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  1. [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #1
    Mitreisende: Werner Hohn
    Land: Deutschland
    Reisezeit: November 2009 – März 2010 und Juli 2011
    Region/Kontinent: Mitteleuropa

    Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    Linksrheinisch von Rolandswerth nach Bingen

    Den Rheinburgenweg bin ich schon im Frühjahr 2005 gegangen, als Tageswanderungen. Meist war meine Frau dabei, manchmal ein Kumpel. Angefangen haben wir damals in Bingen und sind stromabwärts bis nach Koblenz gewandert. Weiter ging der Rheinburgenweg noch nicht. Eine Markierung, die diesen Namen verdient hätte, haben wir noch nicht vorgefunden und bis in die Wanderkarten hatte es der Weg nicht geschafft. Zur Not haben wir ja noch den 100 Jahre alten Rheinhöhenweg, haben wir uns gesagt. So ist es dann auch gekommen: auf so gut wie jeder Etappe haben wir auf den zurückgegriffen, so dass wir im Nachhinein sagen können, wir sind den Rheinburgenhöhenweg gegangen.

    Heute ist das nicht mehr nötig. Mittlerweile ist die Markierung sehr gut. Wer eine aktuellere als die erste Ausgabe der Rheinsteig-Wanderkarte hat, wird darin auch den Rheinburgenweg auf der anderen Rheinseite finden und ein brauchbares Wanderbuch findet sich in jeder Buchhandlung am Mittelrhein.

    Angefangen habe ich diesmal Anfang November 2009, wieder als Tageswanderungen. Nach 3 Wochen wollte ich mit den 180 Kilometern durch sein. Jetzt, es geht auf Ende Januar 2010 zu, bin ich immer noch nicht durch. Es fehlen noch 2 Etappen bis Bingen und die beiden Klettersteige am Weg auch.

    Letztendlich ist es dann Anfang März 2010 geworden, bis ich das Ende des Rheinburgenwegs in Bingerbrück erreicht hatte. Das war der Preis für den Wunsch nach schönem Wetter.

    Die Angabe der Stromkilometer in den Etappenbeschreibungen haben nichts mit der Wegdistanz zu tun.

    Bad Breisig – Andernach: Irrungen und Wirrungen
    Stromkilometer: 623 – 613



    Die erste Etappe kannst du mit geschlossenen Augen gehen, so oft wie du die schon gegangen bist, hatte ich mir gesagt. Das war in Irrtum. Die Strecke von Bad Breisig nach Andernach zählt zu meinen Lieblings-vor-der-Haustür-Wanderrouten. Aber nur so rum, andersrum habe ich es noch nie probiert, trotzdem bin ich sicher, dass es mir anders nicht gefallen würde.

    Hier war ich auf dem Rheinhöhenweg unterwegs, das zu einer Zeit, in der Weitwanderwege noch Weitwanderwege sein durften und nicht den Messlatten für Tageswanderer gefallen sollten; dann auf dem Europäischen Fernwanderweg E8, weil mir vor Jahren ein Foto für den Wikiartikel gefehlt hat, und noch viel öfter. Bad Breisig – Andernach kann man machen, wenn einem sonst nichts einfällt, wenn man etwas anderes sehen will als Wälder und dunkle Täler. Da gibt es zwei halbfette Anstiege auf felsigen Pfaden, einige schöne Blicke übers Rheintal, oben eine lange Gerade mit weitem Blick in die Eifel, ein einsames Gehöft, dessen Mauern aus Basaltstein so schwarz sind, dass sogar die Fensterscheiben das Licht nicht zurückwerfen, einen alten Steinbruch aus römischen Zeiten; und wenn’s dann sein soll, lässt sich unterwegs einfach abbiegen, hoch ins Brohltal, vielleicht sogar weiter bis Maria Laach.

    Auf dem Weg habe ich mich einmal so verlaufen, dass meine Frau sich gefragt hat, ob die Sache mit der Heirat nicht doch ein Fehler war. Hier bin ich an einem grauseligen Regentag hergekommen, weil ich einen Arbeitskollegen zu Fuß besuchen wollte. Bis weit hinter Andernach habe ich durchgehalten. Aufgegeben habe ich erst in der Einöde Weißenthurms.

    Am meisten zieht wahrscheinlich der Europäische Fernwanderweg. Ob der Weg nun Rheinhöhenweg oder Rheinburgenweg heißt, was soll’s, für mich ist das in erster Linie der E8. Es ist ein tolles Gefühl unten in Bad Breisig an der rauschenden Bundesstraße zu stehen, sich dabei auszumalen wie das nun wäre, nach rechts, bis zur Irischen See oder nach links, bis zum Schwarzen Meer.

    Dass ich den E8 repektive Rheinhöhenweg zum Schluss doch genommen habe, den neuen Rheinburgenweg verlasse musste, hat an der alten Rheinsteigkarte (1. Auflage) und der plötzlich doch äußerst fragwürdigen Markierung gelegen. Beide haben mich am Hüttenhof, noch einer von den einsamen Höfen da oben, dieser hell und neu, im Stich gelassen. Kurzerhand habe ich dann wieder den E8 genommen und bin übers Hochkreuz und die Hütte am Kleinen Stern nach Andernach gegangen. Der schönere Weg ist das allemal. Was soll man an der Burg in Namedy unten im Tal? Die ist jetzt an einen Gebrauchtwagenhändler für Edelkarossen vermietet, wurde mir erzählt.

    Am Hochkreuz hat ein alter Mann mit dem Rücken zum Wald auf der Bank unter dem Kreuz gesessen und dabei weltvergessen zu den schwarzen Häusern nach Eich hinübergeschaut. Der war so weit weg, so alleine, dass ich meine Pause verschoben habe.

    Rolandswerth – Bad Breisig: Zurück auf Los
    Stromkilometer: 641 – 613



    Zwei Tage später stand ich am Tresen im Kartenshop vom Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz in Koblenz. Sicher ist sicher. In der neuen Rheinsteig-Karte hat endlich auch der Rheinburgenweg seinen Platz gefunden. Der ist sogar noch gewachsen. Nach Norden hoch, bis an die Landesgrenze mit Nordrhein-Westfalen, kurz vor Bad Godesberg. Für mich war das ein Rückschritt, denn in Gedanken war ich schon auf dem Weg nach Koblenz.
    Rheinland-Pfalz streckt sich da oben ein ganz klein wenig nach Norden aus. So wie ein geschwollener Finger, der von einer halb geballten Faust absteht. Rheinland-Pfalz ist so jedenfalls zur Insel Nonnenwerth gekommen.



    Dort habe ich dann geparkt, bin hoch zum Rolandsbogen, hab’ mir weiter oben ein kleines Privatrennen mit zwei stockschwingenden Frauen geliefert (verloren) und war nach einer Stunde wieder unten am Rheinufer, am Arp Museum, nur 700 Meter vom geparkten Auto weg. So ist das den ganz Tag weitergegangen. Hoch auf eine Anhöhe, runter in ein Dorf, kurz durch ein Seitental und wieder hoch. Sogar bis ins Ahrtal bin ich gekommen. Das war in Bad Bodendorf. Der Ort ist ungefähr so Bad wie mein Badezimmer Kuranstalt.

    Hinten raus wurde mir die Zeit ganz schön knapp. Das lange Stück von Sinzig bis runter nach Bad Breisig war ein Rennen gegen die nahende Dunkelheit. Da blieb keine Zeit für eine kurze Pause, damit das Gesehene sacken kann. Das Rattern harter Skateboard-Rollen, die dem leeren Kirchplatz in Sinzig auch mit Gewalt kein Leben einzuhauchen vermochten, ist geblieben und der Judenfriedhof oben im Wald zwischen Remagen und dem Ahrtal.



    Der stille unter hohen Baumkronen ruhende Friedhof tief im Wald ist für mich einer der schönsten Friedhöfe meiner Heimat. Dort stehen nur noch die Grabsteine, manche Inschriften sind bis zur Unkenntlichkeit verwittert, auf einigen liegen kleine Steine, die Besucher hinterlassen haben.

    Immer wenn ich jüdische Friedhöfe sehe, denke ich, Tote soll man ruhen lassen. Nicht nur für 25 oder 30 Jahre, damit die Grabstätte für teures Geld neu verschachert werden kann, für immer.

    Andernach – Koblenz: Ein paar Unfälle mit Folgen
    Stromkilometer: 613 – 590



    Vor 400.000.000 Jahren, ungefähr, so genau kommt es nicht, ereignete sich ein nicht unbedeutender Unfall. Aus dem Süden machte sich Gondwana auf den Weg nach Norden, da war aber schon Laurasia und der wollte nicht weichen. Beide waren Nachkommen von Pangaea, dem allerersten und bis jetzt einzigen Superkontinent.
    Und weil beide nicht weichen wollten, sind die beiden Urkontinente zusammengeprallt. Dabei haben die ihre Knautschzone zu Hilfe genommen, woraus das Rheinische Schiefergebirge entstanden ist. An sich ist das nicht tragisch gewesen, denn es war noch niemand da.

    Der nächste Unfall war nicht ganz so folgenreich, hat aber ein Landschaftsbild hinterlassen, das an und für sich nicht hässlich ist, aber doch Probleme macht. Wenn auch sehr viel später und nur für eine ganz spezielle Spezies.



    Vor 70.000.000 oder auch vor 20.000.000 Jahren, vielleicht hat es auch die ganze Zeit gedauert, keine Ahnung, hat sich das rheinische Schiefergebirge an einer ganz bestimmten Stelle gesenkt, woraus das Mittelrheinische Becken entstanden ist. Das war zwischen Koblenz und Neuwied. Im Volksmund heißt das heute Neuwieder Becken. Beide Städte waren damals noch nicht auf der Landkarte zu finden, also war diese Absenkung ebenfalls nicht weiter tragisch.

    Das nächste Ereignis war weniger ein Unfall, sollte aber viele viele Jahre später ein paar Menschen dazu veranlassen, aktiv zu werden. Vor 10.000.000 Jahren hat sich der Rhein zum ersten Mal auf den Weg nach Norden gemacht und nach etlichen Irrwegen und Neustarts hat er vor 2.000.000 Jahren endgültig das Rheinische Schiefergebirge nach Norden durchbrochen. Zum Beispiel an der Andernacher Pforte.

    In der Folgezeit gab es noch mehr Unfälle, die aber nicht ganz so große Auswirkungen hatten, dafür nicht so arg weit in der Vergangenheit liegen. In der Eifel sind die Vulkane entstanden. Angefangen hat das vor 500.000 Jahren und vor 13.000 Jahren erst aufgehört, da ist nämlich mit einem Superknall der Laacher See entstanden. Zufällig war an diesem Tag leichter Westwind von dem die Asche bis ins Neuwieder Becken getragen wurde. Ein Teil ist sehr viel weiter getragen worden, aber das meiste hat sich in meterhohen Schichten als Bims zwischen Mayen, Andernach und Koblenz abgelagert.



    Da gab es den Menschen schon und die waren begeistert von den fruchtbaren Ackerböden und den Bimsablagerungen. So begeistert, dass immer mehr kamen. Schlussendlich waren es so viele, dass ein so genannter Verdichtungsraum entstanden ist. Ein Verdichtungsraum entsteht, wenn es zur Großstadt nicht reicht, weil die Leute an ihren Dörfern hängen. Im Nachhinein kann das auch als eine Art Unfall angesehen werden, denn dem Landschaftsbild hat das überhaupt nicht gut getan. Und weil die Leute Geld verdienen mussten, haben sie den Bims abgebaut, um daraus zum Beispiel Steine zuformen, die sich gut verkaufen lassen. Das machen heute nicht mehr ganz so viele Menschen, aber ein paar doch noch, und so sieht es an manchen Stellen im Neuwieder Becken nicht nach Bilderbuch aus.

    Für sich betrachtet sind das alles keine Unfälle, bis es den Menschen so gut ging, dass sie auf die Idee kamen, Wanderwege müssen her. Das war vor gut 100 Jahren, da wurden die Rheinhöhenwege aus der Taufe gehoben. Einen für die rechten, einen für die linken Rheinhöhen. Unüberwindbare Probleme gab es dabei nicht, bis das Neuwieder Becken an der Reihe war. Man kann es drehen wie man will, der schönste Teil der Welt ist das nicht, unter wandertechnischen Gesichtspunkten schon überhaupt nicht.
    Das ist die Gegend wo Rheinsteig und Rheinhöhenweg rechtsrheinisch einen großen Bogen in den Westerwald machen, weil dem Wanderer der Blick auf die Realität erspart werden soll.

    Auf der Eifelseite war man direkter, vielleicht auch nur bequemer, höchstwahrscheinlich pragmatischer. Augen zu und durch, war hoffentlich die Devise. Geradeaus, immer entlang der Grenze zwischen der Neuwieder Talweitung und den Andernach Terassenhöhen (mal wieder Fachbegriffe aus der Wikipedia) bis zu den Moselhöhen. Dass der Wanderer dabei nicht nur den Verdichtungsraum im Auge hat, sondern auch das stillgelegte Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich, darf unter Mehrwert verbucht werden.



    Heute wird das als fantasielose Wegführung gegeißelt, die man keinen Wanderer mehr zumuten kann und die der sich gefälligst ersparen soll. Für meinen Fall hoffe ich, der Weg bleibt so wie er ist. Und wer hier im tektonischen Senkungsgebiet zur Apfelblüte unterwegs ist, muss nicht mehr nach Japan zum Kirschblütenfest unterm Fuji. Schöner ist es da hinten dann bestimmt nicht.

    Das werden sich die kommunalen Macher des Rheinburgenwegs auch gedacht haben. Kurzerhand haben sie die alte Wegführung des Rheinhöhenwegs genommen, bis auf die letzten Kilometer vor Koblenz. Zwischen Rübenach und der Stadt musste Neues her, prompt fehlt die Markierung. Totalausfall.

    Seit Frühjahr 2011 gibt es eine neue Wegführung für diese Etappe. Der Wanderbericht dazu.
    Geändert von Werner Hohn (17.11.2011 um 16:29 Uhr)

  2. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #2
    Weil ich meist ein ehrlicher Mensch bin, gebe ich zu, dass die Idee mit dem Text neben dem Foto von Christian J. stammt. Allerdings schaut es bei ihm besser aus.

    Also, ich hab bei seinen Fotos in der fotocommunity geklaut, aber er weiß das. Die Fotos hier sind jedoch von mir!
    Geändert von Werner Hohn (25.01.2010 um 20:15 Uhr)

  3. Gerne im Forum

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    AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #3
    Moin moin,
    Schöner Bericht und was für ein Zufall noch dazu. Mache die Tour auch habe im Okt.09 in Sinzig angefangen bis Weißenthurm. Die Zweite etappe dann von Boppard über den Klettersteig( anstrengend mit 22kg im Rücken) nach Weißenthurm (Koblenz habe Ich umgangen).
    Und... Rucksack ist Gepackt Heute gehts los von Boppard. Ziel ist... Schun ma mal wie weit Ich bis Freitag komme

  4. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    Da wo die Berge am schönsten sind, in Sachsen.
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    AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #4
    Hallo Werner,

    na ja, was soll man dazu noch sagen, typisch Werner.

    Feiner Bericht und über die Bildgestaltung braucht man sich ja bei dir auch nicht zu wundern, einfach toll.

    Gruss

    Jürgen
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

  5. Erfahren

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    AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #5
    Selbst auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Klasse Bericht Werner!

    Gruß
    Rainer
    Cheyenne-Häuptling White Antelope: "Nichts lebt lange, nur die Erde und die Berge."

  6. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #6
    Gut, dann mus ich sehen, dass ich mit dem Schreiben vorankomme, vielleicht heute noch. Heute würde passen, denn von heute an ist das Nibelungenlied Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Bis Worms komme ich zwar nicht mehr, aber Nibelungenstraßen schlängeln sich genug durchs Rheintal.
    Geändert von Werner Hohn (28.01.2010 um 15:21 Uhr)

  7. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #7
    Koblenz – Rhens – Koblenz : Rittersturz und Tabellensturz
    Stromkilometer: 590 – 582 – 590

    Wer in der Koblenzer City einen Parkplatz für sein Auto sucht, muss zahlen, es sei denn man kennt einen der ungefähr 15 kostenlosen Parkplätze, die es in der Innenstadt noch gibt. Kritisch wird die Lage, wenn das Auto einen ganzen Tag in der Stadt bleiben soll, dann ist der Gang zum Anlageberater fällig. Dem sollte die Wahl überlassen bleiben, ob besser der Anteil am daniederliegenden Hedge-Fonds versilbert werden soll, oder eine Kreditaufnahme sinnvoller ist. Weg ist das Geld allemal, auch wenn’s nur in einem der unzähligen Koblenzer Parkscheinautomaten steckt. Mir haben alle Optionen nicht gepasst, darum habe ich an der Stätte geparkt, wo die TUS Koblenz ihren derzeitigen Niedergang zelebriert, am Stadion auf dem Oberwerth. Auf dem Parkplatz ist noch kein Geld im Spiel - sofern man dort nur das Auto abstellen möchte.

    Vom Stadion auf dem Oberwerth ist es nur noch ein Katzensprung hoch zum Rittersturz, sogar an einem Tag ohne Farbe, mitten in der Woche. Der Rhein war grau, der Himmel auch, nass und schwarz die kahlen Baumstämme, und die Aussicht von da oben war auch grau.

    Auf dem Rittersturz ein paar Meter über dem Rhein wurde die Bundesrepublik gegründet, nicht direkt, aber so gut wie. Im Sommer 1948 trafen sich hier die Ministerpräsidenten der westlichen Besatzungszonen, um nach den Vorgaben der westlichen Alliierten Nägel mit Köpfen zu machen. Als die Köpfe fertig waren, sahen die Nägel wie das kommende Westdeutschland aus, und weiter drüben im Osten fing das Gradekloppen der verliebenden Nägel an.

    Wo damals ein Hotel stand, steht heute eine windschiefe Basaltsäule inmitten eines Kreises aus 16 Tortenstücken. Der Rittersturz ist beliebt, nicht nur wegen der Aussicht beim alljährlichen Spektakel Rhein in Flammen, auch für frisch Verliebte mit Auto ohne eigenes Zuhause, bei Hundehaltern, für Saufgelage und so weiter.

    Früher, als noch viele Fans wussten, dass die TUS kein Koblenzer Verein ist, sondern, wenn man ehrlich ist, ein Neuendorfer, also ganz weit früher, wurden die Spieler oft vom Trainer hoch auf den Rittersturz gejagt, damit es was wird mit der Kondition. Geschadet hat das nicht. So gesehen hat der Rittersturz einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Aufstieg der TUS Koblenz.
    Es wird nicht schaden, die ortsunkundigen Trainer von heute bei Gelegenheit auf die Steilstrecke direkt vor dem Stadion hinzuweisen. Sonst dauert es nicht mehr lange, dann spielt die TUS Koblenz wieder auf der Wiese zwischen dem Rhein und den Fachwerkhäusern von Neuendorf. Schöner ist es da allemal, besonders in der warmen Jahreszeit, wenn der Fußballfan in der Halbzeitpause den Schiffen auf dem Fluss zuschauen kann. Und vielleicht kommt dann auch wieder ein Halbländerspiel zwischen der TUS Neuendorf und der Nationalmannschaft von Jamaika zustande. So wie das Thomas C. Breuer in seinem Büchlein „Sekt in der Wasserleitung“ beschrieben hat. „Rastas auf dem Oberwerth“ hat er die Länderspielepisode genannt. Dafür musste die TUS damals auch schon aufs Oberwerth.

    Wenn der heutige Trainer seine Spieler schon oben auf dem Rittersturz hat, sollte er sie weiterscheuchen. Etwa über den Rheinburgenweg bis nach Rhens. Das geht immer nur leicht rauf und runter, genau das richtige Auf und Ab für den Konditionserhalt. Schon bald werden die wenigen Aussichtspunkte vergessen sein und die Spieler können sich ungestört aufs Laufen konzentrieren, es sei denn, der Trainer scheucht sie runter zum Schloss Stolzenfels oder schiebt als kleine Geschichtseinlage den kurzen Umweg zum römischen Merkurtempel dazwischen.

    Sonst ist da nichts, was ablenkt. Laufen durch nassen Buchenwald und nassen Fichtenwald, bis Mannschaft und Konditionstrainer kurz vor Rhens aus dem Wald kommen und ungeplant eine Pause einlegen werden. Wer vor Erschöpfung nicht mehr stehen kann, darf sich auf ein Möbel mit Migrationshintergrund setzen. Eine Rothaarsteigbank mit der typisch geschwungenen Lehne bietet Platz und Muße für die Aussicht übers Tal, hinüber zum anderen Rheinufer, wo mitten im Hang die Marksburg steht. Eigentlich ist die viel zu weit weg, um sonderlich aufzufallen, aber wenn eine weißverputzte Burg an einem grauen, dunklen und nassen Novembermittag so unverhofft im winterbraunem Wald auftaucht, ist das schon eine Überraschung.

    Nach der Pause müssten die Spieler dann nur noch den Berg hinunterlaufen, es sei denn, ein geschichtsbewusster Trainer lässt die Mannschaft noch einen kleinen Umweg zum Rhenser Stadtrand machen. Dort steht der Königsstuhl. Vor langer langer Zeit, sogar über einen sehr langen Zeitraum hinweg, wurde hier immer wieder Geschichte gemacht, deutsche, leider keine republikanische. Mehr der Klüngel unter den Großen, Bedeutenden jener Zeit, sozusagen den Ministerpräsidenten von damals. Nicht genau dort, wo das Gemäuer heute steht, unten in der Stadt war das. Aber das ist nun auch egal, denn es gibt keine geschichtsbewussten Fußballtrainer. Geschichte und Laktatwerte wissen nicht voneinander.

    Mittags war ich schon in Rhens. Das war mir zu früh für die Rückfahrt mit dem Zug. Da bin ich halt zu Fuß über den alten Leinpfad und wo der gefehlt hat über den Rheinradweg zurück aufs Oberwerth gegangen. Immer, oder fast immer am Ufer entlang. Bei Dauerregen kann man das machen, dann ist kein Radfahrer unterwegs.
    Fußballspieler auch nicht. Es kann sein, dass die bei so einem Wetter im Trocknen sitzen und Sekt trinken. Vielleicht direkt aus der Wasserleitung. Das soll in Koblenz schon einmal möglich gewesen sein. Der oben erwähnte Thomas C. Breuer erzählt das in seinem Buch. Angeblich haben Handwerker einer Koblenzer Sektkellerei bei Reparaturarbeiten Wasser- und Tankleitungen vertauscht. Dabei sollen sie so gründlich gewesen sein, dass die Bewohner der umliegenden Viertel Sekt aus der Wasserleitung zapfen konnten.
    Ob das stimmt, oder nur der Fantasie des Autors entsprungen ist, sei dahingestellt. Aber eine schöne Geschichte ist das allemal. Unbestritten wahr ist, dass die TUS einen Haufen Spielfantasie aufbringen muss, damit das was wird mit dem Verbleib in der Zweiten Liga.

    So, wer bis hierhin gelesen hat, wird sich fragen, warum so viel Text, und dann auch noch über die TUS Koblenz, Bilder hätten es auch getan. Stimmt, nur die waren mit einem unbemerkten Klick weg, haben Platz gemacht für die nackten Frauen von Oberwesel und den Schnee auf den Rheinhöhen. Da musste halt etwas Text her. Bis die Schnee- und Frauenbilder mit Text umrandet sind, wird es noch etwas dauern. Dazwischen kommt noch unser Kneifen am Klettersteig und der Vormarsch des Englischen.

    “Sekt in der Wasserleitung“ Thomas C. Breuer, Maroverlag Augsburg
    Geändert von Werner Hohn (20.02.2010 um 20:00 Uhr)

  8. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #8
    Prima Werner, schön gemacht, sehr schön.

    Die Kalkschlämme auf der Marksburg macht sich doch prächtig, früher waren fast alle Burgen verputzt, und das Mittelalter war bunt, nur Fußballtrainer interessierts halt nicht
    Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------Boykott FIFA WM 2018
    Mit erkaltetem Knie;-------------------------------------------in Russland
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,------Keine Sendeminute! Kein Klick!
    Der über Felsen fuhr.________havamal
    --------"Was darf Satire?-Alles!" Tucholsky.

  9. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #9
    Ja, dass die Marksburg und viele andere Burgen im Mittelalter weiß waren, hat die Anwohner doch sehr überrascht. Den meisten ist das erst richtig bewusst geworden, als die Japaner die Marksburg kopiert haben. Über viele Jahrzehnte kam diese Burg ja im Burgtarnbraun rüber. Ein gutes Beispiel sind die Feindlichen Brüder, ein paar Kilometer den Rhein hoch.

  10. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #10
    Rhens – Boppard: Da verzichteten sie weise auf den spannenden Teil der Reise
    Stromkilometer 582 – 569



    An einem Samstag gegen Ende November sind wir diese Etappe gegangen. Besseres Wetter als das auf der Etappe davor hatten wir da auch nicht. November ist eben November. Kalt und windig war es und kurz vor Boppard hatte es angefangen zu regnen. Meine Frau war alles andere als begeistert, aber sie wollte unbedingt mit. Sie will immer mit, wenn es nach Boppard geht, egal, ob nach oder ab. Jugenderinnerungen.

    Bis zum Jakobsberg hatte sich das Wetter noch gehalten, danach wurde es bescheidener. Vielleicht, weil wir uns nicht für jeden Meter an den Rheinburgenweg gehalten haben. Wir wollten auf direktem Weg zur Bopparder Hamm, immerhin die größte Rheinschleife, und haben uns den Umweg durch ein Seitental gespart, indem wir auf einen der in Rheinland-Pfalz überall sprießenden „Traumpfade“ ausgewichen sind. Das war der „Traumpfad Rheingoldbogen“. Das Wetter hat gehalten, bis wir wieder auf dem Rheinburgenweg am Jakobsberg waren. Vermutlich soll man Traumpfade nicht mit Burgwegen zusammenschmeißen.



    Wir hätten auch runter bis nach Spay an den Rhein gehen können. Alles über eine Variante vom Rheinburgenweg. Was die alternative Wegführung durch Spay bezwecken soll, hat sich mir nicht erschlossen. Da ist nur die Schottelwerft und an der Bundesstraße 9 steht ein Kirche mit einem mächtigen Turm. Der Kirchturm ist so breit, so hoch und so haargenau in die Blickachse zur Marksburg gestellt, dass der sich nach und nach vor die Marksburg schiebt, bis der aus Süden kommende Autofahrer nur noch den dunklen Ziegelsteinturm der Kirche sieht. Dahinter könnte Absicht stecken.

    Die Sache mit dem Klettersteig hatte ich meiner Frau verschwiegen, sonst wäre die erst gar nicht dorthin mitgegangen. Anfangs sah das eher nach einem Waldspaziergang aus, und wir fingen schon mit dem Lästern an. Ein Klettersteig für weinselige Holländer oder so. Bis es steiler wurde. Rutschiger wurde es auch. Die erste Leiter sind wir noch runter. Bei der zweiten Leiter hat es gestunken. Das kam aus der Kläranlage, 50 Meter unter uns. Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem ich Überlegungen angestellt habe, ob die große Witwenrente für ein angenehmes Leben reicht.



    Dort habe ich wider Erwartung und aller Erfahrung abgebrochen. Mir hat die gewohnte Trittsicherheit auf dem rechten Fuß gefehlt. Da fehlte noch ein ganzes Stück an dem Sicherheitsgefühl früherer Zeiten. Meine Frau war stinksauer, weil wir alles wieder zurück mussten. Der Klettersteig ist ihr wurscht. So was sortiert sie in die Schublade „Überflüssiges“ ein. Zufrieden war sie erst, als wir unter den Drahtseilen der Seilbahn nach Boppard hinabgestiegen sind. Auch wenn das kein Klettersteig ist, einer der schönsten Abstiege am Mittelrhein ist das immer noch.

    Boppard – St. Goar: English spoken
    Stromkilometer: 569 – 556



    Wenn das Wetter mitspielt, ist diese Etappe eine der schönsten des gesamten Rheinburgenwegs. Das war mir noch von der nun auch beinahe schon 5 Jahre zurückliegenden Wanderung in Gegenrichtung im Gedächtnis geblieben; sogar Einzelheiten aus der Wanderung auf dem Rheinhöhenweg. Das war noch einige Jahre früher. Damals war ich ebenfalls in Boppard gestartet und bin mit der Abenddämmerung in St. Goar angekommen. Den Rhein hatte ich nur beim Start und bei der Ankunft gesehen, dazwischen nur Wald und ein lichter Ausblick über den Hunsrück bei Karbach. Noch heute erinnere ich, es war ein sehr langweiliger Tag. Das war mehr Waldhöhenweg, denn Rheinhöhenweg.

    Wer immer den Rheinburgenweg zwischen Boppard und St. Goar dorthin gelegt hat wo er jetzt ist, hat vielleicht an den Rheinhöhenweg oben im Wald gedacht, und sich gesagt, so nicht, und was er daraus gemacht hat, ist gelungen. Hier ist der Name des Rheinburgenwegs Programm: Immer dicht an der Abbruchkante zum Rhein entlang und immer wieder eine Burg, die hier meistens auf der rechten Rheinseite herumstehen.



    Mein spanisches Büchlein „GUÌA ILUSTRADA A TODO COLOR El Rin desde Magunica a Colonia“ (Rahmel-Verlag) listet für die paar Kilometer fünf Burgen auf: Los Hermanos Enemigos (Castillo de Sterrenberg y Castillo de Liebenstein), Castillo de Maus, Castillo de Rheinfels, Castillo de Katz und als Zugabe noch das Monasterio de Bornhofen. Bis auf die Burg Rheinfels, alle am jenseitigen Ufer, was der Sache aber keinen Abbruch tut.

    Das Büchlein hatte ich mir in der Koblenzer Bahnhofbuchhandlung gekauft. Dort ist ganz hinten an der Wand ein schmales Regal, voll mit einer Auswahl an schmalen Büchern, die ob ihrer Monotonie schon wieder beeindruckend ist. Alle bieten auf maximal 100 Seiten so um die 120 farbgewaltig leuchtende Fotos. Entweder den Rhein rauf oder den Rhein runter, und das in allen Sprachen dieser Welt. Chinesisch muss zurzeit der Renner sein, denn diese Bücher hatten vorsorglich zwei Reihen im Regal belegt. Und hinten drin haben alle Bücher eine Ausklappkarte, deren Machart mich prompt in meine Kindheit versetzt hat. Aber billig sind die Dinger. 3 Euro 80 hat meins gekostet, daran würde jeder hochpreisig gebundene Buchhändler verzweifeln. Der Kauf des dünnen Büchleins war mein Zugeständnis ans Welterbe der Menschheit.



    St. Goar ist nicht schön. Vermutlich sehen das nicht alle so, aber ich. Für Ortsfremde einmal im subjektiven Schnelldurchgang von unten nach oben: Der Rhein. Ein schmaler Uferstreifen. Ein kleiner Park, sehr klein. Ein Streifen kostenpflichtiger Parkplätze, dicht an dicht. Die Bundesstraße 9, eine Hauptverkehrsader der Republik. Ein kleiner Platz unterhalb der Kirche, oft voller Autos. Zwei Querstraßen, die eine hinten im Dorf, dafür lang und eng, die andere unten, direkt neben der B9. Letztere ist die Straße für die Touristen. An der engen Straße oben, direkt hinter der Kirche, der schwarze Bahnhof. Dahinter die Bahngleise, zweispurig. Bei dem ein oder anderen Hotel oder Laden glänzen im Erdgeschoß die Scheiben und Auslagen, während ein Stockwerk höher die Gardinen grau geworden sind oder die Fensterrahmen still vor sich hinfaulen. Das ist St. Goar am Rhein.

    Wer jedoch mit der Fähre von der anderen Seite kommt, sieht das nicht. Die Panoramaansicht mit der Burg Rheineck oben rechts, ist toll. Im Sommer, wenn die Busse alle Parkplätze belegen und ins Seitental ausweichen müssen, wenn an jedem Schiffsanleger ein Flusskreuzfahrer festgemacht hat und ungeduldige Autofahrer mit laufendem Motor am Rand der Bundestraße auf einen freien Parkplatz warten, dazu die Bimmelbahn ihre Kreise zieht, fällt das auch nicht auf.



    In St. Goar am Rhein spricht man Englisch. Es war ein früher Dezemberabend mitten in der Woche, an dem ich von den Rheinhöhen unten im Dorf angekommen bin. Durch die kurze menschenleere Fußgängerzone irrte ein Pärchen aus dem fernen Asien. Sonst war niemand zu sehen, nur ein Ladenbesitzer, der gelangweilt vor dem Laden stand, um eine Zigarette zu paffen.
    An jedem dritten Schaufenster hängen dort Schilder „English spoken“ oder „Ask for free shipping“. Kuckucksuhren, Bierkrüge und Taschenmesser werden in den Läden verkauft. Ganz am Ende der kurzen Straße hängt vor einem Laden die angeblich "Largest free hanging handcarved cukoo-clock of the world!". Komplettiert wird die Straße mit einem oder zwei Bäcker, einem Metzger, dem in solchen Orten und Straßen nie fehlende Drogeriemarkt und dem Dorfladen. Der ist geschaffen worden, damit die Leute nicht fürn Appel oder das Frühstücksei mit der Fähre rüber nach St. Goarshausen müssen. Denn dort gibt es zwei Supermärkte, dafür hält sich das Angebot an Kuckucksuhren sehr in Grenzen, hatte mir der Mann an der Kasse gesagt.



    St. Goar lebt von der Loreley, auch wenn die hier nicht zu sehen ist, vom Mythos Mittelrheintal, den Burgen ringsum, und noch immer 30 Jahre in der touristischen Vergangenheit. Daran hat auch der touristische Glücksfall UNESCO-Welterbe nichts ändern können. Wenn ich meine Kinder für einen langen Nachmittag nach St. Goar schleppen würde, könnte das ernsthafte Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung haben.
    Geändert von Werner Hohn (19.02.2010 um 13:39 Uhr)

  11. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #11
    Nachwievor klasse,
    wir schätzen die Schönheit der Rheinorte scheibar gleich,
    wenn es so bleibt wie es ist kann man bald ein 60er/70er Jahre Museum draus machen.
    Einzig netter Ort, den ich dort kenne ist Bacherach, der freilich auch unter Tourismus leidet.
    Oberwesel und Boppard kenn ich noch nicht.
    (Rheindiebach ist auch in den 70ern stehen geblieben.)
    Immer wieder vergessen wird die Burg Osterspay, am Rheinufer, zwischen Kamp-Bornhofen und Welmich. (Ein gotischer Wohnturm mit Ecktourellen, weitläufigen Umfassungsmauern und Romanischer Kapelle)
    Irgendwo gegenüber von Welmich soll am Burgenweg die Burg Petersberg/Thurneck (Erzbistum Trier) gelegen haben, sofern sie überhaupt begonnen wurde, geplant war sie jedenfalls, Reste gibts keine.
    Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------Boykott FIFA WM 2018
    Mit erkaltetem Knie;-------------------------------------------in Russland
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,------Keine Sendeminute! Kein Klick!
    Der über Felsen fuhr.________havamal
    --------"Was darf Satire?-Alles!" Tucholsky.

  12. Erfahren

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    AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #12
    Hallo Werner,

    folgender Beitrag ist heute bei http://www.swr.de/nachrichten/rp/kob...lia/index.html
    zu lesen:

    Klettersteig in Boppard gehört zum "Land der Ideen"
    Der Klettersteig gehört in diesem Jahr zu den Projekten, die von der Initiative "Deutschland- Land der Ideen" ausgewählt wurden. Deshalb veranstaltet Boppard am 17. August einen Klettertag. Den Klettersteig mit Trittbügeln, Drahtseilen und Leitern gibt es seit fünf Jahren im Unesco-Welterbe-Tal. Der alpine Bergpfad entstand fast aus der Not heraus, denn der damals angedachte Wanderpfad musste um Weinberge herumgeplant werden, weil die Winzer Sorge um ihre Beeren hatten, so Boppards Bürgermeister Walter Bersch. Mittlerweile kraxeln mehrere tausend Menschen im Jahr den Steilhang entlang. Der Klettersteig wurde von der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" zum ausgewählten Ort am 17. August bestimmt. "Das Land der Ideen" ist eine Initiative unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler. An jedem der 365 Tage im Jahr rückt ein anderer Ort, ein anderes Unternehmen oder eine soziale Einrichtung mit seinem Engagement in den Mittelpunkt und stellt sich der Öffentlichkeit vor. In Rheinland-Pfalz wurden dieses Jahr allerdings nur 6 Projekte ausgewählt.



    Gruß
    Rainer
    Cheyenne-Häuptling White Antelope: "Nichts lebt lange, nur die Erde und die Berge."

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    Avatar von Flachlandtiroler
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    AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #13
    Oops, ihr seid den "Klettersteig" hinunter? Das ist vielleicht nicht wesentlich schwerer, aber für den Ungeübten sicher sehr viel exponierter -- muß man doch nach unten gucken...

    Im Prinzip besteht der "Klettersteig" nur aus diesem ersten Abstieg. Die restlichen versicherten Stellen kann man alle auf einem Trampelpfad umgehen AFAIR.

    Gruß, Martin

  14. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #14
    Ja, wir sind halb runter und dann wieder hoch. Wir waren uns nicht sicher, was noch kommt. Und wie geschrieben, zu der Zeit war die Trittsicherheit auf meinem rechten Bein noch nicht ganz wieder da. Is'n blödes Gefühl, wenn du nicht sicher bist, ob der Fuß nun auf der Leiter steht oder vielleicht doch nicht. Im Frühjahr wird der Klettersteig nachgeholt, dann in der Hauptgehrichtung.

    Werner
    Geändert von Werner Hohn (05.02.2010 um 12:41 Uhr)

  15. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #15
    Zitat Zitat von eifelwalker Beitrag anzeigen
    Hallo Werner,

    folgender Beitrag ist heute bei http://www.swr.de/nachrichten/rp/kob...lia/index.html
    zu lesen:

    ... Mittlerweile kraxeln mehrere tausend Menschen im Jahr den Steilhang entlang.


    Gruß
    Rainer
    Das ist am Ende der Leiter/Bügel mehr als deutlich zu sehen. Der "Pfad" ist dort so breit (bis 10 m), dass zwischen den Bäumen nichts mehr wächst und Laub liegt da auch keins mehr. Dort setzen die Leute zum Überholen an, wenn es sein muss mehrspurig. Jedenfalls sieht das so aus. Oben, wo es flach wird, kann wieder von Pfad geredet werden.
    Geändert von Werner Hohn (05.02.2010 um 12:42 Uhr)

  16. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #16
    St. Goar – Oberwesel : Kein Wintermärchen
    Stromkilometer: 556 – 549



    Anfang November, als ich zur ersten Etappe gestartet bin, war ich sicher, der Rheinburgenweg ist bis zum Monatsende runtergespult. Die ersten Wanderungen hatte ich noch zügig aneinandergereiht. Dann wurden die schönen Tage seltener, der November zum Ende hin grau, der Dezember überwiegend auch und schon waren Weihnachten und Neujahr vorbei. In der ersten Januarwoche war ich immer noch nicht über St. Goar hinausgekommen. Bingen, das Ende des linksrheinischen Burgenwegs, wollte ich nun mit zwei langen Etappen erreichen. Jedenfalls hatte ich mir das fest vorgenommen.

    Dass daraus nichts werden sollte war schon abzusehen, als ich mein Auto auf dem Parkplatz am Rhein abgestellt hatte. Saukalt war es, sogar unten im Tal, und oben auf den Rheinhöhen war Schnee zu sehen. Ein eher seltener Anblick für diese Region. Winter hin, Winter her.
    Trotz steilem Anstieg war mir nach einer halben Stunde der Mund eckig gefroren. Das hat nicht mal die kräftige Wintersonne ändern können, die nach und nach ein Loch in den morgendlichen Hochnebel gebrannt hatte.

    Die halbe Strecke zwischen St. Goar und Oberwesel hat man immer die Loreley im Blick. Mal unwirklich im Gegenlicht, dann beinahe greifbar nahe, so nahe, dass man versucht ist mal eben dahin zu gehen. Erst hinter Urbar gerät der Felsen endgültig aus dem Blick.

    Auf der Loreley wehen in der Saison Fahnen, nur im Winter sind die Masten kahl; und das Geländer, an die sich im Sommer die halbe Welt fürs Panoramafoto lehnt, ist verweist; und die Musik, die leise vom Fluss hochschallt, verhallt ungehört im leeren Winterhimmel.
    Denn immer wenn unten auf dem Rhein ein Ausflugsschiff um den Fels biegt, schiebt die Schiffsmannschaft die CD mit dem Loreleylied ins Gerät. Das wird durch die Bordlautsprecher gedudelt, bis der Felsen achteraus liegt. Stromauf kann das bei schwachbrüstigen Dampfern dauern, dann muss die „gewaltige Melodei“ öfter ran.



    Dass ausgerechnet ein Gedicht von Heinrich Heine das kitschige Bild vom „Deutschen Rhein“ in die Welt transportiert, dürfte ihm wunderlich vorkommen, wenn er es denn wüsste. Und die Unverbesserlichen, die den Rhein immer noch als den deutschen Strom sehen, an dem nur ein kleines Stück weiter flussauf immer noch die „Wacht“ gehalten werden muss, sei „Deutschland. Ein Wintermärchen“ anempfohlen – ist auch von Heinrich Heine.

    Im Gegensatz zur ewigen Jungfreulichkeit verdonnerten Blondine auf dem Felsen, brauchen die Frauen, die mit blankem Busen im Urbarer Skulpturenpark der winterlichen Kälte trotzen, noch etwas, bis daraus Kunst geworden ist. Von dem anderen Kram, der auf den Wiesen oben am Hangabbruch steht, ganz zu schweigen. Einiges sieht zu sehr nach „Ohh, die machen einen Skulpturenpark für einheimische Künstler, da werf’ ich doch auch ein paar Steine hin!“ aus.

    Nach drei Stunden, zugegeben viel Zeit für 10 Kilometer Weg, war ich in Oberwesel. Dort bin ich den Zug nach St. Goar gestiegen. Trotz Sonne, Bewegung und dicker Verpackung war mir kalt. Den Winter habe ich noch nie gemocht, darin wird sich nichts mehr ändern.
    Geändert von Werner Hohn (23.05.2010 um 19:04 Uhr)

  17. Dauerbesucher
    Avatar von Hexe
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    AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #17
    Sehr schön geschrieben und tolle Fotos.... weiter so.

    Gruß Hexe
    Nach Fletchers Flugkrankheits-Index steht die Papageienkrankheit an fünfter Stelle des - am liebsten wäre ich tot - Indexes. Der höchste Grad der Krankheit wird vom Großen Seitenscheiteladler erlitten, der über drei Länder auf einmal reihern kann.
    - Terry Pratchett -

  18. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #18
    Werner, auch von mir ein Dank.
    Leider hats auf der Etappe keine Burgen.
    Vom Heine hab ich eine Spolie auf dem Balkon hängen, weil:

    "Von Köllen war ich drei Viertel auf acht
    Des Morgens fortgereiset;
    Wir kamen nach Hagen schon gegen drei,
    Da ward zu Mittag gespeiset."

    Ein Stück des Flügelrahmens der Tür, durch die er zum Speisen schreiten musste, hab ich verwahrt.

    Die Speisestätte war schräg gegenüber des GöGa-Kindheitshaus.

    Übrigens war ich in den 90ern mal einen Abend zu Gast bei einer Geburtstagsfeier auf dem Haus einer schlagenden Verbindung in Bochum (UB), ein scheußlicher Abend.
    Bei einem Blick in ein dort ausliegendem Liederbuch, neuerer Auflage stand da doch tatsächlich zum Loreleilied "Verfasser unbekannt"
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  19. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #19
    Ja, Heine der "Vaterlandsverräter", bis heute gibt es Unbeirrbare, die das so sehen.

    Nun denn, getrieben von einer Hexe und einem Burgenfan soll es hier weitergehen. Dafür muss ich aber erstmal raus an die frische Luft. Zum Glück ist der Winter auf dem Rückzug.

  20. AW: [DE] Rheinburgenweg – Gegen den Strom

    #20
    Oberwesel - Niederheimbach: Italien hat auch was
    Stromkilometer: 549 - 539



    Ganz kurz, sehr hoch und steil, ein Brocken, der sich dem Wanderer in den Weg zu stellen scheint, das ist die Oberweseler Liebfrauenkirche, die am südlichen Stadtrand des Rheinstädtchens fast aus dem Hang wächst und sich wie ein Querriegel gegen das Tal stemmt. Beinahe wie eine gewollte Mauer gegen alles was aus dem Süden kommt. Dass diese Kirche unglaublich schlank ist, sieht man nur vom anderen Rheinufer, vom Rheinsteig etwa oder noch besser vom Deck eines Rheindampfers - obwohl, Dampfer fahren nicht mehr auf dem Rhein.

    Irgendwo neben der Kirche führt der Rheinburgenweg hoch zur Schönburg, das war mir noch in Erinnerung. Suchen musste ich trotzdem. Die Schönburg ist auch so ein Brocken. Untenrum nur dicke, hohe Mauern, mal in Sandsteinrot, mal in Sandsteinnatur. Erst sehr weit oben wagen sich eine überschaubare Anzahl von Erkern und Türmchen aus dem Schutz dieser Mauer.




    Als ich oben ankam, war mein Rücken klitschnass. Die Frühlingssonne, wenn auch noch in kleinen Dosen, sollte den ganzen Tag dafür sorgen, dass der Rücken nicht mehr trocken werden würde. Frühlingssonne bis hinein in die Weinberge, die sich hier mehr in die kleinen Seitentäler ausbreiten, denn dem großen Fluss folgen. Zwischen den kahlen Rebstöcken waren Menschen zu sehen, die dünne, bunte und sehr lange Druckluftschläuche hinter sich herzogen. Winzer beim Rebschnitt. Das leise und gleichmäßige Rattern kleiner Kompressoren war in den Weinlagen zu hören, und dazu noch das charakteristische leise Zischeln druckluftbetriebener Ventile. Moderne Weinbauromantik! Bei mehr als 100.000 Schnitten pro Hektar Wein, sind die Scheren eine verständliche Erleichterung. Ich würd‘ die Dinger auch nehmen, Rheinromantik hin oder her. Bis zum den Schiffen, auf deren Decks die meisten Besucher mit Rheinromantik bedudelt werden, sind die Scheren und Kompressoren sowieso nicht zu hören.



    In Bacharach waren mir auf der langen Treppe, die an der immer und immer verrammelten Ruine der Wernerkapelle den Berg hochführt, die ersten Urlauber aus Italien entgegen gekommen. Später sollten noch mehr kommen.

    Eine gute halbe Stunde vorher hatte ich noch hoch über der Burg Pfalzgrafenstein gestanden. Die alte Zollburg liegt mitten im Rhein, und ist somit gerade von den Rheinhöhen hinab ein Fotomotiv erster Güte. Leider hat die Schneeschmelze ein schönes Foto vereitelt. Eine Zollburg mitten im grünen Rheinwasser, dass wär es doch gewesen. Über die braune Brühe hatte ich mich schon ein bisschen geärgert.



    Wer es bis zur Wernerkapelle in Bacharach schafft, schafft auch noch die Höhenmeter bis zur Burg Stahleck. Ganz Faule können auch mit dem Auto bis vor die Mauern der Burg. Schließlich ist dort eine Jugendherberge drin. Der Traum aller Herbergsväter und geschichtsbewusster Pädagogen.

    Die Italiener im Burghof waren zu Fuß gekommen. Das Gemaule der Kinder war eindeutig. Eine italienische Reisegruppe auf einem Burghof dessen Mauern die Wärme der Frühlingssonne festhalten, darüber blauer, wolkenloser Himmel, das hat etwas von der Leichtigkeit des Südens. Eine bessere Zeit für eine Pause konnte es nicht geben. Einen ruhigen und windstillen Platz hatte ich mir gesucht, die Jacke ausgezogen, die Augen geschlossen und den melodischen Wortfetzen zugehört, die aus der anderen Ecke des Burghofs zu mir herüber wehten. Ende Februar war das wie ein Kurzurlaub im Zeitraffer. Vielleicht sollte ich mal wieder nach Italien fahren.

    Im Vorbeigehen gab es aus der Ferne einen Blick auf die Ruine der Burg Fürstenberg. Von der steht nur noch der Rundturm, mehr oder weniger. Im Gegensatz zu den meisten Burgen oder Ruinen am Rhein, kann man diese Burgruine für sich alleine haben - wenn man denn den Zugang findet.



    Aufgehört hatte ich in Niederheimbach, obwohl ich ursprünglich ein Stück weiter gehen wollte. Trechtingshausen sollte es werden. Dann wäre jedoch die letzte Etappe sehr kurz ausgefallen.
    Niederheimbach hat immerhin einen Bahnhof, von dessen Bahnsteig man einen schönen Blick hinüber nach Lorch hat, dazu einige sehr bunte, nicht von der Rheinromantik geschwängerte Häuser, und, klar, eine Burg gibt es da auch, die Heimburg.

    Niederheimbach - Bingerbrück: Mal eben bis zum Ende
    Stromkilometer: 539 - 529



    Wer von Niederheimbach dem Rheinburgenweg nach Süden folgt, muss unweigerlich an einem Ensemble großer Märchenfiguren vorbei, die den Aufstieg zur Heimburg flankieren. Egal, ob es einem gefällt oder nicht. Mir gefällt es nicht. Das ist Resteverwertung aus einem Märchenpark im Still der siebziger, huch, nein, sechziger Jahre. Schreddern, Sondermüll, ab damit.

    Die letzte Etappe des Rheinburgenwegs führt durch den Wald. Viele Buchen und Eichen, zum Glück wenig Fichten. Ganz zum Schluss kommt doch noch ein Steig dazu. Die Macher vom Soonwaldsteig haben sich das Rheintal und ein, zwei anständige Burgen nicht entgehen lassen. Was muss, das muss!

    Die Höhepunkte auf dieser Etappe sind die Burg Sooneck, die Burg Reichenstein, die Burg Rheinstein, das Morgenbachtal und zum Schluss der Binger Mäuseturm, der mitten im Rhein steht.

    Die Sooneck liegt nicht haarscharf am Rheinburgenweg. Ein paar hundert Meter Umweg sind das schon, die ich mir auch gegönnt hatte. Der Eintritt war mir aber doch zu happig, also weiter zum Morgenbachtal. Das enge Tal ist auch in winterlicher Kahlheit schön und kostet nix.



    Den Umweg zur Reichenstein hatte ich mir gesparrt, denn die liegt bei der von mir gewählten Variante über den Gerhardshof etwas weit weg vom Schuss. Der Blick von oben durch die Bäume hatte mit gereicht. Die Burg Rheinstein war wegen Umbauarbeiten verrammelt, und zum Mäuseturm zu gelangen, jedenfalls bis auf das Inselchen, ist fast unmöglich. So wichtig war das alles auch nicht mehr. Hauptsache bis zum Ende, damit‘s komplett wird.

    Irgendwo bei Oberwesel hatte ich den Rheinburgenweg als Weg durch meine Heimat verlassen. Ab da war es nur ein Wanderweg. Verbunden mit Menschen und Geschichten, mit Bildern und Erinnerungen, mit Arbeit und Freizeit aus mehr als drei Jahrzehnten war nur die lange Strecke von Remagen bis eben Oberwesel.



    In Remagen wollte ich mal arbeiten. Nur kurz. Geld verdienen für eine längere Reise. Beim Vorstellungsgespräch wurde mir klargemacht, dass die Firma für diese Arbeit alles nimmt was der Markt hergibt, nur keine Männer. Das ist nun auch schon Jahrzehnte her.

    In Oberwesel hatte mir eine Metzgersfrau ausführlich das Rezept für einen Braten erklärt. Das jedoch erst, als sie sicher war, dass ich nicht von Konkurrenz war. Das ist noch keine Jahrzehnte her. Und oft wenn ich auf dem Hunsrück war, bin ich hinunter nach Oberwesel gefahren. Nur um ab da den Rhein runter zu fahren. Bis nach Hause.
    Geändert von Werner Hohn (24.05.2010 um 17:12 Uhr)

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