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  1. Erfahren

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    AW: Rollen im Seekajak

    #41
    Moin Ditschi!
    Rittlinger hat sich aus guten Gründen (Bootsbauer erkennen zumindest einen davon) über die von Alber mit "Kippkipp Hurra" im deutschen Sprachraum publik gemachte "Eskimo"-Rolle lustig gemacht; Boote, Techniken und Standards von heute sind damit nicht zu vergleichen. Vor allem aber war er überaus erfahrener Faltbootwanderer, der recht genau über die eigenen körperlichen Grenzen und die der Belastbarkeit seiner Boote Bescheid wusste. Und wenn er allein unterwegs war, war maximale Sicherheit die Richtschnur seines Handelns. All das unterscheidet ihn vom Gros der heutzutage Paddelnden deutlich. Dass auch er sich gelegentlich bei der Einschätzung von Risiken vertan hat, ist sehr schön in "Ich hatte Angst" nachzulesen. Zurück ins Heute. Meiner langjährigen Beobachtung nach senkt das zunehmend beherrschte Technikrepertoire augenscheinlich die Wahrnehmungsschwelle für Beinah-Unfälle - das weiß, erkennt und thematisiert jeder erfahrene Fahrtenleiter.
    Mit freundlichem Ahoi,
    janhimp

  2. Fuchs
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    AW: Rollen im Seekajak

    #42
    Moin!

    OT:
    Und im Vertrauen auf sein Können steigt seine Risikobereitschaft. Er schiebt die Grenzen des Risikos hinaus und verunglückt im Endergebis trotzdem.
    -> Mit fundierter Ausbildung und zunehmenden Fähigkeiten, steigt in Folge also die Unfallrate.
    Das halte ich für eine gewagte Aussage. Dazu würde ich gerne mal eine Statistik sehen.

    " Wenn ich bei 4 BfT nicht rausfahre, komme ich nie raus". Mag stimmen, aber die sichere Alternative und damit die richtigere Antwort könnte ja lauten, daß man es dann eben läßt.
    Das mag auf jeden Fall für ein Kanu gelten, was ja auch nie für derartige Gewässer entwicklet wurde. Der Einfluss des Windes ist bei soch einem Boot natürlich um ein vielfaches größer als bei einem Kajak.
    Wenn ich mir im Vergleich die Wasserline von einem klassischen westgrönlänischen kajak anschaue, dann liegt es dagegen so tief im Wasser wie ein U-Boot. Hier machen Verallgemeinerungen, neben den Fähigkeiten des Paddlers nicht besonders viel Sinn.

    Ein Beispiel:
    Wir sind an einem Nachmittag an der Westseite von Sylt, höhe Kampen, mit einem 3-4er Wind rausgesurft. Bei zunehmenden Winden wäre also unser worstcase Szenario gewesen, dass wir irgendwo an die Ostküste von Sylt oder ans Festland abtreiben könnten.
    Nach einer halben Stunde schicken Surf, machten wir uns auf den Rückweg. Inzwischen hatte der Wind auf 6-7 zugenommen, sodass wir möglichst schnell wieder unter Landabdeckung kommen wollten. Da ich mit einem geliehen Kajak unterwegs war, was für mich etwas zuviel Volumen hatte, brach mein Bug immer wieder aus dem Kurs. Dadurch, dass ich zuviele Steuerschläge machen musste, bin hinter meinem Kumpel zurückgefallen. Nach einer Viertelstunde mit extrem wenig Strecke über Grund, haben wir uns entschlossen mich an den Hacken zu nehmen. Mit der "Abschlepp-Leine" war mein Bug jetzt immer exakt ausgerichtet und mit vereinten Kräften kamen wir bald wieder unter Landabdeckung.

    Bei der ganzen Aktion waren wir nie wirklich gefährdet gewesen, da wir beide schon lange miteinander paddeln und unsere gemeinsamen Rettungsübungen kennen. Im allerschlimmsten Notfall wären wir also in Richtung Festland oder Hintenburgdamm getrieben. Ganz abgesehen davon, dass wir im Kajak wahrscheinlich eher irgendwo bei Morsum gelandet wären und uns das Ganze ein Taxi zurück gekostet hätte.
    Dass man im Sommer auf der Nordsee mit Trocki unterwegs ist, ist für uns genauso selbstverständlich wie die Einschätzung der gegenseitigen Fähigkeiten.

    Und wir wären nie auf Idee gekommen, so etwas mit einem Kanu oder einem Luftboot auch nur anzudenken ...


    LG. -Wilbert-
    Geändert von wilbert (14.08.2020 um 13:44 Uhr)

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    AW: Rollen im Seekajak

    #43
    Ich verstehe die Diskussion nicht.

    Nur weil ein Faltbootwanderer vor ein paar Jahrzehnten nicht Rollen lernen wollte oder konnte und nur weil ich es nicht lernen kann oder mein Gefährt es nicht beherrscht, schreibe ich jetzt hier, dass man das nicht braucht????

    Jeder, der Rollen lernen kann, sollte es lernen. Ist nicht schwierig, macht Spaß und nimmt die Angst vor der Kenterung. Wer im Berliner Raum wohnt, kann sich zum Winter gerne bei mir melden. Wir haben hier eine tolle Örtlichkeit, wo man das in einem ungezwungenen Rahmen üben kann.

    Alles andere ist wirklich gesunder Menschenverstand.

    Leute gehen gerne Risiken ein. Das halt ihre persönliche Freiheit.

  4. Liebt das Forum
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    AW: Rollen im Seekajak

    #44
    Ditschi, Du kannst mit den heutigen Booten viel machen und im Gegensatz zu früher sind die Sicherheitstraining professionalisiert und in vielen Fällen als Mindeststandard gesetzt, ohne den Du nicht mitgenommen wirst. Körperliche Voraussetzungen der Paddler/innen ergänzen das. Aber ein geübter Paddler kann trotz aller Umsicht und allen Könnens auch verunglücken. Das galt aber zu allen Zeiten und gilt bei allen Sportarten. Deshalb den Sport nicht auszuüben, kann keine Option sein, man muss sich an die Bedingungen anpassen und die Grenzen ausloten. Wir sind neulich bei 6, in Böen 8 gepaddelt, das geht, ich wäre nur nach 5 km platt und das muss man wissen. Strömungs- und Tideberechnungen tun ihr übriges, wie wilbert schön beschreibt. Jedem, der bei solchen Verhältnissen paddelt, zu unterstellen, er würde höhere Risiken durch Technik eingehen, ist übertrieben. Eigentlich andersrum: Wer gut ausgebildet ist, versucht Risiken zu vermeiden, weil er/sie weiß, wie dünn das Eis ist.

    Trotzdem gibt es eben Grenzsituationen. Der Mann, der mit neuem Paddel ohne Trocki länger braucht und ertrinkt. Der Paddler, der plötzlich Angst bekommt, eine Blockade hat und nicht mehr Rollen kann und sein Boot verliert. Diese Fälle kann man zur Genüge im Sicherheitsthread analysieren. Hier sind die Überlegungen müßig, hier ging es ums Rollen und zwar darum, ob der zweite Rollversuch sinnvoll ist.

    Denn unabhängig davon, ob man nun risikofreudig ist oder nicht: Es gibt Meerpaddler, die bei hohen Windstärken ans Ziel kommen, weil sie rollen können, andere, obwohl sie nicht rollen können, aber wiedereinsteigen können, wieder andere, die noch nie rollen konnten, aber das Wasser lesen können und zuletzt Paddler, die viele kritische Situationen gemeistert haben, technisch durch sämtliche RST und RTTs fallen, aber in einem langen Paddlerleben erstaunlicherweise noch nie gekentert sind und ab 3 bft erst Spaß am paddeln haben.
    Geändert von Torres (14.08.2020 um 13:31 Uhr)
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

  5. Erfahren

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    AW: Rollen im Seekajak

    #45
    Moin Katsche!
    Ich verstehe Deinen letzten Beitrag nicht. Wer hat denn hier jemals geschrieben, dass "man die Rolle nicht braucht"?
    Wenn jemandem aber Rollen und Bootsbeherrschung insgesamt richtig viel Spaß machen, und zusätzlich noch mentale und physische Fähigkeiten verfügbar sind, geht sie/er sowieso Kanupolo spielen und fährt nicht Seekajak.
    Was ich wiederum nicht verstehe, ist, wieso Ditschi plötzlich so angegangen wird; er setzt keine neuen Standards. Er beschreibt nur, was er selbst erlebt und gelesen hat, und seine ganz persönlichen Schlussfolgerungen, ohne irgendeinen Anspruch damit zu verbinden - ist das denn nicht zu erkennen?
    Wilbert: "Kanu" ist der Oberbegriff für alle Boote die in Fahrtrichtung blickend mit Paddeln bewegt werden. Kajaks gehören auch dazu. Ditschi fährt Canadier, und wenn Du wüsstest, was Könner damit alles -auch auf dem Meer- anstellen, würdest Du Dir vermutlich einen Hut zum Ziehen wünschen.
    Mit freundlichem Ahoi,
    janhimp
    Geändert von janhimp (14.08.2020 um 14:23 Uhr)

  6. Liebt das Forum
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    AW: Rollen im Seekajak

    #46
    @Katsche
    Die körperlichen Gegebenheiten sind leider nicht allen gegeben. Die meisten meiner Kollegen, mich eingeschlossen, sind mal unter kontrollierten Bedingungen gerollt, aber das ist keine Beherrschung. Da wird auch Training in den meisten Fällen nichts helfen. Man braucht schon bestimmte körperliche Voraussetzungen, und je früher man mit Paddeln anfängt, um so einfacher. Als Kind hätte ich das in zehn Minuten drauf gehabt.

    Edit: Jetzt ist mir immerhin das erste Mal Soloeinstieg gelungen, da bin ich echt stolz.
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

  7. AW: Rollen im Seekajak

    #47
    Um das ganze für mich besser zu verstehen schwenke ich mal in Richtung Schitouren ab:

    Voraussetzungen um im freien Gelände Schitouren zu gehen: Grundlegende Abfahrts- und Aufstiegstechnik, Notfallausrüstung (Erste Hilfe, LVS, Sonde, Schaufel, Biwaksack,...) und die Beherrschung dieser. Kentnisse in der Lawinenkunde
    Wenn ich nun bei einer Lawinensituation in der das einzelne Befahren eines Hanges laut Lawinenkunde okay ist (also etwa ein 35° steiler Hang) aber ein Sturz für diesen Hang schon zu viel sein kann, muss jeder Schifahrer das Gelände sturzfrei abfahren können.

    Okay wir analysieren das Ganze und legen das dann auf das Seekajaken um:
    freies Gelände: Abseits gesicherter und markierter Schipisten. Seekajak: Meer außerhalb geschützter Buchten.
    Abfahrts- und Aufstiegstechnik: Der Schifahrer soll nicht alle 10 m fallen. Seekajak: Paddelkönnen, Stütze, Wiedereinstieg.
    Notfallausrüstung: Ist ein Muss beim Schitouren gehen. Seekajak: Schwimmweste, Paddelfloat, Lenzmaterial, Notsignal,...
    Kenntnisse der Lawinenkunde: Lawinenlagebericht lesen und im Gelände anwenden. Seekajak: Seewetterbericht lesen und beachten.
    Das sturzfreie Abfahren im Steilgelände: wäre für mich jetzt genau die Beherschung der Kenterrolle. Wer wirklich ernsthaft Schitouren geht wird sich dieses Können irgendwann aneignen. Wer das Können nicht hat muss um diesen Faktor defensiver unterwegs sein (in der Lawinenkunde ist das mathematisch relativ genau einordenbar, bei der professionellen Reduktionsmethode ist dies ungefähr ein um einen Punkt schwächerer Reduktionsfaktor). Dies wäre zB ein Verzicht von Touren bei ungünstiger Wetterlage oder/und nur Touren ohne lange Strecken über das offene Meer (bei mir Maximaldistanz zwischen den Inseln 5km).

    Hoffe meine Gedankengänge sind nachvollziehbar, Berichtigungen und Entgegnungen nur immer her damit, wir sind ja da um was zu lernen!

    Gruaß
    Simon

  8. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Rollen im Seekajak

    #48
    @ janhimp, danke. Aber ein kleines Mißverständnis gilt es aufzuklären: ich fahre Canadier, aber niemals auf dem Meer. Dort fahre ich mein Motorboot auf dem Avatar, einen Orkney Longliner. Ein Fischerboot in traditioneller Bauweise für`s Meer, zugelassen laut Werft bis 5 BfT. Da hält das Boot allerdings mehr aus als ich. Mein Fehler, daß ich das nicht besser klargestellt hatte. Es ging mir aber nur daraum, zu erläutern, daß ich ganz gut weiß, was Seegang und Drift bei 4 oder 5 BfT auf dem Meer mit einem kleinen Boot anstellen. Allerdings ist Meer nicht gleich Meer. Eine enge Förde oder eine sonstige geschützte Bucht kann man nicht gleichsetzen mit einer offenen Wasserfläche.
    Ditschi


    @ Simon, ob Deine Vergleiche hinkommen, kann zumindest ich nicht sagen, weil ich weder Skifahrer bin noch mich in den Bergen auskenne. Ich hege aber leichte Zweifel, ob man die Gefahren so völlig unterschiedlicher geografischer Gegebenheiten in dieser Weise einander gegenüber stellen kann.

    Ditschi
    Geändert von Ditschi (14.08.2020 um 16:21 Uhr) Grund: Ergänzung

  9. Fuchs
    Avatar von wilbert
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    AW: Rollen im Seekajak

    #49
    Für mich ist der Vergleich mit Skitouren einleuchtend.

    Wilbert: "Kanu" ist der Oberbegriff für alle Boote die in Fahrtrichtung blickend mit Paddeln bewegt werden. Kajaks gehören auch dazu.
    Danke für die korrekte Darlegung, aber ich glaube jeder wusste was gemeint ist.

    Was ich wiederum nicht verstehe, ist, wieso Ditschi plötzlich so angegangen wird; er setzt keine neuen Standards. Er beschreibt nur, was er selbst erlebt und gelesen hat, und seine ganz persönlichen Schlussfolgerungen, ohne irgendeinen Anspruch damit zu verbinden -
    Mit den persönlichen Einstellungen gehe ich ja vollkommen mit, nur die Verallgemeinerung mochte ich so nicht stehen lassen.

    Zum Thema:
    Das Lernen der Rolle hat auch meine Auseinandersetzung mit Rettungsübungen unter widrigen Umständen beeinflusst.
    Jeder der schon mal versucht hat, bei brechenden Wellen wieder in ein Kajak einzusteigen, weiss wie unsicher man rittlings auf dem Boot sitzt. Um den Vorgang des Einsteigens abzusichern, wird oft ein "Päckchen" aus zwei bis drei Booten gebildet. Bei lebhaften Wellengang schieben sich die Kajaks gerne einmal kurz seitlich übereinander, da möchte man weder ein Bein noch eine Hand im falschen Moment dazwischen bekommen.

    Ist jemand in derart unruhiger See ausgestiegen, kann aber eigentlich selbstständig wieder hoch rollen, braucht man sein Boot nur am Bug gegen die Welle auszurichten. Der Gekenterte kann unter Wasser einsteigen, selbst hoch rollen und bei sauber ausgerichtetem Boot sein Cockpit leer lenzen. Der ganze Prozess ist schnell, sicher und effizient.

    Allein dies Spielen in der Welle, hat für uns als Gruppe einen großen Sichertsvorteil gebracht.

    VG. -Wilbert-

  10. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Rollen im Seekajak

    #50
    Meine Lebenserfahrung, daß unbesteitbar nützliche Könnerschaft oft dazu verführt, das Risiko zu erhöhen und den Sicherheitsgewinn dadurch wieder zu verspielen, halte ich aufrecht. Gilt für alle Bereiche des Lebens, nicht nur für`s Wasser.


    Ansonsten rege ich an, allgemeine Sicherheitshinweise anhand konkreter Unfälle zu erörtern-- wie wir es ja schon machen bei Unfällen auf dem Wasser und in den Bergen. Verunglückt jemand tödlich und ergibt die Analyse, daß der Verunglückte Fehler gemacht hat, gibt es weniger Streit. Das haben dann immer schon alle vorher gewußt.
    " Wie, /7 BfT ? Hat der keinen Wetterbericht eingeholt ? War doch angesagt !".
    Gibt man einen allgemeinen Sicherheitshinweis, ohne daß etwas passiert ist, hat man alle gegen sich, die den Hinweis selbst schon einmal mißachtet haben und sofort in den Verteidigungsmodus schalten. Ich erinnere an die "Schwimmwestendebatte" oder an " bei Gewitter runter vom Wasser".
    C`est la vie. Es muß etwas passieren. Dann verstehen es alle und sind sich einig.
    Ditschi

  11. Liebt das Forum
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    AW: Rollen im Seekajak

    #51
    @Wilbert
    Völlig richtig. Aber kann halt nicht jeder. Ich weiß auch, wie sich Päckchen bei 5 bft anfühlen, sehr übel. Ich für meinem Teil achte daher sehr auf Wetterbedingungen. Was nicht heißt, dass der Wind nicht doch drehen kann oder plötzlich auffrischt. Dann habe ich zumindest ein Boot, das in beladenem Zustand ziemlich sicher durch die Wellen fährt und mich hoffentlich beim Heel Hook nicht im Stich lässt. Mehr Möglichkeiten habe ich einfach nicht.

    @Simon
    Als sturzfreie Abfahrt würde ich immer noch die Bootsbeherrschung betrachten, denn auch der Paddelschlag muss gekonnt sein. Die Rolle wäre die Fähigkeit, der Lawine noch blitzschnell davon zu fahren oder sich so einzugraben, dass man das Überleben herauszögen und sich vielleicht sogar selbst retten kann. Aber wie oben angemerkt: Ich kenne auch gute Roller, die sofort wieder umgeworfen wurden und dann doch aussteigen mussten. Da spielte der Bootstyp eine entscheidende Rolle. Einem Grönländerfahrer hatte ich da in guter Erinnerung, der konnte rollen und rollte ein paar Mal hintereinander, kriegte das Boot aber nicht gerade. Er ist dann ans Ufer geschwommen.
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

  12. Erfahren

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    AW: Rollen im Seekajak

    #52
    Hallo Torres!
    Gratulation zum ersten Solo-Wiedereinstieg! Das Sicherheitspotenzial abgeschotteter, zum Rollen geeigneter Boote ist unbestritten. Es gibt aber auch heute noch Boote am Markt, deren Konstruktion sie für die Rolle ungeeignet macht, und ebenso gibt es Menschen, deren körperliche Eigenheiten ihnen die Rolle unmöglich machen - das macht weder die betreffenden Boote schlecht, noch bemakelt es die davon betroffenen Menschen. Wer dennoch mit fürs Rollen ungeeigneten Booten in potenziellen Umschmiss-Revieren unterwegs ist -und das waren etliche Generationen Wanderfahrer vor der "Generation Rolle"-, muss halt das Wasser -ebenso wie das Wetter- ständig im Blick haben, Stützen und gegebenenfalls wieder einsteigen können. Heinz Zölzer, um nur einen der noch lebenden aus diesen Generationen zu nennen, hat mit seinen mehrmonatige Alleinreisen in den frühen 1960er Jahren, mit Kleppers Faltboot-Einer T67 von Duisburg aus rund um die ostfriesischen Inseln und bis nach Helgoland, ganz deutlich gezeigt, was Er- und Befahrenen auch mit Nicht-Seekajaks möglich ist.
    Mit freundlichem Ahoi,
    janhimp
    Geändert von janhimp (16.08.2020 um 08:23 Uhr)

  13. Erfahren
    Avatar von pickhammer
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    AW: Rollen im Seekajak

    #53
    Jetzt hat sich seit den 60er Jahren ja doch einiges getan. Gerade die Erfahrungen, die Heinz Zölzer von seinen Reisen mitgebracht hat, haben ihn ja zur Entwicklung seiner Produkte bewogen. Mit vernünftigen Spritzdecken und Spitzenbeuteln konnte man nun Rollen üben, ohne das nach dem zweiten Versuch der Kahn voll Wasser war. Auch kam der Umbruch zwischen Faltbooten und Polyesterbooten, was Fahrten auf Wildwassern möglich machte, an die man bis dahin nicht denken mochte. Den Anfängern wurde nun das Rollen beigebracht, bevor sie einen Fluss befahren hatten. Die altgedienten Faltbootfahrer standen kopfschüttelnd daneben und empörten sich gleichzeitig über jene, die zwar rollen, aber nicht mehr richtig um Steine herum fahren konnten, wie es ein ordentlicher Faltbootler musste. Den Plastikbootfahrern war es aber egal, das Boot hielt es aus.
    Diese Entwicklung war sehr dynamisch und spannend. Sie setzt sich fort bis heute, wo das Material längst nicht mehr so limitierend ist wie damals. Paddler kommen in Gegenden, die in früheren Zeiten nur äußerst aufwendig zu bereisen waren, und die Paddeltechnik hat sich ebenfalls weiter entwickelt.
    Rollen gehört heute zum Standard. Wer es nicht kann, der ist kein schlechter Mensch, aber kein guter Paddler

    Viele Grüße vom Bodensee
    pickhammer

  14. Erfahren

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    AW: Rollen im Seekajak

    #54
    Moin Pickhammer!
    Ich habe den Eindruck, dass Du meinen letzten Beitrag in seiner Gesamtheit nicht zur Kenntnis genommen hast: Ein Boot, dessen Konstruktion es nicht rollbar macht, ist deswegen noch lange kein schlechtes Boot, sondern a) kein Seekajak, und b) lediglich für andere Reviere gemacht. Und ein Seekajak rollen zu können allein mag für Dich vielleicht für einen guten Paddler genügen; zu einem er- und befahrenen, verlässlichen Paddelkameraden gehört für mich anderes und weit mehr. Heinz Zölzer, um das richtig zu stellen, hat kürzlich sehr schön dargelegt dass er das Gros seiner Produkte übrigens erst entwickeln konnte, nachdem er die für die Verarbeitung der synthetischen Materialien notwendige Maschine erworben hatte, und da war die erste Generation Festboote bereits auf dem Markt.
    Mit freundlichem Ahoi,
    janhimp

  15. Erfahren
    Avatar von pickhammer
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    AW: Rollen im Seekajak

    #55
    Hallo janhimp
    Wir sind viel näher beieinander als dein Betrag vermuten läßt.
    Ja, das Rollen allein genügt keinesfalls um ein „guter“ Paddler zu werden.
    Und ja, man kann nicht mit irgendeinem Boot überall hin.
    Es ist aber so, dass Produkte, auch Boote, für Verwendungen beworben werden, für die sie nicht geeignet sind. Auch sind die Wünsche mancher Leute größer als ihre Fähigkeiten.

    Die eigenen Grenzen und die der Ausrüstung zu kennen ist fundamental.

    Beste Grüße vom Bodensee
    pickhammer

  16. Erfahren

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    AW: Rollen im Seekajak

    #56
    Moin Pickhammer!
    Genau richtig.
    Mit freundlichen Grüßen von der Unterweser,
    janhimp, aktiver Zeitzeuge der letzten 60 Jahre Kanusport

  17. AW: Rollen im Seekajak

    #57
    Amüsanter Faden hier.


    Ich bin noch nie ein Dropstitch-Boot gefahren. Ansonsten alles vom OC über Wildwasserkajaks, Seekajaks, Luftboote, Rafts, Faltboote diversesten Alters und Hersteller. Habe mindestens fünf Duzend Boote mein Eigen genannt und arbeite(te) als Raftguide, Übungsleiter und Kanulehrer.


    Nur mal ein paar Fakten.
    -Rollen braucht V I E L weniger Energie als ein noch so schneller Wiedereinstieg
    -Zu unterstellen, Rollen sei sehr anstrengend, weil man Leute kennt, die die Technik offenbar eben nicht vernünftig beherrschen, ist lächerlich
    -Seekajaks lassen sich leichter rollen als Wildwasserboote
    -Einen Zweier alleine zu rollen ist nahezu genau so einfach wie einen Einer
    -Einen Zweier von zwei guten Paddlern zu rollen etwas schwieriger, aber auch nicht so schwierig, wenn man sich vorher abgesprochen und etwas Praxis hat
    -Sich im Jahr 2020 auf Franz von Alber, Rittlinger und Onkel Heinz zu berufen ist lächerlich. Die Erde hat sich weiter gedreht, Material und Fahrtechnik hat nur noch rudimentär mit der Zeit damals zu tun
    -Wer rollen kann, padddelt in der Regel besser, weil er mehr ausprobiert, übt, Grenzen weiter austestet und dadurch wie auch durch die Rolle selbst mehr Bootsgefühl bekommt
    (-was wiederum erklärt, warum Wildwasserfahrer meist die technisch besseren Seekajakfahrer sind)
    -Deckgepäck ist (von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen) ein sicherheitsmässiges Nogo
    -Es gibt Boote, die sind quasi unrollbar und machem ihren Besitzern trotzdem Spass
    -Am sichersten ist es, im Keller in seinem Boot zu sitzen und yt zu gucken
    -Das Wichtigste beim Paddeln ist der Spass

  18. Dauerbesucher

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    AW: Rollen im Seekajak

    #58
    Dem Vorredner stimme ich 100% zu!

    Besonders für die grönländische Art zu rollen braucht man keine Kraft! Ich bin kein große Fan von Paulo, aber was er in dem Video (und seinen anderen ) sagt, kann ich vollkommen unterschreiben. Die Standard-Grönlandrolle ist super sanft und braucht nur ein Hinterdeck, dass einiger Maßen flach ist. Auch bei meinem Trak-Faltkajak geht. Besser sind die "normalen" Seekajaka.

    In unserer Rollgruppe konnte ich die letzten Jahr beobachten, dass die, die sich auf die Grönlandrollen einlassen, sehr schnelle Fortschritte mache und inzwischen mehrere Rollen können. Der Vorteil daran, mehrere Rollen zu üben, liegt einfach dabei, dass man die Standardrolle ständig in den verschiedensten Ausgangslagen übt

  19. Erfahren

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    AW: Rollen im Seekajak

    #59
    Hallo Thomas!
    Offenbar hast Du die Beiträge nur überflogen, denn sonst hättest Du merken müssen, dass sich hier niemand auf Alber, Rittlinger oder Zölzer "berufen" hat. Ebenso entgangen ist Dir, wie einigen anderen auch, dass es die den Kritikern offenbar bisher vorenthaltenen gebliebenen Rahmenbedingungen -und nicht etwa die Rollen an sich- sind, die das mehrfach notwendige Rollen anstrengend machen. Immerhin scheint Dir ja aufgefallen zu sein, dass bereits auf Boote verwiesen wurde, die bauartbedingt zum Rollen ungeeignet sind. Mein ganz knappes Fazit: Rollenkönnen ist gut fürs Ego, Stützenkönnen fürs Überleben.
    Mit freundlichem Ahoi,
    janhimp
    Geändert von janhimp (31.08.2020 um 16:30 Uhr)

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    AW: Rollen im Seekajak

    #60
    Das ist kein schönes Fazit, mit dem man einen Thread abschließen will. Der Thread heißt "Rollen im Seekajak". Wenn es auch keinen Konsens zu geben scheint, dann kann man aber doch sagen, dass eine sehr große Mehrheit der Seekajakfahrenden oder solcher, die es werden wollen, die Fähigkeit zu Rollen als ebenso wichtig erachtet wie Stützen zu können. Das Rollen gehört zur Tradition des Kajakfahrens dazu, wenn man diese auf die Grönländer bezieht und nicht bei den Europäern anfangen lässt.

    Die Rolle fängt da an wichtig zu werden, wenn das Stützen nicht mehr geklappt hat. Besonders in der grönländischen Standardausführung (Backdeck roll) ist die Rolle ein äußerst harmonischer Bewegungsablauf, der eine gewisse Beweglichkeit vorrausetzt, aber keine Kraftanstrengung darstellt. Sie ist leicht zu erlernen, wobei der Lernprozess neben der eigentlichen Fähigkeit auch andere fast ebenso wichtige Fähigkeiten trainiert: Orientierung unter Wasser auch wenig/gar keiner Sicht, Haushalten mit dem Atem unter Wasser, Widerstand im Wasser aufbauen, unter Wasser aussteigen, etc.

    Und, Rollen ist auch gut fürs Ego, da es Sicherheit gibt

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