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    [IS] Island - Laugavegur und Kjalvegur

    #1
    Mitreisende: barleybreeder
    Land: Island
    Reisezeit: 17.07. – 02.08.2007
    Region/Kontinent: Nordeuropa

    1.Tag: Dienstag 17. Juli 2007 – Flug nach Island
    Etappe: Ankunft auf Campingplatz

    Tageskilometer: -

    Der Flug geht des Nachts mit Islandexpress von Berlin Schönefeld und gestaltet sich als unproblematisch. Unsere Rucksäcke bringen etwa 19 Kilo bei mir und rund 16 Kilogramm bei meinem Cousin auf die Waage. Zelt (natürlich ohne Gestänge und Heringe) und Isomatten landen im Handgepäck.
    Für jemanden wie mich der bis zu seinem 29. Lebensjahr noch nicht geflogen ist, alles ne ganz schön aufregende Sache. Zum Glück hat mein Cousin darin wesentlich mehr Routine.
    Aufgrund der Zeitverschiebung landen wir in Kevlavik kurz nach 23 Uhr noch vor Sonnenuntergang bei frischen 11 Grad. Zwei Tage vorher hatte es bei uns Rekordwerte von 38 Grad gegeben. Kontrolliert werden bei der Einreise wie uns scheint wohl eher die Isländer.
    So müssen wir nicht das viele „weiße“ Pulver erklären das wir schon schön abgepackt neben den anderen insgesamt 8 Kilo Lebensmitteln importieren.
    Schnell noch ein paar Kronen aus dem Automaten gezogen und 2400 Kronen für die 2 Tickets nach Reykjavik gelöhnt.
    Auf der Fahrt zum Campingplatz gewinnen wir am Vorbeifahren an Lavafeldern einen ersten Eindruck von dem Land was uns erwarten wird.
    Am Campingplatz angekommen bauen wir nur noch das Zelt auf und sehen zu das wir in die Schlafsäcke kommen. Morgen wird’s doch bestimmt ganz schön stressig.


    2.Tag: Mittwoch 18. Juli 2007 – Letzte Besorgungen
    Etappe: Stadtbummellei

    Tageskilometer: -

    Gleich nach dem Aufstehen machen wir uns daran etwas zum Frühstück zu besorgen. Beim 10-11 Supermarkt gleich um die Ecke fallen uns das erste Mal die Augen aus den Höhlen bei den Preisen. Sicher ist jetzt nur das wir die restlichen Lebensmittel billiger organisieren müssen.
    Gleich nach dem Frühstück erkundigen wir uns nach dem nächsten Bonus. Die dortigen Preise sind wie wir feststellen werden dann doch noch erträglich. Um die Sache zu erleichtern habe ich schon eine Liste gemacht damit wir nicht erst dort anfangen zu überlegen was wir essen wollen.

    (Kurzer Einschub zum Thema Futter:
    Ausgegangen bin ich von einem täglichen Energiebedarf von ca. 3000 kcal. Das entspricht etwa einem Trockengewicht der Nahrung von ca. 800g/Tag/Person.
    An Lebensmitteln hatten wir für die 10 Tourtage mit:
    12 Travellunch Doppelpackung (Simpert-Reiter) jeweils eine andere Geschmacksrichtung
    3 Pack Trockenei
    1 Kilo Trockenmilch ergibt 10 Liter
    24 Süßer Moment
    6 Pack Trockenobst je 250 Gramm
    3 Kilo Müsli
    2 Kilo Mehl
    2 Kilo Nudeln
    500 Gramm Cous-Cous
    250 Gramm Zucker
    500 Gramm Honig
    500 Gramm Butter
    1 Kilo Käse
    4 Schoki
    800 Gramm Salami
    5 Pack Tomatenmark
    Salz
    Pfeffer
    Multivitamintabletten
    250 Gramm Filterkaffee
    60 Teebeutel
    500ml Wodka (1. Tour)
    500ml Pflaumenkorn (2. Tour)
    Das Zeug ist fast alles alle geworden. Kohldampf geschoben haben wir nicht. Hatten aber auch nicht das Gefühl zuviel mitzuhaben. Eine genaue Planung vor der Tour zahlt sich da echt aus.)

    Wieder zurück von der Einkaufstour geht das große Packen los.
    Nahrungsmittel werden verteilt für die ersten 6 Tage auf den Laugavegur und für weitere 4 Tage auf dem Kjalvegur. Zu meinem Erstaunen muß ich feststellen das der Ortliebpacksack in der Größe S gerade so ausreicht. Zu dem Essen packe ich noch eine große Pulle Gas.
    Im Anschluß wird per pedes zum BSI Terminal gestiefelt. Dort angekommen wird der Sack gewogen und bekommt ein paar Aufkleber mit Zieladresse Landmannalaugar und mich als Absender. Für die 9 einhalb Kilo bezahlen wir wie ich finde akzeptable 800 Kronen.
    Den restlichen freien Tag vertreiben wir uns mit Stadtbummel. Abends steht natürlich der obligatorische Besuch des Freibades gleich neben dem Campingplatz auf dem Programm.
    Ein Freibadbesuch bei 13° Außentemperatur ist auch für uns neu.


    3.Tag: Donnerstag 19. Juli 2007 – Start der 1. Tour in Skogar
    Etappe: Skogar - Fimmvörðuháls

    Tageskilometer: 12 / Gesamtkilometer: 12

    Punkt 7 soll der Shuttlebus vom Campingplatz zum BSI fahren. Leider blöd wenn man erst 1einhalb Stunden vorher aufsteht, und man eigentlich immer 2 Stunden braucht um fertig zu werden (wie sich in den nächsten Tagen zeigen sollte).
    So gegen viertel vor sieben bricht dann doch die leichte Panik aus, da das Zelt noch steht und die Rucksäcke erst halb gepackt sind. Fängt ja schon super an.Irgendwie klappt es aber.
    Am BSI angekommen kümmern wir uns gleich um unsere Tickets nach Skogar von wo aus unsere erste Tour starten sollte. Anscheinend ist das Bussystem durch die vielen Anbieter nicht mal für die Isländer selber vollkommen durchsichtig. Jedenfalls müssen wir noch einer Einheimischen helfen den richtigen Bus zu finden.
    Bei Nieselregen und verhangenem Himmel geht es dann letztendlich los Richtung Skogar.
    Die Vorfreude in Skogar ist etwas gedämpft durch den Nieselregen und das Wetter was uns vermutlich beim Anstieg erwartet. Die Wolken hängen tief in den Bergen. In Skogar angekommen ist wasserdicht einpacken angesagt. Mit uns kommt nur eine kleine Gruppe Niederländer an, die vermutlich ebenfalls vorhaben den Weg zu gehen.
    Beim ersten Anstieg an den Treppen meldet sich schon mein Glutheus Maximus. Mein Lauftraining im Vorfeld bereitete diesen wohl doch nur unwesentlich auf kommendes vor. Aber das kenne ich schon.
    Die folgenden Kilometer und Höhenmeter sind geprägt von Nieseln, Kapuze auf - Nebel, Kapuze ab.
    Die ganze Zeit habe ich so ein Rauschen im Ohr was sicher von den vielen Wasserfällen kommt. Leider können wir diese nur erahnen. Nur ab und zu ist der Wind gnädig und bläst mal eine Wolke auf um uns ein paar Minuten einen Ahh-Blick zu gönnen.
    Weiter oben läßt dann aber zum Glück der Regen nach. Total fertig an der Baldvínskáli Hütte angekommen bietet sich ein Anblick den ich eigentlich schon erwartet habe. Die Hütte ist total runtergekommen. Im Vorraum stapelt sich der Müll und es richt ganz lieblich nach Schimmel und Feuchtigkeit. 2 Deutsche die wir immer 1 km vor uns gesehen haben, fangen schon an auszukehren. Hierbleiben wollen wir nicht. Die andere Hütte auf dem Fimmvörðuháls liegt schon in Sichtweite 1km entfernt. Total fertig erreichen wir diese nach 1 Stunde. 1000 Höhenmeter mit vollem Rucksack schlauchen doch ganz schön.
    Dort angekommen eröffnet uns der Hüttenwart, daß die Hütte schon ausgebucht ist, wir könnten aber zelten wo wir wollen. Das Risiko geht man halt ein wenn man die Hütten nicht vorher bucht.
    Also stellen wir das Zelt auf dem Grat auf, besorgen uns Schnee aus einem Altschneefeld und fangen an Abendessen zu machen und Eierkuchen zu backen.




    4.Tag: Freitag 20. Juli 2007 – Abstieg in die Þórsmörk
    Etappe: Fimmvörðuháls - Þórsmörk

    Tageskilometer: 12 / Gesamtkilometer: 24

    In der Nacht wird es dann ziemlich stürmisch. Die Temperatur sinkt auf 5°Celsius. In mir regen sich schon die Bedenken das das Zelt wegfliegt. Video
    Ein Kontrollgang beruhigt mich aber. Das Gestänge steht gut abgespannt wie eine Eins.
    Trotzdem ist an Weiterschlafen bei dem Lärm im Zelt kaum zu denken. Also fangen wir an gegen halb 6 unseren Kram im Wind und Niesel zu verpacken. Der Hüttenwart und ein Gast erscheinen noch kurz bei unserer Schlafstätte um sich mit mitleidigen aber auch bewunderten Blick zu erkundigen wie wir die Nacht überstanden haben.
    Der weitere Weg führt uns über schwarzen, weichen Lavasand und Altschneefelder. Durch den kräftigen Wind wechselt die Sicht von gerade mal 50 Meter auf mehrere hundert Meter. Der Weg ist recht gut gekennzeichnet und führte uns an einem Gletschersee entlang. Der Niesel läßt nach und im Abstieg können wir so langsam das Þórsmörk Tal erahnen. Anscheinend hängt nur der Gletscher in den Wolken, unten im Tal scheint die Sonne.
    So langsam kommen uns auch einige Leute in teilweise recht sommerlicher Kleidung entgegen, wundern sich über unsere Vollmontur, und erkundigen sich zweifelnd wie das Wetter weiter oben ist. Anhand der kleine Rucksäcke wohl Tagesausflügler. Auf dem Gletscher fühlten wir uns recht wohl in den 3 Hosen, weiter unten im Tal wird es aber schnell immer wärmer, bis knapp 20 Grad.
    Wir laufen noch das Stück nach Básar und finden ein sehr nettes Plätzchen für unser Zelt in dem Birkenwäldchen. Nachdem ich erst mal ein Nickerchen gemacht habe gibt es Essen bei schönstem Sonnenschein. Der letzte Tag steckt mir noch ganz schön in den Gliedern.




    5.Tag: Samstag 21. Juli 2007 – 15°- die Sonne brennt
    Etappe: Þórsmörk - Botnar

    Tageskilometer: 17 / Gesamtkilometer: 41

    Nach dem obligaten Frühstück mit Müsli und Milch geht es die Krossa flußabwärts in Richtung Langidalur. Den Pfad am Ufer müssen wir wohl übersehen haben, so daß wir durch das stark verblockte Flußbett laufen müssen um zu der Fußgängerbrücke zu gelangen. In Langidalur besorge ich mir noch eine kleine Gaskartusche. Durch die täglichen und langen Eierkuchen-Koch-Sessions zeichnet sich schon ab, daß eine große nicht bis nach Landmannalaugar reichen wird.
    Hinter Langidalur geht es dann wieder bergan, raus aus dem „Wald“. An der Þröngá angekommen, mustern wir erst einmal ein Pärchen beim Queren der wohl schwierigsten Furt auf der Tour. Danach geht es für uns zur Sache. Auf halbem Weg durch die Furt und leichtem Dusel im Kopf fällt mir ein irgendwo mal gelesen zu haben man solle doch nicht in das trübe, wirbelnde Wasser schauen, sondern auf einem Fixpunkt am Ufer. Dort angekommen bedankt sich mein Cousin daß mir das erst jetzt wieder einfällt wenn er schon durch ist. Video
    Während des Anhosens kommen einige Gruppen aus der Gegenrichtung an. Einige tun sich schwer damit die richtige Stelle zu finden. Andere haben Probleme durch ihre Körpergröße. Das Wasser reicht bei ihnen bis über die Knie.
    Der folgende Weg zieht sich unverlierbar erst über eine Brücke der Ljósá, dann durch trockenen Lavasand und über karge Vegetation. Es ist recht warm, die Sonne brennt und schnell sind die 2 Liter Wasser verbraucht die wir mit uns führen.
    An einem Bach füllen wir die Wasserflaschen und haben die Möglichkeit ein wie ich denke Alpenschneehuhn mit Jungen aus nächster Nähe zu beobachten. Die Vegetation nimmt immer weiter ab, wird noch rauher. Nach einer Brücke über einen reißenden Gletscherfluß kommt der letzte steile Anstieg. Der weiche Lavasand ist dermaßen weich und unbarmherzig, das er 2 Schritte vorwärts mit einen zurück bestraft (kommt mit jedenfalls so vor). Schaufend und mit vollem Stockeinsatz kommen wir auf eine schwarze Hochebene, wo wir schon bald die wie eine Oase gelegene Hütte Botnar ausmachen.
    Das Wetter ändert sich hier deutlich. Es zieht sich wieder zu, wird neblig und fängt an zu tröpfeln. Die Hütte wird übrigens von einer jungen Leipzigerin betreut die sich riesig freut 2 Gesichter aus ihrer Heimatstadt zu treffen.





    6.Tag: Sonntag 22. Juli 2007 – Durch die Wüste von Emstrur
    Etappe: Botnar - Alftavatn

    Tageskilometer: 16 / Gesamtkilometer: 57

    Irgendwie haben manche eine komische Tourenplanung. E s gibt doch tatsächlich Leute die 22 Uhr an der Hütte ankommen und Richtung Porsmörk weiterlaufen, die sie dann vermutlich gegen 4 Uhr morgens erreichen.
    Oder andere die frühmorgens gegen 9 an der Hütte ankommen und folglich die ganze Nacht gelaufen sind. So ein Gehetzte ist und nichts.
    An diesem Tag steht die wohl längste Etappe nach Álftavatn auf dem Plan. Die Sonne scheint wieder erbarmungslos, der Planet drückt.
    Die Landschaft die sich nach dem ersten Anstieg bietet ist einfach grandios. Eine riesige schwarze leergeräumte Ebene, eingerahmt von Bergen und Gletschern.
    An dem kleinen Bach wo wir nach einiger Zeit ankommem zeichnet sich ab, das er wohl im Tagesverlauf noch zunehmen wird. Jedenfalls läßt das das feuchte Bachbett und die Ufer vermuten. Über einen kleinen Sattel geht es durch den zweiten noch größeren Teil der Wüste.
    Gegen Mittag am Fluß Innri-Emstruá angekommen begegnen wir den Massen die in der Gegenrichtung unterwegs sind. Wir haben die Richtung der Tour mit Absicht so gewählt, um nicht immer mit den gleichen Massen zu laufen. In unsere Richtung sind nur ca. 2 bis 4 Pärchen unterwegs, in der Gegenrichtung begegnen und jeden Tag bestimmt 30 – 40 Mann. Ab Mittag ist man so fast allein. Außerdem wollen wir uns in Landmannalaugar mit den heißen Quellen belohnen.
    Die letzte Furt vor Álftavatn nehmen wir gleich mit Schuhe-an, auch wenn andere ihre Treter wechseln.
    Kaum haben wir das Zelt aufgebaut und noch nicht mal alles verstaut, geht ein Regenguß nieder wie ich ihn selten erlebt habe. Da lob ich mir den schnellen Aufbau von meinem Mark II ligth.
    In kürzester Zeit steht der Zeltplatz unter Wasser und aus dem Zeltboden entwickelt sich eine Wassermatratze. Zum Glück hält unten alles dicht. Oben tropft es allerdings durch ein paar Nahtlöcher durchs Moskitonetz ins IZ. Das Abdichten mit Seamgrip hätte ich wohl doch noch vorher durchführen sollen. Nach dem Regen versickert das Wasser binnen Minuten.
    Das ganze Intermezzo dauert etwa eine Stunde und erlaubt uns im Anschluß noch auf einen nahegelegenen Berg zu steigen und bei einer fantastischen Aussicht auf den See mit seinen Forellen den Abschluß des Tages zu genießen.





    7.Tag: Montag 23. Juli 2007 – Feuer und Eis
    Etappe: Álftavatn - Hrafntinnusker

    Tageskilometer: 11 / Gesamtkilometer: 68 + 3 Kilometer zur Eishöhle

    Am nächsten Tag hat sich das Wetter wieder etwas gebessert. Der Pfad schlängelt sich nun an ein paar kargen Wiesen und den entsprechenden Huftieren bis zu einem Bach. Dieser wird nach längerer Wahl der entsprechenden Stelle ebenfalls wieder ohne die Schuh- Umziehaktion bewältigt. Danach geht es sehr knackig und lange einen Schotterhang berauf. Oben bietet sich uns ein herrlicher Ausblick Richtung Álftavatn. Nach ein paar weiteren Metern können wir schon die ersten Dampfwolken sehen und Schwefeldüfte riechen. Eine tolle Szenerie von Feuer und Eis, die uns noch die nächsten Tage begleiten soll.
    Am ersten Schlammloch angekommen versucht doch tatsächlich ein schwedisches Pärchen bei 10° Außentemperatur und steifer Briese Wasser für ein Süppchen auf so einem Blubbertopf zum kochen zu bringen. Leute gibt’s. Zumal natürlich immer mal ein paar Spritzer davon im Topf landen. Keine Ahnung ob sie es geschafft haben . Mein gesunder Menschenverstand sagt eher nein.
    Weiter geht es immer rauf und runter, bis von einer Anhöhe aus in 2 Kilometern die Hütte auszumachen ist. Das letzte Stück über unterspülte Altschneefelder zehrt noch mal ganz schön an den Kräften. Umsicht ist geboten beim Überqueren dieser, da manche von ihnen so dünn geschmolzen sind, daß man leicht einbrechen kann.
    An der Hütte angekommen finden wir ein schönes, windgeschütztes Plätzchen für unser Zelt hinter einer Mauer aus Obsidiansteinen. Die Aussicht könnte noch schöner sein wenn nicht schon wieder der Nebel aufziehen würde und es mit Regnen beginne würde. Der Platz ist so voller Zelte wie keiner vorher.
    Bei uns gehen erst mal für 3 Stunden die Lichter aus. Gegen 20 Uhr wachen wir auf und haben plötzlich den Flitz noch wandern zu müssen.
    Das Ziel soll die Eishöhle sein, von der ich zwar den Track im GPS habe, nicht aber die genaue Position. Der Regen ist jetzt in leichtes Nieseln übergegangen. Der Nebel ist noch dichter geworden. Wir folgen den Steinmännchen Richtung Höhle vorsichtig den scharfkantigen Obsidiansteinen ausweichend um den vollständigen Ruin unserer Treter zu vermeiden.
    Nach Überquerung des letzten großen Schneefeldes zeigen sich unter uns unzählige heiße, dampfende Quellen. Irgendwie scheinen wir wohl die einzigen Besucher zu sein.
    Die Eishöhle ist anscheinend zum größten Teil zusammengefallen und nur noch zu erahnen. So besichtigen wir einen Blubbertopf nach dem anderen. Auf dem Rückweg zieht sich der Nebel noch mehr zu. Die Sicht beträgt nun unter 50 Meter, so daß wir uns ein paar Mal orientieren müssen. Zur Sicherheit hatte ich aber noch mein GPS eingesteckt, da ich mit so was schon gerechnet habe.
    Wie wir am nächsten Tag lesen sollten nicht zu Unrecht. (Ende Juni vor 3 Jahren ist auf dem Weg zwischen Hrafntinnusker und Landmannalaugar ein 25 jähriger Mann in einen Blizzard geraten und umgekommen. Nur ca. 1 km von der Hütte entfernt. ) Gegen 23 Uhr sind wir zurück. Nach einem heißen Travellunch und ein paar in Wodka eingelegten Rosinen geht es uns dann wieder richtig gut.





    8.Tag: Dienstag 24. Juli 2007 – Ryholithberge und heiße Quellen
    Etappe: Hrafntinnusker - Landmannalaugar

    Tageskilometer: 11 / Gesamtkilometer: 79

    Diesen Morgen finden wir nicht ganz so schnell aus den Federn. Oder sind die anderen einfach nur so schnell. Jedenfalls macht sich fast der ganze Zeltplatz wie auf Kommando in die Richtung auf in die wir nicht wollen – gut so!
    Beim Abm***** spricht uns noch ein Deutscher an, ob wir die 2 sind die Ihr Zeltgestänge vergessen haben. Hä, wie jetzt? Na da ist die Überraschung am Abend bestimmt perfekt auf dem nächsten Zeltplatz.
    Kurz nach 10 kommen dann auch wir los. Nebelwetter. Schwarze Obsidianfelder. Eine unheimliche Szenerie wenn man sie auf sich wirken läßt. Eingepackt und guter Dinge geht es Richtung Landmannalaugar. Unterwegs passieren wir den Gedenkstein für den im Blizzard zu Tode gekommenen Wanderer. Das Wetter versucht sich zu bessern, schafft es aber nicht wirklich bis Landmannalaugar. So langsam können wir trotzdem erahnen was uns dort erwartet. Die Berge werden bunter, sehen jetzt eher wie künstlich aufgeschüttete Halden aus. Als ob jemand die Steine sortiert und unterschiedlich abgekippt hätte. Wir laufen noch zu weit oben, kommen einfach nicht aus den Wolken um freie Sicht zu bekommen. Erst kurz vor Landmannalaugar geben sie die Sicht frei, und die Sonne läßt sich blicken. Der letzte Abstieg ist eigentlich mehr ein kontrolliertes Abstürzen, so steil ist er und bietet zudem kaum Halt durch den Schotter. Die Mädels der uns entgegenkommenden Gruppe bringen nur ein schnaufendes „Hey“ über die Lippen.
    Nach der Besteigung der Brennisteinshalda sehen wir das erste Mal das Ziel unserer ersten Tour. Der große Lavastrom im Kontrast zu den gelben Bergen, im Flußdelta eingebettet der Campingplatz. Ein grandioser Anblick.
    Was mich beim Abstieg beschäftigt ist eigentlich nur die Frage – Ist unser Paket angekommen? Unsere Vorräte sind aufgebraucht, reichen vielleicht noch für einen Tag. In der Hütte im Tal erst mal Ratlosigkeit. Rumtelefonieren. Ein junges Mädel führt mich dann doch in einen Raum mit vielen anderen Taschen.
    Und da isser ja! 10 Kilo Futter für die nächste Tour – Prima!
    Auf dem Campingplatz komme ich mir wie in Frankreich vor. Island scheint gerade sehr beliebt bei denen zu sein. Massen von Menschen. Mehrere Gruppen mit Zelten tummeln sich auf dem Platz. Mein Cousin ist schockiert. Soviel hätte er nicht erwartet, ich auch nicht. Nach dem Zeltbau erst mal ab in den Hot Pot. Eine tolle Belohnung nach der Tour. Die Wolken verziehen sich zusehends, das macht Laune auf morgen.





    9.Tag: Mittwoch 25. Juli 2007 – Aussichtsberge und Faulenzen
    Etappe: Landmannalaugar

    Tageskilometer: - / Gesamtkilometer: -

    An dem Tag gönnen wir es uns mal bis nach 9 zu schlafen. Als wir aus dem Zelt schauen, fehlt schon die Hälfte der Zelte um uns herum. Nach dem Frühstück geht’s noch schnell ans Wäschewaschen. Mit unserem schwarzen Ortliebsack eine doch recht zügige Angelegenheit.
    Unser Zelt hätte sicher einen Preis für die schönste Dekoration gewonnen.
    Der einzige Tagespunkt der heute noch ansteht ist die Besteigung des Blánúkur. Oben angekommen bewahrheitet sich das was wir erst nicht glauben wollten. Es gibt Handyempfang! Einige scheinen nur deswegen den Berg zu erklimmen. Ein Mann kommt hochgehastet, und kaum oben angekommen klingelt sein Handy wie bestellt.
    Anscheinend hat eine spanische Gruppe mitbekommen das ich mir etwas Zeit beim fotografieren lassen. In den nächsten Minuten werden dann fast alle Kameras an uns weitergereicht um die Gruppe „On Top Of the Hill“ zu verewigen. Nach dem Abstieg versorgen wir uns noch mit Leichtbier und Keksen im Kiosk und verziehen uns in den Hot Pot. Nur ein Mal verlassen wir ihn noch, weil unser Magen nach Füllung verlangt.

    (Im übrigen ist das Beobachten des Lagerlebens ein hervorragender Fernsehersatz.
    Sehr „In“ diesen Jahres bei Franzosen und Spaniern sind die sogenannten „Two-Second“ Zelte. Die Dinger sieht man überall. Frag mich nur warum manche sich so ein Ding zulegen und dann doch fast ne Stunde mährn bis das Zelt steht. Gut abgespannt macht das aber so mancher Alditüte Konkurrenz.
    Anscheinend gibt es doch eine kleine UL-Fraktion auf der Insel. Eine französische junge Frau will wohl den Laugavegur so ausgestattet gehen. Ein Tarptent, ne Folie drüber, 2 faltbare Isomatten drunter. Na dann laß mal nur ein Tag Schietwetter sein – Viel Spaß.
    Und wieso rennt sie plötzlich wie von der Hornisse gestochen barfuß über den Platz. (Der Platz ist eigentlich nur eine bessere Schotterhalde) Noch mehr UL geht sicher nicht. Ach so – Schuhe vergessen, und der Bus ist gerade am Abfahren.
    Einige wollen es sich wie es aussieht leichter machen und laden ihr Gepäck auf so einen Art selbstgebaute umgedrehte Schubkarre mit Minirad und ziehen ab auf den Laugavegur. Na dann viel Kraft beim Zerren an den Anstiegen und durch die Lavafelder. Wie das funktionieren soll erschließt sich mir nicht ganz.)



    10.Tag: Donnerstag 26. Juli 2007 – Zwischenstop in Sellfoss
    Etappe: Landmannalaugar - Sellfoss

    Tageskilometer: - / Gesamtkilometer: -

    Aufstehen, frühstücken. Zeit für ein Bad im Pot bleibt auch noch. 14 Uhr geht’s los Richtung Sellfoss. Der Busfahrer macht noch einen kleinen Schlenker bei einer anderen Hütte vorbei, wo schon die Wirtin mit dem fertigen Kaffee wartet. 10 Minuten dauert es meint er. Im Bus stört es keine, uns auch nicht, ist doch Urlaub. Unterwegs genießen wir die wechselnden Landschaften. An der Hekla gibt es noch einen 5-Minuten Fotostop und der Fahrer überprüft die schon fast abgefallene hintere Stoßstange. Das Land wird wieder ebener und grüner.
    Man scheint wohl echt an einer Rekultivierung interessiert zu sein. Die viele angesäte Lupine, welche Stickstoff im Boden anreichern soll und sie zahlreichen Forstungen lassen darauf schließen.
    In Sellfoss verlassen wir an der Tankstelle den Bus und machen uns gleich auf den Weg zum Campingplatz, was sich im nachhinein als Fehler erweisen sollte. Wieder zurück in der Stadt erreichen wir den Bonus 18.35 Uhr, 5 Minuten nach Ladenschluß. Eine junge Dame macht uns das gestikulierend hinter der verschlossenen Eingangstür verständlich, und läßt sich auch durch mein säuerliches Gesicht nicht erweichen. So müssen wir uns wohl oder übel beim teuren Supermarkt um die Ecke eindecken.
    Auf meine Nachfrage an der Tankstelle ob denn morgen auch sicher der Bus ins Hochland fährt weiß keiner der Angestellten so richtig eine Antwort. Busfahren scheint wirklich nur bei Touris populär.
    Abends gibt es wieder die gewohnte stundenlange Kochzeremonie, diesmal auf richtigem Herd mit Dach über den Kopf.


    11.Tag: Freitag 27. Juli 2007 – Start der 2 Tour – Endlose Weiten
    Etappe: Sellfoss - Hvítárnes

    Tageskilometer: 8 / Gesamtkilometer: 87 + 3 Kilometer Wasserholen


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    Karte der 2. Tour. Markiert sind Start und Endpunkt, sowie die Standorte der 3 Hütten. Gelaufen wurde in nördlicher Richtung!

    Der Wecker klingelt heute mit einem komfortablen Zeitpolster. Um 9 Uhr soll der Bus fahren.
    An der Bushaltestelle bin eigentlich nur ich derjenige der mit den Hufen scharrt, mein Cousin ist die Ruhe selbst. Aber der Bus ist pünktlich. Gerademal zu einem Viertel besetzt, was uns darauf hoffen läßt auf der nächsten Tour weniger Leute zu treffen. Unterwegs folgen 25 Minuten Fotostop am Geysir (reicht für 3 Ausbrüche) und am Gullfoss.
    Kurz hinter der Brücke über dem Abfluß des Hvítárvatn hält der Bus und wir steigen mit einem österreichischen Pärchen aus. Verdutzte Blicke bei den restlichen Insassen. Noch ein kurzes Gespräch mit ihnen und mit der Sicherheit sie wiederzusehen machen wir uns auf Richtung Hvítárnes. Die Landschaft bietet ein komplett anders Bild im Gegensatz zum Laugarvegur. Leer, eine ausgeräumte Ebene erstreckt sich. Die gute Sicht läßt einem einen Blick von 2 bis 3 Tagesetappen in die Landschaft zu. Trockener aschgrauer Boden. Der Weg zieht sich, läuft sich aber im Gegensatz zu den letzten Tagen zügig. Wir queren einen klaren Fluß und sehen daraufhin bald die Hütte.
    Auf dem ersten Blick sehr hübsch. Nach dem Eintreten macht sich aber bald Ernüchterung breit. Die Hütte ist in einem sehr „rustikalen“ Zustand. Oben stapeln sich unansehnliche Matratzen. Doch was das schlimmste ist, ist die fehlende Wasserversorgung. Es gibt zwar einen, wie es aussieht erst dieses Jahr errichteten Wasserspeicher und neu gebohrten Brunnen, mit Pumpe, Autobatterien, Wechselrichter und Solarlader. Der Tank ist trotzdem leer. Zwei heraushängende Kabel deuten schon auf ein Problem, das sich aber auch nach dem Öffnen einer Abdeckung von meinem Cousin nicht lösen läßt. (Schaltschrankmonteur bei Siemens).
    Anscheinend gibt es das Wasserproblem schon seit gut einem Jahr, weiß das Gästebuch zu berichten. Auch moniert man sich darin über den Mißbrauch der Hütte durch Autotouris (Was ich bestätigen kann) und den unangemessen hohen Preis der Hütte.
    Auf keinen Fall wollen wir die Gletscherbrühe trinken die vor dem Haus entlangläuft, zumal überall Gänse- und Schafkot die Wiesen füllt.
    Mit Ankunft der Österreicher beschließen wir die 1,5 Kilometer bis zum Fluß zurück zu laufen um die Säcke und Flaschen zu füllen, und bieten an ihnen Wasser mitzubringen.
    Wieder zurück, nach dem Essen und schon fast beim Zubettgehen geht plötzlich die Tür auf und uns wird mitgeteilt, daß die Hütte fürs Wochenende mit 20 Mann gebucht ist. - Tolle Wurst.
    Also stellen wir das Zelt neben das der Österreicher auf. Scheinbar wollen diese mit dem Nallo jeden UL Rekord brechen und haben gerade mal 4 Heringe dabei. Folglich biegt sich das Zelt bei jedem leisen Lüftchen bedenklich. Ein Hüttenbewohner hat jedoch Erbarmen und noch etwas Draht im Auto, und so steht’s auch bald wie im Katalog.
    Auf den Streß gönnen wir uns noch ein paar von unseren in Wodka eingelegten Rosinen und schlafen grinsend ein.





    12.Tag: Samstag 28. Juli 2007 – Auf dem Reitweg
    Etappe: Hvítárnes - Þverbrekknamúli

    Tageskilometer: 12 / Gesamtkilometer: 99

    Um dem ganzen Trubel zu entgehen stehen wir sehr zeitig auf, frühstücken und packen leise und los geht’s. Der Weg zieht sich immer stromaufwärts am Gletscherfluß entlang. Am Anfang muß man wegen ein paar sumpfiger Stellen selber schauen wo man ab besten läuft. Im weiteren Verlauf markieren Steinwarten den Weg sehr genau. Aber auch ohne diese wäre ein Verlaufen ausgeschlossen. Linkerhand bleibt immer der Langjökull im Blick und schickt Gletscherzungen ins Tal. Der Weg gleicht an manchen Stellen einer 10 spurigen Pferdeautobahn, so ausgetreten sind die Pfade. Wenn einer zu tief ist wird daneben ein neuer angelegt. Die Sonne brennt, der Wind bläst ganz ordentlich, daß eine Rast auf offener Fläche eigentlich ein Unding ist. Auch wenn die Temperatur gerade mal 12° Celsius erreicht, heute abend werden unsere Gesichter feuerrot sein und glühen, und ich werde mir die Ohrläppchen so verbrannt haben das sich Blasen bilden. Blöd wenn die unter der Mütze vorgucken und man sich nur das Gesicht mit Sonnencreme einschmiert. Immer mal wieder gucken ein paar Schafe ganz erschrocken wenn man über eine Anhöhe kommt. Dank ihrer dicken Wolle hoppeln sie recht unbeholfen davon. Keine Ahnung wer eine Handvoll Schafe hier draußen zusammentreiben soll, oder wie funktioniert das?
    Während der Pausen zücke ich immer mal wieder die kopierte Karte und den Kompaß um zu überprüfen wo wir gerade sind und um zu den uns umgebenden Berge etwas höflich zu sein und sie näher mit ihrem Namen anzusprechen. Die 15° Mißweisung passen wirklich, wer hätte das gedacht. Hofsjökull und Kerlingarfjöll bleiben diese Tage immer im Blick.
    In der Ferne machen wir auf halber Strecke 2 Punkte aus, die uns 10Minuten später ohne unseren Gruß zu erwidern passieren. Wie wir im nächsten Hüttenbuch lesen werden 2 Spanier. Die Hütte Þverbrekknamúli unterhalb des Hrútfell übererfüllt alle unsere Erwartungen. Die Bauweise ist ähnlich der in Botnar und mit fließendem Wasser, Gas und allen Annehmlichkeiten ausgestattet.
    2 Stunden später erreichen auch die 2 Österreicher die Hütte total fertig. Angeblich haben sie zuviel Essen mit. Tragen alles für 2 Wochen. Als sie mir erzählen was sie so essen komme ich mir wie ein Freßsack vor. Mit Low-Fett Tütensuppen und Riegeln kommen sie sicher nicht mal auf die Hälfte von dem was wir essen. Das man Essen vorschicken kann hören sie hier zum ersten Mal. Außerdem frieren sie in ihren nagelneuen WM Anthelope. Sogar in der Hütte liegen sie frühmorgens zugezogen als wäre Winter ausgebrochen.
    Abends erklimme ich noch einen nahe gelegenen Hügel, genieße die Stille und die fantastische Aussicht. Nur dieser Piepsvogel (Goldregenpfeifer) pfeift wie er es schon auf der ganzen Tour macht.





    13.Tag: Sonntag 29. Juli 2007 – Über Lavafelder ins grüne Tal
    Etappe: Þverbrekknamúli - Þjófadalir

    Tageskilometer: 15 / Gesamtkilometer: 114

    Am Morgen erwartet uns strahlender Sonnenschein. Wir packen leise um die 2 anderen Hüttenbewohner nicht zu stören und ziehen dann ab. Kurz hinter der Hütte geht es knackig einen Hügel herauf. Oben angekommen werden wir dank des guten Wetters mit einem unvergleichlichen Blick bis zum Horizont verwöhnt. Linkerhand ziehen sich die 4 Gletscherzungen des Hrútfells bis fast ins Tal. Nach ein paar An- und Abstiegen folgt der rutschige Abstieg über eine sehr lockere Halde hinab zum tief in das Gestein eingegrabenen Canyon des Fúlakvísl. An der schmalsten Stelle führt eine Brücke über die Schlucht, die vermutlich wie die über die wir gestern gekommen sind, regelmäßig aller 2 Jahre vom Frühjahrshochwasser entfernt worden ist.
    Hier rasten wir. Nachdem wir die Brücke überquert haben wird mir klar warum schon Leute an ihr vorübergegangen sind. Aus der Gegenrichtung ist diese kaum zu erkennen.
    Der Pfad zieht sich noch ein Stück in den ausgetretenen Reitspuren um dann zwischen den Lavabrocken immer unwegsamer zu werden. Ab und an verliert er sich. Das karge Grün weicht Flächen mit spagettiähnlich erkalteter Lava. Dazwischen liegen Lavablasen wie riesige aufgeplatzte Krustenbrote. Die Strecke ist abwechslungsreicher als gestern und bei dem Wetter einfach eine Augenweide. Bald verlassen wir das Ufer des Flusses und begeben uns wieder in eine Ebene. Der Wind bläst heute noch kräftiger als gestern. Eine windgeschützte Stelle zum Rasten zu finden dauert länger als gedacht. Letztendlich hocken wir uns in eine Mulde und türmen die Rucksäcke als Windschutz in unseren Rücken.
    Ein paar Kilometer weiter kommen wir in das Tal von Þjófadalir. Das Tal liegt so geschützt das es hier grüne Wiesen mit kniehohem Gras gibt. Anscheinend wissen das auch einige Schafe. So viele wie hier haben wir nirgends gesehen. Die Hütte hat einen sehr gemütlichen rustikalen Charme. Das es fliesend Wasser nur 30 Meter vor der Hütte gibt stört keineswegs. Wir finden es ist die schönste Hütte der Tour.
    Kurz nach dem ersten Essen besteigen wir noch den nahe gelegenen Þverfell um auf der einen Seite einen Blick in das Tal und auf der anderen Seite einen super Blick auf den Langjökull zu genießen. Diese Aussicht ist einfach ein Muß. In der Zwischenzeit hat sich das Wetter aber komplett gewandelt. Es zieht grau vom Gletscher herunter und fängt an zu nieseln. Zurück in der Hütte treffen auch bald auch bald die Österreicher ein.
    Am Abend packen wir zu ersten Mal eines unserer mitgebrachten Spiele aus. Bei Kerzenschein lassen wir so den Tag ausklingen.





    14.Tag: Montag 30. Juli 2007 – Vorfreude auf den Hot Pot
    Etappe: Þjófadalir - Hveravellir

    Tageskilometer: 12 / Gesamtkilometer: 126

    In der Nacht wird es wieder recht frisch. Draußen 6° und in der Hütte 10° Celsius. Das Wetter hat wohl keine Lust sich zu bessern. So ziehen wir in unseren Regenklamotten verpackt bei Nebel und Niesel zum Ende des Tals. Nach dem kurzen Anstieg erreichen wir die Straße welche uns nach Hveravellir bringen soll. Wir folgen ihr weitgehend. Nach der Hälfte der Strecke sahen wir 2 Gestalten auf uns zukommen, und Ohh welche Überraschung, wir treffen auf ein Pärchen welches uns die meiste Zeit des Laugavegur begleitet hat. Vor einer Woche hatten wir uns über unsere weitere Reiseziele ausgetauscht, und ich sprach diese kaum begangene Route an. Sie kannten diese noch nicht und wollten sich aber mal darüber informieren. So kommt es das sie die Route in entgegengesetzter Richtung laufen.
    Bald nach der Begegnung machen wir die einzige Rast. Eine geeignete Stelle zu finden ist auch jetzt nicht leicht. Der Boden ist wieder pflanzenlos, sandig und karg. Durch den Niesel würde dieser sofort an der Ausrüstung kleben. In Hveravellir angekommen verbacken wir das restliche Mehl zu Eierkuchen und gönnen uns 2 Bier, 2 Skyr und 2 Packungen Kekse für 1700 Kronen (Schluck). Da uns der Pot durch immer wieder ankommende Bustouris zu voll erscheint, machen wir noch einen Abstecher in die Umgebung. Durch Zufall stolpern wir über eine Höhle unter einer Lavablase wo sich einmal ein Geächteter aufgehalten haben soll.
    Spät abends zieht es uns doch noch in den Pot wo einige Franzosen ein merkwürdiges verhalten an den Tag legen (rasieren im Pot und dann am liebsten noch den Rasierer rumreichen – lecker). Eine Gruppe Isländer sitzt wohl schon eine Weile hier und leert eine ganze Palette Bier. Unter dem Beifall der Anwesenden tragen sie mehrstimmig ein paar sehr gut klingende Isländische Volkslieder vor. Sehr fein! Nachdem sich der Pot geleert hat kommen wir mit ihnen ins Gespräch und bekommen sogar noch 2 ganz vernünftig schmeckende Biere geschenkt.
    Die Aussicht aus dem Pot auf dem im Osten gelegenen Gletscher entschädigt für das miese Wetter dieses Tages. Erst nach Mitternacht liegen wir in den Schlafsäcken.




    15.Tag: Dienstag 31. Juli 2007 – Rückfahrt nach Reykjavik
    Etappe: Hveravellir - Reykjavik

    Tageskilometer: - / Gesamtkilometer: -

    Um 12 geht der Bus. Das Zelt haben wir wieder mal nicht trocken bekommen. Schön auch mal die Landschaft aus einer andern Perspektive zu sehen. Ab und zu ein Nickerchen mit der Gewißheit trotzdem voran zu kommen. Unterwegs überholen wir bestimmt 10 von den recht häufig anzutreffenden Fahrradmasochisten. Alle Achtung den Jungs und Mädels – aber bei nur Gegenwind hätte ich null Bock auf Radfahren. Wenn ein Auto kommt möchten die fast von der Straße, bei Trockenheit ist man sicher nur am Staub fressen, dann doch lieber laufen. Auf der Rücktour machen wir natürlich wieder bei Gullfoss und Geysir Halt. Diesmal sind noch mehr Menschen dort.
    Gegen 17 Uhr erreichen wir das BSI Terminal. Danach stiefeln wir in die Innenstadt zum dortigen Bonus. Die fast 9 Kilo Lebensmittel von unserer 2. Tour sind bis auf ein paar Reste alle. In den Schaufenstern sehen unsere Gestalten wie Landstreicher aus. Rote, verbrannte, unrasierte Gesichter mit rissiger Haut. Bei mir sind die verbrannten Ohrläppchen mittlerweile verkrustet. Ein Wunder das die uns reinlassen. Der enge Laden zwingt uns zu Rangierarbeiten mit unserem Rucksack, nicht daß wir die Regale mit unserem Hinterteil abräumen. Auf dem Campingplatz machen wir erstmal einen Festschmaus. Bevor wir jedoch die letzte Station für diesen Tag ansteuern, das Freibad nebenan, nehmen wir hier aber erstmal eine Grundreinigung vor.


    16.Tag: Mittwoch 01. August 2007 – Reykjavik
    Etappe: Stadtbummelei

    Tageskilometer: - / Gesamtkilometer: -

    Erst mal ausschlafen. Der Rest ist eigentlich schnell erzählt. Zur groben Skizzierung: - Skulptur Sólfar – Innenstadt – BSI – Ticket für Keflavik via Blue Lagoon kaufen – Perlan – Kringlan – Essen gehen – wieder Innenstadt weil Geld übrig – Schnickschnack kaufen, Jacke kaufen bei Cintamani – Campingplatz – Freibad nebenan. Irgenwie sind es dann doch über 10 Kilometer geworden, und irgendwie schlaucht Pflaster mehr als Wüste.


    17.Tag: Donnerstag 02. August 2007 – Rückflug nach Berlin
    Etappe: -

    Tageskilometer: - / Gesamtkilometer: -

    Diesmal heißt es wieder 6 Uhr aufstehen. 8 Uhr soll der Pick Up Service ins direkt vom Campingplatz zur Blue Lagoon fahren. Wir sind diesmal pünktlich nur der Bus nicht, kommt aber mit 15 Minuten Verspätung doch noch. Unterwegs halten wir noch bei verschiedenen Hotels und laden Tagesausflügler ein.
    In der Blue Lagoon gegen 9 Uhr angekommen sind wir wie es aussieht noch mit die ersten. Sehr nobel und schick alles. Hat mehr den Charme eines Wellnesstempels als eines Schwimmbades. Das Wasser ist sehr salzig und brennt die erste Zeit auf unserer rissigen Haut und den Lippen wie Feuer. Als weiteres Souvenir nehme ich mir noch einen milden Sonnenbrand auf dem Rücken mit nach Hause. Sie Sonne brennt bei total wolkenlosem Himmel. Schatten sucht man hier vergebens, ich hätte ihn mir gewünscht. Auf dem Flughafen angekommen geht alles wesentlich komfortabler als in Schönefeld. Mit leichter Verspätung heben wir ab. Trotzdem kommen wir in Berlin pünktlich an. Uns erwarten ein Gewitterregen und die erste Dunkelheit seit 2 Wochen. Kurz vor dem Berliner Ring auch noch ein Stau. Die Realität hat uns wieder.
    Geändert von Sandmanfive (05.11.2011 um 16:20 Uhr) Grund: Reisecharakter eingestellt

  2. Erfahren
    Avatar von schnuffiwuffi
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    #2
    Ein wunderbarer Bericht! Der hat mir gerade meine Mittagspause versüßt

    Die Bilder machen Apetit auf mehr - bin schon sehr gespannt auf weitere fotografische Eindrücke

    Wie lange habt ihr denn die Rosinen im Vodka baden lassen? Scheint mir eine vortreffliche Idee zu sein... Und welche Spielchen hattet ihr mit?

    Hätte man die Speisen auch im Flugzeug transportieren dürfen?

    Beste Grüße vom
    Schnuffiwuffi

    *sichAnregungvonderEssenlistewegschnappend*
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  3. #3
    Vielen Dank für den sehr geilen Bericht.

    Ich brauch wieder Urlaub.

    Nam

  4. Lebt im Forum
    Avatar von barleybreeder
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    #4
    Die Rosinen lagen ungefähr 2 Tage drin. Sind schön gequollen. Wer Rumtopf kennt weiß wie lecker das sein kann.

    Im Flugzeug hatten wir nur die Packungen Travellunch, Trockenei, Trockenmilch, Trockenfrüchte und Süßen Moment mit. Alles andere haben wir dort besorgt.

    Das Spielchen war so ein altes Wikingerspielchen. König muss in Burg füchten - die anderen müssen ihn fangen.

    Schön das er dir gefallen hat!

  5. #5
    da waeren wir uns ja fast begegnet
    allerdings wars bei uns 21.-22.7. Thorsmörk schön
    http://www.wabnig.net/island/island.htm




  6. #6
    Schöner Bericht!
    Hat mich mal wieder sehr in meinem Vorhaben bestätigt, nächstes Jahr nach Island zu fliegen...
    Bela
    Reiseberichte:
    http://www.aitrob.de

  7. #7
    Hallo Sebastian,

    super Bericht! Hab mir einen abgegrinst ob der vielen Erlebnisse die so typisch sind für Island.
    Franzosen und Spanier mit den 2-Sekundenzelten - seit 2 Jahren sind diese Dinger dort total angesagt - einmal ordentlich Wind und wuschhhhhhh
    Wird nur noch von den unvermeidlichen "Trappern" getoppt.
    Besonders typisch der Isländerchor im Hot Pot - in Island wird gesungen, da bleibt kein Auge trocken. Kaum ein Isländer der nicht Mitglied in zwei Chören ist.
    Für den alten Kjalvegur hege ich ein ganz besondere Schwäche, der hat es mir angetan. In einer Woche bin ich wieder auf den Weg nach Hvítárnes. Dein Bericht hat mich vollends auf Betriebstemperatur gebracht.

    Dieter
    ... noch 5 Tage!
    Geändert von Dieter (13.08.2007 um 17:08 Uhr)

  8. #8
    Schön karge Lanschaft - da lernt man wieder das sehen. In Island war ich noch nie, nur auf den Faroer-Inseln - also auf halbem Weg. Und die sind ganz anders. Und dein Bericht ist sehr schön geschrieben - Du hast mich richtig "mitgenommen".
    Vielen Dank,
    Andreas

  9. Gerne im Forum
    Avatar von sierrocool
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    #9
    DANKE, FÜR DIESEN TOLLEN BERICHT!!!

    Macht voll Lust auf Island. Vielleicht klappt es bei mir auch mal

    Mfg,
    Alexander
    Carpe Diem

  10. #10
    Hallo

    da hast Du ja noch Spitzenbilder nachgeschoben heute Morgen!
    Na warte - ich werde mich revanchieren

    Dieter
    ... noch 4 Tage

  11. Lebt im Forum
    Avatar von barleybreeder
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    #11
    Danke für die Blumen! War einfach so ne geile Tour!
    Eigentlich fast unmöglich keine schöne Bilder zu machen. Leider wirken die Farben der Spiegelreflex etwas zu blumig und aufgeblasen. Ist wahrscheinlich durch das Digitalisieren der Negative entstanden. Die Abzüge sind ganz OK.
    Alle die noch fahren - eine schöne Zeit auf Island!

    Nochmal danke Dieter, dein Zeitplan ist toll aufgegangen.
    Geändert von barleybreeder (12.08.2007 um 22:01 Uhr)

  12. Erfahren
    Avatar von schnuffiwuffi
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    #12
    Zitat Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
    da hast Du ja noch Spitzenbilder nachgeschoben heute Morgen!
    Na warte - ich werde mich revanchieren
    Dem kann ich mich nur anschließen!!! Mal gucken, ob ich auch ein paar brauchbare Bilder mitbringe - bei mir geht es nur nicht ganz sooo weit in den Norden aber immerhin bis nach Norwegen Na mal sehen - nächstes Jahr ist ja auch noch ein Jahr!
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  13. #13
    Sehr geiler Bericht, Spitzen-Bilder, Island rückt immer mehr in meinen Focus!
    Grüße Claus

    "Everyone rises to their level of incompetence."

  14. #14
    Ahoi,

    klasse Bericht und super Bilder. Kann man die Bilder auch noch irgendwo in
    etwas höherer Auflösung bewundern? Wirken dann sicherlich nochmal anders.

    Danke für den Bericht
    Dirk

  15. Lebt im Forum
    Avatar von barleybreeder
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    #15
    Aber sicher!

    Hier,
    http://www.arcor.de/palb/thumbs.jsp?albumID=4043599
    und hier
    http://www.arcor.de/palb/thumbs.jsp?albumID=4055196
    sind bei weitem nicht alle.
    Der Upload auf die Arcor page dauert einfach viel zu lange.
    Mit der Spiegelreflex waren es fast 400 und mit der Digicam noch mal so viele.

  16. #16
    Hallo Sebastian,

    ... hmmm - die Links führen aber nur zum Login

    Dieter

    PS
    Claus schrieb:
    Island rückt immer mehr in meinen Focus!
    ... in meinen auch, in meinen auch ...


  17. #18
    Das sieht richtig gut aus auf den großen Bildern. Danke

    Grüße, Dirk

  18. Fuchs
    Avatar von Roene
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    #19
    Herre gud, ich muss wirklich schnellstens mal nach Island. Die Bilder sind großartig. Werde gleich mal den Bericht lesen.

    Gruß, René.

  19. #20
    Ein wirklich informativer und lesenswerter Reisebericht!

    Ich bin 2007 ebenfalls den Laugavegur gegangen - allerdings die Gegenrichtung von Landmannalaugar bis Skogar und zwar gleich zu Beginn der Saison Ende Juni/Anfang Juli - da waren noch nicht so viele unterwegs.

    Ich würde ebenfalls von Doppeletappen abraten - bei schlechtem Wetter zu anstrengend und bei schönem Wetter sollte man sich Zeit lassen und die Landschaft genießen und ggf. kleine Entdeckungstouren ohne Rucksack anschließen.

    Im Nachhinein würde ich mir auch Proviant zu einer Hütte vorschicken lassen - denn Nahrungsmittel wiegen relativ viel!

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