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    [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #1
    Mitreisende: fechter
    Der Plan waere, hier einen kleinen privaten Sammelthread fuer ein paar Wochenendtouren in Desolation Wilderness im Sommer 2020 zu erstellen. Irgendwie ist dieses Unterforum etwas zu ruhig.

    Intro Desolation Wilderness




    Flaeche etwa 290 km2 (wie Dovre, NO oder, interessanterweise, Munchen, DE, oder 10% von Jotunheimen), also insgesamt ueberschaubar. Aber eingebettet in das National Forest Netzwork (https://upload.wikimedia.org/wikiped...orests_Map.jpg), in denen weitgehend frei gewandert und gezeltet werden kann. Die Details sind natuerlich komplizierter. Mountainbiken ist generell nicht erlaubt, Pferde teilweise ja, Wanderer sowieso. Die meisten Europaer kennen die Gegend allenfalls als kurzen Teil des PCT, oder vielleicht auch des Tahoe Rim Trails. Fuer ‘bay area’ (San Francisco & rundherum)ist es eine der verlockenderen Gegenden - kurze Anreise, nicht sehr busy (Quoten) und aehnlich attraktiv wie auch Yosemite und andere, beruehmtere Gegenden.

    In normalen Jahren sind die Genehmigungen fuer Mehrtagestouren (‘permits’, www. recreation.gov) schon monatelang (6 Monate vorher freigegeben) ausgebucht, mit Restkapazitaeten die fuer den jeweiligen Starttag vor Ort zurueckgehalten werden. Die Kosten sind ok - online 6$ Buchungsgebuehr und 10$/Nacht, geruechtweise mit einer Deckelung von 100$ (noch nicht ausgetestet) und 14 Tage Maximaldauer. Das Permit gibt die genaue Gegend fuer die erste Nacht an, danach kann man frei unterwegs sein (mit leichten Einschraenkungen rund um populaere Seen).


    Einstiegspunkte mit dem Auto gut (normaler Vekehr: etwa 3h aus San Francisco und Umgebung), mit oeffentlichem Verkehr sehr schwer zu erreichen, und liegen grossteils auf rund 7500 Fuss, also etwas ueber 2000m. Der hoechste Punkt im Park ist Pyramid Peak (3,043 m), dazwischen ist alles meoglich. DIe Landschaft ist gepraegt von offenen Granitflaechen, Seen und in flacheren Bereichen von Wald, aber insgesamt sehr gut begehbar. Das Wegnetz ist durchmischt - von klassischen Wanderhighways (PCT) zu ‘unmaintained’ zu ‘Steinmaennchenjagd’ zu 'bushwhacking' kann man alles haben. Nicht immer ist vorher klar wie gut oder schlecht der Weg ist. Klassisches Beispiel siehe unten.

    Wenn man Skandinavien und Mitteleuropa gewoehnt ist, muss man sich vor allem an den Mangel an Regen im Sommer gewoehnen, und die Temperaturunterschiede tagsueber/nachts. Gelsen gibt es oft(Schmelzwasser, Unwetter), und je nach Winter (die Skigebiete um Lake Tahoe bekommen in regelmaessig mehr als 10m) liegt Schnee im Juni noch in den ‘tieferen’ Lagen, und selbst im Juli noch auf den etwas hoeheren Nordflanken. DIe zahlreichen Seen sind wunderschoen, wenn auch eher erfrischend kalt und die Wasserqualitaet ist insgesamt sehr gut (Filter & co werden trotzdem empfohlen). Korrektes Verhalten rund um Abfall, Entsorgung und Zeltplaetze sollten dafuer sorgen, dass das auch so bleibt.

    Was fuer mich neu war, ist die Anwesenheit von zahlreichen Schwarzbaeren, entsprechend gibt es einige Regeln zu beachten - baerensichere Behaelter, das Aufhaengen von Beuteln in Baeumen, und gekocht wird auch nicht direkt beim Zelt. Mir ist noch kein Baer ueber den Weg gelaufen, aber bei den ‘populaeren’ Zeltplaetzen rund um bestimmte Seen haben sich die Tiere offenbar einen naechtlichen Buffetrundgang angewoehnt, und sind auch recht gut darin, die Essen- und Muellbeutel aus den Baeumen zu pfluecken.


    Tips fuer Besucher:

    • Kalifornien hat mehrere sehr gute Sportketten (REI, Sports Basement) bei denen man sich kurzfristig und relativ erschwinglich Ausruestung ausborgen kann (Reservierung per Telefon/Internet). Das beinhaltet sowohl die baerensicheren Boxen, als auch Rucksaecke, Matten, Kocher & Co. Covid hat das etwas komplizierter gemacht, aber laeuft immer noch. Als Ultraleicht-Profi nicht ideal, aber wenn man nur einen Abstecher in die Berge als Teil eines road trips machen will, dann kann man sich einiges an Gepaeck sparen.
    • Anfahrt wie schon erwaehnt am besten mit dem eigenen (Miet)Auto. Die direkte Verbindung in den Sueden von Lake Tahoe ist im Winter gesperrt, fuer Fruehlingsreisen also lieber doppelt kontrollieren, dass man auch fahren kann.
      Public holidays (Memorial day, Independence day) fuehren zu viel Verkehr. Die Lake Tahoe Gegend vermeidet man am besten voellig, der Park selbst ist abseits der Hauptrouten immer noch relativ ruhig, aber langsamer Verkehr und Stau sind vorprogrammiert. Fahrezeiten gehen dann leicht in die Richtung von 5-6h. Koennte schlimmer sein: Schneestuerme im Winter an Frei- & Sonntagen koennen auch zu 8-12h fuehren.
    • Permits ausdrucken. An den beliebten Seen (und auch sonst) sind park ranger unterwegs. Idealerweise macht man auch den kostenlosen Mini-8minuten-Onlinekurs fuer das 'California Campfire Permit' (offiziell auch fuer Gaskocher notwendig).
    • Essensbeschaffung. Aus irgendeinem Grund sind 'Packerlgerichte' in den USA einfach kein Ding. In Oesterreich und Deutschland kann ich in Minuten aus der Fertigsuppen & Fertiggerichtecke ein abwechslungsreiches Menue fuer eine zweiwoechige Wanderung erstellen, angefangen bei Erbswurst, Steinpilz-, Eierschwammerl-, Tomaten- oder Gulaschsuppe bis hin zu Zucchinireis und Gnocci und dem ganzen Pastasortiment. Von Kartoffelpuree & co mit diversen Instantsaucen/saft mal gar nicht zu reden. Hier - existiert nichts davon. Mit etwas Hartnaeckigkeit findet man einige Varianten von Mac & Cheese, und Instantkartoffelpuree, und das war es auch schon wieder. In Covidzeiten sind die Preise fuer die 'high-end' gefriergetrockneten Backpacker Pantry Gerichten (kochen im Beutel) auch von 3-4$ auf 10-15$ hochgegangen (die Katastrophenprepper lassen gruessen). Im Moment stopfe ich die Loecher im Menue noch mit europaeischen Knorr/Maggi Hamsterkaeufen vom letzten Besuch, aber irgendwann wird das ausgehen. Meine Empfehlung: mitbringen, sonst gibt es oft Ramen. Bei der Einreise habe ich die Sachen ganz offiziell deklariert, gab bis jetzt keine Rueckfragen oder Beschwerden.



    2020, das Covid-Jahr

    Die bay area und Kalifornien sind schon seit Maerz im shelter-in-place Modus (SIP), in unterschiedlich harter Form. Essentielle Erledigungen ja, weite Reisen nein, Solo-Sport im Freien war immer erlaubt, Masken im Freien sind schon lange Pflicht, PCT hikern wurde ein Abbruch im Maerz empfohlen/vorgeschrieben. In der bay area hat es lange auch ‘ok’ (nach US-Standards) ausgeschaut, die groesseren Probleme mit Covid gab es rund um Los Angeles (ich gebe hier mal einen Datumsstempel hinein: Anfang Juli 2020).
    Das ‘Problem’ mit Wanderausfluegen ist die Anreise ueber county-Grenzen hinweg. Offiziell gilt immer noch die Empfehlung, ‘unnoetig lange’ Reisen zu vermeiden, gleichzeitig wurden aber die Nationalparks, Campingplaetze & Co schon lange wieder geoeffnet. Ist eine 2-3h Autofahrt ohne Kontakte (Grauzone) und ‘dispersed camping’ betrieben riskanter als lokale Joggingrunden im Park? Diskutierbar.

    Auf den Parkplaetzen und trail heads werden teilweise Masken getragen, ich tendiere dazu, zumindest auf den Einstiegsrouten die Maske griffbereit zu halten u. Die aeltere Generation (teils mit, teils ohne Masken) bedankt sich dann manchmal, dass man ‘sich um ihr Leben sorgt’. Ob das jetzt ironisch gemeint ist oder nicht, ist schwer festzustellen.

    Geändert von fechter (18.07.2020 um 00:05 Uhr)

  2. Gerne im Forum

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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #2
    Tour 1

    Loop Echo Lakes via Aloha lake, Suzie lake to Echo Lakes

    Um den 20. Juni 2020

    Das Abholen des Baerenkanisters dauert leider etwas lange, die Abreise verzoegert sich, und dann gibt es auch noch Unfaelle. Die Ankunft am Echo Lake trailhead ist entsprechend erst am spaeten Nachmittag, und es sind noch ein paar Kilometer zu bewaeltigen, damit man auch die korrekte Zone fuer die erste Uebernachtung erreicht. Normalerweise kein Problem, aber das ist die erste Wanderung seit langem, SIP hat die Fitness ruiniert, und fuer richtig leichtes Packen kenne ich das Wetter und die Gegend noch zu wenig.
    Der Parkplatz ist fast voll. Ein Vater haelt seinem Sohn (‘25. Geburtstagswanderung’) einen Platz frei, aber zum Glueck reisen um diese Zeit einige Besucher schon wieder ab. Nach kurzem Kreiseln winkt eine abfahrende Wanderin und zeigt auf die Bucht, die sie gerade freigemacht hat.



    Die Einstiegsstelle ist zivilisiert - Toiletten, eine Bootsanlegestelle (in besseren Zeiten gibt es ein Bootstaxi, das die ersten Kilometer abkuerzt) und ein park office. Wir haben unser Permit, und machen uns schnell auf den Weg und verpassen auch gleich den korrekten Einstieg auf den PCT. Nicht direkt am Wasser entlang einsteigen, erst einmal einen Schlenker nach rechts den Berg hinauf (diese Weisheit kommt vom Rueckweg). Nach ein paar hundert Meter rumklettern am Wasser veraergern wir mindestens eine Anglerin, und sehen dann den eigentlich trail weiter oben am Hang. Problem geloest.
    Die ersten Kilometer gehen erst Lower Eche lake entlang, dann Upper Echo lake und schliesslich langsam bergauf in Richtung Tamarak lake und der geplanten camp site suedoestlich von Lake of the Woods. Unterwegs im Wald eine erste Mueckenattacke, hektisches Suchen nach dem DEET (in der Baerbox, wie geht die Baerbox jetzt auf, wer hat eine Muenze, ARGH MUECKEN, Problem geloest). Beim naechsten Mal lieber zuegig weitergehen, die Muecken sind eher ein lokales Problem.
    Die mangelnde Fitness schlaegt auch schnell durch, die Umstellung von 1 auf ueber 2000m Seehoehe hilft nicht. Der Sonnenuntergang kommt auch schnell naeher. Die Aussicht ist jedenfalls grossartig. Wir sehen zwar rund um Echo lake viele Haeuser und Boote, aber nicht viele Wanderer, und die ersten Anzeichen von ‘echter Wildness’ kommen naeher.
    Wir tummeln uns, erwischen die Abzweigung auf Ralston Peak trail und stapfen noch kurz weglos durch den duenner werdenden Wald auf der Suche nach der Campsite. Das Zelt steht schnell, die Szenerie mit Restschnee Mitte Juni ist dekorativ, und vom Weg aus ist man nicht ganz leicht zu sehen.

    Gekocht wird dann 30m weit weg vom Zelt, gegessen im Dunkeln, und ein passender Platz fuer die baer can gesucht. 9km, 400m hoch, zelten auf 2450m, 2.5h unterwegs. Nachts etwa 4-5 Grad, tagsueber hohe 20, die Sonne macht es richtig heiss.



    Beim Fruehstueck, der auf Gas ‘geupdatete’ Trangia funktioniert bestens, gruessen die ersten Wanderer vom Pfad. Wie in Kalifornien ueblich, Kaiserwetter - strahlend blauer Himmel, das Zelt waermt sich nach 7 schnell auf.
    Packen, kurzer Abstieg zum Lake of the Woods. Sehr schoener See, leider populaer - also vorgegebene Zeltplaetze. Wir machen kurz Rast, filtern Wasser, und umrunden den See gegen den Uhrzeigersinn und wandern ueber einen leichten Grat - immer im Wald, alles relativ feucht.




    Nach einem kurzen Anstieg oeffnet sich dann das Panorma zum Aloha lake - absolut sehenswert. Kleine Inseln, Baueme, schneebedeckte Berge, jede Menge Granit. Wir hoeren ein paar andere Gruppen aus der Ferne, und treffen ein paar kleinere Gruppen, aber man laesst sich Platz. Wir treffen zwei Gruppen, die beide von naechtlichen Baerbesuchen berichten - in einem Fall hat der Hund (Tetrapackgroesse) ihn verscheucht.








    Ein Wanderer aus dem mittleren Westen haelt uns fuer ‘throughhiker’, was vermutlich heisst, dass unsere ‘ausfuehrlich erprobte Wanderausruestung’ nach amerikanischen Standards nur noch einen Hauch besser als Landstreicherniveau ausschaut. Aber die Frage, wie es amerikanische Tages- und Wochenendausfluegler immer schaffen, wie frisch aus dem Katalog gesprungen auszuschauen, ist fuer mich sowieso nicht zu beantworten. Vieleicht hat es auch etwas mit dem Wanderschuh zu tun, der eine DuctTape-Notreparatur braucht - ein leichter Riss eskalierte innerhalb von ein paar Kilometern in eine fast komplette Sohlenabloesung…




    Am oestlichen Seeufer gibt es dann einige Mini-Schneefelder zu queren, die Wege sind noch etwas matschig. Mittagspause mit Aussicht bei der Gabelung zu Le Conte lake, einige andere Wanderer verpassen die Abzweigung und schlagen sich auf der ‘falschen’ Seite am See vorbei.






    Wir glauben ein paar Baerenabdruecke im Schnee zu sehen, die sich bei genauerer Ueberlegung als Hundespuren entpuppen.




    Nach etwas Gruebeln, und weil der PCT doch recht busy und (zu) gut ausggebaut ist wird aus der in/out Route ein loop ueber Lily lake. Wir biegen am Nordende von Aloha lake Richtung Osten ab, und steigen ueber Heather und Susie lake ins Tal ab. Ein paar andere Wanderer campen bei Susie, uns kommen ein paar Gruppen mit Hund entgegen. Einige davon mit ‘Satteltaschen’, aber man sieht recht deutlich welcher Hund fit & durchtrainiert ganz routiniert damit den Berg hiniauf kommt, und welcher Hund schon etwas erschoepft ist. Ein Hund hat auch Fuesslinge an - wegen der scharfen Steine? Wald nimmt wieder Ueberhand, und irgendwann stolpern wir relativ erschoepft rechts vom Weg auf eine Lichtung, die nach einem brauchbaren Zeltplatz mit Panoramablick ausschaut. Zelten, kochen, Kuechenequipment in den Baum haengen, relaxen und schneller dip im Bach.
    12.5km, 250hm, etwa 4 Stunden unterwegs.



    Keine naechtlichen Besucher, die bear can ist noch immer da, es wird warm und waermer. Wir werden unsere Rundkursentscheidung heute noch mehrmals bereuen.
    Der Tag beginnt mit einem zuegigen Abstieg ueber Serpentinen, die ersten Tagesausflueger kommen uns entgegen. Teils mit, teils ohne Maske - wir haben unsere wieder griffbereit um den Hals und setzen sie rechtzeitig auf. Nach der Abzweigung zum Grass lake landen wir bald auf einer Forstrasse, die zum recht minimalistischen, aber gut klingenden Glen Apline Resort fuehrt. Bis zum trail head geht es weiter bergab, bis hinunter auf 2000m. Ueberall Tagesausfluegler, wir lernen spaeter, dass die meisten SIP-Fluechtlinge und zum ersten Mal hier sind. Ein richtiger Outdoorboom. Inzwischen braucht auch der zweite Schuh die gleiche Notoperation, ich bin beeindruckt wie ‘gleichmaessig’ das Material links und rechts auseinander faellt. Manchmal lohnt sich das Notfallset (mit DuctTape) tatsaechlich.
    Beim trailhead finden wir erstmal den Wiedereinstieg nicht, und laufen etwas planlos die Strasse rauf und runter, die anderen Touristen (siehe oben) haben ebenfalls keine Idee. Am Ende beschliessen wir, einem Trampelpfad zu folgen - und das war dann auch der offizielle Einstieg.

    Kleines Intermezzo: auch mit Karte ist es hier oft etwas schwer, den Zustand eines Weges an Hand der Klassifizierung fest zu machen. Manche ‘primary paths’ sind sehr ausgesetzt und stellenweise sehr minimalistisch, und ‘unmaintained trails’ koennen eine Wanderautobahn sein. Generell beweist Kalifornien im Gegensatz zu meiner Europa-Erfahrung mal wieder, dass Eigenverantwortung gross/groesser geschrieben wird - wenn man mal in der Wildnis ist, dann ist man richtig in der Wildness, und man sollte von wenig ‘bemuttern’ ausgehen (Farbmarkierungen, Sicherungen, Warnungen).
    (Eine Art von Wegmarkierung)

    Der Tamarack Trail entpuppt sich als ‘Herausforderung’. Im Wald ist es schwuel und Gelsen verfolgen hartnaeckig, im Pfad schwappt oft noch Schmelzwasser, und es wird steiler und steiler. Der Weg ist mit leichtem Gehoelz ueberwachsen, selbst in steilen Stuecken muss man sich ziemilch durchdruecken und bleibt regelmaessig mit dem Rucksack haengen. Leichtes scrambling ist notwendig. Dafuer, dass es sich um einen ‘primary trail’ handelt, also theoretisch wie den PCT, ist hier nicht viel gemacht worden. Aber zumindest kann man die Richtung nicht verlieren, und weiss, dass die Route begehbar ist.
    Nach ausgiebigem Schwitzen und Fluchen machen wir im letzten Steilstueck Pause, und die Handys piepen ploetzlich - das erste Netzwerk seit zwei Tagen, mit Aussicht auf Lake Tahoe.


    (Genau hier hat man Empfang)

    Ein entgegenkommender Wanderer kommentiert hilfreich, dass der ‘Vorteil der Strecke ist, dass es immer nur einfacher wird’. Wir sind einfach nur heilfroh, als wir endlich ins Flache kommen. Type 2 Fun (‘erst im Nachhinein lustig’).
    Wir driften ueber die restliche Huegelkuppe, treffen ein paar Wanderer die definitiv nicht diese Strecke weitergehen sollten (weil sie sich schon im Flachen ueber die ‘Steilheit’ beschweren), und sind froh, als der erste Echo lake vor uns auftaucht. Nach einer ausgiebigen Pause starten wir den Schlussteil, 4km die zombiemaessig im Autopilot abgehakt werden: PCT, breiter Weg, immer noch eine huebsche Gegend, aber zuviel Zivilisation. Zumindest finden wir den korrekten Ein/Ausstieg.

    Beim Auto kollabieren wir erst einmal fuer eine Stunde, bevor es zurueck geht. Bei Sonnenuntergang wieder in der bay area.



    16.8 km, 650hm, 5.5h. Ich frage mich, wie ich jemals 30km-Tage in Schweden mit doppeltem Rucksackgewicht geschafft habe.
    Geändert von fechter (17.07.2020 um 23:23 Uhr)

  3. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #3
    wow, ich werde dir interessiert und gespannt folgen!

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  4. Dauerbesucher
    Avatar von Fabian485
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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #4
    Ich ebenfalls! Sehr cool bis jetzt.

  5. Gerne im Forum

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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #5
    Das hoert man doch immer gerne! Gute Nachrichten: die zweite Tour ist schon passiert, und die dritte und vierte sind gebucht. Hoffentlich koennen sie auch stattfinden.

  6. Gerne im Forum

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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #6
    Tour 2

    Desolation Wilderness, Loop Rockbound trailhead, Rockbound pass, Schmidell lake (oder: Leland, mit mehr Motivation) and return via Red Peak Stock Trail, Maude lake to Rockbound trailhead.

    um den 4. Juli 2020

    Independence Day. Vorteil: eine Nacht mehr im Park (Do-So). Auf der negativen: alles rechnet mit einem ziemlichen Ansturm, Anreisestau, Chaos auf den Parkplaetzen. Ungute Berichte ueber Urlauber aus den Nachbarbundesstaaten in Lake Tahoe, die Party & COVID mitbringen. Der Plan ist also diesmal, soweit wie moeglich vom PCT und den anderen Hauptpfaden Abstand zu halten, und erst recht nicht in Richtung von Lake Tahoe (See & Stadt) zu schauen.

    Also: trailhead an der sued-westlichen Parkgrenze, Anreise bevor alle ankommen, fuers Wochenede in ein Nebental schlagen (soweit der Plan), und dann auf Umwegen wieder zurueck zum geparkten Auto bzw den trailhead. Unsere Uebersichtskarte zeigt keine Verbindung zwischen dem Red Peak Stock trail und Maude valley / rockbound trail an, aber irgendwie schaut dieses kleie Verbindungsttal mit den zwei unbenanntne Seen sehr flach und wanderbar aus. Wie schlimm kann eine Meile ‘bushwhacking’ durch Wald bzw ueber Granit schon sein?

    Die Anreise klappt diesmal gut - besser organisierte Abfahrt, weniger Verkehr und, noch wichtiger, wir haben systematisch etwas Gewicht eingespart (Gasvorraete, Kleinkram, Kleidung) und sind weniger paranoid was die Wasservorraete angeht. Statt Tabletten zur Desinfektion ist diesmal ein MSR Trailshot eingepackt (dh. Wasser ist gleich direkt drinkbar, ohne Stunden zu warten), was die Rucksaecke im Durchschnitt auch leichter macht.

    Der trailhead (‘Wright lake’) ist etwas abgelegener - man biegt direkt von der Schnellstrasse ab, und faerht dann fuer 10km steil bergauf in die Berge, bis man an mehreren anderen trail heads vorbei kommt. Bei Wright lake gibt es eine ‘regulaere’ camp site, die man buchen kann (momentan vermutlich nur mit halber Kapazitaet), und dann eben unsere Parkplaetze, wo man mit permit parken kann. Wir lassen den Ausdruck im Auto liegen. Nach einstimmigen Beschwerden bei Alltrails waren die Parkplaetze im Juni noch gesperrt (man musste auf zu bezahlende Parkplaetze beim Campingsplatz ausweichen), jetzt im Juli scheint alles offen zu sein. Wenn Schnee liegt, wuerde ich hier nicht fahren wollen.

    Am Parkplatz kommen wir gleichzeitig mit einer anderen Gruppe an, die etwas planlos ihr Gepaeck sortiert, und offenbar ein last-minute permit fuer eine Region gebucht hat, die sie realistischerweise heute nicht mehr erreichen werden. Sie diskutieren auch schon, wie sie dem Ranger das Problem mit ‘oh, we didn’t know and we were so tired’ erklaeren werden. Wir hoeren auch, dass sie keinen Kocher haben - was ok ist, weil Lagerfeuer sind zwar verboten, ‘aber’. Ich verstehe das Waldbrandproblem wieder besser.

    Wir veschwinden im Wald - schmaler Pfad, etwas sandig, leicht bergauf durch lichten Wald. Etwas warm, aber zumindest wenig Mosquitos. Die nach Euro-Standards gewaltigen Baumstaemme sind beeindruckend, besonders, wenn sie immer wieder mal quer ueber den Weg fallen. Auf den ‘gut begangenen’ Wegen werden sie meist irgendwann mit der Motorsaege minimalistisch entschaerft, weiter im Park klettert man halt drueber oder drumherum.









    Nach ein paar Kilometer, und offiziell jenseits der Parkgrenze, oeffnet sich ein weites, sonnenaufgeheiztes Granittal, es geht in kleinen Wellen bergauf. Auf dem Granit ist der Weg relativ gut mit Steinen markiert - manchmal Maennchen, manchmal auch eine minimalistische Steineinfassung auf beiden ‘Weg’seiten.



    Das Tagesziel ist Maude lake, und bald zeigt sich, dass man dafuer noch ueber ein oder zwei Schwellen im Tal klettern muss, mit schoener Aussicht in Richtung Startpunkt & die Waelder. Am Nordende von Maude lake stehen schon zwei Zelte, wir wandern noch ein paar Minuten weiter, schlagen uns rechts vom Weg in Richtung Bach (der sich als unzugaenglich entpuppt), finden aber einen weichen Zeltplatz neben einigen Granitmugeln und einem perfekten Baum fuers bear hanging (1-Baum Technik).







    8,5km, 2.5h, 350hm

    Beim Fruehstueck koennen wir zuerst einem, dann zwei recht unbeeindruckten Murmeltieren zuschauen, laut Alltrails heisst eines davon ‘Dennis’. Wenn wir die Ruckaecke etwas laenger alleine gelassen haetten, dann waeren sie wohl gepluendert worden - eines der Nagetiere hatte sich schon sehr nahe herangewagt, als wir kurz beim Zelt waren.



    Der folgende Anstieg zum rockbound pass ist ueberraschend einfach, nach den Erfahrungen von vor zwei Wochen. Vermutlich etwas bessere Fitness, etwas leichteres Gepaeck und mehr Wind - und weniger Gestruepp. Die Aussicht auf den Startpunkt wird immer besser.



    Oen an der Kuppe treffen wir zwei US army Leute auf ‘grossem Trainingstag’ (Wandern, Laufen, Schwimmen, pushups) - kein Radfahren, ‘diesmal’. Danach oeffnet sich dann der Blick auf das neue Tal, die Camper und China flats, und direkt vor uns, Doris lake. Gutes Plaetzchen fuer eine Jausenpause und frisches Wasser. Ich halte mich in etwa an den Prof von hier: https://www.latimes.com/travel/la-os...l26-story.html , der Wasser von der Oberflaeche von Seen empfiehlt. Auf 2500m, sehr klares Wasser, jede Menge UV Strahlung - macht irgendwo Sinn, wenn man schon keine Quelle findet.




    Rund um Lake Doris haben sich schon ein paar Leute einquartiert, sogar mit Campingstuehlen. Wir winken, und gehen weiter. Gemuetlich bei frischer Luft and jeder Menge Sonne geht es dann leicht bergab den Hang entlang, durch Wald, Restschnee und sumpfige Wiesen zu Lake Lois. Sehr viel Geroell, wir versuchen einen Bade- und Mittagspausenplatz zu finden, scheitern aber - der beste Platz ist schon besetzt, und auf der Halbinsel ist es zu windig. Pausiert wird am Ufer auf einem Baustamm, geschwommen erst mal noch nicht.



    Der See wird gemuetlich umrundet, beim Abfluss muss von Stein zu Stein zu Baumstamm gehuepft werden, was insgesamt unproblematisch ist. Danach dann wieder ueber einen Minipass bergauf durch den Wald, wir passieren die Abzweigung zum Red Peak stock (‘livestock’, also theoretisch mit Pferd und Esel gangbar) trail und wandern weiter in Richtung Schmidell lake. Der taucht auch schon bald auf, leider ein paar hunder Meter unter uns. Der See schmiegt sich in ein kompaktes Tal, im Suedwesten mit Wasserfall und Bach, um Suedosten mit einem zweiten kleine See und Abfluss.

    Entgegen unseren Erwartungen ist es offenbar eines der beliebtesten Ziele, und entsprechend haben sich schon ein paar Zelte gesammelt. Wir sind zum Glueck frueh genug dran, und entdecken einen etwas versteckten Platz zwischen den Granitwellen am Suedufer - weit genug weg vom Wasser um sich an die Regeln zu halten, aber mit leichtem Zugang zu mehreren Minibadeplaetzen (grosse Granitplatten, kleine Granitplatten). Das Zelt ist gut versteckt unterhalb des Granits, unser Koch- & Chill-Platz hat eine grossartige Aussicht auf den See. Wenn man Leute vermeiden will, koennte man noch eine Stunde zu den Leland lakes weitergehen - aber das waere direkt bergauf, weniger huebsch - und die neuen Wanderschuhe, die nach den Zerfallserscheinungen des letztens Paars notwendig waren, machen das, was neue Wanderschuhe fast immer machen: brennende Fusssohlen und Blasen. Wir bleiben also wo wir sind.

    Der etwas hoehere Zeltplatz ist auch praktisch, weil wir den park ranger, der hier seine Runde macht, schon von weitem kommen sehen, und auch sehen koennen, wie er, freundlich aber bestimmt, Leute von Zeltplaetzen scheucht, die zu Nahe am Wasser sind (Hauptargument: Muell weht ins Wasser). Das klappt auch recht gut. Bei uns reicht ein kurzer Blick aufs permit, eine Erinnerung, jedweden ‘waste’ doch bitte 300 feet vom Wasser zu entsorgen. Er gratuliert uns auch noch, weil wir den ‘besten Zeltplatz’ gefunden haben, und wirkt ueberrascht, dass der Platz am Nachmittag noch frei war.

    Womit er uns nicht helfen kann: wir haben auch auf dieser Tour wieder ein akustisches Problem: wir hatten bei der ersten Tour in zwei Taelern, und diesmal auch wieder, ein eigenartiges Geraeusch gehoert. Sowohl tagsueber als auch abends, aber nicht nachts. Klingt etwa so als wuerde jemand mit einem Didgeridoo mehrmals hintereinander in eine Regentonne blasen, 4-7 Mal, in etwa. Er schlaeg ein ‘loon’ vor, aber das war es definitiv nicht.



    Aus irgendeinem Grund habe ich trotz (gerade wegen?) der schoenen Lage wenige Fotos gemacht. Wir geniessen den Abend, und verschwinden dann bei (Voll)Mondaufgang ins Zelt. Geht sogar ohne Taschenlampe. Am gegenueberliegenden Seeufer wackeln um die Zeit ploetzlich noch einige Taschenlampen (weiss & rot) von einem einzigen Zeltplatz weg, offenbar alle auf der Suche nach einem privaten Toilettenplatz.

    8km, gute 2.5h, etwa 500hm

    Etwas Kartenstudium am Vortag hat zu einer Entscheidung gefuehrt. Wie bei der ersten Tour wird es kein out/back, sondern eine detour ueber den Red Peak stock trail. Wir sehen zwar keine offizielle Verbindung zurueck zum rockbound trail (ausser man will 4 Meilen ueber einen Forstweg wandern), aber am engsten Punkt sind die Pfade weniger als 2km voneinander entfernt, das Gelaende relativ flach mit zwei kleinen Seen - das sollte also machbar sein. Und im Notfall halt die vier Meilen abwandern. Der Weg ist offiziell ‘unmaintained’, nach den Erfahrungen vom ‘primary trail’ von der ersten Tour sind wir etwas unsicher, wie das ausschauen wird - vor allem, weil es auf ueber 9000 Fuss geht (2800m+), und wir noch mit Schnee rechnen muessen.

    Ein erster Anstieg zurueck zur Abzweigung, und wir laufen auch gleich einmal ohne jegliche Markierung ueber das equivalent von Almwiesen und duennen Wald, an kleinen Seen vorbei, immer dem leichten Grat folgend.







    Als wir in steileres Gelaende kommen, tauchen die ersten Steinmaennchen und ein etwas verwahrloster Trampelpfad auf, es gibt keine Zweifel mehr, dass wir noch richtig unterwegs sind. Allerdings geht es auch gleich direkt an einem grossen Schneefeld entlang. In einem Steilstueck treffen wir auf eine andere Vierergruppe, mit der wir heute noch ein paar Mal ueberholen/ueberholen lassen spielen, bevor wir ueber den Pass verschwinden. Der Weg veliert sich in hoeheren Lagen schliesslich wirklich unter Schnee, in der Mittagszeit teils auch recht weich, und zumindest einmal wage ich mich zu Nahe an einen groesseren Felsblock, und breche mit einem Fuss durch den Schnee. Sonst alles halb so wild, und wir koennen die Wasservorraete problemlos auffuellen.






    Der Trailshot filter verlegt sich langsam, laesst sich aber mit waschen & backflushing wieder instandsetzen. Vor dem Pass wird der Weg schmaler und schmaler, und ist schliesslich ein minimaler Trampelpfad in einem relativen steilen Wiesenhang, bevor es in ein paar Serpentinen endgueltig auf den Pass geht. Wir finden am Wegesrand eine sauber ausschauende Brille, und beschliessen sie mitzunehmen. Uns ist heute noch niemand entgegen gekommen, die wahrscheinlichste Wanderrichtung ist also die gleiche wie unsere.



    Im flachen Gelaende nach dem Pass treffen wir den ersten Wanderer aus der Gegenrichtung, auf unsere Frage nach der Brille erwaehnt er einen Wasserfilter weiter unten aus seiner Richtung. Irgendwer hatte offenbar keinen guten Tag. Wir machen in einem kleinen Kessel Mittagspause auf 2750m, hier gaebe es einige sehr huebsche (aber grossteils wasserlose) Zeltplaetze. Auf den naechsten Kilometern wird es dann wieder schnell gruener und nasser, wir entdecken eine Menge eigenartiger Tunnel direkt an der Erdoberflaeche (vermutlich gegraben als es noch eine Schnedecke gab), und, endlich, Baerenspuren! Diesmal richtige, auch wenn wir kurz ueber Vibram Fivefingers nachdenken. Die haben keine Krallen.





    Es geht zuegig bergab, der Weg wird sandiger und es wird heisser und heisser, irgendwie ist auf dieser Bergseite der Wind verschwunden, und die suedlichen Steilhaenge sind dann fast wieder so nass und heiss wie der Tamarack trail. Zumindest muessen wir diesmal nur bergab gehen. Der unmaintained trail kommt und geht, aber es eigentlich immer klar wohin es geht, und genauso unproblematisch wie alle anderen Wege bisher. Am Ende des Abstiegs, als wir in den richtigen Wald eintauchen und langam ueber unsere ‘freihaendige’ Wildwanderungsabzweigung nachdenken, sehen wir auch erste Anzeichen des ‘stocks’: Pferde oder Eselmist, und eine Lichtung, die moeglicherweise schon eine kleinere Pfadfindertruppe beherbergt hat (5-10 ‘brauchbare’ Zeltplaezte nahe beisammen, fast ohne spitze Aeste und Steine). Nach ein paar Blicken auf die Karte holen wir schliesslich den Kompass aus der Tasche, und biegen wir einfach in den Wald ab. Irgendwo einen Kilometer vor uns sollte ein kleiner, unbenannter See sein.

    Der eigenartig schwammig-weiche, aber trittfeste Boden ist ungewohnt, aber man kommt voellig problemlos voran. Nach ein paar Schlenkern um umgefallene Baeume und Granitbloecke wundern wir uns - hier ist doch ein Trampelfpad, der zu ausgetreten ist um nur von Tieren begangen zu werden. Die Richtung stimmt, irgendwann tauchen sogar frische Anzeichen von menschlicher Aktivitaet (mit Kettensaegen zerlegte Baeume) auf, dieser Weg wurde tatsaechlich aktiv gepflegt. Nochmal gecheckt; nichts auf der Karte.
    Nochmal ein paar Minuten spaeter tauchen wir beim See auf - wunderschoene Granitfelder, ein anderes Zelt, glasklarer See, ein paar Mosquitos. Ich mache eine kurze Erkundungsrunde um den See, ein Ablauf laesst sich zum Glueck auf einem Baumstamm ueberqueren, und finde auf der Westseite 100m weit weg von den beiden Seen ein traumhaft schoenes Plateau mit Sicht aus dem Park hinaus. Klassischer Lion King Hang, als haette jemand einen Campingplatz aus Granit gebaucht: Steinbaenge, sandige Zeltplaetze, ein paar Baeume. Nur die Mosquitos sind hardnaeckig.

    Eine Naturbruecke.



    Das Zelt ist schnell aufgeschlagen, das Abendessen und Lesen wird etwas von den Insekten vermiest. Ein Spaziergang zum Auskundschaften der Strecke fuer den naechsten Tag ist am Ende netter, bis dann die Sonne verschwindet, und wir den Tag ausklingen lassen. Aus der weiten, weiten Ferne hoeren wir ein paar Feuerwerksboeller - Independence day!

    10.7km, knapp 4h, etwa 500hm

    Am naechsten Morgen versagt der MSR Trailshot komplett - der Filter ist verlegt, die Filterkassette poppt einfach aus der Blase raus, und das experimentieren und reparieren mit schwaermenden Mosquitos macht keinen Spass. Wir kochen einfach das Kaffee- und Fruehstueckswasser etwas laenger, und wechseln fuer die letzte Wasserration dann auf die Tabletten zurueck.

    Den kleinen Granitgupf neben uns kann man wahrscheinlich im oder gegen den Uhrzeigersinn umgehen. Nach den Erfahrungen vom Vortag vermuten wir, dass es irgendwo einen Weg geben sollte, der nach unten ins Tal und zum rockbound trail fuehrt (nur halt nicht auf unserer Karte). Aus dem bushwhacking wird nichts - wir stapfen kurz und unproblematisch durch den Wald (noerdlich vom Gupf), und finden nach ein paar hundert Metern schon wieder den subtil ausgetretenen Weg und ein paar Steinmaennchen. Der trail folgt dann etwas laenger dem Hang in Richtung Norden als ich erwartet haette, aber die lokale Geographie aus grossen Granitbloecken und steilen Abrissen schreibt das halt so vor. Der WEg trifft dann kurz vor einer steilen Hangstufe auf den rockbound trail, den wir vom ersten Tag kennen. Kein Wegweiser, aber fuer die Zukunft wissen wir, wo man hier abzubiegen hat.

    Genau hier:



    Der restliche Ausstieg ist ereignislos - wir und einige andere Wanderer, die das lange Wochenende genutzt haben, sind alle in der gleichen Richtung unterwegs. Wir treffen zwei Minigrueppchen mit Hund, ueberspringen einen kleinen Bach und fragen uns immer wieder, warum wir uns nicht daran erinnern koennen, dass der Teil vom Weg doch so lange war. Die zahlreichen Schmetterlinge, Wildblumen und der eine oder andere See (Beauty lake) helfen etwas, aber irgendwann freut man sich dann doch aufs Auto, frische Kleidung und eine Rueckenlehne. Wir schaffen es trotz diversen Staus (weil 4. Juli) sogar noch vor Sonnenuntergang in die Zivilisation. Wir hatten am fruehen Nachmittag noch Glueck (etwa 4 Stunden Fahrzeit), eine Freundin war am frueheren Morgen unterwegs und brauchte fast 6 Stunden fuer die gleiche Strecke. Die verdienten Pizzen liegen schon auf dem Tisch bevor die Kleidung in der Waesche und wir aus der Dusche kommen.

    8,5km, 2.5h, 130hm. Keinerlei Handyempfang von Donnerstag bis Sonntag (ab Abzweigung von der Schnellstrasse bzw retour). Entspanntere, bessere & gleichmaessigere Routenplanung als beim letzten Mal. DIe Schuhe haben es diesmal alle ueberlebt, aber leider hat es die antike Schaufel nicht geschafft. Auch wieder etwa 15 Jahre alt.

    Geändert von fechter (21.07.2020 um 06:50 Uhr)

  7. AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #7
    Danke für den Bericht, bin schon gespannt auf die nächsten Kapitel.

    Besonders interessant fand ich den Artikel den du in Bezug auf die Wasserqualität verlinkt hast. Ich hab mich schon öfter gefragt, warum in Nordamerika Wasserfilter als so wahnsinnig wichtig angesehen werden. Bei uns in den Alpen würde ja kein Mensch auf die Idee kommen das Wasser aus einem Bach zu filtern. Wenn ich den Artikel ein wenig überspitzt zusammenfasse, dann liegt das offenbar daran, dass die Marketing Fuzzies der Filterherstellern den Leuten Angst vor ungesundem Wasser gemacht haben.

  8. Gerne im Forum

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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #8
    Zitat Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
    Danke für den Bericht, bin schon gespannt auf die nächsten Kapitel.
    Dankeschoen!

    Zitat Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
    Besonders interessant fand ich den Artikel den du in Bezug auf die Wasserqualität verlinkt hast. Ich hab mich schon öfter gefragt, warum in Nordamerika Wasserfilter als so wahnsinnig wichtig angesehen werden. Bei uns in den Alpen würde ja kein Mensch auf die Idee kommen das Wasser aus einem Bach zu filtern. Wenn ich den Artikel ein wenig überspitzt zusammenfasse, dann liegt das offenbar daran, dass die Marketing Fuzzies der Filterherstellern den Leuten Angst vor ungesundem Wasser gemacht haben.
    Kompliziertes Thema. Ich hatte frueher nie Desinfektionsmittel dabei, seit dem Artikel bin ich etwas aggressiver am Haende waschen/desinfizieren bevor ich die Jausenbox oder Schokolade auspacke. Haengt aber vermutlich auch mit Covid zusammen, vorher hatte ich nie Desinfektionsmittel gekauft (vom Erste-Hilfe Set abgesehen).

    Im hohen Norden hatte ich immer nur eine Tasse/Flasche dabei, in den Alpen wuerde ich in Almnaehe (mit Kuehen) auch nicht einfach aus einem Bach/Trog trinken - dafuer gibt es halt ueberall gefasste Quellen, und tendentiell mehr Tagestourengeher und Huetten mit Toiletten als hier.

    Hier kommen fuer mich ein paar Sachen zusammen. Das theoretische Ideal vom backpacking im backcountry, das dann oft als camping gelebt wird (Anreise mit dem Auto zu campsites). Toluome meadows ist ein schoenes Beispiel, mitten in der Yosemite Hochebene. Fuer backpacker ist es Stopp auf dem PCT, dem John Muir trail, fuer andere ein Autoausflug zu einem sehr, sehr schoenen camping platz (mal wieder: nicht mit Europa zu vergleichen, jede einzelne 'Parzelle' at das Format eines ausgedehnten Schrebergartens mit Feuersteller, mehreren Baeumen und einer Tisch-Bank-Kombi, nach meiner Erfahrung. Aber halt 300 davon, und sie nehmen auch Pferde und Hunde auf, und der kleine Fluss fliesst direkt neben der camp site.
    Wuerde ich dort Wasser trinken? Flussabwaerts davon? Aber das erwaehnt der Artikel ja auch als 'Problemzone'.

    Nur: wenn man am PCT wandert, dann teilt man sich den in einer Saison mit etwa 5000 Wanderern, und noch jeder Menge mehr Tagesauflueglern. Und man muss sich darauf verlassen, dass sich die alle an die Regeln halten, wo und wie weit weg vom Wasser sie denn ihre Haeufchen machen (und vergraben). Und das klappt zwar oft gut, aber oft eben auch nicht. Und dann kommen (auf das Thema bezogen) die warmen Sommertemperaturen (gestern in einem See auf 2300m geschwommen, kuehle Schwimmbadtemperatur) dazu, und ein paar 'suedliche' Krankheiten, die in Europa einfach nicht ueblich sind.

    Ich habe teilweise angefangen, die Strava Heat Map fuer die Reiseplanung zu verwenden. Dann sieht man schon ungefaehr, wieviel in einer Gegend los ist, und bei weglosen Gegenden auch, ob eine Route theoretisch machbar ist. Fuer COVID-Zeiten oder, in normalen Zeiten, fuer sozial scheue Personen sehr praktisch:



    Die helle Linie rechts im Bild ist der PCT (sehr viele Leute unterwegs), eine 'normale' Route mittig senkrecht, und dann ein paar unpopulaere Seen links (zb Highland Lake 1/5 links mittig. Um den wird es im naechsten Eintrag gehen. Ich waere mir relativ sicher, dass das Wasser dort noch trinkbar ist.

  9. AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #9
    Stimmt, ich habe nicht bedacht, dass in USA die Infrastruktur viel dünner gesäht ist, die Nutzung eine andere ist und zwangsläufig mehr Leute im Wald defäkieren.

    Dass man bei den üblichen Risikogebieten (Alm, Camp, Badesee, ...) nach Möglichkeit kein Wasser abfüllt ist ja eigentlich gesunder Menschenverstand. Mit deiner Erklärung zu den Hintergründen und den Infos aus dem Artikel habe ich das Gefühl, dass man den "normalen" Umgang mit Wasser aus Bächen, wie man ihn bei uns in den Bergen kennt wohl auch in Nordamerika praktizieren kann ohne, dass man sich sofort den Tod holt :-)

    So, jetzt will ich aber nicht weiter von deinem Bericht ablenken. Ich hatte den verlinkten Artikel nur angesprochen, weil mir das tatsächlich einen Erkenntnisgewinn gebracht hat. Danke nochmal dafür.

  10. Fuchs

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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #10
    Es ist vor allem auch die "no risk-policy" der Parks. Und da LNT sehr forciert wird, sind die Leute eigentlich allgemein recht informiert und bemühen sich. Dazu vielleicht eine gewisse "germ"-Manie. Wenn man aus Europa kommt und z.B. die Pyrenäen ohne Filter überlebt, findet man das alles eigentlich weniger dramatisch...

  11. Gerne im Forum

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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #11
    Tour 3

    Desolation Wilderness, In/Out von Van Vleck trailhead, zu Forni lake und weglos zum Highland lake.

    Mit etwas mehr Erfahrung mit dem Wetter, den Temperaturen und der Landschaft wird es diesmal etwas aufregender. Auf unserer Karte liegt mitten im Nordwesten der Desolation Wilderness ein See, zu dem kein Weg zu fuehren scheint. Fuer die Region westlich davon ist leicht ein permit zu bekommen, und der nahegelegene trail head ist abseits der Hauptstrassen, und laut Geruechten unproblematisch was das Parken betrifft. Nachdem ganz Kalifornien offenbar ‘the great outdoors’ entdeckt, und sowohl Ausruestung (bear canisters!) als auch gefriergetrocknete Gerichte landesweit ausverkauft zu sein scheinen, und eine Freundin letztens ziemliche Probleme hatte beim Wright lake trailhead einen Parkplatz zu finden, klingt das nach einer guten Kombination.

    Online Erkundigungen (ich finde langsam die obskureren online communities fuer crosscountry hiking in den high sierras) zeigen, dass Highland lake tatsaechlich eher unzugaenglich ist. Vom geplanten Startpunkt beim Van Vleck trailhead gibt es eine dokumentierte Route bis zum Forni lake, danach dann eine halb-offizielle Route (den Highland trail) bis zum Pass westlich des Kessels, die dann aber in Richtung Norden abbiegt. Theoretisch gibt es auch einen unmarkierten Weg zum Highland lake aus dem Nordosten, also dem Tal, in dem die Leland lakes (siehe Tour 2) liegen. Ein paar alte Berichte von High Sierra Fischern beschreiben den Abstieg von Forni peak zum See, und auf der Strava heatmap sieht man zumindest, dass manche Leute den Ab/Aufstieg versuchen, auch wenn sich die tracks vor dem steilsten Bereich verlieren.



    Ganz links ist Forni lake mit realtiv vielen Besuchern, der Highland trail von links bis zum Grat und dann nach Norden, rechts im Bild der Highland lake im Kessel.

    Das Gepaeck wird diesmal wieder leichter: der bear canister wird getauscht,von einem Garcia (etwa 1.4kg) zu einem BV500 (1.3kg), aber gleichzeitig mit mehr Volumen. Eine der beiden alten Moechtegern-Therm-a-rest self-inflating Matten hat aufgegeben (Ventilbasis loest sich vom Stoff und leckt, ein Klebeversuch scheitert) und wird mit einer echten Therm-a-rest NeoAir ersetzt. Ich wechsle bei angesagten 8-10 Grad nachts auf meinen budget-leichten 1.2kg Schlafsack und lasse den quasi-antiken 1.8kg Lappland-im-September Schlafsack zu Hause, und packe dafuer ein baselayer fur die Beine ein. Vermutlich ist es Zeit fuer eine richtig leichte Daunenloesung.

    Der Anreisetag beginnt mit Chaos: wegen Versandverzoegerungen muessen wir bei zwei verschiedenen Geschaeften stoppen, um den gemieteten bear canister sowie die neue Matte noch abzuholen, der Verkehr wirft dann den Rest des Tagesplans ueber den Haufen. Die Autofahrt ist interessanter als bisher - man faerht deutlich frueher von der Schnellstrasse ab, aber verbringt dann noch etwa 30 Meilen auf Nebenstrassen, die sich zuegig nach oben in die Berge winden. Unser Versuch, im letzten Moment noch einen aktuellen Wetterbericht zu bekommen, scheitert am fehlenden Handynetz - mit dem Abzweigen von der Hauptstrasse sind wir mal wieder von der Zivilisation abgeschnitten. Letzter Stand: Gewitter ab Sonntag mittags. Die Nebenstrassen, anfangs noch mehrspurig, werden zum Ende hin immer holpriger, einspurig und ganz am Ende gibt es ganz kurz keine befestigte Strasse mehr. Der Parkplatz ist staubig, und nicht einmal halb voll - selbst am Freitag um 17:45.



    Aber: wir haben nicht mehr viel Zeit um die Strecke zum Forni lake, dem geplanten ersten Zeltplatz, vor Sonnenuntergang zu schaffen. Etwa 8km liegen vor uns, der Start ist diesmal relativ weit unten (6500ft, etwas unter 2000m), der See ist auf gut 2400m gelegen. Die Karte verraet einen sehr gemuetlich-flachen Einstieg, und zwei steilere Haenge zum Ende hin. Zwei junge Burschen wandern gerade los als wir einparken, kurzes Winken aus der Ferne, sie sind in die gleiche Richtung unterwegs.

    Die ersten drei Kilometer sind eine Forststrasse und entsprechend einfach, inklusive gefasster Bachquerung, bei einem Minihandymast (trotzdem, kein Netz) biegen wir ab. Ein sandiger Trampelpfad windet sich durch dichten gruenen Wald, die trockene Sommerzeit scheint hier noch wenig Spuren hinterlassen zu haben. Ueberall blueht es, die abendliche Luft ist angenehm kuehl, die Muecken halten sich fern. So macht wandern Spass.





    Waldstuecke wechseln sich mit mit eigenartig blaettrig bewachsenen ‘Almwiesen’ ab, bis wir schliesslich durch huefthohe Straeucher und Buesche den ersten Steilhang erklimmen. Noch ist die Sonne ueber dem Horizont. Am Ende des Hangs landet wir in einem sehr brocken-lastigen Gebiet, velieren erst einmal den Weg und huepften von Granitblock zu Granitblock, bis die Markierungen wieder auftauchen. Der naechste Steilhang bringt uns wieder zum Schwitzen, oben angekommen steht man aber auf einem sehr dekorativen Plateau mit Aussicht in den Westen. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir Forni lake, entdecken die beiden Wanderer von vorhin, die gerade noch schwimmen waren, und beschliessen unser Lager weiter unten auf dem Plateau aufzuschlagen. Mit eingespielter Routine steht das Zelt in ein paar Minuten, das erste Wasser kocht, und wir koennen beim Abendessen zuschauen, wie die Milchstrasse auftaucht. Wir suchen auch nach dem Neowise Kometen, aber leider sind in der Richtung zu viele Wolken (und wir sind vielleicht auch zu ungeduldig, um den Mond untergehen zu lassen). Dafuer tauchen ein paar sehr dekorative Sternschnuppen auf.
    Diesmal passt alles in den bear canister, wir sparen uns also das Aufhaengen.





    8.5km, 500hm, gute 2.5h. Wird ja langsam wieder.

    Der Samstag ist nicht ambitioniert verplant: gemuetlicher Austieg zum Grat, und erst einmal begutachten, ob der Abstieg tatsaechlich funktionieren wird. Vielleicht einen der peaks links oder rechts besuchen (Tells, McConnel), und dann hinunter.

    Mit der ueblichen Kaffee, Tee, Muesli-Routine brechen wir auf, gruessen die beiden Kollegen (morgendliches Schwimmen im See) und folgen den ‘ducks’ den Hang hinauf. Am See versuchen wir noch etwas Wasser zu filtern, aber der fast neue MSR trailshot versagt trotz ausgiebiger Reinigung. Die rote Filterkassette poppt immer wieder heraus, nach dem Problemen bei der letzten Tour tippe ich auf einen Herstellungsfehler & zu lockeren Sitz. Fazit: lieber bleiben lassen, geht zurueck ans Geschaeft.







    Selbst hier, auf 2400-2600m ist noch alles recht gruen. Der Westhang des Massivs, mit fast freier Sicht bis an die Kueste, duerfte einiges mehr an Niederschlag abbekommen als andere Gebiete. Kurz nach dem Start verliert sich wie erwartet der offizielle Weg, aber kleine Steinmaennchen weisen den Weg ueber steile Waldhaenge, kurze Sumpfwiesen und den allmaehlichen Anstieg zum Grat. Es ist quasi windstill, und die Sonnenhitze und relative Feuchtigkeit schlagen wieder voll zu. Das Wandern macht deutlich weniger Spass als am Vorabend, als es kuehler war. Wir ueberlegen, in Zukunft einfach frueher aufzustehen, und dafuer eine lange Mittagspause zu machen. So wie es geruechteweise die through-hiker halten.



    Was aber sehr beeindruckend ist: nach den, naja, zwei Wandertagen im Gruenen ist die ploetzliche Fernsicht vom Grat eine echte Offenbarung. Ein paar Schritte, und ploetzlich tut sich da eine andere Welt auf. Die Luft hier ist sowieso immer sehr klar, aber der drastische Wechsel von Wald zur kahl-grauen Graniteinoede der Desolation Wilderness ist beeindruckend. Und der See dort unten schaut wirklich sehr zeltbar aus. Der Weg dorthin - das ist ein anderes Thema: steil, erst einmal.






    Unsere Zufallswanderkollegen tauchen quasi gleichzeitig auf, sie haben einen leicht versetzten Anstieg gewaehlt. Wir teilen uns, aus weiter Ferne, den See auf - wir nehmen die gruene Seite als Zeltplatz, die beiden waehlen den Granit auf der Nordseite, beim Ausfluss. Aber erst einmal - wie kommen wir dorthin?


    Camper/China flats im Hintergrund, Seeabfluss am hinteren Ende des Sees, wir zielen auf die rechte vordere Ecke mit den Baeumen. Aber erst:

    Wir folgen den ersten Steinmaennchen steil bergab, und biegen nach den ersten, recht senkrechten Hoehenmetern nach rechts ab. Zwischen Steine, ueber Steine, kraxeln ist angesagt. Zwischendurch kleine Wiesenstuecke und immer wieder duftende Bergkraeuter- es geht unterschiedlich gut markiert abwaerts, und nach rechts (also Sueden). Der Weg nach unten wird schliesslich durch einen vertikalen Felsabbruch blockiert, den wir oberhalb umwandern wollen - und die noch immer vorhandenen duckies werden wohl nicht grundlos da sein.



    Irgendwann realisiere ich dann, dass wir uns recht weit von den Strava heatmap tracks entfernt haben, und die Steinmaennchen wohl nur den Weg Richtung in Richtung McConnell peak weisen - wohin wir aber nicht wollen. Etwas ueberhitzt machen wir erst Mittagspause, bevor wir uns eine Abstiegsoption suchen, um diese nervige Steilwand abhaken zu koennen. Zwischen ein paar Baeumen findet sich eine relativ rutschige Option (Nadeln!), die sich promt in ein stabileres Geroellfeld vewandelt.







    Aus der Naehe sind die Steinchen recht unhandlich, keinerlei menschliche Spuren sind zu sehen. Wir vertrauen darauf, dass sie nicht ausgerechnet jetzt wieder zu rollen anfangen, und arbeiten uns nach unten. Es fuehlt sich vermutlich laenger und nerviger an, als es auf den Fotos ausschaut. Ich bin recht froh um die festen Schuhe, mit leichten trail boots haette das weniger gut geklappt.




    Fast geschafft.

    Im flacheren Teil kann man dann grossteils den griffigen Grantiplatten folgen, und wir finden schnell einen Zeltplatz in einer sonnigen Kule. Wir halten uns mal an die vorgeschriebenen 30m Abstand zum Wasser, einige vorher genutzte Plaetze sind definitv naeher dran (Minimum: 3 Meter). Aus der DIstanz sehen wir die Wandernkollegen - sie hatten noch den Umweg zu Tells peak, am noerdlichen Ende des Grats, gemacht, und sind dann von dort abgestiegen. Offenbar auch nicht schneller, schaut aber insgesamt sinnvoller aus als unsere etwas ‘sketchy’ Loesung.

    Wir verbringen ein paar Stunden am Seeufer, entspannen. Im Forni lake sahen wir Fische springen, hier ist das Wasser ruhig (schwimmbare Temperaturen) - bis sich mit lautem Grummeln eine schwarze Wolke ueber das Tal waelzt, und ein paar Boen Wellen aufwerfen. Wir schauen dem kommenden Gewitter entspannt entgegen, das Zelt ist in der Naehe und schon gut abgespannt.










    Eine Stunde spaeter fallen dann die grossen Tropfen - unser erster Regenschauer in Kalifornien seit wahrscheinlich Februar. Ungewohnt. Wir verschwinden im Zelt, auch angenehm. DIe naechste Stunde wechseln Regenschauer (entspannend) und Sonne (zu heiss) sich im Minutentakt ab, als wir wieder aus dem Zelt kommen, sind die Granitbloecke wie von Zauberhand wieder staubtrocken, und es schaut aus, als waere nichts passiert. Nur auf der Plane sammeln sich noch die Tropfen.


    Regen in Kalifornien. Who knew...

    Der Abend vergeht mit Kochen und einem Erkundungsspaziergang: wir wollen diesmal den korrekten Aufstieg erwischen. Ich stelle noch einen Wecker fuer Mitternacht (Neowise Komet), allerdings verschlafe ich den komplett.

    Glorreiche 3.5 km, 311 hm, 1.5h Gehzeit. Huegel hoch, Huegel runter, entspannen.

    Nachdem wir uns diesmal (zum letzten Mal!) einen bear canister ausborgen mussten, wollen wir vor 17:00 wieder an der Kueste sein - das Sportgeschaeft schliesst um diese Zeit. Also wieder auf den Grat, und etwa 9 km bergab zum Parkplatz, die Abfahrt sollte gegen 13:30 sein. Damit sich das ausgeht, steht ein frueher Start auf dem Programm. Das Zelt ist schon ausgeraeumt und abgebaut bevor das Fruehstueck fertig ist, auch wenn die letzten Kondenswassertropfen hartnaeckig nicht trocknen wollen.
    Der Anstieg entpuppt sich als leichter als erwartet: im unteren Teil grossraeumige Serpentinen, dann gezielt gerade den Hang hinauf, und nach ein paar Fehlversuchen und etwas kombinierten Hand- und Fusseinsatz an Schluesselstellen stehen wir in deutlich unter einer Stunde schon wieder auf dem Grat. Die ‘Nordroute’ ist auf jeden Fall mehr zu empfehlen. Bei (Rest)Schnee sollte man den Abstieg am besten erst gar nicht versuchen.

    In ganzer Schoenheit: der Anstieg.




    Anstieg oben/noerdlich, Abstieg unten/suedlich. Letzterer: nicht zu empfehlen.

    Zur Feier wird gefriergetrocknete ‘Eiskrem’ getestet. Fazit: ein einmaliger Kauf. Im Sinne von: nicht nochmal.

    Den Abstieg absolvieren wir in zuegigen Etappen. Das erste Drittel (an Hoehenmetern) zu Forni lake bringt uns zum Mittagessen und einer kurzen Schwimmrunde, das zweite Drittel beschert uns die ersten ‘neuen’ Menschen seit zwei Tagen: etwa zehn Wanderer sind als Tagesausfluegler unterwegs, teils mit etwas nervoesen Hunden. Man laesst sich Platz.

    Diesmal mit Tageslicht:








    Das letzte Drittel ist dann der allmaehliche Ausstieg im flacheren Wald. Mit einem Auge auf der Uhr setzen wir Streckenrekorde - es geht gleichmaessig bergab, die Arme haben schon etwas zu viel Sonne abbekommen, und die Vorfreude auf ein klimatisiertes Auto steigt in der Mittagshitze schnell. Trotzdem - bei hellem Tageslicht sind die zahllosen Schmetterlinge in allen Farben, die kalifornischen Wildblumen in voller Bluete und der lichte Wald auch noch ein Genuss. Nur der Geruch der Bergkraeuter war weiter oben intensiver. Hinter uns grummelt auch wieder eine Gewitterwolke, die sich aber zum Glueck bis zum Parkplatz geduldet und uns erst ein paar Regentropfen zu Gute kommen laesst, als wir schon im Auto sitzen. Puentklich um 1:30 sind wir am Parkplatz - nur macht uns der Verkehr einen Strich durch die Rechnung: das Sportgeschaeft verpassen wir um eine Viertelstunde, nach knapp 4h Fahrzeit.

    10.5 km, 2.5 h in Bewegung, 311 hm (und viel mehr bergab).

    Fazit: etwas schlechter zu erreichen, aber ein sehr imposanter Wechsel von Wald zu Granit, vielleicht lade ich das Video noch hoch. Nur fuer fortgeschrittenen Wanderer, die auch mit Steilhaengen zurecht kommen, und vor Handeinsatz nicht zurueckschrecken. Vielleicht beim naechsten Mal als Startpunkt fuer eine laengere Tour in Desolation Wilderness? Der duenne Schlafsack reicht vorlaeufig aus und macht den Rucksack angenehm leicht & leer.

    Wir haken das MSR trailshot Experiment ab. Trotz regelmaessiger Reinigung & back-flushing sitzt der Filter einfach zu locker in dieser Blase. Ich versuche noch hartnaeckig den Kundenservice zu erreichen, werde aber 10 Tage lang ignoriert, schliesslich bringe ich ihn einfach zurueck ins Geschaeft. Schade, die Idee klang nicht schlecht. Als Ersatz nehmen wir zwei Sawyer Squeeze mit - geplant ist sowohl eine in-line Nutzung zwischen Trinkbeutel & Schlauch, als auch als gravity-flow System beim Lager.
    Geändert von fechter (04.08.2020 um 07:38 Uhr)

  12. Gerne im Forum
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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #12


    Danke für die wunderbaren Eindrücke und praktischen Erfahrungen. Eigentlich wäre ich da ja vor drei Wochen auf meinem Thru vorbei gekommen, so sind es Berichte wie deine die den PCT-Entzug erträglich halten.
    There is only one single long trail, and you never stop walking it.

  13. Gerne im Forum

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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #13
    2020 ist echt nicht das Jahr fuer sowas. Fruehe Waldbraende und extrem schlechte Luftqualitaet haben vorlaeufig mal alles lahmgelegt. Als waere Covid nicht genug... einen Minibericht habe ich noch nach zu holen, immerhin.

  14. Neu im Forum

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    AW: [US] Desolation Wilderness, California: Escape COVID (immer wieder)

    #14
    Danke für den tollen Bericht und die super Bilder!

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