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  1. Alter Hase
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    05.01.2014 RekonvaleszenzWAI

    Sabine38 hat zum Neujahrsfrühstück geladen und T0M, Dooley28, Sarekmaniac und ich sind gekommen.
    Das WAI hat in den letzten Jahren arg gelitten und ich habe Mittel zur Heilung mitgebracht.
    Darum rühre ich eine flüssige Epoxydharzmasse an, um, nachdem ich die Bruchstellen passend einrenke, den Boden auszugießen, auf daß die Brüche verkleben und der Boden stabiler werde. Zum schnelleren Abbinden legen wir das WAI auf die Heizung.


    Die Pfeile verweisen auf die Risse

    Nach dem Neujahrsfrühstück machen wir mit dem WAI einen Reconvaleszenzspaziergang.
    Sabine wohnt quasi auf dem Südwall des ehemaligen Legionslagers Castra Bonna Verona, dessen Süd-Ostecke im ausgehenden 19 Jhdt. neu aufgemauert und zur Kneipterasse eines studentischen Korbschlägerhauvereins mit Renomierschmißerwartung umfunktioniert wurde.
    (Castra Bonna Verona – klingelt da was? - Verona und Dietrich? - Dietrich = Thidrik und Verona = Bern, oder Verona doch Bonn? Zumindest birgt das Bonner Kastell eine Ruine aus dem 5./6.Jhdt, Dietkirche genannt – Dietrichs Kirche?
    Zumindest Herr Ritter-Schaumburg deutet den Thidrik der Thiedrikssaga als ripuarisch-Fränkischen Teilkönig im Lager Bonna-Verona und bringt ihn somit in lokale Nähe zu einem König Gunther, der über Vernica/Virmenich – nicht Worms, im Neffelgau, am Neffelbach geherrscht haben soll.)

    All hier, an der Kastellecke, treffen wir auch auf Vater Rhein, dem wir stromauf Richtung Altstadt folgen, vorbei an der Gedenkstätte der 1938 geschändeten und zerstörten Synagoge.


    Von oben nach unten, von links nach rechts: WAI mit Rhein, Hintergrund Doppelkirche Schwarzrheindorf/Kastellecke/Nationalromantischer Bildstein da selbst/ehem. Synagoge-Progromnachtgedenkstätte/an der Kennedybrücke/Rheinpartie mit Siebengebirge und Ex-Regierungsviertel


    Wir biegen ein, in die Altstadt Bonns, gehen vorbei am Koblenzer Tor, am Kurfürstlichen Residenzschloß (jetzt Uni-Hauptgebäude) und am Münster und gelangen dann auf die Poppelsdorfer Allee (kurz Poppallee), welche vom Hofgarten auf das Kurfürstliche Lustschloß Poppelsdorf (kurz Poppschloß) zuführt, im Graben des Poppschlosses befindet sich absonderliches.


    Bonner Münster/Poppallee/ebenda/Poppschloß/Poppschloßgräfteneinblick/Schloßgräfte mit Blick auf Poppdorf

    Im Graben des Poppschlosses befindet sich absonderliches und im Schloss selbst die Mineralogische Sammlung der UNI Bonn und verschiedene naturwissenschaftliche Institute. Dem Schloß schließt sich der botanische Garten an. In dessen Orangerie wächst ein Titanwurz, die Pflanze, die die größten Blüten hervorzubringen vermag.



    Von hier aus suchen wir, die Straßen zu verlassen und streben dem Venusberg zu. An der Uniklinik vorbei wandern wir über das Vorgebirge den Rhein Richtung Godesberg entlang. Rechts, also westlich hinter dem Venusberg, liegt die Hardthöhe mit dem Ministerium, dessen Existenz in einem der tiefsten Abgründe der Menschlichkeit begründet liegt.
    Durch den winterlichten (Achtung: nicht winterlichen) Hochwald schimmert zur Linken ab und an im Tal der Rhein und das Ex-Regierungsviertel, zur Rechten grüßt gelegentlich eine offene Wiese, Reste offener Flächen und Schneisen des ehemaligen Kurfürstlichen Jagdforstes.
    Auf diesen Wegen wird auch Dooley242 zum WAI-Träger.
    Aus der Frühzeit des freizeitorientierten Wanderns zeugen noch alte Wegweiser, aus einer Epoche, da die Rheinromantiker den deutschen Tourismus erfanden.






    Als die Sonne sich bereits bedenklich nach Westen neigt, erblicken wir Godesberg. Die den Ort überragende Godesburg verhüllt ihren Bergfried in christoischer Manier hinter einem Baugerüst.
    Teils steil geht es nun hinab und da es nicht friert, komme ich in meinen Crogs auf dem weichen Grund heftig ins gleiten. Der Spaziergang endet an der U-Bahnstation Godesberg und bleibt daher nur eine WAI-Sackgasse.
    Von der Station Poppelsdorfer Allee gehen wir dann durch den Hofgarten und über die Rheinpromenade zurück zum Südwalle Castra Bonna Veronas.
    Dort angekommen checke ich den Heilungsprozess des WAIs. Der Boden ist fast ausgehärtet, in einem zweiten Behandlungsschritt verklebe ich nun den in einer Rundung zum oberen Rand verlaufenden Riß.
    Heile Heile WAIle


    Samstag der 29.03.2014
    Kreuzweingarten - Rursee

    Sonnig bis Heiter, über 20°C

    Ich begeb mich nach Bonn, um mit Sabine das Wai waiter zu bringen. Zuvor verabreden wir, dass dieses mit dem Rade geschehe, auch wenn Sabines Rad „Jackeline“ lediglich eine Stadtschlampe sei.
    Am Bonner Bahnhof stelle ich Jackeline meinen Stadtluden Horst-Knud vor, welcher meinen Allerwertesten seit nunmehr 10 Jahren durch die Gegend trägt.
    Die Fahrt mit der Bahn nach Keuzweingarten wird für Horst-Knud die allererste Fahrt mit der Eisenbahn, er verträgt sie gut.



    Es ist nicht leicht, auf Tagestourradtaschen ein Zelt, Schlafsack und das sperrige Gestänge unterzubringen, wenn man mit tagübergreifender Absicht radeln will und dieses wirklich nicht plante, und das einzige selbststehende Zelt, das man besitzt, ein Staika ist, aber es geht.

    In Kreuzweingarten erkläre ich Sabine, dass - da sie auf der Etappe hierhin mit T0M den rechten Weg, nämlich die Krönungsroute, verloren hatte – wir noch einen kleinen Umweg zur Hardtburg in Kauf zu nehmen hätten. Das WAI sollte diese wohl erhaltene Turmburg aus dem 11./12. Jhdt unbedingt zu sehen bekommen, zumal diese auch Station des Eifelwasserleitungsweges sei, denn aus Eifelwasserleitungsabbruchmaterial ist sie errichtet worden.
    Wir ächzten uns zur Burg hinauf, besichtigen diese und fahren zügig nach Kreuzweingarten wieder hinab.




    In Kreuzweingarten suchen wir die Krönungsroute, finden sie und folgen ihr.
    Sie ist hier ein Pfad und führt singletrailig einen Hügel hinan, die römische Eifelwasserleitung begleitend. Wir passieren die Reste eines gallorömischen Tempelchens. Der Weg scheint teilweise dem römischen Leitungs-Wartungspfad zu folgen.
    Als wir wieder in straßiges Terrain gelangen, stoßen wir auf ein Stück in situ erhaltener Leitung, welche auch sehr schön zeigt, wie kalkhaltig das Leitungswasser war, denn es hat mächtige Sinterablagerungen an den Wandungen hinterlassen, und das in nur gut 200 Jahren Nutzung.
    Im Mittelalter waren diese Sinterablagerungen als Bauschmuck-Stein sehr begehrt und wurden weit exportiert. In Roskilde und Lunds Domen kann man Platten dieses Steines finden.


    Tempelchen oder Haus eines Leitungswarts? / Wasserleitungsaufschluss mit Kalksinter

    Wir entschließen uns, der Krönungsroute nur noch grob zu folgen, da wir sonst über die Wanderpfade zu langsam sein werden. So gelangen wir über Nebensträßchen und Feldwege, vorbei an Burg Zievel, nach Satzevey mit dem wohlbekannten Kalenderbild-Wasserschloss, an welchem wir eine Photo- und Wasserpause einlegen.


    Burg Zievel



    Burg Satzevey

    Wir sind hier am südlichen Rande der Zülpicher Ebene. In dieser Gegend soll 496, gemäß Gregor von Tour, die Schlacht von Tolbiacum stattgefunden haben. In dieser Schlacht besiegte der Frankenkönig Chlodwig die Alemannen und ließ sich danach aus Dankbarkeit taufen, da er den Sieg als Gottesoffenbarung betrachtete.
    Von Satzeveys Schloß radeln wir hinauf nach Mechernich, wo wir in einem Supermarkt erneut Wasser fassen und Mittagsrast halten.
    Nun geht es wieder hügelan, an Kommern vorbei, dessen Freilichtmuseumswindmühle hinter den Bäumen hervorgrüßt, dann wieder abwärts und hinter dem nächsten Bach wieder hinauf. Wer in der Nordeifel westwärts will, muß halt die nordwärts strebenden Bäche queren.


    Hinter Mechernich

    Wir sind hier im ehemaligen Neffelgau. Wer Heinz-Ritter-Schaumburgs Thidrekssaga-Theorie Gehöhr schenkt, weiß, dass hier gemäß seiner Ortsnamendeutung die Herrschaft eines ripuarisch-fränkischen Gaukönigs Gunther war, welcher wohl in Juntersdorf am Neffelbach Besitz hatte und in Virmenich (Vernica/“Worms“) residierte.

    Wir kommen durch Hostel, ein Nordeifeldorf in dem die Zeit ein wenig stillgestanden zu sein scheint. Gutshof, Häusler- und Bauernhöfe reihen sich um einen großen, baumumsäumten Dorfanger.



    Wer ein Set für Filme vergangener Zeiten sucht, kann es hier finden.
    Dann geht die Fahrt wieder talwärts, gleich danach wieder hügelan. Das Dorf Glehn liegt auf der nächsten Bachtalterrasse.




    Glehn

    Jetzt geht’s wellig über eine weite Hügelhochfläche und das Voreifelland wandelt sich langsam zum stark profielierten Land der Rureifel.



    In die Rureifel gelangen wir durch einen Wald, in welchen wir in Hergarten einfahren...



    ... weiter aufwärts strampeln und dann rasant in mehreren Schwüngen hinab rasen, wobei wir direkt in Heimbach an der Rur, zu Füßen der Burg Hengebach anlangen.



    In Heimbachs „Altstadt“, einer engen Gasse mit übersanierter Altbebauung, beratschlagen wir, wie der Tag zu beenden sei. Der Campingplatz des Ortes ist uns noch zu nahe. So einigen wir uns, auf den ersten am Rursee markierten Zeltplatz.
    Durch Schönwetterausflügler drängen wir uns durch das Örtchen (Heimbach war im Mittelalter eine Minderstadt - „Tal“ nannte man solche teilpriveligierten Orte im rheinischen Raum)



    Dann überqueren wir diejenige Altstadtgasse, welche dem Durchgangsverkehr gewidmet ist und gelangen auf die „Rurpromenade“.



    Über die Rurpromenade soll uns der Radwanderweg zum Rurseee leiten. So richtig geht’s hier nicht weiter, denn wir sind am Ende eines Prozessionszuges gelandet, welcher die Karwochen einleiten soll.
    Irgendwann haben wir uns durch die Gläubigen durchgeschlängelt und gelangen, am Heimbacher Jugendstil-Laufwasserkraftwerk vorbei zum Feriendorf Eifeler Tor.



    "Eifeltor" ist ein geschmackloses Pseudofachwerk-Holländerghetto, bekannt unter anderem aus einer Folge von „Mord mit Aussicht“. Hier müssen wir unsere Stadtschlampen noch mal mühselig bergauf schiebstemmen, bis wir die Staudammhöhe des Rursees erreicht haben.


    Blick Rurab, vom "Eifeltor"

    Dann geht’s kurz bergab, über den Rurseedamm und dann das Rurseewestufer Bucht um Bucht entlang...



    ... bei steißunschonender Rumpeligkeit und ewigem hoch und runter. Sabine fragt stets nach der Nähe des Zeltplatzes – stets sage ich, es ist nicht mehr weit. Dann erfolgt nochmals eine harsche Steigung und erste Dauercampwohnwagen künden das Tagesziel an.

    Wir sind angekommen. Ein Zeltplatz ist dies nicht wirklich, es ist der Segelsportcub Aachen. Einige Vereinsmitglieder haben hier einen sonnigen Samstag verbracht, wollen aber jetzt doch heimwärts. Duschen und Bar sind auch noch nicht aus dem Winterschlaf erwacht, aber zelten düfen wir, das WC-Haus bleibt uns aufgeschlossen und ein paar Flaschen Bier werden uns auch verkauft.
    Wir gehen mit WAI runter zum Anlegesteg und ich nehme mit ihm, wegen Ausfall der Duschen und des sonnigen Wetters, ein Bad im Rursee.




    Mittlerweile sind wir auf dem Vereinsgelände allein.
    Sabine und ich richten auf der Zeltwiese mein Staika auf und in der aufkommenden Nacht bereiten wir unser Nachtmahl.
    Da hören wir ein Rascheln, welchem wir auf den Grund gehen. Es ist nur eine Erdkröte auf Freiersfüßen.
    Beim Essen hören wir ein uns umkreisendes Schleichen. Es kommt, weiter Kreise ziehend, näher. Im Schein der Stirnlampe erhaschen wir die Reflektion zweier Augen und das Blitzlicht der Kamera gibt uns dann Gewißheit: ein Fuchs versucht, sich seinen Anteil an unserem Nachtmahl zu erbetteln – nett, aber erfolglos.



    Wir verstauen all unsere essbare Habe im Zelt und gehen, ob des ewigen Auf und Abs des Tages mit dafür wenig geeigneten Rädern, recht erledigt zu Sack. Der Fuchs schleicht weiter, dann streift er davon - die Nacht zerreißt ein Schrei! Hat er eine Gans erwischt? Wir gönnens ihm.


    Sonntag 30.03.14, Rursee-Stolberg
    Heiter bis sonnig, Nachmittags wohl über 20°C

    Den nächsten Morgen verpennen wir fast ein wenig. Damit meine ich, wir erwachen erst, als es schon hell ist. Wir frühstücken schnell in der morgendlichen Sonne und verpacken so rasch wie wir es vermögen unsere Habseligkeiten auf unseren Eisenkleppern.



    So kommen wir doch noch zeitig genug los, dass die nächste Rurseebucht noch in morgendlich frischem Schatten liegt, welches so auch gut ist. Denn jetzt führt unser Weg steil bergan. Wir schieben unsere Stadtschlampen einen alten, tief ausgefahrenen, mit Laub teils wadentief aufgefüllten Hangweg durch den noch winterlich entlaubten Wald bis auf die nächste Hochfläche. Hier verschnaufen wir zunächst ein Weilchen. Zeit genug, dem WAI eine der mächtigen, für die Westeifel so typischen, Buchenhecken zu zeigen, welche die hiesigen Höfe auf den offenen Hochflächen gegen Wind und Schneeflug schützten.



    Von hier geht es weiter, auf das Dorf Schmidt zu. Kurz vor Erreichen seiner Siedlungsgrenze biegen wir, den Kamm der Hochfläche querend, nordwärts ab und fahren dann, uns wieder mehr westwärts wendend, durch den Wald, zunächst mehr hangparallel, bald aber steiler abbiegend, weiter ins nächste Tal hinab.


    Von Schmidt in die niederrheinische Tiefebene



    Der nach Karte gewählte Weg wird dabei immer steiler und wandelt sich zum Pfad, so dass wir uns bald gezwungen sehen, hinab zu schieben, welches mehr Zeit kostet, als wir hierfür kalkulierten.



    Schließlich sind wir aber im schönen Kalltal angekommen. Durch den astüberhangenen Waldrandweg fahren wir bachauf und erreichen bald das Dörfchen Simonskall, eine Gewerbesiedlung des frühen 17. Jhdt., welches in den Wirren des 30jährigen Krieges durch hugenottischen Unternehmergeist entstand. Hier wurde Glas produziert, Seife gekocht und Eisen verhüttet.



    Der „Burg“ genannte Hof des Hüttenbetreibers zeugt noch davon, dass man sich seiner Habe durchaus zu erwehren verstand, falls marodierende Söldner dieses Waldtal aufsuchen sollten und auch das ältere Verwaltungshaus weist Einrichtungen zur Wehr auf. Wir machen an der Kallbrücke eine kurze Rast, fahren dann aber stracks weiter kallaufwärts und müssen nach wenigen Kilometern wieder zum Schieben übergehen, denn jetzt gilt es die Krone der Kalltalsperre zu erreichen. Nachdem wir die Staumauer überfahren haben, gilt es weiter bergan zu strampeln, was für die nächste Stunde unser schweißtreibendes Geschäft bleiben wird. Die Eifel schenkt uns nichts, außer bergan führende Forstautobahnen.
    Irgendwann haben wir aber die Höhe geschafft und rascher als wir uns vorgestellt haben geht es dann wieder bergab. Und ehe wir uns versehen, nach so vielen, lang erkämpften Steigungskilometer, zweifel ich noch, aber aus Zweifel wird Gewißheit, wir sind in Zweifall.
    Zweifall ist eine Gewerbegründung. Es leitet seinen Namen angeblich daher, dass der erste Eisenhüttenbetreiber im 13.Jhdt. im Zweifel darüber gewesen sei, auf wessen Territorium er seine Hütte gründete. Reformierte Christen errichteten im 17.Jhdt schließlich das heute noch geschlossene Ensemble aus Kirche, Pfarrhof und Gewerbesiedlung.



    Hier entschließen wir uns, nun dem Stolberger Bahnhof zuzustreben, denn wenn wir noch Aachen erreichen wollten, würde das nur Hast und Müh bedeuten. Die Steigungen des heutigen Tages haben uns zu viel Zeit gekostet – und wir müssen ja auch jeder noch nach Hause zurück.
    Zunächst ist der Weg nach Stolberg noch recht nett, zwar anstrengend, weil einige Flussschleifen über die Sättel der Biegungen abgekürzt werden. Aber dann kommen wir bald doch nicht umhin, der Hauptstraße zu folgen und diese wird bald durch Industriebauten begleitet, welche dieser Strecke einen ähnlichen Liebreiz verleihen, wie ihn wohl auch November einst auf der Strecke zwischen Grüntal und Ollenhaue empfunden haben mag.
    Dann erreichen wir das von seiner Burg überragte Stolberg. Sein wegen der Enge des Tales dicht bebauter Altstadtbereich ist als Gesamtanlage unter Schutz gestellt. Mir mutet er, wohl durch seine Bruchsteinhäuschen, etwas französisch an.




    Zwei Kilometer nördlich der Altstadt liegt der Bahnhof. Wir erreichen ihn zeitig genug, um mit wenig Wartezeit den nächsten Zug nach Bonn zu erwischen.



    Aachen, das eigentlich angestrebte Ziel wurde nicht erreicht,
    Bald ist Ostern, ich plane einen Osteraufenthalt in der Eifel.
    Geändert von November (08.02.2016 um 20:23 Uhr)
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
    --------

  2. Alter Hase
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    KarWAItag 2014
    Sonnig bis wolkig bei 13-20°C


    Das WAI muß nach Aachen, und so haben Sarekmaniac und ich beschlossen, unseren Osterurlaub auf dem Zeltplatz des Heimbacher Kämpingplatzes zu verbringen, dichtam Eifelnationalpark und auch nicht weit weg vom WAI-Anschlußpunkt Stolberg.

    Ich habe in der Fastenzeit nicht genug Pfunde verloren und fühle mich durch die Eifell-WAitortour einigermaßen gestärkt eine für meine Verhältnisse außerordentlich sportliche Radtour durch die NRW-Eifel zu unternehmen. Ich beschließe 3 Siedlungen, die einst im Spätmittelalter minderstädtischen Charakter hatten (Burgflecken/-freiheiten, hier, im Rheinland „Tal“ genannt), zwei davon als Denkmalbereiche unter Schutz gestellt, mit einer Radtour zu verbinden.
    Hierfür begebe ich mich auf die Dreiborner-Hochfläche und starte durch, ich radle über die Eifelstraßen bergauf und bergab und bleibe dabei so sehr ich vermag an meinem Leistungslimit, ich achte kaum der Landschaft und der Orte die ich passiere.



    Mir zählt nur das erste Ziel, der Ort Kronenburg, ich erreiche ihn ein, wenig atemlos geplättet, nach --- Stunden, ----- Km und -----Höhenmetern. Ich stelle Horst-Knud, auf halber Höhe des Burgberges ab, weil ich den Aufstig zum Ort durch sein ehemaliges Gartenland erleben möchte, die Bebauung im Bering war so dicht, das die Bürger ihre Gärten am Hange des Bergsporns, den sie bewohnten anlegten.
    Als ich nach meinem Photoaperat im Rucksack wühle, begegnet mir Das WAI, ach, sag ich, dann schauen wir uns halt gemeinsam um, und so kommts, das dieser Bericht, er so garnicht geplant war, auch hier erscheint.



    Heute bestimmen Baumgärten und kleinteilige Weiden das ehemalige Gartenland.
    Wai und ich steigen einen wohl seit alters bestehenden Weg aufwärts und überholen eine Schnecke.




    Das WAI merkt an, daß auf seinem Wege eine solche Begegnung schon einmal tragisch endete.
    Aber wenigstens, meint das WAI trägst Du Deine Tevas im Rucksack

    Wir begeben uns durch ein erst später in den Ortsbering eingefügtes Tor in den Alt“stadt“ Bereich.




    Durch ein weiteres spitzbogiges Tor gelangen wir in den „Alten Flecken“, mit der Ortskapelle, deren Chorturm gleichzeitig Wehrturm der Ortsumauerung ist.



    Der Altflecken ist eine einzige schmale Gasse, die sich mit ihrer Bebauung zwischen Burgfels und Ringmauer zwängt , durch sie gelangen wir in die Vorburg, heute Hotel und steigen hinauf zur Hauptburg, heute stark verfallene Ruine, aber mit guter Aussicht über das sie dreiseitig umgebende Ortsgefüge.



    Von der Ruine steigen wir wieder hinab in den Burgflecken und landen dort, wo wir ihn auch betraten, von hier drehen wir eine Runde um den einzigen Häuserblock, der das Zentrum des neueren Burgfleckens bildet.



    Dann verlassen wir Kronenburg durch sein „Stadt“tor, welches Ursprünglich den einzigen Zugang zum, auf einem Bergsporn liegenden Ort bildete.



    WAI und ich besteigen wieder Horst-Knud und klappern mit ihm - ich gebe zu, teils schiebend bergan, dann wiederum talab und irgendwie gehts so schnell ich vermag, wieder nordwärts, Richtung Wildenburg.
    Leider bin ich mit mir und der Fahrt so beschäftigt, daß ich die Talansicht Wildenburgs verpasse und die Annäherung an den Ort erst bemerke, als mich ein Wegweiser bergauf führt, oben angeächzt muß ich an einem Bildstock erst mal Luft schnappender weise verweilen, der Anblick des Heilands lehrt mich aber, daß es schlimmeres gibt.



    Der Burgflecken Wildenburgs ist mächtig klein, er liegt auf der Basis eines Bergsporns, sein Bering ist nicht mehr vorhanden oder von den Häusern schmarotzend überbaut. Ein markantes Fachwerkhaus markiert den einstigen Zugang zur Burg.



    Hinter dem Flecken, der nur aus 2 kurzen, im rechten Winkel verlaufenden Gässchen bestand, lag die Vorburg, welche die Sitze der Burgmannen umfaßte, die alten Burgmannenhäuser sind später unter einem gemeinsamen Dach zu einem homogenen palaisartigen Bau, mit parkartigem Vorplatz zusammengefaßt worden.



    Hinter der Vorburg erhebt sich das Hauptschloß, der alte Palas ist zur Katholischen Kirche umgebaut, der Bergfried wurde Kirchturm.



    Hinter der Kirche befindet sich ein neuerer Schloßbau, von der Kirche durch schmalen Hofe getrennt, ihm schließt sich ein dicker Batterieturm, von ca. 1500, an, von welchem das Tal und die angrenzenden Höhen unter Feuer genommen werden konnten, der alte Zwingerbereich ist jetzt Sportfeld und Parkplatz, das Schloß eine Begegnungs-, Bildungs- und Erholungsstätte.



    Wai und ich sind von Wildenburg ein wenig enttäuscht, vor allem der Flecken läßt schließen, daß die heutigen Bewohner/Betreiber viel Gespür für Häßlichkeit zu haben scheinen.


    .
    WAI und ich rasen wieder Talwärts, ein recht relatives rasen ist dieses, denn ich bin auf dem Rade doch ein recht großer Angstbremser.
    Im Tal angekommen ist es nicht mehr weit, bis nach Reifferscheid, dessen Burgruine und der sie umgebende Burgflecken nehmen sich aus dem Tale recht majestätisch aus.



    Doch vor dem Vergnügen einer dritten Ortsbesichtigung hat unser Schöpfer hier eine weitere Steigung in diedas Eifelland gezimmert, die es zu besteigen – oder besser gesagt, zu beschieben gilt, wohl hätt ich vom Untertal Reiferscheid einen Weg zu einer Seitenpforte nehmen können, aber ich wähle den Weg durch das Ggroßartige Haupttor, hinter dem mächtigen Halsgraben, zuvor verschnaufe ich - es ist ja Karfreitag - neben dem Gekreuzigten und schließe Horst-Knud an einem Pfosten an – irgendwie erinnert mich dieses Bild langsam an das Anbinden eines Gauls, vor betreten der Burg, sagt das WAI (es scheint eine etwas spöttelnde Ironie zu entwickeln, das WAI)



    Wir erreichen über eine ehemalige Brücke (jetzt Damm) das Stadttor, hinter ihm gabelt sich die Gasse, die obere fürt direkt in die Vorburg und dem ehem. Wirtschaftshof, die untere Gasse führt der Ortsbefstigung parallel, als Hauptstraße der Altstadt zur Kirche.



    Kurz vor der Kirche ist eine Pforte in der Mauer eingelassen, durch sie führte ein alter Fußweg ins Untertal genannten Talsiedlung.



    Der Platz vor der Kirche war noch vor gut 120 Jahren ebenfalls dicht bebaut. Von hier steigen WAI und ich hinauf zur Vorburg, welche wir durch ein mächtiges Doppelturmtor betreten.



    Dann schreiten wir weiter, durch ein Renaissancetor, in die Burgruine, welche wir um- und durchschreiten, ehe wir den Turm betreten und besteigen, von hier oben überblickt man gut das Siedlungsgefüge von Burg und Städtchen.



    Das WAI meint, wenn es schon mit auf dieser Tour sei, so solle es doch jetzt endlich auch mal aufs Bild, auch wenn ich seine Mitnahme nicht beabsichtigt hätte, so würde doch auch noch die Chanze bestehen, die heutige Tour mit einer späteren zu verbinden, und somit doch noch einen voll WAIfähigen Beitrag hergeben.
    Nun, so machen wir halt WAIshooting.



    Danach sagt das WAI gnädig, es sei nun bereit für weitere Gassen, so gehen wir wieder hinab in den Burghof, schreiten durch jene Gasse aus der Burg heraus, die zu Beginn, hinter dem Stadttor bergan führte.



    Wir durchstöbern noch 2 enge Gäßchen, welche zwischen Hauptgasse und Vorburg gequetscht sind und haben somit Reifferscheid höhe mal breite mal tiefe beschritten.



    Vorm Tore binde ich meinen Gaul wieder los – äh – ich meine natürlich Horst-Knud, mein Rad. Mit brennenden Waden und schmerzenden Hinterbacken strampel ich mit dem wieder eingesackten WAI sportlichstmöglich nach Dreiborn zurück.

    Später, bei der unWAIgemäßen Heimfahrt, zeige ich dem WAI, bei einem Verklappungsstopp, Heimbach, mit Burg Hengebach, von einem Aussichtspunkt aus, dort kam es am Wochenende des 29.03. mit Sabine und mir hindurch.



    Da sagt das WAI, es wüsste worauf ich hinaus wolle, und wenn ich von dort starte, wo Sabine mit mir die Orientierungspause gemacht habe, so lasse es die Burgbegehung der Heimburg auch gelten, es sei heute schon so sehr durch Altgemäuer gezerrt worden, da komme es auf dieses eine weitereBegängnis auch nicht mehr an.
    So kommts, das WAI und ich nochmals durch Heimbachs Gassen schleichen und zur Burg hinauf begeben, zu der wir neulich keine Zeit hatten.
    Wir durchschreiten Vorburg und Zwinger, dann steigen wir auf den Turm und schauen hinab.



    Abend dann ruhen wir am Zeltplatz zu füßen des alten Kraftwerks und stärken uns für den nächsten Tag.




    KarsamsWAI 2014
    Sonnig bis Heiter, bei gut 20° und drüberhinweg


    Heute ist Karsamstag, heute soll das WAI in Aachen einziehen.
    Werde ich wieder mit Geschichte gefüttert, fragt das WAI,
    klar doch, was sonst!
    Zunächst fahren wir nach Stolberg, dort satteln Sarekmanic und ich unsere Rädchen, das WAI kommt wieder in den WAIkoven und durch die Altstadt gehts wieder über die Grünberg-Olbernhau ähnliche Straße, doch diesmal biegen wir 2 km nach dem Verlassen der Stadt nach West ab und durch bewirtschaftetes Hügelland strampeln wir uns munter nach Cornelimünster, Kornelimünster hat auch einen flächengeschützten historischen Ortskern, jedoch ist Kornelimünster kein Burgflecken, sondern ein Klosterflecken, die Kaufleutesiedlung schart sich um das Kloster, wie Küken um die Glucke.
    Xy yx y x yx
    Nach dem wir einige Blicke durch den Ort schweifen ließen versuchen iwir in die Klosterkirche einzudringen, was uns jedoch am Karsamstag verwehrt bleibt.
    Ohne Klosterkirche beschließen wir zur Strafe, gegen das Fastengebot zu verstoßen und setzen uns vor ein Kaffee um eine Kleinigkeit zu schlemmen.
    Dann streife ich noch mal durch ein, zwei Gassen; die Häuser scheinen mir hier bereits einen leicht flämisch geprägtes Aussehen zu haben.
    Nun geht es vom Tale Kornelimünsters wieder hinauf, wir queren die Trasse der ehem. Venn-Bahn und fahren nach verlassen der letzten Häuser durch eine hügelige Hochfläche mit Weiden, Feldern und waldigen Hainen.
    Irgendwann erreichen wir dann eine Einfallsstraße nach Aachen, welcher wir folgen, ein burgartiger Gutshof und eine ehem. Kaserne und ein Edbeer-Verkaufsstand sind hier die Markantesten Landmarken.
    Die Straße spuckt uns in der Innenstadt neben dem Bahnhof aus, ohne Stadtplan versuche ich uns intuitiv Richtung Altstadt zu führen, dieses gelingt und so kann das WAI durch das Marschiertor in die Krönungsstadt der deutschen Kaiser einziehen. Wir erreichen den Pfalzbezierk, vor der Südfront der Pfalzkapelle, heute Dom, stärken wir uns zunächst mit einem Eis, die Stadt ist brechend voll, ebenso auch der Domhof, das ehemalige der Pfalzkapelle vorgelagerte Atrium. Das WAI sagt Göga sag es und ich sag es, WAI, 12 Jahrhunderte schauen auf Dich herab.
    Wir bestaunen die 1200 Jahre alten Bronzegußtüren des Doms und drängen uns dann zwischen die restlichen Besucherscharen in sein Inneres,
    im Narthex des Turmerdgeschoßes trifft WAI auf die bronzene "Wölfin", nach neuester Forschungshypothese eine helenistische Arbeit des 3 Jhdt. vor(!) Chr., sowie auf den bronzenen Pinienzapfen, eine spätantike Arbeit, vormals Springbrunnen im Domhof, beide Wölfin und Pinienzapfen sollten Karls Ambition als nachfolger der Caesaren dokumentieren. Die Kuppel war von ca. 800 bis zur Erbauung des Speyrer Domes für über 300 Jahre die größte des Reiches.
    Die Pala d'oro, ein Gold-Antependium und der vergoldete Ambo Heinrich II, zählen zu den bedeutendsten Stücken ottonischen Kirchenschmucks, außerordentlich ist auch der staufische Barbarossa-Leuchter, eine modellhafte Interpretation des himmlischen Jerusalem. Die gotischen Karl- und Marienschreine gehören mit zu den wertvollsten Ausstattungen die man in einer deutschen Kirche finden kann.
    Auf der Empore, dem Altar gegenüber, ist der aus Marmorspolien gefügte Thron Karls und der ihm nachfolgenden Könige und Kaiser. Seine Platten sind ehemalige Bodenfliesen, in Zweitverwendung, wahrscheinlich einst Reliquien von höchster Verehrungswürdigkeit, womöglich aus dem Tempel Jerusalems, oder (wie die heilige Stiege im Lateran) aus dem Palast Pilatus(?)
    Die Säulen der Oktogonempore sind römischer Herkunft, aus Italien stammend und unter damals größtmöglichen logistischem Aufwand hierher geschafft.
    Vom Dom geht’s in den Katschhof, einst der Pfalzhof selbst, er wird vom, dem Dome gegenüberliegenden, Rathaus beherrscht, der ehemaligen Aula-Regia.
    Beherrscht wird der Katschof aktuell auch von Karl selbst , hundertfach, als Kunstinstalation – das hat was, finde ich.
    An der ehemaligen Aula-Regia ist ein unscheinbar wirkender Turm angebaut, der Granusturm, in ihm befinden sich je Etage ein Gemach, verbunden über enge Treppengänge in der Mauerstärke, aber alle mit Warmluftheizung mach römischer Art versehen, es scheint als wären diese „Zellen“ die Privatgemächer Karls gewesen, möglicherweise auch schon die seines Vaters Pipin, wäre dieses so, könnte man den Turm womöglich als die älteste erhaltene Burg unseres Landes ansprechen;
    indeß, darüber, ob der Turm wirklich auch Wehrfunktion hatte, sind sich die Bauforscher nicht einig.
    Nördlich des Rathauses liegt der städtische Markt, ihm präsentiert sich das Rathaus mit einer prächtigen gotischen Fassade, die dem alten karolingischen Saalbau im 14.Jhdt. vorgeblendet wurde, als die Stadt die Königshalle vom Reich übernahm.
    Aachen ist auch Bäderstadt, die Thermen aus der Römerzeit sind bis ins Mittelalter benutzt worden, ihnen verdankte Aachen wohl den Umstand, Karls Lieblingsresidenz zu werden, jahrzehntelanges Regieren aus dem Sattel, von den Pyrenäen bis zur Eider und von der Bretagne bis zur Saale, dürften sein Gebein schwer gekränkt und hier wohltuende Linderung verschafft haben.
    Mit Ende des Besichtigungsprogramms müssen wir aus der Stadt wieder herausfinden, eine vermeintliche Abkürzung durch die Innenstadt erweist sich als Umweg, der uns wohl nach Belgien gebracht hätte. Nach korrektur der Route finden wir den Radweg über die Venne-Bahnlinie, die wir aber bald verlassen müssen, weil der Roleftal-Viadukt wegen baulicher Mängel gesperrt ist.
    Wir interpolieren uns einen Weg durch die Felder, mit mancher Sackgasse vor Weidengattern, kommen aber dann in Kornelimünster an der alten Venn-Bahnstation an, welche Gastronomische Radstation geworden ist und uns Pizza zum Abend bereit hält.
    Nach reichlichem Mahl fahren wir wieder zur Altstadt Kornelimünsters hinab und suchen uns einen abgewandelten Rückweg, über die Hochfläche nach Stolberg, welches wir noch vor Ende der bürgerlichen Dämmerung erreichen.

    OstersonnWAI 2014

    Also sprach das WAI, die Aachener Tat sei vollbracht, nun gilt es eine Lücke zu schließen,
    auf das die KarWaitagstour nicht im leeren Raume hinge. Und so kommts, daß es sich mit Sarekmaniac und mir auf die Dreiborner-Hochfläche begibt, zu einem Soaziergang durch den Eifelnationalpark, am Kreisverkehr vogelsang starten wir los und begeben uns schnurstracks auf die Kahle Hochfläche rund um die Wüstung Wollseifen, von der relativen Ferne, jenseits des Tals schickt die ehem. SS-Ordens“burg“ Vogelsang einen finsterbraunen Gruß.
    Von Wolltieren kahl gehaltene Wiesen bestimmen das Landschaftsbild, nach wenigen Kilometern erreichen wir eine Hausruine, das ehem. Schulhaus Wollseifens. Ohje schon wieder Geschichte stöhnt das WAI in gespieltem Schreck.
    Wollseifen war bis 1945 ein relativ blühendes und hübsches Eifeldorf, bis die Belgier es besetzten und dann das trieben, was Militärs u.A. am besten können, im blindwütigem Kriegsspiel, in Friedenszeit sinnlos zerstören. Das Dorf wurde Übungs-Artillerie- und Bomben-Zielgebiet, ähnlich Helgoland. Als dann alles zerstört war, selbst die Kirche wurde mutwillig in Trümmer gelegt, setzten diese Schöpfungskronen ein abscheuliches Kunst-Dorf, zum Häuserkampf in die Nachbarschaft der Kirchenruine.
    Irgendwann regte sich wohl doch so etwas, wie ein schlechtes Gewissen und dem Verfall der Kirche wurde durch ein Notdach Einhalt geboten.
    Von der Wüstung Wollseifen gehen wir, ein Tal durchquerend hinauf nach Vogelsang, wo ein ganz besonders großartiger Menschenschlag seiner Engstirnigkeit ein ganz besonders großes Denkmal setzte. Was letztendlich aus dieser, monströsen, als SS-Kaderschmiede gedachter Anlage werden wird, steht noch in den Sternen, so viele Fremdenzimmer braucht der Eifel-Nationalpark nicht und leerer Raum erhält sich nicht leicht und nur Museum und Gedenk- und Dokumentationsstätte wider dem Faschismus wäre wohl auch zu arg aufgebläht – räumlich betrachtet.
    Warten wir's ab, das Land wird’s schon zerplanen.
    Wie auch immer, die Anlage ist mir nicht ohne ästhetischem Reiz, aber das Wissen um den historischen Hintergrund beschert doch einen ziemlichen Grusel.
    Der Marsch durch die Anlage zieht sich relativ endlos scheinend dahin, hinter dem Portikus der Zufahrt schlagen wir uns wieder ins Gelände. Parallel zum Tal, welches wir auf dem Weg nach Vogelsang querten, wandern wir durch das Buschland zurück. --- Einschub des Verfassers; hier entsteht dann am Vorabend des 1. Advent 2015 ein Kompostcloset für einen Naturlagerplatz, mit Unterstützung des ODS e.V. --- Durch Ginster, lichte es Baum- und Buschwerk und karges Wiesenland gelangen wir zurück an den Ausgangspunkt dieses Spaziergangs.
    Ob das alles sei, erkundigt sich das WAI, es könne hierin noch keinen Lückenschluß von irgendetwas erkennen. Es sei in einer Glaubenskriese behauptet das WAI, es könne nicht glauben, daß das alles gewesen sei.
    Ist es auch nicht, ich schnalle mein Rad vom Träger, setze das WAI in den Waikoven und während Sarekmaniac uns verläßt, radle ich mit dem WAI nach Dreiborn, hier kommen wir an der Dreiborner Wasserburg vorbei, eine der höchstgelegenen Wasserburgen unseres Landes, mit einem merkwürdigen Bewohner – ein Art Eifel-Hogwards witzelt das WAI.
    In Dreiborn schließen WAI und ich die Lücke vom KarWAItag und jetzt fahren wir nurch den Teil der Dreiborner Hochfläche zurück nach Norden, der zur Nationalpark Kernzone gehört, das Wai hüpft auf der unbefestigten Strecke in seinem WAIkoven lustig auf und ab. Später führt uns der Weg teils wieder über die am Vormittag begangene Route.
    Hinter dem Baller-Übungs-Soldatenspielplatz-Kulissendorf der Wüstung Wollseifen biegen wir dann Richtung Urft-Talsperre ab.
    Mach bitte keinen Scheiß, spricht das WAI, als der Weg immer steiler und holpriger wird. Irgendwann beschließe ich, auch zum wohle meines untrainierten Horst-Knud, doch zu schieben, kurze Zeit später fordert auch ein Schild Radfahrer zum Absitzen auf, die Kahle Hochfläche ist jetzt auch verlassen, durch einen steilen Laubwald geht’s hinab zur Talsperre.

    Als wir an der Mauerkrone angekommen sind, umströmen uns, zumindest gefühlt, Fluten von Sonntagsspaziergängern.
    An einer Bier und Würstchenbude am Nordende der Staumauer nehmen WAI und ich einen Imbis, bevor wir weiter Richtung Einrur abfahren.
    Nun geht es das waldige Ost-Ufer des Rursees entlang, dabei haben wir den Weg, vom 29./30.03, entlang des Westufers im Auge. Gelegentlich finden sich Rodungsflächen im Hang, zu unserer rechten, Schilder klären die unwissenden Besucher (warum wird hier geholzt, mitten im Nationalpark???) auf, das ortsfremde und landschaftsuntüpische Holzungen entfernt werden, damit sich hier der natürlicher eifeltüpische Laubwald neu entwickeln kann.
    Am niederländischen Ferienghetto aus Mord mit Aussicht, angekommen fahren wir den vor --- Wochen mühsam erklommenen Hang binnen einer Minute (gefühlt, nicht gestoppt) hinab, da noch reichlich Zeit, bis zum Abendessen ist, leisten wir uns einen Abstecher zum Fuß des Rurstaudamms.

    Dann fahren wir zum Zeltplatz, und nehmen uns noch Zeit, das Jugendstilkraftwerk von Heimbach zu betrachten.
    Anja2 und ihr Hans sind zufällig auch auf dem selben Zeltplatz gelandet, wir verbringen einen netten Abend.

    OstermonWAI 2014
    Halbbedeckt um 20°, später dräut Schlechtwetter mit Abkühlung.

    Heute ist Heimreise, aber das Örtchen Simonskall, durch welches das WAI mit Sabine und mir am 30.03. durchzog, hat es mir so angetan, daß ich mit dem WAI durch diese noch einen Spaziergang unternehmen möchte.
    Simonskall wurde 1617 vom Hugenotten Simon Krämer im Kalltal gegründet, zunächst wohl als Glashütte und Seifensiederei, bald darauf jedoch um eine Eisenhütte erweitert.
    Wir spazieren durch die Siedlung und gelangen zum Junkerhaus, benannt nach seinem letzten privaten Besitzer, Das Fachwerkdoppelhaus, auf massiven Sockel besitzt als Anbau einen Steinturm, von welchem aus die vorbeiführende Straße überwacht werden kann, er besitzt Musketenscharten. Dieser Turm gilt als das älteste Bauwerk Simonkalls und stammt aus den 1620ern.
    Der Fachwerkbau selbst wurde wenig später als Wohnhaus, Kontor und Magazin angefügt, aber scheint in den Kriegswirren zerstört zu sein, der heutige Aufbau geht wohl auf die 1650er zurück.
    Am Junkerhaus vorbei gelangt man über einen kleinen Platz zu einem steinernen Mühlengebäude, welches aus der Zeit nach dem 30jährigen Krieg stammt, wohl einen zerstörten Vorgänger ersetzend.
    Über eine steinerne Brücke gelangt man über die Kall zum „Burg“ genannten Wohnhaus, welches Simon Kremer in den 1640ern errichten ließ, als Vierseitigen Wohn und Magazinbau, nach außen, die Flußseite ausgenommen, fensterlos. Zu betreten ist der Bau über den kleinen direkt angefügten Wirtschaftshof.
    Hier konnte Simon Kremer sich und seine Güter relativ sicher fühlen, vor marodierenden Söldnern.
    Weiter kallabwärts geht es wieder über die Kall, hier war wohl einst das Gartenland der „Burg“.
    Auf der ihr gegenüberliegenden Flußseite sind in den 1650ern weitere Wohnbauten errichtet worden.
    Wenn man weiter das Dorf hinunter geht, erreicht man den Standort der ehemaligen Betriebsstätten, die Produktion wurde jedoch bereits 1812 eingestellt und die Hüttengebäude niedergelegt.
    Wir gehen die Dorfstraße wieder kallaufwärts, am Ortsausgang entdecken wir eine alte gepflasterte Wegtrasse, die auf eine Furt in der Kall zuführt, ein Zeuge aus der Zeit der Ortsgründung.


    Platzhalter Karwaitag und Karsamswai-Ostermonwai
    Geändert von Goettergatte (08.02.2016 um 20:17 Uhr) Grund: Hier war Platzhalter Karwaitag und Karsamswai-Ostermonwai
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
    --------

  3. Alter Hase
    Avatar von Scrat79
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Was macht eigentlich dieses ominöse WAI, an das ich mich noch so schemenhaft erinnern kann?
    Wo ist's?
    Wo hängt's?
    Bei wem im Garten müssen wir das nächste Forentreffen machen um ihn oder sie aufzurütteln?

    Edit: Scheinbar geht ja doch noch was.
    Geändert von Scrat79 (24.02.2015 um 16:45 Uhr)
    Der Mensch wurde nicht zum Denken geschaffen.
    Wenn viele Menschen wenige Menschen kontrollieren können, stirbt die Freiheit.

  4. AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    wäre es nicht sinnvoll, die ganzen Beiträge hier einzupflegen? Ich hab komplett den Überblick verloren....

  5. AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Vielleicht könnte jemand auch mal die Karten aktualisieren oder ist das komplett hoffnungslos, da schlecht dokumentiert?

  6. Erfahren

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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Hoffnungslos ist nie etwas, aber die Einzigsten die hier etwas einpflegen können, sind die Menschen, die das WAI bewegt haben, denn nur sie haben eventuelle GPS-Tracks erstellt oder wissen zumindest, wo sie sich entlangbewegt haben. Es muß ja auch kein detailierter Bericht mit allen Stationen sein, aber eine grobe Übersicht der Strecken wäre schon hilfreich, denn mir scheint es so, daß aktuell nur Goettergatte und Digeron wissen, wo sich das WAI die letzten Meter wirklich bewegt hat.

  7. Lebt im Forum
    Avatar von derMac
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    OT: vor 6 Jahren... (man beachte auch die Reaktionen )

    Mac, geduldig wartend

  8. AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    OT: Ich darf ja etwas meckern, das Glück, zu den ersten Trägern gehört zu haben....

  9. Lebt im Forum
    Avatar von derSammy
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Jaaa, ich hab grad nachgeschaut , hatte vor 3 Wochen "4-Jähriges"

  10. Alter Hase
    Avatar von Scrat79
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Zitat Zitat von derSammy Beitrag anzeigen
    Jaaa, ich hab grad nachgeschaut , hatte vor 3 Wochen "4-Jähriges"
    4 jähriges zu was?
    Seit die Schnecke gestartet ist, oder wie lang sie nun schon steht?
    Der Mensch wurde nicht zum Denken geschaffen.
    Wenn viele Menschen wenige Menschen kontrollieren können, stirbt die Freiheit.

  11. Lebt im Forum
    Avatar von derSammy
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Dass ich auf ihr (der Schnecke) geritten bin ....

  12. Fuchs
    Avatar von uli.g.
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch


  13. Lebt im Forum
    Avatar von derSammy
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch


  14. Alter Hase
    Avatar von Stephan Kiste
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Kaum wieder hier Aktiv,
    sorgte Göga dafür, das das WAI zu Papa kommt,
    das fand ich super, war jedoch zeitlich nicht sooo flexibel wie ich wollte.



    Am Samstag, 8. August ging es dann entlich weiter auf der Ruhr.
    Beim haus Kemnade unterhalb des Kemnader Stausees
    trafen wir uns und machten die Boote startklar.



    zum Teil gemütlich ging es die Ruhr runter:







    mit ein bischen Äction :-)



    nach ca 26km kamen wir beim Steeler Kanu Club an.


    Von dort machte ich einige Tage später eine Runde über den Baldeneysee



    mit Aussicht auf die Regattastrecke und Villa Hügel




    Der Anschluss ist dann am letzten Sonntag gelegt worden,
    das WAI drehte per MTB eine Runde von Steele aus
    ca 80 Km einmal um den Kemnader See und zurück.



    und für Göga zwei Altbekannte






    So kann man jetzt leicht den Anschluß an die Sauerländer
    herstellen.

  15. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Jetzt muß ich ersma Handtücher auslegen :

    Köln - Schloß Burg/Rausmühle
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
    --------

  16. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Rausmühle - Remlingrade
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
    --------

  17. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Remlingrade - Haspe
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
    --------

  18. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Haspe - Engelbertdenkmal
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
    --------

  19. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Haspe - Wiblingwerde
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
    --------

  20. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Wiblingwerde - Neuenrhade
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
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