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  1. Anfänger im Forum

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    Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #1
    Moin allerseits

    Da ich in diesem Jahr (Früh-) Rentner wurde, plante ich mit meinem alten Klepper (Aerius Expedition) eine umfangreiche Tour. Ich wollte sie eigentlich schon gepaddelt haben, aber Corona kam dazwischen. Nun scheint sich die Lage so weit entspannt zu haben, sodass ich den Plan doch noch im September umsetzen möchte. Da ich nur über begrenzte finanzielle Mittel verfüge (wer nicht?) und kein Auto (mehr) habe, musste ich mir etwas einfallen lassen. Immerhin ist es recht umständlich mit den drei Packtaschen des Klepper (27kg) und der sonstigen Ausrüstung wie Zelt, Schlafsack, Kocher, Kleidung, Vorräte zu verreisen wenn man kein Auto hat. Ich habe darum eine Tour geplant, die alle meine Umstände berücksichtigt, also wenig Geld kostet und so wenig wie möglich Bus/Bahn erfordert. Und am Ende werde ich sogar Zuhause ankommen (Hamburg Billwerder Bucht). Von dort gehe ich 10 Minuten bis zu meinem Zuhause. Ich muss also nur ein Mal mit der Bahn fahren. Ist das nicht praktisch?

    Meine Tour sieht ungefähr so aus:

    Tour Kratzeburg – Hamburg

    Kosten: 22,-€ MVP-Ticket + 80,-€ Campingplatz.

    Tag 1: Abfahrt HH Hbf 10:20h RE 1 (4309), Umsteigen Bützow 12:30h RE 4 (13211), Umsteigen Güstrow 12:45h RE 5 (4361), Ankunft Kratzeburg 13:45h. Boot aufbauen. Übernachtung C 36 Campingplatz „Naturfreund“ am Käbelick See.

    Tag 2 16km: Käbelick See > Havel > Granziner See > Schulzensee > Granziner Mühle (Lohrenbahn) > Pagelsee > Zotzensee > Havel > Jäthensee > (100m treideln) Jamelsee. Übernachtung Campingplatz "Hexenwäldchen".

    Tag 3 19km: Havel > Görtowsee > Zierzsee > Useriner See > Großer Labussee > Havel > Woblitzsee. Übernachtung WWR Wesenberg.

    Tag 4 20km: Havel > Drewensee / Finowsee > Havel Wangnitzsee > Großer Priepertsee > Ellbogensee > Großer Pälitzsee. Übernachtung WWR Nord- oder Südufer Gr. Pälitzsee.

    Tag 5 16km: Kleiner Pälitzsee > Canower See > (Umtragen) Labussee > (Schleuse Diemitz) Vilzsee > Mössensee Übernachtung C25 oder C42.

    Tag 6 23km: Zotzensee > Mirow > Müritz-Havel-Wasserstraße > Sumpfsee > Kleine Müritz > Müritz. Übernachtung C72 "Müritzpark Ludorf"

    Tag 7 17km: Übernachtung WWR Klink

    Tag 8 19km: Binnenmüritz > Reecksee > Reeckkanal > Kölpinsee Göhrener Kanal > Fleesensee. Übernachtung C 97 Campingplatz "Heidepark Sitz".

    Tag 9 15km: Malchower See > Recken > Petersdorfer See > Plauer See. Übernachtung C90 "Inselcamping Werder".

    Tag 10 17km: Plau > Müritz-Elde-Wasserstraße. Übernachtung WWR "Kuppentin".

    Tag 11 18km: Lübz > Müritz-Elde-Wasserstraße. Übernachtung WWR "Burow".

    Tag 12 18km: Müritz-Elde-Wasserstraße > Parchim. Übernachtung WWR "Möderitz".

    Tag 13 25km: Müritz-Elde-Wasserstraße > Neustadt-Glewe. Übernachtung WWR Neustadt-Glewe.

    Tag 14 19km: Müritz-Elde-Wasserstraße > Grabow. Übernachtung WWR "Fresenbrügge".

    Tag 15 20km: Müritz-Elde-Wasserstraße > Eldena > Neu Kaliß. Übernachtung WWR "Find's hier".

    Tag 16 16km: Müritz-Elde-Wasserstraße > Dömitz > Elbe. Übernachtung WWR bei Wehningen.

    Tag 17 28km: Elbe > Neu Darchau. Übernachtung WWR zw. Walmsburg und Alt Garge.

    Tag 18 22km: Elbe > Hitzacker > Bleckede > Boizenburg. Übernachtung "Camp Grünendeich".

    Tag 19 25km: Elbe > Lauenburg > Gesthacht > Altengamme. Übernachtung Campingplatz Elbsdorf.

    Tag 20 30km: Hamburg, Billwerder Bucht.

    Bei den Kosten habe ich mit 10,-€ pro Übernachtung auf einem Campingplatz kalkuliert. Wo möglich bevorzuge ich einen WWR. Hier würde mich interessieren, ob es hier Erfahrungen mit den erwähnten WWR gibt. Ich habe die Karten von Lübermann, woraus ich die Infos entnommen habe. Aber Erfahrungen aus erster Hand sind natürlich wertvoller. Also: wer kennt die WWR entlang meiner Route? Vielen Dank dafür im Voraus. Alle weiteren zweckdienlichen Hinweise zu meiner geplanten Tour nehme ich auch gerne an. Da es sich bei der Tour nur um eine grobe Unterteilung in kleine Etappen handelt, die unterwegs durchaus abgeändert werden kann, ist der Ablauf nicht in Stein gemeisselt. Aber Start und Ziel bleiben, Etappen können länger werden, je nach Laune und Kondition.

    Lieben Gruß,
    Andreas

  2. Dauerbesucher

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #2
    Hi Andreas,

    hört sich klasse an! Genau die Tour möchte ich auch mal an einem Stück machen. In Teilstücken kenne ich vieles schon. Aber ich bin an der Havel aufgewachsen und werde jetzt an ihr alt. Da muss man sie mal abgefahren haben...

    Als kleiner Tipp würde ich mir an Deiner Stelle eher einen Trockenanzug kaufen und später im Jahr losfahren, als Dich bei guten Temperaturen in das Corona bedingte Chaos um diese Zeit zu stürzen. Wenn im letzten Bundesland die Ferien zu Ende gehen, wird es sich unter der Woche natürlich entspannen.

    Jetzt aber: Stau an den Schleusen, Lärm durch die Hausboote mit Lautsprecherbeschallung, volle Buchten durch tausende ankernden Schiffen.

    Vielleicht bin ich da auch empfindlich, weil ich eh nur während der kälteren Jahreszeit mit dem Kajak unterwegs bin, aber trotzdem...

    Eine Sache bedenke noch: die Schleuse hinterm Woblitzsee und die Schleuse hinter Mirow sind mit Lore. Die sind echt schwer...

    Der Woblitzsee wird ab 4 bf ungemütlich. Ist auch so im Jübermann verzeichnet. Auch die Müritz produziert recht hohe Wellen.

    Ansonsten alles easy und mit einer Menge Spaß verbunden.

  3. Anfänger im Forum

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #3
    Hallo Andreas,


    Im September ist die Saison vorbei. Selbst wenn immer noch Coronaflüchtlinge auf den Seen unterwegs sein sollten, dürfte sich der derzeit herrschende Andrang gelegt haben. Mit dem Jübermann hast Du das beste Handwerkszeug, was es gibt.

    „Hexenwäldchen“ ist ein traditioneller Paddlerübernachtungsplatz und sehr zu empfehlen. Du triffst ggf. viele Gleichgesinnte.

    Der Wasserwanderrastplatz Wesenberg ist allgemein überlaufen, früh anreisen. Wenn er voll sein sollte, geh zur Kanumühle an der Straßenbrücke. Sehr nette Leute, aber permanenter Straßenlärm in der Nacht. Mit dem Woblitzsee ist bei Wind wirklich nicht zu spaßen.

    Die Strecke > Drewensee / Finowsee > Havel Wangnitzsee > Großer Priepertsee > Ellbogensee > Großer Pälitzsee ist machbar, aber schöner ist die Fahrt über die Schwaanhavel – Untragen in Wustrow – Gobenowsee – Labussee. ggf. übernachten im Kanuhof Wustrow, notfalls Campingplatz Gobenowsee (wild zelten geht an diesen Ufern nicht). Deutlich ruhiger und romantischer als der Ellbogensee, allerdings vermutlich teurer als ein Biwak am Pälitzse. Wenn Du noch etwas Zeit hast, nimm die Runde über den Rätzsee mit: das ist die Fortsetzung des Urwalds am Gobenowsee. Die Gegend wollte ich mir mit Freunden über Ostern wieder mal anschauen, aber unsere Runde war dann Corona-blockiert.

    Ähnlich ist es mit der Strecke Mirow > Müritz-Havel-Wasserstraße > Sumpfsee > Kleine Müritz > Müritz. Natürlich kannst Du den Mirower Kanal paddeln. Das ist aber der Flaschenhals, den alle Großboote zwischen Berlin und Hamburg passieren müssen. Da kannst Du auch entlang der Autobahn Fahrrad fahren. Wenn es die Wetterlage hergibt, fahr lieber von Mirow aus die „Alte Fahrt“ über Woterfitzsee und Bolter Mühle zur Müritz. Vorteil: Motorbootverbot und Unberührtheit. Wie und wo man sich hier in den Wald legt, schreibe ich nicht und vertraue Dir, daß Du Dich verantwortlich benimmst Nachteil: 1. wenn in Bolter Mühle der dort befindliche Bootswagen kaputt ist (was aber selten ist), mußt Du Dein Boot selber über die Straße umtragen. – 2. vom Boeker Strand aus mußt Du die Müritz queren, um ans Westufer zu kommen. Das geht nur bei Windstille oder bei Ostwind, selbst schwacher Westwind wirft hier, wie Katsche schon schrieb, kräftigen Seegang auf. Frag in Mirow, ob der Bootswagen geht und wie in den kommenden zwei Tagen das Wetter wird. Und dann genieß die Ruhe dort.

    Das Müritz-Ostufer zu paddeln ist nicht nur verboten, sondern durch Seegang gefährlich. Am Westufer halte Dich zwischen Ludorf und Sietow vom Ufer fern, das ist flach und steinig.

    In Wehningen ist ein Wasserwanderrastplatz? Oho, davon wußte ich nichts. Nur, daß das Ufer dort als NSG nicht betreten werden darf (ist aber Stand von vor drei Jahren). Versuchs besser direkt in Dömitz oder flußabwärts am Wasserwanderrastplatz Damnatz. Notfalls frag beim Motorclub in Rüterberg an.

    Das Gleiche gilt für das Übernachten zwischen Walmsburg und Alt Garge. Dort liegt das NSG „Walmsburger Werder“, da könnten im September schon die Ornithologen ein wachsames Auge drauf haben. In Alt Garge und Stiepelse kann man zumindest tagsüber anlegen, ob man da schlafen kann, weiß ich nicht. Die Naturschützer sind im Auenbereich der Elbe sensibel für frei schlafende Paddler.

    Frag auch mal im Faltbootforum nach Tips, dort treiben sich die Binnenpaddler herum. Ein paar Hinweise zu den Streckenabschnitten findest Du auch im Faltbootwiki:

    Links zur Oberhavel

    Links zur MecklenburgerSeenplatte

    Hier ist jemand 1993 schon einen Teil Deiner Strecke gefahren, v. a. die Alte Fahrt und die Großseen

    Und hier fuhren 2010 zwei Paddler die Kleinseenplatte ab Kratzeburg.

    Beschreibung der Müritz-Elde-Wasserstraße

    Die Kilometertabelle der Elbe

    Norderelbe und Billwerder Bucht im Internet


    Viele Grüße

    Gernot

  4. Erfahren

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #4
    Moin Andreas!
    Was ich nicht verstehe: warum bleibst Du nicht bis zur Mündung in die Elbe auf der Havel? Da würdest Du Dir die "typischen" Ferienziele, die den mir vorliegenden Berichten nach auch über das Ferienende von Womofahrern, Dauercampern etc. belegt sind, ersparen. In einer knappen oder reichlichen Woche erreichst Du nach Passieren der mit einer Lore zu umfahrenden Schleuse Lehnitz den Norden von Berlin, wo sich am Niederneuendorfer See gleich mehrere Wassersport-, bzw. Kanuvereine nebeneinander finden. Auf dem "Kanal des Friedens" kannst Du Berlin elegant umfahren und kommst am westlichen Ende des Sacrow-Paretzer Kanals wieder auf die Havel, der Du bis Havelberg folgst. Durch die Schleuse dort kommst Du auf die Elbe, und auch dort bist Du meiner bei inzwischen 10 Elbefahrten gewonnenen Erfahrungen nach bei den Wassersportvereinen am besten aufgehoben. Anmeldung im Vorfeld ist aktuell bei allen offiziell geführten Übernachtungsmöglichkeiten erforderlich.
    Mit den besten Wünschen für immer eine Handbreit Wasser unter der Haut,
    janhimp

  5. Dauerbesucher

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #5
    Die Route über die Müritz ist halt wunderschön...

    Letztes Jahr wurde über Probleme mit der Alten Fahrt hier im Forum berichtet. Bei der Bolter Mühle war das Faltboot bei Niedrigwasser nur sehr schwer hochzuwuchten. Mal sehen, was sich wettermäßig noch zu tut, aber zumindestens die Havel bei Heiligensee ist ganz schön niedrig.

  6. Anfänger im Forum

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    Jehova! Jehova!

    #6
    Er hat "Kanal des Friedens" gesagt!

  7. Anfänger im Forum

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #7
    Katsche und Bolek,
    tausend Dank für die Anregungen, Warnungen und Tipps.

    Das werde ich mir in den nächsten Tagen anschauen und in meine Planung einfließen lassen. Ich melde mich nochmal wenn ich alles verdaut habe, wollte nur mal schnell Danke sagen, für eure Antwort.
    lg, Andreas

  8. Anfänger im Forum

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    AW: Jehova! Jehova!

    #8
    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    Er hat "Kanal des Friedens" gesagt!
    Wäre der "Blaumilch-Kanal" nicht zutreffender?

  9. Anfänger im Forum

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #9
    Zitat Zitat von janhimp Beitrag anzeigen
    Moin Andreas!
    Was ich nicht verstehe: warum bleibst Du nicht bis zur Mündung in die Elbe auf der Havel?
    janhimp
    Lieber Jan,
    das ist ein gute Idee, eigentlich. Nur, ich fürchte dieser Weg würde im September dann doch zu lang. Aber wenn ich (nächstes Jahr?) früher starten würde, wäre das auf jeden Fall eine attraktive Option.

  10. Erfahren

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #10
    Lieber Bolek!
    Wenn ich auch um die Hintergründe der einstigen Namensgebung weiß, ist er mir, nachdem ich einmal den Versuch unternommen habe, an einem sommerlichen Wochentag havelabwärts durch Berlin zu paddeln, bei jeder Befahrung aufs Neue als ganz persönlicher Kanal des Friedens erschienen. Im gesamten Berliner Raum habe ich keine auch nur annähernd netten Schleusenwärter wie dort erlebt. Das mit Stacheldraht straflagergleich eingefasste Areal des angeblichen Campingplatzes ist im Nu passiert, auch die eine Brücke hinterlässt keinen anhaltenden Eindruck - kurzum: für mich war der Kanal stets Idylle pur.
    Mit freundlichem Ahoi,
    janhimp

  11. Dauerbesucher

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #11
    Tja, der Berliner liebt seine Havel, den Tegler See, die Spandau vom Wasser aus, den Wannsee mit seinem Strandbad, die Pfaueninsel, Schildhorn - und auch den sommerlichen Trubel.

  12. Anfänger im Forum

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #12
    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    Hallo Andreas,

    Im September ist die Saison vorbei. Selbst wenn immer noch Coronaflüchtlinge auf den Seen unterwegs sein sollten, dürfte sich der derzeit herrschende Andrang gelegt haben. Mit dem Jübermann hast Du das beste Handwerkszeug, was es gibt.
    Ich denke auch, dass es deutlich ruhiger sein wird. Vor 2 Jahren war ich im September am Gobenowsee für ein paar Tage. Es war perfektes Wetter und ganz wenig Leute unterwegs. Ich hoffe auch dieses Jahr auf gutes Wetter im September.

    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    „Hexenwäldchen“ ist ein traditioneller Paddlerübernachtungsplatz und sehr zu empfehlen. Du triffst ggf. viele Gleichgesinnte.
    Darauf freue ich mich.

    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    Der Wasserwanderrastplatz Wesenberg ist allgemein überlaufen, früh anreisen. Wenn er voll sein sollte, geh zur Kanumühle an der Straßenbrücke. Sehr nette Leute, aber permanenter Straßenlärm in der Nacht. Mit dem Woblitzsee ist bei Wind wirklich nicht zu spaßen.
    Danke für den Tipp mit dem WWR! Und Wind, ja, das ist immer ein Thema. Vor 2 Jahren paddelte ich auf dem Rätzsee und musste ganz schön kämpfen. Manchmal findet man nicht mal im Uferbereich Schutz oder kann nicht dicht genug ans Ufer um im Windschatten zu paddeln. Besonders der Klepper bietet recht viel Angriffsfläche im Vergleich zu modernen, schnittigen Kajaks.

    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    Die Strecke > Drewensee / Finowsee > Havel Wangnitzsee > Großer Priepertsee > Ellbogensee > Großer Pälitzsee ist machbar, aber schöner ist die Fahrt über die Schwaanhavel – Untragen in Wustrow – Gobenowsee – Labussee. ggf. übernachten im Kanuhof Wustrow, notfalls Campingplatz Gobenowsee (wild zelten geht an diesen Ufern nicht). Deutlich ruhiger und romantischer als der Ellbogensee, allerdings vermutlich teurer als ein Biwak am Pälitzse. Wenn Du noch etwas Zeit hast, nimm die Runde über den Rätzsee mit: das ist die Fortsetzung des Urwalds am Gobenowsee. Die Gegend wollte ich mir mit Freunden über Ostern wieder mal anschauen, aber unsere Runde war dann Corona-blockiert.
    Wie eben schon erwähnt, September 2018 war ich ein paar Tage am Gobenowsee campen. Habe dort die Runde Drosedower Bek (!), Rätzsee, Schleuse Diemitz, Vilzsee, Labussee, Gobenowsee gepaddelt. Hat mir gut gefallen. Besonders Drosedower Bek ist Idylle pur, und es war zum Glück sehr einsam. In den Klenzsee bin ich auch gekommen, habe ein kühles Bier am Kanuhof Wustrow getrunken, aber nicht in den Plätlinsee umgesetzt (aber ein paar Leuten dabei geholfen). Dort kann man sich für einen Euro einen Bootswagen mieten. Und der WWR machte auch einen guten Eindruck. Gut, dass Du mich auf die alternative Route über Schwanenhavel hinweist, ich werde es in Erwägung ziehen.

    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    Ähnlich ist es mit der Strecke Mirow > Müritz-Havel-Wasserstraße > Sumpfsee > Kleine Müritz > Müritz. Natürlich kannst Du den Mirower Kanal paddeln. Das ist aber der Flaschenhals, den alle Großboote zwischen Berlin und Hamburg passieren müssen. Da kannst Du auch entlang der Autobahn Fahrrad fahren. Wenn es die Wetterlage hergibt, fahr lieber von Mirow aus die „Alte Fahrt“ über Woterfitzsee und Bolter Mühle zur Müritz. Vorteil: Motorbootverbot und Unberührtheit. Wie und wo man sich hier in den Wald legt, schreibe ich nicht und vertraue Dir, daß Du Dich verantwortlich benimmst Nachteil: 1. wenn in Bolter Mühle der dort befindliche Bootswagen kaputt ist (was aber selten ist), mußt Du Dein Boot selber über die Straße umtragen. – 2. vom Boeker Strand aus mußt Du die Müritz queren, um ans Westufer zu kommen. Das geht nur bei Windstille oder bei Ostwind, selbst schwacher Westwind wirft hier, wie Katsche schon schrieb, kräftigen Seegang auf. Frag in Mirow, ob der Bootswagen geht und wie in den kommenden zwei Tagen das Wetter wird. Und dann genieß die Ruhe dort.
    Auch für diese Alternative Route (Alte Fahrt) vielen Dank für den Hinweis. Klingt viel besser als auf der Autobahn radeln.

    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    Das Müritz-Ostufer zu paddeln ist nicht nur verboten, sondern durch Seegang gefährlich. Am Westufer halte Dich zwischen Ludorf und Sietow vom Ufer fern, das ist flach und steinig.
    OK, ich werde es mir merken und aufpassen.

    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    In Wehningen ist ein Wasserwanderrastplatz? Oho, davon wußte ich nichts. Nur, daß das Ufer dort als NSG nicht betreten werden darf (ist aber Stand von vor drei Jahren). Versuchs besser direkt in Dömitz oder flußabwärts am Wasserwanderrastplatz Damnatz. Notfalls frag beim Motorclub in Rüterberg an.

    Das Gleiche gilt für das Übernachten zwischen Walmsburg und Alt Garge. Dort liegt das NSG „Walmsburger Werder“, da könnten im September schon die Ornithologen ein wachsames Auge drauf haben. In Alt Garge und Stiepelse kann man zumindest tagsüber anlegen, ob man da schlafen kann, weiß ich nicht. Die Naturschützer sind im Auenbereich der Elbe sensibel für frei schlafende Paddler.
    Jübermann hat im gesamten Biospärenreservat mehrere WWR eingetragen. Ich habe keine Absicht in eine Schutzzone unberechtigt einzudringen und dort zu stören. Ich werde mal weiter recherchieren, ob es Berichte zu den Jübermann WWR dort gibt. Schönen Dank für die Warnung.

    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    Frag auch mal im Faltbootforum nach Tips, dort treiben sich die Binnenpaddler herum. Ein paar Hinweise zu den Streckenabschnitten findest Du auch im Faltbootwiki:

    Links zur Oberhavel

    Links zur MecklenburgerSeenplatte

    Hier ist jemand 1993 schon einen Teil Deiner Strecke gefahren, v. a. die Alte Fahrt und die Großseen

    Und hier fuhren 2010 zwei Paddler die Kleinseenplatte ab Kratzeburg.

    Beschreibung der Müritz-Elde-Wasserstraße

    Die Kilometertabelle der Elbe

    Norderelbe und Billwerder Bucht im Internet

    Viele Grüße

    Gernot
    ... und die Links sind ja klasse! faltboot.org ist voll mit Erfahrungsberichten, manche sind aber auch schon einige Jahre alt. Flussinfo ist auch hilfreich.

    Lieber Gernot, das waren gute Hinweise, Warnungen und Tipps. Tausend Dank!
    lg, Andreas

  13. Anfänger im Forum

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #13
    Ich komme mit dem Zug mittags in Kratzeburg an. An der Badestelle baue ich das Boot auf. Jetzt stellt sich die Frage: Kann man bei Kormoran Kanutours am Granziner See für eine Nacht zelten und dann weiterpaddeln? Kann auf deren Homepage keine Info dazu finden. Vermieten die also nur? Evtl verbringe ich dann wohl besser die erste Nacht am Camping Käbeliksee, denn bis zum Hexenwäldchen sind es noch 16km und die Lohre... Das gehe ich dann lieber ausgeruht früher an. Allerdings wäre der Weg bis zum Gränziner See noch locker machbar, wenn man dort übernachten kann. Kann man?
    lg, Andreas
    Geändert von andhol (21.08.2020 um 14:22 Uhr)

  14. Anfänger im Forum
    Avatar von Christoph P.
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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #14
    Moin Andreas,

    ich weiß leider nicht, ob bei Kormoran eine Nacht gezeltet werden kann.
    Mir wäre einerseits die Strecke bis zum Granziner See der Kürze wegen nicht lohnend genug, sie am Anreisetag unbedingt fahren zu wollen und andererseits der Abschnitt bis zum CP Hexenwäldchen zu schön, ihn der Länge wegen schnell hinter mich bringen zu müssen, obwohl es ginge - die Tage werden bis dahin aber merklich kürzer.
    Ich habe bei selber Anreise und Jahreszeit mehrfach am CP Naturfreund am Käbelicksee übernachtet und würde mir an Deiner Stelle sogar überlegen, die 2 km vom Bahnhof Kratzeburg bis dahin zu rollern um dort in Ruhe das Boot aufzubauen und die Ausrüstung zu sortieren, das ist aber Geschmackssache.
    Dalmsdorf am gegenüberliegenden Seeufer lohnte mir übrigens immer einen Besuch, z.B. des Töpferhofs Steuer mit seinem gemütlichen Hofcafé.
    Nimm Dir Zeit, binsenbummelnd die Fauna wahrzunehmen: Ameisenlöwen, Flusskrebse, Ringelnattern, Eisvögel, Seeadler, zu der Zeit bestimmt auch Kraniche.

    Schöner Plan - gute Reise, viel Spaß!

    Christoph (der mit den Betreibern des CP Naturfreund und des Töpferhofs Steuer nicht verbandelt ist)
    Geändert von Christoph P. (21.08.2020 um 15:53 Uhr)

  15. Anfänger im Forum

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #15
    Zitat Zitat von Christoph P. Beitrag anzeigen
    Moin Andreas,

    Mir wäre einerseits die Strecke bis zum Granziner See der Kürze wegen nicht lohnend genug, sie am Anreisetag unbedingt fahren zu wollen und andererseits der Abschnitt bis zum CP Hexenwäldchen zu schön, ihn der Länge wegen schnell hinter mich bringen zu müssen [...]
    Schöner Plan - gute Reise, viel Spaß!

    Christoph (der mit den Betreibern des CP Naturfreund und des Töpferhofs Steuer nicht verbandelt ist)
    Christoph, das sehe ich eigentlich genau so: nicht durch die schönsten Passagen hetzen. Ich campe dann am Käbelicksee.

  16. Anfänger im Forum

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #16
    Habe die Etappen und die Route nochmal etwas angepasst. Die Hinweise habe ich einfließen lassen.

    Tag 1 Anreise mit der Bahn.
    Übernachtung Käbelik See C36 „Camping Naturfreund“. Jü.S.58

    Tag 2 Vom Käbeliksee zum Hexenwäldchen (15km)
    5km WWR „Kormoran Touring“ am Gränziner See. Essenspause.
    10km Schulzensee > Granziner Mühle (Lohrenbahn) > Pagelsee > Zotzensee > Havel > Jäthensee > (100m treideln) Jamelsee. Übernachtung Campingplatz "Hexenwäldchen". Jü.S.58

    Tag 3 Über Useriner Mühle zur Kanu-Mühle (20km)
    10km Hexenwäldchen > Görtowsee > Zierzsee > Useriner See > Useriner Mühle. Essenspause.
    6km Zwenzower Schleuse > Großer Labussee > Havel > Woblitzsee. Übernachtung „Campingpark Havelberge“
    4km oder WWR Wesenberg oder „Kanu-Mühle“.

    Tag 4 Schwanhavel und Drosedower Bek (15km)
    3km Schwanhavel > Plätlinsee.
    5km Plätlinsee > Wustrow (Umtragen in den Klenzsee). Essenspause „Kanuhof Wustrow“.
    3km Klenzsee > Gobenowsee > Seewalde (Bioladen).
    4km Gobenowsee > Drosedower Bek > FKK Campingplatz. Übernachten.

    Tag 5 Vom Rätzsee bis Mirow (18km)
    6km Rätzsee > Fleether Mühle (Umtragen in den Vilzsee). Imbiss und Biergarten vorhanden.
    12km Vilzsee > Mössensee > Zotzensee > Mirower See > Kanustation Mirow Übernachten.

    Tag 6 Alte Fahrt (12km)
    7km Mirower See > Granzower Möschen > Großer Kotzower See > Leppinsee > C20 „Campingplatz am Leppinsee“ > „Paddel-Paul“. Pause?
    5km Leppinsee > Woterfitzsee > Alte Fahrt > Caarpsee > Bolter Schleuse. Umtragen in Bolter Kanal. Übernachtung WWR „Alte Fahrt“ an der Schleuse.

    Tag 7 Auf der Müritz I (12km)
    12km Müritz > Ludorf (am Südufer entlang)
    8km Gotthun. Übernachtung C71 „Müritz-Camp Gotthun“ oder C78 „FKK Hirschberg“.

    Tag 8 Auf der Müritz II (15km)
    15km Müritz > Binnenmüritz > Camping Kamerun „Stille Bucht von Kamerun“. Übernachten.

    Tag 9 Zum Heidenfriedhof (15km)
    8-15km (je nach Wind auf dem Kölpinsee). Binnenmüritz > Reeckkanal > Kölpinsee > Jabelscher See > Übernachten C92 „Heidenfriedhof“.

    Tag 10 Plauer See (17km)
    17km Kölpinsee > Göhrener Kanal > Fleesensee > Malchower See > Reeken > Petersdorfer See > Plauer See > C90 „Inselcamping Werder“. Übernachten. Essen: „Fischerei Wendorf“.

    Tag 11 Wasserstraße I (18km)
    18km: Plau > Müritz-Elde-Wasserstraße. Übernachtung WWR "Kuppentin".

    Tag 12 Wasserstraße II (23km)
    5km Schleuse Bobzin
    8km WWR Burow
    8km Schleuse Neuburg
    2km Übernachtung Campingplatz „Ufercamp Eldeblick“.

    Tag 13 Wasserstraße III (20km)
    10km Schleuse Parchim.
    10km Schleuse Matzlow-Garwitz. 2 Campingplätze.

    Tag 14 Wasserstraße IV (17km)
    12km Schleuse Lewitz.
    5km Schleuse Neustadt-Glewe. Camping Bootshafen.

    Tag 15 Wasserstraße V (27km)
    11km Hechtsforthschleuse.
    4km Schleuse Grabow.
    7km Schleuse Güritz.
    5km Schleuse Eldena. Übernachten Camping „Bootshafen Witte“.

    Tag 16 Wasserstraße VI (19km)
    9km Schleuse Malliß.
    4km Schleuse Findenwirunshier.
    1km Schleuse Neu-Kaliß.
    5km Wasserwanderrastplatz Dömitz.

    Tag 17 Elbe I (34km)
    7km Campingplatz Damnatz.
    4km WWR Wehningen.
    2km WWR Bohnenburg.
    3km WWR Penkefitz.
    6km WWR Bitter.
    3km WWR Rassau / Banke.
    2km WWR Tiesmesland.
    5km WWR Schutschnur.
    2km Campingplatz Elbufer.

    Tag 18 Elbe II (30km)
    9km Campingplatz Alt-Garge.
    5km WRR Bleckede.
    6km Campingplatz Elbeling.
    8km Campingplatz Grünendeich.
    12km Campingplatz Artlenburg.

    Tag 19 Elbe III (30km)
    2km Campingplatz „Im Piepensack“.
    2km Campingplatz „Hohes Ufer“.
    5km Kanu-Club Geesthacht.
    6km Campingplatz Stove.
    15km WRR Hamburger KC.

    Tag 20 Elbe IV (15km)
    3km 3 WSVs.
    12km Billwerder Bucht.

    Zuhause

  17. Anfänger im Forum

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #17
    Hallo Andreas,


    30-40 km auf der Elbe sind gut zu schaffen, wenn Du keinen Gegenwind hast. Hängt aber vom Wetter ab: Wenn Du Gegenwind hast, hast Du zu kämpfen. Dann hilft Dir nur die Strömung. Es kommt drauf an, was Du antriffst. Schön ist die Elbe immer.


    Viel Spaß!

    Gernot

  18. Anfänger im Forum

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    „Kanal des Friedens“ - Heimatkunde

    #18
    Hallo Jan,

    Sorry! Das war nicht als Kritik gemeint, sondern ironisch

    Als Nach-1961-Geborener und vor Ort Aufgewachsener kenne ich das Ding nur unter „Havelkanal“, alle Anwohner nennen ihn so. Nie habe ich früher gehört, daß er mal anders hieß. Nicht einmal Fachleute wie Hans-Joachim Uhlemann („Berlin und die märkischen Wasserstraßen“, 1987, 2. Auflage 1994) wagten es, in einem Nebensatz den so kurz gültigen Ursprungsnamen zu erinnern. Daß der Kanal mal einen anderen Namen als „Havelkanal“ getragen hatte, erfuhr ich erst nach 1990.

    Der Kanal wurde ja eigentlich gebaut, um die Wassertransporte der DDR um Westberlin herumführen zu können, nachdem die sowjetische Kommandantur während der Berlin-Blockade 1948/49 den ostdeutschen Schiffern verboten hatte, durch die Westsektoren Berlins zu fahren. Ein Schiffer, der während der Blockade von Magdeburg nach Eberswalde wollte, mußte also die Elbe abwärts, die Müritz-Elde-Wasserstraße aufwärts und durch die Mecklenburger Seen auf den Oder-Havel-Kanal fahren, ein riesiglanger Umweg! Als sich abzeichnete, daß West-Berlin wieder isoliert werden sollte, wurde 1951/52 mit einem brachialen Zeitplan der Kanal durchs Moor gezogen. Daß es keine Vorbereitungszeit, also auch keine Baugrunduntersuchung gab, spricht von der Hast, mit der begonnen wurde. Es herrschte eine sog. „gleitende Bauplanung“, d. h. Du baggerst drauflos, ich zeichne Dir hinterher. Daß das gut ausging, lag daran, daß schon 1910-1930 in dieser Gegend ein Netz von Kanälen gebaut worden war, auf deren Pläne man zurückgreifen und deren Betten man auf weiten Strecken nutzen konnte. (So wurden insgesamt 15 km des Paretz-Niederneuendorfer Kanals mit einbezogen.) Das Pokerspiel klappte: nur vier Wochen, nachdem die DDR in der „Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und den westlichen Besatzungszonen“ den West-Berlinern mit Wirkung vom 1. Juni 1952 das Betreten der DDR verwehrt hatte, war der Kanal fertig; Glück gehabt. Mit dem Kanal als Wasserstraße war dann auch der Mauerbau 1961 möglich. (Auf dem Havelkanal können 1000-Tonnen-Schiffe fahren, das war bewußt so gebaut, denn durch die Spandauer Schleuse in Westberlin paßten nur 600-Tonnen-Schiffe; alle anderen Frachter sollten sehen, was die junge DDR leisten kann. Nach ihrem Neubau passen „Europaschiffe“ mit 1350 Tonnen durch die Spandauer Schleuse, jetzt fährt kaum noch ein Frachter außen rum. Ätsch.)

    Die Ursprungsbenennung muß den Auftraggebern aber selbst bald peinlich geworden sein. Man könnte jetzt sagen, ich sei phobisch, aber mit Begriffen war man in der DDR kleinlich genau. Ich denke an die lustige Formel „Berlin, Hauptstadt der DDR“, das war der übliche offizielle Sprachgebrauch bis hin zum Stadtplan. Und an die Briefe aus dem Ausland, auf denen der Zoll „Eastern Germany“ dick durchgestrichen hatte – auch der entfernteste Ausländer hatte „German Democratic Republic“ zu schreiben. Wenn da ein „Friedens“-Name plötzlich verschwand, wo doch die Friedensbenennungen sonst überall blühten, muß das einen Grund gehabt haben. Vielleicht war seine Bau-Absicht zu offensichtlich, wer weiß? Schon im DDR-Flußwanderbuch von 1963 wie auch im Wasserwanderatlas vom gleichen Jahr heißt er „Havelkanal“ mit der Erläuterung „fälschlich nach den Orten Paretz im Süden und Niederneuendorf im Norden auch Paretz-Niederneuendorfer Kanal genannt (Bezeichnung nur noch auf wenigen Karten älteren Datums erhalten).“ Auf deutsch: das neue Bauwerk ist eigentlich das ursprüngliche, der Vorgänger wurde falsch benannt, und einen „Kanal des Friedens“ hat es nie gegeben. OrwellGeorge, ich hör dir trappsen. Was müssen die Genossen für Angst gehabt haben.

    Den Kanal an sich finde ich mit seiner Geradlinigkeit und seiner Lage an Fernstraße und Autobahn (zwischen Brieselang und Paretz) zum Paddeln eintönig. Aber von Hennigsdorf bis Brieselang herrscht eine Ruhe, die man auf der ganzen Berliner und Potsdamer Havel nicht findet. Urlaubsbootverkehr und Verleihertrödel fällt weg, nur ab und zu eine Motoryacht und ein Frachter, der weiß, warum er hier und nicht auf dem Wannsee fährt. Ab und zu fahren Ruderer durch, die sich den Berliner Trubel nicht antun wollen. Der Havelkanal ist 8 km kürzer als die Berliner Havel mit Sacrow-Paretzer Kanal.

    Zelten besser nicht an dem Stacheldrahtzeltplatz (Straßenlärm), sondern bei der SG „Wasserfreunde Brieselang“ anrufen, ob man eine Nacht sein Zelt aufstellen kann. Es wäre den Versuch wert. Sonst wird das Anlegen schwierig, weil man das Boot (auch wenn sie flach ausläuft) über die verwachsene Steinschüttung hochziehen muß. Wo man bei Paretz zeltet, verrate ich nicht Wer sich nach der Kanalfahrt von Geradlinigkeit erholen will, fährt quer über den Trebelsee und verschwindet in den Seitenarmen und Nebenbuchten der Havel.


    Viele Grüße

    Gernot
    Geändert von Bolek (21.08.2020 um 21:13 Uhr)

  19. Anfänger im Forum

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    AW: Mit dem Faltboot von der Havelquelle bis Hamburg

    #19
    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    Hallo Andreas,


    30-40 km auf der Elbe sind gut zu schaffen, wenn Du keinen Gegenwind hast. Hängt aber vom Wetter ab: Wenn Du Gegenwind hast, hast Du zu kämpfen. Dann hilft Dir nur die Strömung. Es kommt drauf an, was Du antriffst. Schön ist die Elbe immer.


    Viel Spaß!

    Gernot
    Oja, was nützt einem 2km/h Strömung wenn der Wind frontal mit >40km/h entgegen bläst? Habe ich auf der Elbe schon erlebt... wie auf der Stelle treten, nur man schwitzt mehr. ;)
    Das gleiche auf den größeren Seen und besonders auf der Müritz: Je nach Wind kommt man gut oder gar nicht voran und die Planung der Etappen hängt vom Wind ab.

    Edit:
    Bin gerade sehr überrascht von Jübermann. TA1 (untere Elbe) und TA6 (Mecklenburger Seen bis Dömitz) gehen als gedrucktes Kartenmaterial NICHT nahtlos ineinander über. Für den Abschnitt Dömitz bis Lauenburg sind keine Kartenseiten vorhanden. Aber im digitalen Pendant gehen die Karten weiter und somit nahtlos ineinander über.
    Geändert von andhol (22.08.2020 um 10:01 Uhr)

  20. Anfänger im Forum

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    "Kanal des Friedens" versus "Havelkanal"

    #20
    Janhimp hat mir eine freundliche PN geschickt, aufgrund derer ich mich berichtigen möchte. Er meinte „Kanal des Friedens“ durchaus nicht ironisch - sondern unabhängig davon, daß die Wasserstraße auf allen Landratten-Karten „Havelkanal“ hieß, haben sie die Binnenschiffer bis nach 1990 noch „Kanal des Friedens“ genannt.

    800- bis 1000-Tonnenschiffe nutzen ihn nach wie vor zur Berlin-Umfahrung.


    Wie gut, daß verschiedenste Leute hier lesen und schreiben. Da lernt man immer dazu. Vielen Dank, Jan!

    Gernot

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