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    18.4.2010: Grosser Küstrinsee - Templin

    #41
    Der Wind, der noch am Abend beunruhigend über den Baumwipfeln blies, hatte sich zwar gelegt, die Nacht ist aber trotzdem sehr unruhig. Mal knistert es hier, mal raschelt es da, dann gibt es ein langanhaltendes Knurren/Stöhnen, das zunächst von raschelndem Laub, später von plätscherndem Wasser begleitet wird. Zunächst tippe ich auf einen Otter. Nach meinen Recherchen klang es aber dann doch eher nach einem Dachs. Aber was treibt er da? Wir werden es nicht erfahren. In besonders ruhigen Phasen schallen die Rufe eines Kuckucks (oder war es doch ein Uhu?) über den See und in der Dämmerung wird mein Schlaf endgültig von zwei Donnerschlägen bzw. Gewehrschüssen beendet. Offensichtlich das Resultat nächtlicher jagdlicher Bemühungen.

    Ich koche mir einen Kaffee und nachdem ich den Brand auf dem Baumstumpf gelöscht hatte, der wegen der fehlenden Feinmotorik am Morgen durch ein spiritusgetränktes Streichholz entstanden war, und nachdem der Schmerz in den Fingern der rechten Flosse nachgelassen hatte, der entstanden war, als ich den glühend heißen Caldera Cone anzuheben versuchte, um den Brand zu löschen, genieße ich die morgendliche Stimmung am See ehe ich um ca. 8 Uhr wieder aufbreche.



    Bald schon erreiche ich Mahlendorf und mit einem letzten Blick zurück verabschiede ich mich vom Großen Küstrinsee.



    Ich laufe nun weiter Richtung Warthe und biege, wie mir vom GPS-Gerät geheißen, auf einen Forstweg ab.



    Bald erreiche ich den Stoizsee, der ganz malerisch und unberührt vor mir liegt.


    Näää, wat is dat scheee!

    Noch ein kurzes Stück durch den Wald und ich erreiche das Straßendorf Warthe.


    Dodge City


    Bewohner

    Ab hier geht es etwa 7 km schnurgerade Richtung Süden.



    Wie öde! Keine Ahnung, was mich da geritten hat, als ich diesen Teil der Route geplant hatte. Aber kann man machen nix. Da muss ich jetzt wohl durch. Immerhin hat die Wahl dieser Strecke den Vorteil, daß ich so von der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Templin und Fürstenwerder berichten kann, auf deren Spuren dieser Weg verläuft. Für die Bahnstatistiker:
    • Streckenlänge: 36,7 km
    • Spurweite: 1435 mm

    Heute heißt dieser Weg "Heideweg" und von der Bahntrasse ist nicht viel mehr übrig als Brückenreste.



    An der Strecke werde ich von allerlei lebendem und totem Getier kritisch beäugt, wobei zu erwähnen ist, daß die blöden Rehe einfach immer viel zu schnell wieder im Wald verschwunden sind, als daß ich die Chance gehabt hätte, sie zu fotografieren.



    Aber bei dieser tristen Landschaft hier würde ich wohl auch so blöd glotzen wie die Rindviecher.


    Todeszone Uckermark

    Ein Wegweiser zeigt mir den Weg zu meinem Ziel und nach kurzer Verschnaufpause erreiche ich den Templiner See.



    Die Belebtheit des Uferweges ist für mich doch etwas ungewohnt inzwischen, aber daß ich mich nun im Einzugsgebiet der größten Stadt der Uckermark befinde (16.645 Einwohner), ist unverkennbar.

    Ich überquere die Pionierbrücke



    und dann ist es nicht mehr weit zum Übergabepunkt "Berliner Tor", den ich um 15 Uhr erreiche.


    (leider hat mein fortgeschrittener Erschöpfungszustand dazu geführt, dass ich die Knipse nicht mehr so hoch halten konnte, um das Dach des Gebäudes vollständig zu erfassen)

    Tagesetappe: 21,2 km
    Arrivederci, farewell, adieu, sayonara WAI! "Ja, wo läuft es denn? Wo läuft es denn hin?"

  2. Sternenstaub
    Gast

    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #42
    Da ich mich mit Hottie um 15.00 am Berliner Tor verabredet habe, mach ich mich um genau



    auf den Weg von Berlin nach Templin. Da es noch etwas dauert bis die S-Bahn kommt, hole ich erstmal Frühstück und Mittagessen nach und sonne mich. ;)

    In Oranienburg heißt es umsteigen und zwar in den Regionalexpress nach Templin. Dort wandere ich erstmal die gut erhaltene Stadtmauer entlang und gucke aus den verschiedensten Toren hinaus in die Mark Brandenburg. Meine neuen SChuhe erzeugen zum Glück keine SChmerzen beim Probewandern mit gepacktem Rucksack. ;)
    hier einige Eindrücke von Templin.






    Ich komme kurz vor 15.00 Uhr am Berliner Tor an und sehe schon von weitem Hottie, wie sie von innen durchs Berliner Tor geht. Ich eile hinter ihr her, will hinterher rufen, da dreht sie bereits um und wir treffen uns genau vor dem Tor. Nach einer kurzen freudigen Begrüßung beschließen wir erstmal irgendwo einen Eisbecher zu essen, um das WAI feierlich zu übergeben.






    Gesagt, getan, nach Austausch mache ich mich dann gegen 16.00 Uhr auf meinen Weg, das WAI gut eingepackt. Noch immer habe ich mich nicht wirklich entschieden, welchen Weg ich gehen will, es gibt einfach zu viele Alternativen.

    Ich entscheide, dann spontan durch eines der Tore zu gehen, welches mir gerade gefällt.



    Am Töpfertor gehe ich in eine Datschenkolonie und hin bis zum Templinerkanal, der im Rödelinsee endet. Das Wetter ist einfach nur schön. Am Kanal begegnen mir jede Menge Leute, das scheint hier die Kinderwagenrennstrecke zu sein. Aber sobald ich etwas in den Außenbereich komme, wird es schlagartig leerer. Ein paar Angler am Kanal, die freundlich grüßen. Das wird auf meiner Wanderung immer wieder passieren, so wie ich das halt vom Land kenne, wenn man durch die Gegend läuft. Fast jeder grüßt, das macht schon richtig gute Laune.



    Auf dem Weg zur Ziegeleibrücke...



    Blick von der Brücke
    und auf sie

    Ich überquere die Brücke, weil ich nördlich des Rödelinsees laufen will.




    Ich erreiche Rödelin und mache auf einer Bank Rast, um Wasser zu trinken und die Karte zu studieren.






    Ich entscheide mich einen Rundweg zu gehen, der hier ausgeschildert ist und zwar zum MSee. Ich gehe zwar schon in etwa die Richtung, die ich angepeilt habe, lasse mich aber auch durch Aussehen des nächsten Weges immer wieder neu verführen. So komme ich in Richtung des Großen Beutelsees.








    Als ich das Forsthaus entdecke, entschließe ich mich aufgrund der etwas vorgerückten Stunde vorher einen kleinen Umweg zu machen und gehe weit ins Naturschutzgebiet hinein.



    Hier ist die Orientierung verdammt schwierig, viele Wege sind abgesperrt und ich versuche weiter in Richtung der untrgehenden Sonne zu gehen. irgendwo mache ich auch einen SChlenker, den ich später auf der Karte nicht wiederfinden konnte, aber macht nix. Immer wieder sehe ich Rehe über den Weg springen, auch Kaninchen und Hasen sehe ich.
    Als ich den hoffentlich richtigen Weg wiederfinde (ich orientiere mich grad nur an der Sonne und ein langes, langes Stück über den tiefen Sandweg gehe, komme ich endlich an einen Wegweiser. Demnach bin ich gerade 200 m von der SChleuse entfernt.



    Ich beschließe rechts in den Weg vorher einzubiegen und mir ein nettes Plätzchen am Großen Kuhwallsee zu suchen. Es wird langsam duster und ich schaffe es gerade noch in der Dämmerung die Hütte aufzubauen. Ich schmeiße alles hinein und setze mich mit Wasserflasche&Brot&Käse auf den Boden, um beim Nachtmahl über den See zu schauen.
    ist es hier nicht wundervoll?





    Außer wenigen Naturgeräuschen ist nichts zu hören und ich merke, wie ich mich sekündlich immer mehr entspanne.
    Die Abendkühle treibt mich aber doch in den Schlafsack und müde bin ich auch. Vorm Einschlafen denke ich noch, dass wenn jetzt das Abenteuer enden würde, es schon wert gewesen wäre, los zu gehen.


    (lt. späterer Kontrolle ;) waren es etwa 16,6 km, die ich an dem Tag hinter mich gebracht habe)

  3. Sternenstaub
    Gast

    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #43
    danke, Atze, freut mich, dass dir der Bericht gefällt.

    Aber hier geht es weiter: ;)


    Mehrmals erwache ich nachts bibbernd, irgendwann wird doch mal ein wärmerer Schlafsack fällig befürchte ich. Als es im Zelt langsam hell wird, beschließe ich aufzustehen. Es ist irgendwie was um 5.00 und ich höre nur ein paar frühe Vögel. Einige SChüsse habe ich nachts auch gehört, hab gar nicht gewusst, wie verdammt laut das klingt. Was wird eigentlich um diese Jahreszeit bejagt?
    Ich mache erstmal einige Fotos, es scheint, ich habe das schönste Fleckchen weit und breit erwischt.




    Mein Wasser/Käse/Brot-Frühstück nehme ich angelehnt an einen Baum zu mir. Was ist denn das? Da paddelt doch etwas im Wasser.



    Ein Biber? Ich greife zur Kamera. Natürlich wirds unscharf - und dann, ich setze mich gerade wieder hin, kommt Herr oder Frau Biber an Land getrippelt, putzt sich und scheint von meiner Gegenwart vollkommen unberührt zu sein. Uns trennen maximal 4 Meter und ich staune, so nah an Berlin und ich frühstücke mit einem Biber. Als ich nach etwa 10 Minuten dann versuchsweise doch ein foto machen will, hoppst der Biber in den See, umschwimmt die kleine Ausbuchtung, bleibt aber immer in Sichtweite.



    Langsam packe ich SChlafsack, Zelt etc ein, mache nochmal einige Fotos vom Plätzchen und begebe mich auf den Weg.



    Blick in Richtung Osten



    Jetzt wandere ich wieder in den Naturpark hinein, in Richtung Templiner Wasser. An diesem wundervollen Morgen kann man nur fröhlich und beschwingt sein.





    Wer weiß, vielleicht gibt es ja doch ne Möglichkeit hinüber zu kommen, auch wenn der Pf-F behauptet hat, da gäbe es nix. Ich stromer fast 2 Stunden durch die Gegend, gehe mal den Pfad und mal jenen. Natürlich hat ein Pf-F immer recht, auch wenn eine Art Brückchen eingezeichnet scheint, es gibt es nicht. Bestimmt hat der Typ sie wegen mir abgebaut, damit ich wieder zurückgehen muss. grummel
    Ich lande also wieder beim Wegweiser und gehe zur Schleuse. Dem SChleusenwärter, der gerade nach Wind und Wetter geschaut hat, wünsche ich einen guten Morgen, mir habe man gesagt, man könne hier das Wasser queren. Es ist zwar immer noch verdammt früh und er guckt recht erstaunt, öffnet mir aber bereitwillig das Tor und ich kann auf die andere Seite. Einen schönen Tag wünschen wir uns noch und jetzt führt der Weg durch ein ehemals militärisches Areal, alles sieht vereinsamt und verwahrlost aus.



    Die Strecke nach Hammelsprung geht über eine öde Piste, aber dann erreiche ich die große Straße, die hier von der Bahntrasse gekreuzt. Meine Landkarte zu Rate ziehend, entscheide ich mich nicht nach Hsprung zu gehen, sondern eine sehr sandige Strecke nach Storkow. Also auf auf - keine Müdigkeit vorschützen.



    Storkow ist ein hübsches Dörfchen, ich mag diese Dörfer in der Mark, sehr bäuerlich teils noch, geruhsam, schmale Straßen und Sandpisten führen hin, vielviel Grün in Weiden, wiesen und Wäldern. Ab und an leuchtet dunkles Blau irgendwo, viel Wasser hat es hier nämlich auch.





    Im Ort lege ich erstmal eine Rast ein. Er hat nämlich einen Bäcker. Auf der Holzbank sitzend, verspeise ich köstlichen Apfelkuchen, trinke dazu Kaffee und schmöker im Wandertagebuch, was die anderen alles geschrieben haben.



    Kurz vor 11.00 breche ich wieder auf, dann schließt auch der Bäcker und gemächlich wandere ich von Storkow über Steindamm nach Steinfeld. Steindamm hat einen Reiterhof mit schönen Pferden.







    und in Steinfeld könnte ich glatt ein altes Häuschen kaufen, möglichst nahe des Storchennestes.



    Hm, es scheint aber niemand im nest zu wohnen, etwas enttäuscht gehe ich langsam weiter, drehe mich aber mehrmals um, ob nicht vielleicht doch.....




    Und ja, da scheint ein Kopf drinnen zu sein. Während ich zurückgehe, richtet sich der storch auf, streckt sich und ich versuche ein Foto zu machen. Mist, an meiner Minikapera kann man einfach keine vernünftigen SCharfeinstellungen beim Zoomen machen. ich könnte mich ja echt ärgern!
    Dann vergesse ich das mit dem Ärgern, setze mich etwas weiter weg, aber mit guter Sicht aufs Nest auf einen dicken Stein und schaue nur einfach dem Storch zu.



    Aber irgendwann muss ich doch weiter und etwas bedauernd verlasse ich Steinfeld, jedoch nicht ohne mich noch einmal umzuschauen...



    OT: more to come

  4. Sternenstaub
    Gast

    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #44
    ja, die Mark Brandenburg wird wirklich vielfach unterschätzt, was aber teilweise gut ist, sonst würden ja mehr Leute überall herumtrullern.

    Heute Nachmittag fahre ich erstmal zum Paddeltreff, vorher werde ich vermutlich keine Zeit zum Schreiben haben. Geht also am Sonntag weiter hier.

    so - es geht weiter

    Von Steinfeld aus folge ich der Sandpiste in Richtung Süden und treffe im Nirgendwo auf eine alte Eisenbahnspur. Schon interessant, was alles im märkischen Sand liegt.




    z.B. diese Grabstelle aus den bonapartischen Kriegen. Zwei Soldaten, die versuchten den Vorstoß der französischen Trupeen zu behindern kamen hier ums Leben und nur durch Zufall erfuhr die Familie bzw die Nachfahren des Einen, dass man sie heir begraben hatte.













    Manchmal empfinde ich es durchaus als last, zu wissen, was sich in diesem märkischen Sand (und woanders ebenso) abspielte, wieviel Leid. Wieviel Blut und Tränen vergossen wurden. Das ging mir auch während der eigentlich so lustigen Draisinenfahrt durch den Sinn, Ravensbrück bzw die SChienen, die dorthin führten lagen nahebei und auch an Sachsenhausen würde ich aus eigenem Entschluss noch vorbeikommen.
    Sehr nachdenklich ging ich diese Wege, man kann die Geschichte nicht abschütteln, sie führt zu einem hin und (in meinem Alter) wieder fort, sie ist ein Teil von uns, auch wenn das oft schwer zu akzeptieren/ertragen ist.
    eigentlich ohne es zu merken, kam ich in Wesendorf an und legte eine kurze Rast ein.





    Sehr gerne hätte ich mir hier irgendwo einen Schlafplatz gesucht, nicht wegen der zweifellosen Schönheit der Gegend, sondern eher, weil ich müde geworden war.
    aber nichts bot sich an und sie beschloss ich, weiter nach Krewellin zu gehen. Ab dort sollte ein Weg am Kanal entlang nach Liebenwalde gehen. Von dem versprach ich mir nicht besonders viel, schnurgerade zog er sich auf der Karte dahin.



    Aber ich sollte mehr als angenehm überrascht werden.















    Als ich in Liebenwalde-R (wie immer auch diese Schleuse heißt) ankam, beschloss ich, schnurstracks nach L hinein zu gehen und mir in der ersten besten Pension ein Zimmer zu nehmen. So wundervoll der Blick auf den Vosskanal gewesen war, so sehr hatten meine Füße geächzt und ich befürchtete, dass sie einige Blasen entwickelten hatten. Dumm wie ich Dödeline eben bin, hatte ich den Hinweis des Einheimischen falsch verstanden und war nicht vor der Brücke auf den Weg gegangen sondern hinter der Brücke. Heißt, ich bin etliche Kilometer nicht über den angenehmen Wiesen/Kiespfad gegangen sondern über den Radweg. Was mir meine Füße überhaupt nicht gedankt haben.

    In Liebenwalde gibt es eine Radler-Herberge, weil ein Weitwanderradweg vorbeiführt, am Fenster stand eine Telefonnummer, die man anrufen sollte ab einer bestimmten Uhrzeit. War so um die 20.00 Uhr und ich schon seit den frühen orgenstunden unterwegs, also rief ich flugs an. Die Vermieterin kam kurze Zeit später angefahren.
    hm, die herbergszimmer waren belegt, die kleine Fewo auch und nur die große stand noch zur Verfügung. 39 € sollte sie kosten. Das war mir schlicht zu teuer und so argumentierte ich, dass ich ja nur ein Bett und ne Dusche brauchen würden und sonst nix anfassen würde. So einigten wir uns auf den üblichen Herbergspreis und ich humpelte selig die Treppe hoch in den puren Luxus. An diesem Tag war ich fast 32 km gewandert und so hatte ich mir den Luxus durchaus verdient. ;)

    Das Frühstück am Morgen darauf war mehr als gut, ich machte noch einige Fotos und mit immer noch sauren Füßen machte ich mich wieder auf den Weg.



    Blick auf den Innenhof und hinaus aus Lwalde..



    Und kam wandermäßig vom Regen in die Traufe. Ich folgte dem Radweg an Durchgangsstraße Richtung Zehdenick, fand aber nicht den abzweig, der über Äcker und Weiden Richtung Neuholland gehen sollte. Tja, so verfluchte ich den Asphalt, der meinen Füßen überhaupt nicht gefiel. Ich machte Tests, indem ich ab und an wo möglich am Rand ging, sofern der Streifen breit genug war. sobald ich über Gras oder Erdbpden ging, fühlte sich der Rucksack sofort viel leichter an und die Füße und Knien taten nicht mehr weh. Nur bedauerlicherweise war der Streifen meist so schmal oder aber schräg, dass man nicht wirklich gut darauf laufen konnte.



    Nuja, kein Wunder, dass das hier als Radroute ausgeschildert war, mit dem Rad hätte das sicherlich auch Spaß gemacht. Ich beschloss bei der nächsten Möglichkeit eine längere Pause zu machen, die Füße auszuruhen und die Karte genauer zu studieren.
    Kurz vor Neuholland ging ich in einen kleinen Weg hinein, in der Hoffnung wieder auf fußfreundliches Gelände zu kommen, leider ging es da aber auch nicht weiter. Man muss dazu erklären, dass es hier viele kleine Kanälchen, Wasserrinnen, Entwässerungsgräben gibt und so querfeldeingehen nicht möglich ist. Mal abgesehen davon, dass dies alles bäuerlich kultiviertes Land ist und die Bauern es wohl nicht so gern sähen, wenn man darauf herum latscht.

    Ich machte einige Fotos und legte eine Rast ein. Und entschloss mich einen direkten Weg auf möglichst angenehmen Untergrund nach Oranienburg und zum dortigen Bahnhof zu gehen.





    Ein längeres Stück musste ich noch an der Landstraße entlang gehen, was aber bis auf die Wegbeschaffenheit nicht schlimm war. Weil wirklich viel Autoverkehr hier nicht unterwegs ist.
    Danach bog ich in ein größeres Waldstück ein, zum Glück war meine Karte relativ stimmig und ich verlief mich nicht mehr. Der Weg war unterschiedlich vom Untergrund, also auch nicht mehr für die Füße so anstrengend. Ich bekam trotz Blasen langsam wieder gute Laune, als meine Kamerabatterien den Geist aufgaben und ich kein einziges Foto mehr machen konnte.
    Dabei hatte ich doch weiter dokumentieren wollen, wo man hier alles lang gehen kann.
    Über Malz, an Friedrichsthal entlang, links von mir wusste ich den Kanal und den Grabowsee, der aber nicht in Sichtweite war, bis ich dann auf den Gewerbepark Nord in Oranienburg stieß. Zwischendurch machte ich mehrere Pausen, weil es nicht ganz so gut um meine Füße stand, vielleicht war es doch eine blöde Idee, neue Schuhe auf einer längeren Asphaltwanderung einzulaufen. ;)
    Und es gab von nun an sowieso nur noch Straßen, durch Sachsenhausen und dann weiter in die Stadtmitte. Ich muss zugeben, diese letzten Kilometer machten jetzt wirklich überhaupt keinen Spaß. Währenddessen versuchte ich immer mal wieder erfolglos meine FReunde im Landkreis OHV anzurufen. Als ich endlich nach mordsmäßig vielen ;) Stunden den Sbahnhof erreichte, kaufte ich mir ein dickes Eis.
    Das WAI war also sozusagen in Oburg gestrandet und ich schwor mir, wenn ich hier weitergehen würde, dann sicherlich nicht heute oder morgen, ein Ruhetag zuhause musste sein. Also schwang ich mich auf die Sbahn.

    Aber wir sind ja der Spontanstammtisch und so schlug Inuk ganz spontan vor, dass sie ab Oburg über hdorf nach Pdam mit dem Rad fahren würde. Das ist einfach eine Rad- und keine Wanderstrecke und für vernünftige Argumente bin ich immer offen.


    aber wie das WAI nun tatsächlich vom Oranienburger Sbahnhof nach Potsdam kam, das muss nun Inuk euch erzählen.

    finis

    (achja - am dritten Tag waren es ziemlich genau 20 km)

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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #45
    25.4.10 Oranienburg-Potsdam

    Nachdem schon die nächsten beiden Berichte da sind, fühle ich mich doch etwas unter Zugzwang. Habe ich schon erwähnt, dass ich ein Reisebericht-Muffel bin? Oder von meinen zahlreichen Tourtagebüchern erzählt, die spätestens ab der Hälfte der Tour nur noch gähnende Leere enthalten? Aber für ein solch hohes Gut wie den Forumsstaffellauf arbeite ich sogar an meiner Schreibblockade. Nun denn:

    Am Freitag, bevor es losgehen soll, entdecke ich an meinem geliebten Rad zwei gebrochene Speichen am Hinterrad Was nun? Werde ich die Kette unterbrechen und den ewigen Zorn des BBBE-Stammtischs auf mich ziehen? Wo bekomme ich schnell einen Bolzenschneider her, um mir ein Ersatzrad zu leihen? Glücklicherweise erkennt der nette Mensch vom Radladen gegenüber die Notlage und behebt den Schaden am Samstag Vormittag. Somit starte ich am Sonntag, den 25.4.. Um kurz nach 9 treffen das WAI und ich bei strahlendem Sonnenschein und einem leichten Lüftchen (oh je, jetzt fange ich schon mit dem Wetter an, das kann ja heiter werden) in Oranienburg ein.

    Kurz nach dem Bahnhof treffe ich auf den Radweg Berlin-Kopenhagen in Personalunion mit dem Havelradweg, dem Ruppiner Radweg und der Königin-Luise Route (habe ich jetzt noch einen vergessen?) Dafür, dass das hier der Havelradweg ist, bekommt man ziemlich wenig von der Havel zu sehen. Meistens geht es durch den Wald (oder was in Brandenburg eben so Wald heißt).
    Über Birkenwerder geht es nach Henningsdorf. Henningsdorf heißt zwar schon -dorf, aber irgendwie hatte ich es mir doch größer vorgestellt. Vielleicht, weil dort immerhin eine Regionalbahn hält. Kaum erreicht, bin ich auch schon wieder hindurch. Ab dem Hafen folge ich nun dem Berliner Mauerweg. Bei der Mittagspause an der ehemaligen Wasserkontrollstelle Henningsdorf leistet mir eine Wildgans Gesellschaft - zwar kein Biber, aber immerhin.

    Kurz danach kommen wir am Grenzturm Nieder Neuendorf vorbei, den wir natürlich besteigen, um uns schon mal auf weitere Grenz-Abenteuer einzustimmen. Kurz danach geht es dann von der Havel weg durch eine der Gegenden mit der komplizierten Grenzführung.
    Schon ein wenig erschöpft komme ich nach Groß Glienicke. Einen Moment überlege ich, ob ich einen Schlenker durchs Dorf machen soll, aber dann fahre ich doch lieber am See entlang. Erst gestern hat der letzte Anwohner seine Blockade des Uferwegs auf Druck der Gemeinde hin aufgegeben, hat dabei allerdings eine Sandgrube mit Slalomstrecke aus Betonblöcken hinterlassen. Aber solche Kindereien hindern eine WAI-Trägerin natürlich nicht.

    An der Heilandkirche in Sacrow machen wir ein Teepäuschen mit etwas matschigem, aber leckerem Erdbeerkuchen und werfen dabei schon mal einen Blick zur Glienicker Brücke hinüber. Potsdam ist nun fast zum Greifen nah, aber da mein kleines, blaues Fahrrad leider kein Fliewatüüt ist, muss ich wohl oder übel den Umweg über Krampnitz nehmen. Endlich in Potsdam angekommen, will ich dem WAI die schöne Landeshauptstadt Brandenburgs nicht vorenthalten und mache noch ein paar Schlenker durch Parks und an Schlössern vorbei (merke: ein sonniger und warmer Sonntag-Nachmittag ist die allerschlechteste Zeit, um Potsdam zu besichtigen. Man kann aufpassen, wie man will, am Ende des Tages muss man doch immer ein paar Touris aus den Reifenprofilen kratzen.*). Wenn ich Bier trinken würde, würde ich mir jetzt ein kaltes, herrlich erfrischendes Bier gönnen. Schade eigentlich, dass ich Bier nicht ausstehen kann. Hm, aber so eine Kugel Eis wäre jetzt schon etwas Feines - als ich die Schlangen an den Eisdielen sehe, beschließe ich aber, dass Eis hoffnungslos überbewertet ist und fahre nach Hause.


    *Um hier keine Plagiatsdebatte loszutreten: Okay, der ist nicht mir, sondern von Christian J. Aber er passte gerad sooooo gut.
    I let my mind wander and it never came back.

  6. Moderator
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #46
    1. Mai 2010

    James Bond präsentiert:

    Golden WAI


    (INFO: Bitte kein Bildmaterial einfügen, das die Rechte Dritter verletzt. d.h. i.d.R. keine Musikvideos, TV-Serien etc. )

    OT: Für GöGa und die anderen Wobinichs: Ja, es ist die echte Glienicker Brücke an der Grenze zwischen Brandenburg und Berlin.

    Um nicht in den traditionellen Kreuzberger Steinehagel zu geraten, versammelten sich am 1. Mai 2010 um 7:30 an der Glienicker Brücke ein Expeditionsteam aus fraizeyt, Inukshuk, Pfad-Finder, Sternenstaub und Suppus. Berlin, Brandenburg und Rand-Berlin waren somit im Verhältnis 2:2:1 vertreten.

    Um 8:30 waren die Dreharbeiten abgeschlossen und alle Anlieger dank Suppus lautstarker Regieanweisungen wach. Wir beschlossen, so schnell wie möglich das Weite zu suchen, und fanden es auf dem Uferweg am Wannsee entlang. Wilde Tiere begegneten uns nicht, wohl aber zahlreiche Sonntagsfahrer auf ihren Zweirädern, die uns aufgrund voller Ausnutzung von nicht vorhandener Fahrbahnbreite immer wieder zur Flucht ins Unterholz zwangen.

    Schließlich erreichten wir einen kleinen Freizeithafen, wo gerade eine Flotte von 1-Mann-Rettungsbooten startklar gemacht wurde. Wir widerstanden der Versuchung, im Restaurant "Seehaase" einzukehren, denn bei dieser Rechtschreibung hätte es vermutlich ohnehin nur Falschen Seehasen gegeben.



    Licht und Schatten lagen auf den folgenden zwei Kilometern eng zusammen. Wir kamen nämlich an der Villa vorbei, wo im Januar 1942 die Ermordung der europäischen Juden beschlossen wurde. Zwar war das Gelände an diesem Tag geschlossen, aber es war trotzdem recht erschreckend zu sehen, wie banal dieser Ort des Bösen aussieht.



    Nur wenige Meter weiter liegt die Liebermann-Villa, wo der gleichnamige Maler rund 200 Bilder malte. Eine uns völlig unbekannte Person ließ es sich nicht nehmen, mit dem WAI und einem dort aufgestellten "Buddy-Bären" Schabernack zu treiben. Respektlos!



    Schließlich erreichten wir den Bahnhof Wannsee. Nach kurzem heftigem Streit, der ungefähr 0,02 Sekunden dauerte, verwarfen wir die Idee, in die nächste S-Bahn Richtung Bahnhof Grunewald zu steigen. Stattdessen kehrten wir in der Freßmeile vor dem Bahnhof ein, um uns für die nachfolgenden endlosen Kilometer durch die Wildnis des Grunewalds !ohne jede Einkehrmöglichkeit! noch etwas Vorrat anzufuttern.

    Am Anfang waren die Wege im Grunewald noch breit ...


    OT: highway=track
    surface=dirt
    tracktype=grade4


    ...dann wurden sie immer schmaler, bis uns das Grün des Waldes verschluckte...


    OT: highway=path

    Schließlich spuckte uns der Wald am Fuße der ehemaligen amerikanischen Abhörstation auf dem Teufelsberg aus. Genau auf diesem Areal befindet sich einer der beiden Berliner Gipfel mit einer amtlichen Höhe von 114,7m. Der TP-Gipfelstein ist allerdings - falls überhaupt vorhanden - unter einem der Gebäude verborgen.

    Auf dem Gelände wollte ein Investor vor einigen Jahren Luxuswohnungen errichten. Das Geld war jedoch schon vor dem ersten Spatenstich alle, kein sonderlich unübliches Phänomen in Berlin. Seitdem herrscht mit wechselndem Erfolg ein Wachdienst über das Gelände, wie die Graffiti belegen.



    Als uns schon am Haupttor die ersten Schaulustigen entgegenkamen, wussten wir, dass ein Betreten an diesem Tag nur geringes Risiko mit sich bringen würde. Angesichts fahrradgroßer Löcher im Zaun ließ sich kaum noch von "befriedetem Eigentum" sprechen.
    Durch das entkernte, geplünderte und vandalisierte Treppenhaus des Hauptgebäudes arbeiteten wir uns auf die erste Aussichtsplattform vor.


    Sehnsüchtig blicken vier erschöpfte WAI-Begleiter zu dem dunklen Hochhaus, an dessen Fuße die Berliner Filiale vom Herrn Merten sein Laden liegt.


    Unterdessen blickte das WAI auf eine Großwerbung für die Fußball-WM von 1974.

    Fraizeyt und Pfad-Finder wollte jedoch noch höher hinaus, mussten allerdings zuerst feststellen, dass der Fahrstuhl außer Betrieb war.



    Aber Fahrstuhl hätte ja sowieso nicht gegolten! Durch ein dunkles Treppenhaus, in dem die Hauptgefahr die vielen anderen Besucher waren, ging es bis zum Anschlag nach oben. Hier konnte man dann sogar schon die Erdkrümmung fotografieren.



    156 Meter Höhe wie vom GPS angezeigt waren es sicher nicht. Höchstens 155 Meter, würde ich schätzen.



    Jetzt war aber erstmal eine Stärkung fällig. Ob es allerdings eine gute Idee war, mit solchen Leuten wie Pfad-Finder und Suppus ausgerechnet im "Ökowerk" einzukehren, muss bezweifelt werden. Es gab nämlich keine COLA, wie Suppus lautstark feststellte. So lautstark, dass es auch keines der herumlaufenden Kinder überhören konnte, die von ihren ökologisch korrekten Eltern gerade mit ungesüsstem Dinkel-Rhabarber-Saft versorgt worden waren. Keine COLA! Schließlich ließ er sich zu einer Bionade überreden, vermutlich deshalb, weil dort auch reichlich Zucker drin ist. Aber den ebenfalls verlangten Senf bekam Suppus nicht.

    Dabei wollte er ihn nur für die spätere Verwednung mitnehmen, denn den grandiosen Abschluss unserer Tour bildete ein heiteres Outdoor-Würstchengrillen mit UH-Grill.



    Am S-Bahnhof Grunewald deponierten wir das WAI virtuell für die nächste Etappe.

    Technische Daten:

    27,7 km in 10:29h mit fünf Personen
    also 138,5 Personenkilometer
    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #47
    5. Mai 2010

    S-Bahnhof Grunewald - City West - Mitte - S-Bahnhof Treptower Park


    Vorherige Etappe
    Nachfolgende Etappe


    Alle Sehenswürdigkeit Berlins an einem Tag zu zeigen ist unmöglich. Sogar eine Woche tut es nicht. Deswegen hat der Berliner Stammtisch per Feststellung fehlender Gegenstimmen beschlossen, es an einem Abend durchzuziehen. Wir zeigen einen Mix aus den besten Sehenswürdigkeiten des 17., des 18., des 19. und des 20. Jahrhunderts sowie den besten Sehenswürdigkeiten von heute!

    Um 18.45 starteten Hotdog, Lutz-Berlin und Pfad-Finder ihre Fahrräder am S-Bahnhof Grunewald. Erstes Ziel war das Messegelände, wo nicht nur der Funkturm steht, sondern auch das Internationale Congress-Centrum ICC. Dieser Prachtbau aus dem Spätaluminiumzeitalter ist so asbestverseucht, dass sich bisher niemand an den Abbruch herantraut. Zumal sich die Kostenschätzungen für Abbruch plus Neubau gegenüber Sanierung gegenseitig überschlagen. Also nimmt man lieber die alljährlichen Verluste in Kauf, denn eigentlich braucht niemand eine derartige Veranstaltungsstätte. Berlin hat‘s ja.




    Nächstes Ziel war das Schloss Charlottenburg. Die ehemalige Hohenzollernresidenz ist ein anschaulicher Beweis dafür, dass die schwäbische Einwanderung in Berlin nicht erst mit der Entdeckung des „Prenzlberges“ als Szeneviertel für hippe Webdesignassistenzpraktikanten begonnen hat. Und genau so, wie die heutigen schwäbischen Migranten den Bio-Wochenmarkt unerlässlich finden, aber gleichzeitig das Ordnungsamt alarmieren, wenn der Standaufbau am Samstag um sechs Uhr morgens beginnt, wurden wir von einem gestifteteten Preußischen Kulturbesitzer aus dem Sattel geblökt, weil wir in typisch Berliner Art durch den Schlossgarten gefahren sind statt zu schieben. Wahrscheinlich müssen wir dafür sogar noch dankbar sein – im Park von Schloss Sanssouci durfte man einige Jahre nicht einmal ein Fahrrad schieben.




    Unaufhaltsam näherten wir uns dem Stadtzentrum. DEM Stadtzentrum? Nein. Berlin hat zwei davon. Die „City West“ rund um Kudamm, Gedächtniskirche und KaDeWe hat ihre Rolle erst nach der Teilung Deutschlands und Berlin bekommen. Das historische Stadtzentrum ist der Bezirk Mitte, der zum Sowjetsektor gehörte. Die Gedächtniskirche trägt ihren Namen übrigens nicht zum Gedächtnis an den Zweiten Weltkrieg, auch wenn ihr heutiges Erscheinungsbild das vermuten ließe. Mit vollem Namen heißt sie Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und soll an Wilhelm I. erinnern.




    Am Zoo vorbei ging es durch den Tiergarten – manchmal verwirrend für sprachunkundige Ausländer – zum Großen Stern mit der Siegessäule. Der Kreisverkehr mit seinen sechs Spuren bringt nicht nur Berlin-Besucher aus dreibuchstabigen Landkreisen an den Rand des Herzinfarkts, sondern hält auch eine der Spitzenpositionen unter den Unfallschwerpunkten. Die Siegessäule erinnert an die drei Siege Deutschlands 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/1871 gegen Frankreich. Für die Jüngeren im Forum: Nein, es geht hier nicht um Fußball-Europameisterschaften. Eher so etwas wie Biathlon und Kugelstoßen, nur dass man auf die gegnerische Mannschaft zielt.


    Gut eingerüstet: Die Siegessäule.


    Mit reichlich 20 Minuten Verspätung erreichte das WAI-Team das Brandenburger Tor, wo uns Sternenstaub mit einer kleinen ortsüblichen Erfrischung erwartete. OT: Das alkoholfreie Hefeweizen ist dem Umstand geschuldet, dass es noch keine alkoholfreie Berliner Weiße gibt. Wenn man aber Farbe, Trübung und Schaumkrone vergleicht, ist es aber vielleicht auch besser so.




    Das Gruppenbild vor dem Brandenburger Tor stellte dann trotz Weitwinkel und Zehn-Sekunden-Selbstauslösung noch einmal eine sportliche Herausforderung dar. Hier das einzige Bild, bei dem der Fotograf es geschafft hat, nach dem Hinsetzen die Füße wieder auf den Boden zu bringen, bevor es „klick“ machte.




    Bereits in der Dämmerung kam das WAI-Team am Fernsehturm an. Mit 368 Metern Höhe ist er das höchste Bauwerk Deutschlands. Und das schon seit 1969. Da hat es die DDR dem Westen aber mal richtig gezeigt!




    Schräg gegenüber vom Ostbahnhof, der 1842 bis 1881 Frankfurter Bahnhof hieß, 1881 bis 1950 Schlesischer Bahnhof, 1950 bis 1987 Ostbahnhof, 1987 bis 1998 Hauptbahnhof und seit 1998 wieder mal Ostbahnhof, beginnt die „East Side Gallery“. Dieses Stück Mauer, das bis 1989 den Zugang zur Spree verhinderte, wurde nach der Wende von Künstlern und solchen, die sich dafür hielten, bemalt. Im vergangenen Jahr wurden die Gemälde saniert. Grund war ausnahmsweise nicht Graffiti-Vandalismus, sondern die Tatsache, dass die damaligen Künstler weder auf lichtechte Farben noch auf ordentliche Grundierung geachtet hatten.




    An der Elsenbrücke kamen wir zur besten Zeit an. Ein vulkanascheroter Sonnenuntergang bildete den Abschluss unserer Tour durch Berlin. Das Ensemble aus dem „Molecule Man“ des US-Künstlers Jonathan Borovsky, den alten Speichergebäuden des Osthafens, der Oberbaumbrücke und den „Treptowers“-Hochhäusern wird zu jeder Tages- und Nachtzeit von Fotografen auf der Brücke belagert. Wer das perfekte Verbrechen begehen will, sollte sich wirklich einen anderen Ort aussuchen.



    Am S-Bahnhof Treptower Park endete die Etappe um 21.22 Uhr.


    Technische Daten:
    23,7 km in 2h 36'



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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #48
    7. Mai 2010

    Kleine Platzrunde durch Berlin-Mitte


    Nachdem es dem Berliner WAI-Team nicht rechtzeitig gelungen war, den Standort der Postmeilensäule zu lokalisieren, die um 1735 erstmals den wegetechnischen Mittelpunkt der Stadt fixierte, musste das WAI heute noch einmal zu einer kleinen Tour durch die Stadt starten.

    Aber zuerst durfte es sich mit landesüblicher Kost stärken:




    Dann ging es zur Postmeilensäule, die sich an der Leipziger Straße befindet. Die "Forschungsgruppe Meilensteine" - ja, es gibt Leute, die noch bekloppter sind als wir! - hat die Geschichte dieser Postmeilensäule bis ins Detail ergründet.




    Zum Abschluss gab es für das WAI noch einmal eine typische Berliner Wurst...




    Technische Daten:
    5,37 km in 38 Minuten.
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #49
    Treptower Park-Müggelberge-Langer See

    8. Mai 2010

    Heute hatte das WAI eine Wasser-Wanderung vor sich: Mehr oder weniger an der Spree entlang wollten wir es über den zweiten der zwei höchsten Berge Berlins tragen und dann am Fuße des Langen Sees deponieren.

    Dass die Etappe ganz im Zeichen des Ostens stehen würde, wurde uns schon am Bootsanleger am Treptower Park klar: Schiffe der Roten Flotte lagen dort verborgen zwischen Schiffen der Weißen Flotte. OT: Und schon klingelt es in der Wortspielkasse der Osteuropa-Historiker... Wir entdeckten die „Kursk“ (früherer Liegeplatz: Seeboden des Polarmeeres ) und die „Aurora“, die sich doch eigentlich vertäut in Leningrad, pardon, St. Petersburg befinden müsste. Es fehlte nur noch der Panzerkreuzer Potemkin. Aber der war vielleicht wegen Dreharbeiten in Babelsberg unabkömmlich.


    Kursk und Aurora im Dalnowostoschtnij port Berlin-Treptow

    Da dieser 8. Mai zugleich der 65. Jahrestag der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg war, konnten wir natürlich nicht das sowjetische Ehrenmal im Treptower Park auslassen. Dort herrschte an diesem Vormittag allerdings noch Ruhe. Die Militärparade sollte vermutlich erst am 9. Mai stattfinden, denn für die Sowjetunion gilt erst die Zweit-Unterschrift der deutschen Generäle unter der Kapitulationserklärung am 9. Mai in Berlin-Karlshorst als Kriegsende.


    Das Ehrenmal ist im besten stalinistischen Monumentalstil gehalten. Es wirkt bombastischer und vor allem größer als es wirklich ist. Von Selbstinszenierung haben die damaligen Machthaber etwas verstanden.

    Wegen eines Bandscheibenschadens kam dieser Weltkriegsveteran nicht an das WAI heran

    Wir begaben uns zurück zum Ufer und entdeckten weitere Relikte aus der Vergangenheit. Der Kulturpark wurde nach der Wende zum „Spreepark“ transfomiert. Kurze Zeit später war er wegen grandiosem Missmanagement der neuen Eigentümer pleite, die Eigentümer selbst entkamen der deutschen Justiz nach Südamerika. Also in gewisser Weise eine ganz normale Berliner Story.


    Jurassic Park für Arme


    Oh, ein Ufo???


    Mit einer Hightech-Fähre setzten wir an das Ostufer der Spree über. Für eine Magnetschwebebahn hat es in Berlin nicht gereicht, aber dafür gibt es hier Magnetklebeschiffe: Um das Festmachen mit Tauen zu erübrigen, tragen die Fähren seitlich kräftige Magnete, mit denen sich an die stählernen Anleger klammern.


    Einwände, die Etappe sei wegen unzulässiger Benutzung von motorgetriebenen Verkehrsmitteln ungültig, können wir entkräften: Gleich am Folgetag hat der Verfasser dieser Zeilen eine per Fahrrad zurückgelegte brückengebundene Variante beim Zentralen Trackmanagement Hotdog eingereicht. Hier das Foto von lauschigen Pfaden an der lieblichen Wegvariante über die Brücke.



    Der Grund, warum wir die Fährenvariante wählten, lag in der Wuhlheide, einem Park nördlich der Spree.


    Zu DDR-Zeiten war hier der „Pionierpark Ernst Thälmann“ angelegt worden, ein Kultur- und Erholungsgelände für Kinder und Jugendliche. Anders als der Kulturpark hat die Wuhlheide die Wende überlebt. Die riesige Freilichtbühne ist bis heute eine begehrte Adresse. Der ehemalige Pionierpalast, in dem früher die Errungenschaften des sozialistischen Lager in einer Ausstellung gewürdigt wurden, dient heute unter der Bezeichnung „FEZ Berlin“ - FEZ für Freizeit- und Erhloungszentrum - als Veranstaltungszentrum für Jugendprojekte. Und die früher von Jungen Pionieren betriebene „Pioniereisenbahn“ mit 600 mm Spurweite firmiert heute als „Parkeisenbahn“ . Sie wird aber nach wie vor von Jugendlichen in Reichsbahn-Uniformen betrieben.



    Nach zwei absolut ereignislosen Kilometern erreichten wir die Altstadt von Köpenick und drückten dem dortigen Hauptmann das WAI leihweise in die Hand.


    Der „Hauptmann von Köpenick“ ist keine Erfindung von Heinz Rühmann oder Harald Juhnke, sondern eine reale Figur. Sofern der als Hauptmann verkleidete Schuster Wilhelm Voigt, der 1906 allein mit der Macht seiner Schulterklappen die Stadtkasse von Köpenick um 3557,45 Mark erleichterte, überhaupt als reale Figur gelten darf. Dass er der Nachwelt derartig bekannt geworden ist, verdankt er dem gleichnamigen Theaterstück von Carl Zuckmayer.

    Schräg gegenüber vom Rathaus entdeckten wir eine weitere Statue, die von der Landseite zunächst wie Gollum aus „Herr der Ringe“ aussah, sich beim Blick von der Seeseite aber als weiblicher Heavy-Metal-Fan beim Naked Headbanging entpuppte. Um den Anforderungen des Gender Mainstreaming Genüge zu tun, drückten wir der Dame das WAI ebenfalls in die Hand.



    Ab hier begann der Endspurt. Um uns für die dünne Höhenluft auf den mehr als 100 Meter hohen Müggelbergen zu stärken, stürmten wir eine Bäckerei, die kurz davor war, Feierabend zu machen. Entsetzen zeichnete sich in den Augen der Verkäuferin ab, als fünf verwirrte Personen mit einer bunt beklebten Tupperdose in die Geschäftsräume eindrangen. Ihr Entsetzen steigerte sich noch, als Charmör Suppus in resolutem Ton feststellte, sie würde jetzt das Geschäft ihres Lebens machen.

    Das war natürlich unmöglich. Es fing schon damit an, dass sie keine Brötchen mehr hatte. Und dass die Verkäuferin wirklich mit ihren Kräften schon am Ende war, wurde daran deutlich, dass die sonst obligatorische „Berliner Schrippenpredigt“ ausblieb: „Brötchen ham wa nich. Dit heißt hier „Schrippen“. Und Schrippen habe ick ooch keene mehr, wenn Se dit jenau wissen wolln.“ Soweit die Kurzfassung, mehr dazu bei Horst Evers.

    Leider hatten wir irgendwie übersehen, dass es außer den bereits hochgestellten Stühlen in der Bäckerei auch draußen keinerlei Sitzgelegenheiten gab. Objektiv betrachtet mag das angesichts von Verkehrslärm und Abgasen einer Hauptausfallausstraße nachvollziehbar erscheinen. Subjektiv hatte es zur Folge, dass wir gefühlte 20 Kilometer mit Backwaren und Heißgetränken durch eine Wohnsiedlung tapern mussten, bis wir in einem Wäldchen eine Sitzgruppe aus müde dahinmodernden Birkenstämmen fanden.

    Dort machten uns sofort blutrünstige Mücken den Anspruch auf den Platz am Ende der Nahrungskette streitig. Entschädigt wurden wir durch den Anblick zweier origineller Außenskelettler. Der erste war ein Feuerkäfer, der zweite eine nicht näher spezifizierte Käferlarve im Stealth-Design.



    Dann ging es unaufhaltsam in Richtung Gipfel. Unterwegs wurde auch dem letzten unter uns klar, warum man von den „Müggelbergen“ nur im Plural spricht. Es reihen sich nämlich mehrere Gipfel aneinander. Der westlichste sind die Kanonenberge (70 m), die ihren Namen von der früheren Nutzung als preußischer Artillerieübungsplatz haben. Der zweite Gipfel (88 m) wird heute in zweifelhafter Weise vom einem verfallenen Ausflugslokal samt saniertem Aussichtsturm getoppt.


    Blick vom Aussichtsturm nach unten - nicht schön


    Blick vom Aussichtsturm in Richtung Mitte - schöner, aber dunstig

    Unterhalb des Turms hat ein Spanier (?) seinen Imbisswagen aufgestellt. Suppus, der gerade eine Woche zuvor mit seinem Wunsch nach Cola im „Ökowerk“ abgeblitzt war, wollte seine frisch erworbene ökologische Correctness unter Beweis stellen und bestellte eine – Bionade! „Nein, mein Herr“, entgegnete der Spanier mit traurigen Augen, „Bionade habe ich nicht. Die läuft hier überhaupt nicht.“ Mit einem einem wenig glaubhaften Anschein von Widerwillen ließ Suppus sich dann eine Cola aufnötigen.

    Frisch gestärkt setzten wir zum Gipfelsturm an. Eine Viertelstunde später war es soweit: Wir standen mitten im Wald und glotzten etwas enttäuscht auf eine Holztafel, die uns das Erreichen des höchsten Berges von Berlin bescheinigte. Die auf der Tafel verkündeten 114,7 m waren allerdings 70 Zentimeter weniger, als die amtliche topografische Karte versprochen hatte. Vielleicht war das aktuelle Maß der politischen Ausgewogenheit geschuldet, denn der Teufelsberg im ehemaligen Westberlin wird auch mit 114,7 m geführt. Wenn Westberlin schon seine Flughäfen und den Bahnhof Zoo verliert, soll es wenigstens auch einen Gipfel behalten?


    Damit hatten wir auch den Berliner Summit Nr. 2 in der Tasche. Jetzt konnte es nur noch bergab gehen, und zwar mit Blick auf die nächste Etappe ans Ufer des Langen Sees. Ixylon hatte durch Luftaufklärung mit Gugel Örs eine sandige Bucht ausgemacht, wo die nächste Etappe starten konnte. Suppus taufte die Bucht sofort „Schweinebucht“, war sich aber wohl gar nicht dessen bewusst, dass sie natürlich „SchWAInebucht“ geschrieben werden musste.


    Strandidyll in der SchWAInebucht


    Hier war endlich Zeit für eine ausgiebige Mahlzeit. Und wieder einmal wurde experimentiert. Welchen Kocher unser Kocher-Lutz diesmal dabei dabeihatte, ist dem Autor allerdings nicht mehr erinnerlich.

    Unsere Aufmerksamkeit wurde nämlich ganz von Sternenstaubs Esbit-Kocher gefesselt. Wer auch immer das „Leicht entzündlich“-Warnlogo auf die Esbit-Packungen aufgedruckt hatte, hätte sich an diesem Tage von der Haltlosigkeit dieser Warnung überzeugen können. Suppus äußerte schließlich den Verdacht, Sternenstaub könnte gefälschtem polnischen Esbit aufgesessen sein. Falls dem tatsächlich so war, stammte dieser polnische Esbit ganz sicher aus einer anderen Hinterhofwerkstatt als die legendären Polenböller. Nachdem Sternenstaub endlich per Gaskocher ebenfalls mit einer warmen Mahlzeit versorgt worden war, deponierten wir das WAI virtuell am Strand der SchWAInebucht und begaben uns zur nächstgelegenen Bushaltestelle, um die Rückreise in Richtung Stadtzentrum anzutreten.


    Technische Daten:
    28,4 km in 10h 42', davon staffellauf-relevant 24,9 km in 9h 42' (also bis zur SchWAInebucht).


    Pfad-Finder
    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

  10. Sternenstaub
    Gast

    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #50
    Während der eine auf dies/das schaut, bemerkt die andere anderes.
    So zwischen all der Pompösität heutige menschliche Spuren der Erinnerung. Wenige Menschen, meist in ihren 60/70igern gehen langsam durch die Anlage, handtaschenbewehrte Frauen mit fast noch Kindern als Begleitung. Dies ist kein Weg, den man so zur Gestaltung des freien Tages abläuft, eher einer der Erinnerung. Wenn ich mich nicht scheuen würde, würd ich gern diese FRauen befragen, (Männer sind es seltsamerweise nur wenige), in wessen Erinnerung sie hier sind.
    Die zwei Radfahrenden englisch sprechenden Touristen wirken wie Aliens auf mich.










    Wir gehen wieder hinüber zum Fluss - wobei ich mein Hausboot finde...




    und auch, wenn rechts ab und an einladende Wege ins Unterholz ;) führen, folgen wir dem Lauf der Spree, um sie dann wie bereits von Pf-F beschrieben auf einem high-tech-Gerät zu queren.



    Und landen mitten in der Berliner Gemütlichkeit einer Kleingatrenanlage.



    Bevor wir das FEZ erreichen, legen wir eine kurze Rast bei diesen Holzfiguren ein.


    Und das FEZ fe(t)z(t) richtig, im Gebäudekomplex laufen viele Kinder/Jugendliche herum, die für alle möglichen Aufführungen/Ausstellungen Gegenstände herum tragen oder in seltsame Gewänder gekleidet sind.



    Draußen dann diese nette Erholungsstätte für die müden Wanderer, wir sind halt ein verspielter Haufen.






    Aber weiter geht es, wir erklimmen die Müggelberge



    und haben oben auf dem Turm trotz des diesigen Wetters eine beeindurckende Fernsicht. Wie schon auf dem Teufelsberg bemerkt, ist es in/um Berlin ganz schön grün.



    Der krönende Abschluss der heutigen WAI-Wanderung ist aber auf jeden Fall die längere Rast am Langen See in der SchWAInebucht - man könnte nun nach meiner Erzählung den Eindruck gewinnen, wir hätten nur gerastet, aber dem ist nicht so. Das behaupten zumindest die Zauberkästen von Pf-F und Ixy.



    nein-nein, hier wird nicht nach Gold gebuddelt oder das WAI vergraben, hier wird versucht, meinen in einer Schutzkuhle deponierten Kocher in Gang zu bringen.




    schee is hier.


  11. Fuchs
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #51
    SchWAInebucht - Wildau

    oder: Bei Wind kann ja jeder segeln.

    9. Mai 2010

    Nachdem das WAI gestern nachmittag virtuell im Sand der SchWAInebucht vergraben wurde sollte es nun mit dem Segelboot die Dahme aufwärts bis nach Wildau gebracht werden. Alles war vorbereitet, das Deck geschrubbt, das Messing poliert und auch Pfad-Finder stand in den Startlöchern, um sich das WAI entreißen zu lassen.

    So stand ich nun auf dem Bootssteg und schaute auf den spiegelglatten See. Nicht ein Lüftchen regte sich, nicht die kleinste Welle war zu sehen und der Blick gen Himmel verhieß auch nichts Gutes. Dabei sah es gestern noch so vielversprechend aus. Was war gesehen? Hatte ich zu Saisonbeginn Rasmus zu wenig geopfert, oder gar den falschen Trank? Spielte das Wetter verrückt weil der Kachelmann im Knast sitzt? Oder war es doch dieser unaussprechliche Vulkan? Fragen über Fragen.

    Wie auch immer, es bleib mir nichts anderes übrig, als Pfad-Finder anzurufen und die Sache für heute abzublasen und mir im Forum den erwarteten Spott abzuholen.

    Als neuer Termin wurde der daruffolgende Donnerstag angesetzt, Männertag, da könnte man im Notfall trockenen Fußes von Herrentagsausflugsboot zu Herrentagsausflugsboot springen.

    13. Mai 2010

    Viel besser als am Sonntag zuvor sah es zwar nicht aus aber dennoch reichte der Wind aus, um zumindest einen Versuch zu starten. Ich rief also Pfad-Finder an, der schon auf eine zweite Absage hoffte, und gab Bescheid, dass ich aufbrechen und so in etwa 4 Stunden in der SchWAInebucht sein würde, evtl. auch erst in doppelt so viel.

    Das Boot setzte sich träge in Bewegung und mit einer immerhin messbaren Geschwindigkeit, die ich aber zu 95% der Strömung zuschrieb, ging es in Richtung SchWAInebucht. Nach gemessenen 3,5 und gefühlen 8 Stunden erreichte ich die Bucht und setzte das Boot unter den ungläubigen Augen der anwesenden Spaziergänger auf den Strand.



    Ich wartete noch eine Weile bis Pfad-Finder im Eiltempo mit dem WAI aus dem Wald kam und gemeinsam machten wir uns auf den Weg. Vorher jedoch wollte Pfad-WolfgangPetersen-Finder noch ein monumentales Epos von der WAI-Übergabe drehen, was allerdings daran scheiterte, dass das Wasser des langen Sees dann doch etwas trüber war als das bei den Probeaufnahmen in der heimischen Badewanne. Und das, wo doch die gesamte grüne Schrankwand voll mit dem allernötigsten Film- und Kulissenequipment war, samt maßstabsgetreuem Modell-U-Boot. So beließen wir es dann beim klassischen Gruppenfoto aus Landschaft, WAI und jeweiligem Transportmittel.





    Obwohl das Boot über reichlich Stauraum verfügt, gelang es uns nicht, die Schrankwand durch eine der kleinen Öffungen zu zwängen sodass sie die ganze Zeit über mitten in der Plicht liegen musste. Wir schoben das Boot wieder vom Strand ins Wasser und nahmen Kurs in Richtung Wildau. Unser schäumendes Kielwasser gab Auskunft über die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der wir uns unserem Ziel näherten.



    Unterwegs begegneten wir noch weiteren Wassersportlern, die sich bei dem trüben Wetter aufs Wasser gewagt hatten. Die befürchten Herrentagsausflügler waren allerdings wohl schon auf dem Weg zu ihren Booten in der erstbesten Kneipe hängengeblieben, sodass es erfreulich ruhig auf dem Wasser war.





    Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir dann die Brücke von Schmökwitz an der wir den Mast legen und für etwa 200m unter der Brücke hindurch paddeln mussten. Wer noch Zweifel an der muskelkraftgetriebenen Fortbewegungsart des Segelns hat, der möge sich bitte vertrauensvoll an Pfad-Finders Muskelkater wenden.





    Hinter der Brücke kam uns dann ein Schubverband entgegen, der mit Kohle aus Königswusterhausen beladen auf dem Weg ins innerstädtische Heizkraftwerk an der Rummelsburger Bucht unterwegs war.



    Wir stellten den Mast wieder auf, setzen die Segel und fuhren über den Zeuthener See weiter in Richtung Wildau. Hier setzte dann sogar ein wenig Wind ein sodass wir für einige kurze Momente sogar zweistellige km/h-Werte auf dem GPS ablesen konnten.

    Irgendwo auf dem See haben wir dann die Grenze zwischen Berlin und Brandenburg überquert. Das WAI ist also mittlerweile wieder offiziell in Brandenburg.

    Die Engstelle südlich des Sellenzugsees brachte dann wieder Flaute, was mich aber nicht im Geringsten überraschte, denn schließlich gibt es hier ja nie Wind. Zumindest aber kam der nicht vorhandene Wind den ganzen Tag über aus der richtigen Richtung, sodass uns langwieriges Kreuzen erspart blieb.

    In Wildau ließ ich Pfad-Finder an einem alten Kai aussteigen von dem aus er sich auf den Weg zum S-Bahnhof machte. Ich segelte noch etwas weiter, um das WAI standesgemäß auf einer Fahrwassertonne zu deponieren, auf der es nun virtuell auf die nächste Etappe wartet.






    Technische Daten:
    11,1 km in 3h 02'
    FOLKBOAT FOREVER

  12. Fuchs
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #52
    Das WAI in Sachsen und Diebe in der Nacht



    Nach fünfstündiger Autobahnfahrt erreiche ich endlich gegen halb elf in der Nacht den Campingplatz in Ortrand. Voller Neugier bin ich auf die Berliner Truppe gespannt. Ist ja schon interessant zu wissen, wer sich hinter den Nicknamen verbirgt. Nach der Begrüßung und Vorstellung der Leute, bekam ich auch schon meine erste Watsche. Hat man doch eine gewisse Vorstellung von denen die sich hinter den Nicknamen verbergen, zumindest denkt man so, ist man doch um so mehr erstaunt, wenn sich derjenige welcher gedanklich als Männlich vorgestellt wird, sich als holde Weiblichkeit entpuppt, so geschehen bei Hotdog. Sie möge mir meine Einfältigkeit verzeihen.

    Sonnabend 19.06.10


    Es ist fünf Uhr früh, als ich erwache und aus meinen Biberstall raus krieche. Während die anderen noch den Schlaf der Gerechten sich genehmigen, gönne ich mir schon mal einen Kaffee und eine Kleinigkeit zum essen. So gestärkt bummele ich über den Zeltplatz und schaue mir die Motorräder der Zeltnachbarn an. Es waren alles 350er BK aus den Fünfzigern Jahren der Motorradschmiede MZ. Schöne restaurierte Maschinen. Während ich mir so die Maschinen anschaue, höre ich hinter mir jemanden laut jammern, „ meine Landwürste, meine Landewürste, oh diese Diebe“. Es ist fraizeyt, da muss ihm jemand in der Nacht doch tatsächlich seinen Lebensmittelvorrat geplündert haben,- der Arme. Wir sehen uns die Überreste der Mahlzeit an und rätseln, wer wohl der Übeltäter gewesen sein könnte, kommen aber zu keinem Ergebnis. Ach ja, die Landwürste...


    Heute soll die große Aktion der Übergabe des WAI auf dem Kutschenberg stattfinden. Zu diesem Zweck, machten sich Hotdog und fraizeyt auf dem Weg nach Elsterwerda um von dort aus zum Kutschenberg zu starten.
    Während die beiden unterwegs waren, warteten wir unterdessen auf November und Masc die noch kommen sollten, um uns dann gemeinsam ebenfalls auf dem Weg zur Übergabe zu machen.

    Nach einiger Zeit des Wartens, trudelte auch Masc ein, Nachdem sein Zelt aufgebaut war und wir die Zeit des Wartens so langsam überdrüssig waren, beschlossen wir auch los zu gehen obwohl wir noch ein paar Stunden bis zur Übergabe Zeit hatten. Die Übergabe sollte um 16 Uhr 30 von statten gehen. So machten wir, Masc, Klippenkuckkuck, Rhodan 76, Schlafsack und meine Wenigkeit uns auf dem Weg. November ließ uns ausrichten, das sie später kommen würde.


    Vor einer Übersichtskarte stehend, machte Klippenkuckkuck den Vorschlag, man könne ja erst einmal einen Rundweg absolvieren, bevor wir den Aufstieg zum Kutschenberg in Angriff nehmen. Ich ahnte nichts gutes und fügte mich meinem Schicksal.


    Am Ende sollten es knapp zwanzig Kilometer werden, die wir schön brav auf und nieder gingen, um letztendlich den Kutschenberg zu erklimmen.


    Vorneweg ging Schlafsack, unser jüngster. Ich glaubte der hat wohl Jagdwurst gegessen, so einen Affenzahn von Geschwindigkeit legte er an den Tag, das ich mit meinen kurzen Beinen mühe hatte hinterher zu kommen. Möchte doch einmal ein Stammtisch erleben, wo es geruhsam zu Tage geht.


    Nachdem wir endlich den Rundweg beendet und den Kutschenberg mit seinen 201 Metern erklommen haben, war von den Berlinern noch keine Spur zu sehen. So hieß es warten.


    Unterdessen vertrieb sich Masc die Zeit mit einer Zecke an seiner Hand, die er liebevoll entsorgte. Nach gut dreißig Minuten Wartezeit, knackte es im Unterholz und fraizeyt erklomm erschöpft und schnaufend nach Wasser schreiend den Gipfel, gefolgt von Hotdog.


    Nach der kurzen Übergabe und Rast machten wir uns auf dem Rückweg zum Basislager, wo wir den Rest des Tages, bei gegrilltem und kleinen alkoholischen Genüssen ausklingen ließen. In der Zwischenzeit sind auch November und Pfad-Finder eingetroffen. November kam per Rad, um am Sonntag mit dem WAI Richtung Zittau zu fahren.


    Alles im allem war es ein gelungener BB/Sachsenstammtisch. Es ist einfach wunderbar, sich so persönlich kennen zu lernen, denn dass gibt dem Forum in seiner Anonymität letztendlich Leben.


    An dieser Stelle ein großes Danke an Klippenkuckkuck für die lukullische Organisation.
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #53
    Damit das hier mal weiter geht und ihr was zu lesen habt, poste ich einfach schon mal meinen Tagebucheintrag, wohl wissend, daß ich mich damit vor Ixylon, willo und Suppus drängle. Sollte es tatsächlich so sein, daß es nicht möglich ist, Beiträge in ihrer Reihenfolge zu verschieben, so kann ich diesen Beitrag auch gerne nochmal nach den beiden fehlenden einfügen.

    33. Etappe: 3.6.2010 Lübben - Calau

    Kalauer gefällig?

    "Genitiv ins Wasser! Wieso? Ist es Dativ?"

    Ob der Kalauer wirklich aus der niederlausitzer Kleinstadt Calau kommt, ist umstritten. Aber zumindest die Calauer selbst halten sich für dessen Erfinder. Das ist aber nicht der Grund, warum das Ziel meiner heutigen Wanderung Calau heißt. Es ist viel mehr der Masterplan, der diesen Ort als Übergabepunkt festschreibt.

    Nachdem ich das WAI erneut von einer hundsschweren Landkarte (ganz Deutschland in 1:800000, 109 g) befreit hatte, geht es um 9:45 Uhr am Bahnhof Lübben los.



    Ich schlängel mich so durch den Ort, um zu seinem südlichen Ausgang zu gelangen. Auf dem Weg begegnen mir kryptische Hinweise,


    (jaja, schon gut!)

    Wildlife,



    Platten,



    und Kahnfahrer.



    Dem Drang, gleich mal im Saloon einzukehren, widerstehe ich. Aber er hat eh noch zu.



    Im urwüchsigen Lübbener Stadtwald



    finde ich einen geeigneten Sockel, auf dem ich das WAI für ein Beweisfoto platzieren kann.



    Die Postmeilensäule (extra nachgeschlagen, wie diese Dinger heißen ) auf dem Marktplatz verspricht eine entspannte Wanderung von 4 1/4 Stunden bis Calau.


    Na, schaun ma ma..

    Gurken Paule begrüßt mich am Rande der Stadt,



    wo auch schon die Gondolieri auf Kundschaft warten.



    Ich muß im Spreewald sein!

    Sogleich geht es hinein in diese sorbische Niederung mit ihren typischen Landschaftsbildern.







    Einige mehr oder minder natürliche Flugobjekte bekomme ich vor die Linse:













    Mein Weg führt mich immer entlang des Spreeradwegs.









    Bei einer ersten Rast



    lüfte ich vorsorglich mein Schuhwerk.


    Nu Shoes

    Die Einheimischen bei der Ernte:



    Wie auf dem folgenden Wegweiser zu sehen, teilen sich einige offizielle Routen diese Wege:



    Bald erreiche ich Lübbenau und muß irritiert feststellen, daß hier neben Gurken und Sauerkraut offenbar auch Gold angebaut wird:



    Eine unerwartete Wegsperrung bringt mich nicht aus dem Konzept.



    Wohl aber die Tatsache, daß Lübbenau augenscheinlich eine Kulturmetropole sein muß:



    Auf den Schreck brauche ich zur Stärkung einen Spreewälder Goldbroiler, und als ob dies noch nicht genug Ankurbelung der lokalen Wirtschaft wäre, mache ich noch ein absolutes Schnäppsche:



    Die Spreewelten lasse ich nun links liegen



    und erreiche das Ende aller Wege:



    Die A15 überquerend



    erreiche ich nun das Örtchen Groß Klessow und damit die Welt der Haflinger.



    Am Familiengehege habe ich ausreichend Gelegenheit, kleine und große Pferde zu beobachten.









    Nach dieser, das Herz erfreuenden Pause geht es weiter durch die Niederlausitzer Steppe.












    könnte auch Finnland sein

    Hier habe ich wieder Zeit und Muße, Jäger und Sammler zu beobachten.







    Plötzlich erscheint in der Ferne das Ziel aller Träume: die Wiege der Flachwitze Calau.



    Ein Steinmännchen weist mir den Weg.



    Schließlich erreiche ich nach knapp 9 1/2 Stunden den Bahnhof Calau.


    Von wegen gemütliche 4 1/4...

    Ein letzter prüfender Blick auf den Zauberkasten



    und ich mache mich auf die beschwerliche Heimreise mit der Deutschen Bahn.
    Arrivederci, farewell, adieu, sayonara WAI! "Ja, wo läuft es denn? Wo läuft es denn hin?"

  14. Fuchs
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    AW: Sachsenstaffel

    #54

    Post als Moderator
    Edit Mephisto, gehört an die Stelle nach Novembers Radtour durch die Oberlausitz

    Bei Nachfragen bitte eine PN an den Moderator senden.  Dein Team der


    Tour vom 25.06.10 – 27.06.10
    Zittau – Schmilka
    Gewandert 70 Kilometer

    Aufbruch


    Freitag den 25.06.10



    Es mittlerweile 15 Uhr als ich den Rucksack über schnalle und mich auf dem Weg ins Zittauer Gebirge mache. Rund siebzig Kilometer sollten es werden, bis ich Schmilka erreichen werde. Mein Weg wird vom Zittauer Gebirge über ein Teilstück des Böhmischen Elbsandstein Gebirges bis nach Schmilka gehen, um dort dass so begehrte WAI, an Rohdan 76 und Karliene zu übergeben.

    Die Bedingungen für die drei Tage der Wanderung, die ich für die Strecke eingeplant hatte, könnten nicht besser sein. Regen war nicht angesagt, sondern nur Sonnenschein, also optimal. Entsprechend packte ich meinen Rucksack auf Gott vertrauend und ließ die Regenbekleidung zu Hause.

    Irgendwie komme ich mit meinem Gesamtgewicht einfach nicht klar, der Rucksack hat nach wie vor sein Gewicht, dass man nun wahrhaftig nicht UL bezeichnen kann.
    Dabei habe ich wirklich nur dass Nötigste eingepackt und auf alles Überflüssige verzichtet. Trotzdem hatte er ein Gewicht als wolle ich für vier Wochen in die Antarktis und nicht drei Tage mal eben kurz Unterwegs sein. Das meiste Gewicht verursachte wie immer das Getränk und der Spiritus. Zwei Liter Tee und anderthalb Liter Wasser zum Kochen für Essen und Kaffee, dazu noch einen halben Liter Spiritus für drei mal kochen am Tag. Ist doch nun wirklich nicht allzu viel, oder?

    Meine Wanderkarte vom Zittauer Gebirge brauchte ich auch nicht, denn mittlerweile kenne ich so halbwegs die Wanderwege zu den einzelnen Gipfeln. Für den Rest der Strecke, musste mein Navi herhalten, dass ich mit den entsprechenden Daten fütterte. So ausgerüstet machte ich mich nun auf dem Weg.


    Es dauerte nicht allzu lange und ich war bei meiner geliebten Napoléon Linde, ein kurzer Blick zurück und Zittau entschwindet in der Ferne.


    Vor mir lag er nun, mein erster Gipfel an diesem Tag, mit seinen 582 Metern Höhe, der Töpfer. Langsam aber stetig beginnt der Weg zu steigen. Da ich einige der Möglichkeiten zum Aufstieg kannte, wählte ich diesmal einen Weg, wo ich glaubte, mich nicht so beim Aufstieg zu schinden. Doch wie immer, der Weg nach oben bleibt nun mal steil.

    Viel Betrieb herrscht um diese Zeit nicht mehr, bis auf ein paar auswärtige Gäste, die im Biergarten Platz fanden, ist es fast einsam.


    Ich gehe vor zum Gipelkreuz und packe das Wai für seinen ersten Fototermin aus. Schnell sind ein paar Aufnahmen gemacht, doch die Aussicht in die Ferne ist heute alles andere als gut. So ist dass, hat man gutes Wetter ist meist die Aussicht nicht besonders. Kurz noch einen kleinen Rundgang und ich mache mir wieder auf dem Weg zum zweiten Tagesziel, dem Scharfenstein.


    Mit seinen 569 Metern steht er richtig majestätisch da, ich liebe ihn. Wenn auch nicht besonders Hoch, hat man doch von oben eine herrliche Aussicht weit in die Umgebung.

    Auf mein nächstes Ziel freue ich mich auch schon, es sind die Kelchsteine bei Lückendorf. Mit ihren schönen Farbenspiel geben sie eine wunderbaren Kontrast in ihrer Umgebung ab.


    Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass ich nicht mehr viel Zeit habe, um die anderen Etappenziele zu erreichen.

    Von hier aus geht es über Hain zum zweit höchsten Berg des Zittauer Gebirges, dem Hochwald mit seinen 752 Metern.
    Ehrlich gesagt, bisher habe ich ihn immer gemieden, wenn er auch mit seiner Aussicht recht verlockend ist. Aber der Aufstieg, laaang zieht sich der Weg in die Höhe und es ist wahrhaftig nichts für meine kurzen Beine. Vor Schweiß triefend kämpfte ich mich Meter für Meter nach oben, bis ich auf dem Gipfel vor einem Hinweisschild stand, -wir haben offen – mit einschlägigen Menü Angeboten. Na, wenn dass nichts ist, bei dem Gedanken an einer kühlen Blonden, sind all die Anstrengungen hier herauf schnell vergessen. Dem Hinweis folgend,- gleich um die nächste Ecke, fliege ich förmlich auf dem Wege dahin. Nur ist es nicht eine Ecke sondern mehrere und mein Schweiß fließt schon wieder in Strömen, bis ich vor dem Eingang zur Baude der begehrten Gastlichkeit stand. Einen Haken hatte die Sache allerdings, meinen Wunsch nach einem kühlen Getränk in Form eines Biers, wurde jäh durch einen dicken Balken vor dem Eingang der Gastlichkeit verwehrt. Ungläubig schaute ich in die Runde, ob ich auch vor dem richtigen Eingang stand. Es besteht kein Zweifel, einen anderen Zugang gibt es nicht, und dieser ist eindeutig versperrt. Beim umdrehen, entdecke ich doch tatsächlich ein zweites Schild, wir haben geöffnet ! Dass schlägt doch glatt dem Fass den Boden raus, über so viel Frechheit. Da kriechste nun im Angesicht deines Schweißes auf 752 Metern und wirst obendrein noch so richtig verarscht. Vor lauter Wut wollte ich schon die Schilder zu Kleinholz verarbeiten, lediglich meine einigermaßen mir zuteil werdende Erziehung hielt mich davon ab. Nun gut, bin ja selber schuld, warum rennste auch hierher, wenn da, wo dass erste Hinweisschild steht, noch eine Stätte der Gastlichkeit steht. Also zurück.


    Nach fünfhundert Meter stehe ich vor der Hochwaldbaude. Beim betreten des Biergartens steht diesmal ein Schild, mit den Worten,- Kummet ok rei -, na wenn dass diesmal keine nette Begrüßung ist, zumal offensichtlich zu erkennen ist, dass die Baude geöffnet hat. Kaum setze ich jedoch meinen Weg fort, wird dieser auch schon jäh unterbrochen. Ein riesiger Hund von Bernhardiner versperrt mir Zähne fletschend den Weg und hindert mich so am weitergehen, starr vor Angst, (nein, die habe ich natürlich nicht) bleibe ich stehen. Bevor diese Bestie jedoch zur zerfleischenden Tat übergehen konnte, erschien der Wirt und pfiff den Hund zurück. Ich weiß gar nicht ob ich genug Toilettenpapier mit habe, immer noch vor Schrecken stehend, fragte mich der Wirt nach meinem Wunsch. Bevor ich mich jedoch äußern konnte, teilte er mir zu seinem Bedauern mit, dass die Baude heute leider geschlossen sei. Man habe morgen
    eine Hochzeitsgesellschaft und muss nun die nötigen Vorbereitungen treffen. Meinen Wunsch nach einem Glas Wasser und Kaffee kam er trotzdem nach. Wie nett.

    Während die Getränke noch etwas auf sich warten ließen, war kurz das Wai für ein paar Fotos dran. Was sein muss, muss sein.


    Nach getaner Arbeit, Wasser und Kaffee sowie einen Dankeschön für die freundliche Bedienung, machte ich mich wieder auf dem Weg zum letzten Tagesziel für heute, den Mühlsteinbrüchen über den Johannisstein , (602 Meter) wo ich die Nacht verbringen will. Es ist schon reichlich spät und die Sonne verschwindet so nach und nach hinter dem Horizont


    Mein Nachtlager für Heute ist ein sehr schöner Platz zum Übernachten, ich brauche noch nicht einmal das Zelt aufbauen, denn der Tisch unter der Überdachung ist groß genug um darauf meinen Schlafsack auszubreiten. Natürlich braucht das WAI auch seinen Platz zum Schlafen, und so darf es ruhig einmal kuscheln bevor es den Platz räumen muss.



    Zur Lausche


    Sonnabend 26.06.10

    Um fünf Uhr in der Früh werde ich wach und stehe auf. Welch ein herrlicher Tag, was gibt es schöneres als morgens mit Vogelgezwitscher in der freien Natur geweckt zu werden. Schnell werfe ich meinen Kobold von Kocher an, um anschließend genüsslich meinen allmorgendlichen Kaffee zu genießen.


    Dazu noch ein Süppchen und der Tag beginnt perfekt. Nachdem ich dass üppige Frühstück beendet habe, packe ich all meine Habe zusammen und mache mich auf dem Weg zum höchsten Berg des Zittauer Gebirge, der Lausche mit seinen 793 Metern ü.NN.


    Auf dem Weg dorthin, geht es an dem Schaubergwerk der Mühlsteinbrüchen über den Kellerberg auf dem Orgelweg an den Orgelpfeiffen vorbei zum Grenzwächter.


    Hier führt mich der Cottaweg zum Rehstein und Falkenstein, wo das WAI für ein Foto wieder herhalten muss.


    Bis hierher meinte der Weg es relativ gut mit mir, es gab kaum nennenswerte Steigungen, was mir sehr gelegen kam. Hinter dem Falkenstein, begann dafür ein beschwerlicher steiler Abstieg. Voraus blickend winkte mir die Lausche schon zu. In Gedanken denke ich jetzt schon an den Aufstieg, denn er ist schon eine imposante Erscheinung, so wie er sich da zeigt.


    Noch geht es nach dem Abstieg, auf geradener Ebne am Lausche- Hochmoor auf Holzbohlen vorbei weiter. Bis er, bzw. ich, vor ihm am Fuße seines Hanges stehe. Wenn ich jetzt an den Aufstieg denke, wird mir nun gar nicht besser. Vielleicht sollte ich erst einmal eine kleine Stärkung zu mir nehmen, bevor ich mich auf dem sehr lang gezogenen Aufstieg mache, denn vor mir steht eine Hotel das darauf hinweist, man habe geöffnet. Beim lesen kommen mir aber doch Zweifel hoch, denn ich habe ja bereits entsprechende Erfahrungen machen müssen, zumal es erst um sieben Uhr am Morgen ist. Es hilft alles nichts, auf geht’s.


    Die Sonne steigt immer höher und scheint erbarmungslos auf mich herab, vor Schweiß triefend quäle ich mir den Berg herauf. An und für sich sind ja Berge kein Problem für mich, aber müssen sie denn immer so hoch sein, und dann diese Hitze. Ein Wanderschild gibt mir Auskunft darüber, dass es noch vierzig Minuten bis zum Gipfel sind. Immer wieder muss ich nach Luft japsend innehalten, -oh du verfluchter du, ich lass mich nicht unterkriegen, von dir nicht-, so sind innerlich meine Gedanken. Einen Trost gibt es aber, nach jedem Berg kommt auch ein Tal, nur muss ich erst einmal oben ankommen.

    Dem Delirium nahe, laufe ich schon nicht mehr, sonder wanke nur so dahin, einen Fuß vor dem anderen setzend erreiche ich den Gipfel.


    Eine maßlose Enttäuschung erwartete mich, da schinde ich mich im wahrsten Sinne des Wortes den Berg hinauf, und nun das,- Nichts- Unglaublich aber wahr, es ist nur eine einzige Öde an diesem Ort, nicht einmal eine vernünftige Fernsicht gibt es heute hier Oben. Wenn ich nun gedacht habe, ich finde hier wenigsten eine Stätte für die leiblichen Sinne, so war dass ein Trugschluss. Nichts. Früher stand hier wohl mal eine Baude auf Tschechischer Seite, seit dem die aber abgebrannt ist, findet man nur noch Reste einer Ruine. Dafür steht eine Sendemastanlage, nur dass man da nichts zum Essen und Trinken bekommt.

    Der Enttäuschung eine Abfuhr erteilend, packte ich das geliebte WAI aus, und machte die obligatorischen Fotos, bevor ich den unwirtlichen Ort verließ.


    Auf dem Kammweg entlang, der gleichzeitig der Oberlausitzer Bergweg ist, nähere ich mich der Deutsch-Tschechischen Grenze, um Deutschland kurz zu verlassen. Mein Weg wird mich nun ein Stück durch Tschechien in Richtung Elbsandsteingebirge führen.


    Durch Märchenhaften Wälder geht es nun ständig auf und ab. Ortschaften streife ich vorerst überhaupt nicht. Bei meiner Planung legte ich den Weg so, dass ich die kürzeste Tour nehme, und demzufolge mein Navi programmierte.


    Bis jetzt konnte ich mir absolut darauf verlassen, so dass ich mir keine weiteren Gedanken machen musste. Einen Nachteil hatte die Sache jedoch, mein Wasservorrat neigte sich immer schneller werdend der Neige zu. So begann ich mir ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wo ich denn meine Vorräte nachfüllen könnte.


    Es heißt ja immer, Wasser in den Bergen sei kein Problem, Quellen finden sich immer irgendwo. Mag stimmen, da bin ich wohl in den falschen Bergen unterwegs, denn so gut ich mich auch umschaue,es findet sich weit und breit kein einziger Tropfen der nach Feuchtigkeit aussieht. So muss ich denn nicht nur schwitzend sondern auch noch vom Durst gequält meinen Weg fortsetzen. Zu allem Überdruss, führt der Weg auf einer befestigten Wirtschaftstrasse entlang. Meine Füße danken es mir entsprechend. Ich hasse die Wege, aber in Tschechien sind sie in der Regel so üblich, man findet selten Wanderwege auf weichen Waldböden. So grausam vom Pein erfasst, ging ich des Weges durstend und hungernd dahin. Kein Schluck Wasser, keinen Kaffee und Süppchen, - ach ja, die Ameisen-.


    Ganz in mich zurückgezogen, schleiche ich mich mehr denn je, als froh und munter durch die Lande wandernd auf diesen elenden Weg entlang, bis ich plötzlich ein leises aber immer mehr lauter werdendes Murmeln vernehme. Wasser!


    So schnell ich noch konnte, riss ich mir den Rucksack vom Leibe und holte mir all meine leeren Gefäße hervor, um meine Wasservorräte aufzufüllen. Welch ein Labsal. Kurzum, ich setzte mich erst einmal hin und kochte mir einen Kaffee und eine Suppe, zuvor nahm ich aber einen kräftigen Schluck von dem kalten Quellwasser um meinen ersten Durst zu stillen. Ein Folgenschwerer Fehler, wie sich später noch zeigen sollte. Im Moment jedoch, bin ich der glücklichste Wanderer auf Erden. Eine halbe Stunde später machte ich mich erholt und gestärkt auf dem Weg.


    Ein paar Stunden Später kam ich durch den Ort Rybnist. Kurz vor dem Ortsausgang sah ich mich nach Leuten um, die noch draußen in ihren Gärten saßen, um noch einmal meine Wasservorräte aufzufüllen. Es dauerte auch nicht lange, da wurde ich fündig.


    Eine Familie war gerade beim grillen. Ich fragte die Hausherrin ob ich etwas Wasser bekommen könnte, worauf man mich sofort bat ich möge doch eintreten. Diese Aufforderung kam ich natürlich selbstredend nach. Nach einem kurzen woher und wohin lud man mich ein, doch ihr Gast zu sein. Ist doch schön wenn man ein wenig Tschechisch sprechen kann. Habe ja schließlich ein paar Jährchen in dem Land gelebt. So wurde ich denn mit meinen Wunsch nach Wasser auch noch mit Bier und gegrilltem versorgt. Zum Abschied packte mir die Liebe Frau auch noch selbstgebacknes zum Frühstück ein.
    Es ist schon reichlich spät geworden und ich habe noch immer kein Nachtlager gefunden. Links und Rechts von mir ist zwar reichlich Wald vorhanden, für ein Lager aber nicht geeignet, so marschiere ich noch bis nach halb elf ehe ich eine gute Stelle für mein Zelt gefunden habe. Eigentlich perfekt, nach allen Seiten gute Sicht ohne dass man selber gesehen werden kann. Einen Haken gibt es aber, ich befinde mich im Nationalpark und so ganz wohl ist mir bei der Sache nicht. Obwohl schon spät, schlafe ich nicht besonders gut.


    Um zwei Uhr in der Nacht wache ich auf und kann nicht mehr schlafen. Ein weiteres Problemchen kommt aus meinen Bauch. Da grummelt es so eigentümlich und ich verspüre einen unangenehmen Druck. Noch rechtzeitig konnte ich mich in die Büsche hauen und ein urmenschliches Bedürfnis vollziehen. Ich verkroch mich in mein Zelt um weiterzuschlafen. Kaum dass ich mein Schlafsack zu hatte, musste ich schon wieder raus und ab in die Büsche. Dass wiederholte sich noch ein paar mal, bevor ich endlich zur Ruhe kam. Ein Glück dass ich genügen Taschentücher dabei hatte.



    Im Moor und der mit dem Wolf geht

    Sonntag 27.06.10


    In aller Frühe, es ist um halb vier, stehe ich auf und packe ganz schnell mein Sachen zusammen um wieder auf dem rechten Pfad des Erlaubten zu gelangen.
    Auf mein obligatorisches Frühstück verzichte ich, nur schnell weg hier, bevor ich gesehen werde. Ein blick auf das Navi und es bringt mich zielsicher auf dem rechten Pfad. Die Markierung des Weges ist Blau, der ich nun folge. Unvermittelt endet der Weg plötzlich. Ein Hinweisschild weißt darauf hin, dass der Weg auf Grund der Kernzone hier endet und man um zudrehen hat.


    Ein wenig ratlos stehe ich nun da und schaue zur Sicherheit auf das Navi. Komisch, es zeigt mir fünfhundert Meter vorher einen Weg der nach links abbiegen soll. Ich konnte aber keinen Weg als solchen erkennen, ich hätte mit Bestimmtheit drauf reagiert und wäre abgebogen. Also einen halben Kilometer zurück, wenn das Navi dass sagt, dann wird es wohl seine Richtigkeit haben. Der Richtung, dass das Navi anzeigt zurück folgend, stehe ich in der tat vor einen Abzweig. Ungläubig schaue ich noch einmal auf das Gerät, es bleibt dabei, hier muss es lang gehen. Auf Gott vertrauend, folge ich diesen unscheinbaren Pfad. Nach ein paar Metern zweifel ich, ob ich dem Navi trauen sollte. Ein Pfad war zwar zu erkennen, er führte aber direkt ins Unterholz umsäumt von jungen Nadelbäumchen. Egal, Augen zu und durch. Mit meinen kurzen Hosen ist dass nicht unbedingt angenehm, aber Pfad ist Pfad. Mein Navi gab mir bisher auch keinen Anlass zum Misstrauen. Bin ich in meinem ganzen Leben bisher von Zecken verschont geblieben, so werden sich diese Biester mit Sicherheit auf mich wartend, schon mal ihre Beisswerkzeuge schärfen, um über mich herfallen zu können. Damit nicht genug, merke ich, wie ich langsam aber sicher in den Untergrund einsinke. Unter meinen Füßen gibt der Boden nach. Moor!


    Ein paar Meter und ich gebe auf. Noch einmal ein prüfender Blick auf das Navi, dass zeigt mir in aller Ruhe an, dass es in ein paar Metern weiter, einen weiteren Abzweig gibt. Nun gut, ich will es mal glauben und kämpfe mich durch den Sumpf und Unterholz bis zur besagten Stelle. Tatsächlich, es gibt einen Weg hier raus. Heilfroh dass ich es geschafft habe, schlage ich die neue Richtung ein. Durchnässt von oben bis unten, Schweißgebadet und mit nassen Füßen, betrete ich trocknen und festen Boden. Dafür dass ich jetzt festen Boden unter den Füßen habe, führt der Weg geradewegs steil nach oben, so dass kraxeln im wahrsten Sinne des Wortes angesagt war. Auf dem Weg nach oben bemerkte ich, dass ich mir Wund gelaufen habe. Es fing an zu schmerzen. Es ist dass erste mal, dass ich mir einen Wolf gelaufen habe. Nach elender Kletterei, habe ich es geschafft. Ein Stück weiter vorn am Wegesrand, lagen Baumstämme, wo ich mich erst einmal setzen und von den Strapazen ausruhen konnte. Ein Kaffee und Süppchen wären jetzt wohl angebracht.

    Der Kontrollblick auf das Navi verrät mir, dass ich kurz vor der Grenze an der Kirnitzsch bin. Es dauerte auch nicht all zulange und ich überquerte sie.


    Wegweiser zeigten mir, dass es bis nach Bad Schandau noch über zwanzig Kilometer sind. Bis Schmilka aber nur 12 Kilometer. In Anbetracht meines lädierten Körpers, beschloss ich kurzer Hand nicht nach Bad Schandau zu gehen, sondern in Schmilka für mich Schluss ist. Rhodan76 und Karliene werden bestimmt ein Nachsehen mit mir haben.


    Es sind zwar nur noch ein paar Kilometer bis ich es geschafft habe, Aber dieses ewige rauf und runter schaffen mich. Hinzu kommt noch, dass mir bei jeden Schritt den ich mache, die Schmerzen meiner wunden Stellen immer unerträglicher werden, trotz Wechsel einer Unterhose brachte es keine Erleichterung. Ebenso unansehnlich sehen meine Füße aus, als wenn ich sie Tagelang im Wasser zu stehen gehabt hätte. Durch das Moor sind meine Schuhe voll Wasser gelaufen und das Ergebnis habe ich jetzt, total aufgeweichte Füße. Einen Vorteil hat es aber auch, die sind so sauber als wären sie mit Waschpulver gereinigt worden. Ein wechseln der Socken brachte zwar trockene Füße, Blasen konnten sie aber nicht mehr verhindern.


    Den letzten Berg im Elbi verlassend, telefonierte ich mit Rhodan 76 und wir machten einen Treff zur Übergabe des WAI auf dem Bahnhof aus.



    Völlig erschöpft von den noch folgenden Abstieg auf der Straße die Serpentinen herunter, erreichte ich endlich Schmilka. Eine kurze Überfahrt mit der Fähre bildete fast den Krönenden Abschluss meiner Tour. Auf dem Bahnhof erwarteten mich schon Karliene und Rhodan 76 mit einer kleinen Überraschung in Form eines Bieres und eines Käsebrötchen für die Weiterfahrt nach Zittau.


    Für Leute die keine langen Texte mögen

    Geändert von Mephisto (01.06.2011 um 18:42 Uhr)
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  15. Fuchs
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #55
    Das WAI in Sachsen und Diebe in der Nacht



    Nach fünfstündiger Autobahnfahrt erreiche ich endlich gegen halb elf in der Nacht den Campingplatz in Ortrand. Voller Neugier bin ich auf die Berliner Truppe gespannt. Ist ja schon interessant zu wissen, wer sich hinter den Nicknamen verbirgt. Nach der Begrüßung und Vorstellung der Leute, bekam ich auch schon meine erste Watsche. Hat man doch eine gewisse Vorstellung von denen die sich hinter den Nicknamen verbergen, zumindest denkt man so, ist man doch um so mehr erstaunt, wenn sich derjenige welcher gedanklich als Männlich vorgestellt wird, sich als holde Weiblichkeit entpuppt, so geschehen bei Hotdog. Sie möge mir meine Einfältigkeit verzeihen.

    Sonnabend 19.06.10


    Es ist fünf Uhr früh, als ich erwache und aus meinen Biberstall raus krieche. Während die anderen noch den Schlaf der Gerechten sich genehmigen, gönne ich mir schon mal einen Kaffee und eine Kleinigkeit zum essen. So gestärkt bummele ich über den Zeltplatz und schaue mir die Motorräder der Zeltnachbarn an. Es waren alles 350er BK aus den Fünfzigern Jahren der Motorradschmiede MZ. Schöne restaurierte Maschinen. Während ich mir so die Maschinen anschaue, höre ich hinter mir jemanden laut jammern, „ meine Landwürste, meine Landewürste, oh diese Diebe“. Es ist fraizeyt, da muss ihm jemand in der Nacht doch tatsächlich seinen Lebensmittelvorrat geplündert haben,- der Arme. Wir sehen uns die Überreste der Mahlzeit an und rätseln, wer wohl der Übeltäter gewesen sein könnte, kommen aber zu keinem Ergebnis. Ach ja, die Landwürste...


    Heute soll die große Aktion der Übergabe des WAI auf dem Kutschenberg stattfinden. Zu diesem Zweck, machten sich Hotdog und fraizeyt auf dem Weg nach Elsterwerda um von dort aus zum Kutschenberg zu starten.
    Während die beiden unterwegs waren, warteten wir unterdessen auf November und Masc die noch kommen sollten, um uns dann gemeinsam ebenfalls auf dem Weg zur Übergabe zu machen.

    Nach einiger Zeit des Wartens, trudelte auch Masc ein, Nachdem sein Zelt aufgebaut war und wir die Zeit des Wartens so langsam überdrüssig waren, beschlossen wir auch los zu gehen obwohl wir noch ein paar Stunden bis zur Übergabe Zeit hatten. Die Übergabe sollte um 16 Uhr 30 von statten gehen. So machten wir, Masc, Klippenkuckkuck, Rhodan 76, Schlafsack und meine Wenigkeit uns auf dem Weg. November ließ uns ausrichten, das sie später kommen würde.


    Vor einer Übersichtskarte stehend, machte Klippenkuckkuck den Vorschlag, man könne ja erst einmal einen Rundweg absolvieren, bevor wir den Aufstieg zum Kutschenberg in Angriff nehmen. Ich ahnte nichts gutes und fügte mich meinem Schicksal.


    Am Ende sollten es knapp zwanzig Kilometer werden, die wir schön brav auf und nieder gingen, um letztendlich den Kutschenberg zu erklimmen.


    Vorneweg ging Schlafsack, unser jüngster. Ich glaubte der hat wohl Jagdwurst gegessen, so einen Affenzahn von Geschwindigkeit legte er an den Tag, das ich mit meinen kurzen Beinen mühe hatte hinterher zu kommen. Möchte doch einmal ein Stammtisch erleben, wo es geruhsam zu Tage geht.


    Nachdem wir endlich den Rundweg beendet und den Kutschenberg mit seinen 201 Metern erklommen haben, war von den Berlinern noch keine Spur zu sehen. So hieß es warten.


    Unterdessen vertrieb sich Masc die Zeit mit einer Zecke an seiner Hand, die er liebevoll entsorgte. Nach gut dreißig Minuten Wartezeit, knackte es im Unterholz und fraizeyt erklomm erschöpft und schnaufend nach Wasser schreiend den Gipfel, gefolgt von Hotdog.


    Nach der kurzen Übergabe und Rast machten wir uns auf dem Rückweg zum Basislager, wo wir den Rest des Tages, bei gegrilltem und kleinen alkoholischen Genüssen ausklingen ließen. In der Zwischenzeit sind auch November und Pfad-Finder eingetroffen. November kam per Rad, um am Sonntag mit dem WAI Richtung Zittau zu fahren.


    Alles im allem war es ein gelungener BB/Sachsenstammtisch. Es ist einfach wunderbar, sich so persönlich kennen zu lernen, denn dass gibt dem Forum in seiner Anonymität letztendlich Leben.


    An dieser Stelle ein großes Danke an Klippenkuckkuck für die lukullische Organisation.
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #56
    Per Fahrrad durch die Oberlausitz

    Sonntag, 20.Juni 2010

    Nach einem ausführlichen Frühstück, Lagerabbau und natürlich nettem Schwatzen mit den Sächsischen Stammtischkollegen und Berliner Stammtischnachbarn schwinge ich mich gegen 11 Uhr auf mein Fahrrad und rolle vom Campingplatz Ortrand hinunter. Schon außerhalb des Tores, fällt mir noch ein, daß ich vergessen habe zu bezahlen, ich hole das nach und starte nun endgültig.

    Meine Route führt mich noch ein kleines Stück durch Brandenburg, bevor ich nach 14 km das Ruhlander Schwarzwasser und damit die Grenze zum
    Freistaat Sachsen
    überquere. Eine Willkommenstafel mit Sächsischem Wappen gibt es nicht; dafür ist diese Straße wohl zu unbedeutend. Immerhin zeigt ein Schild den Beginn des Landkreises Bautzen an, bereits zweisprachig; das wird sich in nächster Zeit noch häufen.



    Von nun an fahre ich langsam aber stetig Richtung Südost – auf kleinen Straßen, Wald- und Feldwegen, die eine Abkürzung versprechen und gleichzeitig befahrbar aussehen.



    Ein Zeichen der Lausitz sind neben der Wald-, Feld- und Heidelandschaft die Unmengen an Fischteichen. Von kleinen Tümpeln bis hin zu schon paddelboottauglichen Ausgaben sind sie überall in der Landschaft verteilt. An einem von ihnen, dem Deutschbaselitzer Großteich, mache ich an einem Campingplatz Pause, gönne mir eine Portion Pommes und fülle meine Wasservorräte auf. Na ja, ganz nett hier, aber welche Attraktion habe ich übersehen? Auf dem Parkplatz tummeln sich Autos und Wohnmobile aus ganz Deutschland, mehrere aus Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden (gut, das will nichts heißen, die tummeln sich überall). Die Lausitz als neues Urlaubsparadies?



    Nach dieser wohlverdienten Pause und einer kurzen Fahrt immer am Teich entlang erreiche ich das erste Sorbische Dorf: Deutschbaselitz/Němske Pazlicy. Falls es jemandem etwas sagt: Hier ist der Maler und Bildhauer Hans-Georg Kern geboren. Offensichtlich fand er seinen Namen zu fade und benannte sich lieber nach seinem Heimatort Georg Baselitz.





    Nach Nebelschütz treffe ich auf eine Autobahn, die auf meiner Karte noch nicht eingezeichnet ist, irre irgendwie weiter und komme schließlich nach Panschwitz-Kuckau/Pančicy-Kukow. Der Name des Ortes ist gleichzusetzen mit dem Kloster St. Marienstern. Es hatte und hat eine enorme Bedeutung für die Kultur der Sorben.



    Hier wollte ich mich an einem schattigen Platz ein wenig ausruhen und die Atmosphäre auf mich einwirken lassen. Doch bereits vor dem Eingangstor ahnte ich schlimmes, viel zu viele Autos und Fahrräder standen davor; irgend etwas stimmte nicht. Kaum eingetreten, traf mich fast der Schlag: Menschenmassen schwärmten zwischen den altehrwürdigen Gemäuern umher und von einer Bühne dröhnte, man glaubt es kaum, eine Polonaise. Absurderweise nennt sich dieser Lärm auch noch Klosterfest. Noch schnell ein Photo gemacht und sofort wieder raus hier. Dabei bin ich extra wegen St.Marienstern diesen Schlenker gefahren.

    Weiter den Berg hinauf nach Crostwitz/Chrósćicy, wo nur noch die Grundschule existiert. Die dortige sorbische Mittelschule wurde 2003 trotz großer Proteste geschlossen, weil die in Sachsen erforderliche Mindestanzahl von Schülern nicht ganz erreicht wurde. Geredet und geprahlt aber wird gerne mit großzügiger Minderheitenpolitik.


    Kurze Zeit später komme ich nach Neschwitz/Njeswačidło. Den Ort kenne ich schon von einer viele Jahre zurückliegenden Radtour. Damals habe ich hier in der JH übernachtet, heute schaue ich mich nur ein bißchen um: ein herausgeputztes Barockschloß samt gepflegtem Park, eine frisch sanierte Kirche mit neu wiederaufgesetzter Turmhaube, passend zu einem hübschen Dorf.

    typisch katholisches Wegkreuz im ansonsten protestantischen Sachsen

    Ein weiteres typisch sorbisches Dorf ist Radibor/Radwor. Ebenso wie vorher schon in Crostwitz höre ich hier im vorbeifahren auf der Straße fremdartige und doch so vertraut klingende slawische Laute; hier ist sorbisches Kernland.
    Auch hier gibt es wie in Neschwitz ein Schloß, nur wenige Kilometer entfernt und doch eine komplett andere Erscheinung: verfallen und heruntergekommen, ein fast zugewachsener Park. Und doch fühle ich mich hier viel wohler und stromere ein wenig umher.



    Es ist doch schon recht spät geworden und so suche ich mir noch ein Stück weiter bei dem Dörfchen Brehmen/Brĕmjo einen gemütlichen Platz für mein Zelt neben einem abgestellten Bauwagen auf einer Waldlichtung.




    Strecke: 82 km



    Montag, 21.Juni 2010 – Mittsommer


    Aufbruch

    So richtig früh komme ich nicht aus dem Knick, aber da ich heute allein bin, sitze ich doch um einiges zeitiger auf dem Sattel als gestern.
    Über Sdier/Zdźěr mit seinem Wasserschloß fahre ich nach Klix/Klukš und mache an der Brücke über die Spree eine Pause. Hier am Wehr haben wir vor Jahren einmal unsere Faltboote umtragen müssen. Bei dem jetzigem Wasserstand hätte vielleicht eine Befahrung geklappt, vielleicht. Aber es ist sowieso egal, ich bin mit dem Rad hier und muß mich nach der Straße richten, nicht nach dem Fluß.



    Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft: ein etwas langer und umständlicher, dafür treffender Name. Ich verlasse die Straße und fahre eine Weile auf teils recht sandigen Wegen durch eben jene Heide- und Teichlandschaft.





    Wieder auf der Straße ziehe ich durch bis Rothenburg.



    Leicht erschrocken stelle ich fest, daß ja schon Mittag ist und ich noch einiges vorhabe. Eine Pause für einen Tee auf dem Marktplatz ist trotzdem drin. Von nun an fahre ich auf dem Oder-Neiße-Radweg entlang Richtung Süden, mal ganz nahe am Fluß und damit an der Grenze zu Polen, dann wieder ein ganzes Stück entfernt.


    Ein Gedenkstein am Wegesrand. Würde er nicht stehen, fiele gar nicht auf, daß es hier vor einigen Jahrzehnten noch ganz anders aussah. Tormersdorf, am rechten Neißeufer gelegen, wurde zum Ende des zweiten Weltkrieges vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut, ebenso die Brücke, die an dieser Stelle über den Fluß führte. Auf der hiesigen Seite von Tormersdorf befand sich auf dem Gelände des Martinshofes ein Arbeitslager für Juden, die später alle in die östlichen Vernichtungslager deportiert wurden.


    Zurück ins Heute und auf zur Kulturinsel Einsiedel. Sie ist eine prächtige, aus Holz gebaute Phantasielandschaft.



    Die Entrittspreise aber gelten für eine Tageskarte und sind dafür sicher auch gerechtfertigt, für „nur mal schnell gucken“ ist es aber definitiv zu viel. Der nette Herr hinter seiner Fensterscheibe scheint meine zögernden Blicke zu richtig zu deuten und erklärt mir, daß ich für maximal 90 Minuten auch umsonst hinein kann. Einzige Bedingung: Ich muß hier etwas essen oder trinken. Kein Problem; ob ich das Stück Kuchen, nachdem ich schon die ganze Zeit sabbere, erst in Görlitz oder gleich hier verputze, bleibt sich gleich. Hier und sofort klingt sogar noch besser. Da das WAI heute noch ein gutes Stück Weg vor sich hat, nehme ich mir vor, nur mal schnell durchzugehen und ein paar Photos zu machen.



    Denkste, inklusive einem Stück Apfel-Nougat-Kuchen wird es dann doch über eine Stunde, bevor ich wieder am Ausgang stehe. Und dann habe ich Suse doch tatsächlich vergessen, mir den Verzehr des Kuchens durch einen Stempel bestätigen zu lassen. Aber offensichtlich mache ich so ein ehrliches Gesicht, daß der nette Herr mich trotzdem ziehen läßt.
    Wer die Kulturinsel noch nicht kennt, sollte sie sich unbedingt einmal (oder auch zweimal) ansehen. In der Gruppe macht es definitiv mehr Spaß als alleine und man muß auch kein Kind sein, um sich an den skurrilen Bauten zu erfreuen.



    abgerissene Neißebrücke bei Zentendorf

    Der nächster Programmpunkt wartet nicht weit entfernt: der östlichste Punkt Deutschlands. Von der Straße aus, hier immerhin der offizielle Fernradweg, ist er äußerst miserabel ausgeschildert. Da hilft mir nur meine Karte weiter. Erst als es nun wirklich nichts mehr falsch zu machen gibt, reiht sich Hinweisschild an Hinweisschild.

    Wie es der gemeine Bürger vom fernen Osten so erwartet, wird der Weg zunehmend schlechter. Von Asphalt ist schon lange nichts mehr zu merken, der Weg wird sandig und endet schließlich als schmaler Fußpfad durch ein Getreidefeld; mein Rad muß ich das letzte Stück schieben. Und dann steht der „point of special interest“, wie es in der offiziellen Staffellaufkarte heißt, in Gestalt eines übergroßen Findlings endlich vor mir.




    Die genaue Grenze zu Polen und damit auch Deutschlands östlichster Punkt liegt aber in der Mitte der Neiße, also noch etwa 50 Meter vom dekorativen Stein entfernt. In den Fluß hinein begebe ich mich jedoch nicht, das WAI muß sich mit dem Ufer begnügen.



    Von hier aus führt der Weg nur noch zurück, bis ich erneut die Straße erreiche und endlich nach Görlitz aufbrechen kann. Diese Stadt ist immer wieder einen Besuch wert.
    Auch wenn Görlitz und die umliegenden Städte und Dörfer zum Bundesland Sachsen gehören, traditionell sind sie schlesisch. Alles in dieser Stadt weist darauf hin und so erwerbe ich denn hier auch für das WAI einen kleinen Aufkleber, zum Zeichen, daß es durch diese Region gereist ist.



    Zielgerichtet laufe ich mit dem WAI einige Photopunkte an, fülle sicherheitshalber meine Flasche mit Trinkwasser auf, und setze mit dem Rad über die Altstadtbrücke hinüber auf die andere Seite der Stadt, nach Zgorzelec. Die Brücke an dieser Stelle wurde noch am 7.Mai 1945 gesprengt. Erst im Oktober 2004 wurde die neue Fußgängerbrücke eingeweiht.



    Das schönste an Zgorzelec ist der Blick hinüber auf die andere Seite, dem heutigen Görlitz, heißt es immer wieder, und daß nicht erst, seit die Stadt nach dem Krieg zweigeteilt wurde. Da ist durchaus was dran, wohl fühle ich mich hier trotzdem. Die Zeit drängt gewaltig, deshalb fahre ich nur eine kurze Rundtour, kaufe noch kurz vor Ladenschluß eine Postkarte für das WAI und für mich die obligatorischen polnischen Lebkuchen. Die sind hier kein Adventsbedarf, sondern es gibt sie hier überall das ganze Jahr über – lecker. Die Lebkuchen bleiebn aber für später, jetzt und sofort hole ich mir an einem Kiosk Zapiekanka (überbackenes Käsebaguette) und zum Nachtisch Gofry (Waffel) mit Apfelmus und Sahne.

    Zurück nach Deutschland. Es ist schon recht spät und ich weiß nicht so recht, wo ich heute Abend bleibe. Der Weg direkt an der Neiße entlang ist zunächst sehr schön, bis er vom Fluß abweicht und auf einem zwar separatem Radweg, aber doch nahe an der Fernverkehrsstraße entlang führt. Links landwirtschaftlich genutzte Wiesen, rechts die Straße und nichts geeignetes zum Zelten. Auf der Karte war das schon vorher zu sehen und so hoffe ich auf den Zeltplatz in Hagenwerder.



    Da er jedoch nur auf einer meiner Karten und auch sonst auf keinem Hinweisschild zu finden ist, bin ich sehr skeptisch. Aber das ist nicht nötig. Der kleine gemütliche Platz mit Ostalgieflair und angelndem Platzwart kommt gerade zur rechten Zeit. Uff.




    Strecke: 96 km



    Dienstag, 22.Juni 2010

    Morgens rufe ich Atze1407 an und vereinbare eine WAI-Übergabe irgendwann gegen Mittag in Zittau. Vorher komme ich auf meinem Weg noch am Kloster St. Marienthal vorbei.



    Es ist das älteste Zisterzienser Frauenkloster in Deutschland, das seit seiner Gründung im Jahr 1234 bis heute ununterbrochen besteht. Und anders als in St. Marienstern herrscht hier auf dem weiträumigen Gelände wirklich Ruhe. Ich setze mich mit einem Kaffee an einen Tisch und schreibe das WAI-Tagebuch.



    Auf dem weiteren Weg Neiße aufwärts Richtung Zittau gibt es noch einige alte Industriedenkmäler zu sehen, bevor ich in dem hübschen Städtchen Hirschfelde eine letzte Kuchenpause einlege und dem Markttreiben zusehe.





    Nun sollte mich auf dem Weg nach Zittau nichts mehr aufhalten, denke ich mir so. Schon kurz nach dem Ortsausgang lege ich eine Vollbremsung ein und hole das WAI für einen weiteren Phototermin aus der Tasche. Es darf vor der Lausitz im Miniaturformat posieren.




    Blick zum Isergebirge

    In Zittau wartet Atze1407 schon vor der Johanniskirche, wo auf dem Turm die feierliche WAI-Übergabe stattfindet.





    Kurze Zeit später sitze ich ohne das WAI im Zug nach Dresden.


    Strecke: 21 km
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  17. Alter Hase
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #57
    Blaulokes Online - Tour - Schreib - Service!

    So Mädels und Jungs, Groß und Klein:

    Ich kann euch nun feierlich verkünden, das

    WAI ist in Franken!!!


    Nachdem Blauloke heute Mittag mit dem Döschen losgezogen ist, hab ich gerade das erste Lebenszeichen von Ihm erhalten:

    Nach nem gscheiden Schäufele und nem Besuch in (irgendeinem) Museum hat er Hirschberg bei der Saale erreicht.

    Morgen gehts weiter.
    Der Mensch wurde nicht zum Denken geschaffen.

  18. Alter Hase
    Avatar von Scrat79
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #58
    Blaulokes Online - Tour - Schreib - Service!

    So Mädels und Jungs, Groß und Klein:

    Ich kann euch nun feierlich verkünden, das

    WAI ist in Franken!!!


    Nachdem Blauloke heute Mittag mit dem Döschen losgezogen ist, hab ich gerade das erste Lebenszeichen von Ihm erhalten:

    Nach nem gscheiden Schäufele und nem Besuch in (irgendeinem) Museum hat er Hirschberg bei der Saale erreicht.

    Morgen gehts weiter.
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  19. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #59
    Tour vom 25.06.10 – 27.06.10
    Zittau – Schmilka
    Gewandert 70 Kilometer

    Aufbruch


    Freitag den 25.06.10



    Es mittlerweile 15 Uhr als ich den Rucksack über schnalle und mich auf dem Weg ins Zittauer Gebirge mache. Rund siebzig Kilometer sollten es werden, bis ich Schmilka erreichen werde. Mein Weg wird vom Zittauer Gebirge über ein Teilstück des Böhmischen Elbsandstein Gebirges bis nach Schmilka gehen, um dort dass so begehrte WAI, an Rohdan 76 und Karliene zu übergeben.

    Die Bedingungen für die drei Tage der Wanderung, die ich für die Strecke eingeplant hatte, könnten nicht besser sein. Regen war nicht angesagt, sondern nur Sonnenschein, also optimal. Entsprechend packte ich meinen Rucksack auf Gott vertrauend und ließ die Regenbekleidung zu Hause.

    Irgendwie komme ich mit meinem Gesamtgewicht einfach nicht klar, der Rucksack hat nach wie vor sein Gewicht, dass man nun wahrhaftig nicht UL bezeichnen kann.
    Dabei habe ich wirklich nur dass Nötigste eingepackt und auf alles Überflüssige verzichtet. Trotzdem hatte er ein Gewicht als wolle ich für vier Wochen in die Antarktis und nicht drei Tage mal eben kurz Unterwegs sein. Das meiste Gewicht verursachte wie immer das Getränk und der Spiritus. Zwei Liter Tee und anderthalb Liter Wasser zum Kochen für Essen und Kaffee, dazu noch einen halben Liter Spiritus für drei mal kochen am Tag. Ist doch nun wirklich nicht allzu viel, oder?

    Meine Wanderkarte vom Zittauer Gebirge brauchte ich auch nicht, denn mittlerweile kenne ich so halbwegs die Wanderwege zu den einzelnen Gipfeln. Für den Rest der Strecke, musste mein Navi herhalten, dass ich mit den entsprechenden Daten fütterte. So ausgerüstet machte ich mich nun auf dem Weg.


    Es dauerte nicht allzu lange und ich war bei meiner geliebten Napoléon Linde, ein kurzer Blick zurück und Zittau entschwindet in der Ferne.


    Vor mir lag er nun, mein erster Gipfel an diesem Tag, mit seinen 582 Metern Höhe, der Töpfer. Langsam aber stetig beginnt der Weg zu steigen. Da ich einige der Möglichkeiten zum Aufstieg kannte, wählte ich diesmal einen Weg, wo ich glaubte, mich nicht so beim Aufstieg zu schinden. Doch wie immer, der Weg nach oben bleibt nun mal steil.

    Viel Betrieb herrscht um diese Zeit nicht mehr, bis auf ein paar auswärtige Gäste, die im Biergarten Platz fanden, ist es fast einsam.


    Ich gehe vor zum Gipelkreuz und packe das Wai für seinen ersten Fototermin aus. Schnell sind ein paar Aufnahmen gemacht, doch die Aussicht in die Ferne ist heute alles andere als gut. So ist dass, hat man gutes Wetter ist meist die Aussicht nicht besonders. Kurz noch einen kleinen Rundgang und ich mache mir wieder auf dem Weg zum zweiten Tagesziel, dem Scharfenstein.


    Mit seinen 569 Metern steht er richtig majestätisch da, ich liebe ihn. Wenn auch nicht besonders Hoch, hat man doch von oben eine herrliche Aussicht weit in die Umgebung.

    Auf mein nächstes Ziel freue ich mich auch schon, es sind die Kelchsteine bei Lückendorf. Mit ihren schönen Farbenspiel geben sie eine wunderbaren Kontrast in ihrer Umgebung ab.


    Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass ich nicht mehr viel Zeit habe, um die anderen Etappenziele zu erreichen.

    Von hier aus geht es über Hain zum zweit höchsten Berg des Zittauer Gebirges, dem Hochwald mit seinen 752 Metern.
    Ehrlich gesagt, bisher habe ich ihn immer gemieden, wenn er auch mit seiner Aussicht recht verlockend ist. Aber der Aufstieg, laaang zieht sich der Weg in die Höhe und es ist wahrhaftig nichts für meine kurzen Beine. Vor Schweiß triefend kämpfte ich mich Meter für Meter nach oben, bis ich auf dem Gipfel vor einem Hinweisschild stand, -wir haben offen – mit einschlägigen Menü Angeboten. Na, wenn dass nichts ist, bei dem Gedanken an einer kühlen Blonden, sind all die Anstrengungen hier herauf schnell vergessen. Dem Hinweis folgend,- gleich um die nächste Ecke, fliege ich förmlich auf dem Wege dahin. Nur ist es nicht eine Ecke sondern mehrere und mein Schweiß fließt schon wieder in Strömen, bis ich vor dem Eingang zur Baude der begehrten Gastlichkeit stand. Einen Haken hatte die Sache allerdings, meinen Wunsch nach einem kühlen Getränk in Form eines Biers, wurde jäh durch einen dicken Balken vor dem Eingang der Gastlichkeit verwehrt. Ungläubig schaute ich in die Runde, ob ich auch vor dem richtigen Eingang stand. Es besteht kein Zweifel, einen anderen Zugang gibt es nicht, und dieser ist eindeutig versperrt. Beim umdrehen, entdecke ich doch tatsächlich ein zweites Schild, wir haben geöffnet ! Dass schlägt doch glatt dem Fass den Boden raus, über so viel Frechheit. Da kriechste nun im Angesicht deines Schweißes auf 752 Metern und wirst obendrein noch so richtig verarscht. Vor lauter Wut wollte ich schon die Schilder zu Kleinholz verarbeiten, lediglich meine einigermaßen mir zuteil werdende Erziehung hielt mich davon ab. Nun gut, bin ja selber schuld, warum rennste auch hierher, wenn da, wo dass erste Hinweisschild steht, noch eine Stätte der Gastlichkeit steht. Also zurück.


    Nach fünfhundert Meter stehe ich vor der Hochwaldbaude. Beim betreten des Biergartens steht diesmal ein Schild, mit den Worten,- Kummet ok rei -, na wenn dass diesmal keine nette Begrüßung ist, zumal offensichtlich zu erkennen ist, dass die Baude geöffnet hat. Kaum setze ich jedoch meinen Weg fort, wird dieser auch schon jäh unterbrochen. Ein riesiger Hund von Bernhardiner versperrt mir Zähne fletschend den Weg und hindert mich so am weitergehen, starr vor Angst, (nein, die habe ich natürlich nicht) bleibe ich stehen. Bevor diese Bestie jedoch zur zerfleischenden Tat übergehen konnte, erschien der Wirt und pfiff den Hund zurück. Ich weiß gar nicht ob ich genug Toilettenpapier mit habe, immer noch vor Schrecken stehend, fragte mich der Wirt nach meinem Wunsch. Bevor ich mich jedoch äußern konnte, teilte er mir zu seinem Bedauern mit, dass die Baude heute leider geschlossen sei. Man habe morgen
    eine Hochzeitsgesellschaft und muss nun die nötigen Vorbereitungen treffen. Meinen Wunsch nach einem Glas Wasser und Kaffee kam er trotzdem nach. Wie nett.

    Während die Getränke noch etwas auf sich warten ließen, war kurz das Wai für ein paar Fotos dran. Was sein muss, muss sein.


    Nach getaner Arbeit, Wasser und Kaffee sowie einen Dankeschön für die freundliche Bedienung, machte ich mich wieder auf dem Weg zum letzten Tagesziel für heute, den Mühlsteinbrüchen über den Johannisstein , (602 Meter) wo ich die Nacht verbringen will. Es ist schon reichlich spät und die Sonne verschwindet so nach und nach hinter dem Horizont


    Mein Nachtlager für Heute ist ein sehr schöner Platz zum Übernachten, ich brauche noch nicht einmal das Zelt aufbauen, denn der Tisch unter der Überdachung ist groß genug um darauf meinen Schlafsack auszubreiten. Natürlich braucht das WAI auch seinen Platz zum Schlafen, und so darf es ruhig einmal kuscheln bevor es den Platz räumen muss.



    Zur Lausche


    Sonnabend 26.06.10

    Um fünf Uhr in der Früh werde ich wach und stehe auf. Welch ein herrlicher Tag, was gibt es schöneres als morgens mit Vogelgezwitscher in der freien Natur geweckt zu werden. Schnell werfe ich meinen Kobold von Kocher an, um anschließend genüsslich meinen allmorgendlichen Kaffee zu genießen.


    Dazu noch ein Süppchen und der Tag beginnt perfekt. Nachdem ich dass üppige Frühstück beendet habe, packe ich all meine Habe zusammen und mache mich auf dem Weg zum höchsten Berg des Zittauer Gebirge, der Lausche mit seinen 793 Metern ü.NN.


    Auf dem Weg dorthin, geht es an dem Schaubergwerk der Mühlsteinbrüchen über den Kellerberg auf dem Orgelweg an den Orgelpfeiffen vorbei zum Grenzwächter.


    Hier führt mich der Cottaweg zum Rehstein und Falkenstein, wo das WAI für ein Foto wieder herhalten muss.


    Bis hierher meinte der Weg es relativ gut mit mir, es gab kaum nennenswerte Steigungen, was mir sehr gelegen kam. Hinter dem Falkenstein, begann dafür ein beschwerlicher steiler Abstieg. Voraus blickend winkte mir die Lausche schon zu. In Gedanken denke ich jetzt schon an den Aufstieg, denn er ist schon eine imposante Erscheinung, so wie er sich da zeigt.


    Noch geht es nach dem Abstieg, auf geradener Ebne am Lausche- Hochmoor auf Holzbohlen vorbei weiter. Bis er, bzw. ich, vor ihm am Fuße seines Hanges stehe. Wenn ich jetzt an den Aufstieg denke, wird mir nun gar nicht besser. Vielleicht sollte ich erst einmal eine kleine Stärkung zu mir nehmen, bevor ich mich auf dem sehr lang gezogenen Aufstieg mache, denn vor mir steht eine Hotel das darauf hinweist, man habe geöffnet. Beim lesen kommen mir aber doch Zweifel hoch, denn ich habe ja bereits entsprechende Erfahrungen machen müssen, zumal es erst um sieben Uhr am Morgen ist. Es hilft alles nichts, auf geht’s.


    Die Sonne steigt immer höher und scheint erbarmungslos auf mich herab, vor Schweiß triefend quäle ich mir den Berg herauf. An und für sich sind ja Berge kein Problem für mich, aber müssen sie denn immer so hoch sein, und dann diese Hitze. Ein Wanderschild gibt mir Auskunft darüber, dass es noch vierzig Minuten bis zum Gipfel sind. Immer wieder muss ich nach Luft japsend innehalten, -oh du verfluchter du, ich lass mich nicht unterkriegen, von dir nicht-, so sind innerlich meine Gedanken. Einen Trost gibt es aber, nach jedem Berg kommt auch ein Tal, nur muss ich erst einmal oben ankommen.

    Dem Delirium nahe, laufe ich schon nicht mehr, sonder wanke nur so dahin, einen Fuß vor dem anderen setzend erreiche ich den Gipfel.


    Eine maßlose Enttäuschung erwartete mich, da schinde ich mich im wahrsten Sinne des Wortes den Berg hinauf, und nun das,- Nichts- Unglaublich aber wahr, es ist nur eine einzige Öde an diesem Ort, nicht einmal eine vernünftige Fernsicht gibt es heute hier Oben. Wenn ich nun gedacht habe, ich finde hier wenigsten eine Stätte für die leiblichen Sinne, so war dass ein Trugschluss. Nichts. Früher stand hier wohl mal eine Baude auf Tschechischer Seite, seit dem die aber abgebrannt ist, findet man nur noch Reste einer Ruine. Dafür steht eine Sendemastanlage, nur dass man da nichts zum Essen und Trinken bekommt.

    Der Enttäuschung eine Abfuhr erteilend, packte ich das geliebte WAI aus, und machte die obligatorischen Fotos, bevor ich den unwirtlichen Ort verließ.


    Auf dem Kammweg entlang, der gleichzeitig der Oberlausitzer Bergweg ist, nähere ich mich der Deutsch-Tschechischen Grenze, um Deutschland kurz zu verlassen. Mein Weg wird mich nun ein Stück durch Tschechien in Richtung Elbsandsteingebirge führen.


    Durch Märchenhaften Wälder geht es nun ständig auf und ab. Ortschaften streife ich vorerst überhaupt nicht. Bei meiner Planung legte ich den Weg so, dass ich die kürzeste Tour nehme, und demzufolge mein Navi programmierte.


    Bis jetzt konnte ich mir absolut darauf verlassen, so dass ich mir keine weiteren Gedanken machen musste. Einen Nachteil hatte die Sache jedoch, mein Wasservorrat neigte sich immer schneller werdend der Neige zu. So begann ich mir ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wo ich denn meine Vorräte nachfüllen könnte.


    Es heißt ja immer, Wasser in den Bergen sei kein Problem, Quellen finden sich immer irgendwo. Mag stimmen, da bin ich wohl in den falschen Bergen unterwegs, denn so gut ich mich auch umschaue,es findet sich weit und breit kein einziger Tropfen der nach Feuchtigkeit aussieht. So muss ich denn nicht nur schwitzend sondern auch noch vom Durst gequält meinen Weg fortsetzen. Zu allem Überdruss, führt der Weg auf einer befestigten Wirtschaftstrasse entlang. Meine Füße danken es mir entsprechend. Ich hasse die Wege, aber in Tschechien sind sie in der Regel so üblich, man findet selten Wanderwege auf weichen Waldböden. So grausam vom Pein erfasst, ging ich des Weges durstend und hungernd dahin. Kein Schluck Wasser, keinen Kaffee und Süppchen, - ach ja, die Ameisen-.


    Ganz in mich zurückgezogen, schleiche ich mich mehr denn je, als froh und munter durch die Lande wandernd auf diesen elenden Weg entlang, bis ich plötzlich ein leises aber immer mehr lauter werdendes Murmeln vernehme. Wasser!


    So schnell ich noch konnte, riss ich mir den Rucksack vom Leibe und holte mir all meine leeren Gefäße hervor, um meine Wasservorräte aufzufüllen. Welch ein Labsal. Kurzum, ich setzte mich erst einmal hin und kochte mir einen Kaffee und eine Suppe, zuvor nahm ich aber einen kräftigen Schluck von dem kalten Quellwasser um meinen ersten Durst zu stillen. Ein Folgenschwerer Fehler, wie sich später noch zeigen sollte. Im Moment jedoch, bin ich der glücklichste Wanderer auf Erden. Eine halbe Stunde später machte ich mich erholt und gestärkt auf dem Weg.


    Ein paar Stunden Später kam ich durch den Ort Rybnist. Kurz vor dem Ortsausgang sah ich mich nach Leuten um, die noch draußen in ihren Gärten saßen, um noch einmal meine Wasservorräte aufzufüllen. Es dauerte auch nicht lange, da wurde ich fündig.


    Eine Familie war gerade beim grillen. Ich fragte die Hausherrin ob ich etwas Wasser bekommen könnte, worauf man mich sofort bat ich möge doch eintreten. Diese Aufforderung kam ich natürlich selbstredend nach. Nach einem kurzen woher und wohin lud man mich ein, doch ihr Gast zu sein. Ist doch schön wenn man ein wenig Tschechisch sprechen kann. Habe ja schließlich ein paar Jährchen in dem Land gelebt. So wurde ich denn mit meinen Wunsch nach Wasser auch noch mit Bier und gegrilltem versorgt. Zum Abschied packte mir die Liebe Frau auch noch selbstgebacknes zum Frühstück ein.
    Es ist schon reichlich spät geworden und ich habe noch immer kein Nachtlager gefunden. Links und Rechts von mir ist zwar reichlich Wald vorhanden, für ein Lager aber nicht geeignet, so marschiere ich noch bis nach halb elf ehe ich eine gute Stelle für mein Zelt gefunden habe. Eigentlich perfekt, nach allen Seiten gute Sicht ohne dass man selber gesehen werden kann. Einen Haken gibt es aber, ich befinde mich im Nationalpark und so ganz wohl ist mir bei der Sache nicht. Obwohl schon spät, schlafe ich nicht besonders gut.


    Um zwei Uhr in der Nacht wache ich auf und kann nicht mehr schlafen. Ein weiteres Problemchen kommt aus meinen Bauch. Da grummelt es so eigentümlich und ich verspüre einen unangenehmen Druck. Noch rechtzeitig konnte ich mich in die Büsche hauen und ein urmenschliches Bedürfnis vollziehen. Ich verkroch mich in mein Zelt um weiterzuschlafen. Kaum dass ich mein Schlafsack zu hatte, musste ich schon wieder raus und ab in die Büsche. Dass wiederholte sich noch ein paar mal, bevor ich endlich zur Ruhe kam. Ein Glück dass ich genügen Taschentücher dabei hatte.



    Im Moor und der mit dem Wolf geht

    Sonntag 27.06.10


    In aller Frühe, es ist um halb vier, stehe ich auf und packe ganz schnell mein Sachen zusammen um wieder auf dem rechten Pfad des Erlaubten zu gelangen.
    Auf mein obligatorisches Frühstück verzichte ich, nur schnell weg hier, bevor ich gesehen werde. Ein blick auf das Navi und es bringt mich zielsicher auf dem rechten Pfad. Die Markierung des Weges ist Blau, der ich nun folge. Unvermittelt endet der Weg plötzlich. Ein Hinweisschild weißt darauf hin, dass der Weg auf Grund der Kernzone hier endet und man um zudrehen hat.


    Ein wenig ratlos stehe ich nun da und schaue zur Sicherheit auf das Navi. Komisch, es zeigt mir fünfhundert Meter vorher einen Weg der nach links abbiegen soll. Ich konnte aber keinen Weg als solchen erkennen, ich hätte mit Bestimmtheit drauf reagiert und wäre abgebogen. Also einen halben Kilometer zurück, wenn das Navi dass sagt, dann wird es wohl seine Richtigkeit haben. Der Richtung, dass das Navi anzeigt zurück folgend, stehe ich in der tat vor einen Abzweig. Ungläubig schaue ich noch einmal auf das Gerät, es bleibt dabei, hier muss es lang gehen. Auf Gott vertrauend, folge ich diesen unscheinbaren Pfad. Nach ein paar Metern zweifel ich, ob ich dem Navi trauen sollte. Ein Pfad war zwar zu erkennen, er führte aber direkt ins Unterholz umsäumt von jungen Nadelbäumchen. Egal, Augen zu und durch. Mit meinen kurzen Hosen ist dass nicht unbedingt angenehm, aber Pfad ist Pfad. Mein Navi gab mir bisher auch keinen Anlass zum Misstrauen. Bin ich in meinem ganzen Leben bisher von Zecken verschont geblieben, so werden sich diese Biester mit Sicherheit auf mich wartend, schon mal ihre Beisswerkzeuge schärfen, um über mich herfallen zu können. Damit nicht genug, merke ich, wie ich langsam aber sicher in den Untergrund einsinke. Unter meinen Füßen gibt der Boden nach. Moor!


    Ein paar Meter und ich gebe auf. Noch einmal ein prüfender Blick auf das Navi, dass zeigt mir in aller Ruhe an, dass es in ein paar Metern weiter, einen weiteren Abzweig gibt. Nun gut, ich will es mal glauben und kämpfe mich durch den Sumpf und Unterholz bis zur besagten Stelle. Tatsächlich, es gibt einen Weg hier raus. Heilfroh dass ich es geschafft habe, schlage ich die neue Richtung ein. Durchnässt von oben bis unten, Schweißgebadet und mit nassen Füßen, betrete ich trocknen und festen Boden. Dafür dass ich jetzt festen Boden unter den Füßen habe, führt der Weg geradewegs steil nach oben, so dass kraxeln im wahrsten Sinne des Wortes angesagt war. Auf dem Weg nach oben bemerkte ich, dass ich mir Wund gelaufen habe. Es fing an zu schmerzen. Es ist dass erste mal, dass ich mir einen Wolf gelaufen habe. Nach elender Kletterei, habe ich es geschafft. Ein Stück weiter vorn am Wegesrand, lagen Baumstämme, wo ich mich erst einmal setzen und von den Strapazen ausruhen konnte. Ein Kaffee und Süppchen wären jetzt wohl angebracht.

    Der Kontrollblick auf das Navi verrät mir, dass ich kurz vor der Grenze an der Kirnitzsch bin. Es dauerte auch nicht all zulange und ich überquerte sie.


    Wegweiser zeigten mir, dass es bis nach Bad Schandau noch über zwanzig Kilometer sind. Bis Schmilka aber nur 12 Kilometer. In Anbetracht meines lädierten Körpers, beschloss ich kurzer Hand nicht nach Bad Schandau zu gehen, sondern in Schmilka für mich Schluss ist. Rhodan76 und Karliene werden bestimmt ein Nachsehen mit mir haben.


    Es sind zwar nur noch ein paar Kilometer bis ich es geschafft habe, Aber dieses ewige rauf und runter schaffen mich. Hinzu kommt noch, dass mir bei jeden Schritt den ich mache, die Schmerzen meiner wunden Stellen immer unerträglicher werden, trotz Wechsel einer Unterhose brachte es keine Erleichterung. Ebenso unansehnlich sehen meine Füße aus, als wenn ich sie Tagelang im Wasser zu stehen gehabt hätte. Durch das Moor sind meine Schuhe voll Wasser gelaufen und das Ergebnis habe ich jetzt, total aufgeweichte Füße. Einen Vorteil hat es aber auch, die sind so sauber als wären sie mit Waschpulver gereinigt worden. Ein wechseln der Socken brachte zwar trockene Füße, Blasen konnten sie aber nicht mehr verhindern.


    Den letzten Berg im Elbi verlassend, telefonierte ich mit Rhodan 76 und wir machten einen Treff zur Übergabe des WAI auf dem Bahnhof aus.



    Völlig erschöpft von den noch folgenden Abstieg auf der Straße die Serpentinen herunter, erreichte ich endlich Schmilka. Eine kurze Überfahrt mit der Fähre bildete fast den Krönenden Abschluss meiner Tour. Auf dem Bahnhof erwarteten mich schon Karliene und Rhodan 76 mit einer kleinen Überraschung in Form eines Bieres und eines Käsebrötchen für die Weiterfahrt nach Zittau.


    Für Leute die keine langen Texte mögen

    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

  20. Alter Hase
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    #60
    Platzhalter Schmilka - Lauenstein...

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