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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Blueface
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    [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #1
    Mitreisende: Blueface
    Land: Schottland
    Reisezeit: Mai 2009
    Region/Kontinent: Mitteleuropa

    Tourtag 1 (Sonntag)
    Drumrunie Junction - Stac Polly - Inverkirkaig - Lochinver - Drumbeg Road - Clachtoll Beach
    Tageskilometer: 55

    Zwei Männer, zwei Fahrräder, ein Ziel: Schottland.


    Unsere insgesamt fünfte Schottland-Radreise fand in diesem Jahr vom 16. bis zum 24. Mai statt. Und da wir fast überall auf dem Festland schon waren, wurde diesmal ein weisser Fleck auf unserer Tourkarte als Zielgebiet ausgewählt: Der äußerste Nordwesten. Durch die lange Anreise schrumpfte unsere Brutto-Reisezeit von acht Tagen auf sechs Netto-Tage auf dem Rad.

    Am ersten Tourtag hatten wir einen privaten Transfer per Landrover mit Anhänger zur "Drumrunie-Kreuzung". Von da aus ging es auf kleinen, fast unbefahrenen Single-Track-Strassen nach Lochinver.



    Das Wetter war während der gesamten Tour perfekt. Nur zwei, drei Schauer hatten wir während der gesamten Zeit. Hier hat uns der erste kurz nach dem "Stac Pollaidh" - ein beliebter Hügel- erwischt. (Danke für den Hinweis, Nic. Vielleicht steigen deshalb so viele da rauf)Trotz guter Tarnung, hat der Regen auch mich entdeckt.



    Loch Dubha bietet einen Anblick, wie wir ihn von den Highlands hier oben erhofft hatten: Einsame, rauhe Landschaft aus Grün, Blau und Grau.



    Wir erreichen nach Mittag die ersten Anzeichen von Zivilisation. Das kleine Dorf Inverkirkaig mit ca. 10 Häusern und einer Telefonzelle. Diese roten Häuschen wollte die britische Telekom mal abschaffen - die Bürger haben sich erfolgreich gewehrt.



    Hinter Lochinver erreichen wir auf den ersten Kilometern der "Drumbeg Road" an der Küste entlang einige wunderschöne Ausblicke. Allein dafür haben sich die Steigungen mit 15kg Zeltgepäck schon gelohnt.







    Dann geht es wieder bergab in Richtung "Clachtoll Beach", unserem Lagerplatz für die Nacht.



    Ich hatte über die Strände an der Nordwestküste zwar schon vorher gelesen. Aber die Realität hat mich an diesem schönen Tag dennoch umgehauen.







    Wäre dieser Strand am Mittelmeer, er wäre sicher überlaufen.



    Wir kriechen - natürlich im Hellen, denn es wird einfach nicht dunkel hier oben - glücklich und müde in die Schlafsäcke. Morgen steht der Rest der Drumbeg-Road bis Scourie auf dem Tourplan.

    [to be continued...]
    Geändert von Sandmanfive (06.11.2011 um 11:18 Uhr) Grund: Reisecharakter eingestellt
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  2. Erfahren
    Avatar von loopzero
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #2
    Hää, kommt da noch was?

  3. Dauerbesucher
    Avatar von Blueface
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #3
    Zitat Zitat von loopzero Beitrag anzeigen
    Hää, kommt da noch was?
    War mein Fehler: Hatte zu früh auf "Thema erstellen gedrückt". Daher musste ich jetzt alles im Editiermodus schreiben

    Gruß

    Tobi
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  4. Dauerbesucher
    Avatar von Nic
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #4
    Sehr schoen bis jetzt, vor allem tolle Fotos!

    (Aber wenn du schon mal beim Editieren bist: Stac Polly ist mit seinen 613 m noch ziemlich weit vom Munro-Status entfernt...!)

  5. Fuchs

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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #5
    Toll! Wunderschöne Fotos - macht richtig Lust auf Schottland.

    Weiter!
    Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
    vorausgesetzt man hat die Mittel.

    W.Busch

  6. Dauerbesucher
    Avatar von Nic
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #6
    Danke!!

    Und ja, bitte weitermachen!

  7. Fuchs
    Avatar von hrXXL
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #7
    sehr schöne bilder und passend zu dem bericht einen feinen dram

  8. Dauerbesucher
    Avatar von Blueface
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #8
    Danke für die netten Kommetare. Ich hatte erstmals eine DSLR auf Tour dabei. Die D60 habe ich jetzt seit 2008 und übe noch

    Jetzt aber weiter. Jeden Tag neben Familie und Job ein wenig Bericht schreiben...

    Tag 2 (Montag, 18. Mai)

    Clachtoll Beach – Drumbeg – Kylesku – Scourie
    Gesamtkilometer: 55km (bei über 1000 Höhenmetern)


    Nach dem Aufstehen. Wieder Sonne. Wieder dieser fantastische Blick. Unser zweiter Tourtag könnte nicht besser starten. Wir frühstücken mit Kaffee aus dem Kocher (toll, es gibt mittlerweile Instant-Kaffee, in dem das Milchpulver und Zucker schon untergerührt ist), Brötchen, Cheddar und Sandwich Spread (am Vorabend noch im Laden gekauft).



    Heute steht der Abschnitt auf dem Plan, vor dem diverse Internetforen warnen: Die Drumbeg Road (auch Drumbeg Rollercoaster genannt) ist eine typische Küstenstrasse. Und sie ist recht alt und klein. Daher geht es ständig bergauf und bergab. Nachteil: Schweiß. Vorteil: Sagenhafte Ausblicke.







    Als erstes erreichen wir Clashnessie Bay. Auch diese Bucht ist mit einem Traum von Strand gesegnet. Doch zum Anhalten ist keine Zeit. Uns sitzt die Angst vor dem Rest der gefürchteten Küstenstrasse im Nacken.



    Auch auf der Küstenstrasse gibt es wunderschöne Lochs mit tiefblauem Wasser und grünen Hügeln darüber. Dies ist Loch Eileanach und Süßwasser. Keine 300 Meter zur anderen Seite liegt schon das salzige Meer.



    Der "Drumbeg Rollercoaster" bringt es durch die vielen Aufs und Abs am Ende auf ca. 1000 Höhenmeter Aufstieg.



    Wir erreichen das erste „größere“ Dorf an der Küstenstrasse: Drumbeg. Kurz hinter dem Dorf liegt der Drumbeg Viewpoint, der hält, was er verspricht: Einen klasse Ausblick aufs Meer.





    Hinter Drumbeg geht es noch einmal richtig rauf. Die Straße ist zum Teil so einsam, dass man sich schon über ein Auto freut.





    Bergab tut da auch mal gut.



    Und wieder hoch.



    Am Kylesku Hotel machen wir Station und essen einen hervorragenden Salat mit gegrilltem Lachs, der so frisch ist, dass er fast vom Teller springt. Der Lachs lockt auch die Katze an. Oder war es das Bier?



    Das gelbe Heidekraut ist ein Markenzeichen Schottlands und färbt zum Teil ganze Landstriche ein.



    Gegen 17:00 erreichen wir Scourie. Nach einigen erfolglosen Versuchen ergattern wir - um dem einsetzenden Regen auszuweichen - ein B&B. Vorher wird noch ein "Gute-Nacht"-Bier gekauft und der Ort besichtigt. Hier stehen die Highland Rinder sehr nah am Zaun und zeigen wenig scheu.



    Romantisch geht über der Scourie-Bucht die Sonne langsam unter.



    Die Schafe und die Lämmer haben den Tag anscheinend genauso genossen wie wir. Nach 55km und über 1000 Höhenmetern Anstieg auf dieser verrückten Strasse, sinken auch wir müde ins Bett.



    [to be continued…]
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  9. Dauerbesucher
    Avatar von Blueface
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #9
    Tag 3

    Scourie – Laxford Bridge – Rhiconich Hotel - Durness
    Gesamtkilometer: 46km


    Der nächste Morgen beginnt mit dem Auffrischen der Wasserbestände bei der "hübschen Krämerstochter" in Scourie. Wir haben täglich ca. 1,75 Liter Wasser pro Nase für unterwegs dabei. Eine Flasche bekommt dabei immer eine Mineralstoff-Brausetablette ab. Die andere bleibt klar, damit wir damit im Notfall kochen können.



    Wir verlassen Scourie in Richtung Nordküste. Vorbei an Loch A Badhaid Daraich (uiuiui…die Namen haben es hier schon in sich) geht es zunächst an Meeresarm „Loch Laxford“ im stetigen Auf und Ab bis zur Laxford Bridge.





    Mein Tourpartner David muss oftmals auf mich warten, weil ich noch ein Foto machen will.



    Nach Laxford Bridge kommt eine knackige Steigung von ca. 20%. Rauf bis auf eine einsame, windgepeitschte Hochebene (Cárn Leacach?) auf ca. 180m (Ja ich weiß, das ist nicht viel. Aber auf ein paar Kilometer mit dem Zeltgepäck und meiner Büromensch-Konstitution. Die Pumpe ging jedenfalls). Die Landcshaft entschädigt aber mal wieder. Der Ganu Mor hat schon 911 Meter. Gut, dass wir nicht rauf müssen.



    Hier wird Torf gestochen. Hoffentlich für die Whisky-Herstellung.



    Am Ende der Hochebene geht die Straße runter ins Tal des River Dionard, der in den Kyle of Durness mündet.



    Dieser Track führt quer durch das Strath Dionard. Man kann ihm von hier mit dem Auge ewig folgen. Das kommt auf die Wander-to-do-Liste.



    Dann geht es von der Hochebene wieder runter ins Tal, dem Meer entgegen. An einer schönen alten Brücke machen wir noch einmal Rast.


    Ein idyllisches Plätzchen - schöner Kontrast zur gerade verlassenen, kargen Hochebene.



    Dann erreichen wir Durness und finden einen perfekten Parkplatz für unsere Bikes.



    Dies ist definitiv einer der schönsten Orte Mitteleuropas. Da bin ich mir sicher. Wir können uns nicht satt sehen. Ich lasse die Impressionen dieses kleinen Küstenortes mal einfach wirken. Das Wetter tat sein Übriges.



    Sind wir überhaupt noch in Schottland? Hier muss unser Zelt stehen. Nur ca. 2 Meter von der Abbruchkante einer Klippe, die direkt zu einem Traumstrand führt.



    Da müssen wir natürlich runter.



    Und - wie man an den Spuren sieht - kein Mensch hier! Es ist Nachmittag an einem Sonnentag im Mai. Und kein Mensch ist an diesem Mega-Strand. In Spanien müssten wir hier Handtuch-Hürdenlauf machen.





    Wir klettern ein wenig auf den Klippen rum und finden weitere, völlig einsame, kleine Buchten. Zum Teil von oben gar nicht erreichbar.









    Hier sieht man, wo unser Zelt steht.



    Mit den Resten der Chips zum Feierabend-Bier füttern wir die Möwen. Die dafür schöne Kunstflüge vor Traumkulisse aufführen. Angestrahlt von der untergehenden Sonne.





    Auf den Klippen über einem Traumstrand im Abendlicht. Für mich ein Moment für die Ewigkeit! Dieser Tag hatte alles, was Schottland bieten kann. Morgen müssen wir leider weiter.




    [to be continued…]
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  10. Dauerbesucher
    Avatar von Alex79
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #10
    Hi, war 2007 auf dem selben Campingplatz in Durness. Unser Zelt stand sogar an der selben Stelle wie eures! Stimme dir voll und ganz zu! Es ist einer der schönsten Plätze! Möchte unbedingt wieder hin!

  11. AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #11
    Unglaubliche Bilder. Da muß ich auch hin.

    Gruß
    Mika

    PS: Wie sieht es denn mit der Badequalität an dem Traumstrand aus?
    (Abgesehen davon, daß es kalt ist )
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  12. Dauerbesucher
    Avatar von Blueface
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #12
    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    PS: Wie sieht es denn mit der Badequalität an dem Traumstrand aus? (Abgesehen davon, daß es kalt ist )
    Chemisch-Bilogisch beurteilen kann ich das zwar nicht - aber abgesehen von der Temperatur sah das Wasser sehr einladend aus. Sehr klar! Ich poste heute Abend mal ein Foto.
    Offizielles gibt es hier:
    Sango Bay, Durness, Highland: Recommended = MCS (Marine Conservation Society) Recommended. Highest water quality standard & good treatment of any continuous sewage discharges.
    Der Strand kann ebenfalls mit jedem Karibikstrand locker mithalten. Feiner, heller Sand und sehr sauber. Die ersten Meter schienen mir auch einigermaßen flach ins Wasser auszulaufen.

    Mit uns zelteten an der Stelle noch ein Opi mit seiner Teenie-Enkelin. Die war regelmäßig Surfen. Allerdings mit Neoprenanzug

    Gruß

    Tobi
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  13. Fuchs
    Avatar von Ari
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #13
    Sehr coole Fotos.

    Zucke immer zusammen, wenn ich Euch z.B. vor Steigungen auf der "falschen" Seite fahren sehe .

  14. Dauerbesucher
    Avatar von Blueface
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #14
    @Mika: Hier mal ein Foto vom Wasser ca. 15m vom Strand entfernt (von einem Felsen aus geschossen). Man konnte tief hinein schauen.



    @arripich: Ja...Linksfahren ist Gewöhnungssache. Wobei mir das mit dem Rad immer leichter fiel als mit dem Auto.
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    Avatar von Blueface
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #15
    Tag 4 (Mittwoch)

    Durness – Loch Eriboll – Hope – Loch Hope – Altnaharra – Crask Inn - Lairg
    Gesamtkilometer: 110km (ca. 1000 Höhemeter Anstieg)


    Auszug aus dem Paradies: An diesem Morgen stehen wir zeitig auf, denn heute liegt eine längere Etappe vor uns. Noch denken wir, das es heute rund 80km bis zum Crask Inn geht, das völlig einsam auf einer Hochebene zwischen Altnaharra und Lairg liegt. Vor Wochen hatte ich per Anrufbeantworter dort ein Zimmer gebucht. Bevor wir uns auf den Weg machen, geht es noch einmal auf einen schmalen Grad genau über unserem Traumstrand zum Abschied nehmen.



    Der erste Teil der Strecke, entlang des weit ins Landesinnere ragenden Meeresarms „Loch Eriboll“ geht sehr flott, denn wir haben Rückenwind. Da wir die komplette Bucht aber auch wieder zurück müssen – eine Fähre hätte uns sicher 25km gespart – können wir uns über den Rückenwind nicht so recht freuen, denn wir werden ihn später gegen uns haben.





    Schon gegen halb Elf erreichen wir den Wendepunkt und machen die erste – allerdings kurze - Pause. Wir haben in Anbetracht der Etappenlänge beschlossen, heute eher durchzuziehen und wenig Stopps – und damit auch Fotos – zu machen. Das wird sich noch als sehr weise herausstellen.





    Der Rückweg am Loch Eriboll geht dann, wie erwartet, gegen den Wind. Dazu noch eine knackige Steigung, bevor wir die Kreuzung bei Hope erreichen. Hier wollen wir die Küstenstraße verlassen und auf einer alternativen Strecke wieder Richtung Landesinnere nach Süden. An der Abbiegung zum Pfad entlang des langen „Loch Hope“ wird es dann ungemütlich. Das Schild sagt alles: Es beginnt prompt zu regnen!



    Der Weg entlang des einsamen Lochs ist dennoch faszinierend und typisch schottisch. Außerdem können wir so mal wieder die Regenkleidung testen. Bis jetzt war, bis auf eine Stunde Ausnahme, eher Sonnencreme gefragt.





    Irgendwann dann am Wegesrand der einsamen Strecke dieser Anblick. Ich fühlte mich wie auf einer Safari: Völlig frei an einem See trinkende Highland-Rinder.



    Trotz Tempo-Etappe: Die schottische Geschichte lässt uns dann doch kurz stoppen. Eine alte Bauern-Trutzburg. Dun Dornaigil.



    Wir verlassen Loch Hope und fahren wieder rauf auf eine Hochebene. Der Regen hört auf. Aber das Schlimmste steht uns noch bevor. Als wir endlich, schon ziemlich fertig nach diesem Ritt mit Regen und Gegenwind, das Crask Inn erreichen der Schock. Das ganze Haus ist ausgebucht. Angler! Ich habe eh den Eindruck, das um diese Zeit in Schottland ausschließlich Angler unterwegs sind. Schon in Scourie hatten wir wegen der Fischfänger Probleme bei der Unterkunftssuche. Meine Nachricht auf dem AB wurde natürlich irgendwie nie gehört. Meine Lehre: immer noch mal nachhaken, bestätigen lassen und auf jeden Fall IMMER buchen, wenn man mal nicht zelten will. Jetzt hätten wir einfach wild zelten können – aber dafür war es einfach nicht der Tag. Also noch mal leiden und weitere 20-25km bis nach Lairg, wo uns der freundliche Wirt vom Crask Inn (ein sehr skurriler Ort im Übrigen) netterweise das letzte freie B&B gebucht hat. Gott sei Dank ging es recht flach weiter.









    Glücklich, aber diesmal wirklich total erschöpft, erreichen wir unser B&B in Lairg. Und das war wirklich gut. Auch wenn die Dame des Hauses etwas spießig wirkt – genau wie penibel saubre Einrichtung. Vielleicht ist ihr Sohn auch deshalb Aussteiger und tourt durch die Weltgeschichte 
    Wir gehen abends noch schön im Dorfpub essen und bekommen am nächsten Morgen dann auch (als Ersatzziele für mütterliche Fürsorge) ein phänomenales Frühstück.




    [to be continued…]
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    #16
    Tag 5 (Donnerstag)

    Lairg – Invershin – Tain - Evanton
    Gesamtkilometer: 60km


    Die Nacht im Luxus-B&B hat gut getan. Allerdings merken wir heute Morgen doch ein wenig unsere Knochen – oder besser Muskeln. Jammern hilft nicht: Rauf aufs Rad und weiter. Die heutige Etappe führt uns erstmals wieder durch dichter besiedeltes Gebiet. Wir werden zunächst dem River Oykel folgen bis er in den Dornoch Firth mündet. Hier liegt alles schon im Einzugsgebiet von Inverness. Geplant ist dann eine Zeltübernachtung direkt am Dornoch Firth bei Tain.
    Der Tag startet mit wechselnder Bewölkung auf kleinen Strassen. Wir passieren eine Touristenattraktion, die „Falls of Shin“. Hier betreibt Mohamed Al-Fayed, der Vater des beim Unfall mit Lady Di verstorbenen Dodi, ein Cafe. Der Mann ist hier in Schottland Großgrundbesitzer und es existiert eine Wachsbüste von ihm im Kilt.



    Bei Culrain liegt neben uns auf einer Anhöhe sehr imposant das „Carbisdale Castle“. Das alte Gemäuer ist heute eine Jugendherberge, die allerdings meist ausgebucht ist. Kein Wunder: Sowohl innen als auch außen verströmt sie viel schottischen Charme. Allerdings müssen wir uns kurze Zeit später wieder auf den Weg konzentrieren, denn der offizielle Radweg Nr. 1 des „National Cycle Network“ hält für und die Überquerung des Oykel bereit – auf einem Gerüst, dass abenteuerlich an die Eisenbahnbrücke geschraubt wurde. Mit 30-35kg schweren Rädern sind die Treppen nicht ganz einfach.





    Im Gegensatz zu unseren vorherigen Tourtagen, die von einsamer, dramatischer Landschaft geprägt waren, geht es jetzt wieder zu eher liebliches Kulturland. Ein schöner Kontrast.



    Wir erreichen den Dornoch Firth dann viel zu früh. Auch weil wir gestern ja unfreiwillig schon 20km mehr gefahren sind. Hier treffen Welten aufeinander: Einerseits schöne, alte Friedhöfe und andererseits liegen in der Meeresbucht mehrere Bohrinseln zur Wartung vor Anker. Ein seltsames Bild. Kurz vor Tain entschließen wir uns dann aufgrund der frühen Stunde, weiter bis nach Evanton zu fahren und erst dort zu campen. Das hat den Vorteil, dass unsere Abschlussetappe nach Inverness dann auch eher gemütlich werden wird.



    Auf dem Weg liegt allerdings noch die einzige Whisky-Brennerei unserer Tour. Da merkt man die dünne Besiedelung hier. Dafür ist es eine sehr bekannte, Glenmorangie, und wir schauen auch mal rein. Mitgenommen wird ein Probierfläschchen für den Abend. Danach verlassen wir den Dornoch Firth und fahren ab Tain über den NCN1 Richtung Süden. Die Farben sind ähnlich, wie im einsamen Hochland. Nur die Pflanzen haben gewechselt: Statt gelber Heide gibt es hier Raps.





    Am frühen Abend erreichen wir Evanton. Ein paar "Rennrad-Wimps" haben ihren Campervan nebenan stehen: Sie machen "Lands End to John O' Groats" mit Begleitfahrzeuz… Wir dagegen haben uns einen schönen Ausflug in den hiesigen Pub aufgrund unserer Leistung verdient. Schließlich haben wir unsere Wohnung auf dem Rad mit dabei.





    Einschlafen tue ich mit dem Gedanken, ob die Schilder, die hier überall hängen, mir wohl etwas über das Trinkverhalten der schottischen Jugend sagen. Und ob wir das in Deutschland wohl auch bald brauchen…



    [to be continued…]
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  17. AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #17
    Toller Bericht mit schönes Fotos. Macht wirklich Freude beim Lesen! Danke!

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    #18
    Tag 6 (Freitag) bis Tag 8 (Sonntag) – Letzter Tag auf dem Rad, Inverness und Edinburgh

    Evanton – Black Isle - Inverness
    Gesamtkilometer: 40km


    Unser letzter Tag auf dem Rad bricht an. Als wir aufstehen, sind die „Lands End to John O’ Groats“-Raser schon abfahrbereit. Wir bauen lieber in Ruhe das Zelt ab, lüften die Schlafsäcke und packen unsere Lastenesel. Zunächst geht es noch ein Stück über Land bis zum Cromarty Firth. Ursprünglich wollten wir eine ganz andere Route fahren. Dann wären wir mit der „Nigg-Ferry“ an der Nordosspitze der Blick Isle übergesetzt. Wie es Murphy will, wird diese Verbindung ihren Betreib in dieser Saison aber erst genau MORGEN aufnehmen. Einen Tag zu spät für uns. Also nehmen wir die „Winterroute“ des NCN1 und kürzen ein wenig ab. Bei „Foulis Castle“ (war übrigens heute in einer WDR-Doku über Schottland zu sehen) erreichen wir die A9 und nehmen die Autobahn-artige Brücke rüber nach Culbokie auf der Black Isle. Diese paar flachen Kilometer bei dichtem Verkehr haben mich mehr ins Schwitzen gebracht, als alle Anstiege zuvor. Wir schaffen es aber heile rüber. Auch, weil wir die Brücke schon kennen. Und hier wird es für uns nostalgisch: Vor etwa zehn Jahren hat uns unsere zweite Schottland-Radtour genau bis hierher gebracht. Weiter nördlich waren wir seitdem nicht – erst in diesem Jahr.
    Nach der Brücke noch den steilen Berg hoch nach Culbokie und dann erstmal eine Rast. Der Blick fällt zurück in die Highlands, die wir verlassen haben.







    Es geht weiter hoch auf den Hügelkamm der Black Isle. An einer Kreuzung schon wieder ein Moment aus unserer eigenen „Geschichte“. Exakt dasselbe Foto haben wir vor zehn Jahren genau in die andere Richtung gemacht. Eine schauspielerische Herausforderung für mich. Mein Begleiter meint, ich spiele das viel zu gut.



    Wir erreichen die "Black Isle Brewery". Unser letztes Tour-Highlight vor Inverness. Vor zehn Jahren haben wir hier schon eins von den "Organic Ales" probiert. Heute sind es sogar zwei. Die Sonne kommt pünktlich dazu wieder raus. Ich kann die Produkte nur empfehlen.





    Dann erreichen wir, nach sechs Tagen auf dem Rad, die Brücke über den Beauly Firth“ nach Inverness. Die Eindrücke werden uns lange erhalten bleiben, denn so dramatisch schön und abwechslungsreich war die schottische Landschaft noch auf keiner Tour. Wir kehren wieder in unserem Hotel, dem „Glen Mhor“ ein, und trocknen im Zimmer die Restfeuchte aus den Klamotten. Dann noch ein paar Fotos von der Stadt, ein gutes Ale und ein leckeres Luxus-Abendessen, das wir uns redlich verdient haben. Morgen geht es mit dem Zug zurück nach Edinburgh und Sonntag in aller frühe mit dem Rad zum Flughafen. Ein wenig Wehmut kommt bei mir auf.









    Zurück in Edinburgh ist die Hölle los: Endspiel im Heineken-Rugby-Cup. Millionen von Iren sind in der Stadt und machen die Royal Mile zur Partymeile. Leider schlafen wir genau da in einem Hostel. Also ab in einen Pub und chemisch betäuben. Wir erleben bei feinster Live-Musik einen denkwürdigen Abschlussabend, wie er typisch für diese Stadt ist (zumindest nach meiner Erfahrung). Leider müssen wir irgendwann abbrechen, um nicht zu versacken, denn morgen geht es früh zurück zum Flughafen und in die Heimat.







    Fazit: Eine Ecke Schottlands, die ich jedem ans Herz legen kann. Wer Infos braucht, kann sich gerne per PN bei mir melden. Die Gegend war irre, die Reisezeit fast Midge-frei und das Wetter fantastisch. Wir kommen wieder! Nächstes Jahr. Versprochen.

    [The End]
    Geändert von Blueface (15.06.2009 um 08:39 Uhr)
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  19. Erfahren
    Avatar von Okolyth
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    AW: [GB] Schottlands Nordwesten per Rad

    #19
    Super Bericht, tolle Fotos leider schon zu Ende könnte noch viel mehr davon lesen
    Ich denke ich weiß jetzt wo es 2010 hingehen muss.

    Gruß
    Stefan
    „Das Leben ist wie eine Schale ungarisches Gulasch! Es ist heiß, und keiner weiß, was drin ist.“ MacGyver

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    #20
    Ja, ihr haettet ruhig noch ein paar Tage dranhaengen koennen , hab mich jeden Tag auf die Fortsetzung gefreut! Sehr schoener Bericht und noch schoenere Fotos!

    Und - habt ihr schon eine Idee, in welche Gegend ihr naechstes Jahr wollt? (Man kann ja nicht frueh genug mit der Planung anfangen... )

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