest, dass sich Deiche zu Rodelbahnen umfunktionieren lassen und genieße dieses Stück Nordseeradweg. Dann kommen Schneeverwehungen, ich muss wieder schieben und komme in Schobüll zurück auf die mir bestens bekannte Landstraße nach Nordstrand. Einen kurzen Moment habe ich eine Fata Morgana - ich sehe mein Gimle in der Sonne auf dem Campingplatz stehen, Sylvie und Carsten haben Lamm gegrillt, Arno und Anke-Petra locken mit kühlem Bier, die Schafe blöken und Günther fragt mich im Anblick meines Fahrrades, ob ich jetzt ganz bekloppt bin! Puff - der Traum zerplatzt, es ist Winter, der Platz ist längst geräumt und vermutlich völlig vereist. Am weiß schimmernden Ponshalligkoog nehme ich Abschied von Nordstrand, wie gerne würde ich den Umweg zum Campingplatz machen, aber das kostet mich bei dem zu erwartenden Wind mindestens 2-3 Stunden, das schaffe ich nicht. Einen kurzen Moment spiele ich mit dem Gedanken durch den Beltringharder Koog zu fahren, um in Lüttmoorsiel die Lorrenverbindung nach Nordstrandischmoor zu fotografieren, aber ich sehe, dass der Weg zu schwer zu befahren ist. Also fahre ich über Hattstedt auf die B5. Die Strecke ist geräumt, aber ätzend, ein Auto jagt das andere, meine Ohren schmerzen. Ich denke über das einsame Leben der Radrennfahrer nach, die jeden Tag ihre montone Asphaltstreckenabsolvieren, kein Wunder, dass so viele von denen Drogen nehmen. Ich hatte gehofft, bis Niebüll zu kommen, weil den nächsten Tag der Wind aus Nordosten an Fahrt gewinnen soll, aber in Bredstedt ist Schluss, ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten.
    Über nichtgeräumte Bürgersteige und leichte Steigungen kämpfe ich mich an den scheußlichen obligatorischen Supermärkten in die dekorative Innenstadt. Die Tourist Information hat zu, das Gastgeberverzeichnis soll beim Schlachter liegen, der hat keine mehr. Ich verwünsche Bredstedt und finde eine Buchhandlung. Die Dame ist sehr nett und empfiehlt mir eine Pension in Riddorf, aber das wären noch mal 2 km. Ich lande im Hotel nebenan, das Zimmer ist lieblos eingerichtet und kostet 48 €, aber das ist mir jetzt egal. Ich kaufe bei der Buchhändlerin Lektüre, man schnackt über dit und dat, dann esse ich im hoteleigenen Restaurant, das Essen ist nicht schlecht, aber für den Preis hätte ich mehr erwarten können. Ich wasche wieder, die Heizungen sind effektiv, die Dusche traumhaft. Bis 12.00 Uhr lese ich mein Buch, dann schlafe ich traumlos.

  14. Liebt das Forum
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #14
    6. Tag, Freitag, 08.01.2010
    Die Buchhandlung hat schon auf, ich verschenke das Buch, es ist nur unnötiger Ballast. Über Bordelum fahre ich Richtung Ockholm, die Strecke ist idyllisch. Alles ist tief verschneit, die Höfe leuchten in der Sonne, der Wind ist moderat, aber schon spürbar. An der Landstraße rasten Wildgänse, aber als ich anhalte fliegen sie davon und lassen sich in sicherer Entfernung nieder. Ich packe das Tele aus und sinniere darüber, wie gut angepasst die Tiere doch an die Natur sind. Aus dieser Entfernung sehen sie aus wie kleine Grasbüschel oder Sandhügel im Schnee.


    Keine Sandhaufen, sondern gut angepasste Wildgänse.


    Leider reicht das Tele nicht aus, sie ganz heran zu holen.

    Ich fotografiere Windräder am Rand, bei Schnee passen sie sich in die Umgebung ein.





    Sonst hasse ich diese Dinger sehr, sie zerstören die Weite dieser Landschaft ungemein, die Rotoren politisch zu fordern (meistens auch noch von Städtern) und neben ihnen zu leben sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.


    Die schneebedeckte Landschaft in der Nähe von Ockholm ist ein Genuss.

    Ich radel weiter, bald bin ich an der Küste und erklimme einen tiefverschneiten Deich und sinke bis zum den Knien im Schnee ein.


    Schneewehen am Deich

    Es ist Ebbe, das ist gut, der Wind wird erst mit der Flut gegen Mittag stärker werden und ich schaue auf das vereiste Wattenmeer.



    Wieder kann ich mich kaum losreißen, aber es ist bitterkalt. Als ich zum Fahrrad komme, steigen zwei Familien mit Kleinkindern aus dem Auto, es ist Rodeln am Deich angesagt.
    An einer Tankstelle kaufe ich den Schleswig-Holstein Aufkleber fürs WAI und radel nach Schlüttsiel, der Abfahrtstelle zu den Hallig.


    Der Anleger Schlüttsiel zur Überfahrt zu den Halligen. Die Fähren nach Amrum und Föhr fahren ab Dagebüll

    Dann sehe ich die Perlen der Nordsee aufgereiht vor mir. Ich versuche mich zu erinnern, was was ist. Links muss die Hamburg Hallig sein, die mit dem Festland verbunden ist.


    Im Dunst kaum zu erkennen das Gebäude der Hamburg Hallig.


    Das könnte Hallig Habel sein. Sie hat nur eine Warft, die Norderwarft

    Dann vermute ich die Warft von Gröde.


    Hallig Gröde hat 11 Bewohner, das könnte also hinkommen

    Das sollte Hallig Hooge sein.


    Von der Größe her könnte das Hallig Hooge sein.

    Gut zu erkennen ist aber wie immer Langeneß, die längste Hallig und die Warften bilden eine sonnenbestrahlte Linie von Erhebungen im Meer.
    Oland ist mit Langeneß verbunden.


    Nordmarsch-Langeneß und vermutlich auch Oland.

    Im Dunst glaube ich die Insel Föhr zu erkennen, die Bebauung sieht nach Wyk/Föhr aus.


    Vermutlich Wyk/Föhr

    Ich radel den Nordseeküstenradweg am Innendeich weiter nach Dagebüll, wieder bewundere ich die tiefverschneite Landschaft mit den kleinen, weißen Höfen, die wie kleine Tupfer die Landschaft beleben. Vor Dagebüll biege ich Richtung Niebüll ab, zwar böte sich der Blick auf Föhr an, aber ich bin mir nicht sicher, ob die weiteren Wege geräumt sind, also fahre ich Landstraße. Nach der Hälfte Strecke bekomme ich Gegenwind, der Radweg ist nur schlecht geräumt, es geht mühsam voran und kostet wieder viel Kraft. An einer Stelle halte ich an, hier ist der Radweg tiefer gelegt, ich hoffe, dass ich unbeobachtet bin. Pustekuchen, ein paar Schafe glotzen mich interessiert an. Also endlich ein Schafsfoto machen.


    Ein Schafsbild ist mir gelungen. Aber die typischen Frisians, die norddeutschen Kühe konnte ich nicht fotografieren - sie waren im Stall.

    Die Strecke zieht sich, die Euphorie verflüchtigt sich, ich kämpfe mich durch. Dann endlich Niebüll (friesisch Naibel), fast verfahre ich mich in Deezbüll, dann komme ich auf rutschigen, ungeräumten Wegen durch die Innenstadt zum Bahnhof. Ich hole mir Fahrpläne und checke die Busverbindung nach Flensburg, es ist 13.30 Uhr. Eigentlich müsste ich jetzt noch nach Klanxbüll fahren - 12 km tödlich langweile Landstraße an der Bahnstrecke entlang. Die Vorstellung lässt mich schaudern. Ich rechne meinen Schnitt aus - das würde mich 1-2 Stunden kosten, dann kann ich Sylt vergessen und morgen kommt Tief Daisy. Ich rufe Lina an, die 12 km auszulassen wäre eigentlich gegen die Regeln und Lina sagt lakonisch: "Es soll doch Spaß machen!". Damit ist es entschieden, ich besorgen mir die Fahrkarte nach Sylt.
    Der Bahnhof Niebüll hat von Behinderten und Radfahrern noch nie etwas gehört, erst geht es eine steile Treppe runter, dann eine steile Treppe wieder hoch, ich muss abladen, um das Fahrrad hoch zu wuchten, es geschieht mit letzter Kraft. Der Zug hat Verspätung und als er kommt, geht die Tür zum Fahrradabteil nicht auf, sie ist zugefroren. Ich nehme die Fußgängertür, an den Sitzreihen komme ich nicht vorbei, also bleibe ich im Gang stehen. Die Schaffnerin ist total nett, nein, sagt sie, das stört nicht, der Zug ist doch leer. Deshalb fahre ich NOB und nicht DB, liebe KiBa, genau deshalb. Der Zug fährt fast 10 Minuten bis Klanxbüll, ich sehe die schnurgerade, reizlose Strecke und mache zehn Kreuze.
    Ich wappne mich für Kommentare von Blauloke, der bestimmt wieder rummotzen wird. Aber ich bin mir sicher, dass Blauloke die Strecke mit Freude demnächst nachholen wird, in der Woche ist bestimmt noch Zeit dazu.....
    Dann bin ich auf dem Weg nach Sylt, der Hindenburgdamm ist links und rechts mit Eis versehen, bald kann man zu Fuß nebenher gehen, noch eine Strecke, die Blauloke sicher gerne übernehmen wird.

    Ich komme in Morsum an und kriege einen Schlag. Ich muss samt Fahrrad über eine Eisenbahntreppe.


    Die Treppe von Morsum - eine Woche später aus dem Zug fotografiert.

    Hatte es in Niebüll noch gereicht, die Zelttasche runter zu nehmen, muss ich nun völlig abpacken und alles einzeln über die Treppe tragen. Die Fahrgäste auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig glotzen mich ungerührt an, da sehen Schafe intelligenter aus. Ich vermisse Steinburg und Dithmarschen, da wäre sofort jemand zu Hilfe geeilt. Ich brauche gefühlt fast eine halbe Stunde, bis ich die Treppe gepackt habe, oben wirft mich der Wind fast um, es hat aufgefrischt. Schließlich habe ich mich neu sortiert und starte los.

    Richtungsschilder gibt es keine, eine Frau mit einem Mini rutscht an mir vorbei, ich frage nach der Richtung und sie empfiehlt die Strecke über Keitum. Ich kenne die Strecke und winke ab, da komme ich nicht durch und schuldbewußt gibt sie mir Recht. Ich fahre Landstraße Richtung Tinnum, der Wind ist im Rücken, aber der Radweg miserabel geräumt, so dass ich höllisch aufpassen muss. In kleineren Kurven kommt der Wind von der Seite und knallt in die Ohren, ekelhaft und kalt. Ein Auto jagt das nächste, fast alles sind Protzkarren, no, Sylt is not my favourite and never will get my favourite, I´m sorry! Ich sinniere darüber, wie es wäre, wenn Sylt autofrei wäre, aber entweder käme dann keiner mehr oder es würde sich keiner dran halten. Strafe - okay, zahlen wir aus der Portokasse. Hier fährt man mit dem Auto selbst zum Briefkasten, von der Kneipe ganz zu schweigen, denn sähe man das Auto nicht, käme vielleicht noch jemand auf die Idee, man hätte kein Geld. So, genug gelästert und hoffentlich fühlt sich jetzt kein Sylter Friese beleidigt, die Insel selbst ist schön, die Ureinwohner nett und gestraft, viele Touris um diese Zeit echte Nordseefans, aber was sich da an SchickiMicki und BussiBussi rumtreibt ist schon ein paar Bemerkungen wert.

    In Tinnum liebäugel ich mit dem Campingplatz, mein Zelt wäre jetzt nett, my home is my castle, dann erinnere ich mich an den Platz - in der Nähe ist die laute Bahnlinie. Er liegt zwar recht geschützt und versteckt, wenn Tief Daisy kommt, dürfte das kein Problem sein, aber ich müsste für jeden Gang an Meer oder Wattenmeer 5 km Fahrrad fahren, danke nein. Fahrradfahren ist für mich ein Fremdwort, habe ich nichts mit zu tun. Ich fahre Richtung Westerland und dann nach Norden, die Wege sind schlecht oder gar nicht geräumt, so dass ich wegrutsche, der Wind kommt von vorne und an einigen Stellen haut mich der Wind ein paar Mal fast vom Fahrrad. Ich finde ein für Sylter Verhältnisse preiswertes Hotel und lasse mich häuslich in Wenningstedt nieder.


    Ein schöner Sonnenuntergang entschädigt für die Strapazen...


    Gosch Wenningstedt

    Ich denke an Flensburg und weiß, dass ich diese Strecke nicht mehr schaffen werden, ich bin einfach k.o. Abends schreibe ich Forumstagebuch und beklebe das WAI mit der Schleswig-Holstein Hälfte meines S-H/Dt. Aufklebers, den ich an einer Tankstelle erstanden hatte und stelle zu meinem Schrecken fest, dass das WAI kaputt ist. Auf dem Boden sind Risse, als hätte sich etwas Spitzes hineingebohrt. Ich vermute, dass ich bei einem meiner Stürze drauf geknallt bin. Es ist noch kein Loch, aber es müsste geklebt werden, sonst hat es bald ein Loch. Ich klebe den Deutschlandteil des Aufklebers drauf, jetzt dürfte es halten. Hoffentlich macht den Aufkleber kein ab. Wasserdicht ist das Teil nun nicht mehr.

    07.Tag Samstag, den 09.01.2010
    Tief Daisy lässt sich noch Zeit, aber der Wind hat aufgefrischt, er weht jetzt um 4bft, in Böen stärker. Ich bin steif, meine Knie lassen sich schwer bewegen, mein Genick schmerzt jetzt sogar schon morgens vom ständigen Kopf in den Nacken legen, mein Hals ist steif, eigentlich müsste ich einen Ruhetag einlegen. Aber die Sonne scheint strahlend, es ist die letzte Gelegenheit, den Ellenbogen zu fahren, ich habe das im Instinkt. Ich kenne meine Nordsee. Also fahre ich nach einen luxuriösen Frühstück Richtung Norden über die ungeräumten Fahrradwege. Geben Millionen für ´ne Villa oder ne Ferienwohnung aus, aber Geld für einen Räumdienst ist nicht da. Ich stoße Worte aus, die den Regeln des Forums widersprechen und kämpfe mich durch. (Nachtrag - die Villenbesitzer sind wahrscheinlich Hamburger, denn hier sieht es genau so aus!)
    Der Radweg Richtung List ist Eigentum des Landes und geräumt worden, daher ist er zwar völlig überfroren, aber auf Eis habe die Reifen guten Grip. Mehr Schwierigkeiten machen die ersten Schneeverwehungen, hier muss ich absteigen und schieben. Der Blick auf das Wattenmeer ist traumhaft, die Wellen sind eingefroren und das Eis spiegelt in der Sonne.


    Das vereiste Watt vor Sylt, fast sieht es aus, als würden die Wellen sich bewegen, dabei sind sie starr gefroren.


    Blick auf den Leuchtturm von Kampen.

    Bei Gegenwind kämpfe ich mich die Geest hoch, die Steigung ist nicht dramatisch, ich bin nicht im Sauerland, aber sie kostet bei diesem Wind dennoch viel Kraft. Ein Mountainbiker kommt mir entgegen, wir schnacken ein bißchen und ich geben ihm im Forum erworbenen Ausrüstungstipps.


    Selbst die borstigen Büsche erhalten einen Hauch von Winterzauber

    Links geht der Weg schnurstracks hoch zum Ellenbogen, er ist eine Abkürzung, aber nicht geräumt. Die Straße hat die Konsistenz einer Bobbahn, das kommt meinen Reifen sehr entgegen, ich muss nur auf die Spurrillen achten, damit ich nicht wegrutsche, also volle Konzentration. Die Autos mit Touristenkennzeichnen fahren langsam, bis auf einen Porschefahrer aus der Schweiz, der mir zeigen muss, dass er ein ganz Harter ist und mit Millimeterabstand überholt. Ich dachte, Schweizer wären ausgeglichen und rücksichtsvoll, aber vielleicht arbeitet er ja auch nur dort und fährt einen Firmenwagen. Auch einige NF-ler müssen sich beweisen, aber es gibt keinen Fahrradweg, die Straße ist für alle da! Die Dünenlandschaft sieht spacig aus, der Schnee lässt einen einen Hauch von Skandinavien ahnen, längst bin ich auf der Höhe von Dänemark.


    Dünenlandschaft

    Nach endlos scheinenden zwei Kilometern komme ich an der Mautstelle zum Ellenbogen an, der Mautwächter sagt mir die Stelle des höchsten Punktes. Der Wind ist fies, der kommt direkt von vorne der Schnee weht mir über die Straße ins Gesicht, später messe ich eine Windstärke von um die 25 km/h. Kurz vor der höchsten Stelle fährt ein Jeep neben mich und kurbelt die Scheiben runter, ich warte schon auf einen dummen Spruch, da ertönt eine resignierte Stimme "Und guckt noch nicht mal". Es ist der Mautwächter und er zeigt mir den Parkplatz und den Weg in die Dünen. Ich bedanke mich und starre sofort weiter auf die Straße, denn wenn ich in einer Spurrille ausgleite, falle ich in sein Auto.

    An der Schaffütterungsstelle halte ich an, das ist der höchste per Straße erreichbare Punkt Deutschlands.


    Der Schnee fegt über die Straße, doch die Schafe lassen sich nicht stören

    Der Wind bläst gnadenlos und ich verstecke das Fahrrad hinter einem aufgestellten Müllcontainer, damit es nicht wegfliegt. Ich schließe es notdürftig an und bete, dass es erstens keiner findet und zweitens keiner klaut, aber ich bin ja in höherer Mission unterwegs, also muss ich jetzt in die Dünen. Die Strecke ist schön, aber scheint endlos, ich stapfe durch den tiefen Schnee. Endlich bin ich am Strand, mein Navi kann sich nicht entscheiden, ob ich jetzt 10m weiter nach links oder nach rechts muss. Ich bleibe stehen, starre auf die Eisschollen, lege das WAI auf den Boden und fotografiere WAI, Strand und Wasser, am Horizont leuchtet der Strand von Römö.


    WAI was here

    Noch ein Foto in die andere Richtung, damit ich garantiert den höchsten Punkt fotografiert habe.



    Dann locken die Dünen - ein Foto muss unbedingt sein.


    Rätselbild: Was versteckt sich auf diesem Bild? Wer die Antwort weiß, darf nächstes Jahr die Tour um diese Jahreszeit noch einmal machen...

    Anschließend geht es wieder zurück zum Fahrrad, es ist noch da. Ich stelle fest, dass ich für diese ca. 15 km ungefähr 3,5 Stunden gebraucht habe. Toll.
    Mit Rückenwind geht es zurück, der Schnee fliegt in wabernden Wolken vor mir her und ich stelle fest, dass Fahrradfahren traumhaft sein kann, wenn man in die richtige Richtung fährt. In ca. 1 Stunde bin ich wieder zurück, will noch Fotos vom Roten Kliff machen, aber der Weg ist zu schlecht, es wird langsam wieder dunkel. So fahre ich zurück ins Hotel und bin in der Stimmung, mir zu schwören, nie wieder Fahrrad zu fahren. Ich telefoniere mit KiBa, wir einigen uns, dass ich ihr das WAI ohne Fahrrad bringe, Mensch bin ich erleichtert und mache noch einen Spaziergang am Strand.


    Die Nordsee von ihrer schönsten, friedlichen Seite. Die Sturmflut hatte aufgrund des Nordostwindes diesmal die Ostsee.



    Abends schaue ich Bilder von Tief Daisy an und den nächsten Tag stürmt und grisselt es, alles versinkt im grauem, deprimierendem Winterwetter, der Schnee sieht schmutziggrau aus. Hatte ich ein gutes Timing!

    Resumee:
    Die Tour hat einerseits Spaß gemacht, andererseit habe ich auch oft geflucht (besonders an den Bundesstraßen!) und mich gefragt, was ich da eigentlich mache. Schleswig-Holstein ist im Frühling, Herbst und Sommer ein traumhafter Landstrich, Sommer in Schleswig-Holstein sind das, was sich naturbegeisterte Kinder unter Sommer vorstellen. Fast ein wenig wie Bullerbü. Wenig besiedelt bietet das Land zwischen den Meeren Freiheit und Natur in überquellender Fülle mit einem faszinierenden, naturverbundenen Radwegnetz.
    Im Winter dagegen ist Schleswig-Holstein ein Land des Rückzugs, man bleibt zu Hause, trinkt Grog oder Tote Tante, erholt sich von den Touristen, die Kühe sind im Stall und das Leben ruht. Als intensiv landwirtschaftlich genutztes Gebiet gelten noch die Zyklen der Jahreszeiten. So konnte ich auf dieser Tour nur einen winzigen Bruchteil dieses wunderbaren Landstriches zeigen und das bedauere ich sehr.
    Im übrigen war es hilfreich, dass ich hier fast zu Hause bin. Ich kenne viele Ecken der Westküste schon aus Kindheitstagen, ich konnte nicht nur die Streckenbeschaffenheit, sondern auch die Abstände, die Infrastruktur, Wind, Windrichtung und Wetterentwicklung gut einschätzen. Wer sich hier nicht auskennt, sollte um diese Jahreszeit die Finger davon lassen, die Küste ist unberechenbar und ich hatte Glück, dass das Wetter so gut mitgespielt hat. Eine echter Sturm oder sogar eine Sturmflut wären übel gewesen. Auch wenn ich letztlich auf Zelten verzichtet habe: Mein Zelt wäre meine Lebensversicherung gewesen, falls Seenebel oder Schneesturm jedes Weiterkommen unmöglich gemacht hätte.

    Torres

    Nachtrag:
    Und so sieht es am Nordseeküsten-Radweg im Sommer aus:


    Wellenbrecher


    Halbinsel Eiderstedt am Wattenmeer


    Sonnenuntergang in Friedrichskoog bei Ebbe


    Futtersuche bei Friedrichskoog


    Mittagsschlaf an den Salzwiesen


    Ehestensiel, Halbinsel Eiderstedt


    Blick auf die Stelzenbauten von St.Peter


    Halbinsel Eiderstedt


    Spaziergang im Wattenmeer


    Blick vom Vollerwieker Grasstrand auf das Eider-Sperrwerk

    Das war ich dieser einzigartigen Landschaft und dem mittlerweile zum Weltnaturerbe erhobenen Wattenmeer schuldig.....

  15. Erfahren
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    10. Etappe: 16.1.2010

    #15
    Niebüll - Flensburg: 47 km per Rad mit KiBa

    Tourtagebuch des Forumstaffellaufs, 16.01.2010, Niebüll – Flensburg

    Flensburg, 8:10 Uhr. „Scheiße Schatz, ich muss los. Mein Bus fährt gleicht“ Er holt mir noch das Fahrrad aus dem Keller, Bussi hier, Bussi da, wir verabschieden uns von einander und dann geht es los. Ich fahre über die Exe in Richtung Bushaltestelle und rutsche schon das erste mal weg. „Toll“ denke ich mir, das fängt ja gut an. Nach geschlagenen 3 Minuten komme ich endlich an der Bushaltestelle an. Mein Bus nach Niebüll fährt um 9:52 Uhr. 9:52??? Ich denk um halb neun?! Der davor ist um 7:50 gefahren. Scheiße. Wie kann das sein? Schnell die Schaltzentrale anrufen. Geht keiner ran. Typisch. „Nimm ja ein Handy mit, falls etwas ist“. Und wenn dann mal was ist, dann geht zu Hause keiner ran. Ich bin schon wieder auf … ach egal. Ich fahre zurück und kämpfe mich die Treppen rauf. Natürlich ohne Rad. Nach einem kurzen Krisengespräch beschließen wir, noch einmal zu versuchen, das Rad in den Kofferraum seines Fords zu bekommen. Ich komme auf die glorreiche Idee, meinen Beifahrersitz nach vorne zu schieben. Und schon passt das Rad rein. Komisch. Kaum macht mans richtig, schon geht’s.

    Um 9:20 Uhr bauen wir mein Rad in Niebüll aufm Bahnhof zusammen und ich fahre los. „Wie komme ich noch am besten nach Lindholm?“ „Achja, am Kreisel Links.“ Stutzig werde ich erst, als ich in Klixbüll lande. „Egal“ denke ich mir, „von hieraus komme ich ja auch nach Leck“. Obwohl ich es ja undbedingt vermeiden wollte, die B199 zu fahren. Kurz hinter Klixbüll nehme ich meine Brille ab. „In Nordfriesland gibt’s ja eh nicht viel zu sehn, außer Schafen“. „Man kann sehen, wer übermorgen zu Besuch kommt, so flach ist das hier“, wie mein Vater immer zu sagen Pflegt. Ja, schön ist das nicht. Mir ist das zu flach. Bi uns in Angeln is dat aans och flach, aber nich so. Nachdem ich weiter 5 Minuten gefahren bin, muss ich etwas trinken. Alter Schwede, ist das anstrengend. Und der Wind ist gegen mich. Ich jammere jetzt schon rum, obwohl ich ganz passable Straßenverhältnisse habe. Ich muss an Torres denken. Ich bin so ein Weichei. Dafür habe ich ein Aldi Fahrrad. Meine Reifen sind nicht richtig aufgepumpt. „Das reicht“ hat er gesagt, und ich hab mich natürlich drauf verlassen. In Leck muss ich mir ne Tankstelle suchen, um meine Reifen aufzupumpen. Und eh ich mich versehe bin ich in Leck. Ich frage einen älteren Herrn, ob er wisse wo eine Tankstelle ist. Der arme Mann erschrickt sich fast zu Tode. Kein Wunder, so wie ich aussehe. Rotes Tunneltuch und Bundeswehr Mütze. Er sagt mir, dass ich nur um die Kurve fahren müsse, dann sei da eine Tankstelle. Er hat recht. Ich pumpe meine Reifen auf, bis sie fast platzen. Dann frage ich drinnen nach dem Weg nach Achtrup. Ich muss wieder ein kleines Stück zurück. Hätte ich die Brille bloß nicht abgenommen. Aber andererseits hätte ich dann die Tankstelle nicht entdeckt.

    Ich habe Durst auf Tee. „Die nächste Bushaltestelle ist meine“. Hoffentlich noch vor Achtrup. Kurz hinter Leck erspähe ich ein Reetdachhaus. Nett siehts aus. Aber warum hat es so komische Lebkuchenimitate an der Hauswand? Wie kitschig. Aber am Haus steht ein Straßenschild, darauf steht „Lecker Straße“. Naja, so lecker finde ich das Haus nun nicht.
    „Bin ich schon in Achtrup?“ Volle Reifen scheinen Wunder zu wirken. Von Achtrup sind es noch 9 km bis Medelby. Zumindest laut Verkehrsschild, und denen darf man üüüberhaupt nicht über den Weg trauen. Ich fahre schon geschätzte 10 km als ich endlich das nächste Verkehrsschild „Medelby 6 km“ entdecke. Das kann ja mathematisch überhaupt nicht hinkommen. Es sei denn, ich hätte nur 3 km geschafft, aber das ist natürlich unmöglich.

    Ich überquere die Lecker Au und mache ein nettes Bildchen.


    Und da, da fängt der Kreis Schleswig-Flensburg an. „Ich bin zu Hause“ denke ich mir. Zumindest fast.


    „Kurz vor Medelby“ endlich eine Bushaltestelle. Sie ist komplett von Schneewehen umgeben und ich scheine die Einzige zu sein, die seitdem hier war. Ich lehne mein Fahrrad an die Wand und mache es mir drinnen gemütlich. Schön windstill. „Hier kann man fast schlummern“ denke ich, und werde plötzlich müde. Ich trinke meinen Tee und rufe die Zentrale an. Er denkt natürlich wieder an das Schlimmste. Typisch, vorher noch sagen, ich solle mich mal melden, und dann den Teufel an die Wand malen. Torres hatte recht, nach warmen Tee ist einem kalt. Schnell wieder aufs Radl gestiegen und weiter. Ich gebe ihm die Sporen, meinem Drahtesel.
    In Medelby versuche ich die Landstraße Richtung Jardelund zu fahren. Leider ist diese so voller Schnee, dass ich wieder umkehre und weiter Richtung Osterby fahre. In Osterby biege ich rechts in Richtung Osterbylund ein. Die Straße hat eine geschlossene Schneedecke und ich schiebe lieber. Ich bemerke, dass meine Kopfhörerkabel von meinem komischen Tunneltuch ganz rosa sind. Ich mache schnell ein Foto, um zu überprüfen, dass ich nicht auch so aussehe.


    Nein, ich glaube die Farbe ist normal, und kommt nicht vom Tuch.

    Zwar kann ich auch fahren, aber mein Schweinehund lässt mich nicht. (Zu meinem Schweinehund muss ich sagen, dass ich glaube, dass ich den größten auf der Welt besitze. Wenn ich mich versuche ihm zu widersetzen, dann bereitet er mir schmerzen. Beim joggen ist es meist der Mittelfuß, der anfängt weh zu tun) Ich will mich lieber nicht mit ihm anlegen und gehorche.
    Nach ein bisschen schieben und ein bisschen fahren und wieder ein bisschen schieben, lande ich endlich auf der L 192 oder auch „Grenzstraße“. „Scheiße“ denke ich mir, als ich auf die Landstraße biege. Genau so eine schöne grade Straße wie in Friesland. Wie ich diese graden Straßen hasse. Das nimmt mir immer jegliche Motivation. Ich schiebe ein bisschen. Das macht aber auch keinen Spaß. Hier gibt es keinen Fahrradweg und hier fahren Dänen entlang. Das ist mir zu gefährlich. Also lieber wieder fahren. Ich habe schon wieder Bock auf Tee, also ist die nächste Bushaltestelle, in Wilmkjer, meine. Ich beeile mich auch lieber, bevor mir kalt wird.

    Ich fahre und fahre, und komme endlich in Ellund an. „Hier möchte ich auch nicht tot übern Zaun hängen" denke ich mir. Wenigstens sind die Bürgersteige einigermaßen geräumt. Das war hinter Medelby nicht der Fall und so musste ich ab dort größtenteils auf der Fahrbahn fahren.
    Als ich wieder einen Berg vor mir habe (die Syd- + Mitteldeutschen würden Steigung dazu sagen), schiebe ich wieder. Der riesige Berg ist der Anstieg zur Brücke über die A7. „Geil“ denke ich „dann bin ich ja endlich da“. Und richtig, nach telefonischer Rücksprache mit der Zentrale, die mir klar macht, dass der Wald links neben der Straße NICHT die Marienhölzung ist und ich auch nicht rechts auf die Landstraße abbiegen kann, fahre ich weiter nach Harrislee. Muss ich wohl oder übel doch durch die Neustadt fahren, was ich auch nicht unbedingt wollte.
    Der Berg bei der Diako ist mir nie so aufgefallen. Ich muss schon wieder schieben. Aber sonst bin ich ihn auch immer gelaufen, als ich noch Sport gemacht habe. Ich entscheide mich dafür, nach der Bonzenstraße nicht geradeaus sondern links rum zu fahren. Dort kann ich die Mathildenstraße runterbrättern. Endlich mal rollen lassen, das ist toll. Leider wird dieses Erfolgserlebnis jäh von einem miesepetrigen Fußgänger getrübt, der mich „freundlich“ darauf hinweist, wo die Straße ist. Ich bin nicht nett, und wechsele die Seite auf das olle Kopfsteinpflaster. Mir tut der Hintern schon genug weh. Leider muss ich dann doch auf die Straße, weil vor mir jemand läuft. AUA! Ich weiß schon, warum ich bei dem netten Herren nicht gleich auf die Straße gewechselt bin. Ich fahre schnell über die Exe und bringe mein Rad rein. Es ist 15:10 Uhr. Zu Hause nehme ich ein isotonisches Getränk (Bier) zu mir und gehe schnell duschen. Danach esse ich Haferflocken mit viiiieeeel Zucker und Milch. „Scheiß auf Weightwatchers, das hab ich mir jetzt verdient“. Nach dem 10 Löffel gebe ich auf und schlafe auch gleich auf der Couch ein.



    Mein getreuer Mistesel
    Geändert von hotdog (09.10.2012 um 17:50 Uhr)

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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #16

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    11. Etappe: 17.1.2010

    #17
    Flensburg – Geling Mole: 42,7 km zu Fuß mit KiBa's Freund

    Aufstehen um 7.00 Uhr. „Wir wollen ja früh los!“ Nachdem Madame dann doch noch fertig geworden ist, starten wir pünktlich um 9.20 Uhr – 1:20 h später als geplant.

    Es ist kalt und alles ist in ein wunderschönes Grau getaucht. Super!! Als wir am Hafen ankommen, beginnt es zu schneien. Nach 15 Minuten machen wir die erste Pause. „Mir ist sooo warm, ich will etwas ausziehen.“ Dann weiter… Geschlagene 2 Minuten später „Halt! Mach mal `n Foto.“ Als wenn Flensburg bei so einem bescheidenen Wetter so einladen aussehen würde… Naja, Rucksack runter, Kameratasche vorn Bauch, Foto gemacht und weiter.



    Nach 3 km gesamtstrecke kommt ein „Meine Stiefel drücken so..“ „Na super, wenn du dir das jetzt den Rest des Tages anhören musst, kann das ja noch was werden“ denke ich. Also treffe ich eine harte, aber weise Entscheidung: „Geh zurück…Ich laufe allein weiter“

    Dieser „Vorschlag“ wurde dankend angenommen. Und weiter geht’s, als ich nach einem km KiBa hinter mir rufen hoere. Keuchend und schäumend vor Wut kommt sie angelaufen. Sie sagt etwas von „Nie ans Handy gehen, wenn sie anrufen würde“ und „Schlüssel für das Hoftor, sie bekommt sonst das Auto nicht raus“. Ich gebe ihr meinen Haustürschlüssel und sauer dampft sie ab.

    In Mürwik beschließe ich zur Sicherheit doch lieber die Regenhülle über die Kameratasche zu ziehen, denn in der Zwischenzeit, denn der Schneefall wird immer heftiger. Also Handschuhe aus… Das blöde Ding da ran gepfriemelte und Handschuhe wieder… MOMENT! Wo ist der 2. Handschuh? Nach einem voller schlimmer Befürchtungen steckenden Blick über die Schulter erkenne ich auf dem Gehweg einen schwarzen Fleck im Schnee. „Es wird immer besser!“ denke ich.

    Nachdem ich meinen verlorengegangenen Kameraden gerettet habe, geht es wieder weiter. Und plötzlich: ungeräumter und vereister Radweg. „Das wird bestimmt lustig.“ Nach dem einen oder anderen Beinah Abflug erreiche ich Glücksburg.


    Ein kurzer Kontrollanruf, ob Madame gut angekommen ist, ein kleines Foto fürs Forum und weiter.



    Liegt ja noch viel vor uns, respektive mir! Etwas Musik im Ohr würde nun die Einsamkeit erleichtern, aber irgendjemand hat mir den iPod ausgeredet. „Was willst du denn damit? Falls wir keinen Gesprächsstoff mehr haben?!?“

    Das Pfeifen von Wind kommt einem aber mit der Zeit wie Musik vor… Soviel dazu. Jetzt noch die richtige Abzweigung finden und dann steht dem Ostseevergnügen nicht mehr viel im Wege. Durch Rüde, dort noch über etwas über besch*** parkende Frauen aufgeregt und dann über Iskirsand ab nach Bockholmwik. Ich wollt erst über Geil laufen. Aber auf meiner „etwas“ betagten Wanderkarte gab es dort noch keinen Weg. Nachdem ich noch 3 mal todesmutig dem Räumfahrzeug ausgewichen bin erreiche ich über entlegene Straßen endlich die Küste.
    Dort angekommen gönne ich mir gegen 12.00 Uhr eine kleine Pause. Wetterbedingt besteht sie nur aus einem hastig verschlungenen Bröten und ner halben Flasche von meinem geliebten O-Saft. Zu meinem Entsetzen stelle ich fest, dass mein Plan, dem Strand zu folgen bei diesem Wetter und dem Schnee eine suboptimale Lösung ist. Kurzerhand entschließe ich mich dazu, doch vorerst lieber auf der Straße zu bleiben. Dies ist eine weise Entscheidung, wie sich später noch herausstellen wird.

    In Langballigau angekommen suche ich sofort wieder die Küstenlinie auf. Ich entschließe mich dazu, doch den Weg am Wasser entlang zu wagen. Schon nach den ersten Metern wird mir klar, wie blöd diese Idee war. Aber umkehren ist nicht. Bloß keinen Meter mehr laufen, als nötig lautet die Devise.

    Nach geraumer Zeit erreiche ich Bereiche der Küste, die so weit am Arsch der Welt liegen, dass ich befürchte, der Mensch an diesem Ort zu sein.



    Das einzig Positive, was ich in diesem Moment sehe ist, dass Dänemark noch immer hinter der grauen Wand verborgen bleibt.



    Der Schneefall hat sich in der Zwischenzeit gelegt. Sehr schön… Eisregen ist mir eh viel lieber. Die aus meiner Klasse hatten recht: Ich scheine wirklich zu viel Freizeit zu haben. Warum sonst macht man so etwas sonst freiwillig?!? Da das Laufen über von Schnee versteckten Kopfsteinen etc. nicht gerade förderlich für die Gesundheit meiner Füße ist, komme ich entsprechend schnell voran.
    In Höhe Dollerupholz erblicke ich eine Möglichkeit, dem Strand zu entfliehen und ergreife sie ohne Zögern. Ich folge nun der Küstenlinie in etwas Abstand.


    Durch Nieby ab nach Habernis. Hier stelle ich fest, dass das Wetter gegen mich ist. Der Wind, der die ganze Zeit über stramm aus östlicher Richtung pustete, wechselt in dem Moment, in dem ich die Richtung gen Süden einschlug, ebenfalls. Mitten im Nirgendwo werde ich von einem Wagen mit Hamburger Kennzeichen überholt. Der Wagen hält. „Nanu, was will der denn? Sicher nach dem Weg fragen.“
    Als ich mich ihm näher komme, öffnet sich das Fenster. Der Fahrer, ein Deutschafrikaner, fragt mich nett, ob ich’s noch weit hätte und ob er mich mitnehmen solle. Schon leicht vom Tag gezeichnet entgegne ich ihm nur, dass ich noch reichlich Strecke vor mir habe, und lehne sein Angebot mit dem Worten „Vielen Dank, aber ich wollte laufen“ ab.
    Von diesem Moment an plagte mich die Frage, bzw. die Befürchtung, dass er glaubt, ich habe sein Angebot lediglich aus rassistischen Hintergründen abgelehnt. Welcher normal denkende Mensch hätte an diesem Ort, bei diesem Wetter sonst so ein Angebot abgelehnt. Als mir klar geworden ist, wie das auf ihn gewirkt haben muss, war es jedoch schon zu spät, denn er war schon längst weg. Aber ich habe in dem Moment nicht daran gedacht, dass ich ihm vielleicht erklären könnte, warum ich hier durch die Walachei turne.

    Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich Norgaardholz.
    Ich kehre kurz in eine Bushaltestelle ein, um mein Taxi zu dirigieren. Ich laufe nur noch, weil ich laufen muss. Dieser verflixte Schnee überall… und diese teilweise spiegelglatten Straßen nagen an meiner Kondition. Aber das Ende ist ja schon fast in Sicht.

    Als ich dann endlich gegen 17.00 Uhr in Gelting Mole ankomme, ist mein Taxi noch nicht da. So wird es einem also gedankt. Noch in der Kälte warten. Nach 10 Minuten dann endlich vertraute Scheinwerfer. Mein Auto ist wenigstens heil geblieben. Schnell den Rucksack in den Kofferraum und ab dahin, wo’s ne warme Dusche gibt.
    Geändert von hotdog (25.05.2013 um 09:39 Uhr)

  18. Erfahren
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    12. Etappe: 23.1.2010

    #18
    Gelting Mole - Kappeln: 30 km zu Fuß mit KiBa

    Wir werden ca. 1 km vor Gelting Mole aus dem Auto geworfen, da an eine Weiterfahrt auf Grund der Schneeverwehungen nicht zu denken ist. Wind bläßt uns von der See her um die Ohren, es ist saukalt. Wir kämpfen uns direkt an der Ostsee durch knietiefe Schneeverwehungen.

    Ich freue mich, als wir endlich im geschützen Wald sind. Auch über die Wildschweinspuren freue ich mich riesig.
    [FOTO]

    Wir kommen an der Mühle Charlotten/Geltinger Birk vorbei und an den Galloways und Koniks, die im Naturschutzgebiet Geltinger Birk ein zuhause gefunden haben. Ihnen scheint wärmer zu sein als uns.
    [Foto]
    [Foto]

    Von Falshöft aus nehmen wir nicht den Weg über Maasholm - so wie es geplant war - sondern nehmen eine Abkürzung, da es in der kälte des starken Ostwindes nicht auszuhalten war. In Bobeck kommen wir an haushohen Schneeverwehungen vorbei.
    [Foto]

    Wir haben nur noch ein paar km vor uns, aber der Weg zieht sich ewig hin.
    Umso größer ist die Freude, als wir endlich zu hause in Kappeln sind.
    Geändert von hotdog (25.05.2013 um 09:41 Uhr)

  19. Erfahren
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    13. Etappe: 31.1.2010

    #19
    Kappeln - Weidefeld: 7,2 km auf Langlaufski mit KiBa

    Es liegt immer noch Schnee. Und in der Nacht hat es wieder geschneit wie Sau. Ich überlege, ob ich das warme zu hause wirklich verlassen will. Ich entscheide mich dafür, da ich ja meiner Mutter nicht umsonst ihre Langlaufski abgeschwatzt habe. Ich kann super auf der frisch "geräumten" Hauptstraße Richtung Olpenitz fahren. Auf dem Radweg ist kein Vorankommen, da der Schnee hier 20 cm tief ist. Ich versuche auch zu Skaten. Keine so gute Idee, ich lege mich promt auf die Nase. Als ich Richtung Weidefeld abbiege überholt mich ein skatender Rentner in einer mordgeschwindigkeit. Er war sicher 3 mal so alt wie ich, aber auch 3 mal so schnell. Das ist nicht gut fürs Ego. Aber er fährt einen kleinen Abhang runter in den "Tiefschnee". Das bremst ihn und er kommt zurück und ruft mir zu, dass der Schnee zu tief sei. "Das weiß ich" denke ich mir. Aber was soll ich machen?! In Weidefeld angekommen holt mich mein Freund ab. Ich bin von den paar km total am Ende und die Blasen an meinen Hacken sind Golfballgroß. Langlauf macht kein Spaß. Vor allem, wenn die Schuhe nicht passen
    Geändert von hotdog (25.05.2013 um 09:44 Uhr)

  20. Erfahren
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    14. Etappe: 15.2.2010

    #20
    Weidefeld - Damp: 8,7 km zu Fuß mit KiBa

    Wie wir nach Weidefeld gekommen sind weiß ich gar nicht mehr. Aber ich vermute mal mit dem Autowagen. Wir kämpfen uns tapfer durch den Schnee. Es geht ganz gut, es waren schon Leute vor uns hier und haben Spuren getreten. Leider siehts ab Schönhagen anders aus. Wir kämpfen uns über irgendwelche Felder direkt an der Steilklippe entlang, da hier der Schnee vom Wind festgedrückt wurde. Auch noch super. Das ändert sich schnell, die Schneewehen werden mehr und ich versinke bis zu den Knien drin. Aber wir können nicht drum rum, da wir uns im Naturschutzgebiet befinden und rechts und links von uns Zäune sind. Ich jammer rum und verfluche alles um mich rum. Und das Wetter sowieso. Und das ich keine Gamaschen habe. Aber wozu auch, ich habe sowas nie gebraucht. Schneeschuhe wären angebrachter gewesen. Wir schaffen es bis nach Damp. Wie? Mit jeder Menge Zeitverlust. Eigentlich wollten wir noch nach Eckernförde weiter, aber bei diesem Norddeutschen Tiefschnee ist daran nicht zu denken. Ich jammere rum und überrede Simon, dass wir uns in Damp abholen lassen. Ich konnte mich Gott sei Dank durchsetzen
    Geändert von hotdog (25.05.2013 um 09:54 Uhr)

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