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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Hexe
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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #21
    Mitreisende: lina
    Wunderschöne Bilder und wundervolle Farben...! Echt klasse , obwohl ich es auch nicht gerne heiß mag! Aber man kann sicherlich auch im Frühling dort hin , wenn die 30° Marke noch nicht gesprengt wurde....

    Da bekomme ich jetzt lust auf Urlaub....

    Liebe Grüße

    Hexe
    Nach Fletchers Flugkrankheits-Index steht die Papageienkrankheit an fünfter Stelle des - am liebsten wäre ich tot - Indexes. Der höchste Grad der Krankheit wird vom Großen Seitenscheiteladler erlitten, der über drei Länder auf einmal reihern kann.
    - Terry Pratchett -

  2. Sternenstaub
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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #22
    liebe Lina,
    das ist wirklich ein ganz wundervoller Bericht. ich sehe, ich muss mal wieder in den Süden FRankreichs, deine Bilder wecken echt Sehnsüchte.
    Kathi :-)

  3. Vorstand
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    Avatar von lina
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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #23
    Vielen Dank!!
    Wenn man das Wetter draußen anschaut, muss man einfach gegen die Kälte anschreiben!

    Mai ist, denke ich mal, ein ziemlich perfekter Monat, wenn man auch mal in Richtung Seealpen möchte.

  4. Dauerbesucher
    Avatar von Buddy99
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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #24
    Lina,die von Dir vorgestellte Tour und die dazugehörigen Bilder sind traumhaft.
    Ich überlege gerade wo ich die ersten beiden Juni Wochen hin könnte und von der Entfernung her müsste Südfrankreich mit dem Auto nicht all zu weit von Basel entfernt sein.
    Meine Frage, wie ist Anfang Juni durchschnittlich das Wetter in Südfrankreich? Mir gehts weniger darum ob ich mit Regen rechnen muss,sondern ob es dort schon möglich sein wird,im Meer baden zu können,ohne sich einen ab zu frieren.
    Möcht gerne mindestens eine entspannte Woche mit den Hunden und meiner Freundin ans Meer und das auch noch mit schönen Wandermöglichkeiten in der Nähe.
    Es wäre nett,falls mir einer der Kenner einen Rat geben könnte.
    Gruss Sven

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    Avatar von lina
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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #25
    Hi Sven, vielen Dank! :-)

    Im Juni war ich noch nicht dort, kann also nur auf Temperaturtabellen verweisen, hier ist zum Beispiel eine, mit Durchschnitts-Temperaturen. Erfahrungsgemäß sind 18/19°C Wassertemperatur natürlich nicht wirklich richtig "warm", aber durchaus versuchenswert. Zum Wandern ist der Juni aber prima. Das Rother-Büchlein Côte d'Azur ist gerade für nicht allzu lange Strecken (3 bis 38 km und viel dazwischen) empfehlenswert, auch zur Routenwahl (hier ggf. noch detailliertere Karten ordern, in manchen davon gibt's dann Heftchen mit weiteren Vorschlägen, etc.). Bei den Tourenvorschlägen gibt's auch immer eine Reisezeit-Empfehlung und Notizen zu Gelände-Anforderung und Ausrüstung.

    Wenn's wasserbetreffend nicht unbedingt ausschließlich das Meer sein soll, könnte das Buch Lacs du Mercantour noch interessant sein.

  6. Dauerbesucher
    Avatar von Buddy99
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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #26
    Hallo Lina.
    Vielen Dank für die schnelle Antwort.
    Ich werde mir mal das Rother Buch besorgen und schauen welche Touren in Frage kommen.
    Hört sich jedenfalls sehr verlockend an und die Wassertemperaturen klingen zumindest zum Abkühlen gut.
    Hoffe nur,dass ich dann nicht wieder das Pech wie heut morgen habe und ne Tour abbrechen muss,weil eines meiner Hundchen mein halbes Zelt samt Ausrüstung vollgekotzt hat.Da heisst es erst mal putzen,als entspannt Wandern.
    Wie ist es dort eigentlich mit den Zeltmöglichkeiten? Findet man leicht nen versteckten Platz, der nicht all zu Weit vom Wasser weg ist?

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    Avatar von Canyoncrawler
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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #27
    Hallo Lina,

    vielen Dank für Deinen tollen Reisebericht.

    Ich mag Südfrankreich auch sehr gerne. Wir fahren immer mal wieder für 1-2 Wochen in den Süden unseres Nachbarlandes.
    Letztes Jahr war ich Mitte Juni ein paar Tage in den Seealpen, Wanderung im Mercantour Fontanalbe Tal.
    Da gab es in der Höhe noch einiges an Schnee. Im Vallee Merveilles soll, laut einer Angestellten im Tourismusbüro in Tende, sogar noch mehr Schnee gelegen haben.
    Mai ist für Mercantour daher etwas zu früh würde ich sagen und letztes Jahr gab es nach einem Erdrutsch auch eine blöd gelegene Strassensperre bei Sospel, sodass einige Täler nur über weite Umwege erreichbar waren.

    Menton hat mir auch sehr gut gefallen.

    Mit dem Rother Wanderführer zur Cote A Zur haben wir uns im Esterel Gebirge mal verlaufen. Irgendwo haben wir eine Abzweigung verpasst und sind anschliessend hinten rum um den Berg, dann wieder von der Seite rauf und wussten anschl. nicht, welche der Routen jetzt nach unten führt, da die Beschilderung vor Ort nicht mit der kleinen Karte übereinstimmte. Ein Gruppe Franzosen hat uns dann auf den richtigen Weg gebracht, sonst würden wir noch heute durch die roten Felsen irren. Sollte eigentlich nur einen kleine 3-Stunden-Wanderung werden, wir brauchten 6 Stunden bis wir wieder am Auto waren.
    Seitdem kaufe ich immer eine Wanderkarte zusätzlich zum Rother Führer.
    Geändert von Canyoncrawler (17.04.2010 um 09:42 Uhr)
    Gruss Kate

    "May your trails be crooked, winding, lonesome, dangerous, leading to the most amazing view. May your mountains rise into and above the clouds." (Edward Abbey)

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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #28
    @Canyoncrawler: Vielen Dank! Und ja, eine zusätzliche Karte nehme ich nach Möglichkeit auch immer mit, besser ist das


    Villefranche sur Mer und fast ganz herum um's Cap Ferrat

    Nachdem am Vormittag das Thermometer schon 41,5 Grad anzeigte (ok, in der Sonne ...), wollte ich erstmal nicht wieder raus. Andererseits -- ein bisschen Bus fahren, und dann einfach am Meer entlang laufen, das müßte eigentlich gehen, also los.

    Ich habe Glück, die Klimaanlage im Bus ist funktionstüchtig -- Aufatmen! Der Bus schaukelt mich nach Villefranche sur Mer, ich hüpfe raus -- BOMMM! -- auf das Thermometer muss ich gar nicht mehr schauen, es ist halt Hochsommer. Und Sonntag: das Dorf ist so gut wie menschenleer, wer noch nicht eh schon dort ist, flipflopt zum Strand, unter'm Arm Strandtücher, Sonnenschirme, Badeklamotten, ... da fällt man mit Wanderschuhen richtig auf

    Ich durchquere zunächst ein bisschen Altstadt -- auch Villefranche hat einen Stadtteil, der durchlöchert ist wie Schweizer Käse, und angenehm kühl ist es in den schmalen Gässchen zwischen den Häusern. Dann folgen die Strand-Restaurants, die Küchenfenster stehen weit offen, die Klima-Anlagen der Läden brummen, und die begehrtesten Orte für alle, die darin arbeiten, werden im Moment wohl die Kühlräume sein. Es gibt auch genügend Bedarf an Salat-Nachschub. Weiter an der Strandpromenade entlang


    Ah, da sind sie alle ...

    dann ein Treppchen hoch -- stand da nicht was im Rother über einen Weg um's Cap Ferrat? Ich halte mich rechts, nach Villa und Gärten der Familie Rothschild eine weitere Badebucht, schon ein bisschen lauschiger, und dann ein Hinweisschild auf einen "sentier touristique": der wird jetzt ausprobiert.

    Die ersten Meter:



    Als die Beschilderung endet, bekomme ich beim nahen Parkplatzwart ein Faltblatt mit eingezeichnetem Weg: immer an der Kante entlang, einmal rundherum, ganz einfach.

    Dann nochmal Treppchen nach unten: Nach der quirligen, gut bevölkerten Restaurant-Anlage ("Lido") mit langen Reihen noch dunkelbeiger Liegen und Sonnenschirme sowie paradiesischen Tellern für Liebhaber von Meeresfrüchten aller Formen und Farben folgte dann endlich Landschaft









    Entscheidender Vorteil dieser fast komplett postkartenmotivtauglichen Strecke: Die nächste Gelegenheit, ins türkis schillernde Blau einzutauchen, ist immer ganz nah Zum Wasser führen kleine, mehr oder weniger offensichtliche, Wege, die oft Kraxeltalent erfordern.



    Der Weg ist meist mindestens ein Meter breit und der Untergrund ist zwar häufig, doch nicht immer ohne Unebenheiten, hin und wieder kommen größere Steine und Schotterstrecken vor, und oft ist zwischen Weg und Abgrund keine weitere Sicherung mehr angebracht.

    Zwischendurch kamen mir drei Asiaten entgegen, von denen einer die Gegend hauptsächlich durch seine Videokamera wahrzunehmen schien. Vielleicht fungierten die beiden ihn begleitenden Frauen ja als Warn- und 1.-Hilfe-Team?

    Die meisten Besucher waren sowieso auf Flipflops unterwegs, bis zum nächsten hübschen Strandabschnitt mag dies ok sein. Ich war trotzdem froh um meine Stiefel, auch wenn die Socken sich anfühlten, als würden sie gleich anfangen zu kochen. So taperte ich also so vor mich hin ...







    Wer die ganze Insel umrunden möchte, hat ca. 13 km vor sich, ungefähr in der Mitte gibt's einen Brunnen mit Wasser-Druckknopf und schön kaltem Wasser -- den konnte so gut wie keiner links liegen lassen. Die Gelegenheit wurde auch gleich genutzt, um die Wasservorräte wieder aufzufüllen.



    Danach kann man, laut Karte, weiter am Meer entlang gehen. Ich entschied mich jedoch dafür, den Weg zu den Häusern hoch zu gehen, um ein bisschen Schatten zu bekommen. Nach einem Hotelkomplex folgte ein ausgedehntes Villenviertel mit weitläufigen Gärten, und auch die vorbeicruisenden ultraflachen Autos in selten zu sehenden Preisklassen waren nett anzuschaun

    Kurz vor St. Jean Cap Ferrat Hafen erwischte ich praktischerweise gerade einen Bus und fuhr mit zahlreichen sonnengebräunten Sonntagsausflüglern, nach einem Abstecher nach Beaulieu sur Mer, über Villefranche sur Mer wieder zurück nach Nizza. (Bus Nr. 81 (wenn ich mich richtig erinnere) fährt, entgegen der Infos im Rother, auch sonntags. Der C81 (C = "Creabus") fährt weiter in die Halbinsel hinein, muss aber telefonisch bestellt werden. Hierfür steht die erforderliche Telefonummer auf den Plakaten an den Bushaltestellen)

    Der im Rother vorgeschlagene Weg geht übrigens genau andersherum.
    Geändert von lina (27.08.2010 um 01:15 Uhr) Grund: ... irgendwas findet man immer noch...

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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #29
    Zweimal bergauf nach Aspremont, beide Male auf dem GR 51

    *

    Teil 1: Der Weg der Brombeeren -- ab Tourrette Levens
    Teil 2: Rosmarin und Thymian -- ab Colomars

    *

    Teil 1

    Die Buslinie Nr. 89 schraubt sich, vom Busbahnhof Nizza aus, durch beeindruckende Schluchten in die Höhen des Hinterlands, und Tourrette Levens ist das erste größere Bergdorf. Ein paar Haltestellen vor Endstation steige ich aus, für den GR51 bin ich zunächst zu weit gefahren (der geschlossene SPAR kommt mir irgendwie bekannt vor ), finde dafür aber einen Brunnen zum Wasser-Tanken und laufe wieder ein kleines Stück zurück.

    Der nächste Brunnen liegt gleich neben dem Mäuerchen mit der rot-weißen Linien-Markierung, die auf den gesuchten Wanderweg verweist -- ob das tröpfelnde Nass aus den beiden Wasserhähnen ok wäre? Egal, diesmal habe genügend Vorrat dabei, also biege ich ab



    Bald darf ich auf gehfreundlicheren, da nicht mehr asphaltierten Wegen weiter laufen, und vor mir liegen schon die ersten Vorräte



    Trauben wachsen hier einfach wild, vielleicht war das mal ein Weinberg darüber
    (und die Blüte könnte eine Malve sein?)



    Ein Blick zurück nach einigen Metern -- auf dem Hügel in der Mitte war ich neulich schon mal



    und hier geht's lang (noch versteckt sich die scheue kleine schwarze Katze hinter dem Haus, aber gleich wird sie um die Ecke blinzeln)



    Zwei Wanderer kommen mir entgegen (übrigens die einzigen an diesem Tag), am Waldrand wachsen Schlehen und die ersten Brombeeren



    und wenig später gibt's auch Pilze (und große, flache Schneckenhäuschen)


    Was sind das für welche?

    Hübsch ist es hier. Der Wald spendet Schatten und zaubert Lichtspiele auf den Boden. Oft sieht man Fahrradspuren -- hier flitzen wohl auch einige Zweiradfahrer, auch wenn das andere sein müssen als die schmalen Gestalten auf den Rennrädern, die auf den kurvigen Straßen an einem vorbei schnurren. Die Strecke wird an manchen Kreuzungen als Weg für Radfahrer per topografischer Karte in einer Art überdimensionalem Busfahrplan dargestellt und darauf als "difficile" bezeichnet, was mich bei den zahlreichen schmalen und wurzeldurchzogenen Wald-Serpentinen nicht wundert.

    Während die Radler für ihr Outfit Rot-Weiß-Grau bevorzugen, ist bei den Pflanzen offensichtlich Rosa die Farbe der Saison



    Viele viele Brombeeren später verpasse ich, nach einem Stückchen Straße


    Blick zurück

    beinahe den steil ansteigend abzweigenden Pfad in Richtung Aspremont, der eine größere Kurve abkürzt und bin erstaunt, dass ich fast schon im Ort bin. Oben an der nächsten Kreuzung gibt es eine Herberge (Gîte Villa de la Palmeraie), unter anderem wohl auch für Pilger. Wie schon die ganze Strecke lang hört man über die Täler zu jeder vollen Stunde Kirchenglocken, gut zum Mitzählen, wenn man keine Uhr dabei hat.



    Ich folge zunächst dem GR51-Trampelpfad entlang des Tennisplatzes, sehe mich aber durch einen großen weißen Hund dazu genötigt, doch zurück und über die Straße zu gehen -- was in dem Fall wohl egal war, der schotterbedeckte Pfad sah eh nicht sehr attraktiv aus. Der Hund folgte mir in einigem Abstand, wohl um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich das Gelände verlasse (Grrr, das ist ein offizieller Wanderweg!! ). Hätte ich noch weiter bergauf über den Mont Chauve gehen wollen, wäre das aber wohl möglich gewesen:



    Auf der Strecke in die Stadt heizt der Busfahrer unter anderem auch in bezug auf die Klima-Anlage: gut über 30 Grad werden in Rekordzeit heruntergekühlt auf 22 Grad (sagt mein Thermometer), und ich bin wirklich sehr froh, in den Untiefen meines Rucksacks noch ein trockenes Merino-Shirt zu finden.

    *

    Teil 2

    Eigentlich hatte ich in Aspremont starten wollen, der infrage kommende Bus fuhr aber nur bis Colomars -- na gut, dann laufe ich eben andersherum ...

    Schnell noch den Fahrplan fotografiert, um die letztmöglichste Rückfahrt zu speichern, dann hatte ich gemütlich Zeit. Der GR51 war schnell gefunden, die beiden Streifen leiteten aus dem Dorf heraus



    und, noch auf der Straße, zwischen Wiesen und ja, Brombeeren durch das nächste Dorf hindurch


    Was hunderte von Schnecken dazu bringt, Gräser zu erklettern, würde mich inzwischen doch mal interessieren ...

    Wie die vielen Schilder schon auf der Fahrt hierher ankündigten: hier ist ein Wein-Anbaugebiet! Und dort irgendwo an den Horizont liegt Aspremont. Hier entlang geht auch ein Stück Jakobsweg.



    Der Vorteil eines Fußgängers ist, über Trampelpfade Serpentinen abkürzen zu können, wovon der GR51 auf diesem Teil des Weges oft Gebrauch macht



    Hin und wieder gibt's aber doch Asphaltstrecken



    dafür aber, außer rosmarin- und thymianbewachsenen Mauern, nette Ausblicke: Hier ins Tal der Var



    Wenn er nah an Häusern vorbei verläuft, erfordert der Weg eventuell besondere Vorsichtsmaßnahmen





    und



    bald sieht man den bebauten Hügel von Aspremont



    So, angekommen in einem Stück Ortschaft auf der von Rennradlern wohl sehr favorisierten Strecke. Fast jeder bremst hier und quetscht den letzten Schluck aus seinem Trinksystem (Nachschub gibt's z.B. an einem Brunnen am Rand des Busparkplatzes).

    Ab hier kann man auch auf dem hier abzweigenden G5 oder dem Jakobsweg weiter gehen und z.B. Katzen streicheln



    gepunktete Feigen bestaunen



    oder noch ein Stückchen weiter laufen (jetzt, laut Beschilderung, auf dem G5)



    oder zurück schauen (am Horizont liegt das Meer :-))



    Der Bus fährt, sofern man ihn braucht, auf dem Parkplatz unterhalb des Restaurants "Le Saint Claude" ab, der letzte Direkt-Bus nach Nizza um 17:35 Uhr.

    *

    Wenn der GR51 überall auf so relativ unkomplizierten Wegen verläuft, könnte ich mir durchaus vorstellen, die vorherige Strecke ebenfalls zu gehen, vielleicht nicht unbedingt im August. So ein paar Temperatur-Grade weniger machen, wie ich inzwischen herausgefunden habe, schon einiges an gesteigerter Trittsicherheit, etc., aus

    Hin und wieder ist der Untergrund schon etwas bröselig (viele kleine Steinchen, trockene Fichtennadeln; etc.), und der mitgenommene Trekkingstock sorgte schon für ein bisschen mehr Sicherheit, besonders an etwas steileren Stellen, wo es keine Möglichkeit gab, sich irgendwo festzuhalten.

    **

    Navi: Aus überraschender Gelegenheit hatte ich einige Zeit vor der Reise die Topo-Karte Frankreich Süd-Ost für das Garmin gekauft und vor Ort festgestellt, dass diese richtig gut ist Entgegen der (älteren) Deutschland-Karte ist sie nämlich routingfähig, außerdem sind zahlreiche Wanderwege enthalten -- so kann man im Zweifel immer mal schauen, wo man jetzt eigentlich entlang müsste. Karte & Kompass gehen natürlich immer auch.
    Geändert von lina (05.01.2011 um 13:54 Uhr)

  10. Sternenstaub
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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #30
    liest sich sehr schön, Lina.
    Ich überlege ja schon länger; ein befreundeter Arbeitskollege hat in Menton eine kleine Fewo und der hat mich eingeladen, wenn ich mal in der Gegend herum wandere, bei ihnen vorbei zu schauen. Wenn ich so deine Fotos anschaue, bekomme ich wirklich Lust dazu.
    Was meinst du, ab wann kann man da frühestens wandern - wegen Winterwetter etc - denn das muss ich nicht unbedingt haben. ;)

  11. Vorstand
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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #31
    Danke, Kathi! *freu*
    Nicht lange überlegen, einfach losziehen!

    Menton als Startpunkt hat den Vorteil, dass man das italienische Hinterland gleich mit erkunden kann (dort gibt es außerdem das bessere Eis ) – die zweite Landzunge auf dem Foto müsste schon Italien sein.



    Isolabona zum Beispiel



    erreicht man mit dem Bus ab Ventimiglia (Tickets am Kiosk im Bahnhof und Abfahrt eine Parallelstraße weiter vor der Bank Paolo). Von dort aus gibt es einige Möglichkeiten. Diesmal bin ich von Dolceacqua bis Isolabona gelaufen – war ok, aber eben Straße.

    Edit: Durch Dolceacqua führt auch der Sentiero Balcone Mediterraneo (Strecke bei OSM), damit kommt man aber nicht nach Isolabona, sondern nach Perinaldo (östlich von Dolceacqua).


    Rue de la figue qui rit

    Die Möglichkeiten an gekennzeichneten Wanderwegen sind ab Isolabona besser (jaja, die Öffis und ihre Fahrtrouten (die auf Plänen auch oft unlogisch eingezeichnet sind, weswegen man relativ viel Zeit mit An- und Abreise verbrät) kollidierten oft mit meiner Zeitplanung ... , aber wenn Du eh keinen festen Anlaufpunkt hast, zu dem Du immer zurück musst, kann Dir dieser Punkt ja schnuppe sein). Und ab Menton Garavan gibt's natürlich den GR 51.

    Ziele in Frankreich sind oft nur eine 1-Euro-Fahrkarte entfernt
    (und, der Gerechtigkeit halber: In Frankreich gibt's die besseren Zitronentörtchen)


    Keine Kalorien, ausschließlich Vitamine

    Wenn wir uns mal wieder treffen, kann ich gerne mal einen Stapel Topo-Karten mitbringen, dort sind viele Wege eingezeichnet.

    Juli/August würde ich nicht unbedingt empfehlen, die Hitze schlaucht doch ziemlich, und auch frisch gewaschene Klamotten trocknen wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sehr langsam bis nie vollständig. Kommt auch darauf an, wie weit ins Hinterland Du möchtest. Ich war mal im April dort, das fand ich eigentlich zum viel Laufen sehr angenehm.
    Geändert von lina (13.06.2017 um 17:37 Uhr) Grund: nicht mehr funktionierenden Link repariert

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    AW: [FR]/[IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #32
    Saint Jeannet und der Baou

    Das Bergdörfchen Saint Jeannet hat für manche einen großen Vorteil gegenüber anderen Bergdörfern: den Baou de Saint Jeannet. Dies ist der Name eines Bergs, an dessen Fuß das Dorf liegt, und dieser Berg kann erklettert werden. Im Prospekt des Ortes, der in einem kleinen Ourdoorlädchen mit ja, Kletterbedarf ausliegt (auch sonntags geöffnet, und man darf klingeln, wenn keiner da ist) rühmt sich dieser Ort sogar, die Wiege des französischen Klettersports zu sein

    Rother empfiehlt eine Anreise über Vence, was ich auch so gemacht habe (Saint Laurent du Var wäre ab Nizza eigentlich besser gewesen, wie ich später rausfand), was zur Folge hatte, dass ich erst einmal für 3 Stunden in Vence strandete (Sonntag, wer will da schon in die Berge ... ). Na gut, ich hatte ja Urlaub ... und Vence hat eine durchaus sehenswerte Altstadt, liegend auf einem Hügel, und ausgestattet mit mindestens einer Quelle wohlschmeckenden Gebirgswassers (laut Beschilderung wird das Konsumieren desselben auch ausdrücklich empfohlen).

    Ein weiterer Dreh- und Angelpunkt scheint der günstig gelegene Lebensmittelladen gegenüber der Bushaltestelle, wo der Bus nach St. Jeannet hält, zu sein. Die Bevölkerung ist teilweise orientalisch, und so gibt es dort Lebensmittel, die man sonst kaum findet (Gläschen mit Salade Mechouia zu Beispiel, das ist so eine Art scharfes Paprikagemüse, mmhm ... ). Schräg gegenüber verkauft ein Bäcker wunderbares Baguette -- bei einer Variante sind Chorizo-Stückchen gleich mit eingebacken -- die Wegzehrung ist also gesichert. Neben einer köstlichen Salami findet auch eine mittelgroße Melone den Weg in meinen Rucksack -- man hat ja noch Platz



    Die lang erwartete Busverbindung später bin ich schließlich in Saint Jeannet.



    Hier kann man sich entscheiden: GR 51 gleich oberhalb des großen Parkplatzes nach rechts hoch oder weiter durch's Dorf zu GR 51 plus weiteren Möglichkeiten. Netterweise sind hier auf den Schildern zwar nicht die Kilometer, aber wenigstens die Gehzeiten ungefähr mit angegeben (auf den folgenden Schildern im Gelände stehen dann nur noch die Ortsangaben).



    Zum Baou de St. Jeannet geht es erst mal quer durch's Dorf, dann weiter auf dem Chemin Fontaine des Boeufs.



    Auf dem Schotterweg geht es sich ein bisschen mühsam bergab, dafür entschädigen aber Ausblicke -- wenn man den kleinen Pfaden nach rechts in die Büsche folgt, kommt man zu besonderen Aussichtspunkten und zu den ersten Kletterfelsen, die an diesem sonnigen Sonntag gut genutzt werden.

    Zur Rast laden gemütliche Flächen unter Olivenbäumen, Grillen zirpen, Nadelbäume duften, ...



    Ich sehe ein Weilchen den Kletterern zu, aber es wird spät, und ich möchte noch ein Stückchen weiter.



    Der Pfad wird abwechslungsreicher und besser begehbar, und die Umgebung waldiger. Den Schmetterling hätte ich wahrscheinlich gar nicht gesehen, wenn er nicht direkt vor mir gelandet wäre



    Ich biege ab Richtung Le Castellet



    es geht ein wenig bergauf. Ein bisschen möchte ich noch weiter, wenigstens mal hinter die nächste Biegung schauen. Der Blick auf die Uhr räumt mir nur noch wenig Zeit ein, schließlich muss ich wieder in die Stadt zurück, der letzte Bus ... Außerdem wollte ich noch den Rucksack für die Gearlist fotografieren (mit artgerechter Baguettehaltung und ja, ich hatte eigentlich mehr vor als diesen eher kleinen Spaziergang)



    Ok, nun leider umkehren. Dennoch ist es manchmal seltsam: Wenn man denselben Weg in Gegenrichtung geht, sieht der wieder ganz anders aus. Komisch, da bin ich vorhin doch auch entlang gegangen?













    Ok, noch ein Ort auf der Liste zum unbedingt nochmal wiederkommen




    Blick von der Strecke des GR 51
    Geändert von lina (26.11.2014 um 17:50 Uhr) Grund: Kaputte Bilderlinks repariert

  13. Erfahren

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    AW: [FR][IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #33
    ein schöner Bericht über eine Wanderung in einer tollen Gegend.
    die größere Auswahl an Türkistönen kann ich zwar nur schwerlich durchgehen lassen, bewundere dafür aber Deinen Wanderwillen, ich wäre in Menton hängengeblieben, ich finde den Ort einfach nur traumhaft, jedenfalls vor 10 Jahren.

  14. Vorstand
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    AW: [FR][IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #34
    Auf der Via della Costa, ein Stück gen Osten und ein Stück gen Westen

    Riviera dei Fiori im Juni – nun hatte ich also auch mal die Gelegenheit, zu dieser Jahreszeit dort sein zu können Dazu sei nur noch ergänzt, dass es wohl ein ungewöhnlicher Juni war: Vergleichsweise kalt! Regen! Fast täglich! Noch immer abends Glühwürmchen unterwegs! Die Olivenbäume blühen noch! Und kaum Mücken (also auch kaum welche der fiesen Papatacci)! Das gab’s alles noch nicht bisher, jedenfalls konnt sich keiner erinnern, jemals so ein seltsames Wetter im Juni erlebt zu haben!



    Durch das kleine Bergdorf namens Lingueglietta geht die Via della Costa, sie ist hier ein Teil des Jakobswegs Roma – Santiago, oder, wie auf den Schildern immer in Laufrichtung geschrieben, andersherum. Wie der Name Via della Costa schon vermuten lässt, verläuft die Strecke meist in Sichtweite des Meers. Und nachdem ich eines Tages ein kleines Stückchen davon gelaufen war, wollte ich mehr davon sehen.

    Ergänzung: Offensichtlich gibt es die Via de la Costa zweimal: die zweite Variante, deren Verlauf seit 2012 veröffentlicht wurde, verläuft eher in der Nähe des Strands und, auf italienischer Seite, der (Hauptverbindungs-Autostraße) Via Aurelia – also gerade dort, wo meine Ausflüge von Frankreich her stattfanden. Zum Vergleich findet man die Streckenführung auf einer Seite für gps-tracks, den Bereich um Imperia zum Beispiel hier.


    Teil 1: Lingueglietta – Civezza

    Da Civezza in Richtung Rom liegt, kommt hier also zunächst ein Stück in die Gegenrichtung. Schon von Anfang an sieht man das Ziel: die Kirche auf dem Hügel gegenüber. Da der Ausgangsort höher liegt, geht es, nach einem Abzweig wenige hundert Meter hinter dem Kirchplatz (Kirche: San Pietro), erst einmal für längere Zeit in Richtung Tal. Eine schmale asphaltierte Straße, die sich auch mit dem Auto befahren lässt (was aber wenig genutzt wird, da die Haupt-Zugangsstraße nach Lingueglietta auf der anderen Hügelseite verläuft) mäandert den Berg hinab.


    Ein Blick zurück und einen nach vorne


    Erst einmal meistens im Sichtfeld: Die Kirche von Lingueglietta

    Sehr grün ist es – das wird sich im Laufe des Sommers noch ändern



    Der Weg führt vorbei am Skulpturenpark "Tra i mondi" der Künstlerin Carin Grudda, eine ihrer Skulpturen steht auch am Strand von San Lorenzo al Mare unten im Tal. Außer Oliven wird in dessen Umgebung viel Obst (auch Weintrauben) angebaut, später folgen ausgedehnte, mit dunklen Netzen abgedeckte Flächen, Produktionsstätten eines bekannten Blumenstrauß-Füllgrüns, deren oft in den Hügel sich schmiegender Anblick einen Asterixheft-belesenen Wanderer schon mal an die Schildkrötentechnik römischer Legionen erinnern können Darauf, dass hier nicht das ganze Jahr über so viel Wasser zur Verfügung steht, weisen die zahlreichen Zisternen auf den Feldern hin, jetzt aber rinnt und tropft es überall, und die Luft flirrt von blaugrünen und, etwas kleineren, schwarzroten Libellen.

    Insgesamt ist der Wegabschnitt sehr gut markiert, gelbe Doppelpfeile leiten sicher um jede auch nur zarte mögliche Biegung,



    und dass Feigenbäume sogar duften, obwohl die Früchte noch gar nicht reif sind, war mir bisher nicht bekannt gewesen.




    Wilde Möhrenpflanze – oder doch nicht?


    Die Aprikosen waren noch nicht ganz reif


    Meerblicke


    Wegweiser



    Noch immer den Kirchturm von Lingueglietta, die Autobahn, und natürlich das Meer im Sichtfeld, geht es etwas später auf eine kleine Häuseransammlung zu, inmitten derer die Wegführung zwischen Eukalyptusbäumen für ein kleines Stück auf ein Privatgelände abzweigt.





    Ins nähere Blickfeld gerät nun die Kirche von Civezza namens Madonna delle Grazie, doch um dort hin zu gelangen, muss man erst einmal weiter runter ins Tal.



    Ein Stück Straße, wieder Oliventerrassen und eine kleine Häuseransammlung, angekündigt durch eine Handvoll Briefkästen am Abzweig: Darauf ausschließlich deutsche Namen. Erstaunlich. Eine Brücke überquert den kleinen Fluss, dann geht es wieder, jetzt auf einem kleinen Pfad, bergauf




    Grüner Beobachter am Wegrand





    Fast oben, noch vor Überqueren der Autostraße, steht eine kleine, etwas verfallene Kapelle, die Tür ist nur leicht angelehnt, der Türgriff liegt auf der steinernen Bank neben dem Eingang. Kühle, Schatten und steinerne Sitzgelegenheiten tun gut, kurz vor dem letzten Stück Pfad in Richtung Civezza





    Auf dem schmalen Weg kommt mir eine Ape entgegen, der scheinen holprige, enge Bodenbeläge nichts auszumachen. Der Weg führt zwischen Gärten hindurch, hier wachsen Rosmarin und sehr aromatische Melisse, verschiedene Obstbäume und Oliven sowie ein Zitronenbaum mit großen Früchten – eine Ausnahme, denn die meisten Zitrusbäume sind schon längst abgeerntet.

    Die Zufahrtsstraße zum Ort wird überquert, der Weg zur Kirche ist inzwischen nur noch bedingt Ape-tauglich.



    Ich entferne mich von den Wegweisern, um das Dorf zu erkunden, wie oft in diesen kleinen Dörfern ist das Dorfinnere nur zu Fuß zugänglich. Außer einer fröhlichen Reisegruppe und ein paar ballspielenden Kindern ist kaum jemand anzutreffen. Die Kirche ist leider verschlossen, aber der Ausblick über die grünen Hügel und zum Meer ist grandios.

    Auf dem Rückweg zur Kirche bestaune ich einen Mini-LKW-Fahrer beim Einparken in einen Hauseingang, es ist Milimeterarbeit, den Kastenwagen durch den Gang und um die Türecke zu bugsieren. Eine Katze möchte ins Haus gelassen werden, aber sie miaut vergeblich, es scheint niemand da zu sein. Selten fährt ein Auto um’s Dorf, um zum hinteren großen Parkplatz zu gelangen. In Lingueglietta, habe ich den Eindruck, ist mehr los um diese Spätnachmittagszeit.



    Teil 2: Lingueglietta – Castellaro

    Nun geht es in die "richtige" Richtung: Santiago de Compostela :-)

    Zunächst verläuft der Weg ein Stückchen am Dorfrand entlang, dann den Hügel hoch. Er ist recht breit und bleibt auch erst einmal so, nachdem die letzten Häuser des Dorfes passiert sind. Aus den steinernen Mauern wachsen Kapernbüsche, und bald säumen wieder Oliventerrassen den Weg – die Erntenetze hängen noch zusammengebunden unter den Bäumen


    Blick zurück


    und nach vorne





    Die Farbe des Tages ist rosa, und über allem liegt der zarte Duft der gelben Blüten der Ginsterbüsche an den Wegrändern (der im Juni sonst eigentlich schon längst nicht mehr blüht). Die Wegweiser seien eine Neuerung der letzten Jahre, hatte ich gehört: Bis vor kurzem kam in Italien wohl keiner auf die Idee, zu wandern oder Rad zu fahren – außer natürlich Rennrad: Die Rennstrecke Mailand – San Remo führt durch das Dorf Cipressa, das auf dem Nachbarhügel liegt, und lockt wohl zahlreiche weitere Radler an, die, gekleidet in verblüffend perfekt in diese Umgebung passende bunte Trikots, unermüdlich und vorwiegend entspannt die Bergsträßchen hochkurbeln und wieder runterflitzen. Die mitgeführten Wasservorräte scheinen mir erstaunlich gering für die doch schon recht hohen Tagestemperaturen.




    Im Vordergrund Lingueglietta, auf dem Hügel dahinter Civezza


    und das ist dieselbe Sorte Schmetterling(?) wie auf Bild Nr. 1, hier von der anderen Flügelseite aus betrachtet

    Ein kurzes Stück durch Olivenplantagen, dann nimmt der Weg eine Abkürzung über einen ziemlich zugewachsenen, steinigen Pfad. Schön ist es hier, der Untergrund ist mit ungewöhnlich saftiggrünem Gras bewachsen. Kleine blaue Schilder weisen auf die Mountainbike-Strecke "Anello di Cipressa", die, in Form kleiner Trampelpfade, über die nächsten Hügel führt. Manchmal wurden auch Rampen aufgeschichtet, wie ich ein paar Tage vorher mal herausfand, als ich den MTB-Schildern folgte.



    Die Wegmarkierung der Via della Costa ist nach wie vor vorbildlich, meistens sind die gelben Pfeile auf Steine aufgemalt. Der Weg gelangt zum Hügelkamm, und somit hat man inzwischen wieder freie Sicht auf’s Meer.




    Ein Stückchen den Kammweg entlang

    Der zunächst geschotterte Weg wird steiniger, inzwischen kommen die Ausflügler mit Auto, die Tage zuvor in der Nähe picknickend die Aussicht genossen, wohl nicht mehr so gut weiter. Außerdem verdunkelt sich der Himmel – entgegen der vor dem Loslaufen gehörten Wettervorhersage



    Die Flora verändert sich, ich entdecke vereinzelt Wermut und etwas skurril-steinzeitlich anmutende gelbe Blüten. Nach wie vor zahlreiche Schmetterlinge fliegen zwischen den Sträuchern hin und her, deren knittrige Blüten aussehen wie die von Heckenrosen, wogegen jedoch die Blattform spricht









    Die Hügelspitze ist markiert durch ein Steinmännchen und gibt die Aussicht auf den folgenden Weg frei



    Ich umrunde einen neu bepflanzten, aber dennoch verlassen aussehenden landwirtschaftlichen Betrieb, aus einer Wellplastikhütte blinzelt mir ein traurig aussehender Hund mit schon sehr grauer Schnauze nach, er gibt keinen Laut und verzieht sich wieder in seinen Unterstand. Leicht beginnt es zu regnen.

    Wegen der sonnigen Wettervorhersage hatte ich vor dem Loslaufen Schirm und Regenjacke leider wieder ausgepackt, schade eigentlich ... Ich stelle mich erst einmal unter einen Baum und überlege, wie ich improvisieren könnte. Regenschauer abwarten?



    Der Weg zieht sich noch lang und relativ baumlos hin, wie ich vorher sehen konnte, und der Regen wird stärker. Immerhin habe ich ein Windshirt und ein Ersatz-T-Shirt in den Rucksacktiefen, für den Fall, dass der Regen aufhört. Also erstmal in Bewegung bleiben. Ich klemme mein Z-Lite-Sitzkissen unter den Rucksack-Brustgurt, damit ich wenigstens ein bisschen Regenschutz habe – mich sieht ja gerade keiner Der Schauer ist inzwischen in ergiebigem Landregen übergegangen, aber zum Glück ist es über 20 Grad warm.

    Der Weg entpuppt sich als weniger reizarm als es von oben den Anschein hatte. Das liegt vielleicht auch daran, dass hier eine andere Vegetation vorherrscht als in meinen sonst bewanderten Gebieten. Immer mal wieder spendet ein Baum ein bisschen Trockenheit, bald aber tropft es auch aus den Blätterdächern. Einige Picknickplätze mit Bänken, Tischen und Feuerstellen locken zu einer Pause, aber jetzt stehenbleiben geht nicht, dann fange ich an zu frieren.

    Mein telefonino piepst, die sms kommt von der ods-hotline in Deutschland, und darin steht die Frage, wo ich eigentlich stecke. Ich muss lachen, da ich gerade sehr offensichtlich wider alle ods-Kenntnisse unterwegs bin: Ohne Nachprüfen anderer Quellen einer einzigen Wettervorhersage vertraut, ohne Regenschutz losgezogen, mitten im Nirgendwo, zunehmend platschnass, yesss!! Das telefonino friemel ich erst einmal wieder, möglichst ohne Zusatzwasser, in seine glücklicherweise noch gefundene Regenhülle – es geht doch nichts über eine einigermaßen vernünftige Rucksack-Grundausstattung, verbunden mit der gesunden Faulheit, nicht vor Beginn einer Wanderung jeden möglicherweise gewichtserschwerenden Gegenstand ’rauszuräumen Am Picknickplatz liegt ein Federhaufen, große schwarze und kleinere blaugestreifte Häherfedern leuchten durch den Regen.


    Resthaus, leider ohne Dach


    Picknickplatz, leider auch oben ohne

    Der Weg zieht sich weiter, den Hügel entlang. Ich betrachte die Vegetation hinsichtlich ihrer Eignung, daraus ein schirmartiges Gebilde zu bauen. Palmwedel wären jetzt gut, nur gibt es die unten im Tal am Strand, die vorhandenen Eichenzweige taugen weniger, Ginsterwedel verflechten ist zu zeitraubend, dazu müsste ich länger stehenbleiben. Ich verwerfe den Gedanken wieder und setze mich restlich unter Wasser beim Versuch, einen gefundenen Plastikreifenschutz unter den Hutrand im Nacken zu klemmen. Seufz.

    Trotzdem: Hübsch ist es hier
    Oben auf der Aussichtsplattform auf der Hügelkuppe steht ein Jeep. Ich linse hinein und sehe jemanden seine Pause genießen: Augen geschlossen, Füße auf dem Beifahrersitz, leises Schnarchen dringt durch die Türen.

    Weiter. Ein kleines Kirchlein (San Bernardo) taucht auf, die Tür ist aber verschlossen. Schade. Ich laufe inzwischen hügelabwärts, der Schotter wurde nun durch Asphalt ersetzt. Das Wasser strudelt sturzbachartig am den Straßenrändern entlang. Da geht noch mehr, wie ich von den Regenfällen eines Vortages weiß, aber immerhin scheint der Regen jetzt etwas weniger zu werden.



    An der nächsten Kurve beschließe ich, es zu wagen, in das trockene T-Shirt zu wechseln, obwohl es schon noch ein bisschen tröpfelt. Mein Baumwoll-T-Shirt ist triefend nass, der G1000-Hut auch. In der Theorie trocknet der Hut immerhin schneller als das T-Shirt was ich mir lebhaft vorstellen kann – T-Shirt auswringen hilft überhaupt nicht. Dankbar schlüpfe ich in das trockene Merino-Shirt, das sich wunderbar warm und kuschelig anfühlt, und langsam nehmen auch die ziemlich durchweichten Rucksackträger wieder Körpertemperatur an.

    An der folgenden Kreuzung entscheide ich mich, nach einem Blick auf’s Navi, gegen Pompeiana und zugunsten von Castellaro. Ist ungefähr gleich weit, und die kleine Straße nach Castellaro sieht man schon, um den nächsten Hügel herum verlaufen. Sie führt über einige kleine Brücken, auf denen die Jakobsmuschelzeichnung nun auch in hellblauer Farbe prangt.


    Blick zurück


    Wegweisungs-Sammelsurium

    Trotz asphaltierter Straße sind kaum Autos sind unterwegs. Am Straßenrand liegt eine plattgefahrene, offensichlich schon eine Weile vor sich hin trocknende Schlange, links von mir geht es wenig später durch Gebüsche heftigst den Berg runter – ganz winzig erscheint die Autobahnbrücke im Tal. Hinter einem Stück Leitplanke steht eine bebilderte Gedenktafel für zwei Freunde, die hier vor ca. 30 Jahren mit knapp 20 verunglückten, man mag da gar nicht weiter drüber nachdenken.

    Die ersten Häuser von Castellaro tauchen auf, es regnet wieder stärker, aber das Merino hält noch immer schön warm. Als ich kurz stehenbleibe, um zu telefonieren, sehe ich im Augenwinkel ein kleines Tier auf den gemähten Seitenstreifen laufen, es erinnert mich an eine Maus, aber wenn, dann eine große. Es ist scheu, deswegen gelingt mir nur ein unscharfes Foto, und wir rätseln später, was es ist. Ratte nicht, Hase aber eigentlich auch nicht, zu kurze runde Öhrchen und die Bewegungen waren nicht hasentypisch. Was ist es?



    Es folgen Oliventerrassen, sehr schön angelegt. Ein Auto hält, die Insassen kurbeln die Fenster runter. Ich blicke auf ein betagtes Paar, sie trägt zahlreiche libellenblaue Spangen im Haar, die ihr sehr gut stehen, und er sagt mehrere Sätze, für deren Verständnis meine Italienischkenntnisse leider nicht ausreichen.

    Dann: "Albergo" – ahja, klar: Rucksack + Trekkingstock + Pilgerweg = hohe Wahrscheinlichkeit einer Suche nach einem Albergo (Herberge). Mir fehlen die Worte, erzählen zu können, dass ich heute kein Albergo brauche, also frage ich "Castellaro?" und finde nach ihrem Nicken noch ein "Buono" in meinem Wortschatz. Grazie Mille – ist ja nicht mehr weit. Sie drehen um, wir winken nochmal, und sie fahren weiter.



    Kurz vor dem tatsächlichen Ortseingang steht noch ein Informationsschild über "Il Cammino dei Liguri", mit Notrufnummern und EU-Förderungslogo – hier scheint sich wanderwegbetreffend einiges zu tun. Vom Haus am Hang aus beäugt mich ein großer wuscheliger Hund, versuchsweise bellt er mal ein bisschen, aber eher schleppend, und scheint sich zu freuen, dass er gleich wieder an sein trockenes Plätzchen zurück kann. Die Straße ist gesäumt von Mandarinenbäumen, die seien nur Deko, höre ich später, und die Früchte sehr sauer. An der Mauer in der Kurve entziffere ich den Schriftzug "Ave Maria" aus im Moment stromloser Lichterkette.



    Der Regen wird wieder stärker, und ich freue mich über meine diesmal ausnahmsweise vorhandene Möglichkeit, incl. trockener Austausch-Klamotten abgeholt werden zu können. Irgendwann mal möchte hier aber trotzdem gerne weiterlaufen, dann aber mit Regenjacke. Und Albergo. Und die Abtei besichtigen, zu der das Hinweisschild "Santuario di Nostra Signora di Lampedusa" führt.



    *

    Wer eine Beschreibung der Strecke inkl. Übernachtungsmöglichkeiten sucht, findet diese z.B. in diesem PDF (Sprache: englisch):
    PHP-Code:
    http://www.viadellacosta.it/wp-content/uploads/2013/06/Via-della-costa-copertina-inglese.pdf 
    Geändert von lina (28.07.2013 um 00:46 Uhr) Grund: ein paar Ergänzungen

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    AW: [FR][IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #35
    Sooo schön! Da könnte ich glatt Irland untreu werden
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

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    AW: [FR][IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #36
    Kann ich sehr empfehlen

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    AW: [FR][IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #37
    Gleiche Gegend, anderer Monat (diesmal Anfang April). Kaum bin ich da, möchte ich schnellstmöglichst die nächsten Hügel hoch, also in die zwei noch eingesteckten Papierkarten geschaut (meine Karte für das Navi hatte ich zuhause vergessen) und ungefähr den Monte Croce angepeilt. Das Navi habe ich mitlaufen lassen, was wider Erwarten gut geklappt hat – es zeigte nicht nur, wie befürchtet, die ganz großen Straßen an, und es war beruhigend, wenigstens ein paar Pfade zu erspähen und abschätzen zu können, wo die nächste Straße verläuft, wenn man eher querfeldein auf Trampelpfaden entlang stratzt.

    Nach einiger Zeit habe ich mich dagegen entschieden, bergabwärts zum Meer zu laufen und laufe stattdessen am Hügelkamm entlang nach Cipressa, anschließend den „Teutonenhügel“ wieder hoch und schließlich auf kleinen Pfaden (die ich viel angenehmer finde als die kurvenreiche Zufahrtsstraße zum Ort) wieder zurück zum Anfang auf dem neuen Sentiero Liguria, der vor Lingueglietta dann gleichlaufend ist mit einem Stück Via della Costa.

    Zunächst die neuen Wegbezeichnungen (wenn man darauf achtet, sieht man, dass in der Anordnung auch ein Richtungshinweis enthalten ist):



    Die weiße Dolde ist wahrscheinlich ein Zwiebelgewächs (riecht jedenfalls so)



    Die gelben Schmetterlinge sind schwer zu erwischen, aber manchmal klappt’s doch


    Postillon (Colias croceus)



    Hügelaufwärts, jetzt auf schon bekannten Wegen der Via della Costa



    Dann bin ich abgebogen auf kleinere Pfade. Spätnachmittags und am Wochenende sind dies vorwiegend MTB-Wege, die manchmal auch unterteilt bzw. an Bäumen oder Steinen markiert sind in Aufwärts- und Abwärts-Pfade



    Der Ausblick zum Meer ist immer da :-)




    Cistus Creticus

    Wunderschöner Ort hier – wieso habe ich eigentlich nicht die Kaffeekochutensilien mitgenommen?



    Auf dem Hügelkamm gibt es auch Wanderwege (nach der gefundenen Losung müssen hier auch einige Schafe durchgekommen sein). In der Gegenrichtung kann man inzwischen auch bis zum Strand schauen:







    Weiter zum Monte Faudo ginge es bestimmt auch über die kleinen gestrichelten Pfade auf der Karte (der Monte Croce ist ab hier ca. in der Mitte (Luftlinie))



    So, Rückweg von Monte Selletta (der, im Nachhinein betrachtet, doch nicht der Monte Croce war): Hier streift der Kammweg den „Teutonenhügel“



    und hier bin ich schon wieder auf dem Rückweg von Cipressa



    Den Wiedehopf hatte ich versehentlich aufgescheucht, aber er war so freundlich, sich in fotografierbare Nähe zu setzen



    Bei der historischen Kirche Chiesa parrocchiale di Sant’Antonio aus dem Jahr 1153 verlasse ich den breiten Wirtschaftsweg



    Schon viel besser





    Die Gegend wird jetzt heideartiger





    und auf dem Sentiero, der hier ein Sträßchen ist, laufe ich wieder zurück





    Man sieht auch im Hinterland, dass man in Italien und in Meeresnähe ist




    Monte Faudo von Lingueglietta aus
    Geändert von lina (10.09.2017 um 21:02 Uhr)

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    AW: [FR][IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur

    #38
    Vielen Dank fuer deinen Bericht!

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