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  1. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #41
    Mitreisende: oesine63
    Auch vielen Dank, Linneus! *mich geehrt fühl*

  2. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #42
    23.8., Pårte – Aktse

    Bin schon sehr früh wach, einerseits weil ich gestern früh eingeschlafen bin, andererseits weil ich sowas von für alte Mädchen muss. Ich stehe so leise als möglich auf und schleiche aus dem Zimmer. Draußen hat es kuschelige 3° und ein herrlicher Nebel steigt aus dem See, ansonsten blauer Himmel, Herz was willst du mehr? Ich lege mich nochmal ein halbes Stündchen hin und wärme mich wieder auf, bis Leben in die Bude kommt. Nach dem Frühstück packe ich zusammen und verabschiede mich von den Salzburgern und meinen kurzzeitigen Zimmergenossen. Heute habe ich eine für meine Plattfüsse große Distanz zu bewältigen, mal sehen wie es mir dabei geht.





    Kurz nach acht mache ich mich auf den Weg, dieser ist wieder unangenehm steinig. Viel auf und ab im Wald. Nach kurzer Gehzeit erzählt mir eine Infotafel, dass ich jetzt in den Sarek Nationalpark eintrete, durch den der Kungsleden ein kleines Stück lang führt. Ein paar Kilometer geht es weiter durch den Wald und über Steine und Wurzeln, immer wieder auf und ab. Nach dem letzten Steilstück muss man über schräge Felsplatten krabbeln (möchte ich nicht bei Regen und schon gar nicht bergab gehen müssen). Endlich über der Baumgrenze, ist mir wieder ein Überblick über die Landschaft vergönnt. Kurz danach bin ich oben am Pass zwischen Favnoaivve und dem kleinen Hügel Huornásj. Der Weg führt über ein ein Geröllfeld und wird dann wieder gemütlicher. Der Blick öffnet sich auf die Seen Rittak und Tjaktjajávrre. Es beginnt zu tröpfeln.

    Ich treffe einen Mann mit zwei kleinen Jungs (älter als 10 od. 11 sehen die nicht aus), die gerade eine Rast machen. Sie müssen heute noch bis Kvikkjokk laufen, da sie morgen ihren Flieger erwischen müssen. Die Jungs tun mir leid, wie sie müde auf einem Stein hocken mit ihren Kuscheltieren und kleinen Rucksäcken. Ich frage mich, ob die, wenn sie älter sind, noch Lust haben werden auf Wandern oder einfach die Schnauze voll von der offensichtlichen Überforderung






    Blick zurück zum Sjábttjakjávrre


    Rittak


    Tjaktjajávrre

    Der Regen wird stärker, ich schlüpfe in meine wasserdichte Montur und sehe zu, dass ich Meter mache. Die Landschaft ist wunderschön, noch schöner wäre sie natürlich bei Sonnenschein.


    Hängebrücke über den Jákkejágásj

    Kurz vor 12 komme ich zur keinen Raststuga im Wald, in die ich mich gerne flüchte. Kein Mensch da, aber der Ofen ist noch warm, hier haben der Mann und seine Jungs genächtigt. Ich koche mir eine Suppe mit Knäckebrot als Sättigungseinlage und gönne mir danach noch eine Rippe Marabou Schoki. Als ich nach einer knappen Stunde Pause bereits am Zusammenpacken bin, kommt ein Chinese aus Peking in die Hütte. Er hat einen superkleinen Rucksack und angeblich sogar ein Zelt darin. Wir unterhalten uns kurz, bevor ich wieder in die Regenklamotten schlüpfe und meinen Weg fortsetze.

    Der Weg geht noch kurz bergan durch den Wald und dann komme ich auf ein kleines Plateau. Der Regen lässt wieder nach und ich packe das Regenzeugs wieder in den Rucksack.

    Dann kommt der Tjahkelij in Sicht, eine Wucht von einem Berg!





    Nach dem Plateau bricht das Gelände schroff ab. Steil und steinig geht es nun bergab, dass die Knie und die Füße jubilieren. Unten im Wald angekommen geht das Auf und Ab von Neuem los, es scheint unendlich, über Brücken und über Bohlen. An einem Sumpf rieche ich schon wieder dieses After-Shave! Verdammt nochmal, wo ist der frisch rasierte Mensch, kann ja nicht sein, dass der mir immer ein paar Schritte voraus ist! Später werde ich merken, dass mir dieser spezielle Duft immer wieder an Sümpfen in die Nase steigt und nichts, aber auch gar nichts mit einem Menschen zu tun hat. Keine Ahnung was das ist, aber es riecht für mich sehr angenehm.




    Was für ein Duft!

    Dann vereinigen sich Sommer- und Winterweg und ich nehme die letzen zwei Kilometer bis zum Anleger am Laitaure unter die Sohlen. Meine Füße haben echt fertig. Im Vindskydd am Anleger sind bereits Leute, es hängen Socken zum Lüften draußen. Da ich annehme, dass es sich um Leute handelt, die hier übernachten wollen, gehe ich gleich runter zum Bootssteg. Ich hisse die Flagge und ziehe mich um, da ich ziemlich nassgeschwitzt bin. Trotz all der Kleidung wird mir a….kalt beim Warten. Die 21 km haben mir wohl doch ein bisschen Substanz geraubt.





    Das Brummen des Bootsmotors reißt mich aus meinen Gedanken. Aus dem Vindskydd kommen zwei Personen. Es ist ein junges schwedisches Paar, die entgegen meinen Vermutungen nicht hier übernachten, sondern auch nach Aktse wollen. Drei Personen steigen aus und drei wieder ein. Die Überfahrt über den Laitaure ist herrlich, wenn auch kalt. Da stehen sie vor mir in all ihrer Pracht, Tjahkelij, Nammasij und Skierffe, dem ich morgen hoffentlich einen Besuch abstatten kann.



    Auf der anderen Seite des Laitaure muss ich noch ca. 1 km über Bohlenwege leicht bergan bis zu den Hütten von Aktse laufen.



    Der Stugvärd weist mir einen Platz in der alten Hütte aus den 1930iger-Jahren zu, wo sich bereits 2 junge, bildhübsche Schwestern aus dem Allgäu mit den schönsten türkisgrünen Augen, die ich je gesehen habe, einquartiert haben. Ich ziehe ins vorerst freie Zimmer, bekomme dann noch drei junge Schwedinnen und einen ebenfalls jungen Schweden dazu. Abends gibt’s endlich wieder mal Sauna. Der Schwitzraum ist wunderbar geräumig und mit einem Fenster zum Wald ausgestattet –herrlich! Leider kann man danach nirgends ins Wasser hüpfen, aber die kalte Dusche mit eiskaltem Wasser tut’s auch. Fast alle der anwesenden Damen wollen morgen auf den Skierffe. Zum Abendessen gönne ich mir nach der üblichen Suppe mit Knäcke noch ein Varma Koppen Blåbär-Hallon. Dann bin ich bald streichfähig und verziehe mich bald ins Bett. Die drei Schwedinnen brutzeln noch irgendwas in der Pfanne und lösen dabei ein paarmal den Feueralarm aus.

  3. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #43
    24.8., Aktse – Skierffe – Aktse, ein Traum wird wahr

    Ich habe Frischluftbedarf, die Schwedinnen haben gestern Abend im Zimmer alles verdunkelt und das Fenster, das ich vorher einen Spalt geöffnet hatte, wieder geschlossen. Das ist einer der Nachteile beim Hüttenleben. Die drei sind schon sehr früh auf den Beinen, sie müssen nach dem Weg zum Skierffe ihr Boot erreichen. Der junge Schwede steht ziemlich gleichzeitig mit mir auf und wir unterhalten uns ein wenig. Er erzählt, dass er den gesamten Kungsleden von Hemavan bis Abisko in 14 Tagen laufen will, pro Tag läuft er zwischen 30 und 40km - Respekt!! Deshalb sei er gestern auch umgefallen wie ein Stück Holz. Er trägt einen Ultralight Rucksack (Hyperlite) und Trailrunner. Für mich wäre das nichts, ich bin von der Genießerfraktion, abgesehen davon, dass ich so viel Strecke pro Tag vermutlich auch nicht schaffen würde, ohne spätestens am zweiten Tag zusammenzubrechen. Trotz seines knappen Zeitrahmens trägt er seinen Teil zu den Haushaltspflichten bei – Respekt!

    Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von den Allgäuer Mädels und laufe mit angenehm leichten Mini-Rucksack los. Es ist kurz nach 8 als ich die Hütten verlasse und das Wetter ist prächtig – was für ein Glück! Gleich geht es brutal steil durch den Wald nach oben, sehr steinig ist es obendrein. Ich mag gar nicht daran denken, dass ich da morgen wieder mit vollem Rucksackgewicht hochschnaufen muss! Nach einer knappen halben Stunde bin ich oberhalb der Baumgrenze, wo der Pfad nach links zum Skierffe abzweigt. Sehr schöne Zeltplätze gibt es hier, aber leider kein Wasser, das findet sich ca. auf halber Höhe des Aufstieges, wo ein Bächlein über den Weg fließt. Dafür ist die Aussicht von hier phänomeal, wie auf einem Balkon über dem Laitaure und dem Delta des Ráhpaädno.





    Erst verläuft der Pfad relativ flach dahin, dann wird’s ein wenig nass, dann immer steiler in Stufen nach oben, großteils sehr gut zu laufen. Schon von unten sieht man, dass der Skierffe nicht der einzige Hügel ist, den man erklimmen muss, sondern dass es dazwischen noch Senken gibt. Nach ca. zwei Stunden stehe ich auf dem zweiten Hügel und kann mir nicht vorstellen, in einer weiteren Stunde ganz oben zu sein.


    Skierffe Rückseite

    Aber es gelingt, kurz nach 11 Uhr stehe ich auf dem Gipfel. Außer mir sind ca. 8-10 weitere Personen hier. Ich gehe zur Abbruchkante, an der die Felswand ca 700m fast senkrecht in die Tiefe führt. Mein erster Gedanke: So oft habe ich Bilder von hier bewundert, aber jetzt bin ich selber hier und kann diesen Ausblick mit allen Sinnen genießen! Und das tue ich ausführlich und in aller Gemütsruhe. Kann mich nicht sattsehen an diesem Naturwunder, an den verschiedenen Farbtönen der Sedimente im Delta, an den Gletschern im Westen. Ich bin so dankbar dafür, einen so schönen Tag erwischt zu haben, davon hatte ich sehr lange geträumt. Dafür nehme ich wieder gerne einige Regentage in Kauf








    Boote ankern an der Insel


    Genuss pur!

    Nach ungefähr einer Stunde Genuss mache ich mich langsam wieder auf den Rückweg. Auf einer Ebene treffe ich auf eine Herde Rentiere. Setze mich auf einen Stein und lasse sie langsam näherkommen. Die Sonne brennt mir auf die Haut, sodass mir fast mit dem T-Shirt zu warm wird.




    Ich könnte mich schief lachen, wenn die so verdutzt schauen


    Aktsekallo, ein ehemaliger Opferplatz?

    Kurz bevor ich wieder zur Kreuzung mit dem Kungsleden zurückkomme, sitzt ein junges Mädel in Unterwäsche vor ihrem Zelt an der Sonne. Als ich nach dem kniemordenden Abstieg wieder in der Hütte ankomme, hat es 20°. Ich setze mich auf die Stufen vor der Hütte und genieße die Sonne so lange, bis mich lästiges Kleinvieh nach drinnen treibt. Zwei schwedische Paare, die ich bereits in Kvikkjokk beim Frühstück sah, bauen gerade draußen ihr Zelt auf. Ich finde das so nett, wenn man manchen Leuten auf einer Tour immer wieder begegnet.

    Heute bekomme ich zwei ältere Schweden als Zimmergenossen, einer davon ist ebenfalls ein Schnellwanderer (er startete heute Morgen in Kvikkjokk!), der andere, ein ganzes Stück älter, hat nach längerer Zeit wieder mit Wandern begonnen und geht es langsam an.

    Die Sauna ist wieder das Highlight des Abends. Wieder finden nette Unterhaltungen statt. Im Laufe eines Gespräches mit einer Schwedin oute ich mich als Warmduscherin, die Zelten im Regen nicht mag und dass ich dazu stehe. Eine junge Frau aus der Schweiz meint daraufhin sinngemäß: „Was bin ich froh, dass du das sagst. Ich fühle mich immer als unkomplette Trekkerin, wenn ich in Hütten schlafe, obwohl ich das Zelt dabei habe. Aber eigentlich hast du ja Recht, man sollte Spaß bei dem haben, was man macht und kein schlechtes Gewissen, weil man seinen Idealen nicht gerecht wird“.

    Draußen stehen bereits Schäfchenwolken am Himmel, ein sicheres Zeichen für Wetterverschlechterung. Meine Zimmergenossen liegen bereits in ihren Betten, als ich zurückkomme. Ich mache mir noch schnell was zu Essen und genieße mein heute im Shop erstandenes Norrlands Guld, das die Entspannung perfekt macht

  4. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #44
    Zitat Zitat von oesine63 Beitrag anzeigen
    An einem Sumpf rieche ich schon wieder dieses After-Shave! Verdammt nochmal, wo ist der frisch rasierte Mensch, kann ja nicht sein, dass der mir immer ein paar Schritte voraus ist!
    Also der Einzige der sich laut seinen Berichten regelmäßig rasiert ist der Bernd aka Borgman

    Herrliche Bilder vom Skierffe.

  5. Erfahren
    Avatar von Fjellfex
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #45
    Auf die Gefahr hin, UL-hiker zu schockieren: auch ich habe auf Touren einen Rasierapparat dabei.

    Den von oesine beschriebenen Duft kenne ich (und wohl wir alle) gut - ich habe ihn "Irisch Moos" getauft.

  6. Dauerbesucher
    Avatar von andrea2
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #46
    Was für ein fantastischer Tag, da kann man es doch verzeihen, wenn das Wetter anfangs so nass war. Selten hat man so ein perfektes Timing.

    Ich freue mich bei jedem neuen Tag, den du einstellst, dass du dich durchgerungen hast den Bericht zu schreiben.

    Die Landschaft ist eine ganz andere als wir vier Wochen später erlebt haben.

    Besagten Moorduft kenne und lieben wir auch. Für mich ist dieser Geruch der Inbegriff für den Norden. Ganz selten einmal hat man auch hier Deutschland das Glück ihn zu riechen, dann ist man in Gedanken sofort im Fjäll. Was genau ihn verursacht, weiß ich aber auch nicht.

  7. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #47
    Zitat Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Also der Einzige der sich laut seinen Berichten regelmäßig rasiert ist der Bernd aka Borgman

    Herrliche Bilder vom Skierffe.
    Danke vobo, ich war ein wenig enttäuscht von den Fotos, aber bei Mittagslicht kriegst du eben nicht mehr. Aber ich habe die Gegend ja zum Glück nicht nur durch die Linse gesehen

  8. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #48
    Zitat Zitat von Fjellfex Beitrag anzeigen
    Auf die Gefahr hin, UL-hiker zu schockieren: auch ich habe auf Touren einen Rasierapparat dabei.

    Den von oesine beschriebenen Duft kenne ich (und wohl wir alle) gut - ich habe ihn "Irisch Moos" getauft.
    Hi Fjellfex,sehr lobenswert , aber ich verstehe jeden, der sich im Fjäll das Gestrüpp im Gesicht lässt.

  9. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #49
    Zitat Zitat von andrea2 Beitrag anzeigen
    Was für ein fantastischer Tag, da kann man es doch verzeihen, wenn das Wetter anfangs so nass war. Selten hat man so ein perfektes Timing.

    Ich freue mich bei jedem neuen Tag, den du einstellst, dass du dich durchgerungen hast den Bericht zu schreiben.

    Die Landschaft ist eine ganz andere als wir vier Wochen später erlebt haben.

    Besagten Moorduft kenne und lieben wir auch. Für mich ist dieser Geruch der Inbegriff für den Norden. Ganz selten einmal hat man auch hier Deutschland das Glück ihn zu riechen, dann ist man in Gedanken sofort im Fjäll. Was genau ihn verursacht, weiß ich aber auch nicht.
    Hi andrea2, danke für die Blumen! Das ist echt komisch, ich laufe ja auch schon jahrelang durch die Sümpfe, habe aber trotzdem noch nie vorher diesen Duft wahrgenommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich alleine unterwegs und aufnahmebereiter war ...

    OT: Sorry dass ich hier jeden Beitrag einzeln beantworte. Ich bin echt zu doof, die Beiträge mehrer Leute in eine Antwort zu packen

  10. Erfahren

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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #50
    Wunderschöner Bericht und tolle Fotos bis hierhin
    Hachja, da kommen Erinnerungen hoch. Ich bekomme selbst beim Anschauen deiner Skierffe-Fotos noch Höhenangst
    Bin gespannt, wie es weitergeht

  11. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #51
    Danke Blubbi, das freut mich sehr! Vor ein paar Jahren habe ich bei deinem Bericht mitgefiebert (das mit der Blase am Zeh war schon ein starkes Stück ). Ich hoffe ich schaffe es noch heute, weiterzuschreiben .... Lieben Gruß von der oesine

  12. Erfahren

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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #52
    Zitat Zitat von oesine63 Beitrag anzeigen
    Danke Blubbi, das freut mich sehr! Vor ein paar Jahren habe ich bei deinem Bericht mitgefiebert (das mit der Blase am Zeh war schon ein starkes Stück ). Ich hoffe ich schaffe es noch heute, weiterzuschreiben .... Lieben Gruß von der oesine
    Ja die Blase habe ich auch nie vergessen
    Aber ist seitdem ja zum Glück nicht mehr vorgekommen
    Freue mich schon auf deinen nächsten Upload

  13. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #53
    25.8., Aktse – Sitojaure

    Meine beiden Zimmergenossen stehen schon kurz nach fünf auf, ich drehe mich noch ein paarmal genüsslich um. Beim Frühstück habe ich noch ein sehr nettes Gespräch mit der jungen Schweizerin. Draußen regnet es bei einer Temperatur von 10°, der Skierffe hängt in den Wolken. Was hatte ich nur ein Glück gestern! Ich bummle noch lange herum, mache die Hütte sauber, bastle mir aus einer zurückgelassenen Schaumstoffmatte eines Kånken-Rucksackes Einlagesohlen für meine Wanderschuhe, mal sehen ob das eine Entlastung bringt.







    Die beiden schwedischen Paare, die vor den Hütten zelten, brechen trotz schlechter Sicht zum Skierffe auf. Die Stugvärdin checkt mir das Boot für 17:15 über den Sitojaure. Kurz vor zwölf schultere ich den Rucksack und stapfe im strömenden Regen los. Die Steigung ist seit gestern leider nicht weniger geworden und bald bin ich von innen und außen nass.

    Als ich über die Baumgrenze komme und die Landschaft ein wenig abflacht, kommt mir eine Frau entgegen und fragt mich wie weit es noch zu den Aktse-Hütten ist. Dann sieht sie sich um und sagt erschrocken „Huch, da sind ja überall Zelte und ich unterhalte mich die ganze Zeit mit mir selbst!“ . Da bin ich wohl nicht die einzige, die ab und zu Selbstgespräche führt, haha


    Letzter Blick zurück

    Die Sicht oben am Plateau ist nicht berauschend, etwa 20m, aber es ist leicht zu gehen. Bald klart es ein wenig auf, der Wind vertreibt den Nebel. Ziemlich steinig ist es hier oben, Rentiere kreuzen meinen Weg.





    Dann komme ich zu einer Stelle, wo mir eine Tafel erzählt, ich hätte hier die letzte Möglichkeit für Mobilempfang und könne den Bootstransport unter der Nr. …… bestellen. Nun, das Boot ist schon bestellt, aber ich könnte mich doch kurz zuhause melden, schließlich haben wir heute Hochzeitstag. Die Verbindung funktioniert tadellos und wir können kurz Neuigkeiten austauschen, das macht Freude.

    Als ich mich vor dem Weitergehen nochmal umdrehe, kommt eine männliche Gestalt auf mich zugestapft, überholt mich bald und sagt auf Englisch, er müsse sich sputen, da er ein Boot für 15 Uhr bestellt hätte. Also beschleunige ich auch meine Schritte, denn zwei Stunden früher im Trockenen zu sein, das hätte doch was.


    Sitojaure in Sicht!

    Der Weg fällt nach der steinigen Ebene steil hinab und endet wieder im Wald und viel Sumpf, die Bohlen sind teilweise kriminell schief und rutschig, dafür ist da wieder dieser himmlische Duft! Ich bin dreckig bis zu den Knien, schaffe es aber, kurz vor 15 Uhr bei der Rasthütte Svijnne anzukommen.


    Richtig schön versaut

    Neben dem Mann, der mich vorhin überholt hat, sind noch zwei Tschechen drinnen, die gerade am Essen sind. Sie haben viel selbstgedörrtes Gemüse dabei und lassen mich probieren – köstlich! Schnell merke ich, dass der andere Mann Deutscher ist. Um 15 Uhr gehen wir gemeinsam runter zum Bootssteg, da man von der Hütte aus keinen Ausblick dahin hat. Am Steg steckt eine Tafel, auf der man gerade noch das heutige Datum lesen kann, die Botschaft darunter ist völlig weggewaschen, hmmmm. Der Mann meint, er hätte nur aufs Band gesprochen, hat also auch keine Bestätigung ob wirklich jemand kommt. Wir warten eine Weile und es sieht so aus, als gäbe es heute keine Fahrten außerhalb des regulären Fahrplanes. So stapfen wir wieder zur Hütte zurück, wo sich die Tschechen gerade auf den Weg in Richtung Süden machen.

    Wir kochen Tee und plaudern, mein Gegenüber erzählt über seine nasse Tour durch’s Rapadalen. Dann kommt noch ein junges holländisches Paar in die Hütte. Es sind wieder UL-Trekker, die den gesamten Kungsleden laufen. Auch sie haben Hyperlite-Rucksäche und Trailrunner (angeblich gewöhnt man sich daran, ständig nasse Füße zu haben). Mit netten Unterhaltungen vergeht die Zeit recht schnell. In der Zwischenzeit hat auch der der Regen aufgehört und kurz nach 17 Uhr stehen wir alle am Steg und warten.









    Tatsächlich kommt das Boot und ein netter junger Same lädt Menschen und Hunde aus und uns ein. Als wir losfahren, kommt die Sonne für ein paar Augenblicke raus und sorgt für eine tolle Lichtstimmung, in Richtung Sarek sieht es wie immer sehr düster aus. Da hier im Sitojaure viele große Steine liegen und es einige Untiefen gibt, fährt das Boot im Slalom (und das nicht zu langsam). Drüben angekommen sind es nur ein paar Schritte bis zur Sitojaurestugan.





    Der Stugvärd steckt mich zu drei Schwedinnen in ein winziges Zimmer, der Mann bekommt einen Platz im noch leeren Hunderaum zugewiesen. Im Mädelszimmer hängen überall nasse Klamotten. Ich richte mich so gut es geht, auf meinem Bett ein und gehe dann in die Küche, um mir mein Essen zuzubereiten. Viel Trubel hier, aber trotzdem angenehmer als im Zimmer. Ich treffe wieder auf meinen Kurzzeit-Bekannten, der mir von seinen zahlreichen Skandinavien-Reisen erzählt und eine witzige Geschichte darüber, wie er zu seinem französischen Vornamen kam: Seine Mutter war ein großer Fan des französischen Modeschöpfers Yves Saint Laurent, konnte sich dessen Designkreationen jedoch nicht leisten, so hat sie eben ihrem Sohn den Vornamen verpasst ). Er ist ein angenehmer Gesprächspartner, so dass es ein unterhaltsamer Abend wird.

    Die selfmade-Einlagesohlen haben übrigens wenig gebracht. Ich lasse sie im Trockenraum zurück – vielleicht kann sie jemand anders brauchen.

    Im Zimmer der schwedischen Ladies ist es furchtbar stickig und heiß, da auch diese Damen alle Luken dicht gemacht haben. Kurz überlege ich, ob ich im Hundezimmer um Asyl ansuchen soll, doch meine Bedenken, als aufdringlich empfungen zu werden, halten mich schließlich davon ab. Ich begebe mich in Morpheus‘ Arme und merke schon bald nichts mehr von der dicken Luft.

  14. Erfahren

    Dabei seit
    17.01.2016
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #54
    Herrlich dein Bericht
    An die rasante Slalomfahrt über den Sitojaure kann ich mich auch noch sehr gut erinnern
    Freue mich schon auf deine Fortsetzung

  15. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #55
    Und weiter geht's ....

    26.8., Sitojaure – Saltoluokta

    Schon sehr früh am Morgen werde ich wach, meine Verdauung arbeitet auf Hochtouren und ich muss dringend raus. So leise wie möglich klettere ich vom Stockbett und schleiche nach draußen. Es tröpfelt immer noch, als ich in meinen Crocs die nassen Bohlen zum Utedass rüberbalanciere. Als ich wieder ins Zimmer zurück komme, beschlagen meine Brillen, so einen Dampf hat es da drinnen (viel nasse Wäsche und keine Frischluft). Ich schnappe meinen Fressbeutel und gehe schnurstracks in die Küche, da hier eh schon jemand herumwerkelt.

    Nach dem Frühstück sind dann auch die anderen Ladies wach und ich kann meinen Rucksack packen, ohne jemanden zu stören. Kurz vor acht laufe ich dann los, schnell durch den Birkenwald und rauf ins Fjäll, wo wieder Übersicht herrscht. Oben bleibe ich kurz stehen. Heute ist der letzte Tag meiner geplanten Tour. Die Gefühle sind zwiespältig, einerseits bin ich traurig, dass das Laufen nun bald ein Ende hat (jetzt wo mich der Rucksack kaum noch stört), andererseits freue ich mich dermaßen auf Gemüse, Salat, Brot und all die frischen Dinge, die mir in letzter Zeit gefehlt haben. Naja, es ist wie es ist, also weiter.


    Sitojaure


    Sitojaure


    Blick zurück


    Blick nach Westen

    Ich lege einen Zahn zu, da ich unbedingt einen Platz beim Abendessen in Saltoluokta ergattern will. Der Wind bläst kräftig von hinten, in Gehrichtung ist der Himmel blau, hinter mir sieht es viel düsterer aus. Es ist großteils gut zu gehen, nur ab und zu muss ich eine Querrinne runter und wieder rauf, ich komme flott voran. Links neben dem Weg hat sich der Ávtsutsjjåhkå ein tiefes Bett gegraben.








    Blick auf den mächtigen Sjäksjo


    und nochmal

    Irgendwann tun mir die Füße weh und ich sehne die Schutzhütte Avtsusjvágge herbei. Nach 2,5 Stunden ist es soweit, ich habe eine Pause verdient. In der Hütte koche ich mir nochmal ein Süppchen und mache es mir gemütlich. Bald kommt auch Yves vorbei, bleibt aber nur kurz, er will vor seiner Weiterreise mit dem Boot noch schnell sein Zelt in Saltoluokta aufbauen, damit es trocknen kann.


    Rasthütte in Sicht (Mitte rechts)





    Nach einer dreiviertel Stunde faulenzen nehme ich die letzten Kilometer unter die Sohlen. Schon von Weitem sieht man den mächtigen Lulep Gierkav trohnen, den „Hausberg“ von Saltoluokta. Weiter westlich sieht man den markanten Spitz des Slugga. Die Natur nimmt schon ganz zaghaft die Herbstfärbung an. Schön ist es hier!


    Von links nach rechts: Rásek, Slugga (im Hintergrund), Bietsávrre, Lulep Gierkav, Langas


    Es "herbstelt"


    Fast am Ziel

    Ich überhole dann noch den älteren Schweden, den ich schon in Aktse getroffen habe. Er ist langsam unterwegs, geht deshalb immer sehr früh los. Aber er hat Freude am Gehen und das ist das Wichtigste.

    Bald sehe ich auf den Langas-Stausee hinunter. Jetzt noch ein kniemörderischer Abstieg, ich tauche in den Wald hinein und dann ist es geschafft. Um 13:30 stehe ich an der Rezeption und buche ein Zimmer für zwei Nächte samt Frühstücksbuffet und Abendessen, jawoll! Da ich das Zimmer erst später beziehen kann, unterhalte ich mich noch eine Weile mit Yves, der dann per Boot und Bus seine Tour fortsetzt.

    Mein Zimmer liegt im gelben Haus „Laponia“ gleich hinter dem Haupthaus. Ich verstaue meine Stinkestiefel im Trockenraum und dusche erst mal ausgiebig. Dann miete ich mir ein großes Handtuch und gehe in die Sauna. Mit gewaschenen Haaren und teils frischen Klamotten begebe ich mich zum Dinner. Wer es noch nicht weiß: In Saltoluokta wird jeder Gast einem bestimmten Tisch zugeteilt, dann tritt das Küchenteam vor die Gäste, das Menü wird vorgestellt und die eine oder andere Anekdote zum Besten gegeben.

    An dem mir zugeteilten Tisch sitzten bereits zwei Männer, tief ins Gespräch vertieft. Dazu kommt noch ein junger Brasilianer, eine junge Frau aus Estland und neben mir nimmt Prince Harry Platz. Nein, natürlich nicht der echte, aber ein verdammt gutes lookalike aus Irland Der Brasilianer übernimmt die Moderation und so entsteht ein lebhaftes Gespräch. Auch wenn ich gezwungenen smalltalk eigentlich gar nicht mag, ist es ganz lustig. Das Essen ist wie immer ein Gedicht, dazu ein Höga Kusten Bier – mir geht es gut! Bis auf den Abstecher nach Sårjåsjaure habe ich meinen Plan umsetzen können, ich bin satt und zufrieden und schlafe bald den Schlaf der Gerechten.

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    Avatar von Blahake
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #56
    Da hätten wir echt was verpasst, wenn Du keinen Bericht geschrieben hättest! Und die schönen Bilder vom Skierffe runter!! Wow! So schön war mein Ausblick damals nicht, zwar hat bei mir das Wetter auch gepasst, aber ich habe mich nicht so nah an die Kante getraut!!

  17. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #57
    Vielen Dank blahake! Ich habe das Glück, keine Höhenangst zu haben und dafür bin ich sehr dankbar!

    Ein wenig hab ich noch - muss erst Bilder hochladen ...

  18. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #58
    27.8., Ausflug auf den Lulep Gierkav (zumindest fast)

    Ich drehe mich noch ein paarmal wohlig in den Federn um, wissend, dass ich heute vieles tun kann, aber überhaupt nichts muss. Ich muss nicht mal meinen Rucksack packen, weil ich noch eine Nacht hier bleibe – schön! Beim Frühstück treffe ich das junge schwedische Paar wieder, mit denen ich im Boot über den Laitaure nach Aktse gefahren bin. Am Tisch sitzen weiters zwei junge Frauen aus der Schweiz, sie sind Schwestern und treffen sich heute im Bus nach Vakkotavare mit ihrer Mutter, die Käsefondue im Gepäck haben wird. Ich liebe solche Geschichten !!! Für die Schweden ist die Tour heute zu Ende. Ich mag die jungen Leute und ich bin froh, dass sich auch in dieser Generation genug finden, die das Fjäll lieben.

    Auf der Treppe vor dem Haupthaus treffe ich nochmals auf den Brasilianer, der ganz verdutzt über die Bewölkung ist, verspricht ihm doch seine an sich sehr zuverlässige Wetter-App Schönwetter

    Ich gammle noch eine Weile im Zimmer rum, wasche ein paar Sachen im Waschbecken durch und hänge sie in den Trockenraum. Dann komme ich endlich in die Gänge, packe meinen kleinen UL-Rucksack und mache mich auf den Weg zum Lulep Kierkav.

    Zuerst geht es durch den herrlich duftenden Föhrenwald, dann hinauf in den Birkenwald, der mit riesigen Felsblöcken durchsetzt ist. Dazwischen murmelt ab und zu ein Bächlein, dazu die Tiefblicke auf den Langas – es ist einfach wunderschön!













    Ich vernehme aufgeregtes Geschnatter und bald sehe ich die Schülergruppe, die vor kurzer Zeit am Haus vorbeigewatschelt ist. Weiter oben lassen sie sich zu einer Pause nieder und ich überhole sie. Auf meine Frage, wohin sie gehen, antworten sie „zum See“. Ah ja, die meinen sicher den Bietsávrre, an dessen Bucht Ráseluokta ein Samendorf liegt. Weil die Kids genau an der Weggabelung lagern, merke ich erst nicht, dass ich dem falschen Weg folge, nämlich jenem, der zum Bietsávrre rüberführt. Als mir der Irrtum bewußt wird, laufe ich eben querfeldein zum richtigen. Dabei finde ich in einer Mulde einen Rentierschädel mit Geweih, auf einer Seite ganz angemoost und rötlich von irgendwelchen Beeren (?). Ich mache ein Foto und lege es zurück.





    Bald bin ich wieder auf dem richtigen Weg, der geradewegs in die Felsen führt. Es geht in Serpentinen steil nach oben. Eine Gruppe schwedischer Frauen kämpft mit dem Aufstieg, eine krabbelt auf allen Vieren, ob das wirklich das richtige Gelände für sie ist? Hoffentlich kommt sie wieder gut runter!

    Nach den Serpentinen kommt ein kleines Plateau, von dem aus man auf die andere Seite runterblicken kann, dann nochmals schweißteibende Krabbelei auf ein weiteres Plateau, auf dem auf der Karte ein kleiner See eingezeichnet ist. See ist leider keiner da, nur ein Haufen Steine, sieht aus als wäre der schon länger ausgetrocknet. Ich lasse mich nieder für eine gemütliche Pause und genieße den wunderbaren Ausblick. Ja, dieser Berg ist den Weg wert!






    Bietsávrre


    Ávtsutsjjåhkå




    Sluggá gezoomt


    Ráseluokta


    Wie viele Andere habe auch ich mein Maskottchen dabei. Darf ich vorstellen: Poldi, Reisebegleiter seit ca. 35 Jahren

    Da die Zeit aufgrund meines späten Aufbruches schon fortgeschritten ist und ich noch vor dem Abendessen in die Sauna möchte, lasse ich es gut sein und mache mich auf den Rückweg. Keine Ahnung wie weit es noch bis zum Gipfel wäre, aber zu viel für heute. Egal, so habe ich eben noch ein Ziel für etwaige weitere Aufenthalte in Saltoluokta.








    Abstieg

    Auf dem Rückweg nach den steilen Serpentinen gehe ich wieder querfeldein und suche eine Weile rum, bis ich das Geweih wiederfinde. Ich schleppe es mit, obwohl ich weiß, dass ich es sicher nicht nach Hause mitnehmen werde. Vielleicht hat ja jemand anderer eine Freude daran. Ich lehne es an die Wand des gelben Hauses.

    Vor dem Haupthaus treffe ich die zwei schwedischen Paare wieder, die in Aktse gezeltet haben, sehr nette Leute. Sie kommen aus Småland und südwestlich von Stockholm und sind schon viele Touren zusammen gelaufen.

    Beim Abendessen sitze ich an einem rein schwedischen Tisch, u.a. eine Frau, die mir bekannt vorkommt. Sie erzählt, dass sie morgen nach Sitojaure wandert, um dort ihren Dienst als Stugvärdin anzutreten. Da fällt bei mir der Groschen, ich habe sie 2011 in Sälka getroffen, als sie dort Stugvärdin war, habe sogar ein Foto von ihr und ihren beiden Kollegen gemacht – die Welt ist echt klein!

    Nach dem Zeremoniell der Küchenmannschaft wird eine alte Dame vorgestellt, die als ganz junge Frau hier in der Küche tätig war und heute mit ihrer Tochter als Gast anwesend ist. Sie wollte nochmal zurück an den Ort ihrer Jugend und erzählt rührende Geschichten aus grauer Vorzeit, leider verstehe ich nicht mal die Hälfte.

    Draußen hat es immer noch 19° als ich wieder ins Zimmer rübergehe. Laut Internet gibt es Sonnenstürme, also gute Chancen auf Nordlichter, jedoch – ihr ahnt es sicher schon – ich schlafe wie ein Baby und sollten da welche sein, ich sehe sie ganz sicher nicht

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    Avatar von Mortias
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #59
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Und die schönen Bilder vom Skierffe runter!! Wow!
    Kann mich da nur anschließen. Ich finde es ja schon faszinierend, dass Menschen zwar in vielerlei Hinsicht einen unterschiedlichen Geschmack haben, aber bei gewissen Punkten hinsichtlich landschaftlicher Ästhetik doch anscheinend oft recht ähnlich ticken. Ich hab jedenfalls noch von nie davon gelesen bzw. gehört, dass jemandem der Ausblick vom Skierffe nicht gefallen hätte.

    Und davon abgesehen natürlich auch vielen Dank für den sehr schönen Bericht. Ich finde es gerade interessant, dass Du dann auch immer ein bisschen was zu den Begegnungen und Gesprächen auf den Hütten schreibst. Das sind ja letztendlich auch alles individuelle Erlebnisse die sehr bereichend sein können und auch den Charakter der Tour durchaus prägen.

    Übrigens wollte ich gerade eben meinen Beitrag posten, da sehe ich, dass Du wieder was ergänzt hast. Klasse Bilder vom Lulep Gierkav. Wollte den auf meiner Tour eigentlich auch mitnehmen, aber leider hat mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da sehe ich mal, was mir da tolles entgangen ist.

  20. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #60
    Zitat Zitat von Mortias Beitrag anzeigen
    Übrigens wollte ich gerade eben meinen Beitrag posten, da sehe ich, dass Du wieder was ergänzt hast. Klasse Bilder vom Lulep Gierkav. Wollte den auf meiner Tour eigentlich auch mitnehmen, aber leider hat mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da sehe ich mal, was mir da tolles entgangen ist.
    Absolut! Ich hab mich im Nachhinein ein wenig geärgert, dass ich am Vormittag so viel Zeit verschlampt habe, vom Gipfel ist die Aussicht sicher atemberaubend. Bei nassem Wetter würde ich den Berg aber auch nicht gehen wollen

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