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  1. AW: Schon mal verirrt?

    #21
    Zitat Zitat von Pfad-Finder Beitrag anzeigen
    Ich wollte eigentlich der Straße Richtung Gipfel folgen ... Da half auch GPS nichts, weil bei einer Positionsgenauigkeit von damals 10-15 Meter die Straße nicht sauber zu treffen war.
    Welches Wander-Garmin hat denn damals auch eine Karte angezeigt?
    Ich hatte mal ein altes CX12 im Einsatz, das konnte aber soweit ich mich erinnere keine Kartendarstellung. Da konnte man nur zB auf selbst abgespeicherte Punkte zurückfinden, oder halt mit einer Karte mit entsprechendem Koordinatennetz abgleichen.

  2. Liebt das Forum
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    AW: Schon mal verirrt?

    #22
    Dieser Artikel ist schon alt, aber ich fand ihn damals hochinteressant und wenn man die Pressemitteilung von dem im Harz sich verlaufenden Studenten liest, ist das Beispiel mit den Inuit doch wieder ziemlich aktuell.

    https://www.brandeins.de/magazine/br...el-ist-der-weg
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  3. Fuchs
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    AW: Schon mal verirrt?

    #23
    Schöner Artikel, danke dafür!

    Da ist viel Wahres dran. Ich habe bei mir zum Beispiel schon festgestellt, dass ich inzwischen wenn ich mit der Hand schreibe deutlich nachdenken muss, was Rechtschreibung anbelangt. Man hat das irgendwie so verinnerlicht, dass man Texte eher schludrig schreibt und sie dann automatisch korrigiert bzw. Vervollständigt werden.

    Zum Glück geht’s mir beim navigieren noch nicht so 😁
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  4. Vorstand
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    AW: Schon mal verirrt?

    #24
    Ich habe diesen Sommer auch zig Handy-Navigations-Nutzer wieder auf die Sprünge helfen müssen. Weil grad kein Empfang war, weil der Akku leer war, weil .... Das Erschreckende war, dass sie oft überhaupt keinen Plan hatten wo sie sind, aus welcher Richtung sie kommen und in welche Richtung ihr Ziel liegt, auch bei Strecken, die recht übersichtlich sind. Sie wissen allenfalls ich komme von xy und will nach z.

    Ich plane meine Wanderungen immer noch schön klassisch mit der 1:25 000er Karte und selten mit einer "fertigen", ausgeschilderten Wegführung, sondern meist selbst zusammengestoppelt und gerne auch mal die ganz kleinen Wege. Ende vom Lied ist, dass ich die Ecke im Wald dann immer recht gut im Kopf habe und z.T. noch vor dem Blick in die Karte sagen kann, wo sie lang müssen.

    Verlaufen haben wir uns trotzdem manchmal, denn leider gibt es einige der eingezeichneten kleinen Wege gar nicht mehr. Umgekehrt kommen schnell neue Forststraßen dazu, die noch nicht in den Karten verzeichnet sind. Da kann man sich dann mal schnell verfransen, wenn man denkt man nimmt den ersten, es ist aber der zweite, weil der erste gar nicht mehr da war und die beiden laufen dooferweise auseinander. Aber das merkt man dann bald und muss dann halt schauen, wie man anders zum Ziel kommt. Würde ich nicht als verirrt bezeichnen, solange man noch grob weiß, wo man ist, wo man hin will und eine Karte hat, die dabei hilft.

  5. AW: Schon mal verirrt?

    #25
    Total spannende Geschichten hier

    Zum Glück habe ich mich noch nie wirklich dramatisch verirrt.

  6. Dauerbesucher

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    AW: Schon mal verirrt?

    #26
    Wirklich verirrt - nein, aber einen Vorgeschmack von Orientierungslosigkeit davon bekommen.
    Trockensteppe/Halbwüstenartiges Gelände, dem Anschein nach plattes Land mit Bergen, die ziemlich abrupt aus der Ebene aufstiegen. Es war eine geführte Tour bei der unser Guide uns an einer interessanten Stelle abgesetzt hat und selber weitergefahren ist, um im Ort nahbei was zu besorgen.

    Alles gut, wie haben die Felszeichnungen besichtigt, waren etwas am Fuß des Berges herumgelaufen und dann den Weg zurück angetreten (knappe Std. zu Fuß). Vom Camp aus hatten wir den Berg klar und deutlich gesehen - aber nicht umgekehrt... Vom Fuß des Berges aus war nur eine eintönige, flache Steinebene zu sehen, keine Erhebung, kein Camp, nix was auf Besiedlung hindeutete. Wir sind dann grob in die Ausgangsrichtung gegangen (incl. Diskussion, wo die liegt...) und haben nach einiger Zeit gesehen, das unser Camp in eienr ganz flachen Senke lag, die von Ferne nicht erkennbar war. Nix, nada, die ging in der gleichförmigen Struktur der Landschaft völlig unter. War dann schon ein wenig beklemmend zu erkennen, das man auch in eigentlich völlig offenem Gelände sein Ziel nicht finden kann.

    Bei uns war keinerlei Gefahr, aber wenn dazu ein Sturm oder Starkregen kommt hätten wir den Weg zurück nicht gefunden.

  7. Fuchs
    Avatar von Martin1978
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    AW: Schon mal verirrt?

    #27
    Ich glaube, wir müssen unterscheiden zwischen verirren und verlaufen. Verirren ist schon ein heftiger Zustand, der lebensgefährlich sein kann und aus dem man sich in der Regel nur durch Zufall und Glück selbst befreien kann.
    Verlaufen ist eher ärgerlich und kostet Zeit.
    Im anderen Thread, in dem das Thema aufkam, hatten wir bereits festgestellt, dass es in Deutschland für einen gesunden Erwachsenen unmöglich ist, sich zu verirren. Es mag Ecken geben, in denen je nach Tageszeit verlaufen gefährlich ist (Alpen, etc.) aber verirren kann man sich schlicht nicht. Es gab hier vor vielen Jahren mal einen Beitrag mit einer interaktiven Karte, die einem anzeigte wie weit ein Punkt von der „Zivilisation“ entfernt ist. Leider finde ich ihn nicht mehr.
    Bis zur nächsten asphaltierten Straße wird es keinen Punkt geben, der nicht innerhalb von 1-2 Kilometer erreichbar ist. Den nächsten markierten Wanderweg findet man in der Regel innerhalb weniger hundert Meter, egal in welche Richtung. In Deutschland sollte ein gesunder Mensch normalerweise innerhalb von 1-2 Stunden wieder in der Zivilisation sein, selbst wenn man nur stur querfeldein und geradeaus läuft. Mit ein bisschen know how kann man das natürlich deutlich verkürzen. Aber so kann man sich nicht verirren.

    Interessant wären aber wirklich mal Berichte aus unwegsameren Gegenden und wie am Ende der Zustand wieder aufgelöst wurde. Daraus könnte man viel lernen. Am meisten, wie man es verhindert sich zu verirren.
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    AW: Schon mal verirrt?

    #28
    Zitat Zitat von Martin1978 Beitrag anzeigen
    Bis zur nächsten asphaltierten Straße wird es keinen Punkt geben, der nicht innerhalb von 1-2 Kilometer erreichbar ist. Den nächsten markierten Wanderweg findet man in der Regel innerhalb weniger hundert Meter, egal in welche Richtung. In Deutschland sollte ein gesunder Mensch normalerweise innerhalb von 1-2 Stunden wieder in der Zivilisation sein, selbst wenn man nur stur querfeldein und geradeaus läuft. Mit ein bisschen know how kann man das natürlich deutlich verkürzen. Aber so kann man sich nicht verirren.
    Im Start-Artikel steht aber, dass es gar nicht so einfach ist, immer geradeaus zu laufen.

  9. Fuchs
    Avatar von Martin1978
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    AW: Schon mal verirrt?

    #29
    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen
    Im Start-Artikel steht aber, dass es gar nicht so einfach ist, immer geradeaus zu laufen.
    Selbst wenn man im Kreis läuft, sollte man in Deutschland auf Spuren der Zivilisation stoßen (Wanderwege, Rücketrassen, Wegweiser, Straßen, etc.). Man müsste schon einen sehr engen Radius laufen um nichts zu treffen. Aber ja, ich bin bei dir, auch geradeaus laufen ist ohne Möglichkeit zur Peilung nicht einfach.
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  10. Anfänger im Forum
    Avatar von Christoph P.
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    "Orte der Unzugänglichkeit"

    #30
    Zitat Zitat von Martin1978 Beitrag anzeigen
    Es gab hier vor vielen Jahren mal einen Beitrag mit einer interaktiven Karte, die einem anzeigte wie weit ein Punkt von der „Zivilisation“ entfernt ist. Leider finde ich ihn nicht mehr.
    KLICK, wie beschrieben und zu erwarten, beruhigend nur beim Verlaufen.

  11. Fuchs
    Avatar von Martin1978
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    AW: "Orte der Unzugänglichkeit"

    #31
    Zitat Zitat von Christoph P. Beitrag anzeigen
    KLICK, wie beschrieben und zu erwarten, beruhigend nur beim Verlaufen.
    Danke, die hab ich gesucht
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  12. Vorstand
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    AW: Schon mal verirrt?

    #32
    Ich finde die Unterscheidung zwischen Verlaufen und Verirren schon auch sinnvoll, sehe die Übergänge da aber durchaus fließend.
    Das mit den 1-2 km zur nächsten Teerstraße ist für viele attraktive Wanderregionen auch deutlich zu niedrig angesetzt. Auch dass nach paar Hundert Metern der nächste Wanderweg kommt, kann ich nicht bestätigen, insbesondere nicht, wenn man schon die Orientierung verloren hat.
    Dazu kommt dann noch die z.T. mangelhafte/fehlende/uneindeutige Beschilderung, auf die man trifft, gerade im Zusammenhang mit Industriebrachen an Gewässern bzw. größeren Autostraßenkreuzungen. Da geht es für Fahrradfahrer und Wanderer manchmal so komisch kreuz und quer, dass einem keine Karte und keine Orientierung hilft. Den Straßen/Fahrspuren darf man ja nicht folgen und wenn dann die Beschilderung mies ist, dann kann man schon mal eine geraume Zeit herumirren und Schleifen laufen, bis man aus diesem Labyrinth wieder herausfindet.
    Auch sehr unangenehm: Dünenartige Landschaften und solche die durch Abbau von Bodenschätzen/Sand/Kies und Haldenbildung künstlich geschaffen bzw. verändert wurden. (Je älter sie sind, um so fataler, da man es z.T. erst mal gar nicht merkt.) Die folgen nämlich keiner der üblichen Logiken, sprich es gibt im Prinzip weder Leitlinien, noch Auffanglinien noch klare Peilpunkte, was einem ja ansonsten ja hilft, sich nach dem Verlaufen wieder zu orientieren.

    Je nach Wetterlage, Tageszeit, Wegbeschaffenheit, Kleidung/Schuhwerk und körperlicher und mentaler Erschöpfung kann aus einem Verlaufen dann auch mal schnell ein Verirren werden.
    Außerdem steigt durch jedes orientierungslose Abkommen vom Weg die Unfallgefahr z.B. durch ungesichterte Steinbrüche, Abruchkanten, die Notwendigkeit über Astgewirre zu steigen, die Versuchung statt durchs Unterholz doch lieber den steilen Abhang zu nehmen, wenn endlich eine Straße da ist diese entlang zu laufen, auch wenn sie eigentlich nicht dafür geeignet ist,.....

    Mein Großzwerg hatte/hat die unselige Vorliebe, unterwegs hobbitartig zu verschwinden und dann erstmal nicht wieder aufzutauchen und dabei gelegentlich auch die Orientierung zu verlieren. Vor allem beim Wandern in gänzlich unbekannten Gebieten und beim Einbruch der Dämmerung eine echt doofe Situation des Herumirrens, wenn man ihn suchen muss. Da hilft dann keine noch so gute Wegbeschreibung oder nur eine Übersichtskarte. Da kann man nur froh sein, wenn man für die folgende Suche eine gute Wanderkarte mithat, damit man sich für die Suche wenigstens verabreden kann und schauen, in welche Richtung man aufgrund der dort drohenden Gefahren zuerst suchen sollte.

  13. Liebt das Forum
    Avatar von Torres
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    AW: Schon mal verirrt?

    #33
    Für mich definiert sich der Unterschied zwischen Verlaufen und Verirren in der Panik, die durch Orientierungslosigkeit entsteht. Verlaufen tue ich mich öfter - nicht aufgepasst, Abkürzung genommen, die dann ganz woanders verläuft etc. Das ist aber eine beherrschbare Situation. Die kostet Zeit, artet in wüste Beschimpfungen mir selbst gegenüber aus, den Schwur, in Zukunft endlich mal normal zu sein und den offiziellen Weg zu nehmen und führt - interessanterweise - zu einer hervorragenden Ortskenntnis, die mir oft wertvolle Erkenntnisse für die nächste Situation liefert (da war ich doch schon mal...).

    Verirren ist für mich der Punkt, wo es irrational wird. Wo plötzlich alles gleich aussieht, und ich nicht mehr sagen kann, wo ich herkam und hin muss. Der Moment, wo falsche Entscheidungen getroffen werden können, wenn man sich nicht absolut konzentriert (zur Erinnerung: Ich bin meist im Winter unterwegs oder in Gebieten mit Feuchtigkeit, Windchill und plötzlichen Wetterumschwüngen). Mal angesehen davon, dass ich früher nicht wusste, dass nach 1,2 km die nächste Straße kommt, so bezweifle ich das auch, denn gerade im Sauerland war ich oft unterwegs, ohne auf Straßen zu kommen, weshalb ich mit meinem Fahrrad irgendwann durchs Unterholz gebrochen bin, weil die Wege völlig anders verliefen, als ich es mir vorgestellt habe. Da hatte ich mich nicht verirrt, ich sah das Ziel, kam aber nicht hin und es wurde langsam dunkel.

    Die Frau, die sich in Finnland in der Nähe von Helsinki verirrt hat, hätte auch die Straßen finden müssen. Hat sie nicht. Sie ist wahrscheinlich im Kreis gelaufen und wurde auf einem Felsen gefunden. Vielleicht hat sie gerufen, kein Wasser dabei gehabt, nichts zu essen. Inarjoen Peter hat mal von einem Nachbarn erzählt, der von seinem Wochenendhaus losging und nicht mehr zurückfand. Man hat ihn tot aufgefunden. Alle Bäume sehen halt gleich aus. Wenn einen dann der innere Kompass verlässt, man sich nicht abgesichert hat (vielleicht hat er Beeren gesammelt), dann kann das schnell eng werden. Ich muss da auch aufpassen, ich bin dann so vertieft - hier noch eine Stelle und guck mal da hinten -, dass ich mich von den Orientierungspunkten entferne und wenn mir das Waldgebiet dann fremd ist, kann es dauern, bis ich wieder einen Weg finde. Früher konnte ich ja noch nicht mal Höhenlinien lesen, für mich war alles grundsätzlich flach. Das habe ich auch im Sauerland gelernt, dass nicht nur die Gipfel hoch sind.
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  14. Fuchs
    Avatar von Martin1978
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    AW: Schon mal verirrt?

    #34
    Zitat Zitat von Mus Beitrag anzeigen
    Das mit den 1-2 km zur nächsten Teerstraße ist für viele attraktive Wanderregionen auch deutlich zu niedrig angesetzt. Auch dass nach paar Hundert Metern der nächste Wanderweg kommt, kann ich nicht bestätigen, insbesondere nicht, wenn man schon die Orientierung verloren hat.
    Dazu kommt dann noch die z.T. mangelhafte/fehlende/uneindeutige Beschilderung, auf die man trifft, gerade im Zusammenhang mit Industriebrachen an Gewässern bzw. größeren Autostraßenkreuzungen. Da geht es für Fahrradfahrer und Wanderer manchmal so komisch kreuz und quer, dass einem keine Karte und keine Orientierung hilft. Den Straßen/Fahrspuren darf man ja nicht folgen und wenn dann die Beschilderung mies ist, dann kann man schon mal eine geraume Zeit herumirren und Schleifen laufen, bis man aus diesem Labyrinth wieder herausfindet.
    Wenn man sich die verlinkte Karte anschaut, kommt das mit 1-2 Km weitestgehend hin. Große Entfernungen findet man eigentlich nur in einer Handvoll Mittelgebirgen (Pfälzerwald, Schwarzwald, bayrischer Wald, etc.) den Alpen und den Inseln der Nord- und Ostsee.
    Dazu muss man berücksichtigen, dass die Basis für diese Karte ausschließlich der Raum des öffentlichen Straßenverkehrs ist. Feld- und Waldwege, Zufahrtsstraße und Ähnliches wurden nicht berücksichtigt. Würde man diese berücksichtigen, wäre sehr vieles deutlich weniger abgelegen. Dazu muss man im Kopf haben, dass wir in Deutschland bis auf ganz wenige Ausnahmen eine Kulturlandschaft haben, die entsprechend erschlossen ist. Unser Wald ist in der Regel Wirtschaftswald und da Rückepferde eher die Ausnahme sind, ist nahezu jeder Zipfel Deutschlands mehr oder weniger nahe mit Land- und Forstwirtschaftlichen Fahrzeugen erreichbar. Das ist auch der Grund wieso wir in Deutschland so ein dichtes Netz an Wanderwegen haben. Der Erholungsfaktor ist da eigentlich eher ein Nebenprodukt. Wenn man sich mal eine x beliebige deutsche Wanderkarte aus dem Schrank holt und sich das Wegenetz genau anschaut, sind da selten mehr als wenige hundert Meter zwischen 2 wegen. Wie gesagt, bis auf wenige Ausnahmen.

    Das Beispiel mit den Autobahnen und den ungenauen Beschilderungen ist auch eher wieder verlaufen als verirrt. Wenn man einer Straße nicht folgen kann, weil sie stark befahren ist, sind da ja Menschen durch die man sehr schnell wieder „in Sicherheit“ gebracht werden könnte. Ansonsten kommt jeder Weg und jede Straße in Deutschland irgendwann (meist innerhalb einer Stunde) in die „Zivilisation“. Das mag in abgelegen Regionen dieser Erde anders aussehen, da steht man wenn man die Straße in die falsche Richtung läuft auch mal im einsamen Holzfällerlager. Aber in Deutschland muss man nur irgendeinem Weg folgen um am Ende in den Bus zu steigen, oder ein Taxi rufen zu können.
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  15. Fuchs
    Avatar von Martin1978
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    AW: Schon mal verirrt?

    #35
    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    Für mich definiert sich der Unterschied zwischen Verlaufen und Verirren in der Panik.
    Das wiederum entspricht ja eben genau dem, was in dem von Dir verlinkten Artikel steht. Je mehr wir uns von der Natur entfernt haben, umso komplizierter, unbekannter und irrationaler wird vieles.

    Um es mal zu übertreiben, wenn man einen Großstädter nimmt, der in seinem Leben außer Xbox, Smartphone und Fernseher noch keine Eindrücke gesammelt hat und für den die einzige Verbindung mit Wald der Weihnachtsbaum ist, gerät der deutlich leichter in Panik. Die moderne Technik ermöglicht ihm (gegen Geld) jeden beliebigen Punkt dieser Erde ohne eigenen Antrieb zu erreichen. Dann kann es natürlich sein, dass er Panik bekommt weil man plötzlich kein Mc Donalds Schild mehr sehen kann und er 10 Meter von der Straße entfernt verhungert.

    Nimm ein Dorfkind und wirf es über irgendeinem Wald ab, dann kommt das da nach ein paar Stunden pfeifend raus spaziert und kaut dabei noch an einer Wildschweinkeule.

    Rational gibt es bei uns keine Möglichkeit zum verirren. Irrational und subjektiv natürlich schon. Aber....ist das dann normal, oder einfach nur zu sehr von der Natur entfremdet?
    Geändert von Martin1978 (30.09.2020 um 13:39 Uhr)
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  16. Fuchs
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    AW: Schon mal verirrt?

    #36
    Zitat Zitat von Mus Beitrag anzeigen
    Ich plane meine Wanderungen immer noch schön klassisch mit der 1:25 000er Karte und selten mit einer "fertigen", ausgeschilderten Wegführung, sondern meist selbst zusammengestoppelt und gerne auch mal die ganz kleinen Wege. Ende vom Lied ist, dass ich die Ecke im Wald dann immer recht gut im Kopf habe und z.T. noch vor dem Blick in die Karte sagen kann, wo sie lang müssen.

    Verlaufen haben wir uns trotzdem manchmal, denn leider gibt es einige der eingezeichneten kleinen Wege gar nicht mehr. Umgekehrt kommen schnell neue Forststraßen dazu, die noch nicht in den Karten verzeichnet sind. Da kann man sich dann mal schnell verfransen, wenn man denkt man nimmt den ersten, es ist aber der zweite, weil der erste gar nicht mehr da war und die beiden laufen dooferweise auseinander. Aber das merkt man dann bald und muss dann halt schauen, wie man anders zum Ziel kommt. Würde ich nicht als verirrt bezeichnen, solange man noch grob weiß, wo man ist, wo man hin will und eine Karte hat, die dabei hilft.
    Ich habe da so meine eigenen Erfahrungen, insbesondere aus Brandenburg und dem Forst Blumenthal als Lehrgebiet. Man kann sich prima verlaufen, wenn (a) die Karte falsch, insbesondere zu grob ist, (b) man kein Mittel zur Richtungsorientierung hat, also weder Sonne noch Kompass. Nach zwei Stunden Verwunderung bei grauem Wetter kam kurz die Sonne raus (ich befand mich auf einem Forstweg, wohlgemerkt), und sie stand rechts statt links vorn, also eindeutig falsch. Dann kam ich an eine Straße und musste – als vergleichsweise erfahrener Kartenleser – an einem einzeln gelegenen Haus fragen, mit der Karte in der Hand, wo ich eigentlich bin. Die Ursache des Verlaufens war anhand der Karte im Nachhinein für mich durchaus nachvollziehbar. Seitdem habe ich auch bei Tageswanderungen immer einen Kompass mitgenommen, auch wenn ich ihn selten benutze.
    In den Landschaften, in denen ich unterwegs bin, kann im Übrigen die Karte normalerweise das Wegenetz nicht perfekt abbilden, es gibt dann immer auch Irrtumsmöglichkeiten und man muss ggf. die Richtung mit dem Kompass überprüfen.

    Dorfkinder, Stadtkinder? Mit kulturpessimistischen Standardmärchen allein kommt man hier nicht zu einer realistischen Beschreibung, finde ich. Ich hatte schon Tourpartner, die intuitiv schlechter, aber auch solche, die intuitiv besser orientiert waren als ich. Die Stabilität der Richtungsorientierung ist also schon teilweise eine subjektive Kompetenz, die wahrscheinlich in Grenzen trainierbar ist. Aber man sollte es nicht übertreiben; es gibt auch objektive Bedingungen in der Landschaft und in der verwendeten Karte, die das Verlaufen begünstigen.
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  17. Erfahren

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    AW: "Orte der Unzugänglichkeit"

    #37
    Zitat Zitat von Christoph P. Beitrag anzeigen
    KLICK, wie beschrieben und zu erwarten, beruhigend nur beim Verlaufen.
    Beruhigend zu wissen, dass ich bei Planung meines letzten 7 tägigen Treks in den Alpen in einer der größten dort abgebildeten Regionen unterwegs war. Freilich, Menschen gabs da trotzdem reichlich und mit weniger Gepäck wäre es in einem Tag zu durchschreiten gewesen.

    Gibts sowas auch für Schweden?

    Ganz hilfreich fand ich übrigens auch folgende Seite, die habe ich jedenfalls bei der Reiseplanung mit einbezogen:
    https://www.lightpollutionmap.info/

  18. Vorstand
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    Avatar von Mus
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    AW: Schon mal verirrt?

    #38
    @Martin
    Mach die Karte mal groß. Dann findest du viele hellere Flecken. Und wenn du die dann noch genauer betrachtest, dann siehst du, dass sie auch noch oft recht langgezogen sind. Wenn es doof läuft, dann ist man also da in der Mitte mehr als 2 km von der nächsten Straße entfernt, hört also auch nicht und läuft blöderweise immer schön längs dieser Mitte entlang, wenn nicht eh im Kreis.

    Zitat Zitat von Martin1978 Beitrag anzeigen
    Nimm ein Dorfkind und wirf es über irgendeinem Wald ab, dann kommt das da nach ein paar Stunden pfeifend raus spaziert und kaut dabei noch an einer Wildschweinkeule.
    Ich bin Dorfkind gewesen und hab bis zur 5. Klasse meine freie Zeit überwiegend im Wald verbracht, alleine und in Gruppen Gleichaltriger und kann über so ein Klischee nur müde lächeln. Irgendwie waren wir erstaunlich begrenzt, was Distanzen und Richtungen angeht, stelle ich aus meiner heutigen Perspektive fest und amüsiere mich, was wir damals als "Exkursion ins große Unbekannte" empfunden haben. Als wir älter waren, hat es die meisten sowieso nicht mehr in den Wald, sondern nur noch in die Stadt gezogen.

  19. Lebt im Forum
    Avatar von Pfad-Finder
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    AW: Schon mal verirrt?

    #39
    Zitat Zitat von Martin1978 Beitrag anzeigen
    Bis zur nächsten asphaltierten Straße wird es keinen Punkt geben, der nicht innerhalb von 1-2 Kilometer erreichbar ist. Den nächsten markierten Wanderweg findet man in der Regel innerhalb weniger hundert Meter, egal in welche Richtung.
    Das gilt vielleicht in Westdeutschland, aber nicht in Brandenburg.

    In Deutschland sollte ein gesunder Mensch normalerweise innerhalb von 1-2 Stunden wieder in der Zivilisation sein, selbst wenn man nur stur querfeldein und geradeaus läuft.
    Die Kunst ist es allerdings, bei bedecktem Himmel in einem nicht winklig gerasterten Wald dieses "Geradeaus" ohne Hilfsmittel (Kompass mindestens) durchzuhalten. Jedes Jahr müssen Pilzsucher und Wanderer von Polizei/FFW aus der Schorfheide rausgeholt werden.
    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

  20. Fuchs
    Avatar von dominiksavj
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    AW: Schon mal verirrt?

    #40
    Verirrt habe ich mich auch schon.
    Sarek 2018

    Aufstieg aus einem Tal im Nebel in Richtung Tsatsa, wenig Sicht, Höhenmesser, Karte und Kompass.
    Wir haben nicht richtig gewusst welches der Zugang zu der Hochebene ist, sind planlos irgendwo hoch, dann wieder runter und wieder hoch...
    Irgendwann waren wir oben, völlig fertig mit den Nerven, haben das Zelt aufgestellt und waren uns sicher wo wir waren.
    Es hat aufgeklart, man konnte Berge erkennen, auch den Tsatsa, nur hatte der im Gegensatz zur karte einen Gletscher

    Hitzige Diskussionen, fast schon Streit, bis wir im Reiseführer gelesen haben das die Topo fehlerhaft ist.
    Der Gletscher wurde vergessen einzuzeichnen

    Das Gefühl werde ich trotzdem nicht vergessen. Nicht zu wissen wo man ist, obwohl man weiss wo man ist.
    freedom's just another word for nothing left to lose

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