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  1. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #61
    Mitreisende: ChuckNorris
    TAG 12 | 26.8.2020 MITTWOCH



    Die Route, die ich heute versuchen will, verbindet meine Hütte mit einer privaten Jagdhütte im Svartvasskogen. Dieser Teil des Sæteråsen ist ziemlich weit ab vom Schuss. Von Trampelpfaden oder gar Markierungen keine Spur. Per GPS navigiere ich entlang eines Tracks, den ich bei Turkart Helgeland gefunden habe.

    So richtig vertraue ich der Route allerdings nicht. Der Aufstieg zum Sæterskardet ist, na sagen wir mal unintuitiv gelegen. Beim Blick auf die Karte würde man im Leben nicht vermuten, dass es dort nach oben gehen könnte. Wir werden sehen.





    Erstmal geht es eine Weile durch lichten Wald und über Sümpfe. Tatsächlich ist das Gelände einfacher zu gehen, als es den Anschein hat. Der Aufstieg ist dann auch bald klar erkennbar. Allerdings eher im Sinne von „wenn es überhaupt geht, dann hier“.

    Vor mir liegt ein alter Felssturz, der schon dicht von Farn, Moos und einem Birkenverhau bewachsen ist. Nach den Regentagen ist natürlich alles klatschnass. Immerhin kann man sich an den Sträuchern festhalten und nach oben ziehen. Obwohl es gerade nicht regnet erlebe ich trotzdem einen Schauer nach dem anderen. Während ich mich durch die Büsche zwänge prasseln die ropfen von den Blättern auf mich runter. Verdammt ist das steil hier.



    Weiter oben kommen mehrere Stellen an denen glatten Platten ausgewichen werden muss, oder wo man schmale Bänder zwischen den Platten finden muss. Das vorankommen ist mühsam und langsam.





    Nach einer gefühlten Ewigkeit stehe ich in einem flacheren Stück, das in einer Steilwand endet. Ich schaue mich um und entdecke einen Haufen Steine, den jemand offensichtlich als Hilfestellung zum Erreichen der nächsten Stufe aufgeschichtet hat. Ich steige hoch.

    Was ich sehe gefällt mir gar nicht. Vor mir liegt eine nasse Platte, die bei diesen Verhältnissen definitiv lebensgefährlich ist. Hinter mir geht’s steil nach unten.

    Nein danke, das war’s. Der Vistvasselva wird von der Liste gestrichen. Ich hab’s jetzt für meinen Geschmack oft genug versucht. Abbruch.

    Ich habe bewusst kein Foto von der Schlüsselstelle gemacht. Eventuellen Nachahmern rate ich aber mit Nachdruck davon ab hier entlang zu gehen. Von Ost nach West mag man die Route versuchen, hier fällt ein Abbruch leichter. In der Gegenrichtung würde ich die Route aber keinesfalls empfehlen. In dem Fall würde man erst gegen Ende an die Schlüsselstelle kommen und müsste weit zurück um einen anderen Weg zu finden.

    Und schon fängt es wieder an zu regnen. Was stelle ich jetzt mit dem angefangenen Tag an? Ich hatte ja eigentlich vor über die Berge zu steigen und im Westen entlang des Sæterelva abzusteigen. Kurioserweise kann ich das immer noch machen, auch wenn ich gar nicht über den Pass gekommen bin. Tatsächlich gibt es auf beiden Seiten jeweils einen Fluss mit Namen Sæterelva.







    So laufe ich bei beständigem Regen ein gutes Stück weit ins Sæterskardbekken hinein. Auf einem Wildwechsel komme ich zügig voran. Hier gäbe es dann auch tatsächlich ein, zwei Stellen an denen ich mir einen Aufstieg vorstellen könnte. Zumindest wenn das Wetter nicht so grausig wäre. So verschwende ich allerdings keinen weiteren Gedanken auf eine Überschreitung.









    Entlang des Sæterelva geht es zurück zur Hütte. Der Regen wird wieder stärker. Es hat keinen Sinn weiter zu gehen.













    Als ich ankomme hört der Regen auf und die Sonne kommt raus. Das hält allerdings nicht lange. Schon bald zieht es wieder zu. Am späten Nachmittag sammle ich Blaubeeren, die es um die Hütte herum in Hülle und Fülle gibt. Später repariere ich noch meinen zweiten Laufschuh und hacke Holz. Endlich mal gescheites Werkzeug. Hier gibt es tatsächlich eine scharfe Spaltaxt. So macht das Spaß.





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  2. Dauerbesucher
    Avatar von Blahake
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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #62
    Zitat Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
    Immerhin kann man sich an den Sträuchern festhalten und nach oben ziehen...
    Kommt mir so bekannt vor Das habe ich auf der Nordseite vom Ahkka stellenweise auch so gemacht!

    Danke Dir für den Tipp mit dem Luftmatrazensessel und schade, dass Du ihn im weiteren Verlauf der Tour wohl nicht mehr so oft nutzen konntest. Dafür wirken die Bilder vom Hütteninterieur ausgesprochen stimmungsvoll. Die Jameson-Flasche auf dem Fensterbrett war aber gar nicht von Dir, oder?

  3. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #63
    Doch, doch, der Jameson war von mir. Das sind diese ultra praktischen, hervorragend für's Trekking geeigneten Plastikflaschen die es am Flughafen im Duty Free gibt.

    Ich hab kurz Pause gemacht, aber schreibe momentan am nächsten Tag. Muss noch die Fotos fertig machen und dann gehts vermutlich morgen weiter.

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    Avatar von Blahake
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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #64
    Zitat Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
    ...Das sind diese ultra praktischen, hervorragend für's Trekking geeigneten Plastikflaschen die es am Flughafen im Duty Free gibt...
    Nicht, dass ich die nicht kennen würde! Dieses Jahr musste ich allerdings feststellen, dass es sie wohl tatsächlich nur in den Flughafen-Duty-Frees gibt und wegen der rein terrestrischen Anreise umdisponieren.

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    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #65
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Nicht, dass ich die nicht kennen würde! Dieses Jahr musste ich allerdings feststellen, dass es sie wohl tatsächlich nur in den Flughafen-Duty-Frees gibt und wegen der rein terrestrischen Anreise umdisponieren.
    Auf Fähren gibt's die auch. Allerdings nicht mehr Duty Free, zumindest nicht zwischen D und S. Stena Line hatte aber nur 0,5 Liter Lauder's.

  6. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #66
    TAG 13 | 27.8.2020 DONNERSTAG



    Das erste Stück meines Weges für heute kenne ich schon. Über die Brücke zurück zum Litlvatnet. Sowohl Sæterelva, als auch Litlvasselva führen heute schon wieder so wenig Wasser, dass ich trockenen Fußes rüberkomme. Am See mache ich kurz Pause und überlege mir die weitere Route. Soll ich dem Tal weiter nach Süden folgen, oder steige ich direkt hier auf? Ich vermute, dass ich oben auf dem Holmfjellet besser vorwärtskommen sollte, also Aufstieg direkt hier.

    Am Nordufer des Sees quere ich noch einmal den Litlvasselva, der hier und heute nur ein harmloser Bach ist. Ganz anders als vor zwei Tagen, als er als Fluss mit Getöse die Schlucht herab gerauscht ist. Ich steige zu einer offensichtlichen Rampe auf. Zuerst durch Wald, dann nur noch durch Sträucher.













    Bevor ich den See Rundtjønna erreiche muss ich eine imposante Schlucht durchqueren, doch durch Glück finde ich direkt einen einfachen Ab- und Aufstieg. Südlich von P616 stoße ich auf zwei Steinwarten nahe am östlichen Hang.





    Ab hier kann ich mehr oder weniger auf einer Höhe nach Süden laufen. Es ist bewölkt und hier oben weht ein eisiger Wind. Ich brauche dringend eine Pause, aber mir ist zu kalt. Kurz kommt die Sonne raus und ich nutze die Chance um mir schnell einen Kaffee zu kochen und ein bisschen was zu essen.







    Irgendwo am See Småtjønna sollte der Abstieg beginnen, den mir der Jäger empfohlen hat.

    Ganz wohl ist mir nicht bei der Sache. Die Route muss durch enorm steiles Gelände führen. Aber der Jäger war sich sicher: „Das passt schon, der Weg ist markiert.“ Na gut, mal sehen.

    Der Ausblick zu Vistmannen und Visttindan ist phänomenal, die Ebene mit den weit verästelten Seen wunderschön.





    Ich halte Ausschau nach irgendwelchen Markierungen. Da!

    Drei Steinwarten nebeneinander. Eine einzelne steht ein paar Meter weiter. Das sieht aber gar nicht gut aus. Da kann es nicht lang gehen. In der anderen Richtung sehe ich in der Ferne noch eine weitere Markierung. Als ich näher komme taucht noch eine auf. Ok, bis dahin gehe ich noch. Wenn die nächste Warte im Osten kommt gehe ich da lang. Falls nicht muss ich wohl oder übel zurück und mein Glück in dem gruseligen Stück von vorhin versuchen.

    Gottseidank. Noch eine Warte. Richtige Richtung, mit Trampelpfad. Alles klar, das ist mein Weg. In der anderen Richtung müsste der Weg irgendwo im Westen ebenfalls ins Tal führen. Für mich geht es aber nach Osten, auf immer klar erkennbarem Steig steil bergab. Ganz am Ende kommt sogar noch ein Stück, das mit einem billigen Plastikseil aus dem Baumarkt versichert ist. Ich schaue mir kurz den Knoten und den windigen Busch an dem das ganze festgebunden ist an. Ziemlich improvisiert, sollte aber halten. Notwendig war es nicht, die paar Meter hätte man auch abklettern können, aber es hat auf jeden Fall geholfen.





    Ich hab’s geschafft. Ich bin im Eiterådalen. Jetzt nur noch ein paar Kilometer Piste. Der Eiteråga ist unfurtbar. So muss ich in einem Bogen zurück nach Norden, über eine Brücke und dann wieder am Fluss entlang nach Süden. Noch ungefähr 6km bis zur Hütte Langskardnasan. Hin und wieder gibt es einen schönen Blick auf den Fluss, meistens ist die Strecke aber ziemlich monoton.





    Nach ein paar Kilometern kommt mir endlich die Idee von meinen Wanderstiefeln auf die geflickten Laufschuhe zu wechseln. Was für eine Wohltat.

    Aha, ok. Die Straße ist zu Ende. Genau hier müsste eigentlich die Hütte stehen! Ich stehe aber nur vor einem ranzigen Bauwagen der Aluminiumwerke in Mosjoen. Vielleicht habe ich nur was übersehen und die Hütte existiert tatsächlich, aber ich kann nichts finden. Ich bin inzwischen überzeugt, dass die Karte von Nordeca richtig scheiße ist. Der Abstieg von vorhin – nicht eingezeichnet. Fjellgarden – nicht eingezeichnet. Jetzt eine Hütte die unauffindbar ist.



    Ich beschließe weiter zu laufen. Noch 4 km zur Stavassætra. Es geht wunderschön am Fluss entlang. Dann eine Schleife durch’s Moor, bis ich vor einem grandiosen Wasserfall stehe. Sofort steht fest, hier bleibe ich.



    Eine passable Stelle für mein Zelt ist bald gefunden. Ein Wahnsinnsplatz! Außerdem bin ich hier im Blaubeerparadies. Ich fühle mich mal wieder wie Balu der Bär und mampfe Beeren frisch vom Strauch während ich mein Zelt aufbaue.













    Das war ein harter Tag, aber mit einem perfekten Ende. Über 20 km, 800 Hm rauf und wieder runter. Ich bin rechtschaffen geschafft und genieße den Abend.

  7. Neu im Forum

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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #67
    Wunderschöne Bilder! Danke!

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