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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Pylyr
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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #21
    Mitreisende: ChuckNorris
    Zitat Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
    Vielen Dank, bin gespannt auf die Fortsetzung.

    ("Scheitern"?!?!?! Sicher auf hohem Niveau...)
    Bin auch schon am Warten, hoffentlich scheitere ich nicht.
    Wenn dir etwas gefällt, analysiere es nicht, sondern tanze dazu.
    Tex Rubinowitz

  2. Erfahren
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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #22
    Zitat Zitat von Pylyr Beitrag anzeigen
    Bin auch schon am Warten, hoffentlich scheitere ich nicht.
    Wäre für Chuck Norris kein Problem, für unsereinen schon...

  3. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #23
    Die Bilder für den nächsten Tag sind schon fertig ausgwählt. Wenn mir nichts dazwischen kommt geht es heute Abend weiter.

  4. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #24
    TAG 4 | 18.8.2020 DIENSTAG

    Kurz nach 8:00 habe ich meinen kleinen Tagesrucksack gepackt und bin bereit aufzubrechen. Ich nehme die Laufschuhe, statt der schweren Stiefel. Daunenjacke, Foto, ein Müslirigel, die mageren Reste einer Tüte Studentenfutter. Los geht’s.


    Der Finnknevatnet liegt wie ein Spiegel vor mir.

    Ich steige über die östlichen Ausläufer des Finnknefjellan auf. Es geht recht steil rauf und schon bald bin ich ganz schön am Schnaufen. Ich halte relativ direkt auf das zu, was ich für P694 halte.


    Mein Aufstieg aus der Ferne. P694 ist die kleine grüne Kuppe.













    Als ich höher komme bemerke ich meinen Fehler, ich stehe auf einem unbedeutenden Vorgipfel. Nicht, dass P694 irgendwie bedeutend wäre, interessant aber irgendwie schon. Von saftigem, grünen Gras bewachsen steht er inmitten des felsigen Gebirges und sticht schon dadurch optisch stark heraus. Auf dem Gipfel der Erhebung drehe ich eine Extrarunde. Das liegt daran, dass eine Überschreitung unmöglich ist. Die NW-Seite bricht steil ab.


    P694 in der Bildmitte aus der anderen Richtung.

    Nach meiner Extrarunde mogle ich mich oberhalb eines Schneefeldes am Hang vorbei. Bis hier her war der Aufsteig leicht, wenn auch stellenweise steil. Die letzten 150-200 Hm zu P840 hinauf sind deutlich alpiner. Ich habe Glück und finde auf Anhieb eine gute Route nach oben. Mit dem leichten Gepäck und vor allem den Laufschuhen flitze ich schon fast nach oben. Was für eine Freude.


    Blick vom Sattel nach SW.



    Als ich P840 Richtung NW überschreite, muss ich kurz stehen bleiben. Was für ein Anblick! Damit hatte ich nicht gerechnet. Die Hänge um See 747 herum sind von zahlreichen Kleinen Seen, Weihern und Bächen durchzogen. Viele sind noch schneebedeckt. Es ist wunderschön hier oben.















    Ich quere bis zum westlichsten See und halte mich dann Richtung Norden. Ich will zu den Seen bei P866. Das Gelände wird unübersichtlich, aber alle Umwege sind mir herzlich egal. Ich flitze geradezu zwischen den Hindernissen herum – ich bin voll im Flow. Schon lange habe ich nicht mehr so viel Freude einfach nur am Gehen gehabt.

    Immer mal wieder sehe ich Steinwarten, folge ihnen aber kaum, weil es eh keinen großen Unterschied machen würde. Aber jetzt habe ich die Gewissheit. Die Überschreitung von Visthus kommend muss machbar sein, sonst wäre das hier nicht so gut markiert.

    Hier oben gibt es wirklich hunderte geniale Plätzchen zum Zelten. Eben, trocken, Wasser nebenan und eine Hammeraussicht. Man muss sich nur entscheiden, ob man lieber zum Meer schauen will oder es vorzieht den Zelteingang in Richtung einer Schlucht oder eines Sees auszurichten.



    Im Westen, auf ca. 800 Hm kehre ich dann nach einer kurzen Pause um. Ich bin froh das als Tagesausflug gemacht zu haben. Was für ein Spaß. Vor allem, wenn es noch nicht mal anstrengend ist.

    Auf dem Rückweg versuche ich der Route aus Steinwarten nach zu gehen. Nachdem ich nicht wusste, dass es hier oben Markierungen gibt, bin ich davon ausgegangen, dass hier keine bekannte Route entlangführt. Nachdem die Markierungen so ziemlich meiner eigenen Planung anhand der Karte entsprechen, sehe ich das Ganze jetzt als „meinen Weg“. Dann kann ich auch gleich dafür sorgen das die Steinmännchen gut zu sehen sind.



















    Der Abstieg von P866, auf dem Rückweg, sieht von oben übel steil und wegen der schlechten Übersicht fast unmöglich aus. Oben am Gipfel steht die letzte Steinwarte. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Mit ein bisschen Ruhe findet sich eine sichere Route. Das letzte Stück zum Sattel, neben P694 führt mich nochmal über einen kurzen Hang, der dicht mit Farnen bewachsen ist. Das Stück ist ein bisschen steiler als das was ich den Laufschuhen gerade noch zutraue, aber mit ein bisschen Umsicht geht’s trotzdem nach Unten.



    Am Sattel, westlich von P694, steige ich entlang eines Bachlaufs zu den Seen ab. Diese Route ist deutlich leichter und viel schöner als mein Aufstieg vom Morgen. Schnell komme ich nach unten, zu der Seengruppe auf der Ebene vor dem Nordvassdalen.















    Hier habe ich noch was vor. Ich muss auskundschaften ob und vor allem wo ich über die Schlucht kommen könnte. Am Morgen beim Aufstieg, sah es ziemlich hoffnungslos aus. Ich habe mich schon fast damit abgefunden, Morgen weitläufig über das Burrienvaerie laufen zu müssen. Laut Karte könnte der Abfluss von See 390 aber einen Zugang in die Schlucht bieten.

    Tatsächlich.


    Nordvassdalen bei See 390.



    Hier könnte man sehr steil im Birkendickicht runter. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es einige machbare Aufstiege. Auf dem Rückweg zum Camp schaue ich mir noch die Gegend südlich von See 402 genauer an. Jawoll! Hier geht es sogar noch einfacher nach Unten. Genau die Stelle, die auch der Karte markiert hatte.


    Nordvassdalen bei See 402.

    Zurück geht es geschwind auf einem Wildwechsel durch mückenverseuchtes Birkendickicht. Um den Mücken keine Chance zu lassen renne ich fast und fühle mich ein paarmal wie ein Hindernisläufer, wenn ich über Matschlöcher springe, oder über Wurzeln hüpfe. In Rekordzeit spuckt mich der Wildwechsel keine 100 Meter vom Zelt entfernt wieder aus.

    5 Meter weiter fällt die Sohle von meinem rechten Schuh ab.

    Ok. Glück gehabt! Wenn mir das oben am Finnknefjellan passiert wäre, dann hätte ich ein massives Problem gehabt. Zufrieden schlappe ich mit meinen kaputten Turnschuhen zurück zum Zelt, nur vom Flapp-Flapp der losen Schuhsohle begleitet.

    Nach 6h, 18 km und 800 Hm auf und ab genieße ich den Abend und hoffe, dass die Sonne bald hinter den Bergen verschwindet. Natürlich habe ich in der Früh die Sonnencreme vergessen und kann inzwischen die Haut an meiner Nase mit den Fingernägeln abschälen. Ich repariere den kaputten Schuh mit der Ahle in meinem Schweizermesser und zwei Kabelbindern. Fast wie neu und hält bis nach der Tour.

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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #25
    Unverschämt schön!!!

  6. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #26
    Unverschämt schön!!!
    Das freut mich wenn es dir gefällt. Genau das selbe habe ich mir auch gedacht, als ich da war.

    Schade nur, dass die eingebundenen Bilder im Bericht immer ein bisschen matschig sind. Vermutlich steht da schon was in irgend einem Foto Thread. Bin allerdings zu faul mich da einzulesen. Da mache ich lieber noch ein paar neue Bilder fertig. Falls einer der Vorbeilesenden zufällig weiß ob es was bring die Fotos vorher auf 700 px Breite runter zu rechnen oder sonst irgendeine Wicked Magic anzuwenden wäre ich für Input dankbar.
    Geändert von ChuckNorris (17.09.2020 um 19:20 Uhr)

  7. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #27
    Tag 5 | Kommt später

    Jetzt erstmal:
    Der Garmin Rant

    Ich hab mir ja vorgenommen in dem Bericht drei Rants unter zu bringen über Dinge die mich tierisch aufgeregt haben. Fangen wir mal mit Garmin an, weil es auch ganz gut die Brücke zum nächsten Tag schlägt.

    Wir reisen ein Jahr zurück in der Zeit. Ich habe mir gerade einen inReach Mini für meine Tour gekauft. Die bidirektionale Kommunikation fand ich super und als nettes Extra den Wetterbericht von DarkSky.net

    Vom Wetterbericht habe ich mir im Vorfeld nicht allzu viel erwartet, was sich im Verlauf der Tour zur größten Überraschung entwickelte. Als ich nach ein paar Tagen konstant wechselhaftes bis schlechtes Wetter hatte, konnte ich mich auf die Stunde genau auf die Vorhersage verlassen. Stand da ab 16:00 regnet es, dann hab ich um 15:30 das Zelt aufgebaut und als ich fertig war kamen die ersten Tropfen runter. Das fand ich damals extrem krass und hatte das wirklich einige Tage hintereinander.

    Wir springen zurück ins Jahr 2020. Das Coronavirus hat die Welt fest im Griff, nur ein kleines gallisches Dorf - setzt noch auf den Wetterbericht von Garmin... Morgen habe ich also (laut Garmin) den letzten Tag mit gutem Wetter, dafür aber den ganzen Tag wolkenloser Himmel. Danach wird es rapide schlechter. Na gut. Wir werden sehen.

    BWWFFFT! BWWFFT! Der Wecker klingelt. Hm, ganz schön dunkel hier. RRRRZZZZZPT. RRRRZZZZZPT. RRRRZZZZZPT! Drei Reißverschlüsse später schaue ich aus dem Zelt. Was ist das denn für eine trübe Suppe. Dichte, dunkle Wolken wohin man auch schaut. Machen wir erst mal eine Kaffee.

    Während der Kocher läuft hole ich mir mal einen neuen "Premium" Wetterbericht auf's Gerät. In den Bergen kann man sich schon mal mit dem Wetterbericht vertun. Kennen wir alle. Was sagen sie denn für heute?

    Ah, cool. Die Sonne scheint es hat fast 20° C. Dumm nur, dass die Realität nicht viel von dem Quatsch auf meinem Display hält. Ich drehe mich nochmal im Kreis. Nope. Definitiv keine Sonne hier.

    Als dann ein paar Tage später das Tief direkt über mich zieht und mein Barometer tatsächlich nur noch 992 HPa anzeigt stimmt die Vorhersage wieder halbwegs. Mit Ausnahme von dem Moment, war der "Premium" Wetterbericht aber jeden Tag (nach Tag 4) für die Tonne.

    Hey Garmin! Wenn der einzige Anbieter für einen Wetterbericht, mit dem ihr einen Vertrag habt, anfängt nur noch Mist abzuliefern, dann wäre es vielleicht mal an der Zeit was zu tun! Vielleicht das System aufmachen, so dass man eine Auswahl hat, oder einen anderen Partner suchen der das besser kann.
    Davon, dass man sich nicht sämtliche Systeme von einer Ransomware zerschießen lassen sollte wollen wir mal vornehm schweigen (siehe Juli 2020).

    Dass Garmin von Software keine Ahnung hat sieht man vor allem wenn man mit der Grütze die einem da so vorgesetzt wird arbeiten will. Wir reisen wieder ein paar Wochen in die Vergangenheit. Kurz vor der Reise. Mein inReach Mini ist letztes Jahr in Afrika geblieben, genauso wie mein altes GPSMap 64. Ok, beide Geräte sind weg, da wäre doch das GPSMap 66i eine gute Lösung. Das Gerät bei einem Spezialisten für Expeditionstechnik in München direkt abgeholt und 100€ gegenüber dem besten Preis im Internet gespart. Support your local dealer.

    Ich muss das ganze komische Garmin Explore wieder lernen. Ich scheitere schon daran die Wegpunkte / Routen von diesem und letztem Jahr nicht gleichzeitig auf der Mapshare Karte zu haben. Irgendwann gebe ich es auf und kümmere mich um die Message Presets und Kontakte. Irgendwas klappt bei der Zustellung an meine Freundin nicht. 2 Stunden später denke ich mir: "Lösche ich halt die Handynummer und trage sie neu ein." Das Glück ist nicht mit den Dummen.

    Die Nummer ist weg. Wenn ich sie neu eingeben will bekomme ich eine Meldung die sinngemäß sagt: Diese Nummer existiert schon. Fuck off.

    Ok, so rum also nicht. Löschen wir mal den ganzen Kontakt mit allem drum und dran. Erledigt. Ich trage also nochmal die Daten von meiner Freundin ein. Dieser Kontakt existiert schon... WTF! Echt jetzt?

    Pappnasen.

    Jetzt ist das eh schon lang genug geworden. Mehr Spaß mit Garmin vielleicht im nächsten Jahr. Will nicht irgendjemand mal eine kleine, geile Firma gründen die anständiges Zeug für Satellitennavigation und so herstellt? Ich würde bei euch kaufen!

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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #28
    Zitat Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
    ...Ich scheitere schon daran die Wegpunkte / Routen von diesem und letztem Jahr nicht gleichzeitig auf der Mapshare Karte zu haben...
    Und ich hab' immer gedacht, ich wär' nur zu blöd, um das richtig zu bedienen! Du hast gerade mein Selbstwertgefühl ein gutes Stückchen aus dem Keller geholt!

  9. Erfahren

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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #29
    Zitat Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
    Mit Ausnahme von dem Moment, war der "Premium" Wetterbericht aber jeden Tag (nach Tag 4) für die Tonne.
    Deckt sich mit meinen Erfahrungen dieses Jahr im Saltfjell.
    Die Wettervorhersage war komplett für die Tonne, der Wind wurde die gesamte Tour über von der Richtung her zwar halbwegs korrekt aber immer deutlich zu schwach vorhergesagt (angezeigt wurde angeblich in km/h, in m/s hätten die Werte deutlich mehr Sinn gemacht).
    Vorhersage zu Sonne/Regen hatte 0 mit der Realität zu tun.

  10. Erfahren

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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #30
    Ähnlich hier. Angebliche 10miles Wind per hour haben mich fast umgeblasen und die Zeltstangen meines Zeltes so zu Boden gedrückt, dass ich den ganzen Wisch wieder eingepackt habe und mir eine windgeschützte Stelle gesucht.

  11. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #31
    Zitat Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
    Tag 5 | Kommt später
    Grr... mach hinne!!

    Abgesehen von dieser fiesen Hinhaltetaktik gefällt mir Dein Bericht aber ausgesprochen gut . Die Route über Finnknefjellan sieht ja sehr attraktiv aus, wenn man von Visthus kommt. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie es weiter geht. Und danke, dass Du diesmal daran gedacht hast, mehr Fotos von den interessanten Stellen zu machen .

  12. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #32
    Das mit dem Wetter kann ich nicht bestätigen, aber bei fast durchweg schönem Wetter ist das wohl auch nicht schwer. Ansonsten großer Misst. Bei mir sind auch erst die MapShare Links nicht raus gegangen, mir wurde zwar angezeigt wann eine Nachricht genug Zeichen hat nur meinen Schreibern nicht, deren Nachrichten ich dann nur zur hälfte bekam aber trotzdem doppelt oder dreifach. Manchmal hatte man auch nur 143 Zeichen statt 159 usw.. Im Nationalpark ist dann die völlig unscharfe Karte für den Livetrack (in dem Fall Sarek) auch noch so gestrichelt das man nix erkennt. Also Kurz: Ich kann dich verstehen, großer Misst, für das Geld zu viele Ahnungslose am Werk
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  13. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #33
    Ich sehe schon, ich bin nicht der einzige der vom Quasi-Monopolisten entäuscht ist :-)

    Grr... mach hinne!!
    Na gut, machen wir mal weiter. Sorry, ich war die letzten Tage mit anderen Dingen beschäftigt. Nächster Tag ist unterwegs, ein paar Minuten noch...

  14. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #34
    TAG 5 | 19.8.2020 MITTWOCH



    Hm, was ist das denn? Dicke, dunkle Wolken. Angesagt war strahlend schöner Sonnenschein. Na, bei dem Wetter ist es auch wurscht, wann ich loskomme. Bis ich alles gepackt habe ist es 9:00.

    Ich finde meinen Wildwechsel von Gestern wieder und so komme ich einfach durch das Birkengestrüpp. Wenn man den Wildwechsel nicht finden sollte, würde ich den Hang umgehen, zur Not einmal um den See herum. Weglos macht das definitiv keinen Spaß. So erreiche ich das Nordvassdalen aber problemlos und in wenigen Minuten.



    Ganz so leicht, wie Gestern noch gedacht, komme ich wohl doch nicht rüber. Der Abstieg ist nicht tief, höchstens 10-20 Meter, aber ordentlich steil. Zum Glück stehen am Hang überall Birken, an denen man sich gut festhalten kann.

    Mit einem Fuß taste ich unter mir zwischen in dem Gestrüpp nach dem nächsten Felsbrocken als er mich trifft. Der erste Regentropfen. Ach komm, muss das sein?





    Ich warte ein paar Minuten, halbwegs geschützt unter den Blättern. Mal wird der Regen stärker, dann wieder weniger – und dann geht es wieder von vorne los. Wenn das so weiter geht, dann stehe ich noch in einer Stunde hier. Drauf geschissen. Regenkluft an, weiter. Hoch, wieder ein bisschen runter und dann über eine Verschneidung rauf.

    Soweit die Idee. Die Verschneidung ist dann doch nicht so gut – und vor allem inzwischen nass. Ein bisschen ratlos stehe ich da. Ich kann gerade so über die Kante schauen, wenn ich mich über die Zehenspitzen stelle. Wie soll ich da denn jetzt rauf kommen?

    Ein paar Meter weiter links sah es aus der Ferne auch nicht schlecht aus. Von hier entpuppt sich jene Stelle aber als schmieriges Moos, Gras Gemisch, das auf feuchten Felsen wächst.

    Dann muss es entweder hier rauf gehen, oder gar nicht…

    Nebenan schauen die Zweige eines Busches über die Kante. Ach, da sind ja auch kleine Leisten im Fels, so 1 cm breit. Da müsste man doch…

    Gedacht, getan. Draufsteigen, oben im Busch festkrallen – fühlt sich fest an - und rüber. Geht doch. Ich schaue noch mal runter, muss grinsen und denke mir „Gut, dass ich vorher nicht viel darüber nachgedacht habe.“ Das wäre schonmal geschafft.
    Eventuell kann man das an einer anderen Stelle einfacher haben, so richtig sicher bin ich mir nicht. Die ganze Schlucht ließe sich weit im NO umgehen, dazwischen liegt von hier aber noch zwei weitere, kleinere Schluchten die man ebenfalls umgehen müsste. In dem Fall würde ich aber gleich den ganzen Kamm des Burrienvaerie entlang gehen...

    Zurück zum Text. Es geht noch ein Stück weit ziemlich steil, meist felsig nach oben. Der Regen hört auf. Über den Kessel am Burrienvaerie steige ich auf zu einem Pass im Süden.



    Meine kühn am Schreibtisch geplante Route oberhalb des Nordvassdalen, weiter im SW habe ich schon gestern verworfen. Das letzte Stück ist ungewiss und die Routenführung eigentlich nutzlos. Deutlich länger, spart nur wenige Höhenmeter.

    So also durch den Kessel. Der besteht fast ausschließlich aus glatten Platten. Mal mehr, mal weniger steil. Das ist jetzt, nach dem Regen, ein bisschen suboptimal. Allerdings ist das ja so eine Sache mit den nassen Platten. An sich hat der Fels auch bei Nässe super Grip. Da geht fast alles, was auch im Trockenen geht. Wo der Untergrund nur schwarz wird, man aber die Struktur im Stein noch gut sehen kann, da kommt man auch im Nassen gut drüber. Aber Vorsicht! Nicht zu verwechseln mit den Stellen die tiefschwarz und dick von dem Zeug bewachsen sind. Die Stellen sind echt gefährlich. Nur da, wo der Boden wirklich eben ist, traue ich mich da rüber.

    So wird das ein eigenartiger Tanz, im Bogen nach oben und um die schmierigsten Stellen herum. Am Pass östlich von P648 ist es geschafft.





    Auf der anderen Seite ist die Sicht bescheiden. Hier hängt die ganze Suppe drin. Leicht geht es abwärts zum Burrienjaevrie, den ich westlich passiere.





    Dabei wird die Sicht immer schlechter. Ich bin schon froh, wenn ich mal kurz 30 Meter weit sehen kann. Das Gelände ist hier, weiter im Süden, ziemlich zerklüftet. Ohne Sicht kann ich keinen brauchbaren Kurs um die größeren Hindernisse planen. Stattdessen geht es halt vorwärts, bis es nicht mehr weiter geht. Dann an irgendeinem Graben entlang bis man darüber kommt – und so weiter.



    Am Südufer des Burrienjaevrie folge ich kurz zwei Steinwarten, deren Fortsetzung ich nicht finde, oder die einfach nur diese Stelle markieren sollen.

    Immer noch keine Sicht. Erstmal muss ich weiter nach Osten um dann zum Austerfjordvatnan abzusteigen. Aber ich fange den Abstieg zu früh an und lande in einem Gewirr von tiefen Schluchten.







    Rückzug. Wieder nach Oben. Ich kämpfe mich zu P612 durch. So richtig Spaß macht das gerade nicht. Immer wieder muss ich tiefen Rinnen ausweichen oder sie queren. Irgendwann habe ich endlich wieder ein bisschen bessere Sicht. Den südlichen Abstieg verwerfe ich. Da könnte es eng werden, unten am See. Versuchen wir es mal weiter im Osten.

    Absolut dumme Idee. Süden wäre noch am besten gewesen, dann immer weiter bis zur Schlucht. Naja, wäre, hätte,…
    Ein übles Blockfeld später habe ich es dann doch geschafft – ohne Foto. Jetzt nur noch ein paar Meter runter zum See. Der Austerfjordvatnan. Ich hätte ihn ja Seepferdchenvatnan genannt. Er hat sogar eine kleine Insel als Auge.



    Zeit für eine Pause.

    10 km geschafft, es ist 14:00. Da es immer noch ungemütlich ist und ich erstmal ein navigatorisches Problem lösen muss, baue ich zum ersten Mal das Zelt für eine Pause auf.

    Nun zum zu lösenden Problem. Geplant war die Überschreitung des Vistfjellan nach Süden. Das würde mich deutlich über 900 Meter bringen. Die Wolken hängen gerade mal auf 600 m. Die Route ist mir ohne Sicht zu gefährlich, außerdem würde ich nicht mal die Aussicht genießen können.



    Im besten Fall noch 2 Tage brauchbares Wetter, liegen vor mir. Dann 4 Tage Regen. Das macht mein Unterfangen, einen Durchgang von dem Vistvasselva zu den Vistvatnet zu finden, äußerst unwahrscheinlich. Im Regen wird das nix. Soll der Versuch jetzt schon zum zweiten Mal in Folge scheitern?

    30 Minuten später habe ich ein paar Pläne gemacht. Die Entscheidung für einen davon kann ich aber erst Morgen früh treffen. Heute gehe ich nirgendwo mehr hin. Ich würde eh nichts sehen und außerdem bin ich hier im Urlaub! Mal sehen was das Wetter bringt…

    Die Situation wurmt mich noch eine Weile. Wenn die Wolken nicht wären, dann hätte ich abends schon im Svartvasskogen sein können. Ich grüble noch ein bisschen. Ein paar Stunden später habe ich dann endlich eine Erkenntnis. Ich Depp.

    Ich hab‘ mir eine ambitionierte Route gebastelt, von der ich mir beweisen wollte, dass ich sie auch gehen kann. Das ist ja erstmal kein Problem. Aber dann hätte ich mich halt auch darum kümmern müssen, dass die Bedingungen auch optimal sind. Wäre ich im Sommer gegangen, sähen die Chancen auf ein Wetterfenster schon besser aus. Eigentlich ist „Wetterfenster“ ein ganz schön affiger Begriff, wenn es nur um 900 Hm geht, aber es hilft ja nix.

    Ich spiele mit dem Gedanken, aus meiner Route eine Art Basecamp Tour zu machen. Ich fand es gestern, auf meiner Tagestour mit leichtem Gepäck, schon eine interessante Idee. Mal sehen. Im Geiste werfe ich schonmal die 6 Tage der geplanten Borgefjell Tour in den Topf. Ich denke eh nicht mehr, dass ich dort, wo alles deutlich höher liegt, so gehen könnte wie geplant.

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    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #35
    Beeindruckende Gegend. Sieht auch ziemlich menschenleer aus - ist das so?

  16. AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    #36
    Ja, ich glaube nicht, dass da oft jemand lang kommt. Ich habe jedenfalls niemanden getroffen. Wenn, dann würde ich vermuten, dass gelegentlich Leute von Bona über den Krongelvatnan kommen.

    Da wo ich meinen Ruhetag gemacht habe, hat wohl schonmal wer gelagert. Ich habe die Reste einer alten Feuerstelle gefunden. Die ist aber augenscheinlich schon Jahre nicht mehr benutzt worden.

    Man soll da wohl prima fischen können. Ich habe später einen Jäger getroffen. Der hat mich gefragt ob ich geangelt habe. Als ich ihm gesagt habe, dass ich keine Angel dabei habe, hat er mich ausgelacht :-)

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