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    [DE] Tourenbericht Spree Beeskow-Grünau

    #1
    Das letzte Mal Ruhe, bevor der Flughafen Schönefeld endgültig öffnet.

    Das war die Entscheidung für eine spontane Tour vor der Haustür quasi, weil coronabedingt meine Urlaubspläne ins Wasser fielen.

    Jahrelang bin ich min. einmal jährlich die Spree Fürstenwalde-Erkner gepaddelt. Mit zwei Übernachtungen. Habe es dann aufgeben, weil in Schönefeld ja doch schon so einiges los ist und wenn ich eines nicht so ab kann abends am Zeltplatz ist es Fluglärm.
    Geplant war die Strecke Beeskow – bis irgendwo in Berlin, spontan zu entscheiden.
    Unbekannt ist mir die Strecke nicht. Nur das Beeskow bis Fürstenwalde auch schon wieder ein paar Jahre her ist.

    Montag 25.05.

    Spätmittags an der Einsetzstelle in Beeskow angekommen fange ich an das Packraft startklar zu machen.
    Aufgepumpt ist es schnell, nur wie jetzt packen? Habe das Packraft noch nicht so lange und den Bogen damit noch nicht so gut raus. Während ich am rumräumen und ausprobieren bin, fängt es an zu regnen. Auch das noch. Also Hund geschnappt und rein ins Boot. Die Plane über den Hund gespannt und los geht´s. Bald regnet es nicht nur, es schüttet.

    (Das Bild ist nicht von der Einsetzstelle, sondern einen Tag später gemacht worden)



    Es kommt Lärm von einer Fabrikanlage. Von daher bin ich ganz froh über die Regengeräusche.
    Irgendwann hört es auf zu regnen, der Fabriklärm ist vorbei und das Geschnatter eines Drosselrohrsängers geht los. Ich liebe diesen Sound! Schließlich prasselt es wieder los, Windböen inklusive.

    Weil mir etwas zu warm war, hatte ich die Regenjacke nicht ganz zu gemacht und eine Windböe treibt mir einen Schwall Regen unter die Jacke. Zack, bin ich klatschnass am vorderen Oberkörper. Sowas blödes ist mir auch noch nicht passiert. Es dauert nicht lange und mir wird kalt. Richtig kalt. Shit, Unterkühlungsgefahr. Ich halte Ausschau nach einem Platz zum Aussetzen. Zum Glück finde ich schnell was passendes, meine Hände werden langsam gefühllos, Handschuhe habe ich keine dabei, es ist schließlich Frühling. Der Regen macht eine kurze Pause. An Land geht alles sehr schnell. Kurz bevor Zitteranfälle anfangen, steht mein Zelt, ich bin umgezogen und dick eingepackt, es fängt wieder an zu regnen, der Kocher brodelt. Nach einem heißen Tee und einer Asiasuppe geht es mir wieder gut. So schnell kann es gehen. Eigentlich ganz angenehme Temperaturen und 10 Min. später sieht die Welt ganz anders aus.

    Nach einer Weile hört es auf zu regnen und die Sonne kommt raus. Ich schau mich genauer um, wo ich eigentlich mein Zelt aufgeschlagen habe und beschließe hier ruhigen Gefühles bleiben zu können.

    Habe schon länger nicht mehr alleine gezeltet und muss erst wieder mein mentales Programm abspulen, dass kein böser Messerkiller kommt und nein, auch keine Wölfe nachts am Zelt, die meinen Fiffi fressen wollen. Obwohl, das weiß man nie so genau. Mittlerweile weiß ich durch persönliche Gespräche von mehreren Begegnungen in Brandenburg, wo sie sehr nahe kamen, unabhängig davon, ob Hunde dabei waren oder nicht und hatte selber auch eine, bei der es sehr nah war. Eine zweite, da waren sie etwas weiter weg. Wir haben uns gegenseitig angestarrt gehabt. Tagsüber.

    Habe immer noch keine Lust die Erste zu sein, die nachts am Zelt Besuch bekommt.
    (Mittlerweile habe ich gesehen, irgendwo in den ODS Weiten verlinkt, dass es nun einem Zelter passiert ist, nachts Wolfsbesuch bekommen zu haben.)

    Für das Abendprogramm ist eine Nutria Familie zuständig, die sich ausgiebig betrachten und bewundern lassen. Bei Zuruf schauen sie neugierig, scheinen null ängstlich zu sein.
    Angenehme Nachtruhe begleitet vom Drosselrohrsänger, den Geräuschen eines Schwanenpaares und einiges andere Getier.

    8 km heute zurück gelegt.



    Dienstag 26.05.

    Heute geht es über die Drahendorfer Spree. Darauf freue ich mich richtig. Ich mag es da.

    Die Selbstbedienungsschleuse in Neuhaus gibt es leider nicht her, alleine schleusen zu können und so muss ich umtragen. Irgendwie kommt mir das Gepäck sehr schwer vor. Das hatte ich schon auf der Zugfahrt gedacht. Obwohl es real mit allem Drum und Dran „nur“ ca. 24 kg wiegt, was für Paddelgepäck ein Witz ist. Für eine Packrafttour allerdings viel, doch mein Trolley und das umfangreiche Essen, Tütenzeugs ist nur auf Reserve mit, treiben das Gewicht ein wenig hoch. Trotzdem ist das Umtragen recht einfach, weil ich alles auf den Trolley packen und schieben kann.
    Die Drahendorfer Spree ist wie ich es in Erinnerung habe und ich genieße die Zeit dort. Trödel rum, lege öfter an, schau mal hier, schau mal da. Gehe den Kanal besuchen, der parallel zur Spree verläuft.
    Ist dort nur ein kurzes Stück über einen Hang.

    Tja, nur die Drahendorfer Umtrage, die habe ich zum Glück nicht mehr so auf dem Schirm gehabt, die ist nämlich für Leute wie mich richtig fies.
    Den Trolley kann ich nicht nutzen, da der Weg ungünstig beschient ist. Mit der Lore kann ich allerdings auch nichts anfangen, weil die mir viel zu schwer ist. Also, ein paar Mal hin und her laufen und das ganze Zeugs tragen.
    Umständlich das Boot wieder beladen. Puh, das war jetzt doch ein wenig anstrengend. Mir steckt die Kältezeit vom vorigen Tag wohl noch in den Knochen, bin ein wenig drüber.

    Ein (vermutlich) Paar mit einem Feststoff Kanadier hat es da einfacher. Sie können die Gleislore nutzen und sind schnell fertig. Während ich noch ein wenig auf dem Wasser verschnaufe, ziehen sie an mir vorbei. Ich überlege, wie weit sie wohl noch wollen und schaue mich schon mal nach einem Übernachtungsplatz um.
    So optimal sind die auf diesen Abschnitt hier nicht, dies weiß ich, doch man kann ja auch Glück haben.

    Nach einer Weile, entdecke ich einen richtig guten Platz. Nur leider besetzt von der Kanadier Besatzung. Etwas ärgerlich. Also weiter suchen. Mir schwinden ein wenig die Kräfte, mit der letzten Umtrage hatte ich es irgendwie und ich beschließe, den nächsten Jübermann schwarzen Dreieck Platz* einfach zu nehmen.

    Komme an, es ist eine Ecke zu einem kleinen Abzweig, werfe mein Gepäck an Land, boote aus und stelle fest, diese Stelle ist suboptimal und nicht wirklich zum Zelten geeignet. Bin es teils gewohnt mein Zelt an den unmöglichsten Stellen aufzubauen, als Wasserwanderer bleibt einem manchmal nichts anderes, doch hier finde selbst ich nichts.
    Was nun? Wieder alles einpacken? Nee, kein Bock mehr. Zudem packe ich das auch nicht mehr. Bin fix und foxy. Einfach so im Grünen schlafen mag ich nicht wegen der Zecken.
    Erstmal was essen.

    Danach schaue ich mir auf einen Minispaziergang die Umgebung genauer an. Ha! 200 Meter weiter, da ist ein guter Platz. Also, das ganze Geraffel wieder zusammen gepackt und umgezogen. Trolley geht nicht, da Stoppelfeld. Jetzt reichts mir aber mit der Schlepperei für heute.
    Der neue Platz ist ruhig, schnell steht das Zelt, direkt neben dem Feld, ich schlafe tief und fest.

    23 km gepaddelt.



    Mittwoch 27.05

    Lange geschlafen für meine Verhältnisse. Werde wach durch die Geräusche eines Frachters. Gemütlich los.

    Abbau:



    Frühstücksaussicht:




    Heute ist die Strecke teils nicht ganz so schön, da geht es an Fürstenwalde vorbei einschließlich einer Fabrik vor den Toren der Stadt. Aber bis man erstmal da ist. Schön, ruhig (abgesehen vom Abschnitt unter derAutobahn), bestes Wetter, außer mir keiner zu sehen auf dem Wasser. An der Schleuse dort umtragen ist easy, da ich den Trolley wieder benutzen kann. Viel los in Fürstenwalde und näherer Umgebung. Alle scheinen am Wasser zu sein. Jugendliche mit Musik, Angler, Frauen allein auf der Decke mit Buch in der Hand. Schlecht für mich, so finde ich keinen Platz zum Übernachten.

    Suche also länger rum, als ich vorweg dachte und dann sehe ich sie. Die kleine Insel. Zig mal schon dran vorbei gepaddelt, doch nie genauer darauf geachtet. Diesmal also Halt gemacht, für gut befunden, schnell steht das Zelt. Ich fühle mich total sicher. Egal, ob böser Messerkiller oder Wolfsrudel, hier würden sie sich durch Wassergeplansche auf alle Fälle vorweg bemerkbar machen.

    In die Dämmerung rein ich höre ich Geraschel vom Festland und sehe ein großes, schwarzes Etwas rumhuschen. Wohl ein Biber. Aber schwarz? Nie gesehen vorweg. Ein wenig wird mir mulmig. Sieht doch recht groß aus und jetzt ist Biberangriffszeit. Falls sie Nachwuchs haben. Das Theater hatte ich 2015 an der Müggelspree. Mit dem Hund ins Wasser zur Abkühlung war unmöglich gewesen, weil ein Biberpaar sofort auf Attacke ging. Selbst beim Kochtopf ausspülen kam sofort einer angeschossen.

    Brauche ewig um das Handy raus zu kramen, es anzuwerfen und das Foto was ich schaffe ist unscharf.
    Weiter komme ich nicht zum Foto schießen, der Biber macht sich schwimmend auf dem Weg zur Insel. Oh nö. Baue mich am Ufer auf, mit dickem, langem Ast in der Hand, rufe etwas und kloppe mit dem Ast auf den Boden. Der sieht mich, versteht, wendet, schwimmt zurück und war von da nicht mehr gesehen.

    Der schwarze Klops, das ist er:



    Die Nacht ist leider nicht so ruhig wie erhofft. Der Zivilisationslärm von der Bahnlinie und der Straße nerven etwas. Das war doch früher nicht so laut? Bin ich empfindlicher geworden? Hm.



    14 km.


    Donnerstag 28.05.

    Ich erwache unfit. Die Nacht nicht gut geschlafen. Von wegen Ruhe auf dem Land. Die Züge ratterten, dass es eine Freude war. Da mein Hund altersbedingt schwerhörig ist und nicht mehr anschlägt habe ich meine Ohropax zu Hause gelassen. Grober Fehler.

    Nach kurzer Zeit kommt die letzte Umtrage auf dieser Tour. Große Tränke.

    Ich verweile dort länger. Irgendwie habe ich heute gar keine Lust auf paddeln. Es kommt Wind auf. So richtig Wind. Eine Schulter, wo ich sonst nie Probleme habe fängt an zu schmerzen. Versuche die Haltung zu variieren, doch es hört nicht auf zu zwicken. Schließlich lasse ich mich von einer Windböe an Land wehen, geh dort raus, mal schauen und wow, sehe den perfekten Platz!

    Wenig später liege ich im Zelt und halte einen ausgiebigen Mittagsschlaf.

    Zeltaussicht:




    Danach wird gekocht und gegessen. Niemand scheint mehr vorbei zu kommen, also mache ich mit dem Hund eine größere Runde, ohne große Sorge zu haben, dass jemand sich an meinen Sachen zu schaffen macht. Geniale Waldwiesenlandschaft.



    Finde einen bequemen alten Baumstamm, sitze ewig herum.

    Mir geht es prima. Lasse meine Gedanken schweifen, schnitze ein wenig, meine Hündin hüpft umher und versucht nochmal den Jungspund rauszulassen.
    Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe ist? Hier fühle ich wohl. Überlege, ob man das wohl als Dauerzeltplatz mieten könne.

    Die Straße und die Bahnlinie sind etwas weiter entfernt diesmal, von daher ziemlich nachts Ruhe und die Frösche geben alles. Ich mag Froschgequake. Verstehe ich gar nicht, dass deswegen Nachbarschaftsstreits geführt werden können.

    5 km.


    Freitag 29.05.

    Etwas traurig weiter zu müssen. Kurz darauf bin ich in Hangelsberg. Weithin zu hören anhand diverser Rasenmäher und sonstiger Samstags-ich-mache-was-am-Haus-Maschinen. An sich ist ab da zumindest für meinen Geschmack die Landschaft nicht mehr so toll. Dafür allerdings das Wasser. Ich schaue fast nur noch ins Wasser und sehe im Laufe der nächsten Stunden so ziemlich alle Fischarten, die dort die Spree zu bieten hat. Der Wels ist auch ganz passabel, immerhin noch kleiner, als mein Miniboot.
    Als ich mal nach oben schaue, sehe ich eine wunderschöne Wolke, sieht aus wie ein Zeppelin (da würde ich gerne mal mit fliegen) mit Fenster, Eingang. Alles deutlich zu erkennen. Bis ich das Handy rausgekramt habe, löst sie sich allerdings schon auf.




    Weiter geht es mit Blick ins Wasser, bis ich Geräusche an Land höre. Sitzt ein Typ (wahrscheinlich) mit schwarzem Hoody und Kapuze über den Kopf auf einem Baumstamm mit dem Rücken zum Wasser und ist mit irgendwas beschäftigt. Sein weißes Faltboot liegt noch im Wasser. Schade. Das Boot sah ich vorweg in Fürstenwalde liegen, das hatte mich irgendwie angesprochen. Nun sehe ich den Besitzer und hätte ihn gerne angequatscht, doch wer sich mit dem Rücken zum Wasser und Kapuze auf hinsetzt will wohl seine Ruhe haben.

    Außer ihm ist noch eine 2er Feststoff Kajakbesetzung mit Tourenzeugs unterwegs, die Kanadierfahrer habe ich nicht mehr gesehen. Später sehe ich einen Faltbootfahrer sein Zelt im Gebüsch aufschlagen, sowie eine 2er Gumotex Besatzung mit viel Gepäck wahrscheinlich auf der Suche nach einem Platz und eine Faltboot Zweierbesatzung was gerade ein Zelt abbaut. Bin also bei weitem nicht allein auf der Strecke.

    Nah nun an Berlin finde ich den nächsten Übernachtungsplatz und bin ich erstaunt, wie laut es hier schon wieder ist durch den Verkehrslärm im Hintergrund. Ich wohne mitten in der Stadt wesentlich ruhiger.

    25 km

    Samstag 30.05.20

    Diese Nacht schon besser gelernt Verkehrslärm weg zu blenden. Von daher gut geschlafen.

    Wenig später bin ich auf dem Dämeritzsee. Knackiger Wind heute und ich beschließe das Packraft nun mal auszureizen, nicht in Erkner auszusetzen und statt dessen zu schauen, ob ich nach Grünau komme. Falls nicht, lasse ich mich halt an Land treiben, packe zusammen und schieb zu den nächsten Öffentlichen. Ein paar km zu latschen mit der Karre bin ich gewohnt. Nur die Schlepperei und das Anheben der Karre bei z.B. Zugumstiegen, da streikt es bei mir langsam körperlich.
    Gosener Graben finde ich wie immer stinklangweilig. Irgendwie fühle ich mich da nicht wohl. Genauso ergeht es mir an der Schwaanhavel in Meck Pomm. Alle schwärmen davon, ich war immer froh, da durch zu sein.

    Aus dem Graben raus überlege ich am Seddinsee, ob das wirklich eine gute Idee ist mit dem Packraft jetzt da lang zu wollen. Mein Gepäck ist etwas zu hochgetürmt, weil ich beim Packen zu Hause nicht richtig nachgedacht hatte und einen falschen sprich zu großen Packsack mithabe. Voll der Windfänger. Zudem teste ich meine Boote lieber erst ohne Übernachtungsgepäck und je nachdem ohne Hund auf Tagestouren.

    Andererseits. Wenn nicht jetzt, wann denn dann? Also los. Erstmal rüber zur rechten Seite. Nach einer Weile löst sich meine Anspannung, ich bekomme mehr Vertrauen ins Packraft und jetzt macht es richtig Freude. Ich bin hellwach.

    Am Ende des Seddinsee ums Eck lande ich an. Der Hund und ich müssen mal raus. Beim wieder einsteigen kommt ein Motorboot mit Affenzahn um die Ecke angerauscht. Nun aber schnell. Ich rein, Hund rein, ins Paddel gehauen, bin gerade halb auf Fahrt und da kommt sie schon, die erste Riesenwelle vom Motorboot.
    Holla. Die hat es in sich. Es folgen noch ein paar. Macht natürlich Spaß.

    Gut. Jetzt weiß ich was das Boot kann. Das waren so ziemlich die heftigsten Wellen gewesen, die mir ein Motorboot jemals geboten hat. Ein wenig Wasser war ins Boot geschwappt.

    Überquerung Große Krampe ist happig, Uferschutz fehlt nun, doch noch gut beherrschbar. Ein Motorboot kommt langsam ran gefahren und die Leute fragen ob alles in Ordnung bei mir ist. Ich bestätige dieses und sie fahren weiter. Finde ich einen netten Zug. Muss ja auch komisch aussehen, in dem kleinen Boot.

    Nach der Querung müsste ich langsam mal rüber zur anderen Seite. Probiere ein wenig aus. Ja, Packraft in den Wind stellen und dann kann ich mich langsam rüber treiben lassen. Fange also an, mich darauf einzurichten, als ein Segler kommt. Mal in die Richtung, mal in die andere. Und dann direkt auf mich zu. Ich rufe rüber, ob der mitbekommt, dass ich hier bin. Eine hektische Wendung, er winkt mir entschuldigend rüber. Man, so eine ähnliche Szene hatte ich vor drei Jahren schon mal, da schoss ein Segler direkt auf meine Begleitung, die hinter mir paddelte zu. Da hatten wir allerdings auch den Fehler gemacht, waren nicht bunt genug gewesen und schlichtweg kaum zu sehen im Wellental. Diesmal bin ich allerdings sichtbar durch Klamotten und Packsäcke in rot, gelb und orange vertreten. Die sollen einfach mal schauen, wo sie hinfahren. Der ist mir nun leider zu unkoordiniert und ich verzieh mich wieder Richtung Ufer, von dem ich noch nicht allzu weit entfernt war. Gute Entscheidung, der Typ bekommt es echt nicht auf die Reihe, schießt weiterhin kreuz und quer, hin und her, ungeachtet dessen, dass auch noch ein paar Motorboote entlang kommen. Irgendwem davon reicht es und er staucht den Typen zusammen. Es gibt ein wenig Brüllerei auf dem Wasser. Willkommen in Berlin.

    Ich beschließe erstmal auf der rechten Seite zu bleiben und zur Not dann die Fähre rüber zur linken Seite zu nehmen. Der Wind legt noch weiter drauf und man muss es ja auch nicht übertreiben. An der schmalsten Stelle überkommt es mich allerdings doch, das Wasser ist gerade etwas ruhiger und in der Mitte ist eine Insel, die ich als Deckung nehmen kann. So komme ich gut rüber. Auf der anderen Seite habe ich es vielleicht noch 800 Meter gerade aus. Doch die haben es in sich. Es kommt wieder richtig Wind auf und ich habe den von leicht schräg vorne. Ich kämpfe mich Meter für Meter voran, einen Paddelschlag ausgesetzt und es geht gleich rasant rückwärts.
    Schaffe es tatsächlich bis hinter dem ehemaligen Westernrestaurant zum geplanten Ausstieg an der Tramhaltestelle Richtershorn. Vor mir eine Anfänger Kajak Prijon 2er Besatzung, zwei Jugendliche, die anfangen zurück zu treiben. Die haben sich das Boot wohl frisch geliehen und sind erst wenige Meter unterwegs, hatte die die ganze Zeit im Blick. So ganz verstehe ich die Bootverleiher manchmal nicht. Schwimmwesten tragen sie keine und bei so einem Wind kann man doch einfach mal abwarten. Obwohl, tat ich ja auch nicht. Was habe ich mir vorgenommen? Nicht mehr über andere Leute sich aufregen. Lohnt nicht.

    Zu Hause später nachgeschaut: Bft. 4-5. Geht also für eine Weile mit dem Packraft mal. Diese Weile bezog sich heute auf ca. 8 km, wofür ich knapp zwei Stunden brauchte.

    Insgesamt waren es 13 km.

    Nun habe ich das MRS Nomad S 1 light für meine Ansprüche durchgetestet. Cooles Teil. Bleibt.
    Finne halte ich für wichtig bei offenen Gewässern und das Gepäck hatte ich noch zweimal umgepackt gehabt, bis der Trimm gut war.

    Schöne Tour, allerdings Straßenlärm, Bahnlärm, bald endgültig Flughafenlärm und somit ist ein an sich schönes Naherholungsgebiet doch sehr beeinträchtigt. Na, mal sehen, wenn man erstmal wieder im Großstadtmodus angekommen ist, die ruhige Zeit ist vorbei, dann erscheint es mir vielleicht beim nächsten Mal alles trotzdem himmlich ruhig.
    Durch den tollen Platz den einen Tag kann ich mir zumindest die Strecke Beeskow bis Hangelsberg zukünftig wieder regelmäßig vorstellen. Und für die Drahendorfer Spree Umtrage fällt mir auch noch was ein.


    So, das war jetzt Premiere Reisebericht mit ein paar Bildern. Extra für ODS. Also ich muss sagen, dass ich es wirklich kompliziert und irgendwie anstrengend finde mit Fotos machen. Scharf bekomme ich selten hin, mit dem Sonnenstand auch nicht, ich habe dafür auch einfach keine Geduld. Hat trotzdem Spaß gemacht, es wenigstens mal zu versuchen. Immerhin habe ich jetzt nochmal einen besseren Blick dafür bekommen, was es heißt, sowas alles zu erstellen.


    *= Jübermann Verlag ist ein deutscher Wasserwege Karten Verlag und es sind in den Karten schwarze Dreiecke eingezeichnet, die auf eine gute Übernachtungsstelle außerhalb von offiziellen Plätzen hinweisen.

  2. Erfahren
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    AW: Tourenbericht Spree Beeskow-Grünau

    #2
    Zitat Zitat von Itchy ST Beitrag anzeigen
    Die Selbstbedienungsschleuse in Neuhaus gibt es leider nicht her, alleine schleusen zu können und so muss ich umtragen.
    Die Schleuße wurde ja in den letzten Jahren umgebaut. warum geht dort alleine schleußen nicht?

  3. Dauerbesucher
    Avatar von Itchy ST
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    AW: Tourenbericht Spree Beeskow-Grünau

    #3
    Sorry, meinte die Schleuse Neubrück.


    Vom Wasser aus gibt es keine Bedienungselemente, wie z.B. an manch einer Havelschleuse. Jedoch kann man auch nicht mit einer langen Leine das Boot in die Schleuse bugsieren, weil ein Sperrgitter im Weg ist. So wird es langsam kompliziert, wenn man alleine ist. Da kann ich auch gleich umtragen.

  4. Erfahren
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    AW: Tourenbericht Spree Beeskow-Grünau

    #4
    Also ähnlich wie z.B. bei der Schleuse in Leipsch, das ist schlecht gelöst für Einzelpaddler. Danke für die Auskunft. Mal sehen, wie ich das im Sommer löse, ich will mal wieder die Spree runter von Bautzen bis Berlin.

  5. AW: Tourenbericht Spree Beeskow-Grünau

    #5
    Du kannst natürlich das Obertor öffnen, dann wieder ins Boot steigen, in die Schleusenkamer fahren, hochklettern auf der Leiter, die Schleuse weiter bedienen bis das Untertor offen steht, wieder ins Boot klettern und rausfahren. Ist sehr umständlich, aber machbar.

    Bei so kleinen leichten Packrafts wäre Umtragen natürlich die viel schnellere Lösung. Ebenso für größere sportliche Gruppen. Allerdings ist mir Pfingsten dort kein einfacher bootswagentauglicher Weg aufgefallen (habe aber auch nicht genau drauf geachtet).

    Die große Gruppe Sachsen, die vor uns an der Schleuse waren, haben 3 Schleusungen gebraucht, um alle Boote durchzuschleusen.

  6. Dauerbesucher
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    AW: Tourenbericht Spree Beeskow-Grünau

    #6
    Zitat Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
    Allerdings ist mir Pfingsten dort kein einfacher bootswagentauglicher Weg aufgefallen (habe aber auch nicht genau drauf geachtet).
    Der Weg ist zuerst okay. Kam mit dem Trolley gut da lang, müsste auch mit einem Bootswagen gut gehen. Nur kommen auf der anderen Seite zum Schluss ein paar Treppenstufen. Habe jetzt leider nicht im Kopf oder drauf geachtet gehabt, ob man neben der Treppe gut runterrollern könnte.

  7. Anfänger im Forum

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    AW: Tourenbericht Spree Beeskow-Grünau

    #7
    Hallo Itchy ST,


    Was Du gesehen hast, war ein Osteuropäischer Biber = Weichsel- oder Woroneshbiber. Die sehen aus wie die hiesigen Elbebiber, haben aber ein stumpf-schwarzes Fell. Die Farbe auf dem Foto könnte passen. Aus Polen kenne ich die schwarzen, an der Spree habe ich bisher nur braune gesehen.

    Seit sie nicht mehr gejagt werden, breiten sich die Weichselbiber genauso nach Westen aus wie die Elbebiber nach Osten. Wegen den Weichselbibern haben deutsche Naturschützer damals Elbebiber im Oderbruch angesiedelt in der Hoffnung, daß die sich dort so stark vermehren, daß wanderlustige Weichselbiber schon im Oderbruch hängenbleiben, nicht weiterkommen und den Genpool an der Elbe nicht mit ihren Genen vermengen. Aber wie das so ist: egal wie viele an der Grenze stehen, ein paar von Draußen kommen immer durch...

    Du schreibst und fotografierst gut. Danke für diesen Bericht! Was ich nicht wußte, ist, daß sie gerade jetzt bissig sind.

    Viele Grüße

    Gernot

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    AW: Tourenbericht Spree Beeskow-Grünau

    #8
    Vielen Dank für den Bericht, ich habe ihn sehr gern gelesen.

  9. Dauerbesucher
    Avatar von Itchy ST
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    #9
    Zitat Zitat von Bolek Beitrag anzeigen
    Was Du gesehen hast, war ein Osteuropäischer Biber = Weichsel- oder Woroneshbiber.
    Danke dir.

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