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  1. [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August 2019

    #1
    Mitreisende: oesine63
    [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August 2019

    Land: Schweden
    Reisezeit: August 2019




    Ein paar Worte vorweg

    Warnung: Dies ist mein erster Reisebericht überhaupt. Also macht euch darauf gefasst, dass er alles andere als perfekt sein wird. Meine Bilder sind auch nur aus der Knipse und nicht nachbearbeitet. Noch dazu ist die Route weder außergewöhnlich noch sonst irgendwie ambitioniert, aber da die liebe Anne (Blahake) aus dem Forum meinte, das sei wurscht, mach ich das jetzt einfach. Wer trotzdem noch weiterliest: Willkommen!

    Ja, ich habe ihn auch. Den Virus. Nein, nicht den Scheißkerl, der jetzt unser aller Urlaubspläne durchkreuzt, sondern den Lappland-Virus, und das seit 2011. Da war ich nämlich zum ersten Mal mit einer Freundin auf dem Kungsleden und schon fast 50, Spätstarterin also. Es folgten noch einige Touren mit einem Bekannten, zwischen Abisko und Jämtland, im Sommer wie im Winter. Jetzt, fühlte ich, war die Zeit gekommen, alleine zu gehen. Ich bin zwar gerne mit anderen Leuten unterwegs, aber ich ertappte mich immer öfter dabei, mit einer Solo-Tour zu liebäugeln. Einfach nicht diskutieren müssen, wenn mir mal nach einem Faultag ist, einfach das eigene Tempo gehen, stehen bleiben können und blöd in die Gegend zu schauen, wann immer mir das passt. Essen zubereiten wann ich Hunger habe, einfach meinen Bedürfnissen folgen. Es ist gerade mal Frühling, als ich die Entscheidung treffe. Also informiere ich meinen Wanderpartner der letzten Schweden-Touren von den Solo-Plänen (d.h. ich habe nichts gegen ein Treffen irgendwo unterwegs, wenn sich unsere Wege kreuzen, aber ich will prinzipiell alleine gehen). Er bedauert, versteht aber meine Beweggründe.

    Nun geht’s ans Planen. Grundsätzlich möchte ich einen Weg gehen, den ich noch nicht kenne, der aber gut markiert ist und wo ich auch Hütten vorfinde. Zwar möchte ich das Zelt mitnehmen, aber nicht darauf angewiesen sein. In dieser Hinsicht fehlt mir einerseits die Erfahrung und andererseits bin ich eine bekennende Warmduscherin, wenn es um Zelten im Regen geht. Da sitzt die Memme dann doch lieber im Trockenen. Ein Rohentwurf der Tour ist schnell gefunden. Den Padjelantaleden hatte ich nach dem Lesen von diversen Berichten schon länger auf dem Schirm, andererseits möchte ich auch schon lange den Part des Kungsledens zwischen Saltoluokta und Kvikkjokk (wenn geht inkl. Skierffe) kennenlernen. Für beides zusammen reicht mein Urlaub nicht aus, also muss ich tricksen. Auch hier ist rasch eine Lösung gefunden. Ich werde den Teil zwischen Stáloluokta und Kvikkjokk mit dem Hubschrauber überbrücken, dann geht mein Plan auf. Das erhöht zwar die Kosten, aber ich fliege für mein Leben gerne (bisher leider nur einmal mit dem Heli, vor vielen Jahren über den Bryce Canyon/USA). Für Vorbereitung bleibt mir neben Arbeit und sonstigen Verpflichtungen immer zu wenig Zeit und schneller als mir lieb ist steht der Tag der Abreise vor der Tür.

  2. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #2
    Toll dass Du loslegst! Zumal Du dann ja noch viele Erlebnisse in Reserve hast. Und der Anfang liest sich wunderbar und macht Hunger auf mehr. Mich hat der L-Virus auch erst mit 45 erwischt...

  3. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #3
    yippie, noch mehr Schweden
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  4. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #4
    Danke euch, das macht Mut
    Morgen geht's weiter ...

  5. Dauerbesucher
    Avatar von Blahake
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    unstet
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #5


    Juhu, Du schreibst!

    Soooo schön!

  6. Erfahren

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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #6
    Oooooooh, Popcorn-Zeit
    Bin dabei

  7. Erfahren
    Avatar von Fjellfex
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #7
    Willkommen im erlauchten Kreis der ODS-Autoren!

    Auch ich habe mich durch die Einleitung nicht "abschrecken" lassen ...

    Meinerseits hatte ich Glück, vom Nordland-Virus schon im zarten Alter von 23 befallen worden zu sein - "Heilung" nicht in Sicht.

  8. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #8
    Ich freu mich dass ihr mitlest! Mit der Erlauchung lass ich mir aber noch Zeit, hab ja grad erst angefangen. Bald gehts weiter ...

  9. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #9
    15.08., Anreise
    Nach dem üblichen Packwahnsinn (was muss unbedingt mit, was bleibt doch besser da, Zelt ja oder doch nicht aufgrund bescheidener Wetterprognose, …) steht der prall gefüllte Rucksack im Vorzimmer neben seinem kleinen Bruder (der dann in Gällivare verbleibt mit all den Sachen, die ich nach der Tour für die restlichen Tage in Stockholm brauche). Abwiegen hat wenig Sinn, da alles wegen der Bestimmungen der Fluglinie noch kreuz und quer verpackt ist und erst am späten Abend in Gällivare neu sortiert wird, aber erfahrungsgemäß sind es so 17 od. 18kg.

    Mein Mann bringt mich zum Flughafen Wien Schwechat. Wie immer lässt er mich ein wenig widerwillig ziehen, vor allem wenn ich ganz alleine losziehe. Aber er kennt mich nun schon drei Jahrzehnte lang und weiß auch, dass ich einerseits mit Vernunft gesegnet bin und andererseits mir diese Touren sowieso nicht nehmen lasse. Wirklich zu schaffen macht ihm eigentlich nur die Tatsache, dass ich dort oben keine Telefonverbindung habe und er sich nicht regelmäßig meiner Unversehrtheit versichern kann. U.a. aus diesem Grund habe ich mir vor Jahren ein InReach SE zugelegt, damit ich das tägliche ok senden kann. In Sachen Technik habe ich wahrlich zwei linkslinke Hände, aber das schaffe ich gerade noch

    Am frühen Vormittag geht mein Flug nach München, dort gibt es nur einen kurzen Aufenthalt, bevor gleich der nächste Vogel nach Stockholm startet. Als der Flieger vor der Landung in Arlanda in die Wolkendecke eintaucht, gibt es ein grobes Gerumpel, dass mir ganz flau im Magen wird. Da bin ich ausnahmsweise froh, dass nur ein Schokoriegel serviert wurde


    Prachtwetter in Arlanda

    In der Sky-City genehmige ich mir eine mächtige Pizza und ein Bier (in Gällivare werde ich ob der späten Ankunft nichts mehr bekommen, abgesehen davon, dass das kulinarische Angebot dort ohnehin nicht besonders reizvoll ist). Die Pension Augustin in Gällivare, wo ich für die kommende Nacht gebucht habe, schickt einen Code für die Schlüsselbox, da die Rezeption bei meiner Ankunft nicht mehr besetzt sein wird. Das Rumgammeln mit vollem Gepäck ist etwas nervig, aber irgendwie muss ich die Zeit totschlagen. Am Terminal 2 sieht es aus wie auf einem Provinz-Busbahnhof und es ist hier zwischen den Abflügen völlig leer.


    Im Terminal 2

    Also bummle ich nochmals zurück in Terminal 3, wo ich mir vorsichtshalber noch ein wenig Geld aus dem Automaten ziehe. Wer weiß, vielleicht schlafe ich dann doch mehr in den Hütten als im Zelt, wenn das Wetter so bescheiden wird wie angekündigt.

    Ein Bus bringt die Passagiere zum Flieger.



    Es gibt einen Zwischenstop in Arvidsjaur, hier regnet es, willkommen in Lappland!


    Flughafen Arvidsjaur

    In Gällivare gegen 21:30 angekommen, wartet bereits mein vorbestelltes Taxi und bringt mich zum Pensionat Augustin. Das Zimmer ist sehr einfach, aber voll ok, bis auf die dünnen Wände, durch die man jedes Wort hört. Ich krame noch eine Weile rum, telefoniere nach Hause und falle dann irgendwann todmüde ins Bett.

  10. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #10
    Und weiter gehts ....

    16.8., Gällivare – Vaisaluokta, immer noch Anreise

    Wie erwartet habe ich nicht viel geschlafen, zu viele Gedanken drehten sich im Kreis. Ich checke die Wetterprognose bei yr.no und die ist wirklich nicht berauschend , hohe Regenwahrscheinlichkeit für die nächsten Tage, bäh! Vor einigen Jahren habe ich mein Zelt zwei Wochen durch Lappland getragen für eine einzige Nacht darin. Darauf habe ich wirklich nicht nochmal Lust, der Rucksack ist schwer genug. Da ich meine Route so gewählt habe, dass ich notfalls jede Nacht in einer Hütte verbringen kann, fällt mir die Entscheidung, Zelt und Liegematte in den „bleibt in Gällivare-Sack“ zu stecken, nicht schwer. Schlafsack (der war im Nachhinein betrachtet unnötiger Luxus) und Gaskocher (für eventuelle Mittags-Süppchen unterwegs) kommen mit. Habe ich schon erwähnt, dass ich die Packerei hasse? Ein wenig Erfahrung ist zwar da von den letzten Touren und viele Ideen/Anregungen kommen aus dem Forum. Trotzdem trage ich gefühlt immer zu viel auf dem Buckel. Ich fürchte mich ein wenig vor den ersten Tagen, in denen der Rucksack noch richtig drückt, bevor sich der Körper langsam an die Last gewöhnt.

    Bereits um 6:30 sitze ich beim Frühstück, welches ausreichend und gut ist, da gibt’s nichts zu beklagen, auch das Mädel an der Rezeption ist nett. Ich packe meinen Seesack fertig, (der meinem Rucksack beim Fliegen als Schutzsack diente) und bringe ihn ein paar hundert Meter weiter zum B&B Gällivare, wo ich nach meiner Rückkehr aus den Bergen übernachten werde. Ich hätte es einfacher haben und auch die Nacht vor dem Rückflug im Augustin buchen können, aber ich wollte einfach beide Quartiere kennenlernen. Es regnet leicht und der Weg zieht sich den Hügel hoch. Marita Johannsson, die Besitzerin des B&B, läßt mich den Sack im Keller deponieren und wünscht mir eine gute Tour. Sie möchte mich sogar noch zu einer Tasse Kaffe einladen, doch die Zeit reicht leider nicht mehr. Schnell zurück zum Pensionat Augustin, meinen Rucksack schultern und ab zum Busbahnhof. Wie gesagt, leichter Nieselregen, dazu 13°.

    Meine Zimmernachbarn, die mich letzte Nacht ein paarmal aus dem Schlaf rissen, warten auch auf den Bus nach Ritsem. Es ist ein Paar vom Bodensee und ihr 17-jähriger Sohn. Nach kurzer Wartezeit geht es los. Leider steuert diesmal nicht die bereits gewohnte ältere Dame den Bus, sondern ein dicker Mann, der ist aber nicht minder lustig.

    Als auf der Fahrt zwischendurch die Sonne durch die Wolken blinzelt, tut es mir fast leid, das Zelt zurückgelassen zu haben, aber nur fast. In den 45 Minuten Pause in Stora Sjöfallet besorge ich mir noch schnell eine Gaskartusche und ein Weckerl (=Brötchen) mit Tomate und Salat. Wer weiß wann ich das nächste Grünzeug bekomme.




    Stora Sjöfallet

    Ab da wird die Straße immer schlechter. Dass es hier so viele Schlaglöcher gibt, ist mir vorher noch nie aufgefallen.


    Blick aus dem Bus - `Áhkka in Sicht!

    Sehe zwei offensichtlich überfahrene Rentiere am Straßenrand liegen und das stimmt mich traurig. In Ritsem steige ich an der Bootsanlegestelle kurz aus dem Bus, deponiere meinen Rucksack neben der Wartehütte und weiter geht’s rauf zur Station. Es ist richtig sonnig hier bei 15°, so macht das Spaß! Dort lade ich noch schnell mein Handy voll, verschicke Nachrichten, erstehe das Bootsticket und laufe wieder runter zum Anleger.


    Die MS Storlule kommt an

    Die Überfahrt mit der MS Storlule ist wunderschön, die Áhkká immer im Blick und auf der anderen Seite die schneebedeckten Berge in Richtung Norwegen.


    Die Queen of Lapland - Áhkka


    Blick nach Westen

    Auch meinen morgigen Anstieg kann ich von hier aus schon ungefähr ausnehmen, irgendwo da links neben dem Fluss, der zu Tal stürzt.


    Irgendwo da links des Flusses geht's morgen hoch ...

    Die Wetterprognose hat leider recht behalten, schon schieben sich die ersten Wolken aus Richtung Westen heran. Die meisten Leute steigen in Änonjalme vom Boot, ich darf noch weiterfahren, da ich die Tour in Vaisaluokta beginnen werde.


    Anleger Änonjalme

    Die STF-Hütte liegt leicht erhöht zwischen den krüppeligen Birken und saftigem Moos, rundum blühen rosa Blumen (keine Ahnung wie die heißen). Die paar Höhenmeter bis zur Hütte sind schnell überwunden.




    Vaisaluokta

    Die Hütte selbst ist überraschend gut belegt, ich teile mir eine 4er-Koje mit einem äußerst netten Paar aus Südtirol. Die beiden sind auf dem Nordkalottleden unterwegs und haben ihre Wanderung als Kunstprojekt angelegt. Wir kommen sofort ins Plaudern und es wird ein sehr gemütlicher Abend. Immer wieder gehen draußen Schauer nieder und ich bin sehr froh, eine Hütte zur Verfügung zu haben. Was bin ich doch für eine Warmduscherin! Draußen teste ich mein InReach, die Kommunikation mit Zuhause funktioniert, das beruhigt (auf jeden Fall meinen Mann). Ich stromere noch ein wenig um die Hütte herum und laufe runter an den Stausee. Auf den großen Steinblöcken haben sich Landkartenflechten niedergelassen, die faszinieren mich immer wieder!




    Landkartenflechten


    Am Akkajaure

    Im Gemeinschafts- und Kochbereich haben sich inzwischen 4 nette junge Römer niedergelassen, zumindest einer von ihnen hat entsetzliche Schweißfüße. Zum Glück schlafen sie im Zelt, so eine Gestanksexplosion habe ich ja noch nie erlebt ! Trotzdem (oder vielleicht deswegen??) schlafe ich wie ein Stein.

  11. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #11
    Ich sauge ja auch jeden Satz und jede Information aus den - Gott sei Dank - diesmal erstaunlich zahlreichen Reiseberichten.
    Da bin ich ganz glücklich, auch dir auf deinen Stationen durch Lappland folgen zu dürfen.
    Wenngleich ich mich doch sehr wundern muss, dass du in dieser wunderbaren Landschaft ohne Zelt losziehst ( ich weiss, die Gewichtsersparnis ).
    Für mich, als absoluten Zelt - Enthusiasten, wäre das, nicht mal ansatzweise, eine Alternative. Ich liebe es einfach viel zu sehr.
    Schon deshalb, um einmal eine Alternative zur Hütte zu haben, denn manchmal verzieht sich so ein Schweißfuß eben nicht ins Zelt und bleibt auf der Hütte. Da würde ich ja die Krise bekommen.
    Ich freue mich und bin schon gespannt, wie es weitergeht.
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

  12. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #12
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Wenngleich ich mich doch sehr wundern muss, dass du in dieser wunderbaren Landschaft ohne Zelt losziehst ( ich weiss, die Gewichtsersparnis ).
    Für mich, als absoluten Zelt - Enthusiasten, wäre das, nicht mal ansatzweise, eine Alternative. Ich liebe es einfach viel zu sehr.
    Das glaub ich dir aufs Wort Ich träume ja auch immer davon, dass ich das Zelt irgendwo in der Pampa aufstelle, vor dem Zelt den Kocher anwerfe und verzückt in die Gegend schaue bis es mir draußen zu kalt wird. Die Realität schaut halt immer anders aus. Wie gesagt fehlt mir die Erfahrung mit Zelten. Ich weiß nicht ob ich es schaffen würde, das Ding alleine bei hartem Wind aufgestellt zu bekommen. Außerdem graut es mir davor, am Morgen ein nasses Zelt einpacken zu müssen. Auf dieser Tour habe ich es vielleicht zweimal wirklich vermisst.

    Aber ich hab ja hoffentlich noch ein wenig Zeit, zur Enthusiastin zu werden, alles ist möglich

    Ach ja, danke fürs Mitlesen, ich freue mich immer über über Kritik, ob positiv oder negativ.

  13. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #13
    Zitat Zitat von oesine63 Beitrag anzeigen
    ...rundum blühen rosa Blumen (keine Ahnung wie die heißen).

    Ich nehme an du meinst diese allgegenwärtigen Pflanzen auf dem Bild.
    Auf Schwedisch hätte ich es dir sofort sagen können: rallarros (Frei übersetzt: Eisenbahnbauer-Rose)
    Für den deutschen Namen musste ich die grosse Suchmaschine bemühen:
    Schmalblättriges Weidenrösschen

    Selber auch wieder etwas gelernt - um es sicher gleich wieder zu vergessen.

    Gruss
    Henning
    Es gibt kein schlechtes Wetter,
    nur unpassende Kleidung.

  14. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #14
    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    Ich nehme an du meinst diese allgegenwärtigen Pflanzen auf dem Bild.
    Auf Schwedisch hätte ich es dir sofort sagen können: rallarros (Frei übersetzt: Eisenbahnbauer-Rose)
    Für den deutschen Namen musste ich die grosse Suchmaschine bemühen:
    Schmalblättriges Weidenrösschen

    Selber auch wieder etwas gelernt - um es sicher gleich wieder zu vergessen.

    Gruss
    Henning
    Genau die hab ich gemeint - danke Henning!

    Ich finde die wunderschön, wußte aber auch nicht, dass man die jungen Pflanzen sogar essen kann. Vitamin C-haltig sind sie auch, davon kann man im Fjäll ja nie genug bekommen.

  15. Gerne im Forum
    Avatar von Sausemann
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #15
    Hallo Oesine,

    schön das Du schreibst. Liest sich schonmal prima bis jetzt Vielen Dank.
    Ich bin gespannt, wie der Padjelantaleden kurz vor uns aussah.

    Zitat Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Mich hat der L-Virus auch erst mit 45 erwischt...
    Das scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein. Dito

    Liebe Grüße
    Sause

  16. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #16
    Danke Sause! Na dann will ich mich mal bemühen, weiterzumachen

  17. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #17
    17.8. Endlich unterwegs! Vaisaluokta – Kutjaure, ca. 18km

    Meine Zimmerkollegen sind schon kurz nach fünf Uhr auf den Beinen, dabei aber unwahrscheinlich leise und rücksichtsvoll. Sie nutzen das tolle Licht am frühen Morgen für grandiose Fotos, ich darf die erste Ausbeute an Bildern gleich bestaunen – echt toll! Das macht mich neugierig. Ich ziehe mich schnell an und gehe an den See runter. Die Stimmung ist wirklich beeindruckend, das Wetter sieht prächtig aus und die Temperaturen sind angenehm. Das Beste von allem ist aber die Stille. Ich klettere eine Weile auf den Felsen rum und kehre dann wieder langsam zur Hütte zurück.


    Morgenstimmung am Akkajaure

    Ich freue mich auf den heutigen Tag und den „richtigen“ Beginn meiner Tour. Das Frühstück ist schnell erledigt, auch die Katzenwäsche im originellen outdoor-Badezimmer am kleinen Bächlein. Schnell habe ich die Hütttenpflichten erledigt und meine Siebensachen gepackt, auch wenn sich die Routine erst nach ein paar Tagen einstellen wird. Noch muss ich nachdenken, wo ich was hingepackt habe, wenn ich schnell was brauche. Vor der Hütte plausche ich noch mit der Stugvärdin Kerstin, die ich gestern mit den jungen Römern italienisch sprechen hörte. Sie erzählt, dass sie ein paar Jahre in Rom gelebt hat. Um Punkt 8 wuchte ich mir den Rucksack auf die Schultern und stapfe los. Der Weg ist sehr steinig und auch noch nass vom gestrigen Regen. Ich bin auf dem Nordkalottleden, juhuuu!

    Es geht durch den Birkenwald nach oben, ab und an passiert man einzelne Häuschen, bevor plötzlich das Samidorf mit der Kyrkkåta vor mir liegt. Hier werde ich von meinen Zimmernachbarn überholt, die in den nächsten Tagen den gleichen Weg wie ich haben werden. Sie sind leichtfüßig und schnell unterwegs, kein Wunder, sind sie doch in Kilpisjärvi gestartet und haben bereits ca. 300km in den Beinen, da sind die Räder schon geschmiert. Um ein paar Tage jünger sind sie natürlich auch. Schnell überquere ich die Brücke über den rauschenden Guossjájåhkå, laufe durch das Dorf und schon geht es schweißtreibend und steil nach oben.


    On the way




    Vaisaluokta Samensiedlung

    Die Brille läuft an, die linke Hüftseite verkrampft. Ich schnaufe mühsam wie eine alte Dampflok nach oben und freue mich, als sich der Birkenwald endlich lichtet. Immer wieder bleibe ich stehen und bewundere den Blick über den Akkajaure, nebenbei krieg ich wieder Luft während ich in die Gegend schaue. Bevor ich ganz oben bin, lege ich noch ein Päuschen ein und stärke mich mit einem Riegel.


    Endlich raus aus dem Wald


    Der rauschende Guossjájåhkå, oben links der Allak


    Letzter Blick zurück zum Akkajaure

    Oben am Plateau angekommen sieht es auch in Laufrichtung sehr nett aus, abgesehen von den heranziehenden Wolken. Der Weg ist ein ständiges Auf und Ab, teils steinig, teils sumpfig und bald fallen auch schon die ersten Tropfen. Als es dann ganz grau heranzieht, werfe ich den Rucksack ab und Regenjacke wie -hose über. Der Regen ist bald wieder vorbei, aber da es nicht mehr sehr weit bis zur Rasthütte ist, lasse ich es gleich an. Ich schwitze wie Sau, es geht nochmals nach oben über ein Schneefeld, auf dem sich ein paar Rentiere aufhalten. Zwei Lemminge flüchten fiepend unter die Holzplanken. Als die Rasthütte Kårsajaure zwischen den beiden Seen Guossjájávrre und Gårssåjávrre endlich in Sicht kommt, sehe ich die Südtiroler gerade von ihrer Pause dort aufbrechen. Sie werden mir die nächsten Tage immer weit voraus sein. Erschöpft komme ich an der Hütte an, die Schilder davor erzählen mir, dass ich schon mehr als die Hälfte meiner heutigen Strecke zurückgelegt habe, das tut gut! Die Schulterriemen drücken, der Gürtel scheuert mir die Hüfte auf. Gut, den Gürtel kann ich entfernen, den Rest leider nicht. Ich mache eine Pause und koche mir eine Suppe in der äußerst sauberen und aufgeräumten Hütte. Die nassgeschwitzten Klamotten werden inzwischen an die Luft gehängt. Ich genieße die Ruhe, fühle mich sauwohl und geborgen.


    Rasthütte Kårsåjaure, hinten der Allak



    Schön, denke ich mir, von nun an geht’s mehrheitlich bergab, nichts ahnend, dass damit die Probleme erst losgehen. Ich trotte gemütlich dahin, neben mir schimpft so ein Fjällpieper, rennt immer in gebührendem Abstand neben mir her und fiept ohne Ende. Tja, wie Pfiffie schon erzählt hat, kann einem so ein Kerl ganz schön den Nerv ziehen. Mich stört er weniger, ich zelte hier nicht und gerate bald außerhalb seines Hoheitsgebietes. Was erblicken da meine trüben Augen? Moltebeeren – juhuuu! Die Marmelade habe ich ja schon oft genossen, aber noch nie die frischen Früchte entdeckt. Der Rucksack wird flugs abgeworfen und ich stapfe in den Sumpf, pflücke die erste, beiße voller Wonne rein und ……. bäh! Die ist ja noch voll unreif! Mir zieht es die Mundschleimhaut zusammen, noch bevor ich sie wieder ausspucken kann. Na gut, dann eben nicht, soll halt nicht sein. Mist! Etwas enttäuscht zockle ich weiter. Zum Glück gibt es ja auch Blaubeeren und denen konnte ich noch nie widerstehen.


    Suchbild mit Vogel


    Enttäuschende Moltebeere

    Eine Brücke kommt in Sicht, nach dieser führt eine Abzweigung zum Sami-Dorf unten am Kutjaure. Der Weg führt nochmals leicht bergan und dann geht es runter ins Tal. Weit vorne sieht man bereits einen großen See, das müßte der Sallohaure sein. Eine kleine, etwas verbogene Brücke führt über einen wunderschönen Canyon mit zwei kurzen Wasserfällen, ich kann mich kaum sattsehen. Hätte ich doch das Zelt ……., ach was, geh weiter, du wolltest es so!


    Ganz hinten müsste der Sallohaure sein??


    Rangezoomt


    Soooo schön hier!


    Kutjaure und Áhkká

    Meine Fussohlen schmerzen bereits heftig und jetzt wird es erst richtig steil. Es fühlt sich an, als hätte ich Marmorplatten in den Schuhen liegen. Dieses Problem wird mich bis ans Ende der Tour verfolgen, der Orthopäde wird später feststellen, dass meine Fußgewölbe nachgegeben haben und ich dringend Einlagen benötige. Ich hatte vorher schon öfter ein komisches Gefühl, aber jetzt mit ca. 17kg mehr Gewicht wird das Problem eben akut. Hilft aber alles nix, ich muss jetzt da runter. Die Hütte kann ich schon von Weitem sehen, aber es zieht sich. Der Weg führt durch ein Birkenwäldchen und dann noch über einen Bohlenweg, wo mir noch ein Paar in Gummistiefeln begegnet. Die beiden sind Schweden, sicher schon über 70 und mit Zelt unterwegs. Ich bin beeindruckt. Noch ein paar Schritte den Hügel hoch und die Hütte steht vor mir. Es ist 14 Uhr, ich bin zufrieden für den ersten Tag.

    Die lieben Südtiroler geben mir wieder in ihrer Koje Asyl, in der Koje nebenan lebt eine Familie aus Deutschland mit 3 Kindern. Ein weiteres Zimmer wird tatsächlich von einem österreichischen Paar bewohnt. Bisher habe ich erst ganz wenige Österreicher im Fjäll getroffen, ich freu mich! Wir ratschen eine Weile, bis der Stugvärd Anders auftaucht. Diesem richte ich die Grüße von Kerstin aus Vaisaluokta aus, was ihn sichtlich freut. Er erzählt mir gleich von der Hauptattraktion von Kutjaure, der „Lagune“. Schnell schnappe ich mir mein Waschzeug und klettere in Crocs den steilen Hang runter durch das Wäldchen. Dort donnert ein Wasserfall runter und gleich daneben befindet sich eine ruhige Nische, wo sich Wasser in einem Becken sammelt, umgeben von riesigen Steinen. Ein idealer Platz. Als ich ankomme, sind zwei ältere Damen gerade fertig mit dem Waschprogramm, ich habe die Badewanne für mich allein. Raus aus den Klamotten und schnell ins frrrrrrische Wasser, Eintauchen bis zum Kragen, Abrubbeln und nochmals ins Nass. Wieder draußen auf den Steinen fühlt sich der Körper herrlich sauber und durchblutet an. Noch schnell das verschwitzte T-Shirt und die Socken waschen und dann kommt auch schon die nächste Badegesellschaft.




    Das Badezimmer

    Die Südtiroler haben inzwischen den Ofen angeheizt, die Wäsche kann super trocknen. Mit der Zeit wird es mir aber zu heiß in der Hütte. Ich schnüre nochmal die Wanderschuhe und laufe über die Brücke. Auf der anderen Seite schlendere ich stromaufwärts den kleinen Pfad zu einem Wasserfall hoch. Schön ist das, so ganz ohne Rucksack. Oben genieße ich das Rauschen und die Gischt. Eine gewaltige Schlucht hat der Fluss hier gegraben. Auf dem Rückweg schweife ich vom Weg ab und lande in einem Sumpf voller Moltebeeren. Das Paradies! Denn diese hier sind reif!!! Ich schlemme was geht. Leider starten die Mücken aufgrund der einsetzenden Dämmerung gerade jetzt einen Großangriff, welcher mich schneller als ich möchte wieder zur Hütte zurücktreibt. Ich bringe noch ein paar Moltebeeren für meine Zimmerkollegen mit, denn auch sie haben bislang nur mit unreifen Früchten Bekanntschaft gemacht.


    Abendspaziergang




    Mmmmhhhhhh!

    In der Hütte ist es immer noch zu heiß, auch weil gerade alle am Kochen sind, aber zumindest ist es mückenfrei. Außerdem fallen draußen gerade wieder die ersten Regentropfen. Ich bereite mir schnell noch ein Trekkinggericht aus dem Beutel zu und ratsche mit den anderen. Die deutsche Familie mit den drei Kindern hat morgen ihren letzten Tourtag und füllt den leftover-Schrank mit „Panzerplatten“, einer Art ungesüßter Bundeswehr-Kekse. Die Südtiroler und ich finden die gar nicht schlecht und bedienen uns. Nach ein wenig Tagebuch-Schreiben kuschle ich mich in meinen Schlafsack und bin schon bald ganz weit weg.

  18. Fuchs
    Avatar von dingsbums
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #18
    Noch ein Lappland-Bericht, schön! Ich bin ganz begeistert, wie zurzeit einer nach dem anderen entsteht. Wir waren ja ca. 3 Wochen später bei Anders, ich hatte schon wieder vergessen, wie er die Lagune angepriesen hat. Wir hatten sie an einem kalten, nassen Tag ja auch verweigert. Freue mich auf die Fortsetzung.

  19. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #19
    Lieben Dank dingsbums!
    An einem nasskalten Tag hätte ich auch die indoor-Katzenwäsche bevorzugt Aber bei halbwegs angenehmem Wetter ist die Lagune wirklich ein Erlebnis! Vielleicht klappt's ja beim nächsten Mal...

  20. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #20
    Zitat Zitat von dingsbums Beitrag anzeigen
    Noch ein Lappland-Bericht, schön! Ich bin ganz begeistert, wie zurzeit einer nach dem anderen entsteht.
    Ich nehm deinen Beitrag auch mal zum Anlass, euch allen, die gerade tolle Lappland-Berichte schreiben oder geschrieben haben, zu danken Hab den Überblick verloren, in welchen Threads ich schon Interesse bekundet habe und in welchen nicht, fühlt euch daher alle angesprochen und bedankt, bitte

    Eigentlich wollte ich dieses Jahr im August von Kvikkjokk den Padjelanta-Leden hoch und dann am Sarek-Nordrand nach Osten, und dann noch eine zweite Tour irgendwo in der Gegend anschließen, vielleicht Grenseleden/Nordkalottleden... Ich schätze die Chancen aktuell auf ~10%, daher freue ich mich umso mehr, so viele tolle Bilder hier im Forum zu sehen

    MfG, Heiko

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