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  1. Erfahren
    Avatar von Issoleie
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    [NO][SE][FI] 80 Tage Nordskandinavien

    #1
    Mitreisende: Issoleie
    Land: Norrwegen, Schweden und eine Ecke Finnland
    Reisezeit: 4.7. - 25.9. 2007
    Region/Kontinent: Nordeuropa
    4.7.-25.9.2007
    KautokeinoHemavan
    Nordkalottleden und Kungsleden
    Gemeinsam mit Tim

    <iframe src="http://quikmaps.com/ext/46899?w=552&mh=483&t=1&ln=0&sn=1&zb=0&zs=0&d=1&it=0&icd=0&lat=67.65938637009882&lng=18.25927734375&zl=6&mt=2" frameborder="0" scrolling="no" width="554" height="508" marginwidth="0" marginheight="0"></iframe>


    Reise für ein einfaches und bewussteres Leben –
    oder: Ansturm gegen den westlichen industriellen Komfort und seinen lebensfernen Frevel
    Ein Bericht


    Vorwort

    Für einige ist es wohl vergeudete Zeit im Wettlauf auf dem weiteren Berufsweg, andere halten unser Vorhaben schlicht für verrückt – wenngleich im zweifachen Sinne -, für mich ist es eine ganz und gar wunderschöne Notwendigkeit. Auszeit, Erholung, Ausstieg. Genuss in drei Monaten bloßem Naturerleben im ursprünglich freien und weitflächig unberührten Norden Skandinaviens. Eine körperliche Reise für die Seele.
    Zuerst als nur nette Idee schnell wieder verworfen, blieb mir die Tour weiter im Gedächtnis, übte eine leise, doch zwingende Anziehung aus. Der Nordkalottleden in einem Zuge. Nach dem Schulabschluss. Über einen langen Zeitraum. Warum nicht? Wir hatten die nötige Zeit, Motivation und Liebe zum Wandern. Anfang des Jahres 2007 begannen die ersten genaueren Planungen und gingen fort und fort. Die Tour nahm immer mehr Gestalt an. Das Ergebnis: 80 Tage, Kautokeino, Norwegen bis Hemanvan, Schweden. Essenspakete, die letzten Ausrüstungsgegenstände und eine grobe Etappenplanung mit Tagen für Ruhe und Notfälle. Der Rest wird sich zeigen.

    Was diese lange Reise jedoch sicher sein wird, ist ein Einschnitt. Als Abschluss von Altem und Beginn des Kommenden schreibe ich ihr eine ganz besondere Schlüsselfunktion zu, eine Schlüsselfunktion, die notwendig, aber ebenso gewollt ist. Was sich hierbei in mir und um mich verändern wird, ist bisher noch ungewiss, doch liebend gerne lass ich es auf mich zukommen. Keinen besseren Ort kann ich mir dafür wünschen als die freie Natur, in der alles kraftvoll ruht, wie sie auch jeden, der sich auf sie einlässt, kraftvoll in sich und ihr ruhen lässt. Was ich suche, ist das neu erblühende Leben; eine Sonne, die wärmt; Wind, der erfrischt; Erde für den weichen, festen Schritt.


    4.7.
    Berlin – Oslo
    Raus

    Bemerken, Vermerken, Organisieren, Realisieren. Abschließen. Auch wenn diese anstrengende Gewohnheit und das Viel an Dingen, die noch eben jenen Prozess durchlaufen mussten, mit dem heutigen Tag ein Ende finden sollte, war genau das einmal mehr unabdingbar. Ein letztes Treffen mit dem besten Freund, Abschied auch vom Vater. Erledigen, machen, organisieren zwischendurch: Nur nichts vergessen.
    Sechs Uhr Abends gehen wir mit vollen Rucksäcken los. Der Ausrüstungsladen ist noch letztes Ziel vor der Abfahrt. Mückennetze müssen noch gekauft werden. Besonders da gilt wohl aber: Besser spät, als nie. Ungeplant wird auch noch ein Schuhladen angesteuert. Natürlich haben wir etwas vergessen. Wäre ja auch recht langweilig, alles glatt abzuwickeln. Auf der letzten Tour noch als herausragender Ausrüstungsgegenstand mit optimalen Gewicht, Preis und nutzen hoch gelobt, habe ich dieses Mal meine Furtschuhe schmählich im Schrank liegen gelassen. Nicht ohne Grund fühlten sie sich wohl eher zu Badelatschen denn Trekkingsandalen berufen. Ohne besonderes Feingefühl für die besonderen Einsatzbereiche der nächsten, gehe ich auch schon wenig später mit neuen Flipflops aus dem Laden. Alles erledigt also und wir können schließlich voll ausgestattet und mit gutem Gefühl den Flug antreten. Im bekannten Osloer Flughafen bieten dann Polsterbänke, die uns bisher unbekannt waren, unerwarteten Komfort. Bei Licht, Flughafenbetrieb samt Geräuschkulisse versuchen wir gegen Mitternacht Ruhe zu finden, was auch recht gut gelingt.


    5.7.
    Oslo – Alta
    Alles bestens
    (Der Titel, der Severin gewidmet ist)

    Die Nacht war eine typische Flughafennacht und früh am Morgen geht es noch immer müde und schwer zur Maschine nach Alta. Die Aussicht auf die Landschaft unter uns lässt die kommende Tour noch freudiger erwarten, es schweift von Einem zum andern der Blick: schneebedeckte Flächen und Gipfel schimmern in der Sonne, sanfte Täler ziehen sich und immer wieder ist die Landschaft von den zahlreichen Flüssen und Seen durchbrochen; lange Fjorde, die die Küste zerreißen, in der Ferne das Meer, im Hintergrund gewaltig und schroff aufsteigend die Lofoten.
    Freundlich erwartet uns der kleine Flughafen Altas, hell und warm scheint die Sonne auf uns, klar ist die Luft und frisch auch eine ständige leichte Brise. Die Umgebung mutet mit ihren vielen Hügeln wunderbar an und es geht uns reichlich gut. Schon fühlen wir, wie diese so freie Zeit bald beginnt, der Norden uns wieder packt, Zwar mit Unsicherheiten ob der morgigen Weiterreise, doch entspannt essen wir die Reste des letzten Tages, packen die Rucksäcke, die nun beim weiteren umherhieven deutlich ihr Gewicht spüren lassen.
    Wie verabredet treffen wir uns nach kurzer Busfahrt durch die kleine, doch sich lang ziehende Stadt mit Severin, der für ein Jahr hier wohnt und arbeitet. Freundlichst willkommen geheißen und mit einem eigenen zur Verfügung gestellten Zimmer fühlen wir uns sofort wohl und erkunden nach kurzer Einweisung zu zweit die Fjordküste Altas. Breite geschwungene Hügel ziehen sich nach oben zu den Häusern, licht stehen die Bäume nicht weit vom Wasser. Wir genießen die Stille hier, sitzen lange auf den Steinen des Strandes und kommen langsam an.

    <a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146807342089385378"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20iAjicNaI/AAAAAAAAAxg/L09-_uWeqPE/s400/100_8227.jpg" /></a>

    Schließlich aber geht es noch einmal weiter, die Küste wird erkundet und als das Freilichtmuseum am erreicht ist, ist dort für uns kein Weiterkommen mehr möglich. Also zurück, wobei wir uns noch kletternd an einem der steileren Hänge versuchen, die Beine schon einmal für die nächste Zeit anwärmen.
    Durch die Stadt schließlich wieder an unserem Raum angekommen, treffen wir uns erneut mit Severin, der jetzt seine Arbeit beendet hat. Nach kurzer Zeit ist eine Tour für den Abend geplant und ein nettes Gespräch und die nötigen Besorgungen für den Abend später fahren wir mit dem Kleinbus über typisch norwegische Schotterstraßen mit Tempo achtzig von einem Schlagloch zum nächsten. Am Ziel angekommen, lassen wir das Auto am Waldrand stehen und beginnen gegen sieben Uhr abends unsere kleine Wanderung. Mit Kleidung, Essen und Brennholz im Gepäck laufen wir durch offene Krüppelbirkenwälder nach oben. Zwar ist es angenehm warm, die Sonne scheint noch immer kraftvoll, doch schon bald müssen wir uns mehr ankleiden. Wie gedacht haben unzählige Mücken wohl nur auf uns gewartet, umschwirren uns nun ständig geben einen Vorgeschmack auf die nächste Zeit.
    Nach einstündiger und trotzdem schöner Wanderung, auf der wir über den erhaltenen Hinweis auf Furtschuhe dankbar waren, sind wir bei anhaltend angenehmen Wetter am Ziel des Abends: Mächtig und tosend stürzt vor uns ein Wasserfall hinab, dessen Sprühnebel von warmen Licht der Abendsonne golden beschienen werden.

    <a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146807823125722562"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20icjicNcI/AAAAAAAAAxw/bmkvqpHX59I/s400/100_8233.jpg" /></a>

    Fasziniert und begeistert erkunden wir den oberen Teil des Falls, laufen über breite Felsplatten und blicken schließlich von der Abbruchkante hinab. Vom wunderschönen, idyllischen Tal weiter hinten im Rück müssen wir nach kurzer Zeit wieder aufbrechen, um zu unseren zurückgelassenen Sachen zu kommen. Wir richten uns gemütlich ein und schon bald brennt munter und mit viel Rauch ein Feuer auf dem Schneefeld. Bei Abendessen und Gespräch genießen wir diesen schönen und taghellen Abend, netzen die Schneeflächen für allerlei Unsinn und sind einfach froh, in der Natur zu sein. Erst um elf Uhr brechen wir schließlich auf.
    Nach langer Autofahrt, auf der noch die ein oder andere sehenswerte Stelle angeschaut wird, kommen wir in der Wohnung an, organisieren noch das Wesentliche für die morgige Abreise und schlafen gegen zwei Uhr bei immer noch taghellem Licht und lauen Temperaturen ein.


    Nun, soweit erst einmal. Ich hoffe, dass ich halbwegs schnell weiterkomme.
    Allerdings wüsste ich doch vorher gern, ob an so einem langen Bericht überhaupt Interesse besteht. Sollte das nämlich nicht wirklich der Fall sein, dann spare ich eine Menge an Zeit. Sollte aber jemand hier gerne mitlesen, dann lohnt sich die Mühe. Versprochen habe ich es ja fast schon im Thread zu den Reisevorbereitungen, womit ich gleichfalls hier noch mal ein großes Dankeschön zu allen Helfern sende.
    Beste Grüße
    Flo

    Bevor ich es vergesse: Hier gibt es wieder ein paar mehr Fotos, allerdings nur bis zu dem Tag, der auch im Reisebericht beschrieben wird. Man will ja nicht zu viel vorab verraten. <table style="width:194px;"><tr><td align="center" style="height:194px;background:url([url]<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/RznsbMI22RE/AAAAAAAAAgM/YT2ICvjaQKo/s160-c/80DaysScandinavia.jpg" width="160" height="160" style="margin:1px 0 0 4px;"></a></td></tr><tr><td style="text-align:center;font-family:arial,sans-serif;font-size:11px"><a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia" style="color:#4D4D4D;font-weight:bold;text-decoration:none;">80 Days Scandinavi<wbr></wbr>a</a></td></tr></table>
    Geändert von Sandmanfive (04.11.2011 um 22:28 Uhr)

  2. Fuchs
    Avatar von KuchenKabel
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    #2
    Ob so ein Bericht gewünscht ist? Ob so ein Bericht gewünscht ist??? Aber hallo! Dank diesen Berichten weiß ich immer wieder, warum ich für einen Rucksack oder für ein Zelt viel zu viel Geld ausgebe. Weil es das wert ist ! Also schreib bitte weiter ;).
    ,,Man wäre kein guter Anarchist, wenn man auf Grundsätzen beharren würde!'' - Eva Demski

  3. Erfahren

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    #3
    Ich denke auch das es genug dankbare Leser gibt. Hau in die Tasten

    Gruß Dirk

  4. Dauerbesucher
    Avatar von Susanne
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    #4
    Bin auch sehr gespannt auf den Bericht, also bitte weitermachen!!!
    Gruß Susanne
    havet - Ölmalerei
    Blomstene på fjellet er formet som klokker og stjerner. Sagnet sier at det er fordi vidda ligger så nær himmelen. Pedder W. Cappelen

  5. Gesperrt Fuchs

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    #5
    Klar weiter machen. So ein Foum lebt davon.

    Herzlichen Glückwunsch, dass ihr mal die Zeit hattet, 80 Tage raus konnten. Wer weiß, ob ihr euch so was jemals wieder leisten könnt.

    Gruss

    Erny

  6. Erfahren
    Avatar von schnuffiwuffi
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    #6
    Auja auf alle Fälle weiter machen! Der Bericht vom letzten Jahr war schon super. Und ich schließe mich KuchenKabel: gerade über den Winter liest man doch gerne hochinfektiöse Reiseberichte um sich auf die kommende Saison vorfreuen zu können

    Schnuffiwuffi
    Regnet kommer, regnet går - og bak ligger alltid solen

  7. Anfänger im Forum
    Avatar von libero
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    #7
    aber absolut, reiseberichte sind super (vor allem wenn man arbeiten oder für die uni lernen müsste... )! und eine 80-tage-tour verlangt ja gradezu nach einem bericht!

  8. Dauerbesucher

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    #8
    Ich würde mich auch über einen Bericht freuen, so immer weiter zu lesen, und dabei von zukünftigen eigenen Touren träumen.
    Zitat Zitat von Erny
    Herzlichen Glückwunsch, dass ihr mal die Zeit hattet, 80 Tage raus konntet. Wer weiß, ob ihr euch so was jemals wieder leisten könnt.
    Diese Glückwünsche auch von mir. Diesen Zeitraum hat man wirklich nicht oft zur Verfügung.

    Gruß hikingharry

  9. Erfahren
    Avatar von carola_trekking
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    #9
    auf jeden Fall gibt es interessierte Leser für so einen Bericht - der Anfang hat schon mal starken Appetit auf mehr geweckt, sehr schön geschrieben!

  10. GELÖSCHT Erfahren

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    #10
    Ich freu mich auch schon auf die nächsten Teile deines Berichts.
    Danke für die Mühe!

    /morena

  11. Fuchs
    Avatar von kleinhirsch
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    #11
    Zitat Zitat von Flaublosch Beitrag anzeigen
    Ai, verdammt. Da habe ich doch tatsächlich die Länderkürzel vergessen.
    Da das offenbar neuerdings im Titel nicht mehr selbst zu bearbeiten ist, oder ich mich dafür zu dämlich anstelle, bitte ich, einen Mod das zu entschuldigen und nachzuholen... Sorry für den Mehraufwand.
    Danach kann der Post hier wouhl gelöscht werden.
    Danke vielmals
    Flo
    hallo,

    das geht doch noch - hab ich aber in einen anderen thread gepackt, damit es alle finden...

    uli

  12. #12
    Allerdings wüsste ich doch vorher gern, ob an so einem langen Bericht überhaupt Interesse besteht. Sollte das nämlich nicht wirklich der Fall sein, dann spare ich eine Menge an Zeit. Sollte aber jemand hier gerne mitlesen, dann lohnt sich die Mühe.
    Mach mal! Dann habe ich mal wieder einen Grund mehr, mich ins Forum mit den Reiseberichten zu klicken.

    Werner

  13. Erfahren

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    09.10.2006
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    #13
    ja vielen dank für die Widmung!
    Aber Hallo! Umbedingt weiterschreiben!

    Ich freue michs schon rießig und bin gespannt, was Ihr alles erlebt hat in den darauffolgenden 80 Tagen.

    LG,
    s
    Ein Jahr Norwegen – traumhaft (und manchmal auch ein wenig schwierig)

  14. #14
    Zitat Zitat von kleinhirsch Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Flaublosch Beitrag anzeigen
    Ai, verdammt. Da habe ich doch tatsächlich die Länderkürzel vergessen.
    Da das offenbar neuerdings im Titel nicht mehr selbst zu bearbeiten ist, oder ich mich dafür zu dämlich anstelle, bitte ich, einen Mod das zu entschuldigen und nachzuholen... Sorry für den Mehraufwand.
    Danach kann der Post hier wouhl gelöscht werden.
    Danke vielmals
    Flo
    hallo,

    das geht doch noch - hab ich aber in einen anderen thread gepackt, damit es alle finden...

    uli
    Da es aber nicht ganz funktioniert, sprich es wird nur im ersten Post, aber nicht wirklich im Threadtitel geändert, habe ich es jetzt noch ganz gemacht.

    Frue mich schon auf den weiteren Bericht, und habe dann hoffentlich mehr Zeit zum lesen als im Moment gerade...

    Gruss
    Henning
    Es gibt kein schlechtes Wetter,
    nur unpassende Kleidung.

  15. Erfahren
    Avatar von Issoleie
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    29.10.2005
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    #15
    6.7. – 1.Tag
    Kautokeino – Cunovuoppi
    19km; 5h20; ca. 300m hoch, 283m runter
    Neues

    Früh nehmen wir den kleinen Bus nach Kautokeino, den wir nach der kurzen gestrigen Nach für einen erholsamen Schlaf nutzen. Gegen halb elf angekommen, machen wir uns auf die Suche nach dem Einstieg zum Nordkalottleden und nach einer Stunde Irrweg haben wir uns schließlich erfolgreich durchgefragt. Nicht das allein die Verkehrung von Nord und Süd Schuld hat, die zugegebener Maßen nicht der beste Start im Orientierungsbereich dieser Tour ist. Nein. Auch jetzt stehen wir vor einem unscheinbaren Schild mit dem Datum 1993.
    <a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146805246145344802"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20gGjicNSI/AAAAAAAAAwU/TF7AOvNDFG4/s400/100_8244.jpg" /></a>

    Letztlich haben wir also sogar noch Glück gehabt, denn sicher sein kann man sich nie, dass man zum Beginn des Nordkalottledens gelangt, bevor man nicht genau hier steht. Trotzdem: Wirklich spektakulär kann man das hier nicht nennen; fast schade für diese doch besondere Tour. Auch wenn also leicht der Eindruck entsteht, man wolle verhindern, dass viele Wanderer diesen Weg nutzen, ist entgegen der vorigen Hinführung zum Startpunkt die eigentliche Route sehr gut markiert und so gehen wir froh und gespannt über auf den Pfaden. Sumpfig ist es hier schon anfangs und auch die schon verwitterten Birkenstämme, die behelfsweise auf den Wegen liegen, bieten keine große Trittsicherheit und so sinken wir häufig ein. Auch die immer wieder das Moor unterbrechenden Waldpassagen lassen uns kaum schneller vorankommen. Zum großen Verdruss begleiten uns jetzt auch anhaltend Mücken, unzählige Mücken, aggressive Mücken. Auf alle freien Körperstellen stürzen sie sich, Bewegung macht da keinen Unterschied, nur die eigene Unruhe wird vermehrt. Unerwartet wenige Wasserstellen zwingen uns zudem zu einem sparsameren Umgang mit unserem Trinken, als wir es gewohnt sind. Ich bin noch nicht richtig hier in der Natur angekommen und der Unannehmlichkeiten sind mir zu viele, auch wenn ich mich keinesfalls auf bloßen Spaziergang eingestellt hatte. Meine Stimmung ist gedrückt, kaum kann ich mir vorstellen, für drei Monate nichts anderes zu haben als das hier. Doch zu lang? Doch zu langweilig? Zu anstrengend? Ich bin mir unsicher, ob ich diese Tour wirklich will.
    Durch waldiges Gebiet steigen wir auf, entscheiden uns trotz der Hitze für lange Kleidung gegen die Mücken und die Stimmung wird sofort besser, entspannter ist es jetzt. Nach der vorerst höchsten Stelle auf etwas 460Hm geht es erneut hinab in die sumpfigen Gegenden. Wohl dreißig Zentimeter steht das Wasser hoch. Vorsichtig auf jeden Grasbüschel tretend oder immer öfter auch rücksichtslos geradezu geht es dem Goaskovarri entgegen, von dessen Höhe wir uns erneut weniger Mücken und Morast erhoffen. Doch selbst am beginnenden Aufstieg durch den Wald bleibt beides wegbestimmend und erschöpft durch die schweren Bedingungen gewinnen wir nur langsam and Höhe, bis wir schließlich auf offene Hügelkuppen gelangen und mit sehr viel mehr Leichtigkeit und Frohmut wandern können.
    Nach dem Gipfel wohl zu weit östlich gehalten, kommen wir ein gutes Stück unterhalb der angepeilten Abzweigung zum Etappenziel Cunovuoppi auf die Straße. Bis zur erhofften Stelle geht es also noch ein Stück weiter auf Asphalt; nicht schön, aber die Richtung stimmt. Schon von Weitem die Kohte der kleinen Samisiedlung um Blick, wandern wir erschöpft zwar doch zufrieden mit dem Tag und besonders den letzten Abschnitt sowie das anhaltend sonnige Wetter das letzte Stück bis zu den Häusern. Leider sind wir gezwungen, etwas weiter vom Wasser gegen sieben unser Lager aufzuschlagen, doch glücklich sind wir, nach diesem ersten Wandertag, der ein doch anstrengender war, eine geeignete Stelle gefunden zu haben.
    Wie seit einiger Zeit schon geplant, scheide ich mir hier, an diesem Tag, der Neues einleitet, meine Haare zum ersten Mal seit über vier Jahren. Ich schaue ein wenig reumütig, doch auch befreit und froh auf das blonde Büschel Dreadlocks auf dem Boden. Es ist die Zeit der symbolträchtigen Ereignisse und sofort gehen wir zum Wasser und obwohl der Wind schnell abkühlt, ist es so warm, dass wir uns für ein längeres, unglaublich wohltuendes Bad nutzen. Wieder draußen, freuen nicht nur wir uns über die Wäsche, auch die Mücken sind zahlreich erschienen. Mit Handtüchern wedelnd, die Sachen halb angezogen, halb auf dem Arm, gehen wir also recht schnell wieder zum Zelt zurück. Mit einer warmen beenden wir den jetzt kühlen Abend, führen noch Gespräche im Zelt. Es war ein fordernder, ereignisreicher erster Wandertag, es war ein schöner.


    7.7. – 2.Tag
    Cunovuoppi – Dúl´ljaddasjokka
    12km; 3h35; 314Hm hoch, 221Hm runter
    Zwischen den Flüssen

    Windig und bewölkt erwartet uns der zweite Wandertag am späten Morgen und nachdem wir noch eine Weile weitergeschlafen haben, bauen wir das Lager ab und erledigen unsere wenigen Tagesvorbereitungen. Tatsächlich funktioniert alles schon recht gut, kann und sollte aber auch noch im Verlauf der Tour verbessert werden. Wenn alles Routine ist und man nicht mehr nachdenken muss, wo was liegt und steckt und vergraben ist, dann hat man auch das nötige Maß an Sicherheit erreicht, um den meisten Situationen angemessen zu begegnen. Um also gleich weiterzumachen: Natürlich gibt es Müsli. Wir gehen diesen Tag also eher gemütlich an, der ohnehin ein sehr kurzer sein wird.
    Ohne große Steigungen gehen wir durch Krüppelbirkenwälder auf breiten Wegen, die uns durch eine schöne, aber nicht spektakuläre Landschaft führen. Die Wirkung dieser Umgebung ist aber ungemindert stark. Einsam ist es hier, sehr einsam und ruhig. Genau das Richtige, um einzutauchen in dieses Nordskandinavien, diese ursprüngliche Natur.
    Nur selten müssen wir durch morastige Passagen waten und kommen schnell voran. Immer wieder über seichte Fjellkuppen wandernd und beständig von einem kräftigen Wind umweht, lassen uns auch die Mücken am heutigen Tag größtenteils in Frieden. Das sie erwähnt werden, liegt aber nichtsdestotrotz daran, dass wir uns noch lange nicht an sie gewöhnt haben. Schließlich muss der erste tiefere Fluss gefurtet werden, was entsprechendes Schuhwerk verlangt. Auf der anderen Seite, beschließen wir, das kurze Stück bis zum nächsten breiteren Wasserlauf, den wir auf der Karte erkennen können, in Flipflops zu gehen. Das erweist sich zwar leichter als erwartet und gibt zudem doch ein recht kurios anmutendes Bild, wird jedoch auch durch die länger als gedachte Distanz durchaus mit der Zeit unangenehm. Halt hat man natürlich nicht, die harten Sträucher kratzen über die Haut und als wir dann den Sorrebassinjohka vor uns sehen, ist schnell klar, dass der ganze Spaß noch nicht einmal einen Nutzen hatte. Bequem kann der seichte Fluss auch mit normalen Wanderschuhen überquert werden. Direkt im Anschluss allerdings folgt das anspruchvollste Moor: etwa zwanzig Meter breit und Knietief verlangt es viel Geschick und Kraft und nicht zuletzt eine gewisse Freude am Matsch. Als sich zeigt, dass ich die sehr viel besseren Schritte gewählt habe, stehe ich schon auf der anderen Seite auf festem Grund und lache Tim entgegen, der mit beiden Beinen knietief und schuhlos im Schlamm steckt und keines herausbekommt. Als jedoch auch er schließlich aus dem Sumpf hinaus ist, freuen wir uns über den großen Spaß und können nur lachend vermuten, dass der wieder entdeckte Weg weiter links durchaus besser zu gehen gewesen wäre.Der Rest des Weges ist erneut von seichten Hügeln und offenen Flächen geprägt, über die wir dem letzten Anstieg des Tages entgegengehen. Auf der Kuppe der Hügelkette angelangt, bläst uns der Wind mit enormer Kraft entgegen. Herbstlich ist das Wetter. Unter uns ist nun das kleine verlassene Samidorf zu sehen, in dessen Nähe wir heute unser Zelt aufstellen wollen.
    Nachdem wir die Gegend um die zwei Flüsse erkundet haben, entscheiden wir uns für einen Platz kurz hinter dem Dealljadasjohka und bauen auf.

    <a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146806319887168850"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20hFDicNVI/AAAAAAAAAw0/qZScP9zmAQA/s400/100_8257.jpg" /></a>
    Solange ich nicht da liege, eine gute Routine... so professionell haben wir das immer gemacht

    Nach kurzer Wäsche ruhen wir für eine Weile im Zelt, da es unaufhörlich stürmisch windet. Ausgeruht und bei ruhigerem Wetter schauen wir uns am Abend die Hütten der Sami an und finden ihre Lagerstätte unordentlich und verdreckt vor. Nicht lange hält uns dieser uncharmante Platz und schon bald gehen wir zurück, um das Abendbrot vorzubereiten. Da der Wind nachgelassen hat und die Sonne wärmend scheint, beschließen wir, länger die Natur im Freien zu genießen. Ich entzünde ein Feuer, was nicht nur die nun zahlreicher werdenden Mücken vertreibt, sondern auch angenehmer Ruhe- und zeremonieller Verbrennungsort meiner einstigen Haartracht wird. Gegen zehn Uhr suchen wir Schutz im Zelt; ja: Noch immer haben wir uns nicht an die Mücken gewöhnt und ihre Anzahl macht uns das nicht leichter. Ich schreibe und Tim ruht; recht bald auch schlafen wir ein.


    8.7. – 3.Tag
    Dúl´ljaddasjokka – Ráisjávri
    17km; 4h; 327Hm hoch, 348Hm runter
    Windwanderer

    Neun Uhr lassen wir uns wecken. Wir haben uns noch nicht dafür entschieden, einfach irgendwann aufzuwachen und los zu wandern, da wir nicht erst am Mittag den Tag beginnen wollen. Auch dieser Morgen erwartet uns sonnig, der harte Wind hat aber ebenso wenig nachgelassen. Nach dem Abbau des Lagers beginnen wir unseren dritten Wandertag gut gelaunt und ausgeruht. In sanften Aufstiegen geht es hinauf zum Jeageloaivi, von dem aus wir die weite Hügellandschaft überblicken können. Mit sehr leichtem Schritt folgen wir dem Höhenzug nach Norden über das offene Fjell, auf das wir schon so sehnsüchtig gewartet haben. Flechten und kleines Strauchwerk bedecken den Boden, immer wieder entdecken wir schöne Rentiergeweihe und wäre es nicht ganz und gar unnütz, ich hätte schon lange eines dieser weich geformten, glatten Symbolträger mitgenommen. Von einer Kuppe über die nächste führt der Weg. Es geht uns fantastisch und wir haben uns schon mit großem Genuss an diese Einsamkeit, die wir hier gesucht haben, gewöhnt. Plötzlich aber durchzuckt es mich gewaltig und auch Tim ist erschreckt, als rot und wackelnd immer mehr ein uns entgegenkommender Wanderer sichtbar wird, so wenig hatten wir das gerade jetzt erwartet, so vollkommen waren wir schon abgetaucht. Nach erster englischsprachiger Verständigung wechseln wir auch schnell zum Deutschen, denn wie kaum anders zu erwarten, sind wir auf einen Landsmann getroffen, mit dem sich ganz wunderbar unterhalten lässt. Das Übliche wird besprochen und wir verabschieden uns mit den besten Grüßen. Zwar ist es nicht das was ich hier suche, ab und an ist ein Gespräch mit anderen Wanderern aber eine angenehme Erfrischung auf dem Weg, eine kleine Unterbrechung des gewohnten Rhythmus.
    Froh und beschwingt kommen wir weiter schnell voran und erreichen schon bald den Rivkkö, auf dessen höchstem Punkt wir im Schutze des mannshohen Steinhaufens unsere Mittagspause ohne stürmischen Wind genießen.

    <a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146806538930500962"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R20hRzicNWI/AAAAAAAAAw8/MaBkxVtVXr8/s400/100_8262.jpg" /></a>

    Weiter unten im Nordwesten ist schon der lang in der Landschaft liegende Ráisjávri zu sehen, an dessen Ufer unser heutiges Lager sein soll. Leichte Hügel bestimmen die Gegend, die nun auch von mehr Gewässern durchzogen ist, in der Ferne sind schneebedeckte Bergketten zu erkennen. Uns geht es ganz und gar gut. Seit einer Weile habe ich es sogar doch noch geschafft, den Hüftgurt des zu kurzfristig gebraucht gekauften Rucksacks and den Körper zu pressen, wodurch es sich nun viel besser wandern lässt. Ich mache mir Hoffnungen, meine blutig gescheuerten und von Hämatomen besetzten Hüften in der nächsten Zeit zu schonen.
    Recht leicht steigen wir zum See hinab und nachdem wir eine moorige Passage hinter uns gelassen haben, werden wir nun auch von den Mücken im anschließenden Waldteil am Ufer des Sees erwartet. Kurzzeitig verlieren wir den Weg und müssen uns auf eigene Faust durch die hohen Sträucher schlagen. Viel kann man hier aber nicht falsch machen und schon bald treffen wir in Seenähe wieder auf die Markierungen. Diesen noch eine Weile folgend, erreichen wir die Unterkunft des DNT and der Nordostspitze, die zwar erwartungsgemäß verschlossen ist, uns aber eine schöne Zeltmöglichkeit bietet.
    Ein ganz wunderbarer Ort ist das hier. Klar, ruhig und sandig ist das Ufer des Ráisjávri, der nach dem Zeltaufbau für ein kaltes, erfrischendes Bad genutzt wird. Von den zahlreichen Mücken bei nun schwächerem Wind kapitulierend, suchen wir das Zelt auf. Dank der Größe lässt es sich hier doch sehr angenehm verweilen und so schreiben, spielen und entspannen wir bis zum Abend. Vor der Mahlzeit bereiten wir noch Bannocks für die nächsten zwei Tage zu, die wir am liebsten schon jetzt essen würden. Wie die Meisterköche hätten wir fast flambiertes Essen gehabt, mit Glück entzündet sich das Öl aber erst kurz nach dem letzten Fladen. Die Mücken gesellen sich ebenfalls zu uns und es wird eine recht bunte Runde. Das Abendessen wird gekocht und die Hände benutzt, um diese kleinen schwarzen Punkte wegzuwedeln oder nicht weniger häufig aus dem Topf zu fischen: Gerne würde ich auch noch auf dieser Tour meine vegetarische Ernährung beibehalten. Möglichst schnell erledigen wir den Rest vor der Nacht, nachdem wir im Schutz des Zeltes geschlafen haben und verschwinden dann wieder. Gegen zwölf Uhr finden wir Schlaf.


    9.7. – 4.Tag
    Ráisjávri – Nähe Gironjavrrit
    16km; 4h10; 223Hm hoch, 115Hm runter
    Mückenplagen

    Wir lassen uns erneut um neun Uhr wecken und stehen ungewohnt schnell auf, da uns einsetzender Nieselregen befürchten lässt, das Zelt nass einpacken zu müssen. Viertel elf beginnen wir dann also den Wandertag bei guten Kräften. Der Himmel ist noch morgendlich bedeckt. Da aber kein Wind bläst, ist es trotzdem recht warm. Dem Ufer des Ráisjávri folgend, gelangen wir schnell zum Moor an dessen Nordseite, in dem wir auch heute wieder den nur spärlich markierten Weg verlieren. Die Passage ist anstrengend und wie gewöhnlich umschwärmen uns hunderte Mücken. Glücklicherweise aber ist auch der Weg bald wieder gefunden, der kurze Zeit später tiefen Buggyspuren folgt. Schon anfangs wollte ich diese Richtung einschlagen und beschließe, von nun an meinem Orientierungssinn und Instinkt in größerem Maße zu vertrauen.
    Deutlich schöner wird auch die Landschaft erst, als wir das Moor verlassen und lichtere Hügel erreichen. Schnell jedoch sind wir in dichtem Wald, den wir für die nächste Zeit kaum verlassen. So rechte Freude will uns deshalb nicht packen und ereignislos wandern wir bei nun aufgeklartem Himmel. Es scheint nun zwar die Sonne, allein die feste und warme Kleidung müssen wir zum Schutz gegen die Mücken anbehalten. Wir ärgern uns zwar, keine Chemikalien gekauft zu haben, müssen aber dabei immer aufpassen, nicht in Frust zu verfallen, allzumal uns diese Plagegeister noch über einen Monat mehr oder weniger begleiten werden. Erfreut betreten wir jedoch im letzten Abschnitt des Tages das Fjell, haben wunderbare Ausblicke nach allen Seiten und ein kräftiger Wind bläst uns endlich in die Gesichter.
    Gegen vier Uhr werfen wir die Rucksäcke ab und suchen uns einen Platz für das heutige Lager. Nachdem wir jedoch an dem Ufer des Gironjávrrit auf eindeutig zu viele Mücken gestoßen sind, entscheiden wir uns für einen dem Wind ausgesetzten, freien Zeltplatz links des Weges auf einer Hügelkuppe. Wir waren mit dem ersten einfach nicht glücklich geworden und als wir schließlich einen Ausflug in die Umgebung gemacht haben, die Aussicht genossen, fanden wir letztlich auch den nun gewählten. Ein ganz schönes Hin und Her ist das zwar heute, aber man will ja genießen. Und mit den Mücken sind wir immer noch nicht gut Freund. Die Titelwahl deutet ja schon darauf hin, dass dies momentan einfach einer der bestimmenden Faktoren für uns ist.

    <a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146808871097742866"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20jZjicNhI/AAAAAAAAAyc/TzA0IqjpovM/s400/100_8267.jpg" /></a>

    Trotzdem sitzen wir noch eine Weile draußen und schauen in die grünen, teils sumpfigen Täler unter uns, bevor wir das Zelt aufbauen und uns hineinlegen.
    Am frühen Abend beginnt es zu regnen, tief dunkel ist der Himmel und die Mücken suchen wie wir den Schutz des Zeltes. Als ich mich gerade frage, wie wir die Interessen der Mücken und die unsrigen vereinbaren können, starten wir eine letzte Großaktion „Keine Ruhe den Ruhestörer“, schütteln die Wände hin und her und mit einem Male kommen mir die lange Zeit vergessenen Schneeklappen an den Lüftern in den Sinn: Entspannung und mindestens der Ausgleich zum 1:1. Wir kochen im Zelt. In Ruhe. Da wir recht müde sind, schlafen wir schon gegen halb elf ein.


    10.7. – 5.Tag
    Gironjávrrit – Nedrefosshytta
    15km; 4h18; 206Hm hoch, 588Hm runter
    Fallende Wasser

    Zur gewohnten Zeit wachen wir auf, lassen uns jedoch mit dem Aufstehen Zeit, da es die Nacht hindurch geregnet hat und das Zelt so noch kurz trocknen kann. Jedenfalls ist das unsere offizielle Begründung. Der Tag wird nicht lang sein und wir haben die Zeit. Schließlich packen wir trotzdem nass ein und beginnen die Wanderung bei typisch skandinavischem, rauen Wetter. Der Himmel ist bedeckt und die tief hängenden Wolken umschließen die Berge, kühler Wind weht über das Fjell. Über Hügel geht es Ruchtung Westnordwest, immer wieder treten wir auf sumpfigen Untergrund, nasse Sträucher streifen die Beine.
    Nach einer Zeit im Fjell unterschreiten wir wieder die Baumgrenze, steigen langsam hinab über steinbesetzte Wege, was durch die noch immer sehr schweren Rucksäcke allerdings schwerer als erwartet ist. Das Reisadalen liegt nun vor uns. Der Abstieg wird steiler, der Wald dichter, je näher wir diesem üppig grünen Tal kommen. Leichter Nieselregen setzt ein und wir nehmen den Weg zum Imofossen – natürlich. Die Rucksäcke lassen wir zurück und klettern schnell auf die letzte Felsplatte: Der Blick kann nicht ablassen von den zwei mächtigen Wasserfällen vor und unter uns, die sich rauschend in einem Becken vereinigen und eine so anziehende Gewalt ausstrahlen.

    <a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146809090141074978"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R20jmTicNiI/AAAAAAAAAyo/-GrttMszAt0/s400/100_8274.jpg" /></a>

    Nachdem wir alle Blickwinkel und Felsvorsprünge erkundet haben, sitzen wir fasziniert und innerlich aufgewühlt, selbst energiegeladen, auf den Felsen uns ruhen aus, wissen, dass solche Eindrücke einen prägenden Teil der Tour darstellen.
    Schon bald, doch nach kurzen steilen und anstrengenden Anstiegen, gelangen wir wieder auf den Weg, der auf weichem Boden nahe dem rauschenden Hauptstrom das Reisadalen entlangführt. Der Regen beginnt nun, stärker zu werden und die Nedrefosshytta ist noch weiter entfernt als vermutet. Der Weg zieht sich und ist mit seinen Steinpassagen bei der Nässe teilweise schwer zu gehen. Wir wollen jetzt nur noch ankommen. Die Hängebrücke über den Fluss kommt endlich in Sicht und wir sehen zu, schnell anzukommen. Daran liegt es wohl auch, dass wir mit viel Mühe und Straucheln das davor liegende, steile Geröllfeld überqueren – des Weges sind wir uns hier nicht gewiss, wollen jetzt aber auch nicht mehr lange danach suchen. Auf der anderen Flussseite ist auch gleich die Hütte erreicht, während es mittlerweile schwer zu regnen begonnen hat.
    Wir bauen schnell das Zelt auf, das leider, nachdem es nass eingepackt wurde, auch von innen feucht ist. Am seichten Ufer des breiten Flusses gehen wir baden. Genauer rennen wir zum Wasser und versuchen in einem wohl unglaublich seltsam anmutenden Akt, alle Gliedmaßen möglichst viel und stark zu schütteln. Alles ist so trocken als möglich im Zelt verstaut und auch wir sehen zu, so schnell, wie man es eben im noch nassen Zustand schafft, hineinzuflüchten. Zwar sind wir jetzt trocken, allein die Mücken waren in der Zeit nicht faul: Mit grob gezählten dreiundvierzig Stichen auf Tims Rücken, ebenso vernünftig vielen sowie einem zugeschwollenen Auge sehen wir schon recht kurios aus. Die anschließende Ruhe im Zelt haben wir uns verdient, spielen und widmen uns der Lektüre.
    Erst gegen halb zehn bereiten wir das Abendmahl unter dem Vordach der Hütte, wo wir entspannter sitzen können. Allerdings essen wir, nachdem alles wieder etwas umständlich zurückgeräumt wurde, gemütlich im Zelt, das uns immer lieber wird. Recht bald legen wir uns auch heute schlafen. Wir sind müde. Die Mücken und der Regen erlauben wenig Entspannung während des Tages. Wir müssen versuchen, mit den Dingen, wie sie eben sind, zurechtzukommen und ihnen das ebenso Spannende und Erfahrenswerte abzugewinnen.
    Geändert von Issoleie (23.12.2007 um 12:00 Uhr)

  16. Erfahren

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    #16
    wir warten schon alle ganz gespannt!
    gibt es heute noch was neues?
    Ein Jahr Norwegen – traumhaft (und manchmal auch ein wenig schwierig)

  17. bergzwerg61
    Gast

    #17
    suchen wir das Zelt auf. Dank der Größe lässt es sich hier doch sehr angenehm verweilen und so...
    Mit was für einem Zelt seid ihr denn unterwegs gewesen?
    Und wie geht's weiter????

  18. Erfahren

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    #18
    ach, das werden feinen tage hier mit eurem bericht!
    Ein Jahr Norwegen – traumhaft (und manchmal auch ein wenig schwierig)

  19. Erfahren
    Avatar von Issoleie
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    #19
    Zitat Zitat von bergzwerg61 Beitrag anzeigen
    Mit was für einem Zelt seid ihr denn unterwegs gewesen?
    Wir hatten auch dieses Mal wieder mein geliebtes Hilleberg Kaitum mit. Ich finds ideal für zwei Personen in Skandinavien auf längeren Touren mit dem Rucksack.
    Ich hatte es mir damals gekauft, als es 2006 "neu"/offiziell herauskam (gab es ja schon davor). Nachdem ich ewig auf genau so ein Zelt gewartet habe, bin ich jetzt auch vollauf glücklich damit. Mal schauen, wahrscheinlich kommts sogar mit auf Solotour.
    Falls ich da noch mehr zu sagen soll, enfach nachfragen.
    Beste Grüße
    Flo

  20. Erfahren
    Avatar von Issoleie
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    #20
    11. 7. – 6.Tag
    Nedrefosshytta – Saraelv
    27km, 6h40; 140Hm hoch, 188Hm runter
    Waldwanderer

    Der Morgen erwartet uns freundlicher als gedacht und so können wir ohne viel Hektik das Lager abbauen. Als wir uns dem Zelt zuwenden, stellen wir geschockt fest, dass sich zwischen den beiden Wänden ganze Schwärme Mücken niedergelassen haben – wir schätzen über tausend -, die wir vor dem Einpacken ausschütteln. Wir beginnen den Wandertag entlang des Reisadalen mit Ziel Siemma. Recht eintönig wird uns bald der Weg. Dichter Wald, üppig grün bewachsener Boden und weiche Wege, die einen immer wieder kurz über steile Hügel führen. Wir passieren häufig gemütlich anmutende Raststellen und treffen nach etwa vier Kilometern auf eine offene Hütte, die bei dem schlechten gestrigen Wetter der ideale Übernachtungsplatz gewesen wäre. Wunderschön breiten sich weite Farnwiesen vor uns aus, bis zu den Oberschenkeln durchnässen sie uns, teilweise steckt man ganz im Grün. Auch die Sicht auf den Boden ist hier nicht frei, häufig lassen einen Steine und Wurzeln straucheln. Recht viel Freude bereitet uns diese Landschaft jedoch nicht. Wenngleich auch das Reisadalen malerisch zwischen den steilen Bergkämmen liegt, die Gegend jeden Naturbeobachter begeistern muss, zieht es uns doch möglichst schnell in das Fjell. Also beschließen wir, die heutige Tagesetappe auszudehnen und mindestens bis Saraelv zu wandern.

    Möglichst zügig gehen wir über immer wieder unangenehme Wege, oft aber auch über flache und weiche, voran. Später als erwartet erreichen wir Siemma, wo wir gegen vier Uhr unsere große Pause machen. Tim treibt es mal wieder dazu, etwas zu machen, bei dem es den meisten Menschen schwer fallen dürfte, den recht eigentlichen Sinn darin zu entdecken. Friedlich und ruhig liegt am diesseitigen Ufer das kleine Ruderboot. Nicht lange. Natürlich gibt es gar keine andere Möglichkeit für Tim, als es für eine Probefahrt zu nutzen. Die doch eher geringe Größe hält ihn nicht ab, ebenso wenig das Vorhandensein nur eines Ruders. Die Venezianer schaffen das schließlich auch und so steht er aufrecht in der Schale, stößt ab und noch ehe er einen ernsthaften Versuch des Vorankommens machen konnte, liegt er auch schon im Wasser. Ich jedenfalls hatte damit meinen Spaß und da es ihn nicht davon abhalten kann, es ein zweites Mal zu versuchen, kann es so schlimm nicht sein. Dieses Mal gelingt es auch, hat aber natürlich keine weiteren Konsequenzen für unser Weiterkommen. Ja, der Zweck in einiges von Tims Vorhaben ist manchmal ein sehr verborgener. Da die Schuhe ohnehin immer nass sind, geht es auch wie zuvor weiter. Eher ereignislos geht es weiter, unverändert bleibt der Weg und nur der prachtvolle Molesfossen auf der anderen Flussseite ist ein willkommener Höhepunkt. Sind wir jetzt noch gut bei Kräften, werden die Schritte am Ende der Etappe schwerer. Über einen kurzen Teil Schotterstraße müssen wir noch und sehen schließlich doch eher als erwartet den Häuserverbund Saraelv. Der mutet zwar eher skuril an, wirkt wenig lebendig und ohne Charme, nichtsdestotrotz fragen wir aber im einzig heimisch wirkenden Haus nach der Erlaubnis, am Flussufer unser Zelt aufstellen zu dürfen. Diese erhalten, bauen wir am Schluss der Wanderung erst gegen dreiviertel acht unser Lager auf.

    Das kühle Wasser des Flusses ist uns noch von gestern in guter Erinnerung – Tim weiß sogar schon, wie es sich heute gibt – und so nutzen wir auch heute wieder die Ankunftswärme sofort für ein Bad. Erfrischt kochen wir das Abendessen und gehen auch heute wieder für den Verzehr in das Zelt. Nun, wenigstens haben wir jetzt schon unsere Routinen. Eine Apsis des weggeklappt und die Sonne scheint direkt auf die Schlafplätze. Wir haben es genossen, heute so lange zu wandern und gut gelaunt wird der Rest des Abends erschöpft doch entspannt bei den üblichen Zelttätigkeiten verbracht. Zum ersten Mal haben wir auch Kontakt nach Hause. Das erste Paket sei in Ritsem angekommen, so hören wir. Für Kvikkjokk ist das verschickte allerdings noch unterwegs und in Ammarnäs konnte es laut Post gar nicht zugestellt werden. Noch machen wir uns darüber jedoch keine Sorgen, sondern schlafen schnell ein.


    12.7. – 7.Tag
    Saraelv – Kopmajoki
    33km; 8h45; 1033Hm rauf, 388Hm runter
    Fjellwanderer

    Als wir etwas matschig im stark erhitzten Zelt aufwachen, wissen wir schon, dass wir einen anstrengenden Tag vor uns haben. Im Verlauf wollen wir allerdings erst entscheiden, ob wir im Fjell zelten, oder bis zur finnischen Kopmajoki durchlaufen. Das Wetter ist angenehm, die Sonne schein immer wieder zwischen den Wolken hervor.

    Schnell gelangen wir auf der Straße zum anstrengendsten Aufstieg des heutigen Tages, dem ich etwas beunruhigt entgegensehe, da meine Achillessehne schon jetzt schmerzt. Durch Wald und auf erdigen, jedoch steinbesetzten Wegen gewinnen wir rasch an Höhe, unsere Sachen aber sind nass. Kaum kann man durchatmen, ständig geht es steil bergauf. Nachdem wir jedoch ein flacheres Stück erreich haben, sehen wir nach kurzer Zeit vor uns den Wald lichter werden und dahinter ist auch schon das Fjell zu erkennen. Noch geht es aber weiter bergauf und auch die so ersehnten offenen Flächen der Höhe ändern daran nichts. Fünfhundert Meter sind wir nun schon in die Höhe gestiegen. Endlich schweift unser Blick ungehindert über die Landschaft, ein kühler kräftiger Wind bläst in die Gesichter, leicht scheint dazu die Sonne. Sogar mückenfreie Zeit haben wir jetzt, wenngleich sich die meisten in Fliegen verwandelt zu haben scheinen, um bei dem Wind besser landen zu können. Uns stört hier aber gerade gar nichts und wir saugen diese schönen Augenblicke voll auf.

    Zwar wird der Weg jetzt auch leichter, immer wieder müssen wir jedoch über Hügel und Bergrücken, die viel Kraft kosten, was besonders nach dem schon langen gestrigen Tag zu spüren ist. Doch wir sind froh, endlich im hohen Fjell wandern zu können, unter uns ziehen sich tiefe Taleinschnitte entlang, wir blicken auf leicht von Schnee bedeckte Bergkämme. Auch wenn wir wissen, dass dies mit sehr viel Anstrengung verbunden ist, beschließen wir, noch heute bis nach Finnland hineinzuwandern, um dort in der frei zugänglichen Hütte während eines Ruhetages entspannen zu können. Wir haben nun einen guten Wanderrhythmus erreicht, sind voll angekommen und schrecken uns also trotz der schweren nicht ob der Distanz.

    Der weitere Verlauf des Weges ist hingegen kaum anders: Immer wieder müssen wir kurze Anstiege hinauf, der Weg an den Hängen belastet die Fußgelenke. Mit müden Beinen und schmerzenden Füßen gehen wir weiter, bis am Abend der Somájávri auftaucht, daneben die norwegische Hütte kurz vor der Grenze zu erkennen ist. Umständlich wird noch der Zufluss zum See überquert, was glücklicherweise ohne Schuhwechsel gerade noch möglich ist. Die letzten Hügel werden überschritten und Rauch steigt uns aus dem Schornstein des Häuschens entgegen, der heimische Duft von Feuer dringt in unsere Gemüter. Allerdings, wir wollen weiter. Ein gutes Stück ist noch zu gehen und wir hoffen, auf leere Betten in der finnischen Hütte zu treffen. Leichter Regen fällt herab, die Wolken hängen dunkel und tief über den Bergen, diffuses, halbdunkles Licht lässt die Landschaft unwirtlich und schroff, fast bedrohlich erscheinen. Endlich erblicken wir die Kopmajoki. Noch zwei Flüsse müssen wir queren, der Regen ist stark geworden.

    Als wir gegen halb zehn die vier kleinen Hütten erreichen und kurz in jede geschaut haben, können wir nicht weiter mehr, als in tiefer, unglaublicher Freude völlig erschöpft auf die Holzpritschen zu fallen. Von der Hüfte abwärts schmerzt alles, doch noch einmal rappeln wir uns kurz nach der Ankunft auf, um uns im nahe liegenden Fluss erfrischend zu waschen. Draußen ist es noch ungemütlicher und kalt geworden und wir sitzen ruhig in der Hütte, genießen ihre Gemütlichkeit. Das Abendessen, normalerweise runder Abschluss des Tages, müssen wir uns am Ende eher hinunter zwingen, zu erschöpft ist der Körper noch. Sofort nach der Mahlzeit fallen wir in den verdienten Schlaf.


    13.7. – 8.Tag
    Ruhetag in der Kopmajoki
    Fleißige Ruhe

    Nach unruhigem, doch lang gezogenem Schlaf wachen wir auf, noch immer vollkommen glücklich über die Hütte. Um unsere Zufriedenheit zu erklären, sollten einige Worte über die kleine Anlage hier gesagt sein. Auf einer kleinen Anhöhe zwischen Hügeln gelegen und von breiten, flachen Flüssen umgeben, stehen vier kleine Häuser. Dicht oberhalb dicht beieinander sind die zwei kleinsten zu finden. Ein Abfallraum mit Mülltrennung, direkt daneben eine einfache Toilette. Kurz unterhalb ein Schuppen, zweigeteilt. Darin alles voll Holz nebst Verarbeitungswerkzeug, kleine Dinge für die Hütte dazu. Die Unterkunft selbst so sauber wie die drei anderen Häuschen. Man betritt einen schmalen, breiten Vorraum, durch den man zum Hauptraum gelangt. Dort finden sich neben den beiden zweistöckigen Holzpritschen, auf denen bis zu sechs Mann übernachten können, ein kleiner Ofen sowie ein Gasherd. Zwei kleine Fenster erhellen den etwa vierzehn Quadratmeter großen Raum, der ganz in Holz gehalten ist. Kurz: Alles übertrifft unsere Erwartungen.

    Hier also lassen wir gemütlich unseren Ruhetag beginnen. Der Morgen ist noch immer regnerisch und stark treibt der Wind über die Hügel, die Wolken verdunkeln die Landschaft. Wir haben es also recht gut getroffen, heute die Pause zu machen. Nach dem Frühstück beginnen wir, unsere ganze Kleidung zu waschen. Im Ofen wird ein Feuer entfacht und in warmer, feuchter Luft entspannen wir bei Lektüre, Spiel und Gesprächen.

    <a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146809644191856210"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20kGjicNlI/AAAAAAAAAzA/zzKDo5NkjOw/s400/100_8283.jpg" /></a>

    Der Himmel klart gegen Mittag auf, immer wieder geben die Wolken der Sonne Platz, die warm hinunter scheint. Allerdings ist es leider zu ungemütlich, um draußen zu sitzen, schnell kühlt der Wind aus. So vergeht angenehm der weitere Tag. Aufgrund des schönen Aufenthalts und unserer Füße, denen es wohl auch gut täte, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir noch den morgigen Tag hier verbringen, sorglos, mit einem warmen Feuer und zur Regeneration.

    Auch der Abend vergeht größtenteils ereignislos gemütlich. Das Wetter scheint sich überwiegend sonnig stabilisiert zu haben, der Wind weht weiter kräftig. Es schaut der Jüngste einer Kleinfamilie zu uns hinein, scheint jedoch leicht verunsichert und nach Absprache mit den Eltern gehen sie schließlich weiter. Wir beklagen uns nicht, bereiten Abendessen und lassen ruhig den Tag ausklingen. Die Wäsche ist vollständig frisch, die Füße weitestgehend behandelt und der Körper ausgeruht. Wir haben viel gegessen und schauen dem Kommenden froh entgegen.


    14.7. – 9.Tag
    Ruhetag in der Kopmajoki
    Bonuspunkte

    Tatsächlich bleiben wir einen weiteren Tag. Wir haben uns in der kurzen Zeit, die wir in der Hütte verbracht haben, schon so an sie gewöhnt, dass wir heute kein Bedürfnis verspüren, weiterzulaufen. Letztlich ist vieles so besser – sagen wir uns jedenfalls: Der Körper erholt sich vollständig, wir sparen durch den kleinen Gasherd enorm Spiritus, werden den Halti an einem Montag besteigen, an dem wohl weniger Menschen zu erwarten sind, genießen außerdem vielleicht zum letzten Mal häuslichen Komfort.

    Zwar schlafen wir wieder länger aus, sind danach aber durchaus geschäftig. Bei gutem Wetter hacken wir Holz und füllen vollständig den Vorrat in der Hütte. Im Anschluss wird lange für die nächsten Tage gebacken, der Abwasch gemacht, genäht, viele Kleinigkeiten. Recht schnell vergeht der Tag, doch ich hadere ein wenig damit, den Sonnenschein draußen nicht richtig zu nutzen. Zwar kann man sich über das Wetter wirklich nicht beschweren, allein es weht keine Brise die die Mücken vertriebe. In Kilpisjärvi wird sicher Mückenmittel gekauft.

    Weitere Zeit vertreibende Tätigkeiten folgen bis zum Abend, wir erledigen Kleinigkeiten für die morgige Wiederaufnahme der Wanderung, planen, überlegen. Der Tag klingt mit netten Gesprächen aus. Hat man sich an die viele Bewegung erst einmal gewöhnt, fehlt sie einem schnell, wenn man sie nicht mehr hat. Ein Tag wie dieser kann dann immer leicht eher zu einer Belastung werden. Noch geht es uns aber gut und wir haben das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ohnehin ist diese Tour keine, auf der wir in irgendeiner Weise zügig vorankommen müssten. Letztlich haben wir hier auch so viel Zeit, nicht jeden Tag viel erleben zu müssen. Noch immer scheint ungehindert die Sonne und wir freuen uns, morgen wieder zu laufen.


    15.7. – 10.Tag
    Kopmajoki – Pihtsujärvii
    12,5km; 3h; 261 Hm rauf, 263 Hm runter
    Ein leichter Tag

    Wir haben gut geschlafen und könnten es auch noch gerne länger, wollen aber heute den Tag früher als den letzten beginnen, da wir ja endlich wieder wandern. Also packen wir unsere Rucksäcke, säubern die Hütte und lassen sie mehr zufrieden als reumütig gegen viertel elf hinter uns.

    In angenehmen Anstiegen gehen wir nach Nordwest. Warm scheint die Sonne von dem grob bewölkten Himmel, kein Wind weht. Zum ersten Mal laufen wir in T-Shirts, da die Mücken zwar vorhanden, allerdings wenig aggressiv sind. Eine wahre Freude ist es, die Luft zu spüren. Ich habe auch nach den zwei Ruhetagen noch beunruhigend starke Schmerzen in der linken Achillessehne, hoffe, dass sie sich bald bessern und bange um den weiteren Tourverlauf. Selbst die stabilisierende Binde scheint kaum zu helfen. Sonst aber geht es uns wunderbar, wir haben keine Probleme mehr, den Rucksack zu tragen, der nun auch leichter ist, die Füße haben sich gut erholt und wir genießen das Wandern in vollen Zügen.

    In Regensachen kleidend und zurück verbringen wir die Pause. Der Weg ist nun, wie erwartet, von viel Geröll geprägt, leicht abfallende Bergrücken bestimmen die Landschaft und weit kann der Blick leider nicht schweifen. Das Laufen fällt uns recht leicht und wir kommen ohne Anstrengung und sehr gemütlich bei netten Gesprächen schnell voran, blicken bald schon auf das Südende des Pihtsujärvi, zu dem wir noch hinunter wollen.

    <a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146809790220744290"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20kPDicNmI/AAAAAAAAAzI/O84Lzkm_o1Q/s400/100_8287.jpg" /></a>

    Nachdem wir einen unerwarteten Bogen um die letzte Hügelkuppe hinter uns gebracht haben und nach kurzem freien Lauf auch die Markierungen wieder sehen, liegt nicht weit unter uns die Hütte am See.

    Schon jetzt sehen wir mehr Menschen als erhofft, doch wie befürchtet. Das Zelt müssen wir ebenfalls nahe einem anderen, allerdings an einem wunderschönen Platz aufbauen. Geräuschvoll und klar fließt hier das Wasser von den Höhen in den kühlen See, der mit seinem Steinstrand zum Verweilen lädt. Eine Weile also sitzen wir und ruhen, beobachten die Stille. Es ist noch früher Nachmittag, immer wieder kommt die Sonne hinter den dicken Wolken hervor. Bei der Ankunft noch hatten wir uns nach dem in der Karte verzeichneten Flugzeuglandeplatz umgesehen, werden jetzt belehrt, als über die Hügel eine kleine Maschine geknattert kommt und nach einer Schleife auf dem See landet. Neben uns macht der Pilot fest, doch auch als er aussteigt, eine Holzplanke zum Ufer schleppt, zu den beiden Seeenden fährt und sofort wieder abfliegt, ist uns die Absicht des ganzen Gebarens noch nicht klar, eher noch seltsamer kommt es uns vor. Wir haben Angst, lange Zeit nur in der Natur zu sein…

    Ruhig verläuft der weitere Nachmittag, die Wolken ballen sich immer dichter, es wird kühler und wie schon Tim länger vor mir, suche auch ich das Zelt auf. Eine Wäsche bei Tim und ein volles Bad meinerseits runden auch heute wieder belebend ab. Als wir zum Abendessen hinausgehen, donnerst es einmal, doch bedrohlicher wird das Wetter nicht. Viel zu lange benötigt heute das Essen und als wir den Topf heben, höhnt uns schwarz und klebrig der heruntergefallene und vergessene Dichtungsring des Brennerdeckels entgegen. Für diese Panne die richtige Lösung zu finden, verschieben wir auf morgen und genießen vorerst die doch noch warme Mahlzeit, während Tim aus dem Fluchen so schnell jedoch nicht herauskommt. Für die kommende Halti-Besteigung hoffen wir auf klareren Himmel und schöne Aussicht und beenden den angenehmen Tag mit kurzem Gespräch.
    Geändert von Issoleie (23.12.2007 um 12:01 Uhr)

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